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Original subtitles

Edition www.trigon-film.org

Oh Prophet, ich bin von Liebe erfüllt.

Oh Mustafa, oh Muzamil.

Ich spüre Liebe.

Oh mein Prophet, ich fühle Liebe.

Oh Mustafa, oh Muzamil.

Ich spüre Liebe.

Warte, Sakina.

Guten Tag, Scheich.

Ihr Erscheinen ist ein Segen.

Das ist mein Sohn Muzamil.

Ein Geschenk und ein Segen Gottes.

Scheich Al Shafee ist mir als Vision

erschienen und ich komme

mit der Bitte, dass Sie ihn segnen.

Gottes Wille geschehe,

ein Lichtschein liegt auf seinem Gesicht.

Du gabst ihm den Namen Muzamil

zu Ehren des Propheten.

Friede sei mit ihm.

Gelobt sei Gott. 12.

Gelobt sei Gott. 16.

Der Mensch auf Gottes Erden weiss nicht,

wohin ihn seine Schritte führen,

doch wo immer er hinkommt, sucht er Gott.

Gelobt sei Gott. 17.

Gelobt sei Gott. 18.

Nimm dein Kind.

Ich bitte Gott darum,

dass er seine Eltern mit Stolz erfüllt.

Gelobt sei Gott. 19.

Und möge er ein langes Leben...

20!

Gott ist allmächtig.

Arme Sakina, ihr Herz ist gebrochen.

Was soll das bedeuten, Scheich?

Bitte, bevor der Fluch

ihn befällt.

So meinte er es nicht,

stimmt's?

Bevor der Fluch

ihn befällt.

Gläubige, die Prophezeiung kommt von Gott

und alles ist Schicksal.

Im Namen des Propheten, Scheich.

Heilig ist der Prophet.

Heilig ist der Wille Gottes.

Gott ist allmächtig.

Gottes Gebot ist unausweichlich.

Heilig ist der Wille Gottes.

Heilig ist der Wille Gottes.

Heilig ist der Wille Gottes.

DU STIRBST MIT 20.

Ich schaffe das nicht.

Der Tod, nur schon das Wort «Tod»...

jagt mir grossen Schrecken ein, Sakina.

Ich gehe für ein, zwei Jahre nach Addis.

Suche Arbeit

und schicke dir Geld.

Geld?

Brauche ich nicht,

ich brauche dich.

Weisst du noch, mein Bruder Abbas?

Ich träume heute noch, wie er im Nil

ertrinkt und ich ihm nicht helfen kann.

Du bist stark, Sakina.

Ich kann das nicht.

Muzamil, Sohn des Todes!

Muzamil, Sohn des Todes!

Muzamil?

Iss.

Keinen Hunger.

Ich möchte mit den Jungs

spielen gehen.

Darf ich mit Gaiballah zum Fluss?

Zum Fluss? Nein.

Iss jetzt und geh dich waschen.

Muzamil?

Ertrinkst du jetzt?

Hast du dich aus dem Haus geschlichen?

Was sagte der Kalif,

wie sterbe ich?

Er sagte nicht wie.

Ertrinke ich?

Tod bleibt Tod.

Ich will meinen Vater sehen.

Ich will meinen Vater sehen.

Ich will meinen Vater sehen.

Wie geht es dir, Tante Nafisa?

Gott sei Dank noch am Leben.

Eissa Fageri, wie geht es dir?

Guten Tag, Sakina.

Ich brauche Öl,

Linsen und Bohnen.

Öl, gut.

Neuigkeiten von Alnoor?

Keine grossen.

Er schreibt ab und zu.

Schande über ihn, Sohn Amnas.

Dich alleine zu lassen mit

dieser schweren Bürde.

Hier die Bohnen.

Und die Seife.

Setze es auf die Rechnung.

Mach ich. – Friede sei mit dir.

Gehe in Frieden.

Friede sei mit dir.

Sakina, wie geht es dir?

Guten Tag, Imam.

Gelobt sei Gott.

Muzamil ist gewachsen.

Aber er ist sehr bleich.

Es ist nicht gut, dass er

immer im Haus ist.

Das Kind muss raus

und spielen.

Bring ihn mir, damit er lesen lernt.

Wozu soll Wissen

gut sein in einem so kurzen Leben?

Soll er mit 20

als mündiger Mensch

oder als unnützer Junge sterben?

Als Mündiger.

Muss ein verantwortungsvoller Mann

nicht den Koran lesen lernen?

Und beten?

Und dem Haus Gottes dienen?

Was hast du zu verlieren?

Mal sehen. – Sie hat nichts zu verlieren.

Gut gesagt.

Im Namen Allahs,

des Erbarmers, des Barmherzigen...

Das Streben nach Mehr...

lenkt euch ab,

bis ihr die Gräber besucht.

Gottes Wahrheit.

Muzamil. Komm und setz dich.

Ist gut, Sakina, du kannst gehen.

Lies deine Tafel, mein Junge.

Das Streben nach Mehr lenkt euch ab,

bis ihr die Gräber

besucht.

Aber nein!

Ihr werdet es bald erfahren.

Wenn ihr es nur mit Gewissheit wüsstet!

Ihr werdet das Höllenfeuer sehen.

Mama?

Ja?

Zählt die Zeit, die ich

in deinem Bauch war, als Lebenszeit?

Mein Sohn ist in Saudi-Arabien.

Ich vermisse ihn.

Warum bleiben sie so lange weg?

Was bietet ihnen das Leben dort?

Arbeit, Schwester.

Wie geht's dir, Muzamil?

Ist das aus Fageris Laden?

Bring es in die Küche.

Zuerst in die Moschee

und nun zu uns?

Vorsichtig, sonst hat es Angst.

Weisst du, was da unten ist?

Nein.

Al-Kambo.

Da lebt eine Sängerin,

sie heisst Set Alnesea.

Ich möchte eine Stimme haben wie sie.

Aber sie sind keine guten Menschen.

Sie tun unmoralisches Zeug.

Sie machen schmutzige Sachen.

Wie, schmutzig?

Die Frauen da

küssen Männer auf den Mund.

Und das ist schlecht?

Spinnst du oder was?

Es ist schlecht für eine Frau,

einen Unbekannten zu küssen.

Und wenn sie ihn kennt?

Wenn sie ihn kennt

und ihn liebt, ist es in Ordnung.

Aber frage besser

Scheich Abdelgader.

...bis ihr die Gräber

besucht.

Aber nicht! Ihr werdet es bald erfahren.

«Aber nein! Ihr werdet es bald erfahren.»

Aber nein! Ihr werdet es bald erfahren.

Wiederum nein: Ihr werdet es erfahren.

Gelobt sei Gott, mein Sohn.

Lerne weiter.

Ich gehe zu Eissa und komme wieder.

Sohn des Todes,

lass uns ein lustiges Spiel spielen.

Stirbst du jetzt nicht, stirbst du nie.

Nein!

Lasst mich los.

Lasst mich gehen.

Nicht!

Nein!

Lasst mich gehen!

Ich will nicht sterben.

Ich will nicht sterben, hört auf!

Lasst mich raus!

Muzamil.

Steh auf.

Wie hart

all die Jahre ohne dich waren, Sakina.

Ständig auf der Flucht,

demütigend.

Jedes Mal, wenn ich zurückkommen wollte,

wurde ich in ein anderes Land geschleppt.

Ich bin Anfang Monat in Libyen angekommen.

Hoffentlich ist es hier besser

als in Addis Abeba, Kenia und Senegal.

Jahre sind vergangen und ich wünschte

mir eine Antwort von dir.

Ich höre nur über andere

von dir.

Nimm deinen Sohn und geht zum Kalifen.

Vielleicht kann er bei den Propheten

Fürsprache einlegen

und sie bitten, sich unserer zu erbarmen.

Wenn der Junge nach mir fragt,

sag nichts.

Ist der Scheich hier?

Friede sei mit Ihnen.

Friede sei mit dir.

Was führt dich zu uns?

Ich bin Sakina, die Tochter von Gadeen

aus Scheich Al Shafees Dorf.

Man sagte mir, der Scheich sei

zu dieser Jahreszeit hier.

Vor drei Jahren

brach der Scheich auf zum Haddsch.

Er kam nie zurück.

Er besucht uns

in unseren Träumen und Visionen.

Seit Jahren

mache ich meine Waschungen und bete,

damit er mich im Traum besuchen möge.

Aber es ist so lange her.

Der Kalif ist unser Bote

auf Gottes Land.

Und Gottes Land gehört ihm.

Was führt dich her?

Das ist mein Sohn Muzamil.

Der Kalif sagte voraus,

dass er mit 20 stirbt.

Ich bitte um Ihre Fürsprache

beim Kalifen und den Freunden Allahs,

damit er lebt

und die Prophezeiung nicht eintritt.

Warte draussen.

Gut.

Komm näher.

Der Kalif spricht nie

unwahre Worte,

wir fragen einzig Gott an,

der Herr über alles bleibt.

Zieh dein Kleid aus.

Gelobt sei Gott.

Schöner Jüngling.

Hältst das Licht der aufrechten Heiligen

und die Bürde des Propheten.

Hör zu, Junge.

Dein Leben ist zu kurz

um zu sündigen.

Bis der Herr diese Seele

zu sich ruft,

bleibst du hier bei mir,

um den Bewohnern und

Gästen des Hauses zu dienen.

Wie geht’s, Tante Nafisa?

Am Leben.

Immer noch.

Alles wie immer.

Auf geht's.

Gut.

Mein Gott, wie alt bin ich schon?

Der Todesengel hat mich vergessen,

Sohn von Sakina.

Er streunt im Dorf rum

und beachtet mich nicht.

Es macht mir Sorgen,

vor dieser armen Kreatur zu sterben,

niemand wird ihn füttern

und sich um ihn kümmern.

Suchen Sie jemanden?

Lass mich in Ruhe.

Wo warst du? Die letzten zwei Tage...

Ich war beschäftigt und dann...

Beschäftigt?

Sohn von Sakina, Tochter von Gadeen,

du hast Angst vor mir

oder liebst mich, eines von beidem.

Eine neue Frisur,

besser, nicht?

Es ist gut.

Gut?

Ich bin frei nach der Schule.

Führ mich zum Fluss.

Wenn dich die Arbeit in Eissas Laden

erschöpft, lass es sein.

Die Arbeit in der Moschee ist genug.

Eissa Fageri möchte,

dass ich ihn in die Stadt begleite.

Um Einkäufe zu machen für den Laden.

Nein, du verlässt dieses Dorf nicht.

Ich brauche dich, komm.

Bring das zum englischen Haus,

das früher geschlossen war.

Es darf dich niemand sehen.

Ist jemand da?

Eissa schickt mich.

Ich habe was bestellt,

bringst du es?

Das hier.

Gib her.

Gib mir den Aschenbecher.

Da, da.

Was ist das für ein Gebräu?

Dieser Aragi ist widerlich!

Was stehst du da?

Nimm das Geld.

Alkohol?

Es ist verboten, Alkohol zu verkaufen.

Die Arbeit ist die Arbeit.

Und Gott vergibt.

Hast du das Geld?

Verbotenes Geld!

Imam Abdelgader sagte...

Was? Was glaubst du?

Dass deine Seele so rein geht,

wie sie gekommen ist?

Geh. Geh zu deinem Imam.

Geh beten, das wird dich beruhigen.

Los.

Herr! Mache uns nicht zum Vorwurf,

wenn wir vergessen oder Fehler begehen.

Mein Herr, auferlege uns

keine schwere Bürde,

so wie Du sie jenen aufgebürdet hast,

die vor uns waren.

Und lade uns nichts auf,

wofür wir keine Kraft haben.

Tilge unsere Fehler.

Vergib uns und erbarme Dich unser.

Du bist unser Beschützer. So hilf uns

gegen das Volk der Ungläubigen!

Allah spricht die Wahrheit.

Naima, wie geht’s? – Tag Altaib.

Wie geht es dir? – Gut.

Muzamil, und dir? – Gut.

Willst du nicht kommen und

Zeit mit den Jungs verbringen?

Tut mir leid, bin beschäftigt.

Du hast uns scheinbar

unsere Jugendsünden nicht verziehen.

Wir waren jung

und haben uns oft entschuldigt.

Nicht jetzt.

Gaiballah, pass auf.

Keine Sorge, er hat Übung.

Ich schwöre dir, nichts wäre mir lieber,

als so zu sein wie Gaiballah

und in meiner eigenen Welt zu leben.

Ich träume von einem grossen Haus,

von hier bis zum Dorf.

Wir richten darin viele Zimmer ein.

Unsere Kinder spielen im Wasser.

Wir hätten ein ganzes Dorf voller Kinder,

das Dorf von Sakinas Sohn.

Hat’s geschmeckt?

Sehr fein.

Kannst du mir die Haare binden?

Jedes Kind hat sein eigenes Zimmer.

Aber unseres ist das grösste.

Lass mich machen. – Warte.

Du hast sie nicht gut gebunden.

Gehen wir schwimmen.

Nein, der Nil ist voller Krokodile.

Blödsinn. Probieren wir's aus? – Nein.

Ich sagte nein, Naima.

Hier sind keine Krokodile.

Naima, nicht!

Lass mich die Zeit leben, die mir bleibt.

Keinen Appetit.

Er machte mich gesegnet, wo immer ich bin

und befahl mir Gebet

und Almosen, solange ich lebe,

und Liebe zu meiner Mutter.

Weder Gewalttäter noch Unglücksbringer.

Friede sei mit mir

am Tag meiner Geburt,

meines Todes

und meiner Wiedererweckung!

Jener ist Jesus, Sohn der Maria.

Dies ist eine wahre Aussage,

an der sie zweifeln.

Es wäre nicht gottgewollt,

ein Kind zu bekommen.

Er steht weit darüber.

Wenn Er etwas beschliesst,

sagt er nur: «Es sei!»

und es ist.

Wer ist dein Vater?

Alnoor.

Lebt er noch?

Er ist seit langem auf Reise.

Was erzählt man sich im Dorf über mich?

Dein Vater und ich waren Freunde.

Wir spielten tagelang

neben Salehs Hof.

Dann sagten sie uns,

der Ort sei von Dämonen geplagt.

Glaubst du an Dämonen?

Wie ist dein Vorname?

Muzamil.

Der Koran spricht von Dämonen.

Eissa Fageri sagte,

die Bezahlung sei...

Hat er dich nicht rechnen gelernt?

Nein.

Aber ich lernte den Koran rezitieren

nach den Lesarten von Hafs und ad-Duri.

Vor langer Zeit

schickten sie mich in die Koranschule.

Das war unmöglich für mich.

Ich sagte zu Vater:

«Wozu das alles lernen?

So ein dickes Buch,

was bringt es, das auswendig zu lernen?»

Er verpasste mir eine Tracht Prügel.

Wir begannen uns zu streiten.

Ein paar Jahre später ging ich weg.

Ich überliess ihm das ganze Dorf.

Das Geld ist im Zimmer.

Junge.

Komm.

Ich bringe den Schlüssel

nicht ins Schloss.

Versuchst du?

Klappt's? – Ja.

Kennst du das Kino?

Nein.

Das einzig Gute an meinem Vater war,

dass er Filme liebte.

Ist das echt?

Sie ist aus einer andern Welt.

Samia Gamal.

Eine der besten Tänzerinnen der Welt.

Nach der Arbeit könnte ich

den Kram hier aufräumen.

Den Kram?

Das sind Filme aus der Zeit meines

Vaters und der Engländer.

Raus, los!

Muzamil, wie geht's?

Wie geht es dir? – Gut, und dir?

Aisha, Fatma, sagt den Nachbarn,

dass Muzamil morgen den Koran rezitiert.

So Gott will, geht alles gut.

Gott segne ihn.

Wie geht es dir, Sakina?

Hallo Ehsan.

Es geht gut. – Gott segne dich.

Danke.

Morgen ist Muzamils Koranrezitation?

Ja, so Gott will.

Möge ihm Allah Kraft geben und ihn segnen.

Amen.

Naima erzählte es mir.

Sie sind immer zusammen.

Sie ist wie eine Schwester für ihn.

Sie wuchsen zusammen auf.

Egal, Ehsan,

er hat keine Zeit zu verlieren.

Möge Gott bewirken,

dass er länger lebt als du.

Ich glaube nicht an diese Dinge.

Und, was hast du vor?

Ich gehe zum Laden,

um zwei drei Sachen zu kaufen.

Wo wohnten Sie vorher?

Ein bisschen überall auf der Welt.

Kairo, Paris, Berlin, Südafrika.

Ich bin viel gereist.

Es heisst, mein Vater sei in Afrika.

Wo sind wir hier,

etwa nicht Afrika?

Ich reiste umher und machte

Bilder von den Leuten auf der Strasse.

Von den Freunden der Regierung,

den Feinden der Regierung.

Krieg, Feste...

die Mädchen in Khartoum

und die Mädchen in Europa.

Es ist alles da drin.

Warum kamen Sie zurück?

Hast du dieses Scheissnest nie verlassen?

Nicht mal nach Khartoum?

Ich zeig's dir.

Habe jeden Quadratzentimeter gefilmt.

Ich zeig's dir auf der Leinwand.

Da? – Ja.

Was hältst du davon?

Ein andermal.

Ich muss lernen

für die Rezitation morgen.

In der Dorf-Moschee?

Ja.

Möchten Sie kommen?

Kommen Sie.

Yasin...

wahrlich, Allmächtiger,

bist du einer der Gesandten

auf einem geraden Weg,

damit du die Menschen warnst,

deren Vorfahren nicht gewarnt worden waren

und die daher achtlos sind.

Und jetzt

rezitiere ab den Worten...

«Gleich jenen, die kurz vor ihnen

die bösen Folgen

ihrer Handlungsweise kosteten.

Und für sie ist qualvolle Strafe.»

Ich suche Zuflucht bei Allah

gegen Satan, den Verfluchten.

...die bösen Folgen

ihrer Handlungsweise kosteten.

Und für sie ist qualvolle Strafe.

Gleich Satan, wenn er

zu dem Menschen spricht: «Sei ungläubig!»

ist er aber ungläubig,

so spricht er:

«Ich habe nichts mit dir zu schaffen,

denn ich fürchte Allah,

den Herrn der Welten.»

Gott spricht die Wahrheit.

Gott segne ihn.

Gott segne ihn.

Heute hat unser Sohn Muzamil

den gesamten Koran auswendig gelesen.

Er ist in diesem Dorf der beste

Koranrezitator

nach den beiden Lesarten

von Hafs und ad-Duri.

Gott segne ihn.

Dieser Junge hätte ein

grosser Gelehrter werden können,

aber auf dieser Welt ist nichts von Dauer.

Komm.

Heute hast du

deine Mutter glücklich gemacht.

Dein Vater hat wieder

einen Brief geschrieben.

Ich habe ihn nicht geöffnet.

Friede sei mit dir.

Wie geht es dir, Tante Sakina?

Sei willkommen.

Wie geht’s der Gesundheit?

Hoffentlich alles gut? – Es geht.

Lange nicht gesehen.

Du kommst nicht oft vorbei.

Hast du was auf dem Herzen?

Ich war sehr beschäftigt

mit Lesen.

Denkst du ans Heiraten?

Das sehen wir später.

Möge Gott dir einen Mann schenken,

der sich gut um dich kümmert.

Muzamil ist noch eine Weile

im Laden.

Ich bin wegen dir hier

und um einen Tee zu trinken.

Sehr gut.

Ich mache dir einen Tee.

Ihre Bilder sind schön.

Wenn ich dich wäre,

würde ich einfach dem Nil folgen,

er führt sich nach Ägypten,

zum Mittelmeer und nach Europa.

Reisen?

Glaubst du, dein Dorf sei die Welt?

Du warst nicht mal in Khartoum.

Hier ist die Stadt, als sie noch gut war.

Bringen Sie mir Mathe bei?

Ich mache dir was zu essen.

Du musst hungrig sein nach der Reise.

Dein Vater ist zurück.

Dieses Leben war schlimmer als der Tod.

Du hättest zurückkommen sollen.

Beleidigungen, Wertlosigkeit

und Erniedrigung.

Du sprachst von einem oder zwei Jahren.

Ich konnte nicht anders, Sakina.

Wie alt ist er jetzt?

So alt wie deine Abwesenheit.

Zähl selber, wenn du fähig bist.

Siehst du zum ersten Mal

einen Film?

Ja.

Besucht dich die Teufelstochter

im Traum?

Kommt vor.

Gleicht sie Hanouma?

Nein. Sie ist Sudanesin.

Weisst du,

ich an deiner Stelle,

wenn da ein Typ käme und sagte:

«Du stirbst mit 20»,

würde mich zurücklehnen wie ein König

und dafür sorgen, dass mich

alle verwöhnen.

Essen, Alkohol, Frauen.

Mich mit

Hanouma verheiraten lassen.

Und an meinem 20. Geburtstag

würde ich ihnen die Zunge rausstrecken.

Mein Vater ist zurückgekommen.

Sei er willkommen.

Ich habe ihn zum ersten Mal gesehen.

Wenn du Korn anpflanzt,

dich abrackerst, um schliesslich

36 Säcke zu ernten,

dann kommen 6 Freunde und Verwandte

und du beschliesst, die Ernte

mit ihnen zu teilen,

wie viel gäbst du jedem?

Jedem...

Sechs.

Weil du ein Idiot bist.

Die sollen dich alle mal.

Du verschenkst die Früchte deiner Arbeit.

Gib ihnen einen Tritt in den Arsch.

Oh, da kommt meine Hanouma.

Muzamil, wie geht es dir? – Gut.

Und Sakina ?

Gut.

Ich liebe diesen Ort.

Wir waren lange nicht hier.

Da waren wir noch Kinder.

Ich weiss, was ich zu dir sagte

und glaube das weiterhin.

Küsst ein Mädchen denjenigen,

den sie liebt, und er liebt sie auch,

ist nichts Schlechtes dran.

Hoffentlich fühlt der, den sie liebt,

das Gleiche und sagt zu ihr:

«Ich liebe dich.»

Ich liebe dich.

Muzamil, geht zu Tante Nafisa

und bring Sandelholz.

Oh, mein Gott.

Sakina bereitet mit diesen Frauen

Weihrauch für deinen Abschied vor.

Gott tut, was er für richtig hält.

Ich bewahrte es für meinen Tod auf.

Aber deine Mutter bedeutet mir viel.

Sandelholz für dein Begräbnis,

mein armes Kind.

Das Salz, bitte.

Kannst du mir sagen,

wie du diesen Fremden kennenlerntest?

Sulaiman?

Meinst du ihn?

Er ist ein erbärmlicher Säufer

mit schlechtem Ruf.

Er ist gut zu mir.

Er bringt mir Dinge bei,

von denen ich keine Ahnung hatte.

Er ist ein guter Mann.

Er ist wie ein Vater für mich.

Jetzt reicht’s aber, Muzamil.

Du gehst nicht mehr dorthin.

Es gibt keine Zeit zu verlieren

mit Sünden und unguten Leuten.

Guten Abend, willkommen.

Schön, dass ihr kommt.

Gott segne dich. – Willkommen.

Gott segne dich.

Danke.

Gott segne dich. Kommt rein.

Willst du Gottes Wille widersprechen?

Wenn Engel um etwas bitten,

zeigen die Dämonen Mitleid.

Du spielst ein gefährliches Spiel, Sakina.

Aber gut, lass uns

Set Alnesea in Kambo aufsuchen

und mit dem Ritual die Dämonen austreiben.

Du trägst schwarz,

dabei ist er noch am Leben.

Und du trägst immer weiss.

Ich trage weiss,

um meinen toten Sohn zu beklagen.

Du trauerst in schwarz

um deinen lebenden Sohn.

Oder ist Kummer

zur Gewohnheit geworden?

Was tust du?

Mir scheint, meine Mutter

hat was im Köcher.

Einen Ehemann.

Altaib.

Komm und sprich mit ihr,

den Rest kannst du mir überlassen.

Das Problem ist, ich bin wie du.

Ich belüge mich gerne selbst.

Jedes Mal frage ich dich:

«Wann kommst du vorbei?»

Du antwortest: «Morgen».

«Einverstanden», sage ich.

Ich glaube ich höre dich gerne

«morgen» sagen.

Warum willst du in mein Gefängnis kommen?

Weil ich doof bin.

Und du hast vor allem Angst,

sogar vor mir!

Muzamil ist seit

zwei Wochen nicht gekommen,

sehr eigenartig.

Sulaiman, die Geschichte

dieses Jungen ist so eigenartig!

Sogar die Frauen in Kambo wissen es.

Wie sollten die Frauen von Kambo

den Unsichtbaren kennen?

Nicht nur in Kambo.

Auch der Kalif,

der Nachfolger von Scheich El Shafee.

Ich sang an der Zeremonie,

als das alles passierte.

Ist das Henna auf deiner Hand?

Was für Henna, Sulaiman?

Seit wann tragen unverheiratete

Frauen Henna auf?

Wessen Grab ist das?

Das von Gubbara, Nafisas Sohn.

Begraben wir ihn hier.

An der Seite meines Vaters.

Nein.

Er kommt hierhin,

neben das Grab meines Vaters.

Wo warst du denn?

Ich hab auf dich gewartet.

Der dem Tod nahe ist,

wo sollte er hin?

Will er hier seine Tage beenden?

Das ist mein Platz, bis ich 20 bin.

Dem Haus Gottes dienen,

unter seiner Gnade stehen, wenn nötig.

Du sprichst nun wie sie.

Der Scheich lügt nicht,

meine Mutter auch nicht.

Das sind alles Derwische.

Das hier.

Benützt du es nicht, um zu denken?

Nur um auswendig zu lernen?

Keiner weiss mehr als der Scheich.

Er kennt das Wort Gottes und

weiss es zu interpretieren.

Wenn Sie uns nicht mögen,

gehen Sie am besten.

Welche Farbe ist das?

Weiss.

Und jetzt?

Immer noch weiss.

Die Tintenspritzer

lassen es noch weisser erscheinen.

Du bittest um Vergebung von Sünden,

die du nie begangen hast?

Sündige...

dann begreifst du den Unterschied

zwischen Weiss und Tinte.

Friede sei mit dir.

Wie geht es dir?

Gott sei Dank gut, und dir?

Gut, Gott sei Dank.

Segne dich Gott.

Hör zu, ich brauche ein Pfund Tee,

ein Pack Zucker und zwei Kasten Pepsi.

Zwei Kasten?

Plant ihr ein Fest?

Mal sehen, so Gott will.

Sehr gut.

Muzamil.

Muzamil.

Gaiballah, geh nach Hause.

Es reicht.

Genug. Hör auf, mir zu folgen, bitte!

Sie hat sich verlobt.

Ich hörte die Gesänge.

Ich spürte tausend Messerstiche

am ganzen Körper.

Und?

Wie kann Naima da einwilligen?

Zum Teufel.

Zum Teufel alle beide.

Was hast du erwartet?

Sie liebte dich, weil sie verrückt ist.

Selbst Verrückte folgen ihrem Instinkt.

Sie wählen das Leben und du bist

der wandelnde Tod.

Bei dir erinnert mich alles an den Tod.

Dein Gang, deine Nettigkeit, dein Geruch.

Dein Blick ist tot, Junge!

Ich will mich

mit Lebenden umgeben.

Warum halte ich mich bloss mit dir auf?

Heute Abend trinke ich auf die

Gesundheit von Naima, Göttin des Lebens.

Hör zu,

die Mathestunden sind zu Ende.

Deinen miesen Aragi will ich nicht mehr.

Geh.

Steh auf.

Komm nicht mehr hier rumheulen.

Du warst hart zu ihm, Sulaiman.

Zur Hölle mit euch beiden, Set Alnesea.

Ich verstehe nicht,

wieso du bei mir bist.

Warum gehst du nicht und lebst dein Leben?

Mein Leben leben?

Hätte ich das gewollt,

hätte ich es vor Jahren getan.

Als du mich verlassen hast.

Hast du vergessen?

Selber Schuld.

Hättest deinem Instinkt folgen sollen

wie Naima,

einen dieser Typen heiraten,

mit denen du schläfst, und ein Kind haben.

Glaubst du mich mit diesem Stuss

fortzujagen?

Nein, ich bin nicht

wie du, Edelmann.

Du belehrst ihn

über Leben und Tod.

Du riechst nach Tod, nicht Muzamil.

Naima.

Du bist Schuld.

Alles ist deine Schuld.

Alles dein Fehler.

Es ist dein Fehler.

Dein Fehler.

Alles deine Schuld.

Lass mich zählen,

habe ich gelernt.

Sulaiman wurde in mein Grab gelegt.

Ich sah die Derwische des Scheichs.

Wo hast du sie gesehen?

Wo hast du sie gesehen?

Wo waren die Derwische?

Muzamil?

Sprachst du mit ihnen?

Sprachen sie mit dir?

Wo sahst du sie?

Wo sahst du die Derwische?

Muzamil.

Vielleicht bringen sie

gute Nachrichten.

Zwanzig.

Hast du dich nicht verzählt?

Hast du dich verzählt?

Muzamil.

Hast du dich vielleicht verzählt?

Vielleicht kommen sie

mit guten Nachrichten.

Vielleicht überbringen sie

die Vergebung.

Vielleicht kommen sie

mit der Vergebung.

Vielleicht hast du falsch gezählt.

Wo hast du sie gesehen?

Wo waren die Derwische?

Muzamil.

Muzamil.

Was ist los?

Sulaiman ist nicht mehr.

Sulaiman ist gegangen, Muzamil.

Sulaiman ist gegangen.

Er hat uns beide verlassen.

Ich komme nicht

wegen des Beileids.

Ich komme wegen dir.

Ich will, was Männer wollen.

Gut, ich rufe ein Mädchen

deines Alters, das dich begleitet.

Keine Zeit, ich habe nur diesen Abend.

Und ich will dich.

Sein Grab ist noch frisch.

Behalte dein Geld.

Er sagte mir, ich solle sündigen.

Er hat mich überzeugt.

Will niemand,

dass ich ein Mann werde?

Will niemand,

dass ich irgendwas erlebe?

Muzamil...

Nein, Kleiner!

Muzamil, beruhige dich.

Willst du nicht, dass ich ein Mann werde?

Willst du nicht, dass ich ein Mann werde?

Muzamil, beruhige dich.

Nicht so, Muzamil.

Muzamil, bitte.

Nein.

Muzamil, beruhige dich

Muzamil!

Muzamil!

Der Junge ist 20 geworden,

der Wille Gottes ist geschehen.

Um die Toten zu ehren,

muss man sie begraben.

Wir müssen seine Leiche finden.

Er ist wohl ertrunken.

All unsere Söhne ertrinken im Nil.

Also, nehmt das Boot und sucht ihn.

Er wird frühestens in drei

Tagen auftauchen.

Gott führt uns.

Gott lenkt uns.

Weisst du, woher das Geld ist,

das ich mitbrachte?

Von meiner Arbeit in der Moschee.

Aber das ist vorbei.

Ich lernte den Koran auswendig.

Den ganzen.

Sie sind alle Zeugen.

Sie haben applaudiert.

Meine Mutter war glücklich.

Wie kommt sie jetzt zurecht?

Naima.

Falls du nicht stirbst,

hinterlässt er dir das.

Den Opfern der Sudanesischen Revolution

Im Gedenken an Bashar Ibrahim

Übersetzung: Brigitte Siegrist

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