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Gut, versuchen wir also, das alles zusammenzufassen,
auch wenn wir wissen, dass jeder Fall für sich sehr komplex ist.
Sagen wir, dass hinter dem perversen Mann immer eine Frau steht.
Meist ist das die Mutter.
Wohingegen bei Frauen Perversität oft durch Abwesenheit des Vaters ausgelöst
und der Funktionskreis angeregt wird. Vielen Dank.
Was für eine Vorlesung. Im Namen der gesamten Universität
kann ich Ihnen sagen, dass wir überaus erfreut sind, Sie wieder hier zu haben.
Danke, ich freue mich auch.
Praxisorientierte Frauen wie Sie brauchen wir hier.
Sie bringen Leben in unser Haus.
Aber bitte versprechen Sie mir, dass Sie die Studenten nie wieder hypnotisieren.
Versprochen.
Ihren Vorgesetzten macht es doch nichts aus,
wenn Sie hier hin und wieder unterrichten?
Nein, die unterstützen das voll und ganz. Entschuldigen Sie.
- Hallo? - Saint-Laurent, Sie gehören jetzt zu meinem Team.
Das heißt, die Morgenbesprechung um acht Uhr ist für Sie nicht optional.
Wir haben eine Leiche im Wald bei Ramboullilet. Ich erwarte Sie dort.
Die unterstützen mich wirklich voll und ganz.
Alles klar, ich gehe die Vermisstenanzeigen durch.
- Und da bin ich auch schon. - Das Opfer ist eine etwa 20-jährige Frau.
Identität bisher unbekannt.
Die Leiche wurde heute Morgen gegen 10 von einem Spaziergänger gefunden.
- Sie liegt dahinten. - Guten Morgen.
Genau, das wird überbewertet.
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Und, was haben wir?
Fesselungsspuren an beiden Handgelenken und den Knöcheln.
Außerdem Anzeichen von Unter- ernährung und Flüssigkeitsmangel.
- Sie wurde gefangen gehalten. - Mindestens eine Woche.
Ich denke, ihr Herz hat am Ende versagt. Sie war völlig erschöpft.
- Die Dreierregel. - Ganz genau. Als Mörder haben sie die Wahl.
Drei Monate ohne Essen, drei Tage ohne Wasser
oder drei Minuten ohne Luft, plusminus.
Also kann man unmöglich sagen, wann sie entführt wurde.
Die Woche um den 16. rum. Genaueres kann ich nicht sagen.
Na ja, für die Befragungen wird das hilfreich sein.
Gibt es Hinweise auf Folter oder sexuellen Missbrauch?
Ich habe nichts Eindeutiges, nur diese Schnittwunde.
Ist das eine Glasscherbe?
Ja, vermutlich. Nach der Obduktion wissen wir es genau.
- Wo will sie hin? - Einfach ignorieren.
Diese Narbe stammt von einer Hüft-Operation in ihrer Kindheit.
Ein Unfall oder eine Fehlbildung.
Kann uns noch was bei der Identifizierung helfen?
Wir haben noch das hier gefunden.
Hier hat man dich also festgehalten.
Hier hat man dich verhungern und verdursten lassen.
Dennoch bist du entkommen. Du hast immer noch daran geglaubt.
Am Ende deiner Kräfte. So kurz vor dem Ziel.
- Was tun Sie hier? - Ich habe etwas...
PROFILING PARIS
DIE TOTE IM WALD
Viel haben wir nicht. Keine Zeugen, und durch das Gewitter gestern
auch keine Fingerabdrücke. - Was ist das für eine Hütte?
Eine alte Förster-Hütte, seit zwei Jahren unbenutzt.
Die Obduktion hat keinen Hinweis auf einen sexuellen Übergriff oder Gewalt ergeben.
Abgesehen von der Glasscheibe, die sie zerschlagen hat,
um zu fliehen, haben wir nichts, was von Bedeutung ist.
Vielleicht hatte ihr Entführer eine Waffe
und hat sie damit gezwungen, in die Hütte zu gehen.
Wie kann man so was nur tun? Wer lässt eine Frau über Tage verhungern und verdursten?
Das hat etwas Besitzergreifendes, aber dass es keine Gewalt gab, passt nicht.
Ich hab's. Ich hab den Namen des Opfers. Camille Littardi, 25.
Vor zwei Wochen als vermisst gemeldet. In dem Bericht werden ein Medaillon
und eine Narbe am rechten Bein erwähnt.
- Wer hat sie als vermisst gemeldet? - Ihr Tante, Hélène Littardi.
Sie ist Illustratorin.
Sie ist ihr Vormund und hatte seit zwei Wochen nichts von Camille gehört.
- Ist die Adresse aktuell? - Ja.
Über das Medaillon würde sich ihre Tante freuen.
Aber das ist ein Beweisstück.
Es kann uns helfen, eine Beziehung mit einer Trauernden herzustellen.
Das werden Sie anders hinkriegen müssen. Kein Beweisstück verlässt das Revier.
Er ist unwiderstehlich, was?
Und wenn Sie sich nicht beeilen, ist er weg.
Darf ich erfahren, was mit Ihnen los ist?
Sie haben mir erst neulich das Leben gerettet, und heute benehmen Sie sich,
als würde ich Sie stören. Das macht mich ganz konfus.
Da sind Sie meine Beraterin gewesen, heute sind Sie Teil meines Teams.
- Mein Team, meine Regeln. - Aber gehört es nicht zu den Regeln,
auf die Kollegen einzugehen und ihnen mal zuzuhören?
Ich hab keine Zeit für Diskussionen.
Wenn ich Ihre Analyse brauche, dann lese ich Ihren Bericht.
Aber so wird das nicht funktionieren.
Weil wir Menschen keine Roboter sind und außerdem wird...
Hören Sie, ich bin nicht hier, um mich beliebt zu machen.
Ich will einen Verbrecher schnappen, der eine Frau in einer Hütte eingesperrt hat.
Na super, das will ich auch, trifft sich gut!
Und dafür brauche ich das.
Das ist das Medaillon ihrer Mutter.
Sie hat es immer getragen.
Danke, dass Sie es mir gebracht haben. Vielen Dank!
Gern geschehen. Ist Camille bei Ihnen aufgewachsen?
Ja. Seit sie vier war. Sie hat ihren Vater nie kennengelernt.
Ich habe versprochen, dass ich mich um sie kümmere,
als meine Schwester gestorben ist.
Verzeihen Sie!
Sie war das liebste Mädchen auf der ganzen Welt.
Sie hatte ein großes Herz, war intelligent und immer in Bewegung.
Sie hatte gerade ihren Abschluss an der Uni gemacht. Sie wollte Anwältin werden.
Sie hatte im Leben so viel vor. Ich glaube es einfach nicht, ich glaube es nicht.
Wie kann man einem Menschen so etwas antun?
- Hatte sie als Kind eine Hüft-OP? - Ja, wegen einer Fehlbildung.
Mein Mann und ich haben hart gearbeitet, damit sie die beste Behandlung erhält.
Die Ärzte haben geglaubt, dass sie niemals wieder normal gehen würde.
Aber sie wussten nicht, dass Camille eine Kämpferin war.
Sie war jeden Tag stundenlang bei der Reha.
Als sie 16 war, hatte sie es geschafft.
Sie konnte ganz normal gehen, so wie Sie und ich.
Wissen Sie, ob Ihre Nichte Feinde hatte?
- Könnte jemand was gegen sie gehabt haben? - Nein, sie hatte keine Feinde.
Alle haben Camille geliebt. Sie ist für ihre Freunde immer dagewesen.
Hat sie noch hier gewohnt?
Nein, von hier aus war es ihr zu weit zum Arbeitsplatz.
Vor sechs Monaten ist sie ausgezogen.
Im Rahmen des Studiums hat sie ein Praktikum gemacht.
Deshalb hatte sie eine kleine Wohnung in Paris.
- Ich nehme an, dass sie hier bei Ihnen immer noch ein Zimmer hat? - Ja.
- Darf ich? - Natürlich. Es ist...
Ich brauche die Adresse der Wohnung in Paris und den Namen der Kanzlei,
bei der sie gearbeitet hat. Am besten gleich. - Rue Nolet 23.
Ich suche das Büro von Fred Kancel.
- Sie residiert normalerweise im Erdgeschoss. - Danke sehr.
- Kann ich ihr was ausrichten? - Nein, ich komm klar.
- Hey, alles klar? - Ja.
Und, was gibt's Neues?
- Also, ich... - Nicht auf der Treppe.
"Sophie und andere Katastrophen."
"Für meine kleine Camille. In Liebe, Mama."
- Gehen wir? - Eine Widmung von ihrer Mutter.
- Was haben Sie gelesen, als Sie klein waren? - Das Lexikon.
Ich habe die Immobilie überprüft. Camille Littardi hatte dort nie eine Wohnung.
Und es gibt da noch etwas Seltsames. Sie hat auch keinen Universitätsabschluss.
- Was? - Und jetzt wird's richtig seltsam.
Vor drei Monaten hat sie sich umgemeldet
und hat dann auf einem Campingplatz in Antony gewohnt.
Ein Campingplatz? Hatte sie Geldsorgen?
Nein, ich hab ihr Konto überprüft.
Am Monatsende war es immer knapp, sonst hab ich hier nichts Auffälliges.
Aber warum sollte sie alles einfach so aufgeben?
Das sieht nach einem psychischen Zusammenbruch aus.
Seit ihrer Kindheit spürte sie diesen Druck.
Der Kampf gegen die Behinderung, der Wille, besser zu werden,
um das Andenken ihrer Mutter in Ehren zu halten.
Und um ihrem Onkel und ihrer Tante etwas zurückzugeben.
Die jahrelange Last auf ihren Schultern
hat in der Prüfung Gestalt angenommen.
Wir haben alle unsere Grenzen.
- Versprochen? - Versprochen.
Vielleicht war dieser Kampf einer zu viel.
Also konnte sie nicht mehr und hat es verheimlicht,
weil sie ihre Tante nicht enttäuschen wollte.
Wo ist dieser Campingplatz?
Tut mir leid, ich hab hier wirklich keinen Wohnwagen auf den Namen Camille Littardi.
Aber können wir uns sicher sein, dass Sie hier korrekt Buch führen?
Sie wissen, dass wir den Laden dichtmachen können, ja?
Hören Sie, ich lege mich nicht mit der Polizei an. Ist nicht mein Stil.
Der Name Camille Littardi sagt mir nichts.
Darf ich?
Sophie de Réan, Platz 25 B. Das ist sie.
Sie meinen die kleine Réan. Na klar, die kenne ich.
Das Buch im Zimmer. "Sophie und andere Katastrophen".
Der Name der Heldin.
Wir haben sie hier schon seit zwei Wochen nicht mehr gesehen.
- Ist ihr was zugestoßen? - Sie ist tot. Was glauben Sie, warum wir hier sind?
Ich hab gedacht, wegen des Wohnwagens. Der hat nachts gebrannt, vor 10 Tagen.
Ich hab das auch der Polizei gemeldet. Sie können das überprüfen.
Sie ist im November aufgetaucht. Ich wusste ja nicht, dass es ein falscher Name war.
Wie war ihr Verhältnis zu den Leuten hier?
Sie hatte zu niemandem Kontakt, sie war eine Einzelgängerin.
Hatte sie getrunken oder Tabletten genommen?
- Hatten Sie das Gefühl, dass sie sich gehen lässt? - Oh nein, ganz und gar nicht.
Sie hat regelmäßig den Stellplatz bezahlt
und ist morgens immer pünktlich um sieben zur Arbeit gegangen.
- Sie hat gearbeitet? - Ja, sie war Putzfrau bei den Marchands.
Er war mal Bürgermeister.
Sie ist putzen gegangen? Nach sechs Jahren Studium?
- Danke, falls nötig, melden wir uns noch mal. - Herr Hauptkommissar?
Wir konnten leider keine persönlichen Gegenstände finden. Alles verbrannt.
Aber vielleicht interessiert Sie etwas anderes.
Wir haben diesen Kanister hier gefunden.
Wurde damit der Brand gelegt?
Ja, würde ich sagen. Davon ist auszugehen.
- Lassen Sie ihn auf Finger- abdrücke prüfen. - In Ordnung.
Vielleicht hatten Sie recht, und bei ihr ist eine Sicherung durchgebrannt.
Ich glaube, dass mehr dahintersteckt.
Es gibt bei ihr keine Anzeichen einer Verwirrung oder Depression, im Gegenteil:
Neuer Name, neue Arbeit, neue Adresse. Als würde sie sich neu erfinden.
Camilles Veränderung ist so radikal gewesen und für mich
die Folge eines traumatischen Erlebnisses.
Fragt sich nur noch, wo sie da reingeraten ist.
Ich hab denen vom Labor Druck gemacht, die Ergebnisse kommen bald.
- Rufst du mich an, wenn es was Neues gibt? - Ja, mach ich.
- Was wollte eigentlich dieser Typ vorhin? - Ach, ist nicht so wichtig.
Na klar, ich hab's gewusst.
Schon wieder ein One-Night-Stand, der Nachschlag will, ist es das?
Was ist? Willst du, dass ich dir helfe, wie beim letzten Mal?
Er ist ein Kollege von der Sitte.
- Mein Antrag auf Versetzung wurde genehmigt. - Was meinst du?
Ich hab vor vier Monaten darum gebeten, bevor Chloé wiederkam.
Warum hast du mir nicht früher davon erzählt?
Du hättest nicht gewollt, dass ich gehe, aber ich konnte nicht mehr.
Es ist wegen Matthieu, nicht wahr?
Keine Ahnung, ich hatte irgendwie das Ge- fühl, dass ich ohne ihn nicht arbeiten kann,
und dann kam Rocher und hat mir das Leben zur Hölle gemacht.
Jetzt übertreibst du, das ist doch sehr liebenswert,
diese Mischung aus Pitbull und Robocop.
Wie schaffst du es nur, immer alles mit so viel Abstand zu betrachten?
Ich kann so was nicht. Ich brauche das Gefühl, nützlich zu sein.
Es verunsichert mich, ohne Vertrauensverhältnis zu arbeiten.
- Ich bin einfach ausgebrannt. - Ja, das wird schon wieder.
- Chloé ist doch jetzt da. - Ich will sie nicht damit belasten.
Sie hat genug mit sich selbst zu tun.
Fred, jetzt echt mal, das kannst du nicht machen.
Tut mir sehr leid. Es ist zu spät.
Wir müssen rausfinden, warum Camille ihr Leben radikal geändert hat.
Offenbar hat sie als Putzfrau bei Bernard Marchand gearbeitet.
Ich kenne ihn. Er war Bürgermeister von Savigny und musste zurücktreten.
Er war über 20 Jahre lang der "starke Mann der Stadt".
Sie war nicht angemeldet. Sie hat wohl schwarz gearbeitet.
Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie zufällig dort gelandet ist.
Und sie wird sicher versucht haben, eine Art von Ziel zu verfolgen.
Ich werde für morgen um einen Termin bitten.
Und ihr haltet so lange die Füße still!
Marchand hat noch ein paar Verbin- dungen, wir müssen vorsichtig sein.
Alles klar.
Hey. Was ich dir erzählt hab, bleibt unter uns, verstanden?
Du kennst mich: Ich schweige wie ein Grab.
Ich kann nicht länger schweigen, es geht um einen Notfall.
Nicht schlecht die Hütte.
Warum gucken Sie mich so komisch an?
Bevor Sie zu uns gekommen sind, waren Sie in Grenoble, nicht wahr?
- Ja. Wieso? - Ach, nichts.
Wollte es nur wissen.
Dankeschön.
- Bitte sehr. Sie wollen noch immer keinen Tee? - Nein, vielen Dank.
- Sie wollten über eine unserer Ange- stellten sprechen? - Über Camille Littardi.
Tut mir leid, aber die kenne ich nicht.
Oh, sie nannte sich auch Sophie de Réan.
Ach, Sophie.
- Hier, sehen Sie mal. - Ja, Sophie.
Das ist sie, ja. Aber sie arbeitet nicht mehr bei uns.
Sie wurde ermordet. Ihre Leiche wurde vor kurzem gefunden.
Sie wurde ermordet, aber... wer...
Mehr kann ich nicht sagen. Wann haben Sie sie zum letzten Mal gesehen?
Sagen wir, vor zwei Wochen. Eines Morgens ist sie einfach nicht erschienen.
Sie war auch nicht zu erreichen. Meine Frau und ich hatten angenommen,
dass sie hier nicht mehr arbeiten will.
Was haben Sie in der Woche um den 16. herum abends gemacht?
Sie wollen uns doch wohl nicht unterstellen...
Nein, warte, Christine. Die Leute machen nur ihre Arbeit.
Wir müssen noch mal darüber nachdenken, aber ich glaube,
dass wir in der Woche jeden Abend zu Hause waren.
Seit ich nicht mehr Bürgermeister dieser Gemeinde bin,
verbringe ich so viel Zeit wie möglich mit meiner Frau.
- Hat sich Camille korrekt verhalten? - Wie eine normale Angestellte.
Wissen Sie, ich habe nicht viel Zeit, mich mit dem Personal zu beschäftigen. Ich...
Nein, hör zu, Bernard. Ich wollte dich damit nicht belasten, aber als
sie vor zwei Wochen nicht erschienen ist, da war ich ehrlich gesagt erleichtert.
- Ja? Warum? - Ich war kurz davor, sie zu entlassen.
Ich war mir sicher, dass sie gestohlen hat. Familienschmuck.
Sapperlot, verflixt, oh bin ich ungeschickt!
Es tut mir schrecklich leid, darf ich Ihr Badezimmer benutzen?
- Ja, ich werde Sie begleiten. - Keine Sorge, ich finde es schon.
Es ist im ersten Stock, am Ende des Flurs rechts.
"Astrologin und Seherin."
Kann ich Ihnen helfen? Eliane Vanec. Ich bin die Haushälterin.
Chloé Saint-Laurent. Ich bin die Kriminologin.
Ich kam nicht umhin, das Gespräch zu belauschen.
Ist ja furchtbar, was mit dem jungen Ding passiert ist.
Hat sie sich mit den Marchands verstanden?
Sich mit den Marchands nicht zu verstehen, ist schwer. Und ich weiß, wovon ich rede.
Sind Sie schon lange bei ihnen angestellt?
Ich wohne im Nebengebäude, und das seit fast 50 Jahren.
Als ich 18 war, haben mich Bernards Eltern eingestellt, damit ich mich um ihn kümmere.
Madame Marchand behauptet, dass Camille geklaut hat. Was denken Sie?
Vor nicht allzu langer Zeit wäre sie für weniger als das gefeuert worden.
Sie meinen, als Marchand Bürgermeister war?
Sie kennen ja die Leute.
Wenn ein Mann am Boden ist, nutzt das jeder aus.
Er war vielleicht mal ein wichtiger Mann, aber das ist lange her.
In seinem Schreibtisch hat er Antidepressiva und Alkohol.
Und ich habe das gefunden.
"Ich lese Ihre Zukunft und begleite Sie bei Entscheidungen für das Leben"? Interessant.
Politik und Astrologie haben eine lange gemeinsame Geschichte.
In der Antike sollten Orakel den Kaisern
die Zukunft aus Tierein- geweiden vorhersagen.
Ach, Camille steht jedenfalls nicht mehr in so einem guten Licht da. Sie hat gestohlen.
Ich weiß nicht so recht. Was hätte sie davon, ein paar Ringe zu stehlen?
Sie hat davon geträumt, Anwältin zu werden. Das passt nicht zum Profil.
Wer sagt denn, dass es nur Ringe waren? Sie war ein kluger Kopf.
Vielleicht steckt da eine Bande dahinter und sie hatte Komplizen.
Der Wohnwagen könnte eine Vergeltungstat gewesen sein.
Das Labor. Fahren wir.
Ach, was ich noch sagen wollte, können Sie mich im 6. rauslassen?
- Ich hab was zu erledigen. - Geht's noch? Wir haben einen Mordfall.
Ich brauche nicht lange.
Arkanum 13. Sie haben Probleme in Ihrer Familie.
Also im weitesten Sinne in Ihrem Haus.
Es könnte zum Beispiel auch in Ihrem Büro sein.
Ich meine, die Karte sagt mir, dass Sie Probleme bei der Arbeit haben.
Sie wollen wissen, ob Besserung in Sicht ist.
Ja, genau. Verrückt!
Nehmen Sie eine weitere Karte.
"Der Eremit". Sie haben einen Kollegen, einen Mann.
Es ist ein schwieriger Mann, richtig?
Er weiß nicht, woran er bei Ihnen ist, und das verkompliziert die Sache.
Ach Gott, das können Sie aber laut sagen!
"Die Gerechtigkeit". Ich glaube, es kommt alles in Ordnung.
Ich kann keine bösen Absichten sehen, nur ein Kommunikationsproblem.
Wenn Ihr Kollege und Sie sich Mühe geben, dann renkt sich alles wieder ein.
- Sie sind sehr gut, wirklich, mein Ernst. - Vielen Dank.
Es ist interessant, zu sehen, wie Sie arbeiten.
Sie beginnen damit, allgemeine Themen an- zuschneiden: Familie, Arbeit, Gesundheit.
Sie passen Ihre Voraussagen den Reaktionen Ihrer Klienten an.
Dann können Sie auch sehr gut Körpersprache lesen.
Und am Ende setzen Sie Ihren gesunden Menschenverstand ein
und geben ein paar Ratschläge, deren Wirkung niemand überprüfen kann.
- Das ist ganz schön ausgeklügelt. - So redet niemand mit mir.
Bernard Marchand ist Ihr Kunde. Das hat jetzt nichts mit Hellseherei zu tun.
Ihre Visitenkarte war in seinem Büro.
Hat Marchand Ihnen von Camille Littardi erzählt?
Ich weiß nicht, wen Sie meinen. Die kenne ich nicht. Wer sind Sie?
Hören Sie doch auf. Sie lügen, wenn Sie sagen, dass Sie sie nicht kennen.
Ihre Körpersprache sagt das Gegenteil.
Noch interessanter ist, dass Sie auf ihren richtigen Namen reagiert haben
und nicht auf ihr Pseudonym, das sie bei den Marchands benutzt hat.
Ja, Sie kennen sie, und Sie kennen sie sogar ziemlich gut.
Wir sind fertig. Verlassen Sie mein Büro.
Sofort!
- Camille ist tot. - Was?
Sie wurde ermordet.
Und Ihre Abdrücke sind auf dem Kanister, mit dem ihr Wohnwagen angezündet wurde.
- Hauptkommissar Rocher. Sie sind festgenommen. - Was soll das?
Und Sie, Sie kriegen auch noch was zu hören!
Ups!
Steigen Sie ein. Ziehen Sie bitte den Kopf ein.
Irgendwann ist das Maß mal voll!
Astrologen sind wie Priester oder Psychologen, die Leute sagen ihnen alles.
Ich wollte nur wissen, ob Marchand sich ihr anvertraut hatte.
Warum wusste ich nichts davon? Es ist Ihre Pflicht, mir so etwas zu sagen.
Ganz ehrlich, das hätten Sie mir sowieso nicht erlaubt.
Dass Sie eine Astrologin treffen: Nein. Eine Verdächtige: Ja.
In welcher Beziehung standen Sie zu Camille Littardi?
Ich glaube, Sie verkennen die Situation. Sie werden des Mordes verdächtigt.
Ihre Fingerabdrücke sind auf dem Kanister, mit dem der Wohnwagen angezündet wurde.
Bei Ihren Vorstrafen wird es kein Problem sein,
einen Richter von Ihrer Schuld zu überzeugen.
- Ich habe sie nicht umgebracht. - In welcher Beziehung standen Sie zu Camille?
Camille ist vor sechs Monaten zu mir gekommen.
Sie wusste, dass Marchand einer meiner Klienten war.
Sie meinte, dass wir auf einfache Art Geld verdienen könnten.
- Was mussten Sie dafür tun? - Ich sollte Marchand und Camille zusammenbringen.
Ich habe ihm in einer Sitzung gesagt, dass eine Frau in sein Leben tritt,
die ihm alles zurückgeben wird, was er verloren hat.
Seine Aura, seine Macht. Ich hab ihm gesagt, er erlebt eine zweite Jugend.
Ich hätte niemals gedacht, dass Camille das schafft.
Sie hatten ein Verhältnis?
Das Verrückte ist, dass Camille nie mit ihm geschlafen hat.
Sie hat gesagt, sie will noch warten. Und ihr erstes Mal würde magisch sein.
Er hat ihr aus der Hand gefressen.
Und irgendwann konnte sie mit ihm machen, was sie wollte.
- Was heißt das genau? - Er hat ihr teure Klamotten gekauft,
die sie vor ihm zerrissen hat. Sie hat ihn dazu gebracht,
ihr den Schmuck seiner Frau zu schenken. Und dann das Geld.
Wie viel? Hey! Sie wissen, was auf dem Spiel steht.
Mal 10.000 hier, mal 10.000 da. Insgesamt etwa 60.000.
Ich nehme an, dass Sie einen Teil davon kassiert haben.
Wir haben uns das Geld geteilt. Vor drei Wochen wollte sie dann richtig zuschlagen.
Marchand war inzwischen zwar das Geld ausgegangen, aber sie hat ihn überredet,
eine Hypothek auf sein Haus aufzuneh- men, damit sie eine Wohnung kaufen kann.
Sie hatte sich mit ihm im Wald verabredet,
um sich einen Teil des Geldes zu sichern, etwa 200.000 Euro.
Aber dann war sie verschwunden, und Sie haben gedacht,
dass sie mit dem Geld abgehauen ist. - Das ist ja wohl naheliegend.
Sie ist nicht mehr an ihr Handy gegangen, war nicht im Wohnwagen.
Und da haben Sie ihn abgefackelt.
Es stimmt alles.
Marchands Konten sind leer und er hat eine Hypothek aufgenommen.
Wenn er Camilles Spielchen durchschaut hat,
müssen wir nicht weiter nach dem Motiv suchen.
Dass sich jemand wie er von einer Astrologin reinlegen lässt.
Der Politiker, die Astrologin und die gierige Liebhaberin.
Klingt wie ein Filmtitel.
Nur dass Camille keine gierige Liebhaberin war.
Ich glaub nicht, dass sie Geld interessiert hat.
Was brauchen Sie denn noch? Sie hat ihn ausgenommen und seine Konten geleert.
Das stimmt, aber wie ich das sehe, war das Geld nur Mittel zum Zweck.
Sie verlangt den Schmuck seiner Frau, obwohl sie auch neuen bekommen hätte,
sie zerstört seine Geschenke, anstatt sie zu benutzen.
Nein, ich glaube, sie hatte nur das Ziel, Macht zu übernehmen.
Sie wollte Marchand erniedrigen.
Die Verlockung des Geldes spielt keine Rolle.
Glaubst du, es geht um Rache?
Gut, aber warum? Die beiden haben sich nicht gekannt.
Bevor er sie eingestellt hat, haben sie keinen Kontakt gehabt.
Nehmen wir ihn in Gewahrsam. Dann wird er schon reden.
Aber dafür brauche ich mehr als die Aussage einer Wahrsagerin.
Gehen Sie seine Akte durch, wenn es zwischen den beiden
schon vorher eine Verbindung gegeben hat, will ich es wissen,
bevor ich die Bombe platzen lasse. - Ich mache Kaffee, will noch jemand?
Chloé, ich habe den Kontakt bei der Kripo von Grenoble,
wegen der Info über Rocher. - Super, danke.
Nicht so laut!
- Hi. - Alles klar?
Schon was Neues über Marchand?
Nein, gar nichts, keine Klagen, kein Falschparken,
nicht mal eine kleine Veruntreuung.
- Er ist wohl der einzige Politiker mit weißer Weste. - So was gibt's?
Warte, Fred! Fred! Was ich dir noch sagen wollte...
Ich habe die Wahrsagerin getroffen, bevor sie eingebuchtet wurde.
- Sie hat was Verrücktes gesagt. - Was? Über den Fall?
Nein, über dich. Sie muss eine Eingebung oder eine Vision gehabt haben.
Sie hat eine falsche Karriere- entscheidung gesehen,
eine Verkettung von Katastrophen und sieben Jahre schlechten Sex.
- Das macht bei dir aber keinen Unterschied. - Echt witzig.
Nein, das ist kein Witz. Hör dir an, was ich zu sagen habe.
Meiner Meinung nach solltest du nicht gehen.
- Warte Fred. - Hör zu Hyppo, wir haben darüber gesprochen
und wir haben viel zu tun. - Nein, du verstehst nicht, komm her.
Ich hab zwar keine Gerichtsver- fahren gegen Marchand gefunden,
aber geprüft, ob er rechtliche Schritte gegen Dritte unternommen hat.
- Was ist das? - Der Anfang einer einstweiligen Verfügung.
Er hat erfolgreich verhindert, dass ein Artikel über ihn veröffentlicht wird.
Das ist schon neun Jahre her.
Wie es aussieht, hat ein Journalist was ausgegraben.
Warum bin ich überhaupt hier? Ich habe es Ihnen am Telefon gesagt.
Mit dem Artikel hatte es nichts auf sich.
Aber Marchand hat verhindert, dass er erscheint.
Irgendwas muss ihn daran gestört haben.
- Sie wissen doch, wie Politiker sind. - Nein, erklären Sie es mir.
Also, worum ging es in diesem Artikel?
Es gab ein paar schonungslose Kündigungen im Rathaus,
und wir haben seine Management-Methoden hinterfragt.
Für so was riskiert man keinen Prozess.
Aber trotzdem ist es seltsam, dass er vor neun Jahren bereit war,
den mächtigen Marchand anzugreifen.
Heute scheint es fast, als ob er ihn verteidigt, hm?
Heute ist der Kerl so oder so am Ende.
Warum sollte ich noch versuchen, ihm was anzuhängen?
Oder aber er schuldet ihm was.
Wahrscheinlich hatte er wirklich was gegen ihn in der Hand,
so wie Marchand reagiert hat. Und Marchand ist nicht der Typ,
der Dinge dem Zufall überlässt. Ich frag mich, womit er sich abgesichert hat,
damit nichts durchsickert. - Das ist doch lächerlich.
Was für ein Geschenk hat er Ihnen gemacht,
damit Sie den wahren Gegenstand Ihres Artikels vergessen?
Es reicht. Erst unterstellen Sie mir Sachen
und dann beleidigen Sie mich auch noch. - Sie haben recht, wir machen Schluss.
Jemanden ohne Beweise zu be- schuldigen, ist nicht professionell.
- Aber ich finde welche. - Was tun Sie?
Ich setze mein gesamtes Team auf Sie an.
Marchand hat Sie gekauft, und ich will wissen wie.
Und das mache ich nur, damit Ihr ge- samter Berufsstand davon erfährt, klar?
Warten Sie, warten Sie.
Marchand hat sein weibliches Personal sexuell belästigt.
Er hat sie ganz massiv unter Druck gesetzt.
Als Angestellte konnten sie nicht nein sagen. Das ist wie Vergewaltigung.
Ich weiß von mindestens zehn Fällen. Wenn ein Mädchen Gewissensbisse hatte
oder Probleme gemacht hat, hat er sie gefeuert.
Ich konnte zwei Frauen davon über- zeugen, für diesen Artikel auszupacken.
Das wär eine Bombe gewesen. Aber Marchand hat davon erfahren und...
Und? Sie waren bereit, ihn für Geld zu decken?
Dann ist ja alles klar.
Was hat Marchand wohl noch alles gemacht, um es zu vertuschen?
Camilles Rache, das muss deswegen gewesen sein.
Sie hatte den Willen, Marchand völlig fertig zu machen.
Er sollte die Demütigung erleben, die diese Frauen erlebt haben.
Okay, aber warum? Es ist nicht ihr Kampf gewesen.
Sophie und andere Katastrophen.
BABY AN BORD
Saint-Laurent, Saint-Laurent!
Ist ja gut! Polizei! Saint-Laurent! Was machen Sie denn da?
Ihre Mutter, der Kampf ihrer Mutter.
Der einzige Mensch, der sie von ihrem Weg abbringen konnte.
Es tut mir leid, aber wir müssen wissen, woran Ihre Schwester gestorben ist.
Sarah hat sich umgebracht. Im August '90.
Camille war gerade mal fünf Jahre alt.
Und hat Ihre Schwester im Rathaus von Savigny gearbeitet?
- Oder für die Marchands? - Warum fragen Sie mich das?
- Weil es wichtig ist. - Sie ist dort Putzfrau gewesen.
Als ihr Mann sie verlassen hat, hatte sie kein Geld, um ihre Tochter großzuziehen.
Da war dieser Job als Putzfrau bei den Marchands ein echter Glücksfall.
Und der "Herr Bürgermeister" hat ihre Nähe gesucht. Stimmt's?
- Woher wissen Sie das? - Wir haben gehört, dass er das öfter gemacht hat.
Ja, das hat er öfter gemacht. Er hat es immer wieder geschafft,
mit ihr allein zu sein, um sie zu umarmen, sie zu berühren.
Für ihn war das nur ein Spiel. Aber für sie der blanke Horror.
Eines Abends war er betrunken und
hat sie vergewaltigt. Davon hat sie sich nie erholt.
Hat Camille davon gewusst?
Ja, sie hatte den Abschiedsbrief gefunden, den ihre Mutter geschrieben hatte.
Da war ich gezwungen, ihr zu erklären, was passiert war.
Es war ein furchtbarer Schock für Camille.
- Sie sind festgenommen. - Das ist doch lächerlich!
Handschellen!
Eliane, rufen Sie Rechtsanwalt Bonnelle an.
Das werden Sie noch bereuen.
Es tut mir leid, dass wir so in Ihr Haus eindringen mussten.
Machen Sie doch, was Sie wollen. Mein Mann hat sich nichts vorzuwerfen.
Glauben Sie, was Sie da sagen?
Was ist in dem Schrank, Madame Marchand?
Darf ich fragen, wovon Sie sprechen?
Sie blicken immer wieder so nervös in diese Richtung.
Haben Sie Angst, dass wir dort etwas finden?
Ich muss Ihre Fragen nicht beantworten.
Es fehlt eine Pistole, und Sie haben das die ganze Zeit gewusst.
Und Sie haben auch die ganze Zeit gewusst,
wie sich ihr Mann gegenüber anderen Frauen verhalten hat
und haben die Augen davor verschlossen. Sie haben ihn unterstützt,
weil Sie glauben, dass Sie die einzige Frau in seinem Leben sind, die er respektiert,
weil Sie die Mutter seiner Kinder sind. Sie irren sich, wenn Sie glauben,
dass Camille nur eins der Mädchen war, mit der er etwas Spaß hatte.
- Er war verrückt nach ihr. - Ich muss Sie bitten, mein Haus zu verlassen.
- Das ist nicht mehr Ihr Haus. Tut mir leid. - Was reden Sie da nur?
Es gibt eine Hypothek. Ihre Konten sind alle leer.
Ach ja, und Ihr Schmuck. Camille hat ihn nicht gestohlen,
Ihr Mann hat ihn ihr geschenkt. Sie verteidigen jemanden,
der gegenüber Ihnen und Ihrer Familie jeden Respekt verloren hat.
Marchand, gehen wir.
Vor zwei Wochen, ich glaube, es war der 17.,
hat Bernard den Abend nicht mit mir verbracht.
Er kam spät und sehr nervös nach Hause. Ich hatte so eine Vorahnung
und habe am nächsten Morgen seine Sammlung überprüft.
Und diese eine Pistole war verschwunden.
Das stimmt nicht. Sie lügt. Wie gesagt, die Waffe ist ein Sammlerstück.
Ich hab sie seit Jahren nicht benutzt.
Ich glaube, dass Sie damit am 17. abends Camille Littardi gezwungen haben,
in die Hütte zu gehen, um sie dort sterben zu lassen.
Ich hab den ganzen Abend zu Hause mit meiner Frau verbracht,
das hatte ich bereits gesagt. - Überlegen Sie sich was Besseres.
Ihre Frau ist nicht gerade begeistert, dass Sie die Hypothek aufgenommen haben.
All diese Beschuldigungen ergeben keinen Sinn.
Das wird Sie teuer zu stehen kommen.
Sie wissen nicht, mit wem Sie es zu tun haben.
Ich glaube, wir haben es mit einem hilflosen Mann zu tun,
der hinter seinem verblassten Ruhm herläuft und hinter der Macht,
die er über Menschen, über Frauen hatte.
Eine Macht, die ihm jeden Tag mehr und mehr entglitten ist.
- Halten Sie den Mund! - Ein Mann, der Antworten im Alkohol sucht,
in den Karten einer Wahrsagerin, in der Jugend von Camille.
Mit ihr hätte alles so werden können wie früher, Sie waren zu allem bereit.
Und diese Schwäche hat Camille ausgenutzt, bis zum Schluss.
Um ihre Mutter zu rächen. Das hat Sie Ihnen an dem Abend gesagt, hab ich recht?
Das Treffen im Wald, das Geld. Und der Plan von Camille ging auf.
Sie wollte Sie völlig zerstören.
Diese Schlampe, finden Sie das nicht auch bösartig?
Es war bestimmt nicht einfach für Sie, als Sie erfahren haben,
wie Sie reingelegt wurden, oder?
Sie haben uns ja oft genug gesagt, was für ein Mann Sie sind.
Ja, ich hätte ihr das auf jeden Fall heimgezahlt.
Aber die Dinge haben sich nicht so abgespielt.
Sie hat mir alles erzählt, mit ihrem hübschen kleinen Lächeln.
Ich konnte es nicht fassen.
Ich hab ihr gesagt, dass ich mich nicht mal an ihre Mutter erinnere.
Das hat sie wahnsinnig gemacht, und da hat sie das Tränengas rausgeholt
und es mir ins Gesicht gesprüht, bis ich zusammengebrochen bin.
Sie hat mich wie einen Hund am Boden liegen lassen und ist dann mit dem Geld abgehauen.
- So ist es gewesen. - Traurige Geschichte. Wenn man sie glauben könnte.
Wie kommt es dann, dass wir das Geld nicht gefunden haben,
wenn Camille es Ihnen gestohlen hat?
Am nächsten Morgen stand das Geld in einem Koffer vor meiner Tür.
Mir ist nicht klar, warum und wie, aber sie hat es zurückgebracht.
Mir ist auch nicht klar, warum und wie, denn Sie haben sie in der Hütte zurückgelassen!
Glauben Sie, ich bin blöd, oder was?
Wenn ich es Ihnen doch sage, dieses Mädchen war verrückt!
Sie bestiehlt mich, sie überfällt mich, und ich bin der Kriminelle?
Wir werden sehen, ob diese Anschuldigungen
vor einem Richter Bestand haben werden.
- Rechtsanwalt Bonnelle ist eingetroffen. - Sehr gut. Dann sind wir hier fertig.
Dass Sie mich hierher gebracht haben, war ein großer Fehler.
Eins sag ich Ihnen, ich hab immer noch genug Einfluss,
um mit Ihnen fertig zu werden. Ja, so ist es.
- Wir werden sehen. - Das werden wir.
- Abend. - Hallo.
Den kriegen wir dran. Es ist nur eine Frage der Zeit.
- Ich kriege das Geständnis schon aus ihm raus. - Ich weiß nicht.
Was heißt, ich weiß nicht? So wütend, wie er auf sie war.
Ich halte ihn nicht für unschuldig, nur...
Es ist die Vorgehensweise, die mich irritiert.
Camille eröffnet ihm ihre Gründe und verpasst seinem Ego einen harten Stoß.
Wenn er sie in diesem Moment getötet hätte, wäre das eine Affekttat gewesen.
Er würde sie dann nicht umbringen, indem er sie einsperrt.
Der Mörder wollte Camille loswerden,
aber er wollte kein Blut an den Händen kleben haben.
Als ob er sie auf Abstand halten wollte und sie dann vergessen hat.
- Abgesehen davon ist da noch diese Geldsache. - Auf welcher Seite stehen Sie?
Er erzählt uns ein Märchen von einem Koffer,
der wieder auftaucht, und Sie glauben das?
Ich finde nur, dass wir die Möglichkeit in Betracht ziehen sollten, dass...
Der Fall ist klar! Die Vergewaltigungen sind verjährt,
aber diesmal hat er einen Mord begangen. Damit kommt er mir nicht davon.
Okay.
Leute zu verfolgen ist wohl Ihr Ding. Sie hätten Bulle werden sollen.
Man hat mir gesagt, dass ich Sie hier finde.
Ich habe mich gefragt, wie Sie der Wut, die Sie in sich tragen,
außerhalb des Büros Luft machen. - Ich dachte, das wäre meine Sache.
Ja, dachte ich auch erst.
Aber eigentlich ist das falsch.
Was in Ihnen vorgeht, ist auch meine Sache,
und es geht alle in Ihrem Team etwas an. - Ach ja?
Vor zwei Jahren hat mich Hauptkommissar Pérac überprüft.
Das hat mich wahnsinnig wütend gemacht.
Aber eigentlich wollte er mich einfach nur verstehen.
Also haben Sie Nachforschungen über mich angestellt?
Jetzt ist also alles klar, nachdem Sie wissen, dass meine Frau gestorben ist.
Dass sie vor fünf Jahren von einem Raser überfahren wurde.
Was wollen Sie noch wissen? Was wollen Sie wissen?
Dass der Typ nie geschnappt wurde? Wollen Sie noch was wissen?
Mein Chef hat mir den Fall entzogen, ich hab ihm die Fresse poliert.
Was wollen Sie sonst noch wissen?
Sich mit seinem Zorn abzukapseln, bringt einen nicht weiter.
Glauben Sie mir, damit kenne ich mich gut aus.
Ich brauche weder eine Moralpredigt noch Ihr Mitgefühl.
- Nein. - Nein.
Aber Sie brauchen Ihre Arbeit, um den Kopf über Wasser zu halten
und das Gefühl zu haben, dass Sie jeden Tag ein bisschen was ins Gleichgewicht bringen,
indem Sie Recht walten lassen. Nur brauchen Sie dafür ein Team.
Und Sie sind dabei, dieses Team zu verlieren.
Ich hab Ihre Nachricht erhalten.
Marchand kommt frei?
Sagen wir, es sind ein paar Puzzleteile dazugekommen.
Heute Morgen hab ich den Koffer mit den 200.000 bei Marchand gefunden.
Das Labor hat Fingerabdrücke von drei Personen nachgewiesen.
Marchand, Camille Littardi und noch jemand, aber nicht Madame Marchand.
Vielleicht sagt er doch die Wahrheit und jemand hat ihn zurückgebracht.
Oder es war noch jemand anders im Wald, der Camille überwältigt hat,
nach dem Tränengas-Angriff.
Ja, vielleicht wollte jemand Marchand beschützen.
Jemand, der ihm nahe genug steht, um die Frau zu beseitigen,
die ihn gedemütigt hat. Eine Beschützerfigur, die versucht hat,
die Dinge wieder zurechtzurücken, indem sie den Geldkoffer
unter die Veranda gestellt hat.
Als ich 18 war, haben mich Bernards Eltern eingestellt, damit ich mich um ihn kümmere.
Die Haushälterin.
Madame Vanec?
Das ist ja ein richtiger Schrein zu Ehren von Marchand.
Sie hat den Mann total vergöttert.
Das sind jetzt was? Fast 50 Jahre?
Sie hat mit ihm gelebt. Von ihm und für ihn.
Das hier muss die Waffe sein, die Vanec benutzt hat,
um Camille in die Hütte zu bringen.
Eliane Vanec, die perfekte Haushälterin.
Und sie war seine Ersatzmama.
Marchand ist noch klein, als sie in sein Leben tritt.
Alles in Ordnung, Bernard?
Sie kümmert sich gut um ihn.
Was hast du Süßer wieder gemacht? Zeig mal her.
Sehr gut sogar.
In Wahrheit sorgt sie für ihn, als wäre er ihr eigener Sohn.
Wir machen dir ein Pflaster drauf.
Aber je größer er wird, desto weniger spielt der Altersunterschied eine Rolle.
Die mütterliche Zuneigung verwandelt sich in besitzergreifende Liebe.
Und dann tritt Camille in Erscheinung.
Camille ist nicht wie die üblichen Opfer von Marchand,
sie ist auch nicht wie seine Frau,
die er wegen des Geldes geheiratet hat. Nein.
Sie dominiert ihn, macht ihn zu ihrem Spielzeug.
Und er, er ist völlig blind, er ist verrückt nach ihr, unfassbar.
Sie muss das Böse ausrotten. Sie muss die verschwinden lassen,
die versucht, das Leben des einzigen Men- schen, den sie je geliebt hat, zu zerstören.
Das mag sein. Aber ihr muss klar gewesen sein,
dass sie Marchand zum Hauptverdächtigen macht.
Und deswegen macht sie sich Vorwürfe.
Und das ist für sie unerträglich.
Sie ist allen böse, die sich gegen Marchand gewendet haben.
Dann ist seine Frau in Gefahr.
Ist abgeschlossen.
Der Kamin, da ist überall Rauch! Ich sehe sie.
Madame Vanec.
Saint-Laurent! Saint-Laurent, bleiben Sie hier!
Scheiße!
Madame Vanec.
VERGIB MIR, BERNARD...
Herr Hauptkommissar,
sie hat kein Lungenödem, Christine Marchand ist stabil.
- Gut. - Und Madame Vanec?
Sie ist noch etwas desorientiert.
Wir werden noch ein paar Tests durch- führen, aber sie ist außer Gefahr.
Okay.
Eliane Vanec hat einen Brief hinterlassen, bevor sie versucht hat, sich umzubringen.
Sie gesteht den Mord an Camille und bittet Marchand um Verzeihung.
Sie wollte ihn bis zum Schluss beschützen.
Egal. Jedenfalls lasse ich ihn nicht einfach so davonkommen.
Was haben Sie vor?
Nichts, ich sorge nur dafür, dass Mar- chand morgen die Titelseiten schmückt.
Hallo?
Du hast Feuerwehr gespielt, wie ich höre.
Du weißt, was ich davon halte, wenn du bei Einsätzen dein Leben aufs Spiel setzt.
- Ja, weiß ich. - Prima. Dann muss ich dir ja keinen Vortrag halten.
Warum hast du mich nicht über Rocher aufgeklärt?
- Wovon redest du? - Davon, was mit seiner Frau passiert ist.
Er hat mich gebeten, es nicht zu erwähnen.
Er ist ein sehr guter Polizist. Er hat gute Bewertungen.
Dann kam diese Tragödie mit seiner Frau.
Die Ermittlungen haben stagniert, er konnte nicht loslassen
und hat alle gegen sich aufgebracht.
Ist seine Versetzung nach Paris eine Art Strafe?
Er hat sich mit seinem Chef geprügelt, das ist unverzeihlich.
Danach wollte da niemand mehr was von ihm wissen.
Niemand außer dir. Warum überrascht mich das nicht?
Er wollte unbedingt die Leitung der Abteilung haben.
Bisher kann ich mich nicht beschweren.
Er hat unheimlich viel durchgemacht, aber das hat er hinter sich gelassen.
- Gibt es irgendein Problem? - Nein. Oder doch.
Wir arbeiten schon eine Weile zusammen und ich hatte noch keine Gelegenheit,
Ihnen zu sagen, wie wichtig Sie für diese Abteilung sind.
Sie sind ehrlich, mutig und sehr kompetent.
- Sie sind für mich unentbehrlich geworden. - Warum sagen Sie das?
- Ich hab von der Versetzung erfahren. - Ah, dann wissen Sie, dass sie durch ist.
- Ganz im Gegenteil. - Wie meinen Sie das? Doch.
- Nein, weil ich so frei war, sie zu verhindern. - Sie machen Witze!
Ich mache nie Witze. Das werden Sie noch an mir schätzen.
Also: Hier, Blumen. Auch wenn jeder glauben soll, dass du die nicht ab kannst.
Und Karamell, weil du Schokolade nicht ab kannst. Ich hab zwei gefuttert.
Und eine Liste mit allem, was ich tun werde, wenn du bei der Kripo bleibst.
Erstens, ich mache deinen Papierkram.
Zweitens, ich kaufe dir ein Jahr lang dein Mittagessen, und drittens...
- Hyppolite. - Nein, lass mich ausreden.
Ich organisier ein Date mit diesem Typen. Viertens...
Du kannst aufhören. Alles klar, du hast gewonnen. Ich gehe nicht.
- Ist das wahr? Du gehst echt nicht? - Du hast mich überzeugt.
Warte mal, das ist ja spitze. Ich mache trotzdem alles, was auf der Liste steht.
Moment! Warum hab ich das Gefühl, dass du mich reinlegst?
Aber nicht doch. Na komm.
Los, ich lade dich ein.
Kommst du?
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