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Der Himmel selbst, die Planeten und diese Erde reihen sich nach Abstand,
Rang und Raum, Amt und Gewohnheit in der Ordnung Folge.
Doch wenn sie irren ohne Regel, sie aus dem Gleichgewicht gebracht,
welch' Schrecknis, welche Meuterei und Plag'.
"Westminster Abbey - Gleich nach der Beisetzung von Heinrich V"
"Das Schicksal des Landes und die von Heinrich V eroberten Territorien
in Frankreich liegen nun in den Händen des jungen Heinrich VI
und dem Protektor Herzog Humphrey von Gloucester."
König Heinrich V, zu berühmt, um lang zu leben!
England verlor noch nie so einen würd'gen König.
Vor ihm hatte England noch keinen wahren König.
Sein funkelnd Auge, grimm'gen Feuers voll,
blendete und vertrieb die Feinde, wirksamer als die Mittagssonne,
die gleißend auf ihre Stirn gebrannt.
Heinrich V, deinen Geist rufe ich: Beglück dies Reich, schirm' es vor Bürgerzwist,
bekämpf' die feindlichen Planeten im Himmel!
Ein lichtrer Stern wird deine Seele werden als Julius Cäsar oder der strahlende...
Ihr ehrenwerten Lords, aus Frankreich bring ich böse Nachricht Euch von Verlust,
Niederlage und Blutbad. Paris, Gisors und Poitiers sind gänzlich dahin.
Was sagst du, Mann, vor Heinrichs Leiche hier? Sprich leise.
Beim Verlust so großer Städte sprengt er sein Blei sonst und ersteht dem Tod.
Ist Paris verloren? Gisors wurde zurückgegeben?
Wenn man Heinrich wieder ins Leben rufen könnte,
diese Nachricht würde ihn erneut aufgeben lassen seinen Geist.
Was ist die Ursach'? Welcher Verrat ist daran schuld?
Nicht ein Verrat, bloß der Mangel an Männern und schnödem Geld.
Von Englands Schild ist nun die Hälfte weggehau'n.
Wenn unsre Tränen diesem Leichnam fehlten,
diese Nachricht riefe ihre wilde Flut hervor.
Gebt meine Rüstung mir, ich fecht' um Frankreich.
Wunden will ich den Franken leih'n, statt Augen,
ihr unterbrochnes Elend zu beweinen.
Oh, wohin fliehen wir vor dieser Schmach?
Wir woll'n nicht flieh'n, als an der Feinde Rachen.
Exeter, wenn du erschlaffst, so fecht' ich es aus.
Gloucester, was zweifelst du an meinem Eifer?
Ich hab ein Heer gemustert in Gedanken, womit ich Frankreich schon überrannt.
Meine edlen Herren, den Jammer noch zu vermehren,
womit ihr König Heinrichs Leiche beweint,
muss ich über das Gefecht von Orleans berichten,
zwischen den tapferen Lords Talbot und Salisbury und den Franken.
Das Lager wurde bei Nacht überrannt.
Talbot ist tot?
Nein. Talbot lebt, musste jedoch Orleans entflieh'n.
Lebt wohl, Ihr Herrn! Lustfeuer in Frankreich muss ich sogleich entfachen,
zu feiern unser groß' Sankt Georgenfest.
Entweder werd' ich den Dauphin vernichten,
oder ich beug' ihn unter Euer Joch. Kommt!
Ich will zum Tower in möglichst großer Eil,
und ruf sogleich den jungen Heinrich zum König aus.
Eure Majestät...
"17 Jahre später"
Brakenbury? - Folgt mir mit Eurem Herrn.
Mein Herr, Euer geliebter Neffe.
Richard Plantagenet, wird er kommen?
Ja, edler Onkel, Euer Neffe Richard ist gekommen.
Oh! Helft mir, umarmen will ich ihn.
Armer, edler Mann, du wurdest gekränkt so wie ich,
beraubt der Erbschaft und der Ehre;
mich holt nun der Schiedsmann der Verzweiflung, der gerechte Tod,
der Gleichmacher menschlichen Elends.
Mit süßer Freilassung lässt er mich von hinnen.
Ich wünscht', auch deine Drangsal wär' vorbei, und dich,
man das Verlorene wieder erlangen ließe.
Guter Onkel, um meines Vaters willen und deiner Ehr' als ein Plantagenet,
um der Verwandtschaft willen, erklär' den Grund, warum.
Heinrich der Vierte, Großvater des jungen Königs,
entsetzte den wahren König Richard.
Der rechtmäßig nächste war ich von Geburt.
Als meine Freunde mit hochgemutem Anschlag darum rangen,
den rechten Erben einzusetzen, verlor ich meine Freiheit und sie ihr Leben.
Seid Ihr der rechtmäßige König und ich sein wahrer Erbe?
Schweigen, Neffe, sei deine Politik. Das Haus der Lancaster ist fest gegründet,
und einem Felsen gleich, nicht mehr wegzurücken.
Und so fahr wohl, es soll dich begleiten jede Hoffnung,
dein Leben sei stets beglückt in Frieden und Krieg.
Hier erlischt die düstre Fackel Mortimers.
Und nun für all das Unrecht, die bittre Kränkung,
die zu lange zugefügt wurd' meinem Hause,
in dieser Stille schwör' ich auf ehrenvolle Herstellung.
Mein Großonkel war Edmund Mortimer, verheiratet mit Philippa,
einzige Tochter des Lionel, Herzog von Clarence.
Darum, wenn es so Brauch, das Erbe steht dem älteren Sohne zu, so bin ich König.
Die Wahrheit steht so nackt auf meiner Seite,
dass selbst das schlechteste Aug' es erkennen kann.
Weil Redescheu die Zungen denn euch bindet,
so möge, wer ein echter Edelmann, wenn er vermeint, ich bringe Wahrheit vor,
vom Strauch sich pflücken eine weiße Rose mit mir.
So pflücke, wer kein Feigling noch Schmeichler ist,
mit mir von diesem Strauch 'ne rote Rose.
Ich liebe Schminke nicht; ohn' alle Schminke der kriechenden,
gewandten Schmeichelei, pflück ich diese weiße Rose mit meinem Herrn.
Ich pflück die rote Rose wie der tapfre Somerset,
und sag, ich halte recht, was er behauptet.
Haltet ein, Lords und Herrn, und pflückt nicht mehr, bis ihr beschließt,
dass der, auf dessen Seite vom Strauche weniger Rosen sind gepflückt,
erkennen soll des andern rechte Meinung.
Guter Lord Warwick, sehr wohl bemerkt!
Still geb' ich nach, hab ich die mindre Zahl.
Ich auch.
Dann, für der Sache Recht und Wahrheit,
pflücke ich die jungfräulich blasse Blüte hier,
den Ausspruch gebend für die weiße Rose.
Gut, gut. Nur zu! Wer sonst?
Nun, Somerset, wo ist nun Euer Satz?
Hier in meiner Scheide; dies Erwägen wird die weiße Rose blutig rot Euch färben.
Mittlerweile äfft Eure Wange unsre Rosen nach. Blass ist sie vor Furcht.
'S ist nicht aus Furcht, aus Zorn. Und deine Zunge doch dein Irren leugnet.
Stolzer Narr, verschwinde! Ich verachte euch beide, ihn und dich.
Die Verachtung richt' nicht auf uns, Plantagenet.
Ich stoß' meinen Dolch hier in deine Kehle.
Lasst uns hinfort, guter Suffolk, wir tun dem Bauern zu viel Ehr' mit ihm zu reden.
Um Gottes willen! Du tust ihm Unrecht, Somerset.
Ward nicht dein Vater wegen Verrat hingerichtet?
Die Missetat lebt weiter in deinem Blut.
Und bis zu ihrer Herstellung bleibst du ein Bauer.
Mein Vater war kein Verräter!
Und das beweis' ich an Besseren als Somerset,
um Euch zu züchtigen für diese Rüge.
Seht Euch denn vor, sagt, ihr wurdet gewarnt.
Du sollst bereit uns jederzeit finden.
An dieser Farb' wirst du als Feind uns erkennen,
sie stets meine Freunde tragen werden dir zum Trotz.
Und bei meiner Seele, diese bleiche und erzürnte Rose,
als Sinnbild weiß von meines blutrünstigen Hasses,
will ich künftig tragen ich und mein Anhang ewiglich.
Geh vorwärts, ersticke dich dein ehrgeiz'ger Eifer.
Gloucester!
Kommst du mit tief voraus bedachten Zeilen,
geschriebnen Blättern, künstlich ausgesonnen,
Humphrey von Gloucester? Wenn du klagen kannst, so tu es ohne Vorbereitung
und schnell, wie ich mit schneller Rede und aus dem Kopf dem,
was du rügen magst, antworten will.
Eure Majestät?
Hochmüt'ger Pfaff! Es mahnt zur Zurückhaltung dieser Ort,
sonst würdest du spüren, dass du meine Ehre verletzt.
Du bist ein räuberischer Wucherer! Halsstarrig von Natur, des Friedens Feind,
wollüstig, üppig, mehr als es sich ziemt für einen Mann von deinem Amt und Rang.
Außerdem, würden deine Gedanken sichtbar, dein Herr, der König, fürcht' ich,
wär' auch nicht frei von neid'scher Tücke deines schwellenden Herzens.
Gloucester, ich biete Trotz dir. Wäre ich so, ehrgeizig, habgierig und verstockt,
wie er mich beschreibt, wie bin ich dann so arm?
Das ist es nicht, was den Herzog hat entflammt, es ist,
weil kein anderer hier außer ihm herrschen soll.
Niemand außer ihm soll um den König sein. Und das gebiert ihm Donner in der Brust,
und treibt ihn diese Vorwürf' laut heraus zu brüllen.
Sag, bin ich nicht Protektor, kecker Pfaff.
Unwürd'ger Gloucester!
Du bist hochwürdig nur durch dein geistlich Amt, nicht durch dein Leben.
Rom soll für Abhilfe sorgen!
Dann räum dich weg nach Rom!
Meine Onkel Gloucester und von Winchester, ich möchte gern,
wenn Bitten etwas vermögen, in Lieb und Freundschaft eure Herzen vereinen.
Oh, welch ein Ärgernis für unsre Krone,
dass zwei so edle Pairs wie ihr sich zanken!
Glaubt mir, Lords, schon wissen's meine zarten Jahre,
innerlicher Zwist ist ein giftiger Wurm, der nagt am Innern des gemeinen Wesens.
Oh, wie die Zwietracht mein Gemüt betrübt! Könnt Ihr, Mylord von Winchester,
mich seufzen und weinen sehen und werdet nicht erweicht?
Wer soll bemüht sein, Frieden zu befördern,
wenn heil'ge Kirchendiener sich des Haders freu'n?
Gebt nach, mein Lord Protektor. Gebt nach, Winchester!
Er unterwerfe sich, sonst weich ich nie.
Aus Mitleid für den König beug ich mich.
Seht an, Mylord von Winchester, der Herzog hat finstre missvergnügte Wut verbannt.
Was schaut Ihr denn noch so starr und tragisch drein?
Hier, Winchester, ich biete dir meine Hand.
Pfui! Ehrwürdiger Onkel.
Hört ich Euch doch pred'gen, dass Bosheit große, schwere Sünde sei.
Und wollt Ihr nicht das leben, was Ihr lehrt?
Nun, Herzog von Gloucester, ich gebe nach.
Oh, lieber Onkel, gütiger Herzog Gloucester,
wie glücklich hat mich der Vergleich gemacht.
Empfangt dieses Schriftstück, gnädigster Herrscher,
und hört das Recht Richards Plantagenet.
Wohl vorgebracht, Lord Warwick, wohlan denn Prinz,
Ihr habt viel Grund, sein Recht ihm zu erweisen.
Meine lieben Herren, unser Wohlgefallen ist,
dass Richard seinem Blute nach Recht erwiesen wird.
Dein hocherhobener Knecht gelobt Gehorsam bis zum Tage seines Todes.
So bück dich und setz dein Knie an meinen Fuß,
und zur Vergeltung dieser Huldigung gürt ich dich mit dem tapfern Schwert von York.
Steh auf, Richard, als ein wahrer Plantagenet,
steh auf, ernannt zum hohen Herzog von York.
Und so wie Richard gedeihe, so verderbe jeder, der Groll hege wider Eure Majestät.
Willkommen, hoher Prinz, mächtiger Herzog von York!
Stirb, schnöder Prinz, unedler Herzog von York!
Nun dient es Euer Majestät am besten, dass Ihr die See hinübersetzt,
zur Krönung in Frankreich. Die Gegenwart eines Königs erzeuget Liebe
bei den Untertanen und echten Freunden, so wie es entmutigt die Feinde.
Wenn Gloucester es sagt, geht König Heinrich schon.
Denn Freundes Rat vernichtet Feindes Droh'n.
Eure Schiffe liegen schon bereit.
"Frankreich"
Gott schütze König Heinrich von England und von Frankreich,
den sechsten dieses Namens.
Gott schütze den König!
Mein gnädigster Herrscher, als ich eilig von Calais zu Eurer Krönung ritt,
ward mir ein Brief zu Händen übergeben,
an Euch gerichtet vom Dauphin von Frankreich.
Mylord Protektor, lest ihn vor.
"An den König..." Hat er vergessen, wer sein Lehnsherr ist?
"Ich schreibe aus bestimmtem Grund, aus Mitleid über meines Landes Ruin.
Befehligt von einer Jeanne la Pucelle,
wurde zurückerobert Rouen, das verloren, verjagt,
Eurer Lordschafts Truppen der Besatzung. Und mein Volk begrüßt nun froh:
Karl, den rechtmäßigen König Frankreichs." Oh, welch scheußlicher Verrat!
Fällt Frankreich mir ab?
Ja, mein Herr, und ward nun Euer Feind.
Nun, Lord Talbot, Ihr müsst zurück zu Karl
und Züchtigung für sein Vergehen ihm geben.
Was sagt Ihr, Mylord, seid Ihr es zufrieden?
Zufrieden, mein Herr? Ich hätt' um den Auftrag Euch sonst gebeten.
So zieht Euch Kraft aus dieser Versammlung hier.
Somerset, Ihr habt ein siegreiches Reiterheer.
Das hab ich, mein Herr.
Zügelt Ihr mit dem guten Talbot die Franken?
Ich schwöre, er bekommt alle Hilfe.
Gut, so sammelt Macht und zieht gleich wider ihn.
Er fühle, wie uns sein Verrat entrüstet,
und wie gefehlt es ist, die Freunde zu verhöhnen.
Ich geh, mein Herr, ich weiß es tief in meinem Herzen,
dass Ihr vernichtet sehen wollt die Feinde.
Lords Somerset und York, kommt, tretet näher.
Ich sehe nicht ein, wenn ich diese Rose trage,
weswegen irgendwer sollte Argwohn hegen, ich wär' geneigter Somerset als York.
Beide sind mir verwandt und ich liebe beide. Wie wir in Frieden hergekommen,
so lasst uns stets in Frieden bleiben und Liebe.
Mein Vetter York, wir setzen Euer Gnaden zum Regenten ein
in diesem Teil von Frankreich.
Und lieber Herzog Somerset, vereint Eure Reiterscharen mit dem Heer zu Fuß und wie
wahre Untertanen folgt beide Lord Talbot
und unserem tapfren Onkel Exeter wider Rouen und Karl, diesem Verräter.
Geht frohen Mutes gemeinsam und schenkt euren wilden Zorn gern den Feinden.
Wie schön hat der König seine Rednerkunst gezeigt.
Das hat er, ja. Mir gefällt nur nicht, dass er sich mit Somersets Zeichen schmückt.
Ach, das war nur ein Einfall, scheltet's nicht.
Der holde Prinz, ich möchte wetten er meint nichts Arges.
Das mag jetzt ruhen. Andere Geschäfte gibt es zu führen nun.
Gut, dass Richard von York seine Stimm' hat erstickt.
Denn bräch' die Leidenschaft des Herzens aus,
so fürcht' ich, sähen wir entfesselt mehr bittren Groll,
mehr tobend wilde Wut als noch sich denken und vermuten lässt.
Schlimm, wenn Zepter sind in Kindeshand,
doch mehr, wenn Neid erzeugt gehäss'ge Irrung.
Der Umsturz naht dann, dann beginnt Verwirrung.
Jeanne!
Jeanne!
Jeanne!
Jeanne!
Schaut auf euer Land! Schaut auf das fruchtbare Frankreich!
Und seht die Städte und die Häuser entstellt,
durch die Verheerung eines wilden Feindes.
Wir kleines Rudel, scheues Wild aus England.
Von Kuppeln fränk'scher Hunde angekläfft.
Sind wir denn englische Hirsche, so seid voll Muts,
fallt nicht auf einen Biss wie mageres Wild.
Seid voll von Wut wie verzweifelte Hirsche!
Gute Männer, ich bin die Tochter eines Schäfers.
Bin in Bildung jeglicher Art nicht geschult.
Mit stählernem Haupt stellt euch den blutrünstigen Hunden,
zwingt die Feiglinge bellend in der Fern' zu steh'n.
Während ich gebetet zu dem heiligen Lamm,
die Gottesmutter geruhte mir zu erscheinen,
und heißt durch ein Gesicht voll Majestät mich meinen knechtischen Beruf verlassen,
und mein Vaterland vom Drangsal zu befrei'n!
Gott und Sankt Georg, Talbot und Englands Recht,
bringt unsern Fahnen Glück in diesem Gefecht!
Lord Somerset?
Dort.
Wie steht's, Sir William? Wer hat Euch gesandt?
Wer, Somerset? Der verratne und verkaufte Talbot,
der, rings bedrängt vom kühnen Missgeschick, nach den Reiterscharen ruft,
die Somerset ihm versprochen.
Sagt, werdet Ihr sie ihm senden?
Es ist zu spät, ich kann sie nun nicht senden.
Dies Unternehmen wurde von York und Talbot zu vorschnell geplant.
Der zu vermessne Talbot hat allen
vor'gen Ruhmesglanz befleckt durch dies verzweifelt wilde Abenteuer.
York trieb ihn an, York soll ihm Hilfe schicken.
Und York schreit nicht minder gegen Euer Gnaden, und schwört,
Ihr haltet zurück die versprochene Hilfe.
York lügt. Hätt' er gefragt, er hätt' sie haben können.
Ich bin ihm wenig Dienst und Liebe schuldig.
Die Untreue Englands, nicht Frankreichs Macht
hat den edelmüt'gen Talbot in die Falle gelockt.
Er stirbt! Durch Euren Zwist dem Schicksal ausgeliefert.
Wie auch sein Sohn, der junge John, den zwei Stunden zuvor die Nachricht traf,
dass er eilen soll zu seinem kriegerischen Vater.
Kommt, los! Ich sende stracks die Reiter hin.
Und in sechs Stunden sind sie ihm zu Dienst.
Die Hilfe kommt zu spät! Er ward gefangen oder fiel.
Und ist er tot, fahr wohl denn, wackrer Held!
Sein Ruhm lebt in der Welt, Euch bleibt die Schande.
Vater!
John!
John, ich sandte nach dir aus, dass Talbots Name leben möchte' in dir.
Du kommst zu einem Fest des Todes nun, zu unvermeidlich schrecklicher Gefahr.
Drum liebes Kind besteig dein schnellstes Ross,
ich will dir zeigen, wie du kannst entkommen.
Komm, zaudre nicht! Fort!
Ist mein Name Talbot? Und bin ich Euer Sohn? Und ich soll flieh'n?
Oh, liebt Ihr meine Mutter, so entehrt nicht ihren Namen,
indem Ihr aus mir einen Knecht und Sklaven macht.
Flieh, wenn ich falle, meinen Tod zu rächen.
Wer so entflieht, kehrt nie wieder zurück.
Bleiben wir beide hier, sterben wir beide gewiss.
So lasst mich bleiben, und Vater, Ihr entflieht.
Hier auf den Knien bitt ich um Sterblichkeit,
statt Leben, das durch Schande nur gedeiht.
Bei meinem Segen, geh hinfort!
Hier kämpfen will ich, nicht dem Feind entflieh'n!
Geht, oder nicht, ich tu euch nicht den Gefallen,
denn wisst, ich will nicht leben, sollt mein Vater fallen.
Komm, mein Sohn, lass miteinander uns steh'n und fallen,
und Seel' mit Seele soll gen Himmel wallen.
Wo ist der junge Talbot?
Wo ist der tapfre John?
Wo ist mein andres Leben?
Nein!
Oh, John!
Riss roher Grimm und Augen roll'nde Wut von meiner Seit'
ihn plötzlich in die Flut gedrängter Franken, wo er sich versenkte,
dort in dem See aus Blut
mein Sohn ertränkte den allzu kühn geflogenen Geist,
und starb, mein Ikarus, so blühend rosafarb.
Wär' York und Somerset zu Hilf' geeilt,
dies wär' ein blut'ger Tag für uns geworden.
Haut in Stücke die beiden. Lasst brennen sie wie Zunder.
Sie waren Englands großer Stolz und Galliens Wunder.
Nein, haltet ein! Was lebend Flucht gebot, das lasst uns nicht schänden, da es tot.
Wo ist der Dauphin?
Der Sieg ist unser, armsel'ges Wesen.
Euer Heer überwältigt von Gott und Frankreich.
Wer seid Ihr, Teufel?
Wo ist des Feldes mächtiger Alcides? Der tapfre Talbot, Graf von Shrewsbury?
Oh, würden meine Augen Büchsenkugeln, dass ich sie wütend euch ins Antlitz schösse.
Geht, bringt die Leichen fort.
Fort tragen wir sie.
Oh, könnt ich diese Toten nur erwecken, es wär' genug,
der Franken Reich zu schrecken.
Das englische Heer, das zerrissen war in zwei Parteien, muss sich vereinen in eins.
Aus Talbots heil'ger Asche wird erweckt ein Phönix,
welcher einst ganz Frankreich hat geschreckt.
Erneut!
Jeanne!
Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns...
Wundervolle Frau, nein, fürchte und fliehe nicht.
Ich will dich rühren mit ehrerbiet'ger Hand.
Ich küss' diese Finger zu ew'gem Frieden
und lege sanft sie an deine zarte Seite.
Wer bist du? Sag's, damit ich dich ehren kann.
Margaret ist mein Name. Ich bin Tochter eines Herzogs.
Des Herzogs von Anjou, wer auch immer du seist.
Ein Graf bin ich, und Somerset werde ich genannt.
Sag, Somerset, wenn dein Name so ist, welch Lösegeld gilt es,
bevor du mich entlassen wirst? Denn ich nehm' an, ich bin deine Gefangene.
Warum sprichst du nicht? Welches Lösegeld muss ich bezahlen?
Edle Prinzessin, würdet Ihr die Gefangenschaft nicht als Glück betrachten,
sie preisen, wärt Ihr dafür Königin?
Eine Königin in Gefangenschaft ist schmählicher noch,
als ein Knecht zu sein in gemeinen Diensten. Denn Fürsten sollten frei sein.
Und das sollt Ihr. Ist ebenso des reichen Englands König frei.
Wie? Was geht seine Freiheit mich wohl an?
Ich mach dich zum Eh'gemahl König Heinrichs.
Geb' eine reiche Krone dir in die Hand, wenn du herab dich läss'st zu meiner...
Was?
Seiner Liebsten.
Ich bin unwürdig, Heinrichs Weib zu sein.
Nein, edles Fräulein, ich bin es, der nicht würdig ist, für ihn zu frei'n,
um solch bezaubernde Schöne.
Was sagt Ihr, Fräulein, seid Ihr es zufrieden?
Nun, wenn mein Vater es will, dann bin ich's zufrieden.
Dann, Madame, vor Eures Vaters Burg werd er von uns geladen zum Gespräch.
Wo seid Ihr, Hexe?
Du Mädchen aus Frankreich, gleich wirst du in meiner Gewalt sein.
Dich möge ein quälend Unheil ereilen.
Es wird dich plötzlich überraschen von blut'ger Hand schlafend in deinem Bett.
Schweig, böswillige, schwarze Hexe! Halte die Zunge im Zaum!
Ich bitt' dich, lass mich eine Weile fluchen!
Fluch' verdammte Ketzerin, wenn du zum Scheiterhaufen gehst!
Sieh, Anjou, sieh deine Tochter hier gefangen.
Wie kann man helfen? Ich bin ein Krieger und nicht geneigt zum Weinen,
noch über Wankelmut des Glücks zu schrei'n.
Zu helfen gibt es genug, mein Herr.
Willigt ein, um Eurer Ehre willen,
dass Eure Tochter vermählt wird mit meinem König,
den ich mit Müh' dazu gewonnen habe.
Und diese flüchtige Gefangenschaft hat königliche Freiheit ihr erworben.
Spricht er, wie er denkt?
Die schöne Margaret weiß, dass der Graf Somerset weder schmeichelt noch heuchelt.
Willkommen, wackrer Graf, in unsren Landen.
Befehlt in Anjou, was Euch nur beliebt.
Danke, Anjou, Ihr seid beglückt durch solch süßes Kind.
Geschaffen zur Begleiterin eines Königs. Was für Bescheid gibt Euer Gnaden mir?
Weil ihren kleinen Wert du würdig achtest,
um sie zu frei'n, als Braut für solchen Herrn:
Ich geb' sie unter einer Bedingung: Ich will genießen, was mein ist,
die Grafschaften Maine und Anjou.
Meine Tochter kann Heinrich dann haben, wenn er will.
Das ist ihr Lösegeld. Ich lass sie frei.
Die beiden Länder, das nehm' ich auf mich, dürfen Euer Gnaden in Ruhe genießen.
Und ich hinwieder geb' in König Heinrichs Namen,
der Tochter Hand zum Pfand gelobter Treu.
Anjou, mein Herr, empfanget königlichen Dank,
weil dies der Handel eines Königs ist.
Ich will nach England mit der Neuigkeit, und der Vermählung Feier dort betreiben.
So lebt denn wohl, Anjou,
fasst diesen Diamanten sicher in goldne Paläste, wie es sich ziemt.
Lass dich umarmen, wie ich umarmte den christlichen Herrscher,
König Heinrich, wär' er hier.
Lebt wohl, mein Herr!
Gute Wünsche, Lob, Gebete, hat Margaret stets für Somerset.
Lebt wohl, mein Fräulein!
Doch Margaret, hört mich, kein fürstlicher Empfehl an meinen Herrn?
Sagt ihm Empfehle, wie sie einer Magd, einer Jungfrau und seiner Dienerin geziemen.
Und dies zugleich.
Das für dich selbst,
denn ich will mir nicht anmaßen, solch läppisches Zeichen einem König zu senden.
Führt vor die Zauberin.
Nein! - Bindet sie an den Pfahl!
Sie hat zu lang gelebt, die Welt mit ihren Lastern zu erfüllen.
Nein! Lasst mich erst sagen, wen Ihr verdammt.
Nicht mich, gezeugt von Hirten aus der Flur,
nein, aus dem Geschlecht entsprossen eines Königs;
erwählt von droben, auf Erden hohe Wunder zu bewirken.
Ich hatte nie zu tun mit bösen Geistern!
Doch ihr, so befleckt von euren eignen Lüsten,
von reinem Blut der Unschuld besudelt, so achtet ihr's für ein unmöglich Ding,
ein Wunder wirken, ohne Macht der Teufel.
Wisst, dass Jeanne d'Arc selbst in Gedanken stets keusch und unbefleckt.
Dass ihr jungfräulich Blut, so streng vergossen,
um Rache schreien wird vor Gottes heil'gen Thron!
Stellt Tonnen Pech noch um den Todespfahl, damit ihr so die Marter ihr verkürzt.
Verbrennt sie sogleich!
Kann eure starren Herzen nichts erweichen?
Versuch kein Bitten, denn es ist umsonst.
Werfe die lichte Sonne ihre Strahlen niemals auf das Land,
das euch zum Sitze dient!
Dunkle Nacht und düstrer Todesschatten soll euch hinfort umfangen,
bis Unheil und Verzweiflung euch drängt,
zu brechen euch den Hals oder euch zu hängen.
In Stücke zerbreche und zerfalle zu Asche,
verfluchte Dienerin des Meisters der Hölle!
Die selt'ne Schilderung der schönen Margaret lässt mich erstaunen, edler Graf.
Die Tugenden, geziert mit äußern Gaben, erregen mir der Liebe Trieb im Herzen.
Und wie die Strenge tobender Orkane den stärksten Kiel der Flut entgegen drängt,
so treibt auch mich der Hauch von ihrem Ruf, Schiffbruch zu leiden,
oder anzulanden, wo ich mich ihrer Liebe mag erfreu'n.
Still, bester Fürst, der flüchtige Bericht ist nur der Eingang ihres würd'gen Lobs.
All die Vollkommenheit des holden Fräuleins,
hätt' ich Geschick genug sie auszusprechen,
ein Buch wär's, voll verführerischer Zeilen.
Und, was noch mehr, sie ist so göttlich nicht,
dass sie mit gleicher Demut des Gemüts, nicht willig wär',
Euch zu Befehl zu sein, Euch als Gemahl zu lieben und zu ehren.
Auch wird es Heinrich anders nie verlangen. Darum, Mylord Protektor, willigt ein,
dass Margaret von Anjou die Königin von England werde.
So willigte ich ein, die Sünde zu hofieren.
Ihr wisst, mein Fürst, dass Ihr schon lang versprochen seid
mit einem andern angeseh'nen Fräulein, der Tochter des Grafen von Armagnac.
Wie, denkt Ihr, sollen wir uns dem Vertrag entzieh'n,
ohn' Eure Ehre mit Rügen bloßzustellen?
Wie Herrscher tun bei unrechtmäß'gen Schwüren.
Des armen Grafen Tochter steht zu tief.
Drum, wenn man mit ihr bricht, ist nichts versehn.
Ich bitte Euch, was ist denn Margaret mehr als das?
Ihr Vater ist nicht besser als ein Graf.
Ihr Vater ist in Frankreich von so großem Anseh'n,
dass seine Freundschaft unsern Frieden sichern
und in der Treu die Franken halten wird.
Das kann der Graf von Armagnac nicht minder.
Auch lässt sein Brautschatz großen Reichtum hoffen,
da Anjou eher nehmen wird als geben.
Ein Brautschatz, mein Herr? Entehrt nicht so den König!
Er ist nicht gemein, arm und niedrig, mein Herr!
Er geht nicht nach Geld, er will vollkommne Liebe.
Heinrich kann seine Königin bereichern, und sucht nicht eine,
die ihn reich soll machen. So feilschen niedre Bauern um ihre Weiber,
wie auf dem Markt die Ochsen, Schafe, Pferde.
Die Eh' ist eine Sache von mehr Wert.
Wen nähme Heinrich zum Gemahl, als König, als Margaret?
Ihr tapfrer Mut und unerschrockner Geist entspricht der Hoffnung
des Geschlechts vom König:
Denn Heinrich, da sein Vater ein Eroberer, hat Aussicht, mehr Eroberer zu zeugen,
gesellt er sich in Liebe einer Frau, die so voll Mutes, wie die schöne Margaret.
Geht zu Schiff! Eilt, Mylord nach Frankreich!
Goutiert jeglichen Vertrag, und sorgt, dass Fräulein Margaret bald geruhe,
die Überfahrt nach England vorzunehmen,
und hier sich krönen lass' als König Heinrichs treue und gesalbte Königin.
Majestät...
Und Ihr, guter Onkel, bannet Euren Unmut. Wenn Ihr nach dem mich richtet,
was ihr mal wart, nicht, was Ihr seid, so weiß ich,
Ihr entschuldigt die rasche Ausführung von meinem Willen.
Eure Maje...
Wie mir von Eurer ruhmreichen Majestät der Auftrag ward,
für meinen Weg nach Frankreich, zu holen Prinzessin Margaret für Euer Gnaden,
vollbracht ich mein Geschäft und untertänig nun auf meinen Knien,
in Englands Angesicht und seiner edlen Pairs, liefre ich
das reichste Pfand, das je ein Markgraf bot,
die schönste Braut, die jemals ein König empfing.
Willkommen, Königin Margaret.
Ich weiß meiner Liebe kein innigeres Zeichen,
als diesen innigen Kuss.
Oh! Herr, der geschenkt mir das Leben, leih mir ein Herz von Dankbarkeit erfüllt.
Denn in dem schönen Antlitz gabst du mir eine Welt von ird'schem Heil
für meine Seele, wenn Liebeseintracht unsern Sinn verknüpft.
Großer König Englands, und mein gnädiger Gatte,
der vertrauliche Verkehr, den mein Gemüt bei Tag, bei Nacht,
im Wachen und in Träumen mit Euch gehabt,
mein liebster Herr, macht mich umso dreister, Euch zu begrüßen.
Lords, heißt mit einer Stimme meine Gattin willkommen.
Lang lebe Königin Margaret, Englands Heil und Segen!
Euch allen danken wir.
Mylord Protektor, wenn es Euch beliebt,
hier sind die Punkte des im Vertrag genannten Friedens, zwischen unserem Herrn
und König Karl von Frankreich.
"Hier dieser Vertrag zwischen dem König Karl von Frankreich und William,
Graf von Somerset, Abgesandter König Heinrichs von England,
ist eine Übereinkunft,
dass besagter Heinrich Fräulein Margaret zur Königin von England krönen soll."
"Ferner, sollen das Herzogtum Anjou, die Städte wie Rouen und Paris
und die Grafschaft Maine von nun an befreit
und geliefert werden dem fränkischen König."
Onkel? Was habt Ihr?
Verzeiht mir, gnädiger Herr. Ein Unwohlsein fällt plötzlich mir aufs Herz,
und trübt mir die Augen, und ich kann nicht weiterlesen.
Onkel von Winchester, ich bitt' Euch, lest weiter.
"... und sie soll hinübergeschafft werden auf des Königs von England Kosten,
wo er sie ohne Mitgift erhält."
Das gefällt uns wohl. Danke, Onkel von Winchester.
Kommt! Gehen wir hinein.
Wackre Pairs von England, Pfeiler des Staates,
euch schüttet Herzog Humphrey aus sein Leid.
Wie? Gab mein Bruder Heinrich nicht seine Jugend, seinen Mut, sein Geld,
sein geliebtes Volk dem Kriege hin?
Hat er so oft nicht genächtigt in offnem Feld, in Winterskält'
und dumpfer Sommerhitze, sein wahres Erbteil, Frankreich zu erobern?
Und hat es die edlen Herrn Salisbury
und Talbot nicht das Leben für Heinrichs Erwerb gekostet?
Habt ihr nicht selbst empfangen tiefe Narben in Frankreich und der Normandie?
Und sollen diese Müh'n und Ehren sterben?
Oh, Pairs von England! Dies Bündnis ist schändlich!
Wie diese Eh' verderblich! Sie vertilgt euren Ruhm,
stürzt Monumente des überwund'nen Frankreichs,
vernichtet alles, als wär's nie gewesen!
Was soll die ungestüme Rede, Gloucester?
Frankreich ist unser und wir behaupten's ferner.
Ja, wir behaupten's ferner, wenn wir können, doch ist's unmöglich nun,
dass es geschehe. Somerset hat weggeschenkt Anjou und Maine an den Dauphin,
ihn müssen König nun wir heißen.
Anjou und Maine! Ich kämpfte und gewann sie beide!
Gibt man die Städte, die ich erworben
mit Wunden an den Feind nun zurück mit Friedensworten?
Ich ließ mir von Frankreich lieber mein Herz ausreißen,
bevor ich dies Bündnis je gutheißen könnte. Nie las ich anders,
als dass Englands Kön'ge mit ihren Weibern Summen Golds erhielten.
Und unser Heinrich gibt sein eignes weg, um die zu frei'n,
die für niemand von Vorteil ist!
Sie hätt' in Frankreich bleiben und verhungern dort sollen!
Mylord von Gloucester, Ihr seid allzu hitzig.
Mylord von Winchester, ich kenn Euch wohl. Nicht meine Reden sind's,
die Euch missfallen, nur meine Gegenwart steht Euch im Weg.
Ihr Lords, lebt wohl! Und sagt nach meinem Scheiden,
dass prophezeit ich, bald sei Frankreich verlor'n!
Da geht der Lord Protektor zornig fort.
Er ist mein Feind, das ist Euch wohl bekannt.
Noch mehr, uns allen ist er feindgesinnt.
Und nicht ein großer Freund, fürcht' ich, des Königs.
Denkt nur, er ist der nächste von Geblüt, an den vermutlich Englands Krone fällt.
Ich fürcht' bei all dem Schmeichelglanz, er wird uns ein gefährlicher Protektor.
Warum muss er's noch sein bei unserm Herrn,
zum Regieren hat er nun selbst das Alter.
Werter Lord Winchester, eint Euch mit mir, ihr all zusammen mit Lord Somerset,
wir holen schnell Lord Humphrey aus seinem Sitz.
Es kommt der Tag, wo York das Seine heischt, und wenn ich Zeit erseh',
die Krone fordern. Es soll mir Lord Lancaster nicht mein Recht entreißen,
das Diadem nicht um sein Haupte tragen,
die Launen dieses Pfaffen passen nicht zur Krone.
Still, York, bis dahin wartet, die Zeit wird sich Euch zeigen.
Pass auf und wache du, während andre schlafen,
Geheimnisse des Staates zu entdecken, bis Heinrich,
schwelgend in der Liebe Freuden, und Humphrey mit den Pairs in Zwist gerät.
Dann heb' ich hoch die milchweiße Rose,
und nehm' ihm gleich kraftvoll die Krone wieder.
Sein' Bücherherrschaft riss England darnieder.
Warum, mein Gatte, senkst du das Haupt wie Korn?
Was zieht der große Herzog Humphrey seine Brau'n?
Was haftet dein Aug' am dunklen Boden nur, und starrt das an,
was dein Gesicht bewölkt? Sag nur, was siehst du?
König Heinrichs Krone? Ist's das, so starr' und kriech' auf deinem Antlitz,
bis dir das Haupt davon umzirkelt ist.
Den Arm streck aus nach dem glorreichen Gold!
Ist er zu kurz? Verlängern soll ihn meiner.
Und wenn wir zwei zusammen es gefasst, so heben wir vereint das Aug' gen Himmel.
Oh, Nell, süße Nell, liebst du deinen Gatten, so bann' ehrgeiziger Gedanken Wurm!
Sei dieser schändliche Gedanke, wann ich meinem König und Neffen,
Arges wünsche, mein letzter Hauch in dieser ird'schen Welt.
Mich macht betrübt, der ängst'gende Traum von dieser Nacht.
Was träumte mein Herr? Sagt's mir!
Ich lohn' es mit süßer Meldung meines Morgentraums.
Mir schien's, hier der Stab, meines Amtes Zeichen, ward mir zerbrochen.
Durch wen, ich hab's vergessen. Doch, wie ich denke, war's der Kardinal.
Und auf den Stücken dieses Stabs, ward aufgesetzt
der Kopf von Somerset und Suffolk.
Dies war mein Traum.
Was er bedeutet, weiß nur Gott.
Das war nichts mehr, als ein Beweis, dass der,
wer nur ein Reisig in Gloucesters Lustwald bricht,
den Kopf für seine Kühnheit soll verlieren.
Komm, hör auf mich, mein Humphrey, mein liebster Herzog!
Mir war, ich säß' auf dem majestät'schen Sitz in der Kathedrale zu Westminster.
Es war der Stuhl, wo man Kön'ge und Königinnen krönt.
Wo Heinrich und auch Margaret vor mir knieten
und auf mein Haupt setzten das Diadem.
Nein, Eleanor, dann muss ich g'radezu dich schelten.
Bist du die zweite Frau im Reiche nicht, und des Protektors Weib, geliebt von ihm?
Und musst du ständig schmieden am Verrat, um zu stürzen deinen Gatten
und dich selbst vom Ehrengipfel bis zum Fuß der Schmach?
Hinweg von mir! Und lass mich nichts mehr hören!
Wie? Seid Ihr so heftig mit Eleanor, weil sie erzählt hat ihren Traum?
Ich will für mich die Träume nun behalten und nicht gescholten sein.
Mylord Protektor, seine Hoheit wünscht,
dass Ihr kommt zu der Versammlung, die er angesetzt in Westminster.
Ich komm.
Nell, willst du mich begleiten?
Ja, bester Herr, ich folge gleich Euch nach.
Wie? Soll denn König Heinrich immer Mündel
unter des mürr'schen Gloucesters Aufsicht sein?
Bin ich im Rang und Titel Königin, um Untertan zu werden eines Herzogs?
Ich sag dir, Sir, als wir zwei uns begegnet, da dacht' ich,
König Heinrich gliche dir, an seiner Sitt' und Mut und Leibsgestalt.
Doch steht nach Frömmigkeit ihm nur der Sinn.
Er zählt bloß Ave Marias in seinem Rosenkranz.
Dass doch das Kardinalkollegium zum Papst ihn wählt' und brächte ihn nach Rom.
Das wär' ein Stand für seine Frömmigkeit.
Madam, habt Geduld. Wie ich gemacht, dass Eure Hoheit kam nach England,
will ich in England völlig Euch zufrieden stellen.
Nächst dem Protektor haben wir noch Winchester, den machthungrigen Kirchenmann,
Suffolk, Exeter und den aufmurrenden York.
Und der Geringste dieser kann mehr in England als der König tun.
Doch all die Lords können mich nur halb so sehr kränken wie des Protektors Weib,
die so mit Stolz erfüllt.
Sie fährt herum an des Schlosses Hof mit Scharen Frau'n,
wie eines Kaisers mehr als eines Herzogs Weib.
Ein Fremder hält sie für die Königin,
sie trägt am Leib die Einkünft' eines Herzogs,
und unsrer Armut spottet sie im Herzen.
Soll ich nicht erleben, mich an ihr zu rächen?
Sie hat doch groß bei ihrem Schätzchen jüngst geprahlt, die Schleppe
von ihrem schlecht'sten Rocke sei mehr wert als all meines Vaters Land,
eh' Somerset zwei Herzogtümer gab für seine Tochter.
Madam, ich selbst hab ihr um den Fuß die Schlinge gelegt,
und eine Schar Lockvögel ausgestellt,
dass sie sich niederlässt dem Lied zu horchen, und nie mehr aufsteigt
und Euch Unruh macht. Drum lasst sie ruh'n.
Und, Madam, hört auf mich, ich bin so frech, Euch hierin Rat zu geben:
ist schon der Kardinal uns nicht behaglich, verbinden wir uns mit ihm
und mit den Lords, solang bis in Schmach Herzog Humphrey verstoßen wird.
Wir bringen dazu, dass bereuen wird das ganze Land,
und das beglückte Steuer lenkt Eure Hand.
Wenn York in Frankreich übel sich benommen, so schlagt ihm die Regentschaft ab.
Wenn Suffolk der Stell' nicht würdig seiner Meinung,
kann York statt meiner Regent sein, er kann sie haben.
Ob Euer Gnaden würdig ist, ob nicht, wird nicht gefragt: York ist der Würdigste.
Ehrgeiz'ger Warwick, lasst reden die Oberen.
Der Kardinal ist nicht mein Oberer im Feld!
Hier sind alle deine Oberen, Warwick.
Warwick kann oberster von allen werden!
So gib uns Gründe, Somerset, warum Suffolk hierbei sei vorzuzieh'n.
Ei, weil der König, fürwahr, es so haben will.
Madam, der König ist alt genug, um selbst die Stimme zu erheben,
dies sind nicht Frau'ngeschäfte.
Ist er schon alt genug, was, Euer Gnaden,
braucht Ihr Protektor Seiner Herrlichkeit zu sein?
Madam, ich bin Protektor unsres Reichs,
und wenn's ihm beliebt, entsag' ich meinem Platz.
Entsag ihm denn, und lass den Übermut. Seitdem du König warst,
und wer ist König mehr als er, ging täglich das gemeine Wesen unter.
Jenseits des Meers gewann der Dauphin Feld,
und alle Pairs und Edelmänner im Reich sind wie Sklaven deiner Herrschaft gewesen.
Das Volk hast du geplagt, dem Klerus ausgepresst das Säckel,
und bereichert dich daran.
Deine prächt'gen Bauten und deiner Frau Geschmeide
hat große Haufen aus dem Schatz gekostet.
Der Ämterhandel in den Städten Frankreichs, wär' das bekannt,
und der Verdacht ist groß, du sprängst wohl ohne Kopf bald durch dies Land. Genug!
Der König weiß, was er weiß.
Nein. e
Gib mir meinen Fächer!
Was, Schätzchen, könnt Ihr nicht?
Fränk'sches Weib! Könnt ich nur näher kommen mit meinen Nägeln,
ich setzt wohl die zehn Gebote in Euer Gesicht!
Still, liebste Tante, es geschah nicht gern.
Es geschah nicht gern?
Guter König, tu schnell ein Einseh'n.
Sie soll nicht ungerächt Frau Eleanor schlagen.
Welchen Flug, Mylord, Euer Falke gemacht. Und wie er über alle flog hinaus!
Kein Wunder, mit Euer Majestät Erlaubnis,
dass des Protektors Falken trefflich steigen, sie wissen wohl,
ihr Meister ist gern hoch oben, und denkt hinaus weit über ihren Flug.
Mylord, nur ein Gemüt, das niedrig und gemein
strebt nicht höher an als ein Vogel schwingt.
Ich dacht' es wohl, er will bis in die Wolken.
Ach, Somerset, England kennt schon deinen starren Sinn.
Und deinen Ehrgeiz, Gloucester.
Ich bitt' dich, Liebste, sei still, und reiz nicht noch die heft'gen Pairs.
Gesegnet, die auf Erden, die Frieden stiften.
Der Wind weht stürmisch, wie auch euer Mut, ihr Lords.
Ich bitte, lasst diesen Zwist mich schlichten.
Was bringt Ihr Neues, heil'ger Onkel?
Was Euch zu offenbaren, mein Herz erbeben lässt.
Lady Eleanor, des Protektors Gattin, hat gefährlichen Zauber wider Euch angewendet.
Sie hat von drunten böse Geister gerufen, nach König Heinrichs Tod
und Leben sie gefragt, sowie nach andern vom geheimen Rat,
wie Eure Hoheit soll des weiteren wissen.
Und auf die Art, Mylord Protektor, muss sich in London Eure Gemahlin stellen.
Dies, denk ich, wendet Eures Degens Spitze.
Ehrgeiz'ger Lord, lass ab zu kränken mein Herz.
Groß' Leid und Gram hat all meine Kraft bewältigt,
und, wie ich bin bewältigt, weich ich dir.
Oh Gott! Welch Unheil stiften doch die Bösen,
und häufen so Verwirrung auf ihr eignes Haupt.
Gloucester, da schaut den Flecken Eures Nestes;
nun seht nur, ob Ihr rein seid, sorgt für Euer Bestes.
Ich weiß, dass mir der Himmel Zeugnis gibt,
wie sehr ich meinen König und den Staat geliebt.
Mit meinem Weib, ich weiß nicht, wie's da steht. Es tut mir leid, zu hören,
was ich hörte. Sie ist edlen Sinns, doch wenn sie Ehre vergaß und Tugend,
und mit Volk verkehrte, so stoß' ich sie von Bett und Umgang aus,
und sei sie dem Gesetz der Schand' verpfändet,
die Gloucesters reinen Namen so geschändet.
Nun, wir wollen diese Nacht an diesem Ort hier ruh'n.
Und morgen kehr'n wir wiederum nach London zurück,
um dieser Sache auf den Grund zu geh'n.
Vorwärts! Geht weiter!
Tretet vor, Frau Eleanor Cobham.
Vor Gottes Antlitz und vor uns ist groß Eure Schuld.
Empfanget des Gesetzes Spruch für Sünden.
Es steht im heil'gen Buche Gottes der Tod dafür.
Ihr, Herzogin, da Ihr so edel von Geburt,
sollt nach drei Tagen der öffentlichen Buße im Banne hier in Eurem Lande leben,
mit Sir John Glasdale in der Isle of Man.
Willkommen mir der Bann.
Willkommen mir der Tod!
Eleanor, das Recht hat dich gerichtet.
Rechtfert'gen kann ich nicht, wen es verdammt.
Mein Auge schwimmt, mein Herz ist voller Gram.
Nein! Nein!
Ach, Humprey, in deinem Alter diese Schande,
bringt noch dein Haupt mit Sorgen in die Erde.
Ich erbitte Eure Majestät, weggeh'n zu dürfen.
Das Leid will Tröstung und mein Alter will Ruh.
Halt! Humphrey, Herzog von Gloucester,
ehe du gehst, gibst du mir den Stab!
Heinrich will sich selbst Protektor sein, und Gott soll mich dabei leiten.
Aber geh in Frieden, Humphrey, noch so wert,
als du noch warst Protektor deinem König.
Ich sehe nicht, warum ein münd'ger König beschützt zu werden brauchte,
wie ein Kind.
Mit Gott soll Heinrich Englands Steuer führen.
Gebt ab den Stab, Herr, und lasst ihn selbst regieren.
Mein Stab.
Hier, edler Heinrich, ist mein Stab.
Als willig mag ich selbigem entsagen, als mich dein Vater Heinrich hieß ihn tragen.
Und ebenso willig, Herr, leg' ich ihn zu deinen Füßen,
als andre dran den großen Ehrgeiz werden büßen.
Lebt wohl, mein König.
Wenn ich bin hingeschieden, umfange dein würdiger Thron den Frieden.
Dieser Stab der Ehre und Glanz, hier sei sein Stand,
wo es für das Reich sich geziemt, in Heinrichs Hand.
Beiseite! Weg da!
Eleanor! - Kommt Ihr, Gemahl,
um meine Schmach zu seh'n? - Eleanor...
Nun tust du Buße mit.
Sieh, wie sie gaffen! Oh, Gloucester!
Verbirg dich vor gehäss'gen Blicken, klag eingesperrt im Zimmer meine Schmach.
Und verfluche die Feinde, meine und deine!
Geduldig, gute Nell, vergiss den Gram.
Ah, Gloucester, lehr' mich, mich selbst vergessen!
Denn, weil ich denk', ich sei dein eh'lich Weib, dünkt mich,
ich sollte so geführt nicht werden, in Schmach gesteckt mit Zetteln auf dem Rücken.
Der grimm'ge Kiesel ritzt die zarten Füße, und fahr' ich auf,
verlacht mich das hämische Volk.
Oh, Humphrey, kann ich's wohl tragen dieses Joch? Dunkel sei nunmehr mein Licht
und Nacht mein Tag, und denken meines Pomps sei meine Hölle!
Ich bitt' Euch, Sir John, beschützt meine Gattin hier!
Verfahrt mit ihr nicht härter, weil ich bitte, dass Ihr sie schont.
Ich werd' irgendwann sagen, ich bin Lord Humphreys Weib,
und er ein Prinz und ein Regent des Landes;
doch so regiert' er, und ward solch ein Prinz, dass er dabei stand,
während ich Hilflose bloßgestellt und zum Wunder ward.
Wisse, Somerset und York und der falsche Pfaff' haben alle dir Vogelruten gestellt,
und flieg so weit du kannst, sie fangen dich.
Oh, liebste Nell, halt ein! Du zielest gänzlich fehl.
Erst muss ich schuldig sein als überwiesen;
und hätt' ich zwanzig Mal so viele Feinde,
so könnten sie alle keine Not mir schaffen,
so lange ich redlich bin, getreu und schuldlos.
Die beste Hilfe ist Ruhe, gute Nell. Ich bitt' dich, füge zur Geduld dein Herz!
Das Aufseh'n wen'ger Tage legt sich bald.
Oh, nein!
Nell! Hinweg!
Euer Gnaden sind zu einer Unterredung gebeten. In den Palast.
Zur Unterredung, jetzt? Und mich fragt keiner nach dem Einverständnis?
Das nenn' ich hinterrücks.
Gut, ich komme hin.
Mein Herz beteuert mir,
dass der Graf von Warwick macht Herzog York zum König eines Tags.
Und, mein Freund, dies beteure ich selber mir, dass es Richard erlebt,
und macht den Graf von Warwick zum größten Mann in England nach dem König.
Mich wundert, dass Mylord von Gloucester fehlt,
denn sonst pflegt er nicht der letzte Mann zu sein.
Könnt Ihr nicht sehn, und wollt Ihr nicht bemerken,
wie sein Gesicht sich fremd verwandelt hat? Wie majestätisch er sich beträgt?
Wie übermütig er seit kurzem ward, wie stolz,
wie herrisch und sich selbst nicht gleich?
Ich weiß die Zeit, da er noch mild und freundlich war
und der Hof bewundert hat seine Demut.
Doch trefft ihn jetzt, und mag es morgens sein,
wenn jedermann die Tageszeit noch bietet, er zieht die Brau'n,
und zeigt ein zornig Auge,
die Schuldigkeit, die uns gebührt, verschmähend.
Humphrey ist kein kleiner Mann in England.
Und wenn Ihr fallt, er der nächste wär' zum Steigen.
Drum deucht mir, ist es keine Politik, erwogen, welch' Groll er trägt im Herzen,
dass er zu Eurer fürstlichen Person und Euer Hoheit Rat den Zutritt habe.
Die ehrerbiet'ge Sorg' um meinen Herrn, ließ mich im Herzog die Gefahren lesen.
Mylords von Somerset und Winchester, beweist das Gegenteil,
wenn Ihr könnt, wo nicht lasset meine Worte gültig sein.
Schaut, Eure Hoheit, in diesen Herzog hinein.
Hätt' ich zuerst die Meinung äußern müssen, ich hätt' in Euer Gnaden Sinn gestimmt.
Die Herzogin begann auf seinen Antrieb, so wahr ich lebe,
mit ihrer gefährlichen Teufelskunst.
Wo tief der Bach ist, läuft das Wasser glatt. Der Fuchs bellt nicht,
wenn er das Lamm will stehlen. Wisst denn, mein König,
Gloucester ist ein Mann, noch unergründet und voll tiefen Trugs.
Unser guter Onkel Gloucester ist so wenig auf Verrat
an unsrer fürstlichen Person gesinnt, als ein säugend Lamm und eine sanfte Taube.
Der Herzog ist zu tugendsam und mild, er träumt nicht von Argwohn,
und sucht nicht mein Verderben.
Er wie eine Taube?
Sein Gefieder ist entlehnt, denn er ist gesinnt wie der arge Rabe.
Ist er ein Lamm? Sein Fell muss ihm geliehen sein,
denn den räuberischen Wölfen gleicht sein wilder Mut.
Herr, seht Euch vor, die Wohlfahrt von uns allen
hängt an dem Fallen dieses falschen Manns!
Heil und Segen meinem gnädigen Herrn.
Willkommen, Sir William. Was gibt's in Frankreich Neues?
Dass Charles, der Dauphin, benommen hat Euren Teil des Landes,
und hisset die Flaggen auf allen Dächern der Stadt.
Aus allen Mündern ruft zum König ihn das Volk,
und Euer Anrecht auf all jene Länder, des seid Ihr gänzlich nun beraubt.
Alles ist uns verloren.
Schlimm Glück bringt Ihr von Frankreich. Doch Gottes Wille geschehe.
Heil und Glück sei dem König, meinem Herrn.
Vergebt, mein Fürst, dass ich so lang' verzog.
Nein, Gloucester, wisse, dass du kamst allzu früh.
Denn ich verhafte dich wegen Hochverrates hier.
Gut, Somerset, du sollst nicht erröten mich sehen,
noch ändert sich meine Miene um den Verhaft.
Der reinste Quell ist nicht so frei von Schlamm,
als ich's bin von Verrat an meinem Herrn.
Wer klagt mich an? Und wessen bin ich schuldig?
Man glaubt, Mylord, dass Frankreich Euch bestochen.
Und dass Ihr unterschlugt der Truppen Sold,
was um den Besitz in Frankreich Eure Hoheit gebracht.
Ihr sagt, man glaubt es nur? Wer sind sie, die das glauben?
Ich raubte nie den Truppen ihren Sold.
So helf' mir Gott, wie ich des Nachts gewacht, ja, Nacht für Nacht,
auf Englands Wohlfahrt sinnend.
Nein, manches Pfund von meinen eignen Mitteln,
weil ich nicht schatzen wollt' das dürft'ge Volk,
hab ich an die Besatzungen gezahlt, und meinen Vorschuss nie zurück verlangt.
Es steht Euch an, Mylord, das zu behaupten.
Ich sag die Wahrheit nur, so Gott mir helfe.
In der Protektorschaft erfandet Ihr für Missetäter unerhörte Martern,
dass England ward verschrie'n um Tyrannei.
Weiß doch ein jeder,
dass ich als Protektor allein des Mitleids Fehler an mir hatte,
weil ich schmolz bei eines Missetäters Tränen.
Mein Herr, dies sind leichte Fehl' und bald entschuldigt.
Man zeiht Euch größerer Verbrechen, wovon Ihr nicht so leicht Euch rein'gen könnt.
Ich geb' Euch Haft in Seiner Hoheit Namen.
Eure Majestät!
Und überliefre Euch dem Kardinal auf ferneres Verhör Euch zu verwahren.
Eure Majestät...
Oh, Onkel Gloucester, ich hoff' absonderlich,
von allem Argwohn Euch befreit zu seh'n.
Mein Gewissen sagt mir, er ist unschuldig.
Ach, gnäd'ger Herr, gefahrvoll ist die Zeit!
Die Tugend wird erstickt von schnödem Ehrgeiz.
Ich weiß, ihr Anschlag zielet auf mein Leben.
Doch wenn mein Tod dies Eiland glücklich macht,
und beenden könnt' die Zeit der Tyrannei, ich gäb' ihn euch mit aller Willigkeit.
Doch meiner ist nichts weiter als Prolog in diesem Stück.
Für Tausende, die von der drohenden Gefahr noch nicht träumen,
ist ihr entworf'nes Trauerspiel nicht aus.
Somersets glühend Auge schwatzt seines Herzens Groll aus.
Du, Winchester, der nach dem Monde greift,
und dess' vermess'nen Arm ich rückwärts riss,
mit falscher Klage zielt Ihr nach meinem Leben.
Und Ihr, meine edle Herrin,
mit den andern habt grundlos Ihr Schmähung auf mein Haupt gelegt,
und mit eifrigstem Bemüh'n, gereizt gegen mich meinen geliebten Herrn,
um nun mein Feind zu sein.
Ja, ihr alle steckt eure Köpfe zusammen,
und das bloß, um mein schuldlos Leben wegzuschaffen.
Hier sind viele falsche Zeugen, die mich verdammen,
und Haufen von hässlichem Verrat, die Schuld zu mehren.
Das alte Sprichwort wird bewährt sich zeigen:
,Ein Stock findet sich bald, den armen Hund zu schlagen.'
Mein Herr, sein Schmähn ist unerträglich!
Er wird mit Deuteln hier den Tag verbringen!
Kardinal, er ist in Eurer Haft! - Ihr, bringt den Herzog fort!
Ach! So wirft Heinrich seine Krücke weg, eh' seine Beine stark sind, ihn zu tragen!
So schlägt man dir den Schäfer von der Seite,
und Wölfe blecken, wer zuerst dich soll verschlingen.
Ach, wäre nur meine Furcht, wär' sie doch Wahn!
Dein Unheil, guter König, ich sehe es nah'n!
Eure Majestät, Ihr solltet dies hier betrachten.
Meine Lords, was eurer Weisheit dünkt das Beste,
tut oder verwerft, als ob für euch selbst es wäre.
Was? Will Eure Hoheit uns verlassen?
Ja, Margaret, mein Herz wird ertränkt von Gram.
Oh, Onkel Humphrey!
Dein Gesicht enthält den Abriss aller Ehr',
Treue, und Wahrhaftigkeit.
Du kränktest niemals sie, und kränktest keinen.
Und wie der Metzger schleift fort das Kalb und bindet's
und quält's und prügelt es, läuft's nicht blutig auf dem Weg zum Schlächterhaus.
Und so ohn' Erbarmen schleift man ihn nun fort.
Sein Schicksal will ich beweinen, und zwischen jedem Ächzen sage ich immer:
Wer ist Verräter? Gloucester nie und nimmer.
Heinrich, mein Gatt' ist kalt in großen Dingen, zu voll von blödem Mitleid;
und Gloucesters Schein betört ihn.
Dieser Gloucester, er würde die Welt befreien,
und uns vor der Furcht, die uns vor ihm befällt.
Zwar dass er sterb', ist würd'ge Politik,
doch braucht's Beschönigung für seinen Tod.
Man muss verdammen ihn nach des Rechtes Lauf.
Nach meinem Sinn wär' das nicht Politik.
Der König wird sich müh'n für seine Rettung;
das Volk steht auf vielleicht für seine Rettung;
und dennoch haben wir nur kahlen Grund,
mehr als Verdacht, um des Tod's ihn wert zu zeigen.
Demnach begehrt Ihr seinen Tod nicht sehr.
Nur ein Narr setzt den Fuchs zum Schutz des Küchleins vor den gier'gen Geiern ein.
So wär' des Küchleins Tod gewiss.
Ja, gnäd'ge Frau. Lasst Gloucester sterben, dann ist er der Fuchs.
Von Natur bewährt ein Feind der Herde, eh' purpurn Blut den Rachen ihm befleckt.
Lasst uns nicht streiten, wie man ihn kann töten, sei es mit Fallen, Schlingen,
Schlauigkeit, im Schlaf im Wachen, das gilt alles gleich, ist er nur tot.
Dreimal edler Somerset, du sprichst mutig.
Nicht mutig ist's.
Sagt nur das Wort, Ihr Herren, ich will sein Priester sein.
Hier meine Hand,
die Tat ist's wert zu tun. - Das sag ich auch.
Und ich. Und nun, wir drei es ausgesprochen, stört uns nicht viel,
wer bestreiten will unsern Spruch.
Lebt wohl, meine Herrn.
Nun, Leute, habt ihr's abgetan?
Ja, bester Herr, es ist getan.
Nun, das ist schön.
Gut, ihr könnt jetzt gehen. Ich will euch lohnen für die dreiste Tat.
Habt ihr die Leiche zurecht gelegt?
Und alles in Ordnung, so, wie ich euch angewiesen?
Ja, bester Herr.
Hinfort! Packt euch!
Geht, holt unseren Onkel sofort hierher.
Sagt, wir wollen seine Gnaden heut verhören.
Ich will sogleich ihn rufen, gnäd'ger Herr.
Mylords, bereitet das Gericht. Und ich bitt' euch,
verfahrt nicht schärfer gegen unseren Onkel, als er auf wahrhaft Zeugnis,
guter Art, in seinen Taten schuldig wird erkannt.
Gott verhüte, dass walte irgend Tücke, die schuldlos einen Edelmann verdammt.
Gott gebe, dass er von Verdacht sich löst.
Hab Dank, Margaret. Die Worte erfreu'n mich sehr.
Was gibt's? Warum bist du bleich?
Was zitterst du? Wo ist mein Onkel?
Tot, Mylord. Gloucester ist tot.
Oh, Gott verhüte es!
Das ist Gottes heimliches Gericht.
Mylord!
Oh, Heinrich, schlag die Augen auf!
Wie fühlt sich mein Gemahl?
Getrost, mein Fürst. Gnäd'ger Heinrich, seid getrost.
Wie? Will Mylord von Somerset mich trösten?
Leg nicht die Händ' an mich! Ich sage, lass!
Aus dem Gesicht mir, unsel'ger Bote! Fort!
Guter Warwick, kommt mit mir in sein Zimmer den Leichnam dort zu schau'n.
Oh du, der alles richtet, hemm meine Gedanken.
Kommt herein, gnäd'ger Fürst.
So sicher meine Seele hofft zu leben, ich glaub,
es ward gewaltsam Hand gelegt an dieses hochberühmten Herzogs Leben.
Wer, Warwick, sollt' ihm wohl den Tod antun? Ich selbst hatt' ihn in Obhut.
Sorgte für Sicherheit mit Somerset und Suffolk.
Und wir, ich hoffe, Herr, sind keine Mörder.
Doch ihr alle war't geschworne Feinde Humphreys,
und wie sich's kundtut, fand er einen Feind.
Seid Ihr der Schlächter, Somerset? Wo ist Euer Messer?
Kein Messer trag ich, einen Schlafenden zu schlachten.
Doch hier ein rächend Schwert,
gerostet von Ruh, das will ich dem im tück'schen Herzen scheuern,
der mit des Mordes Purpurmal mich brandmarkt.
Du, Warwick...
Gnäd'ge Frau! Ich sag's mit aller Achtung:
denn jedes Wort zu Gunsten ihm gesprochen,
bringt Eurer königlichen Würde Schand'.
Stumpfsinn'ger Lord, unedel im Betragen.
Deine Mutter holt' in ihr sträflich Bett sich einen groben unerzognen Bauern,
und impfte auf den edlen Stamm den Ableger von einem Wildling,
dessen Frucht du bist! - Exeter!
Warum? Was soll das, Lords?
Die zornvollen Waffen entblößt ihr hier in unserm Beisein?
Ihr seid so vermessen! Warum? Was für Tumult und Schreien gibt es hier?
Der falsche York will alles auf uns türmen, mein Fürst.
Werden Somerset und Suffolk nicht gerichtet
oder verbannt aus Englands schönem Reich, so wird das Volk sich von Euch trennen.
Ich sage, durch sie der gute Humphrey starb.
Ich sage, ich fürchte durch sie Euer Hoheit Tod.
Ich sag dir Dank, York, für deine ach so liebevollen Sorgen.
Denn wahrlich, mein Sinn uns stündlich Unheil prophezeit
für meinen Thron durch diese Lords.
Und darum, bei deren Majestät, ich schwör's, darf ihr Atem nicht länger verpesten
die Luft als drei Tage! Das bei Todesstrafe!
Heinrich? Lass mich für den holden Somerset reden...
Oh, unholde Königin, Ihr nennt ihn hold? Nicht weiter, sag ich!
Wenn du für ihn redest, wirst du nur höher steigern meinen Zorn.
Wenn nach drei Tagen Zeit man hier euch zwei findet, auf irgendeinem Boden,
wo ich herrsche, so kauft die Welt euer Leben nicht mehr los.
Weiser König.
Verbannt seid ihr beide!
Ich will den Widerruf, dessen seid gewiss,
oder es wagen, dass er mich auch verbannt.
Ich dacht', ihr liebtet mich!
Doch seh' ich nichts weiter, als die Marionette dieser Lords!
Nehmt die Verbannung von Somerset und dem treuen Suffolk zurück.
Ihr brecht mir das Herz, mein Herr.
Mein Herz, ich kann deine Tränen nicht seh'n.
Dann widerruft den Spruch.
Ich tu's, Margaret, ich tu es für dich.
Suffolk und Somerset gewähr' ich die Freiheit. Sie sollen hier leben in Frieden.
Suffolk in Freiheit? Somerset ein freier Mann?
Und Gloucester im Blut liegend ist der Beschuldigte nun? Falscher König!
Dies Haupt ist nicht gemacht für eine Krone.
Dies Gold muss diese meine Brau'n umgürten!
Hier ist die Hand, die hoch ein Zepter hält.
Ich bin von bessrem Blut als der König.
Mehr als er ein König, mehr königlich mein Denken. Macht Platz!
Genug, York! Ich kann nicht schweigend ertragen,
wie Ihr schnöd' beleidigt Seine Majestät.
Wir sind Euer Herrscher, Exeter! Kniet vor uns!
Dies ist mein König, York, da irre ich mich nicht.
Doch irrt Ihr Euch in mir, denkt Ihr, dass ich es tu.
Führt ab ihn in den Tower!
Und sperrt weg, den von Aufruhr erfüllten York, den Erzverräter!
Wie, Warwick? Hat dein Knie verlernt, sich zu beugen?
Erwogen hab ich bei mir selbst den Anspruch dieses hochberühmten Herzogs,
und im Gewissen acht' ich Seine Gnaden
für den echten Erben von Englands Königsthron.
Hast du uns nicht Ergebenheit geschworen?
Das hab ich.
Kannst du dich vor Gott einem solchen Schwur entziehen?
Der Sünde schwören, ist schon große Sünde,
doch größre noch, den sünd'gen Eid zu halten.
Ruft das Heer zusamm'n, und befehlt es an die Waffen.
Auf, Mylord, wir werden uns bewaffnen.
Wir gehen, doch kehren wir zurück und holen uns die Krone.
Ich will entfachen in England ein'n brausend Sturm,
der schleudern soll zehntausend Seelen zu Himmel und Hölle.
Cecily?
Cecily!
Meine Söhne!
Cecily, wo sind sie?
Dort drinnen.
Edward! George!
Edmund!
Und...
Richard?
Richard?
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