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(Melodie von "Bel Ami")
(orientalische Musik)
Hier die Sensation der Ausstellung.
Eine echte Oase mit Marokkos Söhnen. Aber ihre Ruhe ist nur scheinbar.
Dahinter verbirgt sich ein ungezähmtes Temperament.
He! (klatscht) (Marokkaner reden auf Arabisch)
He! (klatscht) (Marokkaner reden lauter auf Arabisch)
- Was gibt's genn da zu lachen? - Wenn Sie wüssten, was die da sagen.
- Was denn? - Die...
Das kann man laut gar nicht sagen.
Oh!
- Aber warum verstehen Sie das? - Ich war gerade dort.
Ach, Marokko muss wunderbar sein.
Noch schöner, als man denkt.
Hätte ich 5000 Francs, wäre ich dort bald Millionär.
Die haben Sie nicht? Schade.
- Aber für einen Aperitif langt es? - Nein.
- Dann gib mir eine Zigarette. - Das war die letzte.
Dann gib mir wenigstens einen Kuss.
Noch einen?
Danke, der genügt.
Das ist Marokko, über das wir ständig schreiben.
- Was hast du da? - Eine Nargileh. Keine Ahnung, was das ist.
Aber lies mal das Feuilleton "Geheimnisse arabischer Basare".
Von unserem Marokko-Sonderberichterstatter.
Hier schaut es nett aus.
Jedenfalls nicht so armselig, wie der Kolonialminister immer behauptet.
Wir leben davon, der Regierung zu widersprechen.
Los! Loben wir Afrika. Kommt ihr mit?
- Ich will mich noch umsehen. - Adieu.
- Aber ihr kommt zum Essen? - Ja, nur Gerard kann nicht.
- Dann sind wir 13. - Ist deine Frau abergläubisch?
Nein, aber ich.
- Nach Ihnen. - Bitte.
- George Duroy! - Forestier, altes Haus!
- Wo hast du gesteckt? - Das ist ja ewig her.
Zehn Jahre. (Leute beschweren sich)
Lass uns was trinken. Verzeihung.
- Seit wann bist du in Paris? - Seit gestern.
- Zwei Mandana. - Bitte.
- Und die ganze Zeit warst du in Afrika? - Fünf Jahre.
- Du gingst ja zu den 5. Husaren. - Zu den sechsten.
Na?
- Bist du jetzt Offizier? - Nein.
- Es reichte nur bis zum Sergeant. - Prost. - Prost.
- Und jetzt? - Ich bin blank.
Meinen Lohn in einer Nacht rausgehauen. Paris.
- Und du, Forestier? - Ich habe als Journalist Karriere gemacht.
- Leitartikler bei der Vie Française. - Kein Begriff.
Was? Die kennst du nicht? Eine Bildungslücke.
Das sitzt. Der Kolonialminister wird toben.
Nun kann er die Marokkofrage nicht mehr ignorieren.
Und jetzt noch die Ausstellung.
Verhindern wollte er sie, wegen mangelndem Bedürfnisses.
Na, da hat er ja die Antwort von Paris.
Täglich überfüllt. Man interessiert sich für Marokko.
Man muss ihnen zeigen, dass es ein Schlaraffenland sein könnte.
Schlaraffenland ist sehr gut. Werde ich mir merken.
- Ich kann nicht nähen. - Du hast eine andere Begabung, Liebling.
(Kirchenglocke) Halb zwölf! Ich muss zu meinem Mann.
- Du kommst morgen? - Gern.
Meine Frau wird sich freuen. Acht Uhr, Frack.
- Frack? - Ach so...
20 Francs wird reichen. Ich lade dich ein.
(dramatische Musik) ♪ Diese Schande!
♪ Welch ein Schmerz!
(Pfeifen, Geschrei) ♪ Ich zittere, ich bebe!
♪ Warum
♪ brachst du mir das Herz?
♪ An den Galgen!
♪ (Frau) Ich gab dir meine Jugend hin,
♪ vertrauend in die Freuden!
(Mann) An den Galgen! ♪ (Frau) Ich war
♪ das schon als junger Mensch,
♪ so keusch und unerfahren!
(Frau singt in den höchsten Tönen, Text ist unverständlich)
An den Galgen, an den Galgen!
(Frau singt und trifft eine besonders schräge Tonlage)
(Frau singt schrill und falsch, Publikum pfeift und buht sie aus)
(Mann) An den Galgen!
(Frau steigert sich zu einem unerträglich schrillen Finale)
An den Galgen!
Ihr Wunsch ist erfüllt.
Wer missfällt, muss hängen.
Aber jetzt bringe ich Ihnen eine Debütantin,
die Sie hoffentlich gern leben lassen.
Fräulein Rachel singt etwas Wunderbares.
Ein echtes Pariser Lied, das alle kennen und lieben.
Darf ich bitten?
(verhaltenes Klatschen)
(beschwingte Musik, "Bel Ami")
♪ Ein kleines Lied geht von Mund zu Mund. Es ist beliebt, und das hat seinen Grund.
♪ Es besingt den Liebling vieler Damen, die ihm zuliebe fielen aus dem Rahmen.
♪ Gott Amor selber hat es komponiert, hat es den schönen Frauen dediziert.
♪ Und weil's bezaubernd klingt und süß, singt man in ganz Paris:
♪ Du hast Glück bei den Frauen, Bel Ami.
♪ So viel Glück bei den Frauen, Bel Ami.
♪ Bist nicht schön, doch charmant. Bist nicht klug, doch sehr galant.
♪ Bist kein Held, nur ein Mann, der gefällt.
♪ Du verliebst jeden Tag dich aufs Neu.
♪ Alle küsst du und bleibst keiner treu.
♪ Doch die Frau, die dich liebt, machst du glücklich wie noch nie.
♪ Bel Ami, Bel Ami, Bel Ami!
(Mann pfeift sie aus)
(Lachen)
- An den Galgen! - (Mann) Ruhe!
(Gelächter) (Mann) An den Galgen, an den Galgen!
An den Galgen! Was denn, was denn?
(Publikum schreit auf und applaudiert lautstark)
(Musik setzt wieder ein)
♪ Ich kenne einen netten, jungen Mann,
♪ der nichts ist und nichts Besonderes kann.
♪ Und den die Damen dennoch heiß verehren,
♪ weil er das hat, was alle Frauen begehren.
♪ Er macht die anderen Männer ganz nervös
♪ mit seiner tollen Chronik skandalös.
♪ Er nimmt die Frauen, wie er will. Bei ihm hält
(getragen) ♪ jede still.
♪ Du hast Glück
♪ bei den Frauen, Bel Ami.
♪ So viel Glück bei den Frauen, Bel Ami.
♪ Bist nicht schön, doch charmant.
♪ Bist nicht klug, doch sehr galant.
♪ Bist kein Held, nur ein Mann, der gefällt.
♪ Du verliebst
♪ jeden Tag dich aufs Neu.
♪ Alle küsst du und bleibst keiner treu.
♪ Doch die Frau, die dich liebt,
♪ machst du glücklich wie noch nie.
♪ Bel Ami, Bel Ami, Bel A...
(Applaus, Bravorufe)
(alle) ♪ Du hast Glück bei den Frauen, Bel Ami.
♪ So viel Glück bei den Frauen, Bel Ami.
(Sängerin) ♪ Doch die Frau, die dich liebt, machst du glücklich wie noch nie.
♪ Bel Ami, Bel Ami, Bel Ami!
(Applaus, Bravorufe)
Mit großer Freude bestätigen wir Ihr gerechtes Urteil.
Fräulein Rachel erhält einen Monatsvertrag.
Damit ist die Show für heute beendet.
(Orchester spielt fröhliche Tanzmusik)
Gratuliere. Herrlich.
Was zu trinken?
- Ob Sie was trinken wollen! - Natürlich, Champagner.
Auf das Wohl der großen Künstlerin.
Marokko ist wunderbar!
- Wenn ich 5000 Francs hätte... - Aber du hast sie doch nicht, Liebling.
- Ich bin so müde. Wollen wir gehen? - Ja.
- Drei Flaschen, 18 Francs. - Gib ihm 20.
- Wie? - Äh...
Also?
- Gehen wir zu dir? - Ach, bei mir... Das ist so weit.
- Gehen wir doch lieber zu dir. - Gut. Aber du musst leise sein.
Hier wohnst du?
Hm.
- (krächzend) Raus! - Was?
- Pst, das ist ja nur Koko. - (Papagei) Küss mich.
Koko, sei still.
(Papagei) Raus!
(Papagei) Küss mich.
("Bel Ami"-Melodie leise im Hintergrund)
Ich bin nämlich gar keine Künstlerin.
Noch nicht, aber warte nur ab.
Bist du jetzt sehr enttäuscht?
("Bel Ami"-Melodie wird lauter bis zum Crescendo)
(Mann pfeift "Bel Ami"-Melodie)
Bist du verrückt? Die Gnädige schläft.
- Ach, ihr ungeschickten Männer. - Das verlernt man in Afrika.
Woher kannst du's?
Ich binde dem Freund der Gnädigen die Frackschleife.
- Die Frackschleife... - Warum so melancholisch?
- Dazu gehört auch ein Frack. - Ja, na und?
Der Frack ist weg wegen gestern Abend.
Drei Flaschen macht 18 Francs, plus 2 sind 20, sind gleich ein Frack.
- Du Ärmster. - Ich Reicher!
(sachte Musik)
(herrschaftliche Musik)
Oh! Frau von Marelle, ich bin entzückt.
Sie sehen verführerisch aus.
- Dieses bezaubernde Schwarz... - Herr Walter, der Anlass ist traurig.
Verzeihung. Ich wusste nicht...
Frau von Marelle, wieder mal in Schwarz?
- Ach, ja. - Unser Chef wollte Sie trösten.
- Zeitungsbesitzer sind gefährlich. - Nicht für mich.
- Ich bin fertig mit den Männern. - Oh.
Wieder einmal? Wer ist diesmal der Anlass zur Trauer?
Der Baron. Aber sie bleibt nicht lang allein.
- Schwarz steht ihr. - Das weiß sie.
- In zwei Wochen trägt sie wieder Buntes. - Los, zur Abfütterung.
(Gelächter, Stimmengewirr)
(Klopfen ans Glas)
Liebe Freunde!
In der Antike war es üblich, nach dem Mahl einem Gott zu danken.
Dem Allesbeherrscher Zeus, dem Freudenspender Bacchus
oder einfach und bequem dem unbekannten Gott.
Wir heute Abend
brauchen nicht lang überlegen, welcher Göttin unser Dank gebührt.
Der Herrin dieses Hauses.
Auf Frau Madeleine!
Den guten Geist, die Egeria und Muse unseres lieben Kollegen Forestier.
(alle) Zum Wohl!
(alle reden durcheinander)
- Und Maurice lässt sich scheiden? - Ja.
Das war ja zu erwarten. Kennen Sie ihn?
- Nein. - So.
- Ist Yvonne wirklich schwanger? - Ja.
- Wer ist ihr Mann? - Miron.
Wer ist da der Papa? Kennen Sie Miron?
- Leider nein. - Wen kennen Sie in Paris?
- Fast niemanden. - Sie sind ja eine Rarität.
Was ist mit Marokko? Wir hatten heute eine hitzige Debatte.
Wir müssen dazu Stellung nehmen.
Dringend, Herr Walter. Aber wer weiß darüber Bescheid?
Für den Kolonialminister ist Marokko wertlos.
- Nur eine Wüste voller Räuber. - Unsinn!
(Konversation endet abrupt)
Verzeihung, ich meine nur...
Marokko könnte ein Paradies sein.
- Sie waren dort? - Ja, ich lebte dort mehrere Jahre.
- Sie halten es für zukunftsreich? - Unbedingt!
Wenn ich 5000 Francs hätte,
dann wäre ich dort in fünf Jahren Millionär.
Gott, wie aufregend!
Alle reden davon, und neben mir sitzt einer, der dort war!
Ja, wo soll man da beginnen?
Marokko erscheint Ihnen seltsam durch seine Bauten, seine Menschen.
Durch die Geheimnisse seiner Wüsten und dem Schweigen seiner Täler.
Wunderbar.
Am wunderbarsten ist die Fülle seiner unerschlossenen Kräfte.
Ein reiches Land ruht zwischen Bergen und Wüste.
Man müsste es mit unserer Zivilisation erwecken.
Dann würde das Land aufblühen und dem Erwecker reiche Ernte bringen.
Über allem der hohe Atlas.
Breit hingelagert wie ein riesiges, schlafendes Kamel
mit Höckern aus Eis und Schnee.
An seinen Hängen wundervolle Gärten wie aus 1001 Nacht.
Ein Meer von Rosen.
Ein Duft, der sich mit der Glut der Wüste mengt,
und den man riecht von Marrakesch bis Casablanca.
- (1. Frau) Bravo! - (2. Frau) Himmlisch!
Sie erzählen wie ein Dichter.
Sie sollten das aufschreiben. In Ihrem Blatt, Herr Walter!
- Was meinen Sie? - Ja, Herr Walter!
Dann hätten wir auch mal was Amüsantes zu lesen.
Wenn ich Ihnen damit eine Freude machen kann.
Schreiben Sie mir einen Artikel über Marokko.
- Bis übermorgen. - Tausend Dank.
- Hör dir das an. - Was denn?
Dein Freund ist amüsant. Er kann beobachten, erzählen
und hat gesunde Ansichten über Marokko. Findest du nicht?
Der und Artikel schreiben? Das wird eine schöne Blamage.
Ziemlich ungerecht, was?
Als könnte er ohne seine kluge Frau auch nur eine Zeile schreiben.
Im Hause des Gehenkten redet man nicht vom Strick.
Sie sind ja ein interessanter Mann! Und boshaft.
Den ganzen Abend stellt er sich dumm und dann entpuppt er sich.
- Bei so entzückenden Zuhörern. - Flirten kann er auch.
Sie sind ja gefährlich. Sie müssen mir noch mehr erzählen.
- Besuchen Sie mich doch mal zum Tee. - Gern. - Bald?
- Adieu. - Adieu.
Es war besonders reizend heute.
Gratuliere, Erfolg auf der ganzen Linie.
Wenn Sie bei Ihrem Artikel nicht zurande kommen, ich helfe gern.
Sie, gnädige Frau?
Als Journalistengattin weiß ich so manches.
So einen Artikel... Danke, aber das schaffe ich allein.
(orientalische Musik)
Zeigen Sie mir mal, was Sie haben.
Ja. Also... Eigentlich...
- Also gar nichts. - Oh.
Dann setzen Sie sich mal hierher.
- Wie würden Sie den Artikel anfangen? - Ich dachte...
"Casablanca ist eine weiße Stadt."
Und dann?
Und dann... Dann weiß ich eben nicht weiter.
Schreiben Sie.
"Als ich in Casablanca an Land ging,
war die Stadt, welche die Weiße heißt, in smaragdgrünen Dunst gehüllt."
- So war das nicht. - Doch.
Ich bin nicht in Casablanca an Land gegangen.
In diesem Augenblick geh ich in Casablanca an Land.
- Also lassen Sie mich landen. - Bitte.
"... in smaragdgrünen Dunst gehüllt
und fahl wie eine Leiche."
Wirklich, so sah sie aus.
Wie Sie das mit einem Satz ausdrücken. Toll!
Bitte, wir arbeiten jetzt.
"Das reiche, schöne Land braucht nur die Hilfe zivilisierter Staaten,
dann wird es ein Paradies sein,
ein wahres Schlaraffenland."
Schla-raffen-land.
- Aus? - Aus.
Wunderbar.
- Ich danke Ihnen. - Herr Walter hasst Unpünktlichkeit.
Oh, wir haben ja noch keine Überschrift.
Wie soll denn der Artikel heißen?
Vielleicht...
"Marokko - mit meinen Augen gesehen".
Vielen Dank!
Ausgezeichnet. Sehr begabt. Sie sind zu brauchen.
- Lassen Sie sich 100 Francs auszahlen. - Danke.
Betrachten Sie sich als Mitarbeiter. Bringen Sie bald mehr! Adieu!
(Stimmengemurmel)
- "Marokko - mit meinen Augen gesehen". - Typisch Forestier.
- Das heißt also Madeleine. - Hörst du die Hörner wachsen.
(Stimmengemurmel)
Adieu, meine Herren.
(Frau) Hallo, Herr Duroy! Hier.
Hier. (kichert)
Guten Tag! Eben hab ich Ihren Artikel gelesen. Reizend.
Da wollte ich Sie abholen, bevor Sie mich vergessen.
Sie junger, berühmter Autor.
Erlauben Sie mir.
Von meinem ersten Honorar.
- Ich bin so glücklich. - Reizend.
Fahren wir? Sie wollten mir noch so viel erzählen.
Kommen Sie zu mir zum Tee.
(Papagei) Jetzt aber raus.
Koko, wie unfreundlich! Das ist ein lieber Gast.
Ich... Gnädige Frau... Mir ist eingefallen...
- Ich hab was in der Redaktion vergessen. - So ein Unsinn.
Jetzt trinken wir Tee. Kommen Sie.
- (Papagei) Küss mich! - Oh, sei still.
Wo bleiben Sie, lieber Freund?
Setzen Sie sich, ich klingle dem Mädchen, damit sie uns Tee bringt.
Herein.
Stellen Sie es hin. Wir bedienen uns.
- Bitteschön. - Ach, es fehlt wieder die Zuckerzange.
- Verzeihen Sie. Ich hole sie. - Nein, lassen Sie nur.
Die Kleine ist neu. Meine Zofe ist mir gestern weggelaufen.
Stellen Sie sich vor, Künstlerin wollte sie werden.
- Zwei Stück Zucker? - Danke.
So.
- Woran denken Sie? - (Papagei) Küss mich!
(romantische Musik)
743.
Ich möchte meine Frau sprechen.
So, sie ist nicht zu Hause.
Seit wann ist sie fort?
Wann kommt sie zurück?
So. Danke.
Ich möchte den Abgeordneten Laroche sprechen.
- Ausgeschlossen. Fraktionssitzung. - Es ist sehr wichtig.
Ich versuche es.
Ich verstehe nicht. Eine Dame? Wo?
Madeleine! Es ist gut.
- Was tust du hier? Wie leichtsinnig! - Es ging nicht anders.
Wir können uns heute nicht sehen, Forestier ist merkwürdig.
Immer telefoniert er nach mir, fragt, wo ich bin.
- Er hat sicher was gemerkt. - Auf keinen Fall!
Geh nach Haus, Liebste, und sei vorsichtig, bitte!
- Oh, du bist zu Hause? - Wo kommst du her?
Du willst nicht antworten?
Dann sage ich dir, wo du warst. Bei deinem Geliebten.
Du leugnest es nicht mal! Ich weiß auch, wer's ist.
George Duroy.
Du lachst! Hier der Beweis. Das ist dein Stil.
Ich bin eine komische Figur. Die ganze Redaktion lacht über mich.
- Dein Schweigen ist ein Geständnis. - Was willst du tun?
- Willst du dich schießen? - Schießen? Nein.
Es ist unritterlich, einer Frau, die man einst liebte,
- einen Krüppel zu hinterlassen. - So ein guter Schütze bist du?
Der schlechteste, aber gerade die treffen. Alte Duell-Erfahrung.
Sehr rücksichtsvoll. Du willst dich also nicht schießen.
- Was dann? - Ja... Äh...
Wir lassen uns scheiden.
Wenn du glaubst, du brauchst mich nicht mehr...
Du spielst darauf an, dass mir deine Mitarbeit fehlt?
Keine Sorge, ich werde ohne sie auskommen.
Streiten wir uns nicht. Wenn du meinst...
lassen wir uns eben scheiden.
(ruhige Musik)
Mein Lieber, so nachdenklich?
Du freust dich wohl nicht, dass ich endlich frei bin
und wir ganz ungestört zusammensein können.
Doch. Verzeih. Ich überlegte nur eben...
- Etwas Sonderbares. - Sagst du es mir?
Gewiss. Ich überlegte, wie wir jetzt Forestier ersetzen könnten.
Nicht als Gatten, aber...
Der Kampf gegen den Kolonialminister spitzt sich zu.
Artikel in der unabhängigen Presse sind gerade jetzt wichtig.
- Nun haben wir Forestier nicht mehr. - Schade.
(Melodie von "Bel Ami")
Ich werde dich Bel Ami nennen.
- Soll das ein Kosename sein? - Kommt auf die Aussprache an.
(zärtlich) Bel Ami.
Küss mich.
Ich bin die glücklichste Frau der Welt!
- Wir werden uns nie verlassen, oder? - Nie.
Da ist Madeleine Forestier. Huhu!
- Wer ist das? - Eine geschwätzige Bekannte.
Nenn meinen Namen nicht.
- Liebste! Lange nicht gesehen. - Herr Monier, Frau von Marelle.
Herr Duroy! Darf ich vorstellen?
- Guten Tag. - Warum kommen Sie nicht mehr vorbei?
Das ist nicht nett, wo Sie doch der Scheidungsanlass waren.
- Kommen Sie doch morgen vorbei. - Gerne, gnädige Frau.
- Was soll das? - Verstehst du nicht?
Ein Geschenk des Himmels! Er schreibt doch auch für die Vie Française.
Der Ersatz für Forestier ist gefunden!
Meine kluge Madeleine!
Was heißt das - du bist Madeleines Scheidungsgrund?
Eine Dummheit! Forestier war eifersüchtig, weil ich mit ihr arbeitete.
- Ach! Du warst bei ihr! - Ein Mal. Für einen Artikel!
Ich kenne dich. Sie gefällt dir, diese Neunmalkluge!
- Lass mich aussteigen! Sofort! - Liebste...
- Du betrügst mich! - Sei doch...
Rühr mich nicht an, oder ich springe! (schreit)
Du willst mich ertränken! (weint)
Wegen dir verschenkte ich all meine schwarzen Kleider!
So, sei doch gut.
- Du irrst dich. Madeleine denkt nicht... - Oh, doch!
"Kommen Sie doch mal wieder zu mir."
Die kann's ja gar nicht mehr erwarten!
Ich bin die unglücklichste Frau der Welt!
(Wehklagen)
(ruhige Musik)
Die gnädige Frau kommt gleich.
(beschwingte Musik)
(Tür geht auf)
(Musik schwillt an)
Ich freue mich, zu Ihnen kommen zu dürfen.
Oh, die schönen Blumen.
Bitte.
Ich bat Sie zu mir, weil ich mich für Sie verantwortlich fühle.
Schließlich sind Sie durch mich zur Zeitung geraten.
- Zwei Stück Zucker? - Bitte.
- Wie geht es Ihnen in Ihrem neuen Beruf? - Och.
Kleine Berichte, was ich eben kann, wenn Sie mir nicht helfen.
Ich soll Ihnen helfen? Gerne!
Fangen wir gleich an.
Schreiben Sie.
Überschrift: "Eine letzte Warnung".
"Die Tatenlosigkeit des Kolonialministeriums ist unbegreiflich.
Aber da andere Mächte auf Marokko schielen, ist sie ein Skandal.
Unsere Geduld ist erschöpft."
- Schreiben Sie. - Geht nicht.
- Was? - Ich muss Sie ansehen.
- Das sollen Sie nicht. - Aber ich muss.
Ich bin nicht aus Holz.
Sie laden mich ein, tragen ein Kleid, dass sogar einen Heiligen verführte,
und dann sagen Sie einfach: Schreiben Sie. Ich bin keine Schreibmaschine!
(aufbrausende Musik)
Lieber Freund, hören Sie. Ich werde nie Ihre Geliebte werden.
Bemühen Sie sich erst gar nicht.
Glauben Sie mir, es ist besser so.
Nachdem wir das hinter uns haben, wollen wir Freunde sein,
ohne jeden Hintergedanken, ja?
An die Arbeit.
Solche Artikel müssen Sie schreiben, Forestier.
Sie lassen nach, Ihre Scheidung bekam Ihnen schlecht.
Sie sollten verreisen. Ich hab da was für Sie.
Fast eine Ferienerholung. Es lässt sich nicht leugnen.
Duroy hat zurzeit die besseren Informationen.
(spannende Musik)
(Melodie von "Bel Ami")
(Kirmesmusik)
(spannende Musik)
Seine Hoheit, der Kaid von Marrakesch.
Ich lasse bitten.
Womit kann ich dienen?
(arabisch)
Was sagt Seine Hoheit?
Seine Hoheit beglückwünscht Eure Exzellenz
im Namen unseres heiligen Herrschers, des Sultans von Marokko,
zu Eurer Exzellenz Ernennung zum Minister der Republik Frankreich.
Ich bin entzückt, Sie begrüßen zu dürfen.
(arabisch)
Was sagte Seine Hoheit?
Er sagte: "Danke."
Es hieß, Ihr Besuch sei dringend.
Darf ich den Anlass erfahren?
Wir schätzen Sie als großen Kenner unseres Landes.
Wir haben jedoch von einem Schlagwort gehört,
dass Sie als Abgeordneter prägten:
"Marokko den Franzosen."
Wir hoffen, dass die Tatenlust des Abgeordneten
durch den Scharfsinn des Herrn Ministers
auf das rechte Maß zurückgeführt wird. Oder?
Wenn Sie meinen, ich ändere meine Ansichten,
vermuten Sie falsch.
Mein Interesse an Marokko ist auch kein Schlagwort.
In Wahrheit ist es mein Programm.
Ein Programm im Namen Frankreichs.
(arabisch)
Wie bitte?
Seine Hoheit ist voll Bewunderung für Ihre Charakterfestigkeit.
- Weniger für Ihre Klugheit. - Was?
Sie sind an großen Landkäufen in Marokko beteiligt.
Wir haben Unterlagen dafür.
- Dürfen wir uns wieder setzen? - Sicher.
Natürlich macht sich das nur dann bezahlt,
wenn Ihr Plan aufgeht, und Frankreich bei uns eingreift.
- Was haben Sie vor? - Sollte es aber nicht dazu kommen,
dann wünscht unser Sultan natürlich keineswegs,
dass seine Freunden Schaden daraus nehmen.
Seine Hoheit, der Kaid, ist ermächtigt,
Ihnen eine sehr hohe Entschädigung zu zahlen,
die jeden Ihnen etwa entgehenden Gewinn mehr als wettmacht.
Ich werde entsprechend den Interessen meines Landes entscheiden.
(arabisch)
Seine Hoheit ist voll Bewunderung für Ihren Charakter.
Er bittet um Verzeihung, an Ihrer Klugheit gezweifelt zu haben.
(lautlos)
Ach ja, danke.
- Mein Lieber, ich bin stolz auf dich. - Ich danke dir.
- Ach, deine Vorgänger? - Ja.
- Da werde ich auch mal hängen. - Sicher. Aber es eilt nicht.
Schwierigkeiten?
Nein, Bedenken.
- Marokko? - Hm.
- Man will dich hindern einzugreifen. - Nein, ich halte es noch nicht
für die rechte Zeit.
- Wieso? - Im Interesse Frankreichs...
- Es wäre ein Abenteuer. - Und dein Programm?
Der tatenlustige Abgeordnete in mir muss vom klugen Minister gezügelt werden.
Was wird aus deinem marokkanischen Besitz?
Man muss Opfer bringen.
Ich werde verkaufen.
- Du bist ein Patriot. - Das hoffe ich.
- Sie greifen dich dennoch an. - Möglich.
- Sicher, wenn du plötzlich umfällst. - Du drückst dich aber drastisch aus.
- Aber dem Sinn nach richtig. - Nein!
Ich bekämpfe mein Programm ja nicht.
Daran denke ich nicht. Das wäre charakterlos.
Das muss von anderer Seite kommen.
Kleine Angriffe, patriotische Warnungen, Kritik an meiner Richtung.
Erst danach werde ich mich ganz allmählich und nach guter Prüfung,
diesen Einwänden nicht länger verschließen.
Du willst das Volk auf deinen Sinneswandel vorbereiten.
Richtig. Selbstverständlich an wichtiger Stelle
wie der Vie Française, dein Schützling Duroy muss wieder ran.
Ich weiß nicht. Der lernt allmählich.
Vielleicht würde er argwöhnisch.
Forestier war entschieden bequemer.
Arbeitest du eigentlich viel mit Duroy?
Oh, doch. Hin und wieder.
Ist er in dich verliebt?
Er respektiert mich.
Der Junge sieht doch ganz passabel aus.
Dumm ist er laut dir auch nicht.
Er ist jetzt Chefredakteur. Heirate ihn doch.
Madeleine! Das ist sogar eine ausgezeichnete Idee!
So haben wir ihn in der Hand,
und du bist wieder Frau Chefredakteur.
- Ist das dein Ernst? - Ja! Das ist die Lösung.
Alles bleibt beim Alten.
Gut. Wenn du meinst. Ich rede mal mit ihm.
(überschwänglich) Mein lieber Duroy.
Die schönen Blumen! Reizend, dass Sie gekommen sind.
Ich bin dankbar, wenn ich kommen darf.
- Nur dankbar? - Natürlich auch beglückt.
Sie haben sicher was Interessantes für mich.
Bitte.
Nein, heute wird nicht gearbeitet.
Heute habe ich Sie zu einem Teestündchen gebeten.
- Zwei Stück Zucker? - Vielen Dank.
- Lange nicht gesehen. - Sechs Tage.
Vielmehr genau fünf Tage und 18 Stunden.
- So genau wissen Sie das? - Ja.
Wir schrieben bis spät über das neue Kabinett.
Ach, ja. Richtig.
- Huch. - Oh.
Darf ich mich ein wenig hinlegen?
- Sie fühlen sich nicht wohl? - Doch. Nur ein wenig matt.
Dieses ewige Alleinsein seit der Scheidung.
Hm.
Forestier ist sicher auch unglücklich.
Sprechen wir von Ihnen.
- Was treiben Sie so? - Viel Arbeit.
Ich hab Ihre letzten Artikel gelesen. Toll.
Danke. Als Ihr Schüler freut mich das.
Keine falsche Bescheidenheit, lieber Freund.
Sie begriffen schnell, was der Leser will.
- Kein Kunststück. - Wieso?
"Laroche ist Minister", "Marokko den Franzosen" versteht jeder.
- Unsere Meinung hat gesiegt. - Darauf dürfen Sie sich nicht ausruhen.
- Wie? - Sich nicht festlegen.
Nicht langweilig werden. Amüsant bleiben, angreifen.
Wen denn?
Nehmen Sie mal Laroche und seinen Plan unter die Lupe.
- Aber das ist doch undenkbar. - Warum?
Man kann doch nicht das Gegenteil vom Bisherigen schreiben!
Nein, das natürlich nicht.
Aber wir reden schon wieder über Politik.
- Sie wollten mir doch von sich berichten. - Ja.
- Da ist nicht viel zu erzählen. - So?
Da habe ich einen anderen Eindruck.
Ich denke an eine ziemlich romantische Kahnfahrt.
Och, die ist längst zuende.
Ja, ich hörte davon.
Kommen Sie doch näher.
Sie gondeln allein durch das Weltmeer Paris?
- Ganz allein. - Macht das Spaß?
- Was soll ich tun? - Landen.
- Gefährliche Sache. - Nicht für den kundigen Seemann.
Ich bin wohl keiner.
- Das scheint so. - Eben.
Was sind Sie? Sind Sie aus Holz?
Bei Gott nicht. Aber ich habe ein gutes Gedächtnis.
Wieso?
"Ich werde nie Ihre Geliebte werden. Bemühen Sie sich erst gar nicht."
Ich werde auch nie Ihre Geliebte.
Aber es gibt doch noch etwas anderes.
Halten Sie um meine Hand an.
(Standesbeamte) Sie bitte darunter, gnädige Frau.
Frau Duroy...
Ich gratuliere.
Mein Herr, ich gratuliere.
- Schläft sie noch? - Soll ich sie wecken?
Nein, lassen Sie nur.
(Melodie von "Bel Ami") ♪ So verliebt, so verliebt, wie noch nie,
♪ äh, bin ich, Liebling... ähm...
♪ Liebling, in dich heute früh.
♪ Und ich sag dir mit Musik,
♪ du allein, du bist mein Gli... Glück.
♪ Und ich sag dir mit "Musük",
♪ du allein, du bist mein Glück.
♪ Bist die reizendste Frau von der Welt.
♪ Komm zu mir, komm zu mir auf der Stell.
♪ Komm und küss mich... ganz, ganz schnell.
♪ Denn wenn du mich jetzt küsst,
♪ bin ich glücklich wie noch nie.
♪ Komm sofort. Gruß und Kuss, dein Bel Ami.
Liebling!
Ein Ständchen, wie reizend. So bin ich noch nie geweckt worden.
- Gut geschlafen? - Ja!
- Komm, ich hab Hunger. - (Papagei) Küss mich!
Danke, nein. Ich komme vom Mittagessen.
Komisch, dass man die Zeitung liest, wenn man schon für sie schreibt.
- Was schreibt denn Herr Duroy? - Er warnt. Vor einem Abenteuer.
Neulich war es noch das Gegenteil.
Ja, aber Madeleine findet, man müsste warnen.
- Sie sagt... - "Madeleine findet." Ich hasse sie.
- Bist du eifersüchtig? - Klar!
- Sie ist ja deine Frau. - Liebste...
Du weißt doch, meine Ehe war nur drei Tage wirklich eine.
Das ist eine Arbeitsgemeinschaft.
Über diese drei Tage komme ich nie hinweg.
- Ich bin so unglücklich. - Denk nicht dran.
Ich will aber daran denken.
Weißt du, was ich tue, wenn du dich nicht trennst?
- Eine neue Trauerrobe kaufen. - Nein.
Ich heirate einen alten, dicken Kerl.
Du bist krank. Du musst auf andere Gedanken kommen.
- Was hast du heute vor? - Nichts.
- Was wirst du tun? - Weinen.
Schade, ich hatte Karten zur neuen Tabara-Revue.
Ah!
- Herr und Frau Duroy. Du gehst mit ihr? - Nein, mit dir.
Oh, Liebling!
(fröhliche Musik)
(Fanfare)
♪ Ich kenne einen netten, jungen Mann, der nichts ist und nichts kann.
♪ Den die Damen dennoch heiß verehren, weil er das hat, was alle begehren.
♪ Er macht die anderen Männer nervös, mit einer tollen Chronik skandalös.
♪ Er nimmt die Frauen, wie er will. Bei ihm hält
♪ jede still.
♪ Du hast Glück bei den Frauen, Bel Ami.
Oh! ♪ So viel Glück bei den Frauen, Bel Ami.
♪ Bist nicht schön, doch charmant. Bist nicht klug, doch sehr galant.
♪ Bist kein Held, nur ein Mann der gefällt.
♪ Du verliebst jeden Tag dich aufs Neu.
♪ Alle küsst du und bleibst keiner treu.
♪ Doch die Frau, die dich liebt,
♪ machst du glücklich wie noch nie.
♪ Bel Ami, Bel Ami, Bel A...
(Applaus, Bravorufe)
(Chor) ♪ Du hast Glück bei den Frauen, Bel Ami.
♪ So viel Glück bei den Frauen, Bel Ami.
♪ Bist nicht schon, doch charmant. Bist nicht klug, doch sehr galant.
♪ Bist kein Held, nur ein Mann der gefällt.
(Sängerin allein) ♪ Du verliebst jeden Tag dich aufs Neu.
♪ Alle küsst du und bleibst keiner treu...
Ach, der Ärmste. Sie macht ihm eine Szene.
Hast du plötzlich Mitgefühl mit deinem Mann?
Du brauchst dich nicht zu beklagen.
Ich bin die schlechteste Ehefrau. Ich muss ihm helfen.
- Madeleine! - Willst du mir auch eine Szene machen?
(fröhliche Musik)
(Musik laut, Stimme unverständlich)
(Frau von Marelle schreit) Guten Abend.
- Wie geht es dir? - Was wollen Sie?
George ist mein Mann.
- Aber sei doch gut. - Jetzt aber raus!
- Was ist los? - Da prügeln sich zwei Frauen.
Rühr mich nicht an! Ich will dich nie wiedersehen! Du...
Du... Bel Ami! (schallendes Gelächter)
(alle zusammen) ♪ Du hast Glück bei den Frauen, Bel Ami.
♪ So viel Glück bei den Frauen, Bel Ami.
♪ Und die Frau, die dich liebt,
♪ machst du glücklich wie noch nie, Bel Ami,
♪ Bel Ami, Bel Ami!
Papa! Wieder ein Artikel gegen dein Programm.
Aha, natürlich wieder Duroy. Wer ist das?
- Ein Journalist. - Früher war er doch für dich.
- Und jetzt diese Angriffe. - Sein Metier.
Was für ein schmutziges Geschäft, über andere herzuziehen wie ein Hund.
- Du verstehst eben nichts von Politik. - Mag sein, aber...
Dieser... Herr Duroy
hat auch sonst einen üblen Ruf, unvorstellbar.
- So? Was denn? - Das ist ein... ein Bel Ami.
- Was stellst du dir darunter vor? - Ein Mann, der verheiratet ist
- und trotzdem mit jeder anderen... - Woher weißt du so was!
- Reg dich nicht auf. - Moderne Mädchen...
Ich sorge mich doch nur um dich. Du bist viel zu anständig.
Ach, Suzanne.
In deinem Alter gibt's nur Schufte oder Helden.
Später sind die Helden nicht so edel, und die Schufte halb so schlimm.
Jeder kann in eine schiefe Lage kommen.
Du nicht, Papa. Adieu, ich fahre spazieren.
(Frau schreit)
(Mann) Lauf weg! Weg!
- (Mann) Was ist los? - (Frau) Mein Pferd geht durch!
(panische Schreie)
(Schreie, aufgeregte Stimmen)
Ruhig! Ganz ruhig, ganz ruhig.
So ein braves Pariser Pferdchen spielt hier den wilden Berberhengst.
- Danke, das war nett von Ihnen. - Das ist noch mal gut gegangen.
- Soll ich nicht lieber mitkommen? - Wie denn?
Ach, ja.
Schade.
(romantische Musik)
Wirklich schade.
Darf ich Sie wiedersehen?
Ich fahre jeden Tag um dieselbe Zeit hier spazieren.
24 Stunden soll ich warten?
- Sind Sie heute auf dem Opernball? - Wenn Sie da sind, ja.
Also, bis heute Abend.
Ich trage ein lila Kleid mit kleinen Blumen.
- Papa! - Was gibt's denn?
- Ich wollte dir sagen, ich lebe noch. - Nett, aber im Moment...
- Beinahe wäre ich gestorben. - Was?
Caligula fühlte sich als Berberhengst und ging durch.
- Ich sah mich schon zerschmettert am Boden. - Und dann?
Alle rannten vor Angst davon.
Nur einer stand plötzlich vor dem Wagen,
packte das Pferd, und es stand.
- Ein mutiger Bursche. - Ein Held!
Du hast immer gesagt, es gäbe keine mehr. Wiedersehen.
- Entschuldigen Sie. - Bitte.
- Es ging um... - Ihre Werte.
Wie kann es sein, dass Sie noch keinen Käufer haben?
Das Objekt ist groß, und Marokko ist weit.
Sie müssen unbedingt bis morgen verkaufen!
- Es ist für mich nicht tragbar... - Ich kenne Ihre ethischen Gründe.
- Aber wozu diese plötzliche Eile? - Ich...
Morgen wird die Marokkofrage entschieden.
Damit kann man was anfangen!
- Laroche geht nach Marokko. - Davon rate ich ab. Das ginge zu weit.
Aber morgen wird entschieden?
Ja.
Das genügt. Hoffe ich.
Ihr Programm ist bekannt wie Ihre Charakterstärke.
- Was meinen Sie damit? - Ich sehe eine Chance.
Ich hab da einen Interessenten.
- Hallo, Walter. - Leitartikel schon gelesen?
Nicht mit Gold aufzuwiegen, dieser Duroy.
Übliche Attacke. Wozu?
Wer Ländereien in Marokko besitzt, der wird verdienen.
- Erst, wenn Laroche ernst macht. - Morgen.
- Seit Wochen weicht er aus. - Ich weiß es aber.
- Woher? - Ich weiß es eben.
- Aber fragen Sie ihn doch selbst. - Wen? - Laroche.
Sie haben eine Zeitung, lassen Sie ihn interviewen.
Ist Duroy da? Er soll sich sofort melden.
- Ist das wahr, müsste man sich wirklich umsehen. - Wonach?
- Nach Marokko Werten. - Zwecklos.
- Wer gibt denn da ein Stück Land her? - Sie können da sicher was drehen.
- Unmöglich. - Doppelte Provision.
- Schwierig. - Los, Geld spielt keine Rolle.
Ich bemühe mich, aber viel Hoffnung hab ich nicht.
- Hallo! Duroy? - Immer noch nicht da.
Jawohl.
Forestier, Ihr Bericht über die neue Feuerspritze von Perpignan
- hatte den Schwung Voltaires. - Macht nur eure Witze.
Das Landleben hat auch seine Vorzüge.
Ich freu mich, dass Sie wieder da sind.
- Was wollte der Alte? - Nichts, Duroy.
Schon halb elf, und der Chefredakteur ist noch nicht da?
- Sonderbar. - Wieso?
Morgens ist seine Frau am kreativsten. Das wissen Sie doch.
Morgen! Forestier? Was für eine Überraschung.
- Der Chefredakteur... - Ach, komm.
- Der Alte hat nach Ihnen gefragt. - Gut. Rauchen wir eine.
Noch eingeschnappt? Lass uns das vergessen.
- Wie geht's? - Danke.
- Dich frage ich gar nicht, du strahlst ja. - Ja, ich bin selig.
Sag mal, warst du schon jemals verliebt?
So richtig, von ganzem Herzen.
Ein Wunder, monatelang verheiratet und schwärmt noch immer.
Ach, Madeleine. Nein.
Wir sind... Gut, wir... arbeiten zusammen...
Das weißt du doch. Nein, ich habe ein Mädchen kennen gelernt.
Das schönste Mädchen von Paris. (Telefon klingelt)
- Duroy. Ja, Walter? - Wann?
- Eben. - Ging aber schnell.
- Ja. Was? - Sich verlieben.
Ich liebe sie!
- Sie ist so bezaubernd! - Wer ist sie?
- Weiß nicht, aber wir heiraten. - Sehr interessant. Und Madeleine?
Ja.
Was wird sie sagen? Ich muss mit ihr reden.
Heute noch. Wir werden uns trennen.
Aber das wird gar nicht so leicht sein.
(Gemurmel aus dem Nachbarzimmer)
(Laroche probt seine Rede zur Marokkofrage)
... und deshalb, meine Herren...
- Nervös. - Nein. Die Rede sitzt.
Meine neue Sicht ist verständlich. Dank deiner genialen Vorbereitung.
- Hoffentlich. - Eine gute Ehe ist Gold wert.
- Hat er nie was gemerkt? - George?
- Ja. - Nie.
Manchmal tat er mir fast leid.
Eigentlich müsste man ihn entschädigen und ihm jetzt eine gute Frau sein.
Madeleine! So was sagt man nicht mal im Scherz.
(Klopfen) Ja?
- Herr Duroy. - Wer?
Herr Duroy wünscht Sie dringend zu sprechen.
Einen Moment. Ich klingle.
Ah!
Bitte...
(Räuspern)
Treten Sie näher.
Unser Blatt hat in der Marokkofrage
in letzter Zeit eine andere Haltung als Sie...
Aber lieber Freund, ich bin für Meinungsfreiheit.
- Also, was führt Sie zu mir? - Exzellenz.
Es wäre uns eine Ehre, den Text Ihrer morgigen Rede heute zu erhalten.
Ausgeschlossen. Was würden da die anderen sagen.
- Zumal Ihr Blatt völlig unabhängig ist. - Schade, Exzellenz.
Könnte ich wenigstens einige Stichpunkte bekommen?
Tut mir leid, auch das nicht.
Dann will ich nicht weiter stören.
Nur eines: Wird morgen über Marokko entschieden?
Ja.
- So viel kann ich Ihnen verraten. - Ich danke Ihnen.
Leben Sie wohl, Exzellenz.
Leb wohl, Madeleine!
(dramatische Musik)
(dramatische Musik wird romantisch)
- Wen suchst du? - Sie!
- Sie ist doch hier. - Ach so, die Neue.
Unsere arme Madeleine sitzt zu Hause, verlassen.
Zu Hause stimmt.
- Habt ihr geredet? - Nicht direkt.
- Duroy! Was hat Laroche gesagt? - Wenig.
- Haben Sie nichts erfahren? - Doch, allerlei.
- Wird morgen entschieden? - Ja, das auch.
- Na, also. Darf ich vorstellen? - Oh.
- Wir kennen uns. - Bin entzückt.
- Ist's erlaubt? - Kommen Sie herein.
Einen Walzer hab ich noch frei. Bemüh dich nicht zu spät darum.
- Später. - Wie sprichst du mit deiner Chefin in spe!
Oh, ich gratuliere.
- Warum zappelst du so? - Verzeihung.
- Na endlich. - Was?
- Er hat sie gefunden. - Wen? - Die neue Herzdame. - Ach!
- (Männer) Fräulein! - Entschuldigen Sie,
aber dieser Tanz gehört schon einem anderen.
(romantische Musik)
- Wer ist das Mädchen? - Keine Ahnung.
- Sprecht ihr noch lang von Geschäften? - Fertig.
Komm, Täubchen. Stoß mit uns an.
Morgen ist dein Walter um einige Milliönchen schwerer.
Los, alter Freund. Auf Laroche
und seine gesegnete Marokkopolitik.
Sie sind noch schöner als in meiner Erinnerung.
Sie tanzen noch besser, als ich hoffte.
- Tüchtiger Mann, Ihr Duroy. - Wieso?
Er hat die neue Lage erfasst und wirbt um die Tochter seines Gegners.
- Wie? Die junge Dame ist... - Suzanne Laroche!
Müssen wir dahin?
- Nein, fliehen wir. - Gut.
Ihr Schloss, mein unbekannter Ritter?
Die Burg meiner Väter, edle Herrin.
- Was tun Sie? - Ich bringe meinen Raub in Sicherheit.
Also gefangen.
Entführt und gefangen.
Ich bin Euch darum nicht gram. Habt Ihr mich doch gerettet.
Was begehrt Ihr dafür zum Lohne?
Könnt Ihr es nicht erraten, Prinzessin?
Eine arme Gefangene darf sich nicht wehren.
(Klopfen)
Verzeihung. Duroy, singen Sie morgen eine Hymne auf Herrn Laroche.
- Aber... - Wir haben ihn angegriffen,
aber morgen ist er der Held.
Jetzt ist der Moment,
sein Programm anzuerkennen, "Marokko den Franzosen"!
Also feiern Sie ihn! Kein Ausdruck ist stark genug.
Als Politiker, als Patriot, als Vater.
- Als Vater, toll. Darf ich... - Der Rest liegt in Ihrer Hand.
Verzeihen Sie, mein Fräulein.
Prinzessin.
Verzeihen Sie, Ihr Ritter hat noch einen Beruf.
Einen traurigen.
Was meinen Sie?
Dass Sie den schmutzigsten Beruf der Welt haben.
- Aber ich... - Und Sie sind darin Meister, Herr Duroy.
- Sie vermuten... - Ich vermute nicht, ich weiß.
Gestern für, heute gegen. Sie liefern, was man bestellt.
- Ich verabscheue Sie, Sie Bel Ami. - Das ist ja Unsinn.
- Ich hasse Sie. - Ich liebe Sie.
Sie lieben mich? Sie sind verheiratet!
- Ich lasse mich scheiden. - Heiraten, scheiden, wieder heiraten!
Das geht bei Ihnen so schnell wie das Wechseln der Gesinnung!
Oder leugnen Sie, dass Sie Ihre Meinung je nach Situation ändern?
Sie haben recht. Es muss Ihnen so erscheinen.
Aber ich hatte keinen Vorteil davon.
- Sie sind ein Idealist. - Nein, ein Dummkopf.
Seit heute weiß ich es.
- Man nutzte mich aus. - Andere sind Schuld an Ihrer Charakterlosigkeit?
Jawohl. Ich kann es Ihnen jetzt nicht beweisen, aber es ist so.
Ach, bitte.
Lassen Sie mich hinaus.
(dramatische Musik)
- Fräulein Suzanne! - Wo waren Sie?
- Mein Tanz! - Nein, meiner!
Verzeihen Sie, ich muss gehen.
Bitte, nur ein paar Takte.
Bel Ami!
Gott sei Dank! Komm, rette mich!
- Ich fühle mich schon wie eine Sklavin. - Wer...
Das ist ein guter Freund von mir.
- Was sagst du? Ich unter lauter Wilden. - Pst.
Ach, die verstehen nur afrikanisch.
Dabei sind das große Tiere. Der ist der Häuptling.
(arabisch)
Schau dir das an! Ich sterbe hier vor Langeweile
und die unterhalten sich großartig, diese Menschenfresser!
- Unerhört... - Still.
(arabisch)
Ja, aber...
Einen Wagen?
- Moment! - Fahren Sie.
Ich kann Ihnen beweisen, dass Sie mir Unrecht taten!
Lesen Sie morgen die Vie Française!
Auf Sie warte ich. Herr Walter sagte mir Bescheid.
Großer Lobgesang auf den Kolonialminister.
Lobgesang... Schreiben Sie.
Überschrift:
"Die Wahrheit über Laroche."
"Der Kolonialminister, ein Schieber.
Derselbe Laroche, der forderte: 'Marokko den Franzosen',
wird, wenn dieses Blatt erscheint,
auf der Parlamentstribüne stehen und sagen:
Frankreich kann sich ein Abenteuer,
dessen Ausgang und Wirtschaftlichkeit ungewiss sind,
im Moment nicht gestatten.
Die Regierung schloss sich meinen Vorschlägen an.
Die Marokkofrage wird vorläufig vertagt.
(Rufe, Pfeifen)
Morgen, bist ja ein toller Kerl. Du fällst immer die Treppe herauf.
- Was meinst du? - Tu nicht so, ich hab deine Neue gesehen.
Allerhand! Erst Chefredakteur. Jetzt Ministerschwiegersohn. Gratuliere!
Ein reizendes Mädchen ist sie außerdem.
- Von wem sprichst du? - Von deiner neuen großen Liebe.
Suzanne Laroche.
Um Himmels willen.
- Anhalten, sofort. - Anhalten!
- Die Ausgabe darf nicht erscheinen. - Zu spät, Herr Chefredakteur.
Die ersten 20000 sind im Umlauf.
(Gebrüll) La Vie Française!
- La Vie Française! - (Mann) Die Wahrheit über Laroche!
La Vie Française, die Wahrheit über Laroche!
(Zeitungsjunge) Vie Française!
Alles verloren. Ich bin ruiniert! Dieser Schuft!
La Vie Française! Sensationeller Artikel über Laroche. Danke.
Und ich habe noch eine Hymne auf ihn schreiben lassen!
La Vie Française! La Vie Française!
(aufgeregtes Stimmengewirr)
Seine Exzellenz ist nicht zu sprechen.
Es wird ihm eine Kleinigkeit sein, diesen lächerlichen Angriff zu entkräften.
(Gelächter)
(Gebrüll, Glockenklingen) Ruhe!
Ausgeschlossen! Seine Exzellenz kann jetzt keine Erklärungen abgeben.
Wo ist Duroy! Ich will ihn adoptieren!
- (Mann) Keine Ahnung. - Wir brauchen ihn selber.
- Draußen ist alles voll. - Er ist ein Held.
Die Leute wollen ihn feiern.
Na? Was ist los? Wohl einen großen Sieg verpasst, wie?
Leider nein.
- Eine Niederlage. - Schlimmer, eine Hinrichtung.
(empört) Was?
Ich beweise es Ihnen. Lesen Sie morgen die Zeitung!
Wo ist Papa?
Papa!
Ja, mein Kind?
- Du wirst doch nicht...? - Doch, ich werde.
Jagen und Angeln.
Das wird mein Programm für die Zukunft sein.
- Du verteidigst dich nicht? - Dein Vater ist alt.
- Ist es denn wahr, was da steht? - Wahr?
Wahr ist, was man glaubt. Unwahr, alles was man bestreitet, mein Kind.
Und du? Was wirst du tun?
Ich werde angeln. (es klopft) Ja?
Gnädigste, ein Brief.
- Von wem? - Von deinem Henker.
(scharf) Duroy?
Du kennst diesen... Herrn?
Ja.
Dann kannst du ihm gratulieren. Er hat mich voll getroffen.
Papa.
Es ist gut, mein Kind. Ich bin nur müde und traurig.
"Marokko den Franzosen." Jetzt kommt das alles in noch schlechtere Hände.
"Marokko den Franzosen" ist unsere Devise.
Wir Besitzer von Marokko-Werten müssen die Chance jetzt nutzen.
Wir müssen die Regierung beeinflussen.
Und ich spreche wohl in Ihrem Sinne, wenn ich behaupte:
Für unsere Interessen gibt es keinen besseren als George Duroy.
(alle) Bravo!
Ich werde ihn zu meinem Teilhaber machen.
Wir sollten ihn als Deputierten wählen lassen.
(alle) Bravo!
Duroy ist nicht zu finden.
Ein Mann kann nicht am hellen Tag in Paris verschwinden!
Suchen Sie ihn, es geht um Frankreich!
- Fräulein Laroche. - Mein Fräulein.
- Wo ist Duroy? - Das wollte ich von Ihnen wissen.
- Duroy ist unauffindbar. - Unmöglich!
Sie haben ihn doch noch gesehen. Was tat er?
- Nichts. Er telefonierte. - Wohin?
Er erkundigte sich, wann Züge nach Marseille fahren.
(leise, spannende Musik)
(Melodie von "Bel Ami", melancholisch)
(Musik braust auf, wird wieder sachter)
(Musik wird romantisch)
Na? Ausgeschlafen?
Danke.
- Fräulein... - Schweigen Sie.
- Wohin geht die Reise? - Nach Marseille.
- Dann nach Marokko. - Und dort?
Wird sich finden.
Wenigstens hab ich es zu 5000 Francs gebracht.
- Wenig, für einen Bel Ami. - Fräulein Suzanne...
- Still, Sie sind schlecht. - Herr Laroche...
... mein Vater. Ich las, was Sie von ihm halten.
Es tut mir leid, dass Sie seine Tochter sind, aber ich konnte nicht anders.
Ich hätte es wohl auch getan, wenn ich es gewusst hätte.
Und was haben Sie erreicht? Eine Schiebung aufgedeckt, eine gefördert.
Herr Walter triumphiert, sein Geschäft blüht.
- Dafür kann ich nichts. - Das empört Sie nicht?
- Doch! Aber ich hab es nicht gewollt. - Sie wollten es nicht...
Damit ist der Fall für Sie erledigt. Wissen Sie überhaupt, was Sie wollten?
- Oh ja, sehr genau! - Nun?
Ihnen beweisen, dass Sie mir Unrecht taten, denn ich liebe Sie.
- Schreien Sie nicht! Was sagten Sie? - Dass ich Sie liebe.
Gut, merkwürdiger Beweis.
Was wollen Sie noch? Ich ziehe die Konsequenzen und wandere aus.
Sehr bequem!
Sie wirbeln halb Frankreich durcheinander, stellen Paris auf den Kopf,
Sie schütteln Regierungskrisen aus dem Ärmel.
Sie schreien mich an und ziehen dann die Konsequenzen. Das ist feige!
Sie sind ungerecht und herzlos! (es klopft)
Mein Fräulein, mein Herr, Ruhe bitte.
- Einzelne Herrschaften schlafen bereits. - Ja, ja.
- Was sagten Sie? - Ich... Der hat mich ganz rausgebracht.
- Ich sagte, Sie machen es sich bequem. - Weil ich sagte, ich wandere aus.
Stimmt, darauf sagte ich...
- Was sagte ich denn? - Ja, was?
Ich sagte, Sie sind feige.
Genau. Feige! Sie sind ungerecht und herzlos!
Sie sind ungerecht und herzlos. Ich wollte das alles nicht.
Das sagten Sie schon. Es ist keine Entschuldigung.
Sie müssen das Chaos wieder in Ordnung bringen.
- Wie denn? - Sie kehren sofort um.
- Unmöglich. - Ich verlange es.
- Soll ich die Notbremse ziehen? - Sie steigen beim nächsten Halt aus.
- Der Zug hält erst in Lyon. - Dann da.
- Was soll ich in Paris? - Herr Walter erwartet Sie.
Er will Sie zum Teilhaber und Deputierten machen.
Damit ich seine Schiebung noch mehr fördere!
Nein, damit Sie besser machen, was die anderen verdorben haben.
Wie soll ich das? Soll ich im Ernst Deputierter werden?
- Warum nicht? - Das kann ich nicht.
Aber Minister stürzen können Sie. Das ist eine Kleinigkeit für Sie.
- Das war für Sie. - Werden Sie für mich Deputierter.
- Suzanne! - Rühren Sie mich nicht an,
- sonst ziehe ich die Notbremse, Sie Vatermörder! - Doch!
Lassen Sie mich! Sie sind ein schlechter Mensch!
Hilfe! Hilfe! Hilfe!
Hilfe! Hilfe!
Mein Herr, vielen Dank. Wir müssen nicht mehr bis Lyon fahren.
(aufbrausende Musik)
(triumphierende Fanfarenmusik)
(lautlos, nur Musik spielt)
(Musik wird langsamer)
Herr Walter.
Lasse bitten.
Herr Minister, ich gratuliere Ihnen zu Ihrer Ernennung.
Bitte nehmen Sie Platz.
Ich wollte mit Ihnen übers Geschäft sprechen.
Ich stehe zu Ihrer Verfügung.
- Sie machten mich zum Teilhaber. - Hier ist die Abrechnung.
- Danke. Ist die Liste vollständig? - Ja.
Hören Sie gut zu.
Sie haben für 13 Millionen marokkanische Werte gekauft.
Ich biete Ihnen dafür 13 Millionen, aber nur unter einer Bedingung.
Dass Sie sofort diese Übereignung an mich unterschreiben.
Was soll das?
Nur so kann ich Ihnen meine Dankbarkeit zum Ausdruck bringen.
Retten Sie wenigstens Ihr Geld. Sonst garantiere ich für nichts.
Es kann sein, dass Frankreich in Marokko Maßnahmen trifft,
die jede Spekulation unterbinden.
Dann wären Ihre 13 Millionen weg.
Dankbarkeit? Das ist Erpressung!
Nennen Sie es, wie Sie wollen. Ich diskutiere nicht mit Ihnen.
- Ja oder nein? - Sie wollen alles für sich selbst.
Bitte, ich beuge mich der Gewalt.
Danke. Sie haben Frankreich einen Dienst erwiesen.
Einen Augenblick.
Bringen Sie das zum Finanzminister und sagen Sie ihm:
"Ich bin glücklich, nun auch die letzte Chance
einer privaten Spekulation mit unserer Marokkopolitik unterbunden zu haben.
Mindestens 30 Millionen für Frankreich gespart."
Ach, ja. Ich danke Ihnen.
Darf ich bitten?
- Gratuliere dir, George. - Danke.
- Komm, setz dich. - Nein, Minister haben zu tun. Ich weiß.
- Wie fühlst du dich hier, George? - Danke.
- Man tut, was man kann. Wie geht es dir? - Danke. Ich bin viel allein.
- Und Laroche? - Laroche?
Von dem krieg ich jede Woche ein Paket mit den besten Früchten der Jahreszeit.
Melonen, Auberginen, manchmal auch Forellen.
Er lebt auf seinem Gut. Pflanzt Kohl und angelt.
Von Politik will er nichts mehr wissen. Und du? Hast du eine Geliebte?
Oh, ja.
- Ich beneide sie. - Weshalb?
Weil ich nur immer deine Frau war, und niemals deine Geliebte.
Ich danke dir, Madeleine. Für alles.
Du warst trotzdem mein schönstes Erlebnis.
Bald wird ein begabter Journalist zu dir kommen.
Sei nett, gib ihm ein Interview.
Madeleine, Madeleine...
Er soll kommen. Er hat sicher einen ausgezeichneten Stil.
- Bitte? - Ich wollte nur kurz gratulieren.
Wer hätte das gedacht? Mein Bel Ami als Minister.
Ich bin leider in Eile. Diese Proben und Konferenzen, entsetzlich!
- Wie fühlst du dich hier? - Wie ein Zahnarzt mit Kassenpraxis.
- Lauter volle Wartezimmer. - Ich gehe schon.
Moment, Rachel. Ich bin noch in deiner Schuld.
- 20 Francs? - Für meinen ersten Frack.
Wie reizend! Ich wusste nicht, dass du so ein gutes Gedächtnis hast.
- Bel Ami, hast du eine Geliebte? - Ja, Rachel.
Aber du warst mein schönstes Erlebnis.
Leb wohl, Bel Ami. Bleib der gute Junge, der du gewesen bist.
Darf ich bitten?
- Bel Ami, ich gratuliere dir. - Ganz in Schwarz?
- Wen betrauerst du? - Walter. Ich hab ihn verlassen.
- Bin ich die Erste? - Die Vorletzte. Du schläfst ja gern lang.
- Verzeihung. - Ah! Du hast eine neue Geliebte.
Wo ich deinetwegen Walter verlassen habe
und dir verzeihen wollte?
Ist sie jung? Ist sie hübsch? Sag mir doch, wer sie ist!
Darf ich vorstellen?
Meine Geliebte, Madame La France.
(von Marelle kichert) Verzeih, meine Geliebte ist eifersüchtig.
Du hast dich sehr verändert, Bel Ami.
Na, also dann.
- Leb wohl. - Leb wohl.
Ich danke dir.
Du warst mein schönstes Erlebnis.
- Hast du alles erledigt, George? - Meine Geliebte ist zufrieden mit mir.
Und was sagt meine kleine Gemahlin?
Sie ist auch sehr zufrieden.
(Melodie von "Bel Ami")
- Hast du schon unterschrieben? - Was denn?
- Aber George, dein Abschiedsgesuch. - Ach, ja.
- Hat das nicht noch Zeit? - Nicht eine Stunde.
Du hast gesagt, dass du alles erledigt hast.
Ich will dich endlich für mich haben.
Du willst doch nicht Minister bleiben?
- Tja... - Das ist gegen unsere Abmachung.
Gut, wenn du nicht willst, ruf ich den Präsidenten an.
Nein! Ich unterschreibe ja schon.
Na schön.
24 Stunden Minister.
Aber wenigstens werde ich in die Geschichte eingehen.
- Als kürzester Minister, den es je gab. - Aber du bist kein Minister.
- Du bist ein Bel Ami. - Also!
Mein Bel Ami.
(theatralische Schlussakkorde von "Bel Ami")
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