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Original subtitles

Tastenanschläge

♪ Musik wird eingeblendet

♪ fröhlich beschwingte Musik Blanco White, "Olalla"

Verkehrsgeräusche, ♪ Gesang des Liedes setzt ein

♪ Musik läuft weiter

Signal "neue Textnachricht"

Musik blendet aus ♪

So...

Äh, gehen wir noch mal ein Stück... ja, zurück.

Wenn wir miteinander sprechen,

reagieren wir immer wechselseitig, äh... aufeinander.

Und dabei erfolgt unsere Reaktion

innerhalb von 200 Millisekunden.

So lange wie ein Zwinkern.

Das ist erstaunlich, wenn man bedenkt,

wie lange es braucht, ein Wort zur Lieferung bereitzustellen,

nämlich 600 Millisekunden.

Oder sogar mehr. Das heißt,

es gibt eine wesentliche Überlappung zwischen diesen beiden Vorgängen:

dem Zuhören und der Vorbereitung der eigenen Antwort.

Ein Phänomen, das man übrigens

schon bei Kleinkindern findet, oder wenn man weiter zurückschaut,

also, viel weiter,

bei unseren Primaten- Verwandten, was man hier sehr gut erkennen kann.

Affengekreische

Affengekreisch, Ton aus neuer Szene:

(Simone) Hat sie, hast du!

Vielleicht bist du auch nur keine gute Konfliktpotenzialteilerin.

(Paul) Aber wir sind keine Unmenschen, weil wir ein Einzelkind haben, oder?

Wir waren nicht mal sicher, ob wir das Erste haben wollten.

Wart ihr nicht sicher? - (Paul) Als du schwanger geworden bist...

Natürlich dann! Als sie geboren war, wollten wir sie natürlich behalten.

Ich hab schon noch gezweifelt. - Ach Paul!

Die war hässlich wie die Nacht: diese blass-blaue Haut, verklebte Augen...

Ganz der Vater. - Sah aus wie Gollum.

Ja was?

Für ihn sind wir die Versuchskaninchen. - Quatsch!

Komm, du hast schon ein bisschen die Tendenz.

Eigentlich dachte ich gerade daran, wie sehr ich das hier alles genieße.

Süß!

Du siehst glücklich aus.

Sieh mal, die küssen sich noch. - Was? Ach ja...

Bitte, nehmt euch ein Zimmer, ihr beiden. Igitt, ey!

Du küsst mich gar nicht mehr.

Genug davon, gib mir das Glas. - Mach deine Witze. Wir reden später noch.

Du hast ein bisschen viel Wein...

Gut, ja... Das reicht dann auch wieder für ein paar Wochen.

Zu dir oder zu mir?

Zu dir ist näher, oder? - Ja.

Bei dir kannst du länger schlafen, ich muss morgen früh raus.

Ja, das ist...

Geht's? - Blöde Schuhe.

Was ist eigentlich mit Weihnachten? Kommt dein Bruder jetzt rü bergeflogen?

Wenn wir wegfahren wollen, müssen wir langsam mal buchen.

Adrienne wollte Mama nochmal fragen, ob Mark kommt,

weil seine Freundin schwanger ist. - Ich treff mich mit jemand anderem.

Einem anderen Mann. Ich treffe einen anderen Mann.

Wie?

Wie, treffen?

Ja, treffen.

Er ist Spanier. Pilot. Es geht seit drei Monaten.

Ja, sag doch mal... - Was soll ich denn sagen?

Weiß ich nicht, irgendwas. Sag doch mal irgendwas.

Hey, okay. Ich weiß es auch nicht. - Marlene.

Bleib doch mal kurz stehen. Warte doch mal.

Ich denke die ganze Zeit an ihn. Ich denke ständig an ihn.

Er ist in seinem Hotel. Er will, dass ich dich verlasse,

mit ihm nach Madrid gehe... - Dann...

Ich sagte, dass ich das nicht so einfach kann.

Entschuldigung. Sie bleibt!

Leo, ich weiß es einfach nicht.

Tut mir leid. Bitte geh da weg. - Marlene!

Oh, verdammt.

Scheiße.

Marlene, jetzt geh ans Telefon!

Autohupe Ja!

Geh an dein Telefon. Das kannst du nicht machen, lass uns jetzt...

faucht wütend

♪ ruhige Musik setzt leise ein

Ist das ein Diamant? - Ja, ein Diamant in Brillantschliff.

Ich persönlich mag ja den traditionellen Ring.

Der wird während der Verlobung links getragen,

und ab der Vermählung dann rechts.

♪ Weiter ruhige Musik

Dieser hier.

Eine Inschrift vielleicht?

Datum? Ein paar persönliche Worte?

lautes Klingeln.

♪ weiter das ruhige Musikthema

Musik klingt aus l'

Tastenanschläge

Pling!

stöhnt auf

Leos Stimme: Sie sind bei mir falsch. Ich habe woerter@leike.com.

Sie wollen zu woerter@like.com.

Sie sind schon der Dritte, der bei mir abbestellen will.

Das Heft muss wirklich schlecht geworden sein.

Seufzt

♪ melancholische Gitarre Keaton Henson, "10 AM, Gare Du Nord"

♪ Sängerin setzt ein

Das ist ein Wettbewerb von scheiß deprimierenden Anblicken.

Wer gewinnt?

Der Gummibaum liegt in Führung.

Ja, die Lichterkette raubt ihm den letzten Funken Würde.

Hey, du solltest froh sein, dass sie dich verlassen hat, blöde Kuh.

Kennst sie doch gar nicht.

Vielleicht weil sie nie da war, wenn ich dich besucht hab?

Vielleicht weil du nie wolltest, dass sie bei dir einzieht.

Hast du eigentlich irgendwelche... Freunde?

Lustig, dass du das erwähnst, denn ja, zufällig hab ich da eine Freundin, Clara:

klug, hübsch und Vegetarierin. - Bitte nicht.

Hey!

Sag mal!

Musst du nicht irgendwo sein?

Stimmt, ist ja schon spät.

Ey!

Tut mir leid.

Vergiss es.

Aber wenn du nächstes Mal

immer noch auf'm Sofa rumliegst und diesen Depri-Song hörst,

übergieße ich dich mit Benzin und zünd dich an.

Schaltet die Musik aus (Leo) Nein!

Tür fällt ins Schloss

♪ das melancholische Lied beginnt erneut

der Kühlschrank fällt zu, eine Flasche wird geöffnet

seufzt

Türklingel

seufzt erneut

Was ist nun mit Weihnachten in Paris?

Marlene summt zustimmend

Und deine Familie?

Ach, solange Adrienne da ist, ist Mama glücklich.

Am Neunzehnten?

Wollen wir nicht gleich über Silvester bleiben?

Was machst du da?

Äh, ich hab Hunger.

Willst du auch was?

Jetzt?

♪ Beschwingte Musik setzt ein

♪ Villagers, "A Trick of the Light"

♪ Musik nur noch gedämpft

Signalton "neue Nachricht"

Musik endet r

(Adrienne) Was hat sie genau geschrieben?

"Leo, es geht nicht, ich kann nicht.

"Paris wäre nur wieder eine neue Lüge.

Bitte verzeih mir."

Ich habe geantwortet: "Marlene, ich will Dich heiraten.

Ich weiß jetzt, dass ich es kann. Bitte lass uns in Paris über alles reden.“

Adrienne?

Bist du gegen 'ne Wand gelaufen?

Sag mal, Addi!

Setz 'ne Deadline, dann hast du wenigstens etwas Kontrolle über die Scheiße.

Ja, gut, 9 Uhr.

Wenn sie bis neun nicht geantwortet hat, dann...

Ja!

Ja.

Seufzt

Signalton "neue Nachricht"

Leos Stimme:

"Liebe Emma Rothner, herzlichen Dank

für Ihre überaus originelle Massen-Mail. MFG, Leo Leike"

versende-Ton

Signalton "neue Nachricht"

Emmas Stimme Passiv-aggressiver Idiot

(Leo) Poetisch!

Der Mangel an Anmut und Fantasie in Ihrer vorherigen festlichen E-Mail

entspricht gar nicht Ihrer natürlichen Eloquenz.

Sendegeräusch

Wup!

(Emma) Blah! Blah! Blah!

Na schön. Warum sollte man Worte benutzen, wenn Laute es auch tun?

Sendegeräusch

Wup!

(Emma) Genau, warum?

Die Welt würde sich weiterdrehen, auch wenn wir den Dingen

keinen Namen gegeben hätten.

(Leo) Sie glauben im Ernst, dass Worte nutzlos sind?

Sendegeräusch

Wup!

Ich glaube: Worte sind ungreifbar, unbeständig.

♪ Ruhige Musik setzt ein

Als Linguist muss ich Ihnen da widersprechen.

Sendegeräusch

Wup!

Als passiv-aggressiver Idiot müssen Sie das sowieso.

(Leo) Worte sind beides:

Maske und Enthüllung.

Wup!

Sie sind ein glücklicher Mann.

Musik endet r

Handy klingelt

seufzt

Sie hat nicht angerufen.

(Adrienne) Dann kannst du ja an Weihnachten zu uns kommen- - Ah, vergiss es.

Du hast sowieso verpennt, ihnen von Paris zu erzählen,

Mama denkt noch, ihr kommt. - Nein. Nein.

Mann.

Möwengeschrei, Kinderstimmen

(Adrienne) Es ist so magisch hier.

Das Meer, der Himmel...

Meer, Himmel...

Wäre die Welt noch dieselbe, wenn wir für all das nie Worte gefunden hätten?

Echt jetzt? Hörst du dir eigentlich selbst zu?

lachen beide

(Adr.) Mama!

(Mutter) Ihr schleppt mir wieder den ganzen Sand ins Haus.

(Adr.) Nein, nein!

(Mutter) Wie die Kinder!

(Adr.) Komm, Mama!

(Mark) Jetzt ab ins Wasser, oder?

(Adr.) Also, wer ist die Schnellere? Achtung, fertig,

'03!

(Leo) Ich glaub, ich geh noch 'n Stück.

Ist so schön hier draußen.

Komm nicht zu spät zur Bescherung, ja?

Rauschen der Brandung

♪ sanfte Musik

(Leo) Liebe Emma Rothner,

was meinten sie damit, dass ich ein glücklicher Mann sei?

War das ironisch gemeint?

Musik klingt aus l'

(Adrienne) Mädels, Zähneputzen. - Nein!

Geschirr- und Besteckklappem

Setz dich wieder rein.

Aufräumen läutet immer das Ende des Abends ein.

Ich habe das nie gemocht.

Hm, stimmt.

Das ist wie bei einem Konzert,

wenn das Saallicht angeht.

Ich bin gleich fertig.

Warum trägst du nach all den Jahren noch den Ring?

Er hat sich von mir scheiden lassen, nicht ich mich von ihm.

Türquietschen

(Adrienne flüstert) Leo,

bist du das?

Haust du ab?

Schhh!

Hey, warte. - Ich wollte niemanden wecken.

Ach was. Hier.

lautes Rascheln

Ich wollte sie eigentlich am Strand anzünden.

Was soll ich damit?

Na Jesus, Spaß haben!

Ja, danke schön.

Bitte schön.

Motor ist aus, Kies knirscht

Motor startet

♪ akustische Gitarre, He 8. She, "Can 't Stop The Rain "

Pling!

(Emmas Stimme) Lieber Herr Leike, das war nicht ironisch gemeint.

Ihr Job, Linguist, scheint mir eine Berufung zu sein.

Die Art, wie Sie leidenschaftlich Sprache verteidigen,

mag ich.

Pling!

Musik leise vom Auto her

Musik und Motor verstummen

Oder Sie sind nur ein einsamer Typ, der abends nichts Besseres zu tun hat,

als philosophische Gedanken mit einer fremden Frau zu teilen.

(Leo) Sagt die Frau, die am frühen Morgen einem fremden Mann schreibt.

Blub!

Pling!

(Emma) Treffer, versenkt!

(Leo) Sind Sie immer so direkt?

Oder nur zu mir? Blub!

Pling!

(Emma) Nur zu Ihnen.

Liebe Frau Rothner,

darf ich Emmi sagen?

Blub!

Pling!

(Emma) Ungewöhnliche Frage an jemanden, der Emm-A heißt!

'Tschuldigung, große Daumen.

Kleine Tasten.

Aber Emma stimmt irgendwie nicht.

Sie scheinen mehr eine Emmi zu sein.

Blub!

Pling!

(Emma) Elaborieren Sie bitte, Herr Linguist.

♪ Ruhige Musik beginnt

Der Name “Emma" ist irgendwie...

ätherisch, aus einer anderen Zeit. Sie scheinen sehr im Hier und Jetzt zu sein.

Real, robust...

“Emmi“ eben.

Blub!

Pling!

(Emma) Robust. Danke.

Wie kräftiger Rotwein oder sibirische Büffel.

Das ist nur meine Meinung.

Blub!

Pling!

So wie Ihre vernichtende Meinung über meine Weihnachts-Mail?

Genau.

Und es fühlt sich gut an, die Freiheit

die uns dieser anonyme Austausch gibt.

Blub!

Stimmen Sie mir zu?

Beste Grüße, Leo.

(Emma) Ist das ein virtuelles Freundschaftsangebot?

(Leo) Ich glaube schon.

(Emma) Totale Anonymität? Strengstes Google-Verbot?

E-Stalking jeglicher Art verboten?

Kein WhatsAPP, QQ, WeChat, QZone, Instagram, Twitter, Facebook, nichts?

(Leo) Da ich vor 2010 geboren bin, habe ich eben nur die Hälfte verstanden, aber...

Ja, abgemacht.

(Leo) Kennst Du dich mit Pflanzen aus?

Pling!

(Emma) Nicht sonderlich, warum?

Kranker Gummibaum. Hat sich aber erledigt, bin jetzt im Gartencenter.

Wup!

Pling!

Gute Idee, die brauchen sicher nur ein einziges Blatt anzuschauen.

Pling!

Du hast den ganzen Baum mitgeschleppt, stimmt's?

Schon wieder drei Sorten Oliven! - Ich liebe Oliven.

Dein Ernst? - Was?

Tomaten! - Wieder dieser verrückte Blick.

Hallo, ich bin's, deine Frau, die auf Tomaten allergisch ist.

Das jetzt wieder? - Genau, das jetzt wieder.

Stell dir mal vor, ich lieg im Koma

und sie fragen dich nach meinen Daten.

Bevor sie dich an die Tomateninfusion anschließen, oder was?

Gibt es irgendwas in deinem Leben, das du ernst nimmst?

Meine Tochter und ich dürfen für den Rest unseres Lebens keine Tomaten essen?

Kannst ja mit deiner nächsten Frau Tomaten essen.

Und mit "deiner" Tochter, die dich dann am Wochenende besuchen kommt.

Und wenn du Sonnenallergie hast, muss ich mit dir im abgedunkelten Zimmer liegen?

Du spielst doch eh am liebsten am Computer,

schaust Pornos und holst dir einen runter, da braucht man keine Sonne.

Bitte!

(Emma) Du hast Dich versteckt und Deine Freunde beim Streiten beobachtet?

Warum?

♪ langsame Pop-Musik

Weiß ich nicht.

Ähnlichkeiten in Verhaltensmustern zu erkennen, hilft mir irgendwie.

Blub!

Pling!

Irgendwie, wie?

Ich hätte es Dir nicht erzählen sollen.

Blub!

Pling!

Ach, warum denn nicht?

Du bist halt ein soziophober Voyeurist, der hinterm Kühlregal hockt.

(Leo) Okay, es reicht.

Sag mir jetzt sofort was von Dir, das keiner wissen darf.

Blub!

Pling!

Nö, ich könnte nicht normaler und robuster sein.

Leo lacht auf.

Das wirst Du mir nie verzeihen, oder?

Hab ich einen wunden Punkt getroffen?

Emmi?

Ja, ADHS-Alarm! Kann man hier vielleicht mal in Ruhe nachdenken?

Okay.

Wenn ich unter der Dusche stehe,

und die Augen schließe,

bin ich mir nicht sicher, ob ich noch am selben Ort sein werde,

wenn ich sie wieder öffne.

So.

(Leo) Puh...

(Emma) Das hätte ich Dir nicht erzählen sollen.

(Leo) Sag das nicht. Es sind doch nur wir beide hier,

auf unserer virtuellen Insel,

die ehrlichste Version von uns selbst.

Zisch!

♪ sphärische Musik

♪ Musik läuft weiter

Liebste Emmi,

wenn das Leben so einfach wäre.

Musik endet r

Lieber Leo, hier meine Idee vom einfachen Leben.

♪ Zarte, helle Klaviertöne

Musik klingt aus l'

(Leo) Und wo bin ich?

Zisch!

Wup!

Zisch!

Wup!

Ja, glücklich sogar.

Wup!

Leo, bist Du beleidigt?

Unterhältst du Dich nicht gerne mit verheirateten Frauen?

Oh, doch! Mich wundert aber, dass sich verheiratete Frauen so gerne mit mir unterhalten.

Zisch!

Wup!

Ich würde meine geheimsten Gedanken nicht mit Dir teilen, wenn ich es wäre.

Zisch!

Wup!

Woher willst Du das wissen?

Verheiratet sein, ist nicht immer das, was man erwartet.

Ich erwarte gar nichts, Emma.

Zisch!

Wup!

Jetzt bin ich wieder Emm-A.

Stellen wir uns nochmal neu vor. Was willst Du noch über mein Leben wissen?

♪ Disko-Musik

Musik endet r

Bitte sag Adrienne nichts davon, okay?

Sie versucht schon ewig, uns zu verkuppeln

und ich hab ihr versprochen nicht so viel zu trinken.

Nein, ich sag ihr nichts.

Ich Vertrags eh nicht...

So, das müsste für beide Strecken reichen, ne?

Soll ich nicht doch mit hochkommen?

Clara ächzt und räuspert sich

Clara gurgelt im Bad

♪ entspannte Pop-Musik Jonas Alaska, "The Moon 8. The Steeple"

Pling!

Warte mal ganz kurz.

Ich bin gleich zurück, eine Sekunde.

Nur kurz, ja?

Emmas Stimme

Warte mal, ist das was Gutes?

Blub!

Pling!

Leo!

Ich dachte, ich hätte Dich verloren.

Schritte, Musik wird leiser

Tja, ich klebe an Dir wie äh...

die Seepocke am Arsch des Buckelwals.

(lachend) Du solltest wirklich an der visuellen Attraktivität Deiner Gleichnisse arbeiten.

Wie die Zunge am Eisfach.

Wie die Wimper am Wunsch.

Blub!

Pling!

.Ja nun mal langsam, Rilke! Wenn Du jetzt hier mit Poesie um Dich schleuderst,

brauch' ich noch ein Glas Wein.

Nimm Dir auch 'ne Flasche, es könnte 'ne lange Nacht werden.

Ich hol mir ein Glas.

Blub!

(Adrienne) Wer da? - Hey, ich bin's.

Kannst du Clara anrufen und sagen, dass du sie für was Dringendes brauchst,

jetzt sofort? Egal was.

Spinnst du? - Ja, ich wollte ihre Nummer haben, aber...

Okay, die Wahrheit... ich... äh...

kann nicht aufhören an Emmi zu denken und sie ist jetzt gerade online.

Wirklich jetzt sofort?

Adrienne seufzt

Dir ist schon klar, dass du einen echten Fick gegen das virtuelle Nichts eintauschst?

Es tut mir total leid, aber sie klang echt aufgewühlt.

Wahrscheinlich irgendein Problem mit 'ner Frau, die sie in der Bar aufgerissen hat.

Du kennst doch deine Schwester. - Ja, klar.

Wir schreiben?

Ciao!

(Leo) Habe ich Dir schon mal gesagt, dass ich Deine Stimme im Kopf habe?

(Emma) Und das soll ein Kompliment sein?

Sind da noch andere Stimmen?

Geben sie Dir Anweisungen über den Fernseher zur Weltherrschaft, oder so?

Im Ernst, seit einiger Zeit sehe ich Leute und denke:

Was würde Emmi über diese Person sagen? Würde sie sie mögen?

Wup!

(Emma) Mag ich die selben Menschen wie Du?

Nicht immer.

(Emma) Wenn ich Deine E-Mails lese,

erahne ich, in was für einer Stimmung Du bist.

Ich spüre die Pausen zwischen Deinen Wörtern.

Ich sehe auch Männer auf der Straße und frag mich,

ob Du das bist.

♪ Sanfte Musik

Nein,

ich hätte es bemerkt, wenn ich Dir begegnet wäre.

Zisch!

Wup!

Du glaubst, Du würdest mich in einer Menschenmenge erkennen?

Wollen wir wetten?

(Leo) Wir könnten uns treffen.

Im Messe-Café Huber.

Zum Beispiel zwischen 17 und 19 Uhr.

Sonntag Nachmittag.

Durch die vielen Leute würde uns nicht auffallen,

dass wir uns gegenseitig zu entdecken versuchen.

Ich will nicht wissen, wie Du aussiehst.

Keiner von uns darf Signale oder Zeichen geben. Ich will nicht mit Dir reden.

Ich will Dich nur...

erkennen.

Zisch!

Hallo, Leo. Warst Du dort?

Leichte Klaviermusik läuft, Gesprächsfetzen

Leo, warst Du dort?

(Fiona) Emma?

Emma?

Emma, hörst du mir überhaupt zu? Alle fahren!

Natürlich höre ich dir zu.

Alle. Lucy und Käthe und Bella...

Das sind doch nur drei.

Ja, drei meiner besten Freundinnen fahren zusammen in den Urlaub.

Mit Sophie sind's sogar vier. Pling!

Und ich muss in die scheiß Alpen und mir mit dir ein Zimmer teilen.

Denkst du ich hab da Bock drauf?

Dein Vater und ich freuen uns so auf die gemeinsame Zeit mit euch.

Du bist nur noch zwei Jahre in der Schule,

wer weiß, wie lange wir noch zusammen verreisen.

(Leo) Natürlich war ich da.

Scheiße.

Alle Männer, die infrage kommen, Leo Leike gewesen zu sein,

waren absolut indiskutabel.

Emma,

ich sterbe, wenn die ohne mich fahren.

Lass mich mit deinem Vater sprechen. - Wirklich?

Ja. Pling! - Du musst ihn überreden, okay?

Versprochen? - Versprochen.

(Leo) Welche Männer sind denn für Dich infrage gekommen?

Mit wem schreibst du da? - Keiner, den du kennst.

Mist, jetzt wollen die, dass ich mit meinem Projekt schneller fertig werde.

Ich kann Karl bitten, sich darum zu kümmern. Sein Vater war bei der CIA.

Die können lautlos töten.

(Fiona) Loser'.!

War doch nur ein Witz! Bist du blöd?

Ey, nicht schlagen!

Nimm das bitte nicht persönlich, aber bei dem Gedanken daran,

dass ich einem dieser Single-Männer schreiben könnte,

rollen sich mir die Zehennägel auf.

Zisch!

Pling!

Dann ist es Zeit für eine Pediküre.

Klopfen

Hey! - Hey!

Es tut mir leid, dass ich so spät bin.

Wie war die Probe?

Kannst du dir denken...

Oh! Der Ersatz für George ist gefühlte zwölf Jahre alt.

Und wie spielt er? - Wie ein junger Gott.

Klingt doch vielversprechend. Pling!

Nicht gerade ein Teamplayer, aber...„

da kriege ich ihn schon hin.

Hoffe ich.

Ich hab noch was zu tun.

Wir können aber später einen Film runterladen.

Ich hab auch noch hier was zu tun, ich mach noch weiter.

(Emma) Alles gut.

Ich hab gewusst, dass Du mich nicht erkennen wirst.

LEO, WER WARST DU? SAG ES!

Zisch!

♪ sanftes Klavier und Streicher

Musik endet r

Im Ernst jetzt? Zisch!

Findest Du es witzig, mich so auf die Folter zu spannen?

Zisch!

Pling!

Verzeih, bin praktisch schon aus der Tür.

Der findet das echt witzig.

Tschüss, Emma. - Tschüss.

Schulglocke läutet

Jonas!

♪ Thema mit Klavier und Streicher wird fortgeführt

So, einmal der Rhabarberkuchen...

und der Schokokuchen. Bitte.

Ich weiß es:

Du kennst den Chef und Du durftest für zwei Stunden Kellner spielen, stimmt's?

Pling!

Und gefalle ich Dir wenigstens?

Ich meine, optisch?

Ich finde Dich nicht schön,

ich finde Dich nicht mal hässlich, ich finde Dich einfach nur...

Wäää!

Aber das klingt ja echt brutal.

Bin ich froh, dass ich nicht in seiner Haut stecke.

Ich war auch kein Zustelldienst oder Küchengehilfe, ich war...

kein Polizist in Uniform, ich war auch nicht die Klofrau.

Erzähl mir nicht dauernd, wer Du nicht warst, sag mir endlich wer Du warst.

Ich kann Dir sagen, wer meine Schwester ist. Meine Schwester ist Model

und sie hatte einen roten Pullover an.

Klaviermusik und unverständliche Gespräche

(Emma, verzweifelt) Ich weiß nicht mehr, wie Du ausgesehen hast.

Ich hab Dich nur ganz, ganz flüchtig gesehen.

Du bist so scheiße!

Ich bin so...

schlau.

Von dem, was du mir erzählt hast, haben wir hier meiner Meinung nach:

a) Prototyp Ur-Emmi:

witzige Filzhandtasche, grüne Schuhe,

Gesichtszüge fein,

ein bisschen unlocker,

b) die Gegenprobe, Blond-Emmi:

Körpergröße gut 1,75 m,

lange Beine,

gewaschene Jeans, schwarzes T-Shirt,

und großer Busen.

Und drittens...

Der Antityp, Überraschungs-Emmi: dunkelhaarig, grüne Augen,

feminin, sinnlich,

vorsichtig...

Und welche Emmi würde Dir ihrer Meinung nach am besten gefallen?

Pling!

Bei einer hat meine Schwester gesagt, "das könnte sie sein",

bei einer hat sie gemeint, "das ist die wahrscheinlich",

und von der Dritten hat sie behauptet: "In die würdest du dich verlieben."

Und?

In welche würdest Du Dich verlieben?

Pling!

Handy klingelt

Hey!

Was? Warum?

Okay, wir treffen uns da.

lautes Scheppern

erneuter Knall

♪ Bach, "Solfeggio in c-Moll" für Klavier

Sehr gut, aber denk mal ans Forte.

Spiel noch mal von dem letzten Lauf vor dem Forte, bitte.

Ja!

Wo bist du denn? - (Adrienne) Ich steh noch im Stau.

Was hat der Arzt gesagt?

Ich war noch nicht drin.

Mann, Leo! - Ich warte auf dich.

Geh einfach rein und ich komm dann dazu.

EKG piept gleichmäßig

Schritte

Klopfen

Na, heute mal früh im Bett? - Ja, verrückter Tag.

Bevor ich's vergesse: Fiona will nicht mit in die Alpen.

Ich sagte, wir würden sie gern dabei haben, aber sprich du auch noch mal mit ihr.

Und was soll ich ihr sagen?

Wie wär's mit: "Fiona, ich will, dass du mitkommst."

Ja, aber wenn du ihr das schon gesagt hast... - Bernhard!

Na gut. Ich habe sie oben noch gehört.

Dann rede ich jetzt mit ihr.

Die Fiona.

Schlaf gut.

Du auch.

Ach, und Bernhard...

Das Trampolin.

Die benutzen es gar nicht mehr. Es steht nur noch rum.

Klar, schaffen wir es weg.

Willst du sie vielleicht vorher noch mal fragen?

Du und Sarah, ihr habt es Fiona damals geschenkt.

Ja.

Ja, ja.

EKG piept gleichmäßig

Was machst du da?

Der Ring klingelt am Boden Schhht!

Leise, du weckst sie auf. Adrienne lacht

Du bist wie ein Junkie, der den Goldgehalt von Mamas Hochzeitsring überprüft.

Hilf mir einfach ihn zu suchen.

Adrienne kichert

Wie du da bei der Lampe gestanden hast.

Ich hab nach einer Inschrift von Papa gesucht.

Okay.

lacht

Schhh!

Ah, hab ihn.

Und?

Nichts.

Warum schreibst du nicht deiner Emmi und bittest sie herzukommen?

Ich weiß, dass du an sie denkst.

Emmi ist meine Flucht.

Ich will mir das nicht mit der Realität versauen.

Gib mal her.

Es wäre schwierig, ihnen den gebrochenen Finger zu erklären, wenn sie aufwacht.

Sie sagte mir mal, dass du ihr von uns Dreien am ähnlichsten bist.

♪ Sanfte Musik

Plup!

(Leo, flüsternd) Café Huber hat was zwischen uns verändert, oder?

Pling!

Emmas Stimme Ja.

♪ laute Popmusik

Emma!

Hast du Papa gefragt?

Was? - Ob du Papa gefragt hast.

Papa!

Hast du Papa gefragt?

Emma, hast du Papa gefragt?

Seufzt

Du weißt doch wie viel der immer arbeitet.

Und wie wichtig ihm die gemeinsame Zeit mit uns ist.

Und wenn ich keine Zeit hab? Ist ihm das egal oder was?

Um fair zu bleiben: du hast zwölf Wochen Ferien im Jahr

und er vier.

Emma seufzt

Wie wär's, wenn ich uns dafür ein Haus auf dem Land miete

und du kannst deine Freunde mitnehmen?

Hm?

Mit Pool?

Mit Pool.

Hm...

Sag mal, der Junge mit dem ich dich gesehen hab,

der sah nett aus.

Kann es sein, dass der dich mag?

Der ist so süß.

Und ich krieg diese scheiß roten Flecken überall.

Fiona, du weißt aber schon, dass du wunderschön bist, ne?

Wie war das, als du Papa kennengelernt hast?

Ich konnte nicht mehr atmen.

Er hat mir den Atem genommen.

♪ Ruhige Musik

Hallo Leo, hattest Du heute einen guten Tag?

Ich hatte keinen guten Tag. Keine Nachricht von Leo.

Guten Abend, gute Nacht, Emmi.

Blub!

Bernhard?

Bernhard?

Bernhard!

Die Tür öffnet sich

Ja! - Also hast du mich doch gehört.

Ja, was wolltest du denn?

Du hast nicht mit Fiona über den Urlaub gesprochen.

Bernhard seufzt

Deswegen rufst du so laut nach mir?

Dann rede ich jetzt mit ihr. - Nein, ich hab's schon geklärt.

Das ist jetzt irgendwie merkwürdig.

Tür fällt zu

Spülung

Tastatur und Emmas Stimme Kuckuck!

Pling!

Emmas Stimme

Kling!

Leos Stimme

Sieh an, der Verschollene.

Ich hoffe, Du hast eine gute Entschuldigung, Dich eine Woche nicht zu melden.

Zisch!

Kling!

Shit.

Oh nein!

Woran?

Seufzt tief

♪ dezente, elegische Musik

Alles in allem, an ihrem Unglück.

Im Krankenhaus sagen sie: bösartiger Tumor.

Zum Glück ging es ziemlich schnell.

Warst Du bei ihr, als sie starb?

Beinah.

Ich war mit meiner Schwester im Wartezimmer.

Die Ärzte meinten, es sei jetzt “nicht so günstig" sie zu sehen.

Ich frag mich, wann es jemals günstiger gewesen wäre.

Können Sie... Kann man das wegmachen? - Schwester!

Ziehen Sie bitte die Kanüle.

Adrienne schluchzt

Wir lassen Sie jetzt alleine.

Mein Beileid noch mal.

(Emma) Wart ihr euch nah?

(Leo) Noch vor einer Woche hätte ich gesagt:

Nein.

Ich hatte überhaupt keine Beziehung zu ihr.

Aber vielleicht ist es genau das.

Ich glaube, ich hab...

immer darauf gewartet, dass sich das ändern würde.

Musik klingt aus l'

(Emma) Wir könnten uns treffen, wenn Du möchtest.

Vielleicht bin ich genau die Richtige in dieser Situation.

Wollen wir uns treffen?

Wie gute, enge Freunde?

Ja, gut.

Ich dank Dir, Emmi.

Treffen wir uns heute Abend?

Ich warn Dich aber: Kann sein, dass es nicht gerade lustig wird.

Mein lieber Leo, heute Abend geht es leider nicht.

Aber morgen Abend. So gegen 19 Uhr?

19 Uhr müsste klappen.

Morgen...

ist die Beerdigung.

Morgen werd ich für Dich da sein.

Real. Robust.

Deine

Emmi.

Da glaub' ich. - Da?

Ja.

Macht ihr bitte eure Handys aus.

Ja.

Wie lange müssen wir hier sitzen?

Lass dich mal drauf ein, ist ein wunderschönes Stück.

Ich würd mir in die Hose pissen, wenn ich Papa wär.

♪ Beethoven, "Egmont, Op. 84"

Musik endet r

Möchtest du auch was trinken? - Ja, ich nehm Weißwein.

Emma!

Das war wundervoll, du bist sicher sehr stolz.

Wo ist er denn? - Spricht noch mit dem Intendanten.

Ach du meine Güte, ich hab dich gar nicht gesehen.

Hi. - Meine Süße...

Mein Gott, wie du deiner Mutter ähnelst.

Findest du nicht auch, Vlad?

Deine Mutter war die schönste Frau der Welt.

Da ist er ja!

Hallo!

Mein herzliches Beileid.

Sie war eine wunderbare Frau. - Danke.

Danke.

Beileidsbekundungen, Kirchenglocken

Mein herzliches Beileid. - Herzliches Beileid.

Mein Beileid.

(Emma) Papa bringt Sushi mit, ja? - Ja!

Du siehst cool aus.

Danke.

Neue Nachricht

Liebe Emmi, ich muss für heute leider absagen.

Ich erklär Dir später warum.

Bitte nicht böse sein.

Und danke, dass Du für mich dagewesen wärst.

Liebe Grüße, Leo.

Oh, hey! - Hey

Bist du nicht spät dran? - Ja, ich bin unmöglich.

Bis später.

Bis später.

(Bernhard) Sushi'.!

♪ melancholische Musik I Am Kloot, "Proof"

♪ Hey, could you stand another drink

♪ I'm better when l don't think

♪ Seems to get me through

♪ Say, d'you want to Spin another line

♪ Like we had a good time

♪ Not that l need proof

♪ Swell, we're living in a hotel

♪ Someone's ringing my bell

♪ In a room without a view

♪ Hey, heard you read another book

♪ Should I take another look ♪ Who am I

♪ without you?

beschwingter Wechsel in der Musik

♪ Could you stand another drink Strophe wird wiederholt

Fuck!

Lied wird langsam ausgeblendet I'

Ich hab vorhin im Auto so ein altes Lied gehört.

Merkwürdig, wie einen so ein Lied in eine andere Zeit zurückversetzen kann.

Man erinnert sich, wie man sich gefühlt hat und wer man war.

So weit weg von dem, wer man heute ist.

Aber man ist trotzdem noch die gleiche Person.

Man ist halt diese...

...verschiedenen Versionen des eigenen Ichs gleichzeitig.

Interessanter Gedanke.

Holt tief Luft

Stellst du dir manchmal vor, wie es wär, wenn Sarah noch am Leben wär?

Lass uns schlafen.

Malou hat morgen ihre Aufnahmeprüfung.

Ich wollte eigentlich nicht hinfahren, aber sie könnte meine Unterstützung brauchen.

♪ Instrumentales Pop-Stück

(Leo) Liebe Emmi,

ich will Dir jetzt was aus meinem Leben erzählen.

Sie heißt Marlene.

Wir waren die Liebe unseres Lebens für einander.

Aber nie wenn wir zusammen waren, immer nur...

wenn wir uns gerade wieder bemühten zusammenzufinden.

Ja, und Ende letzten Jahres war es dann endlich soweit:

Sie hatte einen anderen: spanischer Pilot.

Als ich es erfuhr, war ich plötzlich sicher, dass Marlene die Frau meines Lebens war.

Ich hab's geschafft, sie zurückzugewinnen.

Alles fühlte sich wieder richtig an.

Ich wollte ihr sogar einen Antrag machen auf unserer Reise nach Paris,

ich Vollidiot.

An dem Nachmittag, an dem wir fliegen wollten,

erhielt ich eine E-Mail von ihr:

"Leo, ich kann nicht.“

Ich schrieb ihr sofort zurück:

“Ich will Dich heiraten. Wir gehören zusammen."

So.

Und dann wartete ich auf eine Antwort.

21:09 Uhr,

und plötzlich ein "Pling!“

Ich sammle alle armseligen Restbestände meines positiven Denkens,

konzentriere mich auf die ersehnte Meldung,

und ich les:z

"Frohe Weihnachten und ein gutes neues Jahr wünscht Emma Rothner."

Liebe Emmi, ich habe die Nacht gestern mit Marlene verbracht.

Sie war auch bei der Beerdigung.

Sie hatten irgendwie einen Zugang zueinander, meine Mutter und sie.

Meine Mutter hat sich nicht viel um mich gekümmert.

Mehr um meine kleine Schwester.

Mein Vater ist nach Amerika ausgewandert

und hat meinen älteren Bruder mitgenommen.

Ich bin irgendwo...

in der Mitte durchgerutscht.

Musikstück klingt aus r

Emma!

Na du?

Das wollte ich mir doch nicht entgehen lassen.

(Karen) Das ist aber schön. Hallo!

Klavierspiel

(Leo) Ich würde Dir gerne Fotos meiner Familie zeigen.

Von mir, als ich noch ein Kind war.

Meine Geschichte mit Dir teilen.

Gestern wollte ich auch nicht, dass Du siehst, wie ich im Moment anzuschauen bin.

(Emma) StOP-

♪ atmosphärisches Instrumente/Stück (Leo) Ich habe Sehnsucht nach Nähe.

Komm, trinken wir noch ein Glas auf uns.

Ich will nicht an meine Mutter denken.

Ich will nicht an Marlene denken.

Ich will Emmi küssen.

Leo flüstert: Em m i !

Leo haucht: Emmi!

Ich schreibe gerne: “Emmi.“

Ich könnte 1000-mal “Emmi“ schreiben.

“Emmi“ schreiben ist Emmi küssen.

Leo flüstert: Em m i.

Leo haucht: Emmi.

Leo flüstert: Em m i !

Musik klingt aus l'

dröhnende Brandung

Hey, kannst du grad sprechen?

Ich wollte nur sagen, es ist gut weg zu sein.

Nein, ich meine, es ist schön

an dich zu denken und an uns, aus der Ferne.

Ich bin so gegen Fünf zu Hause.

Ich liebe dich, Bernhard.

Wind und Wellen rauschen laut

(Emma) Betreff: Leben und Marlene

Guten Morgen, Leo. Darf ich Dich etwas härter anfassen?

Jeder wird von seiner Kindheit als Geisel genommen,

und dann begreift man, dass es Zeit ist erwachsen zu werden und weiterzugehen.

Diese Worte klingen unter den gegebenen Umständen hart, aber es wäre unaufrichtig,

Deiner E-Mail nicht mit gleicher Ehrlichkeit zu begegnen.

So, wegen Marlene: Du bist also so ein Mann,

der sich für eine Frau nur am Anfang und am Ende interessieren kann?

Aber die Zeit dazwischen, auch "Zusammensein" genannt, ist Dir zu langweilig,

oder zu anstrengend oder beides?

Aber um einen spanischen Piloten aus dem Bett Deiner So-gut-wie-Ex zu bekommen,

würdest Du schon locker vor den Traualtar treten...

Ja, und dann wirft sich meine Schicksals-E-Mail

in Deinen über Sein oder Nichtsein waltenden Posteingang.

(Leo) Scheiße!

Scheiße, Mann!

(Emma) Schönen Montagvormittag, Emmi.

(Leo) Guten Tag, Emmi.

Schreib Dir ruhig Deinen gesamten Frust über Männer von der Seele.

Sei ungehemmt selbstgerecht, zynisch, schadenfroh.

Wenn's Dir nachher besser geht, hat meine E-Mail-Adresse ihren Zweck erfüllt.

Schönen Nachmittag noch, Leo.

Zisch!

Wup!

Danke für Dein Angebot,

aber hier scheint es nur einen frustrierten Menschen zu geben,

und zwar den, der keine fünf Minuten allein sein kann,

ohne dass ihm eine Ex sein Ego massiert.

Wup!

Und übrigens, ich hätte ein paar einsame Single-Freundinnen.

Vielleicht hast Du ja Lust, Deine Ex zu vergessen und Dich auf was Neues einzulassen?

(Leo) Bist Du wirklich so von Deiner Version der Welt überzeugt,

dass die Ironie unserer Situation an Dir vorbeigegangen ist?

Soll ich mich schuldig fühlen, dass ich im Ausnahmezustand

eine Nacht mit meiner Ex verbringe,

während Du Dein ganzes Leben mit Bernhard teilst?

Sag ein Wort, und ich kann Dich überall in einer Stunde treffen. Und Du?

Wenn Du mich heute Abend treffen würdest, was würdest Du Deinem Mann erzählen?

Vielleicht: “Schatz, ich treffe heute Abend einen Mann,

"mit dem ich seit einem halben Jahr täglich E-Mails schreibe.

Oft ist er der Erste und Letzte am Tag, der etwas von mir erfährt.“

(Emma) Ich sage nie "Schatz".

Pling!

Du hast Recht: Zeit für was Neues.

Mir reicht's.

P.S.: Und danke für das Angebot, mich mit Deinen Freundinnen zu verkuppeln,

aber es wird wohl weniger stressig für alle, wenn ich einfach auf Tinder gehe.

Oder was meinst Du?

(Emma) Super Idee. Viel Spaß.

♪ Klaviermusik

Nein, spiel weiter.

Halt! Da. Da.

Dieser Abschnitt da.

Hast du die Betonung gehört?

Ich muss mal nach dem Fleisch schauen.

Starkes Windrauschen

(Emma) Hab ich Dir eigentlich schon mal vom Nordwind erzählt?

Ich vertrage keinen Nordwind.

Wenn mein Fenster offen ist, kann ich nicht schlafen.

Heute ist es so.

Es wäre schön, wenn Du mir noch ein paar Worte schreibst.

Schreib einfach:

“Dann schließe das Fenster."

Dann werde ich erwidern:

"Bei geschlossenem Fenster kann ich nicht schlafen.“

Pluk!

(Leo) schläfst Du mit dem Kopf zum Fenster?

Leo!

Ja, ich schlafe mit dem Kopf zum Fenster.

Pluk!

Und wenn Du Dich um 180 Grad drehst und mit den Zehen zum Fenster schläfst?

Das geht nicht, da fehlt mir der kleine Nachttisch mit der Leselampe.

Zum Schlafen brauchst Du doch keine Leselampe.

Nein, aber zum Lesen.

♪ Sanfte Musik wird leise eingeblendet

Leo flüstert: Dann lies.

Und danach drehst du dich um

und schläfst mit den Zehen schräg zum Fenster ein.

Wenn ich mich umdrehe, dann bin ich wieder wach.

Dann muss ich wieder lesen, um einzuschlafen.

Dann fehlt mir der Nachttisch mit der Leselampe.

Leo flüstert: Ich hab's.

Stell ihn einfach auf die andere Seite vom Bett.

Emma flüstert: Das geht nicht.

Das Kabel der Lampe ist zu kurz.

♪ Die Musik tritt in den Vordergrund

Pass nur auf, dass du in der Nacht nicht darüber stolperst.

Ja.

Ich werd so tief schlafen,

dank dir.

Da kann der Nordwind jetzt wehen, wie er will.

Leo, ich habe dich sehr, sehr gern.

Du bist fantastisch gut gegen Nordwind.

Ich hab Dich auch gern...

Emmi.

Die Musik klingt aus l'

(Emma) Na, alles klar?

Hey!

Fifi, fang gar nicht erst an. Jonas war zuerst da, er kann vorne sitzen.

Nee, alles gut, ich...

Casper würde mitkommen und mir bei den Hausaufgaben helfen,

wenn das okay ist.

Seit wann machst du vor den Ferien Hausaufgaben?

Ja, gar kein Problem.

Wenn er weiß, wie man Tisch deckt, kann er sogar zum Abendessen bleiben.

♪ Sanfte Musik

(Emma) Ich möchte Dir von meinem Leben erzählen.

Bernhard ist etwas älter als ich. Ich hab ihn an der Musikhochschule kennengelernt.

Er hatte schon zwei Kinder: Fiona und Jonas.

Sie sind jetzt 16 und 11.

Sie haben ihre Mutter bei einem Autounfall verloren, als sie noch klein waren.

Und wir wurden dann schnell eine Familie.

Vielleicht ist nicht mehr alles so, wie früher, aber wir vier sind ein gutes Team.

Du hast Recht gehabt:

Wir treffen uns hier auf unserer kleinen virtuellen Insel.

Aber wenn wir nie etwas Reales teilen,

nicht unser Ping-Pong hier, sondern tatsächlich im selben Moment dasselbe erleben,

wie lange wird unsere Insel noch ausreichen?

Musik klingt aus l'

Kling!

(Leo) Geh zum höchsten Punkt in Deinem Haus und schau in den Himmel.

Um genau zehn vor, spiel dieses Lied.

lautes Rumpeln

♪ Musik beginnt geheimnisvoll

♪ die Lautstärke nimmt zu

♪ schlagartig beginnt ein emotionales Lied

Leo lacht laut vor Freude

♪ die Musik klingt ab, die elegische Stimme singt noch die letzte Zeile

♪ Musik endet, Dusche plätschert

Vogelgezwitscher, Stimmen der Familie

Hier. Und du bist sicher, dass es für dich okay ist?

Ja. Wie oft mussten wir die letzten Jahre wegen meiner Arbeit was verschieben?

Ich hab aufgehört zu zählen als es dreistellig wurde.

War nur rhetorisch gefragt, aber„

gut zu wissen, dass du Buch führst.

Bernhard,

wenn ich mitkommen soll, dann sag's, ja?

Nein. Es wird dir gut tun, mit der Arbeit weiterzukommen.

Wir machen das nicht oft genug.

Motor des Taxis startet

Stille, Grillen zirpen

Hey Leo, willst Du Dich mit mir treffen? Ich...

Scheiße.

Hi Leo, ich hab mich gefragt, ob...

Lieber Leo, als Gegenleistung für das exklusive Lebenszeichen...

könnte ich Dir einen Kaffee spendieren, wenn du möchtest.

Ich habe gerade viel Zeit.

Bernhard ist mit den Kindern eine Woche wandern.

Zisch!

(Bernhard) Sehr geehrter Herr Leike,

Wup!

Vor zwei Tagen habe ich heimlich alles gelesen,

den gesamten E-Mail-Verkehr zwischen Emma und Ihnen.

Klopfen.

Hallo!

Alles in Ordnung?

Ich dachte, ich setz mich mal rein. - Okay.

(Bernhard) Sie hatte sich so verändert

und ich musste das verstehen.

Ich dachte, ich kann das aushalten,

aber auf der Reise bin ich zusammengebrochen.

Danke, dass du gekommen bist.

Klar.

♪ Elegische Streichmusik beginnt

(Bernhard) Herr Leike,

ich bitte Sie inständig, sich mit Emma zu treffen.

Verbringen Sie eine Nacht mit ihr,

wenn sie das möchte.

Solange Sie eine Fantasie bleiben, hab ich keine Chance.

Nur so verschwindet Ihre Übermacht.

Und erst dann kann ich um Emma kämpfen.

(Emma) Bist du okay?

Soll ich noch warten?

Nein.

Mir geht's gut, wirklich.

Schlaf gut.

♪ Streichmusik spielt noch

(Bernhard) Hochachtungsvoll,

Bernhard Rothner.

♪ Musik schwillt sanft an

Wup!

Emmas Stimme:

Wup!

(Bernhard) Werden Sie meine Frau treffen?

Scheiße. Scheiße.

♪ Elegisches Thema spielt noch

Herr Rothner, das kann ich Ihnen nicht beantworten und würde es auch nicht tun.

Alles was Sie mir erzählt haben, hätten Sie Ihrer Frau erzählen müssen.

Zisch!

♪ elegisches Thema spielt noch

(Emma) Meine letzte Mail ohne Gegen-Mail:

Leo, das ist echt brutal, was Du da machst.

Bitte hör damit auf. Das tut verdammt weh.

Alles ist erlaubt,

alles außer Schweigen.

Das besprechen wir nächstes Mal, ja?

Leo, kommen Sie bitte.

Musikthema klingt aus ♪

Liebe Emmi,

ich habe Tage gebraucht, um mich zu einer Entscheidung durchzuringen,

die mein Leben verändern wird.

Pluk!

Ich ziehe nach Boston.

Ich werde dort eine Projektgruppe an der Universität leiten.

Fehlen wird mir meine Schwester Adrienne,

und fehlen wird mir Emmi.

Ja.

Emma atmet zittrig

Sie wird mir unglaublich fehlen.

Ich habe noch eine zweite Entscheidung getroffen:

Ich beende unseren E-Mail-Kontakt.

(Emma) Nein.

♪ Traurige Klaviermusik beginnt

(Leo) Ich muss Dich aus dem Kopf bekommen.

Du bist vergeben, Du hast eine Familie.

Ich hab nicht vor, mit einer Frau durchs Leben zu gehen,

die nur in der Mailbox für mich frei ist.

Emma liest:

Ich hab mal wieder Lust, eine Frau auf stinknormale Art kennenzulernen.

Zuerst sehe ich sie. Dann höre ich ihre Stimme. Dann rieche ich sie.

Dann küsse ich sie vielleicht.

Und irgendwann schreibe ich ihr auch mal eine E-Mail.

Leo und Emma zugleich:

Aber jetzt werde ich mich ausloggen und den Bildschirm runterklappen.

Emma liest: Ich verabschiede mich von Dir.

(Leo) Ich verabschiede mich von Dir.

Emma und Leo zugleich: Dem Leo

♪ getragenes Klavier und Streicher

♪ dramatische Musik in dunklen Klangfarben

Musik klingt aus l'

Und was sagt Emmi dazu?

Und was ist mit deinem Job?

Ragosch hat mit der Versetzung geholfen,

kennt den Fakultätsleiter in Boston. Passt das alles in deinen Keller?

Ja.

Ist es da auch trocken?

Mann, Leo, ja!

Dann zieh ich nach New York.

Ich arbeite sowieso meistens drüben. Mich hält hier nichts mehr, ohne Mama.

Ich könnte dich an den Wochenenden in Boston besuchen.

Klar...

Wir könnten Papa öfter sehen.

Keine Ahnung.

Wie soll das funktionieren?

Ich glaub nicht, dass ich ihn brauche. Er ist ja praktisch ein Fremder.

Ich weiß, was Mama damit gemeint hat, dass du ihr am ähnlichsten bist.

Du bist so unerreichbar, wie sie.

Quatsch.

Du hältst uns alle auf Distanz, genau wie sie.

Und was ist Ihre Diagnose, Frau Dr. Leike?

Du hast einfach wahnsinnigen Schiss vor wirklicher Nähe.

♪ Ominöse Musik

(Student) Professor Ragosch?

Das Referat in der nächsten Woche...

Kommen Sie in meine Sprechstunde. - Okay.

♪ Mysteriöse Musik begleitet Emma

Tür wird geöffnet

Emma seufzt enttäuscht

Musik klingt aus l'

Pluk!

(Leo) Liebe Emmi,

ich schlage Dir vor,

dass wir uns heute Abend treffen.

Ich...

die Vernunft, die Gefühle,

die Hände, die Füße, die Augen, die Nase, die Ohren,

der Mund, alles.

Alles von mir

will sich mit Dir treffen, Emmi.

(Emml) Der Mund?

Was hast Du vor?

(Leo) Ich hab überhaupt nichts vor.

Ich möchte Dir nur auf die Lippen schauen,

wenn Du sagst: “Was hast du vor?"

Ich will wissen...

wie bewegen sich Deine Mundwinkel,

wie glänzen Deine Augen, wenn Du solche Sätze sprichst?

Hunderte solcher Dinge interessieren mich an Dir.

Was erzählst Du eigentlich Deinem Mann, wo Du heute Abend hingehst?

Seufzt

Leo, du kannst nicht aufhören damit.

Ich werde ihm sagen: “Ich treffe den Linguisten, von dem ich dir erzählt habe.“

Er wird sagen: “Amüsiere dich gut."

Und wenn Du erst früh morgens nach Hause kommst? Was sagt er dann?

Du meinst, ich könnte erst morgens nach Hause kommen?

Alles ist eine Möglichkeit.

Aha.

Spannend.

Ich mach Dir einen Vorschlag:

Ich würde gern die Tür angelehnt lassen.

Du klingelst bei Leike,

gehst ins Dachgeschoss.

Dort gibt es ohnehin nur eine Tür.

Du schließt die Augen und...

gehst einfach der Musik nach.

♪ Sphärische Klänge mit zartem Klavierspiel

(Leo) Ich küsse Dich... blind.

Nur ein einziger Kuss.

Beide atmen schwer

♪ Musik wird voluminöser

(Emma) Und dann? Soll ich wieder gehen?

(Leo) Nein, ein Kuss und dann...

öffnen wir die Augen und sehen, wen wir geküsst haben.

(Emma) Riskant ist es schon.

Ich hab ja keine Ahnung, ob ich mag wie Du küsst.

Wie küsst Du?

So ähnlich wie ich schreibe.

Du schreibst äußerst unterschiedlich.

Tja...

Wenn Du mir versprichst, so zu küssen, wie Du heute schreibst, dann...

riskiere ich es.

Emmi, es gibt so viel zu erklären, es gibt so viel...

zu verstehen,

verstehst du?

Jetzt küssen wir uns erst mal.

Bis später, mein Lieber.

Musik endet r

laute Kampfgeräusche

Loser, Loser, Loser! - Jonas!

Runter vom Tisch! - Papa, du lässt ihn immer machen!

Runter!

(Fiona) Wow, du siehst heiß aus!

Kann ich mir den Mantel mal leihen?

Klar. Ich treff einen Freund.

Kenne ich ihn?

Leo, der Linguist von dem ich dir erzählt hab.

Wir haben viel zu bereden. Wird wahrscheinlich spät.

Amüsier dich gut,

Emmi.

♪ Elegische Musik beginnt

(Emma) Es tut mir leid.

Schuld daran war... ein Buchstabe.

Ein einziger falscher Buchstabe zum unglücklichsten aller Zeitpunkte.

“Amüsiere dich gut."

Ja, Leo, das hat er gesagt.

Dann macht er eine Pause...

und dann kam dieses...

"Emmi."

Ein "I", wo all die Jahre ein “A" war.

Ein Hauch,

nicht mehr als ein Hauch.

Leo, es ist etwas geschehen. Und Bernhard spürt das.

Mein Gefühl hat den Bildschirm verlassen.

Ich glaube, ich liebe dich.

Zisch!

Pling!

Emmas Atem bebt

♪ elegische Musik steigert sich dramatisch

♪ Musik klingt mit Klavier aus

♪ akustische Gitarre

♪ Mann und Frau im Duett, Gitarre Leonard Cohen, "Who b y Fire "

Untertitel: Way Film Translation, Matthew Way

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