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Original subtitles

AB ANS MEER!

(Musik)

Hallo, ich heiße Thomas Robsky. Gestern bin ich 11 geworden.

Ich habe einen ganz großen Traum.

Ich will Regisseur werden und super Filme drehen.

Aber nicht nur hier in Tschechien.

Von mir aus kann ich hier anfangen mit ein oder 2 Filmen,

aber dann nichts wie nach Amerika nach Hollywood, so wie Milos Forman.

Papa sagt, dass ich Filmemachen erst lernen muss.

Ich will nicht so lange warten.

Ich will gleich einen Film drehen, sofort.

Ich habe zu meinem Geburtstag eine Kamera bekommen

und ein eigenes Schnittprogramm.

Ich kann den Film schneiden, die Szenen umstellen, Musik dazupacken,

ganz tolle Effekte machen.

Und wenn ich will, auch die Stimmen verzerren.

Ein Regisseur sollte einen Film über das machen,

was er kennt und versteht.

Deshalb mache ich meinen 1. Film auch über mich selbst,

meine Familie und über Harris.

Er ist mein bester Freund und kommt aus Kroatien.

Seine Mutter kommt von dort, und Harris ist dort geboren.

Aber dann ist die ganze Familie nach Tschechien gezogen,

weil sein Vater Tscheche ist.

Harris Kubalek.

Hallo.

Wir gehen zusammen in eine Klasse.

Dass er Kroate ist, merkt man gar nicht.

Ich habe noch nie das Meer gesehen.

Meine Eltern haben kein Geld für einen Strandurlaub.

Aber Harris und ich wollen zusammen das Meer sehen.

Das ist mein Papa.

Und meine Mama.

Sie will unbedingt ein Baby bekommen, aber es klappt nicht.

Das ist unser Haus. Wir wohnen in einer schönen alten Stadt.

Wir wohnen in Ceské Budejovice.

Das ist Stana, und ich bin in sie verliebt.

Ich glaube, sie findet mich auch toll,

aber sie traut sich nicht, mir das zu zeigen.

Lass das.

Alle Mädchen sind so, sagt Mama.

Am besten, man zeigt, dass man sich für sie interessiert,

und tut dann so, als ob sie nicht da wären.

Auch wenn sie dich nicht beachten,

wollen sie trotzdem, dass du ihnen zeigst, wie toll du sie findest.

Tja, sie wollen eben doch von dir beachtet werden.

Stana isst gerne Eis und sie hat eine wunderschöne Stimme.

Und dann ist mein Opa gestorben, aber ich habe noch Oma Stena.

Sie ist oft bei uns. Papa holt sie mit dem Auto ab.

Sie könnte genauso gut zu Fuß gehen.

Thomas, Schätzchen.

Hallo Oma. - Thomas, Schätzchen.

Du hast dich wieder nicht bewegt. Du gehst nie zu Fuß.

Dann komm mit mir die Schwäne füttern.

Sie hört ständig nur Volksmusik,

sie bewegt sich kaum noch und geht nicht mehr spazieren.

Aber sie ist viel cooler als Mama. Mama ist sehr streng.

Thomas, hör auf, mich zu filmen. Mach das aus.

Schalt das sofort aus. Schalt das aus. Schalt das aus.

Schalt das aus.

Mit Oma ist es immer lustig.

Sie sagt, ich und die Volksmusik sind ihr das Liebste auf der Welt.

Ich liebe sie auch mehr als alles andere auf der Welt.

Aber ich ärgere mich, dass sie Sachen isst, die ihr nicht guttun.

Deswegen nehme ich ihr die ungesunden Sachen weg,

damit sie nicht krank wird.

(Musik)

Thomas, lass das. Bring mir das zurück.

Sag ihm, er soll es mir zurückgeben. (Mutter) Gib es ihr zurück.

Und ich kann es nicht leiden.

Wenn sie ständig furzt und es nie zugeben will.

(Furzen)

Deshalb werden wir uns die Frage stellen lassen... - Oma?

Du hast gefurzt. - So was mache ich nicht.

Jeder Film sollte mit einer Verschwörung anfangen

oder mit was Tragischem.

Und die Tragödie meines Lebens ist der Fußball.

(Musik)

Harris und ich spielen im Verein. Er ist echt gut, und es gefällt ihm.

Mir macht das gar keinen Spaß.

Ich finde, dass du besser spielst als viele Jungs im Verein.

(Musik)

Ich hasse Fußball, aber ich muss spielen.

Papa sagt, dass ich gut bin.

Aber ich weiß, das sagt er nur,

damit ich dabeibleibe und keine Drogen nehme oder so was.

Das ist Herr Safarik, unser Trainer.

Die besten Freunde des Trainers sind die Papis.

So nennen Thomas und ich sie. Das sind die Väter.

Die Papis sind die besten Kumpels vom Trainer,

und deren Kinder sind die besten Kumpels von seinem Sohn.

Klar, die dürfen auch am meisten spielen.

Für mich sind das alles blöde Idioten.

Hör auf rumzualbern und komm her.

Guck mal, der spielt mit der Kamera rum. - Mal wieder dieser Robsky.

Komm schon, du machst gleich ein paar extra Kniebeugen.

Willst du schon wieder nicht duschen? Du bist ein Schwein.

Ich hab nicht geschwitzt.

Du stinkst, Mann. Geh unter die Dusche.

Oder du kriegst eine von mir verpasst. - Nein.

Zieh ihm die Hosen aus. - Bitte nicht, nein!

Guck mal, sein Pimmel sieht aus wie ein Pilz.

Lass mal sehen. - Er ist beschnitten.

Bist du ein Jude oder ein Moslem? - Lasst mich endlich in Ruhe.

So läuft das beim Fußball.

Thomas und mich lassen sie zum Glück in Ruhe.

Sie sagen nur ständig, dass wir schwul sind,

weil wir keine Lust haben, andauernd mit denen zu quatschen.

Uns ist das egal.

Es gibt ein Geheimnis, das wir rauskriegen wollen.

Mein Vater geht vormittags einfach weg.

Und wenn ich ihn frage, wohin er geht, dann lügt er mich an.

Mein Vater hat endlich wieder einen Job gefunden.

Er verkauft gebrauchte Möbel, aber dazu muss er nirgendwo hingehen.

Er kann von zu Hause aus arbeiten, weil er die Möbel online verkauft.

Mama ist Physiotherapeutin.

Sie hilft Menschen, die einen Unfall hatten, ihre Gelenke zu bewegen

oder versucht, Menschen, die gelähmt sind, das Laufen beizubringen.

Aber das klappt nicht oft.

Ich weiß, dass sie viel Gutes tut. Ich gehe aber nicht gerne dorthin.

Dort gibt es nur kranke und behinderte Menschen.

Mama hilft hauptsächlich den Menschen,

die schwere Behinderungen haben, aber Mama hat recht.

Es ist gut, das mal zu sehen, damit man achtsamer mit sich umgeht

und mit dem zufrieden ist, wie man ist.

Aber sie nehmen mich nie mit darein. Ich weiß nicht, wieso.

Ich habe rausgefunden, dass mein Vater lügt, dank meiner Kamera.

(Musik)

So, lasst es euch schmecken. - Guten Appetit. - Guten Appetit.

Was macht das Training? - Alles okay.

Na los.

(Trainer) Wir fangen an. Los, bewegt euch.

Robsky, Kubalek, 50 Kniebeugen, weil ihr gequatscht habt.

Wo rennst du hin, Robsky? Glaubst du, da drüben gehts leichter?

Anfangen. 1, 2, weiter, 3.

4, 5.

Spielst du am Samstag?

Ich würde gern zusehen. Mama kommt auch mit.

Mhm.

Ich weiß noch nicht, ob ich spielen darf.

Vielleicht taucht einer der Jungs nicht auf,

dann hätte ich eine Chance.

Warum stellt er dich nie auf? - Weil du nie hingehst.

Es geht doch nicht darum,

ob die Eltern zum Training kommen oder nicht.

Trainierst du fleißig genug? - Ja.

Lobt dich dein Trainer manchmal? - Nein.

Was ist mit Harris?

Er spielt ziemlich oft.

Ziemlich oft, ja? Harris ist der beste Spieler im Team.

Stimmt.

Mama und ich kommen am Samstag, ja?

So, jetzt gehts los.

Papa? - Mhm?

Warst du heute zu Hause?

Wann?

Als ich in der Schule war.

Klar war ich zu Hause. Wieso?

Und was hast du gemacht?

Na was wohl? Ich habe am Computer gearbeitet. Wieso?

Auch um 10?

Ja, auch um 10. Ich hatte einiges zu erledigen. Wieso?

Papa lügt mich also an.

Verrätst du mir, was das soll?

Ich wollte ganz sichergehen.

Also habe ich ihn die nächsten Tage gefilmt.

Am Montag war er tatsächlich zu Hause

und hat am Computer gearbeitet.

Aber am Dienstag ging er wieder weg.

Am Donnerstag wollte ich sichergehen,

dass er nicht irgendwo sonst in der Wohnung war.

Also habe ich die Kamera ins Fenster gestellt.

Papa ist mit seinem Auto weggefahren.

Papa?

Was denn? - Warst du heute den ganzen Tag zu Hause?

Ich habe den ganzen Tag am Computer gearbeitet.

Warum interessiert dich das, Thomas?

Wenn du wüsstest, Mama.

Ich vermute, dass Papa meine Mama betrügt.

Dass er sich mit einer anderen Frau trifft.

So was passiert ständig, jedenfalls im Film.

Ich will nicht, dass bei meinen Eltern auch so was passiert.

Normalerweise fängts damit an,

dass sie sich nicht mehr so gut verstehen und öfters streiten.

Irgendwann finden sie einen anderen, mit dem sie sich besser verstehen.

Harris und ich sind fest entschlossen,

das Geheimnis meines Vaters zu lüften.

Und wir werden alles, was passiert, filmen.

Oma, kommt dir in letzter Zeit hier nicht auch manches komisch vor?

Ja.

Du klaust mir meine Süßigkeiten

und gehst nie mit mir die Schwäne füttern.

Komm schon, Oma, das ist unwichtig.

Aber du sagst ständig, ich soll mich bewegen.

Dann komm mit mir die Schwäne füttern, das ist auch Bewegung.

Ja, Oma, bald. Aber ich muss dich was Wichtiges fragen.

Hast du auch das Gefühl, dass irgendwas komisch ist?

Zwischen Mama und Papa.

Ich versteh nicht. Streiten sie sich? - Nein, überhaupt nicht.

Wenn sie sich nicht streiten, was soll schon sein?

Kann sein, dass sie nicht mehr, du weißt schon, miteinander schlafen.

Wie, nicht miteinander schlafen?

Sie schlafen vielleicht nebeneinander, aber nicht...

Du weißt schon. - Schon klar, was du meinst.

Und wenn nicht, wieso ist das so wichtig? - Schlafen sie miteinander?

Ja. - Ich meine richtig miteinander.

Ja.

Woher weißt du das?

Ich weiß es halt.

Wirklich?

(Musik)

Ich weiß nicht. War komisch.

Hoffentlich hören sie damit wieder auf, wenn das Baby da ist.

Sie wollen noch ein Baby?

Wieso sollten sie es sonst tun?

Aber wenn sie das miteinander machen,

dann hat dein Papa keine andere.

Vielleicht geht er einfach so irgendwohin.

Da muss nicht unbedingt eine Frau sein.

Ich hoffe es.

Ich muss das rausfinden.

Stana hatte einen super Auftritt in der Schule.

(Musik)

(singt auf Tschechisch)

(Musik)

Na ja, ich finde es irgendwie komisch.

Erst so tun, als wäre man interessiert,

und dann so tun, als wäre gar nichts.

Klingt für mich echt doof.

Mama sagt, dass es so eine Art Spiel ohne Worte ist

und dass die Mädchen drauf stehen.

Dann sollen die Mädchen das tun,

aber wir Jungs tun es auf unsere Weise.

Wenn du ihr Spiel mitmachst, wirst du das nie tun können.

Du weißt, wie deine Eltern.

Warte mal. Hast du etwa...

Blödmann! Du hast es dir angeguckt.

Wenn du auch die Kamera anlässt.

Du bist pervers. - Die Stellung kannte ich nicht.

Ich stelle nur kurz die Kamera an.

Wir machen eine kleine Umfrage und stellen allen hier dieselben Fragen.

Okay. - Gut.

Dann stelle ich dir jetzt die 1. Frage.

Welches ist dein Lieblingsfach, Stana?

Musik.

Wen kannst du in deiner Klasse am wenigsten leiden? - Alice und Jana.

Und beste Freundin oder Freund?

Luzka.

Und welcher Junge in der Klasse gefällt dir am besten?

Nein. - Sag schon.

Nein, das will ich nicht sagen. - Wieso denn nicht?

Nein. - Wieso nicht?

Tschüs. - Tschüs.

Was ist?

Ehrlich, die Kamera hat sich von selbst ausgeschaltet.

Blödsinn. - Doch, ich schwörs.

Außerdem wollte sie es sowieso nicht verraten.

Hat sich geniert.

Du hättest sie fragen können, als die Kamera aus war.

Das habe ich doch. - Und?

Sie wollte es mir nicht sagen. Keine Ahnung, wieso.

Was macht ihr beiden Prinzessinnen noch hier?

Schließt ab und gebt den Schlüssel beim Pförtner ab. - Ja.

Thomas ist unter der Dusche und will mich nicht aufs Klo lassen.

Jedes Mal, wenn ich es versuche, spritzt er mich nass.

Es gibt keinen anderen Weg zum Klo. Man muss an der Dusche vorbei.

Na komm schon, komm schon.

Ich pinkle gleich in die Hose. - Sei nicht so ein Feigling.

Ich ziehe aber seine Sachen an.

Mal sehen, ob er die auch nass spritzt.

Ha.

(räuspert sich)

(beide lachen)

Scheiße, das sind ja meine Klamotten.

Du Blödmann. Wie soll ich jetzt nach Hause kommen?

(Fernseher) Die Fahrt geht vorbei an sagenumwobenen Buchten,

pulsierenden Metropolen und romantischen Weinregionen.

Diese Reise macht deutlich, warum es am Rhein so schön ist.

Vom Knie bei Basel durch die Oberrheinische Tiefebene

und den eindrucksvollen Durchbruch durch das Schiefergebirge

bis zum Delta in den Niederlanden.

Ah, unser kleiner Spielberg.

Nein, nicht Spielberg. Forman, Mama, Forman.

Hör auf, mich zu filmen, Forman.

Ich habe mich nicht hübsch gemacht.

Du bist auch so die Schönste für mich.

In meinem Film wärst du immer der Star. - Du bist so süß.

Äh, Mama? - Mhm?

Findet Papa dich auch hübsch?

Ich glaub schon.

Ich hoffe es jedenfalls.

(Musik)

Was hast du gekauft?

Ich weiß nicht, Medikamente für die Blutgefäße oder so.

Für wen?

Für meine Oma natürlich.

Aber letztes Mal waren es noch 250er-Tabletten.

Und jetzt sind es schon 500er.

Wird wohl immer schlimmer mit ihr. Sag ich ihr die ganze Zeit.

Los, komm.

(Musik)

Und was mache ich jetzt mit Stana?

Gar nichts. Ich glaube, keiner gefällt ihr.

Jedem gefällt irgendjemand.

Glaub mir, sie spielt dieses Mädchenspiel.

Vielleicht sollte ich sie mal einladen. - Hm.

Was "hm"?

Erst sagst du mir, ich soll sie einladen und die Mädchenspiele

nicht mitmachen, und jetzt sagst du nur, hm, hm.

Hm.

Jesus Maria.

Okay, vielleicht war es ja blöd, was ich gesagt habe.

Ist halt nicht einfach, ein Mädchen anzubaggern.

Aber wir haben bestimmt noch genug Zeit dafür. - Ja.

Mein Opa hat immer zu mir gesagt, wer Angst vor jedem Busch hat...

...soll nicht in den Wald gehen. - Nein.

Wer Angst vor jedem Busch hat, ist ein Waschlappen.

Ha.

Training für unseren Trip ans Meer. - Kroatien, mein Heimatland.

Ja!

Ja!

(Musik)

Komm, steig ein.

(Musik)

(hupt)

Hallo Harris. - Hallo.

Hallo. - Hallo.

Hallo.

Idioten.

Das ist der FC Jiskra.

Jungs, alles klar?

Das sind Maschack und Kretsche, die fiesesten Schikanierer

und dicksten Freunde vom Sohn des Trainers.

Hey, willst du nicht auch selbst filmen?

Tue ich doch dauernd.

Ich meine, über dich und deine Familie.

Mein Vater will nicht, dass jemand zu uns kommt.

Ich muss doch gar nicht mitkommen. Du könntest meine Kamera ausleihen.

Bei uns gibt es sowieso nichts zu filmen.

Lasst mich in Ruhe. - Du kreischst schlimmer als ein Mädchen.

Los, aufmachen. Halt ihn fest.

Du sollst den Mund aufmachen.

Lasst ihn in Ruhe, ihr Weichlinge.

Hört auf!

Lasst ihn in Ruhe.

(Trainer) Was ist hier los? Hört sofort auf.

Robsky, Kubalek, Schluss jetzt, verdammt noch mal.

Habt ihr nicht gehört? Aufhören.

(alle) FC Jiskra.

Schieß, los! - Lauf doch, Junge.

Seid ihr blind? - Mein Gott.

(Pfiff)

Alles okay?

Klar, mir doch egal. Ich wollte sowieso nicht spielen.

Ich schon.

Ich weiß.

(Trainer) Was machst du denn da? Was soll der Scheiß?

Bist du bereit?

Klar doch.

(Pfiff)

Pst.

(Musik)

Ah ja. Und was fehlt dir?

Ich habe Bauchschmerzen.

Bauchschmerzen. - Als müsste ich mich übergeben.

Na schön. Gut, dann bleibst du heute mal zu Hause.

Ich hol dir eine Medizin.

Ich habe rausgefunden,

dass er jeden Dienstag und Donnerstag das Haus verlässt.

Er lügt und will nicht sagen, wohin er fährt.

Heute ist Dienstag. Deshalb habe ich beschlossen, hierzubleiben und...

Hier, nimm eine, dann fühlst du dich besser.

Schluck sie runter.

Na los.

Versuch, ein bisschen zu schlafen. - Mhm.

Heute ist Dienstag.

Also habe ich beschlossen, hierzubleiben, um zu sehen,

was er macht, wenn er meinetwegen nicht einfach wegkann.

Plötzlich war es unheimlich still.

War es meinem Vater gelungen, sich heimlich aus dem Haus zu schleichen?

Ich machte mich also dran, die Wohnung zu durchsuchen.

Das ist unsere Wohnung.

Papa war in seinem Arbeitszimmer.

Was ist los? - Nichts.

Wieso stehst du dann hier?

Ich wollte aufs Klo. - Und warum gehst du nicht?

(Toilettenspülung)

Und, was war?

Geht irgendwie nicht. - Aha.

Hast du noch Bauchschmerzen? - Ja.

Dann geh wieder ins Bett. Ich muss jetzt auch mal.

Jetzt oder nie, habe ich mir gesagt.

(Musik)

(Toilettenspülung)

Hallo mein Schatz. Ich kann heute nicht kommen.

Thomas ist zu Hause, weil es ihm nicht gut geht.

Ich will nicht, dass er unnötige Fragen stellt.

Falls er einschläft, komme ich noch vorbei. Bis bald. Kuss.

Jetzt ist alles klar.

Mein Vater trifft sich mit einer anderen.

Mein Vater lügt.

Es nur noch eine Frage der Zeit, bis sie sich scheiden lassen.

Und Mama hat keine Ahnung.

Findet Papa dich auch hübsch?

Ich glaub schon.

Selbst meine Oma ahnt nichts.

Wenn sie sich nicht streiten. Was soll sein?

Also hängt jetzt alles an mir.

Ich hab beschlossen, dass ich das knallhart aufdecken werde.

Ich werde die Wahrheit herausfinden.

Guten Appetit. (Stena) Guten Appetit. - Guten Appetit.

Guten Appetit.

Fahren wir dieses Jahr ans Meer?

Ich habe gesagt, dass wir es dieses Jahr nicht schaffen.

Warum nicht?

Weil Papa viel zu tun hat.

Dann fahren wir ohne ihn.

Hör mal.

Dieses Jahr haben wir für deine Kamera gespart.

Vielleicht reicht es nächstes Jahr für einen Urlaub.

Wir fahren sobald wie möglich ans Meer.

Das haben wir dir versprochen.

Aber dieses Jahr schaffen wir es nicht.

Verstehst du?

Iss was. - Iss.

Und wann kriegen wir das Baby?

Was für ein Baby?

Mein Geschwisterchen. Ich hätte gern eins. Also wann?

Wir wollen kein weiteres Kind.

Wie kommst du darauf?

Wir haben doch dich. Und das genügt uns völlig.

Genau.

Ich bin satt.

Wenn sie nicht mehr miteinander klarkommen,

ist es doch besser, wenn sie sich trennen.

Besser, als in einer kaputten Familie zu leben.

Eigentlich ist unsere Familie überhaupt nicht so kaputt.

(Musik)

Sag mal, wann filmst du eigentlich mal bei dir zu Hause?

Ich werde bei mir nicht filmen.

Aber ich muss doch auch was über dich haben,

wenn ich einen Film über mich mache.

Gut, dann filme ich dich eben, wie du kackst.

Du willst mich beim Kacken filmen? - Genau, wie du kackst.

Pass auf die Kamera auf.

Und ich film dich, wie du pinkelst.

(stöhnen)

(Glockengeläut)

Weißt du, was ich gemacht habe?

Ja, weiß ich. Du hast mich beim Kacken gefilmt. - Ja, das auch.

Aber weißt du, was noch?

Ich habe mich mit Stana verabredet.

Hm.

Was ist?

Ich weiß nicht, ob das eine gute Idee ist.

Warte? Keine gute Idee? Wieso nicht?

Ich weiß nicht. - Weiß nicht, weiß nicht, weiß nicht.

Immer nur weiß nicht.

Du willst bei dir zu Hause nicht drehen.

Und du weißt auch nicht, ob es so eine gute Idee ist,

dass ich mich mit Stana verabredet hab.

Was weißt du überhaupt? Du bist ne dämliche Lusche.

Augenblick mal.

Du bist in sie verknallt. - Bin ich nicht.

Komm, komm her, näher.

Du bist doch in Stana verknallt, stimmts?

Nein, ich bin nicht in Stana verknallt.

Schwörs vor der Kamera.

Ich schwörs vor der Kamera, dass ich nicht ins Stana verknallt bin.

Okay. Na gut.

Aber du filmst mich mit ihr zusammen.

Starke Gefühle und Romantik sind der Schlüssel zu einem großen Film.

Für mich bitte ein Cola-Eis.

Und ein Eisbecher mit 2 Kugeln Vanille.

Bitte sehr. - Danke.

(Musik)

Hallo, 2 Karten bitte.

Nein, ich lad dich ein. - Danke.

(Musik)

(Musik)

Komm, wir setzen uns noch irgendwohin. - Okay.

Auf ne Bank? - Mhm.

Wie wärs mit der da?

Komm.

Hier? - Ja.

Aber mein Vater holt mich in einer halben Stunde ab.

Okay, dann wenigstens eine halbe Stunde.

Na gut.

(spult vor)

Thomas,

weißt du, ich will eigentlich nicht mit dir gehen.

Ich möchte das einfach nicht.

Aha.

Ja.

Ich habe nur gedacht, weil wir doch...

...in der Schule miteinander reden.

Da hab ich gedacht...

Ich weiß schon, aber...

Ähm.

Ich mag nun mal...

...einen anderen.

Wen?

Halt einen anderen.

Wen?

Einen anderen.

Und wer ist das?

Weißt du, ich mag...

...Harris.

Harris?

Und wieso gerade Harris?

Und wieso...

...wieso hast du ihm das nicht gesagt,

als er dich für unseren Film interviewt hat?

Aber das habe ich ihm doch gesagt.

Du hast?

Ja, ich habs ihm gesagt.

Du gemeiner Kerl.

Harris, bist du das?

Ja, Mama, ich bins.

Papa ist nicht da.

Aha.

Warum kommst du so spät, Harris?

Tut mir leid, Mama. Ich war noch mit Thomas unterwegs.

Um diese Uhrzeit? - Mhm.

Wie läufts in der Schule? - Ganz gut.

Harris, mach das Licht wieder aus.

Ich zieh mich nur kurz aus.

(Vater) Du elende Schlampe!

(Bruder) Geh zu ihr, Harris. Geh doch.

(Vater) Ich will nicht, dass du da hingehst! (Mutter weint)

(Bruder) Hilf ihr doch.

(Mutter schreit)

Hör auf, Papa!

(Vater) Hör auf zu schreien, du Miststück.

Was willst du hier? Geh ins Bett! Geh ins Bett, hab ich gesagt!

(Mutter weint) - Du sollst ins Bett gehen!

(Knall) Hör auf zu schreien!

Passiert das oft?

Ja, fast jeden Tag.

Und schlägt er dich auch?

Nein. Ganz selten.

Nur manchmal, wenn ich versuche, meine Mama zu beschützen.

Wenn ich groß bin, kriegt er alles zurück.

Oder du drehst einen Film darüber.

Über alles, was du durchgemacht hast.

Das macht jeder. Ich meine, jeder Regisseur.

Ja, könnte ich.

Na ja...

...diese Sache mit Stana.

Ich wusste nicht, ob ich es dir sagen soll, weil du doch...

Ach, vergiss es.

Wir lassen doch kein Mädchen zwischen uns kommen, oder?

Bestimmt nicht.

Also Stana, damit endest du in unserem Film.

Tut mir leid.

Aber du hättest es mir sagen sollen.

Alles Gute zum Geburtstag, Oma.

Thomas, komm her.

♪ Zum Geburtstag viel Glück.

Zum Geburtstag, liebe Stene,

zum Geburtstag viel Glück. ♪

Heute nimmst du mir die Torte aber nicht weg, ja?

Heute nicht, keine Sorge.

Schmeckt es? - Sehr gut.

Zur Feier des Tages ist auch extra viel Eierlikör drin.

Wie du siehst, haben wir sie außerdem

mit besonders schönen Erdbeeren dekoriert.

Und darunter ist... (Klirren) ...weiße Schokolade.

Mama? Mama? - Was?

Nicht doch. - Alle warten auf dich.

Darf ich bitten?

Und ihr beide? Wer will mit Oma tanzen?

Ich kann nicht, ich muss filmen.

Schluss mit den Ausreden.

Komm, ich kann das für dich übernehmen. - Nein, ich...

Geh schon, geh. Tanz mit Oma.

(Musik: Nedvedi "Vsechno Nejlepsí")

(Bruder) Hilf ihr doch, bitte, Harris.

Schon gut.

(Mutter weint) (Bruder) Warte.

(Vater) Halt die Klappe, du Schlampe!

Du gehst mir auf den Geist.

Ich schlag dich tot, wenn du die Kohle nicht rausrückst!

(Bruder) Harris, geh zu ihr.

(Vater) Wo ist es? (Bruder) Bitte.

(Vater) Blöde Schlampe!

Ich brauch das Geld für die Kin... - Verpiss dich, du Schlampe!

(Klirren)

Verpiss dich, du blödes Miststück! Ich hab genug von dir!

(Mutter weint) - Au!

Geh da rein! - Bitte nicht!

Los, rein mit dir, verdammt noch mal!

Rein mit dir, verdammt noch mal.

(Klopfen)

Ich hab die Schnauze voll. (Mutter schreit)

(Mutter weint)

(Mutter) Harris?

Mama. - Er hat mich eingeschlossen, dann ist er abgehauen.

Papa, gib mir den Schlüssel, lass sie raus.

Was hast du da?

Bleib stehen!

Gib mir die Kamera, verdammt noch mal!

Bleib stehen! Kleiner Scheißer!

Bleib stehen, verdammt noch mal!

Wenn ich dich erwische!

Wenn ich dich erwische!

(Mutter) Harris?

(Vater) Wo ist dieser Bastard, verdammt noch mal?

Was hattest du in der Hand? - Nichts, Papa, nichts.

Du hattest eine Kamera! Gib mir die Kamera!

(Schläge) Au, nein, Papa!

Wo ist die Kamera?

Gib mir die Kamera. (Harris weint)

Wo ist die Kamera? Wo?

Was ist das? - Ne Kamera. Von Thomas.

Versteck sie, Harris.

Wenn er sie findet, dann...

Er wird sie nicht finden, keine Sorge.

Tut mir leid, dass er dich geschlagen hat.

Aber meistens verprügelt er dich.

Das kann so nicht weitergehen.

Es wird immer schlimmer.

Was sollen wir denn tun?

Was?

Ich weiß es nicht.

Aber irgendetwas müssen wir machen.

Ich möchte zurück nach Hause.

Nach Kroatien.

Ich habe das Ganze gefilmt.

Alles.

(Klirren)

Oh Mann.

Harris und ich schwänzen heute zum 1. Mal die Schule.

Normalerweise tun wir das nie.

Aber wir wollen herausfinden, wohin mein Vater fährt.

Es gibt kein Zurück mehr.

Habt ihr ein Taxi bestellt? - Ja, mein Freund Kubalek.

Okay, Jungs. Habt ihr auch Geld?

Man soll nicht stehlen. Aber wenn es die Situation verlangt.

Das ist das Geheimversteck meiner Eltern.

Wir haben Geld.

Steigt ein.

Und wohin soll es gehen? - Augenblick bitte.

Wir warten noch auf jemanden.

Okay?

Folgen Sie diesem Auto, bitte. - Augenblick mal.

Ist das wirklich euer Ernst?

Ja? Ja.

Na dann, cool.

(Musik)

War eine komische Autofahrt.

Als ich klein war, war ich immer sauer,

wenn ich nicht gekriegt habe, was ich wollte.

Ich habe bisher noch nie ausprobiert,

wie es ist, wenn man was Unangenehmes will.

Aber die Wahrheit wollte schon immer wissen.

Wer ist der Mann in dem Auto? - Mein Vater.

Tatsächlich? Und wohin fahren wir? - Na ja, das wissen wir noch nicht.

Nicht. Fahren Sie nicht so nah ran. Er darf uns nicht entdecken.

Schon klar.

(Musik)

Ich musste mir alles zusammenreimen.

Mein Vater fährt regelmäßig irgendwo hin und lügt uns an.

Ich habe den ganzen Tag am Computer gearbeitet.

Mama und Oma haben keine Ahnung. Es ist ziemlich offensichtlich.

Warten Sie.

Wohin fährt er?

Da, halten Sie da an.

Danke.

Schon gut, geht aufs Haus, mein Junge. - Danke.

Er fährt zu deiner Mutter?

Aber wieso macht er das heimlich?

(Musik)

(Musik)

Hier ist es.

Thomas, Schätzchen?

Ist was passiert?

Warum hast du denn ein blaues Auge, Harris?

Ich habe mir den Kopf angestoßen.

Wie ist das passiert?

Beim Fußball.

Jesses Maria.

Schön, dass ihr mich mal besucht.

Lieb von euch, dass ihr noch so spät zu mir rausgefahren seid.

Weiß denn Mama, dass du hier bist? - Nein.

Weiß es deine Mama, Harris? - Nein, meine weiß es auch nicht.

So, so.

Was hast du? Du hinkst ja.

Ach, ich habe mir den großen Zeh angestoßen.

Zeig mal.

Ja.

Warum tust du kein Pflaster drauf?

Das heilt wieder. - Das sieht ziemlich schlimm aus.

Ich hol ein Pflaster.

Lieb von dir.

Ist doch klar, Oma.

Und wie geht es euch? Wie läufts in der Schule?

(beide) Ganz gut. - Schön.

Und mit Mädchen? Hast du eine Freundin, Harris?

Nein.

Dafür bleibt noch genug Zeit. Und du, Thomas?

Mir hätte schon eine gefallen, aber sie mochte Harris lieber.

Also wollten wir sie beide nicht mehr. - Wirklich?

Das finde ich toll.

Mädchen würden das nie machen, Jungs schon.

Ich würde kein Mädchen als Enkelkind wollen.

Viel zu anstrengend. Ich bin froh, dass ich dich hab.

Oma?

Wir sind hier, weil Harris und ich

einen Film über unsere Familie drehen.

Das dachte ich mir.

Und wir möchten dir gerne ein paar Fragen stellen.

Jetzt esst erst mal was.

Was willst du wissen?

Oma.

Ich habe zuerst gedacht,

dass Papa sich mit einer anderen Frau trifft.

Und? Tut er das? - Nein, nein.

Aber ich habe herausgefunden,

dass er jeden Dienstag und Donnerstag irgendwo hinfährt.

Immer, wenn ich in der Schule bin.

Also bin ich ihm gefolgt und habe herausgefunden...

...dass er Mama bei ihrer Arbeit besucht.

Aber als ich ihn gefragt habe,

hat er behauptet, er war die ganze Zeit zu Hause.

Was soll ich davon halten?

Weißt du, warum Papa mir nicht sagen will,

dass er Mama bei der Arbeit besucht?

Thomas, Schätzchen.

Ich weiß nicht, was ich sagen soll.

Weißt du was?

Ich weiß, dass du ein sehr, sehr kluger Junge bist.

Such weiter.

Gib nicht auf.

Du wirst es herausfinden.

Ich bringe es raus.

Meinst du, sie weiß Bescheid?

Keine Ahnung.

Unten am Dorfplatz fährt alle 20 min ein Bus in die Stadt. Ja?

Ja ja, schon gut.

Wiedersehen Oma.

Machs gut, Thomas, pass auf dich auf.

Behalt das erst mal für dich.

Okay. - Komm gut nach Hause.

Tschüs Oma.

Wiedersehen Harris. - Wiedersehen.

Heute Abend werde ich sie ganz direkt danach fragen.

Ich meine, sie belügen mich.

Papa zwingt mich, Fußball zu spielen.

Und in den Ferien fahren wir wieder nicht ans Meer.

Mama will zurück nach Kroatien. - Cool.

Dann siehst du ja das Meer.

Hey. Vielleicht kann ich ja mitkommen?

Oder?

Was hast du?

Hey.

Kannst du mir deine Kamera leihen?

Ich möchte heute Abend mit beiden filmen - Klar.

Dann guten Appetit. - Guten Appetit.

Guten Appetit.

Wie war dein Training?

Liefs besser?

Ein bisschen. - Ja?

Durftest du mitspielen?

Natürlich nicht.

Thomas, ist was?

Ich möchte euch 2 Dinge sagen.

Ich möchte, dass ihr mich ernst nehmt.

Ich weiß, ich bin erst 11. Aber ich bin kein Baby mehr.

Papa...

Zuerst will ich dir sagen, dass ich...

...dass ich nicht mehr Fußball spielen werde.

Ich hör damit auf.

Ich kann nicht gut spielen, und es macht mir keinen Spaß.

Ich will Regisseur werden und Filme machen.

Warte... - Du kannst du mich ruhig bestrafen.

Ich werde trotzdem damit aufhören. Ich will nicht mehr.

Ich will nicht.

Und die 2. Sache ist...

Ähm...

Die 2. Sache ist...

(Handyklingeln)

Hallo?

Was?

Und wann?

Was ist passiert?

Was ist passiert?

Meine Oma war gestorben.

(Musik: Jan Nedved & Frantisek Nedved "Kohout")

Wie gehts dir?

Weißt nicht. Wieso fragst du?

Weil es dein letztes Spiel ist.

Ich finds blöd,

dass ich dich mit diesen Deppen jetzt alleine lassen muss.

Sonst nichts?

Na ja.

Ist schon irgendwie komisch.

Ich war eine ganze Weile dabei.

Heute ist der 27.06.

Wir spielen das letzte Heimspiel vor den Ferien.

Ich stehe hier vor dem Stadion und freue mich das 1. Mal.

Es ist für mich das letzte Fußballspiel in meinem ganzen Leben.

Wieder auf der Ersatzbank.

Vielleicht soll es ja so sein. - Nein.

Du sollst spielen. - Nein, du solltest spielen.

Wir wechseln!

Kubalek, beweg dich, du spielst im Mittelfeld.

Komm schon, verdammt nochmal.

(Mann) Mach schon. Trödel nicht so lange rum.

Und weiter. (Pfiff)

Los, Harris!

(Kind) Haltet ihn auf!

Der Erste, der heute sein Zeugnis bekommt, ist David.

Ich gratuliere dir zu diesem guten Zeugnis.

Danke dir.

Stana.

Danke.

Miroslav.

Jetzt unsere 2 Regisseure. Harris Kubalek.

Sehr gutes Zeugnis.

Und Thomas Robsky.

Komm nach vorne, Thomas. Herzlichen Glückwunsch.

Du hast auch ein sehr gutes Zeugnis.

Ich wünsche euch schöne Ferien und freue mich aufs nächste Schuljahr.

(Musik)

Bist du bereit?

Bereit.

Komm. Da rüber.

Was jetzt?

Wir machens. Das müssen wir.

Papa?

Papa.

Papa? - Wieso...

Ich weiß, dass du hierher kommst.

Du fährst jeden Dienstag und Donnerstag hierher und belügst mich.

Und ich verstehe nicht, wieso du Mama heimlich besuchst.

Wieso darf ich nicht wissen, dass du sie besucht?

Ich will wissen, wieso ihr beide mich die ganze Zeit belügt.

Thomas?

(unverständlich)

Doch, wir müssen es ihm sagen.

Thomas.

Du kannst mit reinkommen.

Aber macht die Kamera aus. - Nein, Mama.

Die Kamera kommt mit und Harris auch.

Nein.

Ich versuche so lange herauszukriegen, was los ist.

Ohne Kamera hätte ich nie erfahren, dass ihr mich belügt.

Er kommt mit.

Gut, komm.

Komm.

Ich mache eine halbe Stunde Pause.

Das sind Thomas und mein Mann. - Hallo.

Kommt.

(Gesang)

Wartet hier.

(Gesang)

Kommt rein.

Thomas, das ist...

Ondra. Er ist...

Er ist dein Bruder, Thomas.

Wir haben ihn 5 Jahre, bevor wir...

...dich adoptiert haben, bekommen.

Du warst noch ein Baby.

Ondra lebt hier in dieser Einrichtung, und...

...Papa und ich sind so oft wie möglich bei ihm.

Wir wollten es dir sagen, wenn du älter bist, aber...

...jetzt hast du es selbst rausgefunden.

So.

Jetzt ist der Film eigentlich fertig.

Er ist nicht unbedingt so geworden, wie ich wollte.

Ich wollte was ganz Spannendes drehen.

Und das ist dabei rausgekommen.

Und...

...außerdem...

...hab ich jetzt nur noch...

...eine Kamera.

Willst du rein?

Ja, danke.

Was willst du?

Hallo, ich bin ein Freund von Harris.

Ist er da? - Nein. Wieso?

Und wo ist er?

Keine Ahnung.

Weißt du, wo er ist? - Wenn ich es wüsste, würde ich nicht fragen.

Diese Schlampe.

(Tür wird geschlossen)

Aber jetzt weiß ich, wo er ist.

Mein Freund Harris ist jetzt...

...am Meer.

Hallo Thomas.

Eigentlich wollte ich es dir ja sagen.

Aber in letzter Zeit sind so viele Sachen passiert.

Mama, Pawlik und ich haben beschlossen,

zurück zu meinen Großeltern nach Kroatien zu gehen.

Papa weiß nicht, wo wir sind.

Wahrscheinlich wird er Mama anzeigen

und behaupten, sie habe uns entführt.

Aber ich habe über eine Stunde gefilmt, wie er Mama schlägt.

Er ist voll im Arsch.

Ich hoffe, wir sehen uns bald wieder.

Wenn du willst, kannst du uns im Sommer mit deinen Eltern besuchen.

Ich will, dass du das weißt.

Auch, dass ich gefilmt hab, wie du auf dem Klo sitzt und kackst.

Pass auf dich auf Kumpel.

Ich werd eure Sprache nicht vergessen.

Lern ein bisschen Kroatisch und Schwimmen.

Ich hoffe, bei dir zu Hause ist alles okay.

Manchmal würde deine Familie ja gern mit dir ans Meer fahren.

Aber irgendwie kommt immer was dazwischen.

Und dann klappt es letztendlich doch nicht.

Aber mir ist das egal.

Irgendwann fahr ich bestimmt ans Meer.

Mit Mama und Papa. Oder auch alleine.

Weil ich weiß, dass ich alles erreichen kann,

wenn ich es wirklich will.

Ich hab rausgefunden, dass meine Eltern einander nicht betrügen,

sondern sich noch immer lieben.

Und dass sie mich lieb haben,

auch wenn sie nicht meine richtigen Eltern sind.

Und dass auch Eltern manchmal Angst haben

und nicht wissen, wie sie damit umgehen sollen.

Das alles habe ich selbst herausgefunden und begriffen.

Ich habe auch begriffen, dass ich plötzlich einen Bruder hab.

Und ich habe aufgehört, Fußball zu spielen,

weil ich einfach nicht mehr wollte.

Aber das Wichtigste ist, dass ich ein Film gedreht habe.

Jetzt weiß ich, dass ich alles schaffen kann.

(Musik: Jordan Haj "Feathers")

Copyright WDR 2021

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