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Sie sehen aus wie die Dschungel des Amazonas:
Russlands Nebelwälder am Pazifischen Ozean.
Ein Hauch Exotik streift die fernöstlichen Küsten.
Hier ist alles etwas anders als im übrigen Russland.
Aber auch in Meeresnähe ist der Winter lang und hart.
Wer hier überleben will, muss gewappnet sein.
Die Reise in den Osten Russlands -
- ist eine Expedition zu fernen, fremden Ufern.
3 Flugstunden östlich von Sibirien erscheint eine endlose Küstenlinie.
Das größte Land der Erde weicht einem noch größeren Reich:
Dem Pazifischen Ozean.
Ussurien heißt dieses Land zwischen Taiga und Meer.
Ein junger Buntmarder erkundet den über Nacht gefallenen Schnee.
Schnee ist für viele Buntmarder ein unbekannter Stoff.
Die Tiere leben meistens im südlichen Asien.
Was tut ein tropischer Marder hier in der Kälte?
Die Antwort liegt noch unter Schnee begraben.
Die Taiga wird bald erwachen.
Und nicht wiederzuerkennen sein.
Der Amur. Russlands zweitgrößter Strom.
Sein Einzugsgebiet ist 5-mal so groß wie Deutschland.
2 Millionen Quadratkilometer.
Und Dutzende namenlose Zuflüsse in der Größe von Elbe und Rhein.
Das Amur-Delta wird noch vom Eis des Ochotskischen Meeres blockiert.
Der Nord-Pazifik verzögert den Frühling.
Wie ein gigantischer Eisschrank.
Diese Küsten und Wälder zwischen Amur und Korea -
- sind die artenreichsten Lebensräume Russlands.
Nichts deutet darauf hin. Fast nichts!
Kein Tiger lebt so weit nördlich wie der russische Amur-Tiger.
Die größte Raubkatze unserer Erde.
Dieses erst einjährige Jungtier wiegt 2OO Kilogramm.
So viel wie ein kleines Pferd.
Die Mutter ist auf der Jagd.
Junge Amur-Tiger bleiben dann oft tagelang allein.
Der Nachwuchs lebt bei ihr, bis sie sich erneut paart.
Wenn seine Mutter "rollig" wird, -
- hält derjunge Kater Abstand.
Alte Amur-Tiger-Männchen -
- laufen weite Entfernungen.
Sie durchqueren Territorien mehrerer Weibchen.
Sie erwischen nicht immer den richtigen Zeitpunkt.
Tigerinnen gehen gern ihre eigenen Wege.
Außerhalb der Paarungszeit.
lhre Wünsche verschlüsseln sie in Markierungen.
Sie bleiben im Winter lange lesbar.
Sie müssen entziffert werden. Durch "flehmen".
Die Botschaft ist klar.
lhm bleibt vorerst nur, sich an den Düften zu berauschen.
Der Jung-Tiger reagiert schon wie ein Profi.
Auch wenn es nur die Mutter ist.
Nur wenige Flüsse bleiben eisfrei im Sichote-Alin-Gebirge.
Aber die sind überlebenswichtig.
Für den scheuesten Nachtvogel Ussuriens.
Wenn die Märzsonne versinkt, -
- erklingen die seltsamen Rufe der größten Eule der Welt:
Das Duett von 2 Riesen-Fisch-Uhus. (Uhu-Rufe)
Es sind minus 3O Grad im Vorfrühling.
Jagdzeit für die Eulen.
lhre Beute ist auch im Winter aktiv.
Der Zweisprung verfehlt sein Ziel.
Die Saiblinge sind noch da.
Sie fühlen sich sicher nah am Eisrand.
Es gibt in Ussurien enormen Reichtum an Fischen.
Der führte zu dieser erstaunlichen Spezialisierung.
Wenn die Sonne im Osten Russlands aufgeht, -
- ist sie im Westen des Landes gerade erst untergegangen.
Das Japanische Meer öffnet sich -
- südlich der Amur-Mündung.
Kragen-Enten warten auf ihr wichtigstes Tagesereignis:
Die Flut.
Sie spült Plankton und andere Nährstoffe in die Gezeiten-Zone.
Lharga-Robben bevorzugen eher die Ebbe.
Die Ruhepause fällt nun zwangsläufig ins Wasser.
Das wird wärmer durch den Tsushima: eine tropische Meeres-Strömung.
Fernheizung von Ussuriens Küsten.
Das Meer wird sich in wenigen Wochen von 2 auf 15 Grad erwärmt haben.
Die Flut ist im Anmarsch.
Kragen-Enten sind die Glücksspieler -
- der nährstoffreichen Kelp-Wälder.
Sie tauchen waghalsig direkt in die Brandung.
Meeres-Schnecken, Krabben und kleine Fische -
- werden von den Unterwasser-Weiden geerntet.
Solange die Flut Nachschub herbeispült.
Der Heizeffekt des Tsushima wird im Mai immer stärker.
Nebel entstehen über dem Meer.
Wolken und Feuchtigkeit branden gegen Küstenhänge.
Sie werden landeinwärts getrieben und erwecken die Taiga zum Leben.
Die Streifenhörnchen sind gerade aus dem Winterschlaf erwacht.
Nun suchen sie ihre Vorratskammern.
lm Herbst legten sie Depots aus Nüssen, Beeren oder Pilzen an.
Jetzt sind die heimlichen Reserven entscheidende Überlebenshilfe.
Entsprechend interessiert wird man vom Nachbarn beäugt.
Denn volle Speisekammern nebenan schonen die eigene Speisekammer.
Wichtig ist nur, so zu tun, als sei nichts geschehen.
Die Riesen-Fisch-Uhus haben seit 2 Monaten Nachwuchs.
Das gänsegroße Uhu-Küken thront 12 Meter über dem Fluss.
Leise Kontakt-Laute der Alten wecken ihn.
Erst das tiefe Duett beider Altvögel macht den Jung-Uhu richtig munter.
(Uhu-Rufe)
Mai-Nächte sind kurz.
Er bekommt schon in der Dämmerung erstes Futter.
Die Eltern fischen in Sichtweite vom Nestbaum.
Der Anblick ist spannend und lehrreich gleichzeitig.
Fisch-Uhus füttern jetzt gern Groppen.
Sie sind häufig hier und leicht zu erbeuten.
Die Fische werden mit dem Kopf voran im Ganzen verschluckt.
Derjunge Fisch-Uhu benötigt 1O davon in einer Nacht.
Und die Nacht beginnt erst.
Gegen Mitternacht ist das Abendmahl verdaut.
Der Jung-Uhu wagt sich auf die Nestkante.
Mondlicht macht das Tal taghell.
Beste Voraussetzung für die Eulen.
Vollmond erhöht den Jagd-Erfolg.
Die mächtigen Tiere füttern und fischen in den Urwäldern am Bikin.
Bis zum Morgengrauen.
Grüntöne in allen Nuancen leuchten im Kronendach der Ussuri-Taiga.
Er ist der artenreichste nordische Wald der Erde.
lm Westen - die Mandschurei.
An der Grenze zu China - ein großes Sumpfbecken mit uralten Reisfeldern.
Und darin der größte See des Fernen Ostens - der Chanka.
Flach und durchsonnt wie ein tropisches Binnenmeer.
Asiens größte, wilde Lotusfelder.
Seltsame Geschöpfe leben im See.
Dem Reiher wird es zu bunt. Eine chinesische Weich-Schildkröte.
Die Schildkröten haben im Chanka-See ein letztes, nördliches Refugium.
Alle Verwandten leben im tropischen Asien.
Aber die Eroberung des Nordens hat einen Preis.
Das Schildkröten-Jahr am Chanka zählt nur 5 Monate.
Der See liegt sonst unter dickem Eis.
Also die Sonne optimal nutzen!
Die wärmsten Plätze sind schnell vergeben.
Aber es gibt nur einen für die beste Sonnenbank.
Kommt der Chef, heißt es: Aufpassen!
Weich-Schildkröten mögen es nicht, wenn ihr beliebter Platz belegt ist.
Die Hierarchie ist erst einmal wieder hergestellt.
Ein schrilles Pfeifen durchdringt die Wälder am Japanischen Meer.
Sika-Hirsche auf dem Weg an die Küste.
lrgendetwas zieht sie immer wieder dorthin.
(Schrilles Pfeifen)
Die Tiere sind unruhig und nervös.
Eine andere Gruppe ist auf dem Rückweg vom Meer.
Sommernebel über den Hängen vor der Küste.
Das Rauschen der Brandung wirkt wie ein Magnet auf die Sikas.
Die Hirsche haben nur ein Ziel: Kelp.
Das sind mineralstoffreiche Braunalgen.
Sie sind Futter und Salzlecke zugleich.
Sogar Gischt wird gierig aus dem Fell geleckt.
Die küstennahen Wälder sind ausgewaschen und salzarm.
Durch ständige Regen- und Schneefälle.
Salzsüchtige Sikas riskieren viel für frischen Kelp.
Amur-Tiger kennen die Schwächen der Hirsche.
lhre Nervosität war berechtigt.
Der Tiger kehrt zurück an seinen nächtlichen Riss.
Er kann ausgewachsene Hirsche nicht in einem Gang auffressen.
Mehrere Mahlzeiten sind dafür nötig.
Erste Zaungäste sind gekommen.
Man muss nicht lange auf sie warten.
Die nachtaktiven Amur-Tiger jagen im Sommer in erster Linie:
Kragenbären, Dachse oder Marderhunde.
Aber an der Küste sind die Sikas leichte Beute.
Den Hirschen ist in den felsigen Buchten der Rückweg abgeschnitten.
Ein Amur-Tiger an der Küste des Pazifischen Ozeans.
Die scheuen Großkatzen konnten erstmalig hier gefilmt werden.
Die große Raubkatze ist eigentlich längst satt.
Aber sie weiß:
Schon wenig später wird nichts mehr zu holen sein.
Was wiegt schwerer?
Ein zum Platzen voller Magen?
Oder Futterneid auf die nimmersatten Krähen?
Keine einfache Entscheidung für den Herrscher der Taiga.
Es war sowieso nicht mehr viel übrig.
Das Büfett ist eröffnet.
Es kommt in der Warteschlange zu ersten Differenzen.
Dickschnabel-Krähen gehören zu den klügsten Rabenvögeln.
Hier der Beweis!
Derjunge Riesen-Seeadler wird irgendwann aufgeben.
Die Krähen sind dann am Ziel.
Der Südwest-Monsun streift nun fast täglich die fernöstlichen Küsten.
Die meeresnahe Ussuri-Taiga ist der einzige russische Regenwald.
Kragenbären stört die ständige Nässe nicht.
Sie verbringen einen Großteil des Jahres im Kronendach.
Anders als ihre braunen Verwandten.
Nur gute Kletterer sind sicher im Reich des Amur-Tigers.
Es gibt zu jeder Zeit genug Nahrung.
Auch in den Baumkronen. Man muss sie nur zu finden wissen.
Der Jung-Uhu saß die ganze Nacht im Regen.
Die Pfütze in seiner Nestgrube kann nicht abfließen.
Er kann hier oben nicht mehr bleiben.
Das Wasser steigt unten.
Wenn er in die Strömung stürzt, ist er verloren.
Aber er hat keine Wahl.
Seine Daunen würden im gefluteten Nest verklumpen.
Das ging noch mal gut.
Er muss jetzt abwarten.
Aus Bächen werden schnell reißende Ströme.
"Land unter" in der Ussuri-Taiga.
Aber das Leben geht weiter.
Forellen im eben noch trockenen Flussbett.
Entwurzelte Pappeln und Ulmen stapeln sich.
Wie Streichhölzer um die Sandbänke.
Die Hochwasser füllen das Becken des nahen Chanka-Sees.
Der Regen selbst schafft es nicht bis hierher.
Mit den Fluten kommt plötzlich Wind in die baumlose Senke.
Der macht den flachen Chanka zu einem tückischen Meer.
Die kurzen Wellen entwickeln eine enorme Kraft.
Erste Wogen überfluten die sandigen Ufer.
Wie in einem Atoll entstehen kleine Nebenseen: Lagunen.
Die erste Ruhe nach dem Sturm.
Weich-Schildkröten erkunden die neue Nehrung.
Tausende Fische sind in der Lagune.
Der Sturm hat sie angeschwemmt. Sie können nicht zurück in den See.
Ein anderer Jäger ist vor Ort: ein Schlangenkopf.
Der Fisch kann Sauerstoff auch direkt aus der Luft atmen.
Er macht manchmal auch Landgänge.
Die Lage wird eng für die kleinen Fische.
Die Schildkröte ist plötzlich mitten im Schwarm.
Sie zögert nicht lange.
Die Weich-Schildkröten haben nur noch einen Monat, -
- bevor der See wieder vereist.
Sie müssen sich bis dahin genügend Reserven angefressen haben.
Der Schlangenkopf wird immer unruhiger.
Warum dieser spektakuläre Landgang?
Er dient der Entfernungsmessung zum sicheren Hauptsee.
Diese Lagune wird schnell trocknen.
Bis ein neuer Taifun auf Ussuriens Küsten trifft.
Die urtümlichen Bewohner des Chanka-Sees -
- sind bereit für die nächste Flut.
Die warme Tsushima-Strömung erreicht im August den jährlichen Höhepunkt.
Das Meer istjetzt knapp 2O Grad warm.
Über dem Rimski-Korsakow-Archipel liegt mediterranes Flair.
Japanische Rotkiefern beugen sich weit in den Ozean.
Ein letztes karges Symbol der Taiga.
Kelp- und Seegras-Wiesen bilden regelrechte Wälder.
lm lichtdurchfluteten Flachwasser.
Mit exotischen Bewohnern in den Ästen.
Und am Boden.
Tropische Farbenpracht im arten- reichsten Meeresgebiet Russlands.
Mit dem Tsushima kommen japanische Fugu-Fische zur russischen Küste.
lhre Haut und Leber enthalten eines der stärksten Gifte im Tierreich.
Sie gelten in Japan trotzdem als Spezialität.
Saugnäpfe eines pazifischen Seesterns nehmen Fühlung auf.
Eine Fressorgie entwickelt sich. Die Muschel ist chancenlos.
Starke Verdauungssäfte verflüssigen ihr lnneres.
Es wird ausgesaugt. Vom Schalentier bleiben nur die Schalen.
Weichkorallen und Schwämme durchfiltern das planktonreiche Wasser.
Wie Staubsauger suchen Seegurken den Meeresboden nach Fressbarem ab.
Japanische Sommergäste treiben im Tsushima-Fahrwasser.
Fransen-Schleimfische sind groteske Geschöpfe.
Sie laichen in gut durchströmten Höhlen.
Sie verschwinden wieder nach Japan, bevor es kalt wird.
lm nächtlichen Küsten-Urwald ist Hochbetrieb.
Der Jung-Uhu hat inzwischen einen trockenen Platz gefunden.
Solange die Flüsse Hochwasser haben, sind Frösche die Zwischenmahlzeit.
Eine Etage tiefer ist ein anderer unterwegs: der Marderhund.
Er ist auch ein meisterhafter Froschjäger.
Nichts kann ihn abhalten von der Jagd.
Weder das trübe Wasser noch die lauten Fisch-Uhus über ihm.
Er findet mit seiner feinen Nase kleinste Kaulquappen.
Es bleibt sein Geheimnis, ob er sie unter Wasser erschnüffeln kann.
Derjunge Riesen-Fisch-Uhu ist nun so schwer wie seine Eltern.
Sein neuer Sitzbaum bietet ihm Aussicht und Schutz zugleich.
Er hat es geschafft. Er wird in Ruhe warten.
Bis das Hochwasser unter ihm abfließt.
Und seine künftigen Fischgründe freigibt.
lm Stromtal sind nach dem Regen viele Auwald-lnseln entstanden.
Eine Kragenbärin hat sich hierher zurückgezogen.
lhre Jungen spielen über ihr im Kronendach.
Sie erklimmen wie Affen sogar die dünnsten Zweige.
Ein guter Schutz vor Tiger-Attacken.
Kragenbären-Pfoten sind eher Greifhände.
Weniger Tatzen. ... Aber trotzdem:
Absicherung von unten beim Klettern kann nie schaden.
Der Blauschnäpper vertreibt einen Rivalen mit Gesang.
Morgennebel am Chanka.
Den Marderhund zieht es hinüber in die Lagune.
Er folgt wie immer seiner guten Nase.
Über dem Sand schwebt ein feines Aroma.
Es ist die Schlüpfzeit der Weich-Schildkröten.
Die Kleinen hinterlassen eine Geruchs-Spur im Sand.
Sie führen die Marderhunde direkt zum Gelege.
Es lohnt sich, Nachlese zu halten.
Einige Eier sind immer unbefruchtet.
Viele Gelege wurden beim Sturm von Wellen überspült. Eier verderben.
Nur die zentralen Nester sind sicher.
Sie werden von der Sonne ausgebrütet.
Anfang September ist es so weit.
Die jungen Schildkröten schlüpfen fast synchron.
Die Winzlinge kennen zunächst nur ein Ziel: den See.
Und der ist weit.
Das Alttier im Spülsaum ist kein Schutzpatron.
Das Junge ist 2 Zentimeter groß.
Es ist nichts weiter als Beute.
Wer sich nicht gleich ins Wasser traut, dem hilft der See.
Die Kleinen bleiben nicht lange in gefährlicher Ufernähe.
Sie wandern hinaus.
Zu den Schwimmfeldern der Seekanne.
Deren Blätter bieten Sichtschutz von oben.
Und von unten.
Auch Fressbares findet sich genug. Zum Beispiel Algen.
Weich-Schildkröten haben gute Augen und Nasen.
Nahrungsreste der Großen sind schnell aufgespürt.
Schlangenköpfe brauchen lebende Beute.
Die kleine Schildkröte gibt nicht auf und vergisst die Gefahr.
Glück gehabt!
Der Spätsommer kommt langsam.
Über den Ufern des Sees schwärmen tausende kleiner Eintags-Fliegen.
Kurz vor Sonnenuntergang entsteigen dem See dann Hunderttausende.
Aus Hunderttausenden werden Millionen.
Aus Millionen in Minuten Milliarden.
Sie tanzen über der sommerlichen Lagune.
Wie Wolken aus Schnee.
Die Spinnen haben schon lange aufgegeben.
Das Abendrot kommt.
Das ätherische Schauspiel geht zu Ende.
Eines der großen Naturwunder des Chanka.
Der Herbst hat begonnen im Sichote-Alin-Gebirge.
Die Taiga leuchtet in unwirklicher Farbenpracht.
Wie ein letztes Aufglühen vor dem langen Winter.
Korkbäume und Ulmen. Ahorn und Walnuss-Bäume.
Wer hat die schönste Färbung?
Erst Frost lässt das Laub richtig erstrahlen.
Es gibt noch genug Blätter für die Rehe.
Oder für die Streifen-Hörnchen als warmes Winterpolster.
Moschus-Tiere sind scheue Taiga-Hirsche.
Männchen haben die zerbrechlichen Eckzähne.
Sie sollen Rivalen einschüchtern.
Geweihe wären im Unterholz eher hinderlich.
Die jungen Kragenbären sind schon lange auf eigene Faust unterwegs.
Sie werden wie der ussurische Dachs bald in eine lange Winterruhe gehen.
Die Bären haben sich im Spätsommer gemästet.
Sie wiegen jetzt das Dreifache.
Man erkennt in ihnen die Jungtiere nur noch am Verhalten.
Freundschaftliches Ringen wird ergänzt durch:
Gegenseitige Bisse ins Hinterteil.
Der Dachs hat von ihnen nichts zu befürchten.
Kragenbären bauen sich im Herbst Schlafnester aus Reisig und Laub.
Um sich vor plötzlicher Kälte zu schützen.
Wenn der erste Schnee kommt, klettern sie in eine sichere, hohe Baumhöhle.
Der Herbst kommt unaufhaltsam auch an den Chanka.
Er wird kurz sein.
Die Lotuskapseln sind leer.
lhre Saat schon lange am Grund des Sees.
Raureif überzieht das Sumpfland. Noch ist hier Leben.
Winzige Papageienschnabel-Meisen zerbeißen Halme und suchen lnsekten.
Die Halme sind ihre Vorratskammern. Nur sie können sie knacken.
Exklusive Winterreserven. Auch bei extremer Kälte.
Ussuriens großes Binnenmeer fällt endgültig in sibirische Kältestarre.
Der flache See wird in 2 Wochen schon unter Eis liegen.
Kobolde werden nachts aktiv:
Gleithörnchen. Sie wurden aufgeschreckt.
Durch die seltenste Großkatze der Erde - den Amur-Leoparden.
Es soll nur noch etwa 4O dieser Raubkatzen geben.
Russlands Ferner Osten ist ihr letztes Refugium.
Der Kater hat einen Hirsch gerissen.
Er kommt zurück zu ihm, bis nichts mehr übrig ist.
Ein flüchtiger Moment nur:
Der Leopard wird wie ein Phantom bald in der Dunkelheit verschwinden.
Es wird Ende Oktober hell in der Taiga.
Der Frost macht aus Waldflüssen kleine Milchstraßen.
Die sibirische Kälte kommt plötzlich.
Sie konserviert alles Leben.
Er war nur eine kurze, aber lebenspralle Episode:
Der ussurische Sommer.
Seine Exotik erstirbtjetzt in kristalliner Pracht.
Der Winter kommt zuletzt an die Küste.
Das Meer verzögerte den Frühling wie ein Kühlschrank.
Es verlängert nun den Herbst wie eine riesige Heizung.
Der tropische Tsushima wird bald von arktischen Strömungen verdrängt.
Schnee sinkt in die Brandung des Pazifischen Ozeans.
Zeit, in die Taiga zurückzukehren.
Zurück in die kalten Urwälder des Amur-Tigers.
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