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(Flughafendurchsage)
Danke. Für Sie wirklich nichts? Nein.
Alles inklusive. Danke, Herr Doktor Kugler.
Lassen Sie doch endlich den "Doktor" weg! Freuen Sie sich?
Ja. Auf China. Und auf Sie.
(Startendes Flugzeug)
Katharina
Alexander
Christoph, Katharinas Mann
Nelly, ihre Tochter
(Bahnhofsdurchsage)
(Tilman pfeift.) (Horn) Nicht schlecht, was?
(Marie) Wer ist dieser Dr. Kugler? - Geschäftsmann, Ende 70.
Hatte eine PR-Agentur. Recht erfolgreich offenbar. - Pleite?
Nicht dass ich wüsste. - Und warum...
... kommt er dann zu uns und geht nicht zu einem erstklassiges Haus?
Mach dir nichts draus. Das ist sein Humor.
Diesen Schwarz hier hab ich noch nie gesehen.
Das hat er '27 gemalt. Sie hieß Laika.
Eine Adelige, die bei der Ufa als Komparsin gearbeitet hat.
Eine schöne Frau. - Hat Ähnlichkeit mit Katharina.
(Horn) Sie wissen, dass Katharina glücklich verheiratet ist?
Jetzt lassen Sie ihn doch in Ruhe.
Es hat mit ihr ein schlimmes Ende genommen.
Ihr Partner hat sie erstochen. Eifersucht.
Hallo?
Hallo!
Na? -Na. Alles gut? -Hm.
Jetzt hast du's ja bald. Hör bloß auf! Stoll war wieder da.
Seine Frau hatte noch mehr "tolle" Ideen fürs Wohnzimmer.
Wo ist Nelly? Noch mal rüber zu Max.
Wäre es okay, wenn du heute kochst, für Nelly und für dich?
Ist dir nicht gut? Doch. Aber ich hab Lust zu baden.
Und danach gehe ich ins Bett. Um 8 Uhr?
Das nenne ich Luxus! Morgen bin ich dran.
Da kommen Bea und Thomas. Dann übermorgen.
Übermorgen ist wieder mein Tag.
Scheiße.
Das ist ja abscheulich! Von mir hat sie das nicht.
Vielleicht ist ja doch der Lambada- Tänzer von damals ihr Vater.
Ich habe vielleicht einen exzentrischen Geschmack,
aber dafür "stinke ich nicht nach alten Wärmflaschen".
Das ist aus dem Stück. Ist heute Nachmittag Theater-AG?
Ja. Frau Ochsmann ist wieder fit.
Die Premiere wird nicht verschoben? Nö.
Max spielt auch mit? Den Wahn- sinnigen Onkel Jack, meinen Mann.
Dann müsst ihr ja viel üben... Was hast'n du da?
Was? Du wirst ja ganz gelb!
Sie wird schon "ganz wellig an den Rändern".
Nur Eltern werden "gelb und wellig am Rand".
Wer hat dieses komische Stück eigentlich ausgesucht?
Scheiße! Das können Sie laut sagen.
So was Blödes! Ist nicht schlimm.
Ich gehe am besten auf die Toilette. Ich komme mit!
Sie gehen aber ran! Nein, ich meine...
Finden Sie nicht, dass Sie schon genug taten? Ich bestehe drauf!
Es tut mir furchtbar leid. Ist nur meine Lieblingsjacke.
Danke.
(Romantische Musik)
Wir könnten ja einen Kaffee trinken gehen, statt einen wegzuschrubben.
Und was wird aus uns?
"Uns bleibt immer noch Paris".
Nehmen Sie jeden Morgen den Zug? Finden Sie's raus!
Du grinst wie die heilige Jungfrau nach der unbefleckten Empfängnis.
Was? Kommst du mit was essen?
Oh Gott! Wie spät ist es? Kurz vor halb 2.
Vielleicht schaff ich's noch! Sie kommt auch immer zu spät.
(Schwungvolle Musik)
Einen Cynar, bitte. Kein Eis. Keine Zitrone. Hallo, Mama.
Weißt du, was die für einen ganz einfachen Gürtel wollen?
1.000? 360. Teuer genug.
Harald hat morgen Geburtstag. Wie alt wird er denn?
28? Nur kein Neid.
La Palma war toll! Schön.
Hast du schon? Ich nehme die Seezunge und den kleinen Salat.
Ich nehme das Rinderfilet. Blutig.
Wenn es geht, innen noch kalt. Und ein Glas Merlot.
Wie geht's? Das Übliche. Christoph arbeitet immer noch
an seinem Null-Energie-Haus. Nelly probt für die Schulvorführung.
Du kommst doch, oder? Ich weiß nicht, ob wir da sind.
Harald und ich wollen nach Sylt. Wenn deine Enkelin Theater spielt?
Was hast du gegen Harald? Nichts. Ich kann ihn nur nicht leiden.
(Kellner) Guten Appetit.
Und?
Wie immer knochentrocken. - (Kellner) Oh, ich...
Schon gut. Bringen Sie mir einen Merlot. Ich spül's runter.
Ich weiß, mit deinem Vater war es auch sehr schön zu Anfang,
aber mit Harald... ist das so wie in einem Porno.
(Sie lacht laut.) (Jemand räuspert sich) Mama!
"Mama, Mama"! Glaubst du, eine Frau kann einen Mann nicht anturnen,
nur weil sie älter ist als er? 15 Jahre!
Wir hatten ein Apartment direkt überm Meer.
Obwohl wir zum Schwimmen gar nicht kamen.
Wir hatten diesen Whirlpool auf der Terrasse... Du bist unmöglich!
Und dann sagt sie: "Ja, und ich habe hart daran gearbeitet."
So 'ne Mutter hätte ich mir gewünscht.
Ja, für einen Lacher ist sie immer gut.
Aber ich finde dieses "Unwürdige- Greisin-Getue" aufgesetzt.
Sie ist erst 60! Ist doch toll, wenn man sich nimmt, was man will.
Wer traut sich so was schon? - Aha!
Wenn sie mit ihrer Entscheidung zufrieden ist, ist doch alles okay.
Und Papa? Der Eigenbrötler! Da kann doch deine Mutter nichts für.
Ihr habt's gehört! In Zukunft kann ich machen, was ich will.
Sie träumt nämlich schon lange von Brad Pitt.
Deshalb liebe ich dich so sehr. Du kennst mich so gut!
Brad Pitt ist mir sowieso viel zu alt.
Eine klare Entscheidung ist besser als keine.
Und deine Eltern? Klare Entscheidungen?
Wie man's nimmt. Mein Vater ging nach Poona, da war ich 12.
Zu Bhagwan? Habt ihr Kontakt?
Wenig. Er lebt in Italien. Mit seiner 2. Frau.
Der Arsch! Entschuldigung, aber er kam nicht mal zu Nellys Taufe.
Es hat sich eben auseinander gelebt.
Er war überfordert, suchte einen Ausweg.
Warum hast du nicht Saddam Hussein verteidigt?
Er könnte noch leben!... Heute ist nicht mein Tag.
Ich hab sogar jemandem im Zug Kaffee übergeschüttet.
Sah er gut aus?
(Bahnhofsdurchsage)
(Traurige Musik)
So. Ich glaube, das geht als Wiesel durch.
Okay, das Sofa ist die Kutsche.
Tante Maud sitzt drin, Jack ist noch draußen.
Eddie steigt in die Kutsche, setzt sich hin.
Tante Maud sagt... "Du musst Malcolm sein.
Nein, ich bin Eddie.
Ich sprach mit dem Wiesel. Also? Bist du Malcolm?
Kümmere dich nicht um sie. Sie ist wahnsinnig.
Wer ist sie denn? Sally, das Wiesel.
Hat sie den Namen von dem ausgestopften Tier, das sie umarmt?
Aber ich sprach doch von dem Wiesel!
Diese liebe Dame ist meine Gattin,
die Wahnsinnige Tante Maud, und... und...
und die ist bestimmt nicht wahnsinnig." Ich kann das nicht!
Na klar doch! Den Text kannst du schon prima.
Du musst jetzt noch ein bisschen Gefühl reinlegen.
Stell dir vor, du bist der Wahnsinnige Onkel Jack.
Du bist alt, völlig irre...
"Diese liebe Dame ist meine Gattin, die Wahnsinnige Tante Maud,
und die ist ganz bestimmt nicht wahnsinnig." Bravo!
Danke schön.
War doch nicht schlecht. Soll dein Vater die Rolle spielen!
Also ich fand dich gut.
Na, dann... Gute Nacht. Nacht.
(Traurige Musik)
Das wird schon. Hm.
Du hast den Max gerne, stimmt's? Ich find den auch nett.
Etwas schüchtern, aber nett. Mama!
Was? Du nervst.
Entschuldige, wenn ich dir zu nahegetreten bin. Ich verstehe das.
Ich fand's auch schlimm, wenn Oma mich über Freunde ausgefragt hat.
Max ist nicht mein Freund. Jedenfalls nicht so.
Verstehe... Gute Nacht.
Nacht.
Gute Nacht, Papa. Nacht, Nelly.
Bin ich froh, dass ich das hinter mir hab.
Ich geh auch schlafen. Ich mach noch den Saum fertig.
Gut. Bis später.
(Bahnhofsdurchsage)
Heute kein Kaffee? Ich war knapp dran.
Dann also kein Tete-a-Tete auf der Zugtoilette?
Trösten Sie sich. Die Gelegenheit kommt wieder.
Jeden Morgen um 8 Uhr 28. Sie fahren doch auch öfters.
Nur donnerstags.
Und was machen Sie so donnerstags? Etwa arbeiten?
Ja, ich beschäftige mich. Ich helfe einem befreundeten Filmproduzenten,
das Chaos in seiner Buchhaltung zu ordnen. Sie sind Buchhalter?
Interessant.
Soll ich Ihnen was sagen? Es ist wirklich interessant.
Goethe hat über die Buchführung gesagt: "Sie erlaubt uns,
alle Tage die Summe unseres wachsenden Glückes zu ziehen."
Die Buchführung ist wie das Leben:
Kein Gewinn, der nicht auf der anderen Seite ein Verlust wäre.
Es gibt Dinge, die sich nicht einfach so beziffern lassen.
Ist doch schrecklich, alles in Zahlen auszudrücken. Schrecklich?
Ich finde es ehrlich. Was machen Sie denn?
Ich bin Kunsthistorikerin. Ich arbeite für einen Kunsthändler.
Dann verstehen Sie, wovon ich spreche.
Ich bin übrigens Alexander Frey. Katharina Schneider.
Darf ich Sie in Ihrem Kunsthandel besuchen?
Wieso? Wollen Sie unsere Buchhaltung machen?
Wiedersehen.
Guten Morgen! Morgen.
Sag schon! Was denn? Ja, wer das war!
Niemand. Ich lernte ihn im Zug kennen.
(lacht) Warum laufen mir nie solche Typen über den Weg?
Wieso? Hast du Bedarf? Du etwa nicht?
Nein. Aha... Wie lange kennt ihr euch eigentlich?
Ich sag doch, wir kennen uns nicht.
Nein, ich meine, du und Christoph.
Das sind jetzt so 15 Jahre. Wieso?
Henrik und ich kennen uns jetzt 12 Jahre.
"Gewohnheit ist ein Himmelsschatz: des Glückes wirksamer Ersatz."
Hä? Puschkin. Ach so. Verstehe.
(Handyklingeln)
Hallo? Ja, am Apparat.
Was? Und wo ist er jetzt?
(Arzt) Er brach auf der Post zusammen. Kam so was schon mal vor?
Nicht dass ich wüsste. Wird er... Machen Sie sich keine Sorgen.
Wir behalten ihn hier und... - Das könnte euch so passen!
Papa! Was machst denn du hier?
Du hattest einen Schwächeanfall. Quatsch.
Erinnerst du dich nicht? Ich will nach Hause.
Jetzt sei doch vernünftig. Hören Sie, Herr Meineke.
Ihre Tochter holt Ihnen ein paar Sachen von zu Hause
und nach 3 Tagen Vollpension wissen wir dann mehr.
Sie wollen mich doch nur haben, weil ich privat versichert bin.
Weißt du noch Tante Anneliese? Beim Tanzen ausgerutscht.
Im Krankenhaus eine Infektion geholt. Kurz drauf war sie tot.
Rufst du jetzt endlich ein Taxi? Wo sind denn meine Schuhe?
Ich kann mich doch nicht einfach so mal ins Bett legen.
Ist ja gut.
Das muss alles erledigt werden.
Soll ich bei dir bleiben? Ach was!
Brauchst du irgendwas?
Hör zu, ich muss schon seit längerer Zeit allein klarkommen.
Manchmal verstehe ich, dass Mama von dir weg ist.
Wie geht's ihr denn? Deiner Mutter?
Gut.
Schön.
Hm!
"Berlin Alexanderplatz". Erstausgabe? Ja.
Wow! Sogar noch mit Umschlag. Was kriegt man dafür?
3.000, vielleicht 3.500.
Hast du es mal gelesen? Nein.
Interessiert es dich? Ich schenk es dir.
(Rockmusik, Christoph summt mit.)
(telefoniert) Nein... Ich glaub, es geht ihm ganz gut.
Er vermisst dich einfach.
Ich mache dir keinen Vorwurf!
Ruf ihn mal an. Es muss ja nicht gleich morgen sein.
Erzähl ihm nicht, dass ich dir was gesagt hab. Du weißt, wie er ist...
Ja... Mach ich. Gut. Bis dann.
(Er singt: "I Feel You" von Depeche Mode.)
(Sie singt mit.)
Schönen Gruß von Mama.
Danke. Und, was hat sie gesagt?
Dass Papa schon immer einen Hang zum Melodrama hatte.
Und du? Machst du dir Sorgen?
Heute früh ist mir was Komisches passiert.
Ich habe jemanden kennengelernt, im Zug.
Eigentlich lernte ich ihn letzte Woche kennen.
Ich habe ihm Kaffee über die Jacke geschüttet... Das verbindet.
Wir haben uns unterhalten. Er ist Buchhalter.
Klingt aufregend.
Er hat mir einen Vortrag über die doppelte Buchführung gehalten.
(lacht) Das ist mal eine originelle Masche. Er war nett.
Bist du fertig? Bei einem Bauherrn wie Stoll?
Ich glaube, du bist fertig. (Lachen)
Du denkst, ich bin fertig. Wie kommst du da drauf?
Das kannst du gar nicht beurteilen. (Lachen, Musik: "I Feel You")
(telefoniert) Es sind wirklich wundervolle Arbeiten.
Ich kann gar nicht erwarten, sie in echt zu sehen.
(lacht) Ja, Sie natürlich auch, Herr Doktor Kugler.
Dann bis nächste Woche bei Ihnen in Frankfurt. Wiedersehen.
Echt stark. Hat Kugler die Sammlung ganz allein aufgebaut?
Im Wesentlichen ja. Ein paar Zeichnungen stammen vom Vater.
Wie geht's eigentlich deinem Vater? Marie hat's mir erzählt.
Er meint, es geht ihm gut. Aber was heißt das schon?
Er hat immer gesagt:
Das Leben ist ein Roman - selbst der längste ist mal zu Ende.
(Horn) Frau Schneider? Jemand möchte Sie sprechen.
(Romantische Musik)
Was wollen Sie denn hier?
Was wollen normalerweise Besucher hier?
Sie wollen große Kunst für wenig Geld kaufen.
Ja, vielleicht will ich das ja auch.
Das gefällt mir.
Erinnert mich an meine Kindheit.
Sie haben einen guten Geschmack. Für 200.000 gehört es Ihnen.
Mit Rahmen?
Was ist, wenn ich versuchen würde, Sie zum Essen einzuladen?
Ich glaube, das wäre zwecklos. Es ist nur eine kleine Einladung.
Hören Sie... Die ist ungefähr so lang.
Und so dick.
Guten Appetit.
Wie fanden Sie mich? So viele Kunsthändler gibt's hier nicht.
Und dass Sie nicht in so einer Klitsche arbeiten...
... das haben Sie sich gedacht? Ja!
Mein Mann, Christoph, der hasst Currywurst.
Sie wollen mir zu verstehen geben, dass Sie vergeben sind?
Tut mir leid. Ich bin da nicht so routiniert. Worin?
Also erst überrumpeln Sie mich mit dieser Einladung,
und dann wollen Sie mich verlegen machen.
Überhaupt nicht. Erzählen Sie was von Ihrem Mann.
Er ist 40, Architekt... Ich will jetzt gar nicht über ihn reden.
Dann erzählen Sie was von sich. Erzählen Sie doch was!
Okay. Ich bin 37.
Ich lebe bei meiner Schwester Lili und ihrem Sohn Vincent.
Mein Vater war Diplomat. Als Kind hab ich die halbe Welt gesehen.
Im Moment sitze ich in einer Würstchenbude
mit einer Kunsthistorikerin in Hamburg. Wo waren Sie überall?
Mozambique. Ecuador. Vietnam. Kananga. Kananga?
Ein winzig kleines Land zwischen Burundi und Ruanda.
Jetzt würd ich gerne was von Ihnen hören.
Ich habe eine 11-jährige Tochter, ich liebe meine Arbeit...
Wer ist ihr Lieblingsmaler? Das ist schwer zu sagen.
Welches Bild würden Sie auf eine einsame Insel mitnehmen?
Eine Collage von Matisse. Die "Fleurs de Neige". Und Sie?
Na ja. Keine Ahnung. Malerei ist nicht mein Metier.
Aber es gibt ein kleines Bild, das ich früher sehr mochte.
3 Frauen am grauen Strand. Eine mit dem Rücken zum Betrachter.
Sie streichelt ihre schwarzen Haare und schaut in die Ferne.
Die Zweite liegt mit geschlossenen Augen daneben.
Sie hat die Hälfte des Gesichts unter einem weißen Tuch verdeckt.
Und fast am Wasser tanzt die Dritte, ihre Haare wehen im Wind.
Das haben Sie schön beschrieben. Kennen Sie es?
"Les Baigneuses" von Picasso. Er hat es in Biarritz gemalt,
als er mit Olga in den Flitterwochen war. Wer ist Olga?
Seine Frau.
Der war auch verheiratet.
Hätten Sie Lust?
Wozu? Einfach rauszufahren. Ans Wasser.
Wie stellen Sie sich das vor? Ich muss arbeiten.
Ich finde, Arbeit wird überschätzt.
(Wellenrauschen, Möwengeschrei)
An was denken Sie?
An nichts Besonderes.
Ans Büro.
Schlechtes Gewissen?
Nein.
Das macht mir ja gerade ein schlechtes Gewissen.
Haben Sie das noch nie getan? Was?
Einfach mal blau gemacht.
Nicht wirklich. Schade. Das sind die besten Tage.
Das habe ich früher öfter mit meinem Vater gemacht.
Er sagte, zu einer Führungsposition gehört ein gewisses Maß Faulheit.
(Sie lacht.) Lachen Sie nicht. Das hat uns das Leben gerettet.
In Kananga. Wir sind rausgefahren an den Kivusee.
An dem Tag gab es einen Militärputsch.
Die Hauptstadt war eine einzige Blutlache.
Den Botschafter schleiften sie an einem Jeep durch die Straßen.
Für uns war es einfach ein schöner Ausflug.
(Romantische Musik)
Mein größtes Abenteuer war ein Tauchurlaub in der Karibik.
Ich habe einen Rochen gestreichelt.
(lacht) Abenteuer ist das Ergebnis schlechter Planung.
Aber eines interessiert mich: Wenn Sie erzählen, dann...
klingt das so lebendig. Warum sind Sie dann Buchhalter geworden?
(Romantische Musik)
Frag ich das, oder fragst du das? Was?
Ob wir das noch mal machen? Das geht nicht.
Nein?
Nein.
Bis nächsten Donnerstag. Mach's gut.
Du auch. (Traurige Musik)
Hast du was vergessen?
(Romantische Musik)
Und, wie war dein Tag? Wieso fragst du?
Weil's mich interessiert. Sonst fragst du doch auch nicht.
Na ja, sonst erzählst du auch von selber.
Gut... Nichts Besonderes.
Also, ich hab mir heute im Internet Ferienhäuser angeschaut.
Wo wollen wir im Sommer hin?
Ich würde gerne mal was ganz anderes machen.
"Was ganz anderes"? Wo liegt denn das?
Na, irgendwo hinfahren, wo wir noch nie gewesen sind.
Aha. Du meinst so was wie... Bielefeld.
Komm! Korsika war wirklich nicht schlecht letztes Jahr, oder?
Du kannst mit dem Surfen weitermachen.
Und dir hat es doch auch gut gefallen. Ja, ja...
Was ist? Hättest du Lust drauf?
Was hat sie? Sie ist den ganzen Tag schon so.
(Weinen, es klopft.)
Was ist denn los?
Nichts.
Warum weinst du?
Der Max! Jeden Tag trifft er sich mit ihr.
Mit wem denn? Mit dieser blöden Kuh! Jeden Tag!
Wer weiß, was dahinter steckt. Vielleicht lernen sie ja zusammen.
Ich bin doch nicht bescheuert! Er spricht nicht mal mehr mit mir.
Letzte Woche mochte er mich doch noch.
Er mag dich bestimmt immer noch. Nein! Bestimmt nicht.
Ich verstehe das nicht. Warum ist das so?
Weißt du, Menschen ändern sich.
Und manchmal verändern sich dann auch die Beziehungen,
die sie zueinander haben.
Das Leben ist... kompliziert. Das Leben ist scheiß-doof.
Komm mal her.
(Marie) Diese Kirchner-Blätter sind unglaublich!
Lempertz hatte im Februar 2 Kirchner-Aquarelle.
Die lagen bei 12.000 und 15.000.
Die waren lange nicht so gut wie diese hier.
Also ich glaube, du könntest da höher rangehen... Katharina?
Was?... Ja, mach 'ne Notiz.
Ist dir nicht gut?
Ja, doch. Nö... Ich weiß auch nicht.
Du hast dich verknallt! (Marie lacht.)
Scheiße!
Ist doch toll! Mach was draus. Was soll das denn heißen?
Steh zu deinen Gefühlen! Sonst trägst du's für immer mit dir rum.
Wie soll das gehen, wenn alles so durcheinander ist? Durcheinander?
"Wennste scharf bist, musste rangehen." Nina Hagen.
(Traurige Ballade: "You Are The Only One")
Alles okay bei dir? Hm?
Alles okay bei dir? Ja.
Hattest du eine schöne Woche? Ja.
Es hat mir gefallen neulich mit dir.
Neulich war neulich, okay?
Okay.
Und bei dir? Keine freien Tage? Macht allein keinen Spaß.
Der Zug ist voll Frauen, die gerne mal einen Tag freinehmen würden.
Die interessieren mich alle nicht.
(Heitere Musik, sie lacht.)
Gemein! Du weißt ganz genau, dass ich damit aufhören wollte.
Ich konnte nicht widerstehen. Es war zu scheußlich.
(Telefonklingeln)
Schneider... Ach, Herr Stoll!
Nein, das macht Überhaupt nichts, dass Sie am Sonntag anrufen...
Wenn Christoph dich fragt: Wir waren einkaufen.
Dann wollten wir ins Kino gehen, aber es war ausverkauft.
Wir waren im "Le Ciel" und später noch im "Absinth".
Da haben wir Claudia getroffen und uns festgequatscht, okay?
Okay. Und was ist wirklich?
Er hat gesagt, er nimmt mich mit. Wohin? Weiß ich nicht.
(Heitere Musik)
(Heitere Musik)
(Jubelrufe, Pfeifen, Applaus)
(Jubelrufe, Pfeifen, Applaus)
Unser Held! 3:2 - In der letzten Minute!
Lass gut sein, Franky.
Und wer bist du? Katharina.
Katharina. Schön. Warst du das erste Mal da?
Ich war vor 6 Wochen in Russland. Die rasten aus bei dem Spiel!
10.000 Leute! Ich bin der Mechaniker.
Franky, Ulrich macht Christine an. Der soll bloß aufpassen!
Das war Franky. Etwas ungewohnt, was?
Willst du tanzen? Unbedingt!
(Laute Musik)
Als Kind hatte ich ein Buch über die Mondlandung.
Ich war so begeistert! Ich wollte die erste Frau auf dem Mond werden.
Zu Weihnachten habe ich mir eine Mondfähre gewünscht.
Und als ich einen Kaufmannsladen bekommen habe, war ich stinksauer.
Mein Vater hat versucht, das Ding umzubauen.
Und ich habe Raumanzüge gebastelt für meine Barbiepuppen.
Schon so spät.
(Romantische Musik)
(Romantische Musik)
(Sie ruft laut.)
Es war ein schöner Abend. Danke.
Ich fahre nächste Woche nach Frankfurt. Zu einem Sammler.
Ich werde mir die Sammlung ansehen, und da übernachten.
Also wenn du willst...
Gern.
"Wie spät ist es? Ich habe leider keine Uhr.
Dann leihe ich dir meine. Also, wie spät ist es?
Es ist 3 Minuten nach 9 Uhr." Nach 8 Uhr! Nach 9 Uhr.
Mama! Es heißt "nach 8 Uhr", oder? Was?
8 Uhr oder 9 Uhr? Du hast ja gar nicht zugehört!
Das ist doch völlig egal. Mama träumt schon von den Ferien.
Du hast doch keine Ahnung, wovon ich träume! Was hast du?
Ach, lass mich! Ärger in der Galerie?
Werde ich auch so, wenn ich groß bin?
(Traurige Musik)
Es tut mir leid. Ich weiß...
Tschüss Mama!
Krieg ich keinen Kuss? Ich fahr heute doch weg.
Du bist doch morgen wieder da.
Du wirst es kaum glauben, aber wir kommen auch ohne dich klar.
Ist doch sonst viel länger. Du scheinst dich darüber zu freuen.
Was meinst du, was hier los ist, wenn du weg bist.
Jeden Tag Cola und Pizza. Aber alles Bio. Ciao. Viel Spaß!
Und was sagst du, wer ich bin? Mein Assistent.
Wahnsinn, dass das hier bei Ihnen hängt.
Ich hab es nur einmal gesehen, auf der großen Schwarz-Retrospektive.
Das war das einzige Mal, dass ich es ausgeliehen hatte.
Sehen Sie die Signatur: Er hat ihr seinen Namen quasi eintätowiert.
Es war eine tragische Geschichte. Er hat sie sehr geliebt.
Sie ertrank bei einem Badeunfall an der Ostsee.
Ich dachte, ihr Partner hätte sie aus Eifersucht umgebracht.
Das hat Schwarz nur erfunden, um die Sache interessanter zu machen.
Warum verkaufen Sie das alles?
Ich habe diese Bilder lange genug gesehen.
Ich brauche wieder weiße Wände.
Interessieren Sie sich für China? Bis jetzt noch nicht.
Da passieren Dinge...
Dies hier sind die Zeugen einer großen Vergangenheit. So wie ich.
Aber im Gegensatz zu denen da... kann ich mich auf die Suche machen.
Apropos: Haben Sie heute Abend schon was vor?
Als Entree bestellen wir die Tapas. Sie sind göttlich.
Dann empfehle ich den Rouget Barbet mit Passionsfrucht.
Als Hauptgang probieren Sie bitte das Iberico-Schwein.
Sie werden das Schwein zum 1. Mal als ein Geschöpf Gottes begreifen.
Sie haben mich überzeugt.
Und bringen Sie uns eine Flasche Champagner, Grande Cuvee.
Sie haben doch nichts gegen Champagner zum Essen?
Auf den schönen Rest unseres Lebens. Darauf trinke ich.
An Champagner darf man nicht nur nippen.
Die schönen Dinge sollte man in vollen Zügen genießen.
Und was hat Sie zur Kunst geführt?
Zufall.
Sie haben sich also in die Kunst verliebt?
Liebe ist doch kein Zufall.
Ohne den Zufall einer Begegnung keine Liebe.
Die wahre Leistung ist natürlich das Bewahren der Liebe.
Und das ist die eigentliche Aufgabe der Kunst.
Benötigen Sie einen Weckruf? Nein, nicht nötig.
Ja. Er ist ein sehr interessanter alter Herr... Hm...
So was gibt's heutzutage kaum noch.
Ich erzähl's dir ausführlich, wenn ich wieder zurück bin...
Nein, ich bin nur todmüde...
Ja, ich dich auch. Tschüss.
Gibt's hier keine Minibar?
Hier unten.
Mir ist schlecht.
Alles okay?
Ja.
(Romantische Musik)
(Stöhnen, getragene Musik)
(Getragene Musik)
(Getragene Musik, angestrengtes Atmen)
(Vögel singen)
(Englisch) Hey! Hast du dich mal gefragt,
warum es so viel Telefon-Verteilerkästen gibt? Nein?
Die sind doch überall!
Hast du von dem in Berlin gehört, der in die Luft geflogen ist?
Das war kein Versehen sondern eine Warnung!
Hier, 'ne Currywurst. Und lass meine Kundschaft zu Frieden.
(Klopfen) Herein!
Morgen.
Danke. Gerne.
Hm!
Eigentlich hasse ich Frühstück im Bett. Überall Krümel.
Mit Christoph habe ich mal eine ganze Kanne Kaffee ausgeschüttet.
Du bist eben ungeschickt mit Kaffee.
Warum bist du eigentlich hier?
Du hast einen Mann, der dich liebt, eine Tochter, einen tollen Job.
Das hört sich ziemlich perfekt an. Und doch bist du hier, mit mir.
Vielleicht bin ich hier, weil du nicht so perfekt bist.
Weil du nicht alles planst. Weil du machst, was du willst.
Das ist doch Kitsch! Ich mag dich, weißt du.
Hast du schon mal von Kapsukas gehört? Nein.
Eine Stadt in Litauen. Da gab es zur Sowjetzeit ein Traktorenwerk.
'94 wurde ich von McKinsey hin- geschickt, kurz nach dem Studium.
Von 18.000 Arbeitern habe ich 15.000 entlassen.
Es war hart für die Stadt, aber das Traktorenwerk gibt es heute noch.
Dann bist du ja ein ganz mieser Kerl?
Es kommt auf den Standpunkt an. Schämst du dich gar nicht?
Es machte damals Spaß in Litauen... und gestern Abend mit dir auch.
(Sie lacht.)
Was ist? (Sie lacht.)
(Handyklingeln)
(Sie lacht, das Handy klingelt weiter.)
(lacht) Nein! Gib her!
Du fällst runter!
Hallo?... Mama!
Was?
Mhm.
Nein, ich bin noch in Frankfurt.
Ich nehm den Zug um halb 10. Gut. Bis dann.
Was ist?
(Handyklingeln)
Hallo, meine Kleine.
Ja.
Hat der Papa es dir schon erzählt?
Nein.
Der Opa würde nicht wollen, dass du deine Aufführung absagst.
Ich bin ja bald zu Hause.
Ich weiß noch, wie ich ihm half, die Nachlässe zu sortieren.
Er sagte: "Alles Schrott. Für die Tonne."
Und auf dem Schreibtisch: ein Stapel mit Schätzen.
Und wie er sich dann gefreut hat.
Erinnerst du dich auch, was er für Szenen machte,
wenn du keine 1 in Deutsch hattest? Eine 2 hat ja nicht gereicht.
Na ja...
Und überhaupt... Er ist ein Pedant.
Er ist weinerlich.
Er ist unfähig, ein Ei zu kochen.
Wenn du ihn nicht geliebt hättest, säße ich nicht hier. Hör auf!
Du willst mir nur ein schlechtes Gewissen machen.
Er ist ein Teil deines Lebens. Nein, meiner Vergangenheit.
Ich bin froh, dass ich noch mal neu angefangen hab.
Mama, ich muss dir was erzählen...
Ich weiß nicht, was ich machen soll...
(Weinen) Mama!
Mama...
Dieser verdammte Idiot!
(Unheilvolle Musik)
(Donnern)
(Radio) "Sie waren jung. Und sie hatten einen besten Freund..."
(Er macht das Radio leiser.)
Deine Mutter ist noch geblieben? Ja.
Und? Wie geht es ihm?
Gar nicht. (Sie dreht das Radio lauter.)
(Radio) "... Über das Zögern vor dem Sprung in die Liebe
hat Regisseur Westraly einen wunderbar leichten Film gedreht..."
"Guten Morgen, Malcolm. Ich heiße Jack.
Ich sprach mit dem Wiesel, Gatte!
Du versetzt mich immer in Erstaunen, geliebte Gattin."
(Lachen)
(Tosender Applaus, Jubelrufe)
Du warst toll! - Sich so viel Text zu merken!
Mama und Papa haben mit mir geübt.
Deine Mutter hat sich mal an der Schauspielschule beworben. Echt?
Das ist übertrieben.
Ich hab eine Freundin begleitet und ihr die Hand gehalten.
Schade, dass Oma und Opa nicht da sind.
Ist dir nicht gut? Hm?
Ich hab schon den ganzen Tag ziemliche Kopfschmerzen.
Willst du ein Glas Wasser? Ich geh besser nach Hause.
Soll ich dich bringen? Nein, ich laufe.
Ich brauch frische Luft... Du warst ganz, ganz toll!
Ich bin wahnsinnig stolz auf dich. Nicht böse sein, ja? Tschüss.
Das ist ja schade. Ihr Vater ist sehr krank.
(Vogelgezwitscher, Türklingel)
Hallo?
Hallo?
(Hundebellen)
Was willst'n du hier? Hallo.
Ich... ich will zu ihm.
Alex!
Hallo. Hallo.
Hast du nicht Hausaufgaben zu erledigen? Mathe.
Dabei musst du mir helfen. Mathe schaffst du allein.
Nur noch einmal. Bitte!
Okay, später. Vorher zeige ich Katharina die Werkstatt. Au ja!
Vincent, Abgang! Manno.
Mein Neffe Vincent.
Lili ist im Garten. Willst du sie kennenlernen?
Ja. Komm.
Lili! Katharina ist hier. Hallo.
Sie sind die Frau aus dem Zug?
Ja. Ich fahre nicht Zug. Ich mag den Geruch nicht.
Setzt euch doch. Ich wollte Katharina die Werkstatt zeigen.
Mögen Sie Motorräder? Na ja, ich mag es mitzufahren.
Sie hat eine schöne Stimme! Ja. Stimmt.
Deine Schwester, ist sie... Blind. Jedenfalls fast.
Was macht sie? Ich meine, arbeitet sie?
Ja, natürlich. Sie ist Managementtrainerin.
Ihre Seminare finden im Dunkeln statt.
Die Herren kommen ins Schwitzen, wenn plötzlich das Licht ausgeht.
Lass das. Ich hab dich vermisst.
Nicht besonders gemütlich.
Hast du die alle gesammelt? Nein, die sind von meinem Vater.
Er fing in Afrika damit an. Irgendwann hörte er nicht mehr auf,
die Dinger zu kaufen. Das hier ist nicht mal die Hälfte.
Dann hast du ja wenigstens immer Gesellschaft.
Deine Gesellschaft ist mir lieber.
Mein Vater sammelt Bücher...
Er hat Bücher gesammelt. Wie geht's ihm denn?
Er wird wohl nicht mehr aufwachen.
Was habt ihr für ein Verhältnis? Er ist mein Vater. Ich liebe ihn.
Aber ich habe ihn eigentlich... nie besonders gemocht.
Ich rede Quatsch. Finde ich nicht.
Es geht mir ähnlich mit Lili.
Wir kennen uns gut, wir verstehen uns...
Wir gehören auch irgendwie zusammen...
Aber mögen tun wir uns nicht wirklich. Ist halt so.
"Ick bin keen Aas, sei doch jut, Franzeken.
Ick jehör ja dir, sagte ick ihm. Und dann hab ick mir weggemacht,
und du sollst mir trösten." - (tief) "Du bist wohl verrückt!
Weil du in den verliebt bist, soll ick dir auch noch trösten?"
"Ja, det sollste, Franzeken.
Ick bin doch deine Mieze, und du hast mir doch lieb."
Das ist nicht wegen Papa.
Ich habe jemanden kennengelernt.
Ich hab's dir neulich schon erzählt. Der Typ im Zug.
Der Typ im Zug?
Der Buchhalter.
Ist es was Ernstes?
Das weiß ich nicht. Willst du mit ihm zusammenleben?
Darum geht's doch jetzt gar nicht. Ach so?
(Er lacht verbittert.) Findest du das komisch?
Nein,... überhaupt nicht.
Wenn das anderen passieren würde, würden wir verständnisvoll sagen:
Ja, ist doch klar, nach so langer Zeit...
Alles so fertig, so harmonisch...
Da wird es natürlich ein bisschen langweilig.
Es geht aber nicht um irgendwelche anderen. Nein.
Und mir ist auch nicht langweilig.
Was ist es dann?
Bestimmt aufregend, mal mit 'nem anderen zu ficken.
Ich hol mir ein Wasser. Du auch?
Ist das alles, was dir dazu einfällt? Lieber Champagner?
Was erwartest du von mir? Einen unkontrollierten Wutausbruch?
Ich liebe dich. Ich bin glücklich mit dir.
Du bist offensichtlich nicht mehr so glücklich mit mir.
Ich werde irgendwie lernen müssen, damit umzugehen.
Das ist dir alles scheißegal!
Es geht hier um dich und um mich, kapierst du das nicht? Um uns!
(Klirren) Ich kann das Zeug nicht mehr sehen!
Willst du mir jetzt eine knallen? Tu du das. Das wär doch mal was!
Da verlangst du zu viel.
Er ist so scheiß-gelassen! Als ob ihn das alles nichts angeht.
Er überlässt mir die Entscheidung ganz allein! Sei doch froh,
dass du frei entscheiden kannst, was du tun willst.
Vor 100 Jahren wärst du verprügelt worden, oder dein Lover erschossen.
Oder vielleicht beides. Vielleicht wär dir das lieber?
Für dich ist das wieder alles kein Problem!
Das kotzt mich an, dass das für dich nie ein Problem ist!
Glaubst du, es war einfach, mich von deinem Vater zu trennen?
Immerhin suchte ich mir erst einen anderen, als ich wieder solo war.
Ich habe niemanden gesucht!
Übrigens hat dein Vater eine Patientenverfügung aufgesetzt.
Er will nicht künstlich am Leben erhalten werden.
Und hat mich als seine Bevollmächtigte eingesetzt.
Das ist wohl so etwas wie seine Rache an mir.
(Telefonklingeln)
Schneider.
Herr Stoll, guten Tag.
Ja, die... Nein...
Entschuldigen Sie, es passt gerade nicht, ich...
Herr Stoll, ich habe jetzt keine Zeit.
Nein.
Ich weiß sehr wohl, was Dienstleistung ist.
Herr Stoll, ich rufe Sie heute Nachmittag zurück.
Dann sagen Sie Ihrer Frau,
dass sie sich mit ihren Vorschlägen den Arsch wischen soll!
Und wenn sie noch eine von ihren beschissenen guten Ideen hat,
dann komme ich und stopfe sie ihr ins Maul!
Herr Stoll?
Das hat er schon raffiniert gemacht.
Sie verlässt ihn und wird ihn trotzdem nicht los.
Als mein Vater krank wurde mussten wir mit Lili...
Entschuldige, aber eine Krankengeschichte reicht mir.
Ich hab ihm alles erzählt.
Was hat er gesagt?
Stell dir vor, wir wären 15 Jahre zusammen.
Ich würde dir erzählen, dass ich mich in einen anderen verliebt hab.
Wie würdest du reagieren? Würdest du kämpfen?
Kämpfen?
Das ist nicht der richtige Moment, aber ich muss dir was sagen.
Du bist schwanger. Noch nicht.
Ich hab mich beworben. Beim Deutschen Entwicklungsdienst.
Die machen Projekte für lokale Wirtschaftsförderung.
Hilfe zur Selbsthilfe, weißt du.
Da gibt es auch was in Kananga.
Ich denke, die werden mich nehmen. Aha.
Ich möchte aber nicht unbedingt alleine hin.
Wieso? Suchen die da auch Kunsthistorikerinnen?
(Englisch) Weiß nicht.
Es wäre ein Abenteuer.
Du kennst mich doch gar nicht. Ich kenne dich gut genug.
Denk einfach drüber nach.
Und was ist mit Nelly? Wie stellst du dir das vor?
Ist nicht so schwierig.
Es gibt eine internationale Schule in Kutovu.
Das ist die Hauptstadt.
(Türgeräusch)
Weißt du es schon?
Was weiß ich?
Das Krankenhaus hat vor einer Stunde angerufen.
Dein Vater ist tot.
(Sie weint, traurige Klänge.)
(Antiquar)... Im Keller sind noch 85 Kisten.
Hier die wertvolleren Stücke: Erstausgaben, Raritäten.
Geben Sie die einem Kollegen, der auf Messen oder Auktionen geht.
Da bekommen Sie mehr, als ich Ihnen zahlen kann.
Nein, nehmen Sie alles mit und machen Sie ein Angebot.
Den Meyers von 1890 möchte ich gern behalten.
Und Ihre Mutter? Möchte die auch etwas behalten?
Ich habe keine Ahnung. Ich frage sie.
Na, kannst du noch? Es ist so staubig.
Früher habe ich mich über diese ganzen Schinken geärgert.
Waren es damals auch so viele? Unmengen.
Aber weißt du, was toll war? Hinter den Regalen war eine Stelle,
da war es so leise, weil die Bücher alles geschluckt haben.
Da traf ich mich mit den Jungs zum Knutschen. Mama! Was?
Vergiss es einfach, okay?
Okay. Ich bring dir 'ne Cola.
Willst du auch noch was? Gibt's ein Bier?
Ich schau mal nach.
Mama? Hier! Willst du was von den Büchern?
Hör mir bloß mit den Büchern auf! Staubfänger, blöde.
Triest.
Dein Vater war die ganze Zeit in der Bibliothek,
und wir saßen an diesem stinkenden Hafen und aßen Pizza.
Erstaunlich, dass es überhaupt ein Foto von uns zu dritt gibt.
Also keine Bücher für dich?
In einer Buchhandlung hat es angefangen,
in einer Buchhandlung hört es auf. Irgendwie konsequent.
Ich weiß gar nicht mehr, welches Buch ich mir kaufen wollte.
Ich glaube, das war "Stille Tage in Clichy" von Miller.
Der Buchhändler suchte und suchte.
Dann sah er den Mann, der in dem letzten Exemplar geblättert hatte.
Und der hat es mir überlassen. Ein Kavalier.
Er hat mich sehr beeindruckt, weil er so klug war und belesen
und überhaupt nicht damit angegeben hat.
Später hat er mir dann das Buch vorgelesen. Er konnte gut vorlesen.
Irgendwann hat er damit aufgehört.
Und mit vielen anderen Dingen auch...
Die Menschen ändern sich im Laufe der Zeit.
Vielleicht lernt man sie auch nur besser kennen.
Ich habe bei Horn um 3 Monate unbezahlten Urlaub gebeten.
Doktor Kugler möchte, dass ich ihn nach China begleite.
Er will dort kaufen und braucht jemanden, der ihn berät.
Aber du hast ja gar keine Ahnung von China.
Ich fahre, sobald hier alles erledigt ist.
Hallo, mein Schatz. Aufwachen, wir fahren nach Hause.
(Traurige Musik)
Ich will, dass du weißt, dass das alles nichts mit dir zu tun hat.
Glaubst du, du schaffst das ein paar Wochen?
Ist doch sonst auch kein Problem. Wir schaffen das schon.
Es ist wegen dem Mann aus dem Zug. Was?
Ich habe zugehört, als du dich mit Papa gestritten hast.
Lauschen ist nicht besonders fein.
Mir erzählt ja keiner was.
Der Mann heißt Alexander, aber es ist vorbei.
So wie mit Max.
Was ist mit Max?
Die blöde Kuh hat jetzt einen anderen aus der Zehnten.
Da ist er wieder angekommen.
Aber jetzt ist da Jean-Luc.
Ah, Jean-Luc...
Aus Paris. Total süß. Vielleicht kann ich ihn mal da besuchen.
Je t'aime. Was?
Das ist Französisch und heißt "Ich liebe dich".
Vielleicht kannst du's mal gebrauchen. Mama! (lacht) Was?
(Bahnhofsdurchsage, getragene Musik)
Was sagt man denn zum Abschied?
Keine Ahnung.
"Pass auf dich auf. Bleib gesund.
Trink nur gekochtes Wasser.
Schreib mal... Ich komm nach.
Es war schön. Ich liebe dich."
(Er seufzt, Wellenrauschen.)
Da hinten liegt Afrika.
Da hinten liegt Cuxhaven.
(Traurige Musik: "Damaged People", Depeche Mode)
(Musik: "Damaged People".) (Er singt den Text mit.)
(Sie singen beide mit.)
Ich kenne jemanden, der würde das jetzt Kitsch nennen...
so auf dem Boden sitzen und melancholische Lieder singen...
Ich finde es eigentlich ganz schön.
Jetzt hör mir mal zu:
Ein Schwiegervater fordert seine 3 Schwiegersöhne auf,
Sätze zu bilden, in denen die Worte "groß" und "klein" vorkommen.
Die beiden Älteren meistern das mit Leichtigkeit,
aber der Jüngste, der grübelt... und grübelt.
Als seine Schwiegermutter den Raum betritt, sagt er:
"Meine Schwiegermutter hat einen großen Kopf und sehr kleine Füße."
Und was soll das jetzt heißen?
Darüber lachen die Chinesen!
(Sie lacht.)
Da können die sich so richtig ausschütten.
(Er seufzt.)
Findest du das komisch?
Es ist ja nur für 3 Monate.
In 3 Monaten kann viel passieren.
Manchmal aber auch in 3 Sekunden.
Was ist eigentlich mit Stoll? Hast du dich bei dem entschuldigt?
Nee. Warum?
Seine Frau hat sich bei mir entschuldigt.
(Traurige Musik, "You Are The Only One")
Vornehm!
Ist er schon da? Er wartet in der Lounge.
Na, dann...
Drück Nelly noch mal von mir.
Ja, mach ich.
Ich ruf an, sobald ich da bin.
Pass auf dich auf.
Komm wieder.
(Traurige Musik: "You Are The Only One")
Katharina? Kommen Sie. Es geht los.
(Traurige Musik: "You Are The Only One")
(Traurige Musik: "You Are The Only One")
(Traurige Musik, Motorenlärm)
Untertitelung: Dr. Kerstin Gericke
- CAT Kolmer GmbH - Im Auftrag von ARTE
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