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Gott schütze König Edward, der Vierte dieses Namens.
"Was zuletzt geschah"
Noch einmal sitzen wir auf Englands Thron,
zurückgekauft mit unsrer Feinde Blut.
Hoch lebe das Haus von York!
Nimm das!
Bruder Richard, wollt Ihr bei uns steh'n?
Mein Fürst, der junge Heinrich, Graf von Richmond.
Er steht für das Haus von Lancaster.
Ich bin die Königin!
Wo ist Richard hin? - Ein blutig Mahl heut im Tower zu halten.
"Zehn Jahre später"
Nun ward der Winter unsres Missvergnügens zum glorreichen Sommer
durch die Sonne Yorks. Und all die Wolken, die unser Haus bedrohten,
sind in des Weltmeeres tiefem Schoß begraben.
Der grimm'ge Krieg hat seine Stirn entrunzelt. Und jetzt,
statt zu besteigen das gewappnete Ross,
um zu erschrecken die Seelen seiner furchtsamen Feinde,
geht er hüpfend behänd' in einer Dame Zimmer,
nach lüstern üppigem Wohlklang einer Laute.
Doch ich, der für solche Possenspiele nicht gemacht ist,
noch um zu buhlen mit verliebten Spiegeln,
ich, der roh geprägt bin, entblößt von Liebes Majestät,
ich, der um das schöne Ebenmaß verkürzt bin,
von der heuchelnden Natur um Gestalt falsch betrogen,
unförmig, unfertig,
vor der Zeit gesandt in diese Welt des Atmens, halb kaum fertig gemacht,
und zwar so lahm und ungeziemend, dass Hunde bellen, wenn ich hinke vorbei.
Nun ich, in dieser schlaffen, dümpelnden Zeit des Friedens,
weiß keine Lust, die Zeit mir zu vertreiben,
es sei denn, zu erspähen meinen Schatten in der Sonne,
und zu erörtern meine eigne Missgestalt.
Und darum, weil ich nicht als ein Verliebter kann kürzen diese fein beredten Tage,
bin ich gewillt, ein Bösewicht zu werden
und zu hassen die eitlen Freuden dieser Tage.
Komplotte schmiedete ich, gefährliche Pläne, um den König
und meinen Bruder Clarence in Todfeindschaft einander zu verhetzen.
Und ist nur König Edward treu und gerecht, wie ich verschmitzt, falsch
und verräterisch,
so muss heut Clarence eng verhaftet werden,
für eine Weissagung, die sagt, dass "G" den Erben Edwards nach dem Leben steh'.
Taucht Gedanken tief in meine Seele. Clarence kommt.
Bruder, was bedeutet die bewaffnet Wache, die begleitet Euer Gnaden?
Seine Majestät, besorgt um meine Sicherheit,
verordnet dies Geleit, in den Tower mich zu schaffen.
Aus welchem Grund?
Nun, weil mein Name George ist.
Ach was, Mylord! Der Fehler liegt doch nicht an Euch.
Verhaften sollt er darum Eure Paten.
Er horcht nun auf Weissagungen und auf Träume.
Und spricht, ein Deuter sagte ihm,
dass durch "G" seinen Nachkommen Enterbung entsteh'.
Und weil mein Name George beginnt mit "G", so fürchtet er nun,
dass es durch mich gescheh'.
So ist's, wenn von Weibern ein Mann regiert wird. Es ist nicht der König,
der in den Tower Euch schickt, Elizabeth, sein Weib, nur sie
reizt ihn zu diesem harten Äußeren.
Wir sind nicht sicher, Clarence, wir sind nicht sicher!
Ich ersuch Euer Gnaden beide mir zu verzeih'n,
doch Seine Majestät hat streng befohlen, dass niemand,
welch Standes er auch sei, insgeheim spreche mit seinem Bruder.
Es ist kein Hochverrat, mein Freund.
Wir sagen, der König ist so weise als tugendsam.
Und sein verehrtes Eh'gemahl, reich an Jahren, beachtlich und ohn' Eifersucht.
Was sagt Ihr Herr? Ist das alles nicht wahr?
Ich ersuch Euer Gnaden mir zu verzeihen,
doch lasst ab von der Unterredung mit dem edlen Herzog.
Wir kennen Euren Auftrag, Brakenbury, und leisten ihm Folge.
Bruder, lebt wohl. Ich will zum König geh'n.
Mich trifft die tiefe Schmach viel tiefer als ein Mensch sich vorstellen kann.
Ich weiß es, sie gefällt uns beiden nicht.
Wohlan, Eure Verhaftung wird nicht von Dauer sein.
Inzwischen habt Geduld.
Mir bleibt keine Wahl. Lebt wohl.
Geh nur den Pfad, auf dem du nie wiederkehrst, einfält'ger, argloser Clarence!
So sehr lieb ich dich, dass ich deine Seele schon bald sende himmelwärts.
Guten Morgen Euch, Lord Chamberlain. Was ist gescheh'n?
Der Fürst ist kränklich, schwach und melancholisch.
Und seine Ärzte fürchten ungemein. Er brach sich den Knöchel und hütet das Bett.
Oh, er hat lange schlecht Diät gehalten und seine fürstliche Person damit verzehrt.
Wo ist er, liegt er im Bett? - Er tut's.
Geht nur voran, ich folge Euch bald nach.
Er kann nicht leben, das hoff' ich, er darf nicht sterben,
eh' George mit Extrapost gen Himmel fährt.
Ich will hinein und ihn aufhetzen. Und wenn mein tiefer Plan mir nicht misslingt,
hat George keinen weit'ren Tag zu leben.
Nun, meine wackren, tüchtigen, entschlossnen Gesellen,
geht ihr jetzt an, den Handel abzutun?
Ja, mein Herr. Und kommen um die Vollmacht, damit man uns einlasse, wo er ist.
Sehr wohl bedacht, ich habe hier sie bei mir.
Doch seid mir schleunig bei der Ausführung. Hört nicht auf sein Flehen,
mein Bruder ist beredt und kann vielleicht das Herz euch rühren.
Es wär' schade, wenn ihr auf ihn achtet.
Nein, nein, mein Herr, wir wollen nicht lang schwatzen. Wer Worte macht, tut wenig.
Seid versichert, die Hände brauchen wir und nicht die Zungen.
Eure Augen weinen Mühlsteine, wenn Narren Tränen fallen lassen.
Ich mag euch, Burschen. Jetzt frisch ans Werk. Geht, geht, macht zu.
Wir wollen's, edler Herr.
Verflucht die Hand, die diese Risse machte!
Verflucht das Herz, das Herz hatte es zu tun!
Böseres Schicksal möge den Elenden treffen,
als ich's kann wünschen Nattern, Spinnen, Kröten.
Hat er je ein Weib, so lass sie sich um vieles elender fühlen, bei seinem Tod,
als ich mich bei meinem Eh'gemahl und seinem Vater, König Heinrich.
Welch schwarzer Zauberer schwört herbei den Teufel?
Hinweg!
Du grausamer Bote der Hölle!
Süße Heilige, sei christlich und fluche nicht.
Schurke! Du kennst weder Gottes- noch Menschenrecht.
Das wildeste Tier kennt selbst der Mitleid Regung.
Ich kenne keins, und bin daher kein Tier.
Wunder, wenn ein Teufel Wahrheit spricht.
Mehr Wunder, wenn ein Engel so zornig ist.
Du, schöner als ein Mund dich nennen kann,
verleih mir Frist, sei geduldig, um Verzeihen zu erfleh'n.
Ich lass Entschuldigungen nicht gelten von einem Etwas,
das meinen Eh'gemahl, meinen Vater
und meinen König getötet!
Tot! Tot sind sie, und, Höllenknecht, durch dich.
Ich erschlug nicht deinen Gemahl.
Nun denn, so lebt er noch?
Nein, er ist tot und vollbracht durch Edwards Hand.
Oh, du widerwärt'ger Lügner! Denn Margaret sah deinen mörderischen Dolch
dampfend in seinem Blut. Hast du nicht diesen König umgebracht?
Ich gesteh' es, ja.
Du gestehst es mir, Rohling?
Er war gütig, mild und tugendhaft.
Umso geeigneter für den König im Himmel.
Er ist im Himmel, wo du nie hinkommen wirst.
Für den Ort taugte er, nicht für die Erde.
Du taugst für keinen Ort als für die Hölle.
Ja, einen weiß ich noch, wenn ich ihn nennen darf.
Ja, für einen Kerker. - Euer Schlafzimmer.
Ist, wer verursacht hat den zu frühen Tod
nicht ebenso tadelnswert wie der Vollstrecker?
Du warst die Ursach' und verfluchte Wirkung.
Euer Reiz allein war die Ursach' dieser Wirkung.
Euer Reiz, der heim mich sucht in meinem Schlaf,
auf mich zu nehmen den Tod der ganzen Welt, darf ich nur für eine
Stunde an Eurem süßen Busen leben.
Oh! Wenn ich so denken sollte, du Mörder,
diese Nägel sollten von meinen Wangen reißen diesen Reiz.
Dies Aug' erträgt nicht den Reiz getilgt zu seh'n.
Ihr tätet ihm kein Leid, ständ' ich dabei.
Es ist ein Handel wider die Natur, an dem Manne Rache üben, der dich liebt.
Es ist ein Handel nach Recht und Vernunft,
mich zu rächen an dem Mörder meines Gatten.
Der dich deines Gatten beraubt hat, Herrin, tat es,
um dir einen bessren Gatten zu schaffen.
Ein bessrer atmet auf der Erde nicht.
Es lebt wer, der Euch besser liebt als er.
Wo ist er? - Hier.
Wieso nur, speist du mich an?
Wär's doch ein tödlich' Gift, um deinetwillen.
Niemals kam Gift aus solchem süßen Ort.
Niemals hing Gift an einem schnödern Molch.
Aus meinen Augen! Fort, du vergiftest mein Aug'.
Dein Aug', liebreizend, hat vergiftet das meine.
Kann nicht verzeih'n dein rachbegierig Herz?
Lehr deine Lippen nicht solchen Hohn, denn zum Kuss sind sie geschaffen,
nicht für solche Schmach.
Sieh, hier! Ich leih' dir diese scharfgespitzte Klinge.
Birg sie in dieser treuen Brust, wenn du willst,
und lass die Seel' heraus, die dich vergöttert.
Ich leg' sie offen dar für den Todesstreich.
Zögre nicht mehr länger, weil ich König Heinrich erschlug.
Nur zu, durchbohr' sie, denn ich war's, der ermordet deinen Gemahl.
Nimm das Schwert wieder auf, oder nimm mich auf.
Steh, Heuchler, auf!
Wünsch ich schon deinen Tod, so will ich doch nicht sein Vollstrecker sein.
Heiß mich selbst mich töten, und ich will's tun.
Nun wohl, steckt wieder ein das Schwert.
Sag erst, gewährst du mir Frieden? - Das sollt Ihr künftig seh'n.
Darf ich in Hoffnung leben?
Ich hoff', dass jedermann es tut.
Tragt von mir diesen Ring.
Ihn annehmen ist nicht geben.
Sieh wie mein Ring umfasset deinen Finger.
So schließt auch dein Busen ein mein armes Herz.
Und wenn erbitten darf dein treuster Diener nur eine Gunst
von deiner gnäd'gen Hand, so sicherst du sein Glück ihm zu für immer.
Wenn Ihr mögt, ich bitte Euch, kommt gleich zu mir nach Westminster.
Ich will mit aller schuld'gen Ehr Euch dort empfangen. Ich bitte Euch, kommt!
Bitte, gewährt mir die Gunst.
Wie sehr erfreut es mich, zu sehen, dass Ihr reumütig geworden seid.
Ward je ein Weib in dieser Laun' gefreit?
Ward je ein Weib in dieser Laun' gewonnen?
Ich will sie haben, doch sie behalten nicht lang.
Wie?
Ich, der getötet ihren Mann und ihren Vater, sie in ihres Herzens Abscheu fangen,
Flüche in ihrem Munde, Tränen in den Augen,
und doch sie gewinnen? Alles, einfach gegen nichts? Ha!
Und sie will doch ihren Blick hinuntersenken auf mich? Auf mich?
Der hinkt und missgeschaffen ist?
Ich irre mich in mir die ganze Zeit. So wahr ich lebe,
sie find't, das seh' ich aber völlig anders, ich bin ein wunderhübscher Mann.
Auf einen Spiegel will ich was verwenden, und unterhalten ein Dutzend Schneider,
die gut aussinnen eine Mode, die mir steht.
Da ich in Gunst mit mir gekommen bin,
so will ich's auch nun mich was kosten lassen.
Schein, holde Sonne, solang der Spiegel nicht zustatten,
zeig, wenn ich geh, mir immer meinen Schatten.
Habt Geduld, liebe Schwester,
schon bald wird seine Majestät sich im erwünschten Wohlsein finden.
Würd' er sterben, was würde dann aus mir werden?
Kein andrer Leid, als solches Herrn Verlust.
Solch eines Herrn Verlust schließt jedes Leid mit ein.
Der Himmel schenkte Euch einen wackern Sohn,
er wird Euch Tröster sein, wenn er dahin ist.
Ach, er ist jung,
und bis zur Mündigkeit führt über ihn die Sorge Richard Gloucester,
ein Mann, der mich nicht liebt, noch wen von euch.
Ist es schon ausgemacht, dass er wird der Protektor?
So muss es sein, wenn der König dahinscheidet.
Hier kommen Lord Buckingham und Stanley.
Ich wünsch Euch einen schönen Tag, königliche Gnaden.
Was für Anschein seiner Besserung, Lords?
Madam, die beste Hoffnung. Euer Gnaden spricht munter.
Bespracht Ihr Euch mit ihm?
Ja, gnäd'ge Frau. Er wünscht um eine Aussöhnung zwischen Herzog von Gloucester,
Eurem Bruder und Sohn. Und auch zwischen diesen und Lord Hastings.
Er hieß sie vor Seiner Hoheit zu erscheinen.
Wär' alles gut! Doch das wird nimmer sein.
Sie tun mir Unrecht, und ich will's nicht dulden!
Wer sind sie, die beim König klagen, ich sei, man denke, hart und lieb' sie nicht?
Beim heiligen Paul, die lieben den König nur wenig,
die mit Zankgerüchten das Ohr des Königs anfüll'n!
Nur weil ich nicht schmeicheln, oder schöntun kann,
zu jedermann lächeln, umgarnen, lügen und kriechen,
drum hält man mich für einen hämischen Feind?
Zu wem in diesem Kreis spricht, Euer Gnaden?
Zu Euch! Der weder Tugend hat noch Ehre, Lord Grey. Wann trat ich Euch zu nah?
Wann kränkt' ich Euch? Oder Euch, Lord Rivers oder Euch, Elizabeth?
Oder irgendeinem von eurer Rotte?
Die Pest euch allen! Unser gnäd'ger Fürst, kann kaum ein Atemholen ruhig sein,
dass ihr ihn nicht mit falschen, wüsten Klagen quält!
Kommt, kommt! Wir kennen Eure Meinung, Bruder Gloucester.
Ihr neidet mein und meiner Freunde Glück. Gott gebe, dass wir nie Euch nötig haben.
Gott gibt indess', dass wir Euch nötig haben.
Unser Bruder George auf Betreiben von euch im Kerker,
ich selbst in Ungnad' und der Adel preis der Schande gegeben.
Ich reizte niemals Seine Majestät wider den Herzog Clarence,
war vielmehr ein Anwalt, der für ihn sprach.
Ihr tut mir schmählich Unrecht an, da Ihr mich falsch in solchen Argwohn bringt.
Bei Gott, ich melde Seiner Majestät den groben Hohn, den ich so oft erlitt.
Sagt's ihm, und beschönigt nichts. Seht, was ich gesagt,
behaupt' ich in Edwards Gegenwart. Eh' Ihr ward Königin und Euer Gemahl der König,
war ich das Packpferd seines großen Werks!
Sein Blut zu fürsten, hab ich meins vergossen!
Oh, wär' doch mein Herz aus Stein wie Edwards,
und ich nicht so kindisch und töricht für die Welt.
Hört mich! Ihr hadernd Piraten! Ihr zankt euch,
indem ihr teilt, was ihr geraubt von mir!
Wer von euch zittert nicht, wenn er mich erblickt?
Oh! Sanfter Schurke, wende dich nicht weg.
Hexe! Runzlig und widerlich! Was willst du hier mir vor Augen?
Den Gemahl und den Sohn schuldest du mir.
Du, das Königreich. Die Dienstpflicht ihr alle!
Dies Leiden, das ich habe, kommt allein euch zu.
Und alle Lust, die ihr euch anmaßt,
ist meine!
Hexe.
Macht Platz, schwere Wolken für meine schnellen Flüche!
Edward, dein Sohn, der jetzo Prinz von Wales, statt Edward, meines Sohns,
sonst Prinz von Wales, sterb' in der Jugend, vor der Zeit, gewaltsam!
Lang sterbe deines Glückes Tag vor dir.
Hör auf mit deinem Zauberspruch, verdorrte Hexe!
Und ließ' dich aus? Denn du sollst mich hören.
Bewahrt der Himmel eine schwere Plage, oh spar er sie, bis deine Sünden reif,
dann schleudre er seinen Grimm herab auf dich,
den Friedensstörer dieser armen Welt.
Kein Schlaf schließe jemals dein tödlich' Auge,
es sei denn für einen peinigenden Traum,
der aufschreckt dich mit einer Hölle grauser Teufel!
Du Missgeburt! Verkümmertes, wühlendes Schwein!
Du Sklave der Natur und Sohn der Hölle!
Margaret! Margaret.
So wandte Euer Fluch sich gegen Euch selbst.
Arme, gemalte Königin! Fader Abglanz meines Glücks!
Was streust du Zucker auf die bauch'ge Spinne,
die dich mit tödlichem Geweb' umstrickt? Törin! Törin!
Du schärfst das Messer, das dich töten wird. Es kommt der Tag,
wo du herbei mich wünschest, zum Fluchen auf die giftgeschwoll'ne Kröte!
Geht auf den Streit nicht ein, sie ist verrückt.
Er ist Zeugnis, mein Sohn,
im Todesschatten jetzt; des strahlend, lichten Schein
dein wolkiger Grimm mit ew'ger Finsternis umzogen hat.
Still! Bitte! Aus Scham, wo nicht aus Christenliebe.
Buckingham,
weich aus dem Hunde dort! Sieh, wenn er schmeichelt, beißt er;
und wenn er beißt, so macht sein gift'ger Zahn zum Tode wund.
Hab nichts mit ihm zu schaffen, ich bitt' dich, geh ihm aus dem Weg.
Was sagt sie da, mein Lord von Buckingham?
Nichts, das ich beachte, mein gewogener Herr.
Wie? Heißt das, du höhnst mich für meinen treuen Rat
und hegst den Teufel da, vor dem ich warne?
Oh! Bedenke es wohl auf einen andern Tag,
wenn er dein Herz bricht, das erfüllt ist von Leid und tiefer Sorge, dann sage:
Mir hat Margaret es prophezeit.
Leb jeder von euch, seinem Hass zum Ziel, und er dem euren,
und ihr alle für den Gottes.
Mir sträubt sich das Haar, sie fluchen zu hören.
Mir auch das meine. Es wundert mich, dass so frei man sie lässt.
Sie hat zu lange zu viel gelitten, und es reut mich mein Teil daran,
den ich ihr hab angetan.
Ich trat ihr nie zu nah, soviel ich weiß.
Habt Ihr denn nicht allen Vorteil ihres Leids?
Fürstin, Seine Majestät ruft nach Euch,
auch nach Euer Gnaden und nach Euch, Ihr edlen Lords.
Ich komme. Lords, wollt ihr mich begleiten?
Wir gehen mit Euch, Euer Gnaden.
Das Unheil, was heimlich ich angestiftet, leg ich den andern dann zur Last.
Und Clarence, den Armen, den ich in Finsternis gelegt,
den ich bewein' gegen manchen blöden Tor,
ich meine Stanley, Hastings, Buckingham,
und sage, dass die Königin und ihr Anhang es sind,
die den König gegen den Herzog, meinen Bruder hetzen.
Nun glauben sie es, und stacheln mich an, mich an Rivers und Grey zu rächen.
Doch seufz ich dann, und dann nach einem Spruch der Bibel sag ich,
Gott heiße Gutes tun für Böses.
Und so kleide ich meine nackte Bosheit mit so alten Fetzen gestohlen
aus der Heil'gen Schrift.
Und scheine wie ein Heil'ger, obwohl ich Teufel bin.
Wie sieht Euer Gnaden heut so traurig aus?
Ich hatt' eine jämmerliche Nacht,
voller banger Träume, scheußlicher Gesichte!
So wahr ich ein frommer, gläubiger Christ bin,
ich will nimmer solch eine Nacht verbringen, selbst im Tausch beglückter Tage.
Was war Euer Traum, Mylord?
Mich setzte über die betrübte Flut
der grimme Fährmann, den die Dichter singen, in jenes Königreich der ew'gen Nacht.
Zum ersten grüßte da die fremde Seele ein Schatten wie ein Engel,
mit hellem Haar, mit Blut besudelt, und er schrie laut auf:
Clarence ist da,
der mich im Feld bei Tewkesbury erstach!
Ergreift ihn, Furien, nehmt ihn auf die Folter!
Sodann hielt mich eine Legion der vielen argen Feind umfangen
und heulte mir ins Ohr so
grässliches Geschrei, dass von dem Lärm ich bebend aufgewacht
und längst noch später
nicht anders glaubte, ich sei in der Hölle.
Kein Wunder, Mylord, dass Ihr seid so entsetzt.
Es bangt mir schon, da ich's Euch hör' erzählen.
Oh, Wärter! Wärter, ich hab doch alles dies getan,
was jetzo wider meine Seele zeugt, um Edwards willen.
Und sieh, wie lohnt er's mir!
Wärter! Ich bitte dich, bleib bei mir.
Mein Sinn ist trüb, und gerne möcht' ich schlafen.
Ich will's, Mylord.
Gott geb' Euch gute Ruh.
Was wollt ihr, Kerle? Und wie seid ihr hergekommen?
Wir wollen zu Prinz George. Und ich kam her auf meinen Beinen.
Wie? So kurz angebunden?
Herr, besser kurz als langweilig.
Seht unsren Auftrag. Wir reden nicht weiter.
In Gottes Namen, wer hat euch hergesandt? Weswegen kommt ihr? Mich zu ermorden?
Was, meine Freunde, trat ich euch zu nah?
Uns tratet Ihr nicht zu nah, dem König jedoch.
Ich bin sein Bruder, und ich lieb ihn treu. Seid ihr um Lohn gedungen,
so kehrt um und wendet euch an meinen Bruder Gloucester,
der wird euch besser lohnen für mein Leben
als Edward für die Nachricht meines Todes.
Ihr irrt Euch sehr. Euer Bruder Gloucester hasst Euch.
Herr, söhnt Euch aus mit Gott, denn Ihr müsst sterben.
Mein Freund, ich spähe etwas Mitleid in deinem Blick.
Genug!
Reicht alles noch nicht aus, tauch ich Euch in den Kübel.
Nein, bitte!
Kommt, steht auf!
Nun, so ist's recht, ich schaff ein gutes Tagewerk.
Ihr Pairs, haltet an diesem Bund fest. Rivers und Hastings,
hegt nicht verstellten Hass, schwört Euch zu lieben.
Bei Gott dem Allmächtigen, rein ist meine Seele von Groll und Hass,
und mit meiner Hand besiegel' ich meine Herzensliebe.
So geht's mir wohl, wie ich dies wahrhaft schwöre.
Mein Gemahl, Ihr seid hier selbst nicht ausgenommen.
Noch Ihr, Stiefsohn Grey. Buckingham, noch Ihr.
Ihr waret widerwärtig zueinander. Und was du tust, das tue unverstellt.
So gedeih' ich samt den Meinigen.
Dieser Tausch der Liebe soll unverletzlich sein.
Geht beiseit!
Und zur rechten Stund kommt der Herzog von Gloucester.
Guten Morgen wünsch ich meinem Fürst und Königin,
und edle Pairs habt einen freudvollen Tag.
Freudvoll in der Tat, verbringen wir diesen Tag. Friede wurd' aus Feindschaft,
milde Lieb' aus Hass, bei diesen hitzig aufgereizten Pairs.
Gesegnetes Bemühen, mein hoher Herr! Wenn ich unwissend
oder in der Wut etwas begangen, das mir irgendwer hier gegenwärtig nachträgt:
so wünsche ich, mich mit ihm auszusöhnen in Fried' und Freundschaft.
Nicht einen, weiß ich, der in England lebt,
mit dem mein Sinn den kleinsten Hader hätte.
Bei Gott, ich wollt', dass jeder Zwist sei beigelegt.
Mein hoher Herr, ich bitt' Eure Hoheit, nehmt zu Gnaden Euren Bruder Clarence an.
Wie, Madam? Bot ich denn Liebe an dafür,
dass man mein spottet in diesem hohen Kreis?
Wer weiß nicht, dass der edle Herzog tot ist?
Seine Leiche verhöhnt Ihr zur Ungebühr.
Wer weiß nicht, dass er tot ist? Ja, wer weiß es?
Allsehender Himmel, welche Welt ist dies?
Ist Clarence tot?
Der Auftrag war widerrufen.
Mein Bruder starb auf Euer erst Geheiß, und den trug ein geflügelter Merkur.
Den Widerruf trug ein lahmer Bote, der allzu spät erschien, ihn zu begraben.
Wer hat mich für ihn gebeten?
Wer hat, in meinem Zorn, gekniet zu meinen Füßen mich überlegen heißen?
Wer sprach von Bruderpflicht? Wer sprach von Liebe?
All dies hat viehisch wilde Wut sündhaft mir aus dem Sinn gerissen,
und kein Mann war gewissenhaft mich dran zu mahnen,
noch sprach ich selbst für diese arme Seele.
Oh Gott! Ich fürchte, dein Gericht wird es nicht ungestraft an mir,
an Euch, den Meinen und den Euren vergelten.
Elizabeth, hilf mir in mein Schlafgemach.
Oh, armer George!
Das ist die Frucht des Jähzorns.
Gabt Ihr acht, wie der Königin schuld'ge Verwandte erblassten,
als von Clarence Tod sie hörten? Immer setzten sie dem König zu.
Gott wird es rächen!
Kommt, Lords!
Zu Euer Gnaden Dienst.
Wer will zu weinen mir und jammern wehren?
Mein Los zu schelten und mich selbst zu plagen?
Wozu dieser Auftritt wilder Ungeduld?
Mein Herr, dein Sohn, der Kinder Vater, unser König ist tot.
Wollt Ihr noch leben? Jammert! Wenn sterben, eilt!
Dass unsre Seelen seiner nach sich schwingen,
ihm folgend wie ergebne Untertanen zu seinem neuen Königreich der ew'gen Ruh.
Ach!
Soviel Teil hab ich an deinem Leiden als ich Anrecht gehabt auf deinen Gemahl.
Ich hab geweint um eines würd'gen Gatten Tod,
und lebt' im Anblick seiner Ebenbilder.
Doch sind zwei Spiegel nun mit seinen Zügen zerbrochen
durch den bös Gewalt sinnenden Tod.
Und mir bleibt zum Troste nur ein falsches Glas,
worin ich meine Schande mit Kummer seh'.
Zwar bist du Witwe, doch du bist auch Mutter.
Dir ward der Trost deiner Kinder gelassen.
Mir riss der Tod meinen geliebten Gatten von der Seite,
und zwei Krücken aus meinen schwachen Händen, Clarence und Edward.
Für all eure Tränen bin ich die Amme eures Leids,
und ich will es reichlich mit Jammern nähren.
Meine Königin, bedenkt als treue Mutter den jungen Prinzen, Euren Sohn.
Schickt gleich nach ihm und lasst ihn krönen. In ihm lebt Euer Trost.
Schwester? Schwester, wir alle haben Grund zum Jammern
um die Verdunklung unsres Sterns.
Doch heilet niemand durch Jammern seinen Harm.
Madam, Mutter, ich bitt Euch um Verzeihung, ich sah Euer Gnaden nicht.
Ich erflehe Euren Segen.
Gott flöße dir sanfte Milde ein in deine Brust, Liebe, echte Treu,
Demut und wahren Gehorsam.
Amen.
Ihr, die diese schwere Last des Jammers drückt,
hegt all einander nun in Eurer Lieb'.
Mir scheint es gut, dass gleich ein klein Gefolg' von Ludlow her
den jungen Prinzen hole, um ihn zu krönen.
Wieso denn mit einem klein Gefolg', Mylord Buckingham?
Je nun, Mylord, dass ein großer Haufe nicht des Grolles neugeheilte Wunde reize.
Was umso mehr gefährlich würde sein, je mehr der Staat noch wild und ohne Führer.
So sei es denn; und geh'n wir, zu entscheiden,
wer schnell sich macht auf den Weg nach Ludlow.
Frau Mutter, und Ihr, meine Schwester, wollt ihr geh'n,
um mitzustimmen in der wicht'gen Sache?
Von ganzem Herzen.
Vetter von Buckingham.
Mylord, wer auch reisen mag zum Prinzen, um Gottes willen, bleiben wir nicht aus.
Ich schaff unterwegs Gelegenheit,
die hochmüt'ge Vetternschaft der Königin vom Prinzen zu entfernen.
Mein andres Selbst, meine Ratsversammlung du, mein Orakel, mein Prophet.
Mein lieber Vetter, wie ein Kind will ich deiner Leitung folgen.
Nun, nach Ludlow denn, wir bleiben nicht zurück.
Prinz Edward.
Eure Majestät.
Zu Northampton soll'n sie heut' sein, und morgen oder übermorgen hier.
Von Herzen sehr verlangt mich nach Prinz Edward.
Ich hoff, er ist gewachsen, seit ich zuletzt ihn sah.
Nein, wie ich höre nicht.
Sie sagen, sein königlicher Bruder hat fast im Wuchs ihn eingeholt.
Doch, Mutter. Ich wollt', es wär' nicht so.
Warum, mein Enkel? Es ist ja gut zu wachsen.
Großmutter, wir hatten zur Nacht gespeist zusammen.
Mein Onkel Rivers sagte da, wie ich wüchse, mehr als mein Bruder.
"Ja", sagt mein Onkel Richard,
"Klein Kraut ist fein, groß Unkraut hat Gedeih'n!"
Fürwahr, fürwahr.
Das Sprichwort traf nicht zu bei ihm, der selbiges dir sagte.
Er war als Kind das jämmerlichste Ding.
Er wuchs so gemächlich und so langsam heran,
dass, wär' die Regel wahr, er müsste anmutig sein.
Ei, kecker Bursch, hört auf! Ihr seid zu durchtrieben.
Was gibt's Neues?
Solch Neues, was mich sehr betrübt, es anzumelden.
Wie geht's dem Prinzen?
Oh, wohl, meine Herrin, er ist gesund.
Was bringst du sonst uns?
Lord Rivers und Lord Grey wurden gesandt nach Pomfret, als Gefangene.
Wer hat den Befehl gegeben?
Die mächt'gen Herzöge, Gloucester und Buckingham.
Für welch Vergeh'n?
Was ich nur weiß und kann, eröffnet' ich.
Die Tage sind verflucht voll unruhvollen Zanks. Wie manchen sah mein Aug' bereits.
Leb wohl, Tochter.
Komm, komm, mein Kind, wir suchen heil'ge Zuflucht. Madam, lebt wohl.
Bleibt noch! Ich will mit Euch geh'n.
Willkommen, bester Prinz, in London.
Willkommen, mein Vetter, meines Sinnes Fürst.
Der Reise Ermüdung macht Euch melancholisch.
Nein, Onkel. Ich vermisse noch andre Onkel zum Empfang.
Wo sind meine Onkel Rivers und Grey?
Die Onkel sind gefährlich, die Ihr vermisst.
Eure Hoheit lauschte ihren Honigworten und merkte nicht ihrer Herzen Gift.
Gott bewahr' Euch vor ihnen, und vor solch falschen Freunden.
Mein Fürst, der Bürgermeister von London heißt Euch willkommen.
Gott segne Eure Hoheit mit beglückten Tagen.
Ich dank Euch, guter Lord. Und dank euch allen.
Mein Herr.
Mein guter Lord Stanley.
Die Königin, Eure Mutter und Euer Bruder York nahmen heil'ge Zuflucht.
Ja.
Der zarte Prinz hätt' gern mit mir Eure Hoheit begrüßt,
doch seine Mutter hielt ihn mit Gewalt.
Pfui, welch eigensinn'ges, verkehrtes Tun ist dies von ihr. Euer Ehrwürden,
wollt Ihr sie gern überreden, seinen Bruder, den Prinzen,
gleich dem Herzog York zu senden?
Verweigert sie's, Lord Hastings, Ihr geht mit,
entreißt ihn ihrem eifersücht'gen Arm.
Verhüte Gott, dass wir kränken sollten das teure Vorrecht der heil'gen Zuflucht.
Ihr seid zu altherkömmlich und zu feierlich.
Ihn greifen bricht die heil'ge Zuflucht nicht.
Derselben Gunst wird dem stets zugestanden,
der durch sein Tun den Platz verdient und den Verstand hat,
zu begehren solchen Platz.
Oft hört ich von kirchenflücht'gen Männern,
von kirchenflücht'gen Kindern hört ich noch nie.
Mylord, Ihr sollt uns überstimmen, diesmal.
Kommt mit, Lord Hastings.
Sagt, Onkel Gloucester, wenn mein Bruder kommt,
wo sollen wir verbleiben bis zur Krönung?
Wenn ich Euch raten darf, so verbringt ein zwei Tage, wenn's Euch beliebt im Tower.
Dann, wo es am besten für Euch scheint für Euer Wohlergehen
und für Eure Gemütsergötzung.
Den Tower hass' ich wie keinen Ort auf Erden.
Hat Julius Cäsar diesen Turm gebaut, Mylord?
Er hat, mein Fürst, den Ort gestiftet, den dann die Folgezeiten neu erbaut.
So weise und so jung wird nie alt, wie ein Sprichwort sagt.
Bruder!
Da kommt zur rechten Zeit der Herzog von York.
Richard von York, wie geht es, mein lieber Bruder?
Gut, mein strenger Herr. so muss ich Euch nun wohl nennen.
Wie geht es meinem Neffen, unserm edlen Lord von York?
Ich dank Euch, lieber Onkel.
Oh! Mylord! Ihr sagtet, unnütz Kraut, das wachse schnell.
Das tat ich, Mylord, meint' damit jedoch nichts Böses.
Ich bitt' Euch, Mylord, gebt mir diesen Dolch.
Wie? Ihr wollt meine Waffe, kleiner Lord?
Ja, ich will. damit ich Euch danken kann, wie Ihr mich nennt.
Wie? - Klein.
Mein Bruder York ist stets mit Reden keck.
Onkel, Euer Gnaden wissen, wie man ihn erträgt.
Er meint, mich zu tragen, nicht mich zu ertragen, Onkel.
Mein Bruder spottet Euer und mein, weil ich klein bin wie ein Aff',
sollt Ihr mich auf Euren Schultern tragen.
Mit welchem scharf versehnen Witz er redet.
So schlau und noch so jung, ist wunderbar.
Mein gnäd'ger Fürst, beliebt es Euch zu geh'n?
Ich und mein guter Vetter Buckingham wollen zu Eurer Mutter,
sie gnädig zu bitten, im Tower Euch zu treffen, um Euch zu begrüßen.
Wie? Ihr wollt in den Tower geh'n, Mylord?
Mylord Protektor will es durchaus so.
Ich schlafe sicher nicht mit Ruh' im Tower.
Wieso? Was könnt Ihr fürchten?
Meines Onkel Clarence' zorn'gen Geist.
Meine Großmutter sagt, ermordet wurde er dort.
Ich fürchte keinen toten Onkel.
Auch keine, hoff ich, die noch leben!
Und wenn sie's tun, so hoff' ich, hab ich nichts zu fürchten.
Ich gehe in den Tower. Komm, Bruder.
Er ist ein böser Bursch'! Keck, scharfsinnig, altklug,
verständig, lebhaft.
Seine Mutter ganz vom Wirbel bis zur Zeh'.
Gut, lasst die beiden ruh'n.
Komm hierher, Catesby.
Geht nun, guter Catesby, erforsche du Lord Hastings,
wie er gesinnt ist gegen unsre Absicht für die Erhebung dieses Herzogs
auf dieser weltberühmten Insel Thron.
Sag ihm, Catesby, dass seine alte Rotte Todfeinde, die gefährlich,
morgen im Pomfret-Schloss zur Ader wird gelassen.
Was soll'n wir tun, wenn wir verspür'n,
dass Lord Hastings sich nicht fügen will in unsre Pläne?
Den Kopf abhau'n, mein Freund.
Und wenn ich König bin,
dann fordre von mir die Grafschaft Hereford und alles bewegliche Gut,
was sonst der König, mein Bruder besaß.
Ich will mich berufen auf Euer Hoheit Wort.
Eure Majestät...
Eure Hand.
Catesby, was gibt's in unserem wankenden Staat?
In der Tat, eine schwindlig Welt, Mylord.
Und ich glaub, sie wird nicht aufrecht steh'n,
eh' nicht Richard trägt des Reiches Kranz.
Wie? Des Reiches Kranz? Du meinst damit die Krone?
Ja, bester Lord.
Von den Schultern soll man das Haupt mir schlagen,
eh' ich die Krone seh' so schnöd entwandt.
Bist du der Ansicht, dass er danach zielt?
Ja, so wahr ich lebe. Und hierauf schickt er Euch die gute Botschaft,
dass morgen Nacht Rivers und Grey,
der Königin Verwandte, sterben werden in Pomfret.
Wohl wahr, um diese Nachricht traure ich nicht.
Heut wirst du einen Untertan sterben seh'n, für Treue, Pflicht und Loyalität!
Gott schütze die Prinzen vor eurer Rotte!
Ihr alle seid ein Hauf' verdammter Blutsauger!
Macht schnell, denn Euer Lebens Ziel ist da.
So fällt Margarets Fluch auf unser Haupt!
Eilt euch! Die Todesstund' ist abgetan.
Pomfret, Pomfret, wir geben dir unser schuldlos Blut zu trinken.
Nun, edle Pairs, was uns versammelt, ist,
die Krönung des jungen Edwards festzusetzen.
Ist alles fertig für das Königsfest?
Oh ja, es fehlt die Anberaumung nur.
So halt ich morgen für den Festtag gut.
Wer kennt des Lord Protektors Meinung hierin?
Wer ist am vertrautesten mit dem edlen Herzog?
Euer Gnaden wird, denk ich, wohl seinen Sinn am besten kennen.
Wir kennen von Gesicht uns, doch die Herzen,
da kennt er meins nicht mehr, als Eures ich.
Lord Hastings, Ihr und er seid nah vereint.
Dank Seiner Gnaden, ich weiß, er will mir wohl,
doch über seine Absicht für die Krönung hab ich ihn nicht erforscht.
Ihr mögt, meine edlen Lords, die Zeit wohl nennen,
und ich will an des Herzogs Statt stimmen.
Zu rechter Zeit kommt da der Herzog selbst.
Ihr edlen Lords und alle Vettern, guten Morgen! Ich war ein Langschläfer.
Doch hoffe ich, mein Absein hat kein groß' Geschäft versäumt,
das meine Gegenwart beschlossen hätte.
Wärt Ihr auf Euer Stichwort nicht gekommen,
so spräche William Lord Hastings für Eure Rolle.
Ich mein' Eure Stimme für die Krönung des Königs.
So wie Ihr, Lord Hastings dürfte niemand die Kühnheit besitzen.
Seine Lordschaft kennt mich wohl und will mir wohl.
Mylord von Ely, jüngst war ich in Holborn und sah schöne Erdbeeren in Eurem Garten.
Lasst etliche mir holen, bitt' ich Euch.
Sicher, das will ich von Herzen gern.
Vetter von Buckingham, ein Wort mit Euch.
Wir setzten noch nicht an das Jubelfest.
Auf morgen, wie mich dünkt, wär' zu plötzlich.
Wo ist Mylord, Herzog von Gloucester? Ich sandt' aus nach den Erdbeeren.
Heut' sieht sein Gnaden mild und heiter aus.
Ich denke, niemand in der Christenheit kann minder bergen Lieb' und Hass wie er.
Denn sein Gesicht verrät' Euch gleich sein Herz.
Was nahmt Ihr im Gesicht vom Herzen wahr, durch irgendeinen Anschein, den er wies?
Ei, dass er wider niemand hier etwas hat,
denn wär' es so, hätt' seine Miene es gezeigt.
Ich bet' zu Gott, er möge nie gegen uns sein.
Ich bitt' Euch alle, sagt mir, was diejen'gen verdienen, die geplant
meinen Tod mit Teufelsränken, verdammter Hexerei,
die übermannt meinen Leib mir mit ihrer höllischen Zauberei?
Die Liebe, die zu Euer Gnaden trage, lässt mich sagen, sie sind des Todes wert.
Dann sei Euer Aug' ihres Unheils Zeuge, seht nur, wie ich bin verhext.
Hier seht, mein Arm ist ausgetrocknet wie ein welker Spross!
Und das war Edwards Weib, die grässliche Hexe!
Die mit ihren Hexenkünsten mich so gezeichnet!
Wenn sie die Tat getan, Mylord, so... - Wenn? Wenn?
Du, Beschützer der verdammten Metze! Redest du zu mir von "Wenn"?
Ihr seid ein Verräter. Ab mit dem Kopf!
Ich schwör' bei Saint Paul, ich speise nicht, solang dies nicht erledigt!
Catesby, sorgt, dass es geschieht.
Wer für mich Liebe empfindet, steh' auf und folge mir.
Ihr hättet ihn hören soll'n gesteh'n über die Absicht der Verräterei,
um den Bürgern davon zu berichten,
die uns vielleicht bei der Sach' missdeuten und bejammern seinen Tod.
Ich will's den treuen Bürgern erklären, Euer gerecht Verfahren bei dem Fall.
Geht, Vetter Buckingham. Der Bürgermeister soll eiligst nach Guildhall.
Daselbst, wie's dann die Zeit am besten gibt,
weist auf die Unechtheit von Edwards Kindern hin.
Oh, Catesby!
Bitte!
Ich wart' vergeblich hier auf.
Es scheint, der Herzog will sich nicht sprechen lassen.
Oh, Catesby! Was sagt Euer Herr auf mein Gesuch?
Er ist mit zwei ehrwürd'gen Geistlichen drin, vertieft in heilige Beschauligkeit.
Kein weltliches Gesuch möcht' ihn bewegen,
ihn von der Übung, die heilig, weg zu zieh'n.
Geht hinein, guter Catesby, zu unsrem gnäd'gen Herzog,
sagt ihm, dass ich, der Bürgermeister und die Ratsmänner in trifft'ger Absicht,
Angelegenheiten von Gewicht, hier sind um ein Gespräch mit Euer Gnaden.
Ich geh sogleich, ihm anzumelden solches.
Nun ja, Mylords, dieser Prinz ist nicht ein Edward!
Er liegt nicht rekelnd auf unzücht'gem Ruhebett,
man findet ihn kniend in Betrachtung.
Beglückt wär' England,
wenn der fromme Prinz desselben Oberherrschaft auf sich nähme.
Gott verhüte, dass Seine Gnaden uns "Nein" sagen.
Ich fürcht', er wird es.
Nun, Catesby, was sagt Seine Gnaden?
Ihn wundert, zu welchem Zweck Ihr solche Haufen von Bürgern geschickt,
sich hier zu versammeln. Er fürchtet, Mylords, ihr habt nichts Gutes im Sinn.
Beim Himmel! Wir kommen in vollkommener Liebe.
Geht wieder hinein und sagt es Seiner Gnaden.
Wenn fromme und tief andächt'ge Männer beim Rosenkranz sind,
ist's schwer sie abzubringen, so süß ist ihre innige Beschaulichkeit.
Seht! Seine Gnaden kniet zwischen zwei heil'gen Männern.
Und seht nur, er hält ein Gebetbuch in der Hand.
Großer Plantagenet, höchst erlauchter Prinz,
leih unserem Gesuch ein günstig Ohr, und wollt die Unterbrechung der Andacht
und des christlich frommen Eifers uns verzeih'n.
Ich sorg', ich hab in etwas mich vergangen, was im Aug' der Stadt widrig erscheint.
Wir geh'n Euer gnädig Selbst dringend an,
auf Euch zu laden die Verantwortung für das höchste Regiment in diesem Eurem Land.
Euer Eigentum, Euer Erbrecht, Euer Reich.
Gott sei gedankt, es tut nicht not um mich.
Es hinterließ der königliche Baum uns königlich' Frucht.
Der edle Prinz fand sichre Unterkunft im Tower.
Er wird fürwahr Glück uns bringen, wenn er gekrönt.
Auf ihn will ich legen, was ihr mir.
Ihr sagt, dass Edward ist Eures Bruders Sohn.
Das sagen wir auch, doch nicht von Edwards Gattin.
Denn erst war er verlobt mit Lady Bona.
Diese Elizabeth, eine arme Witwe, hat beide hintangesetzt,
und seines Sinnes höchsten Schwung verführt zu niederm Fall und schnöder Doppeleh'.
Durch sie ward in diesem unrechtmäß'gen Bett, gezeugt der kleine Edward,
der genannt ein Prinz.
Darum, mein Herr, nehmt Euer fürstlich Selbst der Würde dargebotnes Vorrecht an.
Tut's, bester Herr! Unsre Bürger wünschen es sehr.
Ach nein! Wieso wollt' ihr mir aufladen diese Bürde?
Denn ich bin nicht geeignet für Rang und Majestät.
Ich kann nicht, und ich will Euch nicht willfährig sein.
Wenn Ihr es weigert, obwohl bekannt ist Eures Herzens Milde und Euer sanftes,
weichliches Erbarmen,
so wisst, Eures Bruders Sohn, soll niemals uns beherrschen.
Dann werden wir pflanzen jemand anderen auf den Thron
zur Schande und zum Umsturz Eures ganzen Hauses.
Und, so entschlossen, lassen wir Euch hier.
Kommt, Bürger, noch länger wollen wir nicht bitten.
Oh! Nein, schwört das nicht, mein edler Buckingham.
Ruft, guter Prinz, sie wieder und gewährt es.
Wenn Ihr sie abweist, wird das Land es büßen!
Zwingt Ihr mir eine Welt voll Sorgen auf?
Wohl, ruf sie wieder. - Lord Buckingham!
Ich bin ja nicht von Stein.
Mein Vetter von Buckingham und all ihr weisen Männer,
da ihr das Geschick mir auf den Rücken bürden wollt,
so muss ich es nehmen und geduldig tragen.
Doch Gott weiß es, und ihr zum Teil seht's auch,
wie weit ich entfernt bin, dies zu begehren.
Gott segne Euer Gnaden, wir seh'n's und wollen's sagen.
Wenn Ihr es sagt, so sagt Ihr bloß die Wahrheit.
Dann grüß' ich Euch mit diesem Fürstentitel:
Lang lebe Richard, England's würd'ger König!
Beliebt's Euch, dass morgen die Krönung sei?
Wann's Euch beliebt, weil Ihr's so haben wollt.
Und nehmen so voller Freuden von Euch Abschied.
Und ich begeb mich wieder ans heilige Werk.
Lebt wohl, mein Vetter. Lebt wohl, edle Freunde.
Öffnet das Tor!
Wen treffen wir hier?
Gott gebe Euer Gnaden beide einen glücklichen, freudvollen Tag.
Euch gleichfalls, gute Schwester. Warum seid Ihr hier?
In der gleichen frommen Absicht wie Ihr selbst, die holden Prinzen zu begrüßen.
Oh. Dann gute Schwester, Dank. Gehen wir alle hinein.
Herr Kommandant, mit Verlaub, ich bitt' Euch,
wie geht's dem Prinz und meinem jüngren Sohn, York?
Recht gut, gnäd'ge Frau.
Verzeiht mir, doch darf ich nicht zulassen,
dass Ihr sie besucht. Der König hat es scharf mir untersagt.
Der König? Wer ist das?
Ich mein, der Lord Protektor.
Der Herr beschütz' ihn vor dem Königstitel.
Ich bin ihre Mutter! Wer will mir den Zutritt wehren?
Ich bin ihres Vaters Mutter, die sie seh'n will.
Ich bin ihre Tante nach den Rechten, doch Mutter nach der Liebe;
drum führt mich zu ihnen.
Nein, gnäd'ge Frau, nein, ich darf es nicht erlauben.
Mich verpflichtet ein Eid, deshalb müsst Ihr verzeih'n.
Kommt, Fürstin, Ihr müsst gleich nach Westminster.
Dort krönt man Euch zu Richards Königin.
Lüftet mir die Schnüre, sonst sink ich um bei dieser Todesbotschaft.
Bösartige Nachricht! Oh! Du Botschaft, so verhasst.
Oh Schlimmes verbreitet der Wind des Ungemachs.
Oh mein verfluchter Schoß, Bett des Todes,
du hecktest aus 'nen Basilisk der Welt, des unvermiednes Auge mörd'risch ist.
Kommt, Fürstin, kommt! Ich ward in Eil gesandt.
Wollte Gott, dass dieser Zirkelreif aus Gold,
der meine Stirn prachtvoll umschließen soll, aus rotglühendem Stahl
und sengte mein armes Gehirn! Es mag ein tödlich Gift mich salben,
dass ich dran sterbe, eh' wer kann rufen: Heil der Königin!
Geh, geh, arme Seele. Ich neide nicht dein Glück.
Geh du zu Richard, und gute Engel leiten dich.
Tretet beiseit'!
Vetter Buckingham.
Mein gnädiger Herr?
Gib mir die Hand.
Gott schütze König Richard, den Dritten dieses Namens.
Gott schütze den König!
Richard!
Buckingham! Durch deinen Beistand und deinen Rat sitzt hier nun König Richard.
Doch soll der Glanz uns einen Tag nur kleiden,
oder dauern und wir uns seiner erfreu'n?
Stets lebe er, möge dauern immerdar.
Der junge Edward lebt.
Ich sagt', ich möchte' König sein.
Wie? Das seid Ihr ja, mein hochberühmter Fürst.
Vetter, Ihr habt doch sonst es schnell begriffen. Soll ich offen sein?
Ich wünsch' die Bastarde tot. Und will, es würde schleunig ausgeführt.
Was sagst du, sprich es schnell.
Euer Gnaden verfährt nach Belieben.
Na, na! Du bist wie Eis. Dein Eifer gefriert.
Sag, hab ich für ihren Tod dein Einverständnis?
Lasst mich ein Weilchen Atem schöpfen, gnäd'ger Herr,
eh' ich bestimmt in dieser Sache rede. Ich geb' Euer Hoheit sodann Bescheid.
Catesby. - Mein Fürst?
Weißt du mir keinen,
den bestechend Gold zu verschwiegnem Todeswerk verführen könnte?
Ich kenn' einen unzufriednen Edelmann. Gold wird gewiss zu allem ihn versuchen.
Wie ist sein Name? - Sein Name, mein Herr, ist Tyrrel.
Ich mein', ich kenn den Mann. Hol den Burschen mir her.
Der tief bedächt'ge, weise Buckingham soll nicht mehr Nachbar meiner Absicht sein.
Hielt er so lang mir unermüdlich aus und muss nun Atem schöpfen?
Wohl denn, so sei's.
Nun, Lord Stanley, was gibt es Neues?
Wisst, gewogner Herr, der Graf von Richmond, Heinrich Tudor,
ist auf dem Weg von Frankreich. Er kommt, sich Eure Krone zu holen.
Sein Gefolge hat fast die Küste erreicht.
Stanley, Richmond ist Eures Weibes Sohn!
Wohl, gebt acht. Komm her, Catesby.
Das Gerücht verbreite, dass mein Gemahl sei schwer erkrankt.
Ich sorge schon, zu Hause sie zu halten.
Sieh, wie du träumst! Ich sag's noch mal:
Streu aus, Anne, mein Weib sei krank und wohl sterben wird.
Mir liegt zu viel dran, jede Hoffnung zu hemmen,
deren Wachstum mir schaden kann. Ans Werk nun!
Ist dein Name Tyrrel?
James Tyrrel.
Und Euer tief ergebner Untertan.
Ach, bist du das wirklich?
Prüft mich, mein gnäd'ger Herr.
Erschlügest du wohl einen Freund von mir?
Wenn's Euch beliebt. Doch zwei Feinde wären mir lieber.
Da triffst du es genau. Zwei Erzfeinde sind's. Feinde meiner Ruh,
Zerstörer meines süßen Schlafs, an denen wünsch ich dich zu beschäft'gen.
Tyrrel, ich mein die Bastarde im Tower.
Gebt mir zu ihnen offnen Zutritt nur, so seid Ihr bald die Furcht vor ihnen los.
Sag es ist geschehen und befördern will ich dich dafür.
Ich vollzieh's sogleich.
Mein Fürst, erwogen hab ich im Geist Euren Wunsch, um den Ihr mich befragtet.
Nun, lasst es gut sein.
Mein Fürst, ich bitt' Euch um mein versprochnes Teil,
die Grafschaft Hereford und ihr fahrend Gut, die Ihr mir verspracht.
Stanley, gebt acht auf Eure Frau!
Befördert sie Briefe an Richmond, steht Ihr dafür ein.
Was sagt Eure Hoheit zu meiner rechten Forderung?
Es ist mir noch im Sinn, Heinrich der Sechste weissagte,
dass Richmond würde König, da war er noch ein verzognes Bübchen.
Ein König! Vielleicht. Vielleicht.
Mein Fürst, die versprochne Grafschaft!
Richmond! Ich war letzthin in Exeter.
Der Bürgermeister zeigte mir aus Höflichkeit das Schloss
und nannt' es Rougemont. Bei dem Namen stutzt' ich,
weil ein Bard' aus Irland mir gesagt, ich leb' nicht lang,
nachdem ich Richmond gesehen.
Mein Fürst.
Heute bin ich nicht in Geberlaune, hört Ihr?
Mein Herr?
Lasst uns allein!
Alles Gute, mein höchster Herr.
Freund Tyrrel, macht mich deine Nachricht glücklich?
Brakenbury wird sie begraben.
Komm zu mir, Tyrrel, gleich am Morgen. Denk nach, was ich dir zulieb tun kann.
Nun weiß ich es. Der Bretone Richmond zielt auf Elizabeth,
meines Bruders Tochter, und blickt, stolz auf dies Band, hoch zur Krone.
Zu ihr will ich als ein stets muntrer Freier.
Mein Fürst.
Gute oder schlimme Nachricht, dass du so stürmst herein?
Schlimme, mein Herr.
Der Bischof von Ely floh nach Frankreich, um Richmond zu begleiten.
Und Buckingham, verstärkt mit tapfern Walisern,
rückt in das Feld, und seine Macht nimmt zu.
Ely mit Richmond, das geht mir weit näher,
als Buckingham mit seiner schnell aufgerafften Macht.
Geh, mustre das Volk. Mein Schild ist jetzt mein Rat;
im Feld ruft Verrätertrotz zur Tat.
Meine armen Prinzen!
Oh, meine zarten Buben!
Wenn eure holde Seele in den Lüften noch fliegt,
so schwebet um mich mit den luft'gen Flügeln.
So manches Elend brach die Stimme mir,
die jammermüde Zung' ist still und stumm geworden.
Willst du, oh Gott, flieh'n vor meinen zarten Lämmern,
und schleudern sie in den Rachen diesem Wolf?
Erstorbnes Leben! Blindes Augenlicht! Du armes irdisch-lebendes Gespenst.
Lass deine Unruh ruh'n auf Englands rechtmäß'ger Erde,
die so unrechtmäßig berauscht worden von unschuld'gem Blut.
Ach! Wolltest du ein Grab so bald gewähren,
als du schenkst einen schwermüt'gen Sitz.
Ach, wer hat Grund zum Trauern außer mir?
Ich nannt' dich einst Schatten meines Glücks, gemalte Königin.
Wo ist dein Gatte nun?
Wo sind deine Brüder? Wo die sich drängenden Scharen, die dir folgten?
Geh all dies durch, und sieh, was bist du jetzt?
Statt glücklich Eh'weib, eine bös gequälte Witwe.
Statt frohe Mutter, jammernd bei dem Namen.
Oh, du hast prophezeit, es käm' der Tag, wo ich herbei dich wünscht',
um mitzufluchen der bauch'gen Spinne,
der widerlich buckligen Kröte!
Ein Gatte war mein, doch ein Richard erschlug ihn.
Zwei Söhne waren dein, doch ein Richard erschlug sie.
Ein Gatte war mein, doch du erschlugst ihn mir.
Einen Edmund hatt' ich, du halfst ihn zu erschlagen.
Ein Clarence war auch dein, und Richard erschlug ihn.
Aus deines Schoßes Höhle kroch hervor ein Höllenhund, der all uns hetzt zu Tode!
Oh Heinrichs Weib, juble nicht um mein Weh!
Gott ist mein Zeuge, wie ich um deins geweint.
Seht's mir nach. Ich, ich bin hungrig nach Rache.
Clarence, Hastings, Rivers, Grey und Anne,
sie sind vor der Zeit versenkt ins dunkle Grab.
Richard noch lebt, der Hölle schwarzer Kundschafter.
Vernichte, lieber Gott, den Pfandschein seines Lebens, ich fleh' dich an,
dass ich lebend noch sagen kann: Der Hund ist tot!
Oh du, in Flüchen wohl Erfahrne, weile, und lehre mich, zu fluchen meinen Feinden.
Verbiete den Schlaf dir nachts und faste des Tags.
Vergleiche totes Glück mit lebend'gem Weh.
Denk an deine Knaben, dass holder sie,
als sie noch waren, und er, der sie erschlug,
widerlicher als er ist. Dies überdenken, wird dich lehren, wie man verflucht.
Meine Worte sind träg', oh, schärfe sie mir an deinen.
Dein Weh wird sie schärfen und machen gleich den meinen.
Ist das so, so binde deine Zunge nicht. Geht mir mir.
Es sei von uns erstickt im Hauche bittrer Worte mein verdammter Sohn,
der deine zwei süßen Söhn' ermordet.
Gewalt'ger Fürst, im Westen längs der Küste wogt eine mächt'ge Flotte
hin zum Strand. Man meint, Richmond sei ihr Admiral.
Sie liegen da, erwartend nur, die Hilfe Buckinghams am Strand zu empfangen.
Ein leichtfüß'ger Freund soll hin zum Herzog Norfolk: Ratcliff, du oder Catesby.
Catesby, flieg zum Herzog. Ratcliff, komm hierher.
Reit nach Salisbury: und wenn du ankommst...
Du unachtsamer Schurke! Was säumst du hier und gehst nicht hin zum Herzog?
Erklärt mir die gnäd'ge Meinung, was ich melden soll von Euer Hoheit.
Aufbringen soll er sofort ein Heer von starker Macht und Mannschaft,
und mich bald in Salisbury treffen. - Ich gehe.
Was, wenn's beliebt, soll ich zu Salisbury?
Wie? Was hast du zu tun da, eh' ich komme?
Eure Hoheit sagte mir, vorauszureiten.
Meine Meinung ist nun anders. Stanley, was hast du Neues uns zu melden?
Richmond ist auf See. Er kommt nach England und begehrt die Krone.
Ist der Stuhl nicht besetzt? Ungeführt das Schwert?
Ist der König tot? Ist das Reich etwa herrenlos?
Sind Erben Yorks am Leben außer mir?
Und wer ist Englands König, wenn nicht Yorks Erbe?
So sagt mir, was macht er auf der See?
Wenn nicht dazu, mein Herr, kann ich's nicht raten.
Ihr fallt mir ab und flieht zu ihm fürcht' ich. Er ist Euer Stiefsohn.
Nein, mächt'ger Fürst, dafür misstraut mir nicht.
Wo ist deine Streitmacht, ihn im Kampf zu schlagen?
Ist sie nicht an der Küst' im Westen jetzt, Geleit zum Landen den Rebellen gebend?
Nein, bester Herr, meine Freunde sind im Norden.
Kalte Freunde mir! Was tun sie im Norden,
wenn sie ihr Fürst zum Dienst im Westen braucht?
Sie waren nicht befehligt, großer König.
Geruht Euer Majestät mich zu entlassen, so mustre ich meine Freund'
und treff' Euer Gnaden, wo und wann Euer Gnaden es beliebt.
Ja, ja, ich weiß, du möcht'st fort und dich vereinen mit Richmond.
Ich kann dir nicht trau'n.
Mein Gewalt'ger Fürst, Ihr habt keinen Grund, die Freundschaft zu bezweifeln.
Ich war es nie und werd' nie treulos sein.
Geht dann und mustert die Mannen. Doch lasst zurück Euren Sohn, George Stanley.
Sollt' Euer Herz wohl wanken, so steht, das seid gewiss, sein Kopf nicht fest.
Verfahrt mit ihm, wie ich mich treu bewähre.
Mein Fürst, der Herzog von Buckingham ist gefangen! Das ist die beste Nachricht.
Dass der Graf von Richmond mit großer Macht zu Milford gelandet ist,
ist minder gut, doch will's gemeldet sein.
Wohlan! Wohlan! Indes wir schwatzen,
könnt' eine wicht'ge Schlacht bereits entschieden sein.
Halt!
Wer hält in meinem Zuge hier mich auf?
Oh, sie, die dich hätte abhalten sollen, bereits erwürgen in dem Schoß,
der fluchbeladen, vom Morden und Schlachten, was du Elender getan.
Sag mir, du schurkischer Knecht, wo sind meine Kinder?
Du Kröte, du Kröte, wo ist dein Bruder Clarence?
Wo ist der wack're Rivers, der süße Grey?
Wo ist der gute Hastings?
Einen Gatten und einen Sohn schuldest du mir.
Ein Tusch! Schlagt die Trommeln! Alarm!
Der Himmel höre nicht diese Schnickschnackweiber.
Schlagt Alarm, sag ich!
Bist du mein Sohn?
Ja, Gott sei's gedankt, meinem Vater und auch Euch.
So lass mich reden. - Tut's, doch hör ich nicht zu.
In meinen Worten will ich milde sein.
Und beeilt Euch, Mutter, denn ich hab Eil.
Du bist so sehr in Eil? Ich hab dein gewartet, Gott weiß,
in großer Marter und Todesangst.
Du kamst zur Welt und machtest sie mir zur Hölle.
Eine schwere Bürde war mir die Geburt.
Launisch und eigensinnig deine Kindheit.
Die Schulzeit schreckhaft, heillos, wild und wütig.
Dein frühes Mannesalter dreist, tollkühn, verwegen.
Dein reifres Alter verschlagen, stolz, gerissen und blutig.
Zwar milder, jedoch viel grausamer, gütig im Hass.
Welch frohe Stunde kannst du mir nennen, die je in deinem Beisein mich begnadigt?
Find ich so wenig Gnad' in Euren Augen,
so lasst mich weiterzieh'n und Euch nicht ärgern, Madam. Schlagt auf die Trommeln!
Ich bitt' dich, hör mein Wort.
Du sprichst zu bitter!
Nur noch ein Wort, denn nie wieder werd' ich mit dir reden.
Entweder wirst du sterben durch Gottes gerechte Fügung,
eh' du aus dem Krieg als Sieger zurückkehrst,
oder ich werde vor Gram vergeh'n und niemals mehr werd' ich dein Antlitz seh'n.
Drum geh' von hier
mit meinem schwersten Fluch, der dich am Tage der Schlacht mehr möge ermüden,
als all jene schweren Waffen und Rüstung an dir.
Mein Gebet soll die Seite der Feinde beflügeln,
und dort soll'n der Kinder Edwards kleine Seelen,
dem Geist der Feinde flüstern ins Ohr,
und angeloben ihnen Heil und Sieg.
Blutig, das bist du; blutig wirst du enden.
Schandvoll ist dein Leben, und so wird dein Tod dich schänden.
Zwar weit mehr Grund zum Fluchen wohnt mir bei, doch minder Mut:
Ich sag Amen deswegen nur.
Halt, Madam, ich muss ein Wort Euch noch sagen.
Ihr habt 'ne Tochter, sie heißt Elizabeth,
tugendsam und schön, fürstlich und fromm.
Und bringt ihr das den Tod?
Oh lasst sie leben! Ich verderb' ihre Sitten, will ihre Schönheit beflecken,
so sie den blut'gen Streichen mög' entrinnen.
Ich will bekennen, sie sei nicht Edwards Kind.
Ihr Leben ist wohl sicher durch die Geburt.
Und dadurch gesichert starben ihre Brüder.
Ihr sprecht, als hätt' ich getötet meine Neffen.
Neffen, in der Tat. Um alles hat ihr Onkel sie gebracht,
um Freude, Königreich, Verwandte, Freiheit, Leben.
Wisset, dass ich von ganzem Herzen Eure Tochter liebe.
Und habe die Absicht, sie zu Englands Königin zu krönen.
Und wer soll, meinst du, ihr König sein?
Eben der, der sie zur Königin macht. Wer sonst?
Was, du?
Eben ich! Wie dünkt Euch das?
Wie kannst du nur um sie frei'n?
Das möcht' ich gern von Euch erfahren, da Ihren Sinn Ihr am besten kennt.
Was sollte ich ihr am besten sagen? Ihres Vaters Bruder will ihr Gatte sein?
Oder sag, ihr Onkel?
Oder der, der erschlug ihre Brüder und Onkel?
In Eurer Tochter Schoß will ich sie begraben.
Da, in dem Nest der Würze, erzeugen sie sich selber neu, zu Eurer Wiedertröstung.
Auf welchen Titel sollt ich werben wohl für dich? Den Gott, Gesetz, meine Ehre
und ihre Liebe, damit du bist gefällig ihren zarten Jahren?
Sag ihr, sie wird eine mächt'ge Königin.
Um den Titel zu bejammern, so wie ich?
Ich schwöre...
Wobei kannst du noch schwören? Wobei nur?
Gott und Glück, verweigere mir frohe Stunden!
Tag, entziehe mir dein Licht! Nacht, du deine Ruh'!
Meinem Tun zuwider sei'n alle Glücksplaneten,
wo ich nicht aus Herzensliebe deine schöne und edle Tochter umsorge.
Auf ihr allein beruht mein Glück und deines.
Denn ohne sie erfolgt für mich und dich Tod und Verwüstung, Fall und Untergang.
Es kann nur vermieden werden als durch dies.
Es wird auch nur vermieden werden als durch dies.
Seht, was gescheh'n, lässt sich nicht mehr ändern.
Wenn ich Euren Söhnen das Königreich nahm,
so geb' ich's zum Ersatz nun Eurer Tochter.
Deswegen liebe Mutter, so muss ich Euch nennen, seid meiner Liebe Anwalt,
macht ihr klar, was ich will sein, nicht, was ich gewesen.
Soll ich vom Teufel so mich locken lassen?
Ja, wenn der Teufel dich zum Guten lockt.
Ich gehe.
Und schreibt mir allernächstens, und Ihr erfahrt von mir, wie sie gesinnt.
Bringt ihr meinen Liebeskuss.
Und so, lebt wohl.
Nachgieb'ge Törin! Seichtes, launisches Weib!
Eure Majestät?
Eure Majestät.
Schlagt die Trommeln! Schlagt sie!
Seid gegrüßt, edler Blunt. Sagt Richmond dies von mir:
dass im Stall des blutrünst'gen Ebers mein Sohn,
George Stanley, eingepfercht ist in Haft.
Und lehn ich mich auf, so kostet's des Knaben Kopf.
Die Furcht hält meinen Beistand noch zurück.
Drum mach dich auf, empfiehl mich deinem edlen Herrn. Und sagt ihm auch,
die Königin ist herzlich bereit, zu vermählen mit ihm ihre Tochter.
Doch sagt, wo ist der edle Richmond jetzt?
Zu Pembroke in Wales und hin nach Bosworth richtet er den Zug,
wenn sie kein Angriff hindert unterwegs.
Gut, eile zu deinem Herrn. Ich küsse seine Hand.
Weitres eröffnen ihm diese Briefe.
Lebt wohl!
Will König Richard nicht mit mir sprechen?
Nein, bester Herr, drum fasst Euch in Geduld.
Heut ist Allerseelentag, Catesby, nicht wahr?
So ist es.
Nun, Allerseelentag ist meines Leibs Gerichtstag.
Schwer fällt Margarets Fluch auf meinen Nacken:
"Wenn er," sprach sie, "dein Herz vor Gram zerreißt!"
Kommt, Catesby, führt mich zum Block der Scham.
Unrecht will Unrecht, Schuld, was ihr gebührt.
Führt ihn fort, Henker.
Die müde Sonne ging so golden unter, und mit des Feuerwagens lichter Spur
verheißt sie einen schönen Tag auf morgen.
Wo hat Lord Stanley sein Quartier, wisst Ihr's?
Sein Regiment liegt eine halbe Meile gen Süden von des Königs großem Heer.
Lieber Blunt, findet Mittel mit ihm zu sprechen,
und gebt von mir ihm dieses nöt'ge Blatt.
Bei meinem Leben, Herr, ich unternehm's.
Gute Nacht, guter Hauptmann Blunt.
Kommt, ihr Männer, lasst uns das Geschäft für morgen beraten.
In meinem Zelt. Die Luft ist rau und kalt.
Ich will nicht zu Abend essen. Füllt mir einen Becher Wein.
Ist mein Visier leichter als es war? Und all meine Rüstung mir ins Zelt gelegt?
Ja, mein Herr, 's ist alles in Bereitschaft.
Glück und Triumph bekröne deinen Helm.
Was nur für Trost die dunkle Nacht bieten kann,
werde dein Teil, mein edler Pflegevater.
Kurz fassen, das ist es, was die Zeit uns befiehlt.
Bereite frühmorgens die Schlachtordnung vor.
Gewinne schlau der Zeit den Vorteil ab,
sie helfe dir in diesem zweifelhaften Sturm.
Allein ich darf für dich nicht allzu weit geh'n, damit nicht dein Bruder,
der zarte George, vor seines Vaters Augen wird hingerichtet.
Ratcliff, send einen Boten zu Stanleys Regiment.
Heiß ihn sein Heer vor Sonnenaufgang bringen,
oder sein Sohn George fällt in die blinde Höhle ew'ger Nacht.
Oh du, für dessen Feldherrn ich mich achte,
sieh mit gnäd'gem Blick auf deine Scharen.
Mach uns zum Werkzeug deiner Züchtigung, auf dass wir dich preisen in deinem Sieg.
Allein dir anbefehl' ich meine wache Seele.
Du hast, da ich noch sterblich war,
meinen gesalbten Leib mir schändlich durchbohrt mit Todeswunden.
Heinrich der Sechste fordert dich auf: verzweifle und stirb!
Armer George Clarence, betrogen von dir an den Tod.
In der Schlacht am Morgen, denk an mich.
Lass fallen dein stumpfes Schwert.
Verzweifle und stirb!
Der Erste war ich, der zum Thron dir half.
Der Letzte war ich, der fühlte deine Tyrannei. Träum weiter,
träum von blut'gen Taten und von Tod.
Verzweifle ermattend, hauch verzweifelnd deinen Atem aus.
Richard, dein Weib! Diese elende Anne!
Dein Weib, die keine ruhige Stunde schlief bei dir,
sie füllt nun deinen Schlaf mit viel Verwirrungen.
In der Schlacht am Morgen denk an mich. Verzweifle und stirb!
Träum von deinen Neffen, erwürgt im Tower!
Seien wir Blei in deinem Busen, Richard,
und zieh'n dich nieder in Unfall, Schmach und Tod!
Deiner Neffen Seelen fordern: verzweifle und stirb!
Jesus!
Oh feig' Gewissen, oh, wie stark du mich bedrängst.
Kalter Schweiß der Angst deckt mein schauerndes Gebein.
Was fürcht' ich denn? Mich selbst?
Sonst ist hier niemand. Ist ein Mörder hier? Nein.
Ja, ich bin's.
Mein Gewissen hat viel tausend Zungen,
und jede Zunge bringt verschiednes Zeugnis,
und jedes Zeugnis straft mich einen Schurken.
Ich werd' verzweifeln.
Nicht ein Geschöpf liebt mich.
Und sterb' ich denn, wird keine Seele Mitleid empfinden.
Ja, warum sollten's andre,
da ich selbst doch für mich selbst kein Mitleid für mich fühle?
Mein Herr, Eure Freunde sind auf und schnallen die Rüstung an.
Catesby, es träumte mir ein furchtbar Traum.
Erweisen sich unsre Freunde als treu? - Gewiss, mein Herr.
Oh, beim Apostel Paul! Schatten warfen zu Nacht mehr Schrecken
in die Seele Richards, als zehntausend wilde Krieger es könnten.
Noch wird's nicht Tag. Komm, bewaffne mich!
Wie schliefet Ihr, Mylord?
Den süßesten Schlaf mit verheißenden Träumen, die je in ein müdes Haupt gekommen.
Wie ist's schon am Morgen?
Auf den Schlag vier.
So ist es Zeit, dass man sich rüst' und ordne.
Kommt, Ratcliff, macht voran! Zäumt mir mein Pferd!
Ich führe meine Truppen auf die Ebene.
Nun geht, ihr Herrn! Auf seinen Posten ein jeder von euch!
Unsre starke Wehr ist unser Gewissen, unser Schwert Gesetz!
Bedenkt, mit wem ihr euch zu messen habt:
ein Schwarm von Landläufern, Schelmen, Vagabunden,
niedrer Abschaum bretonischer Bauern, Lakaien bloß!
Teure Landsgenossen, bedenkt mir dies: wenn ihr hier schwört,
einen Tyrannen zu erlegen, könnt ihr friedlich schlafen,
der Tyrann musste fallen.
Und wer führt sie an? Bloß ein milchiger Weichling!
Lang ernährt von unsrer Mutter in der Bretagne. Ein Milchbart!
Wenn ihr befreit eure Kinder von dem Schwert,
so lohnen's Kindeskinder euch im Alter.
Einer, der sich lebenslang nicht gewagt hat vor Kälte mit Schuh'n in den Schnee.
Peitscht übers Meer das Gesindel zurück.
Im Namen Gottes und aller Rechte...
Sollen diese besitzen unsre Ländereien? - Nein!
Liegen bei unsern Weibern? - Nein!
Bewält'gen unsre Töchter? - Zieht euer willig Schwert.
Wenn's uns gelingt, soll am Gewinn der Tat sein Teil auch dem Geringsten werden.
Die Banner voran! Setzet an den Feind!
Schallt Trommeln und Trompeten kühn und froh zum Krieg.
Gott und Saint George, Richmond und Heil und Sieg!
Rückt in des Wirrwarrs Völle, wo nicht zum Himmel, dann Hand in Hand zur Hölle!
Rettet! Rettet, rettet! Des Königs Pferd ist entfoh'n!
Rettet! Sonst ist der Tag verlor'n!
Ein Pferd! Ein Pferd!
Mein Königreich für ein Pferd!
Weicht zurück, mein Herr, ich helf' Euch an ein Pferd.
Knecht!
Ich denk, es sind sechs Richmonds hier im Feld. Fünf schlug ich schon
an seiner Stelle tot. Ein Pferd! Ein Pferd!
Mein Königreich für ein Pferd!
Euer Arm, mein Herr!
Catesby!
Gott und eure Waffen preis' ich,
siegreiche Freunde.
Die Schlacht ist unser, der Bluthund endlich tot.
Beherzter Richmond,
wohl hast du deinen Auftrag gelöst.
Bitte sag mir, ist der junge Stanley noch am Leben?
Vater!
Großer Gott im Himmel, sagt Amen dazu.
Amen.
Mein Bruder, Heinrich.
Seht hier,
dies lang geraubte Königskleinod.
Trag es, genieß es, und bring es weit damit.
Ruft Gnade aus für die gefloh'ne Mannschaft,
die unterwürfig zu uns wiederkehrt. Und dann,
worauf wir nahmen das Sakrament, vereinen wir die weiße und die rote Rose.
Gott schütze König Heinrich, den siebten dieses Namens.
Gott schütze den König!
England war lang im Wahnsinn und schlug sich selbst:
Der Bruder, blind, vergoss des Bruders Blut.
Der Sohn, gezwungen ward des Vaters Schlächter.
All dies entzweiten York und Lancaster, entzweiet sich in gräulicher Entzweiung.
Doch nun, lasst Richmond und Elizabeth, die echten Erben der zwei Königshäuser,
durch Gottes schöne Fügung sich vereinen.
Der Zwist ward nunmehr beendet, gestreut des Friedens Samen:
dass er blüh' und gedeihe,
dazu sagt Gott: Amen.
Amen!
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