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(Richter) "Der Angeklagte Menken wird freigesprochen."
(Frau) "Was hast du mit meinem Mädchen gemacht?"
Du Schwein, wo ist sie? - Hey, lass ihn los!
Freya, Sie waren damals bei den Vernehmungen mit Menken.
Glauben Sie, dass er es war? Ja.
Das ist ein schlechtes Zeichen.
Mh-mh, es gibt keine schlechten Zeichen.
Ich hab gesagt, dass ich so was nicht mehr mache.
Du hast es mir beigebracht, Damir.
Dass manchmal andere Gesetze gelten.
Du musst aufstehen, Mama. Es ist Zeit.
Sie hoffen immer noch, Marie kommt zurück.
Das müssen Sie vergessen.
Menken war Sandras Stiefvater.
Er hat sie mitgenommen in seine Kneipe
und sie mit Freunden vergewaltigt. * Schuss *
* dramatische Musik *
* ruhige Titelmusik *
Freya Becker
Henry Silowski
Jo Jacobi
* Fluglärm *
* entspannte Gitarrenmusik *
* langsamer Gesang auf Englisch *
* Er singt mit. *
* Er singt mit. *
* Martinshorn *
Jeder gute Polizist fragt den anderen guten Polizisten,
warum er Polizist geworden ist.
Das ist wie bei den Hunden, die sich am A...
... die sich den Hintern beschnüffeln.
Ich denke, es liegt daran, dass wir genau wissen müssen,
mit wem wir da rausgehen in diese verrückte Welt.
Bei mir war's meine Schwester.
Sie starb mit 18 Jahren an einer Überdosis Heroin.
Man fand sie in einem Koffer in einem Schließfach am Bahnhof Zoo.
Sie war so abgemagert, dass sie da problemlos reinpasste.
Na ja. Ich versuche immer, alles zu geben und noch ein Bisschen drauf.
Mehr verlange ich von Ihnen auch nicht. Auf gute Zusammenarbeit.
Wir treffen uns in einer halben Stunde hier
und gehen zuerst den Fall Menken durch.
Wer könnte eine Zusammenfassung vom Stand der Dinge machen?
Danke.
Sie sind Anne, nicht wahr? Genau.
* ruhige Klänge *
Henry Silowski.
Wie schön, Sie zu sehen.
Ganz meinerseits.
Wie lange ist das jetzt her?
Ziemlich genau elf Jahre.
Soll ich mich als Erstes mal darum kümmern,
dass Sie ein größeres Büro bekommen?
Bloß nicht. Ich liebe meine Höhle.
Ich freu mich, dass ich Sie dabeihabe.
Großkopf hat gesagt: "Wenn du nicht weiterweißt, frag einfach Freya."
Ich muss los, mein erster Fall. Dieser Menken.
Gibt's so was wie 'ne Kaffeemaschine?
Ja, in der Küche. Ich kann Ihnen einen machen.
Danke.
* Bürogeräusche im Hintergrund *
(Anne) Zum Alter konnte er nichts Genaues sagen,
auch nicht zum Kennzeichen.
Die Jogger haben Menkens Wagen um 8.30 Uhr bemerkt.
Die Fahrertür stand offen,
hinten im Kofferraum war ein panischer Hund eingesperrt.
Ich glaub's nicht: Freya macht Kaffee.
Die absolute Ausnahme. Zum Einstand von Henry Silowski.
Vielen Dank. Kommt nie wieder vor, versprochen.
(Anne) Neben Menkens Wagenspuren und denen der Jogger
gibt's weitere Reifenspuren - Marke "Silver Speed".
Dieselben auf einem zweiten Waldweg, der parallel zum Tatort verläuft.
Dort und am Tatort diverse Fußabdrücke.
Einer Größe 40, der andere Größe 46.
Wahrscheinlich Turnschuhe oder Laufschuhe.
Ist noch was?
Und Menkens Umfeld? Angehörige?
(Yanik) Nadine Krug, seine Freundin, eine Prostituierte.
Sie hat maßgeblich dazu beigetragen,
dass Menken im Sandra-Prozess freigesprochen wurde.
Sie ist angeblich die Letzte, die ihn gesehen hat.
Dann gibt es die Stiefschwester, Sabine Menken.
Die haben wir schon mit Großkopf vernommen.
Sie sagt, sie hat ihn seit drei Jahren nicht gesehen,
hat ihn nicht in der U-Haft besucht, war auch beim Prozess nicht dabei.
Was ist mit der Mutter von Sandra Berg?
Sie hatte nach dem Urteil einen Nervenzusammenbruch.
Sie liegt in der Charité.
Gut.
Fragen wir den Hund.
* U-Bahn-Lärm *
* bedrohliche Klänge *
Silowski ist seit heute da.
Er ist nett.
Und er ist ein guter Polizist.
* ruhige, düstere Klaviermusik, Kinderstimmen *
* Schritte *
* Türklopfen * Ich geh. Brauchen Sie noch was?
Nein, danke. Ich bin bedient.
Bis morgen. Bis morgen.
* ruhige, düstere Klaviermusik *
(Anne) Wie findest du ihn, unseren neuen Chef?
(Yanik) Dass du ihn gut findest, sieht man.
(Anne) Das ist keine Antwort. - Er sieht aus wie ein Metzger.
(Anne) Hm, stimmt. - Das gefällt dir, ne?
Ja, irgendwie schon.
Dir gefallen die Geschichten, die man sich über den erzählt.
Dass der im Suff seine Waffe zieht und Rockern ans Gemächt hält.
Das findest du klasse, was? So 'n richtig wilder Cop.
Nicht so 'n Langweiler wie ich.
Ich find das total süß, wenn du so eifersüchtig bist.
Ich bin nicht eifersüchtig. - Nee?
Mann, ey, Großkopf war unser Daddy.
Wir haben ihn geliebt und er hat uns geliebt, aber jetzt:
Jetzt haben wir den Metzger am Start und alles kriegt mehr Kante und Biss.
(verächtlich) "Fragen wir den Hund." Hahaha. Danke.
(Anne) Verstehst du nicht, he?
(Yanik) Nee, aber du wirst es mir sicher erklären.
(Anne) Ist dir bewusst, was wir für einen Aufwand betreiben?
Akten lesen, DNA-Abgleich, Zeugen befragen,
Vernehmungen, Forensik, Ballistik psychologische Gutachten, bla.
(Yanik) Ja, und?
Alles, um auf denselben Stand zu kommen wie dieser Köter?
Wir können angeblich alles aufklären,
aber nicht mit dem Hund reden, der alles weiß.
Hey, was du immer so vor dich hin quatschst, ehrlich.
Siehst du, hab ich doch gesagt.
Silowski, Kripo Berlin. Wir hatten telefoniert.
(Berlinerisch) Tag, Beller.
Sie wollten da noch mal rein? Ja.
Da war niemand mehr drin seitdem. Will auch niemand.
Ich krieg das nicht vermietet. Und warum wollen Sie da jetzt rein?
Wegen diesem Menken, der jetzt plötzlich verschwunden ist?
Das muss man sich mal überlegen, ja? Diese ganze Kohle für den Prozess.
Was das alles so gekostet hat.
Das hätte man sich ja glatt sparen können.
So ist das eben, wenn man so jemanden nicht ordentlich verurteilt,
dann kümmert sich eben jemand anderer drum, wa?
Hier ist das Zimmer, wo sie die Kleine ...
Könnten Sie mich 'nen Moment allein lassen?
Bitte, wie Sie wollen.
* Türknarren *
* düstere Klänge *
Morgen. Guten Morgen.
Haben Sie 'ne Minute? Ja, natürlich.
Ach, führen Sie mich bloß nicht in Versuchung.
Ich war gerade im Karo.
Die Kneipe, vor der Sandra Berg das letzte Mal gesehen wurde.
Wie ich dadrin stand
musste ich plötzlich an den Rattenfänger von Falkenberg denken.
Erinnern Sie sich an den Fall?
Ja, natürlich.
Der Kiosk, in dem der immer war,
der hatte auch so 'n Hinterzimmer.
Ich würde mir den Fall gern noch mal ansehen.
Und alle ungeklärten Fälle, so ab 2000.
Könnten Sie mir das bitte zusammenstellen?
Bis wann? Sobald Sie Zeit haben.
Danke.
(Yanik) Hier ist Wasser. * Bellen *
(Frau) Danke. - Wie heißt er denn?
(Frau) Otto. - Otto. Hallo, Otto.
Das ist Nadine Krug.
Henry Silowski. Danke, dass Sie kommen konnten.
Tut mir leid, ich musste den Hund mitnehmen.
Ich hab den erst ausm Tierheim. Er ist völlig fertig, traumatisiert.
Das macht gar nichts. Ein Hund hat mir mal das Leben gerettet.
Seitdem sind alle meine Freunde, hm?
Na dann. * leises Kläffen *
(Krug) Schön bleiben. Sei brav. Guter Hund.
Frau Krug, setzen Sie sich doch. - Ja.
Stört es, wenn ich das aufzeichne? - Nein.
Vernehmung Nadine Krug.
Wann haben Sie Thilo Menken zuletzt gesehen?
Ich hab ihn in seiner Datsche besucht,
ungefähr eine Woche bevor das passiert ist.
Worum ging's bei Ihrem Besuch?
Wir wollten eigentlich zusammen nach Mallorca, wenn er raus ist.
Ich habe ihm gesagt, dass ich nicht mitkomme.
Warum nicht?
War halt so. Wollt nicht mehr mit dem weg.
Waren Sie alleine da? - Ja.
Die Nachbarn der Kleingartenkolonie sagen aus,
am 24. Mai einen Streit gehört zu haben.
Nachts, draußen auf der Straße,
zwischen Ihnen, Herrn Menken und einem Mann.
Ah ja, stimmt.
Ja, ich hab 'nen Bekannten mitgenommen.
Ich hatte Angst vor Thilo, dass er ausrastet.
Wie heißt Ihr Bekannter? - Drescher. Klaus Drescher.
Ist das Ihr neuer Freund?
Nein, ich hab den nur mitgenommen.
Laut Nachbarn habe Menken immer wieder geschrien:
"Ich mach dich fertig! Ich lass dich hochgehen!" Was meint er?
Keine Ahnung, er war sauer. Das ist alles.
Sie haben ihn regelmäßig in der U-Haft besucht,
Sie waren an jedem Prozesstag dabei.
Dann kam er raus, und Sie wollten nichts mehr von ihm wissen? Warum?
Ich hatte keine Lust mehr.
Keinen Bock auf sein dummes, selbstmitleidiges Gequatsche.
Ich bin nicht seine Krankenschwester! * Tür *
Oh, Entschuldigung ... * Knurren *
* Bellen * (Nadine) Otto!
Otto! Otto, spinnst du?
Bleib da!
Otto, bleib da. Aus! Bleibst du hier!
Ruhig, ruhig, ruhig, Otto.
Komm her, komm her. Ganz ruhig.
Komm mit, komm. Komm mit.
Komm. * Otto winselt. *
* Schritte, Türklopfen *
Ist alles in Ordnung?
* sanfte Klänge *
Ja. Es geht schon wieder.
Das ist Menkens Hund. Der ist einfach nur panisch.
Ja.
Sascha!
Hallo, Sascha. Hallo.
Mama hat erzählt, dass du zurück bist.
* Hupen *
Ja, ich dachte
vielleicht sehen wir uns mal.
Wozu?
Einfach so. Mal reden.
Haben wir die letzten Jahre auch nicht.
Du, ich muss los.
Ciao.
* fröhliches Kinderlachen *
* Er knallt die Tür zu. *
* melancholische Musik *
* langsame, spannende Musik *
Na?
Hallo, Damir. Was gibt's?
Wir haben einen neuen Chef.
Er will, dass ich ihm die un- geklärten Mordfälle zusammenstelle,
ab 2000.
Was willst du jetzt von mir hören?
Ich kann's rauszögern. Vielleicht vergisst er's wieder.
Er wird nichts finden. Ferid haben sie gefunden.
Das ist lange her. Ist nichts passiert.
Ich hab gehört, dass Murat demnächst rauskommt.
Frühzeitige Haftentlassung wegen guter Führung.
Wann? Das krieg ich noch raus.
Ich muss los.
Pass auf dich auf, ja?
Und auf deinen neuen Chef auch.
* Donnern *
* Männerstimmen *
(Mann 1) Gewitter, Mann! - (Mann 2) Was, Gewitter?
Scheißsatellitenanlage in der Jungendherberge hier!
* bedrückende, trommelnde Klänge *
* düstere Violinenklänge *
* verzerrte Klänge *
* verzweifelte Musik *
Murat kommt raus.
Jetzt ist es bald so weit.
* Sie atmet schwer. *
* Ampelfreigabesignal *
(Yanik) Klaus Drescher, Lkw-Fahrer. 'n Kumpel von Menken.
Menken hat Drescher in der U-Haft beauftragt, nach Nadine zu sehen.
Laut Dreschers Umfeld beginnen sie ein Verhältnis,
von dem Menken nichts wusste.
Wahrscheinlich bis Drescher und Nadine abends bei ihm waren.
Es kommt zum Streit, Menken droht Nadine,
er hat was gegen sie in der Hand, will sie hochgehen lassen.
Menken erpresst sie und Drescher erledigt das Problem?
Sonst noch was?
Na gut, nehmen wir mal an,
Nadine Krug hat Drescher dazu angestiftet, Menken umzubringen.
Aber warum ausgerechnet jetzt?
Sie entlastet ihn mit ihrer Aussage, sie bezahlt seinen Anwalt,
sie besucht ihn alle 14 Tage in der U-Haft.
Wenn sie ihn nicht entlastet hätte, wär sie ihn auch losgeworden.
Das wäre wesentlich einfacher gewesen.
Was, wenn der Täter nicht aus Menkens Umfeld stammt?
Wenn er ihn nicht persönlich kannte?
Jemand mit 'ner Mission?
Jemand, dem das Urteil in Sandras Prozess nicht passt?
Was meinen Sie mit "Mission"?
Ist nur so 'ne Idee.
Muss selber noch mal drüber nachdenken.
Oder den Hund fragen.
* angespannte Musik *
* Ächzen, Schnaufen *
* ängstliche, schmerzerfüllte Laute *
* Wasserhahn tropft. *
"Was habt ihr mit ihr gemacht?"
* schmerzerfüllte Laute *
* ansteigender Piepton *
* Sie stöhnt auf. *
Freya?
Freya, was ist los? Alles okay?
Du hast Nasenbluten.
Soll ich 'nen Arzt rufen?
Mir ist nur schwindelig geworden, das passiert manchmal.
Ist schon wieder gut.
Ich bring dich ins Büro. Nein, nein, nein, ist schon ...
Ist alles wieder gut. Es geht schon, wirklich.
Danke, stimmt so.
(Mann) Hallo, guten Abend. - Hallo.
Ich bin Paulina. - Freut mich.
Ich bin Achim.
(Achim) Hier. - Danke.
Sollen wir reingehen? - Ja.
(Achim) Ist alles gut? - Ja.
Bitte.
* chinesische Zupfinstrument-Musik *
(Achim) 'n Abend. Darf ich?
(Kellner) Guten Abend.
Geben Sie mir einen Moment? - Gern.
* Sie atmet hörbar aus. *
(Achim) Alles gut? - (Paulina) Ja.
So, die Karte schon mal. Danke.
Darf ich Ihnen schon einen Aperitif anbieten?
Auf jeden Fall. Wir nehmen doch ein Glas Champagner, oder?
Oh ja, sehr gern.
Gut. Zwei Glas Champagner, bitte. Kommt sofort, sehr gern.
Zwei Champagner, bitte.
Paulina. Das ist ein schöner Name.
Erzählen Sie was von sich.
Was wollen Sie wissen? - Alles.
Kleine Zusammenfassung, was Ihnen einfällt.
Ich komme aus Fulda.
Ich hab zwei ältere Schwestern.
Die sind beide verheiratet, haben Kinder.
Ich bin das Nesthäkchen.
Mein Vater hat ein Autohaus und meine Mutter einen Dessousladen.
* Achim lacht. *
* schwermütige Musik *
* getragene Musik *
Hallo, Elisabetta.
Guten Abend, Herr Jacobi.
Was ist denn passiert?
Tabea wollte nicht ins Bett, sie wollte auf Sie warten.
Mhm, hat sie was gegessen?
Ja, aber nicht viel.
Wo ist meine Frau?
Sie ist oben in ihrem Zimmer. Sie ist heute nicht aufgestanden.
Es tut mir wirklich sehr leid. Nicht Ihre Schuld. Danke.
Ich geh dann jetzt.
Ja, schönen Abend. Für Sie auch.
Hallo, Spatz. (verschlafen) Hallo, Papa.
Komm mal her, Maus. Wir gehen mal hoch.
Dann gehen wir mal ins Bett, ne?
Komm her. (zu Elisabetta) Tschüss!
* Tür fällt ins Schloss. *
Hey.
Hey.
Was denn los?
Hm?
Was denn los?
Ich hab die Rolle nicht bekommen.
Das tut mir leid.
Warum?
Weil ich hinke, Jo. Weil das niemand sehen will.
Wenn du mir weiterhin die Schuld dafür gibst, ändert sich nichts.
Ich hab die Kette gefunden.
Sie war in meiner Sporttasche.
Du hast mir eine neue Kette gekauft, damit ich die Klappe halte.
Damit du dich nicht weiter kümmern musst.
Jasmin, ich kümmer mich die ganze Zeit.
Ich kümmer mich die ganze Scheißzeit, ja?
Ich kümmer mich um deine Launen, um Tabea, um das Geld.
Und diese Scheißkette hab ich dir gekauft,
damit du gut bist in diesem Scheißcasting.
Es war fake!
War nicht echt! Du bist nicht echt!
Du mogelst dich so durch!
Jetzt geh, bitte.
Geh!
Bis morgen.
* Martinshorn *
(Männerstimmen) Kommt, schneller Jungs!
Gib ab! - Komm, hier, zu mir!
Ja! Geil! * Applaus *
Los, schneller, schneller!
Weiter rechts. Weiter rechts!
Hier, Murat! Hier!
Pass doch auf!
* Sie rufen durcheinander. *
Komm gleich, Jungs.
* Männer reden durcheinander. *
* Türbuzzer *
(Mann) Hey!
* Sie klopfen sich herzlich auf den Rücken *
Das ist das letzte Mal, dass wir uns hier sehen.
Aber ich küss dich erst, wenn ich draußen bin.
Hast du den Anzug bekommen? - Perfekt ausgesucht.
Ich soll dich von der Familie grüßen. - Danke.
Sie wollen wissen, wo du feiern willst.
"Jules und Jim".
Hast du mit Nedim gesprochen? - Hab ich.
Das mit der Wohnung geht klar. - Gut.
Der kümmert sich. - Okay.
Und was deinen Bekannten betrifft:
Er hat jetzt 'n gut gehendes Restaurant in Mitte, das Jozo.
(Mann) Verheiratet, eine Tochter, bürgerliches Leben.
Kein Kontakt ins Milieu.
Der einzige Kontakt zu früher ist der zu Dani Richter.
Die hat seit einem Jahr 'ne Escortagentur, Jacobi ist Teilhaber.
Und die Schwester? - Arbeitet noch bei der Polizei.
Lebt völlig zurückgezogen, kein neuer Partner.
Manchmal besucht sie Jasna Hellers Bar in Kreuzberg
oder ihren Bruder im Jozo. - Hm.
Was denkst du?
Da kommt nichts mehr.
Die haben abgeschlossen.
Gut. Gut.
"Hi, hier ist Marie. Ich bin nicht zu Hause,
freu mich aber über alle guten Nachrichten nach dem Piep."
* Piepton *
"Alles Gute zum Geburtstag, meine Marie."
"Ich küss dich. Mach's gut, wo immer du bist."
* betrübte Musik *
* beklemmende Musik *
"Ich weiß, dass ihr damit zu tun habt."
"Du und Murat, ihr habt damit zu tun!"
"Du musst mir sagen, wo Marie ist! Was habt ihr mit ihr gemacht?"
"Rede doch mit mir!"
(verzweifelt) "Ich bitte dich, sag es mir!"
* Freya schluchzt. *
* verängstigte Laute *
* Telefon *
Ja? "Ich bin's."
Jo, was ist los?
"Die Mutter ist tot."
"Sie hatte 'nen Herzinfarkt und ist die Stiege runtergefallen."
"Sie war sofort tot."
Das ist ein schöner Tod.
Ach, Anne, kommen Sie rein.
Setzen Sie sich, dauert nur zwei Minuten.
Sagt Ihnen "Der Rattenfänger von Falkenberg" etwas?
Irgendwas mit 'nem Pädophilen aus Lichtenberg?
Ja. Hagen Belitzky, Frührentner.
Wohnte in einem der Hochhäuser am Falkenberg-Park.
Er verbrachte seine Zeit an einem Kiosk dort.
Er lockte die Jugendlichen an, spendierte Bier und Zigaretten,
lud sie zu sich nach Hause ein, machte Fotos von ihnen,
angeblich kam es auch zu sexuellen Handlungen.
Ein elfjähriges Mädchen verschwand damals,
spurlos, und nie wieder aufgetaucht.
Man konnte ihm nichts nachweisen, hat ihn aus der U-Haft entlassen,
und zwei Wochen später ist er verschwunden.
Im Hof bei den Mülltonnen hat man jede Menge Blut von ihm gefunden,
aber nie seine Leiche.
Ähnlich wie bei Menken.
Das meinten sie mit "Mission"?
Also, wir haben jeweils ein vermisstes Mädchen
und jeweils einen angeblichen Sexualtäter,
der entweder Freispruch oder nur eine geringe Haftstrafe bekommt
und spurlos verschwindet.
Ich hätte gern, dass Sie die ungeklärten Fälle durchsehen.
Ob Sie ein ähnliches Muster finden.
Warum kann Yanik das nicht machen?
Sie haben mehr Biss.
Das stimmt allerdings.
* ruhige, spannende Musik *
Waren Sie mal verheiratet?
Zehn Jahre. Mit 'ner Russin. War 'ne ziemliche Katastrophe.
Warum?
Ich war ein Arschloch und hab gesoffen,
sie 'ne blöde Kuh und hat sich 'nen Liebhaber genommen.
Sehr originell. Stimmt.
Und Sie? Mh.
Ich bin mit drei Brüdern aufgewachsen.
Mein Bedarf an Zusammenleben mit Männern ist erst mal gedeckt.
Aber ansonsten gilt:
gesellige Einzelgängerin auf der Suche nach gelegentlicher Begleitung.
Verstehe.
Warum sind Sie zur Polizei?
Ich wollte unbedingt verstehen, warum jemand jemand anderen umbringt.
Das versteh ich.
Woher kennen Sie eigentlich Freya?
Ich war dabei, als sich ihr Mann erschossen hat.
War auch ein Polizist.
Hab ich gehört.
Warum hat er das gemacht?
Ihre Tochter Marie
wollte in einem Prozess gegen Murat Nadarevic aussagen.
Sie war im Zeugenschutz, ist weggelaufen zurück nach Berlin.
Seitdem ist sie verschwunden.
Niemand weiß, warum oder was genau passiert ist.
Und Freyas Mann, der hat das nicht verkraftet.
Wie lange ist das her? Elf Jahre.
Und man hat nie mehr was von Marie gehört?
Das ist furchtbar.
Ich muss da lang. Ich da lang.
Was ist, kommst du noch mit?
Ich weiß nicht, ob das 'ne gute Idee ist.
Das werden wir ja sehen.
Ich würde wirklich sehr gerne mit dir mitkommen,
das kannst du mir glauben.
Aber das ist vorbei.
Ich bin ein alter Sack, der Wasser trinkt,
du bist 'ne tolle junge Frau.
Wir werden sehr gut zusammenarbeiten, sonst nichts.
* melancholische Klänge *
* melancholische Gitarrenmusik *
Danke. (Taxifahrer) Vielen Dank.
Wir hätten öfter kommen sollen.
Ich halt das hier nicht aus. Lass uns im Gasthaus schlafen.
* Kirchenglocken *
* Blasmusik *
* Kirchenglocken *
(Bayrisch) Lasst uns beten, wie der Herr uns zu beten gelehrt hat.
(Gemeinde) Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name,
dein Reich komme, dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute
und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.
* Gelächter, Unterhaltungen *
Der Essensraum, der große Raum vorne.
Dann hast du hier die Küche.
(Bayrisch) Kochst du denn da selber? Ich? Bist deppert? Naa.
Schön war's.
Gibt's bei euch auch einen Schweinsbraten?
Nein, wir machen Fusion.
Fusion, was ist denn das?
Fusion ist, äh ...
(Bayrisch) Letzten Winter, da hat sie sich Flüchtlinge
aus dem Flüchtlingsheim in Regensburg besorgt, fürs Holz.
Die sind dann alle wieder weg. Der Amadou ist dageblieben.
Er hat bei ihr aufm Hof gelebt? Ja, freilich.
Die waren unzertrennlich.
Sie ist mit dem Bus nach Regensburg gefahren
und hat sich ein französisches Wörterbuch gekauft.
Sie hat ihm Deutsch beigebracht und er ihr Französisch.
Französisch, das musst du dir mal vorstellen.
Das hat sie mir nie erzählt.
Sie ist nicht mehr in die Kirche oder ins Wirtshaus.
(Bayerisch) Sie ist mit ihm in den Wald gegangen in der Nacht.
Und da haben sie ein Huhn geschlachtet.
Was? Ja mei, Voodoo halt.
Geh, hör doch auf mit dem Schmarrn!
Sie hat ihm sicher den Hof vermacht. Der wusste schon, warum er bleibt.
Jetzt bist du aber stad!
Und du?
Hast du 'nen Mann da oben in Berlin?
Geh, Resi, das ist lang vorbei. Hm.
Das ist nie vorbei.
An irgendjemanden wirst du schon denken, oder?
Ja, vielleicht.
Siehst du, sag ich doch.
* sanfte Klänge *
* Metallklappern *
Fertig?
Nein, die anderen sind noch im Wirtshaus.
Was werden Sie jetzt machen?
Der Mittermaier kauft Hof. Vielleicht er kauft auch mich.
Wie ging es der Mutter in den letzten Tagen?
Hat sie wieder getrunken? Ist verboten.
Warum hat sie nie angerufen?
Wollte nicht.
Sie war viel sauer.
Mit Gott, ihrem Mann.
Die schlechten Geister waren hier.
Unter diesem Dach.
Aber ich hab alle weggemacht.
Alle weg.
Komm.
Ich gebe dir was.
Meine Mama.
Von Josefa.
* sanfte Klänge *
(Josefa, bayrisch) "Liebe Freya.
Den Hof kauft der Mittermaier, mir soll's recht sein.
Der Notar Zimmer in Regensburg weiß Bescheid.
Von dem Erlös kriegt der Amadou 30.000 und du 60.000.
Den Rest spende ich dem Flüchtlingsheim Regensburg.
Der Jo soll sich was aussuchen, Geld hat er ja genug.
Ich hab nicht mehr so geglaubt an unseren Herrgott zum Schluss.
Aber wenn's doch einen Gott gibt oder halt so was Ähnliches,
dann war der Amadou sein Geschenk, und ich bin unendlich dankbar dafür.
Er hat die Geister vertrieben und es waren schöne Tage mit ihm.
Bitte gib Acht, dass der Amadou das Geld bekommt.
Wir zwei haben ja nie viel geredet.
Das ist schade, das weiß ich jetzt.
Freya, wenn sie mich beerdigt haben, musst du die Marie beerdigen.
Versprich mir das.
Sie kommt nicht mehr. Lass die Toten ruhen.
Pass auf dich auf und auf den Jo, so wie du es eh immer gemacht hast.
Du bist die Stärkere. Deine Mutter."
(Josefa) "Hast du wieder gesoffen, Arschloch!"
(Vater) "Sag mal, wie redest du mit mir, he?"
* Babyschreie, Schläge *
* Poltern, Babyschreie *
(Josefa) Du besoffene Sau! - (Vater) Hörst du jetzt auf!
* Josefa schreit. *
(Josefa verzweifelt) Lass mich los!
Lauf! Freya, lauf!
* dramatische Musik *
* Babyschreie *
* Regenschauer *
* verzweifelte Klänge *
Ist von der Mutter?
Ja.
Was schreibt sie?
Dass ich mich um dich kümmern soll.
Untertitel im Auftrag des ZDF, 2018
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