All language subtitles for 9 Bismarck und das Deutsche Reich

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Original subtitles

Die Mitte Europas im 2. Jahrtausend.

Ein Land, das lange braucht, um eins zu werden.

Menschen, die sich erst im Laufe der Jahrhunderte als deutsch verstehen.

Wer sind wir?

Woher kommen wir?

Fragen an ein Jahrtausend deutsche Geschichte.

Für die Demokratie!

Noch immer sind die Deutschen nicht in einem Staat geeint.

Er macht sich daran, das zu ändern: Bismarck.

Nicht mit Parlamenten.

Sondern, wie er sagt, mit Blut und Eisen.

Eine Reichsgründung von oben.

Einheit um den Preis der Freiheit.

(Musik)

Für ihn stellt sich diese Frage nicht.

Ferdinand Cohen-Blind.

Der Student aus Süddeutschland ist nur zu einem Zweck in Berlin.

Er will den drohenden Krieg verhindern.

Bei dem stehen auf beiden Seiten Deutsche.

Für den Patrioten sind seine Urheber, so schreibt er:

Verräter an Deutschland.

Um den Frieden zu wahren sieht er nur eine Lösung:

Er muss den Mann beseitigen, der die treibende Kraft für den Krieg ist.

Für die meisten Deutschen.

Es ist der preußische Ministerpräsident Otto von Bismarck.

In Preußen kämpft er für die Macht der Krone.

Gegen Parlament und Demokratie.

Er gilt als Reaktionär reinsten Wassers.

Nach außen hin will er die deutschen Staaten vereinen.

Unter preußischer Herrschaft. Nicht aus deutschem Nationalgefühl.

Sondern aus preußischem Machtstreben, wie man glaubt.

Sein Credo:

Nicht mit Worten, sondern mit Bajonetten würde entschieden.

Über die großen Fragen der Zeit.

Das wendet sich nun gegen ihn.

(Dramatische Musik)

(Schüsse fallen)

(Ein Schuss)

Das Arbeitszimmer Bismarcks in Friedrichsruh bei Hamburg.

Hier ist die Erinnerung an das Attentat noch gegenwärtig.

Zur Hinterlassenschaft Bismarcks zählt die Pistole des Täters.

Eine Waffe, die den Lauf der Geschichte hätte verändern können.

Die gestopften Einschusslöcher zeigen:

Bismarck wurde von mehreren Kugeln getroffen.

Doch seine dicke Kleidung dämpfte ihre Wucht.

Die Feuerkraft der Pistole war zu schwach.

Bismarck erleidet nur Prellungen.

Was wäre geschehen, wenn der Mord-Anschlag gelungen wäre?

Wäre Bismarck 1866 einem Attentat zum Opfer gefallen, -

- dann wäre es nicht zum Krieg gekommen.

Niemand wollte den Bruder-Krieg.

Er schon.

Die Waffe des Attentäters bewahrt Bismarck zeitlebens.

Seine Rettung sieht er als göttlichen Wink:

Den Kampf um Deutschland zu entscheiden.

Deutschland sind in dieser Zeit über 30 unabhängige Staaten.

Die haben sich im Deutschen Bund zusammengeschlossen.

Den Ton geben die Großmächte Österreich und Preußen an.

Doch Preußen will sich -

- die Herzogtümer Schleswig und Holstein einverleiben.

Gegen den Willen Österreichs.

Der Streit wird zur Machtprobe.

Wer hat das Sagen in Deutschland?

Die Entscheidung fällt in der Reichsstadt Frankfurt am Main.

In der Stadt wurden einst deutsche Kaiser gewählt.

Sie ist Sitz des Deutschen Bundes.

Er soll den Frieden unter den deutschen Staaten sichern.

Und eine gemeinsame Verteidigung nach außen.

Im Palais Thurn und Taxis tritt nach dem Attentat -

- die Bundesversammlung zusammen, das Entscheidungsorgan.

Zur Abstimmung steht der Antrag Österreichs:

Gegen Preußen mobil zu machen.

Denn die Besetzung von Schleswig und Holstein sei unrecht.

Auf ihn richten sich alle Blicke.

Der preußische Gesandte Karl Friedrich von Savigny.

Welche Instruktion hat ihm Bismarck mitgegeben?

Den Vorsitz hat der Gesandte Österreichs.

Zur Abstimmung.

Im Namen seiner Majestät, des Kaisers von Österreich, -

- stimme ich dem vorliegenden Antrag zu.

Nun hat der Gesandte Preußens das Wort.

Im Namen der Regierung Preußens bin ich gegen diese Abstimmung.

Sie stellt einen eindeutigen Bruch des Bundesrechts dar.

Das ist doch nicht zu fassen!

Wir nehmen den Protest zu Protokoll.

Ich erteile das Wort dem Gesandten des Königreichs Bayern.

Im Namen meiner Regierung stimme ich dem Antrag zu.

Preußen ist isoliert.

Die Fürsten wollen keinen Deutschen Bund, -

- der von Preußen beherrscht wird.

Mit neun gegen sechs Stimmen wird der Antrag angenommen.

Im Namen seiner Majestät, des Königs von Preußen, -

- erkläre ich erstens:

Preußen betrachtet diese Abstimmung als Kriegserklärung.

Und zweitens:

Der bisherige Bundesvertrag ist damit für Preußen null und nichtig.

Auf Befehl des Königs erkläre ich meine Tätigkeit hier für beendet.

1866/67 endet der Deutsche Bund.

Die Staaten tun das, was ausgeschlossen ist:

Krieg gegeneinander führen.

Die Mehrzahl der deutschen Staaten stand auf Österreichs Seite.

Preußen galt gewissermaßen als der Bösewicht.

Gegen den schließt man sich zusammen, um Krieg zu führen.

Er beginnt einen Tag nach der Frankfurter Abstimmung.

Die Entscheidung fällt Anfang Juli -

- bei Königgrätz im heutigen Tschechien.

Damals im österreichischen Böhmen.

Auf ihn setzt Bismarck seine Hoffnung:

Generalstabschef Helmut von Moltke.

Sein Plan: Getrennt marschieren, vereint schlagen.

Die preußische Streitmacht hat er in drei Armeen geteilt.

Getrennt kommen sie schneller voran. Doch siegen können sie nur gemeinsam.

Die dritte Armee aber bleibt zurück.

Sie muss rechtzeitig zur Schlacht eintreffen.

Nur dann kann Moltkes Rechnung aufgehen.

Die dritte Armee naht im Eiltempo.

Gerade noch rechtzeitig erreicht sie das Schlachtfeld.

(Kampf-Lärm)

Die österreichische Flanke im Norden wird überrannt.

Den Österreichern und ihren Verbündeten bleibt keine Wahl.

Sie müssen die Preußen durch einen Gegenangriff aufhalten.

(Kampf-Geschrei)

Der Sturm der österreichischen Reserven wird zum Wendepunkt.

Jetzt können die Preußen ihren Trumpf ausspielen.

Das preußische Zündnadel-Gewehr.

Der erste gut funktionierende Hinterlader.

Bei ihm wird die Munition von hinten eingeladen.

Der Abzugshahn wird betätigt, eine Zündnadel durchbohrt die Patrone.

Sie entflammt das Zündmittel, welches das Geschoss nach vorne treibt.

Ein tödlicher Vorteil gegenüber den Vorderladern der Österreicher.

Die Preußen können schneller und im Liegen nachladen.

Der Soldat bleibt dabei in Deckung.

Im Schnellfeuer der Preußen bricht der österreichische Angriff zusammen.

In einer halben Stunde sterben Tausende.

Ihr Tod entscheidet die Schlacht.

Knapp entgeht die Armee Österreichs der völligen Vernichtung.

Am Ende des Tages sind 15.000 Österreicher tot oder vermisst.

Die Preußen verlieren nur rund 2.000 Mann.

Für die Verwundeten beider Seiten ist der Krieg zu Ende.

Nicht aber die Todesangst.

Erst seit zwei Jahren gibt es das Rote Kreuz.

Das lindert das Leid auf dem Schlachtfeld notdürftig.

Mit der Schlacht von Königgrätz ist der Krieg entschieden.

Österreich ist geschlagen.

Die Regierung in Wien schickt ein Friedensangebot -

- ins preußische Hauptquartier Schloss Nikolsburg.

Man bietet Preußen Frieden und freie Hand im Deutschen Bund.

Einzige Bedingung:

Österreich will dem Sieger kein Land abtreten.

Bismarck will annehmen.

Nicht aber sein König, Wilhelm I. von Preußen.

Die preußische Armee steht im Siegeslauf.

Soll ich sie nun vor den Toren Wiens anhalten lassen?

Wir haben unser Ziel erreicht, Majestät.

Jeder weitere Tag birgt die Gefahr, dass Österreich Hilfe erhält.

Wir müssen Frieden schließen. Unsinn.

Man muss sagen können, -

- dass wir Österreich ins Fleisch geschnitten haben.

Und dass es von uns gezüchtigt wurde.

Ein Teil Österreichs muss unbedingt an uns fallen.

Ein Teil Österreichs könnte Deutsch-Böhmen sein.

Unmöglich!

Österreichisch-Schlesien. Unmöglich!

Mähren. Majestät!

Unmöglich?

Ich sage Ihnen, was unmöglich ist.

Ein Auftreten wie das Ihre.

Die Politik in Preußen wird immer noch vom König gemacht.

Sie können gehen.

Wilhelm hat ganz schlicht gedacht:

Wenn wir den Krieg gewonnen haben, -

- müssen wir Territorial-Gewinn haben.

Bismarck hat viel weiter gedacht.

Österreich schonen, um einen Partner in Zukunft zu haben.

Auf den Widerstand des Königs reagiert er mit einem Wutanfall.

Er erinnert sich Jahrzehnte später noch daran.

Schließlich stellt er den Monarchen vor die Wahl:

Falls Wilhelm das Angebot Wiens ablehnt, wird Bismarck zurücktreten.

(Unheilvolle Musik)

Erst jetzt lenkt der König ein.

Österreich behält sein Land und versöhnt sich bald mit dem Sieger.

Und der erreicht sein Ziel:

Der Kampf um die Vorherrschaft in Deutschland ist geregelt.

Im Sinne Bismarcks.

Mit der Entscheidung war klar, -

- dass Deutschland und Österreich verschiedene Wege gehen.

Das war eigentlich eine Ungeheuerlichkeit.

Österreich war ein Teil Deutschlands.

Nun gründete sich das Deutsche Reich ohne Österreich.

Der Weg Österreichs ist ab 1866 von Deutschland abgetrennt.

Abgetrennt durch Otto von Bismarck.

Der Sieg über Österreich macht ihn zum Triumphator.

Sein Sieg ist Preußen ein Denkmal wert.

Die Siegessäule in Berlin.

Sie ist bis heute das zentrale Symbol für die deutsche Einigung.

Durch Bismarck.

An ihrem Fuß ein Relief der Schlacht von Königgrätz.

In der Mitte die Rohre von erbeuteten feindlichen Geschützen.

An der Spitze eine Siegesgöttin.

Sie trägt den preußischen Adler-Helm.

Das siegreiche Preußen herrscht jetzt in Deutschland.

Österreich wird geschont.

Preußen annektiert Gegner wie das Königreich Hannover.

Und es vereinigt sich mit anderen zum Norddeutschen Bund.

Durch ein Veto Frankreichs bleibt der Süden unabhängig.

Frankreich war gegen die deutsche Einheit.

Aus machtpolitischen Gründen.

Preußen stieg ja in gewaltigem Tempo auf.

Wenn das noch mal triumphierte, wäre das gefährlich.

Man wollte die deutsche Seite in Grenzen halten.

Vor allem Preußen.

Nicht nur Frankreich will Preußen in Grenzen halten.

Viele Süddeutsche wollen die alte Unabhängigkeit bewahren.

Ganz besonders die Herrscher.

Erst ein Anstoß von außen bringt die Dinge wieder in Fluss.

Er beginnt im schwäbischen Sigmaringen.

Hier residieren die Fürsten von Hohenzollern.

Ein Zweig des preußischen Königshauses.

1870 bieten die Spanier Erbprinz Leopold -

- die spanische Königskrone an.

Der Prinz zögert, dann nimmt er an.

Nicht ganz aus freien Stücken.

Das beweisen Briefe Bismarcks im Sigmaringer Staatsarchiv.

Nur auf sein Drängen hin stimmt Leopold zu.

Bismarck weiß:

Der französische Kaiser -

- ist gegen einen Hohenzollern auf Spaniens Thron.

Ein Konflikt mit Frankreich scheint Bismarck fast unausweichlich.

Er will den Norden und Süden Deutschlands vereinigen.

Mit Leopold provoziert Bismarck Frankreich zielbewusst.

Es ging um die Frage:

Ist die Lösung von 1866 dauerhaft?

Oder ist sie eine Zwischenstation zu einem deutschen Reich?

Nach Bismarcks Ansicht brauchte es noch den Krieg gegen Frankreich.

Leopolds Zusage alarmiert den französischen Außenminister Gramont.

Ein Hohenzoller auf Spaniens Thron?

Das ist für ihn unvereinbar mit der Macht Frankreichs.

Und dem Prestige seines Herrschers, Kaiser Napoleon III.

Majestät.

Es ist also wahr.

Leopold strebt danach, König zu werden.

Sire, noch ein Triumph Preußens, -

- und die Franzosen werden Euren Kopf fordern.

Was schlagen Sie vor?

Der preußische König muss Leopolds Kandidatur zurücknehmen.

Unwiderruflich und für alle Zeit.

Eine solche Demütigung wird der König nicht so einfach hinnehmen.

Er wird es schon tun.

Sonst zwingen wir ihn dazu.

Der Mann, der gezwungen werden soll, hält sich zur Kur in Bad Ems auf.

Hier erfährt König Wilhelm vom französischen Protest.

Mit seiner Billigung zieht Prinz Leopold seine Kandidatur zurück.

Der Konflikt scheint vermieden.

Ein Irrtum.

Der Verzicht Leopolds reicht dem französischen Kaiser nicht.

Er will Preußen demütigen.

Das ist eine Depesche des Königs. Sie duldet keinen Aufschub.

Offenbar hat ihn der Botschafter Frankreichs aufgesucht.

In Bad Ems.

Majestät, bitte auf ein Wort.

In seiner Depesche an Bismarck teilt der König mit:

Man habe von ihm verlangt, zu garantieren, -

- dass kein Hohenzoller den spanischen Thron besteigt.

Der König hätte nicht mit ihm reden dürfen.

Leopold hat verzichtet.

Der König hat seinen Fehler wohl bemerkt.

Er hat klargestellt, dass er mehr nicht tun kann.

Seine Majestät richtet Ihnen aus:

Der Verzicht Leopolds sei ihm bestätigt worden.

Aus Sigmaringen.

Er habe dem Herrn Botschafter nichts Weiteres mitzuteilen.

Das war's.

Warten Sie.

Noch ist nicht alles verloren.

Wir werden die Depesche ein wenig kürzen. Et voilà.

Die Nachricht aus Sigmaringen streichen wir.

Und schreiben nur:

Der König hat dem Herrn Botschafter nichts weiter mitzuteilen.

Ausgezeichnet.

So hat es einen anderen Klang.

Als habe der König ihm die Tür vor der Nase zugeschlagen.

Ich gebe es an die Zeitungen.

Dann wird es vor Mitternacht in Paris bekannt sein.

Bismarcks Plan geht auf.

Die Veröffentlichung der Emser Depesche -

- wird von Napoleon als Ohrfeige empfunden.

Er, der Preußen demütigen wollte, ist nun selbst gedemütigt.

Er handelt wie von Bismarck erwartet.

Frankreich erklärt Preußen den Krieg.

Napoleon ist innenpolitisch am Wanken.

Er kann sich eine Niederlage nicht leisten.

Er kann nicht sagen, das ist egal.

Darauf muss eine Großmacht reagieren.

Da prallt die Offensive Frankreichs auf die Preußens.

Beide Seiten sind schuld am Krieg.

Doch Bismarck hat einen entscheidenden Vorteil.

Durch die Kriegserklärung gilt Frankreich als Angreifer.

In ganz Süddeutschland wollen Preußen-Gegner -

- gemeinsam mit dem Norddeutschen Bund gegen Frankreich kämpfen.

Die öffentliche Stimmung lässt den süddeutschen Fürsten keine Wahl.

Auch der bayerische König Ludwig II. befiehlt die Mobilmachung der Armee.

Überall in Deutschland folgen die Bürger dem Ruf zu den Waffen.

Handwerker, Lehrer, Arbeiter, Bauern, selbst Jugendliche.

Der jüngste Kriegsfreiwillige ist 15 und kommt aus Bayern.

Der Krieg gegen Frankreich eint die Nation.

Erneut überrascht Moltke den Gegner durch einen schnellen Aufmarsch.

Ein Teil der französischen Truppen wird in Metz eingeschlossen.

Von Châlons aus eilt Napoleon III. zur Befreiung der Stadt herbei.

Bei Sedan kommt es zur Schlacht.

Napoleons Streitmacht ist in schlechtem Zustand.

Schwere Märsche, eine unentschiedene Führung und zu wenig Proviant.

Das alles hat der Moral der Truppe zugesetzt.

Für den 1. September gönnt der Kaiser seinen Soldaten eine Ruhepause.

Ein schwerer Fehler.

Die deutschen Truppen schließen einen Ring um ihre Stellungen.

"Sie sitzen in der Mausefalle", sagt Moltke.

Der Generalstabschef setzt nicht auf Gewehre, sondern auf Artillerie.

Der Einsatz von Geschützen aus der Waffenschmiede Krupp -

- soll nach Moltkes Plan die Entscheidung bringen.

In ihren improvisierten Stellungen sind die Franzosen -

- dem deutschen Feuer fast schutzlos ausgeliefert.

Drei Salven pro Minute.

Bis zu 800 an diesem Tag.

Feuer!

Im Trommelfeuer der Artillerie zerbricht die französische Armee.

Regimenter, Bataillone, selbst Kompanien lösen sich auf.

Die Schlacht von Sedan wird später zu einem deutsch-nationalen Mythos.

(Musik)

Am Nachmittag des 1. September gibt Napoleon III. auf.

Über einem Tor der Festung lässt er die weiße Fahne hissen.

Die Schlacht von Sedan war zunächst ein militärischer Erfolg.

Ein ungeheuerlicher Erfolg.

Das französische Kaiserreich war militärisch besiegt.

Es war auch emotional ein erhebendes Gefühl für viele Deutsche.

Man hatte die Macht besiegt, die lange den Deutschen im Wege stand.

Noch gilt der Krieg als legitimes Mittel der Politik.

So sehen es die beiden Kontrahenten.

Auf einer Landstraße kommt es zu einem historischen Treffen.

Zwischen dem Besiegten und dem Sieger.

Majestät, ich erwarte Ihre Befehle.

Ich habe keine Befehle mehr zu geben.

Lassen Sie uns über Friedensverhandlungen sprechen.

Zu spät.

Ich bin hier, um dem König meinen Degen anzubieten.

Ist es der Degen Frankreichs?

Nur mein eigener. Ich bin Ihr Gefangener.

Über den Frieden entscheidet meine Regierung in Paris.

An der Spitze von 100.000 Soldaten geht Napoleon III. in Gefangenschaft.

Drei Jahre später stirbt er im englischen Exil.

Als die Nachricht von der Niederlage in Paris eintrifft, -

- kommt es zum Aufstand.

Das Kaiserreich stürzt.

Doch der Krieg geht weiter.

Paris wird von den deutschen Truppen eingeschlossen.

Und mit schweren Geschützen beschossen.

All das reißt auf Jahrzehnte tiefe Gräben.

Zwischen Deutschen und Franzosen.

Befehligt wird die Belagerung von Paris aus Versailles.

Die Präfektur wird königlich- preußisches Hauptquartier.

Von hier aus werden auch die Schritte zur deutschen Einheit vorbereitet.

Bismarck will die nationale Euphorie nach dem Sieg von Sedan nutzen.

Er will die süddeutschen Staaten bewegen, -

- dem Norddeutschen Bund beizutreten.

Doch es gibt Widerstände.

Um sie zu überwinden schreibt Bismarck einen Brief.

An den bayerischen König Ludwig II.

Der König will sein Reich nicht in ein geeintes Deutschland führen.

Und er kennt die Schwächen des Königs.

Er gedenkt, sie auszunutzen.

Traumschlösser? Wer soll sie bezahlen?

Bismarck mit einer geheimen Millionen-Spende.

Romantik gegen Macht.

Dafür schreibt der bayerische König einen Brief.

Den hat Bismarck vorformuliert.

Im Namen aller deutschen Fürsten bietet er König Wilhelm von Preußen -

- den Titel eines deutschen Kaisers an.

Mit Ludwigs Brief in der Hand steht Bismarck kurz vor dem Ziel.

Die Ausrufung Wilhelms zum deutschen Kaiser -

- soll das vereinte Deutsche Reich aus der Taufe heben.

Nun ist die deutsche Einheit gemacht.

Und der Kaiser auch.

Doch einen muss er noch überzeugen.

Was denkt sich Ludwig dabei?

Meinen Vorfahren war König von Preußen genug.

Majestät wollen doch im Deutschen Reich kein Neutrum bleiben.

Das nennt man Präsidium.

Wenn ich mich bereit erkläre, Kaiser zu werden, -

- wünsche ich den Titel Kaiser von Deutschland.

Keinesfalls deutscher Kaiser.

Euer Majestät, einen Kaiser von Deutschland -

- werden die Fürsten niemals akzeptieren.

Soll ich denn nur den Grüß-August spielen?

Der Titel deutscher Kaiser ist inakzeptabel.

Bismarck war der Meinung:

Man muss mit sanften Formulierungen hart Politik machen.

Deutscher Kaiser: Deutsch ist dabei ein Eigenschaftswort.

Kaiser von Deutschland hieße: Ich bin der Chef von Deutschland.

Dann hätte er die süddeutschen Fürsten nicht dazu bekommen.

Die standen ja durchaus noch im Saft.

Das Schloss der französischen Monarchen in Versailles.

Ein Meisterwerk des Barock.

Erbaut im 17. Jahrhundert.

Zur Verherrlichung des Sonnenkönigs Ludwig XIV.

Während der Belagerung von Paris wird das Schloss von Deutschen genutzt.

Im berühmten Spiegelsaal werden verwundete Soldaten versorgt.

An diesem Tag müssen sie weichen.

Kamerad, hilf mir mal.

Was machen Sie da?

Noch im Krieg soll geschaffen werden, -

- was Franzosen und Briten schon lange erreicht haben.

Die Einheit der Nation.

Wie ist die Lage? Was hält der König davon?

Er will noch immer Kaiser von Deutschland sein.

Ansonsten nichts.

Begreift er denn unsere Lage nicht?

Wir balancieren auf des Messers Schneide.

Kaiser von Deutschland ist unmöglich!

Noch kurz vor der Verkündung ist die Titel-Frage nicht geklärt.

Wir der preußische König als deutscher Kaiser ausgerufen?

Oder als Kaiser von Deutschland?

Auf ihn kommt es an.

Großherzog Friedrich von Baden.

Er soll den neuen Kaiser ausrufen.

Es lebe seine Majestät!

Kaiser Wilhelm.

Hurra!

Mit einer geschickten Formulierung vermeidet der Großherzog den Eklat.

Am Ende beugt sich Wilhelm dem Drängen Bismarcks und der Fürsten.

Es bleibt beim deutschen Kaiser.

(Gesang)

Der Groll des Monarchen währt nur kurz.

Den Handschlag nach der Proklamation verweigert er Bismarck.

Nur zwei Monate später erhebt er ihn zum Fürsten.

Wenig später kapituliert Frankreich.

Bismarck hat sein Ziel erreicht:

Den preußisch-deutschen Nationalstaat.

Deutschland ist geeint.

Das Bismarck-Reich wurde 1871 -

- als Gipfelpunkt der deutschen Geschichte erlebt.

Es hatte jahrzehntelang zu bieten, was die Deutschen wollten:

Nationale Einheit, imperialen Glanz.

Und Größe.

Zum neuen Deutschen Reich gehören auch Süddeutschland -

- und das französische Elsaß-Lothringen.

Für Bismarck ist dieses Reich saturiert.

Ohne weitere Gebietsansprüche.

Nun will er das Erreichte sichern und Frieden wahren.

Die Rückkehr nach Berlin wird zum Triumphzug.

Ein Augenzeuge schreibt:

"Womit hat man die Gnade Gottes verdient?"

"So große und mächtige Dinge erleben zu dürfen?"

Beim Einzug der siegreichen Armee durch das Brandenburger Tor -

- am 16. Juni 1871 jubelt Berlin.

Das neue Reich erfüllt den Deutschen viele Wünsche.

Glanz, Einheit und ein Stück Mitbestimmung.

1871 wird ein gesamtdeutsches Parlament gewählt.

Der Reichstag.

Wählen dürfen alle Männer über 25.

Noch ist Politik reine Herren-Sache.

Der neue Reichstag beschließt die Gesetze und den Haushalt.

Den Regierungschef bestimmt nicht das Parlament, -

- sondern der Kaiser.

Eine Verfassung im Sinne ihres Verfassers.

Des ersten deutschen Kanzlers.

Bismarck gab den Deutschen mit dem Reichtagswahlrecht für Männer -

- ein Stück Demokratie.

Ein kräftigeres Stück Demokratie als liberale Muster-Monarchien.

Wie Großbritannien oder Belgien.

Eine verantwortliche Regierung erhielten die Deutschen aber nicht.

Die Reichsgründung gibt den Anstoß für einen rasanten Aufschwung.

Gründerjahre.

Aus dem Berlin der Markgrafen und Könige wird eine Metropole.

Die Einwohnerzahl der neuen Hauptstadt verdoppelt sich bis 1912.

Von einer Million auf über zwei Millionen Menschen.

Berlin ist damit die viertgrößte Stadt der Welt.

Hinter London, New York und Paris.

Die Stadt wird das Symbol für den deutschen Schritt in die Moderne.

Was dem Fortschritt im Wege steht, wird ausgeräumt.

Der Motor des gewaltigen Umbruchs im ganzen Land -

- ist das erste deutsche Wirtschaftswunder.

In den ersten vier Jahrzehnten verdreifacht sich das Sozialprodukt.

Die industrielle Revolution befindet sich im großen Spurt.

1890 arbeiten mehr Deutsche in der Industrie als in der Landwirtschaft.

Zum ersten Mal.

Der wirtschaftliche Wandel schlägt sich auch politisch nieder.

In den Mietskasernen wächst eine neue selbstbewusste Schicht heran.

Die Arbeiterschaft.

Hier rekrutiert eine neue politische Kraft ihre Stammwähler.

Die Sozialdemokraten vertreten nicht nur die sozialen Interessen, -

- sondern einen neuen Staatsgedanken.

Monarchie und Adel sind für sie Relikte vergangener Zeiten.

Die Zukunft gehöre der Arbeiterschaft.

Gedanken, die für Bismarck Hochverrat und Umsturz bedeuten.

Für ihn sind Sozialdemokraten allesamt Demagogen.

Aufmachen im Namen des Gesetzes!

Mit dem "Sozialisten-Gesetz" lässt Bismarck die Partei verbieten.

Ihre Versammlungen und Zeitungen sind jetzt illegal.

Bei Verstoß drohen Geldstrafen und Gefängnis.

Abführen!

Papa.

Papa.

Den siehst du so schnell nicht wieder.

Nicht nur Sozialdemokraten werden von ihm bekämpft.

Auch die katholische Kirche trifft der Bannstrahl des Reichsgründers.

Nach Canossa, sagt er, gehen wir nicht.

Bismarcks Politik hat nach inneren Reichsfeinden gesucht.

Das gehört zu den dunklen Seiten der Bismarckschen Politik.

Zunehmend auch gegenüber den nationalen Minderheiten.

Eine Politik mit Peitsche und Zuckerbrot.

Bismarck führt eine Kranken-, Unfall- und Rentenversicherung ein.

Meilensteine auf dem Weg zum Sozialstaat.

Doch den Zweck, den Sozialdemokraten die Anhänger zu nehmen, -

- erfüllen die neuen Gesetze nicht.

Trotz Verbot der Partei dürfen Sozialdemokraten wählen -

- und gewählt werden.

1881 erhalten sie bei den Reichstagswahlen 6% der Stimmen.

1890 sind es schon 20%.

Im neuen Reichstag sind die Gegner Bismarcks in der Überzahl.

Innenpolitisch ist der Kanzler am Ende.

Seine ganze Macht hängt am Herzschlag eines Mannes.

Seit 26 Jahren ist er unter Wilhelm preußischer Ministerpräsident.

Seit 17 Jahren auch Reichskanzler.

Auf seinem Vertrauen ruht Bismarcks Macht.

Nur der Kaiser kann ihn, laut Verfassung, entlassen.

Es war nicht immer leicht, unter Ihnen Kaiser zu sein.

Majestät waren oft schwerer zu überzeugen als die Österreicher.

Und sogar als die Franzosen.

Sie müssen jetzt meinem Enkel beistehen.

Er hat Verstand, aber wenig Erfahrung.

Er soll die Dynastie in die Zukunft führen.

Prinz Wilhelm.

Hochfliegende Pläne.

Sein Vater, der Kronprinz, ist bereits todkrank.

Er wird den sterbenden Kaiser nur wenige Monate überleben.

Auf einen 90-Jährigen folgt bald ein 29-Jähriger.

Wilhelm II. will nicht unter Bismarck Kaiser sein.

"Sechs Monate will ich den Alten verschnaufen lassen."

"Dann regiere ich selbst."

Das erklärt er selbstherrlich.

Bei der Eröffnung des Reichstags -

- rückt der Maler Bismarck in den Mittelpunkt.

Doch er steht allein, isoliert.

Das Parlament ist mehrheitlich gegen ihn.

Und Wilhelm will am liebsten selbst regieren.

Im März 1890 erhält Bismarck seine Entlassungsurkunde.

Den Ausschluss von der Macht wird er dem neuen Kaiser nie verzeihen.

Heuchler.

Du wirst alles ruinieren.

Seine Regierung endet wie sie begonnen hat.

Im Streit mit dem Kaiser.

Was bleibt vom Reichsgründer?

Bismarcks Bild bleibt zwiespältig.

Er hat die Deutschen geeint, aber auch gespalten.

Er hat sie 1871 zum glänzendsten Tag ihrer Geschichte geführt.

Aber er ließ einer produktiven Außenpolitik -

- eine zweifelhafte Innenpolitik folgen.

Nach der Entlassung zieht sich Bismarck auf seinen Landsitz zurück.

Noch acht Jahre wird er auf Friedrichsruh leben.

Sein Abschied wird als Ende einer Ära empfunden.

Auch im Ausland.

"Der Lotse geht von Bord."

Das schreibt und zeichnet eine englische Zeitung.

Abschied eines Mannes, der in seiner Ära Gegensätzliches vereinte.

Er war ein Konservativer, -

- der den modernen deutschen Nationalstaat schuf.

Die äußere Vereinigung ist ihm geglückt.

Die innere hat er verzögert.

Das von ihm geschaffene Reich.

Seine Nachfolger werden es verspielen.

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