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Untertitel: Norddeutscher Rundfunk 2018
Essen als moderne Medizin - davon sind diese Ärzte überzeugt:
Die Ernährungs-Docs.
Anders essen kann viel bewirken.
Es kann Krankheiten lindern und heilen.
Jeder hat diese Chance verdient.
Eine Chance für einen Mann,
der keine Kontrolle über seinen Diabetes hat.
Es geht so nicht weiter.
Für eine Frau mit entzündeter Gesichtshaut.
An schlimmen Tagen ist es rot, scheckig.
Manchmal bilden sich kleine Pickelchen.
Und einen Punkrocker mit Sodbrennen.
Das kommt von einer Sekunde auf die andere.
Drei neue Fälle für die Ernährungs-Docs.
Ihre Strategie: "Iss dich gesund".
Trotz Medikamenten wird seine Zuckerkrankheit immer schlimmer.
Irgendwo ist es immer der Gedanke:
Björn, du machst da etwas Riesengroßes falsch.
Ich heiße Björn Busse.
Ich bin 48 Jahre alt und habe Diabetes Typ 2.
Bei der Stoffwechselkrankheit gerät der Blutzucker außer Kontrolle.
Im Körper werden Kohlenhydrate aus Brot, Nudeln oder Obst
umgewandelt in Glukose, in Blutzucker.
Die Bauchspeicheldrüse produziert Insulin,
damit der Zucker aus dem Blut in die Zellen geschleust werden kann.
Der Zuckerspiegel im Blut sinkt.
Dieser Mechanismus kann streiken.
Die Zellen werden resistent gegen das Insulin
und die Produktion lässt nach.
Deshalb muss Insulin gespritzt werden,
um den Zucker im Blut abzubauen.
Ist der Blutzucker schlecht eingestellt, drohen:
Herzinfarkt, Schlaganfall,
Schäden der Netzhaut, Nerven und Nieren, Potenzstörung.
Jeder sechste Deutsche
stirbt vorzeitig an den Folgen von Diabetes Typ 2.
Björn Busse ist gelernter Koch.
Obwohl er sich mit Lebensmitteln auskennt,
schafft er es nicht, gesund und diabetesgerecht zu essen.
Was Ernährung angeht, hab ich das Gefühl,
ich laufe sehenden Auges auf 'nen Herzinfarkt zu.
Und auf die Explosion des Schlaganfalls.
Oder auf eine Explosion wie ein Michelin Männchen,
wo man 'ne Stecknadel reingepikt hat.
Seit sieben Jahren spritzt der Hamburger Insulin.
Tendenz steigend.
Sein Körper braucht immer mehr, er wird immer schwerer.
Insulin macht dick.
Ich müsste weniger Kohlenhydrate essen,
um weniger Insulin zu spritzen.
Ich glaube, ich bin sehr dumm, dass ich es weiß.
Und dass ich nichts dagegen tue.
Ein Arzt hat ihm zu einem Magenbypass geraten,
um das Gewicht loszuwerden, vielleicht auch den Diabetes.
Studien zeigen, dass sich nach einer Magenverkleinerung
die Blutzuckerwerte normalisieren können.
Aber bei den Ernährungs-Docs sieht Busse einen Mann,
der nach seinem Magenbypass Probleme hat.
(Originalton) * Der Arzt demonstriert, *
* worunter Andreas Bogdanski leidet. *
Sturzentleerung.
Dieses hier führt zu Ihrem Kollaps.
Damit kippen Sie um, im schlimmsten Fall einfach so.
Ja, Herr Busse.
Das können die Folgen einer Magenoperation sein.
Beängstigend.
Man sollte es vorher auf konservativem Wege versucht haben
mit einer Ernährungstherapie.
Bei mir muss nicht der Magen operiert werden, sondern der Kopf.
An den Bauch kommen wir auch anders ran.
Dafür analysiert der Arzt mit der Stromwaage,
wie sich Björn Busses Bauch zusammensetzt:
Es geht um Gewicht und Fettanteil.
* Piepen *
So, die Schallmauer haben Sie durchbrochen.
137,9 kg.
Und die Fettmasse insgesamt beläuft sich bei Ihnen auf 56 kg.
Mhm.
Und davon sind 10 kg im Bauch gelagert.
40 Stück Butter.
Das Hauptproblem: das Viszeralfett zwischen den Organen.
Ich zeig Ihnen, wie das im Bauchraum aussieht.
An einem Querschnitt durch einen erwachsenen Mann.
Diese weißen Stellen, das sind Organe.
Aber dieses hier, was so gelblich ist,
das sind alles Fetteinlagerungen.
So sieht es auch bei Ihnen aus. Ja.
Ja.
Und das ist des Übels Kern.
In diesem Fettgewebe werden Hormone produziert.
Die verursachen bei Ihnen die Insulinresistenz
und damit auch den Diabetes.
Um seinen Diabetes zu verbessern und den Insulinbedarf zu senken,
muss Björn Busse also Bauchfett abspecken.
Herr Busse, was sehen Sie selbst als Ihr Hauptproblem?
Ganz platt gesagt: Ich denke, ich esse zu viel.
Alles, was lecker ist, was ein gutes Gefühl macht,
steht hoch im Kurs.
Das hat er in fünf Tagen verspeist, zusätzlich zu Mittag- und Abendessen.
Oh Gott.
Haben Sie manchmal das Gefühl,
dass dort etwas wie ein Kontrollverlust entstehen könnte?
Ja.
Ja.
Gegen Kontrollverlust und Heißhunger hat der Arzt ein einfaches Mittel:
Ein Stück gefrorene Bitterschokolade.
Mhm.
Ganz langsam lutschen.
Das war jetzt ein langes Geschmackserlebnis.
Ja.
Ganz anders als früher.
Da wäre in dem Zeitraum wohl 'ne halbe Tafel weggewesen.
Sie haben jetzt achtsam gegessen.
Achtsam und bewusst essen, ist die Strategie für Björn Busse
gegen Übergewicht und Diabetes.
Dafür haben Sie in einer Woche noch einen Termin bei mir.
Da fangen wir an, Ihre Essgewohnheiten umzuprogrammieren.
Okay.
Ein Achtsamkeitstraining.
Dass er dafür am gedeckten Tisch sitzen wird,
hat ihm Matthias Riedl noch nicht verraten.
Als Nächste kommt eine Frau mit entzündeter Haut im Gesicht an Bord.
An schlimmen Tagen ist es rot, scheckig,
manchmal bilden sich kleine Pickelchen.
Es spannt, es wird heiß - sehr unangenehm.
Ich bin Sandra Marschner.
Ich bin 38 Jahre alt und leide an Rosazea.
Bei Rosazea weiten sich die feinen Gesichtsäderchen in den Wangen,
am Kinn und der Stirn.
Die Haut wird feuerrot, es bilden sich Knötchen und Eiterpickel.
Auch die Augen können entzündet sein.
Ich bin genervt. Ich will, dass das aufhört.
Zweimal pro Woche geht Sandra Marschner
mit ihrer Schwester Yvonne schwimmen.
Wegen ihres roten Gesichts wird die Hamburgerin häufig angesprochen,
in der Öffentlichkeit, auch von Kollegen.
Wenn ich im Büro gestresst bin, dann fragt einer:
"Hast du dich aufgeregt? Bist du wütend?"
Dann stört es mich.
Ich ziehe mir morgens quasi wie die Arbeitskleidung
so einen Schutzanzug über, und dann perlt das ab.
Nach außen hin.
Dass es mich nervt nach innen hin, ist was anderes.
Ich merke es ihr an,
dass dieses Rumreiten auf dem Thema sie schon echt anstrengt.
Aber sie lächelt das quasi weg.
Dass Sonne, Hitze, Kälte, Stress und scharfe Speisen
ihr Gesicht erröten lassen, weiß Sandra Marschner.
Sie wird auch von Hautattacken überrascht,
deren Ursachen sie nicht kennt.
Das schreibt sie den Ernährungs-Docs.
"Liebe Ernährungs-Docs.
Der Besuch im Kino mit süßem Popcorn und das Sushi-Essen am freien Abend
waren nicht das Beste, was ich meinem Gesicht antun konnte.
Ich habe an einigen Tagen Selfies gemacht.
Viele Grüße, Sandra Marschner."
Mail von Sandra Marschner.
Das sieht aus wie aus 'nem Brennesselfeld.
Arme Frau.
Ein hochentzündliches Geschehen.
Die Ursache der Gesichtsrose ist nicht geklärt.
Forscher gehen davon aus:
Neben genetischen Faktoren führen ein schwaches Gefäßnervensystem
und eine Störung des Immunsystems dazu, dass sich die Äderchen weiten.
Ganze Flächen röten sich.
Es kommt zur chronischen Entzündung mit Knötchen und eitrigen Bläschen.
Zusätzlich, vermuten Wissenschaftler,
ist der Kühlkreislauf des Gehirns gestört.
Häufig ist die kranke Haut dicht mit Milben besiedelt,
die die Entzündung verschlimmern.
Wichtig ist eben zu verstehen,
dass die Erkrankung aus dem Inneren kommt.
Ursache ist meist die Ernährung.
Frau Marschner!
Normalerweise wird nicht jeder bei uns so begrüßt.
Ich würde sagen: zum Wohl.
Aber bei Ihnen ist das vielleicht eine andere Sache, oder?
Die Reaktion meines Gesichtes auf Sekt ist explosiv.
Explosiv?
Es ist gemein. Ich würde das gerne erleben.
Wollen wir es versuchen? Können wir machen.
Alkohol gilt als einer der stärksten Auslöser eines Schubs bei Rosazea.
Innerlich merke ich das schon. Ja?
Die Haut fängt an zu spannen.
Es geht dann blitzartig? Ja.
Ich sehe es auch,
dass es hier und da ein bisschen roter wird.
Bis in die Stirn hinein. Spüren Sie es?
Ja, zwischen den Augenbrauen hoch.
Gut, dann würd ich es mir gern genauer mit der Hautkamera angucken.
Ein Blick mit starker Vergrößerung:
So, jetzt sieht man hier schön, wie sich feine, kleine ...
... Abschuppungen zeigen.
Die sind ein bisschen entzündet, dieses Gelbliche.
Unglaublich.
Daraus kann eine Pustel werden.
Beängstigend. Beängstigend? Ja.
Sandra Marschner benutzt täglich eine antibiotische Salbe,
mit wenig Wirkung.
Und: Ein Arzt hat versucht,
ihre erweiterten Gesichtsäderchen per Laser zu veröden.
Nach so einer Behandlung kriegt man einen Schreck, oder?
Man sieht fürchterlich aus.
Und zwar so.
Da waren Sie krankgeschrieben, ne?
Nee, so ging ich zwei Tage zur Arbeit.
Ich hatte danach Urlaub.
Wenn man auf die Entwicklung schaut, muss man sagen:
Die Laserbehandlung konnte die Verschlechterung nicht aufhalten.
Nein.
Schonender ist der Versuch, den Ärztin Anne Fleck starten will:
Die Rosazea mithilfe von anderem Essen verbessern.
Eine "innere" Reinigung.
Frau Marschner, wir bestellen jetzt die Müllabfuhr.
Okay.
Indem Sie intervallfasten.
Und das funktioniert wie? Fasten in Teilzeit.
Mhm.
Sie essen nach der Uhr.
Ein Beispiel: Sie frühstücken morgens um 10 Uhr.
Sie essen dann am späten Nachmittag
mit Ihren Kindern gemeinsam eine Mahlzeit.
Das war's.
Gut.
Dann versuch ich das.
Innerhalb von acht Stunden darf sie zwei Mahlzeiten essen.
Dann muss sie 16 Stunden darben.
Studien zeigen,
dass dieses Prinzip den Stoffwechsel ankurbelt.
Es säubert die Leber und schwächt Entzündungen wie Rosazea.
Der Zustand Ihrer Haut ...
... spiegelt den Zustand Ihrer Leber wider.
Genau da müssen wir ansetzen. Okay.
Zucker, Weizen, Milch ...
... sind komplett raus.
Hm.
Zucker - wird eine Umstellung.
Milch - wie trinke ich dann meinen Kaffee?
Es gibt auch Milchersatz wie Mandel-, Reis- und Kokosmilch.
Oder Sie trinken den Kaffee schwarz.
Zum Frühstück hat die Ernährungsmedizinerin
einen Chia-Kokos-Brei mit Beeren im Angebot.
Als zweite Mahlzeit Lachs auf Fenchelgemüse in Pergament
und eine Kartoffel.
Weitere Rezepte gibt es bei den Ernährungs-Docs im Internet.
Und wissen Sie, was das hier ist?
Melisse? Fast.
Das ist Minze.
Die wird eine besondere Rolle
im Kampf gegen Ihre Rosazea spielen.
Denn frische Minze, als Tee oder auch im Essen,
fördert den Stoffwechsel und wirkt antibakteriell.
Schon morgen will Sandra mit dem Teilzeitfasten starten.
Wird ihre kranke Haut darauf reagieren?
Björn Busse kommt zum Achtsamkeitstraining.
Um seinen Diabetes zu verbessern,
muss er seine Ernährungsgewohnheiten umprogrammieren.
Herr Busse, welche dieser Hungerarten kennen Sie bei sich?
Ich sehe ganz oben den Hunger, der beim Sehen entsteht.
Wenn man etwas sieht, was man appetitlich findet.
Wenn man denkt: Das will ich essen.
Natürlich auch der Hunger der Nase. Gerüche, die einem Appetit machen.
Tja, und Hunger des Herzens. Das sind gefühlsmäßige Sachen.
Das erleben Sie so? Ja.
Björn Busse kennt auch den Gehirnhunger.
Der lässt uns essen lässt, nur weil die richtige Zeit dafür ist.
Er kennt auch einen gefühlt leeren Magen.
Und der letzte Hunger?
Kenne ich nicht. Nicht? Nee.
Der Zellhunger.
Das ist der wichtige Hunger, der Bedarfshunger.
Das, was ihr Körper braucht.
Sie müssen lernen zu erkennen, warum Sie essen.
Und: Der Diabetiker muss lernen, was und wie er es isst.
Sechs Tipps bekommt er dafür,
und ein leckeres Putenschnitzel mit Brokkoli und Tomaten.
Erst mal Nr. 1: Portionsgröße festlegen.
Ist das für Sie 'ne Portion, die Sie gut finden?
Ja.
Regel Nr. 2: Sättigungsbeilage - ja oder nein?
Nehmen Sie Kartoffeln dazu?
Kartoffeln enthalten Kohlenhydrate und erhöhen den Blutzucker.
Was sag ich denn jetzt?
Na klar nehme ich Kartoffeln.
Ja? Klar.
Nee, nehmen Sie lieber 'ne Kelle mehr Gemüse, ohne Kartoffeln.
Regel 3 und 4 heißen: langsam essen, kleine Bissen nehmen.
Regel Nr. 5: Pausen machen, damit das Sättigungsgefühl einsetzen kann.
Und Tipp Nr. 6:
Wenn Sie das achtsame Essen üben, dann hilft es ungemein,
wenn Sie z.B. mit Stäbchen essen.
Oder mit der linken Hand.
Das versuchen wir mal.
Mit den Stäbchen.
* Klaviermusik *
Schnelles Essen ausgeschlossen, mit Stäbchen. Allerdings.
Ab sofort soll Björn Busse
bei jeder Mahlzeit versuchen, achtsam zu essen.
Ob er das hinkriegt?
Er empfindet seine Krankheit als tickende Zeitbombe.
Es fühlt sich an, als würde ein Bunsenbrenner
von innen eine immer stärker werdende Flamme bilden.
Es wird unerträglich.
Ich bin Benjamin Meier.
Ich bin 29 Jahre alt und leide an Sodbrennen.
Er hat Reflux, mindestens jeden zweiten Tag.
Dabei schießen ihm ätzende Magensäure
oder der Mageninhalt die Speiseröhre hoch - auch in den Mund.
Das passiert, weil der Übergang zwischen Speiseröhre und Magen
nicht mehr richtig schließt.
Die Säureattacken sind gefährlich.
Sie verätzen die Schleimhaut in der Speiseröhre.
Symptome sind brennende Schmerzen hinter dem Brustbein,
die von unten nach oben ausstrahlen.
Sowie Schluckbeschwerden, Luftaufstoßen und Reizhusten.
Für mich war's schlimm zu hören von meinem Arzt,
dass man nichts ändern kann und man lebenslang Tabletten nehmen soll.
Von Ernährungs-Doc Matthias Riedl erhofft er sich einen anderen Weg:
Ohne Tabletten, ohne Nebenwirkungen.
Erinnert Sie das an was?
Ja, das kenne ich. Das kommt mir bekannt vor.
Der Arzt demonstriert,
wie die ätzende Säure aus dem Magen bis in die Speiseröhre hochschießt.
Dann macht das die Schleimhaut der Speiseröhre,
nachdrücklich kaputt - und das tut weh.
Ja. Wie häufig haben Sie das?
Das hab ich oft in Stresssituationen und wenn ich liege, meistens nachts.
Ursache dafür
ist ein Defekt im Schließmechanismus zwischen Magen und Speiseröhre.
Der wird auch durch die Ernährung beeinflusst.
Ich ernähre mich hauptsächlich fast immer nur unterwegs,
weil ich halt selten zu Hause bin.
Dann sind das Imbisse, Schnellrestaurants.
Hier ist das vielleicht
mal 'ne Tiefkühlpizza oder irgendwelche Tütengerichte.
Was ich grad da hab.
Ja, trostlos.
Und dann schlägt die Magensäure zu.
Das kommt von einer Sekunde auf die andere.
Wie ein Vulkan, der ausbricht.
Das brodelt kurz im Bauch und dann geht's los.
Mit Bullrichsalz, also Natron,
versucht er, das akute Brennen zu lindern.
Es hilft zwar für einen kurzen Moment,
kurbelt die Säureproduktion aber erst richtig an.
Selbst Säureblocker wirken bei ihm nicht immer zuverlässig.
Oft kann der Berliner nicht, wie er will.
Z.B. wenn er Probe hat.
* Punk-Musik *
Die Band ist für mich quasi meine zweite Familie.
Es ist für mich eins der wichtigsten Projekte.
Wenn das Sodbrennen so intensiv ist,
dass ich das absagen muss, spricht man von 'nem Ernstfall.
# Kannst du verstehen? #
# Fühlst du dich frei?
Bist du mit Herzblut dabei? #
Sie brauchen Ihre Stimme. Ja.
Sodbrennen kann die Stimme kaputt machen.
Die Magensäure greift Kehlkopf und Stimmbänder an.
Dann können Sie heiser werden, das wäre für Sie ein No-Go.
Genau, das wäre nicht gut.
Sein Sodbrennen kann noch zu Schlimmerem führen,
zeigt die Magenspiegelung eines anderen Patienten.
Wo weißlich-dunkelrote Stellen sind,
da sehen Sie den Kampf der Speiseröhre gegen die Magensäure.
Da wird sie angedaut.
Da finden fortwährend Entzündungsprozesse statt.
Das Bittere:
Diese chronischen Entzündungszustände
haben ein hohes Risiko, sich in Krebs zu entwickeln.
Oje.
Speiseröhrenkrebs.
Mit welchen Nahrungsmitteln wir diese chronische Entzündung stoppen
oder vielleicht sogar heilen können, zeigen wir Ihnen. Okay.
Benny fängt bei null an, was sein Essen betrifft.
Das will Anne Fleck ihm klarmachen.
Wenn Ihr Magen falsches Essen bekommt, passiert Folgendes:
Ich zeige Ihnen das mal mit diesem kleinen Zuckerwürfel.
Ihre Magensäure legt richtig los.
Das fühlt man.
Jetzt die spannende Frage: Was ist das Falsche?
All das ist falsch:
Fett.
Weizen.
Zucker.
Saures, Scharfes, stark Gewürztes und Kohlensäure.
Dass Weizen, den man fast überall drinne hat,
auch das Sodbrennen fördert, das hab ich nicht gewusst.
So.
Es sieht aus wie bei mir zu Hause in der Küche
oder wenn ich unterwegs bin.
Das haben Sie auch an sechs Tagen gegessen. Ja.
Ich hab hier ein paar Pikser und bitte Sie,
in die Lebensmittel zu stechen, die vielleicht nicht richtig waren.
Die hier zum Beispiel.
Was vermuten Sie darin?
Allein durch die Salami ist stark Gewürztes dabei.
Zucker wird viel mit drin sein, Weizen, Fett.
Essen Sie das häufig? Ja.
Leibgericht. Ja, ich bin halt viel unterwegs.
Und weiter: ein Döner.
Auch hier würde ich sagen:
Viel Weizen, Säure, Zucker, Fett.
Fällt Ihnen was auf?
Es ist ganz häufig auch die Mischung. Ja.
Ob in Würstchen, Spaghetti oder Kuchen:
Alles, was Benny gegessen hat, ist schlecht bei Sodbrennen.
Der Musiker braucht Eiweiß, Ballaststoffe und hochwertige Öle.
Tipps für geeignete Lebensmittel und Rezepte bei Sodbrennen
gibt's bei den Ernährungs-Docs im Internet.
Sie sind viel unterwegs,
deswegen sollten Sie sich immer was mitnehmen.
"To go", sozusagen.
Einen Buttermilchshake mit Banane, Mango und einem Schuss Öl.
Probieren Sie mal.
Ich bin überrascht von dem Geschmack.
Mit Buttermilch hab ich keine guten Erfahrungen.
Das ist nicht mein Geschmack.
Aber so kann man es trinken. Können Sie sich mit anfreunden? Jo.
Dann hab ich noch was für Sie für den Notfall,
wenn's brennt - quasi als Feuerlöscher.
Okay, was genau ist das?
Goldleinsamen.
Einen Esslöffel davon soll Benny in 150 ml Wasser quellen lassen.
Die schleimige Flüssigkeit neutralisiert die Magensäure
und schützt die Schleimhaut.
Bei Benjamin Meier ist Luft nach oben, das ist seine Chance.
Ob er das in seinem unregelmäßigen Tagesablauf umgesetzt bekommt,
da bin ich mir nicht so sicher.
Sandra Marschner isst nach der Uhr.
Vor dem Frühstück im Büro stellt sie sich den Timer:
Ab jetzt hat sie acht Stunden für zwei Mahlzeiten.
Danach gibt es 16 Stunden nichts - Intervallfasten.
Ich hab die Entscheidung getroffen, das zu machen.
Das kann man nicht auf Sicht umsetzen.
Man muss es einfach machen.
Zum Frühstück gibt es ein Müsli aus Haferflocken und Chiasamen
mit Minze, Beeren und Kokos.
Dazu einen Kaffee mit Mandelmilch, das schmeckt ihr sogar.
Kuhmilch, Zucker und Weizen sind gestrichen.
Das Intervallfasten soll ihren Stoffwechsel ankurbeln,
um die entzündete Haut im Gesicht, ihre Rosazea, zu verbessern.
Sie trinkt viel:
Drei Flaschen Wasser allein bei der Arbeit.
6,5 Stunden später: Mahlzeit Nr. 2.
Sandra macht ein Ratatouille aus Zucchini, Paprika und Tomate.
Dazu selbstgebackene Dinkelbrötchen.
Wollen ihre Töchter lieber Nudeln, kocht sie die.
Testen müssen Charlotte und Josie selbst,
denn Weizen ist für Sandra tabu.
Meine Mutter isst auch gar keinen Weizen mehr.
So gut wie gar keinen Zucker.
Und ...
... ich könnte das nicht.
Auch bei einer Heißhungerattacke bleibt Sandra standhaft.
Heute essen wir Waffeln.
Zumindest meine Töchter.
Und 'n Crepe mit Nutella.
Ich esse leider keine, aber:
Ich rieche dran.
An einem Crepe mit Nutella zu riechen: großartig.
Es befriedigt quasi diese Lust, es selber zu essen.
Finde ich.
Sandras Konsequenz macht sich bezahlt, beobachtet ihr Mann Sven.
Wenn man die Monate zurückblickt:
Ihre Haut hat sich verändert, ihre Statur auch.
Es hat sich gelohnt.
Nach acht Stunden ist ihre Essenszeit vorbei.
Jetzt muss Sandra Marschner wieder 16 Stunden fasten.
Ihre Haut nehmen die Ernährungs-Docs in ein paar Wochen in Augenschein.
Sich bewusster ernähren, so lautet Björn Busses Auftrag.
Seit seinem Verhaltenstraining geht das schon beim Einkauf los.
Früher bin ich wahllos in den Laden gegangen.
Wenn da was günstig oder lecker war, wurde das reingepackt.
Das hat sich geändert.
Er muss sein Essverhalten ändern,
um die Blutzuckerwerte zu verbessern und vom Insulin runterkommen.
Und auf seine Portionsgrößen achten.
Daran haben ihn die Ernährungs-Docs erinnert.
Essen macht Spaß und viel essen macht viel Spaß.
Es ist immer eine Frage der Menge.
Da den Dreh hinzukriegen, ist die Haupthürde.
Die Auswahl geeigneter Lebensmittel hat er jetzt drauf.
Er formt z.B. Falafel aus einem Kichererbsenteig.
Die Hülsenfrüchte enthalten viele Ballaststoffe und Proteine,
optimal für Diabetiker.
Dazu macht er Avocadocreme und einen Salat aus Chinakohl.
Das Rezept gibt es bei den Ernährungs-Docs im Internet.
Für den Fall, dass ihn der Süßhunger überkommt,
mischt Björn Quark mit zuckerfreiem Sirup.
Echte Rückfälle sind selten.
Und wenn, ist sein Freund mit der Videokamera da.
Jetzt geh ich konditorn.
Vom Mettbrötchen konnte ich mich noch nicht verabschieden.
Das ist für mich die Belohnungssünde.
Sünde, pure Sünde.
Weizenbrötchen.
Aber es gibt nichts Schöneres.
Mhm!
War das lecker.
Na ja, nun muss ich mir die Sünde vergeben sozusagen,
mit 'nem Schuss Insulin.
Trotzdem kann Björn Busse den Gürtel schon enger schnallen.
Seinen Diabetes werden erst die Ernährungs-Docs kontrollieren.
Zwei Monate später.
Abschlusstermin auf dem Praxisboot.
Seit er anders isst, hat Björn Busse regelmäßig Bilder davon gemacht.
Herr Busse, tolle Gerichte.
Sie haben wenig Kohlenhydrat-Träger dabei,
aber an den Portionen müssen Sie noch arbeiten.
Ja.
Meine Teller sind immer etwas voller.
Gleiches Gericht wie dieses hier.
Ja. Sehen Sie den Unterschied?
Oh ja, klar.
Viel mehr Gemüse, viel weniger eiweißreiches Fleisch.
Die falsche Dosierung von Eiweiß verstärkt das Gewicht,
und zu wenig Gemüse leider auch.
Ja ... Ja ...
Haben die falschen Portionen
Björn Busse einen Strich durch die Rechnung gemacht?
Vor einem halben Jahr wog er 137 kg.
Davon 10 kg Bauchfett, das seinen Diabetes fördert.
Und jetzt?
Das Gewicht hat sich um ...
... 1,5 kg gesteigert.
Die schlechte Nachricht.
Die gute Nachricht ist, dass Sie 1,7 kg Bauchfett verloren haben.
Ach!
Wie passt das zusammen?
Die Erklärung dafür ist, dass Sie Muskelmasse zugelegt haben,
aber das Fett an richtiger Stelle abgebaut haben.
Am Bauch.
Durch weniger Kohlenhydrate und regelmäßiges Radfahren.
Das ist schon der richtige Weg,
aber so reicht es noch nicht, dem Diabetes Paroli zu bieten.
Seine Blutzuckerwerte haben sich nicht verbessert.
Das war mir klar. Sie hatten es doppelt schwer:
Ernährung UND Verhalten ändern. Ja.
V.a. weniger essen hat er noch nicht geschafft.
Es ist ein langer Weg.
Sie können das schaffen.
Ich mache es weiter. Das ist alternativlos.
Ich bin sehr froh, dass ich diese Chance hier wahrnehmen konnte.
Benjamin Meier zieht Zwischenbilanz.
Eine Art Tagebuch.
Was hat er seit seiner Beratung verändert?
Was hilft gegen sein Sodbrennen, was nicht?
"Mein Einkauf war früher sehr übersichtlich:
Tiefkühlpizza, Bier, Limonade, Fertiggerichte.
Jetzt kaufe ich Eier, Vollkornbrot und Gemüse,
aber nicht immer kann ich mich daran halten.
Oft hindert mich die Zeit daran.
Ich hatte oft Wochen, an denen ich nur zum Schlafen zu Hause war.
Aber einiges konnte ich trotzdem ändern."
So, ihr könnt mal gucken, was ich mittlerweile verspeise.
Es gibt jetzt nur noch Vollkornbrot.
Dazu Putenbrust, Geflügel - möglichst wenig Schweinefleisch.
Das konnte ich schnell umsetzen.
Ich soll ja viel Eiweiß zu mir nehmen.
Also gibt es heute spezielles Rührei.
Ich mische mir da Mozzarella mit.
Jetzt kommt das alles rein - zack.
Dann auf den Teller, in den Magen, guten Appetit.
Ich kriege es tatsächlich nicht immer hin.
Manchmal hab ich in einer Woche was gegessen,
was ich nicht mehr essen sollte.
Das merkt man: Es wirkt sofort auf meinen Magen.
Dann verfluch ich mich auch.
War aber früher schlimmer.
So, die Sache mit den Shakes.
Mango kommt immer komplett rein.
Dann die Buttermilch.
Die Dinkelflocken hinterher - zack.
Und dann ...
... wird der ganze Kram gemischt.
Das ist viel Arbeit.
Was ich aber immer jeden Morgen zu mir nehme,
sind diese Leinsamen in Wasser.
Die quelle ich da drin auf und trinke das.
Konsequent bleiben, merkt Benny, ist seine größte Schwierigkeit.
Er ist gespannt, was die Ernährungs-Docs sagen.
Drei Monate später.
Benny kommt auf das Boot zum Abschlussgespräch.
Herr Meier, was macht das Sodbrennen?
Es hat sich gebessert.
Wenn ich drauf achte, was ich esse, geht's mir gut.
Wann ist es schlechter?
Wenn ich in diesen Trott zurückfalle,
wo ich zu Fast-Food-Buden renne, aber es kommt nicht mehr so schnell.
Es hängt also damit zusammen, wie konsequent Sie sind.
Ja, ICH hab's in der Hand.
Können Sie uns zeigen,
um wie viel Prozent es besser geworden ist?
Ja, das kann ich.
Um 80 Prozent.
Super.
Ist doch großartig, oder? Ja.
Ziel war auch, die Säureblocker zu reduzieren.
Hat das geklappt?
Ich hab früher Pantoprazol genommen.
Die hab ich seit zwei Monaten nicht mehr gekauft.
Das ist beeindruckend.
Sie haben Ihr Ziel schon fast erreicht.
Sie wissen, was Sie tun müssen, um noch besser zu werden.
Ja, das weiß ich.
Sie müssen dabei bleiben.
Die langfristigen Folgen sind zu gravierend.
Ja, daran arbeite ich.
Ich muss die Prioritäten höher setzen bei dem Thema.
Und das werde ich auch.
Ich weiß nur noch nicht, wie schnell ich das hinkriege.
Auch Sandra Marschner kommt wieder an Bord.
Ist ihre Rosazea, die entzündete Haut, besser geworden?
Frau Marschner, wie fühlen Sie sich heute in Ihrer Haut?
Fantastisch.
Was hat sich im Bezug auf die Rosazea geändert?
Ich sehe das im Spiegel noch minimal an den Seitenflügeln,
aber dieses Großflächige, diese Rötung, ist komplett weg.
Um den Verlauf zu zeigen, hat sie ihre Fotos mitgebracht.
Ich hab immer brav bei Sonnenschein einen Hut getragen.
Ich bin begeistert.
Und so 'nen schicken. Ja.
Das war erst nach vier Wochen.
Da konnte man die Rosazea gut sehen.
Und hier? Das war nach 2,5 Monaten im Büro.
Man sieht, dass es fast nur noch einseitig ist.
Eine deutliche Veränderung.
Ja.
Schon doll, ne? Ja.
Wie sieht ihre Haut genau betrachtet aus?
Vor sechs Monaten waren ganze Flächen schuppig,
einzelne Pusteln entzündet, vereitert.
Da in der Mitte vom Bild sieht man jetzt mal ein Pustelchen.
Ich würde sagen:
Über alles gesehen ist es mindestens 50 Prozent besser.
Das Fasten im Intervall
und der Verzicht auf Weizen, Zucker und Kuhmilch haben noch einen Effekt:
Ich habe 20 kg weniger auf der Waage.
Das ist doch mal ein Wort! Sie haben 20 kg abgenommen.
Der Stoffwechsel ist insgesamt besser geworden.
All das drückt sich exzellent an der Haut aus.
Ja.
Ich freue mich.
Ich bin begeistert und glücklich,
dass ich das durchgehalten habe und dass das so viel gebracht hat.
Wir erkennen die Macht,
die das Essen auf chronische Entzündungen wie die Rosazea hat.
Wir stehen aber noch am Anfang.
Ich bin mir sicher,
dass das Potenzial noch nicht ausgeschöpft ist.
Gesund werden mit Essen als Medizin.
Nicht immer einfach, aber man kann es schaffen.
Gemeinsam mit den Ernährungs-Docs.
Copyright Untertitel: NDR 2018
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