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Wer bin ich?
Ein Spinner, der auf den letzten Drücker kommt.
(Spannende Musik)
(Frau im Film leise) "'Die Zuschauer brüllen.
Immer öfter und immer lauter ertönte der Name...'"
"Mami?" - "Ja?"
"Warum flüsterst du?"
"Damit es spannender ist." - "Hör auf damit."
(Mädchen) "Gibt es den Hitler noch?" - "Wie kommst du darauf?"
"In der Schule hat die Lehrerin zu Maxi gesagt,
als sie sich gestritten haben:
'Du bist ja so schlimm wie Hitler.'"
"Nee, mach dir keine Sorgen.
Der hat sich vor langer Zeit selber umgebracht."
"Wäre der, wenn er das nicht getan hätte, im Gefängnis?"
"Klar wäre der im Gefängnis.
Der hat so viele Leute auf dem Gewissen."
"Kennen wir jemanden, der im Gefängnis ist?"
"Wieso das denn?"
"Ich will mal jemanden da besuchen und sehen, wie es aussieht."
(Spannende, schneidende Musik)
(Frau) "Hallo? Guten Tag."
Ich brauche einen Anwalt.
(Packender, instrumentaler Pop-Rock)
(Titelmelodie: "Schlaflos" von Jennifer Rostock)
Soll ich die Polizei rufen?
(Er verneint.) - Warten Sie kurz, ja?
Ich nehme Ihnen das mal kurz ab, ja?
Danke.
Kronberg ist mein Name.
Womit kann ich Ihnen helfen?
(Kinderlachen von draußen)
Kinder.
Ich wollte früher auch welche.
(Schwungvolle Jazzmusik)
(Mann) War ein gutes Jahr. - Für mich auch.
Seid ihr alle versorgt? - Ja!
(Gastgeber) Fünf... - Vier.
Drei, zwei, eins... - Eins.
(Alle jubeln.)
Frohes neues Jahr. Und alles Liebe.
Dass alles weiter so schön läuft.
Frohes neues Jahr.
Gerne noch zwei Sekt, bitte.
Frohes Neues.
Frohes Neues.
Woher kennen Sie Georg? - Ich arbeite für ihn.
Sie verkaufen auch Büromöbel? - Ja, genau.
Danke sehr.
Und wie ist das so?
Ist es schlimm, wenn ich "toll" sage?
(lachend) Nein.
Und was machen Sie?
Ich mache mein Referendariat, Grundschullehrerin.
Sehr schön. - Hm.
Mögen Sie Kinder? - Ich hätte gern ein Dutzend.
(Frau) Miriam. - Hier.
Komm mit nach draußen. - Danke. Ja. Hier, der Sekt.
Bis gleich vielleicht, Herr... - Holbrecht.
(Klingel)
Hallo. - Entschuldigung, dass ich so...
Als ich gestern gehen wollte, da...
(Rascheln)
Da lag der hier noch in der Garderobe.
Ich habe Georg nach Ihrer Adresse gefragt.
Danke.
Ich dachte, ich habe den im Taxi gelassen.
Der ist wirklich schön.
Ja, ist ein Andenken aus Indien.
Indien, echt? - Mhm. Ja.
Sie reisen gern? - Ja.
Ah...
Ich bin noch nicht weit rumgekommen.
Ich habe neulich einen Artikel gelesen über die Malediven.
Wenn Sie wollen... Ich könnte bei einem Kaffee davon erzählen.
Ich... muss leider gerade viel für den Unterricht vorbereiten.
Okay.
Na ja... Wollte nicht länger stören.
Ach... Ja. - Vielleicht sieht man sich.
Ja, vielleicht.
Tschüss. - Tschüss.
Vielleicht ja diesen Freitag?
Oder haben Sie da ein Rendezvous mit einem Bürostuhl?
(Sie lacht.)
(Zarte Musik)
(Jubel und Pfiffe)
(Klicken)
Georg, ich bin's. Ich habe sehr gute Neuigkeiten.
Herr Ludwig rief an.
Wir haben den Auftrag in Hannover.
(lachend) Ja. Danke.
Die Flasche ist kaltgestellt.
Nur noch was: Ich würde den Tag gerne freimachen.
Wenn es okay ist?
Gut, dann sehen wir uns morgen.
Bis dann.
Ja!
(Mädchen) Frau Holbrecht. - Helena.
Fahren Sie heute mit dem Bus? - Ja. Du auch?
Nein, mein Vater holt mich ab. - Ah.
Marie hat nicht in mein Tagebuch geschrieben.
Hm. Das macht sie bestimmt noch.
Ich glaube nicht.
Weißt du was?
Schreibe ich dir eben was rein. Ja?
(Motorengeräusch nähert sich.)
Hallo. - Hey.
Was machst du denn hier? - Überraschung.
(lachend) Das ist aber schön.
Danke. Gibt's was zu feiern?
Kann schon sein.
Helena, guck mal. Das ist mein Mann.
Hallo. - Hallo.
Sollen wir dich mitnehmen?
Helena. Hallo, Frau Holbrecht.
Na, Süße?
Weißt du was? Ich schreibe zu Hause rein und bring es wieder mit, okay?
Auf Wiedersehen. - Tschüss.
(Motor brummt.)
Du, bevor du in Hannover anfängst, könnten wir noch mal verreisen.
Oder hast du die Malediven vergessen?
Da vorne muss mal eine Schaukel hin.
Hast du mir zugehört?
Entschuldige.
Aber der Garten ist so groß.
Der kommt mir so verlassen vor.
(Sanfte Klavierklänge)
Lass uns noch etwas Zeit, ja?
Hey, wir sind seit drei Jahren verheiratet.
Ja, ich weiß.
Aber ich habe gerade erst angefangen zu arbeiten.
Wenn ich jetzt schwanger wäre, wäre es das erst mal.
Außerdem würde ich gerne noch was von der Welt sehen.
Wir haben noch viel Zeit für Kinder.
Okay. - Hm?
(Düstere Musik)
(Haustürglocke)
(Sie stöhnt.)
Wie spät ist es?
Halb sechs.
Wer kann das jetzt sein? - Ich schaue mal nach.
(Haustürglocke) - Ja!
(Tür wird geöffnet.)
(Mann) Herr Holbrecht? - Ja.
Kriminalpolizei. Würden Sie uns reinlassen?
Ja, klar, kommen Sie rein.
Gegen Sie liegt ein Haftbefehl vor. Ziehen Sie sich bitte was an.
Und begleiten Sie uns auf die Wache.
Wie bitte?
(Spannende Musik)
Nein, das muss ein Irrtum sein.
Ich kenne dieses Mädchen nicht.
Was ist denn los?
Miriam, die... Die wollen mich festnehmen.
Wieso denn? - Ich...
Ich soll angeblich ein Kind missbraucht haben.
Helena Meissner?
Das ist eine Schülerin von mir.
(Grausige Musik)
(Polizist) In der Regel
kriegen Ehefrauen von Sexualstraftätern nichts mit.
Meistens. Ist das der Rechner von Ihrem Mann?
(Düstere Musik)
(Tür wird geöffnet.)
Miriam...
Ich habe gestern noch mit Helenas Vater gesprochen.
Was hat er gesagt?
Er ist genauso sprachlos wie ich.
Miriam, ich kenne dieses Mädchen nicht.
Sie hat gesagt, du hast sie mit zu uns nach Hause genommen.
Nein, das stimmt nicht.
Die Schulleitung hat mich erst mal freigestellt.
Ich hätte mich sogar von meiner Klasse verabschieden können.
Was hätte ich denen sagen sollen?
Ich schwöre dir, ich habe diesem Mädchen nie etwas getan.
Es waren Filme auf deinem Rechner.
Ich dachte, ich kenne dich.
Es tut mir leid.
Hast du mich geheiratet...
...weil ich Grundschullehrerin bin?
Um besser an kleine Kinder ranzukommen?
Natürlich nicht.
Miriam, bitte...
Ich weiß nicht, was hier passiert.
Wenigstens du musst mir glauben. Ich steh das nicht durch.
Tust du das?
(Er atmet auf.)
(Düstere Musik)
Ich habe alles unterschrieben, ohne es zu lesen.
Aha.
Diese Filme, die man bei Ihnen auf dem Rechner gefunden hat...
Was genau war darauf zu sehen?
Junge Frauen. - Wie jung?
Alt genug, war nichts Illegales dran.
Hm.
Noch mal kurz zurück zur Aussage von Helena Meissner damals.
Was genau hat sie ausgesagt?
(Spannende Musik)
Hallo, Helena.
Soll ich dich mitnehmen?
Ja?
Schau mal, Helena,
ich habe deine Lieblingslimonade besorgt.
Kann ich bitte gleich nach Hause?
Darf ich dir nicht wieder was vorlesen?
Da bin ich aber traurig.
Ein Kapitel, okay?
Na komm.
"Es war ein schöner Sommertag,
als Lindas Pony Paul plötzlich 'Hallo' zu ihr sagte."
(Er erschrickt gespielt.) - "Linda erschrak.
'Du kannst ja sprechen?', fragte sie.
'Ja', antwortete Paul.
Du musst mir aber versprechen...
...dass das unser Geheimnis bleibt."
Das, was Helena Meissner da geschildert hat...
Das hat sich so nie zugetragen? - Nein.
(Richterin) Im Namen des Volkes ergeht folgendes Urteil:
Der Angeklagte wird des 24-fachen sexuellen Missbrauchs eines Kindes
schuldig gesprochen.
Er wird zu einer Freiheitsstrafe
von drei Jahren und sechs Monaten verurteilt.
Der Angeklagte trägt die Kosten des Verfahrens.
Bitte setzen Sie sich.
(Düstere Musik)
Zur Begründung:
Das Gericht sieht es als erwiesen an,
dass der Angeklagte sich über einen Zeitraum von acht Monaten
in mindestens 24 Fällen sexuell an seinem Opfer vergangen hat.
Bei der Bemessung der Strafe
war erschwerend zu berücksichtigen,
dass die Tat wiederholt
und durch Ausnutzung des Vertrauensverhältnisses geschah,
das der Angeklagte durch die Lehrtätigkeit seiner Frau erlangte.
Obwohl der Angeklagte die Tat bestreitet,
sieht das Gericht keinen Anlass,
an der Glaubwürdigkeit des Opfers zu zweifeln.
(Stimmengewirr)
Ich weiß, weswegen du hier bist.
Jungs oder Mädchen?
Ich weiß, was in dir vorgeht.
Die Spielplätze sind voll von ihnen.
Sie lächeln dich an.
Was will man da machen?
Hm?
"Liebe Miriam,
erinnerst du dich noch an die Malediven?
Wir waren nie da, aber manchmal, wenn ich nachts die Augen schließe,
dann sind wir es.
Du liegst in der Sonne.
Ich spiele mit unseren Kindern am Strand.
(Krachen) - "Wir lachen zusammen."
(Tür geht auf.)
Hallo, Herr Holbrecht.
Ich bin Tom Krüger vom psychologischen Dienst.
Ich möchte Sie über unsere Therapieangebote informieren.
Und, äh...
Das will ich Ihnen auch offen sagen:
Für Sexualstraftäter ist eine Therapie Voraussetzung für Freigänge
und für eine frühzeitige Strafaussetzung.
Wenn Sie hier also eher rauswollen...
...müssen Sie sich mit Ihrer Tat auseinandersetzen.
Ich lasse Ihnen für alle Fälle mal was von uns hier.
(Tür kracht.)
(Spannende Musik)
Weißt du, wie Schweine fressen?
Vom Boden.
Los, friss.
(brüllt) Los, friss, du Sau!
(Männer grölen.)
(Schneidende Klänge)
Bitte.
So, das ist es.
Das Zimmer kostet 250, zuzüglich Wasser, Strom und Gas.
Ihr Bewährungshelfer meinte, Sie sind zuverlässig.
Ja, das bin ich.
Dann werden wir uns ja verstehen.
Ach ja, Kalt- und Warmwasser sind vertauscht.
Ich lasse das mal machen.
Verbrühen Sie sich bis dahin nicht.
(Kinder rufen.)
Ich nehme an, mit Kindern haben Sie kein Problem.
Wiedersehen.
(Düstere Musik)
Es gab so viel, was ich Miriam noch sagen wollte.
Ich... hatte mir geschworen, ihr alles persönlich zu geben.
Haben Sie aber nicht.
Und nach der Haft?
Haben Sie da wieder Arbeit gefunden?
Hat's geschmeckt?
Wollen Sie einen Grappa aufs Haus? - Grappa?
Sie sehen aus, als brauchen Sie einen. - Ja.
Ich habe Sie noch nie gesehen. Sind Sie neu oder ein Tourist?
Ich kam wegen dem Zettel an der Tür.
Dann sind Sie Koch?
Wenn Sie nicht Koch sind, brauche ich Sie nicht.
Ich mache alles.
Alles?
(Spielerische Klänge)
Können Sie auch freundlich gucken?
Besser? - Si, che bello.
Aber irgendwas fehlt noch.
Pizza ab 3,50.
Fleischgerichte 11,50.
Fischspezialitäten.
(Musik läuft weiter.)
Komm mal rein, das macht keinen Sinn.
Komm rein.
Schon wieder nichts los.
Hm.
Es ist einfach zu heiß.
Ich wollte früher ein eigenes Cafe.
Mit einer großen Terrasse.
Und einer roten Markise davor.
Die rote Markise hast du ja schon.
(Sie lacht.)
Ist nur leider nicht meine.
Und warum hast du keins aufgemacht?
Ich habe einen Mann kennengelernt.
Leider den falschen.
Warst du mal verheiratet?
Nein. - Magst du Männer?
(Er lacht.)
Nein.
Jetzt bist du schon so lange hier...
...und hast nie irgendwas von dir erzählt.
Was ist bloß mit dir passiert?
(Düstere Klänge)
(Er atmet schwer.)
(Radio) "Die Hitzewelle dauert an.
Morgen werden wieder bis zu 37 Grad erwartet.
Und nun zum Verkehr." (Klick)
(Er atmet heftig.)
(Fernes Lachen)
(Telefon klingelt.)
"Hallo, hier ist Marina.
Wo warst du denn die Woche? Melde dich, ich mache mir Sorgen."
(Anrufbeantworter piept.)
(Kinderlachen) (Er atmet schwer.)
(Würgen)
(Er würgt und hustet.)
(Er hustet stark.)
(Er schreit auf.)
(Kinderlachen) - Lasst mich in Ruhe! Aufhören!
(Er schluchzt.)
Sind Sie sich wirklich sicher,
dass die junge Frau auf der Straße...
Dass das Helena Meissner war?
Der Prozess ist ja nun über sieben Jahre her.
Ja.
Ich bin ihr nach Hause gefolgt.
Sie arbeitet als Kellnerin zwei Straßen weiter.
Zweimal in der Woche geht sie mit ihrem Freund ins Kino.
Er kommt öfter zu spät.
Dann wartet sie auf ihn.
Sie lachen viel zusammen.
(Schneidende Klänge)
Und dann entscheiden Sie sich im allerletzten Moment,
nicht zuzustechen?
Ich habe Helena Meissner vor meiner Verhaftung einmal gesehen.
Alles, was sie über mich erzählt hat, ist gelogen.
Tja...
Ja, das Problem ist nur, Sie sind rechtskräftig verurteilt.
Und für eine Wiederaufnahme...
...sehe ich nicht wirklich eine Grundlage.
Können Sie gar nichts für mich tun?
Lassen Sie mich mal nachdenken, ja?
(Helena lacht.)
Den hast du noch nicht gesehen.
Nein. Du machst dich.
(Handy klingelt.) Warte mal.
(Handy klingelt.)
Hallo?
Was?
Schön, dass Sie es geschafft haben. Setzen wir uns?
Bitte.
Wollen Sie was trinken?
Kaffee?
Milch, Zucker? - Schwarz.
Setzen Sie sich doch.
Vielen Dank noch mal, dass Sie sich herbemüht haben.
Ich habe auch nur eine einzige Frage.
Könnten Sie mir noch mal genau erzählen,
wie der Prozess gegen Herrn Holbrecht damals abgelaufen ist?
Du hast gesagt, Herr Holbrecht hat dich öfter von der Schule abgeholt.
Weißt du noch, wann?
Es war immer dienstags.
Soll ich dich mitnehmen?
Warum hast du zu Hause nichts erzählt?
Er hat gesagt, ich soll das nicht.
Ein Kapitel, okay?
(Richterin) Frau Holbrecht, Helena Meissner sagt,
Ihr Mann hätte sie öfter nach der Schule mit nach Hause genommen.
Wo waren Sie in der Zeit? Hätten Sie nicht zu Hause sein müssen?
Dienstag- und Freitagnachmittag...
...biete ich einigen Kindern Nachhilfe an.
Herr Meissner, laut Aussage Ihrer Tochter...
...ist sie monatelang später von der Schule nach Hause gekommen.
Ist Ihnen das nicht aufgefallen?
Na ja, ich bin berufstätig und lebe in Scheidung.
Helena ist oft bis abends alleine? - Ja.
Ist Helena in Ihren Augen ein kreatives, fantasiebegabtes Kind?
Nein, eher nicht.
Ihre Stärken liegen in der Naturwissenschaft.
Hat sie Sie nach der Trennung öfter mal angelogen,
angeschwindelt?
(Richterin) Der Angeklagte bestreitet die Vorwürfe.
Glauben Sie, Helena könnte sich das ausgedacht haben?
Nein.
Ich ging nach der Schule am Haus von Frau Holbrecht vorbei.
Ich habe einen Mann gehört, der "Lindas Geheimnis" vorlas.
Ich habe in den Garten geschaut.
"Du musst mir versprechen...
...dass das ein Geheimnis bleibt."
Er hat sie so komisch angefasst.
(Richterin) Haben Sie den Eindruck,
dass Ihr Mann sich zu Kindern hingezogen fühlt?
Ich hätte gern ein Dutzend davon.
Er mochte Kinder schon immer gern.
Du hast auch gesagt, ähm,
dass Herr Holbrecht dich bei diesen Treffen angefasst hat.
Magst du uns sagen wo?
Hier und hier.
Aus Rücksicht auf das Kindeswohl breche ich die Befragung ab.
Frau Meissner, nur mal für mich...
Wenn der gleiche Prozess morgen so noch mal stattfinden würde...
...würden Sie genauso aussagen?
Ja, natürlich.
Sicher?
Was ist aus ihm geworden?
Er hat seinen Job verloren, seine Frau hat sich getrennt.
Er musste seine Haftstrafe komplett absitzen.
Letzte Woche las meine Sekretärin ihn vor meiner Tür auf.
Sie lügt! - Herr Holbrecht...
Herr Holbrecht, ich weiß... - Warum sagst du das?
(laut) Setzen Sie sich!
(Düstere Musik)
Warum tust du mir das an?
Pizza ab vier Euro.
Fleischgerichte zwölf Euro.
Fischspezialitäten 16 Euro.
Pizza ab vier Euro.
(Klopfen) - Mhm.
Ist gerade für Sie angekommen. - Danke.
(Helena) "Sehr geehrter Herr Kronberg,
dies ist mein Tagebuch.
Ich schrieb schon damals alles auf, weil es mich nicht losließ.
Frau Holbrecht war immer meine Lieblingslehrerin,
aber in meiner Fantasie war sie mehr als das."
(Schulglocke)
Helena, Marie, bleibt ihr bitte noch einen Moment?
Marie, du machst ganz, ganz tolle Fortschritte,
aber in Mathe müssen wir dranbleiben, hm?
Sonst wird es knapp dieses Jahr.
Lässt du deine Arbeit unterschreiben?
Ist gut. - Okay. Ein schönes Wochenende.
Helena.
Mit dir würde ich auch gerne über deine Arbeit sprechen.
Es tut mir leid.
Ich weiß, dass die nicht gut war. - Ja.
Aber Rechnen hat dir eigentlich nie Probleme bereitet, hm?
Du wirkst auch so abwesend in letzter Zeit.
Ist bei euch zu Hause alles in Ordnung?
Was ist denn los?
Meine Eltern lassen sich scheiden.
Hm.
Helena, das tut mir leid.
Kann deine Mama oder dein Papa mal zur Sprechstunde kommen?
Ich weiß nicht. Meine Mama wohnt nicht mehr bei uns.
Und Papa arbeitet immer.
Hm. Weißt du was?
Ich ruf deinen Papa mal an, und dann sehen wir weiter, ja?
Okay. Tschüss.
Helenas Leistungsabfall ist in letzter Zeit auffällig.
Sie war immer eine der Besten in der Klasse.
Helena hat im letzten halben Jahr viel mitgemacht.
Meine Frau und ich haben uns jeden Tag gestritten.
Wenn ich mal da war.
Die Scheidung ist für uns alle sicherlich das Beste.
Wahrscheinlich haben wir zu früh geheiratet.
Ich kann Ihnen anbieten, Helena für eine Zeit Nachhilfe zu geben.
Zum Beispiel freitags. Können Sie sie abholen?
Ja, das schaffe ich.
Schön.
Was machen Sie beruflich? - Ich bin Ingenieur.
Meine Firma baut Kraftwerke in Entwicklungsländern.
Da kommen Sie sicher viel rum.
Das machst du gut, Helena.
Schön.
(Klopfen)
Hey. - Hallo.
Bin ich zu früh?
Ein bisschen.
Helena, machst du das bis hierhin bitte noch zu Ende?
Ich bin gleich wieder da.
(Aufwühlende Musik)
(Spannende Musik)
(Musik läuft weiter.)
(Meissner) "Es war ein schöner Sommertag,
als Lindas Pony Paul plötzlich 'Hallo' zu ihr sagte.
Linda erschrak.
'Kannst du sprechen?' fragte sie."
Papa? - Ja?
Kann ich heute lieber was malen? - Na klar.
(Helena) Frau Holbrecht.
Helena. Na?
Fahren Sie heute mit dem Bus? - Ja. Du auch?
Nein, mein Vater holt mich ab. - Oh.
Marie hat nicht in mein Tagebuch geschrieben,
obwohl sie es versprochen hat.
Marie!
Hast du noch mein Tagebuch? - Ja.
Dann gib her. - Ich hab noch nichts geschrieben.
Das macht sie sicher noch. - Ich glaube nicht.
(Spannende Musik)
Hi. - Hey.
Was machst du denn hier?
Überraschung.
Das ist aber schön.
(Meissner) Helena.
Hallo, Frau Holbrecht. - Guten Tag.
(Düstere Musik)
Aber Blau, Herr Ludwig, ist doch Ihre Lieblingsfarbe.
Klar ist das ein Superdeal, das muss aber unser Geheimnis bleiben.
Wenn man einen guten Deal macht...
Und? - ...ist man der beste Freund.
Hilfst du mir?
Ich weiß nicht.
Wenn Frau Holbrecht meine Mama ist,
dann kriegst du nur noch gute Noten.
Das schwöre ich dir.
(Düstere Musik läuft weiter.)
(Er seufzt.)
Ich hatte mir so sehr eine neue Mutter gewünscht.
Und Frau Holbrecht war einfach diejenige, die...
...ich mir am besten vorstellen konnte.
Das war so eine Mädchenfantasie von mir.
Haben sich Ihr Vater und Frau Holbrecht noch mal gesehen?
Nein. Frau Holbrecht hat sofort die Schule verlassen.
Mein Vater heiratete zwei Jahre später eine neue Frau.
Ihr Vater hat noch mal geheiratet?
Sagen Sie, Frau Meissner,
wäre es nicht spätestens dann an der Zeit gewesen,
vielleicht doch was zu sagen, hm?
Natürlich, aber ich habe mich nicht getraut.
Ich hatte Angst, dass ich dann auch ins Gefängnis muss.
Ihre damalige Freundin, die Marie Küster...
Konnten Sie mit ihr noch mal über die Angelegenheit sprechen?
Marie zog nach der Grundschule mit ihren Eltern nach Südamerika.
Ich habe ihr noch ein paarmal geschrieben, aber...
Sie hat sich nicht mehr gemeldet? - Nein.
Mhm.
(Richterin) Das Gericht wird noch über eine Ladung
der Zeugin Küster entscheiden.
Ich bitte die Zeugin Rittner, ehemals Holbrecht,
in den Zeugenstand.
(Tür wird geöffnet.)
(Tür schließt.)
(Richterin) Herr Kronberg, Ihre Zeugin.
Vielen Dank.
Frau Rittner, ich habe eigentlich nur eine...
...vielleicht etwas unangenehme Frage.
Helena Meissner hat ausgesagt,
dass Sie ganz kurz vor der Verhaftung von Herrn Holbrecht...
...mit Herrn Meissner, Helenas Vater, intimen Kontakt hatten.
Ist das so richtig?
Ja.
Warum haben Sie das damals nicht erwähnt?
Ich hätte nie gedacht, dass das von Bedeutung ist.
Für uns beide war das nicht mehr als...
...ein peinlicher Ausrutscher.
Den wir für uns behalten wollten. - Aha.
Dann hat also Ihre Trennung von Herrn Holbrecht...
...mit der Affäre mit Herrn Meissner überhaupt nichts zu tun?
Nein.
Ich war damals sehr durcheinander.
Dieses Haus...
Und sein dringender Kinderwunsch...
Ich war mir nicht mehr sicher, ob sich das richtig anfühlt.
Vielleicht haben wir zu früh geheiratet?
Im Namen des Volkes ergeht folgendes Urteil:
Der Angeklagte wird vom Vorwurf des 24-fachen Kindesmissbrauchs
freigesprochen.
Der Schuldspruch wird aufgehoben.
Für die erlittene Haft erhält er eine Entschädigung
von 1270 Tagessätzen von jeweils 25 Euro,
insgesamt 31.750 Euro.
Ich erkläre die Verhandlung für geschlossen.
(Gelöste Musik)
Glückwunsch, Herr Holbrecht.
Danke.
(Schneidende Klänge)
Warum nicht Wilmersdorf?
Ist das nicht ein bisschen weit?
Aber sympathisch. - Ja, das stimmt.
(Helena) Herr Holbrecht.
Es tut mir leid.
Holbrecht kaufte von dem zugesprochenen Geld
ein kleines Cafe in Charlottenburg.
Manchmal sitze ich dort im Sommer unter der roten Markise.
Über die Sache...
...sprechen wir nie.
(Zarte Musik)
Die Schuld eines Menschen ist schwer zu wiegen.
Wir streben unser Leben lang nach Glück.
Aber manchmal verlieren wir uns, und die Dinge gehen schief.
Dann trennt uns nur noch das Recht ...vom Chaos.
Eine dünne Schicht aus Eis, darunter ist es kalt,
und man stirbt schnell.
Can't find what you're looking for?
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