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Evakuieren Sie ans Wiesengrund.
Sagen Sie es nicht Anni.
Das ist die Letzte.
Artur liefert sein Kind aus?
Er hat es versucht. Ich trau ihm nicht.
Wieso bist du hier? Ich bin desertiert.
Ich verstecke mich hier und hüte Karin.
Karin ist nie in Wiesengrund angekommen.
Es verschwinden so viele Kinder.
Sag einfach, sie wurde in eine andere Anstalt verlegt.
Anni Waldhausen Professor Sauerbruch
Otto Marquardt
Margot Sauerbruch
Na, du bist ja schon wach.
Hallo.
Ja.
Hallo, mein Spatz.
Hallo.
Uh... Hast du gut geschlafen?
Ui! Ja, komm.
Jetzt wecken wir den Otto.
Guten Morgen.
Hallo, Karin.
Helfen Sie meinem Jungen! Helfen Sie!
Auf die Liege!
Eine Brandbombe.
Wir sind zu spät rausgekommen. - Das kriegen wir schon hin.
Nun setzen Sie sich erst mal. Sie sind ja ganz abgehetzt.
Zieh Pantopon und Tetanus-Antitoxin auf.
Er bekommt ein Schmerzmittel.
Verbrennungen zweiten Grades. Keine Nekrosen.
Also kein Abbürsten. Blasen eröffnen?
Die kleinen lassen wir eintrocknen. Nur bepinseln.
Spritze. Ich mache die großen auf.
Nein.
Bitte, verraten Sie uns nicht.
Weniger als ein Drittel der Haut verbrannt, das ist gut.
Hier ist das Dermatol-Puder und die Folie.
Setzen Sie sich.
Soll ich pudern? Ja.
Du deckst untergetauchte Juden?
Kennst du mich so schlecht?
Das ist alles, was ich auftreiben konnte.
So kriegen wir die beiden nicht durch.
Hast du was zum Tauschen? Schuhe? Zigaretten?
Dafür kriegst du fast alles. Nein, ich habe nichts.
Und die Zuteilungen für die Kinderklinik?
Ich hab keinen Schlüssel fürs Magazin.
Dann frag doch deinen Mann. Der kommt an alles ran.
Dann weiß er, dass Karin in der Nähe ist.
Gut. Ich versuche, aus dem OP-Bunker Generatordiesel abzufüllen.
Für zehn Liter kriegt man ein Stück Butter.
Danke.
Die Menschen teilen jetzt das letzte Brot miteinander.
"Charite" heißt tatsächlich "Barmherzigkeit".
Was für ein schöner Raum.
Ich muss zu Geheimrat Sauerbruch. - Er operiert.
Ich muss einen wichtigen Auftrag erfüllen.
Kommen Sie.
Hm, Gasbrand. Das Bein wurde am Verbandsplatz zu lange abgebunden.
Ich muss großflächig inzidieren, damit Luft ans Gewebe kommt.
Mit Wasserstoffsuperoxyd spülen.
H2O2. Zieh 60 Kubik Anaerobier-Serum auf.
Wir haben keins mehr. Was? Dann Prontalbin-Wundpulver.
Notfalls muss jemand zum Truppenverbandsplatz gehen.
Zwei Pfleger wurden unterwegs dahin beschossen. Es geht keiner mehr.
Wie sollen wir Schwerverletzte ohne elementarste Medikamente retten?
Wir haben hier nichts!
Die Amis haben dieses Penicillin!
So viel, dass sie sogar deutsche Kriegsgefangene behandeln!
Ferdinand. Was?
Du und Paracelsus, ihr sagt,
der höchste Grad der Arzenei ist die Liebe.
Ja, aber bei Gasbrand hilft es nicht.
Während der Operation kein Zutritt. Oder sind Sie schwer verletzt?
Ich bin Yrsa von Leistner. Ich muss zum Professor.
Ich bin Bildhauerin und soll eine Büste von ihm anfertigen.
Sie sagten, es sei wichtig.
Wenn überall Zerstörung herrscht, ist die Kunst wichtig.
Wo du recht hast, hast du recht. Ich verstehe dich.
Ein Chirurg ist auch ein Bildhauer.
Ich habe von Ihnen geträumt. Das tut mir leid.
Als Kind schon. Ich glaube, ich habe Sie mein ganzes Leben lang gesucht.
Und für wen soll diese Büste gefertigt werden?
Das Sanitätsamt der Organisation Todt.
Dafür mache ich den Sanitätsdienst später.
Solange man nichts Vernünftiges arbeiten muss.
So. Hm?
Das wird Dulles interessieren: Informationen unserer Botschaft
über Neuerungen im japanischen Flugzeugbau.
Wie kommen Sie aus Berlin raus?
Die Waffen-SS hat einen Sperrriegel gezogen.
Fritz hat einen offiziellen Kurierauftrag für die Schweiz.
Mein Chef schickt mich auf eine Mission:
Seine Geliebte und seine Orientteppiche nach Bayern fahren.
Sie haben einen Wagen und Benzin? - Dienst-Mercedes mit Holzvergaser.
Grüßen Sie die Amerikaner. - Ja.
Ich sage ihnen, sie sollen sich beeilen.
Komm mit mir, bitte. - Ich kann hier nicht weg.
Ich muss OP-Berichte tippen. - Bürokratie des Infernos.
So beweisen Verletzte, dass sie keine Deserteure sind.
Da haben Sie recht.
Vergiss nicht,
da drin ist dein Todesurteil, wenn sie dich erwischen.
Oh...
Geht der nicht noch? Wir haben doch kaum noch Wäsche.
Vorsicht, bitte.
Handschuhe? - Sind keine mehr da.
Oh.
Du klaust.
Für wen?
Hast du Karin auf dem Charite-Gelände versteckt?
Die sind doch nicht für Karin.
Versteckst du auch noch Otto?
Das geht dich gar nichts an.
Wenn du einem Deserteur hilfst, geht mich das was an.
Die hängen uns.
Dann ist Karin allein. Du sorgst dich um Karin?
Schon vergessen? Du hast sie nach Wiesengrund geschickt.
Da wäre sie jetzt sicherer als hier.
Ich bin doch kein Unmensch. Dann hab ich wohl was verwechselt.
Du bringst ja nur fremde Kinder um.
Bald besuchen wir die Großmutti, hm?
Wenn der Krieg vorbei ist.
Der "Fall Clausewitz" wurde ausgegeben.
Goebbels, Generalbevollmächtigter für den totalen Kriegseinsatz
hat Berlin zur Festung erklärt.
Er will dem Feind eine Schlacht liefern,
wie sie einzig in diesem Krieg dastehen wird.
Haben Sie Bilder von verletzten, verbrannten Kindern für mich?
Wir müssen der Bevölkerung zeigen, was sie vom Feind zu erwarten hat.
Das hebt den Kampfgeist.
Besser wäre es,
mit Scheinwerfern ein Kreuz am Himmel zu projizieren,
um mit dem Symbol Christi die Stadt zu schützen.
Man muss die Rot-Kreuz-Malereien an der Klinikfassade erneuern.
Die sieht man kaum.
Ich sage Ihnen hier nicht, wie Sie sich schützen,
sondern wie Sie kämpfen.
Jeder Arzt, jede Krankenschwester bekommt eine Panzerfaust,
um damit auf die Russen zu schießen.
Ich operiere nicht mit der Panzerfaust in der Hand!
Wir haben Besseres zu tun.
Ich bin der militärische Oberbefehlshaber der Charite,
und du hast mir nichts zu sagen!
Soll ich das so Herrn Minister Goebbels ausrichten?
Ich bitte darum!
Prof. Sauerbruch hat recht.
Laut Genfer Abkommen ist Sanitätspersonal unbewaffnet...
und darf nicht angegriffen werden.
Glauben Sie etwa, diese Bolschewiken würden sich ans Völkerrecht halten?
Ich tippe auf sowjetische Stalinorgeln.
Ich soll hier was in der Rechtsmedizin abgeben.
Habt ihr hier so was noch? - Ja, zu tun hätten sie.
Das hier ist eine besondere Schweinerei.
Die haben wir im Ulap-Park gefunden. Alle mit Genickschuss.
Gut, dass Sie das ordentlich ermitteln.
Ich wollte, Sie würden die ganze Mörderbande kriegen.
Fragen Sie mal hinten. - Danke.
Ich bin sicher, es war Bonhoeffers Sohn.
Nicht der Dietrich, der Klaus. Und der andere, der Schwiegersohn.
Hans von Dohnanyi? Nee, der andere.
Rüdiger Schleicher? Genau der.
Diese Familie zahlt viel Blutzoll.
Wenn man politische Häftlinge liquidiert, ist das Ende nah.
Ich weiß nicht, ob ich noch mal durchkomme.
Wollen Sie nicht heim?
In unserem Haus werden die Russen uns plündern.
In der Charite... sind wir Ärzte, die man braucht.
Fahren Sie zurück, Kobov.
Verrammeln Sie das Haus.
Wir kommen hier schon durch. Gut.
Warten wir auf den Endsieg.
Ach, geh.
Wenn der Feind Luftlandetruppen absetzt
oder mit Panzern durchbricht, gibt's Alarm.
Das ist fünf Minuten Dauerheulton. - Wer wird denn da dauerheulen?
Wir haben doch KdF, Kraft durch Furcht.
Man sollte dir das Maul stopfen.
Andere geben gerade ihr Leben, um uns zu retten.
General Wencks Befreiungsangriff steht bevor.
Mit der Wunderwaffe des Führers.
Auf den auch du einen Eid geschworen hast!
Und wo der Führer ist, ist der Sieg.
Auch wenn sich die Russen auf die innere Berliner Front werfen,
unsere Truppen sind schon in ihrem Rücken!
Plärr uns nicht die Wochenschau vor.
Wir werden den längeren Atem haben.
Wenn man einmal einen Brandbombenteppich braucht,
dann kommt keiner.
Heil Hitler, Frau Goebbels. Sie sind noch in der Stadt?
Es hieß, Ihr Gatte sei unterwegs zur Alpenfestung.
Niemals.
Er ist beim Führer.
Und auch ich bin auf dem Weg zu ihm. Ich und die Kinder.
Was kann ich tun? - Ich brauche Zyankali.
Unsere große Idee geht zugrunde.
Wir wollen zur Phalanx an der Seite des Führers gehören,
die nicht mehr leben will, wenn Deutschland untergeht.
Und die Kinder?
Sie sind zu schade für das, was kommt.
Ich hab nur zwei Kapseln, für meine Frau und mich.
Fragen Sie in der Reichskanzlei Dr. Stumpfegger.
Ich bin mir sicher, dass er größere Vorräte hat.
Und er wird mir behilflich sein, es den Kindern zu verabreichen?
Vorab sollte man ein Betäubungsmittel reichen.
Der Tod durch Zyankali wäre ein zu furchtbarer Anblick für eine Mutter.
Die Krämpfe und das fürchterliche Ringen nach Luft...
Leben Sie wohl.
Nein.
Sterben Sie in Würde.
Die oberen Geschosse sind einsturzgefährdet.
Aber im ersten Stock hat man einen guten Blick übers Gelände.
Gut, wir brauchen freies Schussfeld. - Hey, hey. Hey!
Was wollt ihr hier?
Das Krankenhaus ist neutrale Zone. - Das ist dem Iwan egal.
Rache unsere Tugend, Hass unsere Pflicht.
Wenn die Russen euch bewaffnet sehen, töten die euch.
Bringt euch in Sicherheit. - Das ist Wehrkraftzersetzung.
Darauf steht der Tod. - Ihr sollt ja nicht abhauen.
Aber ihr braucht eine gute Deckung.
Ich zeige euch, wo ihr euch verschanzen könnt.
Los, zeig uns, wo.
Da habt ihr Schießscharten, schaut. Und ihr habt ein gutes Schussfeld.
Was soll das? Aufmachen!
Gib her.
Aufmachen!
Werft die Waffen durchs Fenster. Dann lasse ich euch raus.
Ihre Mütter werden's mir danken.
Du hängst bald an 'ner Laterne!
Ich habe was für dich.
Die Russen sind bald hier. Was, wenn du nicht mehr zu Karin kommst?
Wo ist sie? Bei Otto, oder?
Ein Deserteur soll sie schützen? Es geht ums Überleben.
Karin ist nur bei uns sicher. Bring sie her. Ich bitte dich.
Vier Kilometer, höchstens sechs.
Weißt du was über den Frontverlauf? Zeitungen gibt's kaum noch.
Und im Radio kommt auch nichts, nicht mal mehr Durchhalteparolen.
Aber in der Wochenschau neulich... Es gibt noch Kino?
Ja, du wirst es nicht glauben, es läuft noch "Kolberg",
"Es fing so harmlos an" und "Die Feuerzangenbowle".
Die Leute sollen sich neulich halb totgelacht haben,
als Goebbels was von neuer Offensive gefaselt hat.
Was wird aus uns nach dem Krieg?
Vielleicht ändern sie ja die Gesetze.
Die Russen sperren Schwule genauso ein.
Am besten, wir gehen nach Frankreich.
Ja. Da wird man als Deutscher sicher mit offenen Armen begrüßt.
Die Russen sollen am Alex sein. Schwester Käthe hat's gesehen.
So nah schon? Das Kriegsende, endlich.
Ich habe noch mehr Bammel als vorher.
Hier.
Ich weiß nicht, ob ich raufkomme, wenn die Russen uns beschießen.
Ich nehme Karin mit. Ich will sie bei mir haben.
Und Artur? Die bringen niemanden mehr weg.
Draußen geht gerade die Welt unter.
Willst du nicht mitkommen? Wird mich keiner verraten?
Deserteure werden immer noch aufgeknüpft.
Es gibt Standgerichte. Der Volkssturm ist ganz fanatisch.
Vorhin hab ich welche eingesperrt.
Sei vorsichtig.
Haust du mich sonst wieder, große Schwester?
So groß bin ich gar nicht.
Du hast lange vor mir erkannt, wohin das alles führt.
Mein Junge hat so Durst. - Die Kochsalzinfusionen sind alle.
Kann er nichts zu trinken bekommen? - Wenn das mal so einfach wäre.
Die Leitungen sind zerbombt.
Wir haben hier langsam kein Garnichts mehr.
Dann gehe ich zum Brunnen. - Nein. Wir sind unter Beschuss.
Was ist denn nun besser, verdursten oder erschossen werden?
Karin.
Lass uns endlich hier raus.
Du sollst uns hier rauslassen.
Haut ab, am besten nach Norden.
Erst die Pinzette, bitte.
Die Schwester soll Instrumente reinigen.
Es gibt kein Wasser. - Hier ist 'ne Pfütze.
Die Grundwasserpumpen sind ausgefallen.
Sonst noch Hiobsbotschaften? Steriles Verbandszeug ist aus.
Es gibt zwölf Kochsalzinfusionen, Morphium ist auch alle.
Gebt den Verwundeten Cognac gegen die Schmerzen,
und kontrolliert noch mal, ob keiner Waffen versteckt hat.
Ich muss fort. Heute Nacht fährt der letzte Zug.
Aber ich möchte Ihnen etwas zeigen.
Verzagen Sie nicht. Ich sah einen Friedensstern über Deutschland.
Na, das beruhigt mich sehr.
Ich bin froh, dass der Kleinen nichts passiert ist.
Wäre ja auch ein Malheur gewesen... Ein Malheur?
Sie wissen, was fast mit Karin passiert wäre.
Nur damit das klar ist, das ist nicht auf meinem Mist gewachsen.
Ihr Mann, der hat die Kleine auf die Liste gesetzt.
Woanders wäre Karin jetzt sicherer als hier.
Stimmt. Ein vergastes Kind macht sich nichts aus Bomben.
Vergast? Was reden Sie denn da? Ich lasse doch kein Kind vergasen.
Sie sind die Unschuld vom Lande.
Sie und die anderen Doktoren haben uns was erzählt
von wegen "Ballastexistenzen" und "Gnadentod".
Ich persönlich habe gar nichts gegen Behinderte.
Ich war immer gut zu den Kindern, auch zu Karin.
Sie gingen wegen Karin zu Bessau. - So waren die Vorschriften.
- Man hat immer eine Wahl. - Das sagt die Richtige.
Wer half denn, Krüppel vor Gericht zu bringen?
Ja, und ich schäme mich auch dafür.
Wir sind beide nicht unschuldig.
Kinder, seid froh, dass Krieg ist. Danach wird es ungemütlich.
Wo gehst du hin?
Die muss weg, ehe die Russen kommen. - Das Schiff sinkt.
Himmler soll sich jetzt auch abgesetzt haben.
Über die Rattenlinie.
Nach Flensburg.
Die Uniform sollten Sie auch verbrennen.
Der Herr ist versorgt. Bringen Sie ihn bitte raus, ja?
Jawohl.
Tempelhof ist schon besetzt.
Kein Wasser mehr, dafür Salami und Cognac.
Erstaunlich, was aus Wehrmachtsbeständen auftaucht.
Dabei hat man uns erklärt, wie wir Ratten kochen können.
Es wird Zeit, dass die Russen kommen.
Ich verstehe Ihre Freude.
Aber ich habe drei Söhne da draußen.
Frankreich fing den Krieg nicht an, und auch ich habe Familie.
Wir sollten uns vorbereiten aufs Jüngste Gericht.
"Willkommen" heißt "Dobro pozhalovat'".
Dobro pozhalovat'.
Dem ersten Russen, der hereinkommt, gebe ich einen Bruderkuss.
Das lässt du schön bleiben. Schreiben Sie Schilder auf Russisch.
Dass hier ein Klinikbetrieb ist.
Und "Infektionsgefahr" auf den Lagerraum.
Dann können sich die Schwestern da verstecken.
Wer jetzt noch lebt, ist selber schuld.
Bomben sind genug gefallen.
Wasser! Ich hab Wasser.
Die Russen lieben Kinder. - Denen tun sie nichts.
Warten Sie.
Der könnte Ihnen von Nutzen sein.
Wenn alle so mutig und hilfsbereit gewesen wären wie Sie,
hätte es diese Barbarei nie gegeben.
Und wenn die Russen kommen?
Ich musste schon öfter die Hosen ausziehen,
um zu zeigen, dass ich Jude bin.
Notfalls kann ich beten.
Den kann ich nicht annehmen. - Doch.
Bitte. Ich habe noch einen.
Sie war zur Entbindung im jüdischen Krankenhaus vor zwei Wochen
und wurde mit unserem Kind deportiert.
Jetzt noch? Was für ein Wahnsinn. - Das war schon immer Wahnsinn.
Danke. Das werde ich Ihnen nie vergessen.
Ich lasse euch nie wieder im Stich. Sind wir wirklich eine Familie?
Auch wenn Karin behindert ist?
Ja, natürlich.
Ob die Sieger mit den Ärzten abrechnen werden?
Die Schwestern werden uns beschuldigen, wie Käthe.
Andere werden auch aussagen, Patienten, Angehörige.
Du meinst, in einem Prozess?
Hast du Angst wegen der Versuche? Bessau suchte meine Probanden aus.
Ich hatte da keinen Einfluss drauf. Ich hab selbst ein behindertes Kind.
Die glauben mir doch, dass ich all das nicht wollte.
Oder?
Was haben wir hier?
Gut.
Mhm.
Hier. Das ist alles, was wir noch haben.
Oben sind viele Bewaffnete, Infanterie, Volkssturm...
Was? In der Charite darf nicht gekämpft werden!
Wir sind neutrale Zone! Die gefährden unser Leben! Margot.
Hm? Hol die Schreibmaschine.
Wir müssen dem Führer schreiben: Die Truppen müssen sofort weg hier!
Ein Brief? Und wie soll der in die Reichskanzlei kommen?
Irgendjemand wird doch die paar Meter noch gehen können!
Ich wollte fragen wegen Marquardt. Er ist desertiert.
Er ist im Dach. Das ist gefährlich. Kann er zu uns kommen?
Natürlich. Ein Arzt ist immer hochwillkommen.
Ich fürchte, es gibt jetzt tatsächlich keine Stelle mehr,
bei der du ihn denunzieren kannst.
Komm, mach weiter. Wirst du auch fahnenflüchtig?
Mach selbst. Was soll ich schreiben?
"Mein Führer..."
"In letzter Stunde komme ich im Namen unserer Verwundeten
mit einer großen Bitte zu Ihnen."
Dies ist ein Hospital.
Dobro pozhalovat'.
Hey, Doktor. Dawai.
Skalpell, Klemmen. Dalli, dalli!
Dalli! Dawai, dawai, dawai.
Stopp.
Wisst ihr, wen ihr vor euch habt? Sauerbruch.
Sauerbruch?
Lenin? Ganz genau, Lenin.
Vor 30 Jahren operierte ich ihn. Ein eitriger Zahn.
Margot.
Pardon.
Ich bin Franzose. Je suis Francais.
Francais.
Oh, la, la, liberte, egalite, fraternite!
Oui. Reißen Sie sich zusammen, Jung.
Ah!
"Volksgenossen!
Am 30. April hat der Führer Selbstmord begangen
und damit alle, die ihm Treue geschworen hatten,
im Stich gelassen.
Jede Stunde, die ihr weiterkämpft,
verlängert die entsetzlichen Leiden der Zivilbevölkerung
und unserer Verwundeten.
Im Einvernehmen mit dem Oberkommando der sowjetischen Truppen
fordere ich euch auf, sofort den Kampf einzustellen.
Weidling, ehemaliger Befehlshaber des Verteidigungsbereichs..."
Nun ist Ende.
Gott sei's getrommelt und gepfiffen.
Alles ruhig da draußen. Ich brauch ein Laken und einen Stab.
Ich gehe raus und verhandle mit den Russen.
Ich komme mit. Ich spreche etwas Russisch.
Gut.
Immer Kopf hoch, wenn der Hals auch dreckig ist.
Gut, dass du da bist.
Ich wollte dir noch was sagen.
Grüße an dein Holzbein. Du musst mir helfen, Otto.
Gut. Sehr gut. Sehr gut.
Prof. Sauerbruch! Marquardt hat 'nen Bauchschuss!
Komm, dahinter.
Aber der ist schwerer verwundet. Verstehst du?
Ein Notfall. Der da hinten hat Zeit!
Ich... ich... ich bin Jude. Und Arzt!
In den Keller. Ja?
Alles in Ordnung! Wir können evakuieren.
Dawai, dawai.
Vena iliaca ist verletzt. Höpfner-Klemmen.
Gibt's nicht mehr. Was du hast.
Zum Glück keine arterielle Blutung. Aber er hat zu viel Blut verloren.
Druck?
90 zu 60.
Wir brauchen mehr Volumen. Infusionen sind aus.
Hat jemand Blutgruppe 0?
Hat jemand Blutgruppe 0?
Hat jemand Blutgruppe 0?
Bitte.
Dawai, dawai.
Dawai, dawai.
Was ist denn los? Hab keine Angst.
Anni.
Welche Blutgruppe hast du? A. Wieso?
Otto verblutet.
Links.
Die Blutung steht, aber er ist noch nicht über den Berg.
Otto...
Sein Puls hat sich stabilisiert.
Ich glaube, er schafft es.
Wenn er aufwacht, wird er Durst haben.
Ich ho... Ich hole Wasser.
Martin.
Von deinen sieben Leben war noch eins übrig.
Ich habe Durst.
Ich versuche, allein nach Hause zu kommen.
Fräulein Fritsch gibt mir ihr Fahrrad.
Hat sie Ihnen den Brief gegeben? Ja.
Die Russen glauben sonst nicht, dass Sie unfreiwillig hier waren.
Die SS hat französische Freiwillige.
Ich weiß. Danke für den Schutzbrief.
Ich werde mich revanchieren.
Sie sagen aber noch Adieu. Natürlich.
Jung, was mache ich denn ohne Sie?
Na, operieren.
Otto ist gerade aufgewacht. Gott sei Dank.
Danke.
Professor, kennen Sie mich noch? Nicht dass ich wüsste.
Generaloberst Alexej Wisniewski.
Chef des Sanitätswesens der Roten Armee.
Ich war vor vielen Jahren Ihr Student.
Dobro pozhalovat'. Ah!
Sie ließen mich durchs Examen fallen.
"Durchgefallen, Wisniewski!" Beim zweiten Mal ging es gut.
Ich bin Professor am Institut für Experimentalchirurgie in Moskau.
Na, das sind ja Neuigkeiten. Ich habe noch eine.
Ihr Sohn ist in einem Gefangenenlager in Niederschlesien.
Ich werde mich dafür einsetzen, dass er bald freikommt.
Das wäre großartig. Bitte.
Können wir auch etwas für Sie tun?
Wir müssen die Klinik möglichst schnell wieder in Betrieb nehmen.
Zwei Drittel der Gebäude sind zerstört.
Ich brauche eine Bestandsaufnahme, was überhaupt noch funktioniert.
Woran fehlt es denn am meisten?
Am Verstand.
"Nach dem Krieg ging ich mit Karin in die Heilanstalt Bethel,
wo ich eine Stelle bekam.
Karin blieb behindert, hat aber ihr Leben gemeistert.
Ab den 50er-Jahren konnte man Kinder mit Wasserkopf operieren.
Von Artur ließ ich mich scheiden.
Er wurde Leiter einer Universitätskinderklinik.
Das Entnazifizierungsgericht hatte ihn als unbelastet eingestuft.
Martin und Otto blieben an der Charite.
Erst Ende der 50er-Jahre konnten sie sich zu ihrer Liebe bekennen,
als man in der DDR den Paragrafen 175 abschaffte.
In der BRD blieb dieser bis zur Wiedervereinigung in Kraft.
Etwa 50.000 Homosexuelle
wurden bis dahin wegen Unzucht verurteilt."
"Sauerbruch wurde von den Sowjets
als Stadtrat fürs Berliner Gesundheitswesen eingesetzt.
Doch der Alliierte Kontrollrat entließ ihn,
weil er zum Ansehen der NS-Diktatur beigetragen habe.
Er wurde vielfach für den Nobelpreis nominiert,
gewann ihn aber nie.
Er starb 1951 an Demenz.
Margot Sauerbruch arbeitete als Internistin
im Martin-Luther-Krankenhaus in Berlin Moabit.
Sie ritt noch mit 84 durch den Grunewald
und starb 1995.
Nach dem Tod ihres Mannes hat sie nie wieder geheiratet.
Jung ging zu seiner Familie nach Straßburg
und an die dortige Universität zurück.
Die Vorwürfe, er habe mit den Nazis kollaboriert,
konnte er entkräften.
Er starb 1992 als hochgeachteter Chirurg.
Fritz Kolbe heiratete nach dem Krieg Maria Fritsch.
Sein Widerstand gegen die Nazis wurde nicht anerkannt,
er durfte nicht mehr ins Auswärtige Amt.
Er starb 1971 in Bern, ohne rehabilitiert worden zu sein.
Im Dritten Reich wurden 400.000 Menschen zwangssterilisiert
und 200.000 Kranke und Behinderte ermordet.
Der Krieg kostete über 60 Millionen Menschen das Leben.
90 Prozent der Gebäude der Charite waren zerstört oder beschädigt.
Trotzdem wurden 800 stationäre Betten versorgt.
Bereits im Hungerwinter 1945/46
wurde der Vorlesungsbetrieb wieder aufgenommen."
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