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Gnädige Frau, Polizei! - Ich protestiere!
Aufmachen, Kriminalpolizei!
Aufmachen, Kriminalpolizei!
Tini! Tini! Vorsicht!
Aufmachen! - Was ist denn los?
Polizei. - Ach du lieber Gott!
Hier, bitte.
Ja, ja, ich komme ja schon.
Herr Wachtmann, wie Sie mich so sehen, ich bin völlig unschuldig.
Kommen Sie da raus. - Ich protestiere ganz energisch!
Sie haben kein Recht zum Eingreifen in mein Privatleben.
Schluss! Aufmachen, sonst komme ich durch die Tür.
Aber bitte, mein Mann darf nichts erfahren.
Man wird doch noch baden dürfen? - Aber natürlich.
Übrigens, wir hatten doch schon ein paar Mal das Vergnügen, nicht?
Aber los, los, anziehen! Die grüne Minna wartet.
Ein bisschen rasch! - Bäh!
Na, wie weit sind wir? Los, los!
Ernestine Kuczinsky. Kommen Sie doch mal her.
Wollen Sie uns sagen, wer Donny ist?
Sie schreiben an diesen Donny, er soll unter allen Umständen die Schnauze halten.
Unterschrift: Deine Tini.
So werden Sie doch in Ihren Kreisen genannt?
Donnie? Kenne ich nicht.
Die Untersuchungsbehörde hat aber diesen Zettel in Ihrem Handtäschchen gefunden.
Ach der. Das muss doch Jonny heißen.
Ich habe so eine komische Schrift.
Wer war also dieser Jonny? - Das ist ein Amerikaner.
Und weshalb soll der Jonny, wie Sie sich ausdrücken, die Schnauze halten?
Keinen Schimmer. Aber er war immer sehr vorlaut.
Und außerdem ist er ja schon lange abgereist.
Sie können sich wieder hinsetzen, Ernestine Kuczinsky.
Meine Herren Richter,
die letzte Vernehmung der Angeklagten hat Ihnen wohl noch einmal gezeigt,
woran wir bei ihr sind.
Die Angeklagte hat es fertig gebracht,
sich immer wieder dem Zugriff des Gerichts zu entziehen.
Dreimal schon ist sie dem polizeilichen Gewahrsam entwischt.
Sie hat Vorladungen des Jugendamtes außer Acht gelassen.
Wir müssen einmal damit aufhören, die Zeit für alles verantwortlich zu machen.
Gewiss, die Angeklagte ist noch sehr jung,
aber sie ist geistig und in anderer Beziehung reif genug,
um die Folgen ihres verwerflichen Verhaltens zu übersehen und dafür einzustehen.
Mädchen dieses Schlages, ich will keinen schärferen,
treffenderen Ausdruck gebrauchen,
verhindern die moralische Gesundung unseres Volkes,
wenn sie nicht hart angepackt werden.
Aus diesem Grunde halte ich diesmal eine Gefängnisstrafe für unerlässlich.
Die Höhe des Strafmaßes überlasse ich dem Gericht.
Haben Sie, als Vertreter des Jugendamtes, noch etwas dazu zu sagen?
Darf ich eine Frage an Ernestine Kuczinsky richten?
Bitte.
Ein junger Mensch, der in Bedrängnis gerät, sucht, das wird jeder von uns annehmen,
und für den einzig richtigen Weg halten, schließlich bei Verwandten Schutz.
Warum haben Sie das nicht getan, Tini?
Das habe ich Ihnen doch schon so oft gesagt.
Wir möchten aber gern, dass es das Gericht aus Ihrem Munde hört.
Sind alle tot.
Hallo, Fräulein Doktor! - Hallo, Herr Tenissen.
Nun haben Sie wieder keine Zeit für mich.
Entsetzlich! Aber ich bin froh, dass ich überhaupt zur rechten Zeit komme.
Es gab wieder scheußlich viel zu tun in der...
Ja, ich weiß. Wie immer.
Guten Tag, Fräulein Risst. Kommt der Professor?
Nein, ich soll das psychiatrische Gutachten machen.
Wissen Sie Bescheid? Großer Schwurgerichtssaal, dritter Stock.
Es geht gleich los? - Haben Sie eine Einlasskarte?
Hier. Und hier.
Auf die letzte würde ich mich nicht so sehr verlassen.
In Anbetracht Ihrer Jugend, Ernstine Kuczinsky,
und in Würdigung eines schweren Schicksals, das Ihnen alle Menschen geraubt hat,
die Ihnen Schutz und Hilfe hätten gewähren können, hat das Gericht davon abgesehen,
dem Strafantrag des Herrn Staatsanwalts zu folgen.
Wir wollen Ihnen eine letzte Chance geben,
ein neues, sittlich gefestigtes Leben zu beginnen.
Das Gericht ordnet daher für Sie Fürsorgeerziehung an.
Je eher Sie zu der nun einmal notwendigen inneren Haltung zurück gefunden haben,
desto besser für Sie. Sie gewinnen dadurch Ihre persönliche Freiheit zurück.
Die Verhandlung ist geschlossen.
Entschuldigen Sie mich bitte, ich muss noch schnell im Pressezimmer Bescheid sagen.
Fall Trudemeyer gegen Brinkmann.
Fall Trudemeyer gegen Brinkmann, bitte.
Wer war denn das Mädchen, gegen das eben verhandelt wurde?
Moment, Moment. Ernestine Kuczinsky. - Aber das kann doch nicht sein?
Doch, Sie haben recht. Weswegen ist Sie verurteilt?
Na das Übliche heute. Herumtreiberei und so weiter.
Schwarzmarkt der Liebe. - Wer hat verhandelt?
Gerichtsrat Lüders, Fräulein Doktor.
Ich muss ihn unbedingt heute noch sprechen.
Ach Volker, ich bin völlig außer mir.
Na was ist denn los? Was haben Sie denn, Irene?
Ich habe eben meine Schwester gesehen,
die ich allen Auskünften nach für tot halten muss.
Aber, aber, eine Einbildung.
Es stimmt, sie war es wirklich. Ich habe mich nicht getäuscht.
Aber ich sage es eben, Nervenärzte. Zuletzt erwischt es euch selber.
Wo bleiben Sie denn, Fräulein Risst? Der Laden wird gleich dicht gemacht.
Ohne Ausweis ist nicht.
Aber die medizinische Sachverständige, machen Sie doch keinen Quatsch, Mann!
Geht in Ordnung.
Geht auch in Ordnung, Presseclub Stockholm.
Ach so, Sie können schwedisch? - Nee.
Dann lernen Sie es auch nicht mehr.
Der Besen! Die Zigarette aus.
Das hier ist Ernestine Kuczinsky, eure neue Zimmergenossin.
Ihr könnt euch nachher mit ihr bekannt machen.
Das ist dein Spind. Es muss sauber gehalten werden, das ist selbstverständlich.
Ernestine, alles, was wir von euch fordern, dient nur eurem besten.
So, und jetzt musst du dich umziehen.
Für das einfache Leben hier bist du zu elegant angezogen.
Du packst deine Sachen in deinen Koffer und gibst sie da oben ab.
Ihr müsst Ernestine natürlich helfen, bis sie sich eingewöhnt hat.
Das wäre fürs Erste alles.
Einen Augenblick, bitte.
Interessiert Sie der Fall Ernestine Kuschinsky besonders, Fräulein Doktor?
Ja.
Sonst hätte ich bestimmt interessantere Fälle für Sie. Unglaubliche Fälle.
Nein, danke. Nach dem Gerichtsprotokoll erscheint mir dieses Mädchen
besonders geeignet für eine seelische Analyse.
Sie ist ja nicht aus Veranlagung auf die schiefe Bahn gekommen,
sondern durch die Zeitumstände darauf gedrängt worden.
Möglich. Vielleicht lassen Sie mich das Resultat dann wissen.
Gern.
Eine interessante, aktuelle Arbeit, die Prostitution der Jugendlichen.
Offen gesagt, der Gedanke dazu ist mir erst kürzlich gekommen.
Ist es möglich, dass ich Ernestine Kuczinsky ohne Aufsicht sprechen kann?
Sie würde sonst bestimmt den Mund nicht aufmachen.
Eine Aufsicht bei Gesprächen gibt es doch bei uns natürlich nicht mehr.
Das hätte ich mir denken können.
Fräulein Charlotte, Ernestine Kuczinsky soll bitte ins Besuchszimmer kommen.
Martina!
Meine kleine Martina!
Du hast mich doch nicht etwa verraten? Ich bin hier als Tini Kuczinsky!
Ja, ich weiß. - Und?
Ich habe dich nicht verraten. - Dann ist ja gut.
Aber sag mal, Kleines, warum denn dieser komische fremde Name?
Komisch oder nicht, ich habe meine Gründe.
Überhaupt, darüber rede ich nicht. Auch nicht mit dir, verstehst du?
Niemals.
Und wenn du mir weiter nichts zu sagen hast, kannst du gleich wieder gehen.
Aber bleib doch ruhig, Martina. Alles, wie du willst.
Nur, ich bin nicht nur als deine Schwester zu dir gekommen.
Ich habe deine Akten gelesen. Ich bin zufällig Ärztin.
Na, du Ärztin, und ich war was anderes. Sag es doch, das passt dir nicht.
Ich bin nur traurig und bestürzt, Martina.
Ich will dir doch helfen, auf den richtigen Weg zu kommen.
Ich mag nicht. - Martina!
Martina, Martina! Das kannst du jetzt ruhig sagen.
Warum bist du denn früher nicht gekommen? Als das Haus getroffen wurde,
und als ich die Eltern tot unter den Trümmern fand? Wo warst du da?
Da hattest du keine Zeit, dich um mich zu kümmern. Da studierte man eben, ganz groß.
Und da kommt man heute. - Ach, rede keinen Unsinn!
Ganz selbstverständlich habe ich nach dir und den Eltern geforscht,
als ich nach dem Zusammenbruch wieder frei war.
Vom Schicksal der Eltern erfuhr ich, von dir zuerst nichts.
Mitgerissen von flüchtenden Truppen, hieß es.
Ich habe den Suchdienst verrückt gemacht.
Ja, und dann fand ich deinen Namen. Auf einer Liste des Suchdienstes.
Auf einer Totenliste. Amtlich beglaubigt: Marina Risst, tot.
Und nun bin ich ja so glücklich, dass ich dich wiederhabe, dass du lebst.
Martina, wir sind doch wieder zusammen, freu dich doch auch.
Ach Irene, dass das Leben so schwer ist.
Und weißt du, wenn ich denen da vorne sagen könnte, dass du meine Schwester bist,
dann würde ich dich wieder frei bekommen. Sofort sogar, glaube ich.
Siehst du, du fängst wieder davon an. Geh jetzt! Geh sofort!
Ich bin hier Ernestine und niemand anders.
Also schön, dann komme ich eben immer Ernestine Kuczinsky besuchen, so oft ich kann.
Die paar Monate hier gehen ja auch vorüber. - Für den, der draußen ist, ja.
Hast du mir was mitgebracht? - Ja.
Zigaretten?
Daran habe ich überhaupt nicht gedacht, warte mal.
Wenn ich Sie darauf aufmerksam machen dürfte, Fräulein Doktor,
es ist Essenszeit für den Zögling.
Jetzt muss ich aber wirklich gehen. Auf bald, Kleines.
Auf Wiedersehen, Fräulein Doktor.
Wenn du mir mal schreiben willst, oder sonst irgendwas hast, ja?
Du, ich habe mich wirklich gefreut. dass du da warst.
Hol mich bald hier raus, wenn du kannst, ja?
Zufrieden mit dem Erreichten? - Oh ja.
Das freut mich.
Man kommt so schwer an diese jungen Mädchen heran.
Besonders, wenn sie intelligent sind und ahnen, was man will.
Man klopft da auf Eisen, wo sonst das Herz sitzt.
Manchmal spürt man es aber doch, das Herz.
Wann wollen Sie denn wiederkommen, Fräulein Doktor?
Bald. Oder besteht die Möglichkeit,
dass ich das Mädchen zur Beobachtung für einige Wochen zu mir nehme?
Ich käme dann schneller zum Ziel.
Rechtskräftig angeordnete Fürsorgeerziehung.
Da besteht wohl keine Möglichkeit.
Ich möchte es aber doch versuchen.
Als ich so jung war wie Sie, hatte ich zu mir das gleiche Zutrauen.
Es geht doch um den jungen Menschen.
Wo ist meine Post?
Dass du das nicht gemerkt hast.
Lola wollte dich doch nur verkohlen! - Was? Wie?
Aber Ernestine! Was fällt dir ein?
Sie soll mich nicht verkohlen! Sie hat gesagt, ich hätte Post!
Ihr benehmt euch skandalös!
Das muss ich leider der Frau Heimleiterin melden.
Donnerwetter, großartig! - Was denn?
Na der Mann von "Woman Life" hat wieder tolle Sachen fotografiert.
Wie ich ihn kenne natürlich Fräuleins.
Ja, Fräuleins. Aber so verdient man drüben Geld.
Dass sich die Leute diese typische Nachkriegserscheinung nicht übersehen.
Für die da drüben ist das eine Sensation. Veronikas.
Das ist doch mal was anderes, als diese ewigen Pinup-Girls.
Mag sein, Volker.
Für einen richtigen Pressefotografen ist das ein gefundenes Fressen.
Liebe und Laster in einer zerstörten Stadt.
Von den Mädels da auf den Fotos sind aber sehr viele nicht aus Liebe
und Lasterhaftigkeit, sondern aus Not Frolleins geworden.
Na, das glaube ich nicht so ohne weiteres. - Doch, doch.
Unsere Mädchen heutzutage sind sehr sachlich und ohne Illusionen.
Viele von ihnen sind schon wieder im Beruf oder brav verheiratet,
auch wenn sie vor ein paar Jahren mal ein paar Nylonstrümpfe
oder eine Tafel Schokolade billiger haben wollten.
Sie sind eine seltsame Frau, Irene. Aber das macht wohl die verdammte Wissenschaft.
Sie nehmen das Leben viel zu schwer.
Wissen Sie was, wir tanzen einmal. Ich lege eine Platte auf.
Ach Volker.
Wollen Sie einmal sehr nett zu mir sein, Volker Tenissen?
Aber gerne, Irene.
Dann stellen Sie mal das Grammophon ab, das ist ja eine Nervensäge.
Wie Sie wünschen.
Bitte nicht böse sein, Volker. Ich habe heute so einen anstrengenden Tag hinter mir.
Ach, diese verfluchte Klinik.
Verrückte macht ihr gesund, und euch selber macht ihr verrückt.
Da haben wir es.
Hallo? Ja, danke, ich komme. - Natürlich.
Ich werde auf Station 7 dringend gebraucht. Der Chefarzt hat angerufen.
Der kann mir sonstwas!
Heute ist Ihr freier Mittwochnachmittag und der gehört uns!
Ich warte, bis Sie zurück sind. - Seien Sie doch vernünftig, Volker.
Das kann lange dauern. Und es macht mich nervös, wenn ich weiß, dass Sie hier sitzen
und warten und ich kann nicht kommen.
Das ist eine verdammt blödsinnige Welt.
Wissen Sie, das ist überhaupt seltsam.
Immer ruft der Chefarzt an, wenn ich hier bin. Als wenn er es wüsste.
Kommen Sie!
Sehr schön.
Du hast viel Geschmack, Ernestine. Darauf kannst du dir gut eine Existenz aufbauen.
Es freut mich, dass ihr so fleißig seid.
Aber aufgrund der Vorkommnisse der letzten Tage
war ich gezwungen, eure Post zu sperren.
Und jeglichen Besuch vor Weihnachten zu untersagen.
Ich hoffe, dass ich die Verfügung nach dem Fest wieder aufheben kann.
Also, Kinder, seid doch vernünftig. Ihr habt es doch selbst in der Hand.
Mach doch keinen Unsinn, sei vernünftig!
Wir sehen uns in letzter Zeit so selten. - Mich wundert, dass Ihnen das auffällt.
Warum nicht? Man steckt doch nicht nur im Beruf?
Auch ein Chirurg möchte hin und wieder glauben,
dass das Leben noch andere Möglichkeiten bietet.
Hallo, Herr Professor! Sollte ich vielleicht bei Ihnen mal
eine psychiatrische Untersuchung machen? - Um Gottes willen!
Haben Sie so viel zu verbergen? - Das nicht, im Gegenteil.
Sehr viel zu sagen hätte ich, gerade Ihnen. Aber nicht als Patient.
Ach so ist das? - Bestimmt ist es so.
Herr Professor? Es ist soweit.
Gut, Regine. Beeilt euch, dass wir fertig werden.
Sie sind heute so schweigsam, Volker?
Finden Sie? - Ja.
Es ist so schwer, wenn die Frau, mit der man Tee trinkt, einen Beruf hat.
Einen Beruf, den sie sehr ernst nimmt.
Merkt man mir das wieder an? - Ja.
Und wie müsste es Ihrer Meinung nach sein?
Eine Frau, mit der man gemeinsam Tee trinkt, müsste sagen:
"Ich bin ja so froh, dass Sie heute hier sind. Es war so langweilig allein."
Vielleicht denkt das eine Frau, die einen Beruf hat, auch. Sie sagt es nur nicht.
Das wäre aber immerhin schon sehr viel, wenn man das genau wüsste.
Heute nicht! Wir haben unseren freien Nachmittag!
Na wer sollte anderes anrufen als der Chefarzt?
Nein, Irene!
Ich halte das nicht aus. Ich muss dir ja einmal sagen können,
dass ich dich bezaubernd finde. Ich möchte hören, dass du sagst:
"Ich bin ja so froh, dass du heute gekommen bist."
Ach du lieber Himmel!
Martina? - Ja.
Wie kommst du denn hierher?
Im Cadillac.
Hast du denn Urlaub, oder...
Du hast mich ja nicht raus gekriegt.
Das konnte ich ja nicht. Das Gericht lehnte doch ab.
Trotz deiner Beziehungen? - Wieso Beziehungen?
Na ja, ist ja auch egal. Wenigstens haben sie mich raus gelassen,
die sturen Tanten.
Wegen guter Führung. - Na das ist ja noch viel besser.
Ist ja toll.
Hast wohl heute eine Party? - Ja, ein paar alte Freunde kommen.
Nette Leute. - Na mal sehen.
Hübsch hast du es hier.
Sag mal, wer bezahlt denn das alles? - Na hör mal!
Ach so, entschuldige.
Freunde, die weg wollten, haben mir die Wohnung billig abgegeben.
Ja wie viel verdienst du denn eigentlich?
300 Mark im Monat, und teilweise freie Station.
Das übliche Gehalt von Assistenzärzten. - Und dafür die ganze Schinderei?
Na danke schön!
Du hast doch genau so hübsche Beine wie ich?
Ach, das ist ja ein Bild aus unserer alten Wohnung.
Das hat Mama mir noch zum Schluss gegeben.
Ganz ordentlich.
Du bist noch immer das gleiche Kind wie früher.
Du solltest mir lieber helfen, Martina.
Au prima! - Nun komm!
Warum bist du denn so nervös?
Wenn nachher meine Gäste kommen...
Es ist dir doch recht, wenn ich dich als Martina vorstelle?
Ich heiße Tini!
Aber jetzt, wo du entlassen bist, kannst du doch ruhig wieder meine Schwester sein?
Deine Schwester ist tot. Begreifst du das denn nicht?
Martina Risst ist tot, ein für alle Mal!
Also gut, wenn es auch Unsinn ist.
Ich frage dich ja auch nicht, was früher war.
Du, wenn du mich verrätst, laufe ich wieder weg. Und du siehst mich nie wieder.
Schön, dann bist du eben meine Freundin Tini.
Danke! Du, hast du eigentlich anständige Wäsche?
Kommt dein Freund auch?
Du weißt ja gar nicht, ob ich einen habe.
Natürlich kommt er. - Na so natürlich ist das gar nicht.
Manchmal haben sie eine Familie oder irgendsowas.
Meiner nicht.
Ist er nett? - Zu mir ja.
Ich habe früher immer gedacht, du wirst mal zickig wie eine Oberlehrerin.
Aber so gefällst du mir viel besser.
Na hör mal, wir sind ja nur ein paar Jahre auseinander.
Hast du einen Rasierapparat? - In der linken Schublade.
Herrgott, die müssen ja gleich kommen.
Weißt du, eigentlich ist es mit den Männern immer dasselbe.
Aber ich bitte dich, Martina!
Na ja, was soll man machen? Sie mögen es nunmal so.
Ich finde, man darf so nicht über die Liebe sprechen, Martina.
Guck dir mal die kleine Unschuld an. Bist wohl doch eine Oberlehrerin?
Was hat denn das mit Liebe zu tun?
Du, da komme ich weiß Gott nicht mehr mit.
Schließlich ist es ja doch noch ein bisschen mehr,
als eine simple biologische Angelegenheit.
Lass doch die Fremdwörter. Verstehe ich nicht, habe ich nicht gelernt.
Dafür verschiedenes andere, was nicht in den Büchern steht.
Ich glaube, du hast mir so einiges zu erzählen, Martina.
Du meinst wohl beichten? Nee, ist nicht.
Du, das sind sie schon. - Was soll ich denn anziehen?
Such dir irgendwas raus.
Pünktlich wie immer, Herr Professor.
Seit zwei Stunden hat er nur den einen Wunsch, recht pünktlich zu sein.
Nichts gegen die Prinzipien!
Besonders, wenn das schöne Prinzip Irene Risst heißt.
Er hat auch gedrängelt und die ganze Zeit auf die Uhr geschaut.
Nun, was tut man nicht für seine Freunde?
Das ist mein Neffe Gerhard,
den ich ausgerechnet am Weihnachtsabend nicht ohne Aufsicht lassen wollte.
Da tun Sie gut dran. Darf ich bitten?
Mit ist im Augenblick unverständlich, dass wir gestern in meiner kalten Bude
so gegen die trauten Familienfeste wetterten. Die haben bestimmt viel für sich.
Ja, sonst säßen wir ja jetzt nicht hier.
Na ich fange an. Prost! - Prost!
Das freut mich, dass Sie meiner Einladung gefolgt sind, Professor.
Ich war ein wenig erstaunt, dass Sie uns zum Weihnachtsabend eingeladen haben.
Na weil Sie mir ein mal sagten, wir sähen uns zu selten.
Ich weiß. Ich habe es mir allerdings ein wenig anders gedacht.
Aber ich bin schon froh, wenn ich dabei sein darf.
Der große Chirurg hat kleine Komplexe. Sie müssen ihn mal in Behandlung sehen.
Das habe ich dem Professor auch schon mal vorgeschlagen.
Na und?
Fräulein Risst ging leider nicht auf meinen Gegenvorschlag ein,
ihr gratis den Blinddarm heraus zu nehmen.
Der Schwedenpunsch ist auch für Sie da. - Bücher sind meine große Leidenschaft.
Meine Freundin Tini.
Was hast du denn mit meinem Kleid gemacht? - Schick, was?
Professor Rauscher, mein Chefarzt. Doktor Mühlen, ein Kunstkritiker.
Gerhard Trautmann.
O Tannebaum, o Tannebaum... - Wie grün sind deine Blätter.
Ihr Wohl, Fräulein... - Tini.
Tini.
Ganz ordentlich.
Tini? Tini, das scheint eine finnisch-ugrische Sprachwurzel zu sein.
Na Sie haben Sorgen, alter Herr. Nee, Wurzel ist nicht, Blüte. Ist schon besser.
Tini!
Ein großartiger Name. - Zigarette?
Danke.
Nanu?
Sie dürfen es nicht merken. Ich mache Julklapp.
Tja, meine Herren, so kommen wir nicht weiter. So bleibt es ja stinklangweilig.
Da hilft nur eins: Hoch die Tassen!
Nun gehst du hinein und zündest die Kerzen an.
Wir haben leider mehr Gäste, als wir dachten.
Ja, ich weiß schon, der Neffe vom Professor. Ich habe was für ihn.
Und eine Freundin. - Auch hübsch?
Vielleicht zu hübsch für dich. - Uninteressant.
Auf gleich. - Ach, wie heißt denn deine Freundin?
Wieso?
Ich muss doch auch für sie ein Päckchen zurechtmachen
und den Namen drauf schreiben.
Tini. - Hinten mit Ypsilon?
Wie du willst.
Donnerwetter! Film, Rundfunk, Bühne? Ja, haben Sie denn ein Engagement?
Nein, das noch nicht, aber mein Typ ist überall gefragt.
Ohne Zweifel.
Ich hatte gehofft, Sie würden auch studieren.
Was denn? Schnaps und Männer? Nee, kenne ich schon.
Tini? - Ja?
Komm, du kannst mir helfen. - Au fein, endlich geht es los.
Gibt ja mächtig an, die Kleine.
Minderwertigkeitskomplexe bis zum Hals. Armes Luder.
Gerd, Sie gehen besser und suchen etwas passendes im Radio.
Weihnachtsglocken.
Der Professor ist ja ein Ekel.
Du solltest ihn mal operieren sehen.
Und der andere ist auch ein Dussel.
Doktor, machen Sie bitte das Licht aus?
Julklapp! Julklapp! Julklapp! Julklapp!
Für Sie, Professor. - Das ist für Sie.
Irene! - Gerhard!
Hoppla.
Bist du auch immer artig gewesen, Tini?
Der Bart ist ab!
Und ich dachte, Sie wären so ein oller, doofer Professor.
Warum sind Sie denn weg gelaufen? Dachten Sie, ich hätte Sie vergessen?
Julklapp! - Für mich?
Ja. - Oh, danke.
Viel zu kostbar.
Das Stück fehlt. Ich brauchte doch was für deine Freundin.
Donnerwetter. Eine echte Dunhill.
Von so etwas hat unsereiner nicht zu träumen gewagt.
Irenes Geschenk an Sie, Herr Professor.
Sie kennen meine geheimsten Wünsche.
Haben Sie eine Zigarette? - Bitte, gern.
Ich denke, Sie sind Nichtraucher? - Ach, erst seit 20 Jahren.
Aber mal muss man ja wieder, nicht?
Aber so was könnt ihr mit mir nicht machen.
Sie haben aber Mut. - Wieso?
Na ja, weil Sie das Irene weggenommen haben.
Vielleicht kann man es auswechseln. Ich schenke Ihnen eine viel schönere.
Das haut nicht hin! - Und wenn ich sehr darum bitte?
Have a drink? - Gute Idee.
Gestattest du bitte? - Kennen Sie den...
Bitte. - Danke.
Skol. - Skol.
Mopsen Sie sich auch so? - Mopsen? Was ist das?
Das olle Weihnachtsgedudel, die alten Lustmolche und überhaupt alles.
Ja. Aber was kann man tun?
Hier nebenan steht doch ein Grammofon? Mit ganz ordentlichen Platten.
Musik? Machen wir.
Wissen Sie, Professor, wenn Sie Furtwängler gehört hätten,
das Adagio im letzten Satz...
Ausgezeichnet.
Ein Momentchen, bitte.
Verdammtes Gedudel! Da hilft nur noch ein Bols.
Nur einen Tanz, bitte.
Was ist denn das? Soll ich das sein?
Schmeichelhaft ist das gerade nicht. - Nee, für beide nicht.
Aber gekonnt. Ein begabtes Luder.
Verstehen Sie Irenes Freundschaft zu diesem Mädel?
Ach, Sie haben Vorurteile, die heute nicht mehr gelten.
Wer weiß, welcher Zufall sie zusammengeführt hat.
Ein reizendes Zwischenspiel, aber ich glaube,
wir müssen auf Viktors weihnachtliche Gefühle etwas Rücksicht nehmen.
Wie du wünschst, Liebling.
Sehen Sie mal, so macht man das.
Wir brauchen noch etwas Weihnachtsmusik, Gerhard.
Na, mein Kind, wie fühlst du dich? - Fantastisch!
Wo haben Sie denn Zeichnen gelernt?
Ach, das habe ich überhaupt nicht gelernt. Das kann man so.
Ja, aber nicht jeder und nicht jede. Sie haben ein Kapital in Händen, junge Dame.
Stimmt.
Ach, Volker Tenissen? - Ja?
Eine indiskrete Frage. - Bitte.
Ich sah kürzlich in einer Illustrierten Aufnahmen
von Ihnen und anderen Fotomännern.
Die "Slums von Berlin" oder so ähnlich betitelt. Gut gemacht, muss ich sagen.
Aber doch wohl ein wenig gestellt, wie? - Irrtum, Herr Professor.
Das reale Leben. Ich glaube, Sie haben keine Ahnung,
wie interessant heute Deutschland ist. Shanghai ist nichts dagegen.
Ja, ja, ihr kommt heute alle zu uns, wie die Kinder in den Zoologischen Garten.
Da sind dann wilde Tiere, das ist schön gruselig.
Auf jeden Fall ganz interessant.
Na, ein bisschen Verständnis wäre uns lieber.
Sie verlangen da zu viel. Meine Kamera ist das unerbittliche Auge,
das alles sieht. Das genügt mir. Ich will gar nicht alles verstehen.
Sie können doch aber nicht leugnen, dass es tausend Probleme gibt,
die gelöst werden müssen.
Ihre Landsleute haben immer tausend Probleme gehabt
und sind an ihrer Lösung zerbrochen. Ich kann sie schon gar nicht lösen.
Ändern kann ich ja auch nichts.
Aber wird durch solche Darstellung
das Bild von Deutschland nicht wieder einseitig und schief?
Ach, man muss die Dinge nehmen, wie sie sind.
Was ist schon dabei, wenn wir Schoko-Ladys und Chesterfield-Girls knipsen?
Die Frauenvereine in Amerika ärgern sich
und können trotzdem nicht genug davon sehen.
Und wir verdienen anständiges Geld.
Und außerdem machen wir noch für die Frolleins Propaganda. Na bitte, ist das nichts?
Der Professor meint ja, der Ton macht die Musik.
Man kann doch schließlich die Milieutheorie nicht einfach überspringen.
Aus meiner psychoanalytischen Praxis weiß ich,
wie stark äußere Einflüsse gerade auf junge Menschen einwirken.
Milieu hin, Psychoanalyse her,
wenn der Blinddarm ranzig geworden ist, muss er raus,
sonst geht alles zum Teufel.
Na ja, Standpunkt des Metzgermeisters. Nee, Kinder, auf das ewig Weibliche,
darauf kommt es an.
Eine Madonna von Riemenschneider überlebt alle Frolleins. Prost!
Frolleins, das ist kein Problem, das ist ein Zustand, glauben Sie mir.
Ich habe mehr davon gesehen als Sie. Man kann sie fotografieren,
aber man sollte es nicht für der Mühe wert achten, über sie so viel zu reden.
Abfall gibt es überall, auch unter den Menschen.
Wissen Sie, dass die Mistkäfer die schönsten Farben haben?
Mistkäfer ist gut.
Habe ich was dummes gesagt? - Scheint so.
Martina. Martina! So sei doch vernünftig.
Ach, dieses verdammte Affentheater, das hält ja kein Mensch aus.
Kannst du nicht wenigstens einmal etwas Rücksicht auf mich nehmen?
Rücksicht? Ha, wer nimmt denn auf mich Rücksicht?
Lass mich doch verrecken. Bin doch schon einmal verreckt.
Martina ist tot, aber Tini möchte noch ein bisschen leben.
Schön leben, mit etwas Glanz und Flimmer. Wenn es auch Tünnef ist.
Geh doch schon, ich habe das Gequatsche satt.
Ich glaube, wir haben versehentlich einen Abzess aufgestochen.
Sie ist etwas nervös. Beide Eltern sind tot.
Und sie selbst war Flakhelferin während der letzten Kriegsmonate.
Sie ist ein bisschen verstockt und erzählt mir nicht alles, aber ich hoffe,
ich werde es schon noch heraus bekommen.
Wissen Sie, dass aus dem Mädel was zu machen wäre?
Sie hat eine ausgesprochene Zeichenbegabung.
Ich will mich ja auch um sie kümmern.
Wir sind als Nachbarskinder miteinander aufgewachsen.
Sie haben doch recht, Doktor, überall Probleme.
Ich habe mich verflucht daneben benommen, verdammt noch mal!
Oh! - Guten Tag.
Guten Tag. - Irene ist noch nicht da.
Dann möchte ich nicht stören.
Oh bitte, Sie können ja rein kommen.
Irene wird bald kommen.
Na ich weiß nicht.
Oder haben Sie Angst vor mir?
Oh, ein Reporter hat vor nichts Angst.
Wollen Sie eine parfümierte? Ohne schmeckt das Dreckzeug überhaupt nicht.
Ich glaube, das ist besser. - Okay.
Danke. - Bitte.
Eine neue Platte?
Ach, wir müssen erst mal die alte zuende spielen.
Ich habe so ein schlechtes Gewissen. - Wieso? Ist was schiefgegangen?
Ach, Sie wissen doch, Weihnachtsabend.
Sagen Sie lieber Mistkäfer.
Ja, man redet manchmal zu viel, und dann wird es Blödsinn.
Sie haben sich verdammt anständig benommen.
Oh, ein Kompliment.
Ein Mann darf nicht schlecht über Frauen sprechen.
Das war in der Ordnung, dass Sie das nicht mit anhören wollten.
Vielleicht noch eine Platte. - Feine Idee.
Sag es mit Musik.
Wollen Sie jetzt vielleicht mit mir tanzen?
Sie sind großartig.
Jetzt habe ich aber keine Lust, Volker Tenissen.
Ach, ihr in Deutschland seid wirklich schrecklich kompliziert.
Na Sie müssen das doch mögen.
Sonst wären Sie doch nicht Irenes Freund...
Irrtum, meine Dame! Ich verstehe Irene ja auch oft nicht.
Ach so ist das. - Ja, so ist das.
Könnt ihr denn nicht einfacher sein? Man ist doch nicht auf der Welt,
um sich das Leben schwer zu machen.
Bei uns in Schweden da ist alles natürlicher.
Wir baden sogar nackt zusammen. Und es passiert auch nicht mehr als sonstwo.
Und das finden Sie interessant?
Ich wollte ja damit etwas anderes sagen.
Ihr habt verlernt, was wirkliche Kameradschaft ist.
Ja, ja, ich weiß schon. Die Fahne hoch, die Reihen fest geschlossen.
Danke, mein Herr! - Unsinn!
Ich meine die Kameradschaft zwischen Mann und Frau.
Ihr wollt immer gleich kämpfen und euch gegenseitig auffressen.
Aber man kann doch auch nett sein, ohne... - Ohne?
Sie wissen schon, was ich meine.
Schön wäre es ja. - Wir beide, zum Beispiel.
Ich glaube, wir könnten wirklich gute Kameraden sein.
Auch wenn es mal ernst wird? - Gerade dann.
Das gibt es nicht. - Doch, das gibt es.
Ohne das wäre die ganze Welt keine Atombombe wert.
Sie würden mir also ein guter Kamerad sein, Volker?
Ja, das würde ich.
Ganz ohne? - Ganz ohne.
Hallo? - Hallo, Irene!
Fein, dass ich dich noch treffe.
Ich bin so im Vorbeigehen einmal rauf gekommen.
Diese verdammte Tretmühle. Mach uns doch mal etwas Tee, Tini.
Ach, für mich bitte nicht. Ich muss leider gleich in die Redaktion.
Bis jetzt hast du doch Zeit gehabt?
Wir haben Kameradschaft geschlossen, Volker und ich.
Das ist aber sehr schnell gegangen.
Du, hier sind neue Bilder.
Vielleicht kannst du einen schönen Text dazu machen?
Aber doch nicht gleich, ich bin heute zu müde, Volker.
Darling.
Du musst gehen, in der Redaktion wartet man auf dich.
Tja, es ist tatsächlich gleich Vier Uhr. Ich muss leider fort.
Verzeih, wenn ich sitzen bleibe. Tini wird dich raus bringen.
Du, Irene, darf ich heute Abend kommen?
Ich bin so gar nicht in Stimmung. Außerdem ist ja auch dein Kamerad Tini hier.
Auf Wiedersehen, Darling. - Auf Wiederschauen.
Das ist ja eine entsetzliche Schlamperei hier. Alles lässt du rumliegen.
Der reinste Hurenstall!
Na, die Jungs mögen das doch.
Du verstehst ja nur nicht mit ihnen umzugehen.
Hör auf und bring die Bude in Ordnung.
Wieso denn, er ist doch schon wieder fort?
Wohnst du eigentlich bei mir, oder ich bei dir?
Ach, jetzt kommt die Masche.
Hör mal zu, Martina. Irgendetwas ist doch mit dir los.
Was hast du denn auf der Seele. Willst du es dir nicht mal runterreden?
Ach, jetzt kommt dein Viertelstündchen Psycho... Psycho...
Ach, ist ja auch egal, wie das heißt.
Nee, mein Schatz, ich bin nicht dein Versuchskaninchen.
Aber meine Schwester. - Na und? Was weiter?
Ach, du bist arrogant, weil du eine Menge durchgemacht hast.
Aber das haben wir anderen auch! Das ist die mieseste Art von Stolz!
Wer nicht dabei war, soll lieber die Schnauze halten.
Was weißt denn du, wie ich mir mein Studium erkauft habe?
Na mit Rumsitzen und Büffeln und Budenzauber.
Überhaupt, dieser ganze Bildungsquatsch. Zum Kotzen ist das!
Durchwachte Nächte, kein Geld und nichts zu Essen. Ist das alles nichts?
Schweinische Kollegen und der Gestank im Krankenhaus,
und die ewige Angst zu versagen. Ist das alles nichts, Martina?
Glaub mir, Martina, ich habe genau so Haare lassen müssen wie du.
Lass mich los!
Du glaubst, ich bin keine Frau, weil ich nicht mit jedem ins Bett gehe?
Aber es gibt noch Dinge, die wichtiger sind im Leben.
Nicht mal so einen famosen Jungen wie den Volker kannst du halten.
Du bist ein Apparat, aber eine Frau? Da lache ich!
Wenn du denkst, dass du mich schlagen kannst. Du, da habe ich Übung!
Das glaube ich!
Ich habe heute Morgen mit der Fürsorge telefoniert.
Und da hast du...
Nein. Ich habe ihr gesagt, dass du dich bei mir nicht gemeldet hast.
Da muss ich wohl mal wieder Danke sagen, was?
Nein, das brauchst du nicht. - Aber?
Wenn du nicht meine Schwester sein willst, für die ich mich einsetzen kann,
dann musst du wieder zurück.
Niemals!
Ernestine Kuczinsky muss zurück. - Denkste!
Martina, sei doch vernünftig! Es muss doch sein!
Irgendwie kommt es ja doch mal heraus. Sie erwischen dich auf jeden Fall.
Mich erwischen die nicht wieder, darauf kannst du dich verlassen.
Ich haue auch wieder ab, na klar! Immer wieder haue ich ab. Was denn sonst?
Ich lasse dich auf keinen Fall so gehen.
Ach du, Mensch, ich bin schon mal getürmt. Das war aber ganz anders da.
Aber das erzähle ich niemandem, dir schon gleich gar nicht.
Weißt du, es hat keinen Zweck mich festzuhalten, da passiert etwas,
das geht nicht gut aus. Und es ist mir ja auch ganz egal, Mensch!
Martina!
Hallo!
Ich wollte nur wissen,
gilt die Kameradschaft noch? - Was ist denn los?
Natürlich, komm schnell rein.
Du kannst ruhig weitersprechen, die Tür von der Dunkelkammer, die ist bloß aus Pappe.
Ich habe mich mit Irene verkracht. - Ernstlich? Das ist doch unvorstellbar.
So was gibt es doch gar nicht.
Doch, das gibt es. - Ja, wenn man euch Frauen allein lässt.
Beinahe wäre es kaputt gegangen. Eine einmalige Gelegenheit.
So was? - Nein, das Nilpferdbaby.
Fünf Minuten nach der Geburt. Titelseite. Bringt mindestens 500 Mark.
Mädchen, wie siehst du denn aus? Du zitterst ja. Warte mal!
Hier, Rentierwolle. Schnell anziehen. Scheußliches Wetter heute.
Warte mal, wird gleich schön warm.
Whiskey oder Gin? - Whiskey, bitte.
Ah, Whiskey. Immer das Vernünftigste.
Na, darf ich mich umdrehen?
Ich denke, ihr in Schweden badet nackt zusammen?
Bitte. Skol. - Skol.
Oh, brav so. - Na, wenn das brav ist...
Hast du einen Kamm? - Ja. Bitte.
Na, also was gab es denn nun? - Muss ich es sagen?
Du musst gar nichts.
Unter Kameraden muss man nichts, das ist das Schöne an der Sache.
So habe ich es mir auch vorgestellt. Also Schwamm drüber.
So was machst du? - Ja.
Katastrophen, Unglücke. Schrecklich aufregend.
Und natürlich nackte Weiber.
Stinklangweilig sogar. Es waren drei Beleuchter und ein Manager dabei.
Herrgott, du musst ja was essen. - Ich habe keinen Hunger.
Aber ich! - Warum fragst du mich dann?
Ach, ihr Männer.
Was soll denn das werden? - Mein Leibgericht, Pfannkuchen.
Oh, meins auch. Milch, bitte.
Hier. - Gut.
Dann Ei. - Und Salz.
Bitte. - Hast du eine Zitronenschale?
Nee, nur Saft. - Das geht nicht.
Geht nicht. Fett, nicht zu wenig. - Warum sagst du das?
Die Mädchen, die zu mir kommen, wollen immer sparen. Das ist zum Heulen.
Kommen oft welche? - Muss ich es sagen?
Nein, du musst nicht. Unter Kameraden muss man nichts.
Bravo! Schnell Tisch decken.
Bring doch mal ein Messer rüber. - Wozu?
Für zum Umdrehen. - Oh nein, das macht man so.
Prima, das kann ich auch. - Na?
Eins, zwei, drei. - Hopp!
Hier, redlich geteilt. - Nein! Ich bin voll wie ein Sandsack.
Wie soll ich dich denn nun eigentlich nennen?
Tini.
Tini? Tini, das ist doch gar kein richtiger Name.
Ist das so wichtig?
Ich finde es ganz nett, wenn man gar keinen richtigen Namen hat.
Dieser Ort ist wunderbar. Bei dir ist es wunderbar.
Na also!
Ich habe mit einem Mal gar keine Angst mehr. Vor nichts.
Na hör mal, du und Angst?
Doch, doch, ich habe eigentlich immer welche.
Sitzt hier drin, weißt du? Ganz tief. Ich muss immer wieder weg.
Und das macht die Angst.
Das ist ganz dumm, aber hier möchte ich bleiben.
Das kannst du ja auch. Ich jage dich bestimmt nicht weg.
Wir hatten ein so hübsches Haus. Ach, das ist schon so lange her.
Richtig mit Veranda und Bäumen und Blumen.
Aber das ist nun schon lange vorbei. Verbrannt. Und die Eltern? Tot.
Aber ich war da schon dienstverpflichtet. Scharfe Munition für die Soldatenmädchen!
So hieß es. Warst du schon einmal in einer Fabrik?
Na klar, oft.
Ja, so mal durchgegangen, ein paar Fotos gemacht.
Und hinterher auf den Schreck gut gefrühstückt.
Aber jeden Morgen um fünf raus, runter vom Stroh da in der Baracke.
Überhaupt diese Baracken. Die gingen dann auch noch kaputt, diese Bruchbuden.
Und dann kamen die Panzer.
Ach, das war ja schon später. - Und was war denn früher?
Hast du schon mal einer 8,8 gestanden, mein Junge? Mit Stahlhelm auf dem Kopf?
Siehste, hast du nicht.
Ich war beim Komandogerät. Ja, da konnten sie nur welche mit Grips gebrauchen.
Tadellose Waffe. Peng, nach allen Seiten.
Und dann hatten sie keine Munition mehr. Aus! Die Jungs waren natürlich noch da.
Und zu Essen gab es auch.
Du, da war alles dran.
Alles, ja. Bei den anderen alles.
Aber bei mir? Fiel alles aus wegen Nebel.
Weißt du, es war ganz komisch bei der Landarbeit.
Bei der Flak und in der Fabrik immer nur Dienstvorschriften.
Da haben wir nur gelernt, nach Dienstvorschriften zu leben.
Da, auf einmal, gab es keine mehr.
Wir mussten uns selber helfen. Jeder sich selbst, jeder für sich.
Lausig kalt war es. Die Uniformen hatten wir weggeschmissen
und die Schuhe durchgelatscht. Immer weiter!
Fern der Heimat. Heimat!
Da ist dann manches passiert.
Nichts wusste man mehr, nichts galt mehr.
Was sollte denn auch noch im Schutt sein?
Unter zusammengeschossenen Brücken, in Kellern?
Und dann damals, in den letzten Tagen,
als wir auf dem Rückmarsch zwischen die Fronten kamen
und niemand mehr wusste, wo wer stand, das war das Grauenhafteste.
Das alte Haus mit den besoffenen Kerl und dem Blut im Gesicht und dann...
Was war dann?
Nichts.
An den Colonel denke ich gern. Er war noch sehr jung und verdammt nett.
Strümpfe, Schokolade und sonst alles.
Ja, er war so weit ein ganz fairer Junge, bis...
Tja, bis er mich eben raus schmiss.
Das heißt, ich wollte ja auch schon weg.
Bloß erst mal den Bauch voll und keine Kippen mehr.
Ich musste ja weg.
Eine Razzia hast du vielleicht auch schon mal fotografiert.
So neben MP, und ein Durchgangslager.
Aber vier Monate lang Bahnhofsbunker Hannover, das kann niemand fotografieren.
Niemand. Auch du nicht, mein Lieber.
Das Geschäft war ganz gut.
Ich kam gerade nach Hause, als es brenzlig wurde.
Ja und dann? Parole: Leben!
Drei Stangen Zigaretten und Schokolade.
Billig, Mädchen, musst du aber bei mir selbst abholen.
Warum denn nicht? Was ist denn dabei?
Wer nicht will, der hat schon.
Und türmen kannst du immer.
Aber warum denn? Wozu denn?
So wird man ein Frollein. So und nicht anders.
Jetzt weißt du alles.
Ja, Tini. So, jetzt musst du aber Schlafen gehen.
Es ist schon ganz kalt geworden. Komm!
Gürtel auf!
Wenn du noch was lesen willst...
Wo willst du denn hin?
Ich schlafe bei einem Freund. Auf dem Fußboden da ist es mir zu hart.
Und vor allem zu romantisch.
Und wenn ich mich ganz schmal mache?
Ich denke, ihr in Schweden...
Du kannst ja das bekannte Schwert zwischen uns legen?
Man könnte höchstens die Mauern von Jericho zwischen uns aufbauen.
Guten Morgen. - Guten Morgen!
Wir können frühstücken. - Ist ja großartig!
Wann hast du denn das gezaubert?
Na, wen willst du denn heute fotografieren?
Glückliche Leute, nur glückliche Leute.
Du bist wie eine richtige kleine Frau.
Ich habe es mir schon überlegt, ich lasse dich einfach nicht wieder fort.
Oder willst du wieder fort? - Nein.
Aber ich muss.
Warum? Hast du wieder Angst? Auch vor mir?
Nein. - Na also.
Du bist ja auch ganz anders.
Ich habe ja nicht gewusst, dass...
Ach, ich weiß schon, was du denkst. Ist es wegen Irene?
Sieh mal, ich habe Irene sehr gern, das weißt du ja,
aber ich habe immer das Gefühl, sie braucht mich nicht.
Sie ist so selbständig, sie hat ihren Beruf, ihre Arbeit, ihre guten Freunde.
Ja, und wenn sie dann gerade mal in der Laune ist, dann findet sie es sehr nett,
auch mit Volker Tenissen einmal zusammen zu sein.
Aber wann hat sie einmal Zeit?
Und bei dir, da ist das ganz anders. Das merke ich, das fühle ich.
Wenn du mich ansiehst, dann denkst du eben nur an mich.
Und wenn du lachst, auch sogar wenn du weinst, immer.
Ich habe so das gute Gefühl, du brauchst mich. Und das schon macht mich glücklich.
Nichts weißt du von mir. - Doch, alles weiß ich von dir.
Und sogar noch viel mehr.
Besser, die Frolleins gehen, bevor sie rausgeschmissen werden.
Rede doch nicht so einen Unsinn! Du bist doch gar kein Frollein.
Genügt dir das noch nicht, was ich dir erzählt habe?
Du könntest erzählen und erzählen und würdest doch keins.
Aber eins weiß ich:
Ich könnte es nicht ertragen, wenn du gehst. Ich liebe dich.
So? Du liebst mich? - Aber ja.
Ich habe immer gedacht, Liebe ist Quatsch. Liebe gibt es nicht.
Es ist immer nur das andere.
Das wäre ja ganz schön.
Aber das geht doch nicht, das ist doch Unsinn.
Volker, du musst mich rausschmeißen! Ich muss ja doch wieder weg!
Irene ist nicht meine Freundin, Irene ist meine Schwester.
Und ich bin Martina Risst. - Martina Risst?
Liebe, kleine Martina. - So, jetzt muss ich weg.
Niemals! - Ich kann nicht bleiben!
Lauf doch! Lauf doch fort, wenn du kannst. - Du lässt mich nicht fort?
Nie! Nie mehr! Ich werde Irene schreiben. Ich schreibe ihr alles.
Sie wird es schon verstehen.
Nein! Nein, nie darf Irene erfahren, dass wir...
Wenn du willst, dass ich bleibe.
Darf ich?
Ein seltener Besuch. - Ja, was bleibt denn weiter übrig?
Wenn man heutzutage seine Freunde sehen will,
dann muss man sie bei der Arbeit besuchen.
Na ja, bei euch geht es ja auch um Leben und Tod.
Bei uns nur um ein paar Takte Musik. Um die Erschütterung im Spiel.
Waren Sie schon beim Professor?
Ja. Er hat eine Operation hinter sich und eine schwere vor sich.
Dazwischen hat er mir was vorgeraucht. Blauer Dunst aus der neuen Dunhill.
Blauer Dunst schadet nicht. Vielleicht ist alles, was wir machen, nur blauer Dunst.
Ja, dasselbe sagte Rauscher auch.
Dabei hat er Sorge um Sie, Irene.
Schien mir wenigstens so.
Was gibt es denn?
Da bekommt man so einen blödsinnigen Brief, und gleich schmeißt es einen hin.
Ja, das Herz. Aber Sie sind doch eine moderne Frau.
Wenn es darauf ankommt, ist jede von uns nur ein Gretchen
oder ein Käthchen von Heilbronn. Es ist zum Kotzen.
Man zahlt im Leben ja immer drauf, aber...
Man fängt sowas an, aus Hygiene sozusagen, und...
Und auf einmal ist es Liebe. - Es scheint so.
Ich glaube, die Diagnose stimmt.
Ihr Seelenkünstler kommt also auch mal in die Klemme.
Man sollte es nicht für möglich halten. - Danke.
Ich sehe es ja ein, ich habe kolossale Fehler gemacht.
Man kann eben einen Jungen, der einen gern hat,
nicht einfach wie einen Regenschirm in die Ecke stellen
und ihn dann wieder hervor holen, wenn es einem passt.
Aber deshalb braucht er doch nicht so einen Brief zu schreiben.
Da stimmt doch kein Wort, das merkt man doch.
Wissen Sie, Irene, wenn ich jetzt Ihr Kollege wäre, etwa wie der Metzgermeister,
der Professor, dann wäre ich natürlich aus beruflichen Gründen fürs Operieren.
Wenn etwas faul ist im Staate Dänemark, hinein mit dem Messer.
Wissen Sie, was Sie jetzt tun müssen?
Hingehen zu Tenissen, mit ihm reden. Er ist doch ein hochanständiger Junge.
Ich zu Volker? Nee!
Jetzt? - Völlig okay.
Bin gar nicht so dumm, wie andere Leute aussehen.
Schön weiter machen, bin gleich wieder da.
Augenblick mal, erst abdecken. - Sehr gut, Fräulein Assistentin.
Irene, du? - Ja, ich.
Bist du allein, oder soll ich lieber draußen bleiben?
Komm!
Willst du nicht Platz nehmen?
Ich habe immer gedacht, zwischen uns wäre alles klar und fair, Volker.
Ja, natürlich, Irene.
Dann habe ich also ein Recht auf eine Aussprache?
Der Weg hierher ist mir ja nicht so furchtbar leicht gefallen.
Das kannst du mir schon glauben.
Aber ich finde, das Dümmste unter erwachsenen Menschen
sind Missverständnisse.
Ich habe doch in meinem Brief alles zu erklären versucht, Darling? Verzeih!
Gewiss, du hast sehr nett geschrieben.
Komischerweise seid ihr Männer in solchen Fällen die geborenen Schriftsteller.
Aber worauf führt denn das hinaus, Volker?
Du lässt mich stehen wie so ein kleines Verhältnis?
Das kann ich nicht begreifen.
Trotz allem meine ich, wir bleiben gute Freunde, Irene.
Ach, Freunde. Freundschaft, das redet man so dahin,
ohne sich irgendetwas dabei zu denken. Darum ging es bei uns ja auch gar nicht.
Entweder man liebt, Volker, oder man liebt nicht.
Ja, ich liebe. - Eine Tänzerin, schreibst du.
Das kann doch gar nicht sein, das ist doch unmöglich.
Nach allem, was zwischen uns war?
Du musst zugeben, Irene, du hast es mir schwer gemacht, an deine Liebe zu glauben.
Ich weiß, ich habe Fehler begangen.
Das ist ja das Schreckliche, dass ich das jetzt erst bemerke.
Auf einmal, wo du...
Es ist mir alles so durcheinander gegangen, in der letzten Zeit.
Weißt du, und dann habe ich doch meine kleine Schwester wiedergefunden.
Damals auf dem Gerichtskorridor, weißt du noch?
Ich wollte nur zu dir nicht zu viel davon sprechen.
Vielleicht war das falsch. Sie hat Grauenhaftes erlebt,
meine kleine Martina.
Ein Marsch durch die Hölle. Und ein Mädel von noch nicht 20 Jahren verurteilt wegen...
Du kannst dir schon denken, warum. Fürsorge und wieder geflohen,
und dabei immer auf der Flucht vor sich selber.
Ich musste natürlich versuchen, sie wieder zurecht zu rücken.
Aber ich habe wohl keine Geduld gehabt.
Wahrscheinlich, weil du in mein Leben getreten warst.
Und da kam es dann so, dass ich auch mit dir keine Geduld hatte.
Vielleicht wäre es richtiger gewesen, wenn du mir das alles damals gesagt hättest.
Ach, Volker!
Ich wusste ja selbst noch nicht, wie ich es anfangen sollte.
Und schon gar nicht, wie ich es dir sagen sollte.
Martina ist doch... Martina ist doch wirklich so ein lieber Kerl.
Mein Gott, wenn ich an das Kind von früher denke. Und jetzt?
Da ist alles unter Schutt begraben.
Und das alles weg räumen, das gelingt mir nicht.
Und ich hatte Angst, du würdest mich nicht verstehen,
wenn ich zu dir davon sprechen würde.
Du würdest vielleicht verächtlich sagen:
"Deine Schwester? Na ja, auch so ein Frollein!"
So wie ich mich kenne, hätte ich das bestimmt nicht gesagt.
Ach, ich glaube es ja, Volker. Aber man macht eben Dummheiten über Dummheiten.
Mir ist die Sache mit Martina so nahe gegangen, und doch konnte ich sie nicht halten.
Trotz aller Psychologie.
In eigenen Angelegenheiten da taugt eben das schönste Studium nichts.
Ach Volker, ich bin völlig durcheinander.
Was nützt es schon, wenn ich dir sage, dass sie einen neurotischen Komplex hat?
Einen echten Angstkomplex.
Gar nichts besagt das. Sie muss etwas furchtbares durchgemacht haben.
Und wenn man daran rührt, dann stellt sie sich tot.
Aber ich muss ihr doch helfen! Ich bin doch der einzige Mensch, den sie noch hat!
Ich muss nur erst heraus bekommen, was da los gewesen ist, Volker.
Und ich werde es irgendwie schaffen, bestimmt.
Ich muss nur Martina erst wiederfinden, und du sollst mir dabei helfen, Volker.
Ich weiß sonst nicht mehr ein noch aus.
Ich bitte dich, Volker, du kannst mich doch jetzt nicht allein lassen?
Ich kann doch nicht die beiden einzigen Menschen verlieren, die ich liebe.
Ich liebe dich, ich habe es nur nie so gewusst.
Wollen wir das Gespräch nicht lieber abbrechen, Irene?
Wie wollen doch nicht feige sein, Volker.
Wenn du mich nicht mehr liebst, dann muss ich Martina eben allein suchen.
Dann muss ich eben allein bleiben. Ich glaube ja nur nicht an die Tänzerin.
Das zu schreiben war auch dumm von mir.
Ich liebe Martina.
Martina?
Irene! Irene! Irene!
Sei doch vernünftig, Irene!
Aha, unser Ausreißer!
Ich möchte meine Zeit abmachen, bis zur Entlassung.
Komm mal her!
Wo hast du dich denn herumgetrieben?
Ich habe mich nicht rumgetrieben.
Es hat ja keinen Zweck. Einmal erwischen sie einen ja doch.
Sieh mal an, allerhand Einsicht. Leider nur etwas zu spät.
Es wäre doch schade um dich, Ernestine.
Dann können wir ja die Suchmeldung zurückziehen.
Ich will sehen, dass es ohne Zusatzstrafe abgeht,
weil du von selber zurück gekommen bist.
Danke.
Und keine Dummheiten mehr machen, Kind, es lohnt sich nicht.
So, nun geh! - Jawohl.
Darf ich nur darum bitten, dass niemand etwas erfährt, dass ich wieder hier bin?
Auch nicht Fräulein Doktor Risst?
Niemand von draußen.
Ist gut.
Oh je.
Und du hast bei der Fürsorge auch nichts erfahren?
Nein, sie geben keine Auskunft.
Volker, ich will ja nicht indiskret sein,
aber was hat sie dir damals zum Abschied eigentlich geschrieben?
Ach warte mal, das kannst du gerne sehen. Hier.
Das lag auf dem Schreibtisch. Sind auch nur ein paar Zeilen.
Sucht mich nicht, ihr findet mich doch nicht?
Womit sie leider recht behalten hat.
Du, ich bin die ganze Stadt abgefahren. Eine Woche lang.
Aber nirgendwo was zu finden, gar nichts, auch nicht... Na ja...
Ich kenne euer Berlin jetzt so gut, als wenn ich hier geboren wäre.
Aber was könnten wir denn sonst noch machen?
Tja, Polizei. - Nein, das möchte ich nicht.
Aus verschiedenen Gründen nicht, Volker.
Nach all diesen Andeutungen, die sie uns immer wieder gemacht hat?
Ich habe Angst, wir würden ihr schaden. Polizei auf gar keinen Fall.
Fräulein, zahlen bitte! - Augenblick!
Nein, nein, das mache ich schon.
Jedenfalls freut es mich, dass du überhaupt gekommen bist.
Schön, dass ich dich mal wieder gesehen habe, Irene. Dir geht es gut?
Danke, ja. - Zwei Kaffee, bitte.
Auf Wiederschauen.
Also ich suche mir diesmal eine Stelle als Bardame.
Ja, vier Groschen die Tasse.
Was willst du denn jetzt anfangen, Tini?
Das ist doch egal, ich weiß es noch nicht.
Willst du nicht mit zu mir kommen?
Wir können es uns beide doch zu zweit schon ganz lustig machen?
Nein, nein, lass mal.
Ihr könnt ins Büro kommen, eure Papiere abholen.
Es lebe die Freiheit!
Tschüss! - Und viel Vergnügen noch!
Tschüss, Mädels! Und kommt recht bald wieder!
Denkste!
Ich kann euch nur immer wieder das eine sagen, was ich allen zum Abschied sage.
Führt euch im Leben so, dass ich euch hier nie wieder sehe!
Regine. Na, wie hat es dir gefallen? - Ach Gott, es war zu ertragen.
So, Lotte, erwartet dich dein Bruder wieder draußen?
Denke schon. - Mach es gut.
Ernestine. Es ist oft nach dir gefragt worden.
Aber weil du es so wolltest, habe ich nichts verraten.
Aber ich habe das Vertrauen zu dir,
dass du dich vor allem bei Fräulein Doktor Risst melden wirst.
Es ist so schwer, allein durchs Leben zu gehen, wenn man so jung ist.
Du solltest diese Hilfe nicht ablehnen.
Und wenn die nun "Seerose" abbremsen? Wat denn? Dann bist du geplatzt.
Ach, entschuldigen Sie... - Ja, bitte?
Ich suche Donnie. Können Sie mir nicht sagen, wo ich ihn finde?
Das weiß ich leider nicht.
Donnie? Da fragen Sie doch mal bei...
Entschuldigen Sie bitte, können Sie mir nicht sagen, wo Donnie ist?
Donnie? Ja, der war gestern hier. Bei Tantchen, glaube ich.
Danke schön.
Lass das heulen! Du weißt, das macht mich nervös!
Ach Quatsch. Bloß Betthase? Nee, mein Schatz, das genügt mir nicht.
Ich brauche eine Lady, mit der ich mich sehen lassen kann.
Sie hat wieder was Dummes gemacht?
Da bin ich gestern mit ein paar Geschäftsfreunden zusammen, 1A-Leute,
und was macht das blöde Weib?
Besäuft sich und vermasselt mir die Tour.
Na, ich habe es ja gewusst, keine Bildung. Ist das unmöglich.
So was lassen Sie nur aus, Fräulein!
Los!
Tag, Tantchen, wie geht es denn? - Zu wem wollen Sie denn?
Das weißt du doch ganz genau. - Donnie ist für niemanden zu sprechen!
Er hat doch so viel zu tun!
Freches Stück! Lässt sich ja von nichts abriegeln!
Tini, du?
Tini! Ich habe dich gar nicht erkannt. Nee, diese Freude! Die Tini!
Los, los, Tantchen, hau ab.
Aus der Fürsorge getürmt?
Nein, heute entlassen.
Ist wohl eine ganz neue Tour bei dir.
Siehst du denn nicht, ich habe eine Besprechung.
Wirds bald, oder soll ich dir helfen?
Setz dich.
Nun erzähl mal.
Raus!
Nicht mal im Geschäft zu gebrauchen.
Dass du gleich zu Donnie kommst.
Wo sollte ich denn sonst hin?
Du hast mich doch früher ganz gut gebrauchen können.
Die alte Bahnhofs- und Bunkerromantik ist nicht mehr.
Man muss mit der Zeit gehen.
Vornehme Aufmachung, seriöse Kundschaft, einwandfreie Ware.
Antiquitäten? - So was ähnliches.
Die Kleine fliegt natürlich dann heute schon. Die ist sowieso überfällig.
Du kriegst ihr Zimmer nebenan. Heute Abend ist hier was los,
da kannst du beweisen, ob du noch die alte Tini bist.
Hast du was zum Anziehen? - Natürlich, ganz groß.
Aber heute Abend mal nur lieblich-lasterhafte Unschuld.
Kurzes Röckchen, frühreife 15jährige.
Da kriege ich dich großartig drauf hin.
Herb oder süß? - Süß.
Hör mal, Tini. - Ja?
Du brauchst bei dem Kerl nicht gleich mit der Tür ins Haus fallen.
Kleine Flamme, langsam aufdrehen.
Sonst noch was?
Schnauze halten. Und hübsche Bilderchen stellen, das ist alles.
Da ist er schon, lass ihn rein.
Ich werde, glaube ich, erwartet. - Herr Kuchenreuther, aber natürlich.
Ach, Sie! - Mensch, hau doch ab!
Kommen Sie doch bitte näher.
Kann ich nicht vielleicht hier draußen oder drüben in der Kneipe...
Nein, er erwartet Sie ja schon. Er hat schon viel von Ihnen erzählt.
Kommen Sie doch bitte, ja?
Na, haben Sie nun doch den Weg zu mir gefunden?
Das ist meine Nichte Tini. Eine reizende Krabbe.
Weil Sie doch sowas gerne haben. - Ach, das sagt man so.
Junges Fleisch in Seide macht immer Spaß.
Kommen Sie.
Zigarette? - Danke, ich rauche nicht.
Zigarre? - Nein, wirklich nicht.
Aber Herr Kuchenreuther.
Zäh wie alter Gummi, du wirst aufdrehen müssen.
Die Sache geht in Ordnung, Kuchenreuther.
Der Lithograph, der mit uns arbeitet ist First Class.
Die Geschäfte haben doch Zeit.
Wir wollen doch lustig sein heute Abend.
Danke, Fräulein, ich trinke nicht.
Nanu, Sie sind doch ein Mann von Welt.
Ja, man muss auch seine Grundsätze haben.
Wir haben keine.
Ich auch nicht.
Was meist daneben geht.
Mir was Scharfes.
Wenn es rauskommt, bin ich genau so drin wie alle anderen. Schlimmer.
Immer mitmachen, Onkelchen.
Da kann man nicht anders, da muss man, was?
Ich wollte ja gar nicht hier reinkommen, ich wollte ja nur sagen,
Es geht nicht, ich kann es nicht machen. - Warum denn?
Wenn wir schon die Druckstöcke haben, die Hauptsache ist das richtige Papier
mit dem echten Wasserzeichen.
Wir sind doch keine Hampelmänner, Kuchenreuther.
Das Papier ist da, original. Was wollen Sie mehr?
Mumm, Mumm, Onkelchen. Wir wollen uns doch noch einen gemütlichen Abend machen.
Ja, es beißt nicht.
Nanu, was ist denn los? Aber Onkelchen.
Hier, Meister. Echt oder nicht?
Ja, echt ist es. Sogar mit echtem Wasserzeichen.
Na also.
Aber ich kann es trotzdem nicht machen.
Ich habe es mir überlegt, ich kann es nicht riskieren, beim besten Willen nicht.
Wenn du glaubst, dass du uns zum Narren halten kannst, dann...
Donnie! Donnie! - Was ist denn?
Was ist denn los, Kinder? Stromsperre.
Es ist überall das Licht ausgegangen. - Du merkst auch alles, Tantchen.
Er darf auf keinen Fall weg. Auf keinen Fall. So oder so.
Los, an die Arbeit.
Ich muss aber jetzt gehen. - Ausgeschlossen.
Sorgt für Krach draußen. - Ja, Donnie.
Moment.
Donnie, ich kann nicht mehr.
Du hast doch keine Skrupel? Ich habe es nicht vergessen,
du hast doch einen auf dem Gewissen, nicht ich.
Wenn du schlapp machst, bist du dran.
Aber Fürst, zu einem Prösterchen reicht es doch.
Ich muss jetzt wirklich gehen.
Niemand muss müssen, Kuchenreuther. - Was wird hier eigentlich gespielt?
Haben Sie es noch immer nicht begriffen?
Gedruckt wird so oder so, sie sind schon in deinem Laden.
Warte also, bis sie mit dem Schlüssel zurück sind.
Gefällt dir denn das Mädchen gar nicht?
Raus! Raus!
Überleg es dir, du hast die Wahl!
Ich schreie um Hilfe, ich schreie um Hilfe!
Donnie, aufhören! - Hilfe!
Was ist denn hier los?
Direkt vor den Wagen gelaufen, wir konnten nichts machen.
Es stimmt, ich kann es bezeugen.
Kennt jemand die Verunglückte? - Nein.
Papiere hat sie auch keine bei sich.
Das hat keinen Zweck mehr, die ist hin.
Das ist ein Fall für den Professor. Ich rufe ihn mal gleich an.
Denken Sie bitte daran, Irene, dass das Schönste am "Don Giovanni"
die Overtüre ist.
Das kommt davon, wenn man ein Mauerblümchen ohne vorherige Warnung
in die Oper entführt, meine Herren. Ich habe keine Übung mehr im Ausgehen.
Darum sind wir ja hier.
Es ist höchste Zeit, dass Sie auf andere Gedanken kommen.
Sie arbeiten zu viel. - Ich bin in einer Minute fertig.
Jetzt kannst du gleich mal wieder ein Beispiel erleben,
wie Frauen mit der Zeit umspringen.
Das muss der Oberarzt sein, bitte nicht abnehmen.
Hier Rauscher.
Bitte?
Ja, natürlich, dann komme ich. Ja.
Sie haben ein junges Mädchen eingeliefert. Es geht um Leben und Tod.
Vielleicht kann ich helfen. Es hat nicht sollen sein.
Schade.
Na, mit mir ist das nicht zu machen. Die Kunst hat kein Telefon.
Können wir?
Ich habe ja meine Tasche vergessen.
Ziemlich wüste Angelegenheit.
Totaler Schockzustand. Sofort Kreislaufmittel.
Nanu.
Verbinden Sie mich sofort mit Fräulein Risst.
Hat doch länger gedauert, Doktorchen, da bin ich.
Acht und eine Halbe, es kommt allmählich hin.
Haben Sie ihre Handschuhe?
Sie haben die Frauen früher wohl ganz genau studiert.
Aber immer doch.
Wir sind schon vor 10 Minuten gegangen.
Ich will nur sagen, dass ich schon fort bin.
Risst!
Ja, Professor?
Wer?
Ihre kleine Freundin vom Weihnachtsabend. Den Namen habe ich vergessen.
Martina? Ich komme sofort!
Bitte nicht böse sein, meine Schwester! Ich muss in die Klinik!
Es war sehr lieb von Ihnen.
Die Overtüre ist sowieso schon vorbei.
Wo ist Martina? - Langsam, langsam.
Vorläufig ist sie noch ein Objekt der Chirurgie, es ist verdammt kompliziert.
Ich muss dabei sein, Professor.
Was gegen das Prinzip ist, wie Sie wissen dürften.
Professor, Martina ist meine Schwester.
Ach. Gut, wenn Sie mir versprechen nicht schlapp zu machen.
Ich schau ja nicht zu, ich will ja nur bei ihr sein.
Dann ziehen Sie einen Kittel an und kommen Sie nach.
Wie ist der Puls? - Regelmäßiger.
Dann können wir mit der Narkose beginnen.
Zählen, ruhig atmen.
Eins, zwei, drei...
Vier, fünf...
Sechs...
Sieben...
Zehn...
23...
Gefällt dir denn das Mädchen gar nicht?
Aber Onkelchen!
Warum willst du denn gehen? Trink doch ein Likörchen.
Nicht! Nicht!
Mach schon! Hier, ich habe einen Kerl erwürgt.
Dann kann ich auch das Onkelchen erwürgen.
Martina. - Ja?
Martina? Martina ist tot!
Tot! Tot!
Martina hat doch, das darf niemand wissen,
Martina hat doch den Kerl umgebracht.
Donnie hat gesagt: Du hast den Mann getötet,
dann musst auch du tot sein.
Ich habe ihn erwürgt.
Zwischen den Händen. Den Kerl.
Wie war das mit dem Kerl?
Martina, du hast mir das schon immer einmal sagen wollen.
Alles um uns hat gebrannt. Das Haus.
Das Haus, es stand noch. Wir dachten, vielleicht ist noch jemand drin.
Vielleicht schießen sie auf uns.
Der Hunger.
Vielleicht finden wir noch was zu fressen.
Abgehauen waren sie, getürmt.
Was sie zu Fressen hatten, haben sie mitgenommen.
Nichts.
Ich finde was.
Brot, Schnaps, Zigaretten.
War wohl eine Kantine oder so was.
Wie ich mich da gefreut habe.
Aber da! In der Ecke! In der Ecke!
In der Ecke. Der Kerl. - Der Kerl?
Er saß auf einem Schemel. Auf einem Schemel.
Reibt sich die Stiefel blank.
Auf dich habe ich gerade noch gewartert. - Er hat so gelacht.
Dich erwischen sie ja doch morgen oder übermorgen.
Komm, Kleine. Henkersmahlzeit! - Henkersmahlzeit.
Ich kriege es mit der Angst. Ich wehre mich, kratze, beiße, aber...
Er ist doch so stark. Ich komme nicht an gegen ihn.
Da... - Was war da?
Da habe ich ihn gepackt, am Hals. Erwürgt!
Hör mir mal ganz genau zu, Martina, du kannst ihn doch gar nicht erwürgt haben.
Du bist doch ein ganz kleines Mädchen gewesen.
Denk einmal ganz genau nach.
Donnie hat es doch aber gesagt. - Was hat Donnie gesagt?
Donnie... Da liegt er doch.
Da liegt er doch!
Tot. Blut im Gesicht.
Und Donnie schüttelt mich.
Ich hatte Angst vor ihm.
Schon immer, all die Tage.
Wo sind deine Papiere?
Wo sind deine Papiere, sagt er.
Die müssen weg, sagt er. Verbrenn sie.
Ich beschaff dir andere. - Ich beschaff dir andere.
Ab heute bist du tot! - Ab heute bist du tot!
Aber weshalb soll ich denn tot sein?
Du hast doch den da gekillt!
Du hast doch den da gekillt.
Ich habe einen Menschen umgebracht.
Deswegen muss ich tot sein.
Der Kerl hatte doch aber Blut im Gesicht.
Ein Erwürgter hat doch gar kein Blut im Gesicht.
Da ist noch etwas geschehen, wovon du vielleicht noch nichts weißt.
Donnie hat gesagt, ich habe einen Menschen umgebracht.
Was hat denn der Mann gemacht, als du ihn erwürgen wolltest?
Gelacht.
Er hat gelacht.
Vom Lachen stirbt man nicht. Was war dann?
Ein Schatten! Donnie, aufhören!
Zurück! Du hast die Wahl!
Ihr beide lasst mich raus, ich schreie um Hilfe! Hilfe!
Donnie!
Donnie hat ihn umgebracht.
Donnie hat ihn umgebracht.
Los, wir müssen anfangen.
Donnie hat ihn umgebracht.
Der Doktor macht Martina wieder lebend.
Dann braucht sie keine Angst mehr zu haben.
Dann braucht sie auch nicht mehr fort zu laufen.
Auch nicht vor Volker?
Nein, auch nicht vor Volker.
Patientin muss fester schlafen.
Bluttransfusion vorbereiten. Jede Veränderung melden.
Ich hoffe, wir sind durch. Vertrau auf die Jugend ihrer Schwester.
Haben Sie zugehört, Professor? - Ja, armes Mädel.
Der Kerl hat sie ja fast in den Tod gehetzt.
Ich habe sowas geahnt. Das ist ein echter neurotischer Komplex.
Verdrängung von Bewusstseinsinhalten aus Angst.
Ohne die Lockerung in der Narkose
wäre ich überhaupt nicht an diese Sache rangekommen.
Ich habe den Bauch zusammengeflickt, und Sie die Seele. Ein schönes Ergebnis.
Ich muss mich schämen.
Ich habe keine Geduld mit Martina gehabt, als sie bei mir war.
Zu wem hätte sie denn Vertrauen fassen sollen, wenn nicht zu mir?
Je näher die Verwandtschaft, desto weniger das Vertrauen.
So viel verstehe sogar ich von Psychoanalyse.
Eifersüchtig war ich auch noch.
Und das ist ganz vorbei? - Ganz und gar.
Ich habe das Gefühl, Sie wollen mir etwas Liebes tun.
Geben Sie mir eine Zigarette.
Sie können ruhig Ihre Wünsche etwas höher schrauben, Professor.
Tu ich auch. Stecken Sie sie mir in den Mund
und zünden Sie sie an.
Ich weiß, es ist etwas ungehörig, aber darf ich meine Frage wiederholen?
Sie brauchen Sie nicht zu wiederholen. Es ist aus und vorbei.
Ich kann sogar schon darüber lächeln.
Dann könnte ich ja einen alten Plan von mir ausführen
und meinen freien Nachmittag auf Mittwoch legen.
Ich meine, wir könnten dann gemeinsam...
Wie gesagt, ist ein alter Plan von mir. - Ein netter Plan.
Unter uns Psychologen, Irene,
es ist doch klar, dass das eine Liebeserklärung ist?
Nicht ganz. Ich muss darüber erst in meinen Fachbüchern nachschlagen.
Sehen Sie mal, da kriegt man ja Angstträume.
Steckt was dahinter. Aber für unsere Leser?
Nee, die haben genug vom Gruseln.
Das habe ich ja auch früher gemacht. - So sehen Sie ja gar nicht aus.
Sehen Sie, so was können wir brauchen. Hübsche Sachen.
Wollen Sie mir diese hier lassen?
Und sie sollen wirklich gedruckt werden?
Sagen wir mal, 100 Mark für alle drei, ja?
Schön, ich schreibe Ihnen einen Zettel auf, Sie können gleich an die Kasse gehen.
Du, mein erstes selbstverdientes Geld.
Na, habe ich Ihnen zu viel versprochen?
Du darfst sogar wiederkommen.
Übrigens, da fehlt ja Ihr Name. Wie heißen Sie eigentlich, junge Künstlerin?
Martina Risst.
Ich werde es mir merken. - Kommst du mit?
Fährst du wieder in eine Ausstellung?
Die Professors haben angerufen, sie haben ihren freien Nachmittag.
Untertitel: Herden Media
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