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Original subtitles

Marquardt?

Am Montag examiniere ich dich.

Sie holen mich.

Ich soll an den Atlantikwall.

Lang dauert der Spuk nicht mehr.

Olbricht, Beck, von Hassel, Popitz, die planen was.

Die Impfprobanden sind behindert. Reichsausschusskinder.

Es sind schon neun gestorben.

Wenn es Karin wäre? Glaubst du, ich gäbe Karin her?

Der Berliner Bote! Der Berliner Bote!

Anni Waldhausen Professor Sauerbruch

Otto Marquardt

"Es werden Prothesen für Beinamputierte hergestellt."

Margot Sauerbruch

"Ihre Beweglichkeit passt sich den Bedürfnissen

in nahezu vollkommener Weise an.

Wie sich die Kunstglieder auswirken,

zeigen diese Bilder."

Der Ritter mit der eisernen Faust konnte im 16. Jahrhundert

seine künstliche Hand nur mithilfe seiner gesunden bewegen.

Dagegen ermöglicht die Sauerbruch-Hand gezieltes Greifen

mithilfe der verbliebenen Muskulatur des Stumpfes.

So. Lass mal ein bisschen Licht herein.

Das operative Vorgehen

erklärt euch jetzt der Examenskandidat... Marquardt.

Die Kraftübertragung erfolgt über diese Zugschnüre.

Die werden in Stifte eingehängt

und in die Muskulatur eingelegt.

So, so.

Aber wie? Man macht jeweils einen Kanal.

Einen... einen Muskelkanal.

Und... der wird mit Haut ausgekleidet.

Welche Muskeln?

Das sind... Strecker und Beuger.

Damit man das Handgelenk dann...

strecken und beugen kann? Das ist Quatsch.

Siehst du an dieser Prothese ein Handgelenk?

Du hast doch den Film gesehen. Ja.

Herein!

Kommt.

Immer herein.

Es ist mir eine Ehre, als klinischen Fall

einen Helden vom Afrikafeldzug vorzustellen:

Oberstleutnant Claus Schenk Graf von Stauffenberg.

Bitte setzen Sie sich doch.

Würden Sie uns und unserem candidatus medicinae

zunächst Ihre medizinische Odyssee schildern?

Bitte sehr. Gerne.

Ich wurde bei Jagdbomberbeschuss verwundet.

Im Feldlazarett wurde mein Auge entfernt.

Die rechte Hand wurde über dem Handgelenk amputiert,

dazu der kleine und der Ringfinger links.

Im Reservelazarett in München

unterzog ich mich einer Mittelohr- und Kniegelenksoperation.

Dort wurde auch mein Glasauge angepasst.

Weil durch einen Splitter mein Arm eiterte,

konnte man den Stumpf nicht auf eine Prothese vorbereiten.

Und jetzt... Jetzt ist er zum Glück bei Sauerbruch.

So, Herr Oberstleutnant,

dürfte Examenskandidat Marquardt wohl Ihren Stumpf begutachten?

Natürlich. Bitte.

Guten Tag. Guten Tag.

Hältst du den Stumpf für geeignet, um eine Sauerbruch-Hand anzupassen?

Ich weiß es nicht.

Selten trifft man nach Amputationen im Feld ideale Voraussetzungen an.

Glaubst du, dass eine operative Korrektur des Stumpfes nötig ist,

bevor man die Kanäle macht?

Ganz genau.

Denn die Stumpfmuskulatur ist so noch nicht beweglich genug.

Also wird im ersten Schritt... die Muskulatur mobilisiert.

Zur Bildung der Kraftwülste. Ganz genau. Und dann?

Bildet man die Kanäle für die Stifte.

Oh, das war aber eine schwere Geburt.

Lieber Stauffenberg, es sind noch etliche Eingriffe nötig,

bevor Sie mit einer Sauerbruch-Hand sich die Zigarette anzünden können.

Wir müssen hier unterbrechen.

Bitte räumt den Saal.

Bist auch entlassen.

Ein Angriff am helllichten Tag.

Was ist eigentlich mit unserer Luftwaffe los?

Fragen Sie doch Herrn Meier.

So wollte Göring doch heißen, wenn ein Feind über Berlin fliegt.

Niemand wurde verletzt.

Aber alle Kamine sind einsturzgefährdet.

Die Personalwohnungen müssen geräumt werden.

Kollege Jung, Sie können hier im Arbeitszimmer schlafen.

Das weiß ich sehr zu schätzen. Und Frau Fritsch?

Die muss ins Vorzimmer. Es geht nicht anders.

Die Schwestern ins untere Schwesternzimmer.

Und Martin, du ziehst in die Prothesenwerkstatt.

Marquardt geht ja sowieso.

Krankenzimmer: Die oberen Etagen werden komplett geräumt, alle.

Und was den Operationsbetrieb anbelangt,

wenn die Amerikaner auch am Tag Angriffe fliegen,

müssen wir ab sofort alle Operationen im Bunker machen.

Immer?

Wir können ja bei Alarm mitten im Eingriff in den Bunker gehen.

Der Bunker ist bei Treffern sicher. Drei Meter Beton sollten reichen.

Was ist mit bettlägerigen Patienten?

Meine Forderungen nach einem Bettenbunker

wurden ja als überzogen abgewiesen.

Die Charite evakuiert man nicht, um die Bürger nicht zu beunruhigen.

Wir werden also mit vereinten Kräften bei jedem Alarm

die Patienten wie Sardinen in den OP-Bunker schichten.

Das ist gegen die Luftschutzordnung.

Es gibt zu wenig Toiletten und Belüftung.

Wer reinpasst, kommt rein. Ende der Diskussion.

Er hat die letzte Prüfung bestanden und ist jetzt Arzt.

Na, dann ist er doch der richtige Deckel für deinen Topf.

Aber er muss erst an die Front. Da will er sicher nicht heiraten.

Kindchen, das ist die Gelegenheit für 'ne Witwenrente.

Ich heirate nicht wegen Geld. - Geld macht nicht glücklich.

Aber es weint sich leichter damit. Und 'ne Verlobung reicht auch schon.

Der Führer erlaubt jetzt sogar Leichentrauungen.

Otto hat's nicht mit Frauen. Der ist ganz dicke mit Martin.

Das macht doch nichts.

Dann braucht er sogar eine Frau, damit keiner doofe Fragen stellt.

Du kommst ihm gerade recht.

Und so einer würde nicht zum ersten Mal

das Amüsement mit der Weiblichkeit noch finden.

Meinst du? - Meine ich.

"Hier sind deutsche Sender.

Der Tag hat weltgeschichtliche Bedeutung.

Unter dem Druck Moskaus haben Briten und Amerikaner

die lange von uns erwartete Invasion an Europas Westküste begonnen.

Sie findet Deutschland..."

Ich muss ja nicht in die vorderen Stellungen.

Unterärzte einer Sanitätskompanie werden nicht bewaffnet.

Was, wenn doch? Willst du den Befehl verweigern und aufgeknüpft werden?

Mit sieben bin ich vom Kirschbaum gefallen

und hatte kaum einen Kratzer.

Mutter sagte immer, ich bin wie eine Katze mit sieben Leben.

Und zwei oder drei habe ich bestimmt noch.

Hey.

Deinen Glücksbringer wirst du trotzdem brauchen.

Ich nehme in gerne, wenn du heil zurück bist.

Wenn ich schreibe: "Grüße an dein Holzbein",

dann meine ich: "Ich liebe dich".

Von Mutter. Wer weiß, wie lange du bis in die Normandie fährst.

Ich würde mich gerne von meinem Bruder verabschieden.

Du wirst mir so fehlen, Otto.

- Was ist los? - Ich weiß nicht weiter.

Karins Behandlung hilft nicht. Aber sie ist trotzdem liebenswert.

So viele Dinge in der Natur sind schief und krumm und dennoch schön.

Egal, was die Nazis sagen.

Wäre es besser für Karin, wenn wir sie evakuieren würden?

Wie kannst du sie dann schützen? Ich meine nur.

Sie weint so bei Luftangriffen. Sie muss raus aus diesem Wahnsinn.

Kann Mutter sie nicht nehmen? Sie weiß nicht von der Behinderung.

Auf Wiedersehen.

Auf Wiedersehen.

Alles Gute, Schwester Laura.

Wiedersehen. Alles Gute.

Alles Gute. Auch vom Chef und Jung. Die sind noch im OP.

Man möchte Sie hier als Arzt wiedersehen.

Nichts lieber als das.

Danke, Dr. Wagner. Wiedersehen.

Alles Gute, Schwester Anna. Für Sie auch.

Wiedersehen. Wiedersehen.

Otto.

Ich möchte zu dir gehören, Otto.

Wollen wir uns hier vor Zeugen einander versprechen?

Liebe Schwester Christel, so gut kennen wir uns nicht.

Spekulieren Sie auf eine Kriegswitwenrente?

Dann müsste ich Sie enttäuschen. Ich will überleben. Leben Sie wohl.

Sie werden sich damit abfinden müssen...

dass Karin einen Wasserkopf bekommt.

Und hypertonische Kochsalzlösung? Vielleicht bewirkt das etwas.

Wenn man das Kind weiter dehydriert, können die Nieren versagen,

und der Druck bleibt.

Ich denke, in Wiesengrund ist so ein Kind am besten aufgehoben.

Das kommt nicht infrage. Wir brauchen Betten für Verwundete.

Dann nehmen wir sie wieder zu uns.

Ich kann keine Ärztin freistellen für ihr behindertes Kind.

Sie wissen, was hier los ist. - Wiesengrund hat Bettenmangel.

Karin kann auf der Station bleiben. - Es ist schwer für Sie beide.

Aber ein Arzt muss seine Grenzen kennen.

Wir haben nicht wie Sie mit allem abgeschlossen.

Ich lasse Karin nicht im Stich.

Waldhausen, Ihre Frau weiß von meiner Krebserkrankung?

Sie haben ärztliche Schweigepflicht. - Es tut mir leid...

Ich...

Ich... wünsche mir einen Nachfolger, der in der Lage ist,

auch schwierige Entscheidungen mannhaft zu tragen.

Beweisen Sie mir, dass Sie der Richtige wären.

Sie müssen den Hydrozephalus melden. - Das würde mir Anni nie verzeihen.

Soll Ihre Ehe unter einem behinderten Kind leiden?

Es sollte weg.

Oder wollen Sie warten, bis man Ihnen Ihr Sorgerecht entzieht?

Ihre Frau wird sich schon abfinden.

Machen Sie neue, hm?

Sie können das doch.

Gut, dass wir einen Platz für uns allein haben.

Wir wollen doch an unserer Großfamilie arbeiten.

Hast du Angst, wir kriegen wieder ein behindertes Kind?

Selbst wenn es gesund wäre, ich könnte das jetzt nicht.

Karin braucht mich.

Sie kann nicht ewig hierbleiben.

Wenn sie gehen muss, gehe ich mit ihr.

28.

Haben Sie Nachricht von Peter?

Er ist als 1a bei der 4. Panzerdivision

im Raum Kowel in der Ukraine.

Es geht ihm den Umständen entsprechend gut.

Ich will dafür sorgen, dass er zu mir ins Oberkommando kommt.

Deutschland kann nur in Berlin gerettet werden.

Können Sie ein diskretes Treffen

mit Generaloberst Beck in Ihrem Haus für mich arrangieren?

19.

Sie sind doch mit ihm bekannt.

Er ist mein Freund.

Der Plan ist der:

Sechs Wochen nach dem ersten Eingriff

kann ich die Kanäle für die Stifte bilden.

Vier Wochen danach sind die Kanäle belastbar.

Dann folgen Stumpfübungen zur Kräftigung der Muskulatur.

Fünf Kilo sollten Sie heben können.

Bis die Prothese endgültig angepasst ist...

Vier Monate müssen Sie rechnen. Ich muss eine Aufgabe erfüllen.

Sie selbst? Ein Unrecht muss man begehen.

Das des Tuns oder das des Nichttuns.

Aber Ihre Kräfte sind angegriffen.

Ihre Nerven sind geschwächt.

Bei der Aufgabe könnten Sie einen Fehler machen.

Das muss ich riskieren. Ich bin der Einzige, der es machen kann.

Aber doch nicht in Ihrem Zustand.

Wenn Sie so weitermachen, überleben Sie keine sechs Monate.

Diese Diagnose können Sie jedem deutschen Soldaten stellen.

Meine Herren, Claus Schenk Graf von Stauffenberg,

Chef des Stabes im Allgemeinen Heeresamt unter Olbricht.

Das ist Botschafter a. D. von Hassell.

Herr Minister Popitz.

Herr Prof. Jessen, Direktor Planck.

Freut mich. Herr Dr. Kempner.

Und Generaloberst Beck. Bedient euch an den Getränken.

Wenn ihr was benötigt, ich bin im Salon.

Das ist sicher das Beste, Herr Geheimrat.

Vielen Dank.

Berlin vor der Götterdämmerung. Du weißt nicht, was sie planen?

Vermutlich Verhandlungen mit den Alliierten über eine Kapitulation,

um die Ostfront zu halten.

Dafür müsste man Hitler beseitigen. Die Wehrmacht will putschen?

Ich dachte nicht, dass ich das mal herbeisehnen würde.

Gut, dass Peter nicht mehr hier dient.

Und wenn's fehlschlägt?

Was blüht uns dann? Wenn sie es tun, muss es klappen.

Oh, la, la.

Aber seien Sie auf der Hut.

Je aussichtsloser der Krieg, desto brutaler die Verfolgung.

Mich halten alle für einen harmlosen Schachverrückten.

Man hat mich zum Kanzler befördert, mit dem Segen der Partei.

Heil Hitler!

Heil Hitler.

Wo finden wir Martin Schelling?

Martin Schelling?

Ja. - Sie müssen in Vorbeugehaft.

Das muss eine Verwechslung sein. - Nein.

Ist alles in Ordnung? Bessau ist tot.

Seine Frau hat angerufen.

Du mochtest ihn. Er hat dich immer gefördert.

Aber nun müssen wir uns weniger um Karin sorgen.

Weniger sorgen? Karin kriegt einen Wasserkopf.

Es ist kein schwerer Verlauf, und der Kopfumfang nahm kaum zu.

Vielleicht kommt es zum Stillstand.

Sogar Churchill soll als Kind einen Wasserkopf gehabt haben.

Er ernannte mich zum Nachfolger.

Jetzt kannst du ganz stolz auf deinen Papa sein, hm?

Glauben Sie mir, ich sollte schon längst weg sein.

Ich werde als Arzt an der Front gebraucht,

und Sie halten mich für absurde Anschuldigungen fest?

Zum hundertsten Mal: Ich habe nichts mit diesem Pfleger.

Das ist auch gar nicht nötig.

Den Straftatbestand der Unzucht erfüllt,

wer das allgemeine Schamgefühl verletzt.

Das haben Sie,

wenn Sie ihm gegenüber wollüstige Absichten gezeigt haben.

Auch ohne körperliche Berührung.

"Wollüstige Absichten."

Darf man erfahren, welcher Hellseher mich anzeigte?

Marquardt, räumen Sie ein, dass Sie verführt wurden.

Schelling ist ein notorischer Triebtäter,

vor dem wir das Volk wirksam schützen werden.

Aber bei Ihnen liegt der Fall anders.

Soweit ich weiß,

sind Sie in der Reichszentrale zur Bekämpfung von Homosexualität

bisher nicht erfasst.

Sie könnten Frontbewährung bekommen, wenn Schelling Sie verführt hat.

Ich will eine Aussage machen.

Ich bin überzeugt,

dass diese Denunziation von Schwester Christel Bönisch stammt.

Sie wollte mich zur Verlobung drängen,

wohl aus eigennützigen Motiven.

Sie will sich an mir rächen.

Ihre Behauptung, Bönisch hätte... Das ist keine Behauptung.

Dafür gibt es diverse Zeugen an der Chirurgie der Charite,

darunter Dr. Margot Sauerbruch.

Sauerbruch? Ja.

Seine Ehefrau.

Vorzimmer Prof. Sauerbruch, Fritsch am Apparat.

Einen Moment.

Die Kripo. Sie wollen ausdrücklich Sie.

Margot Sauerbruch. Guten Tag. Kriminalsekretär Leibfried.

Sie kennen doch Otto Marquardt.

"Bestand zwischen ihm und Fräulein Bönisch eine Liebesbeziehung?"

Von Privatem habe ich wenig Kenntnis.

Bei seinem Abschied gab es einen Vorfall.

"Sie sollen Zeugin der Szene sein." Ja.

Fräulein Bönisch hätte sich noch eine Verlobung gewünscht.

Herr Marquardt lehnte ab. Würden Sie das beeiden?

Selbstverständlich.

Und Ihre Dienststelle ist? Kriminalinspektion M II 2.

Gott, das war das Homosexuellendezernat.

Wegen Marquardt. Vielleicht wurde Martin verhaftet.

Was? Sie meinen Otto und Martin?

Dann habe ich es genau falsch gemacht.

Ich hätte Ottos inniges Verhältnis zu Christel betonen müssen.

Ich vertrete Bessau auf der Tagung in Hohenlychen.

Und Sie, Frau Dr. Waldhausen, kommen Ihren Chef da besuchen.

Wie Sie wissen, habe ich noch keinen Doktor.

Und einen Passierschein raus aus Berlin kriege ich nicht.

Für eine dringende Dienstreise schon.

Schickst du mir Schwester Käthe?

Ja.

Wir müssen Betten für Bombenopfer frei machen.

Evakuieren Sie diese, wenn ich weg bin.

Wohin geht die Reise? - Ins Wiesengrund.

Sagen Sie's nicht meiner Frau.

Und tief einatmen.

Danke, dass Sie sie wieder hüten. Kein Problem.

Genießen Sie die ungestörten Nächte in Hohenlychen

bei den feinen Pinkels, die dort in Kur sind.

Das werde ich.

Das ist die Letzte.

Rufen Sie in Wiesengrund an, ob wir fahren sollen.

Ja, mache ich.

Zeigen Sie mir die Liste? Und Sie sind?

Dr. Waldhausen.

Ach so, ist ja Ihre Liste.

Kann die Verlegung warten bis nach dem Angriff?

Ja, natürlich. Bringen Sie die Kinder zurück ins Haus.

Gut.

Alles gut.

Komm her.

Hallo.

Wir haben Anweisung, sofort aufzubrechen.

Ich schaffe das schon alleine.

Unser Patient ist sicher vernünftig.

Ich klopfe, wenn ich fertig bin.

So...

Sauerbruchs Zirkuspferdchen mit der Umkipp-Plastik.

Ihr Chef war schon da und hat sich sehr für Sie eingesetzt.

Sie möchten sicher nicht lange hier schmoren.

Forensische Patienten werden bei Luftangriffen nicht evakuiert.

Diese Zelle hier ist also nicht wirklich ein gemütliches Plätzchen.

Wir können das abkürzen.

Ich werde mein Gutachten stellen, auch wenn Sie schweigen.

Die Aussage unserer NS-Funktionsschwester

ist Beweis genug für Ihre Tat.

Die Frage ist nur,

ob Sie den Anstand haben, zuzugeben, Otto Marquardt verführt zu haben?

Dann käme wenigstens Ihr Lustknabe mit Frontbewährung davon.

Sie selbst landen so oder so im KZ.

Es sei denn, Sie lassen Ihr abnormes Triebleben medizinisch behandeln.

Wenn Sie Ihrer Entmannung zustimmen, kann ich Sie in der Klinik behalten.

Die Kastration hat manchem geholfen, den widerlichen Trieb zu überwinden.

Also ich wüsste, wie ich mich an Ihrer Stelle entscheiden würde.

Wo ist Karin?

Hat Ihr Mann nichts gesagt? Die Kleine ist evakuiert.

Glauben Sie mir, das ist auch besser so.

So, meine Kleine.

Ja, jetzt gibt's was zu essen, ne?

Anni? Was machst du hier?

Und du? Bist du nicht an der Front? Ich bin desertiert.

Was macht Karin hier? Sie sollte nach Wiesengrund.

Ich verstecke sie, auch vor Artur. Artur würde sein Kind ausliefern?

Er hat es versucht. Ich traue ihm nicht mehr.

Ist Karin allein hier? Ich sediere sie.

Das ist das geringere Übel.

Und wieso bist du desertiert?

Die vom Homosexuellenreferat sind hinter uns her.

Schwester Christel muss uns denunziert haben. Euch?

Wieso hängt dir Christel so was an? Das ist absurd.

Anni, ich... ich bin... Du doch nicht.

Du hast noch nicht die Richtige gefunden.

Aber den Richtigen.

Ich liebe Martin.

Weißt du, wo er ist? Hat man ihn verhaftet?

Ja.

Er soll bei de Crinis zur Begutachtung sein.

Der bringt ihn ins KZ. Martin ist aktenkundig.

Er gilt als Verführer. Ja, ohne ihn wärst du auch nicht...

Was soll denn das?

Begreif das bitte. Martin hat mich nicht verführt.

Ich habe mich in ihn verliebt.

Nein.

Ich kann mich hier verstecken und auf Karin aufpassen.

Aber dafür musst du was für mich tun.

De Crinis hält große Stücke auf dich.

Du musst Martin rauspauken.

Wo warst du?

Schade, dass du nicht mehr rausgekommen bist.

Ich wollte anrufen, aber die Leitungen waren tot.

Die Gleise waren nicht intakt. Gut, dass dir nichts passiert ist.

Du hast Karin ausgeliefert. Alle Kinder werden jetzt evakuiert.

Soll Karin bei Angriffen sterben? Aber doch nicht nach Wiesengrund.

Das ist ein Ort, wo sie behinderte Kinder pflegen.

Und sie für Experimente benutzen. Karin nicht.

Anni. Wenn du willst, hole ich sie wieder zurück.

Es gab angeblich einen Anschlag auf Hitler.

Ist er tot?

Bisher sind es nur Gerüchte. In der Wolfsschanze.

Stauffenberg. Er schob immer wieder die Behandlung auf.

Hitler tot. Das wäre... Das glaub ich, wenn's offiziell ist.

Na komm, komm, komm.

Schon nach Mitternacht.

Und immer noch keine Meldung.

Das ist doch ein gutes Zeichen.

Würde Hitler leben, hätte er im Rundfunk gesprochen.

Vielleicht berichtet ja ein Feindsender.

Überall nur Musik.

Dann lassen wir eben Musik laufen. Das passt zu dieser Feierstunde.

Kinder, das ist ein historischer Moment.

Endlich ist er krepiert. Die übrigen Nazis fahren auch noch zur Hölle.

Komm.

Ich hoffe, die Alliierten klagen nicht nur die Regierung an.

Es haben sich auch genug andere schuldig gemacht, auch Ärzte.

Siegerjustiz ist nicht unbedingt gerecht.

Ich sage für Sie aus, wenn nötig. Was sollte man mir vorwerfen?

Dass ich unter den Nazis operierte? Das wird man Ihnen auch vorwerfen.

Ich bin nicht freiwillig hier und auch nicht Generalarzt.

"Deutsche Volksgenossen und -genossinnen.

Ich weiß nicht, zum wievielten Male

ein Attentat auf mich geplant und zur Ausführung gekommen ist.

Eine ganz kleine Clique ehrgeiziger,

gewissenloser und zugleich unvernünftiger,

verbrecherisch-dummer Offiziere hat ein Komplott geschmiedet,

um mich zu beseitigen und den Stab der Wehrmachtführung auszurotten.

Die Bombe, die von dem Obersten Graf von Stauffenberg gelegt wurde,

krepierte zwei Meter an meiner rechten Seite.

Ich selbst bin völlig unverletzt.

Ich fasse das als eine Bestätigung des Auftrags der Vorsehung auf,

mein Lebensziel weiter zu verfolgen, so wie ich es bisher getan habe."

Was machst du da?

Stauffenberg, Olbricht, Beck sind tot.

Die Verhaftungswelle rollt.

Ich habe Angst, dass Sie bei dir was finden, oder bei Peter.

Sie tasten Sauerbruchs Sohn nicht an.

Sie tasten den Sohn von Max Planck an.

Prof. Sauerbruch? Folgen Sie uns bitte ins Reichssicherheitshauptamt.

Ich habe eine wichtige Operation. Die muss jemand anderes machen.

Meine Fähigkeiten sind nicht so leicht zu ersetzen.

Ihr Sohn Peter wurde verhaftet und ins KZ Fürstenberg gebracht.

Der Chef der Sicherheitspolizei und SD vernimmt ihn.

General Kaltenbrunner erwartet Sie.

Soll ich mitkommen?

Ist das eine Verhaftung? Wenn Sie es so nennen wollen.

Es wäre sinnvoll, Peter Sauerbruch zivile Kleidung zu schicken.

Uniform darf er angesichts der erhobenen Vorwürfe nicht tragen.

Sie haben alles durchwühlt.

Heil Hitler. Mach ich.

Aber glücklicherweise ist das ja nicht nötig.

Die Vorsehung hat unseren Führer ja wieder mal bewahrt.

Sie sehen bezaubernd aus, Frau Waldhausen.

Haben schon Ihre Figur zurückgewonnen.

Der schlechten Versorgungslage sei Dank.

Bitte.

Was kann ich für meine Lieblingsdoktorandin tun?

Es freut mich, dass ich diesen Ehrentitel führe.

Auch wenn ich in der Kinderklinik volontierte,

schlägt mein Herz für die Psychiatrie.

Und ich dachte, jetzt kann ich die Doktorarbeit wieder aufnehmen.

Sehr, sehr gerne.

Die Diagnostik bei Verdacht auf Selbstverstümmelung ist hochaktuell.

Traurig, nicht?

Wir schulden es den Frontkämpfern, Drückeberger zu entlarven.

Mein Bruder Otto kämpft in Frankreich.

Ja, Ihr Bruder...

geriet ja kurzzeitig in Verdacht,

dass der Pfleger Martin Schelling ihn verführt hätte.

Unsinn.

Ich schätze Schwester Christel sehr als ideologisch gefestigte Kraft,

aber... sie ist eben auch eine unbefriedigte Frau,

der ihre Fantasie wohl einen Streich gespielt hat.

Otto war immer ein Frauenheld.

Seine Wirkung auf Schwester Christel hat er nicht verfehlt.

Und was Martin Schelling betrifft,

mein Mann und ich haben lange genug Tür an Tür mit ihm gewohnt,

um Zeugen seines Liebeslebens zu werden.

Obacht. Frauenbekanntschaften sollen mitunter Homosexualität tarnen.

Das mag sein.

Aber ich habe bei einer Koryphäe der Psychiatrie studiert.

Und Sie haben mir beigebracht, Lügner zweifelsfrei zu erkennen.

Und Sie denken, dass Schelling kein 175er ist?

Mich freut es nicht,

einen verwundeten, dekorierten Frontsoldaten ans Messer zu liefern.

Also Sie sind ganz sicher? Ja. Mein Mann kann das bestätigen.

Darf ich erfahren, was man meinem Sohn zum Vorwurf macht?

Er ist ein Freund von Stauffenberg.

Aber darum geht es nicht.

Jetzt geht's um Sie.

Wir wissen, dass die Verschwörer sich mehrfach in Ihrem Haus trafen.

Ich führe ein offenes Haus. Worum geht's?

Die Mittwochsgesellschaft? Das ist ein unpolitischer Forscherklub.

Und Generaloberst Beck? Ist mein Freund und Patient.

Er war es.

Und den Kopf der Verschwörung haben Sie

zufälligerweise zwei Tage vor dem Attentat mit Ihrem Wagen

zu seinem Mitverschwörer General Olbricht chauffiert.

Ich kam zu Beck, als er gerade zu Olbricht wollte.

Ich habe angeboten, ihn zu fahren. Und was... taten Sie dann dort?

Die Generäle hatten eine Unterredung,

und ich habe in der Bibliothek auf Beck gewartet.

Was taten Sie da?

Ja was man gemeinhin in einer Bibliothek tut.

Lesen! Und was haben Sie gelesen?

"Das Trompeterschlößchen in Dresden".

Gnade Ihnen Gott,

wenn's dieses alberne Buch bei Olbricht nicht gibt.

Überprüfen Sie das.

Unterschreiben Sie diese öffentliche Verurteilung der Attentäter.

Ihr Sohn wird das begrüßen.

Er hat schließlich einen Eid auf den Führer geleistet.

Herr Geheimrat Sauerbruch.

Gott, bin ich froh.

Hast du Nachricht von Peter?

Er ist frei und wartet drinnen.

Ich weiß nicht, warum, aber sie ließen mich frei.

Dafür danke ich dem Schicksal.

Und dafür, dass mir der Titel von dem idiotischen Buch einfiel,

dass ich Olbricht zum letzten Geburtstag geschenkt habe.

Sollten wir doch in die Schweiz? Bloß nicht. Gebhardt warnt dich.

Wenn du jetzt ins Ausland fährst,

gälte das als Flucht und Schuldeingeständnis.

Ich muss sofort auf meinen Posten nach Kurland zurückkehren.

Ich weiß nicht, was los ist.

Mutter? Anni.

Endlich komm ich durch. Ich bin in der Post.

Ich hab nicht viel Geld. Was ist mit Otto?

Wieso?

"Bei mir waren die Feldjäger von Kempten."

Die sagen, Otto ist desertiert. Stimmt das?

Die haben alles auf den Kopf gestellt.

Anni,

wenn die ihn kriegen, die hängen ihn auf.

"Kannst du nicht kommen?" Ich krieg keine Reisepapiere.

Anni, bitte. Ich möchte endlich auch die kleine Karin sehen.

"Ich warte schon so lang auf euch." Karin ist krank.

Was hat sie denn? Sie...

Sie kriegt einen Wasserkopf. Oh du... Die arme Kleine.

"Bring sie doch zu uns.

Ich helfe ihr."

Mutti, ich bin's noch mal.

Ja. Sei versichert, Karin kriegt die bestmögliche Behandlung.

Ist es dringend, Herr Kollege? Ich bin in Eile.

Ich hörte, Sie haben Max Planck zu einer Gastvorlesung eingeladen.

Sie wissen, sein Sohn ist wegen des Attentats zum Tode verurteilt.

Ihr Sohn hatte wohl mehr Glück.

Mein Peter hat wie Erwin Planck ein reines Gewissen.

Genauso wie die Familie Bonhoeffer.

Ja, nicht nur die Plancks sind Ihre Freunde.

In diesen Zeiten sind Freundschaften unschätzbar.

Aber ich muss gehen.

Ich gab über Ihren Lieblingspfleger ein entlastendes Gutachten ab.

Er kommt frei.

Ich hoffe, Sie...

erinnern sich zu gegebener Zeit an diesen Freundschaftsdienst.

Das werde ich ganz sicher nie vergessen.

Nicht mir gebührt heute die Ehre,

sondern dem Nestor der deutschen physikalischen Wissenschaft,

Geheimrat Prof. Max Planck.

Meine Damen und Herren, in unseren Tagen,

in denen man nicht mehr an den Geist als den Urgrund der Schöpfung glaubt

und darum in bitterer Gottesferne steht,

ist es gerade das Winzigste und Unsichtbare,

das die Wahrheit wieder herausführt

aus dem Grabe materialistischen Stoffwahnes

und die Türe öffnet in die verlorene und vergessene Welt des Geistes.

Das Einzige, was wir mit Sicherheit als unser Eigentum ansehen dürfen,

das höchste Gut, was uns keine Macht der Welt rauben kann

und das uns wie kein anderes zu beglücken vermag,

das ist eine reine Gesinnung.

Warum haben Sie das für mich getan? Ich tue das für Otto.

Wie geht's ihm? Ist er noch in Haft? Oder schon wieder an der Front?

Kennen Sie die Dachluke im Gang von Ihrem alten Zimmer?

Na du? Ich bin dein guter Freund.

Martin!

Martin.

Warum bist du desertiert? Ich musste wissen, was mit dir ist.

Du Wahnsinniger.

Das ist Karin. Anni muss sie vor Artur verstecken.

Weil sie behindert ist.

Wir müssen nur durchhalten. Die Alliierten sind in Straßburg.

Und die Russen sind an der Grenze zu Ostpreußen.

Und was macht ihr bei Luftalarm? Ich singe.

Und das hilft gegen die Tommys? Ich singe falsch.

Komm mit.

Hier stehe ich immer und denke an dich.

Wenn alle nachts im Bunker sind, sieht mich keiner.

Warte.

Du hast gesagt, wenn wir uns wiedersehen, nimmst du's.

Ich arbeite nicht mit Sittlichkeitsverbrechern.

Ich sehe keinen weit und breit.

Nur einen Mann, der seinem Vaterland ein Bein opferte.

Egal, was Prof. de Crinis schreibt, Martin hat Otto verführt.

Wenn Sie nicht mit ihm arbeiten wollen, gehen Sie.

Der Chef verhilft Ihnen gern zu einem Fronteinsatz.

Fass mal mit an.

Woher hast du das?

Ein falsches Wort, und ich bringe dich um.

Wiesengrund hat geschrieben. Karin kam nie an. Wo ist sie?

Ich verantworte es, wenn ein Kind verschwindet.

Ach ja?

Es verschwinden so viele Kinder.

Sag einfach, sie wurde in eine andere Anstalt verlegt.

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