Afrikaans
Akan
Albanian
Amharic
Arabic
Armenian
Azerbaijani
Basque
Belarusian
Bemba
Bengali
Bihari
Bosnian
Breton
Bulgarian
Cambodian
Catalan
Cebuano
Cherokee
Chichewa
Chinese (Simplified)
Chinese (Traditional)
Corsican
Croatian
Czech
Danish
Dutch
Esperanto
Estonian
Ewe
Faroese
Filipino
Finnish
French
Frisian
Ga
Galician
Georgian
German
Greek
Guarani
Gujarati
Haitian Creole
Hausa
Hawaiian
Hebrew
Hindi
Hmong
Hungarian
Icelandic
Igbo
Indonesian
Interlingua
Irish
Italian
Japanese
Javanese
Kannada
Kazakh
Kinyarwanda
Kirundi
Kongo
Korean
Krio (Sierra Leone)
Kurdish
Kurdish (Soranî)
Kyrgyz
Laothian
Latin
Latvian
Lingala
Lithuanian
Lozi
Luganda
Luo
Luxembourgish
Macedonian
Malagasy
Malay
Malayalam
Maltese
Maori
Marathi
Mauritian Creole
Moldavian
Mongolian
Myanmar (Burmese)
Montenegrin
Nepali
Nigerian Pidgin
Northern Sotho
Norwegian
Norwegian (Nynorsk)
Occitan
Oriya
Oromo
Pashto
Persian
Polish
Portuguese (Brazil)
Portuguese (Portugal)
Punjabi
Quechua
Romanian
Romansh
Runyakitara
Russian
Samoan
Scots Gaelic
Serbian
Serbo-Croatian
Sesotho
Setswana
Seychellois Creole
Shona
Sindhi
Sinhalese
Slovak
Slovenian
Somali
Spanish
Spanish (Latin American)
Sundanese
Swahili
Swedish
Tajik
Tamil
Tatar
Telugu
Thai
Tigrinya
Tonga
Tshiluba
Tumbuka
Turkish
Turkmen
Twi
Uighur
Ukrainian
Urdu
Uzbek
Vietnamese
Welsh
Wolof
Xhosa
Yiddish
Yoruba
Zulu
* ruhige Musik *
Über Russland sagte der große Brite Sir Winston Churchill:
"Russland ist ein Rätsel innerhalb eines Geheimnisses
umgeben von einem Mysterium."
Kein Wunder bei einem Land, das von Kaliningrad im Westen
bis zu den Kurilen-Inseln im Osten elf Zeitzonen umfasst.
Und wo die Eisenbahnfahrt von Moskau bis Wladiwostok eine Woche dauert.
* majestätische Musik *
Die Weite Russlands ist von Kameras kaum zu begreifen.
Und wenn, dann am ehesten aus der Vogelperspektive.
Von Europas höchstem Berg im Kaukasus
bis zum gefrorenen Baikalsee in Sibirien.
Von den Seelöwen und den Walen am Pazifik
bis zum subtropischen Sotschi am Schwarzen Meer.
Von den Zwiebeltürmen des Goldenen Rings
bis zu Russlands asiatischer Grenze am Altai.
Von den Antilopen in den Steppen Kalmückiens
bis zu den Eisbrechern im Polarmeer.
Von Vulkanen und Bären im wilden Kamtschatka
bis zum Venedig des Nordens in Sankt Petersburg.
* abenteuerliche Musik *
Wenn die Computeranimation ein wenig nachhilft, erkennt man,
wie ungleich die Bevölkerung in Russland verteilt ist.
Die Lichtpunkte zeigen, wo die Menschen leben.
Sibirien und Russland-Fernost wirken verlassen.
Hier leben auf drei Viertel des russischen Territoriums
nur 15 Prozent der Russen.
Im europäischen Russland sind 85 Prozent zu Hause.
Die Lichter von Moskau und Sankt Petersburg leuchten bis ins All.
* ruhige, heitere Musik *
Die Petersburger sagen, dass die Winter nicht mehr das seien,
was sie früher einmal waren.
Aber auf den zugefrorenen Kanälen der Stadt
ist das Wintervergnügen auf dem Eis noch immer zu haben.
So etwas gibt es in Venedig nicht.
Obwohl doch Sankt Petersburg so gern
"das Venedig des Nordens" genannt wird.
* ruhige, heitere Musik *
Auf der Newa halten Eisbrecher eine schmale Fahrrinne offen.
Dieser Mann ist mit der Kettensäge sein eigener Eisbrecher.
Direkt vor der Peter-und-Paul-Zitadelle
sägt er einen Swimmingpool ins Eis der Newa.
Für ein sportliches Ereignis.
Sonnenbaden bei minus 20 Grad
ist auch hier eher etwas für Minderheiten.
Eisbaden dagegen ist ein Volkssport.
Heute steht sogar ein Wettschwimmen in der Newa an.
Wassertemperatur: etwa vier Grad.
* heitere Musik *
Zum Bahnenschwimmen sind sogar Gäste aus anderen Ländern angereist.
Der "Internationale Winter-Schwimm-Verband"
ist nicht auf Medaillen fixiert -
eher auf die Überwindung des berühmten inneren Schweinehunds.
Eine Siegerehrung gibt es trotzdem für die Schnellsten.
Drei Kilometer Newa-abwärts wird gearbeitet.
Auf der Schiffswerft Baltic
werden gerade drei Eisbrecher gleichzeitig gebaut.
* spannungsvolle Musik *
Zwischen den blau-roten Eisbrechern auch:
das erste schwimmende Atomkraftwerk der Welt.
Es soll bald im Polarmeer Strom fürs Festland liefern.
Die Schiffbauer hier in Sankt Petersburg
haben sich auf eistaugliche Schiffe spezialisiert.
Russland hat fast 40.000 Kilometer Küstenlinien.
Aber das Polarmeer liegt meist sechs Monate im Jahr
unter einer meterdicken Eisschicht.
Dafür bauen sie hier die Schiffe.
* spannungsvolle Musik *
Selbst 2000 Kilometer südlich, am Wolgadelta,
friert im Winter das Kaspische Meer komplett zu.
Dieses Satellitenfoto zeigt das 200 Kilometer breite Wolgadelta,
in dem sich der Strom ins Kaspische Meer verliert.
Der blaue und grüne Strang der Wolga
zieht grotesk durch die trockenen Wüsten und Steppen
hier in der Region um die einzige Stadt Astrachan.
Europas größtes Flussdelta hat über 1000 Verästelungen.
Das Wort "Weite" scheint wie erfunden für das Delta der Wolga.
* sanfte Musik *
Noch scheint die Herbstsonne
und die Singschwäne kommen gerade im Wolga-Delta an.
Sie kommen aus ihren Brutgebieten an der Arktisküste.
Auch dieses Singschwäne-Paar ist 4000 Kilometer geflogen,
um an die Wolga zu kommen, in ihr Paradies und Winterquartier.
* sanfte Musik *
Die Schilf- und Röhrichtwälder bieten so viele Gelegenheiten
zum Laichen für Fische und bieten so viele Rückzugsgebiete,
dass das Wolga-Delta die wohl fischreichste Gegend Europas ist.
Unser Singschwäne-Paar trifft hier auf Unmengen anderer Wintergäste.
Um die 10 Millionen Vögel kommen jedes Jahr durchs Delta.
* sanfte Musik *
Die Pelikane bekommen ihren Nachwuchs hier.
Von den sicheren Sandbänken aus machen die Kleinen
ihre erste Bekanntschaft mit dem Fliegen.
Wenn aber hier ab Dezember das Wasser zu Eis gefriert,
müssen die Pelikane weiter in den Süden,
denn das Eis hindert sie am lebenswichtigen Fischfang.
Unser Singschwäne-Paar verbringt den ganzen Winter hier.
Die beiden bleiben, wie alle Singschwäne,
ihr Leben lang als Paar zusammen und verlassen sich nie.
* Sanfte Musik verklingt. *
Vom Wolgadelta sind es nur 700 Kilometer nach Westen,
bis ins immer warme Sotschi.
* rhythmische Musik *
Die Küste des Schwarzen Meeres
liegt auf dem selben Breitengrad wie die Côte d'Azur.
Das Klima aber ist hier sogar subtropisch.
Der Yachthafen stammt aus der Sowjetzeit.
Damals teilte der Arbeiter- und Bauernstaat
noch die Kururlaube zu an Russlands Riviera.
Palmen, Zypressen, Pinien:
Dank der kurzen, milden Winter kann Sotschi wie Italien aussehen.
Kein Wunder, dass auch Russlands Präsident
oft von hier aus weiterregiert und Staatsgäste empfängt.
Inzwischen wird es am Strand immer enger.
* entspannte Musik *
Unmengen von Hotelbetten sind entstanden,
seit Sotschi die Olympischen Spiele zu Gast hatte,
die Winterspiele, wohlgemerkt.
Die Berge des Kaukasus reichen hier fast bis ans Meer
und schirmen Sotschi vom kalten Kontinentalklima ab.
* abenteuerliche Musik *
Schon die erste Bergkette im Hinterland von Sotschi
ragt auf 1000 Meter hinauf im kaukasischen Nationalpark.
Hier oben fanden die Skirennen der Olympischen Winterspiele statt.
Am Großen Kaukasus, gerade mal 200 Kilometer von Sotschi,
verläuft die Grenze zwischen Georgien und Russland.
Über die 5000er hier ragt das Elbrus-Massiv noch hinaus.
Europas höchster Berg schaut auch Mitte August
über eine schneebedeckte Welt -
mit 5642 Metern.
An seinen Flanken sind jetzt im Sommer
Bergsteiger auf dem Weg zum Gipfel.
Während es 22 Gletscher rund um den Elbrus talwärts zieht.
Jetzt im Hochsommer sind die Grenzlinien der Gletscherzungen
am besten zwischen den Felsen zu sehen.
* dramatische Musik *
Aus großer Höhe betrachtet, sieht der Elbrus wohl so aus
wie vor 2000 Jahren, als der Vulkan zum letzten Mal ausbrach.
Damals verteilten die beiden Krater Asche und Lava
auf 250 Quadratkilometern in die Umgebung.
Noch vor wenigen Jahren glaubten Forscher,
dass der Terskol und die anderen Gletscher des Elbrus-Massivs
dem weltweiten Trend zur Schmelze widerstehen,
wegen der besonders hohen Schneemengen im Winter.
Doch russische Wissenschaftler schlagen inzwischen Alarm.
Manche tiefergelegene Gletscher schmelzen so schnell ab
wie die in den Alpen.
Die Geologen glauben, dass die Eisflächen am Elbrus
im Durchschnitt etwa 25 Prozent ihrer Oberfläche verloren haben.
Bei der Eisdicke dürften die Elbrus-Gletscher
sogar schon 40 bis 60 Prozent eingebüßt haben,
allein in den letzten 50 Jahren.
Vor allem in den Höhenlagen um 3000 Meter sieht man den Schwund.
Erst ab einer Höhe von 4000 Metern
herrscht offenbar trotz des Klimawandels wieder eine Balance
zwischen Abschmelzen im Sommer und Schneefällen im Winter.
Wenn das Eis das Wasser nicht mehr bindet,
kann das verheerende Folgen für Bergregionen
wie die kleine russische Elbrus-Republik
Kabardino-Balkarien haben.
* verspielte Musik *
Diesen Kaukasus-Kletterern kommt es entgegen,
wenn es weniger Eis und Schnee hat.
An den Steilhängen hoch über Terskol, dem Wintersportort am Elbrus,
verbringen die männlichen Steinböcke den ganzen Sommer
auf einer Art Männertour.
Die schöne Aussicht ist den Böcken dabei egal.
Während die Weibchen sich gemeinsam um den Nachwuchs kümmern,
streifen die Böcke jetzt in Gruppen über die Höhenlagen -
auf der Suche nach Essbarem.
* verspielte Musik *
* Musik verklingt. *
* majestätische Musik *
Von Westen nach Südosten
ist der Kaukasus an die 1100 Kilometer lang.
In den tiefergelegenen Tälern
spürt man die südliche Lage des Gebirges.
In vielen engen Tälern sieht man die Bewaldung,
die vom regenreichen Klima kommt.
Im Kaukasus gibt es 50 Völker und fast ebenso viele Sprachen.
Entlang der Bergkämme verlaufen Grenzen zwischen den Kulturen,
zwischen Europa und dem Orient, Christentum und Islam,
zwischen Stämmen und Volksgruppen.
Und alle Grenzen scheinen hier unübersichtlich.
Spannungen zwischen den Gruppen gibt es seit Hunderten von Jahren.
Mal eroberten die Römer den Kaukasus, dann die Perser,
dann die Osmanen.
Und Russlands Zaren führten hier im 19. Jahrhundert
50 Jahre lang ununterbrochen Krieg.
* majestätische Musik *
* sanfte Musik *
Mysteriöse Türme geben fast überall Rätsel auf,
in der kleinen Kaukasus-Republik Inguschetien.
Manche wurden wieder aufgebaut.
Auch, weil das Touristen
in eine ansonsten kaum beachtete Region ziehen soll.
* heitere, sanfte Musik *
Seit die Mongolen immer wieder die Dörfer der Bergregionen überfielen,
begannen die Inguschen Wehrtürme zu bauen.
Jede Familie in jedem Stammesclan baute mindestens einen Turm,
der als Schutz und winzige Burg diente.
In manchen Tälern stehen die Wehrtürme in einer Reihe,
wie Relaisstationen, um Nachrichten schnell zu übermitteln,
von Turm zu Turm.
* ruhige, heitere Musik *
Und im Notfall dienten die Türme sogar als Refugium
bei Streitigkeiten untereinander, zwischen den Familien eines Dorfes.
Man weiß nie, gegen wen man sich verteidigen muss.
* ruhige Klaviermusik *
Wenn die Weihnachtseinkäufe am Newski-Prospekt auf Hochtouren laufen
und die Kasaner Kathedrale so aussieht,
als wäre am Petersdom in Rom ein Schneegestöber ausgebrochen,
dann finden die meisten Sankt Petersburger
ihre Stadt am schönsten.
Peter der Große gab vor gut dreihundert Jahren den Auftrag,
Sankt Petersburg zu bauen.
Für die Peter-und-Paul-Festung
holte er den Tessiner Architekten Domenico Trezzini.
Alles sollte "europäisch" aussehen.
Die ganz und gar russische Auferstehungsbasilika
konnte deshalb erst zweihundert Jahre später entstehen,
als der Blick nach Westen in Russland gerade mal wieder aus der Mode war.
* ruhige, orchestrale Musik *
Nicht das ganze märchenhafte Ensemble von Sankt Petersburg
ist also zu Lebzeiten Peters des Großen entstanden.
* spannungsvolle Musik *
Die besonders schöne Bolscheochtinski-Brücke
über die Newa ist auch erst Anfang des 20. Jahrhunderts gebaut.
* Spannungsvolle Musik verklingt. *
Die Sümpfe rund um die Newa waren um 1703 nicht so völlig verlassen,
wie es die Gründungslegende darstellte.
Peter der Große vertrieb zunächst die Schweden
aus deren primitiver Festung Nyenschanz.
Danach ließ er nur die Peter-und-Paul-Festung bauen.
Die Vision einer kompletten, neuen Planstadt "aus dem Nichts"
entstand erst drei Jahre später mit der Wassiljewski-Insel.
Der Grundriss zeugt bis heute von der strengen Planung.
Bis 1714 hatte die Stadt schon 50.000 bewohnbare Steinhäuser.
Erst nach Peters Tod aber
wurde von Zarin Anna die heutige Stadt entwickelt.
Sie ließ das Zentrum von der Petrograd-Seite der Newa
zur Admiralitätsseite verlegen.
Im 20. Jahrhundert begann die Stadt
mit Wohnblöcken an den Peripherien zu wachsen,
auf heute fünf Millionen Einwohner.
Die viertgrößte Stadt Europas, nach London, Paris und Moskau.
* spannungsvolle Musik *
Vier Schnellzugstunden südlich
sieht es in Moskau eher wie in einem Videospiel aus.
Der Ostankino-Fernsehturm ist Europas höchstes Gebäude.
An der Moskwa erinnert das Hotel-Ukraina-Hochhaus
noch an die Spätzeit der Stalin-Ära.
* ruhige, sanfte Klaviermusik *
Nicht nur zu Weihnachten werden das Bolschoi-Theater
und der Rote Platz mit Hunderttausenden Lichtern inszeniert.
Das aufgebrezelte Luxus-Kaufhaus GUM
sponsert jedes Jahr eine riesige Eisfläche gleich neben dem Kreml.
In Disneyland wären sie neidisch auf diese Kulisse.
* sanfte Musik *
Ein paar Hundert Meter weiter liegt auch
der Regierungspalast des Präsidenten.
Der Rote Platz ist schon deshalb wie ein Schaufenster des Landes.
Von oben allerdings hineinzufilmen,
wird von den Behörden nur selten genehmigt.
Dabei verrät hier doch nur die berühmte Basilius-Kathedrale
ein kleines Geheimnis:
die streng symmetrische Anordnung ihrer neun Zwiebelkuppeln nämlich.
* Ruhige, sanfte Musik verklingt. *
Wo heute Moskau liegt, lebten schon vor 5000 Jahren Menschen.
Aber 1156 bauten die Moskauer die ersten hölzernen Kreml-Mauern,
und das war der Beginn des heutigen Russland.
Der Borowizki-Hügel, an einer Engschleife des Flusses,
bot eine strategisch ideale Lage.
Ab dem 15. Jahrhundert wurden die Kreml-Mauern
in der heutigen Form gebaut:
mit 20 Wehrtürmen und einer Gesamtmauerlänge von 2200 Metern.
Der Sinn eines Kremls, nicht nur in Moskau,
war stets der Schutz der sakralen Gebäude
sowie der Herrscherpaläste und der Verwaltungsgebäude.
1812 brannte Napoleon fast ganz Moskau nieder.
Aber der Wiederaufbau begann schon im nächsten Jahr.
Fast sternförmig führten die Kaufmannsrouten auf den Kreml zu.
Moskau wuchs in Schichten, von einem Ring zum nächsten.
Inzwischen ist der Kreml von vier Ringen umgeben.
* ruhige Musik *
In der Kleinstadt Rostow am Nerosee,
an einer Nebenstrecke der Transsibirischen Eisenbahn gelegen,
ist an Sommerabenden
noch etwas von dem Wohlstand der goldenen Zeiten zu spüren.
Goldener Ring wird die Kette der historischen Städte
nördlich und östlich Moskaus heute genannt.
Die reichen Handels- und Handwerkerstädtchen
bildeten mit dem dominanten Moskau das Kerngebiet Russlands
im weiten Bogen der Wolga.
Die Ringstädte aber finanzierten ab dem 16. Jahrhundert
die Expansion Russlands nach Sibirien mit.
Damals waren Felle und Pelze die ersten Reichtümer
aus diesem unbekannten Hinterland.
"Goldener Ring", dieser Begriff für Rostow
und die Kette der historischen Städtchen rund um Moskau,
wurde ausgerechnet zu Sowjetzeiten zum ersten Mal geprägt.
Im Sommer stauen sich die Touristen in diesem Garten der Zwiebeltürme.
Städtchen wie Sergijew Possad, Susdal oder Rostow
wirken ein bisschen arg herausgeputzt,
aber sie haben sich den Stil der alten Zeiten bewahrt.
* heitere Musik *
Im Mittelalter lagen die Städtchen hier verstreut in dichten Urwäldern.
Die Mongolenhorden,
die jahrhundertelang in russischen Gebieten plünderten,
kamen nicht bis hierher.
Als die Industrialisierung später kam,
wurden viele der Städtchen ein zweites Mal übersehen.
Die Wolga -
Schiffe verlieren sich auf ihr, so scheint es.
Man sagt hier, die Wolga bestehe aus Unmengen von Wasser,
aber aus noch mehr Himmel.
* ruhige, orchestrale Musik *
Europas größter Fluss ist 3500 Kilometer lang.
Für Binnenschiffe ist er heute
durch Kanäle und Stauseen Russlands wichtigste Wasserstraße,
von der Ostsee bis zum Schwarzen und zum Kaspischen Meer.
Der Wohlstand, den der Fluss erzeugte,
hat wohl die oft beschworene Liebe der Russen zur Wolga erst entflammt.
Die Kreml-Mauern der heutigen Industriestadt Nischni Nowgorod
sprechen von Selbstbewusstsein.
* Sanfte, orchestrale Musik verklingt. *
Je weiter die Wolga nach Süden fließt,
desto mehr vermischt sich Russland mit ersten Einflüssen des Orients.
Von weit her sieht man Kasan.
* orientalische Musik *
Die Kul-Scharif-Moschee verrät,
dass Kasan nicht nur an der Wolga liegt,
sondern zugleich Russlands offizielle muslimische Hauptstadt ist.
Erst 2005 wurde die Moschee fertig.
Ihr Name ist auch ein Symbol für das Unabhängigkeitsgefühl der Tataren.
Kul Scharif nämlich war 1552 der Imam von Kasan,
unter dem die Stadt sich vergeblich
gegen Iwan den Schrecklichen verteidigte.
Das schöne Kasan war die erste nicht-russische Stadt,
die dem Zarenreich einverleibt wurde.
Die Peter-und-Paul-Kirche wurde gebaut,
als Peter der Große die Stadt besuchte,
dem das bayerische Lüftl-Barock gefallen sollte.
* ruhige Klaviermusik *
1000 Flusskilometer stromabwärts liegt eine Stadt, die gut daran tat,
ihren Namen zu wechseln: Wolgograd.
* spannungsvolle Musik *
Das Gesicht von "Mutter Russland".
Die Kletterer der Baukolonne
sind durch das Innere der Riesin aufgestiegen.
Der Beton der Figur muss ständig in Schuss gehalten werden.
Mutter Heimat, wie die Russen sie nennen,
ragt über Wolgograd in den Himmel.
Die meisten Menschen außerhalb Russlands kennen die Millionenstadt
nur unter ihrem alten, gespenstischen Namen: Stalingrad.
* dynamische Musik *
1942 wurde Stalingrad fast fast völlig zerstört.
Eine der Ruinen hat man als Mahnmal stehen gelassen.
Wolgograd kennt sonst keine alten Häuser.
* futuristische Musik *
In Stalingrad, tief in Südrussland,
starben damals 200.000 deutsche Soldaten,
so unsinnig fern der eigenen Heimat.
Und fast anderthalb Millionen Russen und Menschen anderer Nationen.
Mutter Heimat hat keinen Krieg mehr in Wolgograd erleben müssen.
Nur die Fundamente brauchen eine Sanierung.
Kein Wunder, bei achttausend Tonnen Gewicht.
Die Figur wurde aus Stahldraht geformt, dann mit Beton aufgespritzt.
Der Architekt soll den Körper einer russischen Diskuswerferin
zum Vorbild genommen haben.
Und das Gesicht seiner Frau.
Und so schaut sie auf die Wolga hinab.
Für Russen die Mutter aller Flüsse.
* traditionelle Musik *
Links und rechts der Wassermassen der Wolga
wird die Landschaft ab Wolgograd immer trockener und steppiger,
je weiter es nach Süden geht.
* ruhige, traditionelle Instrumentenklänge *
* orientalisch anmutende Musik *
Wenige Kilometer vom wasserdurchfluteten Delta
beginnt die Steppe von Kalmückien.
Hier regnet es ganz selten.
Aber die Steppe ist der Lebensraum für ganz besondere Bewohner.
Die Saigas.
Saigas gehören zu den Antilopen und machen ziemlich große Sprünge.
Wie viele Antilopen in Afrika
sind auch die Saigas vom Aussterben bedroht.
In den Steppen Chinas und der Mongolei
gibt es sie schon nicht mehr.
* dynamische Gitarrenmusik *
Beim Überleben helfen den Saigas auch künstliche Wasserstellen.
Als Steppenbewohner kommen sie aber auch tagelang ohne Wasser aus.
Die kuriosen Nasen sind eine Anpassung.
Im Winter wird darin die kalte Luft vorgewärmt
und im Sommer wird sie befeuchtet.
Gut gegen den Staub in der Steppe.
Die Steppe ist aber nicht nur trocken, sondern auch salzig.
* geheimnisvolle Musik *
Ausgetrocknete Wasserstellen zeichnen psychedelische Muster auf das Land.
Einst breitete sich das Kaspische Meer bis hierher aus
und versalzte so die Böden.
Mineralien aus dem Meer, wie Bromid oder Chlorid, tupfen Farben ins Salz.
Mehr und mehr Salz sammelt sich an der Oberfläche an
und konzentriert sich immer stärker in den wenigen Wasserflächen,
wie dem Manytsch-Gudilo-See.
Ganz am anderen, am westlichen Ende Russlands, liegt Kaliningrad,
das bis 1945 Königsberg hieß und zu Deutschland gehörte.
* ruhige Klaviermusik *
"Alles ist weglos, nur Sand, Sand und Himmel.
Man glaubt in der Sahara zu sein", sagte Nobelpreisträger Thomas Mann
über die berühmteste Attraktion Kaliningrads: die Kurische Nehrung.
Geschaffen hat sie der ewige Westwind,
der all den Sand über die Ostsee hierher wehte,
nachdem die Wälder auf dem Landstreifen
vor 500 Jahren gerodet waren.
Der ewige Westwind wird die Sandnehrung
jedoch auch wieder zerstören,
weil er den Sand inzwischen wieder abträgt.
Um den Verfall aufzuhalten, wurden Wälder angepflanzt.
* ruhige Musik *
Auf fast 100 Kilometern
trennt die Nehrung das Kurische Haff von der Ostsee.
Der größere, nördliche Teil des Nehrungsstreifens gehört zu Litauen.
Kaliningrad und das Haff
dürfen inzwischen auch ihre deutsche Geschichte wieder zeigen.
Der Königsberger Dom wurde 1998 wieder aufgebaut,
nach über 50 Jahren als Ruine.
Es ist Kants Kirche, denn am Dom liegt Immanuel Kant begraben,
der größte Sohn der Stadt, der Philosoph der Aufklärung.
Im Hotel Kaiserhof, wie es in kyrillischer Schrift am Haus steht,
werden heute wieder Königsberger Klopse serviert.
* harmonische Musik *
Zwei Häuserzeilen und der Leuchtturm des alten Stadtteils Fischdorf
sind 2012 wieder aufgebaut worden.
Das Attraktivste an Kaliningrad ist der eisfreie Hafen an der Ostsee.
Man merkt am Klima, dass es von hier halb so weit nach Berlin ist
wie nach Moskau.
* verspielte Musik *
Auf dem Fontanka-Fluss
schippern jetzt die Touristenbötchen von Sankt Petersburg.
Fast hundert Flüsse und Kanäle
ziehen durch die einst streng geplante Stadt,
die erst ab 1703 mithilfe unzähliger Leibeigener
in die Sümpfe entlang der Newa gestampft wurde.
Schon damals ging es um den Zugang zur Ostsee
und ihre Handelswege.
Und um die neue Ausrichtung Russlands nach Westen, nach Europa.
In der Kathedrale der Festungsinsel
wurde der Stadtgründer Peter der Große bestattet.
Und Katharina die Große.
Die Peter-und-Paul-Festung, so weiß man heute,
war Zar Peter damals wichtiger
als jede Vision einer Stadt aus dem Nichts.
Zarin Katharina hat die Ermitage mit dem Winterpalast begründet.
Heute wohl das Schönste,
was die Schöne an der Newa zu bieten hat.
Und so ist vieles, was lange Zar Peter dem Großen zugeschrieben wurde,
in Wahrheit der Kunstliebhaberei
seiner viel späteren Nachfolgerin Katharina zu verdanken.
Kein Platz zieht heute in Sankt Petersburg mehr Besucher an
als die Kunstpaläste Katharinas rund um die Alexandersäule.
Dass man den Skulpturen am Dachsims
allenfalls von den oberen Stockwerken der Paläste
ins Gesicht schauen konnte, war kein Problem der Zeit.
Auch die Kuppel der Kasaner Kathedrale,
die Zwiebeltürme der Auferstehungskirche
und die Jugendstilgrazien mit dem Globus
auf dem Dach der Niederlassung des Nähmaschinenkonzerns Singer -
sie alle spielten mit der Höhe.
Dem Volk am Boden blieb nur der steile Blick zur Kunst.
* dynamische Musik *
Diese Planstadt hier
entstand 300 Jahre später und 700 Kilometer südlich: Moskau City.
Hier recken sich an einer Biegung der Moskwa
auf der obersten Etage gleich sechs Hochhäuser,
die mindestens 300 Meter hoch sind.
Selbst New York hat nur zwei mehr in dieser Kategorie zu bieten.
Was wohl zu beweisen war.
Das hell erleuchtete Hotel Ukraina, eine Flussbiegung weiter,
gehört zur alten Generation von Hochhäusern,
die über fünfzig Jahre Moskaus Skyline ausmachten -
als Hammer und Sichel noch die Zukunft waren.
Die prachtvolle Lomonossow-Universität
präsentiert alle baulichen Zutaten
des sozialistischen Zuckerbäckerstils.
Von 1947 bis 1953
ließ der Sowjetparteichef und Diktator Josef Stalin
sieben Hochhäuser in diesem Stil bauen.
Architektur spricht überall,
wo sie einem größeren Plan folgt und etwas verkünden soll.
Hammer und Sichel am Gebäude des Außenministeriums
sind aber wohl eher dem Denkmalschutz zu verdanken.
Wenn man den richtigen Winkel findet, dann sind die Türme des alten Kreml,
die Stalin-Schwestern und die neue Business-City
vereint in einem Bild.
Die Vogelperspektive macht es möglich.
* ruhige Musik *
Gut einhundert Kilometer südlich von Moskau liegt Kolomna.
Eine der ältesten Städte der ganzen Region Moskau.
Und natürlich hat Kolomna seinen Kreml.
Heute ist das Städtchen das Zentrum des Getreideanbaus.
Umgeben von besonders fruchtbaren Böden.
Und wenn geerntet wird,
dann sieht das fast aus wie ein Ballett der Mähdrescher.
* energische Musik *
Untertitel im Auftrag des ZDF, 2018
Can't find what you're looking for?
Get subtitles in any language from opensubtitles.com, and translate them here.