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Kommissar Finke
Sina Wolf
Helmut Fichte
(Klaviermusik)
Mein Liebster, durch dich ist alles so anders geworden.
Ich müsste glücklich sein, eigentlich.
Und irgendwie bin ich es auch.
Aber ich hab auch Angst.
Ich komm mir vor wie jemand, der im Dunkeln etwas sucht.
Und bei jedem Schritt habe ich Angst zu fallen.
Und wenn ich falle, hältst du mich dann fest?
Ich lebe so sehr durch dich.
Als würde ich immer bei dir leben, auch wenn ich allein bin.
Nachher fahr ich wieder zu dir.
Wenn ich durch den Wald fahre, denke ich an nichts anderes,
als daran, dass du mich gleich in deine Arme nimmst.
Manchmal guck ich in den Spiegel und suche mich.
Wie ich vorher war, eh ich dich kannte.
Ich muss ein Kind gewesen sein.
Plötzlich, mit dir, ist das alles vorbei.
Stell dir vor, ich sitze abends in meinem Zimmer,
denke an dich und schreibe Gedichte.
So ist zuletzt doch alles nur ein Warten
auf deine Liebe und auf dich.
So tief, unsagbar tief, erfüllst du mich.
Wie Duft von zu viel Blumen für einen engen Garten.
Brechts Desinteresse an Natur ist einem anderen Autor aufgefallen.
Wir haben ihn vor Kurzem behandelt.
Katrin?
Ähm...
Bernd?
Max Frisch? - Ja, Max Frisch.
Wir haben sein Tagebuch behandelt. Was habt ihr für ein Gedächtnis?
Einen Satz daraus, sinngemäß.
Inge.
Ja...
Dass das Leben vom Denken aus gelebt wird.
Das steht da auch, aber das war nicht die Frage.
(Lachen)
Sina?
Max Frisch meint, Brecht interessiert sich nicht für Natur,
weil sie nicht verändert werden kann.
Ja.
Und die Zeit für das Veränderbare verwendet werden sollte.
Richtig. Nehmt aber Brecht nicht zum Anlass, in Biologie zu faulenzen.
Sonst kriegt ihr es mit meiner Frau zu tun.
Oder bezieht euch wenigstens nicht auf mich.
Rüdi!
Soll ich dich mitnehmen? - Nee, ich bin mit dem Rad da.
Hallo. - Hallo.
Kommst du mit auf ein Eis?
Nö, keine Lust. Wir essen auch pünktlich.
Wir waren schon lange nicht mehr schwimmen.
Es geht auch heut nicht, wir haben zu viel auf.
Ja, wir haben immer zu viel auf, jeden Tag, auch am Wochenende.
Also tschüs.
Wieso hast du nie mehr Zeit? Ich hab auch Schularbeiten.
Oder ist etwas anderes?
Nein, ich hab den Kopf voll mit Mathe und Bio.
Also, Herr Kramer, damit wäre das erledigt.
Vergessen Sie nicht, morgen um 16 Uhr.
Ah, Frau Fichte, wir haben Glück.
Kiel besteht nicht mehr auf Ihre Versetzung.
Sie können also bei uns alt werden, soweit eine Frau überhaupt alt wird.
Da freu ich mich. Mir gefällt es gut hier und meinem Mann auch.
Die Miete ist günstig. - Die Kollegen sind nett.
Na! Ist es schon amtlich?
Ja, aber Kiel hätte nichts dagegen, wenn Sie es sich anders überlegten.
Da besteht keine Chance.
Wie froh ich darüber bin, brauch ich nicht zu betonen.
Sie sind ein Gewinn für die Schule, Ihr Mann auch.
Danke. Ich werde es mir zu Herzen nehmen.
Guten Tag Frau Kollegin. - Grüß dich. Doch nicht hier!
Ich habe eine Schwäche für Lehrerinnen.
Sie riechen nach Chemie-Sulfat. Kann ich Sie mitnehmen?
Gleich fängt mein Kursus an. Aber es sind noch Eier im Kühlschrank.
Na gut.
Die Versetzung nach Lübeck findet nicht statt.
Nein? - Nein.
Ist doch fabelhaft. - Forkmann hat sich starkgemacht.
"Du bist ein Gewinn für die Schule."
Stimmt ja auch.
(Musik)
Na?
Sag mal, wie war es heut in der Schule?
Ganz gut, ich komm wahrscheinlich in Sozialkunde auf ne 3.
Ach, da hattest du doch voriges Jahr ne 5.
Ja.
Prima.
Fährst du heut noch nach Kiel? - Ja, willst du mit?
Nein, ich fahr n bisschen mit dem Rad.
Ist gut. - Tschüs.
Tschüs.
(Musik)
(Musik)
(Auto)
Schön, dass du da bist. Ich hab schon auf dich gewartet.
Ich konnt nicht eher.
Ist dir langweilig? Du hast gesagt, du könntest hier ewig sein.
So lange auch wieder nicht.
Fahr mal nach dahinten.
(Musik)
Zurück ruderst du aber.
Soll ich dir was sagen?
Ich liebe dich.
Ich dich auch.
(Musik)
Glücklich sein beginnt immer ein wenig über der Erde.
Was?
Ein Vers von Karl Krolow, die Hausaufgabe für die 11a morgen.
(Musik)
Hey Micha! Micha!
Halt doch mal.
Kommst du mit zu Bruno? Der gibt ein Fest, seine Alten sind nicht da.
Nee.
Was ist denn los? Hast du was?
Das Schwein.
Was?
Was n los?
Hast du Schularbeiten gemacht?
Hast du sie nicht alle? - Ich war am Schwarzen See.
Du verträgst die Pille nicht, ja?
Und Schularbeiten hast du, dauernd Schularbeiten.
Das hab ich gesehen.
War sehr schön, das zu beobachten.
(Auto)
Tag. - Tag Herr Wolf.
Tag, Sina. - Hallo Papa.
Alles klar? - Warten Sie, ich helf Ihnen.
Ist Mutti da?
Sie wollte nach Kiel. Ich weiß nicht, ob sie zurück ist.
Morgen gehst du mit mir in den Wald und nicht mit Fichte.
Klar?
Was der mit dir getrieben hat, das kann ich auch.
Und mit Fichte ist Schluss, sofort.
Wenn nicht, geh ich zum Direktor.
Dann fliegt das Schwein von der Schule.
Also.
Kommst du morgen?
Gut. Wenn du nichts erzählst. Oder hast du schon?
Nein... - Sina, kommst du?
Ja, ich komme. - Sina!
Mehr fällt dir nicht ein?
Nee.
(Schulglocke)
Sina? - Ja.
Es macht jetzt so viel Spaß mit dir. - Danke.
Du hattest als Einzige keine Fehler. - Damit hatt ich nicht gerechnet.
Mein Mann sagt das über andere Fächer auch.
Willst du später Mathematik studieren?
Das darf nicht wahr sein? - Wieso?
Guck mal, die beiden. Ich kann dir was erzählen...
(Stimmengewirr)
Herr Fichte. - Inge?
Könnte ich Sie kurz sprechen? - Ja.
Na?
Morgen ist die große Englischarbeit. - Ja.
Wenn ich nun eine 4 schreibe, könnte ich die eine 6 ausgleichen
und auf eine 5 kommen. Dann schaff ich doch die Versetzung, ja?
Wie willst du denn eine 4 schreiben?
Wenn ich kein Abi mache, schlägt mein Vater mich tot.
Da rede ich noch mal mit ihm.
Ich glaube trotzdem, dass Sie mich morgen auf eine 4 bringen.
Ich dich? Wie denn?
Ich sag auch nichts. Ich bin ja fair.
Kannst du deutlicher werden?
Ich bin gestern am Schwarzen See gewesen.
Ich hab Sie dort gesehen, mit Sina.
Du bist verrückt. Niemand glaubt dir eine gute Englischarbeit.
So blöd bin ich nicht. Ich mach natürlich ein paar Fehler.
(Schulglocke)
Was ich dir gestern gesagt hab, behältst du gefälligst für dich.
Ja klar.
Es geht niemanden was an. - Na logisch.
Mein Gott, ist das heiß.
Zu den Schriftstellern, die in der Nazizeit Deutschland verließen,
gehört bei Andreas auch Theodor Fontane.
Besser als Heinrich von der Vogelweide.
Hah, ich geh in die Wanne.
(Wasser plätschert)
Bin so froh, dass wir hier bleiben.
Wenn wir im Herbst schon wieder umziehen würden.
In eine Wohnung, wo unsere Möbel nicht reinpassen.
Wieder neue Gesichter, neue Klassen.
Mir gefällt's hier auch.
Das haben wir alles Forkmann zu verdanken.
Der ist sehr interessiert an uns.
Wohl mehr an dir. - Was?
Ja.
(Telefon)
Ja? - Ich bin's, Sina.
Treffen wir uns am Sieger Forst.
Hallo?
Ja.
Wer zuerst da ist, wartet.
Ja. Micha, können wir nicht... - Nun red dich nicht raus.
Was Fichte mit dir getrieben hat, kann ich auch.
Du weißt, was passiert, wenn du nicht kommst.
Der Kerl fliegt von der Schule, das schwöre ich dir.
Hast du verstanden?
Ich komm ja.
Dann ist ja gut. Bis gleich.
Tag.
Tag.
Gehen wir?
Ja.
Du musst das verstehen.
Das war ein ziemlicher Schock für mich.
Ich hab immer geglaubt, dass du mich magst.
Ich hab nicht gesagt, dass ich dich nicht mag.
(Musik)
Komm, gehen wir darunter.
Ich hab das fast nicht ertragen.
Ich hab's die ganze Nacht vor mir gesehen.
Du und er.
Dieses Schwein.
Aber ich tu das doch nicht gern, so was.
Sina, ich liebe dich doch.
Sina.
Ich liebe dich.
Ich liebe dich doch, Sina.
Komm runter. Wenn uns jemand sieht.
Wir vergessen alles, was war. Hörst du?
Hört du, Sina?
Wir vergessen alles.
Du liebst nur mich.
Hast du gehört, Sina? Du liebst nur mich.
Nur mich.
Und Fichte vergisst du. Hast du gehört?
Fichte vergisst du. Mach Schluss mit dem Kerl.
Mach Schluss mit dem Schwein, sonst bring ich ihn um.
Ich bringe ihn um.
Du gehörst mir, Sina.
Du gehörst mir.
Du liebst mich, hörst du? Nur mich.
Ich bring ihn um.
Ich bring ihn um.
(Dumpfer Schlag)
(Schlag)
Hilfe!
Hilfe!
Hilfe! Hilfe...
Helmut!
Helmut! - Übernimm mal.
Michael Harms ist ermordet worden.
Was?
Sina war mit ihm im Sieger Forst. Ein Mann wollte Sina überfallen.
Der hat Michael erschlagen. - Und Sina?
Er hat ihr nichts getan. - Hast du mit ihr gesprochen?
Nein, aber ihr soll nichts passiert sein.
Michael Harms, mein Gott.
Ich muss wieder zu Forkmann, seh ich dich später?
Ja, ja.
Tag, Herr Weiß. - Tag, Herr Finke.
Guten Tag. - Da liegt der Junge.
Guten Tag. - Guten Tag.
Tag. - Tag.
Er wurde vermutlich erschlagen.
Wollte seiner Freundin helfen, die von nem Mann bedrängt wurde.
Nach Aussagen des Mädchens war der Täter etwa 1,70 groß, untersetzt.
Und er trug eine Art grünen Jägeranzug.
Wo ist das Mädchen?
Zu Hause, die Kleine ist völlig verstört. Sie wird gleich hier sein.
Wie ist der Junge erschlagen worden?
Tja, mit Fingerabdrücken ist da wohl nix.
Fußspuren? - Bei dem Boden.
Danke schön.
Da kommt der Onkel von dem Jungen. - Wieso, was ist mit den Eltern?
Der Vater ist tot. Die Mutter ist Alkoholikerin.
Die macht eine Entziehungskur, der Onkel kümmert sich um den Jungen.
Guten Tag, Finke. - Tag.
Der Junge wollte seiner Freundin zu Hilfe kommen...
Die Polizei hat mir alles am Telefon gesagt.
Sie sind gewissermaßen der Vater von dem Jungen.
Was heißt Vater? Wir hatten nicht das beste Verhältnis.
Meine Frau hat sich um ihn gekümmert.
Weil seine Mutter...
Die ist in einer Art Entziehungsanstalt.
Ja, sagten die Kollegen schon.
Wir wohnen gegenüber, aber er ist nicht zu uns gezogen.
Meine Frau hat sein Zimmer sauber gemacht und für ihn gekocht.
Das war alles. Mehr wollte er nicht.
Und warum nicht?
Er ist nun mal so.
D.h. er war so.
Sie sind ziemlich gefasst.
Das scheint nur so.
Wer sich so für ein Mädchen einsetzt, ist schon ein prima Junge.
Ja, gut, danke schön.
Wenn ich noch Fragen habe, wende ich mich an Sie oder Ihre Frau.
Grüner Jägeranzug...
Guten Tag.
Na, wird's gehen? Werden Sie mir schon helfen können?
Ja. - Wo haben Sie den Mann bemerkt?
Dort drüben.
Und wo waren Sie da?
Dahinten.
Können Sie mir das kurz erzählen?
Da gibt es nicht viel zu erzählen, er kam direkt auf mich zu.
Es war ganz klar, was er wollte.
Und Ihr Freund?
Der war da oben bei seinem Fahrrad.
Als ich dann schrie, kam er zu Hilfe.
Von da oben? - Ja.
Und?
Michael stürzte sich auf den Mann.
Aber der nahm den Stein und...
Ja.
Ich muss Sie das fragen, Fräulein Wolf.
Hat der Mann sich an Ihnen vergangen?
Nein.
Aber er hat es versucht.
Ich bin auch gefallen.
Ein paar Mal, dahinten im Gestrüpp.
Sie sagten, er trug einen grünen Anzug.
Ja, vielleicht hab ich ihn deshalb so spät gesehen.
Gut. Mehr will ich heute gar nicht von Ihnen wissen.
Nicht halb so schlimm wie damals dein Sturz vom Apfelbaum.
Soll ich dich von der Schule suspendieren?
Nein, nein, wir schreiben wichtige Arbeiten.
Na, denn tschüs. - Wiedersehen, Herr Dr. Sträub.
(Im Hintergrund)
Sie denkt an ihre Klassenarbeiten. Da können Sie sich ein Bild machen.
Sina ist seelisch stabil. Und die paar Kratzer sind bald verheilt.
Trinken Sie den üblichen Cognac?
Danke nein, ich hab noch Hausbesuche.
Ich möcht euch etwas sagen.
Von Michael, obwohl er nicht mehr lebt, sollten wir lernen.
Seien wir mal ehrlich. Viele, und das gilt auch für mich,
mochten Michael nicht besonders.
Es war ja auch manchmal anstrengend mit ihm.
Er war ruppig und aggressiv
und dann wieder verschlossen und ohne jeden Zugang.
Aber er war bereit, das Leben eines anderen zu schützen
ohne Rücksicht auf sich selber.
Mir ist nicht wohl bei dem Gedanken, dass wir jemanden abgelehnt haben,
nur weil er manchmal schwierig war.
Und ich finde, wir sollten in Zukunft
mit unserem Urteil über andere vorsichtiger sein.
Mehr möchte ich dazu nicht sagen.
Frau Dr. Fichte, unter Michaels Bank liegen noch Hefte.
Bringst du sie mir, bitte?
Ah, da ist deine Mutter ja schon.
Ehrengeleit für ne kleine Nutte.
Herr Forkmann, ich hätte Sie gern gesprochen.
Kommst du zur Ruine heute um 3? - Ja.
Das geht jetzt nicht. - Klar geht das.
Wie denn? - Lass mich nur machen.
Los, hau ab!
Ist noch was?
Ja. Das hat ja prima geklappt mit Englisch. Danke.
Morgen schreiben wir die Mathearbeit.
Ich unterrichte nicht in Mathe. - Nein, aber Ihre Frau.
Du bist völlig verrückt. Soll ich in den Heften meiner Frau...? - Ja.
Übrigens...
Die Polizei ist jetzt jeden Tag hier.
Inge, wenn du es übertreibst, hat das auch für dich schlimme Folgen.
Für mich weniger als für Sie.
Es klappt schon.
(Möwen kreischen)
Tag. - Tag.
Mahlzeit. - Mahlzeit.
Na, was Besonderes? - Nö, eigentlich nicht.
Das sieht gut aus. Kann ich auch ne Scholle haben?
Nein, die Küche ist geschlossen.
Was haben Sie denn anzubieten? - Rollmöpse, Brathering.
Nee, danke. Ein Bier, bitte. - Ja.
Schmeckt ausgesprochen gut.
Freut mich.
Ja, die Großfahndung nach dem Mann im grünen Anzug ist eingeleitet.
Überall in den Wäldern gehen Polizistinnen in Zivil spazieren.
Füttern die Eichhörnchen, lauschen den Vögeln.
Kann ich mal kosten?
Probieren Sie ruhig mal. - Danke.
Wissen Sie, was merkwürdig ist?
Über ein Jahr lang treibt der Mann sich im Norden rum,
fast an der dänischen Grenze, und auf einmal ist er hier.
Tja.
Dabei ist die Beschreibung des Mädchens exakt.
Es kann kein anderer gewesen sein.
Wissen Sie... - Vielleicht Salat dazu?
Nein, danke.
Und hier begeht er einen Mord, entgegen seinen Gepflogenheiten.
Er musste sich noch nie zur Wehr setzen, wurde noch nie gestört.
Aber wieso ist der Junge nicht mit ihm fertig geworden?
Er war größer, viel kräftiger.
Interessant ist, dass alle Klassenkameraden glauben,
dass das zwischen Sina und Michael längst eingeschlafen sei.
In Wirklichkeit treffen sie sich heimlich im Wald.
Ist doch seltsam, oder? - Ja, Gott.
Ihr Bier, bitte. Kann ich kassieren? Ich schließ nämlich.
Ein Bier. - 1,10.
Sie hatten auch ein Bier? - Ja, und die Scholle.
Alles zusammen.
Danke.
Sina, ich hab nur wenig Zeit.
Liebst du mich?
Liebst du mich wirklich?
Ja.
Natürlich lieb ich dich.
Is irgendwas?
Sag mal, hast du irgendjemandem von uns erzählt?
Unabsichtlich natürlich.
Nein, warum?
Nur so.
Wir müssen vorsichtig sein. Jetzt, nachdem das passiert ist.
Glücklich sein beginnt zwar über der Erde,
aber manchmal muss man auch auf der Erde sein.
Der Kommissar aus Kiel will mich nachher sprechen.
Warum?
Vielleicht fragt er mich dasselbe wie andere auch.
Dann müsste ich dasselbe antworten,
was ihm bestimmt schon gesagt wurde.
Dass du bis vor einigen Monaten eine Freundschaft mit Michael hattest,
dich dann aber zurückgezogen hast.
Unter diesen Umständen frage ich mich natürlich auch...
Warum bist du mit ihm da hingegangen?
Weil, weil...
Ist ja gut.
Ich muss ihm dankbar sein, dass dir nichts Schlimmeres passiert ist.
Außerdem habe ich keinen Besitzanspruch auf dich.
Oh, doch.
Den hast du.
Wenn du mich liebst, hast du ihn.
Ich hab nicht mit ihm geschlafen, wenn du das meinst.
Ich habe nie mit ihm geschlafen. Hast du das für möglich gehalten?
Nein.
Eigentlich nicht.
Ich rede auch Unsinn.
Dir ist nichts passiert, das ist die Hauptsache.
Ich würde keinem geben, was dir gehört.
(Türklingel)
Guten Tag. - Guten Tag.
Ja, bitte. Mein Mann ist allerdings noch nicht da.
Ich weiß, ich bin zu früh.
Bitte schön.
Sie wohnen sehr hübsch hier draußen.
Ja, gefällt uns auch sehr gut. Ist eine sehr schöne Gegend.
Sehr viel Wald und so.
Ja. Im Wald gehts ja leider nicht nur romantisch zu.
Bitte. - Danke.
Sie werden sich fragen,
warum ich Sie in dieser traurigen Angelegenheit noch mal belästige.
Sie werden Ihre Gründe haben. - Ja.
D.h. nein. Gründe ist zu viel gesagt.
Es sind mehr gefühlsmäßige Unklarheiten.
Äußerlichkeiten, die nicht ganz passen.
Kann ich Ihnen was anbieten? - Danke, nein.
Dieser Michael scheint ja besonders kräftig gewesen zu sein.
Hätte er den Mann erschlagen, nicht umgekehrt,
würde es einen weniger wundern.
Ja, und?
Vermuten Sie, dass es eine intime Freundschaft
zwischen Michael und dem Mädchen war?
Ja, Gott, vermuten... Vermuten kann man vieles.
Ist das wichtig? - Nein, nicht sehr.
Ich sagte ja, ich taste da nur so herum.
Immerhin hat er ihr das Leben gerettet.
Ja? Der Mann, den wir suchen, hat keine der Frauen getötet.
Das konnte er nicht wissen. Sina rief um Hilfe.
Sollte Michael zusehen, wie man seine Freundin...
Nein, nein. So war das nicht gemeint.
Obwohl, ein Mord ist etwas anderes als eine Vergewaltigung.
Wenn man das vergleichen will.
Sie sagten, Sina Wolf kam zu Ihnen ins Haus?
Ja.
Aus dem Nachhilfeunterricht ist eine Art Freundschaft geworden.
Wir haben Tischtennis gespielt, uns sehr nett unterhalten und so.
Sie kennen sie jedenfalls gut. - Ja.
Halten Sie sie für ehrlich?
Was verstehen Sie unter ehrlich?
Ob sie beim Diktat mal abschreibt oder beim Scrabble schummelt?
Müssten Sie mich mal fragen, ob ich ehrlich bin.
Von Ihnen will ich es nicht wissen. Sie sind kein Mordzeuge.
Wenn Sie mich so fragen, muss ich Ihnen sagen:
Ja, ich halte sie für ehrlich, ja.
Ja, das war's.
Danke, es war interessant, mit Ihnen zu sprechen.
Hab ich mich verspätet? - Nein, ich war zu früh.
Ihre Frau war so nett, sich mit mir über einige Probleme zu unterhalten.
Danke vielmals, Wiedersehen.
Mich brauchen Sie gar nicht mehr?
Nein. Wiedersehen. - Wiedersehen.
Was wollte er denn?
Er wollte bestätigt bekommen, dass alles auch hätte anders sein können.
Und wie?
Sag mal, hattest du in letzter Zeit Differenzen mit Michael Harms?
Wie kommst du darauf?
Er war ja manchmal schwierig.
Sicher, aber war nichts Besonderes. Hat dich die Polizei danach gefragt?
Nein. Ich geh in den Garten,
um Stichworte für die Trauerrede aufzuschreiben. Kommst du auch raus?
Ja, ja, gleich.
(Schreibgeräusche)
Erde zu Erde.
Asche zu Asche.
Staub zu Staub.
Der Herr segne dich und behüte dich von nun an bis in Ewigkeit. Amen.
(Blasmusik)
Mensch, nimm dich bloß zusammen.
Ist das die Mutter von dem Jungen?
Ja, sie weiß gar nicht, was passiert ist.
Schwere Entziehungserscheinungen.
(Blasmusik)
Ja, Herr Weiß, Wiedersehen, wir fahren nach Kiel zurück.
Wiedersehen. - Wiedersehen.
(Klaviermusik)
Endlich sind wir wieder allein.
Wir können uns treffen,
ohne dass jemand in unsere Welt einbricht und stört.
Ich brauche dich jetzt so, um das alles vergessen zu können.
Ich sehne mich so sehr nach dir.
Lass uns über das alles nie mehr reden. Versprichst du mir das?
Frau Doktor, dürfte ich Sie kurz sprechen?
Lasst euch nicht stören.
(Flüstern)
Es tut mir furchtbar leid. - Wir schreiben eine Arbeit.
(Flüstern)
Sina, bist du schon fertig? - Ja.
Der Kommissar möchte dich sprechen.
Nimmst du deine Sachen? Ich nehme die Arbeit.
Lasst euch nicht stören, ihr habt noch 10 min.
Danke schön, Herr Forkmann. - Wiedersehen, Herr Kommissar.
Wir haben den Mann.
Ich muss Sie bitten, mit nach Kiel zu kommen.
Sie müssen ihn identifizieren.
(Spannende Musik)
Ist er tot?
Ja, 2 Beamte wollten ihn festnehmen.
Er riss sich los und lief vor ein Auto.
Sehen Sie ihn sich genau an.
Ist er's? - Ja.
Ich muss Sie bitten, noch näher zu treten.
Tote sehen oft sehr verändert aus.
Es ist der Mann.
Gut. Würden Sie bitte draußen warten?
Sie fahren dann Fräulein Wolf nach Hause.
Ja, Augenblick noch.
Siehste? - Tja.
Fahren Sie sie zurück.
Tun Sie aber so, als ob es damit beendet ist.
Ja. - Ich komm dann später nach.
Nun ist wenigstens alles vorbei. - Ja.
Danke fürs Zurückbringen. Wiedersehen.
Wiedersehen.
(Musik)
Der Wein ist ganz gut, ne? - Für den Preis, ja.
Stell dir vor, Inge und Katrin haben in Mathe ne 3 geschrieben.
Na bitte.
Die müssen das über Nacht kapiert haben.
Wird ja auch Zeit.
Aber sie haben beide denselben Flüchtigkeitsfehler.
Haben Sie abgeschrieben?
Ich hatte den Fehler auch.
Ich hab das X mit dem Y verwechselt. So hatten es die beiden auch.
Konnten Sie an dein Heft?
Ich hatte es nicht mit in der Schule.
Sie haben mir leidgetan.
Mein Gott, Helmut, was heißt das? Was soll ich denn jetzt machen?
Die Arbeiten anerkennen darf ich nicht.
Und den Schwindel aufzudecken hätte Folgen für dich.
Hast ja recht.
Machst du das in deinen Fächern genauso?
Ich helfe ihnen ein bisschen.
Du kennst doch deren Eltern, das Abitur sehen die als Prestigefrage.
Du schläfst mit Sina, ne?
Du hast vielleicht eine Art. Wie kommst du denn darauf?
Sie kommt gar nicht mehr zu uns.
Sonst kam sie einmal die Woche, auch ohne Nachhilfeunterricht.
Du weißt, ich mag Sina gern, aber das hier...
Was ist das?
Michael Harms hatte unter seiner Bank noch Hefte.
In einem hat er rumgekritzelt. Hier: Fichte, das Schwein.
Das, nehme ich an, ist Sina.
Ziemlich pornografisch.
Pubertärer Blödsinn.
Viel braucht man nicht, um einen Zusammenhang festzustellen.
Zwischen was?
Kann Sina Michael gesagt haben, dass sie dich liebt?
Liebt? Nein, natürlich nicht.
Es wäre unangenehm für dich, wenn die Polizei die Hefte sieht.
Ja, sicher.
Wie meinst du das?
Bist du in diese Sache verwickelt? - Nein.
(Telefon) Gut.
Ja, Fichte.
Tag, Herr Forkmann. Nein, bist jetzt nicht.
Ja? Na, Gott sei Dank.
Da wird man sie endlich in Ruhe lassen.
Ja, mach ich. Vielen Dank.
Danke schön.
Sina hat den Mann wiedererkannt, er ist tot.
Mach bald Schluss mit der Sache, hm?
Na?
Seitdem ich sie abgesetzt hab, hat sie das Haus nicht verlassen.
Sind die Eltern da?
Die Mutter, der Vater ist weggefahren.
Wir bleiben bis 10, dann kommt ein Kollege.
Wir machen dann morgen wieder den Tagdienst.
Der sieht ganz harmlos aus. - Nein, der hat stechende Augen.
Guck mal die Sina, wie ne Madonna sieht sie aus.
Von wegen Madonna!
Sina wird sich jetzt ganz schön was einbilden.
Quatsch, meinst du das gefällt ihr? - Klar gefällt ihr das.
Pass auf, da kommt die eingebildete Kuh.
Jetzt seid mal ruhig.
Siehst du, was hab ich gesagt?
Mach dir nichts draus. - Nein, nein.
Ja, selbstverständlich, Herr Schulrat.
(Klopfen)
Ja, dann...
Wiederhören.
Ich hab in Ihrer Sache telefoniert. Die Planstellen sind noch frei.
Sie müssen aber sofort das Schriftliche erledigen.
Und mein Mann kann mit? - Ja, das wird im Austausch gemacht.
Ein Lehrer für Deutsch und Englisch kommt dann von Lübeck hierher.
Danke. - Mir tut es leid, das wissen Sie.
Den Kollegen und Schülern auch. Kann ich Sie nicht doch hier halten?
Nein, aber es ist schön, das zu hören.
Was hat Sie umgestimmt? Sagen Sie es.
Ich werde es abstellen, wenn es möglich ist.
Danke. Aber es hat nichts mit der Schule zu tun.
Wenigstens ein Trost.
Ich würde es meinem Mann gerne selber sagen, wenn Sie...
Ja, natürlich.
Inge und Katrin!
Ich möchte euch noch sprechen.
Ihr habt es ja nun geschafft, dank eurer 3 in Mathe.
Das bedeutet im Schnitt eine 5 und somit die Versetzung.
Weil ihr sonst nur in Bio und Englisch eine 5 habt.
Und die noch fälligen Arbeiten wird das kaum negativ beeinflussen.
Na fein.
Wie es zu der Leistungssteigerung kam, will ich gar nicht untersuchen.
Falls wir uns verstanden haben.
Na ja, wir waren sehr fleißig.
Schön.
Damit wäre die Angelegenheit vergessen.
Ja, natürlich. Und vielen Dank für Ihre Hilfe.
Falls wir uns verstanden haben.
(Klopfen) Ja?
Hallo.
Du, meine Mutter... - Du warst in Kiel.
Hast diesen Mann identifiziert. - Ja.
Meine Mutter ist bis morgen Abend in Berlin. Kannst du kommen?
Nein, ich kann nicht. - Wieso nicht?
Wenn mich jemand sieht!
Du parkst um die Ecke. Wer soll dich sehen?
Na gut.
Ich muss sowieso mit dir reden. - Wie klingt das denn?
Michael muss von uns gewusst haben.
Ich durchschaue es zwar nicht ganz, aber irgendetwas stimmt nicht.
Micha ist tot, und der Mann, der ihn umgebracht hat auch.
Sina, wenn jemand hereinkommt!
Ist gut. Ich werde sehen, dass ich vorbeikommen kann.
Ich ruf vorher an, ja?
Tschüs. - Tschüs.
(Telefon)
Ja, Sina Wolf.
Ach, du bist es.
Ich hab doch gesagt, dass du kommen kannst.
Ja, ich bin allein. Hast du etwa Angst?
Nein, nein. Wieso Angst?
Wovor soll ich denn Angst haben?
Ich muss Schluss machen. Ungefähr in 1/2 Stunde.
Guck mal, wie schön die sind. - Ja.
Gehst du noch weg? - Wieso?
Weil du dein Weggeh-Gesicht hast. - Was redest du denn?
Vergiss es.
Ich habe mit Forkmann gesprochen, und wir gehen nach Lübeck.
Ach. Nun doch?
Ist ein Gymnasium für Knaben.
Ich habe auch mit Inge und Katrin gesprochen.
Die haben dich mal mit Sina gesehen, nicht wahr?
Ja, wahrscheinlich.
Ich habe das geschickt gemacht, sie lassen dich in Ruhe.
Danke.
Helmut.
Gib ihr nicht das Gefühl, nur ein Spielzeug gewesen zu sein.
(Musik)
Eierpflanze? - Hm?
Eierpflanze mit 9 Buchstaben.
Keine Ahnung.
Seinsweise als bloße Idee, eieiei.
Eierpflanze?
Männlicher Verwandter...
5...
Fichte.
Verwandter! - Da kommt Fichte.
Er stürzt ja zurück.
Warum versteckt er sich denn? - Tja, komisch.
Merkwürdig.
Die Eltern sind weggefahren, die Tochter empfängt ihren Lehrer.
Er muss ja nicht wissen, dass die Eltern weg sind.
Schön wohnt ihr hier.
Was möchtest du, einen Tee? - Nein, danke.
Du, ich mach einen tollen Tee.
Danke, ich hab keinen Durst.
Du darfst mich auch küssen, wenn du willst, wir sind ganz allein.
Hm?
Ich mach uns doch was zu trinken.
Geh schon mal in mein Zimmer, die 1. Tür links.
Das ist Plums.
Gefällt er dir? - Ja.
Sina... - Prost.
Prost.
Sina...
Meine Frau und ich werden versetzt.
Wohin?
Nach Lübeck.
Das ist doch nicht weit. Sogar günstiger, wenn einen keiner kennt.
Papa schenkt mir zum 18. Geburtstag einen Wagen, da bin ich schnell da.
Wann müsst ihr denn weg?
Nach den Herbstferien.
Aber das ist nicht das Entscheidende, Sina.
Was ist denn das Entscheidende?
Ich bin 15 Jahre älter als du.
Und außerdem verheiratet.
Das warst du bisher auch.
Ja.
Ja, sicher.
Hast du etwa Angst, dass ich, wenn du in Lübeck bist, dann...
Soll ich dir ewige Treue schwören?
Nein.
Kannst du nicht mal ernst sein?
Gut.
Ich liebe dich.
Dich und keinen anderen. Ob du hier lebst, in Lübeck oder sonst wo.
Und dass du 15 Jahre älter bist, habe ich noch nicht gemerkt.
Zufrieden?
Ja.
Du liebst mich doch auch?
Ja.
Ja, ich lieb dich auch.
Im Gesetzbuch heißt das Unzucht mit Abhängigen.
Nicht mehr lange.
Wenn du in Lübeck bist, bist du nicht mehr mein Lehrer.
Jetzt ist er schon seit 1,5 Stunden bei ihr.
Was machen wir, wenn er rauskommt?
Aubergine.
Eierpflanze.
Tatsächlich.
Glaube, wir werden sie getrennt vernehmen.
Sie meinen also, er hat was mit ihr?
Die Zeit...
Die Zeit ist gar nichts.
In 5 Jahren bin ich 22 und habe mein Vorexamen gemacht.
Denn ich bin intelligent und fleißig.
So?
Ja, etwa nicht?
In 6 Jahren bin ich Studienassessorin.
Hm?
Ja, ich will nämlich Lehrerin werden.
Und mit 25 bekomm ich ein Kind.
Und wenn ich Arbeiten korrigiere,
und die Kleine mir den Knopf von deinem Mantel bringt,
werde ich ihn nicht annähen. Damit musst du dich abfinden.
Knöpfe annähen will ich nicht. Trage also möglichst Pullis.
Im Sommer steht das kleine Mädchen im Garten und pflückt Gänseblümchen,
mit einer roten Schleife im Haar.
Du kommst aus der Schule und hast dich über Prof. Pfeifer geärgert.
Grund: Ihm passen deine modernen Erziehungsmethoden nicht.
Du siehst das Kind, und der halbe Ärger ist weg.
Du siehst mich an der Tür, und der ganze Ärger ist weg.
Und wenn ich mich in eine Schülerin verliebe?
Das war kein guter Einfall.
Du begehst einen großen Fehler, wenn du mich nicht ernst nimmst.
Aber ich nehm dich ernst.
Meine Eltern kommen erst morgen Abend zurück. Kommst du noch mal?
Sie gehen jetzt zu ihr rauf, ich fahr ihm nach.
Okay.
(Musik)
Es geht um den Mann, den Sie identifiziert haben.
Und die anderen Frauen ja auch.
Er war aber nicht in Deutschland, als Michael Harms getötet wurde.
Er war im Ausland, das geht aus Reiseunterlagen hervor.
D.h. der Mörder von Michael Harms läuft noch frei herum.
Wenn es so ist, wie Sie sagen, habe ich mich wohl getäuscht.
Ja. Ja, bestimmt.
Dann war er ihm sehr ähnlich.
Kommissar Finke meint, es könnte alles ganz anders gewesen sein.
Z.B. dass Sie den Mann gut kennen, der Michael Harms getötet hat.
Sie wissen, wer vorhin hier war, nicht?
Ja.
Und Sie wussten schon, als ich in Kiel war,
dass dieser Mann Michael nicht getötet haben konnte, ja?
Mhm, das wussten wir.
Wenn er gelebt hätte, hätten Sie ihn nicht wiedererkannt, oder?
Wieso?
Ich war sicher, dass er es war.
Haben Sie zu beiden,
zu Michael Harms und Ihrem Lehrer gleichzeitig...
Nein.
Es war mit Michael nur eine Kameradschaft.
Ja, wenn Sie es so nennen wollen. - Gut.
Dann will ich Sie nicht länger bei den Schularbeiten stören.
Ist das ein Zufall?
Nein.
Ich werde verfolgt?
Im Augenblick, ja.
Ich habe zugegeben Probleme, aber nicht krimineller Natur.
Wo waren Sie letzten Dienstag zwischen 15 und 16 Uhr?
Soll das ein Witz sein? - Nein.
Ich war zu Hause, habe Aufsätze korrigiert.
Allein? - Ja.
Gegen 17 Uhr fuhr ich in die Schule, ich hatte Sport mit der 9b.
Da kam meine Frau und sagte mir, was passiert ist.
Gab es Telefonanrufe, Besuche?
Ich glaube nicht.
Darf ich Sie auch was fragen? - Natürlich.
Ich dachte, der Mörder sei überführt bzw. tot.
Das dachten wir auch.
Aber der Mann, der in der Klinik in Kiel gestorben ist,
hat Michael Harms nicht getötet.
Aber Sina hat doch ausgesagt, dass dieser Mann...
Ja, das hat sie.
Warum sollte sie das sagen, wenn er es nicht war?
Ja, warum?
Jetzt begreif ich langsam, was Sie denken.
So?
Sie suchen ein neues Opfer. - Kein Opfer.
Den Täter.
Und ich bin verdächtig.
Welcher Art ist Ihr Verhältnis zu Sina Wolf?
Da Sie sowieso auf dieses Wort hinauswollen:
Wir sind intim. - Seit wann?
Seit etwa 1/2 Jahr.
Wenn Sie der Schulbehörde das mitteilen...
Ich bin nur meinem Dienstherren Rechenschaft schuldig, nicht Ihrem.
Moment, Herr Finke.
Sie glauben doch nicht, dass ich ihn umgebracht habe.
Ich glaube nicht, dass Menschen Menschen umbringen können.
Aber man wird immer wieder eines Besseren belehrt.
Sie können davon ausgehen, dass ich es nicht war.
Ich geh davon aus, dass es der tote Mann in Kiel nicht war.
Warum bleibst du nicht im Bett?
Dieser Kommissar glaubt, ich könnte einen Schüler erschlagen haben.
Womöglich aus Eifersucht.
Das ist nicht zu fassen.
Kann er Beweise haben?
Wie sollte er?
Hast du mit Sina gesprochen? - Ja, das ist jetzt nicht wichtig.
Vielleicht doch.
Ach, du glaubst auch, dass ich es war.
Wenn ich Schluss mache, dass sie mich dann belastet.
Es war ja nur ne Frage.
Du hast mir nicht gesagt, dass du es nicht warst.
Dann tu ich es jetzt.
Ich war es nicht.
Dann haben wir auch nichts zu befürchten.
Lass uns alles noch mal genau durchdenken.
Der Kommissar verdächtigt dich, aber du warst es nicht.
Sina hat gesagt, dass es dieser Sittlichkeitsverbrecher war.
Aber der war es auch nicht.
(Schulglocke)
Sina!
Ja?
Sina, ich möchte mal mit dir reden.
Vor allem möchte ich dir sagen, dass ich dir nicht böse bin.
Das freut mich. - Du mir hoffentlich auch nicht.
Warum sollte ich?
Hättest du nicht Lust, uns mal wieder zu besuchen, so wie früher?
Ich hätte nichts dagegen.
Sina, du musst wissen,
wenn du Hilfe brauchst,
wenn du wirklich nicht mehr weiter weißt,
wir beide sind immer für dich da, mein Mann und ich.
Ich muss jetzt in die Klasse.
Frau Dr. Fichte? - Ja.
Sie denken an die 8b. - Natürlich.
Nur, solange Fritschel krank ist. Die lassen immer noch keine Ruhe.
Guten Morgen, Frau Dr. Fichte.
Ah, guten Morgen.
Werden die Ermittlungen schon in die Schule getragen?
Es ist doch ein Schulproblem, oder meinen Sie nicht?
Ich möchte Sie bitten, meinen Mann nicht in Schwierigkeiten zu bringen.
Das hat er selbst besorgt, oder?
Weder mein Mann noch ich bestreiten, mit Sina befreundet zu sein.
Das ist auch schön. Nur haben wir den Mörder von Michael noch nicht.
Deswegen möchte ich Sina sprechen. Geht das jetzt?
Natürlich.
Ich schicke sie Ihnen raus. - Danke.
Ein Vulkan unterm Eis.
Was?
Ich meine nur so.
Weder mein Mann noch ich bestreiten, mit Sina befreundet zu sein.
Bewundernswert, diese Frau.
Aber falsch, oder?
Ich mach das allein.
Guten Tag. - Guten Tag.
Wie viel bedeutet Ihnen ein Menschenleben?
Viel.
Hat Michael gestört? - Wobei?
Bei der Liebe.
Herr Fichte hat ihn nicht getötet.
Wer denn? Mit wem waren Sie denn im Wald, als es passierte?
Mit Michael sind Sie nicht in den Wald gegangen.
Mit dem waren Sie nicht mehr befreundet. Nein.
Michael Harms kam, und Sie und Fichte kriegten es mit der Angst.
Es gab eine Auseinandersetzung, und dann hat Fichte... - Nein.
Ja, es kam ja der Mann im grünen Jägeranzug.
1,70 groß, untersetzt, kräftig.
Wenn der zur Tatzeit nicht woanders gewesen wäre,
würden wir es Ihnen glauben.
Sie schützen Fichte, weil Sie ihn lieben.
Ich liebe ihn, aber ich schütze ihn nicht.
Sina, diese ganze Geschichte gefällt dir doch selber nicht.
Sag, wie es war.
Es war so, wie ich es gesagt hab.
Dann kannst du jetzt wieder gehen.
Ja, du kannst gehen.
Die ist ja völlig abhängig von dem.
So ein nettes Mädchen. - Tja.
Und ausgerechnet ein Lehrer, der von der Verantwortung her...
Sehen Sie mich nicht so an.
Mir macht das auch keinen Spaß.
Wo wir in 2 Monaten ausziehen, machst du dir noch viel Arbeit.
Macht die Gewohnheit. Manchmal glaub ich auch noch nicht dran.
Polizei war wieder in der Schule wegen Sina.
Gehört, ja.
Die sollten sie endlich in Ruhe lassen.
Ich hab auch mit ihr gesprochen.
So? - Gibst du mal die Sahne?
Das war ziemlich merkwürdig, dieses Gespräch.
Ich dachte, es geht ihr nahe, wenn du ihr sagst, dass es zu Ende ist.
Aber nein.
Sie hat mich angeguckt, als wäre ich nicht richtig informiert.
Dabei wollt ich sie doch trösten.
Ich glaub, sie hat mich überhaupt nicht verstanden.
Du wirst ihr schon klarmachen, wie gut du es mit ihr meinst.
Sozialpsychologie war immer deine Stärke.
Sag mal...
Hältst du es für möglich,
dass Sina noch Beziehungen hatte zu anderen Männern?
Außer zu Michael und zu dir.
Zu Michael hatte sie keine Beziehungen.
Nein? - Nein.
Glaubst du das, weil sie das sagt? - Ja.
Warum war sie mit ihm im Wald? - Ich weiß es nicht.
Sie ist mir doch keine Rechenschaft schuldig.
Du hast gar nicht mit ihr gesprochen, nicht?
Du hast ihr nicht gesagt, dass ihr euch trennt, oder?
Es ging nicht.
(Tritt gegen einen Eimer)
Na los, fang schon an.
Du hast doch immer einen Spruch bereit.
Ich fress jetzt alles. Ich habe die Schnauze voll.
Beuge dich in Güte zu mir herab. Du brauchst es und ich auch.
Tschuldige.
Ich rufe sie an und sage, dass ich nicht komme. Es ist zu anstrengend.
Das darfst du ihr aber nicht sagen.
Musst ihr schon sagen, dass du sie wirklich lieb gehabt hast.
(Telefon)
Sina Wolf?
Ich bin es. - Ja?
Sina...
Ich kann nicht kommen.
Kommst du später? - Nein.
Ich komm gar nicht.
Du meinst, du kommst auch morgen nicht?
Und überhaupt nicht?
Die Polizei hat mich im Verdacht, Michael getötet zu haben.
Ich weiß nicht mehr, was ich glauben soll.
Auch dir glauben soll.
Du sollst mir glauben, dass ich dich liebe, über alles auf der Welt.
Ich hab dich auch lieb.
Aber alles spricht jetzt dafür, dass wir vernünftig sind.
Sina?
Ja.
Dass ich die Polizei am Hals hab, weil du mit Michael...
Überhaupt.
Ja.
Ich möchte nicht, dass du dich verstoßen fühlst.
Das alles war nicht vorhersehbar.
Nein.
Meine Frau hat großes Verständnis für dich. Und für mich.
Ja?
Sie reagiert ganz großartig.
Und ich glaube,
wenn wir uns zusammennehmen,
uns gegenseitig helfen,
dann schaffen wir es auch.
Sina?
Ja.
Du und ich...
Ich meine...
Das war doch nicht für die Ewigkeit. Das weißt du doch auch.
Warum sagst du nichts?
Ist gut.
Ich mein, ist sicher richtig, was du sagst.
Wir bleiben Freunde, ich bin sicher.
Aber eben wie früher so.
Das hat deine Frau mir schon gesagt.
Sei nicht traurig.
Bitte. - Nein.
Bis Montag.
Ja? - Ja.
War es schlimm? - Hm?
Nein.
Eigentlich nicht.
Und für dich? - Es geht.
Sie hat es mir nicht schwer gemacht.
Lass uns wegfahren.
Wir haben doch davon gesprochen, mal wegzufahren.
Da wussten wir vieles noch nicht.
Lass uns irgendwo schön essen gehen, hm?
Wenn du meinst.
(Telefon)
Ja?
Ist dort die größte Nutte aller Zeiten?
(Kichern)
Das machen wir jetzt öfters.
Sina?
Sina!
Vielleicht ist sie noch weg.
Sie hat gesagt, sie ist da, wenn wir kommen.
Sonst legt sie immer einen Zettel hin.
Vielleicht schläft sie schon. - Halb 10?
Harald, schau doch mal.
Was hat denn das zu bedeuten? - Tja.
Möchtest du noch?
Nein, danke. Einer muss ja fahren.
Wieso muss einer fahren?
Bleiben wir über Nacht hier. - Ich hab doch gar nichts mit.
Na und?
Harald!
Harald. - Was ist denn?
Du musst die Polizei rufen.
"Liebe Mama, lieber Papa!
Michael Harms hat gedroht, alles zwischen mir
und dem Mann, den ich liebe, zu zerstören.
Ich habe ihn getötet, aber es war umsonst.
Verzeiht mir. Eure Sina"
Ruf du die Polizei.
Das ist ein Mordgeständnis.
Wenn wir die Polizei rufen, und sie kommt wieder...
Schnell die Polizei.
War ne gute Idee, wegzufahren.
Den Tisch hat sie wahrscheinlich für Studienrat Fichte gedeckt.
Ich nehme an, er hat ihr gesagt, dass es keinen Sinn mehr hat.
Warum hat sie mir nichts davon gesagt?
Sie spricht doch mit mir über alles, sie hatte nie ein Geheimnis.
Das wäre doch keine Katastrophe gewesen.
Bei Bekannten ist sie nicht, wir haben überall angerufen.
Vielleicht im Wald?
Dort, wo Michael Harms...
Ja, die Ortspolizei soll kommen. Alles, was Beine hat.
Es war nur so ne Idee von mir.
Fahren wir noch mal zu Fichtes.
Irgendwann müssen die ja nach Hause kommen.
Muss ein mieser Typ gewesen sein, dieser Michael Harms.
Ja, ja, schon gut.
Hab das Gefühl, sie ist tot.
Ich auch.
So ein Bild von einem Mädchen. Wenn dir auf der Straße so was begegnet!
Ja, ja.
Das Idiotische ist, dass ich dem Fichte das nachfühlen kann.
Dass er mit ihr Schluss gemacht hat?
Nein, dass er sich mit ihr eingelassen hat.
Wenn er nicht verheiratet, nicht ihr Lehrer wäre,
hätte es ein schönes Paar gegeben. - Hör jetzt auf.
Sina Wolf ist verschwunden mit dem Revolver ihres Vaters.
Sie hat das Geständnis hinterlassen, Michael Harms getötet zu haben.
Mein Gott.
Wissen Sie, wo sie sein könnte?
Nein.
Doch.
Doch. - Nicht allein.
Doch, wenn es noch nicht zu spät ist.
Nein, wir fahren mit.
(Musik)
Das Boot ist weg.
Wo wollen Sie hin?
(Musik)
Sie ist kaputt.
Sie geht nicht.
Sie geht einfach nicht.
Ist ja gut.
Ist ja gut.
Ich war auch im Wasser, aber ich kann ja schwimmen.
Ich bin immer wieder zurückgeschwommen.
Das war ja auch ganz richtig so.
Komm.
(Musik)
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