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* Fr�hliches Pfeifen *
(Hans Albers) Doktor? (Heinz R�hmann) Ja?
(Albers) Vermissen Sie nichts?
(R�hmann) Nein, ich habe alles.
(Albers) So? Dann denken Sie mal nach.
(R�hmann) Bin wunschlos gl�cklich. Sch�ner kann es gar nicht sein.
(Albers) Dann ist es gut!
* Jawohl meine Herrn / Albers/R�hmann *
# Jawoll, meine Herr'n,
so hab'n wir es gern,
denn von heut' an geh�rt uns die Welt.
Jawoll, meine Herr'n,
die Sorgen sind fern,
wir tun, was uns gef�llt.
Und wer uns st�rt, ist eh' er's noch begreift,
l�ngst von uns schon eingeseift.
Jawoll, meine Herr'n,
darauf k�nn'n Sie schw�r'n.
Jawoll, Jawoll, Jawoll! #
* Melancholische Intromelodie *
(Off) Deutschland, Mitte der 30er Jahre.
Auf den ersten Blick ein friedliches Land.
Meine Mutter wurde in dieser Zeit geboren.
Mein Vater hat in ihr seine Kindheit verbracht.
Hitlers Herrschaft hatte sich stabilisiert.
Die Auswirkungen der Wirtschafts- krise waren unsichtbar geworden.
Die Arbeitslosen waren von der Stra�e verschwunden.
Die Feinde des Regimes waren zum Schweigen gebracht.
Oder vertrieben. Oder verhaftet. Oder bereits ermordet.
Juden waren die S�ndenb�cke.
Vogelfrei zur Vernichtung.
Die meisten der �briggeblieben Deutschen
hatten sich mit dem Regime arrangiert.
Wenn sie nicht gleich Hitlers Anh�nger waren.
Zus�tzliche Ablenkung bot das Kino.
Das Kino der Nazi-Zeit war Fantasy und Traumfabrik.
Es wollte und sollte ein zweites Hollywood werden -
Hitlers Hollywood.
(Offizier) Stillgestanden!
(Off) Das Nazi-Kino war theatralisch, illusionistisch.
Es war monumental - es wollte um jeden Preis gro� sein.
Es war Gef�hl und Spektakel,
etwas f�rs Herz und etwas f�rs Auge.
Es war fast immer ambivalent.
Auch sie arbeitete zuerst in Deutschland.
Wir kennen diese Filme zu wenig.
Aber es gibt keinen Grund, wegzusehen.
Die Filme sind besser als ihr Ruf.
Gar nicht so wenige lohnen den zweiten Blick.
Einen Blick, der sich auf Details richtet,
der von den Botschaften der Oberfl�che absieht,
ohne sie zu verdr�ngen.
Manche wissen mehr und zeigen viel mehr,
als sie selbst wahrhaben wollen.
Die Besten von ihnen analysieren sich selber,
verraten uns etwas �ber sich hinaus.
Wovon erz�hlen diese Filme, was enth�llen sie?
Was verbergen sie?
Das Nazi-Kino war gro�e Show.
Es hob ab, war Spektakel.
Fast ist es manchmal,
als sei alles ein einziger gro�er Film gewesen.
All dies ist Teil von unser aller Ged�chtnis.
All das lebt weiter in unserem Unbewussten.
Was wei� das Kino, was wir nicht wissen?
Schauen wir es uns an...
Nur drei Tage nach der "Machtergreifung"
besuchte der neue Reichskanzler Adolf Hitler
eine Filmpremiere im Berliner Ufa-Palast am Zoo.
Gezeigt wird ein noch in der Republik gedrehter U-Boot-Film,
der den deutschen Kampf im Ersten Weltkrieg
zum heroischen Opfergang stilisiert
und einige zentrale Motive der NS-Propaganda vorweg nimmt:
Kameradschaft und Pflichterf�llung als oberstes Gebot,
das Soldaten-Kollektiv als sinnstiftende Einheit.
Und die unbedingte selbstm�rderische
Opferbereitschaft als Auftrag f�rs Weiterk�mpfen -
ein Film getr�nkt in mythische Todessehnsucht:
(Kadett) Unser Leben geh�rt ja nicht mehr uns.
Nicht mehr uns, B�hm.
Wir m�ssen fahren, solang wir noch einen Finger krumm machen k�nnen.
Wieder aufm Boot und wieder und wieder...
bis uns der liebe Gott beurlaubt, B�hm.
Schlaft gut, ihr Lieben.
(Off) Das Leben hat das Regime nie zu feiern gewusst.
Aber dem Kult des Todes
gewannen Hitler und die Seinen immer wieder neue,
spektakul�re Bilder ab:
in den Propagandaspektakeln des allj�hrlichen Toten-Gedenkens
an der M�nchner Feldherrenhalle und auf dem K�nigsplatz.
Im Hexensabbat -
der entmenschlichten Massenornamente der Parteifeiern.
Vor allem aber
im vom Fackelschein magisch illuminierten Dunkel der Nacht -
da f�hlten sie sich am wohlsten.
Und nicht zuletzt in ihren Filmen:
F�r Hitlers Regime
war Kino das Mittel der Kommunikation mit den Massen.
(Kristina S�derbaum) Ich wei�... wen ich liebte...
Lebwohl...
(Off) Wovon tr�umten diese Deutschen?
Das NS-Kino schien vom Tod fasziniert.
Auff�llig viele Filme ertrinken in Szenarien der Todessehnsucht.
(Carl Raddatz) Ich seh' dich nicht mehr.
Aels!
(Off) Immer wieder Todesreigen.
Vom "Sein zum Tode" schrieb ein faschistischer Philosoph.
In dieser glanzvollen Inszenierung des Todes
kam das Kino dem Regime am n�chsten.
Der Tod war immer ein gl�cklicher Tod im Nazi-Kino
und oft bis ins Absurde verkitscht.
* Musikalische Untermalung aus "Sein zum Tode" *
(Karl Ritter) Umsonst zu sterben lieb' ich nicht.
Doch lieb' ich zu fallen am Opferh�gel
f�r's Vaterland.
Zu bluten des Herzens Blut
f�r's Vaterland.
Und Siegesboten kommen herab:
Die Schlacht ist unser.
Lebe droben, oh Vaterland
und z�hle nicht die Toten.
Dir ist, Liebes,
nicht einer zu viel gefallen.
(Off) Was war das f�r ein Volk,
das die Dichter braucht, um t�ten und sterben zu k�nnen?
* Davon geht die Welt nicht unter / Zarah Leander *
# Davon geht die Welt nicht unter,
sieht man sie manchmal auch grau.
Einmal wird sie wieder bunter,
einmal wird sie wieder himmelblau. #
(Off) Wovon tr�umten diese Deutschen?
Offenkundig tr�umten sie auch von Idyllen,
von heiteren Familien,
unber�hrter Natur,
intakter Heimat.
Das NS-Kino schuf eine k�nstliche heile Welt:
Traditionalismus und Entertainment.
Das Markante am Nazi-Kino ist auch die v�llige Ironiefreiheit.
Daf�r eine immer etwas verkrampfte Fr�hlichkeit,
jenes deutsche Gel�chter, das die Welt bald zu f�rchten lernte.
Eine Zeit, in der in der R�ckschau nichts besonders lustig war,
erscheint uns in ihren Filmbildern als eine Periode fortw�hrender,
wenn auch etwas angestrengter Heiterkeit.
Die Schl�sselfigur der NS- Filmpolitik war Joseph Goebbels.
Der Propagandaminister.
"Schirmherr des deutschen Films".
Der oberste PR-Mann des totalit�ren Staates.
Er kontrollierte Rundfunk, Presse und jeden Bereich der Kunst.
Am wichtigsten war ihm das Kino.
Dies machte er sich pers�nlich untertan.
Das Dritte Reich w�re ohne Propaganda undenkbar gewesen.
Und Propaganda ohne Film.
Es gab keine Autorenfilmer mehr.
Wenn es im NS-Staat �berhaupt einen einzigen
echten Autorenfilmer gab, dann war es Goebbels selbst:
Er kontrollierte Drehb�cher, Besetzungslisten,
fertige Filme, das Casting.
Goebbels pr�gte dem Regime seinen eigenen Stil offensiv auf.
Gewisserma�en ist das ganze Dritte Reich Goebbels' Film,
Goebbels' Gesamtkunstwerk.
Goebbels sagte:
(Zitat Goebbels) Propaganda ist eine Kunst.
Die Propaganda hat nur ein Ziel.
Und zwar hei�t dieses Ziel immer: Eroberung der Masse.
Menschen f�r eine Idee zu gewinnen,
dass sie am Ende ihr verfallen sind
und nicht mehr davon loskommen.
(Off) Gleichschaltung -
das hie� zuerst einmal Berufsverbot und Vertreibung
von �ber 2000 Filmschaffenden aller Bereiche.
Viele verlie�en Deutschland.
Marlene Dietrich, die schon in Hollywood arbeitete,
zog endg�ltig weg.
Auch Fritz Lang verlie� Deutschland,
trotz aller Schmeicheleien des neuen Regimes.
Auch Georg Wilhelm Pabst ging. Doch er hatte Pech:
1939, die �berfahrt nach Amerika war bereits gebucht,
besuchte er mit franz�sischem Pass seine Mutter.
Da brach der Krieg aus. Pabst konnte nicht mehr zur�ck.
So musste er wieder in Deutschland drehen
und sich mit den Machthabern arrangieren.
Ergebnis dieser Gratwanderung war der Film "Paracelsus".
* Skurril-akzentuierte Streichinstrumente *
(Alter Mann) Wir sind wohl ins Tollhaus geraten. Kommt!
(Off) Was ist Propaganda?
Propaganda ist Verzauberung, nicht Zwang.
Ihr Ziel ist Gleichschaltung der Gesellschaft
und ihre Mobilisierung durch Massenwahn.
Pabst zeigt eine mittelalterliche Welt,
fernab der deutschen Gegenwart, dieser aber nicht un�hnlich.
Pabst zeigt totale Mobilmachung:
Eine Masse im gleichen Rhythmus, in Trance.
Gef�hrt von einem F�hrer,
mit dem sich die Masse f�r einen Augenblick
zu vereinigen scheint.
Ihr gegen�ber: ein Vertreter der Vernunft,
der sich in ein Tollhaus versetzt f�hlt,
der gegen den Wahn ebenso k�mpft, wie gegen Ideologen
und gegen den Tod.
(Zitat Kracauer) Propaganda ist totalit�r,
regressiv und nihilistisch.
Man bringt bedeutende Begriffe um den Rest ihrer Substanz,
schl�pft in die Geh�use und macht mit dem Schimmer Reklame.
Hinter dem Tumult der Propaganda taucht ein Totenkopf auf.
(Off) Seit 1933 war auch der Filmtheoretiker und Journalist
Siegfried Kracauer im Exil -
wie seine Freunde Adorno und Benjamin.
Dort schrieb Kracauer sein bahnbrechendes Geschichtsbuch
"Von Caligari zu Hitler" �ber das Kino der Weimarer Republik.
Daneben entstand auch eine gro�e, aber kaum bekannte Studie zur
"Totalit�ren Propaganda".
Nach Kracauer
ist das Kino ein Seismograph seiner Entstehungszeit,
ein Indikator f�r das kulturelle Unbewusste einer Epoche:
Filme "wissen etwas", das wir nicht wissen,
sie haben einen untergr�ndigen Gehalt, den man freilegen kann.
Wenn das stimmt - und wir glauben, dass es stimmt -,
was verr�t uns dann der NS-Film �ber das "Dritte Reich"
und seine Menschen?
Wie wirken diese Filme, ihre Mythen und Erz�hlungen,
ihre offenen L�gen und ihre versteckten Wahrheiten weiter
in der deutschen Filmgeschichte?
Was erz�hlt das deutsche Kino, was wir vergessen haben?
Der erste gegl�ckte, wenn auch noch �berdeutliche Propagandafilm
war "Hitlerjunge Quex".
Hans Steinhoffs Film erz�hlt von Quex,
einem Jungen aus dem Arbeitermilieu.
Sp�tzeit der Weimarer Republik:
Das Chaos der Bilder und der Musikanspielungen steht f�r
das Chaos einer Demokratie am Rande des B�rgerkriegs.
Musik spielt eine zentrale Rolle:
(Vater) Sing mal:
# V�lker h�rt die Signale...
Auf zum letzten...
Kannst du nicht singen, du?!
Das werd' ich dir beibringen, du:
V�lker h�rt...
(Quex) V�lker h�rt die...
(Vater) Die Signale! Auf zum letzten Gefecht!
(Quex) V�lker h�rt die Signale...
(Off) Der Film funktioniert wie ein Psychogramm des Faschismus:
die Not der kleinen Leute, die Schw�che der V�ter,
der Vater-Sohn-Konflikt,
in der sich der Film ganz auf die Seite der Jungen stellt:
(Vater) Sieh mal,
es passiert heute manches,
was du noch nicht so richtig kapierst.
Aber wir Proleten,
wir m�ssen uns unser Haut wehren.
Det is' es.
Und nun m�sst ihr Jungs uns eben helfen.
M�sst auch eben zu uns stehen, zu uns Alten.
Sonst schaffen wir das n�mlich nicht.
(Off) W�hrend ihm das wilde legere Leben
bei der kommunistischen Jugend suspekt ist,
f�hlt sich Quex von der Geborgenheit
der anderen Seite angezogen.
(M�dchen) Am Ende hast du nicht mal 'ne Freundin.
(Quex) Wozu denn?
* Gel�chter *
(M�dchen) Mensch. Hab dich doch nicht so!
(Off) Der Wald wird zum Ort der Initiation,
die Musik zu deren Mittel.
Und die Idee der Jugend ist sinnlich, erotisch aufgeladen,
Abenteuer und Geheimnis.
(Quex) Wo soll ich denn hin?
(Vater) Was 'ne Frage!
Zu deinem Vater nat�rlich, wo du hingeh�rst.
(HJ-Offizier) Das eben ist die Frage:
Wo geh�rt der Junge heute hin?
Sie, ich habe sehr gute Eltern gehabt.
Aber wie ich 15 war, da bin ich ausger�ckt.
Zu Tausenden sind die Jungens schon ausger�ckt.
(Vater) Das warn' eben Lausejungs.
(HJ-Offizier) Ah, Sie, Jungens sind etwas Wunderbares.
Jungens sind ein gro�es Geheimnis, zu allen Zeiten schon.
Sind zu den Pelzj�gern, zu den Zigeunern sind sie geflohen.
Immer hat sie eines Tags der gro�e Zug gepackt.
Wo geh�rt ein Junge hin?
(Off) Verf�hrung pur.
(M�dchen) Mach' doch auf!
(Off) Halt und Anerkennung findet Quex erst durch die HJ-Uniform.
(Quex) Ihr seid ja alle miteinander verr�ckt geworden.
(M�dchen) So, Heini!
(HJ-F�hnleinf�hrer) Da hast du einen Spiegel.
(Off) Doch sie wird t�dlich:
(Quex) Kolossal!
(Off) Ein guter Opfertod.
(Quex) Unsere Fahne flattert uns voran...
(Off) Kracauer schreibt �ber den Film:
(Zitat Kracauer) Eine deutliche Kritik an fr�heren, plumpen
und �bertriebenen Versuchen, den neuen Herren zu gefallen.
Die Kommunisten werden nicht als Gegner, sondern
als verf�hrte Volksgenossen pr�sentiert.
Am Ende scheinen die gespenstischen Marschs�ulen
der SA aus dem toten Heini aufzutauchen,
so als erlebte er in ihren Reihen seine Auferstehung.
* Marschgesang: "Unsere Fahne flattert uns voran" *
(Off) Auf die Politisierung der �sthetik
folgte die �sthetisierung der Politik.
Leni Riefenstahl -
ihr Dokumentarfilm vom N�rnberger Reichsparteitag,
eine pers�nliche Auftragsarbeit Hitlers,
wurde das Paradebeispiel der Film-Propaganda.
Geschickte Aufmerksamkeitschoreographie
zun�chst als Popkonzert:
Hitler ist der Star einer zur Mis-en-scene gewordenen Politik -
nur von hinten.
Seine Wirkung ist vor allem in den Gesichtern der Fans abzulesen.
Und diese Wirkung wird von der Regisseurin offenkundig
auch noch erotisch aufgeladen.
Gesichter in Ekstase.
Models des Faschismus.
Wie von Arno Breker gemei�elt.
Dann, in einem zweiten Schritt,
macht der Film halb unbewusst deutlich,
dass es sich bei den NS-Polit-Schauspielen
auch um eine Form des Gottesdienstes handelte,
in dem der F�hrer in flehentlichem Beschw�rungston
zu seiner Gemeinde predigt.
(Hitler O-Ton) ...f�r ganz Deutschland steht.
Und wir m�chten nun, dass ihr,
deutsche Jungens und deutsche M�dchen,
in euch all das aufnehmt, was wir dereinst
uns von Deutschland erhoffen.
Wir wollen ein Volk sein,
und ihr, meine Jugend, sollt dieses Volk nun werden.
(Off) Schlie�lich der dritte Schritt:
die Gleichschaltung und Aufl�sung des Individuellen
in der Geometrie.
Musikalische Bilder, Kontrapunkte, Rhythmen.
�brig bleibt nur ein Einziger.
Kein Regime hat je so pomp�s sich zu feiern gewusst.
Noch hatten die Menschen Angst vor Chaos und Anarchie.
Dies war seine Antwort:
theatralisches Spektakel,
Feierlichkeit, Ritual, Erhabenheit.
Die Mechanik der Masse.
Und das, was Kracauer schon Jahre zuvor
als "Ornament der Masse" beschrieben hatte:
eine Chorus-Line.
Wie bald darauf die Revuefilme, f�hrt Riefenstahl Ordnung vor
und visualisiert Gleichschaltung.
Das Volk wurde ausgerichtet.
(Offizier) Spaten ab!
(Soldaten) Deutschland!
(Zitat Sontag) Geschichte wurde zum Theater.
Alles war auf die Bed�rfnisse der Kameras zugeschnitten.
In "Triumph des Willens"
ist das Bild nicht l�nger das Protokoll der Wirklichkeit.
Die Wirklichkeit wurde geschaffen,
um dem Bild zu dienen.
(Off) Ein Aufstand gegen die Moderne,
der sich modernster Mittel bediente.
Ein Bewegungsregime.
Die Ordnung mobilisierter Menschenquader,
einer st�ndigen, in Gleichschritt versetzten Bewegung.
Zuk�nftiges Kanonenfutter.
(Zitat Sontag) Wenn Riefenstahls Filme
noch immer wirken, so unter anderem deshalb,
weil die Sehns�chte, die in ihnen zum Ausdruck kommen,
nach wie vor gef�hlt werden,
weil ihr Inhalt ein romantisches Ideal ist,
zu dem sich nach wie vor viele hingezogen f�hlen:
den Glauben an den Guru und das Okkulte.
Die Verherrlichung der Gemeinschaft schlie�t
das Streben nach absoluter F�hrerschaft keineswegs aus.
(Off) Riefenstahls Olympiafilm propagierte ein K�rperideal,
das auch im Alltag Folgen zeitigte.
Ein ganzer Staat auf der Suche nach dem idealen Leib.
(Johannes Heesters) Beinahe h�tt' ich's vergessen.
(Marika R�kk) Was?
(Heesters) Woll'n wir hingehen?
(R�kk) Ein neuer Film?
(Off) �ber 1000 Filme wurden im Dritten Reich produziert.
�ber 500 davon waren Kom�dien und Musik-Filme.
Knapp 300 waren Melodramen.
Der Rest Abenteuer- und Detektivfilme.
Es gab Raum f�r Entdeckungen, es gab gut gemachte,
mitunter �sthetisch gro�artige, sch�ne Momente,
aber es gab keine Unschuld.
Viele Hundert Millionen Leute gingen ins Kino -
ein Ort der Weltflucht, trotzdem auch der Indoktrination.
Auch hier herrschte Kontrolle.
Eine Vorstellung sollte in der Regel komplett besucht werden.
Vor dem Spielfilm gab es den Kulturfilm
und die Wochenschauen,
die zunehmend vom Filmminister Goebbels
pers�nlich freigegeben wurden.
(Nachrichtensprecher) In Rom fand die 14. Internationale Sportwoche
ihren Abschluss.
Im Poloturnier siegte nach spannendem Kampf sehr �berlegen
Prinz Louis Alexander mit seiner Mannschaft.
Der Prinz empf�ngt aus der Hand seiner Verlobten,
der Prinzessin Irina, den Goldpokal.
(Off) Die Ufa -
sie war das gro�e deutsche Filmstudio.
Ihre Besitzer hatten Hitler zur Macht verholfen.
Gegr�ndet 1917 passte sich das Unternehmen schnell an
und bem�hte sich, f�r die neuen Verh�ltnisse
den richtigen Ton zu treffen.
1937 wurde die Ufa verstaatlicht.
Zunehmend wurden andere Filmfirmen aufgel�st
und 1942 ging alles in einem staatlichen Monopol-Konzern auf -
der "Ufa-Film".
Ein typisches Stilmittel: wild gewagte Blenden.
Zusammen mit traumhaften Mehrfach-�berblendungen
schufen sie eine grunds�tzlich irreale Atmosph�re,
in der alles relativ war.
Kaleidoskopische Bilder der Ambivalenz: Vexierbilder.
Durch Doppeldeutigkeiten werden die Grenzen verwischt,
werden unsichtbar - nicht nur die zwischen Traum und Wirklichkeit.
Das NS-Kino stellte seinen Illusionismus selber aus.
Hier wurde das Kino tats�chlich zur Traumfabrik.
* Melancholische Klaviermusik *
(Off) Das typischste Genre waren Revuefilme wie dieser.
"Tonfilm-Operetten" nannte man diese hybriden,
aber zeitgem��en Musical-Anverwandlungen.
Vergn�gliche Kapriolen wirklichkeitsfremder Menschen,
Opium f�r ein abgelenktes Volk.
Immer wieder Uniformit�t und Gleichschritt.
Die Revuefilme f�hren Ordnung vor
und visualisieren Gleichschaltung.
* Marika R�kk / In der Nacht ist der Mensch nicht gern alleine *
# In der Nacht ist der Mensch nicht gern alleine,
denn die Liebe im hellen Mondenscheine... #
(Off) Die Ungarin Marika R�kk -
wie so viele Stars des deutschen Films eine Ausl�nderin.
# ...einesteils und andererseits und au�erdem.
Denn der Mensch braucht ein kleines bisschen Liebe... #
(Off) Sie und ihre Filme, das war eine Welt f�r sich.
Roboterhaft und unverw�stlich - eine Gummifrau.
Im Dritten Reich drehte zwar jeder seine Pirouetten.
Aber keine drehte so viel wie die brummkreiselhafte Marika R�kk.
Wie viele Pirouetten hat die R�kk im Dritten Reich wohl gedreht?
Dem Publikum wurde schwindelig.
* Johannes Heesters *
# Man m�sste Klavier spielen k�nnen,
wer Klavier spielt, hat Gl�ck bei den Frauen... #
(Off) Der andere Revuestar:
Johannes Heesters - Holl�nder und Frauenschwarm.
Auch Historiendramen waren beliebt - gro�e Deutsche in Uniform.
Schlie�lich die Melodram:
Liebeskonflikte um kleinen Gender- Trouble und gro�en Verzicht.
Meist mit Frauen als Hauptfiguren.
Andere Genres schwelgten in exotistischen Phantasien -
wie dieses aufw�ndige Verfilmung des Karl-May-Romans
"Durch die W�ste".
(Araber) Ein Giaur! Ein Giaur!
(Off) Ein Deutscher, der im Orient f�r Ordnung sorgt -
ein germanischer "Lawrence von Arabien",
30 Jahre vor David Lean.
Sonstige Genres gab es kaum:
keine Horrorfilme, keine Fantasy.
Nicht deswegen, weil das Publikum damit nichts anfangen konnte,
sondern, weil es ihm zu nahe war.
Das Dritte Reich war selbst purer Horror, pure Fantasy.
Und in Deutschland durfte das Kino
noch nie allzu viel mit der Wirklichkeit zu tun haben.
Im totalen Staat ist auch die Propaganda total.
Dies war der einzige Science- Fiction-Film des Dritten Reichs:
"Gold", ein schwacher "Metropolis"-Abklatsch,
der eine merkw�rdig morbide Atmosph�re ausstrahlte.
Mit "Metropolis"-Star Brigitte Helm in der Hauptrolle.
Hier spricht sie sogar:
(Brigitte Helm) Unternehmen Sie hier nichts gegen meinen Vater.
Ich sag es nicht seinetwegen...
(Off) Und mit Hans Albers. Ihm war einfach alles erlaubt.
Blonde Haare, blaue Augen.
1891 geboren war Hans Albers ein Kinoheld.
Der Held schlechthin des deutschen Films, aber ein luftiger,
leichter, kaum je tragischer Held.
Einer der wenigen deutschen Stars mit Augenzwinkern,
wenn nicht Ironie.
(Hans Albers) # ...sch�n war's mit uns zweien.
Aber leider, aber leider... #
(Off) Ein Filou,
ein Anti-Nazi-Typus obwohl "germanisch".
So etwas wie der Sonnengott des deutschen Kinos.
Er am ehesten war im NS-Kino ein Action-Held.
K�rperlich,
mit Durchschlagskraft und einer vor ihm nie gekannten Frechheit,
mit der er die Autorit�ten attackierte,
brachte er einen fast amerikanischen Schwung
und den Ton der Stra�e auf die Leinw�nde.
Ein Abenteurer.
Und ein Mythos schon zu Lebzeiten.
* Frauen kreischen und jubeln *
(Off) Hitlers Hollywood war kein Autoren-Kino, es war Star-Kino.
Hier funktionierte die deutsche Traumfabrik.
Auffallend viele von ihnen kamen aus dem Ausland.
Das Ausland lieferte den so dringend begehrten Glamour,
internationalen und mitunter exotischen Touch -
auch darin Hollywood nicht un�hnlich.
Schauspieler im Dritten Reich geh�rten zu den
bestbezahlten Berufsgruppen.
Ihre Gagen lagen pro Film
im hohen f�nfstelligen Bereich.
Hinzu kam, dass ab 1938 auf pers�nliche Anordnung Hitlers
40 Prozent der Einnahmen
als Werbungskosten abgesetzt werden konnten.
Die Gegenleistung war klar.
Das Kino war ein Teil vom Staat als Gesamtkunstwerk.
Trotzdem war der Abgang der Emigranten schwer zu verkraften.
Goebbels suchte eine neue Garbo.
Schwedinnen waren "in":
Kristina S�derbaum,
Zarah Leander
und Ingrid Bergman.
23-j�hrig, war dies ihr einziges Gastspiel im Dritten Reich:
"Die 4 Gesellen" ist einer
der interessantesten Filme dieser Epoche.
Berlin-Bilder im Stil der neuen Sachlichkeit.
Capriccios der Gro�stadt.
(Ingrid Bergmann) Gesch�ftsinteresse
geht vor Privatinteresse. Wir sind Vier...
(Off) Es geht um vier moderne Frauen. Grafikerinnen,
die nach dem Studium eine eigene Firma gr�nden wollen,
in der M�nnerwelt zun�chst scheitern,
dann Erfolg haben,
dann daran scheitern, dass sie doch die Ehe dem Beruf vorziehen.
Der Konservatismus siegt -
aber immerhin scheinen wandelnde Rollenmodelle
und andere M�glichkeiten auf,
f�r einen langen Film-Augenblick.
(Hans S�hnker) Ach, wenn Sie w�ssten,
wie gut Ihnen so eine K�chensch�rze steht.
Wollen Sie mir nicht wenigstens ein paar Brote mit
auf die Reise geben, damit ich Sie in guter Erinnerung behalte?
(Bergmann) Wollen Sie vielleicht auch noch ein paar W�rstchen?
(S�hnker) Wenn's nicht zu viel verlangt ist.
(Bergmann) Bitte!
(Off) Sp�ter wollte Bergman diesen Ausflug unter den Teppich kehren.
Eine Einladung zum Tee bei Goebbels habe sie abgelehnt,
das war alles, was ihr dazu einfiel.
Sechs Jahre sp�ter spielte Ingrid Bergman
in "Casablanca" eine Antifaschistin -
auch eine Form von Bu�e.
* Yes Sir / Zarah Leander *
(Off) Zarah Leander - der erste gro�e Star des NS-Film.
Sie sollte die neue Garbo sein.
Tiefe Stimme, dunkle Haare, forcierte Fr�hlichkeit
in schwerbl�tigen melodramatischen Szenarien.
Ihre Lieder sangen von verlorener Heimat,
unerf�llten Sehns�chten, von Wundern,
die vielleicht doch noch eintreten.
Eine, wenn auch etwas spie�ige, Femme Fatale.
Imitationen des Lebens, die wie Drogen wirken.
Langsam sickern sie ein ins Bewusstsein des Publikums
und entfalten ihren s��en Zauber, ihre Macht.
Es ist die Macht der Melancholie.
Kreiert hatte diesen Star Detlev Sierck
aus dem sp�ter der Emigrant Douglas Sirk wurde,
nachdem er sich jahrelang
durchaus geschmeidig im Nazi-Kino bewegt hatte.
Dann drehte er seine Melos in Hollywood.
Puerto Rico:
Ein verf�hrerischer, aber auch gef�hrlich ambivalenter Ort
zwischen Lebenslust und Fieberd�mpfen.
* Der Wind hat mir ein Lied erz�hlt / Zarah Leander *
# Allein bin ich in der Nacht.
Meine Seele wacht
und lauscht. #
(Off) Ein Fiebertraum aus Wunsch und Wahn, Verlangen und Verlust -
eine qualvolle Geschichte voller neurotischer Charaktere.
Hier spielt die Leander eine ungl�ckliche Ehefrau,
gefangen diesmal im goldenen K�fig des eigenen Hauses.
# Der Wind hat mir ein Lied erz�hlt... #
(Off) Seuche und Kapitalismus.
(Leander) Sch�n hier, sch�n! Ich geh nie mehr weg von hier.
(Dame) Was hei�t nie mehr? (Leander) Niemals?
(Dame) Gott sei Dank f�hrt morgen der Dampfer.
(Leander) Ohne mich! (Dame) Bist Du verr�ckt?
(Leander) Du und unsere ganze kalte hochvornehme Gesellschaft.
Was wisst ihr von der Natur!
Natur? Du benimmst dich wirklich wie eine Wilde.
(Leander) Jawohl. Wie eine Wilde.
# Komm! #
(Off) Die Lust nach Wildheit.
# Komm!
Ach...
Der Wind hat mir ein Lied erz�hlt
von einem Herzen, das mir fehlt.
Der Wind... #
(Off) Ein ziemlich wahnsinniger Film
�ber eine Frau, die immer das will, was sie nicht hat.
(Leander) Wei�t du,
vor zehn Jahren bin ich im letzten Augenblick umgekehrt,
als der Dampfer schon ablegen wollte.
Damals erschien mir die Insel als das Paradies.
Dann, sp�ter, hab ich geglaubt, es w�re die H�lle.
(Mann) Und jetzt? (Leander) Jetzt?
Ich bereue es nicht.
(Mann) Bereuen ist immer eine Torheit.
(Off) "La Habanera"
erz�hlt eigentlich von der Sehnsucht nach dem Tyrannen
und von ihrem Gegenteil.
Sie will ihn loswerden, aber kaum ist er weg, sehnt sie sich zur�ck.
Siercks Filmsprache scheut nie das Offensichtliche.
Gedreht wurde �brigens auf Teneriffa,
mitten im spanischen B�rgerkrieg.
Der eleganteste Wilde des deutschen Kinos
war Ferdinand Marian.
Todessehnsucht ist in all seinen Rollen.
Charismatisch, leidend, zerrissen.
D�monisch, verf�hrend, sensibel.
Die Hauptrolle im Hetzfilm "Jud S��"
wurde diesem modernsten, nat�rlichsten deutschen
Schauspieler seiner Zeit sp�ter zum Verh�ngnis.
�ber die Schande ist er nie hinweggekommen.
(Madeleine) Was sind Sie f�r ein Mensch?
(Michael) Der Kern ist gut.
M�sste blo� freigelegt werden.
(Alter Herr) Die Panik schwebt �ber uns, meine Herren.
Wissen Sie, was das hei�t?
Panik unter zwei Millionen Menschen?
(Off) Panik und Staatsraison. Pressezensur und Geheimpolizei.
Eine Dame verschwindet, mitten in Paris.
(Mann) Die Zeitung ist bis auf Weiteres verboten,
die Druckerei wird von der Polizei geschlossen.
(Off) F�r die Tochter gibt es ein b�ses Erwachen,
das zum Albtraum wird.
Ihre Suche nach der Mutter bleibt erfolglos.
Sie st��t an eine Mauer des Schweigens.
(Tochter) Madeleine Lawrence?
(Portier I) Nein! (Portier II) Nein!
(Portier III) Nein Madame, ist bei uns nicht abgestiegen.
(Off) Ein Film der Verunsicherung in den
sonst so abgesicherten deutschen Produktionen.
Ein gro�er Film Noir, made in Nazi-Deutschland.
(Mann) Es ist das Vaterland ihrer Mutter,
dem Sie diesen Dienst erweisen.
(Off) Am Ende gibt sie klein bei, sie hat keine Wahl.
Das ist die Botschaft dieses "Hingabefilms".
Es war das Gesellenst�ck f�r Veit Harlan.
Harlan war ein Auteur,
ein Filmemacher, in dessen Filmen eine individuelle
Handschrift zu erkennen ist.
Aber er war auch ein Nationalsozialist -
ob aus Opportunismus
oder aus innerer �berzeugung tut hier nichts zur Sache.
Das Nazi-Engagement ist von seinem Werk nicht zu trennen.
Es ist auch nicht auf einen Teil davon zu beschr�nken.
Kein zweiter Filmemacher hat auf so hohem Niveau
so perfide Filme gemacht.
Die Tochter, deren Welt in "Verwehte Spuren"
v�llig aus den Fugen ger�t,
spielte die Schwedin Kristina S�derbaum.
Bereits in diesem Film schenkte Veit Harlan
seinem strahlenden neuen Star eine ganz gro�e Szene,
einen zeitlosen Filmmoment,
der das Kino an sich feiert.
Und seine suggestive Kraft als Traumfabrik.
(Mann) Seraphine...
(K.S�derbaum) Fernand...
(Off) Ein Jahr sp�ter lie� sich Harlan scheiden
und heiratete S�derbaum.
In allen weiteren Filmen,
die er im Dritten Reich drehte, spielte sie die Hauptrolle.
S�derbaum hatte jenes Ma� an Unschuld,
Reinheit und tr�nenvoller Hingabe,
das damals dem deutschen Ideal entsprach.
Die perfekte Verk�rperung der braunen Perversion:
Eine nordische Blondine, der in den Filmen ihres Mannes
immer wieder ein "Opfergang" vorherbestimmt war.
Irgendwann hie� S�derbaum "Reichswasserleiche",
weil sie den nekrophilen Kern der Nazis blo�legte.
Eine "M�nnerphantasie".
Ende der 30er hatte sich Hitlers Herrschaft stabilisiert.
Sie schien ungef�hrdet.
F�r Freund, wie Feind - das Staunen der Welt.
Heinz R�hmann - er war der "kleine Mann" des NS-Kinos.
Scheinbar unbesiegbar,
anpassungsf�hig bis zum Opportunismus,
aber immer sichtbar.
R�hmann gab den Nazi-Werten eine Kom�dienform.
Eine Aufmunterungsmaschine, die zur Illusion verf�hrte,
alles sei ja nur halb so schlimm.
R�hmanns Figuren waren einzigartig:
immer mit dem Kind und Jungen im Erwachsenen verb�ndete,
infantile Charaktere.
Dieser Infantilismus -
die Sehnsucht danach, wieder Kind zu sein,
die erfolgreiche Regression war ein Grundzug vieler Nazi-Filme.
(Dame) Sind Sie hierhergeflogen?
(H.R�hmann) Na ja, war ja ein Katzensprung.
(Herr) Wo haben Sie denn Ihre Flugmaschine?
Hab' ich geparkt auf'm Markt.
* Gel�chter *
(Zitat Arendt) Die Effektivit�t der Propaganda demonstriert
eine Hauptcharakteristik moderner Massen:
Sie glauben an nichts Sichtbares,
nicht an die Realit�t ihrer eigenen Erfahrung,
sie trauen nicht ihren Augen und Ohren,
sondern allein ihren Phantasien.
Was die Massen �berzeugt, sind keine Fakten,
noch nicht einmal erfundene Fakten,
sondern die Konsistenz der Illusion.
(Off) Privat sah Hitler Micky Maus, Frank Capra und Musicals.
Und so kam es zu einer Reihe von Versuchen, das deutsche Kino
zu amerikanisieren, Hollywood zu kopieren.
Nie kam die Kom�die des Dritten Reichs Hollywood so nahe,
wie in "Gl�ckskinder".
Goebbels' Remake von "Es geschah in einer Nacht"
ist purer Eskapismus:
Eine Screwball Comedy mit Slapstick,
Pointen-Pingpong und funkelnden Dialogen.
* Ich wollt' ich w�r' ein Huhn / Comedian Harmonists *
# ... und h�tte ich das gro�e Los, dann fr��e ich es blo�.
Ich brauchte nie mehr ins B�ro... #
(Off) Der letzte gro�e Erfolg von Lilian Harvey und Willy Fritsch -
des Traumpaares im fr�hen Tonfilm der Weimarer Republik.
# Ich wollt, ich wollt, ich w�r', so denk' ich immer mehr.
Doch hat das Wollen keinen Sinn, ich bleib' doch was ich bin. #
(Off) Bald ging Harvey endg�ltig ins Exil,
und floh vor der GESTAPO nach Hollywood.
* Pfeifen *
(Off) Swing war verboten, Marlene Dietrich emigriert,
trotzdem gab es solche Filme mit amerikanisch anmutender Musik
und Marlene Dietrich-Zitaten.
Eine Revue wie aus den fernen Zwanziger Jahren.
"Wir machen Musik" verbindet charmant Kom�die und Revue.
Vergleichsweise m�hsam ist dies aber doch
der Versuch von Screwball, von etwas anderem -
K�utner-Melancholie mit einem Hauch von Lubitsch.
(Dozent) Oder um bei unseren volkst�mlicheren Vergleichen
zu bleiben: Sp�t erst f�llt der Groschen.
* Gel�chter *
* Kichern *
* Ich hab dich und du hast mich / Ilse Werner *
# Ich seh' die Welt seit heute in rosarotem Licht.
Jetzt haben alle Leute ein gl�ckliches Gesicht.
Es sehen alle Dinge so ganz verzaubert aus... #
(Off) Ein ziviler Film. Es gibt hier
�berhaupt keine milit�rischen, strammen, starren M�nner.
# Ich hab dich und du hast mich, was brauchen wir noch mehr? #
(Off) Sondern Pantoffelhelden und selbstbewusste Frauen,
die im Gender-Trouble ebenb�rtig sind.
# ...halb so schwer. Ich bin jung und du bist jung
und vor uns liegt die Welt.
Man erreicht ja alles leicht, wenn man zusammenh�lt.
Ab heute ist mein Leben von Grund auf renoviert.
Du hast au�er der Wohnung auch mein Herz frisch tapeziert.
Ich hab dich und du hast mich, was brauchen wir noch mehr? #
(Gustaf Gr�ndgens) Geben Sie es ruhig zu:
Vor mir m�ssen Sie sich nicht genieren.
Ich versteh' das sehr gut.
Eine reizende kleine Frau, die Angst hat,
die sich sch�mt, dass sie Angst hat,
die zugibt, dass sie sich sch�mt, dass sie Angst hat,
die ist in meinen Augen die vollkommenste Frau,
die sich ein Mann nur w�nschen kann.
(Hoppe) Tut mir sehr leid, aber ich muss Sie entt�uschen.
Im Allgemeinen bin ich n�mlich sehr mutig und tapfer und stark.
(Gr�ndgens) Aber warum wollen Sie das denn sein?
* Schreien aus dem Off *
(Gr�ndgens) Sehen Sie, es steht Ihnen viel besser.
Nein, nein, lassen Sie die Hand mal hier.
Wer wei�? Vielleicht schreit diese heldenhafte Dame
darin noch einmal, und dann?
(Hoppe) Dann werd' ich Ihnen zeigen, wie mutig ich bin.
(Gr�ndgens) Schrecklich. Zeigen Sie mal.
(Hoppe) Was?
(Gr�ndgens) Na, wie Sie aussehen, wenn Sie mutig sind.
Oh Gott, ach, ganz schlecht, ganz verkehrt, nein, nein!
(Hoppe) Seh' ich nicht so aus?
(Gr�ndgens) Doch, doch. Aber es passt so gar nicht zu Ihnen.
Wissen Sie: Viel zu viel Falten. Der ganze Reiz ist weg.
Es ist ja �berhaupt...
Nein, nein, weich muss das Gesicht einer Frau sein.
Zart und weiblich.
Wenn Sie w�ssten, wie viel besser Sie mir gefallen,
wenn Sie schwach sind.
(Hoppe) Ich mir gar nicht.
(Gr�ndgens) Ja, weil Sie nicht sehen k�nnen,
wie reizend Sie dann sind.
(M.Hoppe) K�nnen wir nicht von was anderem sprechen?
(Gr�ndgens) Wie? Oh doch. Bitte, nat�rlich. Wetter oder so?
(Off) Gustaf Gr�ndgens -
ein genialer Schauspieler
in Film und Theater,
Regisseur, schillernder Staatsintendant in Berlin.
Im Dritten Reich war er G�nstling von G�ring.
Kein G�nstling von Goebbels, der ihn hasste,
sein Charisma aber benutzte.
Ein janusk�pfiger K�nstler
zwischen Kollaboration und Widerstand.
Klaus Manns Schl�sselroman
griff Gr�ndgens' Paraderolle "Mephisto" auf.
(Frau) Sie sind in Gefahr.
(Gr�ndgens) Immer.
Liebst du sie nicht auch, die Gefahr?
(Off) Gr�ndgens jedenfalls tat es.
Zeitgenossen beschreiben ihn als einen,
der den Mut hatte, Grenzen in beide Richtungen zu �berschreiten.
* Die Nacht ist nicht allein zum Schlafen da / Gustaf Gr�ndgens *
# Wenn die B�rger schlafen gehn', in der Zipfelm�tze.
Und zu ihrem K�nig flehn', dass er sie besch�tze.
Ziehn' wir festlich angetan, hinter den Tavernen.
Schlendrian, Schlendrian unter den Laternen.
Die Nacht ist nicht allein zum Schlafen da.
Die Nacht ist alles, was geschieht. #
(Off) Eine One-Man-Show,
ganz gest�tzt auf Gr�ndgens' charismatischen Auftritt.
Es lohnt sich, hier auch auf den Text zu achten.
# Wenn der Morgen endlich graut, hinter dunklen Scheiben
und die M�nner ohne Braut beieinander bleiben,
schmieden sie im Fl�sterton aus Gespr�chen Bomben:
Rebellion, Rebellion! In den Katakomben. #
(Off) "Rebellion!" - das war eindeutig.
"Aus Gespr�chen Bomben" - das war doppelsinnig.
Goebbels erlaubte den Film,
aber die Schallplatte und die Noten des Liedes
lie� er verbieten.
* Applaus im Publikum *
(Souffleuse) Um Gottes Willen. (Frau) Sieh' mal, Debereau.
Ist der verr�ckt?
Vorsicht Majest�t!
(Gr�ndgens) Und wenn man seinen Degen nicht annimmt,
so wird man seine Verse annehmen m�ssen.
Und die treffen besser.
(Off) Der Film l�sst Flugbl�tter regnen,
wie ein paar Jahre darauf die Geschwister Scholl in M�nchen,
die daf�r gek�pft wurden.
Widerstand und Gefahr.
Wie ist ein solcher Film einzusch�tzen?
Der in Unterhaltungsform die Herausforderung
der Herrschaft durch K�nstler feiert,
die Selbstbehauptung der K�nstler propagiert.
Szenen gegl�ckter Revolution im NS-Kino.
War das schon Widerstand?
Oder vielmehr das, was gerade noch m�glich war,
damit die die Menschen die gute Laune nicht verloren.
Die K�nstler waren auch hier die,
die wie Hofnarren eher als andere
die Wahrheit sprechen konnten -
aber eben bei Hofe.
* Kanonendonner *
(Off) Mit Kriegsbeginn wurde das Kino noch mehr Propaganda.
Und mehr Unterhaltung.
Es gab viele Legitimationsfilme.
Filme, die irgendeine Grenz�berschreitung legitimierten:
Krieg, V�lkermord, T�tung Behinderter.
Gro�e M�nner, das hie� gro�e Deutsche, waren nun gefragt.
Zuerst hatte Veit Harlan in "Der Herrscher"
den Ton vorgegeben.
Eine Bearbeitung von Gerhart Hauptmann
im Sinne des Propagandaministeriums,
offen gem�nzt auf die Krupp-Familie.
Der Kapitalist als F�hrer.
(Mann) Wir sind dazu da, f�r die Volksgemeinschaft zu arbeiten.
Dieser, mein Wille, ist das oberste Gesetz f�r mein Werk.
Dem hat sich alles andere zu f�gen, ohne Widerspruch.
(Off) Kost�me und Bauten tauchten die Zuschauer ins Gl�ck
einer emotionalen R�ckw�rtsbewegung,
eines erl�sten Verschwindens ein.
Eine Strategie des Vergessens,
der sich niemand vollst�ndig entziehen konnte.
Entfernt von der historischen Wirklichkeit
war das alles sowieso.
Alle diese Filme, diese "gro�en Deutschen",
waren "bigger than life".
(Mann) Wer zum F�hrer geboren ist, braucht keinen Lehrer,
als sein eigenes Genie.
(H.George) Meine S�hne, wie ist denn das nun eigentlich?
Werden gro�e Geister geboren oder erzogen?
Erzogen, Eure hochf�rstlichste Durchlaucht!
(Junger Mann) Geboren, Eure hochf�rstlichste Durchlaucht!
Nicht erzogen!
(H.George) Hm. Diskutieren wir!
(Junger Mann) Das Genie, wie wir die gro�en Geister nennen,
wird nicht allein von seiner Mutter,
sondern von seinem ganzen Volk geboren.
(H.George) Vortrefflich.
Aber der Staat weist ihm erst auf seinen hohen Schulen
den Weg zur Vollkommenheit.
(Junger Mann) Nein - das Genie vermag auch ohne
so unvollkommene Einrichtungen, wie es Schulen sind,
durch eigene Kraft den Weg zur Vollkommenheit zu finden.
(Off) Das �sthetisierte Genie ist zugleich ein Tier,
ein �bermensch, oft ein Barbar.
Dem Genie ist alles erlaubt und es legitimiert die Amoral.
Eine andere Form von Legitimation lieferte der Film "Ich klage an!"
von Wolfgang Liebeneiner.
Er vermischt geschickt und perfide das Thema
T�tung auf Verlangen unheilbar Kranker
mit dem des Mordes an Geisteskranken
und anderen Schwerstbehinderten, nicht zuletzt an vielen Kindern.
(Heidemarie Hatheyer) Jetzt bin ich so... ruhig.
So... gl�cklich.
(Off) Der gl�ckliche Tod hei�t "Euthanasie".
(Mann) Ich habe meine Frau sehr geliebt.
(Off) Am Schluss ist alles ein "Court-Room-Drama" -
ein Gerichtsfilm.
(H.S�hnker) Wiedersehen, Franziska!
(Kind) Die in der Schule, die haben heute zu mir gesagt,
wir h�tten gar keinen richtigen Vater. Wie findest du das?
Is' doch nicht wahr.
(Junge) Is' ja Bl�dsinn.
(Off) Kino im Krieg war zunehmend Kino f�r Frauen,
richtete sich an ein weibliches Publikum,
inszenierte Frauen-Phantasien und Frauen-Albtr�ume.
Helmut K�utners "Auf Wiedersehen, Franziska!"
war der erste von vielen sogenannten "Urlaubsfilmen",
bei denen ein Mann auszieht, um das F�rchten zu lernen
und um die Welt das F�rchten zu lehren.
Und eine Frau, treu und standfest,
zu Hause auf ihn wartend zur�ckbleibt.
(S�hnker) Franziska, ich kann dich doch nicht wieder alleinlassen.
(Hoppe) Aber du hast es doch gekonnt all die Jahre
f�r Sensationen und Abenteuer.
Und jetzt kannst du es nicht, wo es zum ersten Mal einen Sinn hat?
(Nachrichtensprecher) Bewundernd steht die Welt
vor dem gewaltigen Sieg im Westen.
In 39 Tagen wurde Frankreich zerschlagen.
Deutschland wei�,
dass dieser Sieg nur durch die geniale F�hrung
der tapfersten Soldaten
und durch eine hervorragende Organisation errungen worden ist.
Ein Blick auf den Eiffelturm.
Links vom F�hrer: Professor Speer.
Vor wenigen Tagen noch erkl�rte Chamberlain
einem Amerikaner gegen�ber,
dass England und seine Verb�ndeten
sich als Treuh�nder der Zivilisation
im Kampfe gegen mittelalterliche Barbarei f�hlen.
Das sind also die Treuh�nder der Kultur!
Und das die Barbaren!
(Mann) Wo Ratten auch auftauchen, tragen sie Vernichtung ins Land.
(Off) Legitimiert wurde im Kino auch die Barbarei.
(Sprecher) Sie sind hinterlistig, feige,
grausam und treten meist in gro�en Scharen auf.
Sie stellen unter den Tieren
das Element der heimt�ckischen, unterirdischen Zerst�rung dar.
Nicht anders, als die Juden unter den Menschen...
(Off) Vom Rassismus f�hrt eine gerade Linie
zum Antisemitismus und zum Mord.
Noch vor der Wannseekonferenz
produzierte Goebbels einen antisemitischen Hetzfilm:
"Der ewige Jude" war ein Auftragswerk.
Regie f�hrte Fritz Hippler, Goebbels Adjudant.
"Der ewige Jude" kann als eine Art amtliche Ver�ffentlichung
der Entscheidung Hitlers zum Holocaust gesehen werden.
(Sprecher) J�discher Geist und j�disches Blut
werden niemals mehr das deutsche Volk verseuchen.
Unter der F�hrung Adolf Hitlers
hat Deutschland das Kampfpanier gegen den Ewigen Juden erhoben.
(Hitler O-Ton) Europa kann nicht zur Ruhe kommen,
bevor die "j�dische Frage" ausger�umt ist.
Wenn es dem internationalen Finanzjudentum in
und au�erhalb Europas gelingen sollte,
die V�lker noch einmal in einen Weltkrieg zu st�rzen,
dann wird das Ergebnis nicht der Sieg des Judentums sein,
sondern die Vernichtung der j�dischen Rasse in Europa.
* Schallender Applaus *
(Off) Doch nicht immer hatte der antisemitische Mordaufruf
die Gestalt eines blanken Hetzfilms.
Es gab ihn auch als burleske Kom�die.
(Herr) Nu, du bist schon aufgez�umt?
(Dame) Was hei�t aufgez�umt? Sind wir denn hier in 'nem Zirkus?
(Herr) Das wer'n wir sehn', wenn die Soiree hat begonnen.
(Dame) Nu?
(Herr) Von vorne siehste Nebbich aus, wie Katharina die Gro�e.
Und von hinten so gesund, wie Napoleon.
(Dame) Red' mir nix von Napoleon. Das war ein Antisemit.
(Herr) Deswegen is' er auch pleite gegangen in Moskau.
(C.Kuhlmann) Hier in Frankfurt ist unser Stammhaus.
In Gibraltar sitzt England.
(W.Frank) Und was liegt da?
(C.Kuhlmann) Jerusalem.
(W.Frank) Wollen Sie da auch eine Filiale gr�nden?
(C.Kuhlmann) Umgekehrt, mein lieber Herries.
Die Filialen von Jerusalem sind wir.
(Off) Oder als Historiendrama.
Solche Filme belegen, dass da eine augenzwinkernde,
eine miese verst�ndnisvolle Heimlichkeit bestand
zwischen dem Antisemitismus der Nationalsozialisten
und den �brigen Deutschen,
die es gleichzeitig wissen und verdr�ngen wollten.
Der infamste deutsche Film stammt von Veit Harlan.
Er lehnte die Verantwortung hierf�r ab.
"Jud S��" bereitete 1940 die "Endl�sung" propagandistisch vor,
die doch, angeblich, von den Verantwortlichen
vor der "deutschen Bev�lkerung" verheimlicht wurde.
Der Film zeigt zwei Arten von Juden:
Die im Ghetto:
stereotyp, schmutzig, l�cherlich
und acht verschiedene Rollen gespielt von einem Schauspieler,
von Werner Krau�.
Und den assimilierten Juden:
attraktiv, m�chtig, oberfl�chlich angepasst,
weltgewandt, ambivalent, gef�hrlich.
(F.Marian) Die Leute wissen anscheinend nicht,
wie man einen gro�en Herren behandelt.
(H.George) Aber du wei�t es?
(F.Marian) Doch! Ich meine, ich wei� ja nicht, aber
ich w�rde mich gl�cklich sch�tzen, wenn ich mit Recht von mir sagen
d�rfte: "Ich bin ein treuer Diener meines Herren."
(Off) Immer wieder werden hier Grenzen �berschritten,
dringen Juden in zerlumpter Kleidung wie Fl�chtlinge ein,
durch deutsche Stadttore.
Jud S�� ist ein Grenzverwischer,
einer der territoriale und Standesgrenzen, Stadtgrenzen,
Geschlechtergrenzen nicht achtet, der alles penetriert.
Er will etwas, was ihm nicht zusteht,
und wenn er es nicht bekommt, dann nimmt er es sich mit Gewalt.
(K.S�derbaum) Lass er das!
(F.Marian) Will die Demoiselle jetzt tanzen?
(K.S�derbaum) Nein. Nicht mehr.
(Mann) Das Tuch ist drau�en, los!
* Aufschrei *
(F.Marian) Na, nimm's doch weg, mein Kind.
Ja, jetzt gibst du mir mein T�chlein aber wieder.
(Off) Die Vergewaltigung als sadomasochistische Phantasie:
Um sein Opfer gef�gig zu machen,
l�sst S�� vorher ihren Mann foltern.
Der Opfertod l�st dann den Aufstand aus.
(Ehemann) Jude!
Jude!
(Off) Und der rei�t dem B�sen die Maske vom Gesicht.
(Mann) Da sitzt er nun, der unselige Jude.
In monatelangen Verhandlungen hat er nichts weiter
gegen sich vorbringen k�nnen, als L�gen.
* Trommelschl�ge *
(F.Marian) Lasst mir mein Leben!
Ich will leben. Leben will ich!
Leben!
(Off) In �ber 15 L�ndern Europas wurde der Film vorgef�hrt,
und allen SS-Mannschaften auf Befehl Himmlers gezeigt,
bereits im Winter 1940, also vor dem Angriff auf die UdSSR.
Ein filmischer Mordaufruf.
Aber Hunderte Liebesbriefe schickten weibliche Fans
an Hauptdarsteller Marian
und klagten darin �ber den "armen Jud S��".
"Wunschkonzert"
war einer der erfolgreichsten Filme des Dritten Reichs.
Ein Nachmittagsam�sement, das in der Olympiade 1936 beginnt.
Den Flitterwochen zwischen Regime und Bev�lkerung -
sch�ne Erinnerungen.
(C.Raddatz) Verzeihen Sie, gn�diges Fr�ulein,
ich habe n�mlich eine Karte �brig.
Vielleicht kann ich Ihnen damit dienlich sein.
(I.Werner) Da kommen die Deutschen!
(Off) Propaganda in Reinform:
Liebesgeschichte und Angriffskrieg,
Spielfilm und Wochenschaubilder gehen nahtlos
ununterscheidbar ineinander �ber.
(I.Werner) Was ist denn geschehen?
(C.Raddatz) Ich muss weg, morgen fr�h schon.
(I.Werner) Du brauchst keine Angst zu haben, dass du mir wehtust.
(C.Raddatz) Aber Inge! Du musst doch Vertrauen zu mir haben.
Du sollst doch einmal meine Frau werden.
Soll ich das wirklich noch?
(Off) So wie klassische deutsche Musik und Soldatenlieder -
eine ungeschnittene Filmszene.
* Klaviermusik *
* Soldaten singen. *
(Off) Dieser Film war so erfolgreich,
weil er an die Erfahrungswelt der Menschen ankn�pfte
und gleichzeitig die gr��te Propaganda-Show der Nazis,
das allw�chentliche Radio- Wunschkonzert des Krieges,
mit ihren Stars Heinz R�hmann oder Marika R�kk
in die Handlung integrierte.
* Das kann doch einen Seemann nicht ersch�ttern/Heinz R�hmann *
# Das kann doch einen Seemann nicht ersch�ttern
Keine Angst, keine Angst, Ros'marie!
Wir lassen uns das Leben nicht verbittern.
Keine Angst, keine Angst, Ros'marie!
Und wenn die ganze Erde bebt
und die Welt sich aus den Angeln hebt.
Das kann doch einen Seemann nicht ersch�ttern.
Keine Angst, keine Angst, Ros'marie! #
* In einer Nacht im Mai / Marika R�kk *
# In einer Nacht im Mai,
da kann so viel passieren.
Man kann sein Herz verlieren
und das geht eins, zwei, drei.
In einer Nacht im Mai,
da kann man herrlich tr�umen.
Und sitzt man unter B�umen,
geschieht so mancherlei. #
(Off) Der infamste und erfolgreichste Coup
der filmischen Nazi-Kriegspropaganda.
Am Schluss treten alle Waffengattungen
vereint in diesem Film auf.
* Wir fahren gegen Engeland / Hermann L�ns *
(Off) Ilse Werner - die modernste, die heutigste Frau im Nazi Kino.
Auch sie Tochter eines Holl�nders.
Die eine Nazi-Schauspielerin, die es tats�chlich
nach Hollywood h�tte schaffen k�nnen.
1938 hatte ihr Vater f�r sie entschieden,
einen Hollywood-Vertrag der MGM auszuschlagen.
Die eine mit Charisma.
Sportlich, schlank,
h�tte dieses Gegenbild zum "deutschen M�del"
auch in franz�sischen Filmen spielen k�nnen.
Werner verbarg ihre H�rte gut, wie die verdr�ngten Widerspr�che:
Mit ihrem holl�ndischem Pass musste sie sich
jede Woche auf dem Polizeirevier melden.
(H.S�hnker) H�bsch ist die.
Wo hast du die Kette her?
(I.Werner) Die ist von...
aus der S�dsee.
(Off) Strahlend, leuchtend war sie mehr als eine sch�ne Frau.
Sie war der Vorschein einer Zeit, die kommen musste, und dann kam.
"Das Gro�e Spiel"
ist ein Quantensprung in der Geschichte der Fu�ballfilme.
Er mischt Spielfilmszenen geschickt mit historischen
Dokumentaraufnahmen vom Meisterschaftsfinale,
das Rapid Wien gegen den FC Schalke 04 gewann.
Erz�hlt wird konventionell vom erfolgreichen M�nnerbund
und der gemeinschaftsbildenden Kraft des Sports.
Wir sehen Filmschauspieler mit normalem Publikum
und prominenten Zuschauern.
Unglaublich, dass dieses Spiel �berhaupt stattfand.
Denn der Tag war ein ganz besonderer:
Sonntag, der 22. Juni 1941.
Am fr�hen Morgen hatte die Wehrmacht den Krieg
gegen die Sowjetunion begonnen.
(Zitat) Massenf�hrer an der Macht haben ein Anliegen,
das alle N�tzlichkeitserw�gungen �bersteigt:
Sie wollen ihre Prognosen wahr machen.
(Nachrichtensprecher) Der F�hrer zieht nach monatelangem Schweigen
die noch einzig m�gliche Konsequenz mit den Worten:
"Ich habe mich entschlossen,
das Schicksal und die Zukunft des Deutschen Reiches
wieder in die Hand unserer Soldaten zu legen."
(Friedrich II.) Deutschland ist in einer furchtbaren Krisis.
Wir leben in einer Epoche, die alles entscheiden
und das Gesicht von Europa ver�ndern wird.
Die Armee greift an!
(Off) Veit Harlan konnte vieles. Er konnte auch Massen inszenieren.
(Friedrich II.) Welches Deutschland meinst du?
Jenes �beralterte, nur noch vom vergangenen Glanz lebende
"R�mische Reich Deutscher Nation"?
Diese Utopie soll zugrunde gehen.
Und kommen muss ein deutsches Reich.
Und Preu�en muss es f�hren.
Nur bei Preu�en liegt die materielle
und sittliche Forderung der Berufung.
Nicht bei Habsburg.
Habsburg hat sich als unf�hig erwiesen f�r eine solche F�hrung,
da es bereit ist, seine Macht �ber Deutschland
mit fremden V�lkern zu teilen,
denen das Wohl der Deutschen gar nicht am Herzen liegen kann.
(Zitat) Die �hnlichkeit von Otto Geb�hrs Leinwand-Friedrich
mit dem popul�rem Bild Hitlers ist kaum zu �bersehen:
ein Genie.
Selbstverst�ndlich gr�nden seine Pl�ne und Taten auf Intuition.
(F.Marian) Sie wundern sich wohl, dass ich Sie so pl�tzlich
und unangemeldet aufsuche.
(Ohm Kr�ger) Bei Ihnen wundere ich mich �ber nichts.
(Off) "Ohm Kr�ger" attackiert den Hauptfeind England.
Der Film schildert, wie ein Volk durch Verschw�rung, Propaganda
und Konzentrationslager unterworfen wird.
Ferdinand Marian spielt Cecil Rhodes.
Der Film zeigt die Wirklichkeit - an der Ostfront.
(Frau) Was soll denn aus uns werden?
(Soldat) Dar�ber, meine Damen, machen Sie sich keine Sorgen.
Sie werden in ein Konzentrationslager gebracht.
(Offizier I) Und nu'?
(Offizier II) Nun sollten wir uns ausschlafen, denke ich.
(Offizier I) Und wo?
(Offizier II) Na irgendwo, wo es ein bisschen nett ist.
(Off) Wieder Liebe und Krieg - und Musik.
Eine Durchhalteschmonzette,
die vom Bombenangriff als romantischem Ereignis erz�hlt.
(Frau) Entwarnung!
(Off) Ach, wohin nur mit den H�nden!
Auch die Liebe schl�gt ein wie ein Bombenangriff.
(Z.Leander) Krieg mit den Sowjets.
(G.Weiser) Deswegen musste wohl der Herr Hauptmann
gleich wieder weg.
(Off) Frauen sollten zur�ckstecken,
w�hrend die M�nner k�mpfen.
* Ich wei�, es wird einmal ein Wunder gescheh'n / Zarah Leander *
# Ich wei�, es wird einmal ein Wunder gescheh'n
und dann werden 1000 M�rchen wahr
Ich wei�, so schnell kann keine Liebe vergehen,
die so gro� ist und so wunderbar. #
* In der sch�nen Rosenzeit / Volkslied *
# In der sch�nen Rosenzeit
Falleralalala, Falleralalala
Hab ich mir 'nen Schatz gefreit.
Falleralalalalala. #
(Off) Es gab auch anderes.
Mitten im Krieg kehrte der Realismus zur�ck.
Man muss hier nicht gleich von Neorealismus sprechen,
aber es war ein neuer, romantisch aufgeladener Realismus,
Alltagspoesie.
(Mann) Berlin hat 4.222.000 Millionen Einwohner...
(Frau) Ich wollte Ihnen ja noch Berlin zeigen.
(Off) In diesen allt�glichen Geschichte von Menschen im Krieg,
deren Zeit knapp ist, wird ein anderes Deutschland sichtbar,
die R�nder und Allt�glichkeiten.
Gut beobachtet und weniger scharf kontrolliert.
Und ein anderes Thema kehrt wieder, das hinter den ganzen
Paraden, hinter der Verkl�rung von Heimat und Scholle,
Blut und Boden verschwunden war:
die Gro�stadt. Gro�stadt - das bedeutet Widerspruch.
Und Frauen, die arbeiten. Der Wannsee.
Ein Jahr vorher fand direkt dr�ben am anderen Ufer
die Wannseekonferenz statt.
(Frau) Nanu, Sie sind ja auch Berliner?
(Mann) Wieso?
(Frau) Sportclub Charlottenburg.
(Mann) Ach so, die Badehose. Nein, die ist von der alten Dame.
(Frau) Alten Dame? Ah, von Ihrer alten Dame.
Und da lassen Sie Ihre Frau Mutter
gleich am ersten Urlaubstag alleine?
Erster Urlaubstag ist auch gut.
Muss n�mlich hei�en: einziger Urlaubstag.
(Frau) Ach? (Mann) Hm.
�brigens gefallen Sie mir jetzt viel besser, als heute fr�h.
(Frau) Und was ist mit Ihrer Mutter?
(Mann) Ich hab gar keine Mutter. Ich hab �berhaupt niemanden.
Ich hab nicht mal Verwandte.
(Frau) So? Ich auch nicht.
(Off) Auch K�rper wurden anders sichtbar.
Aber wie gehemmt, wie seltsam steif,
wie unsicher sehen diese K�rper aus.
Man sp�rt die Scham, man sieht,
dass sie mit ihrem Leib noch nichts anzufangen wissen.
(Mann) ...ich m�sse mal so raus aus allem.
(Frau) Wirklich? (Mann) Glauben Sie mir nicht?
(Frau) Doch. Aber Mutti hat mir heute Morgen dasselbe gesagt.
(Mann) Ihre Mutti? (Frau) Nein, unsere Oberschwester.
Die nennen wir so.
(Mann) Die Frau hat doch 'nen gro�artigen Einfall gehabt.
Was machen Sie denn heute Nachmittag?
(Frau) Da muss ich mal Inge fragen.
(Mann) Den Lautsprecher?
(Frau) Gehorcht haben Sie wohl gar nicht.
(Off) Wenn es im Nazi-Deutschland �berhaupt so etwas wie
einen feministischen Film gegeben hat,
dann ist es dieser.
Ein Film, der 1942 gedreht wurde,
genau als die 6. Armee in Stalingrad verblutete,
kurz bevor die Geschwister Scholl vom Fallbeil gek�pft wurden.
Wir sehen eine Frau vom Land, die in Berlin als Fotografin
Karriere machen will.
Noch ist sie unsicher.
Bald hat sie Erfolg.
Der Film zeigt, dass Frauen anders blicken.
(H.Krahl) Das war ein reizendes Bild, gn�dige Frau, so nat�rlich.
Das wird eine h�bsche Serie: "Am Rande der Modenschau".
Also ein Tagesereignis, ein einmaliges, so wie Sie,
das ist aktuell.
Aber das machen eigentlich mehr M�nner.
(P.Henkels) Das Foto. (H.Krahl) Ja.
...das Foto.
(Henkels) Das Ereignis meistens auch.
(Off) Wir sehen eine Frau, die den M�nnern nicht hinterherl�uft,
die nicht Familie will, keine Kinder,
die mit einem Mann befreundet ist,
ohne ein Liebesverh�ltnis zu haben.
Soweit das im Nazi-Kino �berhaupt m�glich war,
verteidigt dieser Film Privatheit, Selbstbestimmung,
ja, den Hedonismus des Gl�cks im Hier und Jetzt.
(Mann) Der K�rper arbeitet doch auch weiter, w�hrend wir schlafen.
Das Herz schl�gt, die Lungen atmen.
Aber wir merken es nicht, wir tr�umen h�chstens.
So schl�ft auch die Gro�stadt und tr�umt,
und in ihrem Inneren kreist ihr Blut und das Leben geht weiter.
(Off) Dies ist auch eine Hommage an die Gro�stadt.
Und ein Film, der Arbeiterverh�ltnisse zeigt.
Sie fragt nach dem Gl�ck,
aber das kann viel mehr hei�en als Gehorsam gegen�ber der Tradition.
(H.Krahls) Und bist du...
...bist du gl�cklich, Rolf?
(W.Hinz) Gl�cklich, Renate?
Wer ist denn gl�cklich?
(Off) 80 Minuten lang sind kaum Uniformen zu sehen
in "Gro�stadtmelodie".
Dann �ndert sich alles:
(O-Ton Goebbels) Was aber das Prinzip
des Selbstbestimmungsrechts der V�lker angeht,
da muss ich schon sagen,
da sind wir Wilde doch die besseren Demokraten.
(Off) Wir sehen Repr�sentativbilder, Propaganda.
Wie ist ein solcher Film einzusch�tzen?
In dem der Schrecken des Krieges und die ersten Bombenangriffe
nicht die geringsten Spuren hinterlassen?
Die L�ge eines Regimes und seiner Komplizen,
der Bev�lkerung, die die Hoffnung auf ein Happy End
noch nicht aufgeben m�chten?
Man kann es auch anders sehen:
Indem "Gro�stadtmelodie" das zivile Leben zeigt,
das private Gl�ck feiert,
h�lt er der Wirklichkeit den Spiegel vor,
zeigt, was alle verloren haben.
Die Gro�stadt, die bei der Premiere auf der Leinwand
erschien und das Leben, das in ihr stattfindet,
waren schon lange verschwunden.
"Der verzauberte Tag" von Peter Pewas ist privater.
Aber auch hier werden die konventionellen Tr�ume
der Ladenm�dchen realistisch gebrochen und zugleich versucht
der Film, den Propagandabildern mit einem Gegenzauber zu begegnen.
Kein Film kann desertieren. Aber Helmut K�utners
"Unter den Br�cken" h�lt Distanz.
# Auf der Br�cke tudeldu, geh'n die M�dchen ab und zu. #
(Off) Auch wenn er von Goebbels f�r sein Handwerk hoch gesch�tzt
wurde, lie� der ihn verbieten.
Zu intim, zu zivil und human war diese Dreiecksgeschichte,
einer vom Krieg unber�hrten Liebe zweier Freunde zur gleichen Frau.
(H.Schroth) Sie sollen raufkommen, sagt ihr Freund, sind gleich da.
(C.Raddatz) Ja. Komme.
(H.Schroth) Wonach riecht's denn hier?
(H.Schroth) Sie k�nnen mich doch nicht einfach anpusten.
(C.Radatz) Entschuldigen Sie, aber ich musste einfach pusten.
Die Locke.
Ich mach's nicht mehr.
(Off) Helmut K�utner, 1908 geboren, ist einer der wichtigsten
und besten deutschen Regisseure �berhaupt.
Er am ehesten, war ein deutscher Neorealist.
Seine Karriere begann, �hnlich wie die Rosselinis und Antonionis
in Italien, unter dem Faschismus. K�utner war kein Widerst�ndler,
aber ein Antifaschist von Gem�t und Haltung her.
Geschickt fand er im Dritten Reich thematische Nischen
und Wege, um unter dem Radar des Regimes,
weitgehend offene, fast freie Filme zu machen.
Auch "Romanze in Moll", eine Renoir-Hommage,
erz�hlt von der Liebe dreier Menschen.
Diesmal geht sie tragisch aus.
Stalingrad: 80.000 Mann gerieten in Gefangenschaft,
viele Hunderttausend waren get�tet worden.
Aus dem Vernichtungskrieg der Deutschen war l�ngst
ein Selbstvernichtungskrieg geworden.
(O-Ton Goebbels) Wollt ihr den totalen Krieg?
* das Volk jubelt *
Wollt ihr ihn, wenn n�tig totaler und radikaler,
als wir ihn uns �berhaupt erst vorstellen k�nnen?
(Off) Das Traumschiff der Nazis: Die erste Tonfilm-"Titanic"
ging im deutschen Kino unter. Kein Eisberg, sondern b�se
Kapitalisten - nat�rlich Briten und Juden -
waren Schuld an der Katastrophe.
(E.F.F�rbringer) ...eine �berraschung die unsere Aktien
in ungeahnter Weise nach oben schnellen lassen wird.
Meine Herren, mehr m�chte ich heute nicht sagen.
Aber ich bitte Sie: Haben Sie Vertrauen zu mir.
So wie wir alle es haben zu unserer Titanic.
(Off) Der Film feiert den Glamour des Empires,
den er zu verachten vorgibt, mit sp�rbarem Neid.
Der einzige Deutsche ist �berkorrekt und humorlos.
Eine Kassandra, die ahnt, was kommen muss,
sich aber nicht durchsetzen kann.
(H.Nielsen) Wer f�hrt eigentlich das Schiff?
Pr�sident Ismir oder der Kapit�n?
(Offizier) Der Kapit�n tut selbstverst�ndlich das,
was der Pr�sident von ihm verlangt.
(H.Nielsen) Hm. Und warum verlangt er solchen Unsinn?
(Off) Es dominiert die Lust am Untergang,
an der Katastrophe. Gar nicht die Feier des Technokratischen
und des Fortschritts, die zum Faschismus geh�rt.
Es gibt keine negative Frauenfigur,
aber viele negative M�nnerfiguren - der Film ist f�r Frauen gemacht.
Man k�nnte ihn aber auch so erz�hlen:
Die Frauen sp�ren instinktiv, dass die M�nner mit ihrem
Wahn nach Gewinn und Macht ein ganzes Schiff
oder einen Staat in den Untergang treiben.
So spielt "Titanic" allegorisch durch, was in Deutschland geschah.
Das war nach Stalingrad f�r Goebbels schon zu viel.
In Deutschland durfte "Titanic" nicht gezeigt werden.
Nur im besetzten Ausland sahen ihn auch Deutsche und erz�hlten davon.
Noch stammt das Feuerrot �ber Hamburg nur vom Agfacolor.
Aber schon w�hrend der Dreharbeiten ging Hamburg
in Flammen auf und dieser Film wurde in Prag fertiggestellt:
"Gro�e Freiheit Nr. 7" - der vielleicht beste Film
des Dritten Reichs - aber kein Nazifilm.
(H.Albers) # La Paloma ohe! Einmal wird es vorbei sein.
Einmal holt uns die See und das Meer -
gibt keinen von uns zur�ck. #
(Off) "Einmal wird es vorbei sein..." Wenn nur einer
diesen Satz verstanden hat, dann Joseph Goebbels.
In der Sch�nheit von Agfacolor entwirft der Film ein Gegenbild
zu allem, was den Nazis heilig und bedeutsam war.
In der Welt der Underdogs, der Trinker, des "unseri�sen" Lebens
erz�hlt K�utner noch einmal von einer Dreiecksbeziehung.
Zeigt, was hinter der dick aufgetragenen Fr�hlichkeit
der Nazi-Stimmungskanonen liegt: Traurigkeit.
Hans Albers spielt einen vom verlogenen Showbetrieb
demoralisierten Mann, einen S�ufer, der noch einmal
eine Chance zu einem ganz anderen Leben sieht.
H�hepunkt des Films ist eine Traumszene, die zum Albtraum wird:
(H.Albers) # Auf der Reeperbahn nachts um halb eins...
Wer noch niemals in lauschiger Nacht... #
(Mann) # Hay quenita que si... #
(M�nner) Komm wieder nach See!
(Mann) Breitsegel!
(M�nner) Komm wieder nach See!
(H.Hildebrand) Bleib bei mir.
(I.Werner) Hannes!
Hannes!
(Off) Die Geliebte, nur feenhaft vage zu sehen,
entgleitet ihm schnell. Die Ersch�tterung der M�nnlichkeit
wird �berdeutlich in diesem Melodram der M�nner:
Sie sind verwundbar, weinerlich, sentimental, voller Sehnsucht -
kaputt.
(Sprecher der Wochenschau) In einem Berliner Industriewerk.
(Off) Bei allen Unterschieden ist auch "Die gro�e Freiheit Nr. 7"
ein Indiz f�r die zunehmende Endzeitstimmung.
Daf�r, dass das deutsche Kino sich zunehmend ins
Irreale fl�chtete und zur Fantasy wurde.
Hans Albers spielt M�nchhausen, den ironischen L�genbaron.
Die Propaganda verlor an Wirkung.
"Die Frau meiner Tr�ume" �berbot noch die Fantastik M�nchhausens
um ein Vielfaches. Ein Film wie auf LSD.
Der Film selbst war die Droge. Die Sehnsucht nach einer Gegenwelt
muss gro� gewesen sein im Jahr 1944.
Das angestrengt Exzessive ist nicht nur gro�artiges Spektakel
und ein letzter H�hepunkt des Verzauberungscharakters
des NS-Kinos, es hat auch etwas Hysterisches.
Das Filmwerk einer Endzeit -
auch dies ein St�ck deutscher Mentalit�tsgeschichte.
Ein Maskenball, ein Ort des Exzess,
aber auch ein verr�terischer. Alle tragen Masken in diesem Film,
selbst wenn man sie nicht sieht.
Auch das Deutschland ist, wie so vieles hier,
einmal mehr ein Illusionsspiel.
Eine nur scheinbar unpolitische Geschichte:
Albrecht ist ein Abenteurer, ein anti-intellektueller Welteroberer,
der nach langen Jahren zur�ckkehrt f�r eine letzte Eroberung:
Er steht zwischen zwei Frauen und heiratet die spr�de
k�hl-distanzierte Octavia, Tochter aus gutem Haus.
In satten, zugleich gedeckten, schweren Farben malt Veit Harlan
die Dekadenz der b�rgerlichen Welt, die alte welke Oberklasse.
Und zeigt die Vorahnung eines Untergangs.
(O.Tre�ler) Die Sonne sinkt. Nicht lange d�rstest du noch,
verbranntes Herz. Verhei�ung ist in der Luft.
Aus unbekannten M�ndern bl�st's mich an.
Die gro�e K�hle kommt.
(A.Steinsieck) Sehr sch�n.
(C.Raddatz) Ja, sehr sch�n.
(Off) Das Gegenteil von alldem scheint
die r�tselhafte Aels zu verk�rpern:
Sport, Natur, Aufbruch, Mut
und Wildheit.
Wie eine Sirene entsteigt sie bei der ersten Begegnung dem Wasser.
Sie steht f�r die Frische der Natur,
des Nordens, aber auch f�r das Fremde.
(I.v.Meyendorff) Gro�artig haben Sie das gemacht, Aels!
(K.S�derbaum) Ach, hier so aus dem Stand zu treffen,
ist ja keine Kunst.
Vom Pferd aus! Im Galopp ist schon was Anderes.
(Off) Sie fasziniert den Mann und doch ist sie todkrank.
Ihre Todeskrankheit tarnt sich durch zur Schau getragene St�rke,
durch Sport, durch Nat�rlichkeit.
(K.S�derbaum) Sehen Sie den Regenbogen?
Die Br�cke, die hin�berschwingt...
Wer wei� denn, wie bald wir sie beschreiten m�ssen?
(Off) Morbidit�t und geballte Sehnsucht haben sich immer
durch die Filme des Dritten Reichs geschleppt.
Deren Erf�llung hatte das Regime lange versprochen.
Jetzt war darauf nicht mehr zu hoffen.
Es blieb nur die Sehnsucht selbst - ohne Ziel.
(K.S�derbaum) Woran soll ich denn denken? An Sie?
So sterben. Das w�r' der gl�cklichste Tod.
(Off) Und so erz�hlt Harlan in diesem deutschen "Vertigo",
das ganz um die Phantasien eines Mannes kreist und in dem
die Frauen Untote sind oder Vampire,
von Verf�hrung und vom Sieg der Tradition, des B�rgerlichen,
der scheinbaren Dekadenz.
Es ist sein Melodram: Um eine Gesunde lieben zu k�nnen,
muss erst eine Kranke sterben.
Harlan war f�r die Vorahnung zust�ndig, wie f�r das Aufb�umen.
Seine beiden letzten Filme sind Ein�bungen des Untergangs.
(Zitat Goebbels) Meine Herren, in 100 Jahren wird man einen sch�nen
Farbfilm �ber die schrecklichen Tage zeigen, die wir durchleben.
M�chten Sie nicht in diesem Film eine Rolle spielen?
Halten Sie jetzt durch,
damit die Zuschauer in hundert Jahren nicht johlen und
pfeifen, wenn Sie auf der Leinwand erscheinen.
(K.S�derbaum) # ...so manche hat zur Sommerzeit -
ihr Herz verlor'n... #
(Off) Der Kreis schlie�t sich,
von "Morgenrot" zu "Kolberg".
Der teuerste, aufw�ndigste Film, der je in Deutschland
gedreht wurde.
Mit 6000 Pferden, 10.000 Kost�men und �ber
100.000 abkommandierten Wehrmachtssoldaten -
ein Kriegsmelodram.
(C.Clausen/K�nig Fried. Wilhelm) Deutsche!
Keine Liebe ist heiliger, als die Liebe zum Vaterland,
keine Freude ist s��er, als die Freude der Freiheit.
Aber ihr wisst, was uns bl�ht, wenn wir diesen Kampf
nicht ehrenvoll gewinnen.
Darum:
Welche Opfer von dem Einzelnen auch gefordert werden m�gen,
sie wiegen die heiligen G�ter nicht auf, f�r die wir k�mpfen
und siegen m�ssen,
wenn wir nicht aufh�ren wollen, Preu�en und Deutsche zu sein.
# Ahnungsgrauend todesmutig bricht der gro�e Morgen an
Und die Sonne kalt und blutig leuchtet unsrer blut'gen Bahn
In der n�chsten Stunde Scho�e liegt das Schicksal einer Welt
Und es zittern schon die Lose heute wird gek�mpft #
(Off) Kein Durchhaltefilm mehr, sondern eine G�tterd�mmerung,
die Sinngebung des Sinnlosen.
Der Untergang wird nicht mehr geleugnet, sondern heroisiert.
Es herrscht eine Atmosph�re der Resignation
und des trotzigen Heldentums.
Ein Phantom von einem Film, ein Exorzismus,
ein deutsches "Vom Winde verweht" am Rande der Atemlosigkeit.
Ein Film als Mittel, um die Idee der verbrannten Erde
und des Volkssturms zu propagieren.
(C.Clausen) Aus Asche und Tr�mmern wird sich,
wie ein Phoenix, ein neues Volk erheben - ein neues Reich.
(Off) Noch ein letztes Mal zelebriert Harlan
das Ornament der Masse und Allmachtsfantasien.
Dann ist das Kino wieder in der Realit�t angekommen...
(Frau) Sie zerst�ren unsere Stadt, sie zerst�ren unsere Stadt...
(Off) Und dann ist die Leinwand menschenleer.
Wo aber sind die Menschen?
(Off) Welche von diesen Filmen haben Sie gesehen?
M�glicherweise versteht man ja mehr vom Dritten Reich,
wenn man sich vorstellt, das auf gewisse Art das ganze
Dritte Reich ein einziger Film gewesen ist und ein gro�er Traum.
Vielleicht wollten die Deutschen bis zum Schluss einfach das Kino
nicht verlassen, nicht wieder in der Wirklichkeit ankommen.
Wie viel von diesem Kino lebt im deutschen Film nach 1945 weiter?
Wie sehr tr�umt das deutsche Kino in anderer Form
bis heute die alten Tr�ume?
Eine "Stunde Null" hat es f�r das deutsche Kino nicht gegeben.
Was wei� das Kino, was wir nicht wissen?
(K�nigin Luise) So dr�cke ich Preu�en und Kolberg an mein Herz.
Es sind nur noch wenige Edelsteine in unserer Krone geblieben.
Kolberg ist einer davon.
* Wenn ich mir was w�nschen d�rfte / C.Rampling *
Untertitel: OMNIMAGO GmbH 2017
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