All language subtitles for 1 Otto und das Reich

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Original subtitles

Die Mitte Europas im 2. Jahrtausend.

Ein Land, das lange braucht, um eins zu werden.

Menschen, die sich erst im Laufe der Jahrhunderte als deutsch verstehen.

Wer sind wir?

Woher kommen wir?

Fragen an ein Jahrtausend deutsche Geschichte.

Für die Demokratie!

Niemand spricht im 10. Jahrhundert von "den Deutschen".

Die Sprache verbindet die Stämme der Baiern, Sachsen, Schwaben, Franken.

Ein Gegner von außen stärkt den Zusammenhalt.

Er will die Gunst der Stunde nutzen.

Als König über die deutschen Lande herrschen.

Und als Kaiser über das christliche Europa: Otto der Erste.

Sieben Aufgebote deutscher Stämme.

12.000 Krieger aus Baiern, -

- Franken, Schwaben, Lothringen und Böhmen.

Sie sind dem Hilferuf ihres Königs gefolgt.

Otto riskiert alles. Er sucht die Entscheidungs-Schlacht.

Die Ungarn sind noch nie gegen ihn in die Schlacht gezogen.

Aber sie sind ihres Sieges sicher.

Ihr Ruf eilt ihnen auch diesmal voraus.

Die Steppenreiter sind gefürchtet.

Sie sind schon mehr als 50 Mal plündernd in das Reich eingefallen.

"Sie brannten Burgen, Städte, Kirchen nieder."

"Und richteten in der Bevölkerung ein Blutbad an."

Ein Chronist hat das berichtet.

Man nannte sie "Feinde der Menschen und der Christenheit".

Lasst sie kommen!

Habt Mut! Gott schützt uns.

Es geht um alles für König Otto.

Er will ein mächtiger Kaiser werden wie Karl der Große.

Die deutschen Stämme sind sich einig in der Abwehr des Gegners.

Es geht auf Leben und Tod.

Deutschland im 10. Jahrhundert.

Unwegsame Landschaften.

Tausende Jahre alte Urwälder.

Das Land ist kaum erschlossen, ohne feste Grenzen.

4 Millionen Menschen leben darin. Seine Zukunft ist ungewiss.

19 Jahre vor der Schlacht auf dem Lechfeld:

Otto ist Herzog von Sachsen.

Er reitet mit seinem 6-jährigen Sohn Liudolf nach Aachen.

Fast alle seine Untertanen sind Bauern.

Meist Unfreie, die gerade genug zum Leben haben.

Noch niemand spricht von einem "König der Deutschen".

Es ist ein Land der Herzöge und Stämme.

Sie wählen einen König. Ottos Vater, König Heinrich, ist gestorben.

Ein Nachfolger ist unter den Söhnen zu wählen.

Otto rief dafür alle Herzöge und hohe Grafen der Stämme nach Aachen.

Man kann die Geschichte der Deutschen so beginnen:

Mit dem Einzug Ottos I. in die Kaiserpfalz von Karl dem Großen.

Die Chronisten berichten: "Es ist auch viel Volk gekommen."

Erzbischof Hildebert von Mainz ist da.

Er heißt Otto willkommen.

Und sein Bruder?

Welche Freude, Thankmar.

Du bist gekommen. Ich komme nicht mit Freude.

Hüte dich, mein Bruder! Du bist zwar der Ältere.

Aber unser Vater wählte mich als den besten seiner Söhne.

Hüte du dich besser!

Nicht alle Sachsen sind für dich. Wo ist Bruder Heinrich?

Dort, wo er mir nicht schaden kann.

Das soll dich warnen. Erhebe nie die Hand gegen mich!

Oder du hast nicht nur deine Brüder zu Feinden. Vergiss das nie!

Der Streit geht um die höchste Würde.

Otto will sich in der Pfalzkapelle krönen lassen.

Zum Nachfolger von König Heinrich.

Die Gebeine Karls des Großen ruhen hier.

Deutsche und Franzosen verehren ihn wie einen Stammvater.

Seine Enkel teilten im Jahr 843 das Frankenreich auf:

In die Königreiche Westfranken, ein Mittelreich und Ostfranken.

Vier alte, germanische Stämme lebten dort.

Sachsen, Franken, Schwaben und Baiern.

Aus dem Stammesland wird das "diutsche lant" hervorgehen:

Das Land der Deutschen.

Es gibt von Ottos Vater Heinrich nur ein Bild.

Es ist auf einem Siegel.

Er brach mit der Tradition seit Karl dem Großen.

Er teilte sein Reich nicht unter seinen Söhnen auf.

Um die Herrschaft zu sichern.

Nur einer sollte König werden: Otto.

Der erste Schritt zu einem Königtum der Deutschen.

Der Krönungstag in Aachen.

Die Chronik des Mönchs Widukind erzählt davon.

Kaum jemand konnte damals lesen und schreiben.

Man brauchte große Gesten.

Widukind berichtet: "Sie machten ihn nach ihrem Brauch zum König."

"Sie versprachen ihm Rat und Hilfe."

Deine Feinde sind meine Feinde.

Deine Freunde sind meine Freunde.

Ich will dir zur Seite stehen, aufrichtig, hold und gewärtig.

Die Herzöge geloben ihrem König Gefolgschaft.

Der Monarch soll immer wissen:

Die Führer der Stämme wählen ihn.

Das Prinzip galt ab jetzt fast 9 Jahrhunderte.

Ottos Wahl wird außerdem noch von etwas begleitet:

Von der Zustimmung des Volkes.

Gefällt Euch die Wahl? Erhebt dann die rechte Hand zum Himmel!

Der Mönch Widukind berichtet: "Die Wahl gefiel dem Volk."

Das Oktogon des Aachener Doms.

Der Thron Karls des Großen steht noch hier.

Otto I. wird hier zum König gekrönt.

Weitere 30 deutsche Herrscher werden ihm folgen.

Otto wird durch Erzbischof Hildebert gesalbt.

Er wird dadurch zum Stellvertreter Gottes auf Erden.

Und dein Haupt möge niemals -

- ohne das Öl der Barmherzigkeit sein!

Der Bischof ernennt ihn mit dem Diadem zum König.

Und zum Nachfolger Karls des Großen.

Auf dass du mit ewigem Lohn gekrönt wirst.

Göttlicher Wille, die Ernennung durch die Fürsten.

Und das Erbe der Geschichte.

Deutsches Königtum soll künftig darauf beruhen.

Er ist König aller deutschsprachigen Stämme.

Genügt ihm das? - Was plant er?

Das ist der Thron eines Kaisers.

Otto besteigt den Thron von Karl dem Großen.

Das wird als ungeheuerliche Anmaßung verstanden.

Als wolle er zeigen, dass er Kaiser werden will.

Über die ganze abendländische Christenheit.

Otto der Große wollte die Monarchie durchsetzen.

Als erster Herrscher des Mittelalters.

Das führt zu großem Widerstand in seiner Familie.

Seine Brüder wollen an der Herrschaft beteiligt sein.

Er geht mit Gewalt dagegen vor.

Er versucht in anderen Fällen, Ansprüche zu berücksichtigen.

Otto hat konsequent durchregiert.

Mit Gottvertrauen und Beharrlichkeit.

Man regiert im Mittelalter "vom Sattel aus".

Denn eine Hauptstadt gibt es im Reich nicht.

"Reisekönig" Otto zieht 180 Tage im Jahr durch deutsche Lande.

Mit seinem Gefolge, das aus fast 2.000 Menschen besteht.

Städte, Dörfer, Klöster müssen sie verköstigen.

Das trifft vor allem die Bauern. Ein Spruch lautet:

"Gott segne den König! Aber möge er nie wiederkommen."

Otto reist zuerst zur Stifts- kirche von Quedlinburg.

Das ist ihre Krypta.

Restauratoren haben jahrelang Wandmalereien freigelegt.

Sie waren fast überdeckt.

Es gibt viele biblische Szenen im Gewölbe.

Ein Bildnis ist weltlich:

"König Otto mit Kronhaube und Zepter."

Es ist 1.000 Jahre nach seiner Entstehung.

Die Restauratoren geben ihm wieder ein Gesicht:

Dem Fresko aus der frühen Epoche der deutschen Geschichte.

Die aufwändig restaurierte Stifts- kirche von Quedlinburg -

- zählt heute zum Welt-Kulturerbe.

Die Krypta war für Otto sein spiritueller Mittelpunkt.

Er pilgerte immer an das Grab seines Vaters König Heinrich.

Man nannte ihn den "Beter".

Er verdankt Heinrich sein Königtum.

Fadar usa!

The is an them hohon himila rikea.

Geuuihid si thin namo. Cuma thin riki.

So klingt das "Vaterunser" auf Altsächsisch.

In der Sprache Ottos.

- so an them hohon himilo rikea. Gef us dago gehuuilikes rad.

Otto muss als König nicht nur seine Brüder fürchten.

Sie neiden ihm die Bevorzugung durch den Vater.

Ungarische Reiterscharen plündern und morden in seinem Land.

Sie nennen sich "Magyaren".

- lede uuihti ac help us uuidar allun ublion dadiun.

Otto ist nun in der Pflicht. Als Schutzherr des Reiches.

Amen. - Und als tiefgläubiger Christ.

Und schütze uns, o Herr! Vor den Pfeilen der Ungarn!

Ottos Vater hatte zum Schutz vor den Reitern aus Ungarn -

- Befestigungen bauen lassen.

Wie die Sachsenburg Werla.

Menschen konnten sich in Zeiten der Gefahr in Fluchtburgen zurückziehen.

Sie waren umgeben von Wällen, Gräben und Palisaden.

Der König gab den Bauern Land und Waffen.

Und er ließ in Speichern Korn einlagern.

Damit seine Untertanen auch längeren Belagerungen standhalten konnten.

Die Wallanlagen jener Sachsenburg sind bis heute noch sichtbar.

Aber selbst sie konnten es damals nicht verhindern, -

- dass die Magyaren Jahr für Jahr im Reich einfielen.

Der Reisekönig Otto zieht von Ort zu Ort.

So werden die Untertanen ihn gesehen und mit ihm gesprochen haben.

Woher wissen wir, wie die Menschen in diesem Land sprachen?

Konnten die Stämme in Ottos Reich einander verstehen?

Die Stifts-Bibliothek St. Gallen hat Schätze des frühen Mittelalters.

Handschriften zeigen, wie man sich damals verständigte.

Das älteste Buch in deutscher Sprache ist von hier.

Mönche schrieben es um 800.

Ein Wörterbuch für Reisende: der "Codex Abrogans".

Man kann aus dem Wort "samft moati" unser "sanftmütig" heraushören.

Aus "dheomodi" das Wort "demütig".

Sie sprachen eine Sprache, die sie untereinander verstanden.

Man sprach den Dialekt des -

- Bairischen, Sächsischen, Fränkischen, Alemannischen.

Man verstand sich mit Mühe.

"Althochdeutsch" ist ein moderner Kunstbegriff.

Die Menschen sprachen die Sprache nicht wirklich.

Otto fiel auf in Regensburg, weil er sächselte.

Das ist konkret bezeugt.

Der "Magdeburger Reiter" gilt als Bildnis Ottos.

Der ehrgeizige Otto hatte die Brüder gegen sich.

Aber auch manche Herzöge. Er weiß:

Er kann seine Macht nur sichern, wenn er seine Stammlande ausbaut.

Das mächtigste Volk deutscher Sprache -

- lebt um das Jahr 1000 hier an der Elbe: die Sachsen.

Der unbedeutende Fischerort und Marktflecken Magado-burg.

Otto I. macht ihn zur Königsstadt Magdeburg.

Er lässt den Ort mit einer Mauer umgeben.

Er lässt Kirchen bauen, eine Königspfalz und den Dom.

Magdeburg war eine der prächtigsten Städte Deutschlands.

Bis zur Zerstörung im 30-jährigen Krieg.

Der Dom wurde gotisch umgebaut.

Er zählt seitdem zu den größten Kathedralen in Deutschland.

Das "thronende Paar" wurde um 1240 in Sandstein gemeißelt.

Eine der schönsten Plastiken des deutschen Mittelalters.

Dargestellt sind nach der Überlieferung:

König Otto und seine 1. Gemahlin Edgitha.

Die von Otto geliebte Königin starb. Er heiratete erneut.

Seine Wahl fällt auf Adelheid von Burgund.

Otto hat einen Sohn mit der Witwe des italienischen Königs:

Heinrich. Und Liudolf?

Sein Sohn aus 1. Ehe ist längst erwachsen.

Er war bei der Krönung in Aachen dabei.

Er gilt bisher als Nachfolger seines Vaters auf dem Thron.

Na, kleiner Italiener?

Lass, Liudolf! Hör auf! ... Verbiete es ihm, Otto!

Zeig Respekt für den zukünftigen König!

Sagtest du ... "König"? Ja.

Ich bin dein legitimer Nachfolger.

Gedenkst du etwa, alle Eide zu brechen? Für sie?

Mein Vater schweigt.

So muss ich also antworten.

Liudolf wollte seine Anrechte auf den Thron durchsetzen.

Er suchte sich Verbündete.

Die Ungarn überfallen im Jahre 953 erneut Ottos Reich.

"Sie zündeten Burgen und Städte an."

"Durch das Blutbad drohte eine totale Entvölkerung."

Das schreibt ein Chronist.

Man nennt die Ungarn "Feinde Gottes und der Menschheit".

Sie dringen vor bis zum Rhein.

Das Schwabenland bleibt verschont:

Das Herzogtum Liudolfs.

Ottos Sohn wollte nicht gegen die Ungarn kämpfen.

Er wollte mit ihnen verhandeln.

Er will die Beutelust der Magyaren mit Gold und Silber stillen.

Wie auch andere Adelige.

Aber Liudolf will mehr.

Er trifft sich mit Horka Bulcsu, dem Heerführer der Ungarn.

Sag ihm, ich weiß noch fettere Beute für euch!

Liudolf will sich nicht nur bei den Ungarn freikaufen.

Sie sollen die Macht seines Vater ins Wanken bringen.

Ihm helfen, die Krone zu bekommen.

Bist du wirklich König Ottos Sohn?

Ja. Sein erstgeborener Sohn.

Er will mir die Krone nehmen.

Mein Freund führt euch zum Rhein.

Ihr findet dort mehr Beute, als man tragen kann.

Nehmt die Reichtümer meines Vaters!

Liudolfs Komplizenschaft mit den Ungarn wird bekannt.

Er riskiert nicht nur die Herrschaft seines Vaters.

Er ebnet den Magyaren den Weg ins Land.

Das "Hildebrandtslied" beschreibt den Vater-Sohn-Konflikt.

Es mag gewesen sein, was im Roßtal in Mittelfranken geschieht.

"Die Recken rückten ihre Rüstung zurecht."

"Sie strafften ihre Panzerhemden und gürteten ihre Schwerter."

"Zwei Männer vom gleichen Blut. Vater und Sohn."

Was hast du mir angetan? Und was du mir?

Wie viel Treulosigkeit willst du mir noch antun?

Bist du nicht mein Fleisch ... und Blut?

Weil ich es bin. Du nimmst mir alles:

Krone, Ehre und Stolz.

Unterwirf dich deinem Vater!

Niemals!

Lass ihn gehen!

Liudolf kann aus dem Roßtal fliehen.

Otto klagt: "So habe ich denn den eigenen Sohn zum schlimmsten Feind."

Liudolf findet in Regensburg an der Donau Zuflucht.

Otto belagert die Stadt 6 Wochen. Es kommt zu einer Hungersnot.

Die Tore werden geöffnet.

Regensburg brennt in derselben Nacht fast völlig nieder.

Aber Liudolf kann wieder fliehen.

Kämpft er weiter gegen seinen Vater? Lässt er sich von den Ungarn helfen?

Der Chronist Widukind berichtet: "Der König ging damals zur Jagd."

"Da kam plötzlich ein abgerissener Krieger ins Lager."

Es ist Liudolf, Ottos Sohn.

Er hat sich durch seinen Verrat isoliert.

Die Herzöge stehen geschlossen auf der Seite des Königs.

Erhebe dich, mein Sohn!

"Liudolf war von tiefster Reue ergriffen."

"Er gelobte zu gehorchen und den Willen des Vaters zu erfüllen."

So die Überlieferung.

Otto sieht sich als König von Gottes Gnaden -

- zu christlicher Milde verpflichtet.

Aber das Recht auf die Thronfolge hat der Sohn endgültig verloren.

Otto stellt sich nun dem äußeren Feind.

Die Ungarn müssen mit vereinten Kräften vertrieben werden.

Der König ruft die Krieger der Stämme aus dem ganzen Reich -

- auf das Lechfeld bei Augsburg.

Die Ungarn belagern die Stadt.

Aber sie will sich nicht ergeben.

Die Kirche St. Afra.

In ihr steht das Ulrich-Kreuz.

Es erinnert an die Belagerung vor über 1.000 Jahren.

Die Augsburger hofften, -

- dass Otto sie mit dem "Aufgebot der Stämme" befreit.

Bischof Ulrich organisierte die Verteidigung gegen die Ungläubigen.

Es heißt, er sei den Ungarn mit Todesmut entgegengeritten.

Die Legende sagt: Otto soll unter diesem Banner -

- mit Kriegern aus dem ganzen Reich auf das Lechfeld gezogen sein.

Sie kommen aus Baiern, Schwaben, Böhmen, Franken und Lothringen.

Die meisten Krieger wurden von mächtigen Bischöfen gestellt.

Otto versammelt unter dem Banner des heiligen Michael 12.000 Krieger.

Eine für damalige Zeit gewaltige Streitmacht.

Es soll die Entscheidungs-Schlacht werden.

Von Otto sind kämpferische Worte überliefert:

Die Ungarn -

- haben unsere Städte zerstört.

Kirchen niedergebrannt, viel Volk getötet.

Sollen wir im eigenen Land -

- vor den Feinden Gottes und der Menschen zurückweichen?

(Alle:) Nein! Männer!

Wir müssen vor den Heiden und ihrer Kühnheit festen Mut beweisen.

Nur der sächsische Mönch Widukind berichtet davon.

Die Nachwelt sollte ein heroisches Bild des Königs bekommen.

Jetzt lasst uns lieber mit dem Schwert -

- statt mit der Zunge sprechen!

Vater im Himmel! Gib uns Sieg und Leben!

Spätere Generationen werden diesen Moment auf dem Lechfeld -

- die Geburtsstunde der Deutschen nennen.

Die Lanze, die König Otto auf dem Lechfeld mit sich führte, -

- gehört zu den so genannten Reichsinsignien.

Sie werden in Wien aufbewahrt.

Es ist eine Flügellanze aus der Zeit Karls des Großen.

Es gab viele davon.

Aber diese ging in die Geschichte als "Heilige Lanze" ein.

Die Lanze galt zu Zeiten -

- Otto des Großen als ein Zeichen von Herrschaft.

Die besondere Stellung der "Heiligen Lanze" kommt daher, -

- dass man sie als Reliquie interpretierte.

Mit der ein Zeugnis der Passion Christi erhalten geblieben wäre.

Ein römischer Soldat soll mit dieser Lanze -

- dem gekreuzigten Jesus die Seite geöffnet haben.

So hielten Otto und seine Krieger sie für heilig.

Das gab ihr die Aura einer siegbringenden Waffe.

Sie würde in der Schlacht den Truppen Ottos beistehen.

Man konnte sich damit als unbesiegbar erachten.

(Fremde Sprache)

Otto hatte ein weites, freies Gelände gewählt.

Lasst sie kommen!

Seine Panzerreiter müssen lange Reihen bilden.

Sie sollen geschlossen bleiben.

Kommen lassen! Lasst sie kommen!

Habt Mut! Uns schützt Gott.

Die "Heilige Lanze" soll dem Kampf eine religiöse Weihe verleihen.

Die Ungarn sind Heiden für Ottos Krieger.

Ihre Bogenschützen sind gefürchtet.

Sie bringen den Tod aus der Entfernung.

Die Reiter meiden Nahkämpfe.

Sie schießen nicht gezielt.

Sondern mit verheerenden Streusalven.

Aber die Streitmacht Ottos ist diesmal besser gerüstet.

Viele Pfeile prallen ab an ihren Schilden.

Auch die Kettenhemden bieten Schutz.

Seine Reihen halten stand. Zur Überraschung der Ungarn.

Darauf hat Otto gesetzt.

Männer! Vorwärts!

Nun gehen die Reiter des Königs in die Offensive.

"Die Kühneren unter den Feinden leisteten erst noch Widerstand."

"Aber als sie sahen, wie ihre Gefährten flohen, -"

"- gerieten sie zwischen die unsrigen."

"Und sie wurden Mann für Mann niedergemacht."

So beschreibt der Chronist die Schlacht.

Die Ungarn sind für den Kampf Mann gegen Mann nicht gerüstet.

Sie haben nur leichte Waffen.

Den Lanzen und Langschwertern der Gegner -

- haben sie nichts entgegenzusetzen.

Der Sieg auf dem Lechfeld verschafft Otto die Geltung, die er wollte.

Er sieht sich als Streiter Gottes und glorreicher Monarch -

- zu höheren Würden berufen.

Er ist nicht gnädig.

Kein Ungar soll in seine Heimat zurückkehren.

Die Gefangenen werden geköpft.

Und nicht nur ihr Heerführer Horka Bulcsu aufgeknüpft.

Grausame Rache.

Aber die Schlacht auf dem Lechfeld ist der Wendepunkt.

Eine Niederlage Ottos des Großen hätte wohl dazu geführt, -

- dass das Reich tributabhängig von den Ungarn geworden wäre.

Otto wäre möglicherweise gefallen.

Das hätte dazu geführt, dass das Reich -

- in die Organisation der einzelnen Stämme zurückgefallen wäre.

Der Sieg auf dem Lechfeld bringt Otto eine unangefochtene Stellung.

Er ist in ganz Westeuropa anerkannt.

Das hat für eine Identitätsbildung im ostfränkischen Reich, -

- die zum Deutschen Reich führen wird, eine große Rolle gespielt.

König Otto erhält nun den Beinamen "der Große".

Und er wird "Verteidiger des Vaterlandes" genannt.

Der Sieg auf dem Lechfeld brachte die deutschen Stämme einander näher.

Das Reich nimmt jetzt Konturen an.

Es erstreckt sich von den Alpen bis an Nordsee und Ostsee.

Im Osten bis an Elbe und Saale.

Doch Otto denkt in anderen Dimensionen.

Er will anknüpfen an die Tradition der römischen Kaiser.

Wie Karl der Große.

Doch er muss auch nach Italien ziehen, um Kaiser zu werden.

Otto überquert im Jahr 961 die Alpen.

Mit einem Gefolge von mehr als 1.000 Kriegern.

Der Anlass ist ein Hilferuf des Papstes.

Johannes XII. wird von einem Fürsten bedrängt.

Er will dem Pontifex die Herrschaft über Rom streitig machen.

Otto siegt. Und er festigt seine Herrschaft in Italien.

Er zieht nach Rom.

Auf den Straßen der einstigen Cäsaren.

Otto der Große ist inzwischen 50 Jahre.

Damals ein hohes Alter. Er kommt als König.

Er will als Kaiser aus der Metropole des alten Römischen Reiches -

- in seine Heimat zurückkehren.

Die Römer sind davon nicht angetan.

Ein Spruch der Zeit lautet:

"Jetzt hat dich, ewiges Rom, -"

"- der sächsische König genommen."

Der Petersdom Michelangelos steht heute dort.

Der Papst hatte hier einst Karl den Großen -

- zum Kaiser des christlichen Abendlandes erhoben.

Es heißt: Der Sachse Otto wurde auf diesem Rundstein aus Porphyr -

- zum Kaiser gekrönt.

Zum Kaiser des Römischen Reiches.

Es wird "Das Heilige Römische Reich deutscher Nation" heißen.

Otto musste für die Kaiser-Krönung einen Schwur leisten.

Ein Chronist berichtet:

"Er gefiel den Römern nicht und nicht den Fürsten Italiens."

Im Namen Jesu Christi -

- gelobe ich, dass ich dieser heiligen römischen Kirche -

- und ihrer Besitzungen, Beschützer und Verteidiger sein werde.

Empfange das Zeichen der Herrlichkeit!

Es kommt so zum Bund zwischen deutschem König und römischem Papst.

Im Namen des Vaters, des Sohnes ...

Otto erreichte sein Ziel:

Die Nachfolge Karls des Großen in Europa anzutreten.

(Die Glocken läuten.) Signum gloriae.

Das Zeichen der Herrlichkeit.

Die Reichskrone ist die bedeutendste Insignie des Reiches.

Sie wird in der Wiener Hofburg aufbewahrt.

Es heißt: Otto der Große wurde mit ihr zum Kaiser gekrönt.

Diese Krone ist nun für Jahrhunderte Symbol des Kaisertums.

Symbol des Reiches.

Otto nimmt die Könige David und Salomon als Vorbild.

Und über allem steht im Namen Gottes:

"Per me reges regnant".

"Durch mich regieren die Könige".

Die Krone und die Kaiserwürde -

- verschafften den Herrschern einen Vorrang -

- vor allen anderen Königen in Europa.

Mehr Würde. Aber nicht mehr Macht.

Diese Krone trugen bis 1806 -

- alle Könige und Kaiser des Heiligen Römischen Reiches.

Kaisertum und Reich begleiten fortan die deutsche Geschichte.

Mal als einendes Band zwischen den deutschen Fürsten:

Sie wollen Eigenständigkeit.

Mal als Auslöser für Krieg und Spaltung.

Doch die Reichsidee verbindet die Deutschen -

- über Grenzen und Konfessionen hinweg.

Das Heilige Römische Reich deutscher Nation -

- endet Anfang des 19. Jahrhunderts.

Der Mythos vom Kaiserreich wird wiederbelebt -

- 1871 im "II. Reich", dem wilhelminischen.

Hitlers "III. Reich" will die Insignien für sich einnehmen.

Doch am Ende steht der Spott der Sieger.

Der aus sächsischem Adel stammende Herrscher ist nun:

König der Deutschen, König von Italien.

Und Kaiser des abendländischen Christentums.

Man nennt ihn: "Liebling der Welt und Haupt des ganzen Erdkreises".

Die Herausforderungen wachsen auch mit seinem Imperium.

Otto fühlt sich nach Italien hingezogen. Dem Sachsen und -

- seiner Kriegerschar gefällt der Süden.

Otto ist 10 lange Jahre in Italien gebunden.

Muss sich dort gegen mächtige Gegner behaupten.

Gegen italienische Fürsten, gegen Byzantiner und Araber.

Die lange Abwesenheit vom "Land seiner Geburt" gilt als:

"Sünde des Königs".

Es heißt: "Sein Königreich ist verwaist."

Das ist der Preis für sein europäisches Imperium.

Es wird auch vom byzantinischen Kaiserreich im Südosten angefochten.

Otto kann Byzanz nicht bezwingen. Er will darum Frieden schließen.

Durch einen Ehebund.

Sein Sohn soll eine byzantinische Prinzessin heiraten.

Doch es ist die falsche Braut!

Die Tochter des Kaisers wurde versprochen.

Sie wollen uns stattdessen eine ferne Verwandte unterschieben.

Sie ist nicht in Purpur geboren? Das ist Betrug!

Sagt sie dir zu?

Sie ist meiner nicht würdig!

Schick den Bastard zurück!

Der Kaiser sucht eine versöhnliche Lösung.

Entscheidet selbst für seinen Sohn.

Wie heißt du, mein Kind?

Theophanu.

"Theophanu".

Otto akzeptiert die Braut. - Theophanu.

Um des Friedens willen.

Eine der schönsten Heiratsurkunden des Mittelalters -

- besiegelt das Bündnis zweier Welten.

Die nun einander anerkennen.

Otto II. und Theophanu werden gemeinsam regieren.

Doch mit welchem Erbe?

Man sollte betonen, dass die Zeit Ottos des Großen -

- wirklich mehrere Meilensteine auf dem Weg in Richtung -

- auf eine deutsche Geschichte gesetzt hat.

Und diese Meilensteine sind:

Die Lechfeld-Schlacht, das Kaisertum.

Otto der Große tat damit genug für die deutsche Geschichte.

Otto sehnt sich wieder nach dem Land der Väter.

Nach den vielen Jahren in Italien.

Sein Chronist Widukind schreibt: "Er zog zurück nach Germanien."

"Mit großem Ruhm und siegreichen Truppen."

Theophanu! Was liest du so interessiert?

"Ihr Land hat Sümpfe und Wälder. Grauen erregend!"

"Ein Getränk aus Gerste und Weizen berauscht sie." So steht es hier.

Über wen steht das geschrieben?

Über eure Vorfahren: die Germanen.

Warum heißt ihr "Teutonen" bei den Römern?

Sie fürchten uns wie die Teutonen, die in Italien einfielen.

Und ein Sachse ist nun ihr Kaiser!

Aber sie nennen euch auch abfällig "Tedeschi", die Teutschen.

Diese hochnäsigen Römer!

Sie schätzen nur ihr Latein.

Und verachten die Sprachen der germanischen Völker.

Ist euer Durst nach Weizensaft so maßlos?

Ist es keine Schande, Tag und Nacht zu zechen?

Wir Sachsen tun das nicht.

Aber die Baiern machen das wohl!

(Er lacht laut.)

Sie sind als Sachsen, Schwaben, Franken und Baiern -

- mit Otto dem Großen nach Rom gezogen.

Sie kehren in ihre Heimat zurück:

Mit der Kaiserkrone und dem Namen, den die Italiener ihnen gaben.

Sie werden sich an den Namen gewöhnen.

Und sich schließlich auch selber so nennen: die Deutschen.

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