Afrikaans
Akan
Albanian
Amharic
Arabic
Armenian
Azerbaijani
Basque
Belarusian
Bemba
Bengali
Bihari
Bosnian
Breton
Bulgarian
Cambodian
Catalan
Cebuano
Cherokee
Chichewa
Chinese (Simplified)
Chinese (Traditional)
Corsican
Croatian
Czech
Danish
Dutch
Esperanto
Estonian
Ewe
Faroese
Filipino
Finnish
French
Frisian
Ga
Galician
Georgian
German
Greek
Guarani
Gujarati
Haitian Creole
Hausa
Hawaiian
Hebrew
Hindi
Hmong
Hungarian
Icelandic
Igbo
Indonesian
Interlingua
Irish
Italian
Japanese
Javanese
Kannada
Kazakh
Kinyarwanda
Kirundi
Kongo
Korean
Krio (Sierra Leone)
Kurdish
Kurdish (Soranî)
Kyrgyz
Laothian
Latin
Latvian
Lingala
Lithuanian
Lozi
Luganda
Luo
Luxembourgish
Macedonian
Malagasy
Malay
Maltese
Maori
Marathi
Mauritian Creole
Moldavian
Mongolian
Myanmar (Burmese)
Montenegrin
Nepali
Nigerian Pidgin
Northern Sotho
Norwegian
Norwegian (Nynorsk)
Occitan
Oriya
Oromo
Pashto
Persian
Polish
Portuguese (Brazil)
Portuguese (Portugal)
Punjabi
Quechua
Romanian
Romansh
Runyakitara
Russian
Samoan
Scots Gaelic
Serbian
Serbo-Croatian
Sesotho
Setswana
Seychellois Creole
Shona
Sindhi
Sinhalese
Slovak
Slovenian
Somali
Spanish
Spanish (Latin American)
Sundanese
Swahili
Swedish
Tajik
Tamil
Tatar
Telugu
Thai
Tigrinya
Tonga
Tshiluba
Tumbuka
Turkish
Turkmen
Twi
Uighur
Ukrainian
Urdu
Uzbek
Vietnamese
Welsh
Wolof
Xhosa
Yiddish
Yoruba
Zulu
Der Pazifik, größter und tiefster Ozean der Welt.
Heimat von Titanen.
Und von monströsen Geschöpfen.
Für alle Lebewesen Paradies und Hölle zugleich.
Er ist umgeben von einem Feuerring,
umzingelt von Dreiviertel aller aktiven Vulkane der Welt.
Doch selbst an den heißesten und giftigsten Orten des Ozeans
setzt sich das Leben durch.
Über Millionen Jahre hat sich im Pazifik
eine atemberaubende Artenvielfalt entwickelt.
Im harten Überlebenskampf, wo jeder Nachbar ein Killer sein kann.
Und die Macht der Elemente selbst den Stärksten gefährlich wird.
In den Gewässern vor San Diego taucht alljährlich das größte Tier auf,
das jemals auf der Erde gelebt hat.
Der Blauwal. Knapp 30 Meter lang, länger als ein Basketballfeld.
Mit seinen 200 Tonnen Gewicht ist er so schwer wie 2500 Menschen.
Der Riese lebt von winzigen Beutetieren, von Krill,
gerade mal einige Zentimeter kleine Krebstiere,
die weniger als ein Gramm wiegen.
40 Mio. dieser Krustentierchen
wandern täglich in den Bauch des Riesen.
Der Wal durchpflügt das dichteste Getümmel.
Bis zu 60.000 der winzigen Garnelen
findet er hier in einem einzigen Kubikmeter.
Von der Kehle bis zum Nabel verlaufen etwa 70 lange Furchen,
die den Mundboden extrem dehnbar machen.
Ihren gewaltigen Appetit können Blauwale
nur in den kalten Teilen des Pazifiks stillen.
Jedes Jahr müssen die bedrohten Meeresriesen
tausende Kilometer zurücklegen, um nahrungsreiche Gewässer aufzusuchen.
Und das wird immer schwieriger.
Durch den Lärm in den Meeren verlieren sie Orientierung,
kollidieren mit Schiffen, schlucken Umweltgifte.
Und finden im Zuge der Erwärmung weniger Krillschwärme.
Auch ein anderer Pazifikriese kämpft mit diesen Herausforderungen.
Der majestätische Riesenmanta mit über fünf Meter Spannweite
und seinem langen stachelartigen Schwanz gleitet der Anderthalb-Tonner
scheinbar schwerelos durch das Wasser.
Wegen seiner Kopfflossen wird er auch Teufelsrochen genannt.
Im 18. und 19. Jahrhundert beflügelte seine Erscheinung die Fantasie.
Seeleute erzählten sich haarsträubende Gruselgeschichten
über die leisen, mit den Haien verwandten Giganten.
Dabei sind sie für Menschen ganz harmlos.
Ihre Beute ist noch kleiner als die der Blauwale.
Um von der Plankton-Suppe leben und wachsen zu können,
müssen diese Knorpelfische beinahe pausenlos Nahrung aufnehmen.
Mit seinen Kopfflossen leitet der Rochen die winzigen Beutetierchen
in sein weit geöffnetes Maul.
Das Wasser wird gefiltert
und tritt durch die Kiemenspalten wieder aus.
Trotz ihrer Größe sind Mantas höchst elegant und wendig,
wenn sie den Planktonwolken mit feinem Geruchssinn folgen.
Doch es gibt einen Pazifik-Riesen, der so gierig und gefräßig ist,
dass ihm ein Maul nicht genügt.
So wirkt das Wesen harmlos, denn es ist noch ein Kind.
Gerade einmal so groß wie ein Reiskorn
treibt die Larve durch das Gelbe Meer.
Aber in weniger als einem Jahr
wird dieser Zwerg größer sein als ein erwachsener Mann.
In diesem Stadium jedoch besteht er aus nicht viel mehr
als einem zentralen Mund.
Mit gerade mal einem Millimeter Durchmesser.
Kleiner als eine Reißzwecke, aber mit einem riesigen Appetit.
Nur ihre Bewegungen lassen ahnen, was aus dieser Larve einmal werden wird.
Sie frisst alles, was ihr in den Weg kommt.
Alles, was klein genug ist, verschlungen zu werden.
Und Kalorie für Kalorie wächst das unheimliche Wesen.
Nach sechs Monaten Völlerei ist seine Verwandlung abgeschlossen.
Die Nomura-Qualle.
So schwer wie ein ausgewachsener Löwe.
Mit ihren zwei Metern Schirmdurchmesser
ist sie nicht nur die größte Qualle des Pazifiks.
Sondern eine der größten des ganzen Planeten.
Das gallertige Tier besitzt weder ein Skelett noch komplexe Organe,
die ernährt werden müssen.
Selbst zum Schwimmen benötigt es kaum Energie.
Die Qualle lässt sich mit der Strömung treiben.
Mit tödlichen Waffen im Schlepptau.
Hunderte von Tentakeln, besetzt mit tausenden Nesselzellen
bilden einen höchst effizienten Fangapparat.
Mit zahllosen Abschussvorrichtungen.
Winzige Harpunen, die ein lähmendes Gift in ihre Beute injizieren.
So angsteinflößend die Qualle wirkt,
so selten starben bislang Menschen nach engen Begegnungen mit ihr.
Auf ihrer Speisekarte stehen wir schon gar nicht.
Sogar kleine Fische können für sie zu groß sein.
Die ganz Geschickten unter diesen haben das erkannt
und finden Schutz vor Feinden zwischen den giftigen Tentakeln.
Nomura-Quallen besitzen auf ihren Armen viele hundert Münder,
die mit bloßem Auge nicht zu erkennen sind.
Ein Gigant, bestens angepasst an die rauen Lebensbedingungen
dieses wilden Ozeans.
Quallen gehören zu den ältesten Lebensformen unseres Planeten.
Millionen Jahre haben sie unverändert überlebt.
3000 Kilometer weiter südlich hat sich ein ganz anderer Riese
einen wesentlich friedlicheren Winkel des Pazifiks ausgesucht.
Auf einer abgelegenen tropischen Insel der Philippinen
lauern Riesen aus grauer Vorzeit in sumpfigen, brackigen Uferzonen.
Sechs Meter lang und bis zu einer Tonne schwer:
Das Salzwasserkrokodil.
Es ist das größte heute lebende Krokodil der Welt.
Und wenn es um sein Territorium geht,
duldet der Herrscher keine Konkurrenz im Revier.
Traut sich einer der Artgenossen dennoch hinein,
ist Krieg programmiert.
Keinen seiner Fische lässt sich der Boss abspenstig machen.
Will der Eindringling ihm das Territorium streitig machen,
muss er aufs Ganze gehen.
* Musik *
Alles riskiert, aber verloren.
Dabei hat er noch Glück gehabt
und ist mit ein paar Verletzungen davongekommen.
Kleinere Rivalen enden nicht selten im Magen des Revierkönigs.
Will dieses junge Männchen eine Zukunft haben,
muss es von hier verschwinden.
Und so tritt der Verlierer eine ungewöhnliche Reise an,
die selten beobachtet und erst seit Kurzem erforscht wird.
Er schwimmt hinaus auf das offene Meer.
Etwa 16 Kilometer kann ein Krokodil am Tag zurücklegen
und oft wochenlang unterwegs sein.
Doch es ist kein ausdauernder Schwimmer.
Arbeitet die Strömung gegen die Riesenechse,
lässt sie sich treiben und nutzt geschickt die Gezeiten.
Will sie ein Schläfchen machen,
taucht sie unter und schaltet eine Hirnhälfte ab.
So kann sie dämmern, registriert aber noch,
wenn Gefahr in Verzug ist.
Bis zu einer Stunde hält das Salzwasserkrokodil den Atem an.
Unter Wasser fährt es seinen Kreislauf so weit herunter,
dass selbst das Herz kaum noch schlägt.
Aber längeres Untertauchen sorgt für andere Probleme.
Salz reichert sich im Körper an.
Doch spezielle Drüsen auf der Zunge sondern den Überschuss wieder ab.
Dank ihres langsamen Stoffwechsels können Krokodile wochenlang,
bis zu einem Jahr ohne Nahrung auskommen.
Irgendwann wird auch diese Panzerechse
auf einer fernen Insel des Archipels an Land gehen.
Der Pazifik ist vom Feuerring umgeben,
dem größten zusammenhängenden Vulkangürtel der Erde.
Ein 40.000 Kilometer langer Bogen heftiger seismischer Aktivität.
Es ist die geologisch aktivste Zone der Erde.
Zweidrittel aller weltweit aktiven Vulkane befinden sich im Pazifik.
Entlang der Pazifischen Platte ist der Erdmantel an einigen Stellen
nur wenige Kilometer mächtig.
Verschieben sich die Platten, entstehen Schwächezonen.
Hier kann das Magma leichter aus der Tiefe herausbrechen.
Es kommt zu meist schweren Beben und Vulkanausbrüchen.
Doch selbst in diesen Höllenkesseln hat man Leben entdeckt.
White Island 48 Kilometer vor Neuseeland.
Hier kommt die Erde nicht zur Ruhe.
Seit 150.000 Jahren ist dieser Vulkan aktiv.
Heißes Gas zischt aus den Spalten im Kraterrand hervor
und hinterlässt giftige Schwefelablagerungen.
Eine lebensfeindliche Welt.
Doch im brodelnden Kratersee leben Grenzgänger im Reich der Kleinsten.
Extremisten unter den Mikroorganismen.
Sie findet man dort, wo kein anderer überleben kann.
Das Wasser ist heiß und ätzend, zehnmal saurer als purer Essig.
Mit einem pH-Wert von Null einer der sauersten Seen überhaupt.
Die zähen Mikroben sind mit bloßem Auge nicht zu erkennen.
Erst wenn sie schleimige Schleier bilden, werden sie sichtbar.
Wie gelingt es ihnen, unter solchen unvorstellbaren Bedingungen
zu überleben?
Spielten sie eine entscheidende Rolle für die Entwicklung des Lebens
auf der Erde?
Vielleicht sind solche Extremophile
sogar die letzten Überlebenden unserer Ur-Ur-Ahnen.
Vor dreieinhalb Milliarden Jahren war es überall auf der Welt so unwirtlich
wie auf White Island.
Aber auch größere Organismen können in so einer Hölle überleben.
Vor der Guishan-Insel im Norden Taiwans.
Hitze, Säure, kaum Sauerstoff in der Tiefe.
Es gibt freundlichere Lebensräume als hier.
Wo extrem salziges, 116 Grad heißes Wasser
und schwefelhaltiges giftiges Gas
aus den Spalten eines Unterwasser-Vulkans strömen.
In der toxischen Labyrinth-Welt
haben sich ungewöhnliche Anpassungskünstler niedergelassen:
Asiatische Krabben der Art Xenograpsus testudinatus.
Die Todeszone ist für die Krebse ein Schlaraffenland.
Nahrung wird frisch serviert, fällt ihnen quasi direkt vor die Zangen.
Die aufsteigenden giftigen Gase töten Plankton ab.
Wie Schnee rieseln die abgestorbenen Organismen auf den Meeresgrund
und werden sogleich gierig verschlungen.
Mit den abgeflachten Spitzen ihrer Scheren
sammeln die Krabben die nahrhaften Flocken auf.
Ein Festessen, das sich keiner entgehen lässt.
Wenn die Strömung zunimmt und die Giftschwaden abdriften,
ist der Spaß vorbei.
Und die Krabben ziehen sich in die Spalten zurück.
Eine raffinierte Überlebenstechnik, die keine Konkurrenz erwarten lässt.
Ganz anders in den Gewässern im Nordosten von Sulawesi.
Die Idylle trügt, Unterwasser ist die Hölle los.
Die Lembeh-Straße vor Indonesien.
Sie ist dicht bevölkert,
auch wenn dies auf den ersten Blick nicht zu erkennen ist.
Eine starke Strömung verhindert das Entstehen von Riffen.
Dennoch explodiert das Leben hier in unbeschreiblichem Reichtum.
Und der Tod wird ein täglicher Begleiter.
Tausende von skurrilen Miniaturmonstern
konkurrieren um Raum und Nahrung.
Aufgrund der starken Strömung tummeln sich die meisten Geschöpfe
auf dem Meeresgrund oder in dessen Nähe.
Eng zusammengepfercht wird jeder Nachbar zum potenziellen Killer.
Die Evolution hat hier eine wahre Rüstungsspirale in Gang gesetzt.
Jede Art hat eigene Tricks zur Jagd oder Tarnung entwickelt.
Ein Räuber überzeugt durch ein ausgefallenes Repertoire.
Die Flossen der Froschfische haben sich zu einer Art Füße entwickelt.
Doch das ist nichts im Vergleich zu ihrem Täuschungstalent.
An seinem Ziel angekommen scheint sich dieser Froschfisch
in einen Schwamm zu verwandeln.
Jetzt heißt es Ruhe bewahren und den richtigen Moment abpassen.
* Musik *
Meeresbiologen gehen davon aus, dass es hier noch bizarre Wesen gibt,
deren Tricks bisher nicht beobachtet wurden.
Ein kleines Atoll der Marshall-Inseln.
Hier ist man einem Meeresräuber auf die Schliche gekommen,
der den Landgang wagt, um an diese Beute zu gelangen.
Die Krabben wähnen sich auf den Felsen sicher. Ein Fehler.
Eine Tüpfelmuräne durchstreift den Brandungsbereich des Riffs.
Doch anders als viele ihrer Verwandten
hat sie einen Joker auf Lager:
Landgang.
Dieses Verhalten wurde nie zuvor gefilmt.
Wie der Aal kann die Muräne kurzzeitig auf dem Trockenen atmen,
solange sie ihre Kiemen feucht hält.
Und das gelingt. Sie taucht immer wieder in die Gezeitentümpel.
Ihre Beute steuert sie mithilfe ihres Geruchssinns und ihrer Augen an.
Die kleine Krabbe ahnt nichts von der Gefahr.
Ihre Chancen stehen schlecht.
Umgeben von einer zähen Schleimschicht
kann die Muräne auch über scharfkantiges Gestein gleiten.
Wie sich dieses verblüffende Verhalten entwickelte
bleibt ein Rätsel.
Mit der Flut zieht sich die Muräne
schnell wieder in tieferes Wasser zurück.
Bis zur nächsten Ebbe ist ihr Hunger gestillt.
Ein genauso überraschendes Verhaltensrepertoire
offenbart sich im Pazifik auf dem Feld der Liebe.
Bei diesem Kraken–Weibchen muss man mit allem rechnen.
Sie hat größeres vor. Das signalisieren Bewegungen und Färbung.
Ganz unruhig verharrt sie in ihrem Liebesnest.
Sie hofft auf einen Partner.
Und es dauert nicht lange,
da nähert sich ein Männchen mit aufgerollten Tentakeln.
Das heißt: Ich interessiere mich für dich.
Dennoch sollte er ihr nicht zu nahe kommen.
Tintenfische achten bei der Paarung
normalerweise auf größtmöglichen Sicherheits-Abstand.
Und übergeben ihr Samenpaket mit ausgestreckten Tentakeln.
Aus gutem Grund: Sex ist für Kraken-Männchen enorm gefährlich.
Bei vielen Arten werden sie nach der Begattung sofort gefressen.
Nicht so beim Pazifik-Streifenoktopus.
Hier kommt man sich besonders nah.
Für das Männchen ein Ritt auf der Rasierklinge.
Beide Partner umschlingen einander im Liebesakt.
Und er übergibt sein Sperma.
Doch was so liebevoll wirkt, entpuppt sich als höchst grenzwertig.
Unmerklich umklammert das Weibchen ihren Partner immer fester
mit allen Tentakeln und schnürt ihm das Atemwasser ab.
Ihr Griff ist fest wie ein Schraubstock.
In seiner Not stößt das Männchen Tinte aus.
Plötzlich lässt sie los.
Im letzten Moment hat sie entschieden,
den Partner am Leben zu lassen.
Erst in den 1970er Jahren wurde diese Art entdeckt.
Bis heute hat die Wissenschaft
keine Erklärung für das ungewöhnliche Verhalten.
Als sei nichts gewesen ziehen sich die beiden ins Schneckenhaus zurück,
um sich nochmals zu paaren.
Äußerst ungewöhnlich für Oktopusse.
Während Tintenfisch-Weibchen nach der Laichpflege meist sterben,
kann diese kleine pazifische Art nach bisheriger Forschung
mehrere Bruten aufziehen.
Einige hundert Eier zählt ein Gelege.
Die Oktopus-Mutter bewacht sie etwa 40 Tage lang.
* Musik *
Wenn der Nachwuchs schlüpft, gleicht er den Eltern schon detailgenau.
Abgesehen von der Größe natürlich.
Die kleinen Kraken werden von den Gezeiten ins Meer getrieben.
Mit den Strömungen geht es in alle Himmelsrichtungen.
Eine kleine Felsinsel mitten im Golf von Bo Hai vor China
sorgt für Schlagzeilen.
Shedao ist kein Urlaubsparadies.
Und selbst für Vögel, die hier Rast suchen,
kann sie zur tödlichen Falle werden.
Wenn man sich dem Eiland nähert, deutet nichts daraufhin,
dass es hier schnell ungemütlich wird.
Doch Shedao ist die Heimat von Grubenottern,
eine der gefährlichsten Giftschlangen.
20.000 leben inzwischen auf der Insel.
Die meiste Zeit im Jahr finden die Schlangen nichts zu fressen.
Den ganzen Sommer verbringen sie in einer Art Hungerstarre.
Das ändert sich im Herbst. Plötzlich kommen sie in Bewegung.
Die bewaldete Insel ist ein Rastplatz für Millionen Zugvögel
auf ihrer Flugroute von Sibirien in den Süden.
Von der lauernden Gefahr ahnen die erschöpften Fernreisenden nichts.
Im Morgengrauen suchen die Grubenottern die besten Ansitze aus.
Manchen reicht schon ein niedrig hängender Zweig.
Schon bald warten tausende hungrige Schlangenmäuler
auf die unvorsichtigen, Ruhe suchenden Vögel.
Leichte Beute für die Lauer-Jäger.
Denn die Reptilien sind mit Hightech ausgestattet.
Vor dem Auge sitzt das Grubenorgan,
ein hochempfindlicher Infrarotrezeptor.
Er liefert ihnen ein dreidimensionales Wärmebild
der Umgebung.
Es dauert mehrere Tage,
bis eine Grubenotter ihre Mahlzeit verdaut hat.
Doch die Giftschlangen
können bis zu drei Vögel hintereinander verschlingen.
Die Gelegenheit will genutzt sein.
Zwei Wochen lang machen die Schlangen ohne Pause Jagd
auf die kleinen Gäste.
So überstehen sie den Winter und erwarten im Frühjahr
die nächsten arglosen Zugvögel.
Die auf ihrer Reise nach Norden hier Rast machen werden.
Auch an anderen Hotspots im Pazifik
gehört Massensterben zum Lebenszyklus.
September am Strand von Ostional in Costa Rica.
Eines der erstaunlichsten Spektakel im Kalender der Natur beginnt.
Die Arribada, die Eiablage der Meeresschildkröten.
Innerhalb von zehn Tagen finden sich bis zu einer halben Million
Oliv-Bastardschildkröten ein.
Alles Weibchen.
An die 50 Kilogramm schwer müssen sie sich den Strand hochwuchten.
Mit bis zu 70 cm Länge sind sie die kleinsten Meeresschildkröten.
Einige von ihnen haben den halben Pazifik durchquert,
um hierher zu gelangen.
Zurück an den Ort ihrer Geburt.
Wie alle anderen ist auch dieses junge Weibchen
an genau diesem Strand aus dem Ei geschlüpft.
Seitdem hat es sein Leben auf hoher See verbracht.
Zum ersten Mal seit zwölf Jahren verlässt die werdende Mutter
nun das Wasser.
Wie sie genau diesen Strand wiedergefunden hat
und wie sie es geschafft hat, gleichzeitig mit ihren Artgenossinnen
einzutreffen, ist noch nicht vollständig enträtselt.
Die tausende Kilometer lange Reise
endet ein paar Meter vom Ufer entfernt.
Jetzt müssen sie sich nur noch in den trockenen Sand
außerhalb des Gezeitenbereichs schleppen.
Dort gräbt die Schildkröte ein 30 bis 60 cm tiefes Loch,
damit der Nachwuchs in den Eiern optimal heranreift.
Das kann schon mal drei Stunden dauern.
Dann ziehen sich die Damen gemeinsam wieder ins Meer zurück.
Bevor die Schildkrötenweibchen hierher kamen,
haben sie sich in den Gewässern vor der Küste gepaart.
Und das Sperma der Männchen gespeichert.
Das reicht für drei Gelege pro Saison.
* Musik *
In jedem Nest liegen am Ende mindestens einhundert Eier.
Doch längst nicht aus allen werden Jungtiere schlüpfen.
* Musik *
Vor allem die Rabengeier
können den Abzug der Weibchen gar nicht erwarten.
Kaum sind die Mütter weg,
machen sich die Räuber über die frischen Schildkrötengelege her.
Doch die Natur gleicht die Verluste aus.
Allein an diesem Strand vergraben die Schildkröten pro Saison
bis zu einhundert Millionen Eier in einer Million Nester.
Durch die schiere Menge ist das Überleben der Art gesichert.
Forscher sprechen von der "Räubersättigung".
* Musik *
Nach diesem grandiosen Aufgebot
tauchen die Weibchen wieder im endlos großen Pazifik ab.
Wohin sie schwimmen, und was sie dort treiben,
ist bislang eines der vielen Geheimnisse des Ozeans.
Nach 50 Tagen unter der Sonne Costa Ricas regt sich Leben im Sand.
Die Oliv-Bastard-Schildkröten erblicken das Licht der Welt.
Ihr erster Atemzug im Freien.
Um zu überleben, müssen sie jetzt so schnell wie möglich
das Wasser erreichen.
Doch das ist ein schicksalhaftes Unterfangen.
Viele Vögel warten schon auf den Festschmaus.
Kaum sind die Babyschildkröten aus dem Sand gekrabbelt,
schlägt schon die gefährlichste Stunde ihres Lebens.
Weniger als 8 Prozent überleben den Versuch, ins offene Meer zu gelangen.
Die natürlichen Feinde sind zwar sehr erfolgreich bei der Jagd,
denn die kleinen Krabbler haben ihnen nichts entgegenzusetzen.
Doch die größten Bedrohungen für alle Meeresschildkröten
gehen vom Menschen aus.
Als Delikatesse war ihr Fleisch sehr begehrt.
Eier wurden massenhaft abgesammelt.
Und die Verschmutzung der Ozeane tut ein Übriges.
Inzwischen stehen alle Arten unter strengem Schutz.
Erfreulicherweise gibt es Hinweise darauf, dass sich die pazifischen
Bestände der Oliv-Bastardschildkröten leicht erholen.
Hoffnung also für die Babys, die sich abmühen,
ihre erste Überlebensprüfung zu bestehen.
Wenn sie das Meer erreicht haben, verschwinden sie im Ozean
und werden lange nicht mehr gesehen.
Die Wissenschaftler beginnen gerade erst,
ihren Lebenszyklus zu verstehen.
* Musik *
Eines ist aber sicher: Jedes Weibchen, das diese Reise überlebt,
kehrt irgendwann auf rätselhafte Weise wieder an diesen Strand zurück.
Über 4000 Kilometer weiter nördlich:
An der grandiosen Steilküste von Big Sur
findet der Pazifische Ozean seine schroffe Begrenzung.
Manchen gilt diese urwüchsige Landschaft
als der schönste Rand der Welt.
Die Kalifornische Küste.
Es ist kaum zu erahnen:
Unter der Brandung sind riesige Kelpwälder entstanden.
Bis zu 50 Meter hoch wird diese Seetang-Art.
Und reicht vom Meeresgrund bis an die Wasseroberfläche.
Ein Unterwasser-Lebensraum, der sich fast durchgehend von Kalifornien
bis zur Spitze Alaskas zieht.
Jeder Tangwedel lebt zwar nur etwa drei bis vier Monate.
Doch der Kelp kann bis zu 60 cm am Tag wachsen
und so die kurze Lebensspanne wettmachen.
Wie die Korallenriffe bieten sie zahlreichen Arten Schutz.
Damit gehören sie zu den vielfältigsten Ökosystemen
im Pazifik.
Die Kelpwälder gewähren nicht nur Schutz,
sondern ernähren auch unzählige Geschöpfe.
Doch eines dieser Wesen
übertreibt es mit dem Appetit in gefährlicher Weise.
Es ist der kleine rote Diadem-Seeigel.
Er ernährt sich von Tang und geht dabei radikal vor.
Bis zu 8 cm lange spitze Stacheln sitzen auf seiner harten Schale.
Das Unangenehme: Sie bleiben in der Haut von Opfern oder Feinden stecken
und können zu Entzündungen führen.
Doch das sind nicht die Waffen, die den Kelpwald gefährden.
Dafür fahren sie anderes auf.
Sie gehen zu einem Massenangriff über.
In Scharen setzen sich die Diadem-Seeigel an der Basis fest,
mit der sich der Kelp auf dem Meeresboden festhält.
Diese starken Stämme widerstehen zwar heftigen Stürmen.
Nicht aber dem kräftigen Kieferapparat der Seeigel.
* Musik *
In nur wenigen Monaten kann eine Seeigel-Invasions-Armee
den Kelpwald vernichten.
Doch ganz wehrlos ist der Kelpwald nicht.
Er hat einen Wächter.
Der Seeotter ist der natürliche Feind des Seeigels.
Und er hat einen ungezügelten Appetit.
Seeotter spielen eine wichtige Rolle als Förster der Kelpwälder.
Und nehmen damit eine Schlüsselrolle
in der Erhaltung von Ökosystemen im Pazifik ein.
Dabei standen sie bereits kurz vor der Ausrottung.
Vor etwas mehr als 100 Jahren wurden Seeotter gnadenlos bejagt
wegen ihrer schönen Pelze.
Nur noch knapp 2000 Tiere lebten,
als sie 1911 unter Schutz gestellt wurden.
Mit dem Verschwinden der Seeotter vermehrten sich die Seeigel rasant.
Und die Natur geriet aus dem Gleichgewicht.
Doch heute schlagen sie wieder zu.
Scheinbar mühelos tauchen sie in Tiefen von bis zu 90 Metern
und pflücken die Seeigel von den Algen.
Trotz seiner Stacheln ist der Seeigel wehrlos.
Die Otter können mit ihren scharfen Zähnen die Schale knacken.
Ein einziger Seeotter kann an einem Tag mehrere 100 Seeigel verschlingen.
Das entspricht einem Drittel seines Körpergewichts.
Wo Seeotter leben, geht es den Kelpwäldern gut.
Und davon profitieren auch wir Menschen.
Jährlich absorbieren die Kelpwälder 40 Millionen Tonnen CO2
aus der Atmosphäre.
Der Pazifik kann für seine Bewohner Paradies und Hölle sein.
Eine gefährliche Lebenswelt zwar, die aber ohne die massiven Eingriffe
des Menschen in der Lage war, das Gleichgewicht zu bewahren.
Allen Bedrohungen zum Trotz ist der größte und tiefste aller Ozeane
immer noch Heimat einer unermesslichen Artenfülle.
Eine faszinierende Welt, die dringend unseren Schutz braucht.
Untertitel im Auftrag des ZDF, 2018
Can't find what you're looking for?
Get subtitles in any language from opensubtitles.com, and translate them here.