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Original subtitles

DIE NACKTE BOURGEOISIE

Nun gut, die Tempi waren diesmal schon besser.

Nur Sie, Richter, sie waren heute wieder unglaublich zerstreut.

Für jetzt sind wir fertig. Wir sehen uns dann heute Nachmittag wieder.

Sie können gehen.

Wiedersehen.

Kommt ihr mit zum Essen?

Tschüss.

Guten Tag, entschuldigen Sie. Ich bin Mattia Morandi.

Mattia Morandi? Ah, Morandi. Stipendium für Klavier, nicht wahr?

- Ja. - Sie kommen aus Lecco? - Ja.

Ich hab im Moment keine Zeit, aber wir sehen uns ja heute Nachmittag.

- Dann besprechen wir alles. - In Ordnung.

- Bist du der Neue für Klavier? - Ja.

- Renato Richter. Willkommen. - Freut mich.

- Ich heiße Mattia Morandi. - Das hier studieren wir gerade.

Ich verstehe dich nicht. Wieso bist du ausgerechnet nach Venedig gekommen?

Das lag an meiner Mutter. Sie ist hier geboren und wollte hierher zurück.

Sie starb, bevor ich den Wettbewerb begann.

Ich musste annehmen, verstehst du?

Mit dem Stipendium kann ich mich wenigstens über Wasser halten.

- Meine Familie ist nicht reich. - Das lässt sich von meiner auch nicht sagen.

Wir sind auch nicht aus Venedig. Wir kommen aus Triest.

Aber wir haben an vielen Orten gewohnt. In Wien, in Deutschland.

Mein Vater starb, als ich noch klein war und hat uns nichts hinterlassen.

Meine Mutter hat dann angefangen zu arbeiten.

Als Junge beherrschte ich mehrere Sprachen.

Aber heute hab ich das meiste vergessen.

- Als mein Vater starb, war ich erst 2. - Das ist ja fantastisch!

- Was hast du denn? - Ja, ich meine, all diese Gemeinsamkeiten.

Mein Vater soll unerträglich gewesen sein. So gesehen war es also ein Glück für mich.

Entschuldige einen Moment.

Ich war leider unpünktlich, entschuldige. Dabei hab ich mich so beeilt.

Aber ich kann einfach nicht pünktlich sein. Du kennst mich ja.

- Ich nehme mir immer zu viel vor und dann... - Das ist Mattia Morandi.

Ein neuer Mitschüler am Konservatorium.

- Freut mich sehr. - Das ist Carla. Meine Mutter.

- Deine Mutter? - Ja, Renato ist mein Sohn. Wieso wundert es Sie so?

Nun, ich habe Sie für eine Freundin oder Schwester gehalten.

Ich war 17, als er geboren wurde. Jetzt dürfen Sie nachrechnen.

Er ist gewissermaßen meine Jugendsünde, nicht wahr?

So nennt man das doch, oder?

- Allerdings eine, auf die man stolz sein kann. - Mach mich nicht verlegen.

- Komm, gehen wir. - Auf Wiedersehen, Morandi.

- Auf Wiedersehen. - Ciao, Mattia. - Ciao.

Also, was ist? Kommst du nun mit?

Nein, ich hab keine Lust.

- Darf man stören? - Wer ist da?

Einen Augenblick.

Oh, entschuldige. Die Tür war offen.

- Was denn, genierst du dich etwa? - Nein, nein.

- Hast du eingekauft? - Eingekauft? Nein, das ist für dich.

- Für mich? - Das ist von Carla. Keine Ahnung, was da drin ist.

Ich bin nur der Überbringer.

Eine Decke? Bei der Hitze?

Carla ist immer vorsorgend.

Es ist zwar erst Juli, aber sie denkt schon an den Winter.

- Magst du Gebäck? - Ja, aber hör mal, Renato.

Ich kann doch nicht all diese Sachen von deiner Mutter annehmen.

Sag nicht "Mutter". Wir nennen sie einfach Carla.

Sie sagt, "Mutter" sei ein Wort für alte Leute.

Und "Mama" kann sie noch weniger leiden. Das ist ihr zu spießig.

- Hast du das schon gelesen? - Nein, noch nicht.

- Aber es soll hervorragend sein. - Da siehst du es.

Carla ist sogar um deine Bildung besorgt.

Ich muss wieder los, mach's gut.

Noch eins, morgen um ein Uhr erwarten wir dich zum Essen,

und sag jetzt nicht, du hättest etwas vor. Morgen ist Sonntag.

- Ich komme gern. - Ciao. - Ciao.

Leider haben wir kein Personal mehr. Ich kann es mir einfach nicht leisten.

Aber das war einmal anders, Mattia.

Früher hatten wir bis zu drei Dienstmädchen.

Jetzt bricht bei ihr wieder der Größenwahn durch.

Tut mir leid, Carla. Wann haben wir je drei Dienstmädchen gehabt damals?

Das ist nicht wahr, wir hatten sie, und du weißt es ganz genau, Renato.

Manchmal glaube ich, dass sich Renato unserer Familie schämt.

Aber zu Unrecht. Die Richters waren eine reiche, angesehene Familie.

Eine der vornehmsten in Triest. Dann haben wir leider alles verloren.

Wie es ja oft vorkommt.

Das Haus, in dem wir wohnen, ist das einzige, was übriggeblieben ist.

Das andere haben wir fast vollständig verkauft

und uns dann auf diese 4 Zimmer zurückgezogen.

Der Rest vom alten Reichtum.

Weißt du, Mattia, einige unserer Verwandten sind Reeder und Millionäre.

Und Carla würde gerne einen von denen ausnehmen.

Ich bitte dich, was soll dein Freund von mir denken?

Eigentlich wollte ich lieber Malerei studieren.

Das hätte mir mehr Spaß gemacht als Musik. Aber sag das bloß nicht Carla.

Weißt du eigentlich, dass ihr Kollegen seid?

- Carla gibt Klavierunterricht. - Am Konservatorium?

Schön wäre es. Sie versucht, lauter Vollidioten in die Lage zu versetzen,

ihre Frauen beim Singen zu begleiten.

Da bin ich wieder.

Euer Kaffee.

Entschuldigen Sie.

- Guten Tag. - Guten Tag, ich hatte Sie doch gebeten,

noch ein paar Tage zu warten. Ich habe mein Honorar noch nicht bekommen.

Hören Sie, ich warte wirklich nur noch bis Mittwoch.

- Bitte nicht so laut. - Dann werde ich vor Gericht gehen.

- Ja. - Ich lasse Ihr Haus beschlagnahmen.

- Selbstverständlich. Beruhigen Sie sich. - Mein Geduld ist zu Ende.

- Sie werden Ihr Geld schon bekommen. - Auf Wiedersehen.

Auf Wiedersehen. Auf Wiedersehen.

- Wer war das? - Nichts. Niemand Wichtiges. Nichts von Bedeutung.

Wenn Sie wüssten, wie oft ich ihn gebeten habe, mich zu zeichnen.

Bei mir hat er immer eine Ausrede.

Wissen Sie, ich glaube, dass Renato sich ein bisschen in Sie verliebt hat.

Wie viel Zucker?

- Wie viel Zucker? - Ein Stück. Danke.

Dein Kaffee ist hier, mein Liebes. Ich lass euch allein.

Ihr habt eine seltsame Art, miteinander umzugehen.

Halt still, ich zeichne gerade deinen Mund.

- Wieso seltsam? - Na, ich weiß nicht.

Ich würde nicht so mit meiner Mutter reden.

Carla ist für mich mehr Freundin als Mutter.

- Außerdem ist sie eine Frau. - Dass sie eine Frau ist, sehe ich doch.

- Sie bleibt deine Mutter. - Was hat das damit zu tun?

Wir wissen, dass sich einige Leute wundern, wenn wir so miteinander reden.

Aber das kümmert uns nicht.

Ist doch ganz normal, wenn sich Leute darüber wundern.

Schließlich gibt es Konventionen, die man zu respektieren hat.

- Und es gibt eine Moral. - Ach ja?

Ja. Ob es dir nun passt oder nicht.

Sie sind heute so melancholisch, Senora Richter.

Sie machen mich auch noch ganz traurig.

- Elena! - Kommen Sie!

Hier. Es ist das Kleid, das Sie mir empfohlen haben.

Mama hab ich noch nichts davon erzählt.

Gefällt es Ihnen?

Es ist wirklich wunderschön.

Ich bin froh, dass du meinen Rat befolgt hast.

Ich zieh es mal an. Damit Sie mir sagen können, was ich dazu tragen soll.

Ich glaube, du weißt gar nicht, wie glücklich du sein solltest, Elena.

- Warum? - Du hast alles, was du dir nur wünschen kannst.

Ich hingegen, ich konnte nicht einmal unbeschwert jung sein.

So wie du jetzt.

In deinem Alter hatte ich schon meinen Sohn. Renato.

Furchtbar diese Knöpfe. Würden Sie mir bitte helfen?

Du glaubst gar nicht, wie sehr mein Sohn mein Leben bestimmt hat.

Langweile ich dich nicht? Langweile ich dich?

- Was sagen Sie da? - Schluss mit dem Traurig sein.

Du bist jung und hübsch. Glaub mir, du musst jeden Moment dein...

Was sehe ich denn da? Du hast deinen Kopf also durchgesetzt, ja?

Lass doch mal sehen.

Ganz nett. Hübsches Kleid. Steht dir auch gut.

Aber trotzdem, irgendwas daran stört mich.

Ja, es ist nicht elegant, das ist es.

Den Vorwurf müssen Sie mir machen.

Ich habe Elena zu diesem Kleid geraten.

- Na, wie geht es Ihnen, Senora Richter? - Danke, recht gut...

Machen Sie sich wegen des Kleides keine Sorgen.

- Übt Elena auch genug? - Ja, sie macht Fortschritte.

Sehr gut, das freut mich. Dass Sie auch Modeberaterin sind, war mir neu.

Auf Wiedersehen. Ciao. Wir sehen uns nachher, ja?

Nicht böse sein. Meine Mutter ist ein bisschen seltsam.

Aber das macht doch nichts.

War mir klar, dass du schon bei der Arbeit bist.

Sag mal, von Frauen hältst du nicht viel, was?

- Darüber mach dir mal keine Gedanken. - Ich mach mir aber Gedanken.

Schließlich bin ich dein Freund, und neugierig dazu.

Was mich mal interessiert. Hast du schon mal mit einer älteren Frau geschlafen?

- Was meinst du damit? - Ich meine mit einer erwachsenen Frau.

Na ja, eine älteren. Eine Frau etwa in Carlas Alter.

Hör zu, ich kann Gespräche wie dieses nicht leiden.

Du bist langweilig. Tut mir leid. Ich dachte, du könntest Spaß vertragen.

Nein. Solchen nicht.

So war das. Und es war eine sehr zweideutige Situation für die beiden.

- Versteht ihr? - Weißt du, ich glaube, Mattia macht sich nichts aus Frauen.

Quatsch, wie kommst denn auf die Idee?

Komm schon, reg dich nicht auf. Lass mich erst mal ausreden.

Ich meine, er mag keine reiferen Frauen. Nur junge Dinger.

- Demnach gefällst du ihm auch nicht. - Das finde ich auch ganz richtig.

Trotzdem, Mattia, sagen Sie mir eines: Halten Sie mich für so alt?

- Aber nein, Renato redet dummes Zeug. - Ich weiß, ich weiß.

Sie brauchen sich wirklich nicht zu rechtfertigen.

Ich verzeihe Ihnen unter einer Bedingung, dass Sie mich nie wieder Senora nennen.

- Nie wieder. Sag bitte "du" zu mir. - Ja, gern.

Partei und Regierung dieses Landes

sind sich der sprichwörtlichen Treue unseres heldenhaften Volkes gewiss,

und wieder hat sich der Mut, der Fleiß und die Opferbereitschaft des italienischen...

Manchmal genierst du dich mit uns zwei, nicht wahr?

Wieso? Ich versteh nicht was Sie, äh, was du meinst.

Komm, Mattia. Stell dich gefälligst nicht so an.

Ich kann es sehen, und zwar sehr gut.

Wenn du so ein verlegenes Gesicht machst,

reizt es mich erst recht, dich herauszufordern.

Na, wer sagt es denn. Es knistert schon.

Es lebe Italien!

Setzten wir uns hierhin.

- Was hältst du von dieser Veranstaltung? - Imponiert mir. - Ja, sehr beeindruckend.

- Schön, Sie wiederzusehen. - Sie sollten mal zu uns kommen.

- Seht ihr, das sind die Mazzarinis. - Wer?

Es sind sehr reiche, wichtige Leute.

Seine Tochter ist meine Schülerin.

Guten Tag, Graf. Wie geht's?

Es war fantastisch.

Ja, der Mann hat eine überzeugende Stimme.

Bringen Sie für alle Campari mit Soda.

- Guten Tag. - Guten Tag.

Ich bitte Sie. Es gibt keinen Mann, für den eine schöne Frau aufstehen soll.

Gestatten Sie, dass ich vorstelle: Graf und Gräfin Grimar.

- Freut mich, Sie kennenzulernen. - Sehr erfreut.

- Senora und Senor Cantera. - Es ist uns eine Ehre.

- Eine ganz besondere Ehre. - Bitte nehmen Sie Platz. Wir sehen uns in der Präfektur.

Sicher ein großer Aufschwung für Italien.

Denkst du? Na ja, das sagen hier alle. Ich finde...

- Du findest? - Ich habe eine gute Idee.

Heute ist Samstag, da habt ihr keinen Unterricht und ich auch nicht.

Gehen wir doch zu Linda. Was meinst du?

Linda ist eine Cousine von Carla.

- Und aus der berühmten reichen Ecke. - Die einzig sympathische.

Wie gefällt es dir, Mattia? Ich finde es herrlich, du auch?

Das alles gehört Linda. Ein unermesslich großes Gut,

aber am allerschönsten ist es hier im Herbst.

Dann wird hier alles rostrot. Und es wird gejagt, hier sind so viele Wildgänse.

All diese wunderbaren, köstlichen Sachen, die wir so essen.

- Nicht wahr, Giovanni? - Genau, Senora.

- Natürlich. - Ist das Linda? - Ja, das ist sie.

- Hallo, Linda! - Hallo, Linda! - Ciao! - Ciao, Linda!

- Hallo, Linda, wir kommen gleich. - Das sieht sehr hübsch aus.

Das stammt von der österreichisch- ungarischen Monarchie.

Einer unserer Großväter war aus dem Balkan, weißt du?

- Sie hat auf uns gewartet. - Ciao!

Wir kommen!

Steigt aus.

- Linda! - Ciao! Endlich seid ihr da.

Das ist Mattia Morandi. Ein Mitschüler von Renato.

- Sehr erfreut, Sie kennenzulernen. - Ich auch, mein Kleiner.

Renato, lass die Koffer stehen. Das macht Giovanni.

- Komm her und gib mir einen Kuss. - Schön, nicht wahr?

- Ganz originell. - Komm her, du Nichtsnutz.

Hey, Carla, du kriegst dein altes Zimmer, und ihr Jungs schlaft ja wohl zusammen,

- oder gibt's da Einwände? - Ich bin einverstanden.

- Fragt sich, ob Mattia es auch ist. - Einverstanden.

Na, dann ist ja alles in Ordnung.

Geh schon.

Fantastisch! So viel Fisch hab ich in meinem ganzen Leben noch nie gesehen.

- Es ist unglaublich. - Das hab ich noch nie erlebt.

- Sie hatten heute einen sehr guten Fang. - Das sieht man.

Ich weiß doch, wie gern ihr Fisch esst. Du und dein Sohn.

- Also lasst euch nicht nötigen. - Wir sterben für Frutti di mare.

Aber wir wollen nicht an Frutti di mare sterben.

Ich muss sagen, dass ist ein Essen, bei dem ich mich kaum beherrschen kann.

Oh, Gott, Linda! Du mästest uns ja richtig. Du willst wohl, dass ich platze.

Probiere mal hiervon.

- Ist sehr gut. - Ja. Danke.

Hier, koste das, Kleiner. So was gibt's nicht bei euch.

- Was ist das? - Iss schon. Iss schon. Frag nicht so viel.

- Das lebt ja noch. - Natürlich lebt das noch. Deshalb schmeckt es ja so gut.

Überleg nicht so lange.

- Was sagst du? - Na, schmeckt's? - Ja, hervorragend.

Ja, hervorragend. Und dabei sieht man genau, wie sehr er sich ekelt.

Also, eins muss ich sagen, dein Freund ist ein höflicher Junge.

Und hübsch ist er auch noch.

Er macht den Eindruck eines sehr gebildeten Menschen.

Habe ich dir je ungebildete Leute ins Haus gebracht?

Du meinst wohl. ich hab ein schlechtes Gedächtnis?

Die Hauptsache ist schließlich, dass es uns schmeckt.

Iss bloß nicht zu viele Austern.

Sonst schnappst du am Ende heute Nacht noch über. Du schläfst bei mir.

- Fühlst du dich nicht gut? - Ich hatte Durst.

Ich konnte auch nicht einschlafen.

Es ist zu heiß.

In manchen Nächten schlafe ich erst ein, wenn die Sonne aufgeht und es hell wird.

Das ist furchtbar.

Stundenlang über alles Mögliche nachzudenken.

Besonders in der Nacht.

Wahrscheinlich werde ich alt.

Das ist nicht wahr. Du bist jung und schön.

Meinst du das ernst?

Danke, dass du gekommen bist.

Oh Gott, es ist schon dunkel. Ich muss gehen.

Renato wird sich Gedanken machen. Was soll ich ihm sagen?

- Ich muss mir etwas einfallen lassen. - Bleib noch ein bisschen.

Das ist unmöglich. Ich muss mich beeilen.

Sei nicht traurig.

- Sehen wir uns morgen? - Ja, ja, ja. Ich komme früher als heute.

- Ciao. - Ciao. - Wiedersehen. - Wiedersehen.

- Hast du Carla gestern gesehen? - Deine Mutter? Nein, warum?

Komm schon. Spiel jetzt bloß nicht den Unschuldigen.

Hältst du mich für dumm? Ich habe es gleich gemerkt im Haus von Linda.

- Hat sie es dir gesagt? - Sie hat mir kein Wort gesagt.

Aber man sieht es ihren Augen an, wie glücklich sie ist.

Mach nicht so ein Gesicht.

Ich habe mit Carla offen darüber geredet. Du brauchst dich nicht mehr zu genieren.

Du liebst meine Mutter, also liebe ich dich noch mehr.

Renato! Mattia! Habt ihr gewartet? Entschuldigt bitte.

- Guten Tag, Carla. - Guten Tag.

Willst du mit uns essen gehen?

Ich bin verabredet, tut mir leid. Eine berufliche Sache. Es ist wichtig.

Wie du willst. Hast du sie ihm schon gegeben, Renato?

Ich habe gewartet. Ich wollte, dass du dabei bist.

Das sind die Hausschlüssel.

Du kannst kommen und gehen, wann du magst.

- Vielen Dank für das Vertrauen. - Du gehörst damit zur Familie.

Ciao, Mattia. Auf bald.

Bravo.

- Gut, Andreas. Das war sehr gut. - Bravo. Du spielst schon hervorragend.

Das ist nur das Verdienst meiner Lehrerin.

Bitte entschuldigen Sie, ich muss jetzt gehen.

Nur einen Augenblick. Das Honorar für diese Woche.

- Danke sehr. Danke. - Nichts zu danken.

- Ciao, Andreas. - Auf Wiedersehen. - Auf Wiedersehen, Senora.

- Und nochmals herzlichen Dank. - Auf Wiedersehen, Senora Richter.

Mein Geliebter.

Wie lange sind wir schon hier? Es ist verrückt.

Ich hab meinen Unterricht vergessen.

Und du lässt mich einfach alles vergessen, weißt du das?

Ich liebe dich.

Oh, mein Gott.

Das sind Empfindungen, Gefühle, die ich gar nicht mehr kannte.

Ich kann an nichts anderes mehr denken.

Nicht einmal an Renato.

Und er fängt an, misstrauisch zu werden.

Ja, wirklich. Er kontrolliert mich ununterbrochen.

- Ist er eifersüchtig? - Nein, nein.

Na ja, auch Kinder sind manchmal eifer- süchtig auf ihre Mütter. Komm her zu mir.

Nein, sieh mich nicht so an. Du machst mich verlegen. Ich bin nicht schön.

Das ist nicht wahr. Du bist wunderschön.

- Ist das dein Ernst? - Ja.

Ja. Ja.

Streichel mich.

Streichel mich.

Ich liebe deine Hände, Liebster.

Wie oft soll ich es dir noch sagen?

Ich schwöre dir, ich bin so früh weg- gegangen, weil ich arbeiten musste.

Den ganzen Nachmittag über habe ich Unterricht gegeben. Glaube mir doch!

- Ich ertrage deine Lügen nicht länger! - Beruhige dich doch, Renato!

Glaube mir doch. Ich habe mich heute nicht mit ihm getroffen.

- Ich habe ihn gar nicht gesehen. - Das ist nicht wahr!

Ich glaube dir nicht, du lügst!

Du warst heute bei ihm und du bist gestern bei ihm gewesen.

- Jetzt gehst du bereits täglich hin. - Ich kann nur wiederholen, es ist nicht wahr!

- Es ist nicht wahr! - Komm her und sieh mich an!

Wir haben uns immer alles gesagt, wir beide. Jetzt ist es vorbei damit.

Warum? Warum musstest du dich verlieben?

- Ich habe mich nicht verliebt... - Hör auf mit diesen Ausflüchten.

Komm, sieh mich an!

Du hast dich in ihn verliebt, und jetzt liebst du ihn mehr als mich.

Beruhige dich. Hör auf, dich so zu quälen.

- Nein! - Du bist doch mein Sohn.

- Er stiehlt mir deine ganze Liebe. - Das ist nicht wahr.

Auch den Teil, der mir gehört!

Mama! Entschuldige bitte, Mama.

- Es tut mir leid. - Ja.

- Es tut mir leid. - Ist gut, Renato. Beruhige dich.

Alles ist gut, mein Liebling. Hör auf zu weinen.

Du bist doch mein Kind. Mein Sohn.

Du bist das Wichtigste in meinem Leben. Das musst du doch wissen.

- Ich will dich nicht verlieren. - Was redest du da?

Was heißt das, du willst mich nicht verlieren?

Natürlich gefällt Mattia mir, das ist wahr, aber er zählt nichts im Vergleich zu dir.

Niemand ist wichtiger als du. Hör zu, Renato, ich mache dir einen Vorschlag.

Ich werde Mattia nicht mehr sehen. Ich werde ihn nie wiedersehen. Zufrieden?

Ja? Ich verspreche es dir.

Im Übrigen langweilt er mich schon lange. Ja, ja, wirklich. Er bedeutet mir nichts.

Er hat nichts zu sagen, er ist furchtbar langweilig.

Was sagst du, Renato? Ja? Ist nun alles wieder gut?

Ist nun alles wieder gut?

Mein Liebling. Mein Kind. Geht's dir wieder besser?

Mein großer Junge.

- Was war das? - Ich weiß nicht.

Komm mit, ich hab Angst.

Tag.

- Wie geht's dir? - Gut, und dir?

Es geht so. Darf ich mit herein? Oder nicht?

Geh rein.

Wir haben uns lange nicht gesehen. Hier ist dein Porträt.

Ich habe es aus dem Gedächtnis zu Ende gemalt.

- Ich hab mich schlecht benommen. - Reden wir nicht mehr davon.

Ich möchte es dir erklären.

Ich sagte, sprechen wir nicht mehr davon. Ich danke dir für das Bild.

Ich bin hier, weil ich dir etwas sagen wollte.

Wir beide vermissen dich sehr.

- Was sagst du da? - Ja. Ich spreche die Wahrheit. Wir vermissen dich sehr.

- Und deine... na ja... - Wir möchten, dass du heute Abend mit uns isst.

Carla hat Elena, die Tochter des berühmten reichen Mazzarini, zum Essen eingeladen.

- Du erinnerst dich doch an sie. - Selbstverständlich.

Kommst du?

Elena, schön, dass Sie...

Mattia.

Ja. Sie wusste nicht, dass du kommst.

Eine hübsche Überraschung, hm?

Komm herein.

Hey, hier hat sich aber sehr viel verändert.

- Es geht. - Was den Diener angeht, der ist nur gemietet.

Carla hat, größenwahnsinnig wie immer, ihr letztes Schmuckstück verkauft,

um die Wohnung renovieren und das Essen ausrichten zu können.

- Renato. - Stimmt's vielleicht nicht? Ich sag dir auch wozu.

Weil sie glaubt, ich könnte mittels eines Ringes

die Hälfte des Geldes der Mazzarini erben.

- Ich soll die schöne Elena heiraten. - Jetzt siehst du mal, wie er ist.

Bei jeder Gelegenheit versucht er, mich in Verlegenheit zu bringen,

selbst wenn ich an seine Zukunft denke.

Wie geht es dir?

Aber Carla...

- Willst du etwas trinken, vielleicht einen Wermut? - Ja.

Ohne Wasser, nicht wahr?

- Hier. - Danke. - Ihre Gäste sind eingetroffen.

Herzlich willkommen, Elena!

- Guten Abend, Senora. - Schön, Sie zu sehen. Guten Abend, Eduardo.

Darf ich bekannt machen?

- Das ist Mattia Morandi, ein Freund. - Guten Abend.

- Und das ist Renato, mein Sohn. - Also das ist Renato, der berühmte Sohn.

Sie ahnen nicht, wie oft Ihre Mutter von Ihnen erzählt.

- Nicht wahr, Eduardo? - Oft und viel.

Wer weiß, wie viel dummes Zeug Ihnen Carla von mir erzählt hat,

aber wir sollten jetzt nicht von mir sprechen,

sondern von Ihnen und von Ihrer Musik.

- Carla? Sie nennen Ihre Mutter beim Vornamen? - Ganz recht.

Das ist ein alter Brauch in unserer Familie.

Nun siehst du, wie hübsch Elena ist.

Tja, wollen Sie irgendetwas trinken?

- Ich mache das. - Nein. Lass nur, lass. Dazu haben wir den Diener. Giuseppe.

Carla hat mir immer nur von Ihrer Schönheit berichtet.

Aber mich interessiert, was hinter Ihrer Schönheit steckt.

Erzählen Sie ein bisschen von sich, wenn es recht ist.

Sie finden mich schön? Gut, wenn sie meinen.

Also, ich lerne eine Menge Dinge.

Hauswirtschaft, Klavierspielen, klassisches Ballett,

modernen Tanz, und was sonst noch?

Ach ja, ich lerne außerdem noch Krankenschwester.

- Ah, sehr interessant. - Ach was, eine fixe Idee meiner Mutter.

Sie ist der Meinung, dass bald ein Krieg ausbricht.

Na ja, ich soll Rotkreuz-Schwester werden, wie alle Töchter aus gutem Hause.

- Zufrieden? - Ich schon. Und Sie?

Na ja, was werden Sie mit all diesem Wissen anfangen?

Ich heirate vermutlich den Mann, den meine Eltern für mich ausgesucht haben.

Und den ich nicht lieben werde. Der mich aber beschützen wird.

Und der der Vater meiner Kinder wird.

- Noch weitere Fragen? - Ein bemerkenswertes Porträt.

Glauben Sie aber nicht, dass ich nicht gegen meine Eltern opponiere.

Meine Mutter meinte, mich mit aller Gewalt in einen Kochkursus stecken zu müssen.

Da hab ich rebelliert. Kochen ist etwas, das ich hasse.

Das kann ich sehr gut verstehen. Mir geht's ebenso.

Ich könnte nicht mal ein Ei hart kochen, glaube ich.

Aber Sie sind ein Mann.

Und Sie, Eduardo?

Tja, ich würde gerne Fotoreporter werden. In der Welt herumreisen.

Aber da gibt es ein kleines Problem. Mein Vater ist nicht meiner Meinung.

- Was sagt er doch immer, Elena? Elena? - Dieser Beruf sei nicht seriös.

- Nochmals vielen Dank für alles. - Es war sehr nett, Elena. Gute Nacht.

- Gute Nacht. - Gute Nacht, Eduardo.

Es ist schon spät, vielleicht sollte ich auch gleich gehen.

Ja, vielleicht sollten wir auch noch ein bisschen an die frische Luft gehen, Renato.

Ein kleiner Spaziergang würde uns sicher gut tun.

Es ist so furchtbar heiß heute Abend. Bringen wir doch Elena und Eduardo.

Warum nicht, gute Idee.

Ja, und dann haben wir uns völlig aus den Augen verloren.

Die beiden waren richtige Originale, nicht?

Mein Cousin Fausto hat oft von Ihnen gesprochen.

Ich erinnere mich noch ganz genau an ihre Hochzeit.

Es war ein großes, glanzvolles, gesellschaftliches Ereignis.

Es waren wirklich alle da.

Dann entpuppte sich ihr Ehemann als Berufsspieler.

- Sag ruhig Falschspieler. - Aber sie hat, wie man so sagt, den Kopf verloren.

Er wird schon seine Vorzüge gehabt haben.

Da wären wir.

- Wollen wir am Samstag zusammen ins Kino gehen? - Elena, beeil dich!

- Du weißt, Mama wartet auf uns. - Ich komme gleich!

- Morgen halb vier am Bootssteg von St. Angelo. - Gut.

- Vielen Dank. - Gute Nacht. - Gute Nacht. - Gute Nacht.

Ihr wollt sicher noch miteinander reden. Ich lass euch allein.

Ich möchte meiner Mutter nicht im Wege sein.

Keiner lacht über meine Scherze.

Ihr seid so furchtbar ernst.

Na dann. Auf Wiedersehen.

Du hast mir so gefehlt.

Du ahnst nicht, wie schwer es mir gefallen ist, nicht zu dir zu kommen.

Ich hab mich so nach dir gesehnt. Ich wollte es dir erklären...

Nein, nein, nein. Ich sage ja schon nichts.

Es ist ja alles nicht so wichtig. Sei nicht so abweisend.

Willst du mich noch?

Sag's mir, sag's mir.

- Komm, komm. Komm mit. - Nicht jetzt, es könnte jemand kommen.

- Das ist mir egal. Komm. - Carla. - Liebster.

Du willst mich nicht. Nimm mich, nimm mich.

Es könnte uns jemand sehen.

Toller Film.

Gehen wir nach Hause.

- Guten Abend, Morandi. - Guten Abend.

Komm, setzen wir uns hierhin.

Ist es dir recht?

Wenn du nichts vorhast, dann iss doch bei uns.

Ich... ich weiß nicht...

- So wie ich angezogen bin? - Ach was, Unsinn.

So steif geht es bei uns nicht zu. Wir sind nicht so wie die Richters.

- Guten Abend, Signorina. - Guten Abend. - Guten Abend.

- Aber deine Familie... - Mach dir meiner Familie wegen keine Sorgen.

Es freut mich, dass er Ihnen gefällt.

Aber in Venedig gibt es viele außergewöhnliche Palazzi.

Verstehst du, Eduardo. Ich habe keine Vorurteile

gegenüber einer künstlerischen Laufbahn. Durchaus nicht.

Euer Freund zum Beispiel will Pianist werden und finde ich großartig.

Musik ist richtige Kunst. Konzerte, Schallplattenaufnahmen.

Aber was ist das dagegen, was du unbedingt werden willst.

Ein Fotograf. Was daran Kunst sein soll, weiß der Himmel.

Aber Papa, er hat doch bisher immer alles getan, was du wolltest.

- Lass ihn doch einmal selber was versuchen. - Ah, was ist das? Fotoreporter.

Auf jeden Fall kein Beruf für einen Jungen der gehobenen Kreise.

Eine Laufbahn, in der man ohne Studientitel auskommt. Einfach lächerlich.

Ich verstehe ja, dass man studiert, wenn es um die ganz große Kunst geht.

Malerei und so, aber sich dauernd in der Welt herumzutreiben.

Und außerdem ist es gefährlich.

Es ist überall auf der Welt Krieg. Ist dir das eigentlich klar?

Das ist doch unlogisch, Mama. Dann kannst du auch fordern,

dass ich nicht mit dem Auto fahre. Gefährlich ist das auch.

Ist dir das eigentlich klar?

Ich bin der Meinung, dass er absolut recht hat.

Gib's auf, meine Liebe. Da helfen keine Argumente.

Die jungen Leute sind sich immer einig, wenn es gegen die Älteren geht.

Das war zu meiner Zeit nicht anders.

Lass sie nur die kleinen Rebellen spielen. Was soll's?

- Sehr gut. - Bravo. Bravo, Mattia.

Hast du aufgepasst? Daran solltest du dir ein Beispiel nehmen.

Ich brauche ja keine Konzerte zu geben.

- Elena hat recht. - Kommen Sie, setzen Sie sich hierhin, Mattia.

Bitte.

Glauben Sie, dass die Richter eine gute Lehrerin ist?

- Ja, eine sehr gute. - Ah ja, das freut mich sehr.

Ich habe nämlich auch den Eindruck, dass Elena bei ihr große Fortschritte macht.

- Oder irre ich mich, mein Schatz? - Nein, Mama.

- Oh mein Gott. - Schnell macht die Fenster zu. - Mama!

Ist denn das die Möglichkeit? So ein verdammtes Sauwetter.

- Klappt es, Eduardo? - Ja, das Fenster ist zu.

Man hätte darauf wetten können.

Seit zwei Monaten regnet es jetzt ununterbrochen.

Arme Landwirtschaft. Der Wein wieder miserabel werden.

Genau wie im letzten Jahr. Schrecklich!

Unmöglicher Sommer. Worauf die hier wohl warten?

- Warum zünden sie nicht endlich die Kerzen an? - Da sind sie schon.

Gott sei Dank. Ich fürchte mich im Dunkeln.

Unsinn, Elena. Sei nicht so kindisch.

Zünde die Deckenleuchter auch an.

Aber vorsichtig, dass kein Wachs auf den Teppich tropft.

- Mama? - Ja? - Wie soll Mattia bei dem Wetter nach Hause kommen?

Tja, ich weiß auch nicht.

Er kann mit dem Boot nach Haus gebracht werden.

- Eduardo, sieh mal nach ob Vittorio da ist. - Nein, danke. Das ist nicht nötig.

Es macht nichts, wenn ich ein bisschen nass werde.

Nur ein bisschen? Du wohnst doch weit draußen am Stadtrand, oder nicht?

Ja, aber es hört ja schon auf zu regnen.

Es hört nicht auf. Das ist ein richtiger Orkan.

Entschuldige, Papa. Wäre es da nicht besser,

wenn Mattia über Nacht bei uns bleiben würde?

Ja, das Beste wäre es schon. Was sagst du dazu, Amalia?

Natürlich. Verzeihen Sie, Morandi. Daran hab ich überhaupt nicht gedacht.

Maria, geh und mach sofort ein Gästezimmer zurecht.

Lass nur, Maria, das machen wir selbst.

- Komm, Eduardo. - Gehen wir.

Schlafen Sie gut, Morandi. Wir freuen uns sehr, Sie kennengelernt zu haben.

- Gute Nacht, Senora. - Bis morgen.

- Gute Nacht, Eduardo. - Gute Nacht, Mama.

- Gute Nacht. - Gute Nacht, mein Lieber.

Das scheint mir ein ganz ernsthafter Junge zu sein. Er spielt ausgezeichnet.

Ja, aber er ist noch sehr schüchtern.

- Wie steht's? - Ich kann noch nicht schlafen. Es ist noch zu früh.

- Tja. - Du scheinst überrascht zu sein.

- Na ja, ein bisschen. - Doch nicht unangenehm, oder?

Nein, nein.

Leg doch mal eine Platte auf, Eduardo.

Na gut.

Deine Lieblingsplatte liegt schon drauf.

Was ist das? Es klingt gut.

I'm in the mood for love.

- Bitte? - Ich habe Sehnsucht nach Liebe.

- Die habe ich voriges Jahr in New York gekauft. - Ihr wart in Amerika?

Ja.

- Wie war es dort? - Einmalig. Ein fantastisches Land.

- Tanz mit mir, ja? - Ja, tu ihr bitte den Gefallen,

sonst muss ich mich opfern, und ich habe nicht die geringste Lust.

Hey, so war das nicht gemeint. Jetzt geht ihr ein bisschen zu weit.

Gib ihm meinetwegen noch einen Gutenachtkuß. Dann gehen wir schlafen.

- Gute Nacht, Elena. - Nacht, Schwesterchen.

- Carla. - Mattia.

Wir haben überall nach dir gesucht.

Renato ist gestern ein paarmal zu deiner Wohnung gegangen.

Wir hatten Angst, es könnte dir irgendetwas passiert sein.

Ich war auch bei dir, aber du warst nicht da.

Es hat so furchtbar geregnet und die Mazzarinis bestanden darauf,

dass ich bei ihnen übernachten sollte.

Aber wir hatten dich doch zu uns eingeladen.

- Zum Essen. - Ach, richtig. Entschuldige bitte.

- So wenig bedeutet es dir, mich zu sehen. - Aber nein, wie kommst du darauf?

Hier ist nicht der Ort, um darüber zu sprechen.

Wir sehen uns heute Nachmittag bei dir, ja? Einverstanden?

Heute Nachtmittag. Gut.

- Ciao. - Ciao.

Nein. Nein, so nicht. Du spielst es etwas zu schnell.

Ich spiel es vor.

So.

Nein. Du bist unkonzentriert.

- Was ist los? Sollen wir aufhören? - Ja, vielen Dank.

Ich möchte nicht hierbleiben.

Ich möchte raus aus dem Haus. Ins Freie.

Ja, das kann ich verstehen. Ist ein herrlicher Tag heute. So klar.

- Ich traf vor dem Haus Mattia. - Ja, er hat bei uns geschlafen.

Er konnte bei dem Regen heute Nacht nicht heimgehen, wissen Sie?

Ja, ja. Es hat sehr geregnet.

Es war sehr nett von euch, ihn aufzunehmen.

- Guten Tag. - Schon fertig mit dem Unterricht?

Elena hat heute keine Lust mehr. Sie war zerstreut.

- Eduardo? - Ja? - Haben Sie Zeit, mich zu begleiten?

- Ich möchte mit Ihnen reden. - Aber natürlich.

Wie ich sehe, kommen Sie vom Tennis.

Als junges Mädchen hab ich auch gespielt. Damals.

Mamma Mia, ich habe mich nicht von der Stelle gerührt,

aber natürlich habe ich auch nichts unternommen, um ihn zu hindern.

Sie verstehen? Na ja, ich...

- Ich glaube, die Deutschen haben... - Ja, fragen Sie mal Ihren Mann.

- Exzellenz, Sie unterhalten Ihre Gäste blendend. - Danke für das Kompliment.

- Du bist die Schönste hier. - Das ist doch dummes Zeug.

- Wenn Sie gestatten, Elena sagt die Wahrheit, Senora. - Danke.

Ich kann nichts dafür, ich hab nun mal eine Schwäche für schöne Frauen.

Und du denkst, dass Amina und Tito auch zum Ball kommen werden?

Leg die Stola um, es ist kühl hier draußen.

- Danke. - Sagen Sie Exzellenz, wie ist die Pitacci?

Nehmen Sie es mir nicht übel, aber über Senora Pitacci möchte ich nicht sprechen.

Auch wenn ich nicht leugne, sie kennengelernt zu haben.

Bitte steigen Sie ein.

Mama! Mama, darf Mattia noch ein bisschen bei uns bleiben?

Aber natürlich, Schatz. Er gehört ja bereits zur Familie.

- Gute Nacht, Mattia. - Auf Wiedersehen, Senora, und vielen Dank.

Danke, Mama.

Viel Spaß, Papa. Wann nimmst du mich mal auf einen Ball mit?

- Wenn die Zeit dafür gekommen ist, Signorina. - Gute Nacht.

- Charlotte, wo bleibst du? - Ciao.

Bitte zieh den Plattenspieler noch mal auf, Eduardo.

Mein Gott, wir haben die Platte schon zigmal gespielt.

- Ich kann sie immer wieder hören. - Ich mach das schon.

Gestern traf ich Senora Richter.

- Und? - Habt ihr Ärger? - Wir? Nein, wieso?

Sie sprach nicht gerade sehr freundlich von dir. Weißt du?

Was hat sie gesagt?

Na ja, sie machte gewisse Andeutungen, dich und Elena betreffend.

Was erwartest du, Eduardo? Das ist doch absolut verständlich.

Die arme Frau wollte schließlich ihren Sohn mit mir verheiraten.

Sie hat es mir gesagt. Aber ich habe für Renato nichts übrig.

Also ist sie verärgert.

So, ich geh schlafen. Was ist? Wollt ihr nicht auch Schluss machen?

Meinetwegen, ich hab schon verstanden.

Ich geb dir noch 5 Minuten, Mattia. Dann gehst du nach Hause, klar?

- Verstanden? - Verstanden.

- Gute Nacht. - Ciao.

Elena? Elena?

Es ist 5 Uhr. Ich muss gehen.

Ich möchte nicht, dass mich jemand sieht.

Mein Geliebter.

Warte, ich komme mit.

Es ist niemand zu sehen.

- Ciao. - Ciao.

- Guten Morgen, Mariella. - Morgen, Signorina.

Ich bin's.

Guten Morgen, Elena.

- Na, wie geht's, mein Schatz? - Guten Morgen, Mama.

Machen Sie sich keine Sorgen. Ich werde nächste Woche selbst nach Rom fahren.

Ja, ich werde mit seiner Exzellenz über die Sache reden.

Aber ja. Bis später.

- Na, was soll denn diese Turtelei? - Gar nichts.

Na, habt ihr beiden euch gestern Abend gut amüsiert?

Ist wohl spät geworden, was?

Muss wohl, wenn ihr um 10 noch im Bett liegt, hm?

Ja, es war ein hübscher Ball. Ziemlich viele Leute.

Fast zu viele. Es wurde viel zu viel vom Krieg gesprochen.

Man sagt, es gäbe bald einen.

Deine Mutter denkt an nichts anderes als den Krieg. Sogar auf Bällen.

Weißt du was, Mama? Ich habe keine Lust zur Klavierstunde.

- Wie kommt denn das? - Es ist heute ein so herrlicher Tag.

Ich habe Lust wegzufahren.

Gebt ihr uns das Auto, ja?

- Dann können wir aufs Land fahren. - Ich weiß nicht recht.

- Frag deinen Papa. - Bitte Papa, sag ja.

Na gut, wenn deine Mutter nichts dagegen hat.

Danke, Papa. Danke.

Eduardo! Sag dem Chauffeur Bescheid, er soll den Wagen fertig machen.

Typisch Elena, nie kann sie eine Tür zu machen.

Aber sie ist die Einzige, die ein bisschen Leben ins Haus bringt.

- Manchmal etwas zu viel. - Sie ist noch ein Kind.

Hör mal, Amalia, ich habe eine Bitte. Sprich nicht immer von Krieg.

Ich meine, es ist sehr vielen Leuten bereits aufgefallen.

Das schadet in meiner Position.

Aber das ist doch wirklich keine fixe Idee, Ricardo.

Neulich bei den Levis sagte Sarah genau das Gleiche.

Ja, aber das sind Juden. Die sehen das natürlich anders, meine Liebe.

Na ja, das ist richtig, aber was sie sagten, war sehr vernünftig,

- und ich finde, dass diese Politik... - Ja, mag sein.

Trotzdem, Amalia, hör auf das, was ich sage.

Je weniger man davon spricht, desto besser.

Hey, sieh mal, Mattia! Die Mimosen.

- Schneller, nicht so langsam! - Wohin willst du?

Wirst du schon sehen.

Wo seid ihr?

Was soll das? Ihr kennt euch hier aus, ich nicht.

Elena!

Elena!

- Gefällt es dir hier? - Ja.

- Noch mal. Hast du Lust? - Ja, wenn du möchtest.

Zurück zum Eingang. Wir machen einen Wettlauf.

Also gut, hier ist der Start. Der Turm dort ist das Ziel.

- In Ordnung. - Wer kommt denn da?

- Was machen Sie denn hier? - Guten Tag, Elena.

Ich halte Verabredungen ein. Wir hätten jetzt eigentlich Klavierstunde.

Ja, ich weiß. Es tut mir leid.

Ich hatte einfach keine Lust. Entschuldigen Sie.

Ja, das hat mir deine Mutter schon erzählt.

Sie hat mir auch gesagt, dass ihr zum Turm wollt.

- Darum sind wir hier. Guten Tag, Eduardo. - Guten Tag.

- Und wie geht's dir, Mattia? - Danke, gut.

Tja, wir wollten euer Spiel nicht stören.

- Dürfen wir uns beteiligen? - Ja, natürlich.

Aber der Sieger steht fest. Das werde ich sein.

Dann werde ich mit dir gehen. Denn ich gewinne auch gern.

Also, dann los. Jeder geht in eine andere Richtung.

- Das Ziel ist oben auf dem Turm. - Gehen wir. - Geh, Renato.

Mattia? Ich muss dir etwas sagen.

Aber schnell, wenn es geht.

Ist dir bewusst, dass du wie ein Schwein handelst?

- Wieso? - Du benimmst dich einfach niederträchtig.

Jetzt sind wir dir nicht mehr gut genug, oder?

Und aus diesem Grunde lässt du uns einfach fallen.

Und behandelst uns wie Dreck. Ich spreche jetzt nicht meinetwegen.

Denn ich habe dich schnell durchschaut, Junge.

Du reitest die sympathische Tour.

Ich komme schon drüber weg. Aber Carla nicht.

- Du hast sie furchtbar beleidigt. - Was soll das?

Ist dir nicht klar, wie du sie demütigst?

Neulich hast du so getan, als wärst du nicht zu Hause.

- Ich war nicht zu Hause. - Du warst zu Hause.

Jetzt hör mir mal zu, Renato. Ich möchte etwas klarstellen.

Vielleicht hast du recht, doch ich habe mich bemüht, es ihr klar zu machen.

Ich liebe nun mal Elena.

Ja, das ist die Wahrheit. Gut, es tut mir leid, aber ich kann es nun mal nicht ändern.

Ehe du dich weiter aufregst, sieh dir das an.

Carla war als Erste oben. Das sollte dir zu denken geben.

Du solltest dich etwas in Acht nehmen. Frauen wie Carla kämpfen um einen Mann.

Ich möchte nicht gern darüber sprechen. Das sind Dinge, die mich nichts angehen.

Die Sie nichts angehen, sagen Sie?

Ich denke, dass sie Ihre ganzen Familie etwas angehen.

Also wirklich, ich verstehe einfach nicht, wie Sie glauben können,

dass Mattia es mit Elena ehrlich meint.

- Sie können doch nicht so naiv sein. - Und warum sollte er lügen?

Weil er mein Geliebter ist.

Elena, warum bist du weggegangen? Du konntest doch auf mich warten.

- Was hast du mit Renato gesprochen? - Ich habe mit niemandem gesprochen.

Wir wollten doch einen Wettlauf machen.

Was für ein herrlicher Duft.

- Hat dir so viel daran gelegen? - Ja.

Und ich habe gewonnen. Ich bin gewohnt zu gewinnen.

Gut, aber ich mag nicht, dass du mit Senora Richter sprichst.

Sieh mal da! Eine Schildkröte.

Sei ehrlich, was habt ihr gesprochen?

Willst du das wirklich wissen?

Ja.

Dass ich dich liebe, habe ich ihr erzählt.

- Meine Haut ist von deinem Bart total zerkratzt. - Ist es so schlimm?

Ja. Hoffentlich sieht mich Mama nicht so genau an.

Du musst dich besser rasieren.

Elena?

Hat es dir Spaß gemacht?

Elena?

Hattest du Spaß?

Ja, es hat mir Spaß gemacht.

Das willst du doch hören, nicht wahr?

Sie sind im Salon und bereden alles.

- Bist du dir ganz sicher, was du willst? - Ja.

- Ja, ich meine... - Ja, auch nachdem was dir Senora Richter erzählt hat.

Ja, natürlich. Ich bin mir darüber im Klaren, dass es gewisse Probleme gibt.

Ich meine wirtschaftlicher Art. Ich stehe ja erst am Anfang meiner Karriere

und bin noch nicht in der Lage, Elena angemessen zu versorgen.

Nein, das meine ich nicht, Mattia.

Lassen wir die finanzielle Seite mal ganz außer Acht.

Wären wir Neureiche, würden wir vielleicht einen berühmten Mann

für unsere Tochter aussuchen. Aber Gott sei Dank können wir es uns leisten,

ihr einen Ehemann nach ihrem und unserem Geschmack zu gestatten.

Sie sind ein Künstler, und zwar ein ernsthafter.

Und das ist es, was wir an Ihnen besonders schätzen. Ihre Ernsthaftigkeit.

Dass Sie in einem fortschrittlichen Land leben, in dem solche Vorzüge gelten,

wissen Sie wie ich, aber was vor allem zählt, ist, dass Sie Elena wirklich lieben.

Und nur darauf kommt es an.

Ich habe nur einen Einwand. Ihr beide seid ein bisschen jung,

also ehrlich, wenn ihr meinen Rat hören wollt,

dann wartet noch ein, zwei Jahre, bevor ihr diesen Schritt tut.

Habe ich nicht recht? Du bist doch sicherlich der gleichen Meinung?

Was nichts daran ändert, dass Sie von jetzt an wie ein Sohn für uns sind.

Danke.

Also kommen Sie, junger Mann. Gehen wir zu Elena.

Meinen Glückwunsch, Elena. Du hast dich also entschieden.

- Ja. - Aber bist du auch sicher? Als ich so jung war, habe ich alles falsch gemacht.

Weißt du, wenn man so jung ist wie du, folgt man nur seinen Gefühlen.

Man weiß da noch nicht, dass die ideale Liebe nur in der Fantasie existiert.

Das ist eine Erkenntnis, die sich erst mit den Jahren einstellt.

Dafür entdeckt man dann später, dass es im Grunde nur eins gibt, was zählt:

die körperliche Liebe.

Ich hoffe, es stört dich nicht, dass ich so offen mit dir spreche.

- Nein, keineswegs. - Es interessiert mich.

Schließlich sind wir sehr vertraut miteinander.

Sag mir doch, unter uns Frauen, hast du schon mal mit ihm geschlafen?

Ich? Aber nein. Wirklich nicht.

Hast du noch niemals Lust dazu verspürt?

Ich meine, wenn er dich in den Armen hält und dich küsst und sich an dich schmiegt.

Manchmal schon, nur... Ich meine, wir sind noch nicht verheiratet.

Ja, ja, natürlich, ja.

Du bist wirklich ein gut erzogenes Mädchen, Elena, und ich bewundere dich.

Und ich hoffe, dass du sehr, sehr glücklich wirst.

Hier, lesen Sie, was man Ihnen nachsagt.

Lesen Sie ruhig laut vor.

Ein wirklich wohlmeinender Freund Ihrer Familie möchte Sie warnen

und darauf hinweisen, dass ein Mensch

mit schweren charakterlichen Mängeln Ihre Kinder verdirbt.

Dieser Mann unterhält seit langem intime Beziehungen

zu einem seiner Freunde und zu einer Frau, die als unmoralisch gilt.

Unnötig zu sagen, dass wir kein Wort von dem da glauben.

Ich danke Ihnen. Unter diesem Brief fehlt nur die Unterschrift.

- Die der Senora Richter. - Die der Richter?

Ja denken Sie denn, dass Senora Richter diesen Brief geschrieben hat?

- Ich bin ganz sicher. - Aber welchen Grund sollte sie haben?

Herr Rechtsanwalt. Nein, ich habe jetzt keine Zeit.

Ich glaube, dass ich mich klar ausgedrückt habe.

Das war eben eine Nummer zu groß für Sie.

Wenn Sie jetzt in Schwierigkeiten sind, kann ich Ihnen auch nicht helfen.

Auf Wiedersehen.

Ihr habt mich rufen lassen. Ach, du bist hier.

- Was ist denn los? - Wir haben dir etwas Unerfreuliches mitzuteilen.

Keine Angst, Schatz. Es hat nichts mit ihm zu tun.

Aus einer Reihe von Gründen, für die unser Freund nicht verantwortlich ist,

sind deine Klavierstunden mit Senora Richter von jetzt an beendet.

Aber warum? Ich verstehe nicht. Was habt ihr ihr vorzuwerfen?

Sie hat uns einen anonymen Brief ge- schickt, voller Verleumdungen gegen Mattia.

Und voller Gehässigkeiten gegen unsere Familie.

Aber wenn der Brief anonym ist, wie könnt ihr denn sagen,

- dass sie ihn geschrieben hat? - Mattia ist sich ganz sicher.

- Ist das wahr? - Ich weiß es. Du musst mir glauben.

- Guten Tag. - Entschuldigen Sie, Senora.

Ich habe Anweisungen, Ihnen das zu geben.

Betrachten Sie sich hiermit als entlassen.

Anbei das Honorar für die letzten Unterrichtsstunden.

- Ist die Senora zu Hause? - Ich weiß nicht. Ich glaube nicht.

Gehen Sie und sagen Sie ihr, dass ich sie unbedingt sprechen möchte.

Elena.

- Was ist passiert? - Ich muss mit Ihnen sprechen.

Aber bitte nicht hier.

Es gibt einiges, das ich wissen möchte.

Dann komm morgen Nachmittag zu mir.

Ich erwarte dich.

Die Senora bedauert, Sie nicht empfangen zu können.

Sie sagt, wenn Sie mit dem Honorar nicht einverstanden sind,

sollen Sie sich an einen Anwalt wenden.

Bitte.

- Mattia. - Bist du wahnsinnig?

- Willst du mich ruinieren? - Nicht hier. Komm rein.

Nein, wir reden hier. Etwas so Wider- wärtiges, etwas so Schmutziges.

Das hätte ich nie von dir erwartet. Nicht von dir!

Da hast du dich in mir getäuscht.

Ich bin jetzt zu allem fähig.

Du hast mich dazu gebracht. Ja, Mattia, du bist schuld daran!

Ich? Was hat das mit mir zu tun?

Du bist ein elender Feigling. Alles hast du zerstört.

Was erwartest du? Dass ich Elena verlasse?

Blödsinn. Ich denke nicht im Traum daran!

Glaubst du denn, dass Sie dich liebt, Mattia?

Schluss jetzt! Hör damit auf, Carla!

Ich finde es nicht gut, dass wir so miteinander reden.

Na gut, es ist viel geschehen inzwischen,

und schließlich habe ich Elena hier bei euch kennengelernt.

Aber ich bitte dich, dir deswegen keine Sorgen zu machen.

Ich werde euch beide niemals vergessen.

- Was soll das heißen? - Nichts weiter.

Ich meine, ich werde dich mit etwas Geld für deine Aufwendungen entschädigen...

Ich meine... Du kannst die Summe bestimmen.

Oh mein Gott.

Ich frage mich, wie ich dich lieben konnte.

Wieso ich dich immer noch liebe.

Jetzt durchschaue ich dich. Du denkst bloß ans Geld.

An nichts weiter, du kleiner, dreckiger, niederträchtiger Bastard!

Und du? Was ist mit Renato und Elena? Ging es da nicht ums Geld?

Ich hätte dich niemals verlassen! Niemals! Niemals! Niemals! Niemals!

Ja. Ja, ich habe diesen Brief geschrieben.

Ich habe ihn geschrieben und weiß, dass ich Unrecht getan habe.

Aber ich sah in diesem Brief die einzige Möglichkeit, dich an mich zu binden.

Dich für mich zu behalten.

Ich bitte dich, Mattia, hab doch Verständnis für mich.

Ich meine...

Auch das ist Liebe, verstehst du?

Kannst du das nicht verstehen, Mattia?

Nur einmal noch. Das letzte Mal, wenn du willst.

- Nein. - Nein, du darfst nicht gehen! Sei nicht so hart.

Ich bitte dich, bleib bei mir. Geh nicht fort, Mattia!

Leb wohl, Carla.

Kann ich Sie sprechen?

Hätte ich diesen Brief nur niemals geschrieben.

Es ist entsetzlich.

Ich schäme mich so.

Aber ich musste mich verteidigen, irgendwie.

Ich musste es tun.

Verteidigen? Vor wem denn?

Ich fühlte mich so alleingelassen. Ihr wart gegen mich.

Ich fühlte mich ein wenig zu eurer Familie gehörig.

Ich mag euch wirklich gern.

Aber ihr habt mich einfach fallenlassen.

Ich bin so allein.

So allein. Ich weiß nicht einmal, wen ich um Verzeihung bitten soll.

Niemand.

Du bist sehr lieb, Elena.

Du bist die Einzige, die mich versteht.

Immer war es so.

Immer wenn ich etwas hatte, was mir viel bedeutete, hat man es mir weggenommen.

Jedes Mal.

Nicht weinen.

Ich kann Ihren Kummer verstehen, aber Sie müssen sich etwas beherrschen.

Auch ihr habt mich allein gelassen. Du ebenso wie Mattia.

Das ist nicht wahr. Ich habe Sie sehr gern.

Ich bitte dich. Lass mich nicht wieder allein.

Ich brauche Trost.

Tröste mich, ja? Bitte, ja?

Ja. Ja, so ist es gut. So ist es gut. Ja.

- Jetzt wirst du Mattia aufgeben müssen. - Mattia?

Warum?

Mattia ist mein Verlobter.

Er war es.

Du wirst ihn nicht heiraten.

Wieso?

Wir können uns doch heimlich sehen, Carla.

- Du hast es noch nicht begriffen. - Was habe ich nicht begriffen?

Du und Mattia, ihr werdet nicht heiraten.

- Was? - Habe ich mich jetzt klar ausgedrückt?

Was sagst du da? Du musst verrückt sein.

Ich und Mattia heiraten. Darauf kannst du dich verlassen.

Nein! Wenn du das tust, werde ich deinen Eltern alles berichten,

was zwischen uns vorgefallen ist. Und allen anderen auch.

Du bist ekelhaft!

Vorhin, als wir zusammen geschlafen haben, hast du das nicht gesagt.

Willst du wissen, warum ich es getan habe?

Weil es die einzige Waffe war, die mir geblieben ist,

um eure Ehe unmöglich zu machen.

Das wird dir nie einer glauben.

- Das glauben sie dir niemals! - Du irrst dich, Elena. Sie werden es glauben.

Die Leute werden anfangen zu reden.

In eurer vornehmen Gesellschaft dauert es nicht lange,

bis die Leute sich das Maul zerreißen.

Und dann seid ihr ruiniert. Du und deine feinen Eltern.

Die so viel Vertrauen in ihr kleines, unschuldiges Töchterchen gesetzt haben.

- Was meinst du? - Und du glaubst, dass Mattia nach alldem zurückkehren wird?

Du bist wahnsinnig. Wahnsinnig!

Du und ich, wir sitzen beide in einem Boot.

Vielleicht hast du recht. Ja, du hast recht.

Mit nur einem Unterschied. Ich kann nichts mehr verlieren.

Und deshalb wirst du ihn auch nicht bekommen.

Wir sind fertig miteinander. Zieh dich jetzt an und verschwinde.

Ich kann deine Anwesenheit nicht mehr ertragen.

Vielleicht sollten wir nach Salzburg fahren.

Die Landschaft dort ist herrlich. Die Hotels sind hervorragend.

Und Mattia hat Gelegenheit, die besten Konzerte zu besuchen.

Das wäre wunderbar. Wir sind lange nicht mehr verreist.

Wie lange hast du dir eigentlich keinen Urlaub mehr gegönnt?

- Ich meine einen richtigen Urlaub. - Ja, ich glaube, du hast recht.

Das letzte Mal waren wir im Urlaub in Amerika.

Entschuldigen Sie. Draußen ist der Kommissar Francetti. Der möchte Sie sprechen.

Entschuldigt mich.

- Was kann das sein? - Wahrscheinlich eine kleine, lächerliche Bagatelle.

Neulich holten sie ihn wegen eines Kerls, der Äpfel geklaut hatte.

Wegen eines Zentners Äpfel haben sie dem armen Luder 2 Jahre aufgebrummt.

Ich habe eine sehr schlechte Nachricht für euch.

Etwas Schlimmes ist passiert.

Senora Richter ist tot.

Sie wurde wahrscheinlich ermordet, gestern Abend.

Draußen ist Kommissar Francetti.

Nicht weinen, mein Liebling. Ich bitte dich, nicht weinen.

- Beruhige dich doch. - Der Kommissar ist ein Freund von mir.

Er ist gekommen, um mit dir zu sprechen, Elena.

Nicht weinen, mein Schatz. Nicht weinen.

Aus Freundschaft und Rücksichtnahme auf Ihre Familie

habe ich Sie nicht vorgeladen, sondern bin persönlich gekommen.

Dieser Besuch ist zwar eine reine Formalität,

aber wie Sie wohl verstehen, unvermeidlich.

Gewiss, Herr Kommissar. Wir verstehen.

Sagen Sie mir, Signorina Elena,

wann haben Sie Senora Richter zum letzten Mal gesehen?

Ich? Vor ein paar Tagen.

Wir hatten erst gestern Senora Richter die Stellung als Klavierlehrerin gekündigt.

Ich meine, vielleicht hat das ja etwas...

Herr Kommissar, sind Sie denn sicher, dass es ein Mord war?

Die Senora hatte vielleicht Sorgen,

und kann es nicht sein, dass sie Selbstmord begangen hat?

Nein, nein, Senora. Man kann nicht Selbstmord begehen,

indem man sich selbst die Schädeldecke zertrümmert. Das ist unmöglich.

Hinzu kommt, dass wir die Tatwaffe gefunden haben. Eine kleine Statuette aus Bronze.

Sehr interessant ist, dass alle Spuren beseitigt wurden.

- Sie verstehen, Senora. - Ich verstehe, Herr Kommissar.

Es war der Sohn der Senora Richter, der, als er nach Haus kam,

den Leichnam fand. Es ist wohl verständlich, dass er die Nerven verlor.

Na ja, er nannte mir Namen. Einen Namen hat er mir mehrmals genannt.

Den Namen eines Mannes, der, wenn ich es recht verstanden habe,

im gewissen Sinne zu Ihrer Familie gehört.

Senor Mattia Morandi.

Aber das ist doch unmöglich, Herr Kommissar.

Mattia ist der Verlobte meiner Tochter.

Ich weiß. Hören Sie, Senor Morandi.

Ich sehe mich gezwungen, Ihnen sehr persönliche Fragen zu stellen.

Sie brauchen es nur zu sagen.

Ich bin gern bereit, mit Ihnen unter vier Augen zu sprechen.

Ich habe nichts zu verbergen. Wir können hier reden.

Wie Sie wollen.

Also gut, Sie waren der Geliebte der Senora Richter.

Das ist wahr.

Und wann haben Sie die Beziehung zu ihr abgebrochen?

Als ich Elena kennenlernte.

Und wie hat Senora Richter die Beendigung Ihres

Verhältnisses aufgenommen?

Sie wollte die Tatsache nicht akzeptieren,

sie wollte einfach nicht begreifen, dass unsere Beziehung nichts weiter war als...

- Wie soll ich sagen? - Schon gut. Ich verstehe.

Ich verstehe. Eine weitere Frage.

Hat Senora Richter auf irgendeine Weise versucht,

Ihre Hochzeit mit Signorina Elena zu verhindern?

Ich meine, hat sie womöglich versucht, Sie mit Drohungen zu erpressen?

Hat sie Ihnen Briefe geschrieben?

Herr Kommissar, wenn Sie doch schon alles wissen, warum fragen Sie mich dann?

Sagen Sie mir, was Sie mir zu sagen haben.

Also gut, dann bin ich gezwungen, Sie zu fragen, Senor Morandi,

wo waren Sie gestern Nachmittag in der Zeit zwischen 15 und 18 Uhr?

Ich war zu Hause. Ich hab geübt.

- Allein? - Ja, allein.

Wenn Sie keine Zeugen haben, werden Sie Probleme haben.

Ich muss Sie darauf hinweisen, dass der Sohn der Senora Richter...

Bitte sag es ihm, Mattia, bitte sag es ihm.

Mama, Papa, ich muss euch Kummer bereiten.

Aber es geht nicht anders.

Ich war gestern zwischen 15 und 18 Uhr bei Mattia.

- In seinem Zimmer. - Elena. - Du sagst keinen Ton.

Signorina Mazzarini, sind Sie bereit, diese Aussage auch unter Eid zu wiederholen?

In einem eventuellen Prozess. Würden Sie das vor Gericht bestätigen?

Natürlich, Herr Kommissar.

Wo und wann Sie es wünschen.

Vielen Dank.

Francetti, mir liegt sehr daran, dass von dem, was hier gesprochen worden ist,

auf keinen Fall ein Wort an die Öffentlich- keit gelangt. Unter keinen Umständen.

- Haben wir uns verstanden? - Aber das ist doch selbstverständlich.

Das Wort Ihrer Tochter ist für mich völlig ausreichend.

Aus vielen Zeugenaussagen geht hervor, dass Senora Richter

einen etwas leichtfertigen Lebenswandel geführt hat.

Vermutlich ist sie von einem ihrer Liebhaber umgebracht worden.

- Sicher war es so. - Gewiss, gewiss.

Es war wohl leichtsinnig von uns, unsere Kinder einer Person anzuvertrauen,

über die wir keine Erkundigungen eingezogen hatten.

- Apropos, wie geht's Ihrem Sohn? - Oh, vielen Dank. Sehr gut.

Er hat promoviert. Er wird sich um eine Stellung bemühen.

Schicken Sie ihn doch mal zu mir. Ich glaube, ich kann etwas für ihn tun.

Danke.

- Auf Wiedersehen, Francetti. - Auf Wiedersehen.

Senor Mazzarini.

Die Erde ist von Gott. Und alles, was in der Erde ist, gehört ihm.

Und alles, was in der Erde ist, gehört ihm.

Renato.

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