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Helen Thomson Nael Rayan
Edward Donalds Donna Trafts
999, Helen. Wie bitte?
Ja, St. Mark hat nur noch 999 Einwohner.
Starb noch jemand außer Ferguson?
Nein, aber seine Tochter zieht mit ihrem Mann weg,
sobald der Verkauf des Hauses unter Dach und Fach ist.
Woher weißt du das? Mein Laden ist die neue Poststelle.
Und das Briefgeheimnis? Wird überschätzt.
Ab heute sind wir die kleinste Stadt in Cornwall.
Womit wir definitiv keine Stadt mehr sind.
Vielleicht solltest du dir das mit dem großen Stadtjubiläum
noch mal überlegen, Frau Bürgermeister.
Kommt nicht infrage.
Auch wenn wir unter tausend Einwohner sind,
haben wir immer noch eine Kirche, einen Pub, Donnas Laden und dich.
Den ältesten Arzt Cornwalls. Sieht man dir nicht an.
Schätze, du brauchst einen Sehtest.
Und die Schule ist auch noch da.
Ja, aber langsam gehen euch die Kinder aus.
Du könntest selbst für eine steigende Geburtenrate sorgen.
Alles zu seiner Zeit. Och.
Wie lange willst den armen Edward denn noch auf die Folter spannen?
Das sagt der, der keinen Nachfolger für seine Praxis findet.
Nicht meine Schuld. Niemand will mehr freiwillig Landarzt sein.
Aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.
Ein neuer Bewerber. Wir reden heute.
Er kommt hierher? Wir reden per Internet.
Vorausgesetzt, ich begreife bis dahin,
wie das funktioniert mit dieser Kiste.
Soll ich's dir zeigen? Oh ja, bitte.
Bevor der auch noch abspringt. * Türklopfen *
Herein.
Entschuldige, Roy.
Helen? Hey.
Alles in Ordnung? Ja, ist nur eine Schutzimpfung.
Was gibt's? Der Totenschein für Freddie Ferguson.
Die Bestatter sind da. Aus London. London?
Was soll Freddie denn in London?
Für seine Tochter ist es einfacher, dort auf den Friedhof zu gehen.
Man will hier nicht mal mehr begraben sein.
Er verbrachte sein ganzes Leben hier.
Ihm wird's egal sein, wo er zu Staub zerfällt.
Freddie war nie überzeugt vom Konzept der Auferstehung.
Und offen gestanden, bin ich es auch nicht.
Gott liebt auch die, die an ihm zweifeln.
Deinen Sarg lassen wir uns nicht wegschnappen.
Den bringe ich persönlich unter die Erde.
Das ist ein großer Trost für mich.
Aber ganz so weit ist es noch nicht bei mir, schätze ich.
Wir drei bleiben St. Mark noch lange erhalten.
* Handyklingeln * Mich wirst du niemals los.
Ach... Seine Hochwohlgeboren.
Ich hätte ihm nie meine Privatnummer geben dürfen. Lord Hurrleton!
* Treibende Musik *
Lord Hurrleton, wie geht es Ihnen? - Miserabel.
Ich bin froh, dass ich Sie überhaupt anrufen konnte.
Arnold hielt den Hörer.
Und warum geht es Ihnen so abscheulich?
Ich bekomme keine Luft mehr. * Er keucht. *
Da ist dieses Pfeifen, und so ein Rasseln.
Ist wohl mein Tinnitus. - Haben Sie dieses Spray benutzt?
Zeigt keinerlei Wirkung.
Ich habe gelesen, es gibt inzwischen multiresistente Erreger.
Oh Gott, ich glühe immer noch.
Vorhin war das noch viel heißer.
Haben Sie Temperatur gemessen? - Ja.
Und, wie hoch? - Im nicht mehr messbaren Bereich.
Das Thermometer hat schlappgemacht. Nicht wahr, Arnold?
(sich räuspernd) Es ist heruntergefallen, Sir.
Genau wie Ihr Fieber, Lord Hurrleton.
Sie brauchen mich hier nicht mehr.
Wie? Wo gehen Sie hin? - Zu mir nach Hause.
Ihr Cottage wie auch Ihre Praxis sind in meinem Besitz.
Schon vergessen?
Ich lasse mir diesen Wahnsinn nicht mehr länger bieten.
Wie kommt sein Butler damit klar?
Vielleicht lässt du den Lord bei deinem Bewerber lieber außen vor.
Jetzt kannst du telefonieren.
Du musst nur noch den Kontakt hinzufügen.
Dr. Rayan.
R-a-y-a-n.
Klingt merkwürdig. Persisch.
Ich kannte mal jemanden aus dem Studium.
Seine Familie kam aus dem Iran.
Ha! Fragen wir ihn doch gleich.
"Hallo, Mr Cameron, schön, Sie zu hören.
Haben Sie es hingekriegt, mit Ihrem Computer?"
Unsere Bürgermeisterin hat mir geholfen.
Wir helfen uns hier alle gegenseitig.
Wir haben einen tollen Zusammenhalt. Wie es in einem Dörflein so ist.
(flüsternd) Stadt. In einem Städtchen.
So oder so, jedenfalls anders als in einer Metropole wie London.
"Wenn Sie mich fragen, ich möchte nur weg hier."
Oh. Oh, freut mich, das zu hören.
Also gut, Dr. Rayan, schicken Sie mir Ihr Angebot
inklusive sämtlicher Unterlagen.
Und dann ... verabreden wir uns auf einen Hausbesuch.
"Ja, wunderbar. Am liebsten schon nächste Woche."
Ich würde vorschlagen diese Woche.
"Gut, alles klar. Mach ich." Ciao.
* Er lacht. * Ja!
Ja!
Was für ein wunderbares Geburtstagsgeschenk.
Ich suche mal Edward und zünde in der Kirche eine Kerze an.
Roy, ich finde, das geht alles ein bisschen schnell.
Was mich angeht, fünf Jahre langsamer als erhofft.
Kommt dir das nicht etwas spanisch vor?
Ob spanisch oder persisch ist mir egal.
Solange er nächste Woche den Vertrag unterschreibt.
Er wollte gar nichts über die Praxis wissen. Oder das Gehalt.
Herrlich, dass er nicht nachgebohrt hat.
Ich bin ein furchtbarer Lügner.
Irgendwas stimmt nicht mit dem.
Ich hab das Gefühl, er passt nicht nach St. Mark.
Nur weil er etwas anders aussieht? Er ist meine letzte Chance.
Ich will endlich in meinen Ruhestand.
Den hast du dir auch verdient, aber ich bin mir sicher,
wir finden einen anderen, der ist es nicht, Roy.
Er ist es nicht? Ach, ich kann nicht mehr.
Ich bin zu alt. Sag das nicht.
Mach noch ein Jahr. Und ich helfe dir, einen Nachfolger zu finden.
Bitte.
(alle singen) "Happy Birthday to you!
Happy Birthday to you!
Happy Birthday, lieber Roy!
Happy Birthday to you!"
Typisch Roy. Er stellt sich taub und wartet, bis wir weg sind.
Komm raus, Roy!
Vielleicht bei einem Patienten?
Oder er bekam einen Herzinfarkt bei unserem Gesinge.
Ich geh da jetzt rein.
Da. Hier.
Hallo!
Oh nein! Roy. Herzinfarkt, sag ich doch.
Was ist los? Oh.
"Ich hasse Geburtstage." Was schreibt er?
Dass er weg ist. Mehr nicht?
Seine Sachen werden nächste Woche abgeholt.
Wir sollen ihn nicht suchen. "P.S. Tut mir leid, Helen."
Der Letzte macht das Licht aus. Das bin wohl demnächst ich.
So ein Blödsinn. Ach, ist doch wahr.
Was machen wir jetzt?
Jetzt fehlt uns der Hauptdarsteller von unserem Theaterstück.
Was guckt ihr alle mich an? Du bist unsere Bürgermeisterin.
Ja, weil sich sonst niemand gemeldet hat.
Wir dürfen die Hoffnung nicht aufgeben. Genau.
Wir brauchen ein Zeichen der Hoffnung.
St. Mark hat Zukunft.
Und deshalb: Liebe Helen... * Er räuspert sich. *
Ich wollte dich schon oft fragen, nie war der richtige Zeitpunkt.
Jetzt ist er da.
Willst du meine Frau werden? (leise) Ja...
Das hat man jetzt nicht ganz gehört, Helen.
Ja. * Jubel, Klatschen *
Edward hat dir ja keine große Wahl gelassen.
Mit seinem Antrag vor allen Leuten.
Das stand doch schon lange an. Wie romantisch.
Er ist vor mir auf die Knie gegangen.
Außerdem hat er recht: Wenn nicht jetzt, wann dann?
Solange noch ein paar Leute hier sind, um mit euch zu feiern.
Aber ob die alle warten, bis euer Nachwuchs hier mal Arzt wird?
* Möwenkreischen *
Es ist meine Schuld. Dass er dir den Antrag gemacht hat?
Nein, dass Roy abgehauen ist.
Er hatte einen Nachfolger. Ich habe ihm den ausgeredet.
Warum? Ich kenne den.
Und der ist ein schlechter Arzt?
Als ich ihn das letzte Mal gesehen habe,
hat er in einem Coffee-Shop gearbeitet.
Du hattest was mit ihm. Ah! Ein schlechter Liebhaber,
und du willst die Frauen von hier vor ihm schützen.
Kannst du einmal ernst sein? Der Mistkerl mir das Herz gebrochen.
Dabei hat alles so romantisch angefangen.
Er hat mir ein Semester lang jeden Tag
ein anderes Muster in den Milchschaum gezaubert.
Am letzten Tag des Semesters
schrieb er mir eine Nachricht auf den Becher,
ob wir uns nach seiner Schicht treffen. Und dann?
Ich hab den angeguckt und gedacht: Helen, das ist er.
Das ist der Mann deines Lebens.
Am nächsten Morgen musste ich nach Schottland,
aber er überredete mich, mit ihm nach Spanien zu trampen. Du?
Ja, es ist nicht dazu gekommen.
Ich bin zurück nach Hause in meine Studentenbude,
habe meine Sachen gepackt und bin zurück zu ihm.
Da sehe ich ihn mit 'ner anderen Frau.
Ich hab' gerade noch meinen Zug zu meiner Exkursion erwischt.
Äh, wie? Du bist abgehauen?
Warum hast du ihm keine Szene gemacht?
Oder vielleicht gab's ja auch 'ne Erklärung.
Welche? Dass er ein Mann ist, der viele Frauen hat?
Seitdem hast du ihn nie wieder gesehen oder was von ihm gehört?
Bis gestern, als er Roy anrief. Weiß Edward von ihm?
Ach Quatsch. Wozu?
Nael spielt keine Rolle mehr in meinem Leben.
Dann hast du ja auch kein Problem.
Der Typ kommt gar nicht erst her, und du hast deinen Edward.
Besser den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach.
* Heitere Musik *
Und der ist garantiert aus biologischem Anbau?
Seine Lordschaft reagiert schnell allergisch und...
Jetzt ist er biologisch vollwertig und rückstandsfrei.
Gut, ich nehme zwei Pfund. Gerne.
Morgen, Donna. Morgen.
Ach, danke. Ein Apfel? Nein, danke. Bye-bye.
Wiedersehen.
Oh, der ist für Roy.
Schicken Sie ihn zurück an den Absender.
Dr. Nael Rayan, Allgemeinmediziner.
Arnold, die Praxis gehört doch eigentlich dem Lord, oder?
Mylord. - Aus kontrolliertem Anbau?
Garantiert.
Die Post.
Der ist für Dr. Cameron.
Der feige Verräter hat mich einfach im Stich gelassen.
Ab in den Kamin damit. - Schauen Sie auf den Absender.
Ich dachte nur, es könnte ein Interessent für die Praxis sein.
Sie sind clever, Arnold. - Danke, Mylord.
Rayan.
Merkwürdiger Name.
Hm, immerhin war er in der Armee.
* Heitere Musik *
Roy?
Hallo?
Hallo?
Roy?
Helen?
Nael.
Das glaube ich ja nicht. Was machst du hier?
Mir wurde diese Praxis angeboten.
Aber Roy sollte sich doch gar nicht bei dir...
Ich meine, hat sich Dr. Cameron bei dir gemeldet?
Wie geht's ihm? Wo ist er? Keine Ahnung.
Ich, ähm, Lord Hurrleton hat mich kontaktiert.
Ihm gehört wohl das Haus.
Aber wieso... Was ist mit Dr. Cameron?
Er ist verschwunden.
Ja, verschwunden.
Einfach so? Mehr oder weniger.
Das ist Vorsehung, oder?
Dass Roy verschwindet? Dass wir uns wiedersehen.
Ich wusste, dass das irgendwann passiert.
Vorsehung hin oder her, St. Mark ist nichts für dich.
Wieso nicht? Landarzt ist kein Zuckerschlecken.
Viel Arbeit, lange Wege, wenig Verdienst.
Deswegen zieht's ja auch so wenig Ärzte raus aufs Land.
Und die Leute hier sind auch sehr speziell.
Oh ja.
Die machen es Neuankömmlingen nicht sehr leicht. Ich kenne die.
Ich bin ihre Bürgermeisterin.
Also, ehrenamtlich.
Solltest du mich dann nicht eher vielleicht überzeugen zu bleiben?
Eigentlich sollte noch sauer auf dich sein,
weil du mich damals versetzt hast.
Ich habe mir Sorgen gemacht. Warum hast du dich nie wieder gemeldet?
Ich... Ich... Ich bin so gut wie verheiratet.
Ich bin verheiratet. Ich bin wirklich vergeben.
Ach ja? * Fahrradklingel *
Da ist mein Verlobter.
Der Pfarrer?
Na, dann stell mich doch mal vor.
* Turmuhr schlägt. *
Vielen Dank. Wir hatten nie einen schöneren Erntedank-Tisch.
Edward, das ist Dr. Rayan.
Er interessiert sich für die Praxis von Roy.
Reverend Donalds, mein Verlobter. Guten Tag. Hübsches Zuhause.
Ja, unsere Kirche ist eine der schönsten der Grafschaft.
Ich zeige sie Ihnen. Danke.
Sind Sie Anglikaner? Nizari.
Wir sind eine kleine Glaubensgemeinschaft.
Vielleicht haben Sie ja von unserem Oberhaupt gehört.
Dem Aga Khan. Dem Playboy?
Nun, das war sein Großvater: Aga Khan, der Dritte.
Sie sind demnach Muslim? Ja.
Und glaube an den einen Gott, der die Welt erschuf.
Sind Sie Sunnit oder Schiit? Wir sind Schiiten.
Eine Minderheit innerhalb der schiitischen Minderheit.
Gläubige streiten sich gerne über den wahren Glauben.
Damit kennt ihr Christen euch doch aus.
Wir bringen uns aber deswegen nicht mehr um.
Bis nach Nordirland hat sich das scheinbar noch nicht rumgesprochen.
Die Ursprünge unserer Kirche gehen ja zurück bis ins 15. Jh.
Zu dieser Zeit war es eine katholische Kirche, oder?
Die Anglikanische wurde erst im 16. Jh. aus der Taufe gehoben.
Von einem Playboy, oder? Heinrich VIII...
...wollte sich scheiden lassen, und der Papst war nicht begeistert.
Das ist eine sehr verkürzte Darstellung.
Hatte er nicht sechs Frauen? Im Islam sind nur vier erlaubt.
Ja, aber nacheinander und nicht gleichzeitig.
Zwei ließ er köpfen.
Vielleicht hätten die zwei einen Harem bevorzugt? Hm?
Ich? Bevor ich mich köpfen lassen würde, vielleicht. Ansonsten nein.
Ist das nicht ein sehr akademisches Thema,
mit dem wir Dr. Rayan nicht aufhalten sollten.
Er muss ja noch zu Lord Hurrleton. Ja, natürlich. Wie ist der so?
Er ist ein ganz wunderbarer Mensch.
Etwas exzentrisch, aber sehr nett. Er hasst es nur zu warten.
Dann sollte ich los. Hat mich gefreut.
Ebenso.
Nett.
Na, der wird sich wundern.
Ja, bitte? Hallo.
Dr. Rayan. Ich habe einen Termin mit Lord Hurrleton.
Ah ja. Einen Moment bitte.
Wenn Sie die bitte überziehen würden?
* Er räuspert sich. * Dr. Rayan, eure Lordschaft.
Endlich! Guten Tag.
Sie sind Dr. Rayan? Ja, sehr erfreut.
Wo kommen Sie her? Aus St. Mark.
Ich habe mir gerade die Praxis angesehen,
die Sie mir angeboten haben.
Sie sind indischer Provenienz, oder?
Mein Ururgroßvater war einst Vizekönig von Indien.
Zum Wohle des Empires. Und der Familienkasse.
Er brachte bei seiner Rückkehr einheimische Diener mit.
Sie fühlten sich aber nie besonders wohl hier. Zu kalt, zu nass.
Das englische Wetter kann mich nicht schrecken.
Ich bin damit groß geworden. Ui, Gesundheit!
Haben Sie dieses Niesen schon länger?
Noch andere Beschwerden?
Fragen Sie lieber, welche ich nicht habe.
Mir tut alles weh: der Rücken, die Beine...
Meine Haut fühlt sich an, als würde sie in Stücken abfallen.
Sie juckt wie verrückt. Darf ich mal sehen?
Ich fürchte, es ist Hautkrebs.
Die ungleichmäßige, ah, ah, ... asymmetrische Form,
die ausgefransten Ränder...
Ich habe ähnliche Bilder gesehen. Im Internet?
Was soll ich machen ohne einen Arzt im Ort?
Ich mag gut informierte Patienten.
Es ist nichts mehr zu machen, nicht wahr?
Ist das Ihr Desinfektionsspray? Ist es ansteckend?
Muss ich in Quarantäne? Hören Sie auf, es zu benutzen.
Ihr Ausschlag ist eine allergische Reaktion auf die Inhaltsstoffe.
Ausgelöst durch übermäßigen Gebrauch.
Ich... Sind Sie sicher? Ja, ganz sicher.
Ich werde nicht sterben?
Irgendwann, aber in absehbarer Zukunft nicht.
Ich gebe Ihrem Butler ein Rezept für eine Salbe zum Auftragen.
Wenn Sie mich jetzt entschuldigen? Wo wollen Sie hin?
Zurück nach London. Sie hätten doch lieber einen weißen Arzt.
Der Lord mag keine Fremden.
Der mag noch nicht mal Einheimische.
Er wird ihm niemals die Praxis übergeben.
Was ist wichtiger? Seine Vorurteile oder einen Arzt zu quälen?
(Postbote) Hallo, ihr zwei. Ach, hallo.
Ist das für mich? Ja.
Die Kostüme. Unterschrift bitte.
Danke. Bye-bye. - (beide) Wiedersehen.
Was sagtest du? Hallo.
Hallo.
Nael?
Hallo.
Ich wollte mich nur verabschieden.
Willst du uns nicht vorstellen, Helen? Wozu?
Dr. Rayan will sich verabschieden. Donna, hallo. Mir gehört der Shop.
Freut mich. Schade, dass Sie nicht bleiben.
Ich komme wieder. Ah. Wie?
Ich muss nur meine Londoner Wohnung auflösen.
Du übernimmst die Praxis? Ja.
Ja, aber...
Der Lord mag dich?
Nun, so weit würde ich nicht gehen. Aber in der Not...
Tja, also dann. Bis bald.
Pardon.
(verträumt) Bis bald.
Spatz oder Taube?
Das sind Papageitaucher.
Wenn sich ein Paar einmal gefunden hat, bleibt es zusammen.
Für immer.
Ich glaube, wir sind auch so ein Paar.
Papageitaucher? Mhm.
* Hupen *
Oh, wer kommt denn da?
Unser neuer Doktor. Wir sollten ihn begrüßen.
Ah, aber ... in diesem Outfit?
Du ziehst dich um und ich besorge Brot und Salz. Komm.
* Türklingel *
So, was brauch ich...
Wow!
Was? (verwundert) Du siehst toll aus.
Warum hast du nicht das Kleid anbehalten?
Ich hab meine Meinung geändert. Hallo.
Siehst du, was soll das? Wir kommen ein anderes Mal wieder.
(lachend) Danke vielmals. Hi.
Helen! Hallo.
Hallo. Reverend. Edward.
Ich würde euch ja sehr gerne reinbitten.
Es ist nur noch etwas ungemütlich. Kein Problem.
Wir kommen ein anderes Mal wieder.
Herzlich willkommen in St. Mark. Bitte schön.
Wow! Ja, der Mensch lebt nicht vom Brot allein.
Ja, nach einer Weile braucht er einen Drink, oder?
Findet ihr nicht, dass er gut in unser Stück passen würde?
Lass ihn doch erst mal ankommen. Was für ein Stück?
Heinrich VIII verlieh St. Mark das Stadtrecht.
Dazu bringen wir ein Stück auf die Bühne.
Hat der Reverend geschrieben. Einige Szenen aus Heinrichs Leben.
Ah. Oh, danke.
Mit Dr. Cameron ist uns der Hauptdarsteller abgesprungen.
In diesem Fall muss ich als Nachfolger eher passen, glaub ich.
Jetzt lassen wir den Doktor sich doch erst mal in Ruhe einleben, hm?
Ja, aber... Schönen Nachmittag noch.
Dann bis demnächst hoffentlich. Vielen Dank.
Wow, wunderschönes Haus.
Danke.
Sehr geschmackvoll.
Ach, hallo, Doris. Hallo.
Freut mich. Ich bin der neue Arzt.
Tag. Das weiß sie, das weiß jeder hier.
* Romantische Klaviermusik *
Was willst du? Meine neue Heimat erkunden.
Du wohnst allein?
Ja, aber nach der Hochzeit ziehe ich zu Edward ins Pfarrhaus.
Wie lang seid ihr denn schon zusammen?
Ich wüsste nicht, was dich das angeht, Nael.
Was willst du wirklich?
Wissen, warum du damals nicht aufgetaucht bist.
Es hat nicht gepasst? Auf einmal?
Nach einer Nacht, die für uns, falls du dich noch erinnerst,
niemals enden sollte?
Sie hat aber geendet.
Eine einzige Nacht, die ewig her ist und nichts bedeutet.
Also vergiss sie einfach.
Das versuche ich schon seit über zehn Jahren,
nur gelingt es mir nicht.
Wir sehen uns.
* Heitere Musik *
Guten Morgen. (alle) Guten Morgen, Dr. Rayan.
Gibt es eine Epidemie, von der ich nichts weiß?
* Sie verneinen. * Sehr beruhigend.
Wer ist der Erste? Ach, ich.
Sonst bleibt mein Laden zu. Keine Zeitung, keine Post...
Irgendwelche Einwände? * Alle verneinen. *
Gut. Bitte.
Sie sind kerngesund, Donna. Ja, ich weiß.
Und was machen Sie dann hier?
Ich dachte, es kann nicht schaden,
wenn wir uns besser kennenlernen.
Ja, ich bin so was wie die Nachrichtenzentrale des Dorfes.
Wenn Sie irgendwelche Informationen brauchen,
können Sie mich jederzeit fragen.
Gut zu wissen.
Sie wurden gestern Abend bei unserer Bürgermeisterin gesehen.
Helen erwähnte, dass Sie sich flüchtig vom Studium kennen?
"Flüchtig"?
Soso.
Helen und der Reverend...
Ist das was Ernstes?
Eine Hochzeit ist immer was Ernstes, oder?
Meinen Sie es denn ernst?
Ja.
Dann hab ich 'ne Idee.
"Die siebte Frau"? "Die siebte Frau".
Sehr schön, sehr schön. Abend. Hallo.
Donna, Doris, hallo.
Ich dachte, die Fußstapfen sind dir zu groß?
Man wächst mit seinen Aufgaben.
Donna hat recht, das ist ein guter Einstieg in die Gemeinschaft.
* Lautlos * Da wir einen neuen Heinrich haben,
proben wir die Szenen mit ihm. Kommt mit.
Hast du noch Fragen zum Text? Nein.
Ich bin der König und verliebe mich in Helen.
Die Rolle heißt Margret. In Helen, die Margret spielt.
In Margret, von Helen gespielt.
Die auf den König trifft, der vom Pferd geworfen wird.
Sie findet ihn, es ist Liebe auf den ersten Blick.
Dann Vorhänge, bitte. Bühne, Licht, Ruhe.
Dann fangt doch einfach mal an.
Nael, du liegst ohnmächtig auf dem Boden.
Und bitte.
Seid Ihr ein Engel?
Noch niemals sah ich ein Antlitz, das so schön war.
Ihr beliebt zu scherzen. Ich bin nicht schön und Ihr seid nicht tot.
Gebt mir einen Beweis, dass ich noch lebe.
Äh, stopp, stopp. Das war jetzt sehr flüchtig.
Entschuldigung, ich bin ein schüchternes Mädchen.
Ja, aber die Begegnung erschüttert dich zutiefst. Noch mal, bitte.
Gebt mir einen Beweis, dass ich noch lebe.
* Romantische Musik *
* Er räuspert sich. *
Das war jetzt sehr überzeugend.
Vielleicht nicht ganz so doll?
Der König fiel vom Pferd und ist benommen. Außerdem sehen Kinder zu.
Nicht jetzt, bei der Aufführung. Ich glaub, ich brauch 'ne Pause.
Gut, jetzt die Szene mit dem Henker.
* Sie erschrickt. * Was fällt dir ein?
Sch... Wie bist du hier reingekommen?
Anschleichen war ein Teil meiner Ausbildung.
Was für eine Ausbildung? Beim Militär.
Die haben mein Studium bezahlt.
Als du damals nicht kamst, hatte ich keine Lust mehr,
alleine durch Spanien zu trampen,
also da hab ich mich bei denen beworben.
Dann hat es ja sein Gutes, dass ich nicht gekommen bin. Was?
Ach so, du meinst in beruflicher Hinsicht? Ja.
Nur konnte ich mich seit damals nicht mehr in eine Frau verlieben.
Hast du nicht behauptet, du hättest geheiratet?
Ja, aber nicht aus Liebe. * Es klopft. *
Mach nicht auf, bitte. * Tür wird geöffnet. *
(nervös) Hallo! Edward.
Nael? Ich...
Ich habe nur kurz nach Helen gesehen.
Sie schien mir nach der Probe ein wenig blass.
Ah ja. Ist dir auch aufgefallen? Alles in Ordnung?
Ja, alles gut. Danke für den Hausbesuch.
Wenn ich das nächste Mal ärztlichen Beistand brauche, melde ich mich.
Gut. Ja...
Dann werde ich wohl wieder gehen.
Ich dachte, wir könnten uns eine Dokumentation ansehen. Ja.
"The Cornish Chough"? Ja. Die Alpenkrähe.
Sie ist inzwischen auch an unserer Küste heimisch. Interessant.
Sie kommt nur in den Hochländern und Küstenregionen
der Paläarktis und Äthiopiens vor. Und natürlich...
(nervös lachend) In den Alpen. Was er nicht sagt.
Nun, da möchte ich wirklich nicht länger stören.
Edward, können wir das vielleicht verschieben?
Ich muss noch ein paar Klassenarbeiten korrigieren.
Und es war wirklich ein langer Tag. Ja... Ja, in Ordnung.
Keine Nebelkrähe heute? Alpenkrähe.
Na ja, sie fliegt uns ja nicht weg.
Du warst heute richtig gut bei der Probe. So... So ganz bei der Sache.
Wer träumt nicht davon, König mit sechs Frauen zu sein?
Und sei es nur auf der Bühne. Ich wollte immer nur eine.
Helen. Mhm.
Du bist ein Glückspilz. Ja, das seh ich auch so.
Du hast deine Chance genutzt.
Chance? Welche Chance?
Hat Helen dir nichts erzählt?
Wir... Wir kennen uns von früher, von der Uni.
Nein, hat sie nicht.
Komisch, oder?
Vermutlich, weil es keine Bedeutung hatte. Vermutlich.
Schönen Abend noch. Dir auch.
Mach auf, ich bin's!
Es ist dringend.
Helen? Bist du nicht mit Edward verabredet?
Woher weißt du das? Er hat eine Flasche Wein bei mir gekauft.
Bleibt denn nichts in diesem Nest geheim? Nein.
* Helen seufzt. *
Was ist denn los mit dir? Ich habe Nael fast geküsst.
Von fast kann nicht die Rede sein. Ich war da.
Nicht bei der Probe, bei mir zu Hause.
Du nahmst ihn mit nach Hause? Nein, er hat sich eingeschlichen.
Angeblich hat er das beim Militär gelernt.
Die bezahlten ihm das Studium.
Als das mit uns... Und was war jetzt bei dir?
Nichts. Zum Glück hat Edward Schlimmeres verhindert.
Zum Glück? Ja.
Das mit Nael, das ist... Das ist alles ... Fantasie.
Projektion, verklärte Vergangenheit. Edward ist real.
Wenn du das sagst. Er ist der Richtige.
Edward, dein Papageitaucher.
Ja ... mein Papageitaucher.
* Melancholische Musik *
Danke.
Mhm.
Um die Ecke...
Wo führst du mich hin? Wirst du gleich sehen.
So...
So, hier warten, Augen noch zulassen.
* Streichmusik * Und jetzt auf.
Hast du das alles arrangiert? Mhm.
Mein erster Antrag war ja eher improvisiert, und vor allem
fehlte etwas Entscheidendes:
der Ring.
Du... Sag jetzt nichts.
Mir ist gestern Abend was klar geworden. Was denn?
Wir sollten mit der Hochzeit nicht länger warten.
Das Stadtjubiläum ist das perfekte Datum für unsere Feier.
Ja? Ja.
Es sind alle da, die wir einladen müssten,
und es hätte noch einen Vorteil.
Du hättest einen Mann, der den Hochzeitstag niemals vergisst,
denn er fällt immer auf den Tag des Stadtjubiläums.
Was meinst du?
Helen?
Komm. Das ist nicht nötig, Edward.
Du warst ohnmächtig. Das muss untersucht werden.
Was ist los? Sie lief in einen Kandelaber.
Vielleicht eine Gehirnerschütterung.
Edward übertreibt immer. Lass das bitte mich entscheiden.
Ich bin doch noch gar nicht dran.
Du bist ein Notfall, dafür haben alle Verständnis. Bitte.
Entschuldigung. Wartest du bitte hier?
Es ist alles in Ordnung. Und ich bin der Arzt.
Wie ist denn das passiert?
Wie gesagt, ich bin gegen einen Kandelaber gelaufen.
Einen Kandelaber?
Edward wollte mich überraschen. Mit einem Kandelaber?
Mit einem Kandelaber und einem Kammerorchester und einem ...
... Verlobungsring.
Er schenkt dir einen Ring, und du läufst gegen einen Kandelaber?
Findest du das nicht symbolisch?
Ein klassischer Fluchtreflex.
Ach ja? Ja.
Und das siehst du mit deiner Lampe? Nein.
Das spüre ich, hier mit meinem Herzen.
Ja, darauf bin ich schon mal reingefallen.
Ich war da. Damals.
Ich bin nicht abgehauen. Ich war da, mit Sack und Pack.
Und ich hab dich gesehen, mit dieser Frau.
Und ihr habt euch geküsst. Das war Shirin.
Etwa deine Schwester? Ich habe keine.
Meine beste Freundin. Sie lieh mir Geld für die Reise.
Dafür habe ich mich bedankt.
Und du dachtest, ich hätte noch eine andere?
Ich... Ich wollte immer nur dich.
* Gefühlvolle Musik *
Was grinst du so? Reflexe funktionieren.
Gehirnerschütterung können wir ausschließen. Warte.
* Telefon klingelt. *
Lord Hurrleton, was kann ich für Sie tun?
Sie müssen kommen. (theatralisch) Sofort!
Mein Wartezimmer ist voll, und... (theatralisch) Ich sterbe.
Hm, Sie leben ja noch. Warum hat das so lange gedauert?
Warum kamen Sie nicht in die Praxis? In diesem Zustand?
So schlecht sehen Sie gar nicht aus.
Äußerlich ist vielleicht nichts zu sehen, aber da drinnen.
Darf ich dann mal hören?
Husten Sie bitte. * Er hustet übertrieben. *
Deswegen konnte ich nicht kommen.
Ich hätte die anderen Patienten nur angesteckt. Womit?
Bin ich der Arzt oder Sie?
Öffnen Sie die Vorhänge. Sehr wohl.
Auf keinen Fall, Arnold. Ich leide an einer Lichtallergie.
Die Strahlen brennen sich direkt in meine Netzhaut. Ja.
Ohne Licht kann ich Sie nicht untersuchen, Lord der Finsternis.
Wo wollen Sie hin? Zu meinen Patienten.
Für eine genauere Untersuchung kommen Sie in meine Praxis.
Ich habe das Haus seit Jahren nicht verlassen.
Dann ist es wohl mal an der Zeit.
Was gibt es da zu grinsen, Arnold?
Nichts, Mylord, gar nichts. * Er räuspert sich. *
Und was hat er gesagt? Wer?
Der Doktor. Dass meine Reflexe gut funktionieren.
Dann ist doch alles gut, oder?
Nicht?
Edward, es tut mir so leid, aber ich kann dich nicht heiraten.
* Melancholische Musik *
Es liegt nicht an dir.
Es ist wegen Nael, oder?
Er sagte mir, dass du und er...
Und dass er seine Chance nicht genutzt hat.
Offensichtlich täuscht er sich. Ich weiß es nicht.
Ich weiß nur, dass du ein großartiger Mensch und Mann bist.
Und dass mir das alles wahnsinnig leidtut.
Mir nicht.
Du warst schon mal weg zum Studium und bist zurückgekommen.
Ich werde warten. Du solltest mich hassen.
Ich liebe dich. Ich... Ich hab dich immer geliebt.
Und ich will, dass du glücklich bist.
Und wenn du es mit mir nicht werden kannst,
dann gebe ich dich lieber frei.
* Getragene Musik *
Hallo, allerseits. Die Probe ist verschoben.
(alle) Was? Edward fühlt sich nicht gut.
Soll ich nach ihm sehen? Lieber nicht.
Dann treffen wir uns morgen Abend wieder, ja?
Das ist aber schade, ich hatte mich schon so auf unseren Kuss gefreut.
Ich glaub, den müssen wir nicht mehr proben.
Nicht?
Ich wusste gar nicht, dass Helen so eine gute Schauspielerin ist.
Ist sie nicht.
* Sie jubelt, alle klatschen. *
Und Stopp. Was? Soll ich aufhören?
Ich will nur sichergehen, dass das alles kein Traum ist.
Es ist ein Traum, aber einer, der nie enden wird.
* Leidenschaftliche Musik *
Guten Morgen. Morgen.
Danke.
Für einen Moment dachte ich, ich hätte das alles nur geträumt.
Hast du nicht.
Der Tee. Oh.
Ich... Es... * Sie lachen. *
Sag du. Bitte.
Ich glaub inzwischen doch an die Vorsehung.
Die hat uns ganz schön lange warten lassen, was?
Viel zu lange.
Wie kann es sein, dass ein Mann wie du allein ist?
Ich habe eben darauf gewartet, bis mir die Richtige begegnet.
Ich meine, wiederbegegnet. * Telefon klingelt. *
Oh, da muss ich kurz rangehen.
Das ist die Sekretärin aus der Kirchengemeinde.
Hallo, Doris. Was?
Edward ist was?
Ja. Ja, ich bin schon auf dem Weg.
Was ist los? Edward geht's nicht gut.
Er ist kaum ansprechbar. Lass mich gehen. Ich bin der Arzt.
* Edward stöhnt. *
Reverend? (stöhnend) Gehen Sie weg, Doris.
* Nael räuspert sich. *
Oh, was wollen Sie denn hier?
Machen Sie doch bitte einen starken Kaffee. Gern.
Lassen Sie mich in Ruhe. Waren wir nicht beim Du?
Wie viel hast du gestern getrunken? Das geht dich nichts an.
Messwein? Ui, ui, ui.
Kein Wunder, dass es dir schlecht geht.
Kaffee wird dir guttun.
Und ein paar Kopfschmerztabletten.
Mehr kann ich nicht für dich tun.
Doch, kannst du.
Kleiner Tipp: Nimm nächstes Mal nicht so einen alten Fusel.
Wehe, du machst Helen nicht glücklich.
* Schelmische Musik *
* Handy summt. *
(leise) Donna? Hi, Helen.
Na, wie geht's? Fantastisch.
Rat mal, wo ich gerade bin. Beim Doc?
"Woher weißt du das?" Pete hat dich gesehen.
Stell dir vor, Nael hat sogar schon ein Kinderzimmer eingerichtet.
Dem scheint's ernst zu sein. Ja, nicht nur ihm.
Ich muss Schluss machen. Ich meld mich. Bis dann.
Bis später.
(Mädchen) Wer sind Sie?
Wer bist du?
Was machst du hier? Ich bin Goli. Das ist mein Zimmer.
Und das ist mein Daddy. Mami!
In meinem Zimmer steht 'ne Frau in Unterwäsche.
Oh. Kann ich Ihnen helfen?
Wer sind ... Sie?
Mrs Rayan. Und Sie?
Ich weiß, für dich war das nicht komisch,
aber die Vorstellung...
Und ich dachte, es sei Vorsehung, dass wir uns trafen.
Er muss mir doch sagen, dass er eine Frau hat. Hat er das nicht?
Für mich hörte sich das so an, als sei das vorbei.
Die haben ein Kind zusammen. Die ziehen bei ihm ein!
Warum verschweigt er mir das?
Weil du sonst garantiert nicht mit ihm ins Bett gegangen wärst.
Vorsehung hin, Vorsehung her.
Ah, guten Morgen, Pete. Danke.
Was ist denn hier ausgebrochen? Krankhafte Neugier.
Ah, Sie müssen Mrs Rayan sein.
Morgen. Und wer sind Sie?
Donna, die lokale Nachrichtenzentrale.
Mir gehört der Laden. Nehmen Sie mich zuerst dran...
Sonst gibt's keine Post, keine Zeitung.
Und keine Neuigkeiten. Sie kennen den Weg. Bitte.
Du hast dich ja schnell eingelebt. Man tut, was man kann.
Noch nichts von der Ausländerbehörde.
Hast du den Nachsendeantrag gestellt?
Praxis Dr. Rayan, was kann ich für Sie tun?
Einen Moment, bitte. Ein Lord Hurrleton.
Hören Sie? Der Doktor ist gerade sehr beschäftigt.
Ja, das kann dauern. Natürlich, richte ich ihm aus.
Sehr gerne. Auf Wiederhören.
Und? Er bittet um einen Hausbesuch.
So schnell wie möglich. Es geht um...
Leben und Tod, jaja.
Lyriker der literarischen Moderne. * Arnold räuspert sich. *
Mylord, Dr. Rayan hat...
Wollten Sie mich doch nicht auf dem Gewissen haben?
Das könnte er nicht mit seinem Hippokratischen Eid vereinbaren.
Hippo... - Hippokrates.
"In alle Häuser gehe ich zum Nutzen der Kranken hinein."
Kennen Sie, oder?
Jasemin Rayan. Medizinische Praxisassistentin.
Moment, Sie sind gar keine Ärztin?
Mund auf.
Ihr Hals sieht schon mal gut aus.
Warum ist es denn so dunkel hier?
* Zauberhafte Harfenklänge *
Sonnenschein öffnet doch sofort das Herz.
In der Tat. - Wie geht's eigentlich Ihrer Haut?
Haben Sie immer noch diese Irritationen?
Rötungen, Juckreiz? - Das ist schon viel besser.
Aber mein Puls...
Da stimmt was nicht.
Alles im grünen Bereich, würde ich sagen.
Ihnen geht's besser, oder?
Ich habe Ihnen Jasmintee mitgebracht.
Jasmin? - Der wirkt beruhigend und stimulierend auf Körper und Geist.
Kreuzworträtsel, sehr schön.
Lyriker der literarischen Moderne mit fünf Buchstaben.
Rilke. - Oh, danke.
"Ich möchte dir Blumen schenken, die man nicht ausreißen kann."
"Worte, die nicht verwelken.
Und Liebe, nicht irgendwann."
Brühen Sie dem Lord täglich zwei Kannen davon auf.
Und gönnen Sie sich auch hin und wieder eine Tasse.
Worauf warten Sie, Arnold? Setzen Sie Wasser auf.
Jasemin-Tee.
* Turmuhr schlägt. *
Hier ist Halteverbot. Können wir reden?
Nein! Warum ist die so unfreundlich?
Sie ist nett. Ich soll mich nur an die Regeln halten.
Wie anderen nichts vorzumachen, bevor man mit ihnen ins Bett geht.
Das ist deine neue Lehrerin. Sag Hallo. Hallo.
Hallo. In Unterwäsche sah sie noch schöner aus.
Geh schon mal rein, hm?
Das ist Goli. Du hast sie ja gestern kennengelernt.
Wie auch Jasemin, Golis Mutter. Deine Frau.
Und Schwägerin.
Was? Das wollte ich dir gestern erklären.
Jasemin ist die Witwe meines Bruders Navid.
Er hatte vor zwei Jahren einen Autounfall.
Das tut mir leid. Ich war im Auslandseinsatz.
Ich verließ die Armee und heiratete Jasemin,
damit sie versorgt ist, das ist bei uns so.
Familie steht bei mir an erster Stelle.
Goli ist nicht euer Kind? Nein.
Jasemin und ich, wir leben zusammen wie Bruder und Schwester.
Wir schlafen in getrennten Zimmern.
Also nicht ... miteinander? Nein, natürlich nicht.
Das möchte ich nur mit der Frau, die ich liebe.
* Schulglocke läutet. *
Ich muss leider los. Ja, klar.
Sehen wir uns später? Bei uns, zu viert, zum Essen, hm?
Ja.
Okay.
Bye. Bye.
Yes!
Übrigens, Helen kommt heute Abend zu uns.
Ach wirklich? Mhm.
Konntest du ihr alles erklären? Nun, ja, so gut wie alles.
Die Kurzfassung. Gut.
Glaubst du, sie mag Khoresht Bademjan?
Jeder liebt dein Lamm mit Auberginen.
Saft? Gerne, ja.
Es ist schön, dich so glücklich zu sehen. Ja?
Nun, ich hoffe, wir werden alle hier glücklich.
Trotz ein paar Nervensägen wie Lord Hurrleton.
Ach, so schlimm ist er doch gar nicht.
Er ist ein Hypochonder,
der mit eingebildeten Krankheiten um Aufmerksamkeit buhlt.
Sei nicht so hart mit ihm. Der Mann ist einsam.
Er braucht Hilfe und Zuneigung.
Ich mag ihn irgendwie. Er hat so was Sanftes.
Du bist zu gut für diese Welt.
Schokolade?
Pralinen?
Oder doch besser eine gute Flasche Wein?
Gott, ich sollte absagen. Das ist doch alles...
Wie wär's denn mit Champagner? Hm?
Findest du das nicht etwas übertrieben?
Ich war nie bei einem Essen mit der Frau meines Liebhabers.
Ich auch nicht.
Wie das schon klingt: "die Frau meines Liebhabers."
So richtig großstädtisch verrucht.
Ja, irgendwie passt es nicht hierher. Warum?
Wenn es für alle passt.
Es hat ja auch was Praktisches, so ein Harem.
Harem? Ja. Also, nenn es, wie du willst.
Aber er will doch auch weiterhin mit seiner Frau zusammenleben.
Und als Muslim darf er sowieso mehrere Ehefrauen haben.
Das hat ja auch seine Vorteile.
Ja? Ja, klar.
Du teilst dir alles: die Kindererziehung, den Haushalt.
Eine Freundin zum Quatschen hast du auch im Haus.
Je länger ich darüber nachdenke, desto besser gefällt mir das.
Hi, Doris. Hallo.
Hallo. Ich nehme die Flasche.
Und die nimmst du auch noch mit, für hinterher.
Gibt's was zu feiern, Helen? Ach, ähm... Ich zahle morgen, ja?
Ja.
Was kann ich für dich tun, Doris? Was wollte ich eigentlich hier?
So...
Oh, heute keinen Alkohol für mich, bitte.
Der ist nicht für dich. Versteh schon.
Ist das das Leben, das du wirklich willst?
Wie bitte? Es geht mich nichts mehr an.
Aber du hast es nicht nötig, die Nummer zwei zu sein.
Nael und ich... Der Mann ist verheiratet.
Bei mir wärst du die Erste und Einzige.
Schönen Abend noch, Edward.
Oh.
Vielen Dank für die Einladung.
Danke, aber das wäre nicht nötig gewesen.
Helen, das ist Jasemin.
Jasemin, das ist... Nun, ihr hattet ja schon kurz das Vergnügen.
Vergnügen ist das Letzte,
was auf den peinlichsten Moment meines Lebens zutrifft.
Tja, also im Nachhinein...
Das war sehr komisch. Sehr komisch und ziemlich sexy.
Also, deine Unterwäsche. Kann man hier so was kaufen?
Ah, nur online. Ach.
Beim Versand musst du aufpassen. Kein Rückgaberecht?
Doch, aber die Post landet immer bei Donna im Laden.
Die Nachrichtenzentrale. Verstehe.
Ja, dann sollten ja alle wissen, was du uns mitgebracht hast.
Ja, davon geh ich aus. * Sie lachen. *
Herzlich willkommen. Danke.
* Friedvolle Musik *
Das war so köstlich.
Mami ist die beste Köchin auf der Welt.
Ach, auf einmal. Am liebsten würde Goli jeden Tag nur Hamburger essen.
Die beiden haben lange in den USA gelebt.
Mit Navids Tod sind auch unsere Visa abgelaufen.
Wir waren plötzlich staatenlos. - Die wollten uns abschieben.
Ja, aber Nael hat uns gerettet. Stimmt's? Mhm.
Der beste Onkel auf der Welt. (gerührt) Ach.
So, mein Schatz, du gehst jetzt ins Bett. Sag den beiden gute Nacht.
Gute Nacht. Träum was Schönes.
Gute Nacht, Goli. Komm.
So entzückend. Beide. Ja.
Ich habe meinen Bruder lange Zeit beneidet.
Wie wär's mit Champagner?
Der müsste jetzt kalt sein. Lieber nicht.
Ich muss morgen ganz früh in die Schule.
Ich sollte jetzt besser nach Hause.
Du kannst gerne hier übernachten.
Eins nach dem anderen.
Und was, wenn ich mit zu dir komme?
Ich glaub, ich muss heute Nacht wirklich schlafen.
Hast du Angst, dass die Leute über uns reden?
Die reden doch sowieso die ganze Zeit. Hm.
Sagst du Jasemin danke von mir? Ja, natürlich.
Danke für den schönen Abend. Gerne, nichts zu danken.
Gute Nacht.
Gute Nacht.
Bye. Bye.
Wollte Helen nicht länger bleiben? Anscheinend nicht.
Vielleicht braucht sie mehr Zeit. Aha.
Hast du mit ihr über Shirin gesprochen? Eins nach dem anderen.
Ah.
Mylord. - Ich weiß nicht, Arnold.
Ist das wirklich so eine gute Idee?
Die vielen Patienten, eine Unmasse von Keimen.
Keine Angst, Mylord, ich werde das für Sie regeln.
* Gemurmel *
Mylord, das Wartezimmer ist leer. - Wie haben Sie das geschafft?
Mit Hilfe Ihrer Majestät, Mylord.
Wo ist diese Mrs Rayan?
Das kann ich Ihnen nicht sagen. Sie war nicht hier. - Nicht?
Bedauerlich. Eigentlich geht es mir schon wieder viel besser.
Fahren wir nach Hause. Lord Hurrleton?
Dr. Rayan. Wollen Sie zu mir?
Dumme Frage, sonst wären Sie ja nicht hier. Bitte.
Arnold, Sie warten am Wagen auf mich.
Sehr wohl, Mylord.
Das ist ja komisch, eben war es noch voll.
* Räuspern *
* Turmuhr schlägt. *
Guten Morgen. Morgen.
Morgen, Helen. War wohl eine kurze Nacht gestern, was?
Wenn es so wäre, wüsstest du es doch längst, Doris.
Die Frage ist nur, ob es dich was angeht.
(Doris) Und ob es uns was angeht. - (Frau) Wieso?
Dass die Lehrerin unserer Kinder
etwas mit dem Vater einer Schülerin hat,
finde ich nicht in Ordnung.
Und dass die Mutter des Kindes nichts dagegen hat.
Nein, sie begießen das Ganze noch mit Champagner!
Sodom und Gomorrha!
Als Lehrerin wie als Bürgermeisterin hat Helen Vorbild zu sein.
"Wer unbedacht schwatzt, verletzt wie ein durchbohrendes Schwert."
Sprüche 12, 18. Hoffentlich bis Sonntag in der Kirche.
Ihr Ausschlag ist weg
und Ihre Lichtallergie haben Sie auch überwunden.
Überwunden? Ich? Sonst hätten Sie sich nicht hierhergewagt.
Sie haben mich dazu gezwungen. Sehr nobel übrigens,
dass Sie die Witwe Ihres Bruders zu sich nehmen
und dafür sogar die Armee verließen. Sie sind informiert.
Ein Freund arbeitet im Verteidigungsministerium.
Ich hab mich schlaugemacht.
Ich will ja wissen, wem ich mein Leben anvertraue. Und?
Sie sind ein guter Arzt. Was man so hört.
Nun, meine Diagnose lautet: Sie sind auskuriert.
Ein so guter Arzt sind Sie nun auch wieder nicht.
Lord Hurrleton, Ihnen fehlt nichts.
Außer vielleicht ein paar Freunde,
eine Familie, oder irgendeine Aufgabe.
Sie unterstellen mir also, ich simuliere nur.
Nun, man kann sich Dinge auch einbilden.
Das lasse ich mir von Ihnen nicht sagen.
Sie finden selbst hinaus?
Arnold?
(Jasemin) Bitte schön. - Oh. Vielen Dank. Sehr freundlich.
Das ist Nokhodchi, ein traditioneller persischer Kuchen.
Der riecht ja wirklich vorzüglich.
Warten Sie ab, bis Sie ihn probiert haben.
Arnold, fahren Sie mich sofort nach Hause!
Sehr wohl, Mylord.
Sie entschuldigen bitte schön... - Sie essen in Ruhe Ihren Kuchen.
Sie bekommen auch ein Stück. Kommen Sie.
Freut mich, dass es Ihnen besser geht. - Ich...
Sie sehen aus, als wären Sie in einen Jungbrunnen gefallen. - Ja?
Dabei fühle ich mich gerade heute besonders schlecht.
Dr. Rayan sagt, ich sei ein Simulant.
In dem Kuchen ist Kardamon. Der beruhigt.
Ich leide an einer Gewürzallergie.
Und an Glutenunverträglichkeit. - Und, schmeckt's?
Ganz vorzüglich, aber ich neige wirklich zu allergischen Reaktionen.
Ich werde Sie im Auge behalten. - Danke.
Möchten Sie einen Tee? - Gerne.
Aber bitte ... Jasemin-Tee.
Helen, kann ich dich mal kurz sprechen? Klar.
Gehst du ein Stück mit mir?
Ich wollte dich warnen. Wovor?
St. Mark ist eine kleine verschworene Gemeinschaft.
Wenn du nicht aufpasst, kann die Stimmung schnell kippen.
Ich kann dir nicht ganz folgen.
Du hast eine Liaison mit einem Mann,
dessen Frau kein Problem damit hat.
Genau. Also wo ist das Problem?
Aber wir sind doch hier nicht in London.
Für viele hier im Ort ist das eben nicht normal.
Ach, Edward, die Zeiten ändern sich, auch in St. Mark.
Aber Vielweiberei bleibt Vielweiberei,
zumindest in diesem Kulturkreis.
In dem der Papageitaucher?
(Frau) Entschuldigen Sie, Sir? Ach, verdammt!
Oh. Oh, ist alles in Ordnung?
Ja.
Ehrlich gesagt, nein. Der Auspuff fällt immer ab.
Ach so. Ähm, ja... Da kann ich Ihnen leider nicht helfen.
Ich bin schon mit dem Ding überfordert.
Macht nichts. Kann ich Ihnen weiterhelfen?
Das wär schön. Mein Navi hat aufgegeben.
Ich suche ... Garden Lane. Wollen Sie zu Dr. Rayan?
Sieht man mir das an?
So groß ist St. Mark nicht.
Also Sie fahren die zweite rechts, und dann wieder rechts.
Danke. Mhm.
Sie sollten rot tragen. Wie bitte?
Rot ist Ihre Farbe. Das passt ganz toll zu Ihren Augen.
Jetzt werde ich gleich rot.
Ihre Sonnenschutzbrille, Mylord. - Danke, Arnold, nicht nötig.
* Schmerzenslaut * Aua!
Soll ich den Arzt rufen, Mylord? - Blödsinn.
Wo Rosen sind, da sind auch Dornen.
Morgen, Reverend. Hallo, Pete. Post für mich?
Und auch noch für ein paar andere Bewohner. Kann ich die Ihnen geben?
Donnas Laden ist noch zu. Aha?
Die Post auf der Schwelle liegen lassen, ist nicht so gut.
Geben Sie sie mir.
Danke, Reverend. Gute Fahrt.
Kann ich Ihnen helfen? Ach ja, danke.
(ächzend) Ich packe meinen Koffer einfach immer zu voll.
Ja, das kenne ich.
Sie sind Helen? Ja.
Nael hat nicht übertrieben.
Dass er mit so vielen über mich gesprochen hat.
Nur mit der allerengsten Familie.
Kenne ich Sie nicht? Ich hab Sie doch...
Ich bin Shirin, Naels Frau.
Aber ... Jasemin ist Naels Frau. Ja, seine erste.
Ich bin Ehefrau Nummer 2.
Ich dachte, Nael hat Ihnen das vielleicht erzählt... Nein?
Hey, Shirin. Hallo.
Das war Helen. Hast du gesagt, wer du bist?
Ja. Verdammt, verdammt, verdammt!
Wir haben keine Zeit! Jafar kommt. Was?
Auch das noch!
Helen, warte! Worauf? Auf deine dritte Ehefrau?
Ich wusste nicht, dass Shirin hierherkommt.
Du heiratest sie, und sie müssen sehen, wo sie bleiben. Nein.
Ist sie die Witwe deines anderen Bruders? Er hatte nur einen.
Also hast du sie nur geheiratet, weil sie so gut aussieht.
Ähm, nun ... wie soll ich sagen?
Es ist ein wenig komplizierter. Nael und ich sind nur Freunde.
Unsere Familien kennen sich...
Überraschung! Hallo, Jafar.
Mein Lieblingsschwiegersohn.
Baba... Da bist du ja.
Ich sagte Nael gerade, dass du geschäftlich in der Gegend bist.
Und da wollte ich mal nachsehen, wie ihr euch eingelebt habt.
Wieso gibst du nicht früher Bescheid?
Ich wollte euch zwei doch überraschen.
Habt ihr eine Überraschung für mich? Jafar, bitte.
Und wen haben wir hier?
Deine dritte Frau? * Helen lacht zynisch. *
Kein Mann hat so viel Glück verdient.
Helen Thompson, unsere Bürgermeisterin.
Jafar Kermani, Shirins Vater. Sehr erfreut.
Die Freude liegt auf meiner Seite. Bleiben Sie zum Essen?
Nein... Ich bestehe darauf.
Ich mach bei diesem Theater nicht mit.
Das Ganze ist, wie gesagt, ein wenig...
Lass mich raten: kompliziert?
Shirins Familie ist sehr konservativ
und hat Druck auf sie ausgeübt.
Sie zwangen sie, endlich zu heiraten.
Großherzig wie du bist, hast du dich ihrer angenommen?
Ich brachte sie aus der Schusslinie. Du Held.
Retter der Witwen... Und Lesben.
Ja, du hast richtig gehört. (betont) Shirin liebt Frauen.
Wo bin ich hier überhaupt gelandet? In Bollywood?
"Ausländerbehörde".
* Wasserkocher pfeift.*
Verzeih mir.
"...fordern wir Sie zum letzten Mal auf,
die Stellungnahme zur Klärung Ihrer Familienverhältnisse..."
Die müssen Sie probieren. Kumquats. Köstlich.
Shirins Mutter war in der Schwangerschaft verrückt danach.
Haben Sie Kinder? * Sie verneint. *
Wollen Sie welche? Ja, schon...
Warum haben Sie dann keine?
Na ja, immerhin unterrichte ich schon welche.
Für eigene Kinder fehlte mir der richtige Mann.
Das ist kaum zu glauben. Was, Nael? - Baba!
Sie haben den Richtigen gefunden. Er sitzt hier an diesem Tisch.
(Shirin) Bist du nicht etwas zu alt?
Erst wenn mich die Versuchung meidet. Soweit bin ich noch nicht.
Mein Großvater hat noch mit 60 ein Kind gezeugt.
Wieso sind bei euch keine Kinder unterwegs?
Ihr werdet auch nicht jünger. Jafar, bitte.
Wenn Allah es will, wird es passieren.
Ich bin Allah ja dankbar, dass Shirin einen Mann gefunden hat.
Wir hatten das Schlimmste befürchtet,
als sie mit dieser merkwürdigen Freundin zusammenzog. - Jane.
Ha! Ihr Name war das einzig Weibliche an ihr.
Wie sprichst du über sie?
Sie war nicht irgendeine merkwürdige Freundin, Jane war meine Freundin!
Nael, lass gut sein. Ich habe dieses Versteckspiel satt.
Ich danke dir für alles, was du für mich getan hast.
Aber ich will die Scheidung. - Bist du verrückt?
Ich war noch nie so klar!
Es gibt wunderbare Männer wie Nael, aber ich liebe Frauen.
* Er wimmert. *
Entschuldigung, aber auf mein Klingeln hat niemand geantwortet.
Lord Hurrleton. - Für Sie.
Wie schön. - Ich möchte Sie sprechen, bitte.
Haben Sie akute Beschwerden? Nein.
Nein? Dann nicht. Aber es ist wichtig.
Kommen Sie morgen in die Sprechstunde.
Wissen Sie, wir gehen jetzt besser.
Kann Jafar in diesem Zustand fahren? Ich hab versucht, ihn aufzuhalten.
Aber er will nicht mit Shirin unter einem Dach sein. Ich geh zu ihr.
Danke, dass du geblieben bist. Und auch, dass du mitgespielt hast.
Kommst du wieder mit rein?
* Traurige Musik *
Ich hab wirklich gedacht, du bist der Richtige für mich.
Aber ich weiß nicht mehr, was das Richtige ist für mich.
Ich hab das Gefühl, das ist alles zu...
Zu kompliziert? Ja, für mich.
Ich bin dann wohl doch nur ein einfaches Mädchen
aus einem kleinen Ort in Cornwall.
Aber ich will einen Mann für mich alleine.
Einen, der nur für mich da ist
und den ich mit niemandem teilen muss.
Bleib.
Ich kann nicht.
* Melancholische Klaviermusik *
Helen!
Ich... Ich liebe sie. Ich weiß.
Komm.
* Getragene Musik *
"Lieber Dr. Rayan..."
Nein. Äh...
"Sehr geehrter Dr. Rayan,
ich schätze Sie sehr als Arzt, aber..."
Blödsinn! * Glocke bimmelt. *
Sie haben geläutet, Mylord. - Das weiß ich selbst.
Ich brauche Ihren Rat. Wie wird man einen Nebenbuhler los?
Indem man größer und stärker ist,
sodass er Angst vor einem hat.
Und wenn er keine hat? - Jeder hat seinen Preis, Mylord.
Wenn er nicht käuflich ist?
Dann muss man ihn mit anderen Mitteln aus dem Weg räumen.
Sie erinnern sich an Ihren Ururgroßvater?
Reginald?
Wir sind nicht mehr im 19. Jahrhundert.
Mit Verlaub, Mylord...
Sind Sie denn auch ganz sicher, dass Mrs Rayan überhaupt Ja sagen wird?
Ach so. - Sie sollten Sie zuerst mal fragen.
Aber wie?
Oh. Ähm, Entschuldigung, aber das ist kein Pub.
Ich wollte auch gerade schließen.
Ich wünschte, ich dürfte richtiges Bier trinken. Liebeskummer?
Schön wär's. Meine Tochter treibt mich in den Wahnsinn.
Liebe wird so was von überbewertet. Ah ja?
In meiner Familie haben die wenigsten aus Liebe geheiratet.
Man arrangiert sich und jeder lebt seine kleinen Geheimnisse.
Darf ich? Wenn's hilft.
Und die Geheimnisse behält man für sich.
Wozu die Wahrheit sagen, wenn man damit den Eltern das Herz bricht?
Ein Glück, dass ihre Mutter das nicht mehr erleben muss.
Ich glaub, sie wusste es. Mütter spüren so was.
Sie meinen, dass Shirin eine Les...
Ich meine, andersrum gestrickt ist?
Und wenn schon, was ist schlimm daran?
Sie wird mir keine Enkel schenken.
Das eine schließt das andere nicht mehr aus.
Wie soll das gehen?
Da gibt's so viele Möglichkeiten heute.
Hollywood zum Beispiel. Jodie Foster.
Glücklich verheiratet mit ihrer neuen Frau.
Kein Mann, zwei Söhne. Die Welt ist bunt.
Und jetzt würde ich gern schließen, ja?
* Ruhige Klaviermusik *
* Sanfte Musik *
Hey, seit wann rauchst du denn?
Seit ich merkwürdige Nachrichten von meinem Vater kriege. Hallo?
Verflucht er dich? - Im Gegenteil.
Er schickt mir Links zu Jodie Foster.
Weil die auf Frauen steht? - Vermutlich.
Woher weiß Jafar so was? - Keine Ahnung.
Das ist aber eine gute Nachricht, oder?
Hey, guten Morgen. - Hallo.
Gut geschlafen? Nein.
Hat Helen sich gemeldet? Nein.
Hast du dich bei ihr gemeldet? Nein!
Willst du Frühstück? Nein.
Aber du musst doch was essen.
Er meldet sich schon, wenn er was braucht.
Er braucht unsere Hilfe. - Er braucht Helen.
Helen braucht auch unsere Hilfe.
Und wie stellen wir das an? - Hm...
Fragen wir den Koran.
* Lauter Knall, Scheppern *
Das Service schenkte Queen Victoria meiner Urgroßmutter zur Hochzeit.
Sind Sie verletzt, Mylord?
Ich wollte nur sichergehen, dass die Dinger noch funktionieren. Tun sie.
Reinigen und laden, Arnold.
Ich dachte, die sind aus dem 19. Jahrhundert.
Die sind nur zur Sicherheit.
Falls wir damit ... keinen Erfolg haben.
* Melancholische Musik *
* Sie seufzt. *
* Jubel und Applaus *
Ihr wärt bestimmt ein tolles Paar. - Nicht nur auf der Bühne.
Was wollt ihr hier? Mit dir über den Koran reden.
Ich hab nicht vor zu konvertieren.
Gib mal her. Also pass auf:
In Sure 2, Vers 229 ist festgelegt,
dass eine Ehefrau sich dann von ihrem Mann trennen kann,
wenn sie auf die Brautgabe verzichtet.
Ich kann kein arabisch. (Shirin) Das ist persisch, aber gut.
Du weißt, ich will die Scheidung. - Ich lasse mich auch scheiden.
Das lässt Nael nie zu. Familie ist ihm das Wichtigste.
Aber er kann nichts dagegen tun. Es steht im Koran.
Nael wird mit mir allein nicht glücklich.
Und ich... Ich kann das nicht, ein Leben im Harem.
Schau mal, wenn du dich auf die Bühne stellst,
musst du das Lampenfieber überwinden.
Bei der Liebe ist es ganz genauso.
Aber die ist dann echt und nicht gespielt.
(Shirin) Also, wovor hast du Angst?
(Jasemin) Wir haben sie falsch eingeschätzt.
Sie passt nicht zu Nael. - Ich glaube, du hast recht.
Und weißt du, was noch? - Was denn?
Sie lief damals nicht weg, weil sie mich mit Nael sah,
sondern nutzte es als Vorwand, dem Abenteuer zu entgehen.
Bloß kein Risiko. Ich...
Es gibt aber keine Liebe ohne Risiko.
(leise) Wartet.
Wartet auf mich.
Komm schon.
* Tür wird geöffnet. *
Ich liebe dich.
"Heiratet, was euch an Frauen gut ansteht, zwei, drei oder vier.
Wenn ihr fürchtet, so vielen nicht gerecht zu werden,
dann nur eine." Hm.
Wobei die Nizari eigentlich
das Ideal der Ehe zwischen einem Mann und einer Frau haben.
Euer Doc hält sich nicht an das Ideal.
Würde ich an seiner Stelle wohl auch nicht.
Pf. Und was kommt als Nächstes nach St. Mark?
Burkas und Männer in Strapsen? Gibt's schon.
Hä? Männer, die gerne Strapse tragen.
* Surren * * Sie erschrickt. *
Was die Menschen in den eigenen vier Wänden machen,
geht nur sie an.
Guten Tag. Was kann ich für Sie tun?
Wo finden wir Dr. Rayan?
Ganz sicher, so willst du heiraten? Ja.
Ja, wenn schon Harem... - ...dann richtig.
Von wegen, eher ein Hühnerhaufen. Sag mal!
Ich glaub es nicht. Was haben die gemacht?
Mein Leben ganz schön auf den Kopf gestellt.
* Es klingelt. * Ich mach auf.
Habt ihr jemanden eingeladen? Nein.
Ich auch nicht.
(Mann) Dr. Rayan?
Ja?
Einwanderungsbehörde.
Sie haben unsere Anfrage ignoriert. Welche Anfrage? Ich erhielt keine.
Wir baten Sie bezüglich des Verdachts der Scheinehe
mit der Witwe Ihres Bruders mehrfach um Stellungnahme.
Wir sehen uns gezwungen, Jasemin Rayan und ihre Tochter Goli
innerhalb von 48 Stunden aus Großbritannien auszuweisen.
Aha. Ja, ja.
Okay. Okay, vielen Dank.
Ja und, was sagt der Anwalt? Dass wir noch Glück haben.
Sonst bleiben einem nur 24 Stunden bis zur Abschiebung.
Was?
Das muss man doch verhindern können.
Indem wir legal, nach britischem Recht heiraten, sofort.
Wie soll das gehen? Helen könnte uns helfen.
Ich?
Aber ich bin doch gar keine Standesbeamtin.
Der Anwalt meint, in dringenden Fällen
kann eine Ehe auch vom Stadtoberhaupt geschlossen werden.
Aber wir wollten doch gerade heiraten.
Ja, ich weiß.
Und das ändert auch nichts für uns.
Doch, das ändert alles.
Es ist doch nur ein Stück Papier.
Das kannst du nicht von mir verlangen.
* Schritte nähern sich. *
* Knacken *
Entschuldigung.
Nicht mein Tag heute. Was ist passiert?
Ich werde weggehen.
Ich wollt's dir sagen, bevor du es von anderen erfährst.
Wann? Warum?
Weil ich nachher Nael und Jasemin trauen werde.
Damit sie und ihre Tochter nicht ausgewiesen werden.
Und weil du recht hattest.
Vielweiberei ist nichts für mich.
Aber du darfst nicht weg. St. Mark braucht dich, ich...
Die Stadt braucht Donnas Laden, einen Arzt, 'ne Kirche mit Pfarrer.
Ich bin ein schlechter Pfarrer, Helen.
Ich ließ den Brief von der Ausländerbehörde verschwinden.
Ich wollte Nael und seiner Familie schaden.
Ich dachte, dann hab ich noch 'ne Chance.
Ich zeige mich an. Ich verletzte das Briefgeheimnis.
Ach, das wird überschätzt.
Wie die Liebe.
Leb wohl, Edward.
Ich wünsche dir von Herzen, dass du dein Glück findest.
Oh, wegen Hochzeit geschlossen. - Der hat doch schon zwei Frauen.
Ach, Lord Hurrleton. Arnold.
Sie wussten wohl nicht, dass die Praxis heute zu hat.
Sagen Sie, wen heiratet der Doktor? Jasemin.
Ich denke, die sind verheiratet.
Ja, aber jetzt machen sie's nach englischem Recht.
Darum muss ich los. Ich bin Trauzeugin.
Arnold? Das werden wir verhindern.
Sehr wohl, Mylord.
* Schelmische Musik *
* Motor springt nicht an. *
* Temporeiche Musik *
* Motor springt an. *
* Temporeiche Musik setzt sich fort. *
Wie ich gesagt hab, rot ist Ihre Farbe.
Ich bin übrigens Donna. Shirin.
Freut mich. Freut mich außerordentlich.
Können wir? Das werden wir dir nie vergessen.
Wir sind hier heute zusammengekommen,
um die Hochzeit von Dr. Nael Rayan
und Jasemin Rayan zu beurkunden.
* Sie räuspert sich. *
Hat jemand der Anwesenden etwas gegen diese Hochzeit einzuwenden,
so möge er bitte sprechen oder für immer schweigen.
Ich dachte, den Satz gibt es nur in Filmen.
Und da auch nur, um Zeit zu schinden, bis die Rettung naht.
(bemüht) Gut, also frage ich Sie ...
... Dr. Nael Rayan...
Willst du mit der anwesenden Jasemin Rayan die Ehe eingehen,
so antworte mit... (Hurrleton) Nein!
Ich werde nicht zulassen, dass Sie diese Frau heiraten!
Ich fordere Sie zum Duell.
Haben Sie Fieber? Ich war noch niemals so gesund.
Welche wollen Sie?
Die sind geölt und geladen.
Wir haben keine Zeit für solche Späße.
Man spaßt nicht mit der Liebe.
Sie ... oder ich? Oh Gott...
Was soll denn das? Vorsicht.
Entschuldigung. Nix passiert.
Sie bluten.
* Er stöhnt auf. *
(betroffen) John! - Mylord.
John.
John, was machst du denn für Sachen?
John...
Aua! Stellen Sie sich nicht so an.
Ich habe Schmerzen.
Sie schossen sich in den Fuß, was erwarten Sie? Etwas Mitgefühl.
Sie dürfen diese Frau nicht heiraten.
Sie sind nicht der Richtige.
Ja, Sie sind ein Ehrenmann.
Aber Sie lieben sie nicht aufrichtig. So wie ich.
Und deshalb wollten Sie mich erschießen?
Ich wollt klare Verhältnisse.
Sollten Sie nicht zuerst Jasemin fragen?
Ja, natürlich.
Um welche Frage geht es?
Wollen Sie, Jasemin Rayan,
mit dem hier anwesenden Sir John Robert George Reginald,
Baron of Bothfield, Whitecount of Primaire,
Knight of the Garter, High Sheriff of Cornwall,
Lord Hurrleton die Ehe eingehen?
So antworten Sie bitte mit Ja.
Ja.
Dann sind Sie nunmehr
kraft Gesetzes rechtmäßig verbundene Eheleute.
Sie dürfen die Braut jetzt küssen.
(flüsternd) Das Netz. - Ah.
Dann müssen nur noch die Trauzeugen die Urkunde unterschreiben.
Hier.
* Zauberhafte Musik *
Schon schade, dass du dich nicht selbst trauen kannst.
Ach, mit uns dauerte das so lange, da müssen wir nichts überstürzen.
Meinst du? Mhm.
Noch acht Schuss, Arnold.
Ich habe einen Sohn.
Sehr wohl, Mylord. * Schuss *
Nimm gleich eine vier. Sind es Zwillinge?
Nein, aber es kommt in Kürze noch jemand hinzu.
Was?
Und ... du bist sicher? Klar bin ich sicher.
Wie schön.
Tschüss.
* Beschwingte Musik *
Untertitel im Auftrag des ZDF, 2016
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