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Diese Weite.
Dieses Licht.
Diese Farben.
Island ist der Hotspot des Nordens.
Endlose Tage. Ich liebe das.
Den isländischen Sommer würde ich für nichts hergeben.
Wir erkunden eine unglaubliche Insel.
Mit Landschaften wie am Anfang aller Tage.
Die Natur ist gewaltig und manchmal gnadenlos.
Hier spürt man, wie verdammt klein wir sind.
Wir treffen auf Menschen, die die Wunder ihrer Insel lieben.
Und sich durch nichts bremsen lassen.
Diese Freiheit hier ist sagenhaft. Wir kennen es nicht anders.
330.000 Bewohner schmeißen ein ganzes Land mit geschwellter Brust.
So sind sie, die Wikinger.
Stark und immer gut gelaunt.
Warum diese Insel, die so hoch im Norden liegt,
so mitten ins Herz trifft?
Island wird es uns zeigen.
Björk lässt gern die Muskeln spielen.
Die Guten kommen zwar durch, aber nur die Besten ans Ziel.
So stemmt sie sich im Norden Islands gegen den Rest der Welt.
Ich wollte schon als Kind immer die Beste sein,
im Sportclub, im Wettbewerb.
Ich wollte immer gewinnen.
Und jetzt bin ich 30 und bin immer noch so.
Akureyri im Norden Islands.
Hier trainiert Björk täglich stundenlang
für den Trendsport Cross-Fit.
Mehrere Landestitel hat sie schon gewonnen.
Und das will was heißen.
Denn ganz Island ist wild auf das extreme Zirkeltraining.
Ich glaube, die Leute reizt es, dass der Sport einem alles abfordert.
Sie wollen in allem besser werden.
Gewichtheben, klettern, sprinten, turnen.
Cross-Fit gilt als das härteste Training der Welt.
Und deshalb passt es zu Island.
Denn die Insel will sich nicht ducken oder beugen.
Island will stark sein, und Björk will das auch.
Isländer lieben einfach den Wettbewerb.
Wir sind so ein kleines Land und wollen zeigen,
dass wir besser sind, dass wir cool sind.
Auch weil wir diese langen Winter aushalten.
Und das Wetter meistens scheiße ist.
Und gerade die Frauen hier haben keine Angst davor, stark zu sein.
Es ist wohl dieses Wikinger-Erbe, das da immer noch in den Isländern pocht.
Leif Erikson war Islands erster Siedler.
Als sein Schiff vor der schroffen Küste der Insel ankerte,
kamen mit ihm auch so etwas wie Kraft und Abenteuerlust auf die Insel.
Und das ist bis heute spürbar.
Björk will ganz nach oben an die Weltspitze,
wo sich bereits mehrere Isländerinnen ihren Platz erobert haben.
Als Cross-Fit-Coach kommt sie zwar finanziell über die Runden.
Aber Björk will eben mehr.
Ich wurde hier als Kind nie gehänselt,
obwohl ich damals auch schon sehr trainiert war.
Die Menschen auf Island verstehen das eben.
Es liegt in unserer Kultur, dass wichtig ist, dass wir gut sind.
Und weniger, wie wir aussehen.
Warum Björk typisch ist für Island?
Warum die Menschen hier so anders ticken
erleben wir auf dieser Reise immer wieder.
Isländer sind so überraschend und eigenwillig wie das ganze Land.
* Musik *
Im Süden in Traustholstholmi treffen wir einen, der sich entschlossen hat,
gleich die ganze Welt hinter sich zu lassen.
Hakon lebt auf einer Insel in einem gigantischen Gletscherfluss
und holt uns ab.
Der 42-Jährige hat nur selten Gäste auf seiner Insel,
die er alleine mit seinem Hund bewohnt.
Die Insel gehörte seinen Großeltern, die sie nur am Wochenende nutzten.
Doch er lebt hier dauerhaft ohne Wasser und Strom.
Für den Fall, dass doch mal Gäste kommen,
hat er drei mongolische Jurten gebaut.
Mit Betten und einem Ofen.
Denn die Sonne geht zwar im Sommer nie unter.
Aber so richtig warm wird es dennoch nicht.
Du magst alles, was traditionell und ursprünglich ist, oder?
Ja, ich finde, das ist eine gute Art, die Dinge zu betrachten.
Diese Jurten sind praktisch und sehen im Original genauso aus.
Auch wenn wir hier auf Island sind und nicht in der Mongolei.
Hakon zeigt uns, wo wir schlafen werden.
Und schaut auf seine Jurten so erfüllt und stolz
wie auf diese Insel, die ihn seit Kindheitstagen prägt.
Für ein paar Wochen unterstützen ihn im Sommer Helfer
gegen Kost und Logis.
Mit dem, was die Landschaft hergibt,
formt Hakon so nun seit ein paar Jahren sein Leben hier.
Schon als Jugendlicher hatte er nach Besuchen mit seinen Eltern
oder Großeltern auf der Insel so ein Gefühl.
Es war für mich immer wunderbar, herzukommen.
Und ich war immer traurig, wieder zu gehen.
Wenn man einem Ort gegenüber so ein Gefühl hat, sollte man es tun.
Anstatt von 9 bis 17 Uhr irgendwo zu arbeiten,
sollte man dahin gehen, wo man sich zu Hause fühlt.
Hakon hat einiges hinter sich. Der Alkohol beriet ihn schlecht.
Frauen, die an ihm, dem Eigenbrötler, zerrten,
stießen damit auf wenig Gegenliebe.
Also lässt er seit einer Weile einfach beides.
Ich folge eben meinem Herzen und baue hier mein Leben auf.
Das war schon seit Jahren mein Traum,
auch wenn es hier schwieriger ist als auf dem Festland.
Aber auch wenn ich hier alleine bin, fühle ich mich nie einsam.
* Musik *
Für sich und ein paar Touristen, die sich gelegentlich hierher verirren,
fängt er Lachse im Fluss.
Passend zu dem Lebenstempo, das er hier fand.
So zu fischen ist sehr meditativ und prüft deine Geduld,
wenn du sie herausfrickeln musst.
Heute ist es ja recht warm.
Aber wenn es kalt ist, frieren dir dabei die Finger ab.
It's good.
So schlendert Hakon durch seine Sommertage.
Stück für Stück ist er hier in ein Leben getaucht, das nur ihm gehört.
Sashimi direkt am Gletscherfluss. Man könnte sich daran gewöhnen.
It's really good.
Ganz alleine übrigens, sagt Hakon, ist er dennoch nicht.
Denn auf der Insel leben seit vielen Jahrzehnten jede Menge Elfen.
Und ohne sie geht hier gar nichts.
Wenn ich etwas auf die Insel baue, frage ich sie um Erlaubnis.
Ich würde nie etwas ohne sie tun. Das wäre einfach dumm.
Glaubst du auch an Trolle?
Wenn du an Elfen glaubst, glaubst du auch an Trolle.
Und dann spült uns Hakon wieder an die Peripherie seines Lebens.
Und wir beginnen zu verstehen, dass Isländer in den Weiten
der Landschaft ihren Gefühlen genauso unbeirrt folgen,
wie ihren Instinkten und Mythen.
Elfen und Trolle jedenfalls tummeln sich überall auf der Insel.
Verliebte Trolle, die die Zeit vergaßen, küssend erstarrt.
Isländer lieben solche Geschichten, aber sie glauben auch daran.
Auch so mancher Vulkanausbruch
soll dem Zorn eines Trolls geschuldet sein.
Doch Hepna, eine der bekanntesten Geologinnen des Landes,
hat natürlich auch eine wissenschaftliche Erklärung.
Island liegt direkt auf der Grenze zwischen der amerikanischen
und eurasischen Kontinentalplatte und verändert sich ständig.
Gleichzeitig liegt unter der Insel noch ein Hotspot.
Der besonders viel Magma aus dem Erdinneren
an die Oberfläche befördert.
Auch deshalb sind die Vulkane hier höchst aktiv.
Hepna bringt uns zu einer geologischen Sensation,
die weltweit einzigartig ist.
Eine Reise ins Innere der Erde.
Wir fahren knapp 150 Meter tief in den Krater eines schlafenden Vulkans
bis ins Herz der Magmakammer.
* Musik *
Das ist so faszinierend. Ich liebe es.
Du kannst so viel lernen von ganz oben bis unten.
Das ist eine Reise durch die Zeit, durch tausende Jahre.
Und dann sind wir gleich in direktem Kontakt mit der einstigen Eruption.
Durch den immensen Druck der vergangenen Ausbrüche
bildeten sich hier über Jahrtausende atemberaubende Formen und Farben.
Normalerweise erhärtet sich Lava nach einer Eruption im Krater.
Hier aber floss sie ab.
Und der Schlund blieb wie durch ein Wunder frei.
Das ist einfach großartig, wenn man bedenkt,
dass das hier vor über 3000 Jahren alles voll mit glühender,
brodelnder Lava war.
Die hier explodierte und nach oben schoss.
Und genau da stehen wir jetzt.
* Tropf-Geräusche *
So klingt hier die Welt von innen.
Wie können denn alle so sicher sein,
dass dieser Vulkan nicht wieder ausbricht?
Na ja, wirklich sicher kann man nie sein.
Vielleicht wird dieser Krater
eines Tages wieder voll kochend heißer Lava sein.
Und eine Insel mit seiner Wucht erschüttern,
deren Landschaft seit jeher von Ausbrüchen geprägt ist.
Island befindet sich geologisch gesehen noch im Babyalter.
Überall dampft und zischt und brodelt es aus dem Inneren der Erde.
Island ist wie ein Pulverfass.
Alle fünf Jahre etwa bricht einer der aktiven Vulkane aus.
Aber sie alle werden ständig beobachtet.
Per Monitor.
Wir wissen immer, was mit den Vulkanen los ist.
Aber ganz genau kann das keiner sagen.
So ist Island immer für eine Überraschung gut.
Eingeschnürt in enge Taucheranzüge erkunden wir mit Hepna
eine Stelle in der Spalte der beiden Kontinentalplatten.
Die hat sich mit 2 Grad kaltem Gletscherwasser gefüllt.
Hier tauchen wir zwischen Amerika und Europa hindurch.
* Musik *
Ist diese Insel, die so voller Wunder steckt,
vielleicht mehr als nur ein Land?
Das ist hier wirklich etwas ganz besonderes.
Hier sieht man, wie sich Island auseinanderbewegt.
Man sieht die Kluft.
Und noch dazu ist es die einzige Stelle,
in der man auch schwimmen kann.
Am Ende dürfen auch wir es hautnah spüren.
Die Flossen in Amerika, die Hände in Europa.
Vielleicht ist dieser gigantische Riss, der sich mal mit
und mal ohne Wasser quer durch Island zieht, auch ein Symbol
wie Welten auf dieser Insel aufeinanderprallen.
Heiße Quellen und Gletscherwasser.
Lange Winter und kurze Sommer.
Gegensätze, die Menschen auf dieser Insel vereinen.
Und so finden wir fast am Nordpol in Siglufjördur
eine ganz besondere Geschichte über Aufstieg und Fall und Heimatliebe.
Ein Dorf, das in seiner wechselvollen Geschichte typisch für Island ist.
In den 50er Jahren bescherten nicht enden wollende Heringsschwärme
der Stadt schöne Seemänner, Ruhm und jede Menge Arbeitsplätze.
Das hier war Biddas Ecke,
in der sie über Jahre tausende Heringe gesalzen hat.
Noch heute kann sie jeden Handgriff auswendig.
Und schwärmt von jenen Jahren,
die ihrem Heimatort die aufregendsten Zeiten bescherten.
Es war natürlich Arbeit, Arbeit, Arbeit.
Diese Tonnen an Heringen zu salzen,
das war Schufterei den ganzen langen Tag.
Aber abends, da hatten wir viel Spaß mit diesen schönen Seemännern.
Tausende Heringsmädchen, wie sie sich selbst nannten,
strömten damals aus ganz Island hierher.
* Musik *
Tagsüber arbeiteten alle in der Fischfabrik.
Nachts schwoften und schmusten sie sich in engen Kojen
in ihre zukünftigen Ehen.
Doch dann, eines Tages kam kein Hering mehr.
Die Schwärme waren nicht mehr aufzufinden.
Und Siglufjördur fiel zurück in einen Dornröschenschlaf am Ende der Welt.
Das hier war plötzlich eine tote Stadt. Es gab keine Arbeit mehr.
Nichts mehr. Und dann zogen die Menschen weg.
Doch vor ein paar Jahren kehrt ganz unverhofft
ein verloren geglaubter Sohn der Stadt zurück.
Bepackt mit vielen Millionen Euro und unbändigem Heimweh nach Siglufjördur.
Das viele Geld, das Robert im Ausland mit Fischfarmen verdient hat,
steckt er nun komplett in seine Heimatstadt.
Er baut Golfplätze, Hotels, restauriert Häuser,
holt Startup-Firmen und Künstler hierher.
Und schafft so jede Menge Bausteine für seine Vision.
Ich möchte gerne die alte Fischertradition des Ortes
mit Biotechfirmen, mit Tourismus und Kultur verbinden.
Damit hier wieder eine kleine Stadt entsteht,
die einen hohen Lebensstandard für glückliche Menschen bietet.
40 Millionen Euro hat Robert bisher aus seinem Privatvermögen investiert.
Isländer wollen die Welt sehen, aber sie wollen eben auch zurück.
Egal, wie erfolgreich sie woanders sind.
Und so ist Robert hier zu einer Art Heilsbringer geworden.
Ohne viel darüber nachzudenken.
Isländer sind eben Macher. Wir bewegen Dinge.
Da sind wir vielleicht anders als die Deutschen.
Aber manchmal sind wir nicht sehr strukturiert.
Wir springen ins Wasser, um festzustellen,
ob wir schwimmen können oder nicht.
Robert hat seinen Blick auf das kleine Island
in den vielen Jahren im Ausland geweitet.
Ein Blick, der heute voller Hoffnung und Zuversicht ist,
wenn es um die Zukunft seines Landes geht.
Immer schön in Fahrtrichtung leben.
Robert sieht Island da ganz weit vorn.
Ich habe im Ausland wirklich mit guten Leuten zusammengearbeitet.
Aber Island als kleines Land ist schneller
und packt die Dinge anders an.
Deshalb glaube ich fest daran, dass Island auf lange Sicht
den höchsten Lebensstandard weltweit erreicht.
Also weiter volle Kraft voraus?
Es gibt da offensichtlich ein Urvertrauen der Isländer
in die Kraft und Stärke ihrer Insel.
Und so glauben sie auch an ihren Riesen,
der der Sage nach in diesem gigantischen Fels lebt.
Und über Island wacht.
Wohl auch dieses Urvertrauen macht die Insel so groß und stark.
Und die Natur bahnt sich ohnehin überall ihren Weg
in den Alltag der Menschen.
An der Südküste treffen wir Yrsa.
Die Bauingenieurin wuchs hier auf
und kennt die Launen der Landschaft seit Kindheitstagen.
Im Winter und im Sommer ist das Licht hier total unterschiedlich.
Man kann der wechselvollen, unberührten Natur auf Island
sowieso nicht ausweichen, weil es wenige urbane Zentren gibt.
Man ist immer nah dran.
Als Bauingenieurin gehört sie zu denen, die was gutes aus dem machen,
was Islands brodelnde Landschaft hergibt.
Yrsa baut riesige Wasserkraft- und Geothermiewerke.
Ihr Büro ist da weltweit ganz vorn.
Über Bohrlöcher werden bis zu 340 Grad heißes Wasser und Dampf
aus dem Untergrund gefördert.
Und über endlose Rohrleitungen an die Städte verteilt.
Fühlt ihr euch gesegnet mit dieser Kraft aus der Tiefe?
Ja, auf jeden Fall.
Denn das heißt für Island,
dass unsere Energie zu fast 100 % sauber und billig ist.
Das wiederum bedeutet wenig Luftverschmutzung.
Und das macht unser Leben hier einfach leichter.
Und weil Isländer das Leben so leicht nehmen,
begann Yrsa an einem dieser langen Wintertage was Neues in ihrem Leben.
Und verfasste die ersten Zeilen eines Krimis.
Mittlerweile sind es 13 Bücher,
darunter etliche Bestseller wie "Das gefrorene Licht".
Schreiben kann sie übrigens nur bei Horrorfilmen.
Und wenn ihr Mops beruhigend in der Ecke liegt.
Für eine Krimiautorin ist es wirklich schade,
dass es auf Island wenig Kriminalität gibt.
Da kann ich mich kaum von wahren Fällen inspirieren lassen.
Aber was hier gut für dunkle Geschichten funktioniert,
ist diese wilde Natur.
Und natürlich auch die nahe Beziehung, die Menschen hier haben.
Das ist psychologisch spannend.
Bauingenieurin und Krimiautorin.
Isländer sind ruhelos und suchen gern neue Herausforderungen.
In ihrem neuen Krimi spielen die zunehmenden Sommer-Touristen
auf Island auch eine Rolle.
Keine besonders schöne. Aber es ist ja nur ein Buch.
In meiner jetzigen Geschichte bringe ich auch ein paar Touristen um.
Das liegt nicht daran, dass ich Touristen nicht mag.
Aber hier tummeln sich mittlerweile recht viele.
Also ich heiße alle willkommen.
Aber im Buch jedenfalls seid ihr nicht sicher hier.
Wie gesagt, es ist ja nur ein Buch.
In Wahrheit nämlich ist Island eines der friedlichsten Länder der Welt.
Auch unser nächstes Ziel, Reykjavík, die nördlichste Hauptstadt der Erde,
wo 120.000 Isländer leben, ist nahezu frei von Kriminalität.
Wir erleben eine moderne Stadt mit Hafen, vielen Touristen,
einer jungen Kunst- und vor allem Musikszene.
Bands aus Island haben einen ganz eigenen Sound,
der international ankommt.
Und diese drei wollen bald richtig mitmischen.
Sie sind auf dem Sprung,
aber noch probt die Nachwuchsband Groa ihre Rocksongs in Omas Garage.
* Musik *
Die drei sind so leidenschaftlich bei der Sache,
dass sie auf unsere Fragen gerne alle durcheinander quasseln.
Wir singen über alles, was uns umtreibt.
Über die Schule, unsere Eltern, unsere Gefühle.
Und manchmal auch über Island.
Jeden Tag nach der Schule tüfteln die 17-Jährigen an neuen Songs.
Sanft geht es da selten zu.
Frida, Karolina und Chapnildür
spielten bereits auf etlichen Musikfestivals in Reykjavík.
Irgendwann nach dem Schulabschluss wollen alle drei Musik studieren.
Und mit der Band Groa weitermachen.
Es gibt hier so viele, die Musik machen.
Aber die ganze Szene ist jetzt gerade im Umbruch.
Viele Junge rücken nach.
Wir sind hier eine riesengroße Gruppe.
Und wir jungen Musiker wollen etwas Neues für Island kreieren.
Darum geht es: Was Neues zu schaffen, Neues zu bringen.
Jeden Sonntag verbringen die drei am städtischen Strand zum Auftanken.
Und springen völlig unerschrocken in den 8 Grad kalten Atlantik.
Um dann in die heiße Quelle, in den hot pot zu sinken.
Da trauen auch wir uns hinein.
Und die drei erzählen bei 40 Grad von ihrem großen Traum.
Wir möchten wahnsinnig gerne reisen, vielleicht ein Jahr oder so.
Wir möchten gern die ganze Welt sehen, etwas erleben.
Nein, ganz viel erleben. Und Musik hören von ausländischen Bands.
Aber danach wollen wir auf jeden Fall nach Island zurückkommen
und hier studieren.
Da ticken sie wie viele ihrer Generation.
Am Abend steht ein Gig in der Stadt an.
Nichts großes, aber überhaupt auf der Bühne zu stehen und zu spielen,
ist für die Band Groa nicht zu toppen.
Diesmal antwortet nur Karolina.
Aber die drei sprechen ohnehin mit einer Stimme.
Es ist so schön, wenn wir so lange an etwas gearbeitet haben,
und dann spielen wir vor Publikum.
Das ist immer total aufregend und spannend.
Das ist ja dann unser Feedback.
Das macht wirklich am meisten Spaß.
Wir können davon nicht genug kriegen.
* Musik *
* Applaus *
Vermutlich werden wir eines Tages von Groa noch mehr hören.
Islands Musik spielt in Reykjavík.
Aber um die gesamte Insel zu verstehen,
fahren wir in die weiten, leeren Westfjorde.
Dorthin, wo es still ist.
Und ausgerechnet dort
bleibt zum ersten Mal auch unser Anhänger stecken.
Noch mal. Ja.
Verlassene Höfe erzählen hier von einem rauen Leben,
das es kaum noch gibt.
Denn als die Alten starben, gingen die Jungen weg.
Doch in einem Tal, drei Stunden entfernt vom nächsten Ort,
finden wir den Schaf-Farmer Thurdur und seine Mutter Aussa,
die gerne in die Ferne blickt und von alten Zeiten singt.
* isländischer Gesang *
Die beiden sind hier irgendwie übrig geblieben.
Thurdurs Kinder studieren bereits in Reykjavík.
Doch von den Pferden und Schafen hier
konnten sich die beiden genauso wenig trennen,
wie von den tiefen Wurzeln ihrer Heimat.
Da wir hier so wenige sind, müssen wir mehr aufeinander aufpassen,
um in diesem dünnbesiedelten Land zurechtzukommen.
Wir müssen hier ganz eng miteinander leben.
Thurdur führt den Hof in der dritten Generation.
Heute sind sein Bruder und sein Neffe zu Besuch.
Auch um die Island-Pferde zu beschlagen.
Den Pferden tut das nicht weh.
Die Tiere sind der Nationalstolz dieser Insel.
Wild wie Wikinger, robust und trittsicher.
Die Pferde haben sich hier an das harte Klima angepasst.
Nur die Stärksten haben da draußen über die Jahrhunderte überlebt.
Die Schwachen wurden aussortiert.
Es gibt auf Island ein generelles Einfuhrverbot für Pferde.
Die, die hier geboren wurden, können hier auch überleben.
Gibt es eins, das du am liebsten magst?
Ja, da drüben, das schwarz-weiße.
Warum magst du ihn am liebsten?
Weil du mit ihm in die Hölle und zurück reiten kannst.
Und bist vor dem Mittagessen wieder da.
Er ist sehr stark und völlig angstfrei.
Aussa hat an diesem Tag ihre berühmte Blaubeersuppe gekocht.
Alle Geschwister und Enkel sind gekommen.
Denn heute ist der wichtigste Tag des Jahres.
Die Schafe müssen über den Fluss,
um dort auf den saftigen Weiden den Sommer zu verbringen.
Ja. Dieses Ereignis ist für uns extrem bedeutend.
An diesem Tag kommen wir alle zusammen, die ganze Familie,
um mitzuhelfen.
So machen wir das seit Generationen, wir kennen das gar nicht anders.
Und an dieser Tradition wollen wir unbedingt festhalten,
weil es uns alle zusammenschweißt.
Auch wir sollen helfen, die Schafe aus der Umgebung zusammenzutreiben.
Und ahnen noch nicht, was uns allen noch bevorsteht.
Am reißenden Fluss wird klar, wie schwer es für die Schafe sein wird,
sich dem starken Strom zu widersetzen.
Diese Flüsse hier in den Westfjorden sind ein Teil unseres Lebens.
Immer schon.
Überall mussten Bauern mit ihren Schafen
auf die andere Seite kommen.
Das Spektakel gleicht einem archaischen Schauspiel.
Die Schafe warten auf eine kleine Chance zur Flucht.
Aber es kommt keine.
Und schließlich wagt irgendwann das erste Schaf den Sprung.
Und das alljährliche Abenteuer nimmt seinen Lauf.
* Musik *
Und auch ich erlebe, wie reißend dieser Strom tatsächlich ist.
Und werde aus dem Wasser gezogen.
Man muss das einfach selbst erlebt haben.
Diesen Kampf gegen die Naturgewalten.
Das kann man nicht beschreiben.
Zu spüren, wie klein wir gegen diese unglaublichen Kräfte sind.
Und wie stark diese Landschaft ist. Am Ende ist das ein gutes Gefühl.
Alle Schafe haben das andere Ufer erreicht.
Und ziehen nun in einen wilden, freien Sommer.
Das meinen Isländer wohl, wenn sie sagen:
Auf dieser Insel greift die gewaltige Natur
stärker in das Leben der Menschen ein, als anderswo.
Im Norden der Insel, in Husavík allerdings,
zeigt sie auch ein Gesicht,
das tausende Touristen jeden Sommer in den Bann zieht.
Sarah aus Siegen in Nordrhein-Westfalen arbeitet hier
seit sechs Jahren als Guide auf den Walbeobachtungsbooten.
Inzwischen ist sie auch zur Kapitänin aufgestiegen.
Und kann immer noch nicht fassen,
an diesem nördlichen Zipfel Europas gelandet zu sein.
Bevor ich nach Island gekommen bin, hätte ich nicht gedacht,
dass ich mal hier den Beruf mit den Walen mache.
Mir jeden Tag Wale anschaue. Das ist was besonderes.
Auch dass ich es vom Guide bis zur Kapitänin geschafft habe.
Das sind Dinge, die ich vorher nicht für möglich gehalten hätte.
Bevor ich das erste Mal nach Husavik gekommen bin.
Mit den anderen Guides aus ganz Europa lebt die 28-Jährige,
die einst als Au-pair nach Island kam, in einer WG im Ort.
Aber die meiste Zeit verbringen sie ohnehin alle am Hafen.
Und es sind auch diese Freundschaften,
die sie an Island binden.
Man kann mit vielen verschiedenen Nationen zusammenarbeiten,
was sehr interessant ist.
Verschiedene Hintergründe, aus denen Leute herkommen.
So dass man viele verschiedene Lebensweisen kennenlernt.
Es ist sehr schön, dass es international ist.
Mittags startet die Tour.
Da es auf dem Nordatlantik kalt und eisig
und das Meer unruhig ist, brauchen alle dicke Schutz-Anzüge.
Mit 60 Sachen geht es mit dem Speedboot dann hinaus aufs Meer.
My name ist Sarah.
Einen Buckel-Wal zu sehen gehört für Sarah zu jenen Momenten,
in denen sie spürt, wie viel Island ihr gibt.
Da ist schon eine Freiheit, in dem, was man hier alles machen kann.
Vor allem die Natur.
Auch die Arbeit, auf dem Meer draußen zu sein mit den Walen.
Das ist meine Heimat hier.
* Musik *
Wird es nie langweilig?
Nein, weil es immer anders ist.
Die Touren sind immer verschieden. Es ist immer wieder total toll.
Islands Natur bedroht und prüft, und sie betört.
Das haben wir inzwischen gelernt.
Und das kalte Klima?
Na ja, wer einen Isländer wie Kiddy im Osten der Insel kennenlernt,
der hinterfragt das manchmal miese Wetter nicht mehr.
Der fügt sich und macht das Beste draus.
Als wir Kiddy an der Tankstelle treffen, ist es eiskalt und windig.
Öl nachfüllen geht dann so.
Oder eben nicht.
Was soll's?
It's freezing. - Yes.
It's not summer today.
Kiddy ist ein Kämpfer.
Der gelernte Schreiner hat gleich mehrere Jobs,
wie so viele auf Island.
Mittags putzt er im Altenheim, nachts in der Tankstelle.
Bei Nachfrage baut er Särge, und gärtnern kann er auch.
Auf Island zu leben ist eben teuer, da reicht oft ein Job nicht aus.
Aber jammern mag ich nicht.
Ich bin ein Mann der Lösungen und nicht der Probleme.
So ist auch Kiddy typisch für Island.
Und wischt störende Staubflocken beiseite wie alles,
was sein Leben trüben könnte.
Welche Jobs hattest du denn noch?
Uff.
Ach, du meine Güte, also:
Taxifahrer, Bauarbeiter, Totengräber, Sargbauer.
DJ, Videotheken-Besitzer, Reinigungskraft, Fischer.
Aber dann will er uns unbedingt seine eigene Geschäftsidee zeigen.
Dafür fahren wir bei strömendem Regen
etwa 60 Kilometer in die totale Abgeschiedenheit.
Dorthin, auf den Acker seines Bruders im Nirgendwo,
baute Kiddy vor ein paar Jahren seinen ganzen Stolz.
Einen Getränke- und Süßigkeiten-Automaten.
Für das Interview will Kiddy gut aussehen.
Soll ich dahin schauen? Oder in die Kamera?
Niemals in die Kamera. - Okay, gut.
Wie bist du denn nur auf diese Idee gekommen?
Es war so. Eines Morgens bin ich aufgewacht und hatte diese Idee.
Und habe zu meiner alten Mutter gesagt:
Mama, was hältst du davon,
wenn ich auf den Acker einen Getränkeautomaten stelle?
Und sie hat gesagt: Ja, das ist eine wirklich brillante Idee!
Ab und an hält hier tatsächlich jemand.
Touristen, die es in die Gegend verschlägt.
Sie ziehen ein Getränk und hinterlassen herzliche Grüße.
Wenn es regnet, halten echt wenige. Hier in der Gegend ist ja nichts.
Aber das spricht sich ja auch herum, also da kommen schon Leute.
Mein Automat wird sogar auf zwei Webseiten erwähnt.
Irgendwo in Asien, glaube ich. Taiwan oder so.
Vielleicht gibt es so etwas nur auf dieser Insel.
In einem Land der gelebten Unmöglichkeiten.
Kiddy schlottert bei 5 Grad.
Aber Augen auf und durch.
Island, ja, mit dem Wetter, das klappt nicht immer so.
Aber davon lassen wir uns doch nicht den Tag versauen. Wir doch nicht.
Wo kämen wir denn dahin?
Warum uns diese Insel so berührt?
Weil sie Widrigkeiten trotzt und Raum für jeden lässt, neue Wege zu gehen.
Die Insel ist ein großer Teil von mir und ich von ihr.
Weil die Menschen ihre Wurzeln nicht vergessen.
Weil sie immer nach vorne schauen und sich gestatten, anders zu sein.
Hier wird eben akzeptiert, wenn du stark bist.
Weil Extreme auf dieser Insel verschmelzen.
Und niemand untergeht.
Wir haben hier diesen isländischen Spruch: thetta reddast.
Was so viel heißt wie: "Das wird schon alles."
Genau deshalb trifft uns diese Insel so mitten ins Herz.
Untertitel im Auftrag des ZDF, 2018
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