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Untertitel: WDR mediagroup GmbH im Auftrag des WDR
Herzlich willkommen beim Europamagazin aus Brüssel.
Wer zuerst zuckt, hat verloren.
Das gilt beim Poker, das gilt auch
bei den nicht weniger spannenden Brexit-Verhandlungen.
Doch Großbritannien werde nicht zucken,
sagte kürzlich der neue Außenminister.
Keine Angst also vor dem No-Deal?
Vor dem ungeordneten Ende der EU-Mitgliedschaft?
Hanni Hüsch war unterwegs bei entspannten Briten.
Sonne. Supersonne.
Es ist heiß an Englands Südküste.
Endlich ein Sommer in Deal, wie es ihn sonst ja nur in Spanien gibt.
Wer mag da schon an was anderes als Eiscreme denken.
Und doch, in die schöne Idylle von Deal platzt das Gerede von No Deal.
Jetzt rätseln sie, was das bitte schön soll
mit dem Londoner Krisentalk von Lebensmittelknappheit,
Hamsterhaltung von Medikamenten, wenn nichts mehr geht.
Wenn sich das Vereinigte Königreich und die EU
am 29.03.2019 auf nichts geeinigt haben.
Wenn der Kanal richtig tief wird.
Sie wollen uns doch nur Angst einjagen,
damit wir unsere Meinung ändern.
Es läuft doch alles, wie sie es wollen.
Das Establishment will verhindern, dass wir aus der EU austreten.
Aber das ist das, was die weißen Arbeiter hier wollen.
Raus aus Europa.
Die Premierministerin kämpft. An so vielen Fronten.
Überall vermintes Gelände.
Und wo versteht man das besser
als in Englands Norden bei Responsive Engineering.
Hier, wo sie Material zur Minenentschärfung herstellen.
Auch den politisch heißen Juli hat Theresa May zum Erstaunen vieler
überlebt, das Brexit-Weißbuch dann doch noch nach Brüssel überstellt.
Hüben wie drüben wird es jetzt zerlegt.
Sie träufelt bittere Medizin in Seelen.
Und das handverlesene Arbeiterpublikum hat verstanden:
No deal is real.
Wenn das Parlament den mit Brüssel verhandelten Vertrag ablehnt,
heißt das dann: No Deal, Brexit?
Die Regierung erhöht ihre Vorbereitungen für No Deal.
Wir müssen auf alles vorbereitet sein.
Aber ich will ein Abkommen, dass das Parlament verabschieden kann,
weil es sieht, dass es ein guter Deal für das Land ist.
In Wales, so sagt man,
kommen Sturköpfe auf 4 und auf 2 Beinen daher.
Die Farmer haben fast alle für den Brexit gestimmt,
auch wenn die meisten Schafe in Europas Kochtöpfen landen.
Mays Brexitplan, der auch den freien Handel von Agrarprodukten vorsieht,
gefällt hier auf der Royal Welsh Show.
Mays Gerede von No Deal aber macht nervös.
40% Zoll, ein Desaster für die Farmer.
Hier zu Hause dient das Gerede vom No Deal mehreren Zielen.
Zuerst soll es ihren Abgeordneten deutlich machen,
dass es eine Wahl gibt zwischen jenem Abkommen,
das sie aus Brüssel zurückbringen kann und keinem Deal.
Eine Botschaft an die, die rebellieren wollen,
genau nachzudenken.
Und es soll auch die Öffentlichkeit aufrütteln.
Lange Stillstand. Jetzt dreht sich das Brexitrad.
Auch mithilfe der No-Deal-Abschreckung.
Nach innen und nach außen gerichtet.
May schickt ihre Schlüsselminister durch Europa.
Drohen mit Charme. Auch in Berlin.
Wir haben geliefert. Jetzt ihr.
Es gibt ein ganz reales Risiko für ein No-Deal-Szenario per Unfall.
In der EU denken viele Menschen, dass sie nur warten müssen,
bis Britannien am Ende zucken wird, aber das wird nicht passieren.
Hier liegt der Schlüssel für so viel. An Irlands grüner Grenze.
Hier wird mit dem Brexit Europa enden
und das Vereinigte Königreich beginnen.
Sie darf nicht mehr sichtbar sein
und die Geister der Vergangenheit wecken, versichern alle.
Niemand will die Zeiten des Bürgerkriegs zurück.
Mays komplizierter Zollplan soll das verhindern.
Ihn aber lehnen sie in Brüssel ab.
Die Sache mit den Brexitverhandlungen ist:
Alles ist möglich.
Vorstellbar, dass wir ein 2. Referendum bekommen.
Vorstellbar, dass es keinen Deal geben wird.
Oder doch einen. Nichts kannst du ausschließen.
Keiner will das Scheitern, aber alle täuschen vor,
sich jetzt massiv darauf vorzubereiten.
Glas halb voll oder halb leer?
Sonne, Sandwich, Seelenfrieden.
In Deal denken sie an diesen lauen Sommerabenden an alles,
nur nicht an No Deal.
Sind ja schließlich Briten.
Keep Calm und genieß dein Ale, auch wenns lauwarm ist.
Lauwarmes Bier wäre für ihn wahrscheinlich nichts.
Aber Ruhe bewahren, das kann er.
Jean-Claude Juncker, der Präsident der EU-Kommission,
hat sich diese Woche den Ehrentitel verdient.
Als Trump-Flüsterer.
Statt Handelskrieg und Drohungen wird nach Junckers Besuch
in Washington plötzlich sachlich diskutiert.
The Art of the Deal, die Kunst des Geschäftemachens.
Der eine hat ein Buch darüber geschrieben,
der andere hat diese Woche gezeigt, wie es geht.
Jean-Claude Juncker hat den scheinbar unbelehrbaren Donald Trump
offenbar überzeugt.
Überraschend, entgegen aller Erwartungen.
Nach seiner Rückkehr nach Brüssel erklärt er:
Ich habe mehrfach versucht, deutlich zu machen,
dass, wenn man Warenhandel, Dienstleistungen, Gewinne,
die amerikanische, multinationale Unternehmen in Europa machen,
zusammenrechnet, dann sind wir eigentlich im Defizit.
Und dann haben die USA einen Überschuss.
Er hat diese Zahlen immer in Abrede gestellt.
Bis ich ihm beweisen konnte,
dass das die Zahlen der amerikanischen Statistiker sind.
Das Gespräch verlief freundschaftlich.
Er war auch sichtbar bemüht,
auch im direkten Gespräch mit seinen Beratern,
die da wesentlich zurückhaltender waren als er selbst,
eine Einigung zu erzielen.
Und plötzlich war Bewegung drin im Weißen Haus.
Doch Trump lässt nicht locker
an einem für Europa, v.a. für Frankreich sensiblen Punkt.
Woran ist der Deal fast gescheitert?
Weil die Amerikaner massiven Druck gemacht haben...
Insbesondere der Präsident.
...dass Landwirtschaftsfragen in den Gesamtdeal hineinpassen müssen.
Und dass wir da Zugeständnisse machen müssen.
Das habe ich strikt abgelehnt.
Wohlwissend, wie die Lage in Europa ist.
Nicht nur in Frankreich, sondern auch in Belgien, in Irland,
teilweise auch in Luxemburg und sonst wo.
Das haben wir also abgelehnt.
Im Gegenzug haben wir im Moment darauf verzichtet,
den Zugang europäischer Firmen zu den öffentlichen Ausschreibungen
in Amerika zu einem Kernpunkt der Verhandlungen zu machen.
Obwohl uns das sehr besorgt macht.
Es ging also um Agrar
und die Teilnahme am amerikanischen Ausschreibungswesen.
Die Franzosen sollten sich darüber also nicht beklagen.
Und Juncker bringt noch etwas ins Gespräch:
verstärkte Importe von Sojabohnen aus den USA.
In der EU sei das zwar nicht abgesprochen gewesen.
Aber eine, Zitat, "Eingebung des Moments".
Das ist die Sache der Marktteilnehmer,
sich miteinander zu verständigen,
dass mehr Soja nach Europa ausgeführt werden kann.
Übrigens nicht genmanipuliertes Soja.
Das ist nicht Teil des Abkommens.
Glaubt Trump allen Ernstes, die Kommission könnte
den Mitgliedstaaten die Einfuhr amerikanischen Sojas verordnen?
Nein, aber er versteht sehr gut, dass das eine Sache des Preises ist
und eine Sache der Entscheidungs- freudigkeit der Marktteilnehmer.
Sowohl auf amerikanischer Farmer-Seite
als auch auf der europäischen Importseite.
Wir werden das nach Lage der Dinge und im Rahmen unserer Möglichkeiten
in die richtige Richtung bewegen.
Aber wir sind nicht zuständig dafür.
Wir sind aber auch nicht nicht zuständig.
Er bewegt Trump,
woran Emanuel Macron und auch Angela Merkel gescheitert sind.
Es steht mir nicht zu, die Bewegungsarten
des amerikanischen Präsidenten in 2 Kürzeln zusammenzufassen.
Er ist flexibel.
Und da war da noch das:
Trump twittert nach dem Treffen dieses Foto.
Den Bruderkuss mit der EU.
Eine Premiere für Juncker, der wahrlich schon viele geküsst hat.
Ich glaube schon, dass es das 1. Mal war.
Erstaunlicherweise in dem Gegensatz zu meinem üblichen Benehmen
ging die Initiative nicht von mir aus.
Ich wusste auch nicht, dass ein Fotograf im Oval Office war.
Aber es hat das Ambiente des Moments gut zusammengefasst.
Ein Ambiente überraschender Einigkeit.
Die Kunst des Deals eben, diesmal im Juncker-Stil.
Endlich Urlaub, ein bisschen Ruhe, eintauchen in fremde Kulturen?
Vergessen Sie es.
Das Phänomen, das wir bisher von Inseln wie Mallorca kennen,
ergreift zunehmend auch die Städte.
Touristen überall.
V.a. Amsterdam stöhnt mittlerweile.
Auch weil all die Fremden die Struktur der ganzen Stadt verändern.
Cornelia Kolden.
Eine Idylle, durch die eine Urlaubswelle rollt.
Ständig und immer größer, eigentlich eher eine Sintflut.
5-mal mehr Besucher als Einwohner.
Wir müssen was dagegen tun.
Das ist so, als wollten Sie in ein Konzert, zu einem Festival gehen,
und es ist ausverkauft.
Müssen Sie eben im nächsten Jahr kommen.
So sollte man auch mit Städten umgehen.
Der Mann hat gut reden.
Jahrelang war er Marketingchef für Amsterdam in Nordamerika.
Heute bedauert er die Geister, die er rief.
Der tolle neue Hafen für Kreuzfahrtschiffe
mitten in der Stadt: fatal.
Schiffe: Luftverschmutzer.
Die Passagiere: durch die Stadt kutschiert.
Und hinterlassen meist nur Müll.
Zu viele Touristen für die Stadt, findet Hodes.
Allein an seinem tollen Marketing liegt das ja wohl nicht,
will ich wissen.
Sie haben vor einiger Zeit das Lager zum Tourismuskritiker gewechselt.
Weil in den letzten Jahren die Zahlen richtig explodiert sind.
Weshalb?
Die Weltwirtschaft wächst, die Mittelklasse ist von 1,8 Mrd.
Menschen in einem Jahrzehnt auf 5 Mrd. Menschen angewachsen.
Und die werden alle reisen.
Denn Reisen gehören zu ihrem neuen Status.
Und sie wollen die alte Welt sehen, also Europa.
Sie werden in riesiger Anzahl kommen
und sind bereits in großer Zahl hier.
Das wird sich noch verdoppeln im nächsten Jahrzehnt.
Am liebsten sind Amsterdam Besucher, die auch gut Geld mitbringen.
Einträglicher als die nun verbotenen Bierbikes: Cocktailboote.
Und auch das hier steht auf der Abschussliste:
Geschäfte nur für Touristen gibt es mehr als genug.
Neue dürfen nicht mehr eröffnet werden.
Denn, was Touristen nicht sehen, Amsterdamer müssen oft weit laufen,
um sich ein Fläschchen Wein zu kaufen.
Mehr Läden für den täglichen Bedarf, dafür setzt sich Rogier Noyon ein.
Überhaupt für mehr Lebensqualität.
Amsterdam wird immer eine lebendige Touristenstadt bleiben.
Wir sind überhaupt nicht gegen Touristen,
auch nicht gegen Menschenmengen.
Denn dann darf man nicht in Amsterdam wohnen.
Aber es muss ausgewogen sein, d.h. dass unterschiedliche Menschen
hier leben können, dass es ein breites Geschäftsangebot gibt.
Dass es Wohnen in verschiedenen Preisklassen gibt.
Dass jeder hier was findet. Vielfältigkeit auf allen Gebieten.
Wir denken, das ist auf lange Sicht die Stärke von Amsterdam.
Aber während die einen die Grachten genießen,
hat es andere bereits in die Vorstädte abgetrieben.
Weil sie die Preise in Amsterdam nicht mehr bezahlen können,
haben Künstler dieses Gewerbeobjekt gemietet.
Gemeinsam mit Flüchtlingen wohnen und arbeiten sie hier.
Die Italienerin Chiara treffen wir in ihrem kleinen Studio.
Seit Jahren sucht sie ein bezahlbares Zimmer in der Stadt.
Dort sind nun neue Hotels verboten,
aber auch jeder private Quadratmeter geht über Airbnb eher an Touristen.
Auch das soll nun eingeschränkt werden.
Zu Recht, findet Chiara.
Die Leute versuchen,
auf die schnellste Art und Weise Geld zu machen.
Wer in Amsterdam Immobilien hat, der hat Geld,
der sitzt auf einem Schatz.
Damit kann man sehr viel sehr schnell verdienen.
Auf der einen Seite gibt es die Touristen,
die sich das ganze Stadtzentrum einverleiben.
Dort zu leben, ist sehr schwierig.
Es ist die Hölle, wie Disneyland,
aber für Betrunkene und solche, die nur zum Kiffen kommen.
Und das ist ein Jammer. Amsterdam ist so viel mehr als das.
So viel Kunst und Kultur.
Holländer, die hier ein Haus haben, sehen in Leuten wie uns
sowieso nur Gänse, die goldene Eier legen.
Mit ihrem Schmuck aus recycelten Stoffen
ist Chiara allerdings weit entfernt von goldenen Eiern.
Die Kunst- und Kulturinteressierten sind die Besucher,
die Amsterdam am liebsten sind.
Aber auch die laufen mittlerweile in solchen Massen auf,
dass nur eine strikte Einlasspolitik der Museen
das Chaos in Schach bzw. außen vor hält.
Ob es nicht doch besser wäre,
eine strikte Einlasspolitik für ganz Amsterdam zu haben?
Dem Vizebürgermeister
verschlägts bei dieser Idee erst mal die Sprache.
Amsterdam ist eine Stadt, kein Zoo.
Das ist kein Gebiet mit einem Zaun drumherum,
wo Sie die Anzahl der Leute, die Sie reinlassen, bestimmen können.
Kein Zaun, kein Törchen zum Auf- und Zumachen.
Das funktioniert einfach nicht.
Aber richtig ist, dass wir gegen schlechtes Benehmen vorgehen müssen,
viel mehr kontrollieren müssen.
Man sollte die Touristenströme breiter verteilen,
auch woanders hinlenken.
Und wir müssen die richtige Art von Tourist anziehen,
einen Touristen, der uns auch etwas bringt.
Das könnte laut Auskunft der Stadt
demnächst eine drastisch erhöhte Touristensteuer sein.
Für viele Amsterdamer nicht genug, denn sie wähnen sich oft im Zoo.
Die Gäste aus China,
sie interessieren sich nicht nur für unsere Städte.
China kauft Hightech-Firmen,
an diese Schlagzeile haben wir uns zuletzt gewöhnt.
Doch in dieser Woche hat die Bundesregierung 2-mal Nein gesagt.
Zum Verkauf des Werkzeugherstellers Leifeld
und des Netzbetreibers 50Hertz.
Katharina von Tschurtschenthaler und Katrin Matthei über die Frage,
ob sich Europa gegen China wehren soll und kann.
Er mag den Touch von Asien in Lissabon.
Ilidio Serodio kümmert sich um Investoren aus dem Reich der Mitte
in Portugal.
Die Chinesen haben sehr geholfen, weil wichtige Geldmengen ins Land
gekommen sind, die das öffentliche Schuldenproblem gelöst haben.
Portugal konnte so direkt seine Schulden bezahlen.
Nach Jahren des Stillstands.
Die Finanzkrise hatte Arbeitslosigkeit,
Armut, Sparzwang gebracht.
Das 10-Mio.-Einwohner-Land kam unter den Euro-Rettungsschirm,
musste dafür Staatsbetriebe privatisieren.
Und da kam China zum Shoppen vorbei.
Chinesische Unternehmen, meist staatliche,
kauften sich ein in portugiesische Versicherungen, Banken, Immobilien,
indirekt sogar in Medien.
Und in den gut gehenden staatlichen Energieriesen
Energias de Portugal, EDP.
Knapp 1/5 gehört seit 2011 einem chinesischen Staatskonzern.
Der will jetzt alles.
Die China Three Gorges bietet in einem Übernahmepoker 9 Mrd. Euro.
Doch vom Fresh Cash aus China, so erzählt der Gewerkschafter
Manuel Correia, hätten seine Kollegen bislang nicht profitiert.
EDP hatte früher 24.000 Beschäftigte.
Und wie viel sind es heute? Nicht mal 7.000.
Wir sehen, dass das ausländische Kapital
bei uns keinen einzigen Arbeitsplatz geschaffen hat.
Klar, es hat Geld gebracht, damit die Spekulation wachsen konnte.
Aber es ging nicht in Investitionen für die nationale Produktion
oder für die Weiterentwicklung des Landes.
Nichts davon, eher das Gegenteil.
Nicht nur Portugal sieht diese Entwicklung.
Europa wird als Einkaufsziel immer interessanter für China.
Die meisten Milliarden flossen bislang in die 4 größten
Volkswirtschaften: Großbritannien, Deutschland, Italien und Frankreich.
Daneben überproportional in kleinere Länder
wie Portugal, Griechenland oder Ungarn.
Griechenland:
Ein chinesischer Staatskonzern
betreibt den Containerhafen von Piräus.
Ungarn:
Chinas staatlicher Eisenbahnkonzern investiert in die Zugstrecke
Budapest-Belgrad, als Teil der Seidenstraße.
Deutschland:
Ein chinesischer Privatkonzern kaufte die Augsburger Roboterfirma
KUKA für rund 4 Mrd. Euro fast vollständig auf.
Worum geht es bei diesen Übernahmen? Nur ums Geschäft?
Man muss auf jeden Fall bei chinesischen Investitionen
ganz genau hinschauen.
Denn wir haben es hier mit einem Akteur zu tun,
bei dem viele Entscheidungen zentral vom Staat gelenkt werden.
Wir haben auch genug Fälle in den letzten Jahren gesehen,
wo wir strategisches Investitionsverhalten in Europa
gesehen haben.
Das hat zum einen natürlich wirtschaftliche Komponenten,
bestimmte Kernindustrien aufzukaufen,
die für das wirtschaftliche Weiterkommen Chinas
entscheidend sein werden.
Aber es nicht auszuschließen,
dass politische Strategien dahinterstehen.
Also Einfluss auf lokale oder nationale Regierungen auszuüben.
Denn hinter den Wirtschaftsdeals
steht auch immer indirekt die chinesische Regierung.
Ist Portugal also politisch erpressbar?
Auf eine gewisse Art sind wir schon abhängig.
Aber es gibt auch Brasilianer, Angolaner,
andere europäische Länder bei uns, nicht nur China.
China hat in Portugal ein positives Klima vorgefunden.
Portugal war ja auch lange Zeit in Macau präsent.
Es gab also schon eine traditionelle Verbindung mit China.
Und während der Krise sind die größten Investitionen gekommen.
Die waren für uns auch wichtig.
So erging es in der Krise noch weiteren EU-Ländern.
Das potenzielle Risiko politischer Einflussnahme Chinas wächst also.
Die EU hat das erkannt und verhandelt über eine neue
Transparenzregel für bestimmte ausländische Investitionen.
Beim Übernahmekrimi um die EDP könnte das so aussehen:
Die portugiesischen Behörden
screenen das Kaufangebot des chinesischen Unternehmens.
Gleichzeitig informieren sie die EU-Kommission in Brüssel
und die anderen Mitgliedstaaten.
Die screenen das Kaufangebot ebenfalls und geben ihr Feedback.
Portugal trifft dann die endgültige Entscheidung über den Verkauf,
ja oder nein.
Mehr staatliche Kontrolle also. Wird Europa jetzt protektionistisch?
Unsere Botschaft heißt doch nicht:
Bloß keine Chinesen, die müssen draußen bleiben.
Unsere Botschaft heißt:
Dort, wo Belange der Sicherheit und der öffentlichen Ordnung
berührt sind, muss man im Zweifel auch mal Nein sagen können.
Dem Gewerkschafter geht das nicht weit genug.
Er wünscht sich einen umfassenden nationalen Schutz
für bestimmte Staatsbetriebe.
Wichtige Bereiche wie die Energieversorgung
dürften niemals aus dem Besitz des eigenen Landes gehen.
Wir brauchen Energie zum Leben.
Und es ist unmöglich,
Investoren aus anderen Ländern wirklich effizient zu kontrollieren.
Der Staat ist in der Pflicht, sich um das öffentliche Wohl zu kümmern,
damit auch kleine Länder wie Portugal die Möglichkeit haben,
sich weiterzuentwickeln und nicht in den Händen der Chinesen landen.
Noch läuft der Übernahmepoker um die EDP.
Unklar ist auch, wie streng die neue EU-Regelung am Ende aussieht.
Einige Mitgliedstaaten wollen möglichst wenig Kontrolle von außen,
darunter Portugal, Ungarn und Griechenland. Zufall?
China sitzt wohl schon jetzt mit am Verhandlungstisch
der Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union.
Zum Schluss wollen wir Ihnen noch seine Geschichte erzählen.
Die Geschichte von Ulrich Gauer aus Bayern.
Darin kommen vor ein geheimnisvoller Fund, geraubte Schätze,
die Wirren des Zweiten Weltkriegs
und womöglich ein Happy End in Polen.
Aber ich will nicht zu viel verraten.
Olaf Bock fängt von vorne an.
Die polnische Hauptstadt Warschau im Jahr 1940 und heute.
Die eingerückte deutsche Wehrmacht hinterließ damals
diesen Eindruck der Zerstörungen.
Der Großvater von Ulrich Gauer machte die Fotos.
Es ist ein merkwürdiges Gefühl, hier entlangzulaufen, wo ich weiß,
dass er damals hier auch entlanggelaufen ist.
Fotos von August Gauer, einem Leutnant der Deutschen Wehrmacht,
der schon kurz nach Kriegsbeginn in Polen einrückte.
1.400 solcher Fotos hat der Enkel gefunden.
Dokumente der Zeitgeschichte.
Die lagen in einem Schrank, nicht weiter beachtet.
Mein Großvater hatte auch sehr viele Briefe nach Hause geschrieben.
Die habe ich auch entdeckt und habe nachgelesen,
das sind zum großen Teil sehr persönliche Dinge.
Aber er hat auch über den Vormarsch geschrieben.
Dann entdeckte er das Foto dieses polnischen Gemäldes,
das bei Familie Gauer an der Wand hing.
Der spontane Gedanke war,
dass wir dieses Bild wieder zurückgeben wollen.
Ich habe dann die Botschaft angeschrieben
und sie über meinen Fund informiert.
So kamen das Gemälde und die Fotos nach Polen.
Für das Archiv in Warschau eine Bereicherung
der historischen Erkenntnisse über die Besatzungszeit der Deutschen.
Mittlerweile sind alle Fotos digitalisiert.
Diese Fotos schildern den Anfang der deutschen Besatzung in Polen.
Sie zeigen außer dem Leben der Soldaten
auch das Alltagsleben im besetzten Land.
Man findet auch Szenen von einem Markt.
Es ist das 1. Mal,
dass jemand aus Deutschland mit solchem Material kommt.
Manches sind auch Dokumente des Grauens.
Vermutlich jüdische Menschen werden rumkommandiert.
Oder hier ein getöteter polnischer Major.
Es gibt ganz wenig Nachweise vom Tod des Majors Hubal.
Insbesondere fehlt die Fotodokumentation.
Wir haben auch ein farbiges Dia von Herrn Gauer erhalten.
Das ist sensationell.
Und es gibt noch eine weitere Überraschung.
Bei den Fotos lag auch eine alte Filmrolle.
Ein Schmalfilm, teilweise in Farbe.
Bilder aus dem Hauptquartier des Generals Blaskowitz
in Spala in Zentralpolen.
Offensichtlich teilweise gefilmt vom Großvater.
Soldatenalltag im Winter.
Kriegsgräuel sind darauf nicht zu sehen. Trotzdem Nachdenklichkeit.
Wenn man ein Fotoalbum entdeckt, wo zerstörte Städte drauf sind,
und man sieht auch mal den einen oder anderen getöteten Menschen.
Dann macht man sich irgendwie schon seine Gedanken und überlegt sich,
inwieweit war der eigene Großvater daran beteiligt?
Wie weit war er involviert?
Aber aus den vielen Aufnahmen, aus den vielen Briefen,
die er geschrieben hat, er war ja "nur" 9 Monate in Polen gewesen,
kann ich erkennen, dass er an den schlimmen Handlungen
wohl nicht beteiligt war.
Aber er hat wohl ein polnisches Ölgemälde gestohlen.
Und das befindet sich nach der Rückgabe jetzt
in Nowy Sacz im Süden Polens.
Genau dorthin ist Ulrich Gauer mit seiner Frau gereist.
Der Museumsdirektor hat das Bild schon in sein Büro gestellt.
Ein Werk des Malers Franciszek Mrazek aus der Region.
Entwendet während des Krieges und jetzt zurück in der Heimat.
Es ist eine unglaublich humane Geste und es bildet eine Brücke
zwischen unseren Kulturen, die eng miteinander verbunden sind.
Seit Jahrhunderten hat uns immer die Kultur miteinander verbunden.
Die Kriegsgeschehnisse wecken immer die Dämonen.
Und das ist eine wichtige Geste, die zur Versöhnung beiträgt.
Noch ein Foto zur Erinnerung für die Gauers.
Das Bild ist jetzt da, wo es hingehört.
Und dann gibt es noch einen Spaziergang
durch das Kunstmuseum von Nowy Sacz.
Polen hat besonders unter den Plünderungen gelitten.
Seit Kriegsende fehlen immer noch zigtausende Gemälde,
Skulpturen und andere Kunstwerke im Wert von mehr als 10 Mrd. Euro.
Kulturelle Schätze, die Polen gerne zurückhätte.
Auch das regionale Museum beklagt Verluste.
Ich glaube, die Dinge sind in privaten Händen.
Obwohl wir auch einen Dialog mit den Kulturinstitutionen brauchen,
die der deutschen Regierung unterstehen.
Geschichtsaufarbeitung und Versöhnung.
Dazu gehört auch die Rückgabe von geraubter Kunst.
Von daher würde ich mir wünschen, dass mehr Leute auf die Idee kommen
und sagen, es ist jetzt an der Zeit, die Bilder auch zurückzugeben.
Ulrich Gauer und seine Frau gehen hier mit gutem Beispiel voran.
Und das war das Europamagazin aus Brüssel.
Übrigens: Alle Bilder,
die Ulrich Gauer im Haus seiner Eltern gefunden hat,
können Sie sich anschauen, in einer Fotostrecke auf tagesschau.de.
Ich sage Ihnen für heute Danke und Tschüs.
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