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Narziss, mein lieber Junge.
Hat man sich beklagt, dass ich unartig war, Heiliger Vater?
Es mag sein. Ich bitte Euch, mich zu strafen.
Ach, Narziss, dein Betragen ist vorbildlich.
Ich wollte manchmal du wärst etwas unartig.
Dennoch, weißt du...
Vielen Leuten ist es unheimlich...
wenn einer allzu gescheit ist.
Es ist nichts. Ich bin gefangen.
Ich seh dich oft einsam und allein, junger Bruder.
Ich sorge mich um dich.
Wenn er zurückgezogen hat.
Kann nicht lernen... und ganz bei Gott sein.
Ich möchte ein Mönch oder Priester werden.
Dafür musst du die Menschen kennen.
Ich beobachte.
Und was beobachtest du bei mir?
Dass...
Dass Ihr vielleicht lieber in eine Einzelei ziehen würdet?
Einfach und demütig, anstatt ein großes Kloster zu regieren.
Richtig?
Ehrwürdiger Vater, kommt. Schnell.
Der Junge wird Pfaffe.
Ich zahl Euch dafür, wenn Ihr ihn nehmt.
Daran soll's nicht liegen.
Nun, wenn die junge Seele dem Heiligen Benedikt nachfolgen will...
Ich will, dass er büßt.
Für die Schande, die seine Mutter über uns gebracht hat.
Ich kann ihn nicht mehr ansehen.
Nehmt das Gold. Macht mit ihm, was Ihr wollt.
Er kommt ganz nach ihr.
Nach dieser dreckigen, davongelaufenen...
Goldmund.
Komm.
Sag diesem Pfaffen...
dass deine Mutter eine Hure war!
Gesagt, dass sollst du...
Sag ihm, dass deine Mutter eine verdammte Hure war!
Kümmer dich um ihn.
- Aber ich muss... - Ich wünsche es.
Schlauberger... Lass mich los.
Gemeinsame Gebete wie folgt. Zwei Matusi mit einer Dederum.
Wir beten hier immer bei Tagesanbruch.
Die Prim um 6 Uhr. Danach ist Unterricht.
Die Terz um 9 mit Hymnen und Psalm.
Die Sext um 12 Uhr.
Und wenn man verschläft?
- Hast du schon mal verschlafen? - Nein.
Ich habe noch nie verschlafen.
Die Non drei Stunden später. In der Kirche Hymnen und Psalm.
Bei Sonnenuntergang beten...
Wie lange dauert das, bin man Mönch ist?
- Wenn man nach... - Ich muss schnell Mönch werden...
um für meine Mutter zu beten. Weil Gott sie hasst.
Nein.
Gott liebt uns alle.
Auch meine Mutter?
Bei Sonnenuntergang beten wir die Komplet.
- Danach ist Bettruhe. - Sag mal, wie heißt du?
- Ich heiße Narziss. - Und ich Goldmund.
Goldmund.
So. Das ist gut gegen das Fieber.
Jetzt kriegt er noch 'nen Tee...
Sauerdorn und Enzian.
Dann geht's ihm auch besser.
Du bleibst hier und kümmerst dich um deinen Freund.
Er ist nicht mein Freund.
Komm, hör jetzt auf.
- Kümmer dich. - Ich weiß...
Hey, Narziss. Hast du 'nen besten Freund?
Hier im Kloster...
All unsere Liebe muss Gott gehören.
Wir drei können zusammen Freunde sein.
Du, ich und Gott.
Aufhören!
Verschwindet!
Da hast du aber Glück.
Er hat Narziss geschlagen. Ein dreckiger Hundsfotts.
Untersteh dich.
Sprichst du nicht Latein?
Verstehst du nicht das Wort Gottes, bist du ein Esel.
Der Esel bekommt die Rute.
Ehrwürdiger Vater, ich glaub, Abt Daniel hat Euch gerufen.
- Was? Das hab ich gar nicht gehört. - Es schien, als bräuchte er Eure Hilfe.
Ihre Weisheit wird verstanden.
Na dann.
Narziss, kümmer dich drum.
Hey, Narziss.
- Was ist? - Willst du mitkommen?
Ich zeig dir meinen geheimen Ort.
Ich darf das nicht.
Wir verirren uns und dann gibt's Ärger.
Na und? Komm.
Ich wusste, dass es falsch war.
Du bist mutiger, als ich gedacht hab.
Vermisst du es nicht auch manchmal, wieder draußen zu sein?
Ich...
Ich kann hier besser nachdenken.
Ich werde vielleicht immer hierbleiben.
Echt?
Dann bleib ich auch.
Goldmund.
Goldmund.
Jedenfalls...
Goldmund.
Das ist so einfach. Es ist ein ACI. Akkusativ Comen Initivo.
Ja, klar. Akkusativ Komm Individuum.
Nein. Infinitivum.
Hey. Nein.
Sie hat schöne Brüste.
Bist du verrückt? Das ist die Muttergottes.
Na und? Hätte Gott ihr nicht...
Hätte Gott ihr nicht die schönsten Brüste gegeben,
hätte sein Sohn Jesus Christus daran trinken sollen.
Was?
Ich meine das ernst.
Du hältst mich für einen Idioten.
Ein Gelehrter wirst du mit solchen Ideen nicht werden.
Sei doch froh, Goldmund.
Du wirst ein viel schöneres Leben führen.
Wenn du tiefer empfinden kannst.
- Großes Glück. Großer Schmerz. - Narziss.
Hau ab, Idiot.
Goldmund, kommst du mit?
Wir haben da was, Goldilein.
Heute Abend, nach der Komplet.
Wenn alle schlafen. Kleine Überraschung.
- Weiber. Bist du dabei? - Ja.
Ich bin dabei.
Ich frag Narziss, ob er kommt.
Narziss und Weiber?
Das glaubst du ja wohl selber nicht.
Geht ihr beide eigentlich auch zusammen scheißen?
Ach, bring was zum Zeichnen mit.
Dein Malbuch.
Ich mal ihn.
Da, schaut her, Jungs.
So was kriegt ihr nicht zu sehen bei der Pfaffe da oben, was?
Du?
Kommst du wieder?
Was? Nichts gemalt?
Ich hab das im Kopf, ich mal's nachher.
Ich hab dir doch gesagt, dass ist blöd.
Morgen, ich versprech's.
Hast du's?
Goldmund ist wie ein Vogel im Käfig.
Er möchte Mönch sein, dabei sind seine Talente woanders.
Er muss hinaus in die Welt.
- Er ist noch jung und... - Narziss.
Du weißt auch, dass er hier bei uns nicht glücklich werden wird.
Überdies...
Es gibt Gerede... böses Gerede.
Goldmund ist ein hübscher Junge, und du und er...
Ehrwürdiger Vater...
Ich...
- Ich schwöre bei der Jungfrau Maria... - Und in Gedanken?
Narziss, er hört auf dich.
Nur du kannst ihm helfen seinen Weg zu finden.
Um seinetwillen und deinetwillen, du musst ihn fortschicken.
Gnädigster Abt.
Ich kann doch nicht. Ich...
Doch.
Liebe...
fordert auch Opfer.
Aber...
Das hier...
ist ohne Seele...
ohne Wahrheit.
Es ist deiner nicht würdig.
Ich sehe...
weder das Wunder der Geburt...
noch Lust, noch Liebe.
Was verstehst du schon von Lust oder Liebe.
An dir ist es jedenfalls nicht, das zu bewerten.
Was auch immer du da draußen gesehen hast, es gehört nicht hierher.
Vielleicht gehör ich auch nicht her.
Ja, vielleicht gehörst du nicht mehr hierher.
Na... wie heißt du?
Willst du Wein?
Goldmund.
Nein danke.
Haben's die Pfaffen nicht erlaubt?
Du siehst gar nicht aus wie ein Mönch.
Wie ein richtiger Mann.
Oh, ein langes Leben, voller Liebe.
Und hier...
ein Geheimnis.
Ein dunkles Geheimnis.
Meine Mutter.
Sag mir mehr.
Du suchst die Frau...
die Mutter... den ewigen Schoß.
Werde ich sie denn je finden, die Mutter?
Du wirst noch so vieles finden, mein Schöner.
Bist du dir sicher?
Bist du dir sicher?
Es ist eine Entscheidung fürs Leben, Narziss.
Man wird nicht Mönch aus Kummer.
Nicht um vor etwas davon zu laufen.
Armut, Gehorsam, Keuschheit, ein Leben lang.
Es ist meine Bestimmung.
Schon immer.
Mein Schöner...
und jetzt zeig ich dir...
wo das Jüngerreich wirklich liegt.
Ich möchte bis zum Gelübde in die Büßerzelle, um nicht abgelenkt zu sein.
Durch Weltliches.
Weltliches... Goldmund heißt das Weltliche.
Halt den Mund, Lothar.
Hast du schon genug, mein Goldjunge?
Lise.
Kann ich bei dir bleiben?
Ich kann hart arbeiten und ich kann...
Bist ein lieber Junge.
Ich liebe dich.
Wir können zusammen sein. Ich werde auf dich aufpassen.
Nein.
Ich brauche vieles.
Einen Mann brauch ich nicht.
Das Amulett. Ich kenn das. Meine Mutter.
Woher hast du das?
Gefällt es dir?
Das hat mir eine Frau geschenkt, in Fürstenberg.
Als ich ihr die Zukunft vorhergesagt hab.
Meine Mutter.
Narziss?
Was tust du?
Es ist Zeit für mich.
Du kannst doch nicht einfach... Ich muss mit dir reden.
Ich glaube ich weiß jetzt, wo meine Mutter ist.
Dann musst du jetzt gehen.
Willst du denn gar nicht, dass ich bleibe?
Bei dir?
Lebe wohl.
Nein.
- Geh. - Nein!
Nein.
Lieber Abt.
Welche Ehre.
Verzeiht die Störung, Durchlaucht.
Ein Eindringling.
Ohne Hose und ohne Hirn.
Wo habt ihr ihn ergriffen?
Im Westflügel.
In der Garderobe von...
der Gattin.
Bei meiner Frau, der Fürstin?
Bitte. Wir können jetzt auch nichts mehr tun.
Gar nichts mehr.
Es ist nicht erlaubt.
Wenn Ihr das befehlt.
Nur ein paar Minuten.
Für das heilige Sakrament der Beichte.
Der Allmächtige wird es Euch danken.
Schnell.
Darin wird es niemand wagen, dich aufzuhalten.
Und jetzt...
Schlag mich nieder.
Bist du verrückt?
Es muss glaubwürdig wirken.
Ich kann das nicht.
Lasst uns hier unser Lager aufschlagen.
Goldmund!
Anselm. Benjamin. Schnell.
Denen haben wir's gezeigt.
Was?
Benjamin, hol eine Decke. Schnell.
Amen.
Wir bringen dich zurück ins Kloster, Goldmund.
Ins Kloster.
Ich hab so oft an euch gedacht.
Was ist denn passiert?
Mehr als in ein Leben passt.
Lesen.
Schreiben.
Deutsch und Latein.
Lesen einen halben...
Schreiben drei Kreuzer.
Du kannst die Kriegssteuer von deinem Lehnsherrn zurückbekommen.
Bis spätestens Allerheiligen ein schriftlicher Antrag.
Antrag schreiben.
Du willst doch nur die drei Kreuzer von mir.
Aber ich krieg doch meinen halben Kreuzer fürs Lesen.
Betrüger kriegen gar nichts von mir!
Nein!
Wachen kann ich dir schicken, du...
Strauchdieb.
Du kannst also schreiben?
Ohne Tinte? Mit dem Finger in der Luft kann ich schreiben.
Willst du bei mir in den Dienst?
Eine warme Mahlzeit am Tag, ein eigenes Bett.
Und einen Dukaten.
Pro Monat.
Ich bin auf der Durchreise nach Fürstenberg.
Über die Berge?
Das schaffst du nicht mehr vor Wintereinbruch.
Einen ganzen Dukaten?
Du hast mir gerade...
einen Batzen Geld erspart.
Das ist unser neuer Schreiber.
Gebt ihm was zum Anziehen.
Und ein Zimmer.
Oben bei den Knechten.
Waschen soll er sich.
Er stinkt wie ein Iltis.
Ah, da ist er ja.
Wie war noch der Name?
Goldmund, gnädiger Herr.
Du wirst mir helfen, eine Chronik zu verfassen.
Kreuzzug.
Meine Schlachten bei den Heiden.
Das muss alles aufgeschrieben werden.
Und...
- Unterricht für die Kinder. - Ja. Bitte, Vater.
Wir wollen etwas lernen von dem jungen Herrn Magister.
Du bist Quantum.
Am Abitur.
...die von uns geliebt wurde, wie sonst keine geliebt worden ist.
Lydia, falsch. Geliebt werden wird, das ist Zukunft.
"Geliebt worden ist", "geliebt werden wird".
Ist doch dasselbe.
Am Abitur ist Futur Passive nicht Vergangenheit?
Die Gedichte Kathols sind für euch zu schwer.
Ihr übersetzt die Gallischen.
- Aber... - Im Stillen.
So.
Genug studiert, Mädchen. Abmarsch.
Beim Abitur.
Futur Passive.
Dass ihr mir nicht zu klug werdet.
Sonst finden wir keinen Mann für euch.
"...und dann tötete ich einen Heiden.
Und dann...
tötete ich noch einen.
Zuletzt kamen noch zwei Männer auf mich zu...
die tötete ich auch."
- Vielleicht nicht immerzu "töten"? - Was?
Vielleicht "aufschlitzen", "niederstrecken", "massakrieren"?
Ja, sehr gut.
"Massakrieren."
Poetisch.
Das könnte ich heute auch noch.
Das mit den Heiden.
- Herr Magister. - Massakrieren.
Ich kann...
Herr Magister.
Der Vater hat gesagt, ich darf nicht allein hinaus.
Begleitet Ihr mich?
Lydia.
Es wird nicht lange dauern, euer kleines Glück.
Lauft lieber fort, Herr Magister, bevor der Vater dich aufhängen lässt.
Lydia.
Habt Ihr Euch wehgetan? Habt Ihr Euch was gebrochen?
Mein Herz ist gebrochen.
Du liebst mich nicht.
Draußen an der Ulme, da hing schon mal einer.
Die Krähen hackten in seine schönen toten Augen.
Und der steife Körper, der drehte sich im Wind.
Seht Ihr denn nicht, dass ich für immer Euch gehöre?
Du tust nur so. Um mich berühren zu können.
Dein Gesicht.
Meine Lippen. Für den Kuss bereit.
Habt Ihr denn gar keine Scham?
Was hatte er denn verbrochen?
Man darf nur die eigene Braut küssen, ist dir das nicht bekannt?
Der wird lachen, Euer Bräutigam, wenn Ihr nicht mal wisst, wie man küsst.
Dann bringt es mir bei.
Schließ die Augen.
Lydia?
Lydia!
Das ist die Strafe, Herr Magister.
Lydia!
Goldmund?
Goldmund.
- Mein Gott. - Lydia.
Es tut mir so leid. Meine Liebe ist doch tief. Sie ist echt.
Ich wollte dich nicht im Schnee frieren lassen.
Kann ich es wiedergutmachen?
Mein Goldmund.
Könnte ich Euch doch ganz gehören.
Lass uns fliehen.
Solange wir uns lieben, wird es uns an nichts fehlen.
Ich würde mit dir gehen, Goldmund.
- Julia. - Ich hasse dich.
Wenn ich nicht bleiben darf, sag ich's Vater, dann baumelt er auch am Baum.
- Jetzt geh weg... - Er soll mich auch küssen.
Spinnst du denn jetzt?
Du bist ein Kind, du weißt nicht...
-wovon du redest. -Goldmund?
Mir ist noch was eingefallen.
Ja, bitte?
Ins Jenseits befördern.
Wie findest du das?
Du hast ein...
dichterisches Feuer in mir entfacht.
Lydia.
Julia.
Nein! Warte!
Bitte nicht!
Wie einen Sohn hab ich dich aufgenommen.
Ich hab dir meine Töchter anvertraut.
Wärst du ein anderer...
ich würde dich erschlagen.
Wie früher. Mit eigener Hand!
- Ihr müsst mir glauben. - Halt den Mund!
Los!
Kehrst du jemals zurück...
dann schlag ich dich tot.
So wahr mir Gott helfe.
Lydia. Ich wusste es... Zusammen werden wir fliehen.
Hast du denn nicht verstanden?
Du süßer Goldmund.
Das war doch nur Spaß.
Ich könnte nie einen wie dich ohne Stand lieben. Hast du das nicht gewusst?
Leb wohl.
Bringt ihn ins Bett. Legt ihn ins Bett.
Beine auf die...
Ins Bett! Holt ihr rein!
Ins Bett!
Ihr habt mich...
Brüder!
Narziss.
Ich muss an die Luft.
So lass ihn doch.
Dann sollen die Stiche platzen. Mir egal, ob er Wundbrand kriegt.
Warte, warte.
- Geht schon. - Ok.
Geht schon.
Alles ist gut.
Ich muss dann ja auch bald weiter.
Ihr habt Besseres zu tun, als einen Landstreicher durchzufüttern.
Alles noch genau wie damals.
Es hat sich nicht viel verändert.
Du bist Abt.
Ich sorge wie jeder Abt dafür, dass sich hier nichts verändert.
Und du?
Welchen Beruf hast du erlernt?
Bei einem Bildhauer war ich in der Lehre.
Das ist gut abgelegenes Holz.
Es würde meinem Meister gefallen.
Wir benötigen einen neuen Schweinestall und...
Die Heilige Katharina.
Goldmund.
Kannst du uns nicht eine Neue schnitzen?
Die Alte hat Würmer und ihr fällt der Arm ab.
Du könntest dich dabei noch erholen und müsstest nicht gleich wieder fort.
Und ein kleiner Altar dazu.
Es muss kein Meisterwerk werden. Den Brüdern wird's gefallen.
Ich hätte Angst, dass es dir nicht gefällt.
Goldmund?
Bruder Lothar.
Weißt du noch?
An die Rute kann ich mich gut erinnern.
Wer die Rute zurückhält, hasst seinen Sohn, wer ihn aber liebt...
der sucht ihn heim in Züchtigung.
- Spricht... - Du musst mich sehr geliebt haben.
Stell dir vor, Lothar...
Goldmund ist Bildhauer geworden und wird uns eine Heilige Katharina schnitzen.
Wie?
Aber der Schweinestall...
Ich habe anders entschieden.
Du bist also Bildhauer geworden.
Hast du deine Mutter gefunden in Fürstenberg?
Aus dem Weg.
Mutter.
Mama.
Meine Mutter. Ich war so dumm.
Wie soll ich sie denn finden?
Hier in der großen Stadt?
Und die Erinnerung wird immer undeutlicher.
Bald hab ich vergessen, wie sie aussieht.
Der Herr wird dich leiten. Zehn Ave Maria.
Wo ist der Niklaus?
Da draußen...
Was machst du hier?
- Verzieh dich. - Ich suche Meister Niklaus.
Hey! Gebt dem Burschen was zu trinken.
Meister Niklaus.
Ich hab Eure Maria in der Kathedrale gesehen.
Ich muss von Euch lernen.
Wie man einem Stück Holz eine Seele gibt.
Gotteslästerung.
Alfred, halt den Mund. Davon verstehst du nichts.
Rede weiter.
Was hast du gesehen?
Ich suche meine Mutter.
Sie steckt in meinem Kopf aber ich...
Ich erinnere mich nur an ein Gefühl.
Wenn ich das als Bildnis schaffen könnte...
dann käme die äußere Form von selbst.
Er ist ein Narr. Er will ein Gefühl schnitzen.
Zeichne.
Deine Mutter oder...
was immer du raus bekommst.
Wer ist das, Walter?
Ich bin mir nicht sicher.
Und du nimmst ihn als Lehrling?
Die anderen wollen doch nur gefallen.
Aber der... Der kämpft wenigstens... mit seinen Dämonen.
Ein Verrückter?
Ja. Wenn ich Glück habe.
Der Körper ist zu lang.
- Sie steht nicht mal auf dem Boden. - Ja, weil sie schwebt.
Ich male sie, wie sie in meinem Kopf ist.
Nicht wie sie wirklich aussah.
- Machst du dich lustig, Freundchen? - Es ist gut.
Schläfst in der Werkstatt, hältst alles sauber, hilfst den Gesellen.
In vier Wochen sehen wir weiter.
Und denkt dran, was ich euch immer sage.
Man muss das Holz lieben.
Man muss das Holz lieben.
- Wie sein Mädchen. - Wie sein Mädchen.
Wenn du da so sitzt...
während ich hier mein Holz hacke...
dann hack ich gerne...
Hallo.
Was ganz wichtig ist. Das Werk muss vorher...
in eurem Kopf fertig sein.
Das Werk muss vorher schon im Kopf fertig sein.
Meister, darf ich um dieses Stück Holz bitten?
Ich will etwas Eigenes versuchen.
Was hast du in den zwei Jahren bei mir gelernt?
Außer Fegen und Ohrpfeifen empfangen?
Wie die Schnitzmesser dein bester Freund werden.
Dass man das Werk erst im Kopf fertigstellt und dass man das Holz lieben muss,
wie sein Mädchen.
Und jetzt willst du Kunst machen.
Ja.
Was glaubst du denn, wie viele Kunstwerke ich geschaffen habe?
Echte Kunstwerke.
- Bestimmt ein paar Dutzend. - Drei.
Der Rest... Der ganze Krempel, der dient, gefällt...
und verkauft sich gut.
Ich verdiene viel Geld, ja.
Du kannst mir vorwerfen, dass ich nur das Beste für meine Tochter will...
dass ich teure Medizin für meine im Sterben liegende Frau kaufte,
dass ich das Dach flicken lasse.
Hätte ich alles der Kunst geopfert,
wär ich vielleicht der größte Bildhauer aller Zeiten geworden.
Na ja... oder genauso mittelmäßig.
Aber arm und mittelmäßig.
Verschwinde.
Na, nimm den Stamm.
Mach was draus.
- Einen Zweiten bekommst du nicht. - Danke, Meister.
- Das wird gehen. - Ja, das wird.
Und?
Zeigst du mir deine Figur?
- Was meint Ihr? - Tu nicht so.
Die heilige Figur, an der du jede Nacht arbeitest.
Man erzählt sich, dass du gut bist.
Dass du eine große Zukunft hast.
Du hast gute Hände.
Groß und stark und auch voller Gefühl.
Hoffentlich enttäuschst du den Vater nicht.
Heiße Suppenbringerin ist da.
Goldmund?
Was ist mit dir?
Es ist fertig.
Ist das ein Freund von dir?
Ist er gelungen?
Hast du gut geschnitzt.
Ich mag ihn jetzt auch, dein Freund.
Es ist, als hätte er ein Herz da drin.
Und Blut.
Und Tränen.
Du bist ein schöner Mensch, Goldmund.
Von innen und von außen.
Ich bin ja immer noch hier.
Ehrwürdiger Abt, der Künstler...
verbietet mir den Zugang.
Der Altar ist noch nicht fertig.
- Vier Stämme für einen Katharina-Altar. - Nun gut.
Er will weitere acht Stämme haben.
Er hat schon wieder einen neuen Gesellen angestellt.
Na und? Sollen die Farben sich von alleine mischen?
Wie viele Gesellen hast du jetzt?
- Zwei. - Drei, vier, fünf.
Die anderen sind Helfer und Lehrlinge.
Hey.
Das ist dein Altar.
Der... die in Stücken gerissen ist...
wie unsere Welt. Aber...
in der Mitte... Maria. Sie hält alles zusammen.
Sodass die einzelnen Bruchstücke zu einer Gloriole werden.
Und hier die neun heiligen Frauen.
- Neun? - Ja. Ja.
Neun Heilige sind doch besser als eine. Und die Muttergottes.
Ein zerberstender Altar.
So etwas hab ich ja noch nie gesehen.
Ich auch nicht.
Ja, wir brauchen dringend einen neuen Schweinestall.
Es regnet rein und die Rückwand schimmelt.
Wir sind aber Gottesdiener und keine Schweinehirten.
Lieber hungern und frieren und dabei die Heilige Jungfrau ehren.
Goldmund wird uns einen großartigen Altar schaffen. Gott zu ehren.
Und wer garantiert uns, dass Goldmund das Zeug dazu hat, das große Werk zu schaffen?
Ich garantiere das.
Weiter. Los, auf geht's.
Alfred.
Na, was meinst du?
Die Hände sind etwas zu groß...
Ja, die Hände sind etwas zu groß.
Aber ich spüre was.
Johannes war der Lieblingsjünger von Jesus.
Und ich spüre einfach, wie dieser Holzstamm trauert um einen Freund.
Er leidet. Aber er lebt.
Und ich... Ich leide mit ihm.
Goldmund, hast du deine Mutter gefunden, da oben, in deinem Kopf?
Nein.
Aber ich hab suchen gelernt bei Euch. Dafür danke ich.
Finden muss ich allein.
Goldmund, du isst heute Abend bei uns im Haus.
Goldmund.
Ah, da bist du ja endlich.
Schau mal... Das hat alles Lisbeth gemacht.
Sie ist eine hervorragende Hausfrau.
Du wirst keine Fleißigere und Geschicktere finden.
- Goldmund, geht es deiner Hand besser? - Probier.
Damit du weiter so nette Figuren schnitzen kannst.
Wir werden deine Johannes-Figuren zu Dutzenden herstellen. In drei Größen.
In Flandern lieben die so etwas.
Und? Schmeckt's?
Ich bin kein Mann der großen Worte, aber ich habe mit den Oberen der Zunft gesprochen...
und sie machen eine Ausnahme.
Du heiratest mich und Vater setzt dich als Teilhaber und Erben ein.
Und du bekommst den Meisterbrief. Jetzt hab ich auch wieder Zeit...
Holz mit Seele zu machen. Du weißt.
Ich brauch dir nicht zu sagen, dass niemals ein junger Mensch...
so rasch, ohne die vorgeschriebene Lehrzeit zum Meister aufstieg.
Dein Glück ist gemacht.
Ja.
Du bist Meister geworden. Wie wunderbar.
Was ist mit deiner Frau? Lisbeth?
Ich hab natürlich abgelehnt.
Das falsche Leben, das falsche Mädchen.
Was bildest du dir eigentlich ein?
Zwei Jahre hast du hier bei mir gehaust!
Zwei Jahre!
Goldmund.
Eine Chance bekamst du und das ist der Dank?
Wir haben dich aufgenommen.
Du Schwein! Wie konntest du...?
Was bildest du dir eigentlich ein? Raus aus meinem Haus!
Und lass dich hier nie wieder blicken!
Es ging mir nicht um einen Meisterbrief.
Alles... Alles, nur nicht reich und unfrei sein.
Ich hatte noch viel zu wenig erlebt, um ein Künstler sein zu dürfen.
Goldmund. Komm.
Du... brauchst das nicht.
Du hast alle Weisheit der Welt in deinem Kopf.
In deinen Büchern... und ich...
muss alles selbst durchmachen.
Das Leiden und mich prügeln lassen, um zu kapieren...
Ein Künstler lebt im Vollen. Ihr dürft erleben und... Und lieben.
Ja?
Und was hab ich gemacht aus meinem vollen Leben?
- Nein, nein, nein, kein Wettrennen. - Was?
Ich bin Abt.
Du hast Angst, dich mit einem Krüppel zu messen?
Es ist nicht mehr so wie früher.
Los!
Mein Vertrauen in Euch ist grenzenlos, ehrwürdiger Abt.
Außer, wenn es um ihn geht.
Alles wird ihm nachgesehen.
Jede Narretei erlaubt.
Er genießt all Eure Aufmerksamkeit und Liebe.
Goldmund ist ein Künstler.
"Künstler."
Damals...
Schwärmereien unter Knaben.
Aber heute seid Ihr Abt.
Wenn auch nur der leiseste Verdacht auf...
Auf was?
Man würde Euch aus dem Amt jagen.
Oder mehr.
Was fällt dir ein! Lothar!
Drei Kreuzer hätte ich noch gekriegt vom Meister.
Lene, glaub mir...
du meidest den Schwarzen Tod.
Es sind aber trotzdem drei Kreuzer.
Und wo gehen wir hin?
Wo es schön ist.
Wenn wir dort sind, werden wir's wissen.
Einfach so?
Als ich dich getroffen hab...
da hab ich auch gewusst, dass du es bist. Einfach so.
Goldmund.
Hier.
Lenchen, ich weiß nicht, was du machst...
Ich gehe jagen. Wir sammeln Pilze und Kräuter.
Hinten am Waldrand hab ich wilde Hirse entdeckt.
Daraus backen wir Brot.
Und was machen wir, wenn der Winter kommt? Die Kälte? Der Hunger?
Ach, Lenchen.
Jetzt hast du's verdorben.
Wird sich was finden.
Lene?
Was ist denn?
Ich bekomme so einen dicken Bauch und...
Du musst für uns drei schuften. Tagein und tagaus.
Bald hast du genug und dann läufst du weg mit einem anderen Lenchen.
Nein.
Das ist wunderbar.
Wir werden glücklich sein. Vater, Mutter, Kind.
Wirst du mich lieben... für alle Zeiten...
und meine liebste Lene bleiben?
Verheiratet...
in Ewigkeit.
Amen.
Du brauchst Wäsche, für ein frisches Bett,
Und Salz... und Schinkenbrot.
Ich geh runter zum Gutshof... eintauschen.
Hab dich lieb, Frau Goldmund.
Ich dich auch, Herr Lenchen.
Hallo?
Hallo?
Goldmund?
Wasser, bitte. Wasser.
Nein!
Sauerdorn und Enzian ist gut gegen das Fieber.
Wenn's ein Junge wird, soll er Narziss heißen.
Wär dir das recht?
Ich weiß, es ist ein komischer Name.
Aber Goldmund ist ja auch komisch.
Narziss... jetzt brauch ich dich.
Dich und deinen Gott. Jetzt.
Bitte. Bitte.
Was steht dazu in deinen Büchern?
Warum will Gott uns so hart strafen?
Du hast immer gesagt, die Welt ist göttlich.
Der Schöpfer ist vollkommen.
Aber die Schöpfung ist es nicht. Wir sind es nicht.
Du bist ein Kirchenmann.
Du weißt nie, was es heißt, zu leiden.
Einen geliebten Menschen zu verlieren.
- Du redest von der Rechtfertigung Gottes. - Ich...
rede von meiner toten Lene.
Von unserem Kind, das sterben musste, bevor es geboren wurde.
Wartet! Nehmt mich mit!
Wohin?
Nur weg von hier.
Goldmund.
Mutter.
- Mutter. - Guck, die Sonne.
Goldmund.
Goldmund.
Goldmund, komm.
So ein schönes Vögelein, das bei mir gelandet ist.
So jung und gesund.
Ich mag dich nur ein bisschen anschauen und streicheln. Da!
Mein Vögelchen.
Und noch eins.
Wenn du mich spüren lässt...
Was macht Ihr denn?
- Wenn du mich spüren lässt... - Ich will Euer Geld nicht.
Lasst mich.
Runter! Nein!
Du verachtest mich! Sag es ruhig.
Holt mich nicht die Pest...
dann sterbe ich am Alter.
Ich weiß...
Ich weiß...
Ich könnte deine Mutter sein.
Das Amulett.
Mein Amulett?
Willst du es haben?
Komm.
Hol's dir.
Hol's dir.
Ich bin plötzlich so schwach.
Oh, mein Herz.
Ich bin so müde.
Du bist ein lieber Junge.
Lieber Junge...
Das Amulett.
Levi.
Der Goldschmied aus dem Getto.
Der hat es gemacht.
Du bist ein lieber Junge.
Ich suche Levi.
Den Goldschmied.
Levi.
Sie haben ihn ermordet.
Seine Frau... seine Töchter.
Wie sie meine Familie auch umgebracht haben.
Vielleicht sind ja die Juden schuld an der Pest.
Schlagen wir sie tot, vielleicht hilft's.
So denkt Ihr doch.
Das ist ein schreckliches Unrecht.
Alle sind irre vor Angst und Leid.
Hunderte hat er über die Jahre verkauft.
An alle möglichen Frauen.
Willst du mit mir kommen?
Du hast mir geholfen, meine Toten zu begraben.
Trotzdem...
Ich ertrage den Anblick von euch Christen nicht.
- Eine Jüdin? - Nein.
Das Gesicht einer Frau, die leidet.
Die hasst.
Die trauert und doch verzeiht. Das Gesicht einer Heiligen.
Es geht nicht um die wirkliche Person.
Es geht um das Bild in meiner Seele.
Und sie? Maria?
Wie soll ich sie erschaffen, wenn ich die eigene Mutter nicht kenne?
Wenn ich nicht weiß, woher ich komme...
und wer ich bin.
All die Jahre hab ich versucht, die Welt zu begreifen.
Das Leben.
Alles wollte ich ausprobieren. Und am eigenen Leib erfahren.
Schmerz, Todesangst, Rausch, Ekstase...
Immer extremer, um irgendwann überhaupt noch was zu spüren.
An allen Ecken der Welt war ich, hab viel Gutes und viel Schlechtes erlebt...
Tod und Grauen gesehen, aber auch Liebe und große Schönheit.
Und ich sah, dass aus diesem Narrenspiel und Totentanz...
des Menschenlebens etwas übrig blieb und überdauerte.
Die Kunstwerke. Die Überwindung der Vergänglichkeit.
Gefällt es Euch?
Es ist selten, dass ein anderer ausdrücken kann, was man selbst erlebt hat und fühlt.
Von wem ist das?
Keiner weiß es. Die Bilder stammen als Geschenk von einem unbekannten Meister.
Es ist so lebendig.
Seid Ihr vom Fach?
Nun ja, ich... war bei Meister Niklaus in Fürstenberg in der Lehre.
Ah, ein Bildschnitzer also.
Um sich so nennen zu dürfen, müsste man wohl erst was erschaffen haben.
Und?
Ich bin immer noch auf der Suche nach den großen Antworten.
So habt Ihr mit Eurer Kunst genau das zu erzählen.
Dass es um die Suche geht.
Der unbekannte Meister...
Ich kenne ihn und ich würde Euch gerne bekannt machen.
Morgen beim zwölf Läuten wird Euch eine Magd abholen.
Am Brunnenhaus im Schloss. Bis morgen, Goldmund.
Woher kennt Ihr meinen Namen?
Wer seid Ihr?
Herr Magister.
Julia.
Die Bilder sind...
wundervoll.
Warum die Heimlichkeit?
Das Weib ist nicht fähig zum künstlerischen Ausdruck.
Wusstest du das nicht?
Nicht ganz so gut wie ich's mir damals vorgestellt hab.
Aber fast.
Wärst du mitgegangen damals...
Ja, bis ans Ende der Welt.
Und meine Jungfernschaft hättest du noch als Draufgabe bekommen.
Aber nicht aus Liebe, sondern aus Dummheit.
Ist das nicht das Schöne an der Liebe?
Dass man dumm sein darf?
So kann man denken, wenn man jung ist.
Aber jung und dumm, das ist kein guter Plan fürs ganze Leben.
Vielleicht kannst du sie nicht finden.
Vielleicht ist deine Mutter in all den Frauen, denen du begegnet bist.
Die kokette Lydia...
Lisbeth, die perfekte Hausfrau...
die geliebte Lene, die dein Kind trug.
Und all die anderen.
Vielen, vielen anderen.
Das ist deine Suche.
Was ist mit Lydia?
Die Pest. Sie hat überlebt, aber...
Sie sollte eigentlich den Fürsten heiraten.
Er hat sie dann nicht mehr gewollt und mich als Ersatz angefordert.
Und?
Ich hab ihm zwei Söhne geboren. Meine Pflicht ist getan.
Lydia hat mir nie verziehen. Kammerdame statt Fürstin.
Sie ist bitter geworden.
Goldmund?
Ich hab eine große Bitte an dich.
Ohne Kleidung.
Den Kopf etwas weiter in den Nacken.
Po anspannen.
- Das ist... - Du bewegst dich beim Sprechen. Nicht gut.
Dieses Bild wird es länger geben als dich.
Das ist für die Ewigkeit.
Also streng dich an.
Schnell. Ein Eindringling in den Gemächern der Fürstin. Wenn ihr was passiert...
Fertig?
Bald.
Pause.
Ich hol Wein und Brot.
Du bleibst.
Los, los, los.
Was treibt er da? Sag deinen Namen?
Huren, Jüdinnen und Ehebrecherinnen sollen den Altar schmücken.
Warum, meine Brüder, zeigt man uns nichts?
Wenn es doch nichts... zu verbergen gibt!
Ja!
Ich will gar nicht sagen, wie viel die Schnitzereien Goldmunds kosten.
Welch gute Werke man stattdessen hätte tun können.
Aber...
Gotteslästerung...
eine Beleidigung der Heiligen Jungfrau!
- Ja! - Hinein!
Ein Werk des Teufels.
All dies Gefühl in den Gesichtern.
Wahrer Glaube findet sich im stillen Erdulden.
Gerade beim Weib.
Dieser Altar ist gotteslästerlich von Grund auf.
Hast du nicht gesehen, wie unmittelbar die Seelen unserer Brüder berührt wurden?
Ja, ich habe ihre Gesichter wohl gesehen.
Aber das war...
Geilheit, keine Frömmigkeit.
Das Weib ist Sünde.
Gott erschuf es uns zur Prüfung.
Lass mich dieses Teufelswerk vernichten und diesen...
Gotteslästerer Goldmund verjagen!
Du bist ja von Sinnen! Lothar...
du wirst in die Einsiedelei beim Teufelsloch gehen. Verbringe dort drei Jahre.
Dann sehen wir, ob du wieder bereit bist für ein Leben in unserer Gemeinschaft.
Verderben wird kommen über dich.
Über dich und diesen Hurenbock.
Lass ihn reden.
Er ist nichts als ein verhärteter Mensch, der sich nach Liebe sehnt.
Der Altar.
Dieses wunderbare Werk.
Ist das Ergebnis deines Lebens.
Ja.
Und das hast du mir erst ermöglicht.
Das hast du dir alles selbst erkämpft.
Ich hingegen...
Ich hab mich mein Leben lang hinter meinen Büchern versteckt.
Ist es nicht mutiger, hinauszugehen...
Fehler zu machen und dafür zu zahlen,
statt wohlbehütet im Kloster ein perfektes Leben zu führen?
Vom Kloster aus gesehen war mein Leben das Richtige.
Aber für Gott...
Hast du gesehen, wie die Brüder auf die Knie gegangen sind...
als du den Choral angestimmt hast?
Narziss...
dies hier ist deine Bestimmung.
Dein Leben.
Aber es ist arm an Liebe gewesen.
Es hat mir am Besten gefehlt.
Es werden immer mehr.
Viele kommen von weit her.
Es fällt dir schwer, dich zu freuen.
Wie soll ich mich freuen, wenn ich es nicht zu Ende bringen kann?
Vielleicht sieht jeder Pilger seine eigene Muttergottes darin.
Ich seh sie nicht.
Du musst dorthin gehen, wo es dir am Unangenehmsten ist.
Zurück in die Vergangenheit. Wo du sie verloren hast.
Geh nach Hause, Goldmund.
Zurück zu deinem Vater.
- Karl. - Goldmund.
Halbbruder. Der von der Hure.
Weiß der Teufel, ob du überhaupt sein Kind bist.
- Lebt er noch? - Mehr tot als lebendig.
Scheißt sich die ganze Zeit an, und ich hab die Arbeit.
Vater.
Du...
Wie deine Mutter.
So schön...
und dabei so sündig und schlecht.
Verflucht ist sie.
Bist du.
Wohin ist sie gegangen?
- Unser Lena. - Damals. Ich muss es wissen.
Du schöner...
Meine.
Wieso hat sie mich zurückgelassen, Vater?
Immer ihren eigenen Kopf.
So war sie.
Wollte nicht gehorchen.
Was ist denn das für ein Mann, dem das Weib nicht untertan?
Gelacht hat sie... wenn ich mit der Rute...
Vor deinem Prügeln ist sie davongelaufen? Du verdammter Schläger.
Wegrennen? Verstehst du?
Wegrennen wollte sie!
- Wollte? - Sie hat es verdient.
- Sie wollte? - Ich konnte nicht anders.
Sie hat es verdient.
Du hast sie getötet.
Dem Mann untertan! Ach, komm!
Schlag zu. Schick mich in die Hölle, kann nicht schlimmer sein, als hier.
Du hast ihn erschlagen? Deinen eigenen Vater?
Er litt schreckliche Schmerzen.
Warum hätte ich ihm Gottes Strafe erlassen sollen?
Sie hat mich nicht verlassen.
Freust du dich denn gar nicht mit mir?
Ich weiß nicht, ob ich es ertrage, dich noch einmal zu verlieren.
Wovon sprichst du? Unser Altar wird fertig...
Und du wirst weiterziehen von hier, wo die Zeit stillsteht...
und alle Liebe nur Gott gelten darf.
- Damals hast du mich fortgeschickt. - Ich musste.
Weil...
Weil ich dich mehr liebte, als mich selbst.
Ich durfte immer nur dein Freund sein, aber ich durfte...
dich nie lieben.
Nein.
Feuer! Feuer, es brennt!
- Lass mich vorbei. Ich muss zu Goldmund. - Nein. Du bist Abt und tust deine Pflicht.
Benjamin, finde deine Kette.
Finde deine Kette.
Holt mehr Eimer. Wasser!
Goldmund.
Wir brauchen mehr Wasser. Dominik, hol Eimer.
Pass auf. Zum Brunnen.
Brüder, weiter. Schneller.
Du musst mir verzeihen.
Ich hätte dich so gerne glücklich gesehen.
Du hast mein Leben so bereichert, du weißt gar nicht, wie sehr.
Wo ist deine Mutter?
Du musst nach ihr suchen.
Meine Mutter?
Dein Herz...
Wie willst du denn einmal sterben, wenn du doch keine Mutter hast?
Ohne Mutter kann man nicht lieben.
Ohne Mutter kommt man ins Sterben.
Narziss...
versprich mir, dass du glücklich sein wirst.
Bleib...
Bleib bei mir, bis es so weit ist.
Kannst du nicht einschlafen?
Was ist? Weinst du?
Ich weine gar nicht.
Du spinnst.
Ich weine manchmal. Wenn ich an meine Mutter denke.
Was machst du?
Wenn du mal jemand brauchst?
Der dich tröstet oder lieb hat.
Weil er fest an mir hängt.
Soll ich ihn retten?
Ihn schützen?
Er kennt meinen Namen.
Kann ich Gott auch was sagen?
Lieber Gott...
bitte mach, dass Narziss und ich für immer Freunde sind.
Sie hat den Sohn so liebevoll.
Wie eine Liebende den Geliebten.
Das ist Goldmund, richtig?
Es hätte ihm gefallen.
"Lieber Goldmund...
die Wurzel aller Kunst ist die Furcht vor Tod.
Vergänglichkeit.
Auf diesem Bild wirst du immer jung...
voller Leben und begehrenswert sein.
Auch wenn du selbst einmal alt und krumm bist.
So jung und begehrenswert wie das Gemälde eines toten Christus.
Darum habe ich diesen Plan geändert und sende dir den Entwurf.
Bleibe für immer jung und schön im Herzen.
Liebster Goldmund, Julia."
Versprich mir, dass du glücklich wirst.
Untertitel übersetzt von: Silke Schaefer
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