All language subtitles for 7 Napoleon und die Deutschen

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Original subtitles

Die Mitte Europas im 2. Jahrtausend.

Ein Land, das lange braucht, um eins zu werden.

Menschen, die sich erst im Laufe der Jahrhunderte als deutsch verstehen.

Wer sind wir?

Woher kommen wir?

Fragen an ein Jahrtausend deutsche Geschichte.

Er ist Kaiser der Franzosen.

Er will auch über Deutschland herrschen.

Als General der Revolutionen weckt er die Hoffnung auf Freiheit.

Als Kriegsherr bringt er die Deutschen gegen sich auf.

So wird er, gegen seinen Willen, zum Erwecker der Nation.

Er war ein Jahrhundert-Herrscher.

Manche nannten ihn gar einen Halbgott.

Andere ein Ungeheuer.

Er galt als unbesiegbar.

Und er wusste das.

Diese Preußen wollen wirklich gegen mich kämpfen.

Allein die Vorstellung ist grotesk.

Im Jahr 1806 treffen bei Jena preußische Truppen -

- auf die legendäre Grande Armée.

Preußen will sich gegen Napoleon behaupten.

Und Frankreich in die Schranken weisen.

Doch Bonaparte duldet keinen Widerstand.

Schon gar nicht, wenn sich eine Frau einmischt.

Königin Luise von Preußen.

In ihrem Land ist sie beliebt.

Napoleon sieht sich mehr durch sie provoziert als durch ihren Gemahl.

Den preußischen König.

Ins Bulletin seiner Grande Armée lässt er eintragen:

"Sie kleidet sich wie ein Dragoner."

"Von allen Seiten facht sie den Krieg an."

"Sie ist unfähig, die Folgen ihrer Handlungen vorauszusehen."

Die ehemals so siegreiche Armee der Hohenzollern erlebt ein Inferno.

Einmal mehr triumphiert das bewegliche französische Heer.

Über starr geführte Truppen.

Für ihn ein selbstverständlicher Sieg.

Deutschland ist nun endgültig unter seiner Kontrolle.

So, meine Herren.

Mein nächstes Ziel heißt jetzt Berlin.

Der Weg in die Stadt führt zur Straße "Unter den Linden".

Durch das Brandenburger Tor, das damals 15 Jahre alt ist.

Zu Beginn des 19. Jh. ist es die westliche Pforte der Metropole.

In der leben schon 180.000 Menschen.

Über die Epochen hinweg wird dieses Tor zum Symbol.

Für die Höhen und Tiefen deutscher Geschichte.

Für ihre Abgründe und Sehnsüchte.

Im Jahr 1806 zieht hier der Sieger über Preußen ein.

Napoleon.

Er weckt zunächst Hoffnungen.

Vive l'empereur. Es lebe der Kaiser, tönt es.

Napoleon ist der Medienstar seiner Zeit.

Er hat sich wunderbar selbst inszeniert.

Viele jubelten, solange sie ihn als Freiheitsbringer wahrnahmen.

Es gab durchaus diesen Jubel.

Die Quadriga wird als Beutestück nach Paris verfrachtet.

Eine erste Demütigung.

Weitere werden folgen.

Preußen war oft Nutznießer französischer Politik.

Es soll für seinen Widerstand einen hohen Preis bezahlen.

In Tilsit diktiert der französische Kaiser 1807 die Friedensbedingungen.

Hier trifft er auf jene Frau, die er zuvor verhöhnte.

Für Königin Luise ist Bonaparte ein Scheusal.

Nur um den Sieger zu beschwichtigen erschien sie.

Zum neunten Mal schwanger.

Wir führten einen unglücklichen Krieg.

Soll ich annehmen, dass Sie Ihren Sieg nun missbrauchen wollen?

Sie haben mich zum Äußersten gezwungen.

Ich habe Ihnen Frieden angeboten.

Aber unter welchen Bedingungen?

Ich entscheide so, wie ich es als Kaiser für angemessen erachte.

Das können Sie mir nicht verdenken.

Ich muss an das Schicksal meiner Kinder denken.

Ich könnte den Gedanken nicht ertragen:

Unglücklichen Geschöpfen das Leben geschenkt zu haben.

Die Überraschung.

Friedrich Wilhelm.

Friedrich Wilhelm III., König von Preußen.

Napoleon schreibt später:

Er habe mit Mühe den Bitten Luises widerstanden.

Zum Glück sei ihr Gemahl erschienen.

Preußen übte selbst immer wieder Willkür.

Nun wird es nicht geschont.

Der Staat soll Entschädigungen an Frankreich zahlen.

Das Territorium wird praktisch halbiert.

Nur wenig ist geblieben von alter Hohenzollern-Macht.

Friedrich der Große begründete sie einst.

Jetzt steht dieser Mann im Zenit seiner Herrschaft.

Napoleon Bonaparte.

Er krönte sich selbst zum Kaiser der Franzosen.

Sein Vorbild ist Karl der Große.

Er will an das Erbe des Franken-Kaisers anknüpfen.

Dessen Thron steht in Aachen.

Napoleon möchte sich in die Tradition Karl des Großen stellen.

Er braucht eine Legitimation für seine Herrschaft.

Er ist ein Emporkömmling.

Er versucht gewissermaßen, sich eine dynastische Grundlage zu geben.

Und tut dies mit aller Pracht.

Diesen Monarchen zwang Napoleon 1806 zur Abdankung.

Franz II., bisher Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation.

Künftig Kaiser allein von Österreich.

Das alte römisch-deutsche Reich hielt dem Eroberer nicht stand.

Es bestand neben den größeren Mächten aus hunderten kleiner Territorien.

Napoleon räumte damit auf und fand dafür deutsche Verbündete.

Es ist sein Anspruch, dieses Europa zu verändern.

In Richtung mehr Einheit, weniger Staaten, einen an der Spitze.

Handlungsfähig nach innen und nach außen.

Napoleon machte Schluss mit der Zersplitterung.

Mit Beteiligung deutscher Herrscher.

Zuvor unabhängige Reichsstädte fielen an mächtigere Landesherren.

Geistliche Territorien wurden weltlich.

Das Fürstbistum Würzburg wurde Großherzogtum.

Deutsche Fürsten verzichteten auf Gebiete links des Rheins.

Im Gegenzug.

Die gehörten nun zu Frankreich

Rechts des Rheins entstand ein von Napoleon abhängiger Bund.

Von zunächst 16 Staaten.

Ihm gehörte auch Württemberg an.

Von Napoleons Gnaden entstand eines von mehreren neuen Königreichen.

Natürlich mit eigener Krone.

Der Franzosen-Kaiser erwartet dafür Geld und Truppen.

So teilt sich das Gebiet des alten Reiches in vier Machtbereiche.

Die Gebiete links des Rheins gehören nun zu Frankreich.

Österreich verliert Territorien und wird Kaiserreich.

Preußen wird um die Hälfte verkleinert.

Der aus kleineren Ländern erwachsene Rheinbund umfasst Mittelstaaten.

Wie Bayern, Württemberg und Sachsen. Deutschland im Jahr 1808.

Diese Vergrößerung von Staaten hat zu etwas beigetragen:

Diesen deutschen Prozess der Nationenbildung voranzutreiben.

Zunächst hat es nicht eine nationale Bewegung hervorgerufen.

Nur die Staatsbildung wurde verstärkt.

Einige Staaten auf deutschem Boden wachsen dank Napoleon.

Das verkleinerte Preußen muss hohen Tribut an ihn entrichten.

Die Königsfamilie ist nach Ostpreußen geflohen.

Der Monarch denkt an Rücktritt.

Königin Luise schreibt in jenen Tagen:

"Preußens Urteil, unser Todesurteil, ist gesprochen."

"Preußen existiert nicht mehr."

"Und das, was nicht tot ist, muss den Franzosen Fronarbeit leisten."

Gesucht wird ein Retter.

Die Königin glaubt zu wissen, wer sich dazu eignet:

Ein berüchtigter Trotzkopf.

Ein Mann, der die preußische Staatskasse rettete.

Vor dem Zugriff Napoleons.

Es ist ein profilierter Denker und Politiker aus Nassau.

Der Freiherr vom Stein.

Seine Denkschriften sind berüchtigt.

Im Herbst 1807 macht er sich auf den Weg nach Ostpreußen.

Stein war schon einmal Minister in Preußens Diensten.

Doch er fiel in Ungnade, weil er seinem König widersprach.

Und politische Reformen forderte.

Den Grund für die Niederlage gegen Napoleon -

- sieht er in der Erstarrung des Staates Preußen.

Wer die Fremdherrschaft abschütteln wolle, müsse sich erneuern.

Von innen heraus.

Nur so könne sich ganz Deutschland von Napoleon befreien.

In seiner Zuflucht in Memel erwartet ihn sein früherer Dienstherr.

Der König.

Sie wissen, unter welchen Umständen wir uns einst trennten.

In dieser Lage stelle ich keine Bedingungen.

Ich weiß um Ihre Forderungen?

Majestät.

In Preußen müssen Männer regieren, die etwas von ihrem Fach verstehen.

Stein will den Monarchen und den Adel in die Schranken weisen.

Ich erwarte Ihre Vorschläge.

Stein will die Bürger für den Staat gewinnen.

Sie am politischen Leben beteiligen.

So wie es in Frankreich gelungen ist.

Doch er fordert nicht die Revolution von unten, -

- sondern die Reform von oben.

(Musik)

Er hat es später immer wieder abgestritten.

Doch er wurde vom Vorbild der Franzosen -

- im Bezug auf den Staatsbürger geprägt.

Stein sieht sich herausgefordert durch Napoleon.

Der hat die Errungenschaften der französischen Revolution -

- in einem Gesetzeswerk zusammengefasst.

Dem Code Napoleon.

Die Kräfte der Revolution hat er gebändigt.

Bürgerrechte, Gleichheit vor dem Gesetz, Befreiung der Bauern.

Religionsfreiheit, Verfügung über das Eigentum.

Das will Napoleon auch auf deutschem Boden zur Geltung bringen.

Der Rhein wird zum Spiegel des Fortschritts.

Links des Stroms wird der Code Napoleon eingeführt.

Auch im "Rheinbund" sind die Gesetze gültig oder Vorbild.

Sie schaffen Hoffnung für die Bürger.

Sie sollen merken, dass es Gleichheit vor dem Gesetz gibt.

Dass es gerecht zugeht, keine adeligen Vorherrschaften mehr gibt.

Keine Privilegien.

Freiherr vom Stein will auch reformieren.

Doch nicht mit, sondern gegen Napoleon.

Und sein Einflussgebiet ist Preußen.

Die Macht von Adeligen will auch er beschränken.

Ihm und anderen Reformern geht es nicht um Demokratie oder Republik.

Es geht um Schritte zu mehr Selbstverantwortung.

Drei Viertel der preußischen Bevölkerung lebt auf dem Lande.

Fast die Hälfte der Familien ist arm und ohne Besitz.

Ziel der Reformer:

Die Menschen aus der Bindung an den Gutsherrn zu lösen.

Auch für die Wirtschaft werden Weichen gestellt.

Märkte sollen entstehen.

Ziel ist, dass Händler ihr Gewerbe frei betreiben dürfen.

Dass Handwerker sich überall niederlassen.

Dass die Vorrechte der Zünfte verschwinden.

Stein hat vom König nahezu unbegrenzte Vollmachten erhalten.

Als eine Art Superminister.

Fast ein Viertel der Menschen lebt damals in Städten.

Sie sollen sich künftig selbst verwalten.

In der Nicolai-Kirche -

- tritt die erste Berliner Stadtverordnetenversammlung zusammen.

Bildung soll den Fortschritt beflügeln.

Und aus Preußen Patrioten machen.

Das fordern Reformer wie Wilhelm von Humboldt.

Auch aus der militärischen Niederlage von 1807 hat man gelernt.

Aus einem Heer von Söldnern sollen Bürgersoldaten werden.

Doch noch ist Preußen geschwächt.

Und Deutschland teilt sich in Freunde und Gegner Napoleons.

Wer soll ihm Paroli bieten?

Er selbst sorgt dafür, dass der Widerstand gegen ihn wächst.

Statt Freiheit Despotie, statt Frieden Krieg.

Statt Aufschwung Ausbeutung.

Das Bild vom Hoffnungsträger verfinstert sich in Deutschland.

Die breite Bevölkerung war damals eher napoleonisch gesinnt.

Es wurde deutlich, dass diese Kriege teuer bezahlt werden mussten.

Die wurden ununterbrochen geführt.

Und bezahlt in großem Umfang. Da schlug das langsam um.

Den Stimmungswandel registriert auch der Freiherr vom Stein.

Er stammt aus Nassau, was zum Rheinbund gehört.

Seine Wut gilt Napoleon.

Und den deutschen Fürsten, die mit ihm paktieren.

Er will eine Erhebung aller Deutschen gegen den Unterdrücker.

Er sucht Verbündete.

In einem konspirativen Brief schreibt er:

"Die Erbitterung nimmt in Deutschland täglich zu."

"Es gilt, sie zu nähren."

Doch das Schreiben wird abgefangen und Stein von Bonaparte geächtet.

Er muss um sein Leben bangen und flieht.

Sein Ziel ist Böhmen.

Dessen Königskrone trägt das Haus Habsburg.

Das will bald gegen Napoleon mobil machen.

Die Reise führt nach Prag.

In die "Goldene Stadt."

Hier wird dem preußischen Ex-Minister Asyl gewährt.

Aus der historischen Metropole verfolgt er das Geschehen in Europa.

Von dort aus wettert er gegen das "Ungeheuer".

In Bezug auf Napoleon hat er alle Schranken fallen lassen.

Er hat ihn wirklich mit üblen Begriffen tituliert.

Stein setzt auf Österreich, als es 1809 Napoleon den Krieg erklärt.

Im Namen aller Deutschen ruft es auf, gegen Frankreich zu kämpfen.

Wieder siegt er, auch mit Hilfe deutscher Bündnispartner.

Wien wird besetzt.

Das Haus Habsburg schließt mit dem Sieger den Frieden von Schönbrunn.

Bonaparte heiratet die Tochter des österreichischen Kaisers.

Marie-Luise schenkt ihm den lang ersehnten Sohn und Thronfolger.

Er sieht seine Dynastie gestärkt.

Er drängt Österreich in sein Bündnissystem.

Auch Preußen setzt er unter Druck, Heeresfolge zu leisten.

Teile Norddeutschlands werden Frankreich einverleibt.

Im Juni 1812 beginnt Napoleons größtes militärisches Abenteuer.

Er marschiert in Russland ein, um seine Vormacht zu sichern.

Nach seinem Willen soll nur ein Kaiser in Europa herrschen.

Er selbst.

Es ist ein Heer von 450.000 Mann, davon rund ein Drittel Deutsche.

Er will Moskau erobern.

Und so den russischen Zaren zur Kapitulation zwingen.

Freiherr vom Stein hat lange tatenlos zusehen müssen.

Ganz entgegen seinem Wesen.

Dann trifft ein Brief aus Russland ein.

Von Zar Alexander. Der will ihn als Berater im Kampf gegen Napoleon.

Er hätte keinen Besseren finden können.

Er hat diesen Moment herbeigesehnt.

Er hat sich immer wieder bemüht, wieder politisch aktiv zu werden.

Dieser Ruf aus St. Petersburg war für ihn die Erlösung.

Im September 1812 brennt Moskau.

Unbesiegt, aber ohne Unterkunft und Proviant, -

- muss sich die Grande Armée Napoleons zurückziehen.

Kälte, Hunger, Rückzugsgefechte dezimieren die Truppen.

Auch die deutschen.

Nur jeder Fünfte wird heimkehren.

In St. Petersburg beschwört der Freiherr vom Stein den Zaren.

Er will, dass die Jagd auf Bonaparte fortgesetzt wird.

Kaiserliche Majestät.

Sie sind berufen, ganz Europa von Napoleon zu befreien.

Auch Deutschland.

Sie wollen, dass ich weitermache?

Unsere Truppen sind völlig erschöpft.

Einige meiner Generäle fordern, mit Frankreich Frieden zu schließen.

Beenden Sie Napoleons Tyrannei.

Befreien Sie sich von den Männern, -

- die voll Bewunderung von diesem Ungeheuer reden.

Bedenken Sie, was Bonaparte Ihrem Land angetan hat.

Stein, ich stehe voll auf Ihrer Seite.

Doch wie stehen die Deutschen selbst zu Napoleon?

Vom Stein soll den Widerstand in Deutschland organisieren.

Dabei wird Schlesiens Metropole Breslau zu einem Schauplatz.

Hier weilt im März 1813 der preußische König.

Friedrich Wilhelm III.

Unschlüssig, ob er das erzwungene Bündnis mit Napoleon lösen soll.

Einer seiner Generäle hat vor Wochen die Seiten gewechselt. Befehlswidrig.

Auch der Freiherr vom Stein ist nach Breslau gereist.

Er will den König im Stadtschloss umstimmen.

Ist Preußen stark genug, Napoleon die Stirn zu bieten?

Vom Stein wird krank.

Das Nervenfieber führt ihn wirklich an den Rand des Todes.

Er liegt in Breslau.

Keine Person aus der preußischen Delegation sucht ihn auf.

Eine der negativen Erfahrungen, die er dort sammeln musste.

Der unbequeme Staatsmann fühlt sich wieder ausgesperrt.

Doch der Druck auf den König wächst.

Der Patient erhält einen Aufruf des preußischen Monarchen:

"An mein Volk."

"Es ist der letzte, entscheidende Kampf, den wir bestehen."

"Um der Ehre willen."

"Weil ehrlos der Preuße und der Deutsche nicht zu leben vermag."

Es ist eine Wende.

Zum ersten Mal bittet ein preußischer König sein Volk um Unterstützung.

Das spricht er zudem als Deutsche an.

Manche muss man zum Jagen tragen.

Der preußische König hat lange gezögert.

Bis ihm das als letztes Mittel im Kampf gegen Napoleon erschien.

Nicht mit großer Begeisterung.

Der König willigt in den Krieg gegen Frankreich ein.

Und in den Pakt mit dem Zaren.

Stein hat offenbar gesiegt.

Doch worum geht es Friedrich Wilhelm?

Um Preußen, um Deutschland?

Oder nur um die Rettung seiner Monarchie?

Sein Ruf aus Breslau sorgt vielerorts für patriotische Begeisterung.

Der Monarch stiftet einen vaterländischen Verdienst-Orden.

Das Eiserne Kreuz.

Der Krieg wird zum Volkskrieg erklärt.

Für Preußen und für Deutschland.

Auch Freiwilligenverbände werden aufgestellt.

Wie die "Lützower Jäger".

Fünf von 100 sind Studenten.

Fast jeder Zweite ein Handwerker, jeder Dritte Bauer oder Tagelöhner.

Aus vielen deutschen Landen.

Die Lützower tragen schwarze Uniformen.

Mit roten Aufschlägen und goldenen Knöpfen.

Ihre Farben werden später die des demokratischen Deutschlands sein.

Unter den Rekruten ist auch ein junger Gefreiter namens Renz.

Die Lützower sind militärisch von geringer Bedeutung.

Doch sie bieten Stoff für die Mythen einer entstehenden Nation.

Napoleon nennt sie "schwarze Banditen".

Bei Lüneburg gerät die Gruppe des Gefreiten Renz in einen Hinterhalt.

Zuvor schrieb er an seinen Bruder:

"Ich bin seit vier Wochen schon Soldat."

"Ich verkaufte mein Zeug, um mir eine anständige Kleidung zu beschaffen."

"Nun ging ich unter die schwarzen Jäger."

"Meiner Klugheit kannst du zutrauen, dass ich unerkannt bleibe."

Der tödlich verwundete Soldat ist eine Frau.

Ihr Name: Eleonore Prochaska.

Man wird sie zu einer deutschen Heldin erklären.

Sie habe für Königin Luise gekämpft, sagte sie.

Die Königin starb nach einer langen Krankheit im Jahr 1810.

Ihr Grabmahl im Park von Schloss Charlottenburg.

Es ist die Zeit, in der Dichter, Philosophen und Studenten -

- von der erwachenden deutschen Nation sprechen.

Die braucht Idole wie sie.

"Kommt dann der Tag der Freiheit und der Rache."

"Dann ruft dein Volk, dann, deutsche Frau, erwache."

Der Königin gewidmete Verse des Dichters Theodor Körner.

Der will die Deutschen mit pathetischen Worten aufrütteln.

Schriftsteller, die sich als deutsche Patrioten sehen.

Sie wollen, dass die Nation auch politisch einig wird.

Mit dem gemeinsamen Band der Sprache, der Abstammung.

Und nicht zuletzt der deutschen Kultur, die überlegen sei.

Es ist sinnvoll, den deutschen Nationalismus des 19. Jh. -

- zu vergleichen mit dem französischen.

Frankreich bezieht sich auf Willensentscheidungen.

Man ist Franzose, weil man die Ideen der französischen Revolution bejaht.

In Deutschland kann man sich nicht auf politische Fakten berufen.

Es gibt ja keinen "Deutschen Staat".

Man kann sich nur auf das berufen, was den Deutschen gemeinsam ist.

Die Sprache, die Kultur, Traditionen.

"Was ist des Deutschen Vaterland?"

"Ist's Preußenland, ist's Schwabenland?"

"Ist's, wo am Rhein die Rebe blüht?"

"Ist's, wo am Belt die Möwe zieht?"

"Oh nein, sein Vaterland muss größer sein."

"Was ist des Deutschen Vaterland? So nenne endlich mir das Land."

Der Dichter Ernst Moritz Arndt gibt die Antwort selbst.

"So weit die deutsche Zunge klingt."

"Wo jeder Deutsche heißet Freund."

Doch wehe, einer ist es nicht, wie die Franzosen.

Berühmte Lieder kennen wir von Nationspoeten.

Die sind in einer Kriegssituation entstanden.

Sie sollen erst mal mobilisieren:

Alle Deutschen sollen gegen den Tyrannen Napoleon kämpfen.

Alle, die nicht deutsch sind, -

gehören nicht mehr zu der sich bildenden Nation.

Ernst Moritz Arndt wird Mitstreiter des Freiherrn vom Stein.

Der Dichter meint, -

- alle deutschsprachigen Gebiete gehören in ein Reich.

Der Freiherr denkt auch europäisch.

Mein Wunsch ist, dass Deutschland groß und stark werde.

Um seine Selbständigkeit und Nationalität wieder zu erlangen.

Und zu behaupten in seiner Lage zwischen Frankreich und Russland.

Dieses ist das Interesse der Nation und ganz Europas.

Mir sind die Dynastien im Augenblick gleichgültig.

Der Freiherr vom Stein -

- sagt Bonaparte und seinen deutschen Verbündeten den Kampf an.

In der sächsischen Hauptstadt Dresden entscheidet sich etwas.

Ob eine andere wichtige Macht der Koalition beitritt.

Österreichs Außenminister Clemens von Metternich -

- stellt dem französischen Kaiser Bedingungen.

Er solle auf Macht und Territorien verzichten.

Ich trete keine Handbreit Boden ab.

Meine Herrschaft beruht darauf, gefürchtet und stark zu sein.

Längst haben Sie Ihr ganzes Volk unter Waffen.

Ich habe Ihre Soldaten gesehen. Es sind Kinder.

Waren Sie je Soldat? Aber ich!

Ich weiß, was es heißt, einen Feldzug zu führen!

Ich habe in Russland mehr Deutsche und Polen geopfert als Franzosen!

Sie können sich nicht beklagen.

Sie vergessen, Sire, dass Sie zu einem Deutschen sprechen.

Nun bilden Preußen, Russland und Österreich -

- eine Allianz gegen Napoleon.

(Dramatische Musik)

Der Freiherr sieht der Schlacht wie einem Strafgericht entgegen.

Dem muss sich Bonaparte stellen.

Es ist der 16. Oktober 1813.

Auf einer Anhöhe südlich der Stadt Leipzig.

Der französische Feldherr beobachtet, wie seine Truppen in Stellung gehen.

Mehr als ein Dutzend Völker haben Soldaten geschickt.

Sie stehen einander gegenüber, für und gegen Napoleon.

Insgesamt etwa eine halbe Million Mann.

Die Allianz ist in der Übermacht.

Österreich, Preußen, Russland und Schweden -

- bieten insgesamt fast 300.000 Soldaten auf.

Ihnen stehen Franzosen, Polen -

- und Truppen aus den Rheinbundstaaten gegenüber.

Mehr als 200.000 Mann.

Ein erklärter Feind Napoleons fiebert dem Beginn der Schlacht entgegen.

Der preußische General Gebhard Leberecht von Blücher.

Das ganze Franzosenzeug ist vom deutschen Boden zu tilgen.

Endgültig.

Endgültig.

Napoleon sieht in dem betagten Blücher eher einen alten Saufkopf.

Drei Kanonenschüsse eröffnen -

- die bis dahin größte Schlacht der Weltgeschichte.

Die Völkerschlacht bei Leipzig.

Das Kriegsglück wechselt mehrmals am Tag die Seiten.

Doch die Zeit arbeitet gegen Napoleon.

Die Reserven Bonapartes sind aufgezehrt.

Die liegen da, und auf Deutsch gesagt: die verrecken.

Wir haben Schilderungen aus Leipzig.

Da liegen zehntausende von Soldaten in ihrem Blut und im Dreck.

Für die Feldherrn zählt zu allererst der Sieg.

Am dritten Tag bekommt General Blücher Besuch.

Es sind Soldaten, die bislang an der Seite Napoleons kämpften.

Sachsen.

Blücher begrüßt sie als Freunde -

- "der heiligen Sache deutscher Unabhängigkeit".

Wird seine Koalition halten?

Bayern war schon vor der Schlacht aus dem Bündnis ausgeschert.

Nun wird Napoleon Zeuge eines für ihn verheerenden Schauspiels.

Was dann geschah, ist von einem französischen Marschall überliefert:

"Ich sah die Sachsen, -

- als sie die vom Feinde verlassene Stellung erreicht hatten."

"Plötzlich wendeten sie sich um und feuerten in unsere Reihen."

"In himmelschreiender Weise schossen sie die Ahnungslosen nieder."

"Mit denen hatten sie bisher in treuer Waffenbrüderschaft gefochten."

Deutsche, die nicht mehr auf Deutsche schießen.

Napoleon hat damit nicht gerechnet. Er hat es selbst provoziert.

Er spürt, dass er gegen die Übermacht nicht ankommen kann.

Auf den Rheinbund kann er nicht mehr zählen.

Und die Sieger spielen auf.

Der preußische König, der russische Zar und der österreichische Kaiser.

Napoleon kann nur noch lauschen.

Im Hintergrund suchen die Rheinbundfürsten das Weite.

Eine Karikatur: "Es geht zu Ende."

Für Stein ist der Tag des Sieges ein persönlicher Feiertag.

Doch er fürchtet, dass die Fürsten auf ihre Eigenständigkeit pochen.

Von Preußen und Österreich erwartet er, -

- dass sie die deutsche Einigung voranbringen.

Nach acht Jahren kehrt die entführte Quadriga nach Berlin zurück.

Die Heimkehr gleicht einem Triumphzug.

Auch wenn dieses Bild trügt.

Der Wagen war von einem Tuch verhüllt.

Auf Befehl des Königs werden das Eiserne Kreuz -

- und ein Siegeskranz dem Wahrzeichen hinzugefügt.

Ist das alles, was das Volk erhält? Symbolik?

Die Entscheidungen fallen in einer anderen Hauptstadt.

Wien im September 1814.

Außenminister Metternich hat Könige und Fürsten -

- in die Metropole Österreichs eingeladen.

Napoleon hat abgedankt.

Der Kongress tanzt und kommt nicht in Gang, heißt es.

Längst haben die Sieger mit der Neuordnung Europas begonnen.

Nach 20 Jahren blutigen Kampfes sei der Wunsch aller Deutschen, -

- frei in einem sicheren Vaterland zu leben.

Doch die Monarchen besinnen sich auf ihre Macht.

Sie denken nicht daran, sie wieder abzugeben.

Sie wollen ihre Dynastien erhalten.

Und die durch Napoleon geweckten nationalen Leidenschaften eindämmen.

Der Freiherr ist nur als Beobachter vor Ort, ohne Mandat.

Alle Versprechen an die Völker im Kampf gegen Napoleon -

- scheinen nun vergessen.

Entschuldigen Sie mich, bitte.

Auch der Zar gibt nun wieder ganz den Monarchen.

Was schauen Sie so ernst? Feiern Sie mit. Wir haben Napoleon bezwungen.

Aber nicht die Fürsten, die an seiner Brust lagen.

Jetzt trumpfen sie wieder auf.

Wir haben Deutschland befreit.

Was wir jetzt vor allem brauchen, sind Ruhe und Ordnung.

Kommen Sie, tanzen Sie mit uns.

Doch Stein tanzt nicht mit.

"Der König von Württemberg frisst für alle."

"Der von Bayern säuft für alle, und Zar Alexander liebt für alle."

Dieser Spruch der Zeitgenossen hätte von Stein stammen können.

Die deutschen Fürsten, die gegen Napoleon umschwenkten, -

- erhalten Bestandsgarantie.

Stein verkennt etwas:

Dass die Einigung der Nation nur von einer Minderheit gewünscht wird.

Dass die föderale Tradition der Fürsten sich nicht auslöschen lässt.

Das diplomatische Parkett ist nicht seine Welt.

Zorn auf den preußischen König, auch auf den Zaren.

Aber auch Resignation.

Er hat sein Lebensziel, Europa von Napoleon zu befreien, erreicht.

Aber es ist ihm nicht gelungen, dem neuen deutschen Körper -

- die Gestalt zu geben, die in seinen Augen notwendig gewesen wäre.

Das Ergebnis ist der "Deutsche Bund".

Ein lockerer Zusammenschluss von deutschen Fürsten und freien Städten.

Mit den Vormächten Österreich und Preußen.

Die Wiener Schlussakte nach 20 Jahren Krieg.

Von der Bedeutung vergleichbar mit dem Westfälischen Frieden von 1648.

Es zeigt sich, dass die deutsche Frage nicht direkt zu lösen ist.

Nicht ohne ihre föderale Tradition und das europäische Gleichgewicht.

Künftig werden immer mehr Völker Freiheit und Einheit fordern.

Und den Übergang in eine neue Epoche erzwingen.

Bei Regensburg an der Donau entsteht Jahre später -

- eine nationale Ruhmeshalle der Deutschen.

Auch in Erinnerung an den Sieg über Napoleon.

Am Ende der napoleonischen Herrschaft -

- stand keine nationale Union.

Sondern die Wiederherstellung der alten Herrschaftsordnung.

Doch nur in begrenztem Maße.

Zu tief waren die Einschnitte, die in der napoleonischen Ära -

- in territorialer und sozialer Hinsicht erfolgt waren.

Insofern gab es die Hoffnung, -

- dass aus dem Herzen der Nation ein neuer Aufbruch möglich sein wird.

Für diesen Aufbruch warb auch hier die Walhalla als Ruhmeshalle.

Sie war zugleich gebaut als eine Verherrlichung des Sieges -

- der nationalen Bewegung über Napoleon und seine Herrschaft.

Noch steckt die nationale Bewegung in den Anfängen.

Doch Napoleon gab ihr den Anstoß.

Wie kaum ein anderer zuvor hat er Deutschland vorangebracht.

Napoleon hat die bestehenden politischen Ordnungen zerschlagen.

Er hat den Aufbruch Deutschlands in die Moderne beschleunigt.

Er wurde zum Geburtshelfer der deutschen Nation.

Er muss nach der verlorenen Schlacht von Waterloo -

- als Geächteter den Rest seines Lebens in Verbannung verbringen.

Auf der Insel St. Helena.

Vielleicht irrt er nicht einmal, als er glaubt:

In Zukunft wird es viele Deutsche geben, die seiner Ära nachtrauern.

Er notiert als schon todkranker Mann:

"Hätte der Himmel gewollt, dass ich als deutscher Fürst geboren wäre."

"Wäre ich Kaiser geworden."

"So scheint mir noch heute, dass sie nie von mir abgefallen wären."

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