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Die Frau, die Leonard Cohen inspirierte,
seine besten Songs zu schreiben, ist verstorben.
BBC NEWS 28. JULI 2016
"So Long, Marianne" und "Bird on a Wire" wurden vor Jahrzehnten
für Cohens Partnerin und Muse Marianne Ihlen geschrieben.
Sie hatten sich getrennt, doch als Marianne im Sterben lag,
kontaktierte Jan Christian Mollestad, ein Freund, Leonard Cohen.
Nach weniger als zwei Stunden traf eine Nachricht ein,
die Jan ihr vorlas.
"Liebste Marianne,
"ich gehe nur ein kleines Stück hinter dir,
"nah genug, dich an der Hand zu nehmen.
"Ich habe deine Liebe und Schönheit nie vergessen,
"aber das weißt du ja. Mehr muss ich nicht sagen.
"Nun, gute Reise, meine Liebe.
"Wir begegnen uns bald wieder.
"In endloser Liebe und Dankbarkeit, dein Leonard."
Das habe ich für Marianne geschrieben.
Ich hoffe, sie ist hier. Vielleicht ist sie hier.
Ich hoffe, sie ist hier. Marianne.
Der Song heißt "So Long, Marianne".
Eine Frau namens Marianne, die ich sehr gut kannte,
sagte zu mir, als ich es ihr zum ersten Mal vorsang...
Sie kommt aus Norwegen.
Sie sagte: "Zum Glück ist der Song nicht für mich."
Und ich: "Ach ja?"
Und sie: "Ja, denn mein Name ist Marian-ne."
Das ist Marianne, gefilmt auf der Insel Hydra Anfang der 60er Jahre.
SPRECHER: NICK BROOMFIELD
Sie sagte, der Song "So Long, Marianne"
hieß ursprünglich "Come on, Marianne"
und war nie ihr Lieblingssong.
Sie sagte, es sei eigentlich kein Abschiedssong gewesen,
doch er warf einen Schatten voraus
auf das Ende der Liebesbeziehung zwischen Marianne und Leonard.
Das ist der kleine Axel, Mariannes siebenjähriger Sohn.
Das sieht aus wie ein Hummer.
Er hat alle möglichen Öffnungen.
Wir schrieben die 60er Jahre. Es war die Zeit der freien Liebe,
auch die von Leonard und Marianne.
Ich war 20 Jahre jung, als ich nach Hydra kam
und Marianne kennenlernte.
Für kurze Zeit waren auch wir ein Paar.
Sie ermutigte mich, meinen Träumen zu folgen,
und spielte mir Leonards Songs vor.
Ihr Lächeln und ihr Enthusiasmus waren einzigartig,
und ich war wie berauscht von der Schönheit ihrer Beziehung.
Ich ging eines Tages einfach fort, ich hatte einen Preis
für eins meiner Bücher gewonnen.
SPRECHER: LEONARD COHEN
Ich habe Geld bekommen und bin in ein Flugzeug gestiegen.
Schließlich landete ich in Griechenland.
Ich stieg in ein Boot und sah diese Insel.
Sie war wunderschön.
In meiner Heimat liegt jedes Jahr sechs Monate lang Schnee.
Ich sah diese Insel und ihr Leuchten.
Ich stieg aus, lernte eine Frau kennen und blieb.
Es gab damals nur wenige Ausländer auf der Insel.
Die Johnstons waren allen bekannt.
DIE FAMILIE JOHNSTON
Sie waren älter. Sie taten das, was wir alle wollten:
schreiben und davon zu leben.
DIE JOHNSTONS HALFEN LEONARD ZU BEGINN SEINER KARRIERE
Es war eine wunderbare, interessante und freundliche Familie.
Sie half mir, mich einzugewöhnen.
Das machte ihn in Montreal zum Außenseiter.
LEONARD KOMMT IN WESTMOUNT, MONTREAL, ZUR WELT
Seine Reise in die Dunkelheit, die alle Menschen vermeiden.
SPRECHERIN: NANCY BACAL KINDHEITSFREUNDIN
Meine Mutter schrieb mir die furchtbarsten Dinge über ihn.
Er kannte die Dunkelheit, er kannte den täglichen Kampf.
Wir sollten alle einen Partner finden...
1960 NANCY & LEONARD AUF HYDRA
...und heiraten und in Westmount leben.
Alle blieben in Westmount.
Also gingen wir fort.
Wir hatten unsere eigene Lebensweise.
Wir fanden unser eigenes Leben,
aber unser Leben war synchronistisch.
Als ich zuerst nach Hydra kam...
SPRECHERIN: MARIANNE IHLEN
...war ich davongelaufen, weil ich zu Hause nicht klarkam.
Leonard war ebenfalls auf der Suche nach einem anderen Leben.
Wir waren beide Flüchtlinge.
Ich lief vor allem davon, dem ich mich eigentlich stellen musste.
Kriege ich einen Schluck?
Ich muss sie alle gleich machen.
Ich sah Leonard zum ersten Mal,
als ich mit meinem Korb im Laden stand.
Er stand in der Tür, das Sonnenlicht erleuchtete ihn von hinten.
Ich sah nur seine Silhouette.
Er sagte zu mir:
"Willst du dich zu uns setzen? Wir sitzen draußen."
Meine Augen sahen in seine Augen.
Ich spürte es in meinem ganzen Körper.
Es war unglaublich.
Das erste Jahr auf Hydra war toll, er schrieb und schrieb.
Ich machte die Einkäufe und brachte Lebensmittel.
Ich war seine griechische Muse, die zu seinen Füßen saß.
Er war der Kreative.
Unsere Tage waren geordnet.
Wir standen früh auf, frühstückten, und ich ging arbeiten.
Ich bekam belegte Brote gebracht.
Ich war auch auf Drogen, viel habe ich nicht gegessen,
und... so liefen die Tage ab.
Ich hatte eine Quote. Drei Seiten pro Tag.
Diese Jahre waren wunderbar.
Wir saßen und lagen in der Sonne, spazierten in der Sonne.
Wir hörten Musik, wir badeten.
Wir spielten, wir tranken und diskutierten.
Es wurde geschrieben, und wir liebten uns.
Es war absolut fantastisch.
Ich fühlte mich nie besonders hübsch.
Ich glaubte Leonard nicht, als er sagte:
"Du bist die schönste Frau, die ich je gesehen habe."
Ich fand mein Gesicht immer viel zu rund.
Ich sah oft nach unten.
Aber meine Haare waren von der Sonne gebleicht.
Ich war unglaublich blond in Griechenland.
Dünn, wenig Busen.
Zu meinem Leid.
Leonard war sehr attraktiv.
Aber das war ihm nie bewusst.
Wir hatten beide das gleiche Problem.
Wir sahen oft in den Spiegel, bevor wir ausgingen,
und fragten uns, wer wir heute sein würden.
Wir konnten sehr seltsam sein.
Sie war wunderschön.
Aber bevor sie Leonard kennenlernte...
SPRECHER: JAN CHRISTIAN MOLLESTAD
EIN FREUND VON MARIANNE
...hat sie ihr Aussehen und das Leben nicht wirklich genossen.
Sie war sicher, dass Leonard sie nicht nur wirklich sah,
sondern sie auch wirklich liebte.
Er gab ihr das Gefühl, schön zu sein.
AXEL JENSEN MARIANNES ERSTER MANN
Wenn man Marianne verstehen will,
muss man ihren ersten Mann, Axel, verstehen.
Axel konnte so wütend werden,
dass er Möbel aus dem Fenster auf die Straße warf.
Ich glaube nicht, dass er sie je geschlagen hat.
Aber er war gewalttätig.
Leonard trat in Mariannes Leben.
Er war Zeuge, wie ihre Beziehung zerbrach.
Leonard rettete ihr das Leben.
Er übernahm die Rolle des Helfers.
Er half mit dem kleinen Axel,
er half ihr mit der Sprache und mit praktischen Dingen.
Er war in vieler Hinsicht der Vater.
Der kleine Axel spricht immer noch von Leonards gutem Einfluss.
Er war ein sehr schlaues Kind.
SPRECHER: JEFFREY BROWN AXELS FREUND
Er war sehr ruhig, vielleicht sogar etwas schüchtern.
Axel und ich... Wir erkundeten die Berge,
suchten nach Fossilien.
Ich lebte dort, seit ich drei Monate alt war.
Wir liefen immer barfuß.
Dieses pudrige Gefühl. Getrocknetes Wasser auf Felsen.
Die ganze Insel ist wunderschön. Zu jeder Jahreszeit.
Und zu jeder Tages-und Nachtzeit.
Das frisch gebackene Brot...
HELLE GOLDMAN -MARIANNES FREUNDIN UND BIOGRAFIN
So was habe ich nirgendwo sonst erlebt.
Man spürt die Luft, besonders gegen Abend.
Sie ist wie Seide. Man ist in Seide und Samt gewickelt.
Es herrschte eine solche Freiheit, dass die Leute damit zu weit gingen.
Diese Gefahr drohte allen Menschen dort.
Ich war fasziniert von der Schönheit der Insel
und hatte noch nie so viele von der Sonne geküsste Menschen gesehen.
Alle hatten so viel Spaß zusammen.
Ich hatte das Gefühl, alles sei möglich.
Marianne gab mir mein erstes LSD,
angeblich von einem Freund von Leonard aus London, Malcolm,
und am Morgen danach machte sie diese Fotos von mir.
Ich hatte nicht vor, abzureisen,
doch dann tauchte einer von Mariannes anderen Liebhabern auf,
also nahm ich das nächste Boot nach Athen.
Meine Liebe für Hydra ist jedoch dieselbe geblieben.
Ich schlug meinem besten Freund Rick vor,
dort eine Auszeit von seiner Karriere als Journalist zu nehmen.
Rick wollte zwei Wochen dort verbringen und blieb 14 Jahre lang.
Ich kam nach Hydra, auf deine Empfehlung hin.
RICHARD VICK SCHRIFTSTELLER UND DICHTER
Ich spürte sofort eine enorme Erleichterung.
Es war die Kombination aus der Schönheit der Landschaft,
der Einfachheit
und der Authentizität des Lebens auf der Insel.
Es war eine kleine Gruppe von Künstlern.
Wir waren alle vor irgendetwas geflohen,
und damals konnte man so billig leben.
Leonard hatte auch nicht viel Geld.
Es gab ein ungeschriebenes Gesetz, zumindest kurz nach meiner Ankunft.
Sah man jemanden wie Leonard an einem Tisch sitzen,
ging man nicht davon aus, dass man sich dazusetzen konnte.
Sie waren hier, um allein zu sein und allein zu bleiben.
Sie haben geschrieben.
Leonard wollte einen Teil des Jahres in Montreal verbringen,
um das wahre Leben zu sehen und sich inspirieren zu lassen.
Leonard war sehr verletzlich in seiner Kreativität.
Ich war immer auf der Flucht.
Auch wenn die Situation gut aussah,
bin ich geflohen, weil sie für mich nicht gut aussah.
Ich führte ein egoistisches Leben...
Aber damals kam es mir nicht so vor.
Es war eine Frage des Überlebens.
Ich schätze, die Kinder haben gelitten...
...und alle, die mir nahestanden, weil ich immer geflohen bin.
Ich habe immer versucht zu entkommen.
LEONARD LEBTE AUF HYDRA UND IN MONTREAL
Mein Freund Irving Layton hat mich sehr ermutigt,
seine Art hat mich beeinflusst.
Wenn er mich fragte, was ich gerade tue, fragte er immer:
"Leonard, bist du sicher, dass du das Falsche tust?"
Das schien mir logisch, es schien mir die richtige Frage.
Cohen ist besorgt über meine Einstellung zur Öffentlichkeit.
1964 LEONARD PROMOTET "BLUMEN FÜR HITLER"
Stimmt das? Oder haben Sie andere Sorgen?
Wenn ich morgens aufwache...
LEONARD WAR SCHRIFTSTELLER, BEVOR ER SÄNGER WURDE
...ist meine einzige Sorge, in welchem Zustand ich bin.
Warum hat Leonard Irving so bewundert?
Er liebte seinen Intellekt, seine Fantasie,
und Irving war für ihn als Dichter eine wahre Erleuchtung.
Als ich Leonard zum ersten Mal sah,
sagte Irving: "Ich lade den Jungen zu uns ein."
AVIVA LAYTON, 20 JAHRE MIT IRVING LAYTON VERHEIRATET
Er war 19 oder 20. Ich fragte: "Wer ist das?"
Und er: "Er ist eine wahre Erleuchtung."
Der eine sagte das jeweils über den anderen.
Sie hatten auch eine starke jüdische Bindung.
Das war Irving sehr wichtig,
und bei Leonard war es genauso.
Leonard war ein aristokratischer Jude.
Leonard kam aus einer wohlhabenden Familie,
die in der kanadischen Kultur tief verwurzelt war.
Er kam aus einer sehr gebildeten Familie.
Leonards Vater habe ich nie kennengelernt.
Er starb, als Leonard noch klein war.
Seine Mutter, Masha, war total durchgeknallt.
So richtig verrückt.
Sie hatte eine Schwäche für Irving.
Es würde mich nicht überraschen, und Leonard und ich lachten darüber,
wenn Irving und Masha miteinander geschlafen hätten.
Irving hat mit allen geschlafen.
Warum nicht mit Leonards Mutter?
Sie fand Irving sehr attraktiv.
Und sie war eine wunderschöne Frau.
Aber völlig verrückt.
Gute Schriftsteller brauchen eine verrückte Ödipus-Mutterfigur.
Wenn dem so war, dann übernahm sie diese Rolle.
MASHA COHEN LEONARDS MUTTER
Ich weiß, dass ich meine Liebe zur Musik von meiner Mutter habe.
Sie hatte eine tolle Stimme.
Sie war Russin, und sie sang oft bei uns zu Hause.
Ihre Lieder haben mich schon früh sehr berührt.
Das war ein wichtiger Einfluss.
Sie hat mit uns gesungen.
Ich traf Freunde in Restaurants und nahm meine Gitarre mit.
Meine Mutter kam mit, wir sangen oft die ganze Nacht hindurch.
Wir haben Spaß!
Wir gewinnen! Wir gewinnen den ewigen Kampf!
Die Party geht weiter!
Die Party geht weiter!
Er liebte Frauen, keine Frage.
Aber er musste sein eigener Mensch bleiben.
Er liebte Frauen aus der Entfernung.
Und er liebte sie auf seine eigene Art.
Bei ihm fühlten sich die Frauen wohl in ihrer eigenen Haut.
Auf diese Art hat er sie geliebt.
Auf die Art hat er sie geliebt.
Aber er konnte sich ihnen nicht wirklich öffnen,
denn er konnte sich nicht hingeben.
Ich war nicht zufrieden mit meinem Leben.
Ich wusste nicht, was tun.
Ich war die Einzige, die nicht malte, schrieb, Skulpturen anfertigte.
Alle waren künstlerisch tätig.
Viele Leute kamen nach Hydra.
Jacqueline Kennedy war dort.
Prinzessin Margaret war dort.
Was konnte ich schon sagen?
Schließlich sagte ich:
"Ich bin Künstlerin. Das Leben ist eine Kunst. Ich lebe."
Nicht besonders originell.
Ich sah nicht viel Gutes in mir.
Das ist schade.
Marianne unterstützte Leonard,
während er auf Hydra seinen letzten Roman schrieb,
Beautiful Losers.
BEAUTIFUL LOSERS 1966 VERÖFFENTLICHT
Ich habe viele Bücher und Songs dort geschrieben.
Mein Roman Beautiful Losers,
aber ich konnte die Miete nicht bezahlen.
Oh ja, er war damals ziemlich verrückt.
Nur ein Verrückter hätte Beautiful Losers schreiben können.
SPRECHERIN: AVIVA LAYTON
Die reine halluzinogene Verrücktheit.
Er saß draußen in der heißen griechischen Sonne,
Marianne bereitete Körbe mit Essen und Trinken zu
und brachte sie ihm vorbei.
Er schrieb das Buch wie im Fieber.
Das wäre nirgendwo anders möglich gewesen
als damals auf dieser Insel.
Leonard hatte schon immer LSD genommen.
SPRECHER: RICHARD VICK
Es gab ihm einen extra Kick.
Er nahm es aber nicht, um vor sich selbst zu fliehen.
Es gehörte zu seiner spirituellen Suche.
Nur so konnte er seiner Verrücktheit nachgeben,
und das wäre nirgendwo anders möglich gewesen.
Er saß auf der Terrasse in der Sonne und nahm LSD und Speed.
Marianne sagte immer...
Sie kehrte nicht direkt die Scherben zusammen,
aber sie trug den Mann, der in der Welt von Beautiful Losers verweilte
und Tag für Tag diese außergewöhnlichen Zeilen schrieb.
In der Sonne, verrückt, wie er war.
Wenn etwas wirklich meine Aufmerksamkeit verdient,
muss ich endlos viele Versionen anfertigen,
ich bringe alles ein, was ich habe, ich versuche alles.
Ich ignoriere es, ich gehe es an,
ich werde high.
Ich versuche es mit Drogen, ich versuche es nüchtern.
Alle Versionen meines Wesens, die ich rufen kann,
werden gerufen und nehmen an der Arbeit teil.
DANACH ERLITT LEONARD EINEN NERVENZUSAMMENBRUCH
Ich versuche alles, gebe alles.
Beautiful Losers kam heraus und wurde kaum gelesen.
Ich habe nichts davon verstanden.
Viele Intellektuelle versuchten es zu lesen und zu verstehen.
Aber auch sie waren verwirrt.
Doch hören Sie, was die Kritiker über sein neuestes Buch sagen.
"Ich habe Cohens neuen Roman Beautiful Losers gelesen
"und musste meinen Geist auswaschen."
"Eins der ekelhaftesten kanadischen Bücher aller Zeiten."
"Verbale Masturbation."
Nach Beautiful Losers wollte ich zur Musikbranche wechseln.
Ich verdiente nicht genug als Schriftsteller.
Es war schwer, die Menschen zu unterstützen
und die hungrigen Mäuler zu stopfen, denen ich verpflichtet war.
Also kam ich nach Amerika zurück.
Ich hatte keine Ahnung, was sich in der New Yorker Szene getan hatte.
Ich hatte noch nie von Phil Ochs oder Dylan oder Joan Baez gehört.
Leonard hat mich gefunden,
er kam zu mir nach Hause.
Er kam rein, und wir tranken eine Tasse Kaffee.
Ich fragte: "Und?", und er sagte: "Ich kann nicht singen."
"Gitarre spielen kann ich auch nicht. Und das ist kein Song."
Und dann spielte er...
Und ich: "Leonard, das ist ein Song!
Das ist ein Song, und den nehmen wir sofort auf!"
Er und ich...
Natürlich nahm ich ihn sofort auf.
Wir wurden Freunde.
Er machte deutlich, dass er nie in der Öffentlichkeit singen würde.
Ein Jahr später war Suzanne ein großer Hit.
Ich machte einen Fundraiser in New York
und sagte: "Du kommst mit.
"Ich stelle dich auf die Bühne, und du singst Suzanne.
"Alle wollen diesen Song von dir hören."
Er sagte: "Nein. Ich habe eine schreckliche Stimme."
Ich: "Deine Stimme ist nicht schrecklich."
Also kam er auf die Bühne und stellte sich in die Mitte.
1967 LEONARDS ERSTE AUFFÜHRUNG
Er begann mit dem Song, und ich wusste, wie er zitterte,
ich hatte seine Hände an der Gitarre gesehen.
Mitten im Song brach er zusammen, begann zu schluchzen
und ging von der Bühne.
Er starb vor Angst.
Er hatte einen echten Anfall von Lampenfieber.
Er ging von der Bühne, und ich sagte: "Leonard, das geht so nicht.
"Du musst wieder auf die Bühne. Ich komme mit.
"Wir singen den Song zusammen." Schließlich sagte er: "Okay."
Das Publikum war inzwischen wie wild am Klatschen,
es hatte einen Vorgeschmack bekommen.
Sie hatten ihn gehört. Sie wussten Bescheid.
Wir gingen raus, er sang den Song,
und als wir fertig waren, war er konvertiert.
Er stand im Bann seines eigenen magischen Einflusses.
Ich stelle vor: Mister Leonard Cohen.
Es war einer der wichtigsten Augenblicke in unserem Leben.
Und das war ja nur der Anfang.
Columbia nahm ihn unter Vertrag, und das blieb sein Label.
Er reiste oft über den großen Kanal.
Um sich inspirieren zu lassen und...
...um wieder unglücklicher zu werden.
Wir konnten es uns nicht leisten, alle zusammen zu reisen.
Also war ich oft allein auf Hydra.
Ich kam an einen Punkt, wo ich nicht mehr allein sein wollte.
Ich war traurig.
Bald bekam ich ein Telegramm.
"Habe ein Haus.
"Brauche nur noch meine Frau und ihren Sohn.
"Alles Liebe, Leonard."
Und das war's.
Ich ging zu ihm.
Ich weiß noch, wie sie am Flughafen ankam.
Sie hatte in jeder Hand zwei schwere Koffer.
Sie konnte nicht winken, weil die Koffer zu schwer waren,
und sie wollte sie nicht abstellen.
Also winkte sie mit dem Fuß.
Das weiß ich noch ganz genau.
Ja, das war ein Riesenfehler.
Er machte diese Riesengeste...
Die berühmte Geste: "Ich will meine Frau."
So war Leonard eben.
"Ich will, dass meine Frau und ihr Kind nach Montreal kommen."
Es war eine wunderbare Sache.
Aber sobald er es gesagt hatte, hat er es nicht mehr gebraucht.
Er musste es nur aussprechen.
Und Marianne, die ihn sehr geliebt hat,
kam und brachte den kleinen Axel mit.
Wir nannten ihn immer den kleinen Axel.
Und es war ein Desaster.
Es war eine sehr unglückliche Zeit.
Axel kam oft zu uns.
Er nahm einen Stift in die Hand
und schrieb seinen Namen auf sämtliche Wände unserer Wohnung.
"Axel, Axel, Axel."
Es war eine sehr unglückliche Zeit.
Dichter sind keine guten Ehemänner.
Kennen Sie einen Dichter, der ein supertoller Ehemann ist?
Oder einen Filmemacher?
Oder einen Künstler?
Nein, man kann sie nicht besitzen.
Man kann nicht das kleinste Stück von ihnen besitzen.
Sie sind schwer zu fassende Kreaturen,
die mit... mit ihrer Muse verheiratet sind.
Das hört sich bombastisch an, aber es stimmt.
Die Ironie dabei ist, dass ein solcher Mann
ein Mann ist, den alle Frauen haben wollen.
Und nicht haben können.
Marianne kam zu mir und sagte:
SPRECHERIN: JUDY COLLINS
"Wir waren sehr glücklich auf Hydra.
"Wir liefen am Strand spazieren und schwammen nackt im Meer
"und tranken Retsina, und wir waren sehr glücklich.
"Bis er eines Tages kam und sagte:
"'Marianne, ich gehe nach New York und singe für Judy Collins,'
"und du hast seine Songs aufgenommen.
"Du hast mein Leben ruiniert."
Ihr Traumleben auf Hydra kam zu einem abrupten Ende,
als Leonard sein Talent als Sänger entdeckte.
Dieses Foto von Marianne habe ich im Herbst 1968 aufgenommen,
als sie nach Großbritannien kam und mich anrief.
Sie war hierher, um den kleinen Axel im Internat abzugeben.
Wir brachten ihn nach Summerhill in Suffolk,
der Schule von AS Neill, wo die Schüler
nicht zum Unterricht gehen mussten,
wenn sie nicht wollten.
Axel war acht, und er war sehr traurig, als wir abfuhren.
Axel schrieb fast jeden Tag an Marianne.
DU FEHLST MIR SO
ICH HAB DICH LIEB
WANN KOMMST DU? HOFFENTLICH BALD.
DU FEHLST MIR SO
MARIANNE IHLEN HYDRA, GRIECHENLAND
HAB DICH LIEB
Marianne weinte ebenfalls,
war aber überzeugt, es sei das Beste für ihn,
da sie so viel unterwegs war.
Marianne kam eine Weile bei mir unter,
in einem unattraktiven besetzten Haus in Kentish Town,
wo sie dieses Foto machte.
FREIHEIT
Sie zeigte mir die Welt der Protestbewegungen,
der Künstler, die durch ihre Kunst Unglaubliches erreichten.
OSTERMARSCH
Sie kannte Julie Felix, die Sängerin,
eine alte Freundin von ihr und Leonard.
Julie war ihre Muse und ermutigte sie,
zum ersten Mal auch eigene Songs zu schreiben.
Julie hatte Leonard auf Hydra kennengelernt,
noch vor ihrer Sängerkarriere.
Ich bin stolz und glücklich, ihn hier zu haben
und ihn dem englischen Publikum vorzustellen.
Hier ist der Schriftsteller, der Dichter, der Songwriter...
Er ist ein Freund, aber er sagt, in diesem Song ist er ein Fremder.
Meine Damen und Herren: Leonard Cohen.
Leonard war immer auf der Suche.
Er fühlte sich nirgendwo zugehörig.
Das galt auch für Beziehungen.
Mit Marianne war er am längsten zusammen,
aber danach hatte er eine Beziehung nach der anderen.
Am Ende des Songs hatte er eine Träne im Auge.
Er war ein emotionaler Mann.
Sie hatten damals bereits Probleme.
Marianne und ich verbrachten viel Zeit miteinander.
Wir standen uns sehr nahe.
Wir unternahmen einige Reisen zusammen.
Sie war die Muse und sagte: "Warum schreibst du nicht?"
Der erste Song, den ich schrieb, war Windy Morning, ein Song,
den sie mir schreiben half.
Sie war eine tolle Muse, nicht wahr?
Absolut. Absolut.
Ich glaube, Leonard wusste das zu schätzen.
Er sprach immer als Muse von ihr...
...wenn er von ihr sprach.
Sie hat ihn und Sie immer bestärkt.
Ja. Und sie war sehr fürsorglich.
Ja, das war... die Frauenpower.
Die Fähigkeit zur Fürsorge und Liebe und Bestärkung.
Die Welt braucht mehr davon.
Deshalb ist es gut, dass die Frauen endlich mehr zu sagen haben.
Mit all dem... Die Zeit ist reif.
Leonard war ein echter...
Er war ein Feminist.
Er sagte einmal zu mir, als wir etwas diskutierten:
"Ich hoffe, die Frauen übernehmen bald."
Das war nett, das von ihm zu hören.
Leonards Bilder kamen von den Dichtern,
von Shakespeare, von Keats, von Marlowe.
Bestimmte Zeilen in seinem Gitarrenspiel...
JOHN SIMON PRODUZIERTE SONGS OF LEONARD COHEN
...die ich bereichern konnte.
Ich wollte das nicht mit Instrumenten tun,
sondern mit weiblichen Stimmen,
da es in seinen Texten so oft um seine Beziehung mit Frauen ging.
Die Frauen waren sehr präsent in seinen Songs,
obwohl er ein Mann war.
Meine damalige Freundin hatte eine schöne Sopranstimme,
und wir begannen damit zu spielen:
"Singst du das zu Leonards Song? Was meinst du?"
Manches davon hörte sich toll an.
Können Sie das nachsingen?
Ich bin kein Sänger. Sie sang:
Sie fügte oben ein "anne" hinzu.
Sie sang nach, was er sang, aber es gab dem Ganzen sozusagen...
Es gab ihm den Schliff.
Der Song enthält Elemente unseres Lebens.
Es gibt bestimmte Zeilen...
"Fine spider-web fastening my ankle to a stone,"
die mich an etwas erinnern, das er mir erzählte.
Es war bei seiner Platten-Release-Party.
Alles drehte sich um Leonard.
Da zog er sich ins oberste Stockwerk seiner Wohnung zurück.
Auf die Dachterrasse.
Er brauchte einfach Raum,
und er erzählte mir ganz ernsthaft:
"Wenn das dazugehört, halte ich das nicht lange aus."
Als ich Cohen zum ersten Mal begegnete...
RON CORNELIUS GITARRIST
...machte er mir splitterfasernackt die Türe auf.
Ok? Ich mit meinem Hintergrund...
Für mich war das ziemlich seltsam.
Später dann, als ich viel mehr mit Leonard zu tun hatte
und wir jahrelang zusammengearbeitet hatten...
Im Nachhinein...
Wenn ich ihn damals schon gekannt hätte,
wäre mir das nicht komisch vorgekommen.
Solange ich Leonard kannte,
war er sich seines Körpers immer sehr bewusst.
Leonard sagte oft,
wenn wir auf Tournee und in einem Hotel waren:
"Zieh deine Kleider aus.
"Du kommst immer wieder an einem Spiegel vorbei, oder?
"Wenn du an einem Spiegel vorbeikommst,
"wird dir der Kleine auffallen:
'"He, ich muss dringend Sit-ups machen.'"
Leonard ist ständig geschwommen.
In jedem Hotel.
Wenn es einen Pool gab, ist er geschwommen.
Er stand früh auf, damit er niemandem begegnete.
Er zog um fünf Uhr morgens seine Bahnen.
Wenn er nackt schwimmen durfte, machte er das auch.
Ich weiß nicht warum. So war er eben.
Sie schrieben einen Song mit ihm?
RON CORNELIUS AUF TOURNEE
Ja. Chelsea Hotel.
Wir stiegen in LaGuardia in ein Flugzeug,
und ich und Leonard saßen da und arbeiteten an dem Song.
Ich wusste damals nicht, wen er mit seinen Songs ansprach.
Später stellte sich heraus, dass es um Janis Joplin ging.
Der Text geht folgendermaßen:
"I remember you well at the Chelsea Hotel
"Talking so brave and so sweet
"Giving me head on the unmade bed
"While the limousines wait in the street"
Der Teil ist noch vorhanden.
Die zweite Strophe aber kennt keiner:
"I remember you well at the Chelsea Hotel
"In the winter of 1967
"My friends of that year, they were all turning queer
"And me, I was just getting even"
Ich zog nach New York, um bei Leonard zu sein.
Sein Leben spielte sich zwischen uns und dem Chelsea Hotel ab.
Er nahm mich mit zu einem Konzert mit der fantastischen Janis Joplin.
Ich ging nach dem Konzert nicht mit ihnen mit.
Leonard hat diesen Teil seines Lebens geheimgehalten.
Ich war ihm dankbar dafür.
Ich hatte damit nichts am Hut.
Was immer er getan hat, wenn er in New York war,
ob ich dort war oder auf Hydra,
hat er mit mir nie geteilt.
Es war eine schwere Zeit.
Leonard hatte damals einige Erfahrungen mit Janis Joplin,
all diese Dinge,
und Marianne lebte allein in ihrer Wohnung mit Axel.
Das muss alles sehr... seltsam gewesen sein.
Aber sie war immer noch seine Muse.
Das Interessante war,
sie hat mir die Telegramme von Leonard vorgelesen.
Zuerst waren die Telegramme an...
..."Marianne Cohen" adressiert.
Als wären sie verheiratet gewesen.
Es kamen Telegramme nach Hydra, nach London und nach New York.
Zuerst, als sie noch ein Paar waren,
aber das Schöne war, auch als sie nicht mehr zusammen waren,
schickte er weiterhin Geld.
Er fragte weiterhin, wie es Axel ging.
Und so schickte er weiter seine kleinen...
...Liebesbriefe, auch als sie nicht mehr zusammen waren.
RON UND LEONARD AUF TOURNEE
Leonard sagte, er litt unter Depressionen,
gegen die er jahrelang angekämpft hatte.
Leonard beschloss, es wäre eine gute Sache für uns,
in London in der Royal Albert Hall zu spielen.
"Da wir drei oder vier Tage dort sind,
"warum spielen wir nicht in einer psychiatrischen Klinik?"
Davon war ich natürlich wenig begeistert.
Ich hatte nicht vor, in so einer...
Ich machte da nicht mit. Auf keinen Fall.
Er sagte: "Mach nur das eine Mal mit.
"Wenn du das eine Mal mitkommst
"und dann in keiner Klinik mehr spielen willst,
"musst du auch nicht." Ok?
Also gut. Ich bin mitgegangen. Und ich sage Ihnen was.
Als der Abend vorbei war,
war ich von dieser Idee voll angetan.
Wir gaben viele solcher Konzerte.
HENDERSON-PSYCHIATRIE
Er hatte einen Großvater,
der in so einer Anstalt gestorben war.
Es gab verschiedene Gründe, warum wir in Kliniken spielten.
LEONARDS MUTTER WURDE MIT DEPRESSIONEN EINGEWIESEN
Wenn man für jemanden spielt, der sich besiegt fühlt...
...und ich hatte das Gefühl, dass Elemente davon
zu Elementen in meinen Songs passten,
und dass darin eine gewisse Empathie lag.
Ich habe Empathie, wenn es um solche Erfahrungen geht.
Als ich erzählte, dass ich hier spielen würde, hieß es:
"Das sind ganz schön harte Nüsse."
In dem Song geht es um eine Frau,
mit der ich acht Jahre zusammengelebt habe.
Sie hieß Marianne.
Und...
Ich habe immer ein halbes Jahr bei ihr verbracht,
und dann das nächste halbe Jahr an einem anderen Ort.
Irgendwann lebte ich nur noch vier Monate im Jahr bei ihr.
Dann zwei Monate im Jahr.
Im achten Jahr war ich nur zwei Wochen lang bei ihr.
Es war an der Zeit, diesen Song für sie zu schreiben.
Ich sehe sie immer noch. Ein paar Tage im Jahr.
Das war ein Moment im Leben, den ich nie mehr vergessen habe.
Einer von diesen Typen stand auf und fing an zu schreien.
"He, hört auf. Stopp. Hört auf..."
Wir als Musiker hatten ja schon viele Auftritte hinter uns,
also haben wir einfach weitergemacht.
Aber dieser Typ hat uns weiter unterbrochen.
Bis Leonard schließlich sagte: "Na gut. Rede."
Und der Typ: "Hört zu..." Er sagte: "Ihr kommt hierher.
"Ihr habt eure glänzenden Gitarren
"und eure hübschen Frauen,
"die mit euch singen, und so weiter.
"Ich will wissen, was ihr wirklich von mir haltet.
"Das will ich wissen.
"Ich will wissen, was ihr von mir haltet."
Man hätte eine Stecknadel fallen hören.
Und Leonard ging an mir und Charlie vorbei,
die Treppe runter, direkt in die Menge hinein,
und er nahm den Typ in den Arm, und zwar ganz fest.
Er hätte ihm fast die Rippen gebrochen.
Ich wollte ihn in einen Käfig sperren,
abschließen und den Schlüssel verschlucken.
Alle wollten ein Stück von ihm.
Die Leute liebten ihn, weil er unterhaltsam und einfühlsam war.
So ist das eben, wenn man sich
für einen starken, dunklen, attraktiven Mann entscheidet.
Alle Frauen waren scharf auf ihn.
Es hat mir sehr wehgetan. Es hat mich zerstört.
Ich hätte mich deswegen beinahe umgebracht.
Ich wollte sterben.
-Sie singen nicht mehr? -Wie bitte?
-Wenn wir nach Genf gehen. -Nein, ich meine jetzt.
-Jetzt? Nein. Warum... -Jetzt. Heute Abend.
-Würden Sie gerne zuhören? -Ja.
Ich hatte es nicht vor.
Sie haben keinen Raum?
Nein, ich habe keinen Raum. Haben Sie einen?
Ja. Und wie.
Ok.
Nicht einfach, vor laufender Kamera eine Frau anzubaggern.
Was?
Es gab Zeiten in meinem Leben,
da war ich besessen von Frauen...
Das ging über jede Vernunft hinaus.
Es war das Einzige in meinem Leben, was zählte,
und es führte zu sehr obsessivem Verhalten
und zu vielen interessanten Erlebnissen.
Ich habe in der Zeit viel über mich selbst
und über andere Menschen gelernt,
in dieser Zeit der obsessiven...
Es war, als würde ich einen Porno drehen.
Aber Pornos haben nichts Romantisches.
Es waren mehr Frauen im Publikum als Männer.
Wir sahen auch einige Pärchen,
aber es waren hauptsächlich Frauen da.
Sie hatten seine Gedichte gelesen.
Und dann hörten sie ihn singen.
Sie standen alle da unten, weinten, verschlangen ihn mit ihren Blicken.
Es gab kein Problem mit Frauen.
Es gibt eine lustige Geschichte.
Eines Tages saß ich in der Lobby des Mayfair Hotels,
und er war eben aus einem Taxi gestiegen,
mit einer hübschen Frau im Arm.
Die beiden verschwanden.
Zwei Stunden später waren sie unten und tranken in der Lobby.
Dort gab es eine Bar.
Sie verabschiedete sich,
und er tätigte einen Anruf.
Eine halbe Stunde später kam er mit einer anderen Frau zurück.
Und sie gingen nach oben.
Das war nur ein einziger Nachmittag.
Hallo. Wie geht's?
Er musste ständig eine Frau haben.
Er war viel gereist und kannte Frauen und Menschen
in Paris und London und an vielen anderen Orten.
Er sagte dauernd: "Ich rufe eine Freundin an."
Ja, in der Beziehung gab es keine Probleme.
Wir waren alle ziemlich erfolgreich. Sogar ich.
Oh ja.
1970 AIX-EN-PROVENCE, FRANKREICH
Ich hatte großen Appetit auf weibliche Gesellschaft
und auf die sexuelle Seite der Freundschaft.
Ich hatte Glück, dass diese Möglichkeit
in den 60er Jahren so präsent war.
Für einen kurzen Augenblick in der Geschichte unserer Gesellschaft
gab es eine wunderbare Kooperation zwischen Männern und Frauen,
was diese Sache angeht.
Ich hatte großes Glück,
dass mein Appetit in die Zeit dieses seltenen...
...religiösen, gesellschaftlichen, oder wie man das nennen mag,
Phänomens fiel.
Es war uns jungen Männern und Frauen möglich,
auf eine Art zusammenzukommen, die diesen Appetit stillte.
Ich hatte viel mehr das Gefühl, Bird on the Wire
hatte etwas mit mir zu tun, denn ich war dabei.
Wenn man bedenkt, wie das alles begann,
nämlich als Hydra einen Stromanschluss bekam.
Ich schenkte ihm eine Gitarre. Wir sahen aus dem Fenster
und sahen die Vögel auf den Leitungen landen.
Er hatte seit Wochen weder geschrieben noch gesungen
oder etwas Kreatives getan.
Er steckte in einer tiefen Depression.
Das war auch eine Zeit in meinem Leben, in der ich...
...eine schwere Entscheidung treffen musste.
Ich folgte meiner Intuition und beschloss,
Leonard und ich würden keine gemeinsamen Kinder haben.
Marianne besuchte mich in Cardiff,
wo ich studierte und bei den Docks lebte.
Ich dachte, es würde ihr langweilig werden,
aber Marianne hatte ein natürliches Interesse für Menschen.
Aufgeschlossenheit und Offenheit waren ihr das Wichtigste.
Sie freundete sich mit den Kindern auf der Straße an,
die ihr den ganzen Tag hinterherliefen,
und ermutigte mich, einen Film über die Slumsanierung zu drehen,
da das ganze Stadtviertel abgerissen wurde.
Marianne befragte täglich das I Ging und rauchte Marihuana.
Sie sprach viel über Leonard.
Über seinen Lieblings- Sandwich-Laden in Piccadilly,
seine spirituelle Suche,
seine Annäherung an Scientology und EST.
Marianne war auch auf der Suche nach einem spirituellen Pfad,
und Leonard war in vieler Hinsicht ihr Lehrer.
Eines Tages bat sie mich, sie nach Bath zu bringen.
Sie sagte, sie sei schwanger von Leonard.
Sie war schwanger von Cohen.
Sie wusste, Leonard wollte keine Kinder,
also hat sie abgetrieben, auch wenn sie...
Wenn irgendjemand ein Kind mit Leonard hätte haben sollen,
wäre sie diejenige gewesen.
Aber sie hat für Leonard abgetrieben.
Aber sie wollte, was ich wollte.
Sie wollte...
Sie wollte mit ihm zusammen sein,
aber man kann nicht mit Leonard zusammen sein.
Nicht auf diese Art.
Aber man könnte sagen, lieber eine Nacht mit Leonard
als ein Leben mit jemand anderem.
Das sagt sich leicht, ist aber gar nicht leicht.
Das hätte ich auch mit Irving sagen können.
Ich war über 20 Jahre mit Irving zusammen.
Es war ein ständiges Auf und Ab, und egal, wie wunderbar es war,
und das war es durchaus... die meiste Zeit war es eine Qual.
-Eine Qual? -Na ja...
Es war die Zeit der offenen Ehe,
was immer das sein sollte.
Ich glaube nicht, dass das jemals erfolgreich war.
Ein Partner war immer eifersüchtig und wütend und verletzt.
Die Kinder aus der Zeit haben besonders gelitten.
AXEL AUF HYDRA
Wir wollten alles, Drogen, Sex, tun, was wir wollten...
Die Kinder mussten das alles mitansehen.
Dabei wollten sie das gar nicht.
Viele von uns auf der Insel sind früh erwachsen geworden.
SPRECHER: JEFFREY BROWN
Es war viel LSD im Umlauf.
Die Leute mischten anderen Leuten LSD ins Getränk,
und ich hörte Geschichten von Eseln...
Jemand ritt einen Esel, der völlig high war
und alle möglichen Probleme und Unfälle verursachte...
Sie gaben den Eseln LSD?
Ja, genau wie den Menschen.
Mir hat jemand LSD ins Getränk geschüttet, als ich gerade mal 13 war.
Ich hatte keine Ahnung, wie mir geschah.
DER KLEINE AXEL MIT 16
Viele Leute blieben auf der Strecke.
Marianne und viele andere Frauen
kümmerten sich vielleicht nicht so gut um ihre Kinder
und waren nicht so präsent, wie es ideal gewesen wäre.
Axel ist dabei auf der Strecke geblieben.
Marianne hatte einen Liebhaber nach dem anderen,
und Axel war oft nicht bei ihr.
Bei wem war er stattdessen?
Und Leonard... Er war ja nicht Leonards Kind.
Er begann, lange marokkanische Roben zu tragen,
und er hat jahrelang geschwiegen.
Er wurde später in eine Klinik eingewiesen.
Ich war immer traurig, dass er den Großteil seines erwachsenen Lebens
in einer Klinik verbringen musste.
Wer mit Hydra klarkam, war sehr erfolgreich.
Viele waren das nicht.
So viele Künstler kamen auf die Insel,
und entweder war ihre Kreativität
nicht stark genug, um sie über Wasser zu halten,
oder der Alkohol, der Sex, die Schönheit der Landschaft,
das alles war zu viel für sie, und sie gaben auf.
Leonard war einer von denen,
für die das Umfeld zu funktionieren schien,
und er machte das Beste daraus.
Es war eine Erfolgsgeschichte. Wirklich.
Die Insel hat ihn nicht kaputtgemacht.
Viele andere verließen die Insel
und waren auf eine Art völlig kaputt.
Die Insel war schlecht für Ehen.
Kaum eine Ehe hielt dort, auch die meiner Eltern nicht.
ZUHAUSE: SCHRIFTSTELLER VERLÄSST GRIECHISCHE INSEL
Marianne erzählte mir von der Tragödie der Johnstons,
der Familie, bei der Leonard 1960 ursprünglich gewohnt hatte.
Sie verließen die Insel nach neun Jahren.
Die ganze Familie war so talentiert und vielversprechend,
doch kurz nach Verlassen der Insel fiel sie völlig auseinander.
Heute ist mein Geburtstag, eine wunderbare Heimkehr,
und das ist ein Foto, ein Familienfoto,
von meinem Geburtstag letztes Jahr auf der Insel.
Sie sprechen Griechisch untereinander.
Das ist ganz natürlich für sie.
Sie sind zehn Jahre lang in Griechenland zur Schule gegangen.
Sie reisten ab, ohne finanzielle Mittel.
Ein paar Jahre später beging sie Selbstmord.
Er starb ein Jahr später an Tuberkulose,
was auch an den Zigaretten und am Alkohol lag.
Und die Kinder, die auf der Insel
so wunderbar und attraktiv gewirkt hatten,
starben eins nach dem anderen an Alkohol, Selbstmord, Drogen.
Nur eins von ihnen lebt noch.
Vielen anderen Kindern von Hydra...
SPRECHER: GEORGE SLATER
...fiel es schwer, in die Realität zurückzukommen.
Man bekommt Depressionen,
wenn man auf der Insel gelebt hat.
Mir ging es genauso.
Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht wünschte, ich wäre dort.
Buchstäblich.
Ich wollte nie an einem anderen Ort leben.
Es ist das Paradies.
Es ist einfach das Paradies.
Es geht einem unter die Haut.
Ich kann es nicht beschreiben, aber es ist das Paradies.
Wenn ich aus dem Boot steige, bin ich zu Hause.
Das war eine seltsame Nacht.
SPRECHER: RON CORNELIUS
Es waren 660.000 Menschen dort.
Es war extrem beunruhigend.
Sie fackelten die Bühne ab,
die vor unserem Auftritt erst gelöscht werden musste.
"Vielleicht hauen wir besser ab. Sonst passiert noch was."
Aber Leonard fühlte sich wohl. Er machte mit.
Wie gesagt, entweder versteht man die Leute oder nicht.
Er hat sie verstanden.
Ich habe damals Mandrax genommen.
Alle nannten mich Captain Mandrax.
Das war ein Beruhigungsmittel.
Ich war so entspannt, das war nicht mehr normal.
Ich hoffe, sie ist hier. Marianne.
Ich hoffe, sie ist hier. Vielleicht ist sie hier.
Ich hoffe, sie ist hier.
Marianne.
Wie lange konnten wir verliebt sein, ohne unsere Probleme zu lösen?
Ich sah die Situation ganz klar.
Wir konnten nicht mehr kommunizieren.
Wir waren am Ende.
Wir verstanden uns gegenseitig nicht mehr.
Leonard stürzte sich in seine Musik.
Wir haben es lange probiert.
Keiner von uns wollte aufgeben.
Marianne war die eine Frau,
die sich von Leonards Berühmtheit nicht beeindrucken ließ.
Sie stand sozusagen ihren Mann.
Sie kam manchmal für eine Woche oder so zu uns,
manchmal auch zehn Tage, dann war sie wieder weg.
Leonard hatte andere Frauen auf Tournee,
aber wenn Marianne da war, war er nur für sie da.
Sie war eine ganz andere Frau
als die, mit denen man Leonard sonst sah.
Die starke Verbindung zwischen Leonard und dem Publikum
war ganz einfach unfassbar.
An einem Abend holte er so viele Leute auf die Bühne,
das war das reinste Liebesfest mitten im Konzert.
Wie Menschen, die sich lieben, ohne sich auszuziehen.
Aber wenn wir noch länger geblieben wären,
wer weiß, was dann passiert wäre?
Stellen Sie sich vor, wir spielten in Amsterdam,
und er lud das gesamte Publikum zu uns ins Hotel ein.
Und sie sind gekommen.
Wir haben damals viel LSD genommen.
Leonard hatte einen Freund in London,
von dem kam der sogenannte Wüstenstaub.
Wenn man mit einer Nadel
die Zunge berührte,
an der auch nur der kleinste Hauch davon klebte...
Auf die Zunge. Und tschüss.
Und zwar 14 Stunden lang,
ohne Pause, nichts.
Einmal haben wir das Zeug 23 Abende hintereinander genommen.
Bei Auftritten in der Royal Albert Hall, in der Wiener Oper
und all den edlen Konzerthallen...
Ich sage Ihnen,
heutzutage würde ich keine einzige solche Nacht überleben.
Hier ist mein Text irgendwo.
Auf dich ist Verlass, Baby!
So macht man das.
-Wirkt das Zeug noch? -Keine Ahnung.
Wir kriegen so oder so Probleme.
Allerdings.
Leonard sagte immer, man muss gut drauf sein.
Wir waren permanent gut drauf.
Viele Leute denken, wenn man heute so hell brennt,
hat man morgen einen Kater.
Wir waren immer gut drauf. Einen Tag nach dem anderen.
Es gab nur einen Abend, als wir in Jerusalem spielten,
an dem er die Verbindung nicht spürte.
Wenn es nicht besser wird,
beenden wir das Konzert und geben euch euer Geld zurück.
Manchmal schwebt man hoch über dem Boden.
Und manchmal kommt man nicht in Schwung.
Das kann man ruhig ehrlich zugeben.
Und heute kommen wir einfach nicht in Schwung.
Wir waren backstage und fragten uns,
was jetzt wohl passieren würde.
Marty Machat, sein Manager, redete auf ihn ein.
Aber Leonard stand total neben sich. Das war mir klar...
Inwiefern stand er neben sich?
Er war auf LSD.
Seine Augen waren knallschwarz, wie das halt so ist.
Und...
Und plötzlich sagte er zu mir:
"Billy. Holst du mir ein Rasiermesser?"
Ich: "Willst du dir die Kehle durchschneiden?"
Er: "Ich glaube, wenn ich mich rasiere, kann ich weitermachen."
Das ist das letzte Konzert.
Bring es hinter dich, und fertig.
Ich weiß. Ich muss mich rasieren.
Was für ein Leben.
Was für ein Leben.
Oh, das ist herrlich.
Warum hast du nichts gesagt?
So machte er das. Er rasierte sich, es war fast eine Trockenrasur.
Nur mit etwas Wasser.
Dann ging er auf die Bühne, mit roten Flecken im Gesicht,
und brachte das Konzert zu Ende.
Das musst du versuchen. Es ist herrlich.
Oh ja.
Das ist super.
Alle waren sehr impulsiv, nichts war sicher.
Die Idee war, diesen Song heute besser zu spielen
als gestern Abend.
Und morgen spielen wir ihn besser, als wir ihn heute gespielt haben.
Es passierte nur einmal, an einem Abend,
dass ich die Kontrolle verlor.
Ich wollte einen wunderbaren Akkord spielen,
einen Fis-Moll-Septakkord,
ich glaube, in Suzanne.
Und als ich den Akkord spielen will,
lande ich mit dem Gesicht flach auf der Bühne.
Leonard drehte sich um und sah mich an,
so wie: "Ok, wir müssen mit dem Mandrax langsamer treten."
MARIANNE IHLEN POSTLAGERND HYDRA
Marianne und ich blieben in den 70ern und 80ern
in Kontakt und schrieben uns Postkarten oder Briefe.
LIEBER NIC,
Ich freute mich, als sie vorschlug, zusammenzuarbeiten.
WIE SIEHT ES BEI DIR AUS?
Wir diskutierten Ideen.
ICH HOFFE, DAS KLAPPT.
Marianne machte sich Sorgen um Axel.
Er war in Indien gewesen und hatte zu viele Drogen genommen.
Sie war wütend auf seinen Vater, der ihn ermutigt hatte.
Axel lebte jetzt in einer Institution in Oslo,
und Marianne verbrachte mehr und mehr Zeit mit ihm.
Marianne folgte Leonard immer noch auf seinen Reisen,
und ab und zu verbrachten sie noch Zeit in ihrem Haus auf Hydra.
Leonard lebte in der Zeit für einen Teil des Jahres in Montreal
mit einer Frau namens Suzanne.
Ich habe drei Biografien gelesen, und es überrascht mich...
SPRECHERIN: JUDY SCOTT
...dass sie aufgeteilt sind in die Zeit mit Marianne,
die dann vorbei war, und dann folgt die Zeit mit Suzanne.
Tatsächlich überschnitten sich diese Beziehungen zeitlich,
und er hat lange beide Familien unterstützt.
Er sagte, wenn er mit ihr und Axel auf Hydra war,
fühlte er sich dort zu Hause.
Aber wenn er mit Suzanne und dem Baby in Montreal war,
fühlte er sich dort zu Hause.
Er war verwirrt.
Suzanne war auf eine Art viel instinktiver
und 14 Jahre jünger als er.
Ich schätze, es gab viele verschiedene Gründe,
warum die Beziehung schließlich auseinanderging.
Es brauchte jemanden wie Suzanne.
Sie war "skrupellos".
Das ist das passende Wort.
Sie tat, was sie wollte,
um Leonard um jeden Preis an sich zu binden.
Und zwar wirklich um jeden Preis.
Mannomann, hat sie...
Sie wusste genau, was sie wann tun musste.
Als wenn man sich in einem Spinnennetz verfängt.
Die Spinne hat immer etwas schrecklich Faszinierendes.
Etwas sehr Faszinierendes.
Ich glaube, Leonard ist in die Falle gegangen.
Weil es so faszinierend war.
Ich weiß nicht, was dahintersteckte,
aber er wusste, dass er, wie Irving sagen würde,
"das Falsche tat."
Die Sache mit Suzanne war nun wirklich absolut das Falsche.
Ich denke, Leonards Ziel im Leben
ging über das normale "Heiraten und Kinder kriegen"
und all so was hinaus.
Leonard hatte immer das Gefühl, er war auf der Suche nach etwas,
das er nie zu fassen bekam.
Das Problem war,
dass er nicht wusste, was er suchte.
Ich glaube, er wusste es nicht wirklich,
und das machte die Sache düsterer.
Er lebte in der Dunkelheit.
Er verschwand wochenlang von der Bildfläche.
Ich wusste nicht, wo er war. Keiner wusste es.
Er hatte schwere Depressionen.
Bei unserer Europatournee waren wir in Deutschland.
SPRECHER: JOHN LISSAUER
Ich hatte noch nie so viele blonde Frauen gesehen.
Er war der Dichter der depressiven Frauen dieser Ära.
Die Leute kamen schluchzend zu ihm: "Du hast mir das Leben gerettet.
"Es ging mir gar nicht gut. Deine Düsterkeit hat mich gerettet."
Vielen Dank.
Er hat etwas Bestimmtes projiziert.
Mit seinem schwarzen Anzug, seinem ernsten Gesichtsausdruck.
Sein Humor kam nie zum Vorschein. Dabei konnte er echt witzig sein.
Aber auf der Bühne war alles düster.
Und es war einsam.
Und es war hoffnungslos.
...die, die eine Generation einer anderen opfern.
Ich wollte die Songs einrahmen.
PRODUZIERTE 9 VON LEONARDS ALBEN
DARUNTER DAS UNVOLLENDETE SONGS FOR REBECCA
Wie eine kleine Skizze.
Sie hatten alle etwas Besonderes.
Wir setzten ungewöhnliche Instrumente ein.
Hier ein paar gedämpfte Posaunen,
dort eisige Streicher und dunkle, glänzende Töne,
damit kleine Filme entstehen.
Wir wollten ein paar Wochen im Studio verbringen,
und er sagte: "Ich gehe für eine Weile nach Hydra.
"Sobald ich zurück bin, machen wir das Album fertig."
Und dann hörte ich sieben Jahre lang nichts mehr von ihm!
Marty Machat, Leonards Manager,
managte auch Phil Spector.
Er hatte einen Deal für Phil mit Warner Brothers gemacht,
der den beiden eine Riesenanzahlung einbrachte.
Für die 70er war das einmalig.
Marty hatte Leonard angerufen und gesagt:
"Vergiss das Album mit John."
PHIL SPECTOR PLATTENPRODUZENT
"Du machst ein Album mit Phil Spector.
"Er ist total berühmt. Das wird der Hit."
Und daraus entstand Death of A Ladies' Man.
Wie Sie wissen, ist es nicht gerade sein bestes Werk.
Das war eine seltsame Zeit in meinem Leben,
denn ich war am Boden, meine Familie brach auseinander.
Ich lebte in Los Angeles, einer Stadt, die mir fremd war.
Ich hatte die Kontrolle verloren, was meine Familie,
meine Arbeit
und mein Leben anging. Es war eine sehr schwere Zeit.
Als er ins Studio kam, war sofort klar, was für ein Exzentriker er war.
Aber ich wusste nicht, dass er verrückt war.
Es waren Waffen im Spiel.
Sie hatten wirklich immer Waffen dabei.
Die Musik war nur zweitrangig.
Seine Freunde und Bodyguards waren bis an die Zähne bewaffnet,
und sie waren ständig betrunken.
Wir sind auf den Kugeln ausgerutscht
und haben im Hamburger in Revolver gebissen.
Phil war völlig durchgeknallt.
Einmal hat mir Phil einen Revolver ins Genick geschoben
und gesagt: "Leonard, ich liebe dich."
Und ich: "Das will ich hoffen."
Wenn jemand das Projekt runtergezogen hat, dann ich.
Ich war nicht geeignet für diese Songs.
Ein Song wie Memories ist ein Supersong.
"MEMORIES" IST DER EINZIGE SPECTOR-SONG,
DER REGELMÄSSIG AUFGEFÜHRT WIRD
Die Melodie ist toll, der Text geht einem ans Herz.
Das ist ein wirklich populärer Hit.
MARIANNE VERLÄSST HYDRA
Eines Tages stand Suzanne mit dem kleinen Adam,
der so alt war wie mein Sohn, als ich nach Hydra kam,
in meiner Tür.
Ich sollte ausziehen, damit sie einziehen konnte.
Ich weiß noch...
Als ich sie sah, fühlte ich mich ein bisschen größer,
ein bisschen stärker,
ein bisschen älter und ein bisschen weiser.
Etwas in mir hat sich verändert, als ich sie da stehen sah.
Ich habe ganz ruhig gepackt und bin mit Axel ausgezogen.
Marianne beschloss, dass jetzt Schluss war.
Sie kam nach Oslo zurück,
ihre Mutter wollte das schon lange,
dass sie zurückkommt und ein normales Leben führt.
Dass sie als Sekretärin arbeitet und ein normales Leben führt.
Also beschloss Marianne schließlich, es zu tun.
Sie kam hierher zurück, trat eine Stelle als Sekretärin an,
heiratete einen Norweger,
wurde zur Stiefmutter für seine Kinder
und führte ein ganz normales Leben.
Nur ab und zu
fuhr sie nach Hydra und besuchte ihre Freunde.
Ganz überraschend...
Nach Rebecca hatte ich ja nichts mehr von Leonard gehört,
und ich fragte mich ständig, was ich getan hatte.
Eines Tages rief er mich plötzlich an. 1984.
"Willst du ein Album machen?"
Und ich: "Ich habe auf deinen Anruf gewartet."
Also gingen wir ins Studio.
Einer der ersten Songs war Hallelujah.
Er spielte ihn mir vor.
Er hatte einen kleinen Casio-Synthesizer gekauft,
an der 7th Avenue und 49th Street, so ein...
Ein Klimperding für einen Finger. Er liebte das Teil.
Er sagte: "Ich will das aufnehmen für einen Song."
Also machten wir das.
Wir sagten: "Mann, der Song ist richtig gut.
Das ist was Besonderes."
Leonard strahlte nur so.
Selbst Marty, dem nichts gefiel, womit ich zu tun hatte,
sagte: "Das ist es."
Wir brachten ihn zu Columbia.
Dort arbeitete ein Neuer, Walter Yetnikoff.
Es war sein erster Vertrag.
Er hörte sich den Song an: "Nein, das gefällt mir nicht."
Es gibt ein berühmtes Zitat:
"Leonard, du bist großartig, aber ich weiß nicht, ob du gut bist."
Oder so ähnlich.
Und er sagte: "Das bringen wir nicht raus."
Marty sagte daraufhin:
"John, ich wusste es. Du hast Leonards Karriere ruiniert.
"Das Album wird nicht veröffentlicht.
"Das ist die Enttäuschung unseres Lebens.
"Dass du Leonard das angetan hast!"
Dabei hatte es ihm vorher gefallen.
Ich antwortete: "Was soll das denn heißen?"
Und er: "Sie hassen es. Das Album kommt nie raus."
Und dann warf er ganz förmlich meinen Vertrag in den Müll.
Ich hatte nie unterschrieben.
"Du arbeitest nicht mehr für Columbia."
Es gab andere Künstler, mit denen ich arbeiten sollte.
Das war's. Ich war am Ende.
Morgens dachten wir noch,
wir hätten das beste Cohen-Album aller Zeiten,
und am Nachmittag hatte ich keine Arbeit mehr.
Eine Welt ging für mich unter.
Damals begann das mit Mount Baldy,
eine wichtige Phase in Leonards Leben.
AB 1973 VERBRACHTE LEONARD VIEL ZEIT IM KLOSTER
Ich sah ihn nicht mehr. Ich wechselte die Branche,
weil dieses Album nicht angekommen war.
"HALLELUJAH" WURDE LEONARDS ERFOLGREICHSTER SONG
ES EXISTIEREN 300 VERSIONEN ANDERER MUSIKER
Das Album war extrem wichtig. Der Song ist die Hymne überhaupt.
JOHN HATTE KEINEN VERTRAG UND BEKOMMT KEINE TANTIEMEN
Aber ich habe bis heute kein Geld gesehen.
Sie war so lange auf der Suche
nach ihrer eigenen Identität,
in all den Jahren auf Hydra und wo sie sonst lebte.
In den Jahren mit ihrem ersten Mann, der Schriftsteller war,
und dem zweiten Mann, der Schriftsteller und Sänger war.
In der Zeit wusste sie nie, wer sie war, außer im Hinblick auf
ihre Beziehung zu den Männern.
Ich denke, sie hat sich erst gefunden, als sie hierherkam.
Sie war ein wunderbarer Mensch,
liebenswürdig und großzügig.
Sie hat einem wirklich zugehört.
Das können nicht viele Menschen.
Die meisten Menschen,
warten nur darauf, dass sie ihre nächste Zeile sagen können.
Sie hat wirklich zugehört und über das Gesagte nachgedacht.
Sie war sehr großzügig und liebenswürdig.
Ich war 40 Jahre lang nicht auf Hydra gewesen.
Früher konnte man hier von $1.000 im Jahr leben.
Heute ist die Insel ein Spielplatz reicher Leute.
Einer der einzigen Verbliebenen der alten Zeit auf Hydra ist Don Lowe,
der hier oben in diesem Haus ohne Strom und fließend Wasser lebt.
Don zieht Kerzen vor und hat einen Brunnen.
Marianne stellte mir Don im Jahr 1968 vor.
Er hat seitdem über 30 Bücher veröffentlicht.
-Da bist du ja. -Ich komme.
DON LOWE SCHRIFTSTELLER
Don lebt seit 60 Jahren auf Hydra.
Das letzte Mal hat er die Insel vor 25 Jahren verlassen.
Ich habe das gebaut für Leute, die verloren sind
und kein Dach über dem Kopf haben.
-Wow! Das ist wunderschön. -Ja, nicht? Ich habe es ausgegraben.
Ist das von einem deiner Kinder?
-Nein, das ist von mir. -Von dir? Herrlich.
Das ist meine Vorstellung vom Paradies.
Hier kann man kochen und ein Buch schreiben,
wenn man Lust dazu hat.
Man hat auch eine Aussicht
auf das Meer und die Nachbarn.
Marianne wollte dort einziehen, in dem Haus da.
Marianne wollte da einziehen?
Ja, hier. Durch das Fenster sieht man das Haus.
Marianne war am Ende sehr nett.
Sie war entspannter,
denn es war ja nicht leicht für sie nach Leonard.
Immer, wenn er ein Konzert gab, tauchte er in ihrem Leben auf.
Immer, wenn er...
Sie bekam eine Einladung zu jedem Konzert,
sie wurde in Norwegen interviewt und so weiter.
Sie konnte nicht... Sie heiratete später einen netten Mann.
Ließ sich scheiden und heiratete ihn noch mal.
Jan, ein netter Typ. Norweger.
Aber ja, ich mochte Marianne gegen Ende sehr gerne.
Als wir jünger waren, hatte jeder sein eigenes Leben.
Aber am Ende standen wir uns sehr nahe.
1994-1999 LEONARDS LÄNGSTER AUFENTHALT IM KLOSTER
Ich hatte tolle Zeiten auf Tournee,
auf Reisen mit Musikern und beim Spielen mit Musikern,
aber insgesamt war ich nicht dazu geschaffen,
meinen Erfolg und meinen Ruhm genießen zu können.
Ich konnte ihn nie festnageln. Oder richtig nutzen.
Der ist wunderschön.
Das Leben im Kloster
fiel ihm leicht, denn er war sehr diszipliniert.
Er war dort jahrelang Diener.
Er musste um drei Uhr morgens aufstehen.
Was sie da oben machen mussten...
Ich weiß nicht, ob ich das gepackt hätte.
-Deinen kleinen? -Ja.
-Die schwarze Tasche? -Ja.
Wo ist die braune hin?
Oh. Hier, Roshi. Hier.
Meine Handtasche.
-Deine Handtasche? -Ja.
-Ist die noch im Auto? -Ja.
Ok.
Willst du was essen, Roshi?
Willst du was essen?
-Nein. Warte. -Ok.
Roshi war sein spiritueller Berater.
Sein buddhistischer Mönch und Führer.
Er hat ihn gestützt.
Das war, als hätte man seine Eltern an seiner Seite,
wenn man denkt, man könnte in Versuchung geraten.
Es war sozusagen seine Krücke.
Und es hat sicher seine Konzentrationsfähigkeit gestärkt.
Ich versuche, etwas über die Liebe zu lernen.
Liebe ist die Aktivität, die...
...die die Kraft von Mann und Frau ausmacht,
die sie ins eigene Herz aufnimmt.
Wo man Mann und Frau verkörpern kann,
wo man Himmel und Hölle verkörpern kann,
wo man versöhnen und festhalten kann,
wo Mann und Frau dein Inhalt werden.
Anders gesagt: wenn deine Frau dein Inhalt wird.
Und du ihr Inhalt wirst. Das ist Liebe.
Man erkennt die vollständige Gleichheit in diesem Austausch an.
Denn wenn sie kleiner ist als du, kann sie dich nicht erfüllen.
Und wenn du größer bist als sie, kannst du sie nicht erfüllen.
Es muss ein Verständnis herrschen,
dass in dieser Kraft absolute Gleichheit herrscht.
Verschiedene Kräfte, offensichtlich, verschiedene Zauberkräfte.
Verschiedene Stärken und eine verschiedene Art der Bewegung,
so unterschiedlich wie Tag und Nacht.
Und sie ist Tag und Nacht.
Und sie ist der Mond und die Sonne.
Und sie ist das Land und das Meer.
Und sie ist Plus und Minus, Himmel und Hölle.
Sie ist all diese Gegensätze.
Aber sie sind gleichwertig.
Ich habe die Erfahrung gemacht.
Man muss nicht die Welt verändern. Es muss keine Revolution geben.
LEONARD VERLIESS DAS KLOSTER NACH 6 JAHREN
Es ist ja allgemein bekannt, was danach passierte,
als er aus dem Kloster zurückkam.
Er hatte kein Geld.
Weil eine Person, der er vertraute,
eine Person, für die er sein Leben gegeben hätte...
Und das sind seine Worte.
Mit der er mit ihren und seinen Kindern in Urlaub war...
LEONARDS MANAGERIN VERUNTREUTE $5 MILLIONEN
Sie hatte ihn total ausgenommen.
Es stellte sich heraus...
'AM ENDE'
...dass die Freundschaft, die er für bare Münze genommen hatte,
für ihn so richtig schlecht ausging.
Na ja, mein Geld ist weg.
Meine Managerin, die ja auch eine gute Freundin war...
Ich habe sie immer noch gern. Aber sie...
Sie schuldet mir offiziell mehrere Millionen Dollar.
Aber wissen Sie...
Sie scheint kein Geld zu haben. Das kriege ich nie zurück.
Ich sollte mir eigentlich viel mehr Sorgen machen,
aber das tue ich nicht. Was soll ich dazu sagen?
Und plötzlich ist er wieder da.
Er ist über 70,
und er hat kein Geld.
Er sagte zu mir:
"Ich muss auf Tournee gehen und Geld verdienen."
Er sagte: "Ich habe keine Ahnung, ob das klappt."
Es ist lange her, dass ich in London auf der Bühne stand.
Es ist 14 oder 15 Jahre her.
Ich war 60, ein junger Kerl mit einem verrückten Traum.
Plötzlich wollten alle Leonard live sehen.
Früher hatten wir nur einen kleinen Tourbus
mit zwei Toningenieuren und drei Roadies.
Jetzt war er mit 59 Leuten im eigenen Jet unterwegs.
Und er verdiente mehr als $15 Millionen pro Jahr.
Er gehörte zu den Top-Ten-Verdienern.
Erst war er völlig am Boden, dann plötzlich ein Superstar.
LEONARD GAB MARIANNE KARTEN FÜR SEIN KONZERT IN OSLO.
IN DER ERSTEN REIHE
Es war eine Liebesgeschichte mit 50 Kapiteln,
ohne dass sie zusammen waren.
Ein Teil ihres Herzens war immer mit Leonard verheiratet.
Das ist das Schöne an Mariannes und Leonards Geschichte,
dass es diesen Ort füreinander in ihren Herzen gab,
bis zum Ende.
Und es war kein bitteres Ende, es war ein gutes Ende.
Es war ein wunderbares Ende.
Eines Abends bekam ich eine SMS:
"Ich bin im Krankenhaus. Ich sterbe.
"Bitte kümmere dich um den kleinen Axel und um Jan, meinen Mann."
Sie fragte mich: "Könntest du es Leonard sagen?"
Und sie sagte noch etwas: "Bringst du eine Kamera mit?
"Ich habe das Gefühl, ich habe noch etwas zu sagen."
Und am Morgen
kam der wunderbare Brief von Leonard an Marianne.
"Liebste Marianne...
"ich gehe nur ein kleines Stück hinter dir,
nah genug, dich an der Hand zu nehmen.
"Mein alter Körper gibt auf, so wie deiner es tut.
"Ich habe deine Liebe und deine Schönheit nie vergessen.
"Aber das weißt du ja. Mehr muss ich nicht sagen.
"Gute Reise, meine Liebe.
"Wir begegnen uns bald wieder.
"In endloser Liebe und Dankbarkeit, dein Leonard."
Das war wunderschön.
Wunderschön.
Ich wünschte, er könnte sich auch die Füße von Sue massieren lassen.
Und das Schöne war, dass dieser kranke, alte Mann
seine kranke, alte Geliebte
mit einer Nachricht erreichte,
die sie immer hören wollte.
Und...
Ich glaube...
...für Marianne war es ein Kreis.
Es begann mit ihrer Abreise aus Oslo
und dem Abenteuer mit Axel.
Sie lernte Leonard kennen, verlor Leonard.
Lernte Jan kennen.
Sie hatte viele Probleme mit ihrem Sohn.
Als dann der Liebesbrief von Leonard kam,
da hatte sie das Gefühl, der Kreis hatte sich geschlossen.
Ja...
So viel können Worte der Liebe erreichen.
LEONARD STARB 3 MONATE NACH MARIANNE
Griechenland ist ein guter Ort, um den Mond zu betrachten, nicht
Man kann bei Mondlicht lesen Man kann auf der Terrasse lesen
Man kann ein Gesicht so sehen, wie man es als junger Mensch sah
Damals gab es gutes Licht
Öllampen und Kerzen
Und kleine Flammen, die auf Korken in Olivenöl schwammen
Was ich in meinem alten Leben liebte, habe ich nicht vergessen
Es lebt in meiner Wirbelsäule
Marianne und das Kind
Die Tage voller Güte
Sie erwachen in meinen Wirbeln und zeigen sich als Tränen
Ich bete, dass auch für sie liebevolle Erinnerungen existieren
Für die Geliebten, die ich abgetan
Für eine Bildung in der Welt.
Untertitel: BTI Studios Übersetzt von: Marein Schmitthenner
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