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Ihr mit Euren Aufstellungen.
"Meine Aufstellungen"? Es sind die Frankreichs.
Das Land leidet unter seinen Finanzen. Oder seinen Finanziers.
Das Geld kommt nie in der Staatskasse an.
In irgendeiner Börse muss es landen.
- Beschuldigt Ihr jemanden? - Nicht direkt.
Diese Buchhaltungsbelege dürften ihn beim König in Misskredit bringen.
Der untadelige Colbert, von ihm hat man alles zu befürchten.
Das Schlimmste, was mir passieren könnte, ist,
dass sie mich festnehmen
und in die Bastille werfen.
Signor Fouquet, die Schwierigkeiten sind vorüber.
- Was brauchst du? - Ich träume davon,
der neue Oberintendant der Finanzen zu werden.
Ich habe Angst um Euch.
Meine Herren, bis zum heutigen Tage
ließ ich meine Angelegenheiten vom verstorbenen Kardinal regieren.
Es ist an der Zeit, dass ich sie selbst regiere.
Alles soll überall großartig werden.
Dieses wunderbare Gebäude wird ihn von den Sorgen ablenken, hoffe ich.
Darf ich mich darauf verlassen,
dass Ihr dem König meine Überraschungen nicht enthüllt?
Ich werde schweigen, Monsieur.
Ich fordere Euch jedoch auf, nicht zu viel Pracht zu entfalten.
Eure Nähe zum König und zur Königin ermöglicht Euch,
Informationen über die Handlungen bestimmter Personen zu liefern.
Für wen haltet Ihr mich? Für eine Spionin?
Ich bin nun ein Niemand.
Auch wenn jede Art von Denunziation mich abstößt,
biete ich an, dem König davon zu berichten.
Sobald Seine Majestät davon erfährt,
wird er Eure Ehre rächen.
Ich habe mich noch nie so ausgeglichen gefühlt.
Dennoch habe ich Angst.
KÖNIG, EICHHÖRNCHEN UND NATTER
Kommt herein, Herr Kanzler.
Ich habe Euren Schritt erkannt.
In diesem Palast hallt es wie in einer leeren Grabstätte.
Er ist eine leere Grabstätte.
Seine Majestät ist in Fontainebleau.
Ich bin überrascht, dass Ihr nicht auch dort seid.
Ich war dort, aber ich bin abgereist.
Ich wollte nicht an Fouquets Fest teilnehmen,
durch das er dem König sein Schloss Vaux le Vicomte vorführt.
Man kontrolliere jede einzelne Blume,
um sicherzustellen, dass keine Wespe sich dort niedergelassen hat.
- So sieht ein Königszimmer aus. - Ein Königszimmer bei Fouquet.
Er hat sicher nirgendwo sonst ein so schönes Zimmer, der arme Ludwig.
Das Gefolge des Königs, Monseigneur.
Mutter, man denkt fast, die Erde bebt.
Der König zieht vorbei. Beeilt Euch, meine Tochter.
Spiegel zerbrechen, sieben Jahre Unglück!
Ich bitte Euch, lest dieses Dokument,
das ich für Euch erstellt habe, Herr Kanzler.
Dann werdet Ihr verstehen.
Ich konnte mich nur Euch anvertrauen.
- Eure Freundschaft ehrt mich. - Aber...
sie ist es, die mich beseelt.
Dieses Dokument gewährt einen Einblick
in den Zustand der Finanzen Frankreichs.
Den bedauernswerten Zustand schufen Missbrauch, Unzulänglichkeiten
und Amtsverletzungen der jeweiligen Oberintendanten.
Der aktuelle ist Fouquet.
- Pardon, lasst mich durch. - Das ist allerhand.
Lasst mich vorbei. Pardon. Pardon.
Pardon.
Sire.
Der Besuch Eurer Majestät macht mich
zum glücklichsten Mann Frankreichs.
Im Angesicht dieses Helden, Sieger über zahlreiche Staaten,
in dem man in der ganzen Welt den Gebieter sieht.
Es stünde Ihm zu, ob Seiner Großartigkeit in jedem Gebiet,
doch ist er großartiger noch, denn er rühmt sich nicht seiner Taten.
Das war ein Kompliment von Monsieur de La Fontaine, Sire.
Verzeiht, Sire, ich sehe die Königin nicht.
Sie blieb in Fontainebleau, Monsieur.
Der König wollte ihr die holprige Kutschfahrt nicht zumuten.
Und auch nicht Hitze und Staub.
Aufgrund ihrer Schwangerschaft muss sie von Pflichten befreit sein.
Er wollte sogar eine Küche einbauen.
Über Eure linke Schulter, dann wird der Fluch gebannt.
Francoise de Sevigne,
Ihr Antlitz dient als Modell mit seiner Lieblichkeit.
Sie blendet mit ihrer Schönheit. Ob es Euch gefiel
der Fabel unschuldiges Spiel?
Habt Erbarmen, mein Freund,
arrangiert Eure Reime, das ist anstrengend.
Aber ob als Prosa oder Reim,
keine gute Neuigkeit sucht uns heim.
Welche Neuigkeit?
Der König ist missmutig.
Missmutig?
Wie das?
Seine Art, unseren Gastgeber anzusehen,
beruht darauf, ihn nicht anzusehen. Ganz im Gegenteil zu mir:
Ich sehe alles.
Die Decke wird mit einer Allegorie des Sonnengottes geziert,
umgeben vom Stundenkreis und den Planeten,
alle voller Freude über das Erscheinen eines neuen Sterns.
- Ein neuer Stern? - Ja, Madame.
Ein aufsteigender Stern in der Form eines Eichhörnchens.
Welch Frechheit!
Wie kann Fouquet die majestätische Sonne
und das unbedeutende Nagetier, das sein Wappen ziert, verbinden?
Glückwunsch.
Hütet Euch, Monsieur. Ihr seid in Gefahr.
Zeigt etwas weniger Hochmut und Stolz.
Das ist wirklich verblüffend.
Und ein Prozess dürfte noch mehr ans Licht bringen.
Aufgrund seines Amtes
als Generalprokurator des Parlaments von Paris
können über Fouquet nur Seinesgleichen Recht sprechen.
Sie werden schockiert sein,
dass der Berühmteste unter ihnen beschuldigt wird.
Sie werden ihn für unschuldig erklären,
bevor sie wissen, was man ihm vorwirft.
Es sei denn, er gibt dieses Amt auf.
Ihr müsstet wirklich sehr geschickt sein,
um ihn zu solch einem Fehler zu bewegen.
Die Fanfare feiert den Einzug der Kapaune,
gefüllt mit Rhinantus und Gänseleberpastete.
Du täuschst dich, mein Freund.
Sie sind noch beim getrüffelten Tauben-Ragout.
- Glaubst du? - Ja.
Vielleicht hast du recht.
Bei so viel Wunderbarem verliere ich die Orientierung.
Du solltest bei deinen Gästen sein.
Nur einen Augenblick. Ich will mich kurz ausruhen,
an deiner Seite und der des kleinen Louis.
- Erschöpft? - Erschöpft.
Aber vollkommen zufrieden.
Der König schien besorgt, als er ankam.
Jetzt lächelt er wieder.
Molieres Komödie "Die Lästigen" wird ihn aufheitern.
Wenn man von Lästigen spricht... Kommt herein.
Was macht Ihr hier, Manneville?
Stünde ich noch in Eurem Dienst, würde ich Euch erfreuen:
Der König ist geblendet von dieser Herrlichkeit.
Er sagt, er habe nie etwas Prunkvolleres,
etwas Harmonischeres, etwas Glanzvolleres,
etwas Grandioseres, etwas Königlicheres gesehen.
Wenn nur der Sturm losbrechen würde.
Seid Ihr wahnsinnig?
Was ist mit dem Feuerwerk und der Komödie unter freiem Himmel?
- Das wäre eine Katastrophe. - Genau.
Nur eine Katastrophe kann Euch retten.
Betet, dass es regnet. Und zwar in Strömen.
Wird Euer Triumph ertränkt, wird es sein Neid vielleicht auch.
Sein Neid? Welcher Neid? Wer ist neidisch?
Es ist nicht zu verstehen, was Ihr sagt.
Sie ist neidisch.
Siehst du nicht, wie sie mich ansieht?
Worum beneidet Ihr mich?
Um meine Kleidung? Um mein Schloss?
Um mein Personal?
- Um meinen Reichtum? - Nur darum, dass Ihr
bei dem Mann sein dürft, den Ihr liebt,
mit diesem schönen Kind von ihm.
Und wärt Ihr bettelarm,
ich würde Euch diesen Moment immer noch neiden.
Damit es Euch nicht weggenommen wird,
- möchte ich Euch warnen. - Es reicht! Geht.
Aber sie hat recht: Wir sind glücklich.
Weil wir ganz oben angekommen sind.
Du bist endlich zufrieden.
Ich dachte, das geschieht niemals.
Wobei es immer möglich ist, sich noch mehr zu wünschen.
- Moliere gibt ein Stück. - Ja, ich habe ihn gesehen.
Sire, verzeiht, dass ich hier allein erscheine.
Jedoch war nie ein Unterfangen im Theater
so überstürzt wie dieses hier.
Es ist etwas Neues, denn bei dieser Komödie
erfolgten Entwicklung, Niederschreiben, Proben,
und Aufführung in zwei Wochen.
Ich sage das nicht, um mit Improvisationen anzugeben
oder Ruhm zu erhalten,
sondern nur, um jene zu warnen, die kritisieren könnten,
dass ich hier nicht alle Lästigen darstelle, die es gibt.
Um hier am schönsten Ort den größten König zu sehen,
Ihr Sterblichen, stieg ich herauf aus meiner Grotte.
Soll nun die Erde, soll das Wasser
ein neues Spektakel ihm
vor Euren Augen aufführen?
Ein Wort, ein Wunsch genügt: für Ihn ist nichts unmöglich.
Seine Herrschaft, so reich an Wundern...
Apropos: Wie viel benötigt Ihr, um Eure Schulden zu tilgen?
Jung, siegreich...
Wärt Ihr damit einverstanden?
August, so mild als streng...
Ich bin heute glücklich, und die, die ich liebe, sollen es auch sein.
Den Staat beherrschen wie das eigne Begehren...
Wie viel?
Mit edler Arbeit...
15000 Pistolen.
Nie in seinem gerechten Plan beirrt...
Nicht schlecht.
Alles hören, alles sehen...
Wenn Ludwig es befiehlt,
die Bäume reden dann besser noch als Dodonas heiliger Hain.
Bewohner ihrer Stämme, niedrige Gottheiten,
Ludwig verlangt es.
Ihr Nymphen eilt herbei.
Ich gebe Euch das Beispiel.
Mit einer neuen Form erscheinen wir
als wahre Spieler dieser neuen Bühne.
- Moliere hat sehr viel Talent. - Wunderbar, was für ein Geist.
Der König war so zufrieden, dass er eine neue Figur vorschlug:
einen zusätzlichen Lästigen.
- Nicht wahr, Bejart? - Ich habe den König beobachtet.
Ein seltsamer Mann. Sein Mund lachte zwar,
doch er hatte seltsam blitzende Augen.
Sie blitzten vor Zufriedenheit.
Pardon, Monsieur, ich sah keine Zufriedenheit.
Ich denke, der König ist, ganz im Gegenteil...
Feuer!
Feuerwerk, mein lieber Moliere,
Feuerwerk.
Das ist schön.
Das ist großartig.
Das ist groß.
Welch ein Triumph.
Welch ein Sieg!
Ich wünschte, der morgige Tag würde nie kommen,
um diese wunderbare Nacht noch zu genießen.
- Der König zieht sich zurück. - Ich verstehe, er ist sicher müde.
Lass ihn wissen, dass ich ihn auf sein Zimmer bringe.
Sag Vatel, er soll für Musik und Fackelträger sorgen.
Nein, Ludwig XIV und sein Hof kehren nach Fontainebleau zurück.
Der König weigert sich, unter unserem Dach zu schlafen.
Er weigert sich?
Sind wir dumm: die Königin.
Es liegt natürlich an der Königin.
Ich hatte schon Sorge,
plötzlich und unerklärlicherweise in Ungnade gefallen zu sein.
Die Königin?
Ja, die Königin.
Die arme kleine Königin, die allein in Fontainebleau bleiben musste.
Also eilt er zu ihr,
um sie zu beruhigen, sie zu trösten.
Er ist nicht nur ein großer König, sondern auch ein guter Mann.
Erinnere dich daran,
wenn du ihn je um Hilfe bitten musst.
Laforet. Mein Jabot.
Sire.
Dieses Schloss, diese Gärten und alles, was dazugehört,
würde ich Eurer Majestät gerne schenken.
Ja, Sire. Es gehört alles Euch.
Es genügt, dass Eure Majestät es annimmt.
Sehr liebenswert, aber alles in Frankreich gehört dem König.
Ja, auf gewisse Art.
Nein, Monsieur, es ist gewiss.
Sollten wir sie nicht zwingen, uns alles wiederzugeben?
Seid Ihr nicht indigniert darüber, wie sie ihren Reichtum zeigen,
während der König Frankreichs nicht einmal silberne Feuerböcke besitzt?
Schreibt Ihr eine Fabel zu diesem Abend, Monsieur de La Fontaine?
Sie ist schon fertig, Mademoiselle.
An einer Kröte zog ein Ochs vorbei,
der ihr ziemlich groß erschien.
Ihre Größe indes entsprach kaum einem Ei.
Sie ist neidisch, bläst sich auf und biegt sich hin.
Was ist die Moral von der Geschichte?
Sie bläst sich so auf, dass sie platzt.
Dieses niederschmetternde Dokument
wird die Regierung von Ludwig XIV mehr beeinflussen
als so manche Schlacht.
"Fouquet verleiht als Privatperson Geld
und erstattet es sich als Intendant zurück."
Ja.
Ich will Fouquet zu Fall bringen, um Frankreich aufzuhelfen.
Woher kommst du?
Wonach riechst du?
Nach nassem Gras,
dem Geruch von Land am frühen Morgen.
Ich bin mehrmals die Ländereien abgegangen.
Überall liegen schlafende Trunkenbolde.
Herzoge, Marquis...
Rate mal, wen ich in der Nähe der Schneise von Anqueuil gefunden habe?
- Nein. - Doch.
Das Band des Ordens von Saint-Louis
lag im Moos wie eine dicke, blaue Schnecke.
Was für ein Fest, mein Gott. Was für ein Fest!
Stell dir vor:
Ich,
ein einfacher, nichtadliger Mann,
habe eine Nacht lang
den mächtigsten Herrscher der Welt beeindruckt.
- Stimmt das? - Es stimmt.
Ich habe auch von einigen gehört...
der König...
Was ist mit dem König?
Sprich weiter.
Der König würde nicht mehr allein regieren.
Er würde einen Premierminister ernennen.
Der Name, der ohne Unterlass wiederkehrt...
ist dein Name.
Man spricht aber auch von einer Intrige, um dich loszuwerden.
Lass sie reden.
Auf dass alle Neider, alle Habsüchtigen,
alle Besitzgierigen, alle Intriganten zum Teufel gehen.
Monsieur Oberintendant.
Guten Tag, die Herren.
Madame La Perriere,
ich verspreche Euch, dass Ihr bald
das Privileg einer königlichen Manufaktur erhaltet.
Bis dahin, stellt Personal ein und bildet nach eurer Methode
so viele Spitzenklöpplerinnen aus, wie Ihr benötigt.
Dank Madame La Perriere
wird Frankreich eine große Nation der Spitzenherstellung.
Sogar die allererste.
Das heißt...
Wenn es uns gelingt, die Exporte in den Griff zu bekommen.
Denn da drückt der Schuh.
Wie kann man den Markt mit 200 Schiffen versorgen,
wenn Holland über 15000 Schiffe verfügt?
Warum nicht den König bitten, mit der Marine auszuhelfen?
Er hat andere Prioritäten.
Er will Geld sammeln, um das Land
mit Meisterwerken der Malerei auszustatten.
Er will dafür eine Million Livre verwenden.
Eine Million Livre?
Und woher will Seine Majestät das Geld nehmen?
Seine Schatulle ist ebenso leer wie die Staatskasse.
Von Euch, Fouquet, Ihr seid ein reicher Mann.
Ich war es, bevor ich Vaux le Vicomte umbaute.
Und bevor Ihr die Ile d'Yeu und die Belle-Ile befestigt habt.
Auf die Bitte von Mazarin hin.
Aber gegen welchen Gegner schützen diese Mauern, diese Artillerie?
Es scheint, Eure Kanonen sind auf die Erde gerichtet.
Aber ist diese Erde nicht Frankreich?
Sie sind auf nichts gerichtet.
Sie werden nur gelagert,
bevor sie eingeschmolzen werden.
Gut.
Ich werde dem König mitteilen, dass Ihr ihm keine
- Million leihen könnt. - Das heißt...
Nein, nein, denkt nicht mehr darüber nach.
Seine Majestät findet sicher einen Edelmann,
der seinem Herrscher zu Diensten ist.
Auch wenn er dafür auf einige wertvolle Dinge verzichten muss.
Ich könnte immer noch
Vaux le Vicomte verkaufen.
Denkt nicht einmal daran.
Das würde Seine Majestät nicht erlauben.
Nein. Aber warum verkauft Ihr nicht eines Eurer Ämter?
Die des Generalprokurators des Parlaments von Paris beispielsweise.
Die Immunität, die es mir gewährt, schützt mich vor Gläubigern.
So kann ich dem König leihen, so viel ich will.
Was zählt die Immunität des Parlaments,
wenn der König Euch schützt?
Nicolas hat es für 1600000 Livre
Monsieur de Fieuber, dem Requetenmeister, übertragen.
Dieser Verzicht auf das Amt macht ihn schutzlos.
Solange er
Generalprokurator des Parlaments war, konnte nur letzteres
über ihn richten, und dort hat er viele Anhänger.
Aber nun muss er sich vor jedem Gericht verantworten.
Gericht?
Was erzählt Ihr da? Wer könnte ihn verurteilen wollen?
Colbert.
Und damit der König.
Das ist unmöglich. Mir scheint vielmehr, der König...
Madame de Sevigne hat recht. Ich habe das Nicolas auch gesagt.
Er will die Realität nicht wahrhaben.
SCHLOSS NANTES
Diese Büste, die Ihr im Schloss von Vaux gesehen habt...
Ein wahres Meisterwerk der Bildhauerei.
Hättet Ihr sie gerne?
Es stimmt, dass...
Dann sei es so.
Die Büste gehört Euch.
Aber, Sire, dieses Meisterwerk ist nicht...
Also... Sie gehört Monsieur Fouquet.
Er wird mir zahlreiche wertvolle Objekte überlassen:
Teppiche, Brokatstoffe...
Vermeil-Vasen...
Seine Orangenbäume kommen ins Louvre.
Monsieur Fouquet hat gar nichts mehr.
Doch, sein Leben.
Und selbst das...
"Lieber Nicolas Fouquet, Eure charmante Frau teilte mir mit,
dass Ihr nach Nantes zum König fahrt,
um an der Ständeversammlung teilzunehmen.
Ich werde auch dort sein, und Marquise de Plessis-Belliere
bietet Euch ihre charmante Gastfreundschaft
in ihrem wunderbaren Wohnsitz in Nantes.
Bis bald, mein lieber Freund, Marquise de Sevigne."
Eure Majestät schickte die Staatssekretäre fort?
Die Angelegenheit ist zu wichtig.
Die kleinste Indiskretion...
Das versiegelte Schreiben und die Passierscheine,
um den Gefangenen nach Angers zu bringen,
bevor er in die Bastille kommt.
Wie ist Schloss Angers?
In schlechtem Zustand, Eure Majestät.
Es ist baufällig und verdreckt. Selbst einfache Soldaten
würden so nicht wohnen wollen.
Genau das braucht er, um zu begreifen,
dass sein Traum vorüber ist.
Dieser Wald geht bis zum Ufer der Loire.
Dort kann ein kleines Schiff anlegen.
Das ist ideal, falls Ihr fliehen müsst.
Fliehen?
Gegen Euch braut sich etwas zusammen.
In Nantes kam eine Kutsche an,
die angeblich vergittert werden soll.
Ein rollendes Gefängnis. Dann soll es rollen.
Ich werde nicht darin sitzen.
Wer dann?
Colbert.
Er läuft Gefahr, in Ungnade zu fallen.
Es gäbe viel darüber zu sagen, wie er Mazarins Vermögen verwaltet hat.
Er hat den Kardinal auf Kosten des Staats bereichert.
Ludwig XIV kennt die Details.
Glaubt Ihr?
Es heißt, er versteht nichts von Geld.
Weil er jung ist.
Weil er schön ist.
Weil er die Vergnügen des Lebens schätzt.
Alle halten Ludwig für einen oberflächlichen König.
Das stimmt.
Aber er wird ein großer König.
Er ist schon einer.
Wie Ihr ihn liebt.
Würde ich ihn nicht lieben, hätte ich mein Amt nicht geopfert,
um ihm eine Million Livre zu leihen,
die er mir sicher nie zurückgeben wird.
Aber das macht nichts.
Er hat mir auf bewegende Art gedankt.
Das ist besser als jede Zurückzahlung.
Monsieur d'Artagnan.
Die Angelegenheit findet morgen statt.
Ab vier Uhr morgens
sollen sich 40 Eurer Männer ums Schloss positionieren.
Auf Nachfrage antworten sie,
sie geleiten den König zur Jagd.
Hat das Wild ein besonderes Kennzeichen?
Was meint Ihr?
Ich weiß immer noch nicht, wen ich festnehmen muss.
Sagt es ihm, Colbert.
Verzeiht, Sire, aber die Angelegenheit scheint wichtig genug,
als dass ich diesen Namen von meinem König vernehme.
Es handelt sich um den Oberintendanten Nicolas Fouquet.
Konntest du schlafen?
Ich schlief die ganze Nacht schlecht.
Der Geruch des Flusses ließ mir kaum Luft.
Ein heißer Spätsommer.
Die Loire hat wenig Wasser, deshalb stinkt es.
Heute am frühen Morgen zogen Truppen vorbei,
sogar unter unseren Fenstern.
Es waren Musketiere.
Was ist?
Es ist Monsieur de Brienne, Monsieur.
Der König schickt mich, Euch zu sagen,
dass er sich vor der Jagd noch mit Euch austauschen möchte.
Danke, Brienne.
Ein Jagdausflug.
Das erklärt die Bewegung der Musketiere.
Mach dir keine Sorgen.
Sire,
ich bin der dankbarste und glücklichste Diener Eurer Majestät.
Lassen wir die Diener, Monsieur.
Ich brauche Freunde.
Wir haben kaum Zeit zu sprechen.
Aber es ist ein Vergnügen, Euch zu sehen.
Deshalb freue ich mich sehr,
Euch später bei der Jagd anzutreffen.
Also, Monsieur,
bis später.
Ist das wirklich alles, was Eure Majestät mir sagen wollte?
Das ist alles.
Ich habe ein schlechtes Vorgefühl.
Der König hat mich vorgeladen, um mir Belangloses zu sagen.
Dabei hat er nie Zeit zu verlieren.
Wisst Ihr etwas?
Nein, aber Musketiere sind rund um das Haus positioniert.
Monsieur! Monsieur Fouquet, bitte.
Der bin ich.
Ich bin Charles de Batz-Castelmore, Seigneur d'Artagnan,
Offizier der königlichen Musketiere. Ich muss mit Euch sprechen.
Später.
Das kann nicht warten.
Im Namen des Königs nehme ich Euch fest.
Ich dachte, in der Gunst des Königs zu stehen.
Mehr als jeder andere im Lande.
Es handelt sich wohl um ein leicht zu klärendes Missverständnis.
Das hoffe ich, Monsieur.
Ich habe Befehl, Euch nicht einen Moment zu verlassen.
Ich bin ebenso Ihr Gefangener wie Ihr meiner.
Madame, Befehl des Königs: Ihr fahrt nach Limoges.
Dort steht Ihr unter Hausarrest, so lange es dem König beliebt.
Und meine Kinder? Das Kleinste ist erst zwei Monate alt.
Schaut es noch einmal an.
Nein. Nein!
Nicht mein Kind, gebt es mir zurück.
Macht das nicht, bitte! Gebt es mir zurück!
Ein Bote brachte dieses Schreiben, Madame.
Von Madame Fouquet.
Das kann ich nicht glauben.
Mein Gott.
Mein Schreibzeug!
Mein Papier! Meine Federn!
Meine Tinte! Mein Siegellack!
Francoise,
mein Kind.
Das einer Mutter anzutun. Mitten im 17. Jahrhundert!
Als ob wir in einer vergangenen Zeit lebten,
die zurückgeblieben ist.
Mein Gott!
Ein Päckchen von Monsieur Colbert.
Mordious!
Ruft schnell einen Priester, d'Artagnan.
Ihr könnt mich doch nicht wie einen Hund sterben lassen,
ohne die Zuflucht der Religion?
Ich leide unter viertägigem Wechselfieber.
Oder gar einem dreifach viertägigem Wechselfieber.
Da scheidet man üblicherweise dahin.
Ich leide oft darunter.
Jedes Mal fühle ich mich, als würde ich sterben.
Ich bitte Euch, versucht, nicht zu sterben.
Diese Summe dient Euren Ausgaben.
Ihr seht, der Louvre sorgt sich um Euch.
Mein Interesse geht dahin, Euch am Leben zu halten.
Meine Sorge ist, einen guten Arzt zu finden.
Einen Priester.
Einen Priester.
Vertritt hier jemand die Interessen von Monsieur Fouquet?
Da man es nicht für nötig hielt,
ihm Rechtsanwälte zu stellen, vertrete ich ihn.
Marie de Maupeou, seine Mutter.
Aber Fouquet wird Verteidiger haben,
wenn er vor Gericht kommt, Madame.
Wir sind noch nicht in der gerichtlichen Phase.
Nein?
Wie nennt Ihr es, jemanden gegen seinen Willen festzuhalten,
ihm jeglichen Kontakt zu Nahestehenden zu verbieten?
Den Willen des Königs, Madame.
Ich möchte alle Papiere in diesem Haus sehen.
Alle, hört Ihr?
Mein Sohn hat nichts zu verstecken, Monsieur.
Dann geht es deutlich schneller.
Meine Herren.
Begnügt Euch nicht mit dem, was man sieht.
Klopft die Gewölbe ab, das Holzwerk, das Parkett.
Wir haben das hier gefunden.
Es war hinter einem Spiegel versteckt.
Das hier ist ein Aktionsplan, meine Herren.
Damit sollen die Festungen von Calais,
Bethune,
Amiens, Arras,
von der Ile d'Yeu und der Belle-Ile
in Kriegszustand gegen den König von Frankreich versetzt werden.
Monsieur Fouquet begnügt sich nicht mit finanzieller Veruntreuung.
Das ist der Beweis seiner subversiven Absichten.
Das Papier stammt aus einer anderen Zeit.
Dieser Plan tritt nur in Kraft, wenn er in Ungnade fällt.
Es geht hier nur um Verstecke und Zufluchtsorte
und nicht um Aufstand oder Revolte.
Dieser Plan ist veraltet, vergessen.
Das wird der Hauptbeweis unserer Anklage.
Kanzler Seguier wird das Gericht so lenken,
wie Eure Majestät es wünscht.
Er sorgt dafür, dass die Richter sich daran halten.
Foucault wird Amtsschreiber.
Wurde er nicht wegen Fälschung angeklagt?
Sire,
das sehe ich als Beweis seines Geschicks darin,
trockene Dokumente zum Reden zu bringen.
Hier das Ergebnis der von mir veranlassten Beschlagnahmungen.
600 Eintragungsbücher und Buchhaltungsbelege.
Und auch...
Ich weiß, Ludwig, so geht man nicht zum König.
Aber ich hörte etwas sehr Schreckliches.
Ich konnte nicht länger darauf warten,
dass Ihr mir schwört, dass es falsch ist.
Hat man Madame Fouquet mit Gewalt ihren Säugling entrissen?
Ich weiß nichts davon, Madame.
Das ist wohl eine Fabel von einem von Fouquets Gefolgsmännern.
Ich weiß es aus einem Brief der Marquise de Sevigne.
Zufällig eine Freundin des Oberintendanten.
Sie jedoch lügt niemals.
Wenn Ihr nichts unternehmt,
wird bald ganz Paris darüber empört sein,
wie der König sich an einem unschuldigen Kind
und einer schon schwer gestraften, unglücklichen Mutter rächt.
Daraus werdet Ihr nicht gestärkt hervorgehen.
Wusstet Ihr von diesem Ereignis?
Also...
Ja oder nein?
Fouquet bereitete einen bewaffneten Aufstand gegen Eure Majestät vor,
ein außerordentlich schreckliches Verbrechen.
Jedes Druckmittel, das ihn bewegt,
zu gestehen und seine Komplizen zu verraten...
Das Kind kehrt zu seiner Mutter zurück, Madame.
Ich beauftrage Euch damit.
Lasst Madame Fouquet auch wissen,
dass ihr Exil in Limoges beendet ist.
SECHS MONATE SPÄTER BASTILLE-GEFÄNGNIS IN PARIS
Die Herren Renard und Poncet.
Berichterstatter des Kammergerichts für das Verhör von Monsieur Fouquet.
Unnötig, meine Herren.
Ich habe Euch schon mitgeteilt, dass ich keine Fragen beantworte,
bevor ich nicht das bekomme,
was ich seit sechs Monaten dringend benötige,
um meine Verteidigung vorzubereiten: eine Feder, Tinte und Papier.
Etwas zu schreiben, versteht Ihr? Ich will Schreibzeug.
Er hat nicht vollkommen Unrecht.
Sire, mischt Euch nicht ein.
Doch, Monsieur.
Denn ich allein teile ständig das Leben mit Monsieur Fouquet.
Wenn er verzweifelt,
leide ich unter den Folgen.
Wenn Monsieur Fouquet verzweifelt, ist das beeindruckend.
REDE AN DEN KÖNIG ZUM PROZESS VON MONSIEUR FOUQUET
Das ist besser.
Diesmal sind die Buchstaben richtig schwarz.
Madame,
dieser Schornsteinfeger fegt auch die Kamine der Bastille.
Er sagt, er habe eine Nachricht von Monsieur Fouquet.
- Was ist das? - Das Papier stellte er selbst her,
aus alten Hemden. Die Tinte ist Ruß aus dem Kamin,
dank dem wir uns kennenlernten.
"Verteidigungsrede
zu allen Anklagepunkten meines Prozesses,
die ich halten würde,
stünde ich vor Richtern der ordentlichen Gerichtsbarkeit."
An die Arbeit.
Erst einmal 500 Exemplare.
VERTEIDIGUNG ZU ALLEN ANKLAGEPUNKTEN MEINES PROZESSES,
DIE ICH VOR RICHTERN HALTEN WÜRDE
Danke.
Achtung, mein Esel.
Hier entlang.
- Haltet ihn fest. - Nein, lasst mich.
- Lasst ihn los. - Lasst mich los!
Es geht um Fouquet.
Ich sehe mit Vergnügen, dass Ihr endlich Schreibzeug erhalten habt.
Ja, aber in reduzierter Menge.
Also, schüttelt Euch bitte woanders aus.
Ihr zerstört mein Papier.
Dieser verfluchte Regen.
Ihr habt Glück, dass Ihr nicht hinausgehen müsst.
Wisst Ihr etwas über mein Gesuch?
Welches? Ihr reicht so viele Gesuche ein, und alle werden abgelehnt.
Das Gesuch, in dem ich Zugang zu meinem eigenen Archiv fordere.
Gute Neuigkeiten.
Das Gericht hat diesem Gesuch stattgegeben.
D'Artagnan, Ihr gebt mir mein Leben zurück!
Wann erhalte ich diese Dokumente?
Niemals.
Wie das? Ihr sagtet doch...
Bei Euch wurden über 60000 Dokumente beschlagnahmt.
Manche sind sehr dick.
Wie sollen die alle hierhergebracht werden?
Wie sollen sie in diesen Raum passen?
Man macht sich über mich lustig.
Das ist eine Parodie der Rechtsprechung.
- Da ist Colbert. - Ja, das ist er.
Fürchtet Gott,
den letzten Richter,
denn es steht geschrieben:
"So wie ihr richtet,
so werdet ihr gerichtet werden."
Ich bin froh, Euch zu sehen, Monsieur d'Ormesson.
Ihr habt den Ruf, ein ehrenhafter Mann zu sein.
Alle Ihre Richter sind äußerst rechtschaffen.
Seid Ihr sicher, Staatsanwalt Chamillard?
Ich habe einige Dokumente erhalten,
auf die Euer Antrag basiert.
Sehen wir einmal.
Hier.
Irgendeines der Papiere.
Dieses Dokument ist beispielsweise
eine Fälschung.
Eine Fälschung. Wie könnt Ihr es wagen?
Seht selbst.
Seht es an.
Seht es Euch gut an.
Seht...
genau hin.
Hier wurde ein Name ausradiert.
Das scheint nur so, das liegt
an der schlechten Qualität des Papiers.
Es scheint tatsächlich, als wäre etwas ausradiert worden.
Und hier wurde etwas hinzugefügt.
Zwischen den Zeilen. Das sieht man deutlich.
Glaubt Ihr, hier auch Wegradierung und Hinzufügungen zu sehen?
- Nein. - Immerhin.
Was ich da sehe, Berryer, ist noch schlimmer.
Angeblich bin ich der einzige Verfasser,
aber ich sehe drei verschiedene Handschriften.
Das stimmt.
Und allein auf dieser einen Seite
befinden sich acht gefälschte Zeilen.
Ich sprach soeben mit Seiner Majestät.
Er lässt ausrichten, dass er Euch vollkommen vertraut.
Der König kann sich auf mich verlassen.
Natürlich ist ein Todesurteil der einzig mögliche Ausgang.
Das Volk
wird es nicht verstehen, wenn ein Brotdieb lebendig gerädert wird
und ein Dieb von Millionensummen begnadigt wird.
Keine Sorge.
Die Akte ist umfassend, die Anklage ist fundiert,
und die Richter wurden darüber informiert,
was wir von ihnen erwarten.
Der Einzige, der...
eine gewisse Unabhängigkeit zeigt...
D'Ormesson?
Ich weiß, ich kümmere mich darum.
Dann wird die Angelegenheit zügig erledigt sein.
Danke, Herr Kanzler.
Seguier.
Lasst nicht zu, dass der Prozess abdriftet.
Haltet Euch genau an die Anklageschrift.
Lasst nicht zu, dass der Angeklagte das Gericht beeinflusst,
durch die Ankündigung angeblich unglaublicher Enthüllungen.
Enthüllungen?
Wohl eher wirres Gerede.
Wie dieser Unsinn über einen Zwillingsbruder des Königs,
der zugunsten Ludwigs vom Thron verdrängt worden wäre.
EIN JAHR SPÄTER
Einen Augenblick, Madame.
Was macht Ihr hier, Monsieur?
Solltet Ihr nicht meinen Mann überwachen?
So gut überwachen, dass Ihr sogar seine Atemzüge zählt, wie man sagt?
Monsieur Fouquet, seine Richter und ich sind in Fontainebleau.
Wir mussten dem König folgen,
der dort sein Sommerlager bezieht.
Monsieur Fouquet darf Euch nicht
- in diesem mutlosen Zustand sehen. - Mich sehen?
Wie könnte er mich sehen?
Ihr wisst am besten, dass ihm kein Besuch zugestanden wird.
Seit drei Jahren habe ich ihn nicht gesehen.
Seit drei Jahren hat er seine Kinder nicht im Arm gehalten.
Der König kehrt am 14. August nach Paris zurück.
Was interessiert mich, was der König macht?
Ich interessiere mich nur für die, die ich liebe.
Den König liebe ich nicht, nicht mehr.
Das wird Euch kaum überraschen.
Wartet.
Kommt an dem Tag auf die Robin-Farm in Charenton.
- Am 14. August? - Genau.
Und...
Niemand darf davon wissen.
Niemand.
Erinnert Euch: Nicht ein Wort darüber.
Ihr habt nichts gesehen, nichts gehört.
Ihr habt nie in Charenton angehalten.
Beeilt Euch, Monsieur.
Ich kann Euch nur wenige Momente gewähren.
Beenden wir das.
Steigt wieder in den Wagen, Monsieur Fouquet.
Danke, Monsieur.
Was Ihr da gemacht habt, ist...
Ich werde es nie vergessen.
Ich wollte Euch um das Gegenteil bitten.
Ich habe den Befehl des Königs missachtet.
Das ist würdelos für einen Offizier, einen Musketier und einen Gascogner.
Los, wir haben genug Zeit verloren.
Stoßen wir wieder zum königlichen Tross, ohne dass man uns bemerkt.
Sie sind ohne neue Pferde weitergefahren?
Wer?
Die Karosse. Die Karosse, die im Hof stand.
Eine Karosse?
Ihr müsst Euch täuschen, mein Freund.
Was Ihr für eine Karosse gehalten habt, war nur ein Sonnenstrahl.
FREITAG, 14. NOVEMBER 1664
Ich habe die Menschen gesehen, die im Garten arbeiten.
Wisst Ihr, was sie da machen?
Ich glaube, das wird eine Fontäne.
Das dachte ich mir.
Fragt Ihr Euch, was mich das angeht?
Ich war früher ziemlich begabt in diesen Dingen.
Legt einen Eid ab, Monsieur.
Schwört auf das heilige Evangelium, nichts als die Wahrheit zu sagen.
Monsieur, da ich keinerlei Absicht habe, Euch zu belügen,
würde ich Eurem Wunsch gerne stattgeben.
Dafür müsste ich aber die Kompetenz dieses Gerichts anerkennen,
was ich nicht tue.
Da Ihr auf der Anklagebank sitzt,
erkennt Ihr Eure Richter an.
Ich nehme die Anklagebank als Kasteiung Gottes an.
Das hat jedoch nichts mit Eurem Gericht zu tun.
Mein lieber Minister,
man hat prickelnde Begegnungen
in den Gängen des Louvre.
Das sind Prostituierte.
Sie sollen die Glasmacher, die ich aus Venedig kommen ließ,
davon überzeugen, sich in Frankreich niederzulassen.
Apropos.
Wie verhielt er sich in der ersten Anhörung?
Ich dachte, drei Jahre endloser Verhöre in der Bastille
hätten seinen Kampfgeist verringert.
Aber dem ist nicht so.
Er schont Euch nicht.
Als der König sich aufmachte, um den Infanten von Spanien zu treffen,
wer erhielt da das nötige Geld für die Reise des Königs?
Monsieur Colbert.
Und er hat nie abgerechnet, was er damit gemacht hat.
Ihr werft mir mein Vermögen vor?
Ich verspreche, meinen Besitz meinen Feinden zu vermachen.
Unter einer Bedingung:
Sie sollen meine Schulden bezahlen.
Ich habe noch eine Frage:
Seit wann riecht Reichtum unangenehm?
Seit wann gilt Geldverdienen als Perversion oder Verbrechen?
Denn wenn es so ist, meine Herren,
müsst Ihr auch die Erinnerung an Kardinal Mazarin beflecken.
Er hat sich mit zweistelligen Millionenbeträgen bereichert.
Meine Herren, Ruhe.
Für heute beenden wir den Prozess.
Die Sitzung wird morgen fortgeführt. Monsieur d'Artagnan,
bringt den Angeklagten fort.
Pardon.
Glaubt Ihr, ich kann den König sprechen?
Ich muss ihm Dinge über den Fouquet-Prozess mitteilen.
Leider ist das im Moment unmöglich: Die Königin liegt im Sterben.
Man sagte doch noch heute...
Ihr Zustand hat sich nach der Geburt verschlechtert.
Die Krämpfe folgen aufeinander und lassen ihr keine Ruhe.
Sie erhält nun die letzte Ölung. Der König geht zu ihr.
Der Herr segne Eure Gutherzigkeit, Madame.
Ich bin Euch dankbar dafür, dass...
...Ihr das traurige Privileg habt, mit mir zu beten,
um Gott anzuflehen, der Königin einen sanften Tod zu gewähren?
Eure Majestät, ich kenne Methoden,
um Leiden zu heilen, die als unheilbar gelten.
Man muss ihr nur daraus einen Salbenverband machen und...
Hat Eure Majestät kein Vertrauen?
Doch.
Aber ich kann mir denken, was Ihr im Gegenzug erhofft.
Der König wird Fouquet niemals begnadigen.
Niemals.
Er hat es mir gesagt.
Der Salbenverband zeigte sofort einen wunderbaren Effekt.
Eine Stunde, nachdem er angebracht worden war,
schied die Königin zwei große Blutgerinnsel aus.
Sie war danach sehr munter.
Die Menschen, die an ihrem Bett standen, bezeichnen es als Wunder.
Marie de Maupeou ist eine Heilige.
Man muss sie nur mit den Besitzlosen von Pater Vincent de Paul sehen.
Man muss dem König mitteilen, dass Fouquets Mutter
- den Salbenverband erstellte. - La Fontaine hat recht.
Helft uns beim König.
Ich?
Seine Majestät der König.
Ich werde seit zwei Wochen verhört.
Und man ist erst bei einem Viertel der Ausführungen.
Soll ich keinen Prozess erhalten, hat man Angst vor der Wahrheit,
dann sagt es, anstatt zu schlafen.
Ja.
Wo waren wir stehen geblieben?
Bei der Erpressung von 140000 Livre
von den Pächtern, bei den Beihilfen
- und den... - Habt Ihr Zeugen dafür?
Ja, die haben wir.
Die Herren Arnault und Benz.
Ihr scherzt wohl?
Arnault hatte sich geweigert, gegen mich auszusagen.
Also musste er hohe Steuern zahlen und kam in den Kerker.
Und Ihr wollt, dass man seiner Aussage Glauben schenkt?
Nach so einer Behandlung?
Wenn das stimmt,
ist Monsieur Arnaults Aussage in meinen Augen unzulässig.
Gut. Gehen wir zum nächsten Punkt über.
An Anklagepunkten mangelt es hier nicht.
Ich sehe hier... Einen Augenblick.
Ich muss mich zurechtfinden. Hier ist es.
Es geht um Steuern auf Ware,
die im Hafen von Bordeaux ankam.
Ihr sollt unberechtigt Gelder erhalten haben,
- als Oberintendant... - Unmöglich.
Diese Tatsachen ereigneten sich im Jahr 1653.
Und?
Damals war Monsieur Servien Oberintendant der Finanzen.
Und nicht ich.
Seguier ist für die vergeudete Zeit verantwortlich.
Er will bei jedem Anklagepunkt beweisen,
dass Fouquet schuldig ist.
Das ist er auch!
Er verteidigt sich so geschickt,
dass er bei einem Todesurteil zum Volksheld werden könnte.
Es muss ein Todesurteil geben!
Das ist ein Befehl des Königs.
Das Urteil muss bald gesprochen werden
und vor Weihnachten umgesetzt werden.
Ich schlage vor, wir beenden die Anklage wegen Unterschlagung
und schreiten sofort zur Majestätsbeleidigung.
Das wird nicht so lange dauern.
Und nicht so schwer zu beweisen sein.
Dazu kann er sich keine absurden Entgegnungen ausdenken.
Ihr werdet der Majestätsbeleidigung angeklagt,
da Ihr zum Aufstand gegen den König aufgerufen habt.
Wir haben den Beweis
in Form eines Papiers, das wir bei Ihnen fanden.
"Der Plan von Saint-Mande",
so nanntet Ihr Verschwörer ihn untereinander.
Ich leugne nicht, das Dokument verfasst zu haben.
Aber das war in einem Zustand der Angst und des Wahnsinns,
den ich heute von ganzem Herzen widerrufe.
Dieses elende Papier hat nicht die Bedeutung, die Ihr ihm zugesteht.
Es war so sehr aus meinem Gedächtnis entwichen,
dass ich sogar seine Existenz vergaß.
Es ist schwierig, Euch zu glauben,
wenn man das Ausmaß und die Präzision bedenkt,
mit der dieser Aufstand geplant wurde.
Dieser Plan
ist nicht weniger und nicht mehr
als ein Staatsverbrechen.
Ein Staatsverbrechen?
Wir können doch sicher etwas tun.
Beten.
Von den Männern haben wir nichts zu erwarten.
Es ist ein politischer Prozess,
in den die beiden mächtigsten Männer des Staats verwickelt sind:
Der König
und Colbert.
Sie haben Ihren Wunsch geäußert.
Nicolas soll sterben.
Hören sie denn nicht auf Gottes Stimme?
Gottes Stimme...
Ist es nicht ein Zeichen des Herrn,
dass die Königin durch Euch gerettet wurde?
Die Mediziner verleugnen, dass mein Heilmittel etwas bewirkt hat.
Und dass einer der Richter, de Nesmond, an einem Erysipel verstarb?
Der Tod hat Berryer so beängstigt,
dass er darüber verrückt wurde.
Man musste ihn mit Lederbändern festbinden.
Gottes Strafe.
Gottes Strafe!
Fuchsfell!
Fuchsfell!
Nur drei Sol, um das Eichhörnchen zu befreien.
Drei Sol, nur drei Sol!
Drei Sol!
Ich habe noch einmal gerechnet.
Sieben Richter gewähren ihm das Leben, sechs sind für seinen Tod.
Wie viele müssen sich noch äußern?
Da Monsieur de Nesmond verstorben ist, bleiben nur acht.
Manche davon sind auf unserer Seite.
URTEILSVERKÜNDUNG
Fouquets Vergehen,
für das er Strafe verdient, ist,
dass er um sich herum Nachlässigkeit, Skrupellosigkeit,
und Machenschaften zuließ,
Aber d'Ormesson, spielt nicht mit Worten.
Er machte sich der übermäßigen Gebührenerhebung schuldig,
der Gaunerei.
Der Unterschlagung, meine Herren. Darauf beruht meine Anklageschrift.
Er nutzte vielleicht die Unordnung der Fronde, um sich zu bereichern.
- Aber da ist er nicht der Einzige. - Das entschuldigt nichts.
Dieses Gericht muss bald über andere Dinge richten.
Dafür sorge ich persönlich.
Colbert ist wild entschlossen, Nicolas loszuwerden.
Ich fürchte neue, schreckliche Ideen von ihm.
Was befürchtet ein mächtiger Mann wie Colbert
von einem armen Gefangenen?
Es heißt, dass Fouquet schlimme Geheimnisse über den König kennt.
Die finanzielle Skrupellosigkeit, derer man ihn anklagt,
ist also nicht der wahre Grund seiner Festnahme?
Zumindest nicht der einzige.
Noch eine Anmerkung zum Plan von Saint-Mande,
den Ihr als Staatsverbrechen bezeichnet:
Der Plan ist verachtenswert. Er blieb jedoch hinter einem Spiegel.
Es wurde nicht einmal begonnen, den Plan auszuführen.
Ihr werdet doch nicht für einen Freispruch stimmen?
Nein, aber auch nicht für die Todesstrafe.
Die Verbannung und die Beschlagnahmung
seiner Besitztümer sind ausreichend.
Und der König?
Das Gericht hat Urteile zu fällen, nicht dem König Gefallen zu tun.
Monsieur...
Wacht auf, Monsieur.
Es ist in der Richtung von
Faubourg Saint-Marceau erschienen.
Ist das ein gutes Zeichen?
Oder im Gegenteil...
"Populus".
Das Volk wird sich über ein gemäßigtes Urteil freuen.
Wie kann man kein gutes Zeichen darin sehen,
dass es am Tag des heiligen Nikolaus sein wird?
Die Familie des armen Gefangenen rechnet mit dem Schlimmsten.
Es heißt, diese Bestie Pussort
hätte sich dermaßen gegen unseren Freund echauffiert,
dass einige Richter schockiert waren.
Machen wir es noch einmal.
Was ist los?
Was macht unsere Angelegenheit?
Ich war sehr enttäuscht darüber, dass La Toison und La Baume
sich wie d'Ormesson für die Verbannung aussprachen.
Nogues und Cuissotte-Guisancourt habe vorhin für den Tod gestimmt.
Feriol hat länger gezögert,
aber ich versprach ihm das Amt des Kriminalleutnants.
So hat er sich auch für den Tod ausgesprochen.
- Gerettet. Er ist gerettet. - Gerettet.
Alle Besitztümer von Nicolas werden beschlagnahmt.
Aber ich hoffe, man wird es ihm nicht ankreiden,
wenn er einige Bücher mit ins Exil nimmt.
Einige Bücher mehr fallen nicht ins Gewicht
bei der Berechnung der unglaublichen Summe,
die Fouquet erstatten muss.
Ich höre einen Wagen. Ob er das ist?
Erwartet nicht, ihn vor morgen früh wiederzusehen.
Warum sollte er noch eine Nacht in der Bastille verbringen,
wenn er keine Gefängnisstrafe erhielt?
Die Formalitäten, um jemanden aus dem Kerker zu holen,
sind länger als die, um ihn hineinzuwerfen.
- Wohin wollt Ihr gehen? - Weit weg.
Sehr weit weg.
Weit genug, dass seine Feinde ihn nie wiederfinden.
Bis auf diese Bücher und Kleidung lassen wir alles zurück.
Ich hatte große Angst.
Ich habe immer noch Angst.
Ihr habt nichts zu befürchten, das Gericht hat ihn gerettet.
In einigen Stunden haltet Ihr ihn im Arm.
Es ist vorbei, niemand wird Euch mehr Böses tun.
Und wenn unsere Feinde mit Gewalt oder List zu erreichen versuchen,
was ihnen das Gericht verwehrt hat?
Vertraut Ihr dem König nicht?
Vertrauen die Tiere Eurer Fabeln
dem Löwen, dem Wolf oder dem Fuchs?
Diese Jahre, in denen ich Beweise seiner Verbrechen sammelte.
Und drei Jahre Gerichtsverhandlung.
Und all das Geld, um die einen und die anderen davon zu überzeugen,
dass der Prozess Sinn macht. Und Ihr...
Und das Gewicht meiner Autorität in der Debatte.
Und nun das hier.
Eine lebenslange Verbannung außerhalb von Frankreich
und die Beschlagnahmung seines Besitzes zugunsten des Königs.
Sire, ich bin ebenso bestürzt wie Ihr
über diese Rechtsverweigerung.
Alles liegt an Monsieur d'Ormesson.
Wir dachten, er wäre dumm,
einfach zu beeinflussen...
Was für ein Irrtum.
Nein, Monsieur, was für ein Fehler.
Ihr seid dafür verantwortlich
und Ihr müsst Euch vor mir dafür verantworten.
Da der König der Herr des Rechtswesens ist,
wird das Urteil neu überarbeitet.
Leider, Sire...
fürchte ich, das geht nicht.
Was meint Ihr mit "das geht nicht"?
Erst sorgt Ihr für meine Unzufriedenheit
und dann sagt Ihr, das ginge nicht?
Aber das sage nicht ich, Sire.
Das sagt das Gesetz.
Das Gesetz?
Aber das Gesetz, Herr Kanzler...
das macht der König.
Die Judikative bin ich.
Ich verfüge schließlich über das Begnadigungsrecht.
Zweifelsohne, Sire, aber...
wie der Name schon sagt,
ist es das Recht, jemandem am Leben zu lassen,
und nicht, jemanden den Tod zu bescheren.
Meine Geduld hat ein Ende, Herr Kanzler.
Ihr könnt gehen, ich halte Euch nicht auf.
Ich kann nicht die Todesstrafe gegen die Meinung der Richter aussprechen.
Aber kann ich daran gehindert werden,
im Namen des Staates die Freiheit eines Untertanen einzuschränken?
Nein, Sire.
Perfekt.
Sagt Euch Pinerolo etwas?
Pinerolo...
Ja, eine weit entfernte Festung in den Alpen.
Pinerolo kommt einem Grab gleich.
Monsieur Fouquet soll sofort dorthin gebracht werden.
Heute noch. Jetzt!
Danke, dass Ihr diesen Umweg befohlen habt.
Ich habe nichts befohlen, das ist der übliche Weg.
Mordious.
Die hätten doch nicht Ihr Schloss abreißen lassen,
damit Ihr es nicht im Vorbeifahren seht.
Die Reise dauerte über drei Wochen.
Wir mussten schließlich ganz Frankreich durchqueren.
Bis zu dieser düsteren Festung auf der anderen Seite der Alpen,
in die der größte König der Welt mich einsperren wollte.
Bis zu meinem letzten Tag.
Ich habe dir bisher nicht geschrieben, meine Geliebte,
weil ich nicht das Recht hatte, mit irgendjemandem zu kommunizieren.
Damit ich meine Wäsche nicht wie in der Bastille als Papier nutze,
bekam ich nur schwarze Wäsche.
Meine Betttücher wurden mit viel Wasser gewaschen,
sobald sie aus meinem Zimmer geholt wurden,
um Nachrichten zu entfernen, die ich vielleicht hinterlassen hätte.
Es ist sicher besser, dass ich nicht schreiben durfte.
Denn die endlose Aufzählung meiner Leiden hätte dich gelangweilt:
Ödeme an beiden Beinen, Ischiassyndrome, Koliken,
Bindehautentzündungen, Nebenhöhlenentzündungen,
Entzündungen, Kopfschmerzen, Nierensteine...
18 JAHRE SPÄTER
Erzähl.
Ich schrieb dir, als du hereinkamst.
Ich dachte, das wäre mein letzter Brief.
Der letzte?
Ich bin so müde.
Ich bringe Neuigkeiten, die dir Kraft geben werden.
- Sie werden Fouquet entlassen. - "Sie"?
Louvois, der Staatssekretär, der für Fouquets Haft zuständig ist.
Er hat den König dazu überredet.
Der König handelt nicht aus Mitleid für Fouquet so,
sondern um mir zu schaden.
Du bist Staatsminister, Generalkontrolleur der Finanzen,
Staatssekretär der Marine und des Königshauses
und du wunderst dich, dass du Neid hervorrufst?
Was hast du von Fouquet zu befürchten?
Der Mann ist gebrochen, er hat alles verloren.
- Du hingegen... - Ja.
Also...
Man hat einen Gefangenen namens Danger nach Pinerolo gebracht.
Eustache Danger,
ein ehemaliger Hausangestellter, der zu Lebenslang verurteilt wurde.
Er ist nun Fouquets Kammerdiener.
Er bereitet ihm das Essen
und bringt es ihm.
Es ist keine endgültige Freilassung. Noch nicht.
Aber Louvois erlaubt, dass du diesen schrecklichen Ort verlässt
und dich in den Thermalquellen von Bourbon auskurierst.
Ich habe gekämpft und ich habe verloren.
Der König hat deine Sammlungen und deine Schiffe übernommen,
dein Amt als Vizekönig von Amerika und
als Gouverneur von Concarneau,
die Steuerhoheit der Bretagne,
den Posten als Amtsschreiber außerordentlicher Kommissionen.
Das bedeutet mir nichts.
Und das Schloss?
Der König hat es uns zurückgegeben.
Nicht ohne es zuvor vollkommen geplündert zu haben.
Alles was ihm nutzte, nahm er mit.
Sogar die Kupfer- und Bleirohre.
Er ließ sie herausreißen und zerlegen.
Für das zukünftige Schloss Versailles natürlich.
Versailles gehört nicht mehr der Zukunft an, Nicolas.
Versailles existiert.
Quäl dich nicht, die Affäre Fouquet gibt es nicht mehr.
In Frankreich erhitzt nun die Giftaffäre die Gemüter.
Ein Wagen naht.
Danke für Euren Gehorsam und Eure Ergebenheit, Monsieur de Saint-Mars.
Ich verlasse mich auf Eure Diskretion.
Ihr habt mich nie gesehen.
Hättet Ihr mich gesehen, wüsstet Ihr nicht, wer ich bin.
Besuch für Euch.
Er soll morgen wiederkommen. Ich arbeite an meinen Memoiren.
Ich komme sicher in Euren Memoiren vor.
Ihr.
Ich war gerade in der Region und dachte...
Aber...
setzt Euch doch bitte.
Ich fürchte, ich habe kaum etwas anzubieten.
Garnisonswein.
Er ist nicht sehr gut.
Nicht zu vergleichen mit dem Cru de Bourgogne, den Vatel uns
- auf Vaux le Vicomte... - Fouquet.
- Ich bin hier, um... - Ihr seid hier,
um Euer Werk zu betrachten.
Mit etwas Abstand, wie alle großen Künstler.
Bei Euch waren es 19 Jahre Abstand.
Gut. Seht es Euch an.
Bewundert es. Seid Ihr zufrieden?
Entsprechen die Erniedrigung und das Leid Euren Erwartungen?
Fouquet. Ich bitte Euch, Fouquet!
Ich bin Euch nicht gram.
Ich bin Euch nicht mehr gram.
Zu Beginn, ich gebe es zu,
habe ich Euch gehasst.
Ich habe selbst Satan angefleht, mich zu rächen.
Aber habt keine Angst.
Ihr seid immer noch reich und mächtig.
Das beweist, dass meine Gebete zum Teufel nichts bewirkt haben.
Man könnte glauben, der Dämon existiere nicht.
Man könnte glauben...
Vielleicht sind ganz einfach wir Menschen der Dämon.
Sagt,
wie geht es d'Artagnan?
Er wurde bei der Belagerung von Maastricht getötet.
Eine Musketenkugel zerriss ihm die Kehle.
Wie schade.
Ich mochte seine Stimme, seinen Bearnais-Akzent.
Wisst Ihr,
hier ist es so kalt.
Um mich an besonders kalten Abenden aufzuwärmen...
ging ich in meiner Zelle hin und her und machte d'Artagnan nach:
"Mordious, Monsieur Fouquet, Ihr werdet Euch nicht sterben lassen.
Das... Das würde ich zu sehr bereuen.
Schließlich habe ich Euch festgenommen.
Ich bin also für Euer Unglück mitverantwortlich."
Und Ihr,
Monsieur Colbert?
Wie geht es Euch?
Mir?
Dieses Jahr, als ich den König in die Niederlande begleitete,
hatte ich bösartiges Fieber. Ich dachte, ich sterbe.
Ansonsten verbrenne ich. Ich trockne aus.
Und Ihr?
Ich verschimmele.
Seht Ihr, wir... Wir ergänzen uns gut.
Wir hätten...
Wir hätten Freunde sein sollen.
Aber Ihr seid nicht hier, um mir von Eurem Fieber zu erzählen.
Ich musste Euch sprechen.
Ich werde verbittert.
Ich werde immer mehr kritisiert. Der König hört nicht mehr auf mich.
In seinen Augen bin ich nur noch ein Geldlieferant.
- So, wie ich es war. - Ja.
Wir Ihr es wart.
Es hat sich nichts geändert.
Nichts. Die Höflinge erhalten dank ihrer Vorteile Bestechungsgelder.
Der König wird nie auf Prunk verzichten.
Oder darauf, seine Armee zu verstärken.
Dabei leidet das Volk unter Hunger und Entbehrungen.
Die Bürger erdrückt die Steuerlast.
Unser Adel ist mittellos.
Er ist ruiniert.
Er ist verloren.
Aber ich kann nichts für Euch tun.
Weder Euch bemitleiden, noch Euch trösten.
Nichts hat sich verändert, nichts wird sich je ändern.
Ich weiß.
Es sei denn...
Es sei denn?
Es sei denn, wir...
Wir?
Ach nichts.
Adieu, Nicolas.
Adieu, Jean-Baptiste.
Los.
Danke, Eustache.
Auf Ihre Zukunft, lieber Gouverneur.
Glaubt mir, ich werde dafür sorgen,
dass alle Verurteilten erfahren, was für ein guter Gastgeber Ihr seid.
Ihre Quasi-Freilassung erfreut mich sehr.
Nehmt Euch doch von diesem Gericht.
Kalbsbrust-Ragout.
Ihr verdient ein gutes Mahl nach 20 Jahren Haft.
Danke, aber ich habe einen etwas verstimmten Magen.
Ich bin es nicht mehr gewohnt,
so zu schmausen.
Und Eustache Danger, den Ihr liebenswerterweise
zu meinem Kammerdiener gemacht habt,
hat darauf bestanden, dass ich einen Likör trinke,
den er wohl nur destilliert hat, um meine Freilassung zu feiern.
Ich fürchte, ich habe damit übertrieben.
Hilfe.
Ist da jemand?
Hilfe! Ist da jemand?
Ist da jemand?
Alles wird gut, Monsieur Fouquet.
Der Arzt kommt jeden Moment.
In mir sind sämtlich Höllenhunde. Sie fressen mich auf.
- Bei lebendigem Leibe. - Es kann nicht das Ragout sein.
Ansonsten wäre Herr Gouverneur auch krank.
Es scheint, er hätte etwas im Magen,
- das er nicht ausscheiden kann. - Wie bei einer Vergiftung.
Hier eine Vergiftung? Unmöglich.
Wie sollte das gehen? Wer sollte das tun?
Das ist zu viel des Leidens.
Es lebe der Tod.
Er möge schnell kommen.
Glaubt Ihr...
Glaubt Ihr, Gott heißt mich willkommen?
Ich kann Euch nicht die Absolution erteilen,
- aber wenn Ihr denen verzeiht... - Allen.
Ich vergebe Ihnen allen, Monsieur de Saint-Mars.
Ihr richtet es ihnen aus, nicht wahr?
Colbert, dem König,
Seguier, meinen Richtern.
Und Eustache.
Vergesst nicht Eustache.
Hat dieser Ehrlose Euch verletzt?
Sein Likör.
Ein exzellenter Likör.
Ein leichter Geschmack von Bittermandel.
- Zu spät. - Woran ist er gestorben?
An einer Apoplexie, verursacht von einem Übermaß an Kalbsbrust.
In Form von Ragout.
Für die Summe von 3600 Livre
wurde der arme Monsieur Fouquet neu eingekleidet:
Kleider aus spanischem Tuch, Perücke, Hut und Seidenstrümpfe.
Und für zusätzliche 165 Livre sorgten wir für seine Beerdigung.
Er wurde also vorübergehend
in der Kapelle eines Klosters beigesetzt.
Madame, ich drücke Euch mein aufrichtiges Beileid aus,
Monsieur Saint-Mars, Gouverneur der Festung Pinerolo.
Ein Jahr später, als man dachte, die Leiche meines lieben Nicolas
sei so zersetzt, dass man sie nicht mehr zum Sprechen bringen können,
wurde uns der Sarg nach Paris zurückgebracht.
Er kam in die Krypta der Fouquets im Kloster der Heimsuchung.
Was werdet Ihr mit dem Schloss machen?
Es bewahren, solange ich die Mittel habe.
Dieses Schloss war Nicolas so wichtig.
Wenn es ihm schlecht ging, schloss er die Augen und dachte an Vaux.
Dann konnte ihm niemand etwas anhaben.
Nicht einmal Colbert.
Apropos, woran ist Colbert gestorben?
Ich habe lange keine Zeitung mehr gelesen.
An Nierenkonkrement.
Er ist wohl unter furchtbaren Schmerzen gestorben.
Wir können nur noch beten.
Unser guter La Fontaine hätte eine passende Fabel geschrieben.
Welche Tiere würden wohl darin mitspielen?
Tiere würden nicht genügen. Er hätte den König hinzugefügt.
- Den Löwen? - Nein, den König.
Der König, das Eichhörnchen und die Natter?
UNTERTITEL: RED BEE MEDIA FRANCE
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