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Für meinen Vater war ich ein Leben lang abwesend.
Abend für Abend
saßen wir einander gegenüber, in de Mitte das Lamm,
die Kartoffeln, der Kürbis.
Zwischen uns herrschte Stille.
Haben wir je geredet?
Nein.
PROVINZ KAP, SÜDAFRIKA
Magda.
Guten Tag, Miss. - Guten Tag, Hendrik.
Guten Tag, Miss Magda.
Guten Tag, Jacob.
Das Wasser kocht.
Guten Tag, Miss Madga, Baas.
Guten Tag. - Guten Tag.
Sieh doch bitte nach den Eiern.
Wäre ich ein Mann,
wäre ich nicht so verbittert.
Ich hätte in der Sonne Männerarbeit gemacht.
Zäune aufstellen, die Schafe zählen.
Das Vieh muss gezählt werden. - Ja, Miss.
Vater...
So leicht stirbt er nicht.
Abends kommt er wie gewohnt zurück,
lässt sich in einen Sessel fallen und wartet,
dass ich seine Stiefel ausziehe.
Er hat nie wieder geheiratet.
Schließlich bin ich da, seine unterwürfige Tochter.
Schon als Kind musste ich rechtzeitig für Feuer sorgen,
damit das Badewasser bereit war,
wenn er den Raum betrat.
Ich hörte, wie das Wasser
schmatzend unter seine Achseln
und sein Hinterteil drang.
Bring mir bitte Wasser, Anna.
Guten Tag, Miss. - Guten Tag, Hendrik.
Miss, ich wollte fragen,
ob Miss Arbeit für meine Frau haben.
Vielleicht.
Wo ist deine Frau denn?
Wie heißt du? - Anna, Miss.
Wir haben bereits eine Anna.
So nenne ich dich Klein Anna.
Möchtest du hier arbeiten?
Antworte der Miss.
Ja, Miss.
Anna, das ist Klein Anna.
Zeig ihr die Haushaltsprodukte.
Du solltest gehen.
Geh, Hendrik.
Du kannst nicht hier bleiben. - Ja, Miss.
Danke, Miss.
Komm, komm...
Danke.
Dieses Jahr,
nächstes Jahr
und vielleicht auch noch danach
wirst du noch schön sein...
bis das zweite Kind kommt,
bis die Schwangerschaften,
der Schmutz, die Monotonie dich erschöpfen.
Hendrik fühlt sich betrogen und bitter,
es wird zu Streit kommen,
deine Haut wird faltig, dein Blick wird matt.
Keine Sorge, du hast Zeit, so wie ich zu werden.
Wir sollten fort gehen. - Was?
Diese Flirterei gefällt mir nicht.
Das bringt nur Ärger. - Du hast Recht, lass uns gehen.
Wie lange dauert dein Glück wohl?
Du, fast ein Greis, und eine Bedienstete.
Ein dummes Mädchen.
Wie werdet ihr euch Tag für Tag
gemeinsam beschäftigen?
Klein Anna ist nur eine Randfigur, und das weißt du.
Das Spiel wird zwischen uns entschieden.
Wo ist Oud Anna?
Ist sie heute nicht da?
Sie sind seit heute morgen weg. - Weg?
Wer ist weg? - Sie und der alte Jacob.
Wohin sind sie? - Fort.
Ich habe Hendrik beauftragt, die Zäune zu reparieren.
Nimm Platz. Entspann dich.
Nimm etwas Konfitüre.
Bedien dich. Nicht schüchtern sein.
Vater,
ich kann nicht schlafen. Ich fühle mich seltsam.
Antworte mir.
Es ist spät. Geh ins Bett.
Geh ins Bett. Verstehst du, was ich sage?
Ich bin nicht müde. - Genug.
Reg mich nicht auf. Geh.
Vater,
Vater, so sieh mich doch an. Sieh, was du gemacht hast.
Ich will eine zweite Chance.
Lass mich in dir aufgehen und wiedergeboren werden.
Kleiner Fisch, hübsches lachendes Kind,
junges Mädchen in voller Blüte, eine Braut,
liebe Mutter in einer Geschichte mit Anfang und Ende.
Ich war ein Fehler.
Ein schwarzer Fisch unter weißen Fischen.
Und der sollte ich sein.
Ich war ein Hai.
Ein junger Hai.
Warum hast du ihn nicht getötet?
Du hast mich Monster ins Leben geschickt.
Zerquetsch mich, verschling mich, bevor es zu spät ist.
Vater, was habe ich falsch gemacht?
Kannst du in diesem Gesicht nichts lieben?
Habe ich nichts von ihr geerbt?
Was trage ich von dir in mir?
Oder bin ich dir so ähnlich, dass du mich übersehen hast?
Vater,
sieh mich an.
Zeig mir nur einmal dein Herz.
Und ich werde nie wieder
in dein Herz oder ein anderes sehen.
Ich werde dir dienen und dich umsorgen,
dir mein Blut geben.
Ich, dein Gärtner, werde dich still altern sehen.
Vater, so sieh mich doch an!
Kannst du sterben, ohne mir ja gesagt zu haben?
Ich bin ich.
Ich werde warten...
Geh schlafen, Hendrik.
Es ist spät.
Hol Hendrik herbei.
Wach auf!
Wach auf, du Idiot! Aufstehen!
Warten Sie noch ein wenig.
Pack deine Sachen! Ich will dich hier nicht mehr sehen!
Das reicht. Lass meine Decken los.
Wo sind deine Kleider?
Was wirst du Hendrik sagen, Schlampe?
Hör auf zu weinen. Es ist zu spät.
Zieh dich endlich an!
Meine Sachen sind weg.
Lüg mich nicht an. Deine Sachen sind im Zimmer.
Hendrik wird mich schlagen.
Los, raus! Verschwinde!
Es tut Klein Anna Leid. Sie macht es nie wieder.
Sie bittet um Verzeihung.
Ich will keinen Ärger. Nehmt euch in Acht!
Das geht Sie nichts an, Miss.
Hure,
Schlampe...
Das reicht. Hör auf!
Wollten Miss uns zusehen?
Es muss ein Tag dazwischenliegen.
Dieser Tag ist irgendwie vergangen.
Vielleicht habe ich geschlafen
oder Fliegen getötet
oder seine Stirn mit einem Schwamm befeuchtet,
bis der Gestank unerträglich wurde.
Vielleicht habe ich gebetet.
Ihm vielleicht gesagt:
"Papa, vergib mir. Es war keine Absicht.
Ich habe es aus Liebe zu dir getan."
Der Geruch wird schlimmer.
Ja.
Morgen müssen wir den Baas beerdigen und die Wäsche verbrennen.
Du musst dich um die Arbeit kümmern.
Ist das tief genug?
Sieh doch nach!
Idiot!
Ja, das reicht.
Nein, Miss, nein!
Steh nicht rum, hilf mir.
Nein, nein, Miss!
Wir brauchen... einen Priester.
Dummer Feigling, dreckiger Hottentotte.
Ich bin nicht wütend
auf dich und den Baas.
Er führte ein einsames Leben.
Ich war immer nur seine Tochter.
Ich konnte ihn nicht glücklich machen.
Er regte sich über mich auf.
Ich ging ihm auf die Nerven.
Bitte sag mir, wie man schön wird,
wie man einen Mann findet
und einem Mann gefällt.
Ich weiß das alles nicht.
Ich wäre gerne deine Freundin.
Guten Tag, Hendrik.
Miss, ich wollte fragen...
wir warten auf unser Geld.
Wir möchten unser Geld, Miss.
Und der Brandy vom Baas?
Und die Geschenke für Klein Anna?
Das ist auch Geld.
Wir haben gearbeitet
und wollen unser Geld.
Der Baas hat immer gezahlt. - Anderer Ton!
Was habt ihr denn gemacht?
Ich musste den Baas allein begraben!
Geh, ich habe kein Geld.
In Ordnung.
Wenn Sie es sagen, müssen wir gehen.
Ich kann dir kein Geld geben,
weil ich keines habe.
Wenn du gehen willst, dann geh.
Wenn du aber wartest, verspreche ich dir dein Geld.
Ich verstehe.
Wenn wir warten sollen, warten wir eben
und nehmen unsere Schafe.
Nimm deine Schafe.
Miss,
es ist kein Kaffee und kein Mehl mehr da.
Der Zucker ist auch alle. - Ja, ich weiß.
Und Miss schulden uns Geld!
Ich habe kein Geld.
Ihr arbeitet nicht. Wozu also Geld?
Aber Miss schulden es uns.
Es bringt nichts zu fragen.
Ich sagte, ich habe kein Geld.
Ja, aber dann können Miss uns etwas anderes geben.
Hendrik,
zieh diese Kleider aus!
Ich meinte die alten Sachen vom Baas.
Diese kannst du nicht haben.
Ich sagte, du kannst alte Sachen haben.
Nicht aber diese.
Ich soll die Kleider ablegen, Miss?
Ich soll mich ausziehen, Miss?
Sehen Sie, Miss.
Sehen Sie her,
keine Angst, Miss, sehen Sie!
Ich ertrage die dummen Gespräche nicht.
Das ist die reinste Parodie zwischen uns.
Es gibt eine andere Sprache,
vorstellen kann ich sie mir nicht.
Hendrik lächelt geheimnisvoll,
sagt: "Miss... Miss... Miss..."
Er denkt aber:
"Ich kenne dich. Du bist die Tochter deines Vaters."
Miss,
haben Miss ein wenig Tabak für Hendrik?
Bring den Brief zur Post.
Der Baas der Post gibt dir Geld.
Du kannst morgen Abend zurück sein.
Ja, Miss...
zur Post...
Wenn er fragt, sag ihm, der Baas sei krank.
Der Baas ist krank.
Anna, wenn du dich heute Abend fürchtest,
kannst du in der Küche schlafen.
Und verlier den Brief nicht. - Nein, Miss.
Du möchtest kein richtiges Bett?
Du möchtest lieber auf dem Boden schlafen? - Ja, Miss.
Leg dich hin.
Ich mache mir einen Kaffee.
Du bleibst angezogen?
Behältst deinen Schal an?
Auch wenn dein Mann da ist?
Wie ist es, verheiratet zu sein?
Ich wäre es auch gerne.
Aber ich gefiel niemandem.
Ich bin nicht hübsch genug.
Ich mache das Licht aus
und lege mich zu dir.
Wie nennst du mich in Gedanken?
Miss.
Nur Miss?
Miss Magda.
Oder einfach nur Magda.
So wurde ich getauft. Nicht Miss Magda.
Ich bin einfach nur Magda.
Du bist einfach Anna.
Kannst du Magda sagen?
Nein, Miss.
Es ist aber ganz leicht.
Nicht schlimm.
Morgen versuchen wir es wieder.
Es ist Zeit zu schlafen.
Du bist sicher müde, Hendrik. Es ist Essen für dich da.
Ja, Miss.
Sie wollten dir nichts geben? - Nein, Miss.
Und wo ist mein Geld? - Es tut mir Leid, Hendrik.
Ich gehe morgen selber zur Post und regle das.
Die Esel müssen eingefangen werden.
Iss hier, in der Küche.
Ich mache Tee, du hast sicher Durst.
Heb das Essen auf! Wisch das auf!
Ich dulde das hier nicht!
Miss haben gelogen.
Miss haben von Geld geredet.
2 Tage bin ich gefahren! Und das Geld?
Wie soll ich leben?
Der Baas gab uns jede Woche Essen,
jeden Monat Geld.
Wo ist der Baas jetzt?
Du gehst besser.
Du sollst gehen.
Hören Sie!
Guten Abend, Anna. - Guten Abend, Miss.
Ich möchte zu Hendrik.
Könnt ihr von nun an im Haus schlafen?
Ich habe Angst alleine.
Bringt alle eure Sachen mit.
In Ordnung.
Die Schafe haben Flöhe und Maden,
die vor dem Scheren zu beseitigen sind.
Ja.
Der Hühnerstall braucht einen neuen Zaun.
Die letzte junge Brut ist weg.
Es war bestimmt ein Schakal.
Und du, Anna,
polier bitte die Salonmöbel mit Bienenwachs.
Es müsste noch etwas da sein.
Ja, Miss.
Wer möchte noch Suppe?
Wo wird das enden?
Was bleibt mir noch?
Wann kann ich sagen, "jetzt reicht es"?
Ich will, dass es endet,
ich will in den Arm genommen werden,
liebkost werden und geborgen sein.
Und nicht mehr funktionieren müssen.
Manchmal kommt er nicht.
Ich liege nackt da und warte.
So ist das bei Frauen.
Sie warten auf Männer, die nicht kommen.
Ich habe es gelesen.
Komm schnell!
Wo ist Ihr Vater? - Er ist seit heute früh weg.
Wann ist er zurück? - Wahrscheinlich spät.
Er kommt immer spät zurück.
Ihre Grenzzäune am Boskraal sind am Boden.
Sie werden wieder kommen.
Mit anderen Bauern.
Sie werden dahinter kommen.
Sie werden sehen, dass Sie
mit den Dienern leben.
Die alte Anna hat sicher herumerzählt,
was mit Ihrem Vater und meiner Frau war.
Sie werden denken, dass ich es war.
Wer glaubt schon einem Farbigen?
Wir werden leiden, nicht Sie.
Bitte setz dich, Hendrik.
Du verwirrst mich.
Sie werden mich hängen! - Wo ist Anna?
Sie ist zu Hause. Wir gehen.
Und du? - Hier bleiben wir nicht.
Du tust mir weh.
Du weißt, dass du das kannst.
Immer wieder. - Wir gehen fort.
Wir bleiben nicht. Morgen gehen wir.
Morgen Abend sind wir weit genug weg.
Du denkst, ich würde dich ausliefern?
Dass ich zu feige bin, meine eigene Schuld einzugestehen?
Ich bin mehr als nur eine Weiße. Ich bin ich und kein Volk.
Ich sage die Wahrheit.
Siehst du nicht, dass du und Anna
alles seid, was mir etwas bedeutet?
Das ist für euch.
Ihr müsst bleiben.
Das wird Hendriks Zuhause.
Nur wir drei. Alle gleich.
Nein, Miss.
Aber du verstehst nicht...! - Nein.
Ihr könnt nicht gehen!
Idiot!
Was willst du hier?
Wer schickt das? - Die Post, Miss.
Ja, aber wer? - Weiß nicht, Ihre Unterschrift, bitte.
Ich habe kein Geld.
Setz dich.
Wie alt bist du? - Vierzehn, Miss.
Wie heißt du? - Piet.
Nun, Piet, sag mal...
Hast du das schon mal gemacht?
Würdest du es gerne lernen?
Komm her!
Verschwindet!
Fort mit euch!
Erinnerst du dich an unsere Tage am Meer?
Wie wir ohne Schuhe im Wasser plantschten
und ich an deiner Hand ging?
Wie du mich über die Wellen hobst?
Und die große Trockenheit?
Wie wir die Schafe verkaufen mussten,
weil sie nicht grasen konnten?
Erinnerst du dich an die Bank der Verliebten,
wo du stundenlang
dem Summen der Bienen zugehört hast?
Immer habe ich mein Schicksal selbst gewählt.
Hier zu sterben,
in diesem versteinerten Garten neben meinem Vater.
Lauter Worte, die ich schreiben könnte,
die ich aber nicht schreibe.
Das wäre zu einfach.
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