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"Bertrams Hotel, Teil 2"
Guten Morgen! - Guten Morgen!
Bertrams Hotel gehört zum Feinsten in London!
Hier steigt nur jemand ab, der auf sich und auf Tradition hält!
Zuweilen finden sich aber auch eigenwillige Gäste in den noblen Etablissements!
So eine Femme fatale und ihre Tochter,
die ein sehr merkwürdiges Verhältnis zueinander haben.
Ein etwas allzu jenseitiger Kanonikus, ein zwielichtiger Rennfahrer.
Und sogar ein Chefinspektor von Scotland Yard, natürlich inkognito.
Was Letzteren in diese Räume zieht, weiß niemand!
Sollte seine Gegenwart etwas mit den mysteriösen Raubüberfällen
der letzten Zeit zu tun haben?
Wo solch knifflige Fragen auftauchen, ist eine Person nicht weit: Miss Marple!
Wenn jemand Licht in diese verzwickte Sache bringen kann, dann nur sie!
Darf ich? - Natürlich!
Guten Morgen, Jane.
Hast du schon das Neueste gehört?
Was denn? Guten Morgen!
Stell dir vor, heute Nacht ist schon wieder ein Raubüberfall passiert!
Ich habe es vorhin im Radio gehört!
Bess habe ich es auch schon erzählt.
Was war denn diesmal dran?
Der irische Postzug! - Offensichtlich haben sie ihn angehalten
und alle Geldsäcke gestohlen, während die Reisenden schliefen.
Und sie sind mit einem kleinen Vermögen entkommen!
Man denkt, dass es die gleiche Bande war wie das letzte Mal.
Ist jemand verletzt worden?
Nein! Nur geknebelt und gefesselt!
Clever, die Jungs, das muss man ihnen lassen! Henry, noch etwas Toast, bitte!
Oh weh!
Hallo Biddy? Ich bin es! Ich bin zurück!
Ja, ich hab es rausgefunden!
Nein, nicht gut! Hör zu! Ruf meine Cousine an und sag ihr,
dass ich erst heute Abend komme! Ich muss noch dringend jemanden besuchen!
Nein, mit ihm treffe ich mich danach! Bitte, Bridget, denke dir was aus!
Das letzte Mal, als ich Sie gesehen habe, waren Sie so ungefähr zehn Jahre alt!
Wie alt sind Sie jetzt? 16? 17?
Ich bin fast 20!
Oh, Entschuldigung! Derek Luscombe spricht immer von Ihnen, als ob Sie...
Ich weiß! Aber ich bin kein Kind mehr, Mr. Egerton!
Nein. Sie waren also inzwischen weit weg!
In Italien und haben dort die Schule beendet.
Ja!
Und was kommt jetzt?
Das weiß ich noch nicht! Ich nehme an, dass Sie und Onkel Derek
nach wie vor dem zustimmen müssten!
Ja. Haben Sie schon etwas im Auge?
Im Moment noch nicht.
Was führt Sie dann zu mir?
Ich bin hier, weil mir niemand etwas sagen will.
Sie meinen Dinge, die Sie selbst betreffen.
Ja! Onkel Derek ist zwar sehr nett zu mir,
aber er spricht zu mir, wie zu einem Kind!
Und ich dachte, vielleicht behandeln Sie mich wie eine Erwachsene!
Was genau möchten Sie wissen, Elvira?
Wollen Sie sich die Stadt ansehen?
Ja! Wir wollten heute einmal zum Tower!
Eine gute Idee, Madam! Bitte sehr! Gott schütze Sie! Viel Spaß!
Zum Tower!
So, dann bin ich also ziemlich reich!
Sie werden sehr reich sein! Aber erst, wenn Sie 21 sind!
Bis dahin liegt alles in den Händen Ihrer Vormunde.
Außer, wenn ich vorher heiraten sollte.
Das würde die Sache allerdings ändern, ja.
Wenn ich verheiratet wäre und dann stürbe,
würde natürlich mein Mann der Alleinerbe sein?
Ja!
Und wenn ich ledig...
Dann wäre Lady Sedgwick Alleinerbe, als Ihre nächste Verwandte!
Meine was?
Sie ist immer noch Ihre Mutter, Elvira!
Ja, Sir!
Colonel Luscombe, bitte!
Danke!
Aber wir werden uns doch trotzdem wieder sehen können, oder?
Natürlich!
Ich meine, oft. Ich kann nach London kommen, wann immer du willst.
Du darfst jetzt kein unnötiges Risiko eingehen.
Für dich würde ich jedes Risiko eingehen!
Ich setze dich am Bahnhof ab!
Das nächste Mal leihe ich mir den Wagen meiner Cousine.
Ich wünschte, du könntest noch bleiben.
Ich auch.
Wenn wir doch nur für immer zusammenbleiben könnten.
Schon bald.
Versprich es mir.
Du darfst deinen Zug nicht verpassen. - Versprich es!
Ich schwöre es.
Du schwörst es.
Lebe wohl, Jane! Du meldest dich doch mal wieder, nicht wahr?
Ja!
Und vielleicht komme ich auch eines Tages wieder in dein liebes St. Mary Mead.
Oh, tu das bitte!
Auf Wiedersehen, Lady Selina. Gute Reise!
Danke! Auf Wiedersehen!
Ah, Miss Gorringe, ich bin wieder zurück! Ich wollte Lady Sedgwick sprechen.
Sie erwartet mich sicher schon.
Einen Moment, Colonel. Alice, würdest du mich bitte mit Lady Sedgwick verbinden?
Verzeihung, Lady Sedgwick, Miss Gorringe am Apparat.
Ich habe hier gerade Colonel Luscombe.
Gewiss, Lady Sedgwick. Sie erwartet Sie in Ihrer Suite. Es ist die Nummer Zwei.
Erster Stock! - Danke.
Oh, ich bitte um Verzeihung! Wir kennen uns zwar nicht,
aber wir haben uns schon einmal zugenickt.
Ich war schon hier, als Sie vorige Woche hier abstiegen.
Oh, ja!
Mit Ihrer Nichte, nicht wahr? - Mit meinem Mündel!
Natürlich! Nun, ich wollte fragen, ob ich Sie mal sprechen könnte.
Ganz privat. Ich dachte, ich sollte des bei Lage der Dinge besser mit Ihnen,
als mit Lady Sedgwick tun. - Warum sollten wir auch nicht.
Danke! Nun, ich hoffe, Sie werden mich nicht für vermessen halten.
Ich mische mich sonst nicht in solche Dinge und würde es auch jetzt nicht tun,
wenn er Basil Twisk nicht so ungemein ähnlich sähe.
Wer, bitte, ist Basil Twisk?
Ein junger Mann in meinem Dorf. Ein Schwerenöter von seltener Art.
Verzeihung, aber ich...
Ich meinte, dass Sie es wissen sollten. Wenn Sie es nicht eh schon wissen.
Natürlich ist es möglich, dass ich mich irre und er ein Freund der Familie ist.
Wer denn, Madam?
Aber wenn dem so sein sollte, warum haben die beiden dann so getan,
als würden sie sich nicht kennen, als er vorige Woche hierher kam?
Danke, Mrs. Cabot! Hat Ihnen der Besuch im Haymarket gestern Abend gefallen?
Oh ja, und wie! Was für ein süßes, kleines Theater.
Ich habe zu meinem Mann gesagt, solch ein hübsches Theater ist genau das,
was uns in den Staaten noch fehlt.
Bertrams Hotel, Sie wünschen?
Aber ja! Wen darf ich melden, Madam?
Für Sie, Miss Gorringe! Eine Mrs. MacCrae.
Haushälterin von Kanonikus Pennyfather.
Hallo, Mrs. MacCrae, Miss Gorringe am Apparat. Nett, dass Sie anrufen.
Nein, Mrs. MacCrae, das wollte ich Sie gerade fragen.
Wir haben ihn bereits vorgestern zurückerwartet, aber bis jetzt hat er sich
noch nicht gemeldet. Und sein Gepäck ist noch hier.
Ja, das ist wahr. Auch wir haben bemerkt, dass Hochwürden manchmal...
Nun ja, manchmal in Gedanken versunken ist.
Ich bin sicher, dass er sich melden wird.
Dann rufe ich Sie sofort an, wie im umgekehrten Fall Sie mich.
Bis dahin deponieren wir seine Koffer im Gepäckraum.
Ganz und gar nicht. Auf Wiederhören, Mrs. MacCrae!
Du siehst wieder mal Gespenster, Derek.
Es war Richard Egerton, der mich darauf gebracht hat. Er rief mich gleich an,
als ich sein Büro verlassen hatte, und sagte, er sei sich ganz sicher,
dass da ein Mann im Spiel ist.
Es würde mich sehr wundern,
wenn so ein anziehendes Mädchen wie Elvira keinen Freund hätte.
Du meinst einen netten, jungen Burschen, den Mildred
und ich kritisch geprüft haben.
Aber ich fürchte, Egerton hat Recht.
Dann weißt du, wer es ist?
So etwas Ähnliches. Eine es gut meinende alte Jungfer hat die beiden
vor ein paar Tagen im Park gesehen und mir den Kerl beschrieben.
Die Beschreibung wird dir nicht gefallen, Bess.
Hier ist Zimmer 57, und ich hätte gerne eine Verbindung
mit folgender Nummer:
Chadminster 520. Ja! Danke.
Oh, Mrs. MacCrae?
Verzeihung, hier spricht Miss Jane Marple.
Ja! Sie erinnern sich noch an mich?
Oh ja, mir geht es gut, danke! Ich bin seit einer Woche in Bertrams Hotel.
Ja, ich weiß. Deshalb rufe ich Sie an. Ich hoffe, Sie nehmen nicht an,
dass ich mich wichtig machen will. Aber ich bin der Meinung,
dass Sie sein Verschwinden bei der Polizei melden sollten, und zwar sofort.
Sie haben doch nichts dagegen, wenn ich Ihnen
auf dem Fuße folge, Inspektor Campbell?
Im Gegenteil, Sir.
Ich interessiere mich nämlich schon länger für Bertrams Hotel.
Das heißt, nicht nur für Ihren Priester.
Solange Sie meine Arbeit nicht behindern, Sir.
Keine Angst! Ich werde mich nicht einmischen. Oh, noch etwas:
Sie brauchen mich nicht mit Sir ansprechen, solange wir hier sind.
Tun Sie einfach so, als wäre ich Ihr Gehilfe.
Jawohl, Sir... Ganz wie Sie wünschen.
Danke!
Ganz und gar nicht. War mir ein Vergnügen. Wiederhören!
Guten Tag, Madam, ich hatte bereits angerufen. Polizei.
Könnten Sie vielleicht etwas leiser sprechen?
Verzeihung!
Würden Sie bitte Mr. Humfries holen?
Sie sind also Miss... - Gorringe.
Kriminalinspektor Campbell. Und das ist Chef... mein Assistent.
Wir kennen uns bereits. Ich war schon ein, zwei Mal zum Tee hier.
Ja, das kann sein.
Ich bin ein großer Verehrer Ihrer Muffins.
Wir möchten mit Ihnen über Kanonikus Pennyfather sprechen.
Dann kommen Sie doch lieber ins Büro. Alice, würden Sie übernehmen?
Ich hoffe, es kommt nicht in die Sonntagszeitung, dass er verschwunden ist.
Oder wenigstens, dass Sie das Bertrams nicht erwähnen.
Hallo, Bessy!
Ich glaube, ich habe, meinen Namen betreffend,
dich schon mal um was gebeten, Mickey.
In Ballygowlan war er dir sehr recht.
Bitte, würdest du mir jetzt aus dem Weg gehen?
Warum hast du es denn so eilig?
Weil ich eine Ratte erledigen will.
Na, warum denn gleich so wütend?
Ich wollte nur fragen, ob wir nicht mal plaudern könnten.
Um ein bisschen Geld aus mir herauszuquetschen?
Wieder völlig falsch verstanden, Bessy.
Habe ich das?
Wenn ich wirklich hinter Geld her wäre, hier sind Ladys,
die ein bisschen mehr als du haben.
In Ordnung! Dann hat Kanonikus Pennyfather also genau um 14:30 Uhr
das Bertram verlassen. Am letzten Mittwoch, den 19.
Korrekt, Inspektor.
Er hatte eine B.O.A.C.-Reisetasche bei sich und fuhr mit einem Taxi
in den Athenäum-Club.
Der Portier wird das bestätigen!
Und zurückkommen wollte er den Tag darauf. Am späten Abend.
Oder am darauf folgenden Morgen.
War seine B.O.A.C.-Reisetasche eine von diesen kleinen, blauen?
Die war doch blau, nicht wahr?
Ja!
Dachte ich es mir doch. Ich hatte mal so eine ähnliche.
Und sein übriges Gepäck ist noch hier?
Im Gepäckraum. Genau zwei Koffer.
Sie kennen Kanonikus Pennyfather schon ziemlich lange!
Oh ja! Er steigt seit Jahren regelmäßig bei uns ab.
Und ich fürchte, er war schon immer etwas vergesslich.
Sind Sie vollkommen sicher, dass niemand eine Nachricht für ihn hinterlassen hat?
Vollkommen!
Ja, Miss Gorringe, was...
Mr. Humfries, hier sind zwei Herren von Scotland Yard,
wegen Kanonikus Pennyfather.
Ja, sie haben vorhin angerufen. Eine eigenartige Geschichte.
Ich hoffe, dass ihm nichts passiert ist. Ein wunderbarer Mann. Alte Schule!
Inspektor Campbell hat den Wunsch geäußert,
noch ein paar Angestellte befragen zu können.
Es ist uns eine Freude, zu helfen! Wen möchten Sie denn sprechen?
Zuerst möchte ich den Ober sprechen, der an Mr. Pennyfathers Tisch bedient hat.
Henry wird Sie zu ihm führen.
Henry?
Unser Oberkellner, eine echte Persönlichkeit! Er gibt hier den Ton an.
Und wen noch?
Das Zimmermädchen Rose Shelton.
Das wird sich sicher einrichten lassen. Sie beginnt ihren Dienst um...
Um 17 Uhr, Mr. Humfries.
In der Zwischenzeit könnten Sie ja einen Tee zu sich nehmen.
Nein, ich denke, wir sollten besser...
Das ist eine sehr gute Idee. Wer kann schon einem Tee bei Bertrams widerstehen?
Guten Tag, Miss Marple!
Kann ich bitte einen Tee haben?
Guten Tag!
Darf ich mich zu Ihnen setzen?
Oh, bitte! Gern!
Gestatten Sie, dass ich...
Sie würden? Da wäre ich Ihnen aber sehr dankbar.
Danke!
Ich glaube, Sie kennen Kanonikus Pennyfather?
Ja, natürlich, ich kenne ihn. Sein Vater war ein sehr guter Freund meines Onkels.
Des Kanonikus von Ely.
Waren Sie es, der heute Morgen bei seiner Haushälterin angerufen hat?
Ja, ich habe sie angerufen. Weil ich das Gefühl hatte,
dass da etwas nicht ganz stimmt,
nachdem Mittwochnacht einiges durcheinander gegangen war.
Mittwochnacht?
Ja! Ich dachte mir, vielleicht hätte er seinen Flug verpasst.
Das würde einiges erklären. - Was erklären?
Dass er wieder ins Hotel kam. - Mittwochnacht?
Ja! Ich habe ihn gesehen.
Wann ist er zurückgekommen?
Das weiß ich leider nicht.
Aber Sie sagten doch eben, Sie hätten ihn gesehen!
Das war später. Es war so: Ich konnte nicht einschlafen,
weil ich nachgedacht habe über ein junges Mädchen, das hier gewohnt hat,
was aber nichts mit der Sache zu tun hat. Ach jetzt, wo ich das sage...
Irgendwie scheint mir auf einmal alles hier... ich weiß auch nicht recht...
wie eine Maskerade. Alles, was am Bertrams beruhigend schien,
empfinde ich jetzt als falsch. Ja, sogar bedrohlich!
Aber um auf Pennyfather zurückzukommen...
Ach ja, natürlich! Also, entweder lag ich noch wach,
oder irgendetwas hat mich aufgeweckt. London ist ja so schrecklich laut.
Jedenfalls habe ich auf meine Uhr gesehen, und da war es genau 1:10 Uhr.
Und gleich darauf hörte ich Schritte auf dem Korridor. Sie irritierten mich.
Nur deshalb habe ich meine Zimmertür geöffnet.
Und da sah ich Kanonikus Pennyfather auf dem Flur.
Er hatte seinen Mantel an und ging ziemlich forsch in Richtung Treppe.
Trug er etwas mit sich?
Nein, er trug nichts mit sich.
Interessant!
Ich denke, dass da doch ein Zusammenhang besteht.
Zusammenhang?
Ja! Zwischen dem Verschwinden des Kanonikus und allem anderen,
was hier vor sich geht.
Na gut! Ich habe das Mädchen ein paar Mal gesehen.
Das hätte ich mir denken können, nicht wahr?
Ich habe sie in Italien kennen gelernt.
Als ich begriff, dass es deine Tochter ist, da...
Dachtest du dir, das nutze ich aus.
Da hat sie mich ein bisschen mehr interessiert.
Du Mistkerl! Weiß sie was von uns?
Soweit ich weiß, nein. Seit wann bist du denn so an ihrem Wohl interessiert?
Seit wann? Seit heute! Sie ist unwissend und verletzbar.
Und ich lasse nicht zu, dass du ihr Leben ruinierst.
Du meinst, das würde ich tun?
Ja! Ich weiß, was es heißt, wenn einem in diesem Alter das Leben ruiniert wird.
Von jetzt an lässt du sie in Ruhe! Verstanden?
Und wenn nicht?
Oh nein, Bess. Wir brauchen einander viel zu sehr.
Dann stimmt hier also wirklich etwas nicht.
Daran gibt es keinen Zweifel.
Arme Mrs. Bertram. Es ist immer traurig, wenn ein Kunstwerk zerstört werden muss.
Ja!
Wissen Sie, das ist, wie wenn Sie in einer Gartenecke das Unkraut stehen lassen.
Dann können Sie nichts anderes mehr tun, als die ganze Ecke umgraben.
Leider bin ich noch nicht in der Lage, mit dem Umgraben zu beginnen.
Die beiden Überfälle wurden von hier aus geleitet. Das weiß ich.
Aber solange ich noch nicht weiß, wer der Kopf des Ganzen ist,
darf ich nichts übereilen.
Nein! Ich glaube, Sie werden gewünscht.
Bitte entschuldigen Sie mich, Miss Marple!
Wir müssen das Zimmermädchen befragen. Rose Shelton!
Sie tun gut daran, die junge Frau zu befragen.
Ich habe schon viele Knickse gesehen, aber nie wieder so einen wie den von Rose!
Seit die Theatergruppe von St. Mary Mead
einen französischen Schwank gespielt hat.
So, dann sind Sie also am Donnerstag gar nicht in seinem Zimmer gewesen.
Doch, Sir! Wie jeden anderen Tag, zum Staubwischen.
Das wird nämlich täglich gemacht!
Und dann habe ich noch zwei gewaschene Hemden hineingebracht.
Und das Bett? War das benutzt?
Nein, Sir!
Und das Badezimmer? Waren da Tücher benutzt worden?
Nur eines, Sir! Ehe er am Tag zuvor gegangen ist,
muss er sich noch die Hände gewaschen haben.
Also deutete nichts darauf hin,
dass er Mittwochnacht noch mal zurückgekommen ist?
Nein, Sir!
Was war mit seinen Sachen? Waren die schon in seine Koffer gepackt?
Nein, Sir, die hingen alle in seinem Kleiderschrank. Bis Miss Gorringe bat,
sie wegzuräumen, weil das Zimmer gebraucht wird.
Da habe ich sie in den Koffer gepackt.
Und was war mit der kleinen, blauen Tasche?
Wie bitte, Sir?
Mit der B.O.A.C.-Tasche? Die haben Sie doch gesehen?
Ach ja, natürlich! Ja! Das heißt, nein. Die hatte er ja mit ins Ausland genommen.
Aber er ist doch gar nicht geflogen. Dann muss er sie doch dagelassen haben.
Oder zurückgebracht haben zu den anderen Sachen.
Ja, ja, das stimmt. Ich meine, ich bin mir nicht sicher. Tut mir leid, Sir.
Das war alles, Miss Rose.
Danke, Sir!
Die Zeit war zu kurz, um ihr das einzutrichtern.
Mal sehen, ob Henry besser präpariert ist.
Demnach haben Sie Kanonikus Pennyfather am Mittwochmorgen selbst bedient.
Nein! Ich habe seine Bedienung selbst überwacht,
da ich gerne ein Auge auf unsere Stammgäste habe.
Und dabei haben Sie doch sicher ein paar Höflichkeitsfloskeln mit ihm gewechselt.
Ich denke, das gehört zu meiner Arbeit, Sir.
Sie haben an dem Morgen also mit Kanonikus Pennyfather gesprochen.
Ja, Sir. Wir sprachen über seinen geräucherten Lachs.
Und schon waren wir bei der Parabel von dem Brot und den Fischen.
Aber er sagte nichts, was auf eine Planänderung hindeuten könnte?
Nein, Sir!
"Ich freue mich auf einen Missionar, den ich in Arizona kennenlernte",
oder so etwas Ähnliches. - Nicht mal entfernt etwas Ähnliches.
Er sagte mir, dass er am nächsten Morgen nicht da sei, weil er nach Luzern flöge.
Und dann noch etwas Geringschätziges
über die Frühstücksgewohnheiten auf dem Kontinent.
Die Pendleburys hatten Recht mit diesem Hotel!
Denn wenn irgendwo noch das alte England ist, dann hier!
Ich habe das überwältigende Gefühl, dass jeden Augenblick
Edward VII. hier aus einer dieser Türen heraustreten könnte.
Elmer, sei bitte schön vorsichtig mit den Koffern.
Taxi, Sir?
Nein, danke. Polizei.
Sie haben Kanonikus Pennyfather am Mittwochnachmittag
doch bestimmt auch in ein Taxi gesetzt?
Richtig, Sir! Er fuhr in seinen Club.
Kann ich Sie einen Augenblick sprechen, Sir?
Wir hatten einen Anruf vom Yard.
Es ist zwecklos, Inspektor. Ich kann mich an nichts mehr erinnern.
Auch nicht, dass Sie von einem Auto angefahren wurden?
Nein!
Woher wissen Sie dann, dass Sie angefahren wurden?
Das Ehepaar, das mich gefunden hat, hat es mir gesagt.
Jedenfalls nahmen sie das an.
Wie hätte ich denn sonst auf der Straße liegen können?
Mit Ihrer B.O.A.C.-Reisetasche.
Und Sie haben keine Ahnung, wie Sie in die Gegend
von Milton St. John gekommen sein können?
Ich hatte noch nie etwas von diesem Fleck gehört.
Sind Sie sich dessen sicher?
So sicher, wie man sich mit einer Gehirnerschütterung sein kann.
Bitte sagen Sie uns, Hochwürden, woran Sie sich als Letztes erinnern.
Aus den Stunden vor Ihrer Bewusstlosigkeit.
Spieglein, Spieglein an der Wand.
Wie bitte?
Was?
Sie haben was von einem Spiegel gesagt.
Wirklich? Ich wüsste nicht, weshalb. Verzeihung, Sie fragten?
Woran Sie sich als Letztes erinnern! Bevor Sie in einem fremden Bett
im Milton St. John wieder zu sich kamen.
Ich weiß noch, dass ich ein Taxi zum Flugplatz genommen habe.
Und danach?
Nicht die Bohne!
Auch nicht daran, dass Sie danach, zum Beispiel, in einem Zug saßen?
Warum in einem Zug, wo ich doch fliegen wollte?
Eine Bekannte von Ihnen, eine Mrs. Pearce,
die singt in Ihrem Kirchenchor, glaube ich.
Ah ja, die kenne ich.
Sie hat gemeldet, dass sie Sie in einem Zug gesehen hat.
Zu einer überaus frühen Stunde am Donnerstag.
Zug? In was für einem Zug?
Im irischen Postzug.
Sie sagt, sie will ihn im irischen Postzug gesehen haben, diese Mrs. Pearce?
Sie gab an, sie wäre aufgewacht, als der Zug hielt,
und hätte in den Gang geschaut. So wie Sie im Hotel.
Und da habe sie gesehen, wie Pennyfather in den Zug kletterte.
Sie hat gesehen, wie Pennyfather in den Zug kletterte?
Ja! Sie nahm an, dass er ausgestiegen war, um zu sehen,
wieso der Zug auf freier Strecke hielt.
Und sie ist sich sicher, dass es Pennyfather war?
Absolut! Er ist ja eine sehr distinguierte Erscheinung.
Ja! Wie Richter Ludgrove! Ludgrove, so heißt doch der Richter,
der in den Bankraub verwickelt war, oder?
Ihnen entgeht aber auch gar nichts, Miss Marple!
Oh, sehr freundlich von Ihnen, Chefinspektor.
Und Kanonikus Pennyfather erinnert sich nicht daran,
in einem Zug gewesen zu sein?
Nicht die Bohne! Aber in einem anderen Zusammenhang
murmelte er etwas von einem Spiegel. Und schien nicht zu wissen, warum.
Er sagte so etwas wie einen Reim. Aus einem Märchen,
wenn ich mich nicht irre. "Spieglein, Spieglein an der Wand"...
Wer ist die schönste im ganzen Land?
Ja! Schneewittchen! Die böse Stiefmutter.
Ja! Eine Mutter und eine Tochter!
Die scheinen ja auch in unsere Geschichte verwickelt zu sein.
Dieser Bursche, der Lady Sedgwick und ihrer Tochter den Hof macht,
was für ein Kerl ist das?
Oh, er ist so in den Dreißigern. Sieht sehr gut aus. Aber sein Blick ist böse,
wie der eines Raubtiers. Wenn Basil Twisks Rekord je gebrochen werden sollte...
Basil Twisk?
Ja! Er war Versicherungsagent in Much Benham.
Doch ich fürchte, er hat den Leuten nicht nur Policen verkauft.
Er hatte auch so einen Rennwagen.
Dieser Kerl fährt einen Rennwagen?
Ja, einen roten Jaguar. Ich habe ihn neulich im Park gesehen.
Das Kennzeichen wissen Sie nicht zufällig?
FAN 2266.
Ganz sicher?
Wenn ich es sage! Das kommt, weil meine Cousine Fanny immer stotterte.
2- 2- 6- 6
Ich habe den Wagen auch schon hier gesehen. Zum Beispiel heute früh!
Wirklich?
Glauben Sie, dass unser Freund etwas mit den Überfällen zu tun hat?
Was meinen Sie?
Hat nicht jeder, der im Bertrams verkehrt, etwas damit zu tun?
Ich mache mir solche Sorgen um das arme Mädchen.
Wissen Sie, Chefinspektor, ich habe so eine furchtbare Vorahnung!
Weil die Sache um Basil Twisk mit einem Mord endete.
Jemand hat versucht, mich umzubringen!
Oh Gott!
Man hat auf mich geschossen.
Und wenn er nicht gewesen wäre...
Ist er schwer verletzt?
Ich fürchte, er war es!
Was ist passiert? Das waren doch Schüsse!
Das war nichts weiter. Sicher hat nur der Auspuff eines Autos geknallt!
Elvira!
Oh, Mutter!
Was ist passiert?
Irgendjemand wollte sie umbringen.
Oh mein Gott!
Ich war auf dem Weg hierher. Und da knallte auf einmal ein Schuss!
Und eine Kugel flog an meinem Kopf vorbei.
Da kam er die Straße herunter gerannt, der Portier! Er schob mich hinter sich,
und dann fiel noch ein Schuss, und jetzt ist er tot, Mutter!
Mick Gorman?
Haben Sie gesehen, wer geschossen hat?
Nein! Er ist im Nebel an mir vorbeigestürzt.
Er muss sich hier irgendwo in der Nähe versteckt haben.
Ist Ihnen ein Motiv für diesen Mordanschlag denkbar?
Nein! Aber es ist nicht das erste Mal, dass man mich töten wollte.
Inspektor Campbell! Inspektor Campbell!
Das war erst vor ein paar Tagen. In der U-Bahn!
Auf dem Bahnsteig standen viele Leute. Da hat jemand versucht,
mich auf die Schienen zu stoßen.
Das war bestimmt nur ein dummer Scherz!
Das habe ich mir auch erst gedacht! Aber nach dem, was eben war...
Ruhig! Ganz ruhig!
Man hat mir gesagt, Sie wohnen in Kent! Warum waren Sie heute in London?
Ich habe mich mit meiner Freundin Bridget getroffen, wir waren Essen.
Dann waren wir zum Sonntagskonzert in der Festival Hall. Als wir herauskamen,
war es neblig. Aber nicht zu sehr. Da machte ich mich auf die Heimfahrt.
Doch plötzlich wurde es schlimmer. Da bekam ich Angst.
Besonders, weil der Wagen meiner Cousine Mildred gehört.
Und so habe ich den Wagen nicht weit vom Bertram abgestellt.
Ich dachte, dass ich hier bestimmt übernachten kann,
weil ich ja wusste, dass meine Mutter hier logiert.
Ist Ihnen jemand gefolgt, nachdem Sie den Wagen abgestellt hatten?
Na ja, ich habe Schritte hinter mir gehört,
aber ich habe mir nichts dabei gedacht um diese Zeit!
Ja?
Verzeihung, Sir, aber das wird Sie interessieren.
Danke!
Entschuldigen Sie die Störung!
Miss Blake, kennen Sie einen Mann namens Ladislaus Malinowsky?
Den Rennfahrer Malinowsky? Nein, den kenne ich nicht.
Aber Sie kennen ihn, Lady Sedgwick?
Oh, ja, wir sind schon seit Jahren bekannt. Warum?
Ich verstehe. Ich habe also diesen klapprigen Wirrkopf von einem Priester
vom Hotel nach Bedhampton gefahren.
Wo ich dann mit diesem fantastischen Gehilfen
den irischen Postzug überfallen habe.
Wann hört der Onkel auf, mich zu verkloppen?
Und wenn ich Ihnen nun sage, dass ein roter Sportwagen wie der Ihre
in der Nähe von Bedhampton gesehen wurde? Kurz vor dem Raubüberfall!
Dann frage ich, ob er dasselbe Kennzeichen hatte.
Mich! Das allerbravste Kind der Welt! Kennzeichen kann man auswechseln.
Ach,wenn Sie nicht mehr auf der Pfanne haben, Inspektor.
Ich will ihn ja auch niemals wieder foppen.
Mein Bein hat er doch selber sich gestellt.
Haben Sie eine Pistole, Mr. Malinowsky?
Natürlich! Ich habe einen Revolver und eine Pistole!
Und für beide einen Waffenschein.
Und wo haben Sie diese Dinger?
Die Pistole habe ich in meinem Wagen,
und den Revolver habe ich in meiner Wohnung.
Was den Revolver betrifft, so haben Sie Recht! Aber Ihre Pistole ist hier!
Wie kommt die hierher?
Wir haben sie in der Nähe vom Bertram gefunden.
Sie wurde in der letzten Nacht benutzt,
um den Portier Michael Gorman zu erschießen.
Ich verstehe! Sie beschuldigen mich also eines Überfalls und eines Mordes.
Das ist doch lächerlich! Warum sollte ich diese Schießbudenfigur umbringen?
Die Kugel war nicht für ihn bestimmt, sie hat einer jungen Lady gegolten.
Jemandem, den Sie gut kennen: Elvira Blake!
Warum sollte ich das Mädchen umbringen, das ich heiraten will?
Den romantischen Quatsch mal beiseite,
würden Sie ein solches Vermögen zum Fenster rauswerfen?
Es sein denn, Sie wären bereits verheiratet. Dann würden Sie es erben.
Nicht dumm, aber trotzdem Doppelfehler!
Erstens sind wir es noch nicht, und zweitens war ich gestern pokern.
Gibt es noch andere Verdächtige?
Ihre Mutter vielleicht.
Bess ihre eigene Tochter erschießen? - Sie ist ihre nächste Verwandte.
Sie hat genug Geld von ihrem amerikanischen Ex-Gatten.
Genug ist nicht dasselbe wie ein Vermögen.
Außerdem hätte sie noch ein weiteres, klassisches Motiv!
Die Tochter war drauf und dran, den Mann zu heiraten, den ihre Mutter liebt.
Jetzt habe ich aber langsam genug!
Na gut! Ja, ich war mal mit Bess zusammen.
Aber das war doch nichts Ernstes.
Von Ihrer Seite aus mag das stimmen!
Ha, das ist ja zum Schreien. Patricia Gormsby-Smith auf einem Jagdball.
Sie sieht selbst wie ein Pferd aus.
Warum hast du gesagt, du würdest Ladislaus nicht kennen?
Mich brauchst du nicht zu belügen.
Er taugt nichts! Er will dich nur ausnützen.
Das sagst du, weil du eifersüchtig bist. Ich weiß, dass Ihr mal zusammen ward.
Liebling, das hat damit gar nichts zu tun.
Das hat sehr viel damit zu tun.
Ich weiß, wie das ist. Als ich so alt war wie du,
glaubte ich auch, jemanden zu lieben.
Wie kannst du das, was du für diesen widerlichen Portier empfunden hast,
mit meinen Gefühlen vergleichen? Du weißt ja gar nicht, was das heißt,
jemanden zu lieben! Und ich liebe Ladislaus!
Oh, Kanonikus Pennyfather! Meine Gebete sind erhört worden.
Sind Sie auch wieder völlig gesund?
Wie nett Sie sind! Ich bin gekommen, um... ja warum denn?
Um mein Gepäck zu holen.
Gut! Aber bevor Sie gehen, möchte ich,
dass Sie noch an einem Experiment teilnehmen.
1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8.
Oh, danke, Kanonikus!
Sie haben Ihre Sache wirklich sehr gut gemacht!
Oh, meinen Sie wirklich?
Sie waren es nicht, den ich gesehen habe. Er hatte zwar Ihre Statur,
aber sein Gang war anders. Ich bin mir sicher, es war ein jüngerer Mann.
Sie meinen, ich bin doch nicht zurückgekommen?
Doch, das sind Sie, das steht außer Frage! Sie müssen zurückgekommen sein,
ohne dass Sie jemand gesehen hat.
Und dann geschah was?
Sie machten die Tür auf. So. Und was sahen Sie da?
Tut mir leid! Genau das weiß ich ja nicht mehr!
Etwas im Spiegel vielleicht?
Spiegel! Spiegel? Ich habe etwas gesehen, aber was?
Da ist kein Spiegel! Mein Zimmer ist nämlich identisch mit dem, das Sie hatten.
Was Sie gesehen haben, war ein Mann, der so angezogen war wie Sie.
So, dass er Ihnen zum Verwechseln ähnlich sah.
Ja, bei Gott, jetzt fällt es mir ein! Ich war völlig verdutzt. Und dann?
Hat man Ihnen mit etwas auf den Kopf geschlagen.
Und der falsche Kanonikus Pennyfather, jener jüngere Mann,
wurde in aller Eile nach Bedhampton gefahren.
Sie meinen, das Ehepaar, das ihn auf der Straße gefunden hat,
gehört auch zu der Bande? - Daran hege ich keinen Zweifel mehr.
Diese Bande hat viele Helfershelfer und Schlupfwinkel.
Ja? Wie dumm, dass ich die Maskerade in jener Nacht nicht durchschaut habe.
Ich habe diesen Mann wirklich für den Kanonikus gehalten.
Ich bitte Sie. Was glauben Sie, wie oft ich mich schon geirrt habe?
Bis ich dahinter kam, dass Richter Ludgrove
und ähnlich distinguierte Herren nicht in den Bankraub verwickelt waren,
hatten die den nächsten Überfall schon wieder vorbereitet.
Aber die Sache mit Pennyfather war mir der letzte Beweis,
dass alles vom Bertram aus gesteuert wird.
Nun, so gesehen war Ihr Irrtum recht fruchtbar, Miss Marple.
Mir will doch scheinen, dass Ihre Arbeit sehr kompliziert ist, Chefinspektor.
Besonders, wenn der Chef der Bande eine sehr komplizierte Persönlichkeit ist.
Sie wissen schon, wer es ist?
Wenn ich nicht irre. Ich wünschte nur, ich wüsste, wer Gorman ermordet hat.
Dann könnte ich den ganzen Fall auf einmal aufklären.
Also wenn ich Ihnen da etwas vorschlagen darf, Chefinspektor.
Natürlich kann ich es auch unter den falschen Baum stellen...
Das wage ich zu bezweifeln, Miss Marple!
Ich glaube ganz fest, der Schlüssel zur Lösung Ihres Falles
ist in einem Ort namens Ballygowlan zu finden.
Guten Tag, Madam! Ihr Tisch ist fertig.
Oh, danke!
Oh, sehr schön!
Ins Bertram.
Möchten Sie das alleine unternehmen, oder möchten Sie mich dabeihaben?
Ich möchte, dass Sie vorm Bertram Posten beziehen.
Und wenn es für Sie gefährlich wird?
Nun ja, ich habe ja noch Miss Marple!
Bitte nehmen Sie Platz!
Setzen wir uns dort drüben hin.
Möchten Sie, dass ich meine Tochter hole?
Wir möchten mit Ihnen sprechen, Lady Sedgwick!
Gibt es etwas Neues zum Mordanschlag?
Bitte!
Leider noch nicht, Lady Sedgwick.
Sagen Sie, hat Sie die ganze Sache sehr aufgeregt?
Was für eine Frage! Ich war sehr geschockt,
aber da ich diesen Mann nur vom Sehen kannte, war mir...
Nur vom Sehen?
Was?
Ich glaube, Sie kannten ihn nicht nur vom Sehen. War er nicht mal Ihr Mann?
Oh Gott! Ihr Polizisten seid doch nicht so einfältig, wie ich dachte.
Na gut, wir waren mal verheiratet,
aber ich habe ihn gut 30 Jahre nicht mehr gesehen.
Er war Stallbursche auf dem Gut meiner Eltern. Als ich mit ihm durchbrannte,
war ich noch jünger als Elvira. 24 Stunden reichten,
um mich von meinen Illusionen zu heilen. Er war ein Trunkenbold.
Zum Glück ließ mich meine Familie wieder einfangen und fand ihn ab.
Wussten Ihre Eltern, dass Sie geheiratet hatten?
Um Gottes willen!
Durch Ihre Heirat mit Lord Coniston lebten Sie dann also in Bigamie.
Und nach meiner Heirat mit Ridgway Becker und Johnny Sedgwick...
Bigamie, Trigamie. Was heißt das? Scotch?
Nein, danke!
Haben Sie nie daran gedacht, sich scheiden zu lassen?
Wozu alles immer wieder aufrühren?
Und da taucht auf einmal Gorman auf und versucht, Sie zu erpressen.
Das ist reine Spekulation, verehrter Chefinspektor.
Nein, ich habe einen exzellenten Zeugen dafür.
Woher wollen Sie das wissen?
Die Stühle im Schreibzimmer haben glücklicherweise sehr hohe Lehnen.
Sie haben gelauscht, Madam!
Das Schreibzimmer ist kein privater Raum.
Es gibt noch eine Person, die das alles mit anhören durfte.
Oh, hoffentlich nicht Selina Hazy. Sonst weiß es ganz London!
Nein, Lady Sedgwick! Ihre Tochter!
Mein Gott, was muss sie gedacht haben?
Genau das, was auch wir gedacht haben.
Fliege nach Irland und finde die Wahrheit heraus.
Ich muss mit ihr sprechen und ihr alles erklären.
Dabei können Sie ihr auch gleich sagen, dass der Mordanschlag nicht ihr galt.
Weil es doch so aussehen sollte, nach dem Plan von Gormans Mörder.
Er hat einen Schuss abgefeuert und gut aufgepasst, dass die Kugel sie nicht traf.
Sie schrie, Gorman lief die Straße hinunter,
und dann hat der Mörder die Person erschossen, die er erschießen wollte:
Michael Gorman!
Ich bin froh, dass Sie "Er" gesagt haben, Chefinspektor.
Ich dachte schon, Sie verdächtigen mich.
Oh, es gibt eine Menge Leute, die ein Motiv hatten,
Gorman aus dem Weg zu räumen. Schließlich ist doch das Bertrams
ein regelrechtes Paradies für Erpresser, nicht wahr?
Das Bertrams?
Es ist sogar das Hauptquartier eines der größten Verbrechersyndikate.
Das gute alte Bertram? Eines der respektabelsten Hotels in London?
Um diesen Schein zu erhalten, wurde viel investiert. Nur allerbeste Kräfte.
Und Henry spielt den Part des Oberkellners hervorragend.
Aber Henry ist der Oberkellner vom Bertrams!
Humfries spielt seine Rolle ebenso überzeugend. Nicht zu vergessen,
die hinreißenden Damen Gorringe und Shelton.
Und die ausländischen Gäste in diesem Stück mit ihrem Luxus-Reisegepäck.
Maßgeschneidert für Geldtransporte von und nach Übersee.
Wie Mr. und Mrs. Cabot zum Beispiel! - Oh, diese schrecklichen Amerikaner.
Sagen Sie mir bloß nicht, dass das Verbrecher sind.
Sie sind mit 300.000 Pfund abgefahren,
die in ihren Schrankkoffern versteckt waren.
Oh, wie enttäuschend!
Stammte alles aus dem irischen Postzug. In diesem Raubüberfall steckt Ihr Freund,
Ladislaus Malinowsky, bis über den Hals mit drin.
Ladislaus?
Gorman muss von der Sache gewusst haben.
Wenn auch nicht so viel wie Sie, Lady Sedgwick.
Wie sollte ich etwas davon wissen?
Weil Sie der Kopf der Bande sind.
Wie bitte?
Ich ein Kapitalverbrecher?
Warum nicht? Sie hatten fast alles durch.
Oh nein, Lady Sedgwick, es war nicht das Geld.
Sie reizte das Abenteuer, die wahnsinnige Spannung.
Wohin gehen Sie?
Meinen Anwalt anrufen.
Das wollte ich Ihnen eben raten.
Wozu eigentlich noch?
Ja, ich habe diese Stücke inszeniert.
Und ich habe jede Minute davon genossen. Es war das größte Spiel meines Lebens.
Ich habe nie wieder so viel Spaß gehabt,
seit ich das königliche Turnier auffliegen ließ.
Und Malinowsky hat Gorman nicht erschossen. Das war ich! Ich habe ihm gesagt,
dass ich ihn erschießen werde, wenn er mir in die Quere kommt.
Das haben Sie doch an jenem Tag auch gehört, Miss Marple.
Ja!
Und jetzt habe ich es getan. Ja, auf mein Wort kann man sich verlassen.
Ich war am Tag zuvor mit Ladislaus unterwegs,
da habe ich die Pistole genommen. Es war alles wahnsinnig einfach.
Vergessen Sie nicht, Miss Marple, Sie sind Zeuge meines Geständnisses.
Ich, und nicht Malinowsky, erschoss Gorman.
Und jetzt? Fangen Sie mich, wenn Sie können.
Unsere Posten stehen überall. Sie hat keine Chance!
Meinen Sie! Wo steht Ihr Wagen?
Auf der Rückseite! - Los!
Hey, was machen Sie denn da? Hilfe!
Arme Frau!
Ja! Aber etwas Vernünftiges hat sie noch gemacht.
Sie haben es gehört, Miss Marple, sie hat den Mord an Gorman gestanden.
Ja, ich habe es gehört.
Dann gehen wir mal lieber und kümmern uns um ihre Tochter.
Ja.
Ja bitte?
Geht es Ihnen jetzt besser?
Fragen Sie nicht, wie ich mich fühle. Ich glaube, ich fühle nichts mehr.
Ich nehme an, Miss Marple hat Ihnen vorhin schon gesagt,
dass Ihre Mutter den Mord an Gorman gestanden hat.
Ja!
Jetzt, da Sie Zeit zum nachdenken hatten, Elvira,
gibt es etwas, das Sie uns sagen möchten?
Nein, nichts!
Ganz bestimmt nicht?
Ganz bestimmt nicht!
Oh, was für ein hübscher Taschentuchbehälter.
Ich hatte einen ganz ähnlichen, als ich so alt war wie Sie.
Ich hatte mein Tagebuch darin aufbewahrt.
Nein!
Und meinem Tagebuch habe ich alles anvertraut, was ich erlebt habe.
Sind Sie sich immer noch sicher, dass Sie dem Chefinspektor nichts sagen wollen?
Sie alte Hexe, Sie! Na gut! Warum, verdammt, sollte meine Mutter die Schuld
nicht auf sich nehmen? Das war alles, was sie für mich getan hat.
Ich hasste sie. Ich hasste sie.
Nein, bitte nicht!
Sonst verliere ich ihn für immer.
Und er liebt mich doch so! Bitte glauben Sie mir!
Ich weiß nicht, vielleicht können Sie doch hexen, Miss Marple!
Oh nein!
Wann kamen Sie drauf?
Als ich sie mit ihm zusammen sah. Soviel Leidenschaft!
Ich vermute, es war das Geld.
Sie hatte Angst, dass er sie ohne nicht heiratet.
Es ist wirklich erstaunlich. Er sah genauso aus wie Basil Twisk.
Das sagten Sie schon.
Als sie herausfand, dass ihre Mutter mit Gorman verheiratet war, begriff sie,
dass ihre Ehe mit Lord Coniston ungesetzlich war.
Sie fürchtete, nichts zu erben.
Kein Vermögen, kein Ladislaus!
Ich vermute, ihre Mutter hatte es geahnt.
Und hat sich des Mordes bezichtigt, damit ihre Tochter in Freiheit bleiben kann.
Eine wirklich bemerkenswerte Frau.
Arme Mrs. Bertram! Es ist immer traurig, wenn ein Kunstwerk zerstört werden muss.
Wissen Sie, das ist, wie wenn Sie in einer Gartenecke das Unkraut stehen lassen.
Dann können Sie nichts anderes mehr tun, als die ganze Ecke umgraben.
Untertitel: Herden Media
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