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Erst mal herzlich willkommen zur diesjährigen Betriebsfeier.
Ich freue mich, dass ihr alle so zahlreich erschienen seid.
Es gibt dieses Jahr allen Grund, dass wir's richtig krachen lassen.
Denn eine der größten Krankenkassen Deutschlands wird
bereits nächstes Quartal auf unsere neue Abrechnungssoftware umstellen.
Und dafür erst mal danke schön an euch alle.
Ich muss in dem Raum hier noch einer Person ganz im Speziellen danken,
nämlich dem Herrn Meyerbeck.
Der für uns dieses tolle System in den letzten zwei Jahren
maßgeblich entwickelt hat.
Danke schön, Herr Meyerbeck, dafür.
Bravo. * Jubel *
Sie sind unser Held, Herr Meyerbeck.
Das Buffet ist eröffnet.
Noch 'n Witz. - Na gut.
Wie viel Programmierer braucht man, um 'ne Glühbirne zu wechseln?
Drei? - Nee, keinen, ist 'n Hardware-Problem.
Ah, der ist ... gut. Den kannte ich schon.
Das zahlen Sie aber, ne, Herr Pitz?
* Dynamischer Elektro *
Prost. Prost.
Auf Sie.
Hallo. Bin wieder da.
* Düstere Musik *
* Dramatische Musik *
* Spannungsvolle Musik *
Lydia!
* Angespannte Musik *
* Unterdrückter Schrei *
* Titelmelodie: "Schlaflos" von Jennifer Rostock *
* Packende instrumentale Musik *
Friedrich Kronberg
Meyerbeck Edgar Lembke
Danke, Frau Kommissar.
Guten Tag, Herr Meyerbeck. Kronberg.
Wir hatten telefoniert.
Bevor wir sprechen,
bräuchte ich noch einmal kurz eine Unterschrift von Ihnen.
Einmal ... hier bitte.
Danke sehr.
Sie werden hier grade ohne Haftbefehl festgehalten.
Da ich von keiner Flucht- oder Verdunklungsgefahr ausgehe,
bin ich mir ziemlich sicher, dass wir Sie morgen Abend raushaben.
Es war Notwehr.
Inwiefern?
Er hat Lydia wehgetan.
Das heißt, es war also noch 'ne dritte Person anwesend,
als Sie Herrn Lembke in seinem Haus angegriffen haben?
Nein.
Es tut mir leid, aber wenn keine unmittelbare Gefahr für Sie
oder andere bestand, dann kann es keine Notwehr gewesen sein.
Es war aber Notwehr.
Gut, dann fangen wir noch mal ganz von vorne an, und erzählen Sie mir,
wer ist Lydia?
Ist das Ihre Ehefrau, Ihre Bekannte?
Eine Frau habe ich schon lange nicht mehr.
Erzählen Sie mir noch mal, was passiert ist.
Herr Meyerbeck?
Ach, guten Morgen.
Die Neuerungen, die Sie im Prototypen implementiert haben,
stoßen bei den Alphatestern auf große Begeisterung.
(stotternd) Das freut mich.
Ja. Wie haben Sie das nur wieder so schnell hingekriegt?
So schnell war das gar nicht. Na, na, na, na, na.
Ich kenne Sie schon ein Weilchen,
und Sie überraschen mich immer wieder aufs Neue.
Haben Sie sich in Ruhe über mein Angebot Gedanken gemacht? Ja.
Es wäre mir lieber, wenn alles so bleibt, wie es ist.
Darf ich mich wenigstens bei der Geschäftsführung
wegen 'nem Bonus für Sie stark machen?
Wenn Sie schon keine eigene Gruppe leiten wollen.
Natürlich, vielen Dank. Ja. Ja, gerne.
Und sind Sie eigentlich immer noch sehr gern am Waldsee?
(zögerlich) Ja.
Ja, dann nehmen Sie sich doch einen Tag frei.
Ist das perfekte Wetter dafür. Bis morgen.
* Mysteriöse Musik *
(leise) Ja, das, äh ... das ist schön.
Meyerbeck. Ah, Herr Lembke.
So früh, heute?
Ausnahmsweise.
Schöne Blumen.
Wird sich deine Frau aber freuen.
Karin.
Du kannst das Haus haben, wenn du willst.
Auch das Geschirr.
Ums Geld brauchst du dir keine Sorgen machen.
Henning hat genug für uns beide.
Weißt du, dem gehört die Wäscherei,
zu der ich immer deine Hemden gebracht hab.
Wir haben uns immer so nett unterhalten.
Und dann, irgendwann...
Es tut mir leid.
Können wir nicht einfach an den See fahren?
Ich hab das Schild am Briefkasten schon ausgetauscht.
Um die Klingel musst du dich selber kümmern.
* Mysteriöse Musik *
So schnell kann's gehen, wie?
An deiner Stelle wär ich froh, dass die Schlampe weg ist.
Karin war keine Schlampe.
Ich kann von meinem Schlafzimmer in eures sehen.
Glaub mir, sie war eine.
Ich schmeiße gleich den Grill an.
Komm doch vorbei.
Vielleicht ein andermal. Jederzeit.
* Mann im TV spricht entfernt. *
* Unruhige Musik *
* Musik wird energischer. *
Ähm ... sorry.
Tina Kessler, hallo.
Wir bestellen jetzt Essen. Möchten Sie vielleicht auch was?
Äh ... danke.
Hallo.
Hier. Und das.
Danke. Gern.
Essen Sie nicht mit uns?
Schon die Neue gesehen?
Die ist nicht schlecht, oder?
Und ist sogar noch zu haben.
Woher willst du das wissen?
Man muss halt nur wissen, wo man suchen muss.
* Unruhige Musik *
"Wandern, Klettern, Fahrradfahren.
Entspannt am See sitzen."
* Energische Musik *
(stotternd) Guten Morgen. Ja.
Ähm ... heute schon Mails gecheckt?
Nein, wieso?
Na ja, der Stabilitätsbericht Ihrer Beta kam grad rein.
Ah, aha, ich sehe schon.
Da ... muss ich wohl noch mal ran.
Mhm. Das kennt man gar nicht von Ihnen.
Ist sonst denn alles in Ordnung?
(stotternd) Natürlich. Wieso?
Ich hab aus der Buchhaltung erfahren,
dass Sie Ihre Steuerklasse geändert haben.
Sie lassen sich scheiden.
Viele Leute kennen Sie nicht, ne?
Ja, los. Kommen Sie, kommen Sie.
Mahlzeit. - (mehrere) Mahlzeit.
Was dagegen, wenn wir uns dazusetzen?
(Frau) Nein, überhaupt nicht. Bitte. - Wunderbar.
* Er ächzt. *
Ja, haben Sie eigentlich schon mal
unsere neue Junior-Entwicklerin kennengelernt?
Ja, flüchtig. Mhm. Das ist die Frau Kessler.
Herr Meyerbeck, einer unserer besten Programmierer. - Freut mich.
Dann die Frau Nadler aus dem Recruiting.
Und Herr Pitz vom Vertrieb.
Er isst eigentlich nie mit uns.
Deswegen sag ich ja auch immer "Meyer-weg".
Mhm.
Es ist mir einfach zu laut hier.
Frau Nadler hatte kürzlich die schöne Idee,
dass jede Abteilung einmal im Jahr
einen Vortrag aus ihrem jeweiligen Arbeitsgebiet hält.
Das ... wäre doch mal was für Sie.
Tja, äh ... warum nicht.
Was machen Sie eigentlich so, wenn Sie nicht gerade arbeiten?
Ich verbringe viel Zeit am Waldsee.
Ach wirklich? Mhm.
Sie etwa auch?
Jedes Wochenende.
Wenn ich könnte, würde ich immer da sein.
Ja, das ... Gefühl kenne ich.
* Mysteriöse Musik *
Darf ich? Mhm.
Ich hab sie überhaupt nicht gesehen am Waldsee. Ich musste arbeiten.
Ich schraube grad an der Performance für eine unserer Web-Applikationen.
Mhm.
Und die blöden Tester sind noch nicht zufrieden, ne?
Nein.
* Unruhige Musik *
Denkst du an die Alarmanlage?
* Handyklingeln *
Ja?
Hier.
Was ist denn los? Ah, Herr Meyerbeck.
Gucken Sie mal, folgendes Problem:
Frau Kessler hat bemerkt,
dass sich jemand Zugang zu ihren Serverdaten verschafft hat.
Der Angreifer hat komischerweise ihr Passwort benutzt. Ach, okay...
Ja, haben Sie sich vielleicht eine Malware eingefangen oder so was?
Nein.
Können Sie es sich sonst irgendwie erklären?
Ich ... war das.
Was?
Ich weiß, das sollte ich eigentlich nicht tun, aber ich ...
dachte, sie freut sich.
Wie bitte?
Ich hab ja nichts Schlimmes getan,
ich hab ihr ja nur bei dem Performance-Problem geholfen,
an dem sie grade sitzt.
Und wieso, wenn ich fragen darf?
Ich hab nächsten Freitag Geburtstag.
Und ich dachte, wenn sie wieder ein bisschen mehr Zeit hat,
dann geht sie vielleicht mit mir schwimmen.
Entschuldigen Sie, Herr Meyerbeck, aber was denken Sie sich eigentlich?
Es tut mir leid, ich...
Ich weiß, dass das falsch war.
* Handyklingeln *
Hallo? "Hallo, Herr Meyerbeck, Lambertz hier von Ihrer Bankfiliale.
Mein Kalender zeigt an, dass Sie heute Geburtstag haben.
Herzlichen Glückwunsch." Danke.
"Haben Sie einen schönen Tag? Herr Meyerbeck?
Wunderbar, dann will ich nicht länger stören.
Außer Sie haben Interesse an den Niedrigzins..."
* Ernste Klaviermusik *
Klopf, klopf.
Heute hätte ich Zeit.
Na dann... Komm rein. Ja.
(stotternd) Schön haben Sie's hier.
Schön, dass du da bist.
Ah, herrlich.
So...
Waren Sie eigentlich auch mal verheiratet?
Ich hab sie kurz vor der Hochzeit mit meinem besten Freund erwischt.
Danach habe ich mir geschworen, nie wieder.
Auf uns.
* Unruhige Musik *
* Unverständliches Gespräch, Lachen *
Sag mal...
Wie alt bist du eigentlich geworden?
50.
Fün... Ein runder Geburtstag? Mhm.
Na darauf trinken wir. * Ruhige Rockmusik aus der Anlage *
Einen kleinen ... Schnaps.
Auf dich.
Ah.
Tut gut. Mhm.
Noch 'n kleinen.
Auf einem Bein kann man nicht stehen.
Sag mal,
machst du das eigentlich immer?
(stotternd) Was?
(stotternd) Das.
(stotternd) Nee, das ist eigentlich nur, wenn Leute dabei sind.
Auf dich.
Hör mal, ich muss jetzt wirklich gehen.
Ich hab morgen früh ein Meeting. Jetzt schon?
Ja. Du bist doch grade erst gekommen.
Nein, ey. Hä?
Wir trinken noch einen. Ich... Warte...
Nein, ich... Komm, bleib noch, ist doch Quatsch. Hier.
Nein, ich... Noch 'n kleinen.
Ich... Hey, du setzt dich jetzt genau hierhin.
Hoppala... 'tschuldigung.
* Ernste Musik *
Mein bestes Stück.
'tschuldigung.
Ich ... muss jetzt wirklich gehen.
Lass mich nicht allein.
Danke, hm? Ich...
Nacht.
Hau doch ab.
* Spannungsvolle Musik *
* Mysteriöse Musik *
Ist in Ordnung.
Ach...
* Ruhige Musik *
Hallo.
Ich heiße Meyerbeck. Und du?
Wie wär's mit ...
Verena?
Oder Agnes.
* Ruhige spannungsvolle Musik *
* Er stöhnt. *
(seufzt) Lydia.
Ganz kurz noch mal, damit ich das auch wirklich richtig verstehe.
Wenn Lydia gar keine reale Person ist,
warum haben Sie Herrn Lembke angegriffen?
Er hat sie verletzt.
Sie meinen ... beschädigt.
Nein. Ich meine verletzt.
Ich musste sie doch beschützen.
Damit er das nicht noch einmal macht.
Ich... ich verstehe Sie schon, Herr Meyerbeck, das Problem ist nur,
um den Tatbestand der Notwehr zu erfüllen,
braucht's andere Voraussetzungen.
Er ist bei mir eingebrochen.
Er hat Lydia angegriffen.
Auch Einbruch und Sachbeschädigung in diesem Fall
ändern daran leider nichts.
Lydia ist aber für mich keine Sache.
Verstehen Sie das denn eigentlich gar nicht?
(Frau) Tag, Herr Meyerbeck. Hoppala.
Ja, macht nichts. - Alles gut.
Lydia, weißt du noch, ich hab dir doch erzählt,
dass eins meiner Programme auf einer Messe vorgestellt wurde.
Jetzt haben sich einige Interessenten gemeldet.
Darunter eine der größten Krankenkassen,
die es gibt in Deutschland.
Das ist ein Grund zu feiern.
Findest du nicht?
Hallo.
* Romantische Jazzmusik *
(Mann singt) # Here we are today, can you make me feel this way?
So near and so familiar,
came along the way.
All I'm longing for is spending time ...
with you. #
Hallo. Guten Tag.
# I got to have you by my side.
Cherish morning, day and night. #
Und, geht's gut? Danke.
# No need for luxury or fancy property.
All I'm longing for is Valentine ...
with you. #
Danke. Tschüss.
# But it happened just by chance,
I kind of felt it in advance.
Oh, we recognized each other,
learned to love each other
for who we are.
So here we are again today.
Woman, how you make me sway.
All that's left for me to say,
all I'm longing for is spending time ...
with you. #
* Entferntes Gespräch *
* Telefonklingeln *
Herr Lohmann? Ja?
Ähm, hätten Sie mal 'ne Sekunde für mich?
Ja, natürlich. Einen kurzen Moment, Entschuldigung.
Um was geht's denn?
(stotternd) Ich wollte mich entschuldigen.
Es tut mir leid, was zwischen Frau Kessler und mir vorgefallen ist.
Und dass ich in letzter Zeit immer so unzuverlässig gewesen bin.
Ich habe aber tatsächlich
'ne ziemlich schwierige Zeit durchgemacht.
Die jetzt aber vorbei ist.
Ne. Ja, das freut mich zu hören.
Ja, danke.
Ich wollte mal fragen,
steht denn Ihr Angebot mit der Leitung der ...
Abteilung eigentlich noch?
Herr Meyerbeck hat sich
freundlicherweise zur Verfügung gestellt,
Ihnen in den nächsten anderthalb Stunden einen kleinen Einblick
in die neuesten Datenschutz- und Sicherheitstrends zu geben.
Ja.
Guten Morgen. Also, wie gesagt, ich heiße Meyerbeck.
Und, äh ... puh, ich bin ganz schön aufgeregt.
Ähm, aber immerhin habe ich jetzt schon mal meinen Namen gesagt,
und die anderthalb Stunden sind noch nicht vorbei.
Sag mal, Lydia,
was würdest denn du davon halten, wenn wir umziehen?
Aufs Land.
Ich könnte uns ja ein Haus kaufen.
Mit großem Garten.
Da könnten wir dann nachts sitzen und die Sterne anschauen.
* Türklingel läutet. *
(seufzend) Wer ist das denn?
Bin gleich wieder da.
* Es klingelt mehrmals. *
Ja.
(stotternd) Ich komme ja schon.
Meyerbeck.
Wie geht's?
Gut. Danke.
Lange nichts gehört. Ja, hatte viel zu tun.
Ich dachte, wir könnten mal wieder zusammen grillen.
Klar, schöne Idee.
(stotternd) Ist nur leider grad schlecht.
Wieso?
Weil ich Besuch habe.
Hab gar keinen reinkommen sehen.
Wieso sind in letzter Zeit
eigentlich immer die Rollläden runter bei dir?
Nur so. Du versteckst doch irgendwas.
Nein. Irgendwas Perverses.
Du bist doch bestimmt so 'ne perverse Sau.
Jetzt reicht's aber. (lachend) Findest du?
* Meyerbeck räuspert sich. *
Hä? Äh...
Geh jetzt bitte.
* Ruhige ernste Musik *
Fotze.
Herr Lembke hat Sie beobachtet?
Ja.
Und Sie sind sich sicher, dass er bei Ihnen eingebrochen ist?
Ich weiß es.
Er ...
hat...
Lassen Sie sich alle Zeit der Welt.
* Dramatische Streichmusik *
Lydia?
* Ruhige Musik *
* Er schluchzt. *
* Gefühlvolle Musik *
* Wasser plätschert. *
* Er seufzt. * Und dann?
Ich hab Urlaub genommen.
Damit ich bei ihr sein konnte.
Ich konnte Lydia ja nicht ...
alleine lassen, solange der da weiter nebenan...
Vier Wochen habe ich darüber nachgedacht.
Aber dann habe ich's nicht mehr ausgehalten.
* Angespannte Musik *
* Türklingel läutet. *
Hallo.
* Düstere Musik *
* Spannungsvolle Musik *
* Türklingel läutet. *
Meyerbeck?
(stotternd) Kann ich ... kurz mal reinkommen?
Ja.
Klar, komm rein.
Hm...
Möchtest du was trinken?
* Dramatische Musik *
* Lembke hustet und keucht. *
* Er seufzt. *
Was geschieht jetzt mit mir?
Ich werde jetzt gleich im Anschluss mit dem Haftrichter reden
und gehe davon aus, dass Sie nach Hause können.
Sie müssen sich aber darauf einstellen,
dass man Sie wegen Körperverletzung anklagen wird.
Das heißt? Das hängt von den Verletzungen ab von Herrn Lembke.
Und davon, wie das Gericht das Ganze bewertet.
Im schlimmsten Fall?
Das ist schwer zu sagen.
Das Strafmaß reicht von sechs Monaten bis zehn Jahren. Was?
Zehn Jahre Gefängnis?
Herr Beneke, Sie arbeiten als Notarzt
und haben Herrn Lembke nach der Tat erstversorgt.
Schildern Sie bitte,
in welchem Zustand Sie Herrn Lembke angetroffen haben.
Herr Lembke lag im Wohnbereich seines Hauses.
Er war ansprechbar, desorientiert, hatte sich erbrochen.
Außerdem hatte er eine blutende Platzwunde
über seiner rechten Augenbraue,
und beide Schneidezähne waren ausgeschlagen.
Dem Gericht liegt der abschließende Untersuchungsbericht
des Krankenhauses vor.
Demnach hat Herr Lembke eine schwere Gehirnerschütterung erlitten,
außerdem waren die Hoden geprellt
sowie zwei Rippen und das linke Schlüsselbein gebrochen.
Die Platzwunde über dem Auge musste mit acht Stichen genäht werden.
Gibt es dazu Fragen? Keine.
Herr Dr. Graupner, Sie haben ein psychiatrisches Gutachten
über meinen Mandanten erstellt.
Würden Sie ihn als gefährlich bezeichnen? Nein.
Mein Mandant gibt an, in einer Liebesbeziehung
mit einer sogenannten Real Doll zu leben.
Halten Sie diese Aussage für glaubwürdig? Ja.
Können Sie das erläutern?
Agalmatophilie, also die Liebe zu Statuen und Puppen,
ist etwas, das gar nicht so selten vorkommt.
Könnte man sagen, es gibt viele, die so fühlen wie Herr Meyerbeck?
Es gibt eine ganze Industrie, die davon lebt.
Den Statistiken nach ist der typische Käufer dieser Puppen
zwischen 40 und 65 Jahren, männlich und alleinstehend.
So wie Herr Meyerbeck. Ja.
Dann war die Beschädigung an der Puppe durch den Nachbarn
aus Herrn Meyerbecks Sicht
ein ganz klarer Angriff auf seine Lebensgefährtin?
Ja.
Ich glaube Ihnen ja gerne, dass so etwas öfter passiert,
aber wollen Sie ernsthaft so eine Beziehung
mit der zwischen zwei Menschen gleichsetzen?
Die Gefühle, die diese Männer erleben,
unterscheiden sich nicht von anderen.
Aber eine Puppe kann doch keine Liebe erwidern.
In den USA kennen wir normale Frauen, die Strafgefangene heiraten.
Sie wissen, dass sie nie mit ihrem Partner zusammenleben können.
Und doch halten die Ehen oft Jahre. - Was hat das damit zu tun?
Wenn wir uns verlieben, ist das ein komplexer Vorgang.
Oft sind wir zunächst gar nicht in den Partner verliebt,
sondern in unser Bild von ihm.
Die kritische Phase beginnt, wenn es von der Realität eingeholt wird.
Die Liebe zu einem Strafgefangenen
kann nie anhand der Wirklichkeit überprüft werden.
Genauso wenig wie die Liebe von Herrn Meyerbeck zu seiner Puppe.
Das sind die besten Voraussetzungen
für eine dauerhaft glückliche Beziehung.
Herr Lohmann, wie lange arbeitet Herr Meyerbeck schon für Sie?
Fast 15 Jahre.
Er ist ein brillanter Programmierer.
Ich kann mir vorstellen, so jemand macht bei Ihnen schnell Karriere.
Herr Meyerbeck hat bis vor Kurzem jede Beförderung abgelehnt.
Bis vor Kurzem?
Ja. Mittlerweile ist er dann doch Abteilungsleiter geworden.
Darf ich fragen, warum?
Er ist selber auf mich zugekommen, einige Zeit nach der Scheidung.
Dann könnte man also sagen,
er hat sich nach seiner Scheidung positiv verändert?
Ja, auf jeden Fall.
Ich würde sogar sagen, dass er heute ein anderer Mensch ist als damals.
Haben Sie sich jemals gefragt,
was der Grund für diese Veränderung gewesen sein könnte?
Ja, wahrscheinlich bin ich einfach davon ausgegangen,
dass er wieder glücklich ist.
Im Namen des Volkes ergeht folgendes Urteil:
Der Angeklagte wird der gefährlichen Körperverletzung
für schuldig befunden.
Er wird zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten verurteilt,
die Strafe wird zur Bewährung ausgesetzt.
Der Angeklagte trägt die Kosten des Verfahrens.
Bitte nehmen Sie wieder Platz.
Zur Begründung:
Der Angeklagte hat sein Opfer mit einer Waffe überfallen
und ihm damit schwere Verletzungen beigebracht.
Er ist im Sinne von Paragraf 24 StGB
in einem minder schweren Fall zu verurteilen.
Herr Meyerbeck, wir halten Sie nicht
für gefährlicher als jeden Mann, dessen Frau vergewaltigt wurde.
Dennoch müssen wir Sie verurteilen.
Denn auch wenn Lydia ein Mensch gewesen wäre,
hätte das Ihre Tat nicht gerechtfertigt.
Notwehr war nicht gegeben.
Und Rache ist ein Motiv, das wir verstehen können,
das unsere Rechtsordnung aber nicht billigt.
Ja, bis dann. Alles Gute, Herr Meyerbeck.
Danke. Es war mir 'ne Freude.
Ja.
* Belebte Musik *
Wie war dein Tag, Lydia?
* Lied: "Infinite Lines" von Robot Koch und Delhia de France *
* Entspannter Elektro *
Die Schuld eines Menschen ist schwer zu wiegen.
Wir streben unser Leben lang nach Glück.
Aber manchmal verlieren wir uns, und die Dinge gehen schief.
Dann trennt uns nur noch das Recht vom Chaos.
Eine dünne Schicht aus Eis.
Darunter ist es kalt, und man stirbt schnell.
* Lied: "Is It Worth It" von Robert Koch und Delhia de France *
* Ruhiger Elektro-Pop *
Untertitel im Auftrag des ZDF, 2019
Can't find what you're looking for?
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