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Da haben wir keine Kameras.

Stehen bleiben! Polizei! Keine Bewegung!

- Wir haben dich lange gesucht. - Alles klar, Herr Hauptkommissar?

Ja, alles klar. Und jetzt wanderst du in den Knast.

Bei mir auch. Danke der Nachfrage.

- Hier. - Was soll das?

Kalbsschnitzel. Das ist ein Wundermittel, hilft gegen blaue Flecken.

Wäre schade, wenn du entstellt wärst, dann mag dich gar keiner mehr.

- Danke. - War mir ein Vergnügen. Na los, dreh dich um.

Ein ganzer Monat Observierung. Ich bin froh, dass ich das Kabel loswerde.

Ja. Zum Glück haben wir das Schwein.

Und, läuft es inzwischen besser mit Rocher?

Er ist wirklich gut, keine Frage. Aber manchmal hätte ich Lust...

...seinen Computer mit einem Virus zu infizieren,

der seine Festplatte langsam und qualvoll zerstört? Ich auch.

Ist doch wahr, man hört nie ein Dankeschön, nie ein Lob.

Wenn Matthieu noch da wäre...

Dann wäre Chloé nicht gegangen und wir wären immer noch eine Familie, ich weiß.

Alles wegen dieser durchgeknallten Louise.

Du tust mir wirklich leid. Komm, wir genehmigen uns einen.

Gut, so machen wir es.

Herr Hauptkommissar, das war wirklich gute Arbeit, wie jedes Mal.

Danke, aber ich finde, es hat zu lange gedauert.

Ein Serien-Vergewaltiger kommt hinter Gitter. Das ist das einzige, was zählt.

Es sind drei Opfer zu viel. Wir wussten nicht, was in seinem Kopf abgeht.

Mit einem Persönlichkeitsprofil hätten wir ihn vielleicht früher geschnappt.

Interessieren Sie sich auf einmal für Psychologie?

Ich verspreche es Ihnen, es wird sehr nett. Meine Familie wird da sein.

Sie verkriechen sich hier seit einem Jahr. Das ist nicht gut in Ihrem Alter.

Die Leute werden langsam denken, dass Sie...

Wie nennt man das noch?

Sie wissen schon, diese Krankheit, bei der man sein Haus nicht verlassen kann.

- Agoraphobie. - Ganz genau. Machen Sie mir doch die Freude.

Danke, Madame Garnier. Ich denke drüber nach.

- Bis dann. - Ja, bis dann.

PROFILING PARIS

DIE ZEIT DANACH

Herr Hauptkommissar.

- Hallo. - Guten Tag.

- Was haben wir? - Juliette Delfaud, 40, Architektin.

Ihre 17-jährige Tochter Melanie ist um fünf Uhr von einer Party nach Hause gekommen

und hat sie so gefunden.

- Wo ist ihre Tochter? - In ihrem Zimmer. Sie steht unter Schock.

Wir konnten sie noch nicht befragen. Eine Kollegin kümmert sich um sie.

Gibt es einen Ehemann?

Alexis Delfaud, aber sie sind seit zehn Jahren geschieden.

Er lebt in Lyon. Wir haben ihn informiert.

Er hat den ersten Zug genommen, er müsste bald da sein.

Es sind 25 waagerechte Stichwunden im unteren Bauch.

Wir wissen noch nichts Genaues.

Sie ist zwischen 23 und ein Uhr morgens gestorben.

Das alles könnte auf einen schief- gelaufenen Einbruch hinweisen.

Der Täter will, dass sie ihm ihre Geheimnummern verrät

oder wo sie ihren Schmuck versteckt hat, er dreht durch.

Er könnte bekifft oder betrunken gewesen sein.

- Gibt es Einbruchsspuren? - Nein.

Entweder hat sie ihn freiwillig reingelassen oder er ist ihr gefolgt.

- Kannten sie sich vielleicht? - Oder er schien ihr vertrauenswürdig.

Wissen wir von den Nachbarn schon was?

Von den Befragten hat keiner etwas gesehen oder gehört.

So wie es hier aussieht, hat sie sich aber verteidigt.

- Fingerabdrücke? - Wir haben viele gefunden.

Das Labor muss klären, ob sie brauchbar sind.

Wo ist das Zimmer ihrer Tochter?

Dort.

Ich übernehme hier.

Melanie, ich bin Hauptkommissar Thomas Rocher.

Mein Beileid wegen deiner Mutter. Wir haben deinen Vater benachrichtigt.

Ich muss dir leider ein paar wichtige Fragen stellen.

Als du nach Hause gekommen bist, ist dir da etwas aufgefallen?

Hat Geld gefehlt oder Schmuck?

Pass auf, Melanie. Viele Menschen werden dir Trost spenden wollen,

aber das ist nicht mein Job. Mein Job ist es, den Mörder deiner Mutter zu finden,

und ich schwöre dir, das werde ich. Hörst du?

Willst du mir dabei helfen oder nicht?

Da war überall Blut...

- Da war... - Schon gut, schon gut.

Hör mir zu, Melanie. Hör mir zu.

Als du reingekommen bist, woran hast du gedacht?

- Was ist dir durch den Kopf gegangen? - Ich weiß es nicht.

- Na los, konzentriere dich. - Nein. - Ich bleib bei dir. - Ich weiß es nicht.

Was ist dein erster Gedanke gewesen? Sag es mir, Melanie!

Was ist dir als erstes durch den Kopf gegangen?

Sag es mir, Melanie! Sei mutig! Los, sag es mir!

- Die Dealer! - Welche Dealer? Wen meinst du?

Vor sechs Monaten haben sie vor der Schule Drogen verkauft.

Ich hab Mama davon erzählt.

Sie hat die Polizei verständigt, aber es hat sich nichts geändert.

Dann ist sie zu denen gegangen und sie haben ihr den Arm gebrochen.

Hast du diese Dealer hier gesehen? Hast du sie gesehen?

- Waren sie hier vor eurem Haus? - Nein.

Ich glaube, nächste Woche hatte sie einen Termin wegen einer Befragung.

Vielen Dank, Melanie.

Herr Hauptkommissar? Juliette Delfaud hat tatsächlich

vor drei Monaten Anzeige wegen Körperverletzung erstattet.

Die haben ganz schön zugeschlagen.

Sie hat angegeben, dass sie vor ihrem Haus von drei Maskierten überfallen wurde.

Sie konnte sie zwar nicht identifizieren, aber die Beschreibung passt zu den Jungs,

die sie vor der Schule erwischt hat. - Das war ein Einschüchterungsversuch.

Sie war eine mutige Frau.

- Und die Ermittlungen? - Wie üblich ziehen die sich hin.

Letzte Woche haben sie einen Tarek Meriane verhört,

aber er hat alles abgestritten.

Juliette war vorgeladen, um ihn zu identifizieren.

Und der Kerl wäre mit Sicherheit ins Gefängnis gewandert bei diesen Vorstrafen.

Sie wollten ihr vielleicht einen Denkzettel verpassen

und es ist außer Kontrolle geraten. Wer betreut den Fall?

Kommissar Poncharal vom 12. Revier.

Herein!

Verstehe. Ja, sehr gut.

Ich setze meine Leute darauf an und halte Sie auf dem Laufenden. Wiederhören.

Die Dealer sind es nicht gewesen.

Die Drogenfahndung war ihnen schon auf den Fersen.

Sie wurden rund um die Uhr bewacht.

Tarek Meriane und seine Bande haben nichts mit unserem Mord zu tun.

Ja, ich weiß. Wir haben noch eine Leiche. Eine 24-jährige Frau.

Die gleiche Vorgehensweise: 30 Messerstiche. Sie ist verblutet.

Clothilde Sibony, Geschichtsstudentin. Sie schrieb gerade an ihrer Doktorarbeit.

Ihr Freund wollte sie um 18 Uhr ab- holen und eine Runde Motorrad fahren.

- Er hat die Leiche entdeckt. - Und wo ist ihr Freund?

Unten, er konnte nicht mehr in der Wohnung bleiben.

- Können Sie sich um ihn kümmern? - Aber sicher.

Keine Spuren von einem Einbruch. Und den Nachbarn ist nichts aufgefallen.

- Keine seltsamen Typen, kein Krach, gar nichts. - Danke.

Die zweite Leiche in zwölf Stunden.

Sie hat viel gearbeitet in letzter Zeit.

Ihre Doktorarbeit sollte nächste Woche fertig sein.

Wäre ich nur früher da gewesen.

- Ist das Ihre Maschine? - Ja.

Die macht Spaß.

Meine ist die XJ6 da hinten.

Ich wollte Clothilde von ihren Büchern wegholen.

Wir hatten vor acht Monaten einen Unfall, und sie war zum ersten Mal bereit,

wieder zu fahren. Sie hat gesagt, wenn...

...sie es schafft, darüber hinweg zu kommen,

dass ihr dann gar nichts mehr Angst machen würde.

- Bestätigen Sie die Vorgehensweise? - Waagerechte Stichwunden.

So wie sie gefesselt ist. Der Tatort spricht für sich.

Sie ist erst wenige Stunden tot.

Ein Frauenmörder. Wurde sie vergewaltigt?

Schwer zu sagen. Auf den ersten Blick ist nicht viel zu erkennen,

aber nach der Obduktion weiß ich mehr.

Ich will die Leiche in einer Stunde in der Gerichtsmedizin haben.

Na dann, viel Glück.

Danke.

Es gibt keine Verbindung zwischen Juliette Delfaud und Clothilde Sibony.

Keine gemeinsamen Bekannten oder Feinde. Es gab keinen Grund, sie umzubringen.

Ich glaube, wir haben es mit einem Triebtäter zu tun.

Laut Autopsiebericht war es keine Vergewaltigung.

Aber der Mörder könnte impotent sein,

was die Vehemenz seiner Angriffe erklären würde.

Zwei Verbrechen in zwölf Stunden. Ich brauche Verstärkung.

Ich weiß genau, worauf Sie hinaus wollen. Das können Sie vergessen!

Sie wissen genauso gut wie ich, dass so ein Kranker nicht von allein aufhört.

Wenn wir so weitermachen, haben wir am Ende der Woche drei weitere Leichen.

Ich muss wissen, was in seinem Kopf abgeht.

Na schön, ich werde für Sie einen Kriminologen anfordern.

Uns fehlt die Zeit. Ich brauche jemanden, der weiß, wie wir hier arbeiten.

Ich kenne Chloés Berichte und ihre Ergebnisse.

Nein. Sie ist zu labil für all das.

Sie hat ihr Leben verändert und keinen Kontakt mehr zum Revier.

Sie müssen ihren Wunsch respektieren.

Und genau das will ich tun. Lassen wir ihr die Wahl.

Ich erzähle ihr von dem Fall, zeig ihr ein paar Fotos,

und wenn sie mich rausschmeißt, lass ich sie in Ruhe.

Als ob das Ihr Stil wäre!

Hören Sie, ich weiß, dass ich Fehler gemacht habe, bevor ich hierhergekommen bin,

und ich weiß, was ich Ihnen schuldig bin.

Aber Sie haben sich entschlossen, mir diese Abteilung anzuvertrauen

und wir brauchen Chloé Saint-Laurent für diesen Fall.

- Ich sagte nein. - Ich bitte Sie.

Freunde haben ihr ein Haus in der Bretagne zur Verfügung gestellt.

- Seien Sie behutsam. - Ich verspreche es Ihnen.

- Hyppolite! - Ich gehe mir einen Snack holen, willst du was?

- Nein. Rocher möchte Chloé zurückholen. - Was?

Ich habe ihn mit Lamarck sprechen hören. Er will, dass sie uns hilft.

Oh Mann, das wäre der Kracher!

Allerdings würde es mich wundern, wenn ihm das gelingt.

Er hat nicht gerade ein Talent für Kommunikation.

- Er ist schon unterwegs. - Er ist schon unterwegs?

- Dann wird er die halbe Nacht unter- wegs sein. - Weiß ich doch.

- Woher weißt du das? - Woher weißt du das?

- Komm schon, sag es. - Nein, du sagst es mir zuerst. Du.

Okay. Es wäre möglich, dass ich -

nur aus Sicherheitsgründen natürlich, du kennst mich ja -

dass ich Chloé letztes Jahr über ihr Handy geortet hab.

- Hätte ich mir denken können. - Und du, woher weißt du es?

Ich war in Lamarcks Büro und hab ihre Adresse gesucht.

- Oh nein. - Oh doch. - Ganz schön riskant. Und, hast du mit Chloé gesprochen?

- Nein, nein. Aber das Haus ist schön. - Du bist hingefahren?

Sie hätte den Winter nicht überlebt, die Heizung war völlig im Eimer.

Hausfriedensbruch: 15.000 Euro Strafe und ein Jahr Gefängnis, Fräulein.

Unautorisierter Zugriff auf sensible Daten. 30.000 Euro Strafe und zwei Jahre Gefängnis.

Sagte ich, dass ich die Snacks bezahle?

- Ja. - Na dann.

Grégoire hat mich angerufen. Ich hab gesagt, dass ich Sie nicht sehen will.

Da muss ich schon unterwegs gewesen sein. Ich hab keine Nachricht erhalten.

- Sie sind umsonst hergefahren. - Ich brauche Ihre Hilfe.

Nein, ich mache so was nicht mehr. Es gibt andere Kriminologen.

Nein, keinen auf Ihrem Niveau.

Ich brauche Ihre Herangehensweise in diesem Fall.

Ich muss wissen, was in diesem Kerl vorgeht. Zwei Opfer an einem Tag.

Wir beide wissen, dass er nicht aufhört.

Sie können das nicht verstehen.

Ich verstehe vor allem, dass Sie sich hier verkriechen.

Sie haben Péracs Tod nicht verkraftet und drücken sich vor Ihrer Verantwortung.

Sie haben kein Recht, das zu sagen.

Ich weiß ja, dass Sie sich Sorgen um mich machen und dass Sie mich beschützen wollen,

aber ich versichere Ihnen: bei Louise liegen Sie falsch!

Ich sage das nicht gern, aber sie ist mir nicht geheuer!

Hey! Sind Sie verrückt?

Schon möglich. Darf ich die Akte sehen?

Also, unser erster Fall: Juliette Delfaud.

Aber die Autopsie hat das nicht untermauert.

Bei der ersten Toten war es etwas anders,

aber wer weiß schon, ob das eine Rolle spielt.

Saint-Laurent?

Saint-Laurent!

Warum lässt du sie alle sitzen? Hier!

Soll jeder sehen, was du ihnen antust? Du willst, dass sie etwas sehen, hm?

Warum lässt du das Fenster offen?

Was sollen sie sehen? Was passiert hinter dem Fenster?

Was ist denn jetzt wieder los? Ist etwas passiert?

Ich wollte nur etwas überprüfen. Danke.

Ich wünsche einen schönen Tag.

Guten Tag.

Hauptkommissarin Rocher, Kriminalpolizei.

Ich brauche die Beweisstücke B25/612 im Fall Delfaud.

Ich muss die Dienstmarke und Ihren Ausweis sehen, bitte.

Natürlich. Aber natürlich, sofort. Sind Sie neu hier?

- Es sind schon ein paar Monate. - Oh, Sie müssen ganz allein essen.

Ich kenne noch nicht viele Leute, des- wegen, aber das wird sich schon geben.

Sie Ärmster. Wissen Sie, was wir machen?

Sie holen mir die Beweisstücke, um die ich Sie gebeten habe,

und wenn ich hier fertig bin, mache ich ganz diskret ein bisschen Werbung für Sie.

Ist das Ihr Ernst? Das würden Sie für mich tun?

- Das ist doch kein Problem. - Das ist supernett, Frau Hauptkommissarin.

Von Herzen gern.

- Der Fall Delfaud? - Ach ja, natürlich, sofort. Gerne. Bitte.

- Danke. - Ja.

Also, Delfaud, Delfaud, Delfaud,

Del... einen Moment.

Hallo?

Ich rufe zurück.

Doppelt Zwiebeln, ohne Mayonnaise, richtig?

Chloé? Sie sind wieder da?

Sie haben mir gefehlt.

Sie mir auch.

Du errätst nie, wen ich gerade gesehen hab.

- Das gibt es nicht. - Ich will nicht ange- ben, aber ich glaub, sie hier ist besser.

Ich hab da etwas in der Nähe des Heiz- kessels gefunden, gehört der vielleicht dir?

Ich freue mich sehr, dich zu sehen.

Es steckt viel Wut in diesen Taten.

Der Mörder war sicher, dass die Opfer allein sind,

als er bei ihnen eingedrungen ist.

Das bedeutet, dass er sie verfolgt hat,

dass er den richtigen Moment abgewartet hat.

Der Täter geht nach Plan vor, er improvisiert nicht.

Ich musste Sie auch verfolgen, vielen Dank.

Geben Sie sich keine Mühe, ich werde nicht bleiben.

Chloé hat gerade über die Tatorte gesprochen.

Dann sprechen Sie weiter.

Es wirkt auf mich alles ziemlich inszeniert.

Ist Ihnen aufgefallen, dass an beiden Tat- orten das Wohnzimmerfenster offen war?

Nicht gerade ideal, wenn man nicht will, dass jeder die Schreie der Opfer hört.

Ich habe es überprüft und kann Ihnen versichern,

dass man das als Nachbar hört. - Wie meinen Sie das, überprüft?

Ich glaube, dass der Mörder die Fenster bewusst nach den Taten geöffnet hat.

Und in beiden Fällen hat er das Opfer auf einen Stuhl vor das Fenster gesetzt.

Diese Inszenierung ist dem Mörder sehr wichtig.

Es ist eine detaillierte Rekonstruktion eines traumatischen Ereignisses,

das der Täter selbst erlebt haben könnte.

Er setzt die Frauen so in Szene, weil er selbst eine Frau ist.

- Eine Frau? - Aber die Stichwunden im Unterleib...

Diese Verbrechen sind keine Sexualdelikte.

Ein Sexualverbrecher hätte das Messer beim Zustechen senkrecht gehalten,

in Richtung Vagina. Bei unseren Fällen sind die Stiche waagerecht,

genau wie bei der Narbe eines Kaiserschnitts.

Ihr Uterus wurde anvisiert, nicht ihr geschlechtliches Potenzial.

Haben Sie noch was anderes, das Ihre Analyse stützt?

Ja, der Schal und der Ohrschmuck. Ich glaube nicht, dass sie den Opfern gehört haben.

Der Schal ist zu klassisch, das ist nicht Clothildes Stil.

Und diese Anhänger haben Clips für Ohren ohne Löcher,

obwohl Juliette bereits kleine Ohrstecker trug.

Meiner Meinung nach gehören die Accessoires der Mörderin.

Sie hat sie an den Opfern platziert, um ihre "Übertragung" perfekt zu machen.

Kancel, befragen Sie noch mal die Angehörigen der Opfer

und schicken Sie den Ohrschmuck ins Labor. Vielleicht finden wir DNA.

Es war eine Frau: Das erklärt, warum es keine Einbruchsspuren gab.

Eine Frau lässt man eher mal in die Wohnung.

Was meinst du? Sucht sie ihre Opfer zufällig aus

oder steht sie in einer Verbindung zu ihnen?

Wir suchen eine Frau im gebärfähigen Alter,

die wahrscheinlich erst vor kurzem ihr Kind verloren hat.

- Sagen Sie das wegen der Stichwunden im Unterleib? - Ja.

Meine Vermutung ist, dass sie den Opfern etwas wegnehmen will,

das sie selbst verloren hat. - Ein Kind?

Es ist so, als ob sie das, was ihr zuge- stoßen ist, direkt den Opfern zuschreibt.

Wahrscheinlich ist das Kind keines natürlichen Todes gestorben.

"Frau verliert Kind unter tragischen Umständen", das ist doch eine Schlagzeile.

Die Presse hat wahrscheinlich darüber berichtet.

De Courtène, Sie durchforsten alle Meldungen der letzten 18 Monate

aus Paris und Umgebung, die passen könnten.

Kancel und ich gehen laufende Ermittlungen durch. Und los!

Ich hätte nicht gedacht, dass Rocher dich überzeugen würde, zurückzukommen.

Er hat mich nicht überzeugt, Grégoire.

Sie war es, die Täterin.

Ich werde nicht bleiben. Ich helfe euch, dann fahr ich nach Hause.

Und wo ist das, dein Zuhause? Denkst du, dort ist dein Zuhause?

Hast du dort Freunde? Hast du ein eigenes Leben gefunden?

Besser als ohne ihn hier zu sein.

Er fehlt uns allen, Chloé. Niemand hat ihn vergessen.

Aber ich ertrage es nicht,

dass ein anderer die Ermittlungen an seiner Stelle leitet, an seinem Platz.

Ich hatte das Gefühl, dass er jeden Moment den Raum betritt, die ganze Zeit.

Das war vor einem Jahr, da mussten wir alle durch.

Jetzt müssen wir nach vorne blicken.

Für die Opfer, für die Angehörigen. Matthieu hätte es so gewollt.

Also, das Team ist bereit. Wir werden die ganze Nacht brauchen,

aber jetzt haben wir eine Marschroute.

Sie können heute Abend nichts mehr tun. Gehen Sie schlafen.

- Machen Sie das immer? - Wie bitte?

- Leute herumkommandieren? - Und was machen Sie?

Sie verschwinden, tauchen wieder auf,

betreten ohne Erlaubnis Tatorte oder stehlen Beweisstücke.

- So arbeite ich. - Genau, jedem seine Methoden.

Deshalb bitte ich Sie, sich auszuruhen. Ich brauche Sie gleich morgen früh.

Bei den laufenden Ermittlungen haben wir nichts gefunden,

aber De Courtène hat vielleicht ein paar Fälle, die passen könnten.

Ein 13-jähriger, der von einem Auto überfahren wurde. Letztes Jahr.

- Eine Frau saß am Steuer, sie war be- trunken. - War der Junge ein Einzelkind?

Nein. Er hatte Brüder.

Die Frau, die wir suchen, hat mit ihrer Familie alles verloren.

Sie kann sich an nichts mehr festhalten.

Ich habe noch etwas anderes, vielleicht ist es das.

Vor fünf Monaten ist ein 5-jähriges Mädchen vor den Augen der Nanny ertrunken.

- Ein Einzelkind. - Und wie alt war die Nanny?

58.

Dann würde sich die Täterin an älteren Frauen vergreifen.

Okay, was haben wir sonst noch in Paris?

Vor drei Monaten hatte eine Frau im 7. Monat

eine Fehlgeburt nach dem Selbstmord ihres Mannes.

- Er war Psychologe und ist aus dem Fenster gesprungen. - Aus dem Fenster?

Der Stuhl vor dem offenen Fenster. Das passt zu unseren Tatorten.

- Warum hat er sich umgebracht? - Sekunde.

Ein Informatiker sollte den PC des Psychologen reparieren

und hat Videos gefunden, in denen er Patientinnen vergewaltigt.

- Er ging zur Polizei. - Ein Selbstmord in Folge von Vergewaltigungen,

also indirekt wegen der Frauen, dann eine späte Fehlgeburt. Könnte passen.

Gut, das überprüfen wir. Wo finden wir diese Frau?

Seit dieser Tragödie ist sie in einer Nervenklinik.

Ihr Name ist Marion Robin, 32.

Kontaktieren Sie den Kollegen von der Sitte, der den Fall hatte.

Wir fahren in die Klinik.

Tut mir leid, Marion Robin hat vor einem Monat unsere Einrichtung verlassen.

- Wenn Sie wollen, kann ich aber... - Nein, vielen Dank.

- Wir müssen zu ihr nach Hause fahren. - Ich muss mit ihrem Arzt sprechen.

- Wir haben keine Zeit. - Wollten Sie keine Kriminologie?

Ein Profil aus klinischen Fakten zu erstellen, das ist Kriminologie.

Einverstanden. Tun Sie, was Sie tun müssen.

Ich schicke ein Team in ihre Wohnung. Bis gleich.

Ich könnte mir vorstellen, dass Sie mit ihrer Entlassung nicht einverstanden waren.

Das ist richtig.

Ich bin mir darüber im Klaren, dass Sie an die Schweigepflicht gebunden sind.

Aber sie steht unter Verdacht, zwei Frauen ermordet zu haben.

Wenn sich unsere Befürchtungen bewahr- heiten, ist Ihre Patientin gefährlich.

Für sich selbst und für andere.

Marion wurde hier wegen Depressionen

kurz nach dem Verlust ihres Kindes stationär behandelt.

Ihr Mann war drei Tage zuvor gestorben.

Innerhalb kurzer Zeit ist ihre Welt zusammengebrochen.

Als sie hier zu uns kam, war sie völlig apathisch.

Und schon sehr bald gab es bei ihr Anzeichen von Aggressivität.

Gegen wen hat sich ihre Wut gerichtet?

- Gegen Schwestern und andere Patientinnen. - Gegen Frauen.

Ich nehme an, Ihnen haben die legalen Mittel gefehlt, um sie hier zu behalten.

Marion hat sich hier freiwillig einliefern lassen.

Ohne richterliche Anordnung konnte ich sie nicht zwingen zu bleiben.

Ich brauche ihre Krankenakte.

- Und? - Die Wohnung war leer, Herr Hauptkommissar.

- Kancel wartet oben. - Danke.

Hier ist ihr Trauma entstanden.

Hier hat schon länger keiner mehr gewohnt.

Meiner Meinung nach war Robin seit den Vorfällen nicht mehr hier.

Sie sollten sich etwas ansehen.

Wenn ihr Mann zu Hause praktiziert hat, heißt das...

Dass er seine Patientinnen an dem Ort, an dem seine Frau lebte, missbraucht hat.

Marion hätte doch zwangsläufig etwas hören oder ahnen müssen.

Warum hat sie ihren Mann nicht angezeigt? Warum hat sie diesen Frauen nicht geholfen?

Weil sie entschieden hatte, dass ihr ihre Familie über alles ging.

Ich habe die Akte gelesen. Es passt alles.

Mit vier Jahren von ihrer leiblichen Mutter verlassen,

wächst sie verloren in Heimen und Pflege- familien auf, ohne emotionale Stabilität.

Aber eines Tages lernt sie ihren Mann kennen.

Sie kann eine Familie gründen, eine gute Ehefrau werden,

eine gute Mutter und darüber hinwegkom- men, dass sie als Kind vernachlässigt wurde.

Es kam so unverhofft, und dafür ist sie zu allem bereit.

Sie ist bereit, ein paar Aspekte der Persönlichkeit ihres Mannes zu übersehen.

Ist doch nicht schlimm.

Es ist nicht schlimm, wenn es mal wehtut. Sie hat ein Zuhause.

Die Familie, nach der sie sich so gesehnt hat,

wird ihr kurz vor der Geburt ihres Kindes entrissen.

Und Marion ist einsamer denn je. Und das alles, weil...

Sie sucht sich ihre Opfer nicht zufällig aus.

Für sie sind die vergewaltigten Patien- tinnen am Tod ihres Mannes schuld.

Sie wird sie eine nach der anderen umbringen.

Wir müssen Marion finden, um diese Frauen zu schützen.

Sie weiß, dass wir sie suchen. Sie wird sich irgendwo unter falschem Namen verstecken.

Es fing an, als ihre Mutter sie verlassen hat.

Sie hat eine pathologische Einstellung zum Thema Familie.

Keine Ahnung, man müsste vielleicht in ihrer Vergangenheit recherchieren,

sich Namen und Orte ansehen, mit denen sie zu tun hatte.

- Heime, Pflegefamilien und so... - Ich werde die Fahndung erweitern.

- Haben Sie etwas? - In Jean-Pierre Robins Praxis

haben wir weder Patientenlisten noch Schecks gefunden.

Wenn wir Glück haben, hat die Sitte sie bei ihren Ermittlungen sichergestellt.

Robin war nicht blöd. Vielleicht hat er sich bar bezahlen lassen,

damit er nicht auffliegt.

Wenn es keine Listen oder so was gibt, finden wir die Patientinnen nie.

Und haben keine Möglichkeit, sie zu warnen.

Der Kollege von der Sitte, der im Fall Robin ermittelt hat, erwartet uns.

Fahren wir.

Sie waren hypnotisiert! Deshalb war keine von ihnen bei der Polizei.

- Sie erinnern sich nicht an die Vergewaltigungen. - So ist es.

Er hat sie gefilmt, um seine Lust zu befriedigen.

Man sieht in den Videos keine Gesichter.

Wir haben keine Patientenliste bei Robin gefunden.

Ich glaub, seine Frau hat sie nach dem Selbstmord an sich genommen.

Eins der Opfer konnte ich identifizieren.

Durch das Armband. Clothilde Sibony.

Haben Sie sich schon mit dieser Frau in Verbindung gesetzt?

Ja, aber sie hat heftig reagiert.

Sie hat gesagt, dass ich das erfunden habe und mich rausgeworfen.

Das hat mir leider einen Dämpfer verpasst.

Ich hab mich gefragt, ob ich das Recht habe,

das Leben dieser Frauen zu zerstören. Sie wussten ja nichts.

Aber ihr Unterbewusstsein kann sich an alles erinnern.

Ja. Ohne offizielle Opfer waren die Ermittlungen abgeschlossen,

bevor sie begonnen hatten. - Der Fall bereitet mir ganz schön Bauchschmerzen.

Wenn ich doch nur weitergesucht hätte. Ich hätte sie warnen können.

Der Staatsanwalt hatte den Fall ge- schlossen. Jean-Pierre Robin war tot.

Niemand konnte ahnen, was passieren würde. Niemand.

- Und, haben Sie seine Frau Marion getroffen? - Nein, nie.

Ich hab sie. Marion Robin, sie ist in einem Stundenhotel am Gare de l'Est.

Sie hatten recht, sie hat unter dem Namen der leiblichen Mutter eingecheckt.

Danke.

Wann haben Sie sie zum letzten Mal gesehen?

Gestern früh hat sie das Hotel verlassen, danach nicht mehr.

Alles klar, Sie können reinkommen.

Du meine Güte.

Sie hat die Patientinnen ihres Mannes aufgespürt.

Sie hat ihre Tat wochenlang vorbereitet. Nur das hat sie am Leben erhalten.

Wir haben ihr nächstes Opfer.

Polizei, aufmachen!

Es ist offen.

Madame Valère?

Ganz ruhig. Beruhigen Sie sich.

Mein Baby! Sie hat mein Baby entführt! Sie hat mir mein Baby weggenommen!

- Seit wann ist sie weg? - Ich weiß es nicht. Helfen Sie mir!

Es ging alles so schnell, ich weiß es nicht.

Ja. Marion Robin. Genau, ja. Sie hat soeben ein Baby entführt.

Was soll das mit dem Baby? Was geht in deinem Kopf vor? Sag es mir.

Es läuft eine Großfahndung, aber es gibt bisher noch keine Spur.

Vielleicht sollten wir Marion Robins Profil noch mal überdenken.

Nein. An dem Profil ändert sich nichts.

Es ist nur eine neue Vorgehensweise.

Die Psychologie des Menschen ist vielschichtig.

Ein externer Reiz kann sehr wohl auf ein fixes Verhaltensmuster einwirken,

ohne dass dies das Profil verändert.

Also ist sie immer noch genauso verrückt, aber das Baby hat etwas in ihr geweckt?

Bisher ist sie einem Plan gefolgt.

Sie war die betrogene Ehefrau, die Witwe, die sich rächt.

Als sie mit dem Baby konfrontiert wurde, ist ihr mütterlicher Instinkt erwacht.

Die Mutter in ihr hat die Überhand gewonnen.

Sie ersetzt ihren verstorbenen Sohn mit diesem Baby,

um die Tragödie, die sie durchlebt hat, hinter sich zu lassen.

Aber wenn sie das Baby für ihr eigenes hält, ist es nicht in Gefahr.

Doch, doch. Doch, doch, doch, doch.

Das Kind, das Marion verloren hat, ist für sie zu einer Wahnvorstellung geworden.

Es ist für sie das ideale, perfekte Kind.

Aber das Kind, das sie entführt hat, ist real. Es hat Hunger, es hat Angst, es weint.

Wenn sie den Bedürfnissen, die das Kind hat, gegenübersteht,

wird Marion mit der Realität konfrontiert und wieder gewalttätig.

Wir haben Teams zu allen Pflegefamilien geschickt,

in denen Marion war, als sie klein war.

Bisher keine Spur von ihr oder dem Baby. Ich werde noch wahnsinnig.

- Wo ist sie nur hingegangen? - Keine Ahnung. Ich weiß nur,

dass sie die Flucht nach vorn angetreten hat, und das kann nicht gut gehen.

Okay. Wir setzen noch mehr Leute darauf an. Wir finden sie.

Mein Gott, iss!

Oh, willst du nicht essen? Ist das ein Mädchen? Wie heißt sie?

Mit dem ersten ist es niemals leicht, nicht wahr?

Ich dachte auch immer, ich schaff das nie.

Wenn Sie möchten, helfe ich Ihnen.

- Sie halten mich für eine schlechte Mutter, richtig? - Nein, überhaupt nicht.

Sagen Sie es! Ist es das, was Sie denken?

Ihr denkt doch alle hier, dass ich eine schlechte Mutter bin!

Wir haben das Baby gefunden!

Ich dachte, sie bringt mich um. Sie können sich nicht vorstellen,

wie sie mich angesehen hat. - Die Mutter wird gleich eintreffen.

Dann hat sie das Messer fallenlassen, ist wie eine Verrückte weggerannt

und hat das Baby hier gelassen. - In welche Richtung ist sie gerannt?

Da lang.

- Hey. Wir wollen Ihnen helfen. - Mir kann niemand helfen.

Wissen Sie was? Dank Ihnen ist die kleine Aurora in Sicherheit.

- Ich hätte sie fast getötet. - Nein. - Doch, ich wollte...

Sie haben es aber nicht getan, nur das zählt.

Ich habe mich nicht mehr im Griff. Ich habe Dinge getan,

ganz schreckliche Dinge. - Lassen Sie sich helfen. Ich bitte Sie.

Sie fehlen mir so sehr. Mein Kind und mein Mann.

Alle Menschen, die mir wichtig waren, sind ebenfalls verschwunden.

Ich habe letztes Jahr meinen besten Freund verloren. Ich denke jeden Tag daran!

Und nichts nimmt mir diesen Schmerz, aber...

Ich sage mir, dass es ihn krank machen würde,

wenn er mich so unglücklich sehen würde.

Wie ist es bei Ihnen? Was würde Ihr Mann für Sie wollen?

- Ich weiß es nicht. - Ich glaube, Sie waren ihm sehr wichtig.

Er würde Sie sicher gerne in Sicherheit sehen.

Bitte, geben Sie mir Ihre Hand. Ja?

Matthieu! Matthieu!

Nein.

Wissen Sie, ich glaube nicht an die Vorherbestimmung.

Sie sind ein wundervoller Mensch, Chloé Saint-Laurent.

Es war uns fast gelungen, sie zu überzeugen.

Wir haben getan, was wir konnten. Und die Ärzte auch.

- Sie geben sich so viel Mühe. - Was meinen Sie?

So auf unnahbar zu machen.

Schon möglich.

Übrigens wollte ich noch mein Mitgefühl ausdrücken wegen Matthieu Pérac.

Vielen Dank.

Und danke für das, was Sie getan haben für mich.

Ich habe Sie nur hergebracht, den Rest haben Sie selbst getan.

Hey, Thomas, bleib cool, wir trainieren nur.

Entschuldige. Ich hatte eine heftige Woche.

- Papa, Papa! - Dein Sohn.

- Ich habe meinen Kampf gewonnen. - Klasse. - Fünf Treffer!

- Fünf? - Ja. - Super. Hast du schon Onkel Freddy begrüßt?

- Bravo. - Sehr gut. Na los.

- Wir sehen uns dann später. - Läuft. Ich ruf dich an Freddy.

- Was Neues von Chloé? - Nein, nichts.

Ist sie abgereist, ohne was zu sagen?

So etwas macht doch auch ihren Charme aus.

- Was ist hier eigentlich los? - Keine Ahnung.

Wer hat Ihnen gesagt, dass Sie das hier abstellen sollen?

Das war ich.

Die Annalen der Kriminologie. 19. und 20. Jahrhundert.

Also, der Rest ist noch eingelagert, mit den Möbeln.

Ich werde Ihnen die digitale Version kaufen. Das spart Platz.

Dann bleibst du hier?

Ja.

- Darf ich erfahren, was hier los ist? - Sie geht nicht.

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