All language subtitles for 6 Preußens Friedrich und die Kaiserin

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Original subtitles

Die Mitte Europas im 2. Jahrtausend.

Ein Land, das lange braucht, um eins zu werden.

Menschen, die sich erst im Laufe der Jahrhunderte als deutsch verstehen.

Wer sind wir?

Woher kommen wir?

Fragen an ein Jahrtausend deutsche Geschichte.

Für die Demokratie!

Viele Regenten herrschten im Deutschland des 18. Jahrhunderts.

Zwei Monarchen ragen heraus: Preußens Friedrich.

Und Österreichs Maria Theresia.

Sie sind Rivalen.

Ihr Krieg spaltet nicht nur Deutschland, sondern auch Europa.

Gibt es einen Sieger?

Ist das kalt hier.

An der Grenze zwischen Brandenburg und Schlesien.

Im Winter 1740 ahnt niemand, was bevorsteht.

Der preußische König.

Ein Überfall, der die Welt verändern wird.

In einer Jahreszeit, in der sonst niemand Krieg führt.

Der preußische König Friedrich II. marschiert in Schlesien ein.

Das gehört zu Österreich.

"Meine Jugend hat mich dazu verführt."

So rechtfertigt er sich später.

Und auch die Gier nach Ruhm.

Auf geht's.

In Wien hat die Habsburgerin Maria Theresia das Sagen.

Herrscherin über Österreich.

Die junge Mutter ist im Regieren gänzlich unerfahren.

Ebenso wie Franz Stephan, der Mann an ihrer Seite.

Der preußische König ist in Schlesien einmarschiert.

Wie kann er es wagen?

Schlesien gehört uns. Niemals werde ich diesen dreisten Raub hinnehmen!

Es geht um weit mehr als nur um Schlesien.

Es geht um die Vorherrschaft auf deutschem Boden.

Er will uns zur Aufgabe zwingen.

Brandenburg-Preußen soll Großmacht werden.

Auf Kosten Österreichs, so will es der König.

Er trifft auf eine Gegnerin, die er maßlos unterschätzt.

Und die sich wehren will, um jeden Preis.

Das bedeutet neuen Krieg.

Ein europäischer Krieg, den Friedrich nicht mehr unter Kontrolle hat.

Morgen haben wir den Feind geschlagen.

Oder wir sehen uns nie wieder.

Ein Krieg, der die Rivalen an den Abgrund führt.

Der nicht nur Deutschland verändern wird.

Seit 300 Jahren sind die Habsburger stärkste Macht.

Im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation.

Ganz anders als die Hohenzollern-Könige.

Mit ihrem "Königreich der Flicken und Fetzen", wie es damals hieß.

Beide Mächte haben Territorien innerhalb und außerhalb des Reichs.

Brandenburg-Preußen ist ein eher karges Land.

Tiefe Wälder, endlose Sümpfe und sandige Böden.

Knapp zwei Mio. Menschen leben hier, als Friedrich 1712 geboren wird.

Die Kindheit des kleinen Prinzen ist alles andere als märchenhaft.

Das Leben am preußischen Hofe ist spartanisch.

Schon als Dreijähriger muss sich Friedrich einem Regiment unterwerfen.

Dem des Vaters, der seinem Ruf als Soldatenkönig gerecht wird.

Gottloser Kerl, du wagst es!

Er war undiszipliniert, aufbrausend.

Und von schlechtem Betragen.

Er hat sich in vielem gehen lassen.

Der Sohn ist ein Schöngeist.

Mit der Vorliebe für antike Formen und französische Literatur.

Doch damit sei kein Staat zu machen, meint sein herrischer Vater.

Der will Brandenburg-Preußen stärken.

Mit einer schlagkräftigen Armee und einer vollen Staatskasse.

Friedrichs Welt ist das noch nicht.

Mit 18 will der Kronprinz fliehen. Vergeblich.

Sein Vater lässt ihn verhaften und in die Festung Küstrin bringen.

Für ihn ist der Fluchtversuch des Sohnes Fahnenflucht.

Darauf steht die Todesstrafe.

Wird ihn der Vater hinrichten lassen?

Statt seiner muss ein anderer sterben.

Hans Hermann Katte.

Friedrichs Jugendfreund.

Er wusste von den Fluchtplänen des Kronprinzen.

Deshalb wird er zum Tode verurteilt.

Der Schmerz, den ihm sein Vater zufügt, wird ihn ewig verfolgen.

Er wollte ihn an den Rand einer persönlichen Katastrophe führen.

Auch mit der Hinrichtung Kattes, die der Thronfolger mit ansehen musste.

Das hat ihn ja beinahe umgebracht.

Die Kunde vom Strafgericht dringt bis an den Hof in Wien.

Der Habsburger Kaiser ist Friedrichs Patenonkel.

Er schickt einen Bittbrief an den preußischen König.

Er möge den Sohn begnadigen, was auch geschieht.

Anders als der Soldatenkönig ist Karl VI. ein liebevoller Vater.

Seine Tochter Maria Theresia steht ihm besonders nah.

Auch wenn sie "nur" ein Mädchen ist.

Maria Theresia war sehr intelligent.

Sie war ein fröhliches Kind im Gegensatz zu Friedrich.

In der Kaiserfamilie geht es fast bürgerlich zu.

Unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Eine unbeschwerte Kindheit.

Doch es gibt ein Problem: Maria Theresia hat keinen Bruder.

Wer soll Kaiser Karl VI. einmal nachfolgen?

Maria Theresia ist frei aufgewachsen.

Sie hat immer gedacht:

Ich bin ein Mädchen, ich komme nicht auf den Thron.

Es kommt anders als erwartet.

Ein Gesetz soll die Erbfolge der Kaisertochter sichern.

In Österreich und Böhmen.

Sie nennen es "Pragmatische Sanktion".

Da stirbt der Kaiser unerwartet ohne männlichen Thronfolger.

Nun soll Maria Theresia regieren.

Mit gerade 23 Jahren.

Eine junge Frau unter den Mächtigen Europas?

Sie sahen eine Frau, schwanger, mit drei Kindern.

Sie sagten: Die kann das sowieso nicht.

Wir nehmen uns jetzt alle die Beute weg.

Auch er, seit 1740 König.

Friedrich II. will wie sein Vater Preußens Macht mehren.

Der Schöngeist wird Eroberer.

Die Habsburger verfügen über viele Territorien in Mitteleuropa.

Von den südlichen Niederlanden bis zum Balkan.

Nachbarfürsten machen Ansprüche geltend.

Der Preußenkönig fordert Schlesien südlich seines eigenen Landes.

Niemand rechnet mit diesem Einmarsch.

Der wird mit angeblichen Erbansprüchen begründet.

Tatsächlich ist es ein klarer Rechtsbruch.

Maria Theresia hat dem zunächst nichts entgegenzusetzen.

Für Friedrich eine leichte Beute, doch von hohem Wert.

Auf geht's.

Schlesien mit der Oder als Lebensader ist nicht nur strategisch bedeutsam.

Es ist auch eine reiche Provinz.

Mit florierender Wirtschaft.

Die Stadt Breslau mit ihrer Universität, der "Leopoldina".

Was heißt es für Maria Theresia, all das zu verlieren?

Sie weiß, dass sie diesen dreisten Raub nicht hinnehmen darf.

Doch wer kann ihr helfen?

Sie hat gesagt:

Ich habe diese Aufgabe und werde alles tun, sie zu erfüllen.

Da hat sie den Ausweg gesehen in Ungarn.

Von den Ungarn verspricht Maria Theresia sich Hilfe:

Geld und Truppen.

Mit dem Sohn im Arm will sie die Herzen der Ungarn erweichen.

Was wird sie sagen? Warten wir es ab.

Die Zeit drängt.

Von allen verlassen, flüchten wir zu der Tugend der Ungarn.

Ihrer Treue vertrauen wir uns und unsere Kinder an.

In dieser gegenwärtigen Gefahr muss ohne Zögern Rat geschafft werden.

Das Schwert ergriffen werden.

Um unsere und des Reiches Feinde zurückzudrängen.

Lässt sich der ungarische Adel bei der Ehre packen?

Er tut es.

Er erhält dafür mehr Rechte.

Die Hilfe der Ungarn war eine wirkliche Rettung.

Insofern, dass Maria Theresia neuen Mut bekommen hat.

Sie hat gesehen, da sind Truppen, die mir helfen.

Die sind mir treu.

Vier Jahre kämpfen Friedrichs Truppen gegen die Armee Maria Theresias.

Jetzt zeigt sich die militärische Überlegenheit der preußischen Armee.

Drill, Disziplin und Gehorsam machen sie besonders effizient.

Doch die Österreicher lernen dazu.

So wechselt das Kriegsglück von Schlacht zu Schlacht.

Friedrich brilliert als Feldherr.

Das kann seine Rivalin nicht.

Da schickt der Preußenkönig ihr ein Angebot.

Unsere Kinder vermissen dich.

Friedrichs Angebot betrifft auch ihren Ehemann Franz Stephan.

Er kann Kaiser des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation werden.

Wenn Maria Theresia im Gegenzug auf Schlesien verzichte.

Nein, fünf Jahre Leid und Zerstörung.

Das hast du selber gesagt.

Alles für nichts und wieder nichts?

Du verstehst nicht.

Wenn ich nicht Frieden schließe, verliere ich nicht nur Schlesien.

Ich muss an die Zukunft unserer Kinder denken.

Die Kaiserkrone gebührt uns und unserem Sohn Joseph.

Ihr Vater war Kaiser des Heiligen Römischen Reich deutscher Nation.

Ihr ist diese Würde verwehrt, weil sie eine Frau ist.

Nun soll ihr Mann die Krone tragen.

Dafür muss sie sich mit Friedrich arrangieren.

Schlesien hole ich mir später zurück.

Die Kaiser-Krone.

Wer sie trägt, der soll im Reich für Recht und Frieden sorgen.

Franz Stephan erhält sie, doch seine Frau ist die heimliche Kaiserin.

Typisch für Maria Theresia war, dass sie ihren Mann, den sie liebte, -

- nicht bei der Krönung begleitet hat.

Sie ist nicht neben ihm niedergekniet.

Sie war unter den Zuschauern.

Sie hat ihm zugejubelt und sich gefreut.

Aber sie hat ganz klar demonstriert: Ich bin nicht die Frau des Kaisers.

Das interessiert mich gar nicht.

Ich bin die Herrscherin.

Auch Friedrich II. lässt sich bejubeln.

Preußen ist nun auf dem Weg zur Großmacht.

Selbst in anderen Teilen des Reiches wird der König gefeiert.

Als Friedrich der Große.

Doch der Krieg hat ihn gezeichnet.

Und er hat viele Opfer gefordert.

Nun soll auch seine Hauptstadt wachsen.

Was seine Vorfahren begonnen haben, will er vollenden.

Friedrich träumt von einem Spree-Athen im märkischen Sand.

Bei seinem Regierungsantritt leben hier 100.000 Menschen.

Berlin ist eine Einwandererstadt.

7.000 Hugenotten, protestantische Flüchtlinge aus Frankreich, -

- haben hier eine neue Heimat gefunden.

Jeder soll nach seiner eigenen Fasson selig werden, sagt der König.

Er spricht sogar davon, auch eine Moschee bauen zu lassen.

Die Stadt ist weltoffen.

Die Akademie der Wissenschaften.

Sie ist die erste auf deutschem Boden und hat ihren Sitz in Berlin.

Unter dem Preußenkönig erfährt die Stadt eine kulturelle Blüte.

Und auch eine wirtschaftliche.

Überall im Land lässt Friedrich Manufakturen errichten.

In ihnen arbeiten hunderte von Menschen.

Auch Frauen.

Niemand soll untätig sein.

Das überprüft der Monarch mitunter höchstpersönlich.

Die Königliche Porzellanmanufaktur liegt ihm am Herzen.

Garantiert sie doch beachtliche Profite.

Das weiße Gold findet viele Liebhaber.

KPM, eine königliche Marke.

(Musik)

Friedrich ist die Großstadt bald zu turbulent.

Er will ungestört regieren und philosophieren.

Auf einem Weinberg bei Potsdam lässt er ein neues Schloss bauen.

Nach eigenen Plänen.

Sanssouci. Der Name ist Programm:

Ohne Sorgen will er hier leben.

Fern vom Berliner Hofzeremoniell.

Hier komponiert und musiziert der Preußenkönig.

Als Flötenspieler von Sanssouci.

Hier empfängt er illustre Gäste aus vielen Ländern Europas.

Der französische Philosoph Voltaire ist schon zu Lebzeiten weltberühmt.

Und ein Gourmet.

Viel zu tun für die Hoflieferanten und Köche.

Sie sollen den anspruchsvollen Gast bei Laune halten.

Friedrich will, dass er an seinem Hof bleibt.

Zweimal am Tag lässt der König auftischen.

Orden hat er dem Denker auch schon verliehen.

Zwölf Köche aus Frankreich, Italien, Russland, England, deutschen Landen.

Sie sollen aus all dem Delikatessen zaubern.

Friedrichs Tafelrunden sind bis heute legendär.

Berühmt und auch berüchtigt.

Seine Gäste sind meist Offiziere und Gelehrte.

Sieben bis zehn Personen.

Gesprochen wird nicht Deutsch, sondern Französisch.

(französische Sprache)

Eine Männergesellschaft par excellence.

"Das ist kein Hof", wird Voltaire später sagen.

"Sondern eine Klausur, aus der die Frauen verbannt sind."

Die Ehe des Monarchen besteht nur auf dem Papier.

Sie bleibt kinderlos.

Warum diese Distanz zum weiblichen Geschlecht?

Er war ja zu Anfang durchaus ein Amoroso.

Dann kommt eine Geschlechtskrankheit.

Die hat zu Deformationen geführt.

Sie hat ihm das Gefühl vermittelt, er sei nicht zeugungsfähig.

Es war wohl anatomisch auch sichtbar, was da passiert war.

Also er war eben genierlich.

Friedrichs Blick aus seiner Bibliothek fällt auf diese Skulptur.

Ein zarter Jüngling, ein Lustknabe.

Manche Biografen sprechen von des Königs "homoerotischen Neigungen".

Ausgelebt hat er sie nicht.

Wenn er sich geniert hat wegen der Verletzung im Genitalbereich, -

- dann wird er das auch Männern gegenüber getan haben.

Es wird immer unterstellt, dass er es mit Männern gehabt haben soll.

Das halte ich wirklich für übertrieben.

Nicht nur Frauen haben es schwer an Friedrichs Hof.

Auch deutsche Dichter und Denker sucht man in Sanssouci vergebens.

Der preußische König scheint kaum etwas zu bemerken:

Dass sich immer mehr Deutsche -

- als Angehörige einer Kulturnation empfinden.

Die großen Köpfe der Zeit, ein Mann wie Kant wirkte in Königsberg.

Herder kommt aus Ostpreußen und geht über Riga nach Weimar.

Sanssouci war nicht der Ort, der solche Kapazitäten anzog.

Vermutlich lag es daran, dass in Anwesenheit Friedrichs II. -

- die Zimmertemperatur um einige Grade stürzte.

Das war nicht das Biotop, in dem sich große Köpfe wohlfühlten.

Goethe, Schiller und andere große Namen.

Von ihnen nimmt Friedrich kaum Notiz.

Die Dichter und Musiker suchen ihr Glück weit weg von Berlin.

An kleineren Fürstenhöfen wie in Weimar.

Hier entstehen zeitlose Werke der deutschen Klassik.

Sie geben vielen Menschen das Gefühl, dass ein einendes Band -

- durch die gemeinsame Sprache besteht.

Unabhängig von der Vielzahl und Vielfalt der deutschen Territorien.

Die Anna-Amalia-Bibliothek erinnert noch heute -

- an den schöpferischen Reichtum jener Epoche.

Ihm geht es weder um das Reich noch um die Kultur der Deutschen.

Friedrich sieht sich als "der erste Diener" Preußens.

Er reist von Dorf zu Dorf.

Fast drei Viertel seiner Untertanen leben auf dem Lande.

Auf den königlichen Gütern mildert Friedrich die Härten -

- bäuerlicher Unfreiheit.

Im restlichen Preußen bleibt alles beim Alten.

Der König will es sich nicht mit dem Adel verscherzen.

Der stellt die Offiziere. Und die Bauern die Soldaten.

Es gibt noch keine Schulpflicht.

Doch die künftigen Rekruten sollen etwas lernen.

Warum seid ihr nicht in der Schule?

In unserem Dorf gibt es keine. Dann müsst ihr ins nächste Dorf.

Ihr müsst was Gescheites lernen. Oder wollt ihr ewig Schafe hüten?

Ich werde einmal Soldat.

In welchem Regiment?

Im Regiment Bernburg.

Dann muss er erst recht viel lernen.

Des Königs Soldaten müssen schreiben und rechnen können.

Und kämpfen und sterben.

Auch Friedrichs Gegnerin bleibt in all den Jahren nicht untätig.

Ihr ist die Hofburg zu düster.

Sie lässt die Sommerresidenz Schönbrunn erweitern.

Das neue Schloss hat eindrucksvolle Ausmaße.

Es erinnert an den Hof des Sonnenkönigs in Versailles.

Auch die inzwischen dreizehnfache Mutter tut alles, -

- um ihr Vielvölkerreich zu reformieren.

Das Interessante dabei war:

Maria Theresia war sich nicht zu schade, den Feind zu imitieren.

Ihren Intimfeind.

Das heißt, alles das zu übernehmen, was bei ihm besser war als bei ihr.

In Österreich. Und das ist ja schon eine Leistung.

Maria Theresia hört auf den Rat von Experten.

Auch für sie haben die Reformbemühungen ein Ziel.

Preußen muss übern Haufen geworfen werden, -

wenn das Erzhaus bestehen soll.

Schlesien liegt mir am Herzen.

Frankreich und Sachsen könnten uns zur Seite stehen.

Das bedeutet neuen Krieg.

Und Friedrich gießt noch Öl ins Feuer.

Seine Reden über die "drei Erzhuren Europas", wie er sie nennt, -

- führen mit dazu, dass sie sich gegen ihn verbünden.

Maria Theresia, Madame Pompadour, Mätresse des französischen Königs, -

- und die russische Zarin Elisabeth.

Preußen ist nun von Gegnern umzingelt.

Ein Bündnis zwischen Österreich, Frankreich, Sachsen und Russland -

- besiegelt den Pakt gegen Preußen.

Dem steht nur England zur Seite.

Die Engländer führen zugleich Krieg gegen Frankreich.

Um die Vorherrschaft in Nordamerika und Indien.

Sie unterstützen Preußen.

Sie wollen die Franzosen im Kampf um die Kolonien schwächen.

So ist der Konflikt auf deutschem Boden auch von Weltpolitik bestimmt.

Friedrich muss handeln, will den Gegnern zuvor kommen.

Zuerst trifft es die Sachsen.

Wieder ein Überfall ohne Kriegserklärung.

Doch es ist nur der Anfang eines Siebenjährigen Krieges.

Immer wieder greift der König in die Kämpfe ein, riskiert sein Leben.

Wie lange werden seine Truppen standhalten angesichts der Übermacht?

Die Preußen sind taktisch oft überlegen.

Aber auch ihre Verluste sind hoch.

Die preußische Rekrutierung erfasst immer mehr Landeskinder.

Es sind die ersten Schritte zu einer Wehrpflicht.

Schon in der Kindheit werden die Soldaten ausgewählt.

Nach festen Regeln.

Sie erhalten von ihrem künftigen Regiment -

- ein Zeichen der Zugehörigkeit.

Hinzu kamen dann die Auslandswerbungen.

Dies konnte auch mit List, Gewalt und Promillezahlen einhergehen.

Nicht jeder Gemusterte wird eingezogen.

Bestimmte Voraussetzungen müssen erfüllt sein.

Im Staatsarchiv Münster gibt es Hinweise -

- auf die preußische Rekrutierungspraxis.

Etwa ein schlichtes Maßband.

Die Soldaten mussten eine Mindestgröße haben.

1,69 Meter sind es in der Zeit Friedrichs des Großen.

Grade stehen!

Jedes Jahr wird nachgemessen.

Manche Rekruten sind gerade 16 Jahre alt.

Das Gebiss ist kriegswichtig.

Nur wer gute Zähne hat, kann die Patronen mit dem Pulver aufbeißen.

Nur jeder Siebte ist tauglich.

Auch Maria Theresia braucht Soldaten, eigene und verbündete Truppen.

Die Preußen haben bei Prag gesiegt, Majestät.

Und unsere Truppen?

Haben sich in die Festung zurückgezogen.

Die Preußen stehen mit Kanonen vor der Stadt.

Maria Theresia ist auch Königin von Böhmen.

Wird sie es an Friedrich verlieren wie Schlesien?

Er will uns zur Aufgabe zwingen.

Das müssen wir unter allen Umständen verhindern.

Noch ist Prag nicht verloren, Euer Majestät.

Was schlagen Sie vor, General?

Frische Verbände sind auf dem Weg nach Prag.

Sie sind nur wenige Tagesmärsche entfernt.

Gut.

Alle verfügbaren Kräfte zur Rettung unserer Truppen!

Schickt Eilboten.

Wir müssen Prag halten. Um jeden Preis!

Sehr wohl, Majestät.

Nach einigen Gefechten steht eine entscheidende Schlacht bevor.

Bei Leuthen.

Friedrich spricht seine Generäle auf Deutsch an.

Zum ersten Mal.

Ich habe Sie kommen lassen, um Ihnen für die treuen Dienste zu danken.

Mich auf Ihren Mut und Ihre Erfahrung verlassend, -

- habe ich einen Plan gemacht.

Zur Bataille, die ich liefern muss.

Ich werde gegen alle Regeln der Kunst -

- einen zweimal stärkeren Feind angreifen.

Ich muss es tun.

Oder es ist alles verloren.

Ist einer unter Ihnen, der nicht so denkt?

Der nehme hier auf der Stelle seinen Abschied.

Ich werde ihm selbigen ohne irgendeinen Vorwurf geben.

Die Offiziere stehen zu ihrem König.

Friedrich hat nichts anderes erwartet.

Gehen Sie nun ins Lager zurück.

Sagen Sie das, was ich Ihnen gesagt habe, Ihren Regimentern.

Leben Sie wohl, meine Herren.

Morgen um diese Zeit haben wir den Feind geschlagen.

Oder wir sehen uns nie wieder.

Friedrich weiß: Es stehen nur 39.000 Preußen gegen 66.000 Österreicher.

Ein Zusammenprall auf breiter Front muss vermieden werden.

Die Lösung: Die berühmte "schiefe Schlachtordnung".

Die gegnerischen Truppen sollen am rechten Flügel erfasst werden.

Und aufgerieben, bis die Front nachgibt.

(dramatische Musik)

Am Nachmittag ergeht der Befehl, die offene rechte Flanke anzugreifen.

Es ist der Schlüssel für den Sieg.

Selbst der König hat damit nicht rechnen können.

Seit dieser Schlacht gilt Friedrich als genialster Feldherr seiner Zeit.

Leuthen wird zum Mythos der preußischen und deutschen Geschichte.

Und Friedrich zur Legende. Auch bei den eigenen Soldaten.

Die "schiefe Schlachtordnung" hat Friedrich übernommen.

Von den Feldherrn der Antike.

Sie geht nun in die Militärgeschichte ein.

Der "alte Fritz", wie er bald heißen wird, wird zum Vorbild.

Auch für einen selbst ernannten "größten Feldherrn aller Zeiten".

Friedrich II. wurde missverstanden.

Er wurde als ein Staatsmann des unkalkulierten Risikos angesehen.

Hitlers Risikobereitschaft war eine, -

- die jedes Risiko jenseits der Rationalität noch akzeptierte.

Friedrich II. war Rationalist auch da.

Für ihn war das Risiko immer eines, das er noch kalkulieren musste.

Insofern war seine Militärkunst eine mit Verantwortung unterlegte.

(Choral:)

"Nun danket alle Gott."

"Mit Herzen, Mund und Händen."

"Der große Dinge tut an uns und allen Enden."

Auch dieser Moment wird zur Legende.

25.000 Soldaten stimmen ihn an, den Choral von Leuthen.

Das Kirchenlied "Nun danket alle Gott".

Doch Leuthen ist nur eine Episode im Siebenjährigen Krieg

Das weiß keiner besser als der König selbst.

Die Geister, die er einmal rief, wird er nicht mehr los.

Eine Schlacht ist gewonnen, aber nicht der Krieg.

Ein seltenes Dokument, das Tagebuch eines Schweizer Söldners.

Es gewährt uns Einblick in den Kriegs-Alltag der preußischen Armee.

Kälte, Hunger, Krankheiten setzen den Soldaten zu.

Und die Angst vor Verstümmelung und Tod.

Auf den legendären Sieg von Leuthen folgen vernichtende Niederlagen.

Mehr als einmal denkt der König an Selbstmord.

Immer öfter quält ihn die Erinnerung.

(unheilvolle Musik)

Eure Majestät haben geträumt.

Sie sollten sich ausruhen.

Das wird auch nichts nützen.

Das Glück hat sich von mir abgewandt.

Ich hätte darauf gefasst sein sollen.

Schließlich ist Fortuna eine Frau, und ich bin kein Liebhaber.

Österreicher, Russen und Franzosen drängen Friedrich an den Abgrund.

Er erkennt: In diesem Krieg wird es keine Sieger geben.

Nur Opfer.

Immer mehr Soldaten desertieren.

Noch so grausame Strafen können nicht verhindern, -

- dass die Disziplin auf beiden Seiten bald am Ende ist.

Friedrich II. selbst hat geschrieben:

Der Soldat müsse seinen Offizier mehr fürchten als den Feind.

Diese Aussage wirft ein helles Licht auf die Disziplinarpraxis.

Es ist ein Tag, den Friedrich nie vergessen wird.

Kunersdorf östlich Frankfurt an der Oder.

Dort stellt er sich der Übermacht von Österreichern und Russen.

Wieder folgt ein mörderisches Schlachten.

Der König gerät, wie schon so oft, in die Schusslinie.

Diesmal trifft ihn eine Kugel.

Majestät?

Ist dies das Ende Friedrichs und aller preußischen Großmachtsträume?

Weg!

(dramatische Musik)

Eine goldene Schnupftabaksdose macht Geschichte.

Die Kugel blieb im Deckel stecken.

(dramatische Musik)

Nach der Katastrophe von Kunersdorf will Friedrich aufgeben.

Er will seinem Leben ein Ende setzen.

Gift trägt er stets in einem Medaillon bei sich.

An einen Minister in Berlin schreibt er:

"Mein Unglück ist, dass ich noch lebe."

"Von 48.000 Mann habe ich jetzt, wo ich dies schreibe, keine 3.000."

"Man wird in Berlin gut tun, an seine Sicherheit zu denken."

"Ich werde den Untergang meines Vaterlandes nicht überleben."

Wie so viele seiner Soldaten.

(dramatische Musik)

Die Rettung kommt unverhofft.

Die Gegner sind sich uneins, lassen den Sieg ungenutzt verstreichen.

Schließlich stirbt in Petersburg auch noch die Zarin Elisabeth.

Die hasste Friedrich.

Thronfolger Peter III. ist ein Verehrer des Preußenkönigs.

Es ist das rettende Mirakel, das Wunder des Hauses Brandenburg.

Maria Theresia verliert ihren wichtigsten Bündnispartner.

Russland schließt Frieden mit Preußen.

England besiegt Frankreich in Nordamerika.

Es ist nun See- und Kolonialmacht Nummer eins.

Es verliert das Interesse am deutschen Kriegsschauplatz.

Auch Frankreich zieht sich zurück.

Am Ende profitiert Preußen.

Der Siebenjährige Krieg war noch kein totaler Krieg.

Das macht ihn so spezifisch.

Das eigentliche Wunder besteht doch darin:

Dass dieser Staat sich gegenüber einer europäischen Koalition -

- hat behaupten können.

Und das über sieben Jahre.

Der Friede von Hubertusburg 1763 beendet den Siebenjährigen Krieg.

Ein Frieden zwischen Österreich und Preußen.

Ohne nennenswerte Landgewinne für eine der Parteien.

Schlesien bleibt preußisch.

"Besser ein mittelmäßiger Frieden als ein glorreicher Krieg."

So lautet die Devise der Habsburgerin.

Sie unterschreibt mit zitternder Hand.

Maria Theresia.

Sie konnte nicht verhindern, -

- dass Preußen zweite deutsche Großmacht wird.

Ihrem Erzfeind Friedrich ist sie nie begegnet.

Und hat sich doch mit aller Kraft behauptet.

(Musik)

(Musik)

Friedrich II. hat erreicht, was er wollte.

Doch er hat einen hohen Preis bezahlt.

Der von ihm entfesselte Krieg forderte 400.000 Menschenleben.

Allein in Brandenburg-Preußen.

Nur durch Glück entging er einer Niederlage.

(Musik)

Als Maria Theresia 1780 stirbt, schreibt Friedrich:

"Ich habe mit ihr Kriege geführt, aber ich war nie ihr Feind."

Der "alte Fritz" stirbt 1786.

Einsam, aber doch am Ziel.

Zurück bleiben zwei Mächte.

Die werden um die Vorherrschaft auf deutschem Boden ringen.

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