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Original subtitles

"Irgendwo auf der Welt

gibt's ein kleines bisschen Glück

und ich träum davon in jedem Augenblick.

Irgendwo auf der Welt gibt's ein bisschen Seligkeit

und ich träum davon schon lange, lange Zeit.

Wenn ich wüsst, wo das ist, ging ich in die Welt hinein,

denn ich möcht einmal recht so von Herzen glücklich sein.

Irgendwo auf der Welt ...

... fängt mein Weg zum Himmel an.

Irgendwo, irgendwie, irgendwann.

Irgendwo auf der Welt gibt's ein kleines bisschen Glück

und ich träum davon in jedem Augenblick."

Verreck! Du bist keine Träne wert.

Verreck! Es ist für alle das Beste!

Hilfe!

Ich ertrinke! Hilfe!

Dann schwimm! Ich kann nicht schwimmen.

Warum springst du ins Wasser? Ich ertrinke!

Schrei nicht so, muss ja nicht jeder hören.

Man sieht ja, dass du gleich ertrinkst. Komm her!

Wie weit herab kann man noch sinken?

Die Kriege machen das.

Wenn du erst in ihnen bist, sind sie bald auch in dir.

Wenn sie außen endlich erlöschen, brennen sie in dir weiter.

Und immer und überall gehörst du wie sie zur Hölle.

Meine Schuhe sind voller Wasser.

Darf ich sie ausziehen?

Aber erst lernst du schwimmen.

Die Sommerfrische kann man immer erst so richtig genießen,

wenn sie vorbei ist, was?

Wer Ferien braucht, hat keine verdient.

Roman.

Ich finde...Wir wollen ehrlich zueinander sein.

Also lass uns schweigen.

Auf und davon.

Der Weltmeister im Unsichtbarsein.

Auf und davon!

Magst nicht aussteigen, Bub?

Wo wohnen Sie eigentlich, Herr Dworak?

Brigittenau.

Gleich beim Rangierwerk vom Frachtenbahnhof.

Da muss es schön sein.

Ich bin und heiße Paul Silberstein.

Und dies ist eine Liste meiner Hauptängste:

Erstickungsangst.

Die Angst, dass meine Beine mich nicht mehr tragen.

Mein körperliches und geistiges Wachstum

hört unvermittelt auf

und alle Welt wird mich bis zum Ende meiner Tage

als Kind betrachten und behandeln.

Angst vorm Erfrieren.

Das Meiste in meiner Welt scheint aus Kälte gemacht.

Selbst im Sommer fröstelt mich immer. Habe den Plan,

mir von meinem Taschengeld eine Wärmflasche zu kaufen.

Erkenntnis:

Meine Wirklichkeit bedarf keiner eingebildeten Ängste,

um schrecklich genug zu sein.

Schließ bitte die Tür.

"Ich hab so Sehnsucht,

ich träum so oft.

Einst wird das Glück mir nah sein.

Ich hab so Sehnsucht.

Ich hab gehofft,

einst wird die Stunde da sein.

Tage und Nächte wart ich darauf."

"Ich geb die Hoffnung niemals auf.

Irgendwo auf der Welt...

"...gibt's ein kleines bisschen Glück,

und ich träum davon in jedem Augen..."

Haltet Abstand zu anderen und den eigenen Begierden

und gefährlichen Luftspiegelungen der Sentimentalitäten!

Haltet Abstand zu anderen und den eigenen Begierden

und gefährlichen Luftspiegelungen der Sentimentalitäten!

Maman?

Mutter?

Paul?

Paul.

Wach auf!

Was tust du hier?

Hm?

Ich will nicht mehr zurück.

Wohin? Ins Internat.

Bitte sprich mit Vater.

Jeder hat sein Internat.

Befrei mich.

Sagt der eine Gefangene zum anderen.

Du bist...

...ein merkwürdiges Kind.

Aber du... findest Worte. Im Gegensatz zu mir.

Lieber Vater.

Ich habe diese Sommerferien genützt,

um mir über meinen weiteren Lebensweg Gedanken zu machen.

Und ich bin zur festen Überzeugung gelangt,

dass bei einem Verbleib im Kollegium Attweg

meine Seele erheblich Schaden nehmen könnte.

Dort werden künftige Kirchenfürsten gezüchtet,

Minister der christlichen Volkspartei

und Generaldirektoren bürgerlicher Großbanken

und Universitätsprofessoren.

Ich aber habe anderes mit mir vor!

Ja.

Ich...

Ich habe anderes mit mir vor.

Knie nieder!

Im Angesicht Gottes

und als Sohn eines Großritters vom Heiligen Grab zu Jerusalem,

römischen Commendatores, Ritters der französischen Ehrenlegion,

wirst du hier und jetzt den feierlichen Eid ablegen,

fortan regelmäßig und schriftlich dokumentiert Buße dafür zu tun,

dass du gegen das vierte Gebot verstoßen hast.

"Du sollst Vater und Mutter ehren."

Wobei, Mutter... sei dahingestellt.

In dieses Buch wirst du all deine Vergehen eintragen

und mir auf Aufforderung vorlegen,

damit ich entscheiden kann, ob dir vergeben wird oder nicht.

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Amen.Na.

Du sollst...

dich selbst ehren.

Guten Tag. Sie sprechen mit Paul Silberstein.

Bonjour, Büro du Général Charles de Gaulle,

Président de la Republique Francaise.

Der Präsident würde gerne mit Monsieur Silberstein sprechen,

Colonel Roman Silberstein. Das ist mein Vater.

Ich hole ihn, bitte warten Sie.

Pardon?

Patience.

Hallo? Hallo!

Vater?

Exzellenz...

Die Hummeln fliegen in meinem Kopf auf unschöne Weise.

Telefon für dich.

Rüttle nicht am Watschenbaum!

Es ist Frankreich, Vater.

Der... der Präsident. Sein Büro.

Das Büro von Präsident Général Charles de Gaulle.

Er möchte dich sprechen.

Dans dix minutes, Bub!

Dans dix minutes!

Allez, allez!

S'il vous plaît.

dans dix minutes!

Allez, allez!

Mon Général, Colonel Silberstein à l'appareil!

Mon Général?

Da ist niemand dran.

Es war eine Dame aus seinem Büro.

Sie rufen bestimmt noch einmal an.

Du kannst gehen.

Diese Schirmmütze

betont auf abstoßende Weise seine Ohren.

Ich habe Vater noch nie so gesehen.

Und in derartiger Adjustierung.

Hoffentlich hat er nicht am Tag meiner Zeugung

diese Schirmmütze getragen.

Ich fürchte, ... dass dies imstande wäre,

ein Verhängnis über mich zu bringen.

Eintrag in die Liste meiner Hauptängste? - Abgelehnt!

Schirmmützen sind zwar vererbbar,

müssen aber nicht aufgesetzt werden. Allez, allez!

Du sollst dich selbst ehren.

Wir fangen an.

Bist du sicher?

Teilen Sie bitte aus, Erna.

Gnädige Frau. Die Suppe.

Lieber heiliger Doktor Dolittle, lieber heiliger Franz Schubert.

Die Möglichkeiten meiner Zukunft sind so zahlreich wie nebulös.

Zweiteres gibt zwar Anlass zur Sorge,

dennoch bin ich voller Zuversicht,

dass die Nebel sich lichten werden.

Sie fahren sofort ins Landhaus nach Windischgarsten, Dworak.

Am Dachboden befindet sich eine Truhe, in der Nüsse lagern.

Sie nehmen die Nüsse heraus, legen die Uniform hinein

und räumen dann die Nüsse in die Truhe zurück.

Haben Sie verstanden? Ja, Herr Kommerzialrat.

Uniform unter die Nüsse in die Truhe.

Was ist hier los?

Vielleicht... wurde die Schule ja geschlossen.

Mit Bekundungen deines Wunschdenkens

könntest du im Casino reüssieren, mir erspar das.Vielleicht...

Still!

Was ist geschehen?

Seine Heiligkeit...

der Heilige Vater, er ist tot.

Jetzt sind wir alle Waisen.

Waisen.

Ich weiß, was du denkst.

Wunschdenken.

Lasst uns für seine Seele beten.

Und dafür, dass uns die Dreifaltigkeit Trost gewähre.

Ich habe eine Frage, Pater.

Wieso können Felsen sterben?

Ich verstehe nicht. Na,

die Nachfolger Petri auf dem Heiligen Stuhl

bestehen, wie ich annehme, nicht aus Fleisch,

Knochen und Blut, sondern aus Stein.

Immerhin hat Jesus seinen Stellvertreter Petrus

"Du bist Petrus

und auf diesem Felsen will ich meine Kirche bauen."

Und der Papst war der Nachfolger Petri.

Was mich zu der Frage bringt, wieso Felsen sterben können.

Wenn Sie uns einen Moment entschuldigen.

Ich weiß, was du vorhast.

Aber mit solchen Eskapaden und durchschaubaren Provokationen

kannst du dich nicht selbst aus dem Kollegium entfernen.

Ich erwarte, dass du den von mir vorgegebenen Weg

mit Disziplin, Unerbittlichkeit und - wenn nötig - Hochmut gehst.

Ich erwarte, dass du unter keinen Umständen scheiterst

und die eben entstandene Lücke mit Würde ausfüllst!

Ich soll Papst werden?

Mindestens Kardinal. Alles andere wäre unverzeihlich.

Ich habe anderes mit mir vor, Vater.

In einem Asbest-Anzug ins Innere des Vesuvs hinabzusteigen,

um in der glühenden Lava nach Feuerfischen zu suchen.

Das ist einer meiner Pläne.

Inhaber des Eichkatzl- Fütterungsmonopols

im Park von Schönbrunn ein anderer.

Oder Weltmeister im Unsichtbarsein.Was ist?

Warum antwortest du nicht?

Das habe ich doch gerade. Stimmt.

Keine Antwort ist auch ein Antwort.

Ich werte das als "Jawohl, Vater".

Ein Gedanke noch, Vater. Was?

Sollte ich wirklich Papst oder mindestens Kardinal werden,

bedeutet dies, dass du dein Knie vor mir beugen müsstest.

Selbst als Großritter vom Heiligen Grab zu Jerusalem,

römischer Commendatore und Ritter der Ehrenlegion.

Dann bin ich dein Heiliger Vater.

Général Charles de Gaulle der Erste.

Herr Kommerzialrat?

Herr Kommerzialrat, bitte! Was?

Pius XII. ist von uns gegangen.

Beileid.

Frommer Büßer

plus zukünftiger Papst oder Kardinal,

multipliziert mit den Faktoren

Rückruf von Général Charles de Gaulle und Kollegium Attweg

ergibt... Lückenbüßer.

Ich habe anderes mit mir vor.

Was tust du hier?

Alleine?

Ich... ich komme zur Besinnung.

Geh zu den andern.

Wenn wir am heutigen Trauerfasttag den Regen sehen,

der seit dem Dahinscheiden des unfehlbaren und gütigen

und von allen geliebten Heiligen Vaters Pontifex Pius

fortwährend zur Erde fällt,

so denken wir in unserem untröstlichen Schmerz:

Ja,... selbst der Himmel weint.

Und wir verharren einen Augenblick in stiller Trauer.

Das ist unlogisch.

Pst!

Wieso sollte der Himmel weinen?

Schließlich ist doch der große gütige Heilige Vater

in den Himmel übersiedelt.

Da müsste sich der doch darüber freuen, oder?Wer? Der Himmel?

Ja. Was schließen wir daraus?

Keine Ahnung.

Das Unlogische ist eine Grundlage des Römisch-Katholischen.

Doch auch wenn unsere Herzen voll von Trauer sind,

wollen wir diese doch nicht zur Schau tragen.

Denn wer sich bewähren und behaupten will,

muss undurchschaubar sein.

In der Distanz zum Nächsten liegt die respekteinflößende Würde.

Die menschliche Nähe gehört allzu rasch den Versuchungen...

und dem Verworfensein.

Haltet Abstand zu anderen und zu euren eigenen Begierden

und den gefährlichen Luftspiegelungen

der Sentimentalitäten!

Haltet Abstand!

Dann gibt es kein Heimweh,

keinen Herzenskummer,

keine Enttäuschungen in Freundschaften

und nichts stellt sich zwischen euch

und die einzige Nähe, die lohnt:

jene zu Christus und der Gemeinschaft der Heiligen.

Jeder hat sein Internat.

Befrei mich, sagt der eine Gefangene zum anderen.

Ich habe anderes mit mir vor, Vater.

Was gibt's denn da draußen? Nichts, gar nichts.

Aha.

Ich seh da menschliche Nähe.

Versuchung.

Falsche Hoffnungen. Wollust und Begierde.

Alles, was dem Generalpräfekten gefällt.

Brauchst keine Angst haben, ich verrat dich nicht.

Eifersüchtig brauchst auch nicht sein, ich bin schon vergeben.

Wer ist das?

Die Mutter vom Zeidler.

Sie ist wunderschön, oder?

Als sie bei unserer Firmung im Kollegium war,

hat sie mir ein halbes Kilo Kirschen geschenkt, einfach so.

Die Kerne...

hab ich in meinem Polster versteckt.

Da schlaf ich seither drauf.

Verstehe.

Du verrätst mich auch nicht, oder? Nein.

Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit.

Es lebe die menschliche Nähe!

Ich möchte dich nicht stören beim Verworfensein,

aber wir müssen zur Lateinlektion. Non iam, amicus.

Hä? Gleich, mein Freund.

Es lebe die menschliche Nähe.

Verehrtes Fräulein!

Sie kennen mich nicht, aber ich kenne Sie.

Sie? Du?

Du kennst mich nicht.

Sie kennen mich nicht.

Verehrtes Fräulein.

Ich kenne Sie, jedenfalls vom Sehen.

Ich frage mich, ob Sie wohl ein Wesen aus Fleisch und Blut sind

oder ob Sie nur in meiner Einbildung

durch meine innigsten Wünsche schweben.

Ich denke, dass man ab und zu

seine Träume in der Wirklichkeit überprüfen muss.

Sonst fangen sie eines Tages zu faulen an

und man stirbt an einer Innenvergiftung

von Mutlosigkeit und trostlosem Sichfügen.

Die Träume in der Wirklichkeit überprüfen,

verehrtestes aller Fräuleins,

dies und noch viel mehr will ich mit Ihnen tun.

So errichte ich an jedem Abend, wenn die Lichter verlöschen,

eine Kuppel von Seufzern über meinem Kopf,

bis ich Antwort von Ihnen habe.

Tue Buße, spricht der Herr.

Sonst komme ich über dich

und werde Krieg führen mit dem Schwert meines Mundes.

Wer seine Sünden nicht bereut

und wer seine Mitschüler bestiehlt,

ist nichts anderes... als ein Kameradschaftsschwein!

So führt uns Luzifer in Versuchung.

Unreine Gedanken,... verderbte Taten.

Wer sich dem hingibt, der wird straucheln.

Wer abweicht vom rechten Pfad der Tugend, der wird straucheln!

Wer seine Sünden nicht bereut,

der wird ausgeschlossen von der Gnade Gottes!

Du bist keiner mehr von uns. Du bist kein Zögling mehr.

Der Allmächtige möge sich deiner erbarmen, Gabor Benedek.

Hände auf den Rücken.

Bruder.

Genug!

Geliebtes, fernes Wesen, mein bewundertes Fräulein!

Manchmal kann einem das allergrößte Unglück eines anderen

wie das allergrößte Glück erscheinen.

Vielleicht gibt es ja nichts Größeres,

als um der Liebe willen gefoltert und verstoßen zu werden.

Mein tapferer Freund Gabor Benedek

hat auf diese Weise die Freiheit erlangt.

Freiheit, mein Fräulein, nur sie führt zum Glück.

Und ihr Geheimnis, das lehrt uns der kluge Athener Perikles,

das Geheimnis der Freiheit ist der Mut!

Er sagt sinngemäß auch:

Wer seinen Ideen und Worten nicht Taten folgen lässt,

ist nicht besser dran als jener, der keine Ideen hat.

Ich bin zwar, ich gebe es zu, in Wahrheit ein Feigling

und fürchte mich im Grunde immer.

Aber ich locke mich regelmäßig in Schwierigkeiten,

in denen ich dann mit mir selbst bekannt werde.

Was haben Sie auf dem Herzen? - Nun, Pater,...

manchmal, da...

frage auch ich mich,

ob wir nicht alle... unsere Träume beizeiten...

beizeiten...

in der Wirklichkeit überprüfen müssen.

Unsere innigsten Träume.

Ah!

Silberstein!

Was... um Himmels willen soll das?

Preiset den Herrn!

Ich bin vom Dach gestürzt,

aber Gott in seiner unendlichen Güte hat mich errettet!

Wenn Sie jetzt die Güte hätten, mich aus dem Wasser zu ziehen?

Ich kann nämlich nur unzureichend schwimmen.

Gepriesen sei der Herr!

Gott mag dich errettet haben, Zögling Silberstein,

aber uns wirst du erklären müssen, was du auf dem Dach getan hast.

Ich...

ich wollte zur Besinnung kommen.

Wir alle müssen das.

Beantworte die Frage, Zögling.

Ich habe den höchsten Punkt des Kollegiums erklommen,

um Gott näher zu sein, Herr Generalpräfekt.

Ich bin nicht sicher, ob ich dich belohnen oder bestrafen soll.

Du bist ein seltsames Kind.

Das sagt meine Mutter auch.

Du weißt doch,

wo wir Christenmenschen allein Besinnung finden, nicht?

In der Stille des Gebets.

Am rechten Ort.

Worauf warten Sie, Wanschura?

Stellen Sie sicher, dass wir nicht gestört werden.

Also, sprecht euren Text.

Herr Kommerzialrat, ich bin nicht würdig,

dass Ihr eingeht unter mein Dach,

aber sprecht nur ein Wort, so wird meine Seele gesund.

Bekennt Eure Sünden.

Ich bekenne, Herr Kommerzialrat,

dass ich Gutes unterlassen und Böses getan habe.

Ich brachte nach dem Anschluss durch Denunziationen

großes und größtes Unglück über Dutzende Menschen.

Ich und mein sündiger Gemahl haben unter anderem die junge Gattin

des Heimwehrführers und Südfrucht- importeurs Blaschek bezichtigt,

öffentlich abfällige Bemerkungen über die Nazis im Allgemeinen

und Adolf Hitler im Besonderen gemacht zu haben.

Die Dame geriet in monatelange Gestapohaft,

die ihr Nervenkostüm zerrüttete, dass sie den Verstand verlor

und so dem Herrn Kommerzialrat als außereheliche Abenteuergespielin

nicht mehr zur Verfügung stehen konnte.

Der Herr Kommerzialrat erbarme sich unser.

Er lasse uns die Sünden nach

und führe uns zur ewigen Entnazifizierung.

Wunschdenken.

Ihr wisst, was ihr zu tun habt.

Tu weiter!

Hundsgfrast!

Dreckshur!

- Nazi-G'spiebenes! - Hämorrhoidenfresser!

Brunsfetzen! - Ah!

Arthur, hab ich dir wehgetan?

Ja, weiter. Weiter!

Ich spüre noch keine echte Reue.

Ihr sollt weitermachen, Denunziantenkreaturen! Weiter!

Was geschieht jetzt?

Ich...

mag dich nicht, Silberstein.

Gott soll mir vergeben,

aber ich kann dich einfach nicht leiden.

Und warum?

Ich hab nicht die leiseste Ahnung.

Vielleicht...

Was?

Vielleicht weil aus Ihnen einer hätte werden können

wie der Jongleur Rastelli,

der scheinbar die Schwerkraft überwinden kann.

Vielleicht ...

Herr Vizepräfekt ...

sehen Sie mich an...

und wollen einfach nicht daran erinnert werden.

Ich hab Onkel Theodor geschrieben.

Anfang des Monats fahre ich wieder nach Kopenhagen,

um mein Volontariat in seiner Bank fortzusetzen.

Aber Vater, ich hab gedacht, das wolltest du.

Ruf den Arzt.

Geh...

weg!Ich will dir doch nur den Hemdkragen öffnen,

damit du besser atmen kannst!

Nicht...

du!

Stirb!

Wunschdenken!

Verehrtestes aller Fräuleins!

Mein dringlichster Wunsch lautete immer: auf und davon!

Die Angst, am falschen Ort bei den falschen Leuten zu verharren,

steht auf der Liste meiner Ängste konkurrenzlos auf Platz eins.

Aber ich habe nicht vor, mich ihr zu beugen.

Verehrtestes aller Fräuleins... Ah!

Silberstein?

Silberstein!

Du fällst in letzter Zeit einigermaßen oft vom Himmel.

Gott mag wissen warum.

Aber mir wirst du nun ohne weitere Ausflüchte erklären müssen,

was du auf der Mauer gemacht hast.

Und sag mir nicht,

dass du dort oben zur Besinnung kommen wolltest.

Also?

Ich kann es Ihnen nicht sagen,... Pater.

Warum nicht?

Sie würden es nicht verstehen.

Schon.

Der Stolz...

geht vor dem Verderben her.

Hochmut kommt vor dem Fall. Herr Präfekt, es tut mir...

Ein stolzes Herz ist dem Herrn ein Gräuel

und wird gewiss nicht ungestraft bleiben.Ich hab gemeint...

Wer meint, er stehe, mag zusehen, dass er nicht falle -

Erster Brief an die Korinther, Kapitel 10, Vers 12.

Gott widersteht den Hochmütigen -

Kapitel fünf, Vers fünf.

Wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt werden -

Evangelium nach Lukas, Kapitel 14, Vers 11

oder Kapitel 18, Vers 9

oder Matthäus, Kapitel 23, Vers 12!

Verschwind!

Setzen.

Hefte, Diktat.

Referat...

über die Darstellung der Trinität

in Masaccios Fresko der Dreifaltigkeit...

in der Kirche Santa Maria Novella in Florenz.

Valsassina!

Ein Meisterwerk.

Bahnbrechend unter anderem...

durch die erstmalig korrekte Anwendung...

der perspektivischen Gesetze.

In der rechten Bildhälfte dargestellt,

der Evangelist Johannes,

dessen Wort über die Liebe Gottes...

schönste Entsprechung in diesem Meisterwerk findet:

"Und wir haben...

erkannt und geglaubt, die Liebe, die Gott zu uns hat.

Gott... ist die Liebe.

Und wer in der Liebe bleibt,

der ist in Gott...

und Gott ist in ihm."

Es... Es tut mir leid.

Es tut mir leid, Herr Vizepräfekt!

Ich lauf gleich hinunter zum Pedell.

Oder ich hole ein Tuch und wisch das gleich selber auf.

Valsassina? Lass gut sein.

Das macht der Zögling Nummer 42.

Was tust du da?

Was fällt dir ein, Silberstein?

Werde nicht wie alle, die du nicht sein willst.

Füg dich nicht, wenn du dir lieb bist.

Hm, Silberstein? Willst wieder mal getunkt werden?

Brauchst nur sagen.

"Ich hab so Sehnsucht, ich träum so oft.

Einst wird das Glück mir nah sein.

Ich hab so Sehnsucht,

ich hab gehofft,

einst wird die Stunde da sein.

Tage und Nächte wart ich darauf.

Ich geb die Hoffnung niemals auf.

Irgendwo auf der Welt gibt's ein kleines bisschen Glück,

und ich träum davon in jedem Augenblick.

Irgendwo auf der Welt gibt's ein bisschen Seligkeit,

und ich träum davon schon lange, lange Zeit.

Wenn ich wüsst, wo das ist, ging ich in die Welt hinein.

Denn ich möcht einmal recht

so von Herzen glücklich sein.

Irgendwo auf der Welt

fängt mein Weg zum Himmel an.

Irgendwo, irgendwie,...

irgendwann."

Verreck! Du bist keine Träne wert!

Melissengeistabreibungen, stundenlanges gutes Zureden,

Grießkoch mit viel darüber gestreutem Kakao, Birnenkompott,

sogar Stollwerck-Bonbons.

Und? - Nichts. Sein Zustand ist unverändert,

trotz aller Bemühungen.

Er isst nicht, rührt sich nicht, spricht kein Wort. Kein einziges.

Warum lächelt er?

Das weiß Gott allein, Herr Generalpräfekt.

Ich kann nicht sagen, dass mir dieses Lächeln gefällt.

Was hat es damit auf sich? Antworte mir!

Was ist das für ein Buch, wenn ich fragen darf?

Ich weiß es nicht.

Steht nichts drin, bis auf das vierte Gebot.

Geben Sie mir Bescheid, wenn sich sein Zustand verändert.

Meinen Zopf hat noch kein Mann gesehen.

Wenn du mit mir sprichst,

nehme ich die Schwanenhaube ab, darfst ihn berühren.

Jetzt musst du mit mir reden.

Wunschdenken. Ich will, dass du mit mir redest.

Äh... Tut mir leid.

Entschuldigung. Tut mir leid.

Was ist mit dir, Bub?

Sie sagen, du benimmst dich wie ein Verrückter.

In welchem Theaterstück spielst du?

Wir fahren nach Hause, oder? Ja.

Wir fahren nach Haus.

Dein Vater ist heute Nacht zu Tode gekommen.

Mir geht kein Riss durchs Herz.

Mir geht kein Riss durchs Herz.

Pack deine Sachen.

Ich will von hier nichts mitnehmen.

Außer eins.

Silberstein!

Silberstein!

Wer meint er stehe, mag zusehen, dass er nicht falle!

Zögling Nummer 42! Du wirst unv...

Was ist das?

Mein Merk- und Ideenbuch.

Gnädige Frau. Ich darf Sie um ein Wort ersuchen.

Du bist jetzt ganz dicht neben mir, Mutter.

Du bist...

ein merkwürdiges Kind.

Fahren Sie, Herr Dworak! Fahren Sie geschwind von da weg!

Und drehen S' das Radio ruhig ein bissel lauter!

Ich bin und heiße Paul Silberstein.

Und dies ist eine Liste meiner Hauptfreuden:

Größer werden.

sich auf und davon machen.

jeden Tag Vanillekipferln.

einfach aus dem Fenster schauen.

sich eine Windfrisur zulegen!

Na, Bub? Wie geht's uns jetzt?

Ich danke Ihnen für den Plural.

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht,

ich habe das Gefühl, Tänzer geworden zu sein.

Feuer!

Liste meiner Hauptregeln:

Bekenne dich zu deiner Merkwürdigkeit!

...Achtung!

... Überlasse die wesentlichen dich betreffenden Entscheidungen

niemals anderen!

Eine Frechheit!

Weder Vater und Mutter,

noch Heiligen Vätern und Gottesmüttern.

Tu, was dir in den Sinn kommt.

Was haben wir denn da?

Was tust du da?

Was mir in den Sinn kommt.

Das käme mir nie in den Sinn.

Mein Beileid.

Rechts um!

Marsch!

Links, zwo, drei, vier, links, zwo, drei, vier!

Am Tage nachdem sein Vater zu Tode gekommen war,

nahm er dessen Düfte und sagte sich los,

öffnete die Fläschchen,

entleerte sie über Hunden und sprach:

Nehmet und duftet woanders danach!

Das ist sein Duft, den ich nie wieder riechen will!

Ebenso nahm er seines Vaters Gifte, sagte sich auch los,

verspritzte sie in alle Winde und sprach:

Nehmet und traget die Tropfen davon!

Das ist der Kelch, der an mir vorübergehen soll!

Sein Gift und sein Duft,

der vergossen wird zur Vergebung der Sünden!

Tut dies zu seinem Vergessen!

Bah! Was ist das?

Die stinken!

Was machst denn, Trottel?

Was machst du denn? Ein Trottel macht Trottelhaftes.

Die Hunde stinken wie Badhuren. - Herr Inspektor, Herr Inspektor!

Die armen Viecher! - Herr Inspektor!

Wer tut denn sowas Vertrotteltes?

Selig sind die Vertrottelten, denn ihrer ist die Freiheit.

Was sagt er? - Was weiß ich!

Er kann's gleich dem Inspektor erzählen.

So, Herr Inspektor, bitte, da.

Da haben wir den Pallawatsch, in einem öffentlichen Park!

Was stinkt denn da so?

Wir sind's nicht, schauen Sie nicht so!

Ich hab nicht geschaut. - Und wie!

Aber das sind die Hunde. Die Hunde sind das.

Der spinnerte Trottelbub hat sie parfümiert! - Mich?

Die Hunde! - Dem fehlt's ja, dem fehlt's komplett!

So. Was hat's leicht? Was fehlt dir, Bub?

Das Fräulein, das ich liebe, fehlt mir.

Was sagt er?

Ein Fräulein fehlt ihm.

- Mir fehlt die Liebe. - Und?

Glaubst, damit bist allein? Sie meinen,

es liebt sie noch ein anderer? Was?

Der spinnt.

Unsere Red'. - Das haben wir gleich.

Wo wohnen wir denn? Also du.

Wo wohnst du?

Ah, Erna? Ist meine Mutter da?

Ja, die gnädige Frau ist oben im Salon, junger Herr.Danke.

Junger Herr?

Bist du... Bist du einer von den Silbersteins?Ja.

Verstehe.

Gut, dann... Passt.

Ja.

Herr Inspektor? Ja.

Mein Vater ist tot.

Sie müssen sich nicht mehr vor ihm fürchten.

Aha!

Das freut mich.

Also es... das tut mir leid. Mein tief empfundenes...

So, gut, dann...

Wollen wir?

Herr Inspektor? Könnten Sie kurz für Aufmerksamkeit sorgen?

So!

Guten Abend, Herr Inspektor.

Vielleicht ein Gläschen Eierlikör?

Möchtest du nicht wissen, was ich verbrochen habe?

Es gibt auch noch Schaumrollen. Da sag ich nicht nein.

Du bist eine merkwürdige Witwe.

Wejanuchu beSchalom alMischkewotejhem.

Verblieben am Himmel über Auschwitz.

Grüß dich, Paul.Tante Tuva.

Komm her, Bub! Lass dich anschauen.

Schmal bist im Gesicht.

Was machst du da? Ich schau mir alte Bilder an.

Von einer Zeit, die gar nicht mehr wahr ist.

Schaut er nicht aus

wie ein gesunder, lachender jüdischer Apfel?

Wer ist das?

Dein Vater, Bub.

Da war er noch wurmfrei, ganz und gar.

Ich hab ihn so nicht gekannt.

Ja, ich weiß, Bub, ich weiß.

Das war vor dem Meteoriteneinschlag,

der seinen Frieden vertrieben hat. Was für ein Meteoriteneinschlag?

Da müssen wir noch weiter zurückschauen. Schau.

Von einem galizischen Städtchen...

mit ungepflasterten Straßen...

in die vermeintliche Glücksluft...

von Wien.

Schau ihre Gesichter an.

Der Reichtum kam früher als die Fähigkeit, sich drüber zu freuen.

Schlafwandlerisch tüchtige Leute.

Aber Wien ist nicht Drohobycz oder Przeworsk.

Da weißt du nie, wo oben ist und wo unten.

Du hast... Fabriken und Häuser

und eine Sommervilla am Traunsee.

Aber Frieden findest du keinen mehr

Du hast alles preisgegeben, was dir früher Frieden verschafft hat.

Deine Leibspeisen, deine Lieder, deine Tänze, deine... Trachten.

Dich selber.

Na, und was kommt heraus?

Ein läppischer Großritter von irgendwas,

der ein Gesicht macht, als wär er wurmstichig.

Dein Vater war nicht mit sich selbst befreundet.

Sind das Vaters Brüder? Ja, du kennst sie doch.

Als ich sie zum letzten Mal sah, war ich ein Säugling.

Meine Erinnerungen sind etwas vage.

Mit ihren Spitznamen gemäß ihrer Wohnorte:

Onkel Bel aus Belfast, Onkel Monte aus Montevideo

und Onkel Louis aus Louisiana,

dem Land der Hurrikane und Alligatoren.

Am Mississippi River. Korrekt.

Glaubst du, sie konnten dem Sonderangebot

eines Schneiders nicht widerstehen?

Was soll diese Frage?

Na ja, sie tragen alle drei ähnliche Anzüge.

Vielleicht haben sie drei Stück zum Preis von zweien bekommen.

Hör auf, so zu tun, als hättest du plötzlich jüdischen Geschäftssinn.

Das ist erstens ein antisemitisches Klischee

und zweitens blanker Unsinn.

Es gibt keine genetisch bedingte Eignung zum Geldverdienen.

Ich wollte nur Konversation machen.

Auf dem Begräbnis unseres Vaters. Wie passend.

Oh Gott, oh Gott!

- Monte! - Einen Sessel!

Einen Sessel! Ein Königreich für einen Sessel!

Das hat er wirklich gesagt?

Was ist los, Bel?

Jetzt bin ich dran!

Einen Arzt! Ist ein Arzt anwesend?

Allez! Du hast doch nur Blähungen.

Was geschieht? - Da stirbt der Nächste.

Obacht auf den Sarg! - Er muss an die frische Luft!

Tragt den Kranken raus! - Le malade imaginaire!

Er ist ein eingebildeter Kranker. Sei nicht so gefühllos, Louis!

Ich bin nicht gefühllos. Ich bin ehrlich.

Gerade davon sprech ich.

Kann nicht die Erde sich auftun

und uns alle verschlingen - schon aus Prinzip?

"Am Brunnen vor dem Tore,

da steht ein Lindenbaum.

Ich träumt in seinem Schatten,

so manchen süßen Traum.

Ich schnitt in seine Rinde

so manches liebe Wort.

Es zog in Freud und Leide

zu ihm mich immer fort,

zu ihm mich immer fort."

Ich höre alles und sehe alles.

Wenn's drauf ankommt, sind die Alten immer noch die Jüngsten.

Du bist Paul, nicht wahr?

Ich bin dein Onkel Monte. Ich weiß. Aus Montevideo.

Wie schauen wir aus?

Jetzt beten sie.

Für Vaters Seelenheil.

Das kann dauern.

Also, mein lieber Paul,

wenn du schon hier so herumstehst wie bestellt und nicht abgeholt,

sag mir wenigstens, wo der Leichenschmaus stattfindet.

Ich weiß es nicht. Ich hab Hunger.

Ich möchte gerne etwas essen, was es nur in Österreich gibt,

einen Tafelspitz.

Mit äh... Apfelkren.

Apfelkren, gerösteten Erdäpfeln...

Erdäpfeln. Sag ich doch.

Oder...

von mir aus... Kuttelfleck.

Kuttelfleck? Ja! Kuttelfleck!

Wir essen gemeinsam Kuttelfleck zu Ehren deines Vaters,

der wahrscheinlich im Fegefeuer rund um die Uhr

verstorbene Nazis in den Hintern tritt, hm?

Erst riechen.

Immer erst riechen.

Nichts wird so unterschätzt wie der Geruch.

Mhm!

Beispielsweise eine Uruguayerin von Welt

würde sich niemals, wie es jetzt hier die Mode ist,

die Achselhaare rasieren.

Warum nicht?

Weil im weiblichen Achselhaar jene Gerüche beheimatet sind,

die am wirksamsten die Wollust befeuern.

Wenn du es bald einmal mit Frauen Granada spielen lässt,

musst du lernen, nicht zu ejakulieren.

Bei jeder einzelnen Samenschleuderei

verliert der Mann nämlich

mindestens 300 Millionen lebender Zellen.

Diese Energieverluste lassen ihn früh vergreisen und verblöden

und rauben ihm jeglichen Charme.

An deinem 16. Geburtstag werde ich, großzügig wie ich bin,

erneut über den Atlantik nach Wien geflogen kommen

und dich in die Kunst einweihen,

wie man rauschhafte Orgasmen haben kann, ohne zu ejakulieren.

Das ist ausgesprochen nett von dir, Onkel Monte.

Die Geheimnisse, die ich dir anvertrauen werde,

machen dich beizeiten und bei richtiger Anwendung

zu einem bedeutsamen... Liebhaber.

Kellner? Zwei doppelte Enzian!

Ich muss zu Hause anrufen. Sie werden mich vermissen.

Es ist ein Glück, wenn einen jemand vermisst.

Manche verschwinden für immer ...

und es fällt absolut niemandem auf.

Auf mein Wohl!

Auf dein Wohl!

Verehrtestes Fräulein!

Mein Onkel Monte,

ein anerkannter Fachmann in Liebesangelegenheiten,

vertritt die Ansicht, dass es ein Glück ist,

wenn einen jemand vermisst.

Ich stimme dem grundsätzlich zu,

weiß jedoch aus eigener Erfahrung zu berichten,

dass die Person, welche sich nach einer anderen sehnt,

indessen weit weniger glücklich ist.

Linderung verspricht in solchen Fällen nur eines.

Nämlich alle Scheu zu überwinden

und dem geliebten Wesen gegenüberzutreten.

Oder ihm wenigstens

ein Lebenszeichen zukommen zu lassen.

Was ich, geliebtes Wesen,

mit heutigem Datum in die Tat umzusetzen gedenke.

Doch der Geist ist willig - und der Geist ist schwach.

Vielleicht, mein nahes und doch so fernes Fräulein,

ist unter den Geheimnissen,

die mir Onkel Monte beizeiten anvertrauen will, auch jenes,

wie man sich auf dem Wege zum bedeutenden Liebhaber

probat ein Herz fassen kann,

wenn einem das eigene in die Hose gerutscht ist.

Du wirst dich mit dieser etwas überraschenden Unannehmlichkeit

schlicht abfinden müssen. Abfinden...

Zu meinem Missvergnügen entdecke ich gerade

völlig neue Bedeutungen des Wortes "Abfindung".

Ich soll mich also damit abfinden,

dass dein Vater uns nichts als Schulden hinterlassen hat,

dass fast das gesamte Vermögen verprasst ist?

Wenn wir das Testament anfechten,

bleibt die Tatsache, dass wir kein Geld haben.

Ich möchte einen weiteren Punkt ansprechen.

Seit wann kommt nach der Apokalypse noch etwas?

Wie aufs Stichwort.

Paul?

Guten Abend, Maman.

Wo warst du?

Ich bitte um Aufklärung, Bub!

Warum muss ich mich ständig fragen,

wo du bist oder was in dir vorgeht?Apropos. Setz dich!

Es geht um dich und deine Zukunft.

Laut einem kürzlich eingefügten Passus in Vaters letztem Willen

sollst du die Schulzeit im Internat auf alle Fälle fortsetzen

und außerdem Tibor Silberstein zum Vormund erhalten, da -

ich zitiere wörtlich

"Emma Silberstein nicht zuzutrauen ist,

diese Tätigkeit mit der Strenge durchzuführen,

die dem Wohle des Kindes dient."

Sag etwas! Tu was!

Was soll ich tun? Gar nichts.

Du findest dich damit ab, schon aus Respekt gegenüber Vater.

Ich habe ihm gegenüber keinen Respekt!

Setz dich hin und hör auf herumzubrüllen!

Ich dachte immer, Vater ist unsportlich.

Und jetzt macht er einen Salto ins Diesseits!

Du wirst dich fügen! Punkt! Schon aus Prinzip nicht!

Aus Prinzip nicht! Hört... auf... zu streiten.

Ich will...

Du richtest uns noch alle zugrunde.

Mutter?

Hilfe!

Soll ich nicht doch den Arzt holen?

Den Knottek? Das sind die Wechseljahre.

Da prackt's einen aus dem Stand auf die Erd.

Bums! Einfach so. Geh, hol mir ein Glas Wasser.

Den Zustand, den kenne ich. Wachen Sie auf, gnädige Frau.

"Simsalabim!

Simsalabim! Na bitte, was sag ich denn?

Da blinzelt sie schon wieder mit den Augen! Danke schön.

Hm?

Danke schön. Keine Ursache.

Unsereiner muss sich ja solidarisieren. Uah!

Ich hab ja den Wechsel hinter mir. Ein Traum, sag ich Ihnen!

Wir müssen reden.

Wir wollen zueinander ehrlich sein. Lasst uns also schweigen.

Willst du an Vaters Stelle treten,

weil du selber niemand bist?

Aufhören. Aufhören.

Hör auf! Hört auf!

Also gut!

Ich unterstütze dich.

Du rettest mich vorm Internat

und der Herrschaft durch Onkel Bel?Ja!

Warum auf einmal?

Ja, was weiß ich?

Jeder braucht einen Sobieski.

Einen was?Johann der Dritte? König von Polen,

Großfürst von Litauen,

vom Geschlecht der Sobieskis! Rettete Wien 1683 vor den Osmanen!

Würdest du weiter die Schule besuchen...

Wie dem auch sei.

Vivat Sobieski!

Vivat!

Du bist ein seltsamer Bruder. Vivat!Schon gut.Danke, Bruder!

Danke, Maman!

Ich hab nicht zugestimmt. Es ist beschlossen.

Was ist mit Attweg? Du kannst nicht mitten im Schuljahr...

Wenn der Vater stirbt, kann man alles.

Freiheit!

Danke, lieber Dworak!

Machen Sie sich keine Gedanken, gnädige Frau.

Haben Sie schon eine neue Stelle in Aussicht?Nein.

Ich hab aber noch nicht gesucht.

Adieu, Sobieski.

Mutter.

Johannes.

Das ist Onkel Louis.

Seltsame Musikbegleitung für meine Stimmung.

Ah! Mon cher Paul!

Mein lieber Freund und Zwetschgenröster.

Ich will dir etwas zeigen.

Wir machen einen Spaziergang. Allons-y!

Onkel Louis? Oui.

Darf ich dich etwas fragen? Avec plaisir.

Warum sprichst du so?Wie so? Mit einem komischen Akzent?

Ja. Als ich klein war,

galt es als Dernier Cri in besseren Wiener Kreisen

wenn man ein französisches Kinderfräulein engagierte.

Sie hieß Catherine. Ach Gott...

Entre nous soit dit, meine erste große Liebe.

Eine passion immortelle. Wir haben nur Französisch gesprochen.

Und jetzt lebe ich im Vieux Carré, im French Quarter von New Orleans,

Louisiana.

Ich habe die deutsche Sprache nicht oft verwendet im Leben.

Hör zu, hör zu!

Geboren wird man als Entwurf zu einem Menschen.

Und dann muss man Zeit seines Lebens aus sich

einen wirklichen Menschen machen.

Das kriegt man nicht geschenkt und kann man nicht kaufen,

das muss man sich erarbeiten, Bub. Hast gehört? Erarbeiten.

Warum erzählst du mir das alles? Weil du bist, was du bist.

Komm!

Was tun wir hier?

Wir gehen in die schlimme Vergangenheit.

Komm!

Und jetzt?

Jetzt sind wir eingetreten in das Haus des Unaussprechlichen.

Was meinst du?Weißt du nicht, wo wir uns befinden?

Wo niemals wieder etwas gebaut werden wird.

Hier hat einmal eine Synagoge gestanden.

Ein Raum, in dem unsere Familie vor langer Zeit

jeden Sabbat gebetet hat.

Schließ deine Augen!

Warum?

Weil es sein muss. Tu es, Bubele.

Es muss sein, Bubele. Mach deine Augen zu...

und schau,... was ich dir erzähle.

Was ist dir das Liebste auf Erden, Jud?

Was ist dir das Liebste? Na, was ist es, Jud?

Schau mich an, wenn ich mit dir red!

Meine Täubchen! Meine gefiederten Kinder.

Schau, schau, Tauberln mag er, der Saujud.

Piep, piep, piep! Fesche Kinder hat der Jud!

"Sag zum Abschied leise Servus."

Rivke, Rachel, Zibora!

Je ne l'oublierai jamais.

Niemand hielt ihn auf, den jungen Andrak.

Ins Herz des Feuers ist er marschiert.

Und dann... ist alles in sich zusammengestürzt.

Und irgendwann dann rappelte der Schammes sich vom Boden auf

und rief die Namen der Taubenkinder:

Rivke!

Rachel!

Zibora!

Meine Täubchen,...

meine Kinder.

Und plötzlich haben sich alle abgewendet.

Die Nazis... und die Schaulustigen.

Einer nach dem anderen.

Du bist, was du bist.

Und ich rede dir von dem, was du wissen sollst.

Ich freue mich,...

dass wir nun allesamt an einem Tisch sitzen.

Und wir uns erst, Teuerste.

Vor allem, wenn's Frittatensuppe, Kalbsbraten mit Risipisi

und Vanillepudding mit Himbeersauce gibt.

Du bist ein wahrer Charmeur.

Es scheint dir wieder besser zu gehen.Hm.

Beinah pumperlgesund, Bub. Aber nur beinah.

Hab mich auf Anraten meines Arztes die letzten Tage

nur von Baldriantropfen und Abführpillen ernährt.

Von der Beerdigung bin ich ziemlich hergenommen.

Für dich ist alles zu viel.

Du selbst bist für dich schon zu viel; wir sowieso.

Wir sollten nachher Bridge spielen.

Ich greife keine Karten an.

Aus religiösen Gründen?

Nein, äh ... Womöglich gewinn ich.

Und Glück im Spiel bedeutet Unglück in der Liebe.Genau.

Und das kann ich nicht riskieren.

Wahrscheinlich hast du dir wegen deiner Manneskraft

Affendrüsen einsetzen lassen.

Das ist ja jetzt Mode bei Schwachsinnigen mit zu viel Geld.

Onkel Monte ejakuliert beim Orgasmus nicht.

Das hält jung und nützt seinen Charme nicht ab.

Putain de merde, Monte!

Du bist ein Missionar des Blödsinns!

Behellige dieses arme Kind nicht mit deinen verderbten Theorien!

Es handelt sich nicht um Theorien,

sondern um bewährte Praxis! Hoho!

Steck dir eine Banane rein und halte dich für Josephine Baker!

Aber lass den Buben in Ruhe! Compris?

Die Silbersteins sind allesamt Weltmeister im Überreagieren.

Ich hoffe, du schlägst aus der Art.Entschuldigt!

Allez vien! On y va!

Komm!

Meinen Mantel, bitte. Hör zu, Bubele.

Bemüh dich, dass du unter dem Einfluss unserer Familie

den Verstand nicht verlierst. Versprochen?

Versprochen.Tu es, qui tu es. Du bist, was du bist.

Und du redest mir von dem, was ich wissen soll.Perfekt.

Ich fahre nach Hause. Sag den Wienern,

die's wissen wollen, sie können mich am Arsch lecken.

Und empfehl mich deiner schönen Mutter.

Ich hoffe, sie bleibt nicht lange allein.

Bonne chance!

Maman?

Sind alle gegangen?

Gott sei Dank.

Ich bin die Hahnenkämpfe leid.

Ich fand's ganz lustig.

Ein Pater aus der Direktion von Attweg hat heute angerufen,

sich nach deinem Verbleib erkundigt.

Was hast du gesagt?

Dass du...

durch die traurigen Vorfälle nach wie vor unter Schock stehst

und Erholung dringend geboten ist.

Ich bin stolz auf dich.

Eine frische Witwe

sollte eigentlich keinen Vergnügungen nachgehen.

Wunschdenken.

Was soll aus mir bloß werden?

Ich habe einige Möglichkeiten, aber...

keinen einzigen überzeugenden Wunsch.

Wir können bis in alle Ewigkeit weitertanzen.

Ich fürchte, es hat sich ausgetanzt.

Wir werden wohl das Haus verkaufen müssen.

Und ich muss mich nach Arbeit umschauen.

Die Onkel wollten doch für uns ihre Sparschweine schlachten.

Sei nicht naiv.

Das reicht gerade für die Pariser Schulden.

Dann bleiben uns noch die Wiener Verpflichtungen

und jene in Italien.

Ich weiß nicht, wofür er die Gelder hinausgeschmissen hat.

Vielleicht wurde er ja erpresst.

Weswegen? Wenn ich es wüsste,

würde ich es dir auch nicht sagen.

Aber ich weiß es nicht.

Ich weiß...

gar nichts.

Ich schon, Maman.

Ich weiß, was aus mir werden soll. Und ich habe einen Wunsch.

Verehrtestes Fräulein!

Als ich jüngst an Sie dachte,

da ist mir ganz heiß geworden bei der Erkenntnis,

dass mich einige Tage nichts und niemand daran gehindert hätte,

mir ein Herz zu fassen und Sie zu besuchen und kennenzulernen.

Also beschloss ich, das Wagnis in die Tat umzusetzen.

Geliebtes Wesen!

Mein bewundertes Fräulein!

Ach, innig Vermisste!

Meine Angebetete, mein...

Mein Mensch!

Ich habe ausgiebig gefrühstückt und trage meine Samthose,

ein Flanellhemd und darüber den Norwegerpullover

mit dem Muster aus verschachtelten Elchgeweihen,

der mir, meiner Meinung nach, eine ausländische Anmutung gibt.

Ich trete Ihnen ja in mancher Hinsicht als jemand gegenüber,

der aus weiter Ferne kommend Ihre Nähe sucht.

Zum ersten Mal, verehrtestes aller Fräuleins,

fühle ich mich ganz und gar in der Gegenwart.

Denn die Vergangenheit hat sich verabschiedet,

und das Künftige ist noch ungreifbar.

Und es scheint auf Erden nichts zu geben als diesen Augenblick.

Dass beinah alle Menschen, die mir auf meinem Weg begegnen,

in empörender Weise gleichgültig zu sein scheinen,

obwohl mitten unter ihnen ein 12-Jähriger

seinem bisher größten Abenteuer entgegenradelt,

ist wohl etwas kurios.

Ein funkelnder Hundling lässt sich davon nicht beirren.

So radle ich Ihnen entgegen, geliebtes Wesen,

und ich werde Sie wohl eher erreichen als dieser Brief.

Was nützt die Freiheit des Denkens,

wenn sie nicht zur Freiheit des Handelns führt?

Bonne chance!

Ja? Was willst du hier?

Mein Name ist Paul Silberstein.

Dürfte ich bitte mit dem jungen Fräulein sprechen?

Die Leonore ist im Spital.

Sie wird wahrscheinlich... nicht mehr lebendig herauskommen.

Was ist denn Schreckliches passiert?

Mein... Meine Tochter hat Kinderlähmung.

Wo liegt sie denn? Auf welcher Abteilung im Spital?

Auf der Intensivstation.

Niemand darf sie besuchen, außer den engsten Verwandten.

Geh zu ihr.

Leonore,

ich habe dir ein Stück Lava aus dem Vesuv mitgebracht.

Es wird dir helfen, wieder gesund zu werden.

Paul Silberstein, was redest du da?

Du kennst mich nicht, geliebtes Wesen,

aber ich kenne dich.

Ich weiß, wie deine Locken tanzen,

wenn du auf dem Pony reitest.

Was ist zu tun?

Kipferl.

Kipferl.

Kipferl?

Was meinst du damit?

Heißt dein Pony so?

Was ist zu tun?

Was ist zu tun?

All meine Verfehlungen, geliebtes Wesen.

Wunschdenken sozusagen.

All meine Verfehlungen, geliebtes Wesen!

Bonne chance! Tu, was dir in den Sinn kommt! Allez, allez!

Willkommen zu Paul Silbersteins Narrenkast'l des Wunschdenkens!

Willkommen zur Versammlung der Wasserschriftwesen,

die allesamt ebenso wahr... wie erfunden sind.

Risipisi!

Das Tanzensemble...

der verführerischen...

Zopfschwestern!

Bäh!

Wuah, wuah!

Der jesuitische Schmock

und Tafelfetzenschlucker Vizepräfekt Crespi!

Oh, là, là!

Bekenne dich zu deiner Merkwürdigkeit!

Und hier haben wir den hochberühmten Kirschkernsammler

und Liebesmärtyrer Gabor Benedek!

So führt uns Luzifer in Versuchung.

Oh, là, là!

Es lebe die menschliche Nähe.

Die Weltmeister im Überreagieren:

die hochmeschuggene Familie Silberstein!

Ich kann euch riechen. Schicksen!

Mich holt der Teufel!

Haha!

Steckt euch eine Banane rein und lasst mich in Ruhe!

Allen voran, der Narrenkastenprinz

und brüderliche Prinzipienreiter

Jan Sobieski Silberstein - auf seiner fliegenden Briefmarke!

Vivat Sobieski! Vivat!

Ahh!

Die Vanillekipferl-Diva Frau Berta

und der Kipferl-Jongleur Dworak! Madonna!

Weiter geht es mit der wunderschönen und wundersamen

Kaugummiblasen-Fabrikantin

Emma Silberstein, in ihrer Badewanne der Wunschlosigkeit.

Ich bin eine lustige Witwe.

Der romanisch-silbersteinige Grüßaugust und Heilige Vater

Général Charles de Gaulle der Erste...

und Letzte.

Paul Silberstein...

der Weltmeister im Unsichtbarsein.

Schließlich...

schlussendlich, aber nicht zuletzt:

all die Mütter und Väter,...

die Töchter und Söhne,...

die Schwestern und Brüder,...

die nur dann wirklich tot sind,...

wenn sich niemand mehr an sie erinnert.

Rivke,

Rachel,

Zibora.

Meine Täubchen.

Meine gefiederten Kinder.

Mademoiselle - voilà!

Ein erster Vorgeschmack auf das bunte,

aus dem Narrenkast'l des Wunschdenkens

geborene Varietéprogramm

von Paul Silbersteins wundersamen Wasserschriftwesen!

Beehren Sie uns bald wieder!

Auf und davon! Besuche sind jederzeit willkommen!

Wir spielen rund um die Uhr!

Was führst du da auf, Bub?

Guten Abend. Schön, Sie wiederzusehen.

Was wird das, wenn's fertig ist? Was machst du da?Leben.

Kenn ich dich nicht von wo? Ich bin, der ich bin.

Und wer bist du? Gestatten - Paul Silberstein ...

Der funkelnde Hundling!

Der was?

Der funkelnde Hundling!

Was soll das sein? Gute Frage.

Schwer zu sagen.

Aber ich habe noch den Rest meines Lebens Zeit,

um herauszufinden,

ob es sich um die Wahrheit oder ein Hirngespinst handelt.

Auf und davon!

Paul Silberstein - der funkelnde Hundling!

Auf und davon!

Globe tv GmbH, Saarbrücken, 2019

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