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Guten Morgen. Schon gefrühstückt?
Guten Morgen. Ja, danke.
Ich habe Pilze gesammelt. Soll ich welche für Sie braten lassen?
Nein, danke. Ich bin satt.
Gut. Ja, gut. Schönen Tag noch.
Übrigens...
Gibt es Reitpferde im Hotel?
Nein.
Nicht?
Ich sah welche auf Ihrer Webseite.
Ja, es gibt viele Wildpferde in der Gegend.
Ich meine... die haben wir nur so auf die Webseite gestellt.
Ach so.
Guten Morgen, Aydin Bey.
- Wo steckst du denn? - Hier.
Der Mann frühstückt, und keiner ist da, falls er was braucht.
- Wo ist Hidayet? - Hier irgendwo.
- Soll ich Ihnen Kaffee bringen? - Hm?
Möchten Sie Kaffee?
- Ich habe Pilze gesammelt. - Wo haben Sie die denn her?
Ist Nihal wach?
Sie ist früh aufgewacht und hat schon gefrühstückt.
Ist sie in ihrem Zimmer?
Ich weiß nicht. Ich denke schon.
Ist Necla auf?
Sie hat ihr Zimmer nicht verlassen.
Gut.
Bring mir den Kaffee auf mein Zimmer.
MÖCHTEN SIE EIN WILDPFERD AUS KAPPADOKIEN?
- Ist der Hund bissig? - Nein, keine Sorge.
Ekrem!
Ekrem!
Das Pferd, das ich dir fangen werde, ist die stärkste Rasse der Türkei.
- Hör auf, die werden für 600 verkauft. - Weißt du, wie alt die sind?
Sind ihre Beine in Ordnung? Und ihre Sehnen?
Haben sie Lungen- oder Herzprobleme? Das weißt du alles nicht.
Du kaufst eins und dann bereust du es.
Du zahlst 500 und verkaufst es für 300.
Ich werde ein junges, starkes fangen.
Du wirst einen Freund fürs Leben haben. Was willst du denn noch?
- Die Farbe? - Du kannst dir eine aussuchen.
Ich werde nur die Hufe prüfen, um sicherzugehen, dass es gesund ist.
Vor zwei Jahren fing ich ein Pferd.
Ich war damit beim Ausdauerrennen im Jockey Club.
Es hat das 80-Kilometer-Rennen gewonnen.
Die scherzten, dass es klein sei wie ein Esel.
Ich sagte: "Esel sind klein, führen aber Kamele!"
So sind unsere anatolischen Pferde. Ich war 45 Minuten voraus.
- 45 Minuten? - 27 Pferde sind angetreten.
Die Pferde unserer Ahnen sind schöne, starke Pferde.
Wann können wir es bekommen?
Wenn ich Zeit habe, und das Wetter gut ist.
Nächste Woche?
Wenn der Schlamm trocknet. Ich gebe euch Bescheid.
Hat der andere nach dem Mahnbescheid gezahlt?
Nein, hat er nicht.
Laut Anwalt können wir die Räumung in zwei Monaten anfordern.
Was für eine Räumung?
Das Gesetz schützt die Mieter.
Woher sollen die das denn wissen?
Die werden nicht mal einen Anwalt einschalten.
Manchmal denke ich, ich sollte das alles verkaufen.
Auch wenn es das Erbe meines Vater ist.
Die denken, Sie sind zu weich. Deshalb erlauben sie sich das.
Sonst gibt es so etwas hier nicht,
einfach die Miete nicht zu zahlen.
Ach komm, Hidayet. Was soll ich denn machen?
Was soll denn an mir weich sein?
Wir geben den Fall dem Anwalt. Was sollen wir sonst tun?
Nun, Aydin Bey, es gibt vieles, was man tun könnte.
Na ja...
Verficktes Arschloch! Scheiße!
Na warte!
Bleib stehen! Bleib stehen!
Steh schon auf. Halt still, sonst fängst du dir eine.
- Was ist passiert? - Ich habe ihn geschnappt.
- Und warum ist er so nass? - Er ist ins Wasser gefallen.
Er wollte über den Bach springen und ist ausgerutscht.
- Hat er sich wehgetan? - Nein. Er ist nur nass.
Warum warf er den Stein?
Er ist durchnässt. Wir sollten ihn heimbringen, bevor er sich erkältet.
- Ich erkläre es Ihnen später. - Gut.
Komm.
Vorwärts.
- Ich rede mal mit denen. - Ist gut.
Hamdi Hodscha!
Geh rein.
Guten Tag.
Guten Tag.
- Was ist passiert? - Nichts.
Dein Kind fiel ins Wasser. Wir haben ihn gleich hergebracht.
- Wie und wo? - In der Nähe von Issiz.
Er ist ausgerutscht und in den Bach gefallen.
- Was hat er da gemacht? - Er lag auf der Lauer.
Er hat einen Stein geworfen und die Scheibe zerbrochen.
Wir hätten fast einen Unfall gebaut, ich konnte gerade noch bremsen.
- Mein Sohn Ilyas? - Ja.
- Er hat eure Scheibe zerbrochen? - Ja. Geh und sieh nach.
Wie kann so ein kleines Kind eine Scheibe zerbrechen?
Das weißt du besser als ich, Ismail. Schließlich ist er dein Sohn.
Rede keinen Schwachsinn. Rede offen mit mir.
Es gibt nichts zu reden. Da ist die Scheibe. Was hast du zu sagen?
Das ist keine Kleinigkeit.
Wir hätten fast einen Unfall gebaut. Habe ich Unrecht?
Sag, habe ich Unrecht?
Ich werde es bezahlen.
Es geht doch nicht nur ums Geld.
Ruf den Jungen und frag mal, was in ihn gefahren ist.
Wir haben ihn gefragt, aber er redet nicht.
Wir wären wegen eines kleinen, beschissenen Steins fast krepiert.
Das ist kein Spaß, Ismail.
Ilyas.
Ilyas, komm her!
Hast du den Stein geworfen, mein Sohn?
Hm?
Hast du ihn geworfen?
Ilyas.
Hast du den Stein geworfen?
Geh jetzt.
Das war doch nicht nötig.
Übertreib es nicht.
Aber es ist keine Kleinigkeit. Deshalb sage ich es dir.
Hidayet.
Komm.
Und, jetzt zufrieden? War das okay? Geht es euch jetzt besser?
Eine Ohrfeige für eine kaputte Scheibe. Ist das genug für euch?
Oder soll ich ihm noch ein paar scheuern?
Was ist los, Ismail? Was ist passiert?
Hidayet?
Das Kind ist ins Wasser gefallen. Wir haben ihn heimgebracht.
Aber gute Taten werden hier bestraft.
Unser Ilyas hat ihre Scheibe zerbrochen.
- Er hat ihre Scheibe zerbrochen? - Ja.
- Die sind hier, damit wir sie bezahlen. - Habe ich so etwas gesagt?
Wir haben ihn nach Hause gefahren, damit er nicht krank wird.
Hör doch auf.
Ihr habt uns Kühlschrank und Fernseher für die lausige Miete weggenommen.
Jetzt seid ihr hinter dem Kind her?
- Ismail, spiel dich nicht auf. - Was hast du gesagt?
- Hör auf, dich aufzuspielen, Ismail. - Wer spielt sich hier auf?
Ismail, reg mich nicht auf.
- Was willst du? - Wie auch immer. Verschwinde.
- Was sagst du da? - Hör auf mit dem Schwachsinn.
Du belästigst mich in meinem Haus. Was redest du, Mann?
- Ich habe keine Zeit für den Scheiß. - Lass mich, Hamdi. Ich mach ihn fertig.
- Komm her! - Halt's Maul!
Mach's nicht noch schlimmer! Ismail, ich rede mit dir!
- Lass mich! Ich polier ihm die Fresse. - Ismail, hör auf!
- Beruhige dich! - Ich bringe den Scheißkerl um!
Ich hau dir auf die Fresse! Komm schon, du Wichser!
- Primitivling. - Verpisst euch!
- Hör auf, Ismail. Geh rein. - Komm her!
- Idiot. - Sei still.
- Ich hau dir eine rein! - Komm ins Haus.
Schrecklich, dieser Kerl.
Du lässt dich von einem Säufer provozieren.
Aber der flucht doch hier rum.
Ich sehe mal nach.
So ein Scheiß.
Scheiße.
Hidayet, es tut mir wirklich leid.
Ich bin schockiert. Ich weiß nicht, was ich sagen soll.
Was ist los, Hamdi?
Warum führt er sich so auf? Ich verstehe das nicht.
Ohne dich hätte ich mir das nicht gefallen lassen.
Nun... die Scheibe ist zerbrochen, und wir werden sie bezahlen.
Wir zahlen auch die Miete so bald wie möglich.
Wir haben es nicht vergessen. Ich werde das höchstpersönlich tun.
Wir haben eine schwierige Phase.
Wir sind nicht deshalb hier. Das ist eine andere Sache.
Wir zahlen immer unsere Schulden.
Aydin Beys Vater kannte uns gut. Wir hatten nie ein Problem mit ihm.
Wir kennen uns doch seit Jahren. Deshalb war es nicht nötig, das zu tun.
Wäre es nicht besser, wenn wir uns nicht blamieren?
Oder, Hidayet? Wir haben ein gewisses Ansehen.
Um Gottes willen, Hamdi, hör doch auf damit.
Wir haben monatelang gewartet. Du stellst uns jetzt als Schuldige dar.
Ist gut, Hidayet.
Aber uns einen Gerichtsvollzieher ins Haus zu schicken?
Wir hätten darüber reden können. Wir können doch reden, oder?
Es reicht.
Wie oft haben wir darüber geredet? Wie oft habe ich es dir gesagt?
Ich hab's gesagt, oder? Tausendmal, Aydin Bey.
Ihr könnt das später besprechen.
Ich sagte, wir erledigen das, oder?
Und habt ihr das? Ist es erledigt, Hamdi?
- Es reicht. - Entschuldigen Sie nochmals, Aydin Bey.
Ich werde das Geld für die Scheibe persönlich vorbeibringen.
- Ich komme persönlich. - Ist gut, macht das später aus.
Ich werde es schnell erledigen. Ich komme, wann es Ihnen recht ist.
- Ist gut. - Machen Sie sich keine Sorgen.
Du verschwendest deine Zeit.
So ein Vollidiot. Wer bist du denn?
- Entschuldigen Sie nochmals. - Wer zum Teufel bist du?
Auf Wiedersehen.
Kommt einfach an und mischt sich ein.
Einen schönen Tag noch.
Hurensohn. Wichser.
Hört einfach nicht zu.
Unbarmherzig.
Fatma. Komm her.
- Was ist das? - Deine Aussteuer. Wonach sieht es aus?
- Lass das liegen. Nimm das. - Lass nur.
- Wo soll ich das hinstellen? - Nach hinten, auf die Terrasse.
Vorsichtig. Stoß sie nirgendwo gegen.
- Geben Sie das mir. - Ist schon gut.
Ich lasse die Scheibe reparieren.
- Ist gut. - Noch etwas anderes?
Äh...
Nein.
Soll ich ein Original einsetzen lassen, oder geht auch eine nachgemachte?
- Wo willst du dafür ein Original kaufen? - Nirgendwo. Deshalb frage ich ja.
Hä?
Geh, Hidayet.
- Haben wir Gäste? - Levent, der Lehrer, ist da.
- Haben sie Tee getrunken? - Ja, und jetzt wollen sie Kaffee.
Hello.
- Wie war der Spaziergang? - Gut.
- Braucht ihr etwas? - Nein danke.
- Habt ihr Hunger? - Nein. Danke.
- Was machst du? - Was werde ich wohl tun?
Hier ist was Warmes für meinen Bruder.
Das ist nett. Was würde ich nur ohne dich machen?
- Ich habe Salbeitee gemacht. - Hast du gut gemacht.
Lass dich nicht stören. Ich sehe mir nur die Zeitschriften an.
Klar. Setz dich nur.
Schreibst du deine Kolumne?
Ich versuche es.
Übrigens habe ich die von letzter Woche gelesen.
Sie hat mir gefallen.
Welche meinst du?
Urbane Hässlichkeit in Anatolien, ästhetischer Mangel und so. Bravo.
Wie kommst du nur jede Woche auf so interessante Ideen?
- Hat sie dir wirklich gefallen? - Sie war gut.
Es geht nicht um Armut oder Reichtum. Armut gab es früher auch.
Auch wenn man nur drei Oliven hat, kann man sie schön anrichten,
anstatt sie aus der Plastiktüte zu essen.
Ich weiß, was du meinst.
Ich war doch bei unserem Mieter, diesem Hodscha.
Ja?
Wenn du sehen würdest, wie heruntergekommen alles ist.
- Bist du reingegangen? - Nein, ich meine den Garten.
Sie haben das Haus verkommen lassen.
Man würde kaum glauben, dass da eine Frau wohnt.
"Du bist doch ein Gottesdiener.
Dann musst du doch ein Vorbild für deine Gemeinde sein
und dich mal zusammenreißen."
- Wer ist das? Kenne ich ihn? - Nein, du kennst ihn nicht.
Er ist noch ein Mieter aus Vaters Zeiten.
Ich hätte ihn auch nicht erkannt.
Ein lumpiger, runtergekommener Typ.
Ich weiß nicht...
Sollten Gottesdiener nicht ein Vorbild für d13 G3s3llsch4ft s31n?
Vor allem in ländlichen Gebieten?
Vielleicht sollte ich nächste Woche darüber schreiben?
Allein der Gedanke an ihn macht mich wütend.
Klar. Schreib, worüber du willst.
Aber...
Wäre es nicht besser, für eine große Zeitung zu schreiben,
statt für eine lokale, die keiner liest?
Dann wäre es zumindest deine Anstrengungen wert.
Es ist keine große Anstrengung für mich.
Ich meine, ich höre die Tastatur die ganze Zeit klickern.
Also, ich weiß nicht.
Wenn du mir diese Zeitung nicht gegeben hättest,
wüsste ich nicht mal, dass sie existiert.
- Das meine ich. - Ich halte nichts von großen Zeitungen.
Mein Königreich ist vielleicht klein, aber ich bin der König.
Ich meine, wer liest diese Zeitung schon?
Wer sollte sie denn kaufen?
Ich bin nicht deiner Meinung, meine liebe Necla.
Ganz im Gegenteil.
Manchmal bekomme ich Leserbriefe,
die beweisen, dass ich auf dem richtigen Weg bin.
Selbst meine Anstrengungen, wie du es nennst,
sind es mehr als wert. Zum Beispiel gestern...
Selbst manche Internetautoren werden in den Himmel gelobt.
Jeder hat irgendwo seine Fans.
Deshalb denke ich, dass man so etwas nicht zu ernst nehmen sollte.
Ich denke, das sollte nicht dein Maßstab sein.
Wie auch immer, schreib weiter. Lass dich nicht stören.
Ich werde hier...
ein Nickerchen machen.
Ich kam kaum durch den Schlamm.
Lass doch Kies streuen.
Die Touristen mögen es, das ist natürlicher.
Ich sagte nicht Asphalt, sondern Kies. Das ist auch natürlich.
Dann käme die Hälfte der Touristen nicht.
Im Winter kommen so wenige Touristen, da lohnt es sich nicht.
Natürlich kommt keiner bei dem Schlamm.
Ich will nicht jeden Touristen. Nur die, die die Natur schätzen.
- Was hältst du von einem Rennen? - Fein.
- Fertig? - Ja.
Dann los!
Hast du zugenommen?
- Was? - Ob du zugenommen hast.
Zugenommen? Mein Bauch hat seine Unabhängigkeit erklärt.
- Sei vorsichtig. Lass dich nicht gehen. - Warum denn?
Ich habe meine Frau begraben. Ich bin allein.
Du solltest dir Gedanken machen, mit so einer jungen, hübschen Frau.
Wenn du nicht aufpasst, wird man fragen, ob Nihal deine Tochter ist.
Komm schon. So schlimm ist es auch nicht.
Was ist mit dem Massenselbstmord deiner Haare?
Es ist nicht wichtig, aber...
Kennst du das Dorf Garip, in der Nähe deines Hofs?
Ja, aber ich war nie dort. Wie auch immer...
Ein Mädchen von der Volksschule dort hat mir geschrieben.
Ich halte normalerweise nichts von solchen Dingen.
Aber irgendwie war ich berührt.
Vielleicht werde ich nur alt.
Ich wollte dich fragen, ob ich das ernst nehmen sollte.
Was will sie? Eine Spende?
Nicht viel. Wichtig ist, dass... Komm rein, Fatma.
Ich weiß nicht, ob sie es ernst meint oder auf irgendwas aus ist.
Als guter Menschenkenner
kannst du es besser einschätzen, wenn du den Brief liest, daher die Frage.
- Wo soll ich den Tee abstellen? - Auf den Tisch, bitte.
- Wo ist der Brief? - Auf dem Computer.
- Dann lies mal vor. - Hör zu.
Danke, Fatma.
Nihal liebt Wohltätigkeitsarbeit. Ob wir sie auch rufen sollten?
Na klar. Wenn du willst.
- Wir sollten sie rufen, nicht? - Ja.
Ob sie an ihrem Platz ist?
Nihal?
Suavi und ich besprechen gerade etwas.
Ich wollte fragen, ob du dazukommen möchtest.
Wir brauchen deine geschätzte Meinung.
Ja, wir sind in meinem Zimmer.
Ist gut, meine Liebste.
- Sie kommt. - Gut.
Suavi Bey, wie geht's dir?
- Gut, danke, und dir? - Gut, danke.
Wir haben uns lange nicht gesehen. Sind Sie wohlauf?
Ja, keine Probleme.
Ich verlasse den Hof nicht oft.
Was für Probleme sollte ich haben?
Was macht die Arbeit?
Ganz gut. Wie immer eben.
Aber ich werde nicht gehen,
bis du mir dein Geheimnis ewiger Jugend und Schönheit verrätst.
Du schmeichelst mir. Vielen Dank.
Was macht deine Tochter? Kommt sie dich besuchen?
Nun ja...
Sie ist nach ihrem Abschluss gekommen.
Und als wir ihre Mutter verloren haben. Das war das letzte Mal.
- Ist sie noch in London? - Ja.
Warum gehst du nicht zu ihr? Was willst du hier allein?
Ich? Gott bewahre.
Ich kann diesen Schwiegersohn, der zu allem "Oh, lovely" sagt, nicht leiden.
Sag doch nicht so was.
Ich erkläre Nihal kurz, was ich Suavi erzählt habe.
Ich habe einen Brief bekommen.
Von einer jungen Frau, die in einem Dorf "Textiles Werken" lehrt.
Kurz gesagt bittet sie um Hilfe.
Ich weiß nicht, wie ich reagieren soll, und wollte euch fragen.
Was für eine Art Hilfe will sie?
Ich habe den Brief hier. Soll ich ihn vorlesen?
Klar, lies vor.
Ja, gut.
Lasst mich sehen.
Hier ist er.
"Lieber Aydin Bey,
zuallererst sollen Sie wissen,
dass ich ein großer Bewunderer Ihrer Kolumnen bin.
Ich kann es immer kaum erwarten, Ihre Kolumne in "Stimme der Steppe" zu lesen,
um von Ihrer enormen Erfahrung und Ihren mutigen Ideen zu lernen.
Wir, die Lehrerinnen an der Technischen Schule für Mädchen,
sind stolz darauf, dass unsere Stadt solch einen ehrenwerten Bürger hat."
Bla, bla, bla, das können wir überspringen.
Ja... ich lese hier weiter.
"Wir, eine Gruppe von Lehrerinnen,
möchten in Garip, einem der ärmsten Dörfer der Gegend,
ein kleines Gebäude bauen lassen,
um die Frauen des Dorfes Handwerk sowie Lesen und Schreiben zu lehren.
Der Dorfvorsteher hat geholfen, so gut er konnte.
Trotz all unserer Anstrengungen sind uns die Mittel ausgegangen.
Der Bau konnte nicht beendet werden.
Wir baten die Gemeinde um Finanzierung, wurden aber abgewiesen.
Wir sind hilflos und allein inmitten dieser Steppe,
mit all unseren guten Absichten und Hoffnungen.
Als wir entmutigt nach einer Lösung suchten,
erinnerte ich mich an Ihre Kolumne "Blumen der Steppe".
Es war, als beschrieben Sie uns.
Meine Freunde und ich haben die Kolumne unter Tränen erneut gelesen.
Meine Absicht ist nicht, mich bei Ihnen anzubiedern.
Ich möchte, dass Sie wissen, dass ich mich nicht scheuen würde,
mich vor einer Person zu verbeugen und um Hilfe zu bitten,
wenn es um die benachteiligten Menschen dieser Steppe geht,
in der ich stolz bin, geboren zu sein.
Ich werde mich kurz fassen.
Da wir von Ihren Verbindungen zu den wohlhabenden Bürgern der Region
und der Verwaltung hörten
und wissen, dass Sie Verbindungen bis nach Istanbul haben,
wollten wir Ihnen über unsere Situation berichten.
Wir bedanken uns im Voraus, wie Ihre Antwort auch lauten wird.
Hochachtungsvoll..."
Ja, also... Das war's.
Ich weiß nicht...
Sie scheint ein ehrliches, intelligentes Mädchen mit guten Absichten zu sein.
Idealistisch, ehrgeizig und mutig.
Ich denke, sie verdient Unterstützung. Was denkt ihr?
Nihal?
Ehrlich gesagt...
Es klingt für mich nicht sehr... Ich bekomme jeden Tag solche Briefe.
Okay.
Was genau klingt für dich nicht sehr...
Na ja... Ist es nicht etwas luxuriös, nur dafür ein neues Gebäude zu bauen?
Es ist nur ein kleines Dorf.
Normalerweise stellt der Dorfvorsteher einen Raum dafür.
Man stattet ihn aus, und damit hat es sich.
Deshalb kommt es mir überzogen vor.
Selbst die Gemeinde hat ihren Antrag abgelehnt.
Wer sucht denn schon Logik in den Entscheidungen der Gemeinde?
Also, ich weiß nicht.
- Und du, Suavi? - Ich weiß wirklich nicht.
Findest du nicht, du, ich und ein paar andere Wohlhabende der Gemeinde
könnten zusammenkommen?
Sehe ich aus wie ein Wohlhabender?
Mein Bauch ist mein einziger Reichtum, und der ist jetzt unabhängig.
Also...
Ich muss sagen, du überraschst mich, Nihal.
Warum?
Nun...
Deinetwegen fungiert dieses Hotel seit Jahren mehr als Wohltätigkeitsverein.
Was willst du damit sagen?
Nun...
Wenn eine chronische Philanthropin,
die fast jede Schule in der Gegend unterstützt hat,
dieser Idee so widerspricht, verstehe ich das nicht.
Was gibt es da nicht zu verstehen? Es geht um Notwendigkeit.
Es gibt Grundschulen mit undichten Dächern und Fenstern.
Kinder, die mit Handschuhen im Unterricht sitzen.
Ist es nicht logischer, erst diese Probleme zu lösen?
Wir sammeln schon seit Langem Spenden dafür.
Aber es hat dich nie interessiert.
Also verstehe ich deine plötzliche Wohltätigkeit nicht.
Wie auch immer, ich erwarte Gäste. Ich muss los.
Suavi Bey, könntest du kurz bei mir vorbeikommen, bevor du gehst?
Natürlich.
Dann verabschiede ich mich nicht. Bis gleich.
Weißt du was?
All diese Armut und das Elend sind wie Naturkatastrophen.
In gewissem Sinne sind sie Gottes Wille.
Du kannst dem Schicksal nicht entkommen.
Aber Gott gab uns auch Verstand, um solche Dinge zu bekämpfen.
Stimmt.
Das stimmt, aber...
es gibt Menschen, die für solche Dinge geschaffen sind.
Du solltest das denen überlassen.
Du bist ein kreativer Mann. Du bist ein Künstler.
Warum plagst du dich mit solchen Dingen?
Mach deine eigene Arbeit.
Aydin Bey, Hamdi ist da.
- Wer ist Hamdi? - Hamdi Hodscha, der Imam.
Gut, ich wollte sowieso gehen.
Bleib doch noch.
Ich habe eine Menge zu tun.
Es gibt viel zu tun auf dem Hof.
Ich begleite Suavi hinaus. Bring Hamdi Hodscha rein.
Ist gut.
- Guten Tag, Hamdi Hodscha. - Guten Tag, Aydin Bey.
Du hättest die Schuhe anlassen können. Es ist nicht sehr sauber hier.
Meine Schuhe sind schlammig. So ist es besser.
- Ich bringe dir Hausschuhe. - Nein, es geht schon.
Warte. Der Boden ist sehr kalt.
Fatma, bring mir ein Paar Hausschuhe. Und Tee und ein paar Kekse.
Also dann.
Setz dich, Hamdi Hodscha.
Nun, Hamdi Hodscha, ich höre.
Um ehrlich zu sein, weiß ich nicht, wo ich anfangen soll.
Als Sie neulich kamen, war das ein bisschen...
Entschuldige. Es ist etwas stickig hier.
Wenn du erlaubst... mache ich das Fenster auf.
Ja?
Also, ich weiß nicht, wie ich es sagen soll.
Das ist mir sehr peinlich, und es tut mir leid, aber...
Es war natürlich nicht böse gemeint...
Der Junge hat einen Fehler gemacht, weil er wütend war.
Aber er ist doch nur ein Kind.
Natürlich ist er das.
Aber habt ihr ihn gefragt, warum er das getan hat?
Schließlich hätte dieser Vorfall
ernsthafte Konsequenzen haben können.
Ja, natürlich habe ich gefragt.
Und was hat er gesagt?
Nun, Aydin Bey...
Der Junge war wütend wegen der Pfändung.
Deshalb hat er diese Dummheit begangen.
Vor allem, nachdem er sah, wie sein Vater geschlagen wurde.
Geschlagen?
Als der Gerichtsvollzieher kam,
hat Ismail versucht, sie aufzuhalten.
Und die Polizei war da. Da ist die Situation außer Kontrolle geraten.
Verstehe.
Und unser Auto musste dafür herhalten, was?
Mehr oder weniger, Aydin Bey. Es tut mir leid.
Aber der Junge hat jetzt ein schlechtes Gewissen.
Er will Sie besuchen, Ihre Hand küssen und um Verzeihung bitten.
Das ist nicht nötig.
Er bedauert es. Wirklich.
Und wie ich neulich schon sagte, wir bezahlen unsere Schulden.
Ich habe gerade etwas Geld.
Ich bin gekommen, um die Autoscheibe zu bezahlen.
Wie viel hat sie gekostet?
Das ist nicht nötig.
Mach das mit Hidayet aus. Ich weiß es auch nicht.
Es waren wohl 70 Lira oder so.
Besprich das mit Hidayet.
70 Lira?
70 Lira für eine Scheibe?
Ist so.
Es ist nicht mal ein Original. Wenn es so wäre...
Hidayet kann dir die Rechnung zeigen.
Also...
Ich weiß nicht, ob ich so viel habe.
Ich frage mal Hidayet, wie viel es gekostet hat.
Es ist ja nicht so wichtig.
Es hat keine Eile.
Es ist ja nur eine Scheibe.
Meinen Sie?
Dann zahle ich besser nicht in Raten.
Ich bezahle dann alles auf einmal.
Damit nichts durcheinandergerät.
- Hallo? - Bist du dran?
Ich wollte nur fragen, wie viel die Autoscheibe gekostet hat.
Ich meine, du sagtest 70 Lira.
Echt?
Dann erinnere ich mich falsch. Ist gut.
Vergiss es. Kein Problem.
Ich habe mich geirrt. Es waren 170, nicht 70.
170 Lira?
- Wie kann das sein? - So viel hat es gekostet.
Hidayet kann dir die Rechnung zeigen.
Ich vergaß, zu fragen, ob er eine Rechnung hat.
Meine Güte.
Es ist doch nur eine Scheibe. Wie kann das sein?
Da muss ein Fehler vorliegen, Aydin Bey.
Was ist das? Haben wir keine Männerhausschuhe?
Nein, weil man im Hotel keine braucht. Die sind von zu Hause.
Keine Sorge, das geht schon. Solange sie warm halten.
Wo soll ich den Tee hinstellen?
Hier. Ich nehme das mal weg.
Hamdi Hodscha, setz dich hierhin.
Danke.
Also, Hamdi, hör zu.
Ich habe mehrere Häuser und Läden in der Gemeinde.
Sie gehören nicht nur mir...
Sie gehören auch meiner Schwester, Necla.
Wenn ich mich um all das allein kümmern würde,
hätte ich keine Zeit mehr für mein Buch und meine Kolumne.
Verstehst du?
Also kümmern sich Hidayet und die Anwälte um die Mieteinnahmen.
Ich weiß meistens nicht mal, was sie machen.
Und wenn sie es mir sagen, vergesse ich es.
Als neulich dein jüngerer oder älterer Bruder...
Mein älterer.
Er wusste nicht genau, was er sagt.
Aber ich möchte betonen:
Ganz abgesehen von der Pfändung,
ich wusste nicht einmal, dass ihr meine Mieter seid.
Wenn die Miete nicht bezahlt wird, tun Anwälte diese Dinge automatisch.
- Verstehst du? - Natürlich, Aydin Bey, das ist klar.
Das müssen Sie natürlich tun.
Sie hatten schon viel Geduld mit uns.
Ismail ist nur erst aus dem Gefängnis entlassen worden.
Er hat noch nicht zu sich gefunden. Niemand gibt ihm einen Job.
Ich verstehe nicht, warum, aber es ist eben so.
Deshalb brauchen wir ein wenig Zeit.
Wenn Sie also zumindest einschreiten könnten,
um die Räumung zu stoppen...
Wir werden das so schnell wie möglich in Ordnung bringen.
Wir wollen das Haus nicht verlieren.
Ich habe meine Kindheit in diesem Haus verbracht.
Wenn Sie uns also noch Zeit geben...
Was soll ich dir denn sagen?
Ich verstehe dich, aber...
Du musst das mit Hidayet besprechen. Ich bin wirklich nicht damit vertraut.
- Hast du mit ihm gesprochen? - Nein.
Rede mit ihm.
Also...
Es gibt Hidayet und die Anwälte. Du brauchst nicht zu mir kommen.
Die kennen sich besser aus.
Komm nicht noch mal zu mir.
Ich will dir nichts Falsches sagen.
"Verdient das Volk eines Landes mit 99 % Muslimen
keinen gut ausgebildeten Geistlichen
der kultiviert und adrett ist,
und dessen Erscheinungsbild Vertrauen erweckt?
Die wöchentlichen Gottesdienste, die unsere Imame
aus gelesenen Werken zusammenstellen und halten,
würden dann mit Begeisterung und Achtung gehört
und zur Entwicklung der Gemeinde beitragen.
Der Islam ist eine Religion der Zivilisierung der hohen Kultur."
Wie findest du das?
Gut.
- Es ist nicht zu hart, oder? - Nein.
Es kann auch nicht missverstanden werden, oder?
Nein. Du sagst ja nichts über die Religion.
Du sagst etwas über die Praktiken und die Praktizierenden.
Und ich sage, dass der Islam eine Religion hoher Kultur ist.
Natürlich.
Eigentlich ist mir so etwas ja egal.
Aber es ist ein heikles Thema.
Dieser Kerl ärgert mich nur so, ich musste einfach darüber schreiben.
Also hat er es geschafft, Thema einer Kolumne zu werden.
Mit seiner Schäbigkeit, seiner Listigkeit und Undurchschaubarkeit...
Weißt du...
Tja.
Ich habe mal einen Imam gespielt, ich hatte gute Kritiken.
Wenn ich ihn jetzt so sehe, denke ich, dass ich nicht so gut war.
Da gibt es offenbar sehr viele Details.
Hast du das Stück gesehen?
- Welches Stück? - Das, in dem ich den Imam gespielt habe.
- "Verletzte Vögel". - Ich erinnere mich nicht.
Er rennt in der ersten Szene über die Bühne, weil er aufs Klo muss.
Da muss ich im Ausland gewesen sein.
Er rennt auf die Bühne: "Wo ist das Klo?"
- Nein. War es eine Komödie? - Ja.
- Zuerst... - Ich erinnere mich nicht.
- Kann ich dich was fragen? - Mhm.
Sich gegen das Böse nicht zu wehren...
Was bedeutet das für dich?
Was?
Sich gegen das Böse nicht zu wehren. Was denkst du, bedeutet das?
Sich gegen das Böse nicht zu wehren?
Was denkst du, heißt das?
Nun...
Du wirst von Räubern überfallen, und du wehrst dich nicht.
Das ist es.
Ich will kein Beispiel. Gib mir eine logische Definition.
Das entbehrt doch jeder Logik,
eine logische Definition des Sich-nicht-gegen-das-Böse-Wehrens.
Sich gegen das Böse nicht zu wehren, heißt,
bei Vorfällen, die innerhalb eines ethischen Rahmens
als böse definiert werden, reaktionslos zu bleiben.
Wie ist das?
Wenn wir zum Beispiel diese Idee des Sich-nicht-gegen-das-Böse-Wehrens
zur Basis unseres Verhaltens machen,
wie würde unser Leben dann sein?
Wie es sein würde?
Wie sollte es schon sein? Diebe, Mörder, Psychopathen würden Feste feiern.
Das Chaos würde regieren.
- Was würde uns dann bleiben? - Was bleiben würde?
Eine Menge Irre und Irrenhäuser. Was weiß ich?
Vielleicht hast du recht.
Aber ich mache es mir nicht so leicht wie du.
Was heißt hier leicht machen?
Vielleicht solltest du darüber nachdenken.
Du urteilst zu schnell.
Tue ich nicht. Das ist einfach.
Jemand tut dir Böses an, und du wehrst dich nicht. Das war's.
Was gibt es darüber nachzudenken?
Ich denke,
wir machen uns etwas vor, wenn wir uns gegen das Böse wehren.
Als würden wir nicht alles bedenken und etwas verheimlichen.
Wie meinst du das?
Fatma, der Honig ist gefroren. Haben wir anderen?
- Ich sehe nach. - Setz ihn ansonsten in heißes Wasser.
Warum tun wir nicht das Gegenteil, statt uns gegen das Böse zu wehren?
Wenn du nicht willst, dass dieses Gemälde gestohlen wird,
ist es vielleicht besser, es dem Dieb zu geben.
Vielleicht ist das die bessere Lösung.
Angenommen, ich will eine Frau heiraten, nur weil ihr Vater reich ist.
Dann sollte sie sich mir ergeben, um meinen bösen Plan zu vereiteln, ja?
Vielleicht schämt er sich, bekommt ein schlechtes Gewissen
und gesteht seine Schuld ein.
- Sollte man ihm das nicht ermöglichen? - Das ist lächerlich.
Sollen wir Morde zulassen, weil der eine oder andere seine Tat bereuen könnte?
Solchen Unsinn gibt es nicht mal in Fernsehserien.
Du kannst denken, was du willst. Ich habe meine Lösung.
Ich sehe keinen Grund, mich gegen das Böse zu wehren.
Will mich jemand umbringen? Bitte sehr.
Denn wenn ich mich dagegen wehre,
macht das keinen besseren Menschen aus dem Mörder.
Aber du könntest überleben. Ist es das nicht wert?
Vertrau mir, das ist es nicht.
Hören wir auf damit. Ich bin jetzt schon deprimiert.
- Was denkst du, Nihal? - Ehrlich gesagt verstehe ich es nicht.
Woher kommt dieses Bedürfnis?
- Warum fühlst du so? - Es ist kein Bedürfnis, nur eine Idee.
Sie will den Bösen helfen, Böses zu tun.
Warte. Willst du auf diese Weise das Böse aus der Welt tilgen?
Oder willst du Frieden finden?
Sie will den Bösewichten helfen, ihnen ihre Taten erleichtern.
Nein, wir sollten ihnen eine Chance geben, damit sie bereuen können.
Eine Chance für die Bösewichte. Na toll!
- Tu nicht, als verstehst du es nicht. - So habe ich es verstanden.
Wie hast du es verstanden?
Bösewichte werden bedauern, wenn du ihnen bei ihren Taten hilfst.
Nein...
- Wie kannst du das so verstehen? - Wie verstehst du es denn?
Es ist doch ganz klar, was sie sagt.
Wenn mir jemand etwas antut, ein Dieb oder so,
wehre ich mich nicht und wecke so sein Gewissen...
Hört doch auf. Was ist mit euch los heute Morgen?
Du kannst einem Bösewicht doch nicht behilflich sein.
- Wer sagt das? - Ist das der Plan das Böse aufzuhalten?
Du versuchst uns zu provozieren.
So habe ich es verstanden. Korrigiert mich doch.
Was verstehst du denn daran nicht?
Sie sagt, wenn uns etwas Böses angetan wird,
könnte der Bösewicht dies bedauern und aufhören, wenn wir uns nicht wehren.
- Kommt so etwas vor? - Das ist nicht die Frage.
Ich rede von einem Versuch.
Also sollten die Juden sich selbst deportieren.
Damit Hitler es sich anders überlegt?
"Da sind ja die Juden. Ich werde sie doch nicht vergasen."
- Soll das lustig sein? - Nein. So verstehe ich es.
Hilf Bösewichten, Böses zu tun, damit sie ihre Taten verwerfen.
Ich habe nie solchen Unsinn gehört.
Entweder verstehe ich nicht, oder du kannst dich nicht verständlich...
Aydin Bey, die sind schon wieder da.
- Wer? - Hamdi.
- Welcher Hamdi? Hamdi Hodscha? - Ja.
- Ist er hier? - Ja, oben.
Was will er? Er war doch erst da.
Ich weiß nicht, er sagt nichts. Er tut so geheimnisvoll.
Ich habe keine Lust auf den. Hast du gesagt, dass ich da bin?
Natürlich nicht. Ich sagte, ich sehe nach.
Wenn er etwas abgeben will, soll er es dir geben.
Er ist gestern auch gekommen. Er hat nichts abgegeben.
Gestern? Warum hast du es mir nicht gesagt?
Habe ich doch. Sie schliefen noch. Ich sagte ihm, Sie wären nicht da.
Echt?
- Der Junge ist auch da. - Welcher Junge?
Der mit der Autoscheibe.
- Er war gestern auch hier. - Ich ahne Böses.
Warum redest du nicht mit ihm? Ihr Weg war weit.
- Wovor hast du denn Angst? - Es geht nicht um Angst.
Aber er ist weinerlich, lästig und beendet nie einen Satz.
Aber jetzt sind sie hier. Wir können sie nicht wegschicken.
Na gut. Lass sie rein.
- Mal sehen, was er jetzt ausbrütet. - Ja.
Ich mache es auf deine Art. Mal sehen, ob ich verstanden habe.
Hamdi kommt jetzt. Ich werde allem, was er will, zustimmen.
- Aber er hat nichts Böses getan. - Vielleicht wird er das.
Wir wissen nicht, warum er hier ist. Aber ich wehre mich nicht.
Gut oder böse, wir werden sehen.
- Mit einem Messer in der Hand? - Wer weiß.
Komm rein, Hamdi Hodscha. Guten Tag.
Guten Tag, Hamdi.
Guten Tag. Entschuldigen Sie bitte die Störung.
- Sie stören uns nicht. - Wollen Sie frühstücken?
Danke, wir haben keinen Hunger.
Setzt euch doch bitte. Fatma, bring Tee für unsere Gäste.
Und Kekse für den Jungen.
Das Tal ist wie ein Sumpf.
- Verzeihung, wir sind voller Schlamm. - Warum wart ihr im Tal?
- Welchen Weg habt ihr genommen? - Die Abkürzung.
Ich sah vorhin zwei Gestalten. Wart ihr das?
- Wahrscheinlich. - Unglaublich.
Seid ihr etwa den ganzen Weg zu Fuß gekommen?
Ja, das sind wir. Warum?
Das ist ein weiter Weg.
Ja, stimmt.
Es ist weit, nicht?
Seid ihr das letzte Mal auch gelaufen? Gestern, meine ich.
Ja.
Meine Güte. Warum hast du das nicht gesagt?
Hidayet hätte euch zurückfahren können. Das tut mir jetzt leid.
Das braucht es nicht. Es ist wie Sport für uns. Keine Sorge.
Aydin, biete ihnen einen Platz an.
Fatma, bring mir meinen Tee rüber.
Setzt euch doch. Hast du nicht einmal ein Moped?
Ich will eins kaufen, wenn es uns wieder besser geht.
- Das wäre gut. - So Gott will.
Die Moschee ist ja bei uns gleich nebenan.
Fünf mal am Tag hin und her wäre sonst etwas schwierig.
- Gott bewahre. - Ist das Ihr Sohn?
- Er sieht Ihnen ähnlich. - Nein.
Er ist mein Neffe, der Sohn meines Bruders.
Ich habe keine Kinder.
Ich hatte vor lauter Arbeit keine Zeit zum Heiraten.
Ist wohl mein Schicksal.
Das kommt. Du bist noch jung.
Aber Ilyas ist auch wie ein Sohn.
Natürlich. In welche Klasse gehst du, Ilyas?
Sag doch, in welche Klasse?
Die fünfte.
Aydin Bey... Ich fahre zur Werkstatt.
- Warum? - Die Autotür reparieren lassen.
Ist das so dringend?
Der Motor macht auch komische Geräusche.
- Was für Geräusche? - Er brummt so komisch.
Könnte der Zylinder sein. Nicht, dass noch der Motor brennt.
Ist gut, fahr.
Aydin Bey, wie ich schon sagte,
nach dem Vorfall hat sich der Junge furchtbar gefühlt.
- Welcher Vorfall? - Das mit dem Stein.
Das ist doch schon vergessen.
Ich meine, der Junge ist so traurig.
Er fühlt sich seitdem so schlecht.
Um Verzeihung zu bitten, ist bereits schwer.
Reue hingegen ist ein Zeichen der Reife.
Doch solange ein Groll besteht,
findet der Mensch keinen Frieden.
Unser Prophet sagt:
- "Reue... - ... ist Buße."
Wenn ein Mensch uns von seiner Reue überzeugt,
dann haben wir keine andere Wahl, als ihm zu verzeihen.
Genau so ist es. Und Ilyas ist so ein kluger Junge mit einem so reinen Herzen,
dass er trotz seines Alters auf mich gehört hat.
Er hat nachgedacht und mir recht gegeben.
Aus diesem Grund ist er heute hier, um Ihre Hand zu küssen.
Ich sagte: "Das ist das Richtige, mein Junge.
Zeige deine Reue und du wirst sehen, dass Aydin Bey dir vergeben wird."
Stimmt's?
Das ist wirklich nicht nötig.
Aber natürlich ist es das.
Ansonsten wird er mit dem, was er getan hat, einfach davonkommen.
Das wäre eine große Gefahr.
Nicht wahr, Ilyas, mein Junge?
Ich mag es nicht, wenn man mir die Hand küsst.
Mein Vater ließ das auch nie zu.
Er hat es uns auch nie erlaubt. Nicht wahr, Necla?
Nein. Sonst kommt er nicht zur Ruhe.
Nicht wahr, mein Junge?
Komm jetzt und küsse Aydin Beys Hand, mein Sohn.
Ilyas?
Hatten wir nicht gesagt, wir tun das, ohne dass es dein Vater erfährt?
Blamiere mich nicht vor allen Leuten.
Komm schon, mein Junge. Küsse Aydin Beys Hand.
- Na komm schon. - Na gut.
Ilyas.
Ilyas, mach schon. Aydin Bey wartet.
Ilyas.
Nicht ziehen.
Los, jetzt zieh.
Zieh jetzt.
Halt. Lass ihn ein bisschen ausruhen.
Ja. So ist gut.
Geh nicht zu nah ran.
Wasabi.
Mein Gott. Da schießen einem die Tränen in die Augen, nicht?
Japaner mögen es eigentlich auch scharf.
- Isst du das nicht in Japan? - Als Kind mochte ich es nicht.
Aber jetzt liebe ich Wasabi.
Es ist eiskalt.
Mir schlottern die Knochen.
Was machst du?
Nichts.
Wo ist Aydin?
Keine Ahnung. Wahrscheinlich in der Stadt. Ist er nicht in seinem Zimmer?
Nein.
Ich mache Kaffee. Möchtest du auch?
Hm?
Kaffee? Willst du welchen?
Hm?
Ja, ich nehme einen.
Was machen wir nur mit der neuen Putzfrau?
Sie hat meine Lieblingsgläser in den Spüler getan.
- Zwei sind kaputt. - Sie hat es mir gesagt.
Das ist doch klar, dass sie zu dünn sind für die Maschine.
Ich sollte es ihr vom Gehalt abziehen, damit es ihr eine Lehre ist.
Übertreib es nicht, Necla. Vergiss es.
Ich übertreibe nicht. Es gibt Dinge, die einem viel wert sind.
Ich habe sie aus Istanbul. Die findet man sicher nicht wieder.
Ich weiß, aber es sind doch nur Gläser.
Vielleicht hast du recht. Ich weiß nicht.
Nein, vielleicht hast du ja recht.
Mir ist bewusst, dass ich in letzter Zeit etwas gereizt bin.
- Weil ich voller Sorge bin. - Worum sorgst du dich?
Es geht so viel in meinem Kopf herum.
Er ist Alkoholiker geworden.
- Wer? Necdet? - Ja.
Er hat doch immer viel getrunken, nicht?
Das hat er, aber...
er hat sich nach der Trennung richtig gehen lassen.
Er trinkt schon zum Frühstück.
Aber da kannst du doch nichts tun.
Ich weiß, aber manchmal...
denke ich, dass die Trennung es vielleicht noch verschlimmert hat.
Er dort in dem Zustand, ich hier unglücklich.
- Denkst du das wirklich? - Nun ja...
Vielleicht will ich nur herausfinden, was ich falsch gemacht habe.
Weshalb wir so enden mussten.
Wenn du immer noch nichts gefunden hast,
ist es vielleicht nicht dein Fehler.
Oder etwa nicht?
Soll ich mich der Horde anschließen,
die glaubt, dass alles Böse von außen kommt?
Nein. Aber es muss trotzdem nicht an dir liegen.
Das meine ich.
Warum willst du nie so denken?
Weil es mir nichts bringt.
Eine vernünftige Person sollte sich mit der eigenen Schuld beschäftigen.
Ein bisschen Selbstbetrug schadet nicht, um sich zu schützen.
Aber... Nun gut... Was denkst du, könntest du falsch gemacht haben?
Ich weiß nicht, aber...
Es ist nur ein Beispiel.
Wenn ich über all das Böse, das Necdet mir angetan hat, hinweggesehen hätte...
Wenn ich mich nicht gewehrt hätte...
Wenn ich mich nicht getrennt hätte...
Wenn ich ihn mit seiner Boshaftigkeit hätte konfrontieren können...
Ich weiß nicht.
Ich frage mich, was passiert wäre, wenn ich mich anders verhalten hätte.
Denkst du, dass er sich am Ende geschämt hätte, wenn du dich all dem,
was er dir angetan hat, nicht widersetzt hättest?
Ja.
Ja. Genau. Du hast es gut ausgedrückt.
Ich weiß, es klingt absurd, das ist aber es nicht.
Entschuldige, Necla, aber da bin ich mir nicht so sicher.
Menschen verändern sich ab einem gewissen Alter nicht so leicht.
Im Gegenteil, ihre schlechten Eigenschaften verhärten sich.
Über das Böse zu schweigen,
bringt nichts, außer, dass sich der andere bestätigt fühlt.
Aber er bedauert es jetzt bestimmt auch.
Deshalb sagte ich das. Ich kann es fühlen.
Wenn er einen Grund fände, würde er bestimmt herkommen.
Wenn ich woanders wohnen würde, würde er das sicherlich tun.
Aber nach all dem, was passierte,
hat er ein bisschen Schiss vor Aydin.
Aber weißt du, was ich manchmal denke?
Dass ich ihn um Verzeihung bitten sollte.
Necdet?
Ja.
Aber du trägst keine Schuld.
Trotzdem.
Das ist ja das Gute daran.
Damit er sich in Grund und Boden schämt.
Um vielleicht damit das Gute aus ihm herauszuholen.
Necla, siehst du in letzter Zeit vielleicht zu viele Seifenopern?
- Was soll das heißen? - Solche Dinge passieren nur dort.
Mehr ist dazu nicht zu sagen.
Es ist deine Entscheidung. Ich halte es für großen Unsinn.
Wenn du das aber tun willst, wird dich niemand aufhalten.
Du kannst tun, was du willst.
Aber dann musst du auch die Konsequenzen tragen.
Vergiss das nicht.
So sehe ich das.
Diese kleinen, vieldeutigen, sarkastischen Worte...
und diese kleinen, zynischen Lippenbewegungen.
Ich bemerke gerade, wie sehr ich es satt habe, und wie sehr ich es hasse.
Necla, du übertreibst. Bitte.
In Wahrheit will ich Necdet vielleicht um Verzeihung bitten,
um euch und all dem zu entkommen.
Jetzt wird es mir klar.
Niemand wird mich aufhalten? Natürlich nicht.
Ich brauche keine Erlaubnis dafür.
Dies ist auch das Haus meines Vaters.
Ich komme und gehe, wann ich will.
Außerdem...
Ich habe den Preis für die Wahrheit schon bezahlt.
Einen Preis, den keiner von euch bezahlt hat.
Ist das nicht Omar Sharif?
Was?
Das Foto? Ist das Omar Sharif?
Ja. Hier wurde ein Film gedreht.
- In diesem Hotel? - Nein, hier in der Gegend.
Er ist ein sehr bescheidener Mensch.
Er ließ sich mit jedem fotografieren.
- Echt? - Ja.
Man erwartet das ja nicht von einem großen Star.
- Aber er ist nicht so. - Welcher Film war das?
Ich erinnere mich nicht. Ich will nicht lügen.
- Hallo. - Hallo.
Wie hieß der Film, den Omar Sharif hier gedreht hat?
- "Monsieur Ibrahim". - Ja, genau.
Ich habe davon gehört. Wo genau wurde gedreht?
In der Gegend. In Istar und so.
- Istar? - Ja.
Interessant. Mal sehen, wo das ist.
Wo sind alle?
Meinen Sie Nihal und Necla Hanim? Die waren eben noch hier.
- Was haben sie gemacht? - Geredet.
- Hier, in der Lobby. - Echt?
Ich war kurz draußen, dann waren sie weg.
Haben sie sich normal unterhalten?
Was meinen Sie mit "normal"?
Egal.
- Möchten Sie Tee? - Gerne.
Bringst du uns Tee?
Istar ist in der Nähe, gegenüber von Akköy.
Ich hab's gefunden. Es sind etwa 20 Kilometer.
Sie kennen sich ja besser aus als wir.
Nicht doch.
Was machen Sie beruflich? Sind Sie Reiseführer?
Nein, bin ich nicht.
Ich reise.
Ist das im Winter nicht schwer mit dem Motorrad?
Je schwieriger, umso besser für uns.
- Wer ist "uns"? - Motocross-Fahrer.
Verstehe.
Ich habe während des Studiums etwas Ähnliches gemacht.
- Echt? - Mit Freunden per Anhalter durch Europa.
Wenn es nicht anders ging, haben wir natürlich den Zug genommen.
Das waren Zeiten.
Wir haben geschlafen, wo immer der Tag endete.
Die Welt war wie für uns erschaffen.
Es war, als würde das Leben nie enden.
Die Energie der Jugend.
Per Anhalter reisen ist nichts für mich.
Ich muss unabhängiger sein.
Ich muss autark sein.
Ein Motorrad ist eher mein Ding.
Übernachten Sie dann nur in Hotels?
Ich habe ein Zelt und so, aber hier wollte ich nicht zelten.
Dieser Ort ist ja wie eine Höhle, also natürlicher als ein Zelt.
Ich habe auch noch etwas zu schreiben.
- Ja? Was schreiben Sie? - Über meine Erlebnisse.
So was wie ein Reisetagebuch?
Es ist auch ein Reisetagebuch.
Nennen wir es Essays.
- Es wird bald als Buch veröffentlicht. - Echt? Das ist toll.
Ich schreibe auch ein Buch.
Echt?
Es wird ein ernstes, dickes Buch.
Die Geschichte des türkischen Theaters.
Es gibt kein ernst zu nehmendes Werk darüber. Leider.
Ich bin bei der Recherche und muss viel lesen.
Alte Dokumente, Artikel, Bücher und so.
Ich bin fast fertig. Ich muss nur noch anfangen zu schreiben.
- "Anfangen ist die halbe Arbeit." - Stimmt.
- Sie waren früher auch Schauspieler. - Richtig.
- Das erklärt das Thema. - Ja, das stimmt.
Ich ziehe "Theaterdarsteller" vor.
Die Schauspielerei ist jüngst etwas in Ungnade gefallen.
Ich war 25 Jahre lang auf der Bühne.
Und ich bin stolz, dass ich nie in einer TV-Serie gespielt habe.
Trotz mancher attraktiver Angebote.
Omar Sharif sagte etwas zu mir, als wir uns kennenlernten.
Er erfuhr, dass ich Schauspieler bin, sah mich an und sagte:
"Schauspielerei ist vollkommene Ehrlichkeit."
Das ist sie wirklich.
Beeindruckend.
- Wir haben jetzt ein Pferd. - Echt? Kann man es reiten?
Es muss sich ein paar Tage beruhigen. Wie lange bleiben Sie?
- Hier? - Ja.
Ich weiß nicht. Ich habe noch nicht entschieden.
Ich lege mich nicht fest. Ich denke nicht oft an die Zukunft.
Wenn man plant, ist es nicht mehr wie eine echte Reise.
Man verliert den Sinn für das Abenteuer.
Wie soll ich sagen?
Es ist wie ein verplantes Leben, das dann kein Leben mehr ist.
Wie heißt es so schön?
"Das Leben vergeht, während wir Pläne machen."
Das ist wohl wahr.
Wolltet ihr nicht mit Fatma zum Markt?
Ich...
habe Fatma gesagt, sie soll allein gehen. Ich hatte keine Lust.
Hm.
Hast du das Buch gelesen, das ich dir gegeben habe?
Schon lange.
Und?
Was meinst du?
Ist es eine Übersetzung wert?
Nein, ich denke nicht, dass es die Arbeit wert ist.
Hm.
Na ja...
Kann ich was fragen, wenn ich dich nicht unterbreche?
Natürlich. Aber bitte nicht über das Sich-nicht-gegen-das-Böse-Wehren.
Ich bin auf etwas gestoßen.
Ich will das schnell beenden und abschicken.
Nach deiner Aufregung zu schließen, muss es eine Goldmine sein.
Nein, nicht wirklich.
Ich schreibe eine Folgekolumne. Die letzte erweckte großes Interesse.
- Wirklich? - Ja.
Vehbi hat es gesagt.
Die Zeitung soll viele Drohanrufe bekommen haben.
Ach, du kennst doch Vehbi.
Er übertreibt gern,
um zu verbergen, dass seine Zeitung keinerlei Einfluss hat.
Die Kolumne war nicht provokativ.
Ja...
Finde ich auch,
aber, ich weiß nicht.
Warum schreibst du denn überhaupt darüber?
Du bist Schauspieler. Schreib doch darüber.
Meine Liebe, oft kannst du dir das Thema nicht aussuchen.
Gewissermaßen sucht es dich aus.
Natürlich hat jeder das Recht, über jedes Thema zu reden oder zu schreiben.
Aber dann muss man auch akzeptieren, dass das Werk entsprechend ausfällt.
Das heißt?
Es besteht ein großer Unterschied zwischen der Ansicht
eines lebenslangen Experten und der eines Amateurs.
Kann ein Außenstehender manche Dinge nicht klarer sehen?
Ehrlich gesagt, nicht in diesem Fall.
- Welchem Fall? - Ich sage es mal so.
Neulich habe ich die Kolumne, die du mir gegeben hast, gelesen.
Danach musste ich noch einige andere lesen.
Und?
Ich habe vorher nicht so darauf geachtet, aber diesmal empfand ich sie anders.
Wie, anders?
Ich weiß nicht.
Hat Nihal sie gelesen?
Ich glaube nicht. Sie interessiert sich wohl nicht für meine Artikel.
Sollte eine Frau die Arbeit ihres Mannes nicht interessieren?
Ich weiß nicht. Ist das so?
- Vielleicht liest sie sie heimlich. - Ich denke, sie liest sie.
Sie ist eine Expertin im Kritisieren, indem sie schweigt.
Ich glaube sowieso nicht, dass sie objektiv genug sein könnte. Egal.
- Und? - Ehrlich gesagt...
Ich wäre wohl nicht so mutig.
In welchem Sinne?
Ich meine...
Sich über Themen auslassen, von denen man nichts versteht.
Sich auslassen?
Du findest meine Kolumnen schlimmer, als ich dachte.
Ich habe nicht gesagt, dass sie schlecht sind.
Es ist etwas anderes.
Etwas anderes? Was denn anderes?
Ich finde sie...
Mittelmäßig? Erbärmlich?
- Ich finde nicht das richtige Wort. - Harmlos.
Meinst du das?
Ich weiß nicht, vielleicht.
Deine Worte sind heute süß wie Honig.
Ich versuche, realistisch zu sein.
Bravo, was soll ich sagen?
Wenn du willst, kann ich auch damit aufhören.
Zu spät. Der Geist ist aus der Flasche.
Wenn du nach jemandes Meinung fragst,
musst du mit den Konsequenzen leben können.
Was soll ich sagen? Das stimmt.
Früher haben wir dich bewundert.
Wir dachten,
dass du große Dinge tun und sehr berühmt werden würdest.
Aber so ist es nicht.
Hm.
Der Elefant hat eine Maus geboren.
Tut mir leid, dass ich euch enttäuscht habe.
Das ist ja nicht deine Schuld.
Wir haben die Erwartungen zu hoch gesteckt.
Da bin ich aber beruhigt.
Und "Blumen der Steppe"? Was hältst du davon?
Um ehrlich zu sein,
das war die Kolumne, die mich so denken ließ.
Wirklich? Wie meinst du das?
Wie soll ich sagen? Diese sentimentale Romantik.
Dieses naive, wenig überzeugende Selbstvertrauen.
Du gehst ja kein Risiko ein.
Es sieht aus, als übernehme der Autor
allseits akzeptierte positive Werte,
nur um sich beliebt zu machen.
Manchmal ist es so, dass es zum Himmel hoch stinkt,
unter dem Deckmantel der Lyrik.
Du hast dich wirklich geärgert.
Ich mag diesen Stil nicht besonders.
Wenn das stimmt, was du sagst, sollte ich aufhören zu schreiben.
Nein, mein Lieber. Es ist nur meine Sichtweise.
Zum Glück sind nicht alle deiner Meinung.
Natürlich.
Wer ist es nicht?
Ich sehe, du bist neugierig.
Nein, es ist nur, weil du es erwähnst.
- Ich habe dich doch nicht verärgert? - Nein.
Bist du sicher?
Vielleicht ein bisschen.
Ein Autor ist schließlich sensibel, was seine Werke betrifft.
Aber ich kann das verkraften.
Du kommst ja auch nicht mit schlüssiger, konstruktiver Kritik,
so als stecke immer etwas anderes hinter deinen Äußerungen.
Das stört mich.
Ich habe das Gefühl, dass du mich hasst und nicht meine Kolumnen.
- Unsinn. - Aber so ist es.
Zudem sind wir heute sehr verschieden. Das muss man akzeptieren.
Wir betrachten vieles, das Leben, sehr verschieden.
Das ist ja auch natürlich.
Je älter man wird, umso eigensinniger und unbeugsamer wird man.
Da erscheint es dann normal, dass sie dir nicht gefallen.
Vielleicht muss das so sein.
Vielleicht sollte ich mich sogar darüber freuen. Verstehst du?
Ach, egal.
Ich möchte es nicht in die Länge ziehen.
Es ist unglaublich, wie du es immer schaffst, das letzte Wort zu haben.
Du findest immer einen Weg, dich zu rechtfertigen.
Necla, können wir das bitte lassen?
Sagtest du nicht, du wolltest mich etwas fragen?
- Das hat sich erledigt. - Nein. Was wolltest du fragen?
Ich wollte fragen, worüber du in deiner neuen Kolumne schreibst.
Nein, das war es nicht.
Doch, das war es.
Na gut. Religion, Werte und so weiter. Nichts, was dich interessiert.
Ich verstehe.
Du hast ein Opfer gefunden, aus dem du das Maximum rausholst.
Lass den armen Mann doch in Ruhe.
Ich verliere meine Geduld. Was hat das damit zu tun?
Was hast du mit Religion, Glauben und Moral zu tun?
Hast du je einen Fuß in eine Moschee gesetzt?
Hast du je gebetet, dass du darüber schreiben dürftest?
Muss ich religiös sein, um darüber schreiben zu dürfen?
Du sagst ständig, dass seine Füße stinken. Was geht dich das an?
Der Mann ist zehn Kilometer in dieser Kälte gelaufen.
Und er musste wohl mit diesen Füßen reinkommen.
Was willst du damit sagen?
Das weißt du verdammt gut.
- Nein, weiß ich nicht. - Dann erkläre ich es dir.
Ich finde es unehrlich, über den Glauben zu reden,
wenn jemand keine Träne am Grab seiner Eltern vergießt,
ja, sie nicht einmal besucht.
Es gibt Wege zu trauern, die du nicht kennst, Verehrteste.
Na fein. Dann mach weiter so.
Ich wünschte, meine Schwelle des Selbstbetrugs wäre so tief wie deine.
Dann könnte ich vielleicht auch sinnvolle Dinge tun
und dieser Langeweile entkommen.
Ich verstehe nicht,
wie du es nicht leid wirst, ständig auf derselben Sache herumzureiten.
Sich einer Sache zu widmen und hartnäckig zu bleiben,
ist die Voraussetzung dafür, neue Dinge zu schaffen und sie zu begreifen.
Außerdem, was heißt hier Langeweile?
Ich hatte nie eine Sekunde Zeit für Langeweile.
Außerdem ist Langeweile unter den gegebenen Umständen purer Luxus.
Also ist sie unter anderen Umständen kein Luxus?
Gut, dann sage ich es so: Langeweile ist immer Luxus. Glücklich?
Wir sind so verschieden, wir haben so entgegengesetzte Seelen.
Manchmal bezweifle ich, dass wir Geschwister sind.
Das ist normal. Geschwister sind nie gleich.
Ist einer fleißig, ist der andere faul. Ist einer schlau, ist der andere dumm.
Ist einer sozial, ist der andere introvertiert.
- Also? - Also ist es normal.
Warum bin ich aus Istanbul weggegangen? Warum?
Warum hab ich mich überreden lassen, zu euch zu ziehen?
Ich begreife es immer noch nicht.
Meine Seele geht hier ein.
Ich fühle mich da zu Hause, wo mein Zimmer und meine Bücher sind.
Ich brauche keinen anderen Ort.
Sich eine Welt erschaffen und sich beschäftigen zu können, ist eine Gabe.
Du langweilst dich, weil du herumsitzt und nichts tust.
Du hast dich gehen lassen. Früher hast du übersetzt.
Selbst das tust du nicht mehr. Da langweilt man sich.
Man muss arbeiten, eine Leidenschaft haben.
Es heißt doch, ein Leben ohne Arbeit ist fern von Ehre und Ehrlichkeit.
Es kommt darauf an, was du unter Arbeit verstehst.
Arbeit heißt nicht, sich ziellos und sinnlos zu beschäftigen.
Was heißt es dann?
Menschen, die viel denken, sind aktiver als andere.
Selbst, wenn sie nichts tun.
Du bist also mit Denken beschäftigt.
Vielleicht weiß ich nicht, was ich tun soll.
Ich habe keine Leidenschaft, die mich leitet.
Aber was machst du denn?
Du verschwendest deine besten Jahre mit für dich irrelevanten Dingen.
Bist du es nicht müde, Sinnloses zu tun wie ein Alchemist?
Dich so zu sehen, deprimiert mich.
Necla, was redest du da, um Gottes willen?
Bist du mit dem falschen Fuß aufgestanden?
Je mehr ich nachgebe, umso mehr drehst du durch.
- Beruhige dich. - Ich bitte dich.
Kein Wunder, dass du nach all den Jahren geschieden bist.
Kein Mann kann mit deiner scharfen Zunge leben.
Ein fauler Apfel verdirbt den ganzen Korb. Wie wahr.
Was soll das heißen?
- Nur so. - Über welchen Apfel reden wir?
Deine andere Hälfte. Ihr werdet immer ähnlicher.
Natürlich, wir müssen Nihal mit einbeziehen.
Ich weiß, was ihr über mich denkt. Aber das ist mir egal.
Das ist meine Meinung und hat nichts mit Nihal zu tun.
Sie gibt sich wie ein Schutzengel,
als würde sie irgendeinen Scheiß bewirken.
Sie betrachtet die Menschen von oben herab.
Sind wir jetzt schuld, dass du nichts tust?
Mach doch was. Niemand hält dich auf.
Wichtigtuerei heißt in diesem Haus neuerdings Wohltätigkeit.
Das ist die Beichte einer Frau, die nie Geld verdienen musste.
- Was immer sie auch zu beichten hat. - Was willst du denn von ihr?
Wohltätigkeit ist nicht, einem Hund einen Knochen hinzuwerfen.
Es ist das Teilen, wenn du genauso hungrig bist wie der Hund.
Jeder tut, was er kann und wie er kann. Was ist falsch daran?
Frag dich selbst, was dir solch eine Art von Arbeit bringt.
Was hat das jetzt damit zu tun?
Andere haben in dem Graben schon längst gefunden, wonach du gräbst.
Hör auf, deine Zeit zu verschwenden.
Es führt zu nichts. Dabei kommt nichts Neues heraus.
Dann sag du es mir doch. Was ist neu?
Du bist der Denker, nicht ich. Ich kann dich nicht belehren.
Meine Gedanken sind universell, auch wenn es nicht so scheint.
Um Gottes willen, Aydin. Sei doch einmal realistisch.
- Nur einmal. - Da schau an, wer über Realismus redet.
Du hältst die Beschäftigung mit Kunst
und der spirituellen Entwicklung der Menschen für Alchemie?
Was ich meine, ist:
Wenn all ihr Denker über die Lösung großer Probleme nachdenken würdet,
dann würden sich die kleinen Dinge von selbst ergeben.
Wenn man in einem Ballon aufsteigt, um eine Stadt zu sehen,
sieht man auch die Bäume, Flüsse und die Weiden.
Aber ihr seid auf einen Punkt fixiert.
Faul, feige und konservativ.
Wir drehen uns wieder im Kreis.
Wir müssen nicht einer Meinung sein. Warum streiten wir uns?
Weißt du, was dein Problem ist?
Du ziehst es vor, dich zu belügen, um keinen Schmerz ertragen zu müssen.
So ist es.
Aber man sollte die Courage besitzen, der Wahrheit ins Auge zu sehen.
Wenn du die Realität suchst,
musst du gegebenenfalls auch destruktiv sein, mein lieber Aydin.
Aber als Schauspieler bist du realitätsfremd und nicht du selbst.
Du springst wie ein Grashüpfer von einem Charakter zum anderen.
Es gibt etwas, das man "mit sich selbst leben" nennt.
Du willst, dass ich realistisch bin? Dann hör zu.
Du bist für den Rest deines Lebens zu Einsamkeit und Langeweile verdammt.
Weil du feige und faul bist.
- Ich? - Ja.
Du bist ein Leben als Parasit gewohnt, der von jedem Hilfe erwartet.
Du tust, als würde dir die ganze Welt etwas schulden.
- Beruhige dich. - Ich bin ruhig. Ich bin ganz ruhig.
Du erwartest Verständnis für alles, was du tust und sagst.
- Hältst du das für möglich? - So etwas verlange ich nicht.
Wie kommst du auf solche Ideen?
Du bist selbst nicht realistisch und bemerkst es nicht mal.
- Ich? - Ja.
Das ist ja toll.
Ich schwöre, jedes Mal, wenn du durch diese Tür kommst,
bete ich, dass du nichts sagst, das mich ärgern könnte.
Während du still hinter mir sitzt,
spüre ich, wie du nach Ärger suchst, nur um deiner Langeweile zu entkommen.
Mein Rücken wird starr.
Ich habe wohl magische Kräfte.
Als reibe jemand mit schwieligen Händen über meinen Rücken.
Ich erfriere innerlich, ich kann nicht schreiben.
Aydin, was sagst du da?
Musst du immer so nervig sein?
- Du bist ja richtig wütend. - Du hast jeden um dich vertrieben.
Kein Ehemann, keine Freunde, niemand. Du bist allein.
Liege ich falsch?
Ist das realistisch genug, oder soll ich weitermachen?
Das war wirklich sehr realistisch. Du hast recht.
Denken sei wichtiger als agieren.
Unsinn. Die jahrhundertealte Ausrede von Angsthasen und Nichtstuern.
Verlässt du dich darauf?
Eine fabelhafte Tirade.
- Hi. - Hallo.
- Wie geht's? - Danke, gut, und Ihnen?
Auch gut, danke.
Ich möchte gerne auschecken.
Oh, wirklich?
Ja, wir müssen morgen...
sehr früh los.
Sie gehen also schon.
- Verstehe. Schon so bald? - Tut mir leid.
- Wir werden Sie vermissen. - Danke.
- Hat es Ihnen hier gefallen? - Ja, natürlich.
- Hatten Sie eine schöne Zeit? - Ja. Ich bin froh, dass wir hier waren.
- Das Zimmer ist sehr schön. - Gut, das freut mich.
- Wie geht's? - Gut, und dir?
Ich wusste nicht, dass du kommst.
- Ich habe Suavi Bey eingeladen. - Das dachte ich mir.
Gibt es etwas zu feiern?
Nein, wir haben eine Versammlung.
Eine Versammlung?
Ist sie geheim? Ist das eine Militärratsversammlung?
- Habe ich nichts gesagt? Doch, habe ich. - Wann?
Ich sagte es, und du hast "Hm" geantwortet.
Ich wunderte mich über dein Desinteresse.
Ich sagte "Hm"? Ich erinnere mich nicht.
Egal. Es hat sowieso nichts mit dir zu tun.
Das weißt du doch.
Nihal. Wo genau hast du es mir gesagt?
Ich erinnere mich nicht.
- Aber ich... - Sie sagt, es hat nichts mit dir zu tun.
Ja, stimmt.
- Darf ich den Mantel nehmen, Aydin Bey? - Ja.
- Wo ist Necla? - Auf ihrem Zimmer.
- Ist sie schlecht drauf? - Nein. Soll ich mal nachsehen?
- Nein. Ist sie heute runtergekommen? - Ich glaube schon.
Warum fragen Sie?
Ist schon gut. Geh.
Und?
- Ich dachte, du gehst nie raus. - Tue ich auch nicht.
Nihal hat mich eingeladen. Ich konnte nicht Nein sagen.
Hör zu. Lass dich von denen nicht übers Ohr hauen.
Die sind unersättlich, und du kannst nicht Nein sagen.
Schau mich an. Sehe ich so leichtgläubig aus?
Ich will dich nur warnen, alter Freund.
Nicht, dass du mir später böse bist.
Fatma, bringst du mir einen Kaffee? Ich trinke einen Kaffee und gehe.
- Wo gehst du hin? Bleib doch. - Nein, das ist nichts für mich.
- Bleib doch ein bisschen. - Nein, nein.
- Hallo, Levent. - Hallo zusammen.
Wie geht's? Gib mir deinen Mantel.
Herr Lehrer, wo bleibst du? Ich wollte schon gehen.
Ich war im Heeresamt. Die Frau vom Kommandeur war da.
Und?
Die Leute sind in der Öffentlichkeit so nett zu ihren Frauen.
Aber wenn sie die Chance hätten,
würden sie sie in einen Sack stecken und ins Meer werfen.
Hallo. Ich bin Aydin, Nihals Mann.
Ah, sehr erfreut. Ich bin Levent, der Lehrer.
- Dachte ich mir. - Echt? Warum?
Sie kommen öfters. Ich habe von Ihnen gehört.
Ich weiß zwar nicht genau, was Sie tun...
Nihal kann es bestimmt besser erklären,
aber wir sammeln Spenden, um benachteiligte Schulen zu renovieren.
Seit Nihal uns unterstützt, haben wir viel erreicht.
- Das ist gut. Bravo. - Danke.
Warum setzt ihr euch nicht?
- Bitte. - Gern.
Levent, was trinkst du?
Von deinem berühmten Kaffeelikör, bitte.
Gerne. Will noch jemand? Suavi Bey?
Gerne, aber später.
Ich nehme einen Tee, Nihal. Danke.
Hör mal, Bülent. Wie viele Grundschulen gibt es in der Region?
Levent, nicht Bülent.
- Es gibt drei im Zentrum. - Wie viele Schüler sind dort?
Bei uns sind es 75... und 150 dort. Insgesamt 250 bis 300. Warum?
Das ist wenig. Ich dachte, es wären mehr.
Oh, es schneit.
Wenn das weitergeht, wird es schwierig, den Berg hochzufahren.
Aydin...
Kannst du mal kommen? Da ist ein Problem mit dem Küchenlicht.
Ich komme.
Welches ist es? Das hier?
Entschuldige. Ich habe das nur gesagt, damit du kommst.
Versteh mich nicht falsch, aber...
ich muss dir sagen, dass dies eine geschlossene Versammlung ist.
Und?
Wir wollen in dieser Versammlung
unsere monatelange Arbeit zu Ende bringen.
Und?
Ich muss dich bitten, uns allein zu lassen.
Ihr könnt doch reden, worüber ihr wollt. Verheimlicht ihr mir etwas?
Es geht nicht um Geheimnisse.
Nihal, findest du das nicht etwas unhöflich?
Warum unhöflich? Ich sage nur, dass das eine geschlossene Versammlung ist.
Wer würde das glauben? Du lädst viele Männer ein und schickst deinen weg.
Was soll das heißen?
Es sind auch Frauen da. Und es werden noch mehrere kommen.
Aber wenn du in der Nähe bist, gerät alles durcheinander.
Du steckst deine Nase in alles rein.
Lass es uns dieses Mal auf unsere Weise tun.
Wenn ich so eine Versammlung organisieren würde und du reinkämst,
würde ich dich nicht so respektlos behandeln.
Ich verstehe es wirklich nicht.
Das geht über meinen Verstand.
Wir arbeiten seit einem Jahr daran.
Du hast nie Interesse gezeigt, und jetzt willst du mitreden.
Ich verstehe nicht, was du willst.
Ich will nicht mitreden.
Ich hätte schon verstanden und wäre gegangen.
Ich ärgere mich nur über deine Kühnheit, mir das zu sagen.
Ich habe es dir nicht vor allen gesagt.
Ich habe dich hergerufen und dich höflich gebeten.
Was sollte ich sonst tun?
Ich weiß nicht.
Aber ich weiß, dass ich dich nicht so behandelt hätte.
Da bin ich mir sicher.
Wieder die alten Szenen.
Ich kann das nicht ausstehen.
Ist gut.
Ich tue, was du willst.
Ich gehe, du kannst bleiben.
Was wird das?
- Ich fahre. - Jetzt schon?
Man muss gehen, wenn die Zeit kommt.
Es könnte gefährliches Glatteis geben.
Ist mir egal.
Wir lieben die Gefahr.
Schön gesagt.
- Wohin soll es gehen? - Mal sehen.
Wohin der Weg mich führt.
War Hidayet unten?
- Ja, ich habe bei ihm bezahlt. - Das meinte ich nicht.
Brauchen Sie was? Proviant oder so was?
Nein, danke.
Na gut.
Fein.
- Gute Fahrt. - Danke.
Vergessen Sie uns nicht.
Nihal, störe ich?
Du brauchst es nicht zu verstecken. Ich wollte nur etwas fragen.
Dann frag, Aydin.
Ich hörte, dass ihr gestern Abend auch Spenden gesammelt habt. Stimmt das?
Ja, das stimmt. Na und?
- Warum hast du es mir nicht gesagt? - Muss ich das?
Nein.
Du musst nicht, aber es wäre gut gewesen.
Vielleicht hätte ich einen beachtlichen Beitrag geleistet.
Ich denke nicht, dass das eine gute Idee ist.
Es läuft alles sehr gut. Wir brauchen dich nicht, danke.
Warum denn nicht?
Man braucht immer mehr.
Ich bin ein wohlhabender Mann.
Es wäre selbstverständlich, die Bildung zu unterstützen.
Aber niemand erwartet etwas von dir.
Von dir doch auch nicht, meine Liebste.
Doch hast du ohne mein Wissen in unserem Haus ein Komitee versammelt.
- Oder etwa nicht? - Hör zu, Aydin, bitte.
Wir leben seit zwei Jahren in Frieden, jeder kümmert sich um seine Sachen.
Was hat sich so plötzlich geändert?
Gestern wolltest du nichts anderes, als mich und meine Gäste demütigen.
- Denkst du, das fällt mir nicht auf? - Das käme mir nicht in den Sinn.
Ach, komm. Ich konnte gestern Nacht vor Wut nicht schlafen.
Wenn wir wieder anfangen uns zu streiten, wie früher,
kann ich nicht länger hierbleiben.
Eijeijei.
- Ist das eine Drohung? - Warum sollte ich dir drohen?
Ich sage nur, was passieren wird.
Hm.
Angenommen, du gehst. Wohin wirst du gehen?
Wohin auch immer. Ich weiß es nicht.
Ich werde nach Istanbul gehen, einen Job suchen und arbeiten.
Ach, Nihal...
meine Liebste.
Du wirst es nicht müde, immer das gleiche Lied zu singen.
Als hielte ich dich mit Gewalt hier.
Ich habe dich doch nie aufgehalten, oder?
Geh, wann du willst. Vielleicht solltest du es probieren.
Finde einen Job für den Mindestlohn.
Von morgens um acht bis abends um sechs.
Nach der Arbeit kannst du weiter die Welt retten, wenn du noch Kraft hast.
Wenn es nötig ist, tue ich das.
Das ist tausendmal besser
als ein Leben als Parasit mit einem arroganten Mann wie dir.
Dank dir schwimme ich hier in der Leere.
Ich lebe auf deine Kosten. Ich gebe dein Geld aus.
Aber ich bezahle dafür mit meiner Freiheit und meiner sinnlosen Loyalität.
Weißt du, was es bedeutet, das Geld eines anderen zu spenden?
Nein, weiß ich nicht. Und warum?
Weil ich seit jeher wie ein Hund arbeite, um es nicht zu wissen.
Ich konnte weder Kindheit noch Jugend genießen.
Ihr habt es einfach zu gut.
Du hast keine Ahnung, was Dankbarkeit heißt.
Außerdem bitte ich dich...
Hör auf mit diesen geheimen Treffen in meinem Haus.
Ich lasse nur gute Bekannte in mein Haus.
Wenn dieses Pack karitativ sein will, sollen sie das woanders machen.
Niemand kann hier mitten in der Nacht Lärm machen.
Das erlaube ich nicht.
Und diesem Lehrer ist es auch scheißegal.
Von wegen die Schule brauche dieses und jenes.
Er will nur gelangweilte Neurotiker wie dich in die Falle locken.
Warum verstehst du mich nicht, Nihal?
Warum bist du so ungerecht?
Ich schwöre, meine einzige Absicht war es,
dir zu helfen und dich zu unterstützen.
Bitte lass mich in Ruhe, Aydin. Ich flehe dich an.
Lass uns für eine Weile auf Abstand gehen. Geh oder ich gehe.
Oder wir trennen uns, ich weiß nicht.
Ist ja gut, warum schreist du?
Ich gehe sowieso.
Ich habe das längst beschlossen.
Ich gehe eine Weile nach Istanbul.
Ich habe einige Dinge für mein Buch zu erledigen.
Aber ich mache mir Sorgen wegen deiner Spendenkampagne.
Es ist mir wichtig. Ich kann nicht gehen, bevor das erledigt ist.
Also bitte, setzen wir uns.
Reden wir wie zwei zivilisierte Menschen, ja?
Komm jetzt, bitte.
Komm.
Nihal, ich bitte dich höflich. Komm und setz dich.
Komm schon.
Nihal.
Nihal, kommst du jetzt endlich?
Nihal, meine Liebste...
Du hast diese Organisation gegründet,
weil du die Menschen liebst
und weil du ein Mensch mit Gewissen bist.
Ich halte es nicht für eine Verschwörung. Ich will dich sogar dabei unterstützen.
Ich respektiere deine Intelligenz und deine Gefühle,
insbesondere deine Gefühle.
Aber ich kann nicht erlauben, dass solch eine heikle Sache,
die uns nicht abschätzbare Probleme bereiten kann,
von dir und diesem Pack ruiniert wird.
Wie gut deine Absichten auch sein mögen.
Vergiss nicht: "Der Weg zur Hölle ist gepflastert mit guten Absichten."
Du hast ja keinerlei Erfahrung.
Du kennst das Leben nicht. Du bist enthusiastisch.
Du bist leichtgläubig.
Du vertraust jedem sofort.
Du hast all diese undurchsichtigen Helfer um dich versammelt.
Du spielst mit dem Feuer, Nihal.
Soll ich dir mal ganz offen etwas sagen?
Unter diesen Umständen kannst du zwei große Probleme bekommen.
Erstens, für die Schulen wird nichts getan.
Zweitens wirst du ein Vermögen wegen dieser Schlamperei verlieren.
Und dein Ruf ist ruiniert.
Das Geld kann ich ersetzen.
Aber was ist mit deinem Ruf, unserem Ruf?
Wenn die Dinge außer Kontrolle geraten, kannst du das Gerede nicht aufhalten.
Man wird sagen, dass wir das Geld veruntreut hätten.
Und du wirst allein dastehen. Sie werden sich alle verdrücken.
- Und wir werden beschuldigt. - Komm endlich zum Punkt.
Der Punkt ist: Ich habe mich gefreut, dass ihr Spenden gesammelt habt.
Aber ich mache mir auch Sorgen.
Du brauchst bei diesen Angelegenheiten mehr als Enthusiasmus.
Deshalb fühle ich mich gezwungen, einzugreifen,
damit wir in Zukunft keine Probleme haben.
- Gezwungen? - Ja.
Eigentlich wollte ich nach Istanbul. Aber ich muss das erst erledigen.
Das sind riskante Geschäfte, Nihal. Das ist kein Spiel.
In letzter Zeit gab es so viele Betrügereien und all die neuen Gesetze.
- Kennst du sie? - Komm zum Punkt. Was willst du?
Ich will all die Spenden und die Ausgaben sehen.
Und die Liste eurer Unterstützer.
Sie sind sicher vertrauenswürdig, aber Vorsicht ist besser als Nachsicht.
Ist das dein Ernst?
Nihal, meine Liebste, lass uns vernünftig sein.
Vertraust du meiner Erfahrung und meiner Ehrlichkeit nicht?
Ich verstehe nicht, was du willst.
Was soll ich wollen?
Was könnte ich denn schon wollen?
Ich versuche nur, meine Familie vor Unheil zu bewahren.
Das Recht habe ich, nicht?
Jetzt...
Lass mich die Spenden und die Ausgaben sehen.
Ich werde die Fehler eh auf den ersten Blick erkennen.
Ich will nur sehen, wie es läuft.
Ich habe nichts zu verbergen. Jeder kann es sehen.
Dort ist alles, sieh es dir an.
Dort?
Tut mir leid, aber das sagt mir gar nichts.
Gibt es keine ordentliche Spendentabelle?
Wir haben unterschriebene Quittungen.
Ach, Nihal, du mein lieber süßer Schatz.
Es ist offensichtlich, dass ihr nichts davon versteht. So geht das doch nicht.
Du brauchst eine Tabelle, die alles auf einen Blick zeigt.
Außerdem brauchst du auch eine Kopie der Spendenquittung.
Hast du die? Nein.
Für Geld oder geldwerte Spenden
musst du auch eine Rechnung oder einen Lieferschein erstellen.
Hast du das? Ich glaube kaum.
Aber das ist sehr wichtig.
Sehr wichtig.
Was, wenn sie die geleisteten Spenden von der Steuer absetzen wollen?
Was, wenn einer Steuern hinterziehen will?
Es bleibt an dir hängen, und du kommst ins Gefängnis.
Entschuldige, aber das sind sehr wichtige Details,
die man für nebensächlich und unwichtig hält.
Quittungen müssen nummeriert und gesondert aufgelistet werden.
Habt ihr das getan? Ich glaube nicht.
Egal. Ich werde das übernehmen, ihr braucht es nicht zu wissen.
Mach das. Mach, was du willst.
Gut.
Dann lass uns Folgendes machen.
Ich nehme die Bücher und die Papierstapel mit auf mein Zimmer.
Ich habe Computerprogramme, damit werde ich das regeln.
Ich werde dir meine Einschätzung geben, wenn ich es überprüft habe, ja?
Ist das auch...
Na dann.
Ist das sicher alles? Ich sollte alles mitnehmen.
Nimm es.
Nimm alles. Lass nichts da.
Das war alles, was ich im Leben habe. Du kannst es haben.
Nimm alles, was ich habe.
Nihal, Liebste, warum sagst du denn so etwas?
Nimm doch alles.
Du kannst alles haben.
Nimm die auch.
- Hier, nimm die auch. - Was machst du?
Ach... Nihal, meine Liebste.
Du führst dich auf wie ein Kind.
Was soll ich sagen?
Wenn du verstehst, wie wichtig das ist,
wirst du mir dankbar sein.
Du wirst sehen.
Nihal, hör zu.
Ich bringe all deine Dokumente zurück.
Ich habe sie mir nicht genau angesehen.
Ich habe es mir anders überlegt.
Ich werde mich nicht in diese Sache einmischen.
Um ehrlich zu sein, hatte ich auch keine Lust.
Ich habe schon genug zu tun. Mach es also, wie du es willst.
Übrigens gehe ich morgen. Ich habe beschlossen, zu gehen.
Zumindest bis der Winter vorbei ist.
Im Winter gibt es im Hotel nicht viel zu tun. Hidayet ist ja hier.
Ich gehe morgen nach Istanbul.
Nihal, hör auf damit, um Himmels willen.
Ich sagte, ich gehe morgen. Was willst du noch?
Deine Selbstlosigkeit rührt mich zu Tränen.
Erinnerst du dich?
Du sagtest zu mir,
wenn ich es schaffte, mein Verhalten zu ändern,
könntest du mir alles verzeihen.
Erinnerst du dich?
Das heißt...
dass du mich für schuldig hältst.
Deshalb...
bitte ich dich,
ruhig und in kurzen Sätzen, die ich verstehen kann,
zu erklären,
worin meine Schuld besteht.
Ich bin müde, ich kann jetzt nicht reden.
Vielleicht später.
Was ist das für eine Schuld?
Was habe ich dir getan?
Ist es, dass du jung und schön bist und dein Leben leben willst?
Ich bin viel älter als du. Hasst du mich deshalb?
Ist das meine Schuld?
Ich habe dich nicht gezwungen, mich zu heiraten.
Ich habe nie deine Freiheit eingeschränkt.
Du lebst unabhängig und wie du willst in einem Teil des Hauses.
Du hast dort sogar ein Riesenkomitee gegründet.
Wenn du mehr Freiheit willst, bitte sehr.
Niemand hält dich auf. Ich meine das ehrlich.
Wenn du die Scheidung willst, werde ich dich auch nicht aufhalten.
Ich will nichts dergleichen.
Natürlich wollte ich dich heiraten.
Es liegt auch nicht am Altersunterschied,
oder dass ich jemand anderen lieben könnte, wenn ich frei wäre.
Ich habe mich ohnehin immer älter gefühlt als du.
Aber du bist ein unerträglicher Mann.
Du bist egoistisch, boshaft, zynisch.
Das ist deine Schuld.
Das kann sein. Vielleicht bin ich so, ich weiß nicht.
Aber ich kann meine Fehler von Zeit zu Zeit eingestehen.
Aber ich habe nie gesehen, dass du Fehler eingestehst. Liege ich falsch?
Wenn du die ganze Nacht nörgeln willst,
ich habe keine Kraft mehr, dir zu antworten.
Ich will nicht nörgeln. Aber ich muss meine Frage wiederholen.
Ich muss es wissen.
Was ist meine Schuld?
Was für eine Schuld ist das?
Was habe ich dir getan?
Es stimmt.
Du bist eigentlich ein gebildeter,
ehrlicher,
gerechter und gewissenhafter Mann.
Im Grunde kann man das über dich sagen. Keine Frage.
Aber manchmal nutzt du diese Werte, um Menschen zu ersticken,
niederzuschmettern und zu demütigen.
Deine Prinzipien lassen dich die ganze Welt hassen.
Du hasst die Gläubigen,
weil du den Glauben als Zeichen von Rückständigkeit und Ignoranz ansiehst.
Aber du hasst auch die Ungläubigen für ihren Mangel an Glauben oder Idealen.
Du magst die Alten nicht,
wegen ihrer konservativen und unfreien Gedanken.
Und du hasst die Jungen wegen ihrer freien Gedanken
und weil sie Traditionen ablehnen.
Du verteidigst die Werte des Volkes und der Gesellschaft.
Aber du verdächtigst jeden als Dieb oder Räuber
und hasst deshalb das Volk.
Du hasst praktisch jeden.
Ich wünschte mir,
dass du nur einmal was verteidigst, dass dich etwas kosten könnte,
und dass du Gefühle aufbringst, von denen nicht nur du profitierst.
Aber das ist unmöglich.
Du hast alles Mögliche getan, um eine Trennung zu vermeiden.
Nun, vielleicht war mir das auch recht.
Ich war zu jung, um zu gehen.
Mir fehlten der Mut und das Geld.
Ich wusste auch nicht, wohin.
Aber hattest du keine Gewissensbisse, zuzusehen,
wie eine gesunde, von Glauben und Stolz erfüllte,
lebensfrohe, junge Frau
in ständiger Langeweile, innerer Leere und Angst vergeht?
In unseren ersten Jahren hatte ich Angst.
Jetzt fühle ich mehr Scham.
Ich verschwendete meine besten Jahre.
Ich habe all meine guten Eigenschaften im Streit mit dir verloren.
Ich bin hart, grob, furchtsam und argwöhnisch geworden.
Was soll ich sonst noch sagen?
Ich weiß nicht mal, ob ich mich verständlich ausdrücken konnte.
Unsere Wege haben sich getrennt, auch wenn wir unter einem Dach leben.
Jeder sollte seinen eigenen Weg gehen.
Wir hätten ein besseres Leben haben können.
Aber jetzt ist es zu spät.
Du kannst es nicht wissen,
aber Leute wie ich, die in einem Dorf ohne Elektrizität aufgewachsen sind,
verstehen die Freude und das Vergnügen,
in einem kleinen, warmen, gemütlichen Zimmer wie diesem
der Stimme ihrer Frau zu lauschen,
selbst wenn sie verlauten lässt, was für ein schlechter Mann man ist.
Unsere Jugend war glanzlos, Nihal.
Wir wussten nicht, wie man glücklich ist.
Und darum auch nicht, wie man glücklich macht.
Aber wie ich schon sagte, wir hatten keine schlechten Absichten.
Wir sind mit guten Absichten und unschuldigen Träumen losgezogen.
Wir wollten Leben und Gesellschaft verbessern.
Ich glaube dir nicht.
Das habe ich schon oft gehört. Du bist nicht mehr auf der Bühne.
Wir alle ziehen mit guten Absichten los.
Aber du sagst es, der Weg zur Hölle ist gepflastert mit guten Absichten.
Also hat das keine Bedeutung.
All diese romantischen Worte klingen nur noch lächerlich.
Wenn du jetzt anfängst, so zu reden,
denke ich, dass du Trick Nummer zwei anwendest, um dein Ziel zu erreichen.
Obwohl ich nie verstanden habe, was du von mir willst.
Aber was auch immer passiert, ich bitte dich noch einmal.
Wie du es auch nennst, was ich tue: Selbstbetrug oder weibliche Logik,
lass mich bitte atmen.
Denn dies ist mein einziger Trost.
Nihal...
Ich verbrachte meine Jugend damit, mit dir zu kämpfen.
Jetzt glaube ich dank dieser Arbeit wieder an mich.
Ich habe einen Sinn für mein träges Leben hier gefunden.
Einen Zweck, der mich stolz macht.
Lass mir also wenigstens das.
Nihal, meine Liebste.
Du bist eine gutherzige,
kluge, vernünftige, verständnisvolle Frau.
Alles, was du tust und sagst, ist sehr vernünftig.
Wirklich.
Aber...
jemanden nicht als das zu betrachten, was er ist,
sondern zu vergöttern, um ihm danach böse zu sein,
weil er kein Gott ist...
Findest du das fair?
Ich wünschte, ich wäre der erfolgreiche Schauspieler, von dem du träumtest.
Aber das bin ich nicht.
Ich bin ein einfacher Mann.
Und was noch schlimmer ist, ich will so bleiben.
Aber egal...
Ich gehe morgen früh.
Keine Sorge, ich werde nicht vor Frühjahr zurück sein.
Aber gib mir die Liste, damit ich auch eine kleine Spende leisten kann.
Mach, was du willst. Es ist mir egal.
Die Liste ist da. Schreib auf, was du willst.
Ich habe anonym unterzeichnet.
Ich lasse das Geld hier.
In Ordnung?
Ich hoffe, dass alles so wird, wie du es dir wünschst.
Mach es, wie du willst.
Vergiss nicht, dass ich immer da bin, wenn du Hilfe brauchst.
Aber pass auf den Lehrer auf.
Er erschien mir etwas heimtückisch.
Ich erkenne solche Leute sofort.
Ich rate dir, nur mit Menschen,
die gewissenhaft, prinzipientreu und ehrenhaft sind, zu arbeiten.
Du wirst es eines Tages verstehen.
Gewissen. Ehre.
Ideale, Prinzipien.
Lebensziele.
Du wiederholst diese Worte immer wieder.
Die Worte, die du immer gebrauchst, um Menschen zu demütigen,
zu verletzen oder zu verunglimpfen.
Wenn du mich fragst...
Wenn jemand diese Worte so häufig benutzt,
sollte man gerade ihm misstrauen.
Wie auch immer, ich bin müde.
Ich möchte jetzt schlafen, wenn du erlaubst.
Necla?
Komm.
Na los.
Ob wir noch mal anrufen sollten, bevor wir losfahren?
Ich habe angerufen. Der Flug fällt aus, aber der Zug fährt.
- Sicher? - Ich habe eben angerufen.
Der Zug fährt. Keine Sorge.
Gut.
Dann lass uns losfahren.
Verdammte Scheiße.
- Guten Tag. - Guten Tag.
- Der Zug nach Istanbul fährt doch, oder? - Ja, der kommt. Alles normal.
- Keine Verspätung? - Doch, eine halbe oder eine Stunde.
- Eine halbe oder eine Stunde? - Ja, genau.
- Aber er kommt sicher, oder? - Ja, verspätet.
Gut, danke.
- Er kommt, aber mit Verspätung... - Ich hab's gehört.
Dort ist Ihr Gepäck.
Ich fahre dann zurück ins Hotel.
Vielleicht brauchen sie mich.
- Soll ich? - Was?
Ich werde im Hotel vielleicht gebraucht. Soll ich gehen oder warten?
Warte.
Könnten Sie bitte aufrutschen?
Es zieht da aber.
Wir sind zusammen. Wenn Sie rutschen könnten?
Es zieht da. Setzen Sie sich hierhin.
Wie wohl die Straße zu Suavi ist?
- Suavi Beys Hof? - Ja.
- Das ist ein langer Weg. - Das war nicht meine Frage.
- Kann man mit dem Auto hinfahren? - Nein, das geht nicht.
Die Dorfstraße ist unpassierbar bei dem Schnee.
Gut, dann fahren wir hin.
Was für eine Überraschung.
Wir waren in der Gegend und wollten vorbeischauen, wenn's passt.
Natürlich. Kommt rein. Drinnen ist es warm.
Kommt rein.
- Danke. - Hier lang.
- Setzt euch, wärmt euch auf. - Danke.
Ich erwarte Levent zum Mittagessen. Ich dachte, er wäre es.
Aber bei Levent weiß man nie, ob er auch wirklich kommt.
Wir treffen uns jeden Samstagnachmittag
und gehen am nächsten Morgen zur Jagd.
Um uns zu stützen, lehnen wir uns aneinander, wie Krücken.
Kann ich mein Bein ausstrecken?
- Mach nur. - Mein Fuß ist eingeschlafen.
Streck es höher aus. Genau so.
Ist das schön.
So warm.
Bequeme Sofas.
Euch ist bestimmt kalt. Wartet, ich habe das Richtige für euch.
Ein Schluck davon, und ihr vergesst die Kälte.
Mal sehen, ob es euch schmeckt.
Wir nehmen das mit, wenn wir zur Jagd gehen.
Wir füllen es in unsere Flachmänner.
Ja... Es ist wirklich klirrend kalt draußen.
Der Lehrer ist jung, wie ein Hengst.
Ich brauche das im Motor, um mitzuhalten.
Ich trinke lieber nichts. Ich bin es nicht gewohnt.
Hast du nicht Salbeitee oder...
Das kannst du zu Hause trinken. Hier habe ich das Sagen.
Na gut, dann danke.
So verwöhne ich mich eben. Was habe ich denn sonst?
In dem Alter haben wir ja das Recht.
Mir ist schon warm.
Danke.
Der Ofen brennt auch so schön.
Ich heize nicht mehr das ganze Haus.
Seit dem Tod meiner Frau nutze ich die anderen Zimmer als Lager
und habe den Ofen hier aufgestellt.
Es ist wie ein Zufluchtsort. Ich rolle mich hier ein.
Außerdem kann ich so sparen.
Übrigens, was hast du mit dem Brief gemacht?
Welcher Brief?
Den du Nihal und mir vorgelesen hast.
Garip, das Mädchen, Hilfe und so.
Ich habe nichts gemacht.
Lehrer, du hast es geschafft.
- Aydin Bey, schön, Sie zu sehen. - Danke, Levent.
- Bleiben Sie sitzen. - Mein Fuß ist eingeschlafen.
Wenn er nur eingeschlafen ist, geht's wieder vorbei. Hallo.
Wir waren in der Nähe und wollten vorbeischauen.
- Gute Idee. - War es unterwegs schlimm?
Furchtbar. Ich habe es gerade so geschafft.
Ich bin draußen, wenn Sie mich brauchen.
Ist gut.
- Hidayet. - Ja, Aydin Bey.
- Hör zu. - Ja, bitte.
Entschuldigung.
Hör zu.
Sag niemandem zu Hause, dass ich hier bin.
Das werde ich nicht.
- Und was soll ich sagen? - Nichts.
Ich meine nur, wenn sie anrufen.
Überleg dir was. Niemand soll wissen, dass ich nicht gegangen bin.
- Ist gut. - Pass auf, ja?
Bei Ihnen zu Hause dachte ich: "Endlich jemand, mit dem man reden kann."
- Aber dann sind Sie verschwunden. - Danke. Ich hatte etwas zu erledigen.
- Ich konnte nicht. - Na dann holen wir es heute nach.
- Bitte, Herr Lehrer. - Danke.
Trink, das belebt den Geist.
Hallo. Was macht ihr?
Hör mal.
Sag Nihal Hanim und den anderen aber nichts.
Du kennst doch Suavi. Wir sind auf seinem Hof.
Er ist nicht gegangen.
Er hat es sich anders überlegt.
Was weiß ich? Ich kann ihn ja nicht fragen.
Schwachsinn. Warum sollte ich dich anlügen?
Wie bitte? Fatma, fang nicht schon wieder an.
Was soll ich bei der Eiseskälte machen? Spinnst du?
Mein Gott!
Als ich noch ein Kind war, habe ich hier im Garten gespielt.
Damals kam es mir vor, als würde das Leben mit meinen Eltern ewig dauern.
Und nun?
Manchmal frage ich mich, wie und wann dieses Haus so leer wurde.
Wann ist dieses naive kleine Muttersöhnchen so vereinsamt
und zu einem einsamen Säufer geworden?
Ich habe geheiratet, habe ein Kind gezeugt.
Wo sind sie?
Die Frau im Grab, die Tochter weit weg...
Was ich meine, ist:
Wenn es bestimmte Dinge gibt, die man nicht ändern kann,
muss man eben flexibel sein.
Richte nicht über die Menschen.
Akzeptiere die Dinge, wie sie sind.
Ich glaube, es ist etwas zu warm.
Sollen wir ein Fenster öffnen?
Klar, mach das.
- Levent, gehen wir auch rüber? - Ist gut.
- Geh rüber, ich hole noch was. - In Ordnung.
Es ist heiß, und dann noch der Alkohol.
Ich fühle mich ein bisschen duselig. Ich hätte nicht trinken sollen.
Schon zu spät.
Levent, wie alt bist du eigentlich?
35.
- Sieht man dir nicht an. - Klar.
Familie?
Die sind in meiner Heimatstadt Yozgat. Meine ältere Schwester und meine Mutter.
- Hast du mal ans Heiraten gedacht? - Also...
Es hat nicht sein sollen.
Ich habe die Richtige noch nicht getroffen.
Ich habe auch nicht so viel Geld. Ich habe es also nicht eilig.
Aber an einem Ort wie diesem sollte das Gehalt doch reichen.
Das würde es auch, Aydin Bey.
Aber ich schicke meiner Mutter die Hälfte.
Sie spart für meine Schwester.
Sie soll zuerst heiraten. Sie ist zuerst dran.
Dann ich. Ich habe keine Eile.
Wie lange bist du schon hier?
Es ist mein viertes Jahr.
Wie lange bleibst du noch?
Ich könnte gehen, aber ich habe mich an den Ort gewöhnt.
Und dann sind da noch die Dinge, die wir mit Nihal machen.
- Ich will das zu Ende bringen. - Was ist das denn schon?
Es gibt immer Leute, die sich darum kümmern können.
Das stimmt schon.
Ich habe als Kind gestottert, Aydin Bey.
- Echt? - Ja.
Ich habe während meiner ganzen Kindheit geschwiegen.
Wenn ich heute so viel rede, dann nur deswegen, glauben Sie mir.
Entschuldigen Sie bitte, wenn ich zu viel rede.
- Unterbrechen Sie mich, wenn nötig. - Rede, so viel du willst.
Du hast es dir verdient, mein Freund.
Ich ziehe es ohnehin vor, zuzuhören.
Ich habe Sie gewarnt.
Geröstete Maronen vertreiben die Dämonen.
Der Maronenmann ist da, meine Herren.
Er bringt uns aufgeschlitzte Kastanien.
Ja, bitte?
Guten Abend. Entschuldigen Sie die Störung.
Ich wollte Hamdi Hodscha sprechen. Ist er da?
Moment, bitte.
Nihal Hanim?
- Guten Abend. - Guten Abend.
Entschuldigen Sie. Ich war drinnen, ich konnte...
Bitte.
Ich muss mich entschuldigen, dass ich so spät störe.
Aber nicht doch. Bitte.
Ist es Ihnen recht?
Natürlich. Kommen Sie rein. Bitte, kommen Sie rein.
- Bleiben Sie nicht in der Kälte stehen. - Danke.
- Setzen Sie sich an den Ofen. - Keine Sorge, es ist gut hier.
Es ist kalt an der Tür. Behalten Sie die Schuhe an.
Danke, ich bleibe nicht lange. Ich setze mich hierhin.
Gut, dann...
Wie geht es Ihnen? Alles in Ordnung?
Verstehen Sie mich nicht falsch. Sie allein hier zu sehen...
Ich wollte nach Ilyas sehen. Er hat uns ganz schön erschreckt.
Wir hörten von ihm, aber ich wollte trotzdem nachsehen.
Vielen Dank. Ilyas geht es wieder ziemlich gut.
Gott sei Dank. Das Fieber ist weg.
Das hat uns etwas Sorgen bereitet, aber seit gestern ist er auf den Beinen.
Er konnte ein paar Tage nicht zur Schule und langweilte sich.
Ansonsten geht es ihm gut.
Es ist nicht leicht.
Die Lungenentzündung hat mir Angst gemacht.
Aber seine Mutter sorgte für ihn.
Und er hat seine Medikamente genommen und ist jetzt gesund.
- Nicht wahr, Ilyas? - So ist es. Danke.
- Ist Aydin Bey nicht mitgekommen? - Nein, ich bin allein gekommen.
Wirklich? Seien Sie willkommen.
Sie müssen gefroren haben, draußen ist es kalt.
Wir haben Tee. Sevda! Ich gehe mal in die Küche.
- Das ist nicht nötig. - Aber es ist mir eine Freude.
Machst du Hausaufgaben?
Ja.
- Welches Fach? - Mathe.
- Magst du Mathe? - Ja.
Was willst du mal werden? Ingenieur?
Nein.
- Was dann? - Polizist.
Warum?
Hm?
- Guten Abend. - Guten Abend. Wer sind Sie?
Mutter, Nihal Hanim ist die Frau unseres Vermieters.
- Hat sie den Fernseher mitgebracht? - Nein, Mutter. Das ist etwas anderes.
Komm, Mutter.
Ich will meinen Fernseher zurück und den Hodscha anschauen.
Sie ist hier, weil sie nach Ilyas sehen wollte.
- Tun dir die Knie weh? - Ja.
- Decken wir sie zu. - Nein, ich will nicht.
- Na gut. - Du bringst mich nie zum Arzt.
Mutter, du blamierst uns vor Nihal Hanim. Du wolltest doch nicht gehen.
Zu viele Leute. Die kümmern sich nicht um mich. Ich brauche einen Privatarzt.
Mutter, ich wollte dich doch zum Privatarzt bringen.
Du wolltest nicht zu Samet.
Weißt du, was seine Mutter mir angetan hat?
- Aber er ist nicht seine Mutter. - Der Doktor soll herkommen.
Ich hole den Arzt her. Er wird sich hier um meine Mutter kümmern.
Sevda, bring mir meine Gebetsketten.
- Entschuldigen Sie. - Kein Problem.
In der Jugend wird unser Respekt, im Alter unser Mitgefühl getestet.
Gott schütze unsere Alten.
"Wenn die Jugend wüsste, wenn das Alter könnte."
Ich möchte Sie nicht lange aufhalten.
Ich muss etwas mit Ihnen besprechen.
Natürlich, bitte.
Wenn es Ihnen nichts ausmacht, möchte ich Sie allein sprechen.
Natürlich, selbstverständlich.
Wir könnten rübergehen, aber es könnte kalt sein.
- Das macht nichts. - Dann lassen Sie uns reingehen.
Sevda, leg etwas Holz in den Ofen.
Ich nehme Ihren Tee mit.
- Danke. - Bitte.
Wie viele Zimmer hat das Haus?
Es waren zwei.
Dieses haben wir später gebaut.
Wir hatten die Erlaubnis von Onkel Sami, Aydin Beys Vater.
Jetzt haben wir drei.
Das ist mein Zimmer.
Es ist etwas kälter als die anderen Zimmer.
Aber wir haben einen Kamin gebaut, falls es zu kalt werden sollte.
Zum Glück war es dieses Jahr nicht so kalt.
Stimmt.
Hamdi Bey, ich möchte Sie etwas fragen.
Bitte sehr.
Ismail Bey, ihr jüngerer Bruder...
- Älterer Bruder. - Entschuldigen Sie.
Was macht er beruflich?
Er arbeitet seit einer Weile nicht. Er hat in der Mine in Tozlu gearbeitet.
Aber leider hatte er ein paar Probleme.
Er war sechs Monate im Gefängnis. Seitdem arbeitet er nicht.
Wenn Sie... die Frage erlauben,
warum war er im Gefängnis?
- Was hat er getan? - Ehrlich gesagt ist mir das peinlich.
Ich wünschte, Sie hätten uns anders kennengelernt.
Aber ich werde nichts verheimlichen, was Gott schon weiß.
Eigentlich weiß es ja auch jeder.
Ein paar Flegel haben seine Frau Sevda belästigt.
Wir haben es auch erst später erfahren.
Eines Nachts wachten wir durch Lärm auf.
Ismail war aus dem Bett gestürmt und hat jemanden verjagt.
Ich schäme mich, es zu sagen.
Sie haben Sevdas Unterwäsche von der Leine gestohlen.
Ismail hat keinen erwischt.
Er hat seine Wut an Sevda ausgelassen.
Die Ärmste wusste von nichts.
Am nächsten Tag, auf dem Markt,
haben einige von den Flegeln Ismail ausgelacht.
Ismail hat sein Messer gezogen und einen von ihnen verletzt.
Deshalb war er sechs Monate im Gefängnis.
Also, Ismail war schon immer wild.
Er hatte nie echte Freunde.
Aber als er freikam, war er noch argwöhnischer und wilder.
Er spricht mit niemandem mehr.
Dann wurde er auch noch entlassen.
Er wurde noch unzugänglicher und hat angefangen zu trinken.
Aber zu Hause trinkt er nicht.
Deshalb arbeitet er gerade nicht.
Wir mussten die OP und den Schadenersatz bezahlen.
So mussten wir Schulden machen.
Mit nur meinem Gehalt und Ismails Arbeitslosigkeit
wurde es schwierig.
Wir konnten die Miete nicht mehr zahlen. Aydin Bey hat absolut recht.
Wir konnten eine Weile nicht zahlen und haben ihm Schaden zugefügt.
Aber ich werde einen Nebenjob suchen.
Ich verstehe. Das tut mir alles sehr leid.
Ich wollte mit Ihnen auch darüber reden.
Ich werde Sie nicht lange aufhalten. Es ist schon spät.
Bitte nehmen Sie das an.
- Was ist das? - Öffnen Sie es.
Was ist das, Nihal Hanim?
Bitte verstehen Sie mich nicht falsch. Ich möchte Ihnen das Geld geben.
Bitte nehmen Sie es.
Ja, aber... Ich verstehe nicht.
Ich meine, wofür ist das? Warum geben Sie es uns?
Keine Sorge. Ich will keine Gegenleistung.
Und ich will auch keine Rückzahlung.
Sehen Sie es als Hilfe von einem Freund. Nehmen Sie es an.
Entschuldigen Sie. Ich weiß wirklich nicht, was ich sagen soll.
Aber das ist eine Menge Geld.
Das kann ich nicht annehmen.
Damit kann man ein Haus kaufen.
- Was sollen die Leute denken? - Hamdi Bey.
Das braucht niemand zu wissen.
Das bleibt zwischen uns beiden.
- Guten Abend. - Guten Abend.
- Entschuldigen Sie die Störung. - Nicht doch.
- Nihal Hanim ist die Frau von Aydin Bey. - Ich weiß. Sie haben es mir gesagt.
Was gibt's?
Ismail, warum setzt du dich nicht?
Komm, setz dich.
Nihal Hanim hat sich um Ilyas gesorgt.
Sie wollte nach ihm sehen.
Deshalb ist sie hier.
Was ist das?
Nihal Hanim will uns das Geld geben.
Eine nette Geste.
Und warum?
Es gibt keinen besonderen Grund.
Ich dachte, Sie könnten es gebrauchen,
damit Sie Ihre Sachen zurückkriegen.
Was sagt Aydin Bey dazu?
Er weiß es nicht.
Er braucht es auch nicht zu wissen.
Gut.
Aber dieses ganze Geld...
Ist das nicht ein bisschen zu viel?
Ich meine, für was?
- Was haben Sie sich dabei gedacht? - Ich habe gar nichts gedacht.
Verzeihen Sie. Er ist auch sehr überrascht.
Ismail, warum gehst du nicht und wäschst dir mal das Gesicht?
Nicht nötig.
Dann bringe ich dir einen Kaffee.
Du solltest einen trinken.
Nihal, ich bringe Ihnen noch einen Tee.
Der ist kalt geworden.
- Nicht nötig. - Aber bitte.
Sevda.
Also...
Sehen wir mal nach...
ob Sie richtig gerechnet haben.
Wenn das hier... für den kleinen Ilyas ist,
der sein Leben für den gebrochenen Stolz seines Vaters riskiert hat...
Und wenn das...
für den selbstlosen Bruder Hamdi ist,
der Hände küssen musste, weil er fünf Leute zu versorgen hat...
Und wenn das...
für den Säufer Ismail ist,
der vor seinem Sohn geschlagen wurde und seine Familie blamiert hat...
Dann bleibt immer noch was übrig.
Und wenn das für unsere Heldin Nihal Hanim ist,
die ihr Gewissen beruhigt, indem sie Almosen verteilt
an die Benachteiligten...
Dann reicht das Geld gerade.
Sie haben richtig gerechnet.
Eine wirklich nette Geste, aber...
Sie haben etwas vergessen,
Nihal Hanim.
Die Person vor Ihnen...
ist ein dreckiger Säufer,
der Ihre Güte nicht zu schätzen weiß.
Ich schaue mir die an.
Ich schaue... und ich denke: Mann, das ist kein Leben.
Wir spielen eine Szene auf einer Bühne.
Das ist kein Scheißleben, das ist etwas anderes.
- Das stimmt. - Habe ich nicht recht?
Wir müssen aufrecht stehen.
Wir müssen aufrecht stehen, aufrecht.
Wir sagen: "Komm, schlag zu! Schlag zu!"
Weil sich das so für einen Menschen gehört.
Wir werden aufrecht stehen. Das gehört sich so für uns, Aydin Bey.
Es gibt heutzutage gewisse Werte und Überzeugungen.
So ist das einfach. Dass Dinge an die man glaubt, wirklich existieren.
Es gibt moralische Werte. Diese sind abgeleitet von Religionen,
die von vielen Menschen abgelehnt werden.
Wenn ich die Basis dieser Werte ablehne, warum soll ich denn danach leben?
Dann wäre mein Leben eine Lüge.
Entweder muss ich die Basis dieser Werte tragen
oder neue konsolidieren und erschaffen.
Suavi, mein Bruder, dann musst du sie erschaffen.
- Es ist toll, wenn du das kannst. - Aber hör zu.
Wir wollen unser Leben genießen,
aber andere Menschen können dich dafür kritisieren.
Wenn die Wege sich kreuzen, gerät man in Konflikte.
Neugierige, innovative Menschen und starke Persönlichkeiten sind da anders.
Seltsamerweise ernähren sie sich von diesen Konflikten.
Auf gewisse Weise dehnt es sie aus.
Konflikte beleben ihren Geist
und nähren ihre Kreativität.
Wenn ich sie nun betrachte,
ignorieren sie Kritik, weil sie Courage besitzen.
So muss man sein.
Sie könnten zu uns sagen:
"Ihr trinkt hier Wein, fresst euch voll
und redet dann über Hilfe für die Armen und die Schulen."
Ich sage, wir sollten das ignorieren und weitermachen.
Nach dem Erdbeben vor sechs Jahren,
als Sie nicht die Opfer in Ihrem Hotel aufnahmen,
sondern die Hilfsorganisationen,
vielleicht um ihre Taschen zu füllen...
Ich meine, manche Menschen könnten so denken.
Das ist interessant, was er sagt.
Oder sie könnten Ihnen Vorwürfe machen, weil Sie gut betucht sind.
Warte mal. Augenblick.
Was hat das damit zu tun? Wie kommst du denn jetzt darauf?
- Es ist ein Beispiel. - Willst du mir damit etwas unterstellen?
Wenn wir keine Opfer aufgenommen haben, hatte das einen guten Grund.
Es ist einfach, unbegründete Behauptungen aufzustellen.
Es sind Hunderte von Menschen aus dem Ausland gekommen.
Wo sollten die sonst hin?
Wer sollte den Menschen unter den Trümmern denn helfen?
- Ich leugne nicht... - Darüber denkt niemand nach.
Das war nur ein Beispiel.
Solche Unterstellungen hätte ich von Ihnen nicht erwartet, Bülent Bey.
- Ich unterstelle nichts. Ich meine... - Das geht nicht.
Ich mag mich falsch ausgedrückt haben.
- Levent, das war falsch. - Nein, das war es nicht.
Da ist schon eine gewisse Wahrheit,
aber du hast es falsch ausgedrückt.
Ich sage nur, dass es solche Leute gibt...
Das war gegen mich gerichtet.
Was hat dein Beispiel mit meinem Hotel zu tun?
Ich sagte nur, dass Menschen so reden können.
- Menschen können so reden. - Außerdem... Warte mal.
Ich sage doch das Gleiche.
Niemand weiß, wie viele Spenden ich seit Jahren vergeben habe.
Toll, aber ich meine...
Erst gestern habe ich eine große Summe gespendet. Weißt du das?
Aber ich habe all die Jahre meinen Namen nicht preisgegeben.
- Stimmt. - Bravo.
- Ich sage ja nichts Gegenteiliges. - Du drückst dich schlecht aus.
Aber trotzdem
bin ich diesem Sarkasmus und den höhnischen Bemerkungen ausgesetzt.
Nur weil wir ein bisschen Geld haben?
Ich sage doch nur, dass es solche Leute gibt.
- Es gibt sie. Gott verdamme sie. - Ja, Gott verdamme sie.
Sich ein Urteil zu bilden, ohne zu verstehen,
das ist inakzeptabel.
Ich kann mich nicht ausdrücken.
Ein bisschen Anstand, ein bisschen Gewissen, bitte.
Nun sag doch, dass du es falsch ausgedrückt hast.
- Wie sind wir darauf gekommen? - Das meinte er nicht.
Ich verstehe nicht, was das jetzt mit Anstand und Gewissen zu tun hat.
Ich frage, ob dein Urteil mit Anstand und Gewissen zu vereinbaren ist.
Wenn du ihn persönlich einbeziehst.
Sieh mich an, ich habe 15 Jahre geschwiegen.
Meine Worte sind schneller als meine Gedanken. Wenn ich schweige...
Ist es fair, mich zu beschuldigen, nur weil ich ein bisschen Geld habe?
Habe ich das erschaffen? So ist das System. Gott hat es so erschaffen.
Was kann ich dafür? Gerechtigkeit existiert nicht einmal in der Natur.
Warum sollte sie hier existieren?
- Wer das sagt, ist... - Sollen wir uns schuldig fühlen?
Ich sage nichts anderes...
Sie haben mit Anstand und Gewissen angefangen.
- Ich konnte mich nicht ausdrücken. - Konnte er nicht.
Er konnte sich nicht ausdrücken. Du hast dich provozieren lassen.
- Du hast auch gute Dinge gesagt. - Alles hat eine Logik.
- Er hat recht. - So, auf einmal...
Na egal.
Wir hatten Speis und Trank.
Ich stehe dann mal auf. Ich habe seit zwei Tagen nicht geschlafen.
Ist gut. Ich gebe dir eine Decke. Komm mit.
Ja, gib mir eine Decke.
Dieser Säufer muss jetzt schweigen, sonst hört seine Leier nicht auf.
Ich hätte nicht reden sollen.
Aber bevor ich gehe...
Es ist zwar Ihr Gebiet, Aydin Bey...
Nicht doch.
Ich möchte Shakespeare zitieren, sozusagen als Abschluss.
"Gewissen ist...
ein Wort für Feige nur zum Einhalt für den Starken erst erdacht:
Der Entschließung...
wird des Gedankens Blässe angekränkelt.
Uns ist die Wehr Gewissen, Schwert Gesetz.
Rückt vor, dringt ein, recht in des Wirrwarrs Völle."
Gute Nacht.
Warte, warte.
Dann erlaubt mir, folgende Zeilen hinzuzufügen.
Als Antwort.
Unser unfehlbares Schicksal ist zu irren, in all unserem Handeln.
Ich schmiede hervorragende Pläne jeden Morgen...
um den ganzen Tag Dummheiten zu machen.
Meine Güte.
Da hast du was aus dem Hut gezaubert.
Fast so gut wie Shakespeare.
Geht's dir gut, mein Freund? Lass es raus.
Ja, raus damit. Raus, raus.
Nein, lass mich.
Tut mir leid. Was für eine Sauerei.
Kein Problem. Lass es, komm.
- Tut mir leid. - Lass uns rausgehen.
Draußen ist gute, frische Luft. Und Schnee. Wird schon wieder.
Komm, mein Guter, komm mit.
Langsam. Ärgere dich nicht.
Komm.
- Tut mir leid. - Komm mit raus.
Ich lege dich dann hin. Komm mit.
Na, komm.
Noch ein Stück, dann ist es geschafft.
Er ist zu leicht, deshalb sinkt er nicht ein.
- Hidayet, halt an. - Was ist?
- Halt an. - Dann können wir nicht mehr starten.
Fahr ein bisschen zurück. Fahr zurück.
Stopp.
DORF GARIP
Aydin Bey, was ist?
Was ist, Aydin Bey?
Nichts. Los, fahr weiter.
Fatma!
Nihal.
Ich bin nicht gegangen.
Ich konnte nicht.
Ob ich alt geworden oder durchgedreht bin,
oder ob ich ein anderer Mann geworden bin,
denke, was du willst.
Ich weiß es nicht.
Aber dieser neue Mann in mir lässt mich nicht gehen.
Bitte verlange auch du das nicht von mir.
Ich weiß jetzt, dass es nichts gibt, das mich nach Istanbul zieht.
Wie überall sonst
ist mir auch dort alles fremd.
Ich will, dass du weißt, dass ich niemanden habe außer dir.
Und ich vermisse dich, jede Minute und jede Sekunde.
Aber mein Stolz erlaubt es mir nicht, dir das je zu sagen.
Ich weiß sehr genau, wie furchtbar
oder unmöglich es ist, mich von dir zu trennen.
Genauso wie ich weiß, dass du mich nicht mehr liebst.
Wir können nicht zurück zu unseren alten Tagen.
Das ist auch nicht nötig.
Nimm mich zu dir wie einen Diener...
wie einen Sklaven.
Und lass uns unser Leben weiter leben,
auch wenn wir es tun, wie du es willst.
Vergib mir.
DIE GESCHICHTE DES TÜRKISCHEN THEATERS
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