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Original subtitles

Sie prägen den Lauf der Welt.

In ihren Metropolen leben Zig Millionen Menschen.

Sie verfügen über riesige Ressourcen, eine große Handelsmacht.

Und Vorsprung durch Technik.

Sie haben die stärksten Waffen weltweit und die größten Armeen.

Die Supermächte gestern und heute.

Was geschieht, wenn sie zu Rivalen werden?

Und die Welt-Ordnung ins Wanken gerät?

Ist China bald die Nummer eins?

Gewinnt Russland frühere Weltgeltung zurück?

Verlieren die USA ihre Führungsrolle?

* Musik *

Die Vereinigten Staaten von Amerika. Wiege der freiheitlichen Demokratie,

Motor der Weltwirtschaft und Führungsmacht des Westens.

Im Zeichen des American way of life.

All das machte die USA zur stärksten Supermacht.

Steht nun alles auf dem Spiel?

Kein Staat blieb jemals auf ewig Nummer eins. Es ging immer vorbei.

Januar 2018.

Der Hubschrauber des US-Präsidenten.

In Davos tagt das Weltwirtschaftsforum.

Eine "Show of Force",

Machtdemonstration in den Schweizer Bergen.

Kein US-Präsident der jüngeren Geschichte war so umstritten wie er.

Wenn ich gewinne, musst du verlieren.

Ich glaube, das ist das neue Spiel der Weltmacht USA.

Wir sollten uns daran gewöhnen.

Von heute an gilt nur noch eins: America first!

America first!

Endet damit Amerikas Rolle als Partner und Führungsmacht im Westen?

Man sollte Amerika niemals abschreiben.

Barack Obama, der erste schwarze US-Präsident,

weckte weltweit Hoffnungen.

Wir sind eine Nation.

Und schreiben zusammen das nächste Kapitel Amerikas.

Mit drei Wörtern von Küste zu Küste:

Yes we can!

"Yes we can" und "America first":

Beide Parolen stehen für einen historischen Richtungsstreit

in der Geschichte der Großmacht.

Seit ihrer Gründung haben die USA damit gerungen,

wie sie in der Welt auftreten sollen.

Barack Obama und Donald Trump stehen exemplarisch

für diesen jahrhundertealten inneren Konflikt.

Trump und Obama:

Zwei Präsidenten, die die fundamentalen Gegensätze

der Weltmacht USA verkörpern.

Das Weiße Haus in Washington.

Seit mehr als 200 Jahren ist es das Macht-Zentrum Amerikas.

Seit den Zeiten der legendären Präsidenten wie Abraham Lincoln

und dem amerikanischen Gründervater schlechthin: George Washington.

Im 18. Jahrhundert kämpfen die amerikanischen Siedler

für die Loslösung vom britischen Kolonialreich.

Dieser Wille zur Selbstbestimmung

wird zum Leitmotiv des amerikanischen Traums.

Im März 1797 legt George Washington sein Amt als US-Präsident nieder.

Sein Vermächtnis ist auch die Verfassung der USA

im Geiste von Unabhängigkeit und Freiheit.

Dieser Gründungsmythos ist bis heute das Credo des amerikanischen Volkes.

Die Freiheitsstatue steht nicht nur für diese Idee.

Sondern auch für den Anspruch Amerikas,

Vorbild für die Welt zu sein.

Es ist beeindruckend, dass schon die US-Gründerväter

diesen Anspruch erhoben und daran glaubten.

Und dass er sich am Ende auch noch erfüllte.

Wer in Europa der Armut und der Unterdrückung entkommen will,

sucht Glück und Wohlstand in der Neuen Welt.

Diese Pioniere erschließen den Kontinent.

Alles scheint hier möglich.

Amerika bietet einen unerschöpflichen Reichtum an Ressourcen

und Landschaften.

Und geografisch einen sicheren Abstand zu potenziellen Gegnern.

Darin sahen schon die Gründerväter eine Chance:

Die USA sollten sich aus den Rivalitäten

der europäischen Großmächte heraushalten.

Washington zufolge sollte Amerika alles anders machen

als die dekadente alte Welt.

Vielleicht sogar ganz ohne Militär und Gewalt.

Wir schaffen uns eine neue Gesellschaft.

Und der Rest der Welt wird dann so sein wollen wie wir.

Der Sitz des Präsidenten in Washington ist kein Palast,

sondern ein schlichtes Anwesen.

Wegen seiner hellen Tünche nennt man es "das Weiße Haus".

Es wird zum Symbol der kommenden Weltmacht USA.

Das Fundament dazu legt Washingtons Nachfolger James Monroe.

1803 besucht er in Paris den französischen Kaiser.

Monroe kauft Napoleon die französische Kolonie Louisiana ab.

Dieser größte Grundstückskauf der Geschichte

verdoppelt auf einen Schlag das Gebiet der Vereinigten Staaten.

Der erste Schritt in der langen Expansion nach Westen.

Unaufhaltsam dringen die USA weiter vor

und verdrängen dabei rücksichtslos die Ureinwohner Nordamerikas.

Vom Delta des Mississippi über die Ebenen des Westens

bis zu den Rocky Mountains.

Mit dem Erwerb von Alaska und Hawaii

runden sie ihr Territorium auf die heutige Größe ab.

Fast 10 Millionen Quadratkilometer Fläche.

Das drittgrößte Land der Erde mit einem unschätzbaren Vorteil.

Keine Macht der Welt hat eine derart günstige Lage.

Russland hat allein 14 Nachbarn, ein paar davon ziemlich unangenehm.

China hat 12 oder 13.

Aber die USA haben bis heute Mexiko im Süden und Kanada im Norden.

Und sonst nur Pazifik und Atlantik als Grenze.

Wer hätte das wohl nicht gerne?

In der Ära von Präsident Monroe

erhält das Weiße Haus seine typische Fassade.

Und die Außenpolitik ein neues Motto: "Amerika den Amerikanern."

Ende des 19. Jahrhunderts machen die USA damit ernst

und finden zu einer neuen Rolle.

Auch im Krieg um Kuba, die letzte spanische Kolonie.

Hier hilft das Freiwilligen-Regiment "Rough Riders" dabei,

die Spanier vom Kontinent zu verjagen.

Ihr Anführer Theodore Roosevelt versteht Amerika als Weltpolizist.

Und dieser soll notfalls mit Gewalt seine Interessen verfolgen.

Ob in der Karibik, auf den Philippinen oder am Panama-Kanal.

Das war diese große imperialistische Idee,

den ganzen Kontinent zu vereinen und zur globalen Macht zu werden.

Dafür musste man eben selber handeln wie eine Kolonialmacht.

Mit dem Machtbewusstsein wächst auch das Haus des Präsidenten.

Der amerikanische Traum lockt immer mehr Menschen an.

Sie kommen über New Yorks Hafeninsel Ellis Island.

Um die Jahrhundertwende leben im Großraum von New York

schon 3,4 Millionen Menschen.

Bis zum Ersten Weltkrieg emigrieren insgesamt 60 Millionen Europäer

nach Amerika.

Unter ihnen auch viele Deutsche.

Einwanderung war das Gold, wenn man so will, das menschliche Gold,

die Innovationskraft Amerikas.

Wenn wir jetzt darüber nachdenken: Was macht eine Weltmacht aus?

Dann sind es Themen wie militärische Stärke, wirtschaftliche Stärke,

aber auch die Demografie eines Landes.

Der Kontinent, den so viele Menschen verlassen,

steuert unterdessen in die Katastrophe.

Der Machtkampf der europäischen Herrscher und Monarchen eskaliert.

1914 schicken sie ihre Völker in den Ersten Weltkrieg,

aufgepeitscht von nationalistischen Parolen.

Es ist ein Massensterben.

Die USA bleiben zunächst neutral.

Aber der U-Boot-Krieg des Deutschen Reiches trifft auch die Amerikaner.

Im Januar 1917 entschlüsseln britische Agenten

ein Geheimtelegramm des deutschen Außenministers.

Der schlägt ausgerechnet Mexiko ein Kriegsbündnis vor.

Eine Provokation direkt vor den Toren der USA.

Das bringt die Wende:

US-Präsident Wilson sieht nun Gründe genug,

US-Soldaten in den Krieg zu schicken.

Und nicht nur, um zu kämpfen.

Das Eingreifen der USA soll die ganze Welt fit machen für die Demokratie.

Wilsons Vision war kühn und regelrecht utopisch.

Aber sie hat Amerikas Außenpolitik eine neue Richtung gegeben:

Den Idealismus.

Im Ersten Weltkrieg

vollbringt die US-Industrie ein wahres Rüstungswunder.

In wenigen Monaten wird aus einer kleinen Landwehr

eine große Kriegsmaschine.

Am Ende steht die Niederlage des deutschen Kaiserreiches.

100 Jahre später stellt sich Barack Obama

in die idealistische Tradition Wilsons:

Nur auf Grundlage universal gültiger Werte

könne ein Krieg die Welt verbessern.

Die Soldaten hier in den Schützengräben

kämpften für etwas größeres:

Für die Freiheit, die wir ihnen heute verdanken.

Doch nach dem Sieg wenden sich die Amerikaner wieder ab von Europa,

das weiterhin keinen Frieden findet.

Sie feiern die eigene Größe und genießen den "American way of life".

Die boomende Industrie liefert Waren für immer größeren Wohlstand.

So taumelt die Gesellschaft durch die wilden Zwanziger.

Es ist wie ein Goldrausch in diesen 20er Jahren.

Es geht um Geld und noch mehr Geld.

Die Börsenkurse explodieren, eine Blase jagt die nächste.

Bis im Jahr 1929 auf einmal alle merken:

Oh Gott, das ist ja völlig überzogen!

Und da bricht alles auf einen Schlag zusammen.

Der amerikanische Crash infiziert die ganze Welt.

In der "Großen Depression"

verlieren allein 15 Millionen Amerikaner ihre Arbeit.

Dies ist der Zeitpunkt für einen "New Deal",

einen neuen Gesellschaftsvertrag.

Der Hoffnungsträger ist Präsident Franklin D. Roosevelt.

Ich bin überzeugt: Das einzige, was wir fürchten müssen,

ist die Furcht selbst.

Unsere Nation verlangt Taten! Sofort!

Ein gewaltiges staatliches Aufbauprogramm rollt an.

Wolkenkratzer wachsen um die Wette.

Große Bauprojekte beschäftigen Hunderttausende.

Der heimische Markt wird vor Konkurrenz geschützt.

Mitte der 30er Jahre erreichte der amerikanische Isolationismus

seinen Höhepunkt.

Da hieß es: Wir haben weiß Gott genug eigene Probleme.

Der Rest der Welt soll sehen, wo er bleibt.

Auch als der Zweite Weltkrieg beginnt,

bleiben die USA zunächst neutral.

Flieger-Legende Charles Lindbergh mobilisiert die Kriegsgegner

mit einer eingängigen Parole.

Wir haben das Recht, zu sagen: America first!

Dabei hält der Mann im Weißen Haus

den Krieg gegen Hitler für unausweichlich.

Roosevelt konnte sein Volk da nicht überzeugen.

Erst der japanische Angriff auf Pearl Harbour

und die Kriegserklärung der Deutschen brachten die Wende.

Dezember 1941. Japans Angriff auf den Stützpunkt Pearl Harbour

ist der größte Schock in der bisherigen Geschichte der USA.

Zum ersten Mal ein Angriff auf eigenes Territorium.

Als Deutschland wenig später den Krieg erklärt,

ist die Mobilisierung in vollem Gange.

Die US-Industrie soll ein weiteres Rüstungswunder vollbringen.

Nach wenigen Monaten produziert sie in allen Waffengattungen

ein Vielfaches ihrer Gegner:

Panzer, Flugzeuge und Schiffe.

Irgendwann 1943 kippt die Weltordnung.

Es knarrt und kracht im ganzen System.

Ab 1943 ist das unwiderruflich.

Mit dem materiellen Übergewicht der US-Streitkräfte

bezwingen die Alliierten zunächst Hitlers Reich.

Im Mai 1945 endet der Krieg in Europa.

Drei Monate später holen die USA

zum entscheidenden Schlag gegen Japan aus.

Mit einer fürchterlichen Waffe:

Der erste Abwurf einer Atombombe markiert eine Zeitenwende.

Nach den Bomben auf Hiroshima und Nagasaki

waren die USA die einzige globale Supermacht.

Denn zunächst hatten nur sie diese Waffen.

Doch die Siegermächte des Zweiten Weltkriegs

teilen die Welt in Einflusssphären auf.

Nach dem Krieg steht den USA mit der Sowjetunion

ein mächtiger Rivale gegenüber.

Stalins Truppen sind bis zur Mitte Europas vorgerückt.

Der Kontinent spaltet sich in einen westlich-liberalen

und einen kommunistischen Block.

Washington führt das westliche Bündnis NATO an.

Den Osten umfasst der von Moskau dominierte Warschauer Pakt.

Auf Jahrzehnte gefriert die Welt in den Blöcken des Kalten Krieges.

Der Warschauer Pakt hat mehr Panzer und Soldaten.

Die NATO setzt vor allem auf nukleare Abschreckung mit Raketen

und Fernbombern.

Man spricht vom "Gleichgewicht des Schreckens".

Bei so viel gegenseitiger Zerstörungskraft

konnte es im Kriegsfall nur Verlierer geben.

So suchten die USA andere Wege, um den Systemwettbewerb zu gewinnen.

Solche, die nicht zu einem Nuklearkonflikt führten.

Das prägt das ganze strategische Denken im Kalten Krieg.

1961 - der Amtseid eines neuen Hoffnungsträgers.

John F. Kennedy.

Er wird zur Symbolfigur für das freie und offene Amerika.

Und gilt bald als Lichtgestalt der gesamten westlichen Welt.

In Washington verströmt Kennedy mit seiner jungen Familie

das Lebensgefühl einer Nation, die Vorbild für die ganze Welt sein will.

Und im Wettbewerb der Systeme auch auf den American way of life setzt.

Bunte Bilder aus Amerika, die über Grenzen hinweg faszinieren.

Sie verherrlichen den Konsum

als Inbegriff einer überlegenen Wirtschaftsform.

Straßenkreuzer vermitteln das Gefühl von der großen Freiheit.

Amerikanische Musik erobert die Welt.

All das soll die Stärke Amerikas zeigen.

Im Gegensatz zur kommunistischen Welt,

in der alles Grau in Grau erscheint.

Mit Menschen, die aus westlicher Sicht

nur auf bessere Zeiten hoffen können.

Die Sowjets konnten einfach nicht mithalten.

Ihre Fernseher waren nicht gut genug.

Und für die meisten sowjetischen Bürger auch gar nicht erschwinglich.

Es gab nicht nur das berühmte Wettrüsten

oder den Wettlauf zum Mond.

Es gab auch den Wettlauf im Konsum.

Und da waren die Amerikaner die klaren Sieger.

Doch das Kräftemessen der Militärblöcke geht weiter.

Unter dem Westflügel des Weißen Hauses

entsteht der "Situation Room".

Die außenpolitische Krisenzentrale.

In den 60er Jahren eskaliert jener Konflikt,

der dem Nimbus der USA als Vorbild nachhaltig schaden wird.

Im Krieg gegen das kommunistische Vietnam

kämpfen Hunderttausende US-Soldaten in Fernost.

Es sind Bilder eines grausamen Krieges.

Von eigenen Opfern und dem Leid unschuldiger Zivilisten.

Zum ersten Mal kommen Zweifel auf an der Führungsrolle der USA.

Auch bei den Verbündeten in Europa.

Vietnam war ein enormer Bruch.

Weil die USA plötzlich eine diabolische Rolle bekamen.

Viele Menschen in Europa haben diese Begeisterung

für die USA durch Vietnam tatsächlich verloren.

Ein aggressives Amerika, ein Amerika,

das einen sinnlosen Krieg führt, das die eigenen Söhne verheizt.

Von Niederlage und Machtverlust ist die Rede.

In den 80er Jahren will Präsident Reagan Amerikas Größe

durch Aufrüstung wieder herstellen.

Wieder gerät Washington in die Kritik.

Vor allem in Deutschland gewinnt die Friedensbewegung an Zulauf.

Die Rüstungsspirale dreht sich bis in den Weltraum.

Washingtons Vision von einem "Krieg der Sterne".

In Berlin fordert der US-Präsident Moskau heraus.

Mister Gorbatschow, reißen Sie diese Mauer nieder!

Es ist der Reformwille Gorbatschows,

der bald darauf den Weg zur nuklearen Abrüstung ebnet.

1989 fällt die Mauer in Berlin.

Die Vereinigung des geteilten Deutschlands nimmt ihren Lauf.

Beim Gipfel in Washington

stimmt Gorbatschow der deutschen NATO-Mitgliedschaft zu.

Der Ost-West-Konflikt ist Geschichte, und die Sowjetunion wird zerfallen.

Vor der Jahrhundertwende sind die USA die einzig verbliebene Supermacht.

Manche reden vom "Ende der Geschichte".

Das Ende der Geschichte wurde verstanden

als Sieg der westlichen Demokratie, und damit als Sieg eines Systems.

Man kann sagen,

dass das vergangene Jahrhundert ein amerikanisches war.

Und dass es dann mit der Jahrtausendwende sogar endete.

Das kann man auch deshalb sagen,

weil der 11. September 2001 passierte.

Und der markierte die tatsächliche Zeitenwende.

Heute gab es eine tödliche Serie von Terrorattacken auf unsere Mitbürger,

unseren Lebensstil, unsere Freiheit.

Dass auf so eine perverse Art und Weise, möchte ich mal sagen,

Amerika in seinem Herzen, in seinem Innersten angegriffen wurde.

Das hatte eine symbolische Komponente.

Aber es hatte auch eine Komponente der langen Antworten,

die Amerika in dem Moment nicht hatte.

Der von den USA erklärte "Krieg gegen den Terror"

verändert den Charakter der Supermacht.

Beim Militäreinsatz in Afghanistan gegen al-Qaida

ziehen die Bündnispartner noch mit.

Die Invasion im Irak dagegen spaltet das westliche Lager.

Langjährige Partner wie Frankreich und Deutschland

verweigern die Gefolgschaft, da sie den Kriegsgrund bezweifeln.

Beim Umgang mit Gefangenen wie in Guantanamo oder Abu Graib

verletzen die USA Menschenrechte.

Geheimdienste wie die NSA erhalten mehr Befugnisse und Macht,

sammeln Daten von Feind und Freund.

Und überwachen die Kommunikation ihrer Bürger und verbündeter Staaten.

Mit großem technischen Aufwand ohne Transparenz.

Im "Krieg gegen den Terror"

verblasst der amerikanische Traum von Freiheit und Bürgerrechten.

Die USA haben überreagiert, sie haben neurotisch reagiert.

Sie haben Bündnispartner verloren,

Der Westen ist verwundbar geworden.

Barack Obama gewinnt die Wahl 2008 mit dem Versprechen,

die Wunden des Landes zu heilen.

Wieder einmal steht an der Spitze

ein Hoffnungsträger für ein besseres Amerika.

Amerika ist ein Freund für alle, die Frieden und Würde suchen.

Wir sind bereit, wieder zu führen.

* Jubel *

Da war ein bisschen wieder von diesem amerikanischen Funken,

dem Kennedy-Funken.

Das hat etwas Leitsternhaftes. Dieses Land kann man mögen.

Es ist nicht nur groß und furchterregend und diabolisch.

Es hat wieder etwas strahlendes gehabt unter Obama.

Und er erntet Vorschusslorbeeren.

Nur wenige Monate nach Amtsantritt erhält Obama den Friedensnobelpreis.

Für seine Verdienste um die "internationale Zusammenarbeit".

"Wandel" lautet Obamas Leitmotiv.

Auch in der Militärstrategie.

Der Großteil der US-Truppen wird aus Afghanistan und dem Irak abgezogen.

Und es gelingt ein Triumph im Terrorkrieg.

Ein Tag der Vergeltung und Genugtuung für die Amerikaner.

Zehn Jahre nach 9/11.

Die USA stimmen dem Pariser Klima-Abkommen zu.

Auch sie spüren die globalen Veränderungen

von Kalifornien bis Alaska.

We're done.

Obamas Krankenversicherung

soll die Kluft zwischen Arm und Reich verringern.

Und die medizinische Grund-Versorgung für jedermann ermöglichen.

Das alte Bild der USA als Schutzmacht und Vorbild des Westens

im neuen Glanz.

50 Jahre nach Kennedy feiern die Berliner wieder einen US-Präsidenten.

Ich ziehe jetzt mein Jackett aus, und ihr könnt das auch gerne tun.

Wir sind hier schließlich unter Freunden.

Das war eine Sprache natürlich, in der sich Europäer abgeholt fühlten.

Weil es zum eigenen Selbstverständnis

der Europäer passte.

Alles zusammen, alles in Absprache, nur gemeinsam

und im Zweifel Friedenspolitik.

Das war das, wozu sich Barack Obama verschrieben hat.

Aber in vielerlei Hinsicht

ist er diesen Zielen einfach zu viele Schritte zurückgewichen.

Seine Verheißungen des "Wandels" stoßen an Grenzen.

Der Antiterrorkrieg wird weiter geführt, nur mit anderen Mitteln.

Die Realpolitik Obamas zeigt sich auch daran,

dass er "boots on the ground" zurückgezogen hat.

Soldaten heimgeholt hat.

Das Ganze wird jetzt durch Drohnen kontrolliert,

durch moderne Technologie.

Bald wohl auch mit vollautomatischen Waffen, sogenannten Robotern.

Das ist die Neue Welt, in die uns auch Friedensnobelpreisträger

Barack Obama geführt hat.

Die globale Finanz- und Bankenkrise nimmt ihren Ursprung in den USA.

Dort erreicht sie 2008 ihren Höhepunkt

durch die Pleite der Lehman-Bank.

Der Wirtschaftsgigant gerät ins Wanken.

Einstigen Industrie-Hochburgen wie Detroit droht der Verfall.

Millionen Arbeiter verlieren ihren Job.

Die Kluft zwischen Arm und Reich wird immer tiefer.

Wenn man einen Moment sich aussuchen müsste,

wo das amerikanische Wertekorsett anfängt, sich aufzulösen,

dann ist es sicherlich um diese Zeit.

Da fing es wirklich an, dieser Gerechtigkeitssinn.

Der natürlich eingebaut ist in dieser Idee

vom Tellerwäscher zum Millionär.

Dieses Gerüst fiel zumindest ideell komplett zusammen.

Und an diesen Folgen, an diesen Spätfolgen

arbeitet sich Amerika innenpolitisch heutzutage immer noch ab.

Im Wahlkampf 2016 zeigt sich das Land zerrissener denn je.

Der Kandidat Donald Trump stilisiert sich zum Anwalt der Enttäuschten.

Meine Politik wird das amerikanische Volk und seine Sicherheit

über alles stellen.

Das muss ganz oben stehen.

Jede meiner Entscheidungen wird darauf beruhen.

Amtseinführung im Januar 2017.

An diesem Tag werden die Geister früherer Zeiten

wieder heraufbeschworen:

Amerika den Amerikanern.

Von heute an herrscht eine neue Vision in unserem Land.

Von heute an gilt nur noch eins:

America first! America first!

Es ist das andere Gesicht der Weltmacht USA.

Sofort beginnt er mit der Einlösung von Wahlversprechen.

Dazu zählt das Einreiseverbot

für Bürger aus sieben muslimischen Staaten als Anti-Terror-Maßnahme.

Der Zaun zwischen den USA und Mexiko

soll zur unüberwindbaren Mauer werden.

Um illegale Einwanderung zu verhindern.

Mehr als 3000 Kilometer lang.

America first ist natürlich auch eine Formel, die sagt:

Wir werden unser Geld und unsere Ressourcen wieder alleine bei uns,

oder jedenfalls zuerst bei uns und dann noch mal bei uns.

Dann erst kommen die anderen.

Der neue Kurs der USA stellt auch bewährte Allianzen infrage.

Das Militärbündnis NATO wurde unter Führung der USA 1949 gegründet.

Ziel war von Anfang an,

die Sicherheit der westlichen Partner zu garantieren.

Einerseits.

Die andere Aufgabe der NATO war es,

die liberale Weltordnung aufrechtzuerhalten.

Die liberalen und demokratischen Werte.

In gewisser Weise tun das die NATO und die EU heute noch.

Donald Trump aber

sieht darin überhaupt nicht die Aufgabe der NATO.

Er hält die NATO nur dann für ein sinnvolles Militärbündnis,

wenn es den USA in den Kram passt.

Und wenn die Bündnispartner Washington etwas dafür bieten.

Diese Länder sollen dafür bezahlen, dass wir sie verteidigen.

Ansonsten müssen wir ihnen das selbst überlassen.

Wir haben keine Wahl.

* Applaus *

Viele Präsidenten haben zuvor schon mal die NATO und ihre Verbündeten

in diese Richtung angezählt.

Aber jetzt wird es zum ersten Mal richtig ernst.

Da ist ein Tabu gebrochen worden.

Die Deutschen gehören seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs

zu den engsten Partnern der USA.

Das Schutzversprechen Washingtons galt praktisch uneingeschränkt.

Seit Trumps Amtsantritt herrscht ein anderer Ton.

Die Entfremdung nimmt mitunter groteske Züge an,

wie beim Besuch der Kanzlerin in Washington.

Was das Abgehörtwerden durch meinen Vorgänger angeht,

haben wir ja zumindest hier eine Gemeinsamkeit.

* Lachen *

Aus amerikanischer Sicht gehören wir zu den Trittbrettfahrern.

In sicherheitspolitischer Hinsicht,

aber auch in handelspolitischer Hinsicht.

Und Trittbrettfahrer sind für diejenigen,

die den Wagen schieben, etwas unangenehmes.

Von einem bayerischen Bierzelt aus macht die Kanzlerin ihrem Ärger

in ungewohnt deutlicher Sprache Luft.

Für ihre Verhältnisse ein Paukenschlag.

Und die Zeiten, in denen wir uns auf andere völlig verlassen konnten,

die sind ein Stück vorbei.

Das hab ich in den letzten Tagen erlebt.

Deshalb kann ich nur sagen:

Wir Europäer müssen unser Schicksal

wirklich in unsere eigene Hand nehmen.

Es sind Zeichen für einen epochalen Umbruch.

Die Einheit des Westens steht auf dem Spiel.

Europa muss sich darauf einstellen.

Vor allem er will eine rasche Antwort.

Frankreichs Präsident Macron hat einen Plan zur Stärkung der EU

auch gegenüber den USA.

Er will die Europäische Verteidigungsunion weiter entwickeln.

Zu mehr gemeinsamer Handelspolitik und Solidarität

bei den Finanzen kommen.

Aber Europa ist vielmehr mit sich selbst beschäftigt als in der Lage,

den USA Paroli zu bieten.

Wenn ich es etwas zuspitzen darf, hieß der Westen für die Deutschen:

Man sitzt auf der Couch, lässt die Amerikaner die Sachen machen.

Wenn etwas schiefgelaufen ist, kommentiert man das.

Und das Ende des Westens ist,

dass wir uns von der Couch erheben müssen.

Und selber diese Dinge tun müssen.

Und hinterher uns dann selber zu kommentieren haben.

Das ist zweifellos die unangenehmere Situation.

Mai 2018.

Der Präsident erfüllt ein weiteres Wahlversprechen.

Und stößt damit die Partner in Europa vor den Kopf.

Ich verkünde Ihnen heute,

dass die USA sich vom Atom-Abkommen mit dem Iran zurückziehen.

Die Europäer sollen bei den Sanktionen mitziehen.

Das ist eine interessante Kraftprobe, ob die Amerikaner

den europäischen Firmen ihre Geschäfte im Iran verbieten können.

Wenn die EU hier ernsthaft dagegen hält,

geraten wir in einen Rechtsstreit zwischen den USA und der EU.

Ein Handelskrieg mit der EU ist schon im Gange.

Die USA haben Stahl und Aluminium mit Strafzöllen belegt,

um ihre Industrien vor ausländischer Konkurrenz zu schützen.

Die Europäer erheben ihrerseits Vergeltungszölle.

Auf dem G7-Gipfel in Kanada

herrscht zunächst Hoffnung auf ein Entgegenkommen.

Doch der US-Präsident hält an seiner Linie fest.

Trump verlässt den Gipfel vor dem Ende.

Und widerspricht danach der gemeinsamen Abschlusserklärung.

Ein beispielloser Vorgang.

Führungsmacht des Westens bleibt man so nicht,

wenn man den Westen beschimpft und Bündnispartner verletzt.

Und überall ausstrahlt: Wir sind kein verlässlicher Partner mehr.

Wir führen euch in Handelskonflikte hinein.

Wir wollen mit euch nicht mehr ernsthaft kooperieren.

Das sagt er ja.

Im US-Kongress hält Trump die traditionelle Präsidenten-Ansprache

zur Lage der Nation.

Mister Speaker! The President of the United States!

Für Trump ist die Welt eine Arena, in der sich nur die Stärksten behaupten.

Rund um die Welt sind wir umgeben von Schurkenstaaten, Terroristen

und Rivalen wie China und Russland.

Die unsere Werte und Interessen herausfordern.

Bei solchen Gefahren ist Schwäche der sicherste Weg zum Konflikt.

Nur kompromisslose Stärke garantiert eine sichere Verteidigung.

Es lebe Russland!

Der Rivale Russland will gegenüber den USA aufholen

und alte Weltgeltung zurückgewinnen.

Mit der Annexion der Krim hat Präsident Putin

das aus der Sicht der eigenen Bevölkerung schon erreicht.

Doch gegenüber dem Westen hat sich Moskau dadurch isoliert.

Im Nahen Osten treffen die geopolitischen Interessen

der beiden Mächte aufeinander.

Ich habe heute einen Militärschlag gegen die Luftbasis in Syrien

befohlen, von wo der Angriff mit Chemiewaffen ausging.

Diese begrenzten Schläge ändern nichts daran,

dass der Einfluss Russlands in der Region inzwischen größer ist.

Im Konflikt mit Nordkorea zeichnet sich

nach einer drohenden Eskalation Entspannung ab.

Es begann mit dem Bau von Atomraketen,

mit deren Einsatz der Diktator Kim Jong Un selbst den USA drohte.

Nordkorea sollte die USA besser nicht mehr bedrohen.

Sonst werden wir das mit Feuer und Zorn beantworten,

wie es die Welt noch nicht gesehen hat.

Als Donald Trump Nordkorea mit Feuer und Zorn drohte,

hielten ihn viele Leute für total verrückt.

Und bekamen Angst vor einem Krieg.

Umso überraschender ist die Kehrtwende am 12. Juni 2018

in Singapur.

Es geht um Sicherheitsgarantien und Wirtschaftshilfe

im Gegenzug für nukleare Abrüstung.

Ein fantastisches Treffen, sehr positiv, besser als jemals erwartet.

Richtig spitze!

Was immer dabei herauskommt, zumindest sprechen sie darüber,

Nordkoreas Kernwaffen abzubauen.

Manchmal zeigt der aggressive,

herrische Auftritt tatsächlich Wirkung.

In Peking trifft der US-Präsident Chinas Machthaber Xi Jinping.

Den mächtigsten Rivalen in der Weltarena des Donald Trump.

Wenn es um Weltmacht geht, ist China der wirkliche Gegner für die USA.

Und stärker als Russland.

China hat eine wirkliche Strategie weltpolitisch,

die die USA im Moment nicht haben.

China weiß, was es will und setzt es durch.

Seit Jahrzehnten wächst Chinas Wirtschaft scheinbar unaufhaltsam,

ist Exportweltmeister, dringt in immer mehr Märkte.

Und investiert weltweit.

China will auch technologisch zur Weltspitze gehören.

Und hat auf manchen Feldern jetzt schon einen großen Vorsprung.

Militärisch will das Reich der Mitte zu den USA aufschließen

und demonstriert seine gewachsene Stärke.

Was auf uns zukommt, ist der Übergang von Macht und Wohlstand

von West nach Ost.

Die große Frage der nächsten Jahrzehnte wird sein:

Wie geht China damit um?

Wie kann China sich mit den USA arrangieren?

Oder sie vom Spitzenplatz verdrängen,

ohne dass es in Gewalt ausartet?

Gerät Amerikas Vormachtstellung an ihr Ende?

Kein Staat blieb jemals unbegrenzt die Nummer eins.

Wir bräuchten wirklich gute Gründe, um die USA als globale Supermacht

für die Ewigkeit zu sehen.

Ich kann daran einfach nicht glauben.

Heute, im Jahr 2018 hören wir wieder das alte Lied:

Dass die USA am Ende sind, dass ihr Präsident ein Schwachkopf ist.

Und die Zukunft einer asiatischen Macht gehört.

Und das wird sich wieder als falsch erweisen.

Die künftige Stellung der Vereinigten Staaten hängt nicht zuletzt davon ab,

ob sie ihren Weg allein oder mit ihren Verbündeten bestreiten wollen.

Untertitel im Auftrag des ZDF, 2018

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