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* Burkhard Schulz * * Viola Delbrück *
(Mädchen) "Und wenn uns ein Wolf frisst?"
(Mann) Aber es gibt doch bei uns gar keine Wölfe.
* Björn Delbrück * * Bodo Tauchert *
* Elsa Hanke * * Mädchen *
* Jakob Böhme * * Dr. Tobias Grimm *
Hör mal, mein Schatz!
Du wartest mal kurz hier. Ja? Versprochen?
Versprochen. - Nicht weglaufen!
Ich gebe dir gleich ein Zeichen und dann kommst du zu mir. Ja?
Komm zurück!
* Etwas knackt. *
* Schneller Herzschlag *
* Jemand stöhnt. *
Ich bin schuldig in allen Punkten.
Ich bin schuldig, meine Frau entführt zu haben.
Ich wollte sie und mich töten, um uns im Tode zu vereinen.
Ich beantrage für mich selbst die Höchststrafe
und stelle die besondere Schwere der Schuld fest.
Bedenken Sie bei der Ansetzung
des Strafmaßes, dass ich wieder so handeln werde,
wenn ich freikommen sollte. Ich kann nicht anders.
Sind Sie fertig mit Ihrem Statement, Dr. Delbrück?
Fast.
Aber sie, ... Viola,
meine Frau,
mein Herz!
Sie ist auch schuldig.
Wir haben gegenseitig das Schlechteste in uns geweckt.
Sie ist wie ich. Wir sind eins. Sie ist ein Killer wie ich.
* Sie schreit laut. *
So ein Affentheater! * Telefon *
Er erzählt einen Roman. Ich will nicht drüber reden.
Was gibt es?
Darüber will ich nicht reden, Herr Kollege! Also ...
Die Sitzung wurde unterbrochen.
Wo? ... Ja. Ich weiß, wo Butsch ist.
Wir sind in 10 Minuten da.
Was für ein böser Auftritt. Aber er nutzt ihm nicht.
Die verlogene Selbstbezichtigungs- Scheiße hatte einen Grund:
Mir am Ende das Messer in die Brust zu rammen!
(Lacht) Seine große Expertenshow! Oh! Dr. Delbrück, der bekannte
forensische Psychiater stellt sich selbst ein Gutachten aus.
Ja. Ich weiß, was Sie jetzt sagen wollen!
Das wird ihm nichts nützen. Aber das ist ihm völlig egal!
Der will keine Strafminderung. Der will mich treffen! Mich töten!
Wann ist die Urteilsverkündung? Ich will nicht darüber reden.
Frau Delbrück! Wie war es beim Gericht?
Sie will nicht darüber reden.
Wo ist die Leiche? Na ja! Es gibt keine Leiche.
Die Nachbarn sagen: Der Wagen steht seit 5 Tagen hier.
Vorsicht, bitte! Quatsch keine Opern, Böhme!
Da! Genau, Blut!
Ist noch nicht gesichert. Wenn Sie bitte Abstand halten könnten!
2 Kinder entdeckten: Die Türen sind unverschlossen und wollten spielen.
Sie sehen: Der Schlüssel steckt noch.
Zum Glück haben sie ihre Mama gerufen.
Die hat die Polizei gerufen. Kann alt sein.
Der Wagen gehört einer Heike Tauchert.
48 Jahre. Aus Reichenbach-Biesig. Kenne ich.
Die Heike Tauchert? Das Dorf Biesig.
Am besten fahren wir zu der Dame.
Genau das wollte ich gerade sagen: Die gilt als vermisst.
Seit gestern Abend liegt eine Vermisstenanzeige vor.
Anonym. Per Telefon erstattet.
Hier war ich schon mal.
Ein Fall?
Butsch?
Ich weiß, ich habe hier noch irgendwo 10 Cent.
Ich könnte schwören, dass ich hier noch 10 Cent habe.
Wenn Sie die 10 Cent nicht finden,
behalte ich einfach einen Keks hier.
Da sind sie.
Oha!
Klärung eines Sachverhalts!
Sind Sie Herr Tauchert?
Ja. - Sage ich doch!
Wir müssen mit Ihnen über Ihre Frau sprechen.
Was ist passiert?
Können wir irgendwo ungestört reden?
Ja, ja. Sicher.
Kommen Sie mit nach oben, bitte!
Geh mal! Ich bleibe noch bei den 2 Witzbolden.
Die Heike ist nicht oft hier im Laden.
Die hatte noch einen anderen Job.
Aber wenn sie frei hat, macht sie hier mit.
Aber der Bodo ist immer da eigentlich.
Der Bodo ist ein Guter.
Hm. Die Heike aber auch.
Nur ein bisschen wilder, hm?
Eine Vermisstenanzeige. Aber wer hat die denn erstattet?
Wir hatten gehofft, dass Sie uns das sagen könnten.
Also ich war es nicht.
Obwohl: Ich war drauf und dran.
Heike ist schon ziemlich lange weg.
Wie lange?
5 Tage.
Sie ist beruflich viel unterwegs.
Verkauft Versicherungen in ganz Sachsen und Thüringen.
Aber 5 Tage ist schon ungewöhnlich.
5 Tage
ohne Nachricht.
Wo haben Sie ihren Wagen gefunden?
Vor dem alten Kondensatorenwerk.
Er steht da auch schon seit 5 Tagen.
Hat der Ort für Sie eine Bedeutung?
Warum fragen Sie das?
Weil ich wissen will, was Ihre Frau dort wollte.
Hatte sie dort Bekannte oder Kunden in der Nähe?
Kunden, ja vielleicht.
Aber da müssten Sie in ihrer Firma nachfragen.
Name. Adresse.
"GörliSafe". Der Chef heißt Breslauer.
Warten Sie!
Ich schreibe Ihnen die Adresse auf.
(Lacht) Steht ja schon drauf!
Und die Handynummer ... Ihrer Frau.
Sie haben nicht versucht, sie zu erreichen?
Doch, mehrfach!
Es ging nur die Mailbox dran.
"Heike Tauchert! Bitte hinterlassen
Sie eine Nachricht." - Nur die Mailbox.
Muss ich mir denn Sorgen machen?
Machen Sie sich denn keine?
Ja, doch. ... Natürlich!
Seit wann schmeißt Bodo den Laden hier?
Schon eine Ewigkeit, oder?
Na, der kommt aus Görlitz. Ist 1993 zurück zu uns.
Wollte unbedingt das Haus hier wieder. Hat zwischendurch
in Schwaben gewohnt. - In Tübingen.
Der Laden stand leer, seit Bodos Oma und Opa tot sind.
Das ganze Haus. - War eine halbe Ruine.
Hat er sich zurückgeholt. - Hat er alles wieder aufgebaut.
Ist ein Guter, der Bodo.
Hm. Aber ... Ich meine vorher.
Was war denn vorher hier?
Warum wollen Sie das denn wissen? Vor der Wende. Hm?
Ich denke, es geht um Heike und Bodo.
Vorher war das der Konsum, oder? - Nein.
Unfug. Bodos Opa hatte hier eine Werkstatt.
Die lief aber nicht, weil es keine Ersatzteile gab.
Bodos Oma machte daraus einen Blumenladen.
Stimmt! Hieß dann "Haus der Blume".
Richtig, "Haus der Blume"!
(Frau) Ja. Genau.
Gar nicht lose, der Nagel. Dann war sie es!
Sie hat teuflische Fähigkeiten.
Ah! Siehst du?
Ist das Ihre Frau? Ja.
Würden Sie uns das Foto überlassen?
Gib uns Bescheid, wenn sie hier wieder auftaucht, ja?
Im "Haus der Blume".
Seltsam! Ja.
Seltsam! So benimmt sich kein Ehemann,
dessen Frau vermisst wird.
Na, deiner hätte bestimmt anders reagiert.
Ach!
War nicht so gemeint.
Wir müssen die Handydaten kriegen
und zu "GörliSafe". Kenne ich. Mache ich.
Was ist los mit Ihnen? Nichts.
Zahn der Zeit.
Eine Versicherung ist besonders
für Polizisten interessant. Heike Tauchert.
Ja. Tolles Verkaufstalent.
Meine beste Vertreterin. Ist auch meine einzige.
* Er putzt sich seine Nase. *
Entschuldigung! Die verdammte Heizung
fällt andauernd aus. Kriegt man einen Handwerker?
2 Monate Wartezeit mitten im Winter!
Könnte man sich dagegen versichern.
Wann hast du sie zuletzt gesehen oder gesprochen?
Am Donnerstag. - Freitag.
Sie hat diese 2 Abschlüsse erzielt. - Ja.
Aber die waren doch am Donnerstag.
Sehen Sie! Dann wäre das ja geklärt.
Sie kam 1 Woche nicht zur Arbeit. Findet ihr das nicht komisch?
Nein. Wieso nicht?
Sie hat gekündigt. - Sie hat Urlaub genommen.
Angelika! Sie hat ein paar Tage freigenommen.
Stefan! Sie wollte nach Berlin gehen.
Richtig! Sie wollte noch mal durchstarten, sagte sie.
Bewerbung bei verschiedenen Firmen. Klappte es?
Ja. - Nein. Könnt ihr euch auf was einigen?
Eine große Maklerfirma wollte sie wohl haben.
Mehr hat sie auch nicht erzählt. Maklerfir... In Berlin?
Es war ein kurzer Abschied Freitag. - Donnerstag.
Stimmt! Entschuldigung!
Wäre ich du, würde ich zum Arzt gehen.
Würde ich gern, aber ... - Die Arbeit!
Das tut sich ja nicht von alleine.
Seit es Heike nicht mehr gibt. - Seit Heike nicht mehr da ist.
Die Frau ist durchgebrannt.
"Böhme besorgt vom Provider die Handydaten."
"Mach mal halblang, Kessie!
Wir sind 'Mord' und nicht 'weggelaufene Ehefrauen'!"
Wir sind "Delikte am Menschen". Und "wir" sind nicht "Kessie".
"Denken Sie an das Blut im Auto, die Unfallspuren,
das seltsame Verhalten des Mannes!" Wir haben keine Leiche.
Gib mir eine Leiche und ich gehe auf Mörderjagd!
Ihre Arbeitsmoral fasziniert mich immer, Hauptkommissar.
Wenn Sie da dabei gewesen wären.
Sie meinen, heute früh im Gericht?
Mir war unheimlich, Herr Böhme. Das kann ich Ihnen sagen.
So schlimm? Der Gerichtssaal war
von einer Sekunde auf die nächste gefüllt mit einer ... Kraft.
Einer unheimlichen Kraft.
Das war die Kraft des Bösen.
Glauben Sie an die Kraft des Bösen, Herr Böhme?
Nein. Ach!
Beneidenswert.
Ich verstehe nur nicht,
warum die Frau Delbrück mit so einem ... Arschloch
verheiratet sein konnte.
Ach, Frau Delbrück! Gerade reden wir von Ihnen.
Denk dran: Das ist nur eine provisorische Füllung!
Es tut aber immer noch weh.
Das ist der Drei-Sechs. Komm!
Leg dich noch mal hin! Nein, nein. Lass mal!
Ich mache ihn besser gleich. Das halte ich aus.
Jetzt vielleicht noch. Das ist mein Drei-Sechs.
Sag mal: Erinnerst du dich noch an das Dorf Biesig?
Bei Reichenbach?
Unser "Haus der Blume". Das weißt du noch?
Erdnussflips und Stierblut.
Wir waren da einen Sommer lang. Zu dritt!
Ja, genau.
Das war 1988. Nein 1989. Kurz vor der Wende.
Du, ich und Juro. Ja, Juro ...
... Schwarzbach. Juro Schwarzbach.
Oh, der arme Juro! Das 3. Rad am Wagen!
Wie kommst du jetzt darauf? Ach ...
* Jemand klopft. * Frau Delbrück! Ich weiß:
Sie reden nicht über den Prozess.
Aber ... Genau, Herr Böhme!
Mich interessiert nur der Fall. Handy-Provider?
Die Listen kriegen wir noch.
Aber ich habe da was entdeckt. Auf der Fußmatte unter
dem Fahrersitz konnte ich Erde und Fichtennadeln sicherstellen.
Der Fahrer war wahrscheinlich vorher im Wald.
Ist das Blut von Heike Tauchert?
Wir warten noch auf die Ergebnisse.
Wir müssen die Strecken rekonstruieren
zwischen ihrem Zuhause, Görlitz und ihren Arbeitstouren.
An welchen Waldgebieten kommt sie vorbei?
Sie ist tot.
Sie ist tot? Heike Tauchert ist tot.
Ich spüre das.
Der lügt!
* Ein Telefon klingelt. *
Ja?
* Jemand weint. *
Hallo?
* Jemand weint noch. *
Hallo? * Es wird aufgelegt. *
Haben Sie noch offen? Die Tür stand auf.
Ja.
Nein. Ich meine, ich schließe gerade.
Kommen Sie doch rein!
Haben Sie sie?
Hat Heike sich gemeldet?
Na, sag mal!
Red mal laut und deutlich, Böhme! Wieso "Fluthelfer"?
"Flucht, nicht Flut! Tauchert war Fluchthelfer.
Von 1987 bis 1989, kurz vor der Wende."
Diese Flitzpiepe? Hätte ich dem gar nicht zugetraut.
"Ich habe ein paar Informationen zusammengetragen."
Geboren wurde er 1967 in Görlitz.
Mit seinen Eltern ist er dann legal in die BRD ausgereist.
"Das war 1978.
Seit 1982 durfte er dann die DDR wieder besuchsweise betreten."
Um seine Großeltern in Reichenbach zu sehen. Das hat er ausgenutzt!
Warum? Warum was?
"Warum schnüffelst du in Taucherts Leben rum?"
Frau Delbrück bat mich darum. Ich glaube, sie glaubt: Der Ehem...
Quatsch! Die Tauchert wurde nicht ermordet.
Die hat ihren Mann sitzen lassen. So einfach ist das.
Wollte Ihre Frau Sie verlassen? Nein! Wie kommen Sie darauf?
Seit 5 Tagen haben Sie keinen Kontakt mehr zu Ihrer Frau.
Sie wurde vermisst gemeldet.
Aber nicht von Ihnen. Nein.
Wir sind nicht getrennt. Ihr Beruf ... Ihr Job
ist eben so, dass sie lange weg ist.
Wir lieben uns.
Das haben Sie auch allen gezeigt. Im Internet.
Gott! Das haben Sie sich angesehen.
Komisch! Nach Weihnachten war plötzlich Schluss. Kein Eintrag
mehr seit 3 Wochen. Warum?
Zufall.
Nein.
Dann sagen Sie es mir!
Ihr Arbeitgeber sagt, dass sie weg wollte.
Nach Berlin.
Das war nur eine von ihren Ideen.
Nichts Konkretes.
Heike hatte solche Ideen. "Hatte"?
Hat.
(Leise) Hat.
Zusammen mit mir natürlich.
Sie hatte angeblich sogar schon einen Job in Aussicht.
Was ist hier los?
Das ist der Wahnsinn. Unsinn! Sie lügen!
Kann ich ins Bad?
Kurz? Sicher.
Junge, bist du schreckhaft!
Wie kommen Sie hier herein? Ich habe ihn reingelassen.
Du siehst nicht aus wie ein Fluchthelfer.
Ich hatte einen Kumpel, Juro Schwarzbach.
Der ist auch rübergemacht, mit so einem Wessi wie dir.
Ich bin kein Wessi. Ich bin von hier.
Ja. Ist ja gut. Aber der Juro
war keiner der Leute, die du rübergeschafft hast. Oder?
Nein. Ein Juro Schwarzbach war nicht dabei.
Warum fragen Sie das? Was hat das mit Heike zu tun?
Überhaupt nichts. Das hat nur mit mir was zu tun.
Mit mir und dem Zahn der Zeit. Was?
Wer ist Elisa Hanke? Hier steht, dass Ihre Frau am Montag
einen Termin bei ihr hatte.
Also vor 3 Tagen.
Das ist ihre Therapeutin in Görlitz.
Heike leidet unter diffusen Ängsten.
Schon ihr ganzes Leben lang.
Geschlossene Räume, Stille. Deshalb macht sie seit Jahren eine Therapie.
Können wir den mitnehmen? Erzähl mir bei Gelegenheit,
wie so was ablief! Mensch, der Juro!
Wie lange habe ich an den nicht mehr gedacht.
Der Fall interessiert Sie nur mittel.
Ich denke immer noch, die hat den Fluchthelfer sitzen lassen.
Übernehmen Sie die Psychologin? Ich hasse
Seelenklempner. Okay! Also dann ins Büro!
Ich übernehme die Psycho-Tante.
Das Haus war damals eine halbe Ruine.
"Haus der Blume" stand über der Tür.
Juro, Thea und ich:
Wir sind immer mit dem Fahrrad ... * Schritte entfernen sich. *
* Ein Telefon klingelt. *
* Jemand atmet laut. *
Wer ist da? - (Frau) "Ich wusste es."
Wer sind Sie?
(Frau) "Ich wusste es." - Was?
"Dass du sie nicht vermisst meldest."
Wer sind Sie?
(Frau) "Du bist kein Mensch. Du bist kein Mensch!"
Psycho-Fritzen!
Bist du Therapeutin?
Ja. Können wir kurz reden?
Die Praxis ist geschlossen. Sehe ich aus,
als hätte ich eine Klatsche? Ist das eine rhetorische Frage?
Ich bin Polizist.
"Polizist". Ich staune selber. Aber ja!
Worum geht es? Ich habe wenig Zeit. Mein Kind wartet.
Es dauert nicht lange.
Heike Tauchert ist bei dir in Behandlung.
Was ist mit ihr? Die wird vermisst.
Ach Gott!
Sie hatte diesen Montag einen Termin bei dir.
Ja. Aber sie ist nicht gekommen.
Ich habe sie angerufen.
Ans Handy ist sie nicht gegangen. Ihr Mann sagte:
"Heike, Frau Tauchert, geht es nicht gut. Sie hat eine Grippe."
Aha! ... Heike? Seid ihr befreundet?
Meine Kollegen handhaben das anders.
Ich duze alle Patienten. Das schafft Vertrauen.
Ich duze auch jeden. Weil alle dieselben Arschgeigen sind.
Kann die Frau weggelaufen sein?
Sie und ihr Mann hatten ein Krise seit Weihnachten.
Sie wissen: Ich darf nichts sagen.
Gar nichts weiß ich.
Tut mir leid! Ich muss mich ... ... um dein Kind kümmern. Verstehe!
(Björn Delbrück) "Sie ist auch schuldig.
Wir haben gegenseitig das Schlechteste in uns geweckt.
Sie ist wie ich.
Wir sind eins. Eins, eins, eins. Sie ist ein Killer wie ich."
* Jemand klopft. *
Frau Delbrück! Ich habe da was.
Die Leiche? Nicht die Frau Tauchert. Das hier
hielt ich für eine alte Münze. Aber nein.
Keine Angst! Ist schon gesichert.
Hohe Auszeichnung für besondere Qualitätsarbeit.
Verdienter Aktivist von '87. Jemand hat einen
Schlüsselanhänger draus gemacht.
Den haben Sie gefunden. Wo?
In Frau Taucherts Wagen zwischen 2 Sitzen.
Ich denke, es ist nicht von ihr.
Die hat 1987 noch die Schulbank gedrückt.
Tauchert war es auch nicht.
Der war Fluchthelfer, nicht verdienter Aktivist.
Ich habe mich erkundigt: Bodo Tauchert brachte
als junger Mann 11 Leute über die innerdeutsche Grenze.
Unter der Rückbank seines Autos.
Es steht heute sogar in einem Museum in Berlin.
Der Artur hat es gesehen. Wer?
Artur.
Arbeitet der bei uns? Ist ein Freund.
Ist ein beeindruckender Mensch.
Ich kenne ihn noch nicht lange. Historiker.
Er beschäftigt sich mit der DDR-Geschichte.
Er will ein Buch schreiben. Er ...
Also, ich gehe dann mal jetzt.
Ich wünsche Ihnen einen guten Abend. Ihnen auch.
Hallo, Viola!
Spionieren Sie mich aus? Ich rate Ihnen: Tun Sie es nicht!
Was wollen Sie von mir? Was wollen Sie von mir?
Nachts um 11 hier? Antworten Sie!
Mir ist was eingefallen.
Nur, dass Sie nichts Falsches denken.
Was ich denke, können Sie mal mir überlassen.
Also?
Ich habe die Frau Hanke, also die Therapeutin von Heike,
die habe ich dummerweise angelogen.
Sie hat mich angerufen am Montag, warum Heike nicht zum Termin
gekommen ist. Und da ... habe ich gesagt: wegen einer Grippe.
Warum haben Sie das gemacht? Was?
Warum?
Ich dachte, das wäre die beste Entschuldigung.
Damit sie nicht so dumm dasteht, wenn sie wiederkommt, die Heike.
Sagen Sie: Sind Sie eigentlich von hier?
Das geht Sie einen Dreck an! Ist alles in Ordnung?
Fahren Sie nach Hause! Halten Sie sich
zu unserer Verfügung! Zur Verfügung halten?
Ist Herr Tauchert in irgendeiner Weise im Fokus von Ermittlungen
in dieser Vermisstensache? Geht es Ihnen gut, Frau Delbrück?
Seelisch, meine ich. Ich will sagen: Dieser Prozess ...
Gute Nacht, Dr. Grimm! Ja, gute Nacht!
Gute Nacht!
* Musik *
Ob der heute noch Haare auf dem Kopf hat?
(Thea) Bestimmt mehr als du. Der ging doch nur in den Westen,
weil er nicht an mir vorbei an dich rankam.
Nimm dich mal nicht so wichtig! Ich bin wichtig.
Was habt ihr eigentlich in unserem alten Blumenhaus zu tun?
Ein ehemaliger Fluchthelfer hat sich das unter den Nagel gerissen.
Die Frau ist ihm abgehauen.
Hat der Juro rübergebracht? Glaube nicht.
Und das ist ein Fall für die Mordkommission?
Ach was! Kessie ... Ach!
Da! Das ist ja unser Garten vor dem alten Blumenhaus.
Ah! Da haben wir uns geliebt. Nicht nur da.
Warum hat das eigentlich nicht so richtig geklappt mit uns?
Wir waren eben nur ein paar Jahre füreinander bestimmt.
Dafür waren es wilde Jahre. Das war eine gute Zeit.
Deine neue Kollegin tut dir gut.
Du bist freundlicher geworden. Hä, freundlicher, ich?
Was für ein Quatsch! * Thea kichert. *
Die war da, als ich neben der Spur war.
Als deine Tochter entführt wurde. Kessie ist in Ordnung.
Mein Gott Juro! Immer ein bisschen drüber, hm?
Das sieht aber schon echt scheiße aus.
Na, so schick warst du auch nicht! Aber schicker als Juro.
(Frau) "Du bist kein Mensch."
* Etwas klappert. *
Sie ist hier.
Sie ist es. Sie ist da.
Sie ist hier. Sie ist es.
Sie ist es. Sie ist da. Sie ist hier.
Ich wusste es.
Ja. Ja, du wusstest es.
Wo ist die Tauchert? Welcher Taucher?
Kessie?
Hier! Blauer Lack!
Der gleiche wie bei Heikes Auto. Ja, ja. Ist ja schon gut.
Sie ist 1 Woche tot. Seit letztem Freitag.
Dem Tag ihres Verschwindens. Ja.
Ja. Du hast recht gehabt. Eine Schädelfraktur oberhalb
der linken Schläfe könnte todesursächlich gewesen sein.
Möglicherweise Unfallverletzungen.
Da ist was. ... Warte!
Hier!
Akku leer!
Hat das Handy keinen Schaden durch die Feuchte, kriege ich es in Gang.
Die kommt dort von der Straße ab, fährt in die Botanik,
liegt aber hier tot rum. 200 Meter weg von der Straße.
Der Unfallwagen steht in Görlitz. Allein hat sie das
sicher nicht geschafft. Schnappen wir uns den Kerl!
Ich dachte, du bist so beliebt hier.
Wir müssen reden.
Mir ist schlecht.
He, he, he!
Aber es gibt hier keine Wölfe mehr, Mädchen.
Jetzt sag schon, was du nachts alleine im Wald getan hast! Hm?
Wie heißt du? Wer sind deine Eltern?
Wohnst du hier in Görlitz?
Gut! Wo sind deine Eltern? Wie heißen sie?
Mein Vati wurde vom Wolf aufgefressen.
Du warst mit deinem Vater in dem Wald?
Der Wolf hat Vati gefressen.
Vielleicht war es ja ein Unfall.
Ja, vielleicht.
Aber das Auto Ihrer Frau wurde in Görlitz gefunden.
Und Ihre Frau selbst mitten im Wald.
Es muss also weitere Beteiligte gegeben haben.
Können Sie mir folgen?
Ja.
Aber wie ...
Wer ... Wer? Wie wäre es denn mit dir? Dir!
Was sind Sie für Menschen?
Heike ist tot und Sie behandeln mich, als ob ...
Als ob ...
Ihre Frau ist letzten Freitag durch Gewalt gegen den Kopf gestorben.
Das könnte bei einem Unfall passiert sein. Oder auch nicht.
Haben Sie einen Handschuh verloren?
Nein. Nein, ich habe keinen Handschuh verloren!
Sie haben gesagt, dass Ihre Frau am Freitagmorgen
auf Arbeit fuhr und am Abend nicht zurückkam.
Seitdem vermissen Sie sie. Oder auch nicht.
Das Problem ist:
Sie war am Freitag gar nicht auf der Arbeit, sagen die Breslauers.
Wo also könnte Ihre Frau den ganzen Tag gewesen sein?
Warum hat sie Sie angelogen? Hatte sie
vielleicht eine Affäre? Wollte sie Sie verlassen?
Nein. Warum verfolgen Sie mich? Das wissen Sie ganz genau.
Ich weiß nichts! Ich habe ihr nichts getan!
Wo waren Sie Freitag zwischen 18 Uhr und Samstag 5 Uhr?
Freitagabend haben wir immer lange auf.
Da haben wir immer Kunden. Wir haben geredet
und getrunken. Ich bin ja auch so was wie eine Dorfkneipe.
Gegen 24 Uhr habe ich den Laden zugemacht.
Dann bin ich nach oben, habe geduscht.
Dann bin ich noch mal raus. Spazieren.
Das war gegen eins. Da habe ich dann den Riebsch getroffen.
Das ist der, der nie schlafen kann. Ich glaube Ihnen kein Wort.
* Sein Telefon klingelt. *
Was ist, Böhme? "Störe ich?"
"Immer." Ich erreiche Frau Delbrück nicht.
"Die ist in einer Vernehmung."
Interessieren Sie neue Erkenntnisse?
Willst du eine ehrliche Antwort?
Das Abzeichen hat dem Artur, also meinem Bekannten,
"keine Ruhe gelassen. Er hat Nachforschungen angestellt
und mir heute Nacht alles erzählt." Keine Ahnung, wer Artur ist!
Aber ich mag ihn nicht. Es wurde in Görlitz 3 Mal verliehen.
An einen Peter Rathenow,
"einen Hannes Kuballa und eine Silke Erath."
"Kuballa"! "Alle 3 arbeiteten 1987"
im Görlitzer Kondensatorenwerk. * Viola klopft an die Scheibe. *
"Verstehen Sie?" Was? Ich arbeite.
Kaffee schwarz? Danke, Jörg!
Da!
Herr Böhme? Ja, Dr. Grimm?
Ich schwimme etwas.
* Jemand niest. * Gesundheit!
Danke! Tja!
Da weiß ich jetzt auch nicht ...
Können Sie mir die näheren Gründe der Vorladung
des Herrn Tauchert verraten?
Herr Tauchert ist freiwillig hier.
Er fühlt sich zu Hause nicht so wohl.
Er ist also nicht Beschuldigter.
Nicht, dass ich wüsste. Obwohl er sich äußerst merkwürdig benimmt.
Frau Delbrück spürt, dass er der Mörder ist.
Sie spürt ...
Was ich eigentlich sagen will ...
Ja, ja. Ich weiß.
Das ist das, was ich meine.
Die Übertragung des Irrationalen.
Das ist nicht gut.
Verstehen Sie?
Vollkommen.
Kennst du das?
Nein.
Fanden wir im Wagen Ihrer Frau. Sagen dir die Namen was:
"Silke Erath,
Hannes Kuballa,
Peter ... Rathenow.
Nein.
3 Leute aus Görlitz bekamen ein Stück Blech.
Alle 3 arbeiteten im Kondensatorenwerk.
Und wo haben wir das Auto deiner Frau gefunden?
Beim Kondensatorenwerk.
Ich kann Ihnen leider nicht weiterhelfen.
Sagen Sie,
Herr Schulz: Sind Sie sicher, dass Frau Delbrück
sich nicht zu früh festlegt auf den Ehemann?
Sie wissen schon:
Ehemann. Ihr eigener Ehemann.
Dieser unsägliche Prozess.
Der seelische Anteil.
Sie haben alles im Griff? Hm.
"Die meisten Daten von Heike Taucherts Handy konnte ich retten."
Dabei ist mir aufgefallen, dass in der Anruferliste und
bei den Textnachrichten öfter eine polnische Prepaidnummer auftaucht.
Mit sexistischem Inhalt. Ich ... Mach es nicht so kompliziert!
Hast dreckige Botschaften gefunden.
Ich will dein Tampon sein. So was in der Art.
Und zig Verabredungen. Alle im Hotel.
Alles von dem Prepaidhandy.
Ratet, wann das letzte Stelldichein geplant war!
Letzten Freitag. Ja.
Aber irgendwie ist Schatzi sauer geworden. Letzte SMS.
"Ich weiß, was du vorhast.
Aber ich lasse nicht zu, dass du mich verlässt."
Abgeschickt um 18:45 Uhr.
An dem Abend, an dem Heike Tauchert getötet wurde.
Sie hatte also eine Affäre.
Wir besorgen uns den Klarnamen über den Handy-Provider.
Oder wir fragen hier nach. Die haben sich
im Hotel "Vier Jahreszeiten" verabredet. War klar!
Warum war das klar?
Das ist ein bekanntes Liebesnest. Woher wissen Sie das?
Im Gegensatz zu dir habe ich manchmal ein Liebesleben.
Was wissen Sie denn schon über mein Liebesleben?
Gar nichts!
Wir haben gerade leider keine Zeit. Moment!
Sie haben Zeit für mich.
Hat denn der Herr Tauchert nun gestanden?
Er bestreitet die Tat vehement. Wir überprüfen noch die Alibis
und wir haben eine neue Spur. Sehr gut, Frau Delbrück!
Aus den Mails habe ich die Bestätigung gesammelt:
Jedes einzelne von Herrn Tauchert genannte Alibi hat sich bestätigt.
Dieser Mann ist unverzüglich freizulassen!
Er war nie verhaftet. Freizulassen!
Sagen Sie mir, was Sie denken!
Er benimmt sich schuldig.
Ja. Der Ehemann, nicht wahr?
Ja.
Frau Delbrück! Ich will Ihnen nur helfen,
diese persönliche Geschichte zu verstehen.
Damit da nichts durcheinandergeht.
Das Urteil über Ihren Mann wird bald gesprochen.
Sie werden für immer
auseinandergehen. Wie bitte?
Er versucht, Sie auf den letzten Metern
noch zu verseuchen mit Hass,
böser Energie. "Lass dich den Teufel bei einem Haare fassen
und du bist sein auf ewig."
Lassen Sie das nicht zu!
Machen Sie Frieden! Es wird immer etwas Gutes geben.
Lassen Sie Tauchert gehen?
Ja. Ich brauche frische Luft.
Ja.
So! Du kannst nach Hause gehen und dir mal die Hände waschen.
Das macht mir Angst.
Wegen der Farbe?
Das waren Dorfjugendliche.
Sie macht mir Angst.
Wer? ... Kessie?
Die ist harmlos. Hamburgerin.
* Er hört Schritte im Schnee. *
* Türklingel *
Was? Was "was"?
Was gucken Sie mich die ganze Zeit so an?
Wie gucke ich denn? So stasimäßig!
Du hast keine Ahnung, wie die geguckt haben. Hamburgerin!
Ich war erst 7, als meine Mutter mit mir Erfurt verließ.
Aber mein Gedächtnis funktioniert bestens.
Du bist ... Du bist Erfurterin?
Butsch? Ach nee! Das darf ja nicht wahr sein.
Wie lange haben wir uns nicht gesehen? Eine Ewigkeit! Hast du
noch den Wildfang? Deine süße Frau? Hieß die Rea?
Thea! Meine Exfrau. Thea! Exfrau hin oder her.
Man bleibt verbunden für die Ewigkeit.
Kessie!
Ach so! Ja.
Die Dame kenne ich. Das ist Frau Teichert. Nee, Frau Teichert
ist meine ehemalige Klassenlehrerin. Das ist Frau Tauchert.
Die war letzten Monat 2-mal hier mit dem Herrn Breslauer.
Stefan Breslauer? Ja.
Der ist Stammkunde seit Jahren bei uns.
Neuerdings mit dieser Dame. Wenn Sie wissen, was ich meine.
2 richtig vernarrte Turteltäubchen? Der war spitz wie ein Rettich!
Also, sie war nicht so vernarrt wie er in sie. Ja.
Letzte Woche Freitag: Hat Breslauer da hier auch ein Zimmer reserviert?
Ja. Das schöne Zimmer oben für eine Nacht.
Ich erinnere mich, dass er angefressen war.
Die ist nämlich gar nicht gekommen. Die hat ihn hängen lassen.
Und hat er den Abend dann hier verbracht?
Nein, er hat sofort ausgecheckt! Wann denn?
Das kann ich Ihnen genau sagen.
Breslauer ...
"18:50 Uhr". Dann ist er sofort abgefahren.
Nur wenige Minuten nach seiner wütenden SMS.
Er konnte es gar nicht abwarten, sein treuloses Vögelchen zu rupfen.
Er hat nicht mal bezahlt!
Wo ist dein Mann?
Stefan ist unterwegs zu einem Kundengespräch.
Vielleicht können Sie uns helfen, während wir auf ihn warten.
Es geht um Heike, ja?
Um Heike, Stefan und das Hotel "Vier Jahreszeiten".
Bimmelt da was?
Es waren seine Kreditkarten- Abrechnungen.
Ich meine: Wer übernachtet im Hotel,
wenn er 3 Kilometer von zu Hause entfernt ist?
Bürokratie! Unterschätze ich auch dauernd.
Wann war Ihnen klar, dass es Heike Tauchert war?
Ich habe Stefan verfolgt.
Da hat er sie dann im Hotel getroffen.
Und dann war alles klar. Da hast du auf den Tisch gehauen.
Nicht gleich.
Erst als er sein nächstes ... Date vorbereitet hat.
Am letzten Freitag?
Da war mir klar,
dass das nicht von alleine weggeht.
Und ... da habe ich gehandelt. Und ihm die
Hammelbeine langgezogen. Nee! Ich habe mit Heike geredet.
Freitagmorgen.
Heike war hier.
Und ich habe zu ihr gesagt: "Lass meinen Mann in Ruhe!"
Und sie hat gesagt: "Ich gehe sowieso bald nach Berlin."
Und ich habe gesagt: "Dann geh doch jetzt!"
Dann habe ich sie rausgeschmissen.
Aber Freitagabend wartete dein Mann im "Vier Jahreszeiten" auf sie.
Ja. Ich habe ihm ja nichts von dem Rauswurf erzählt.
Ich wollte, dass er vergeblich auf sie wartet.
Er soll sich mal fühlen, wie ich mich fühle.
Stattdessen hat dein Mann überreagiert und Heike kaltgemacht.
Wann ist er nach Hause gekommen?
Es war schon nachts.
Der war traurig ... und erschöpft.
Ich habe ihm gesagt, was ich gemacht habe.
Dass ich die Firma zerstöre, wenn er nicht aufhört.
Und dass er hier im Büro
schlafen muss.
Und Sie haben sich nicht gefragt,
wo er den ganzen Abend war?
Erst als Sie da neulich aufgetaucht sind.
Bleib stehen! ... Bleib stehen!
Okay! Ich hatte ein paar Wochen eine Affäre mit ihr.
Das war nach Weihnachten.
Richtig? Da hatten die Taucherts plötzlich Eheprobleme.
Wegen Ihnen?
Schön wäre es!
Ich dachte zuerst, sie erliegt meinem Charme.
Aber sie spielte nur mit, weil ihre Ehe kaputt war.
Das hat sie mir so gesagt!
Letzten Freitag hat sie dich sogar sitzen lassen.
Ich fragte: "Wo bleibst du?" Sie: "Ich habe andere Probleme!"
Da warst du sauer. Du bist aus dem Hotel, um sie dir vorzuknöpfen.
Ja. Ich wollte mit ihr sprechen.
Sie sind nach Reichenbach gefahren und haben sie da gesehen.
Du hast sie verfolgt, von der Straße abgedrängt
und ihr eins in die Fresse gegeben.
Ich würde Heike doch niemals was tun.
Du bleibst heute schön bei uns im Warmen, das sage ich dir.
Sehen Sie, Frau Delbrück:
So fügen sich die Dinge.
Nicht immer ist es der Ehemann.
Machen Sie Frieden mit sich!
Habe ich doch gleich gesagt: Die Tauchert wollte weg von ihrem Mann,
ist aber an den Falschen geraten.
Das haben Sie gesagt?
Ja! ... So in etwa!
Zumindest die erste Hälfte.
Gut.
Und jetzt darf ich zum Zahnarzt.
So munter dabei?
Du kennst meinen Zahnarzt nicht. Ihre erste Frau?
Meine allerallererste Liebe. Manchmal stelle ich mir vor,
wie Sie so als junger Volkspolizist ausgesehen haben.
Ich war doch kein Vopo! Nein?
Das wollte ich nie. Die nahmen keinen, der bei der Armee rausflog.
Bulle wurde ich nach der Wende.
Und vorher? Was waren Sie da? Asozial.
Da gibt es nichts zu grinsen. 1987 wurde ich in eine Lehre gesteckt.
Da waren Sie schon über 20. Ja und?
Ja und was haben Sie gelernt? Gärtner.
"Gärtner".
Erfurterin?
Breslauer lassen wir bis morgen schmoren. Dann gesteht der.
Ich kenne die Drecksäcke!
Ich habe dich gewarnt.
Komm rein!
Wolltest du nicht gerade gehen? Komm rein!
Der Drei-Vier sieht aber auch nicht mehr gut aus.
Haben Sie das schon einmal gesehen?
Sagt Ihnen der Name "Erath" etwas?
Oder "Kuballa"?
"Rathenow"?
Hat Heike Tauchert Andeutungen über den Grund
für die Krise in ihrer Ehe gemacht?
Weswegen hat sie die Affäre mit Ihnen angefangen?
Da war irgendwas. Das wollte sie mit ihrem Mann klären.
Das hat wohl zum Streit geführt irgendwie.
"Irgendwie". Genau weiß ich es nicht.
Ich habe mich mit Heike nicht zum Reden verabredet.
Und als sie Schluss gemacht hat, was hat sie da so geredet?
Nicht viel! Dass sie es nicht mehr will, weil ihr alles zu viel wird.
Ein sehr kurzes Gespräch. Ich verstand wenig
wegen dem Gedudel im Hintergrund.
Was für ein Gedudel? Weiß ich nicht.
Ein Volksfest oder irgendwie so was.
Ich hatte die ganze Zeit eine Trompete im Ohr.
Oh, Frau Delbrück!
Sagen Sie: Das letzte Telefonat zwischen Breslauer und Tauchert
am Tag ihres Todes fand doch in Görlitz statt, oder?
Mittendrin! Der Funkmast ihres Providers
deckt die Ecke am Untermarkt ab.
Ist das nicht in der Nähe von Taucherts Therapeutin?
Ja.
Spielt da nicht manchmal dieser Trompeter?
Aber erst seit einem halben Jahr.
Früher spielte er auf der Brücke. Da waren die zu zweit.
"Der kleine Trompeter" heißt er schon immer.
Das tut mir so leid.
Tut mir so leid.
Verzeih mir!
(Frau) Und die Mutter? - (Mann) Asoziales Element.
(Frau) Die Großeltern? - (Mann) Unzuverlässig.
(Frau) Heb wieder auf!
Hallo?
Herr Tauchert?
Weißt du noch, wie es damals hier gerochen hat?
Nach wildem, animalischem Sex.
Nach Wofasept-Teppichreiniger aus Bitterfeld.
* Thea kichert. *
Ich denke gerade sehr viel an früher.
Kannst du dich an die Gruselgeschichte
des Sommers erinnern? Das Massaker in Peking?
An das Mädchen im Wald, dessen Vater vom Wolf gefressen wurde.
Hm!
Juros Vater war der redseligste Vopo zwischen Bautzen und Zittau.
Vielleicht bin ich nur
wegen der Geschichten von Juro Bulle geworden.
Der hat jeden Tag was Neues von dem mysteriösen Mädchen erzählt.
Ich habe mir die Akte
gleich vorgenommen. Noch im ersten Jahr.
Ich dachte, ich kriege den Fall irgendwie gelöst.
Ich habe alles gelesen über die kleine Kuballa.
Gott! Ich bin so ein Idiot.
Der Name von dem Mädchen, der war doch Kuballa?
Weiß ich nicht. Juro hat doch immer nur den Vornamen genannt: Elisa.
Elisa Kuballa! * Ein Telefon klingelt. *
Die Frau wird mir unheimlich.
Kessie?
Jetzt rate mal, was die Psychohexe mit dem zu tun hat.
Ja. Wir treffen uns genau da. Ja, jetzt sofort.
Ist schon gut.
Ich nehme ein Taxi.
* Jemand spielt Trompete. *
Sag mal: Du spielst doch öfter hier Trompete! Stimmt es?
Letzte Woche Freitag, warst du da auch hier?
Egal!
Hast du diese schöne Frau
irgendwann mal in das Haus dahinten reingehen oder rauskommen sehen?
Hm.
Ja? Ja.
Du erkennst sie? Ja.
War das letzten Freitag?
Die hat mich angerempelt.
Schön eins nach dem anderen!
Was war los? Ich stehe hier und spiele.
Kommt eine Frau von da gelaufen.
Verheult. Diese Frau kommt ihr hinterher,
rennt mich fast um. * Telefon *
Rennt der anderen hinterher und
fängt sie ein. Kessie, warte einen Augenblick!
Was heißt das "fängt sie ein"?
Die hat mit ihr geredet wie mit einem Kind.
Sie sagt, sie bringt sie ins Krankenhaus.
Also diese Frau wollte die andere ins Krankenhaus bringen.
Hm. Weißt du auch, warum?
An ihrem Körper habe ich nichts gesehen.
Die hat die ganze Zeit geweint.
Kessie, jetzt kannst du reden. "Kuballa verschwand 1989.
Die Behörden gingen davon aus, dass er in die BRD geflohen ist.
Er hatte eine kleine Tochter."
Ja. Ich weiß. "Die kam dann ins Heim."
Der Hausmeister ist jetzt da.
Bitte!
Alles klar, Kollege!
Kuballa wollte im Sommer 1989 flüchten und Bodo Tauchert
war sein Fluchthelfer.
War dem guten Bodo vielleicht zu heiß mit dem Kind.
Kuballa hat versucht, ihn zu erpressen.
Brauchte ihn ja nur zu verpfeifen und der landet im Knast.
Was,
wenn Kuballa von Tauchert umgebracht wurde?
Hm. Vor Elisas Augen.
Und die deutet das als ein Märchen um.
Natürlich als Selbstschutz.
Also ich vermute, Heikes Therapeutin ...
... hat selber einen an der Waffel. Ja.
Ich denke trotzdem, dass sie eine gute Therapeutin ist.
Immerhin hat sie Heike dazu ... befähigt,
sich ihren eigenen Sachen zu stellen. Und die wiederum
fordert das von ihrem Mann.
Und der gesteht an Weihnachten.
Und am letzten Freitag konnte sie es nicht mehr für sich behalten
und hat es ihrer Therapeutin erzählt.
Doch das Kind in ihr hält das nicht aus.
Ist die auf einem Rachetrip? Müssen wir uns um Tauchert sorgen?
Okay!
Wir müssen uns Sorgen machen. * Jemand kommt. *
Frau Hanke! Elisa Kuballa!
Wir wissen ... Ja, Sie wissen:
Ich muss mich um mein Kind kümmern.
Halt, halt! He, he!
Irgendwann wirst du schon wieder anfangen
zu sprechen, Elisa. Dein Vater hat dich im Wald zurückgelassen
und feige Republikflucht begangen. Du bekommst jetzt von uns
einen neuen Nachnamen, damit du die Vergangenheit vergessen kannst
und als kraftvolle Mitgestalterin
in die sozialistische Zukunft schauen kannst.
Wie gefällt dir der Nachname Hanke?
"Frau Hanke!"
Oder lieber Frau Kuballa?
Sie haben Schmauchspuren an Ihrer Hand.
Die können von den Schüssen aus Ihrer Wohnung stammen.
Aber aus Ihrer Waffe
wurden noch 3 weitere Schüsse abgegeben.
Haben Sie Bodo Tauchert erschossen?
Oder halten Sie ihn irgendwo fest?
Im Wald.
Da, wo er Ihren Vater getötet hat.
Hat der Wolf auch Heike gefressen? Heike Tauchert?
Die wollte mich ins Heim bringen.
Dann habe ich ihr eine runtergehauen.
Und ...
Und dann noch eine.
Und noch eine.
Bis sie dich endlich in Ruhe gelassen hat.
Heike wollte Elisa wahrscheinlich in die Waldklinik bringen.
Die glaubte in ihrem Wahn, sie wird wieder
in das Heim zurückgebracht, in das sie damals kam.
Erschütternd. So was habe ich noch nie erlebt.
Gestern noch stinknormal und heute ...
Wenn selbst Psychologen ihre Dämonen nicht erkennen,
bis es zu spät ist ...
Ich rede nur von dem Fall.
Da ist kein Mensch!
Da ist ein Wolf!
Was hast du mit dem Wolf gemacht, nachdem du ihn gefunden hast?
Den habe ich zurückgebracht.
Wo er hingehört.
Hier, hier, hier!
He!
He, aufwachen!
Immerhin erfährt Elisa jetzt,
wo ihr Vater die ganzen Jahre gelegen hat.
Vielleicht eine Art Trost.
In der Klapsmühle?
Ja. Das Heim hat sie wieder.
Ja. Ja, ist ja gut. Ekelhaft!
Schmerzt die Gärtnerseele?
Nur die Seele.
Im Namen des Volkes ergeht folgendes Urteil.
Der Angeklagte Dr. Björn Delbrück
wird wegen Menschenraubes in Tateinheit
mit versuchter Vergewaltigung und versuchten Mordes
zu einer Freiheitsstrafe von 8 Jahren verurteilt.
Die besondere Schwere der Schuld wird festgestellt.
Frau Delbrück! Endlich ist der Spuk vorbei.
Lass es! Lass!
Ich bin froh, dass du gekommen bist. Ich bin froh, dass du fort bist.
Du hast nichts verstanden, Viola. Immer noch nicht.
Ich bin längst in dir.
Bis bald, Viola!
Bis bald in der Hölle!
* Untertitelung 2019: Untertitel-Werkstatt Münster *
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