All language subtitles for Im Labyrinth des Schweigens (2014).dutch

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Original subtitles

(sanfte Klaviermusik)

(Schulklingel)

(fröhliches Geschrei)

(Kinder singen) Kein schöner Land in dieser Zeit

Als hier das unsre weit und breit Wo wir uns finden...

Peter!

Keine Sorge. Der Adenauer macht das schon.

Er ist der Kapitän, oder nicht?

In der 6b habe ich zwei Lauser, so was habe ich noch nie erlebt.

So was von undiszipliniert. Und die Eltern machen nichts.

(Mann) So ist das heutzutage.

He, Sportsfreund! Brauchen Sie Feuer?

- Danke. -Bitte.

(düstere Musik)

Hohes Gericht,

unser Grundgesetz erklärt in Artikel 2, Absatz 2

menschliches Leben zum höchsten Rechtsgut.

Es steht fest, dass der Angeklagte

aus niederen Beweggründen handelte,

Voraussetzung für Paragraf 211, Mord.

Den vom Verteidiger vorgebrachten

entschuldigenden Notstand

kann ich nicht erkennen und beantrage die Höchststrafe:

lebenslangen Freiheitsentzug.

- Morgen, Radmann. - Morgen.

- Na‚ wie waren die ersten Wochen? - Aufregend.

- Nur Verkehrsdelikte. - Da mussten wir alle durch.

In ein, zwei Jahren bekommen Sie was Anständiges.

Na großartig.

(Radio) Frauen dürfen einen Beruf nur mit Zustimmung des Ehemanns ausüben.

Und nun: Vico Torriani.

(Lied) Siebenmal in der Woche Möcht ich ausgehen

Siebenmal möcht ich glücklich sein Mit dir

siebenmal, siebenmal Das ist meine Lieblingszah/

siebenmal klopfe ich an deine Tür

siebenmal frag ich: "Gehst du mit mir tanzen?"

Siebenmal sagst du: "Ja, denn du bist süß"

siebenmal, siebenmal Das ist meine Lieblingszah/

Siebenmal sind wir dann im Paradies

- Schön, dass Sie kommen. - Verzeihung.

Wir haben schon angefangen. Frau Wondrak ist geständig.

Sie sagt aber, sie könne die 50 DM Strafe nicht aufbringen.

Meine Chefin darf nichts erfahren. Ich habe aber nur 30 Mark.

- Herr Radmann. - Bitte?

Mit Ihrem Einverständnis reduzieren wir die Strafe auf 25 DM.

Und Sie konzentrieren sich von nun an auf den Verkehr,

wenn Sie schon Auto fahren, ja?

Nein.

- Bitte? - Die Höhe der Strafe ist festgelegt.

- Wieso dann eine Ausnahme? - Ich habe das Geld nicht.

- Das Gesetz macht da keine Unterschiede. - Sie Paragrafenhengst!

- Wollen Sie mich einsperren? - Nein, aber...

Tja, Herr Staatsanwalt, was machen wir nun?

So, Strafe bezahlt! Darf ich jetzt gehen?

Ich bin Ihnen nicht dankbar. Sie bekommen Ihr Geld zurück.

Unmöglicher Mensch!

Teufel noch mal, die hat Pfeffer.

(Mann) Das ist ein Skandal. Ein Riesenskandal!

Da läuft ein Mörder frei herum. Herr Kirsch erkannte den Mann.

Wir waren auf drei Polizeiwachen. Aber die tun nichts.

- Nichts. - Guten Tag, Herr Gnielka.

Auf der Suche nach einer Story für die Rundschau?

Die Story habe ich längst. Ein Mörder läuft frei herum.

Waffen-SS, war in Auschwitz.

Er ist jetzt Lehrer und unterrichtet Kinder.

- Sie sind ein herrlicher Brausekopf. - (Gelächter)

Gnielka‚ ich will jetzt gehen. Das ist alles sinnlos.

Alois Schulz, Waffen-SS. Unterrichtet Geschichte.

Interessiert es Sie?

Sie?

- Nein. - Sie?

Raus!

Simon, wir gehen. Sonst muss ich speien.

Werfen Sie das weg. Der Zirkus ist beendet, an die Arbeit.

- Schmittchen, wo ist die Schulbehörde? - Im Römer.

Ich ahne was, und das gefällt mir gar nicht.

- Die Eintracht wird Meister. - Wenn Egon gesund bleibt.

Ich habe die Personalakte Schulz. Die Jahre '39 bis '45 fehlen.

- Von wem? - Dem Lehrer, den der Reporter meinte.

Da ist aber einer ehrgeizig.

Nach '45 bunkerten die Amis haufenweise Akten.

Die Entnazifizierung hat stattgefunden. Gnielka ist ein vaterlandsloser Geselle.

Nicht ins Bockshorn jagen lassen.

(melancholische Musik)

- Verzeihung. Document Center? - Second floor.

Danke.

Das Center ist nicht zugänglich fürjeden.

Ich überprüfe das Vorleben dieses Lehrers.

- Ich muss wissen, was er im Krieg tat. - Erwar ein Nazi. Ihr wart alle Nazis.

In der Ostzone seid ihrjetzt Kommunisten.

Jesus, you Germans!

Wenn morgen Marsmännchen landen, seid ihr alle Marsmännchen.

Kid, du bist zu jung. Aber dein Vater, der war ein Nazi.

- Was? Nein. Er hat die Nazis gehasst. - Ja, sicher.

'45 war plötzlich jeder im Widerstand.

Du bist hier by which authority?

Ähm, Staatsanwaltschaft Frankfurt.

(melancholische Musik)

(unverständliches Gemurmel)

- Guten Morgen. - (alle) Guten Morgen.

- Ich beantrage drei Jahre Haftstrafe. - Gute Arbeit, Haller.

Herr Generalstaatsanwalt, ich würde die Sitzung jetzt beenden.

- Herr Oberstaatsanwalt. - Bitte, Herr Radmann?

- Dieser Oberstudienrat Schulz... - Wer?

- Die Angelegenheit von Herrn Gnielka. - Wie bitte?

Ich habe recherchiert. Schulz war bei der Waffen-SS.

Das verschwieg er bei seiner Einstellung 1947.

Er dürfte kein Lehrer sein. Hier mein Bericht.

Lassen Sie mal sehen.

Interessant, ja. Ich leite das ans Kultusministerium weiter.

Meine Herren, nächsten Mittwoch, selbe Zeit.

- Ihre Mutter hat das für Sie gebracht. - Wann?

Gerade eben. Sie hat auf Sie gewartet. Aber Ihr Vater hat gehupt. Typisch Mann.

Das ist nicht mein Vater.

- Er wird seit '45 vermisst. Ostfront. - Es tut mir Ieid.

- Das hat er wirklich gesagt? - Ehrenwort.

- Herr Gnielka. Erinnern Sie sich? - Ich weiß, wer Sie sind.

Ich habe mich um Schulz gekümmert. Er wurde suspendiert.

Suspendiert?

Suspendiert!

- Wen soll er denn umgebracht haben? - Er war in Auschwitz stationiert.

- Wissen Sie, was das heißt? - Das war ein Schutzhaftlager.

Da wurde niemand beschützt. Ich fasse es nicht. Ich fasse es nicht!

Passen Sie auf. Auschwitz, schon mal gehört?

- Nein. - Das ist der Skandal.

- Sagt Ihnen Auschwitz etwas? - Nein.

- Wie alt sind Sie? - 20.

- Nie von Auschwitz gehört? - Nein.

Die größte Menschheitskatastrophe wird vergessen.

- Wird totgeschwiegen! - Was meinen Sie?

Dass ein deutscher Staatsanwalt nichts über Auschwitz weiß, ist eine Schande.

Wenn Schulz suspendiert wurde, fresse ich meinen Hut.

Reiseführer für Polen haben wir nicht. Fährt keiner hin.

- Sonst zu diesem... - Auschwitz.

Ja, Auschwitz, da haben wir... zwei Bücher.

Eins ist vergriffen, eins in Kassel. Soll ich's ordern?

- Ja, bitte. - Dauert bis zu zehn Wochen.

(bedrückende Musik)

(Schulz) Ja? Bitte?

Herr Oberstaatsanwalt, können wir reden?

Herrlich. So ein Ding hätte ich auch gerne.

- Was gibt's denn? - Schulz unterrichtet immer noch.

Akuter Lehrermangel. Da entscheidet das Ministerium.

Ich bin nicht zuständig. Sie auch nicht.

- Aber Schulz war in Auschwitz. - Alle hatten Lager: Amis, Russen...

Ich war ein Jahr bei den Franzosen. Die kochen besser als meine Frau.

Ich musste nach dem Krieg so einen Film ansehen.

Propaganda. Die Sieger erfinden Sachen.

Wir haben den Krieg eben verloren. Wozu da herumwühlen?

- Tagchen. - Sie hatten recht.

- Womit? - Der Lehrer unterrichtet immer noch.

Tja, kann man wohl nichts machen.

Ach, der Reporter hat ein Weile in Ihrem Zimmer gewartet. Lustiger Kerl.

(Gesang im Radio) Zur Häus/ichkeit Gehört die große Flasche Pepsi

Denn du und alle schätzen Pepsi

Und zum Abend im Familienkreis

Gemütlichkeit. . .

"Staatsanwalt Radmann untersucht die Vergangenheit des Oberstudienrats."

"...Kultusministerium wurde am 25.3. informiert

undignoflen die Mitgliedschaft in der Waffen-SS..."

"...unerhörter Skandal..."

Junge,Junge, in Ihrer Haut will ich nicht stecken.

Der General will Sie sprechen.

In dem Artikel stehen Interna. Haben Sie die weitergegeben?

Nein.

- Warum tut das Ministerium nichts? - Seien Sie nicht so naiv!

Glauben Sie, nach Hitlers Tod lösten sich alle Nazis in Luft auf?

Das haben sie nicht getan.

Hm.

Das haben sie nicht getan.

- Aber so ein Mann darf kein Lehrer sein. - Wir müssten ihn vor Gericht stellen.

Aber der Dienst in so einem Lager ist vor unserem Gesetz kein Verbrechen.

Beschämenderweise.

Und alle Straftaten wären seit drei Jahren verjährt, außer Mord.

Aber haben wir einen? Eine konkrete Tat?

Ein konkretes Opfer?

Machen Sie die Augen auf.

Der Staatsdienst ist voll von Nazis. Die haben nichts mehr zu befürchten.

(spannungsvolle Musik)

Die neue Abendausgabe!

Abendausgabe! Chruschtschow erneuert Ultimatum!

Mahnwache zum 14. Jahrestag von Hiroshima!

Chruschtschow erneuert Ultimatum!

- Danke. - Sind Sie verrückt?

- Der Artikel war ein Volltreffer. - Man zeigt Sie an.

- Da fürchte ich mich aber. - Sie sollten sich schämen!

Schämen würde ich mich, wenn ich darüber nicht schreiben würde.

Ich verstehe das nicht. Wie kann man so was geheim halten?

Wie? Alle haben getan, was Schulz getan hat.

Sie sind heimgekommen‚ haben weitergemacht und geschwiegen.

Und zu Hause will's auch keiner wissen.

Haben Sie heute Abend Zeit? Es tut mir Ieid.

Reporter gehen manchmal krumme Wege.

Kommen Sie vorbei. Es gibt Mädchen, Würstchen, Bier.

Nicht unbedingt in der Reihenfolge.

(Jazzmusik)

Hallo, Peter. Schön, dich zu sehen.

Typisch Mann. Die brauchen Wasser.

- Ich bin Inge. - Hallo.

- Dahinten ist das Bier. - Danke.

(Jazzmusik)

Die hat Format, was?

- Ich stelle Sie vor. - Äh... das kann ich selbst.

Herrschaften, ich habe hier ein seltenes Exemplar:

Ein Jurist, in dem noch die zarte Flamme der Menschlichkeit flackert.

- Bistja doch ein Dichter. - Danke, Simon. Er soll sich wohlfühlen.

Nährt das Flämmchen, auf dass es ein Ioderndes Feuer wird.

(Lachen)

(Jazzmusik)

Das war Diebstahl, oder? verhaften Sie mich jetzt?

Mundraub. Ich sperre Sie für sechs Wochen ein.

Sie Schuft.

Sind Sie immer so?

- Finden Sie's heraus. - Hm.

Vielleicht.

Sie kriegen ja gar keine Luft.

(langsame Jazzmusik)

- Jemand muss Simon heimbringen. - Ich fahre ihn.

- Du bist betrunken. - Ich kann fahren.

Nette Leute, was? Habe ich gleich gesehen.

Was meinen Sie?

Das ist ein Feger, 'ne dufte Biene, 'ne Schnecke, 'ne Zuckerpuppe!

Und Marlene mag dich.

(Schnarchen und Brummen)

- War er wirklich dort inhaftiert? - Ja, aber er redet nicht drüber.

"Der Todesengel".

Das erste Bild, das er nach Auschwitz malte.

Simon steht Wiedergutmachungsgeld zu, aber er will es nicht.

Dieser verflixte Antrag!

Er soll nachweisen, dass er im Lager war.

Kann ich etwas tun?

Ja, helfen Sie mit.

Hier muss doch irgendwo was sein.

Hier ist nichts. Holen Sie den Koffer runter?

Aber ich kann doch nicht...

Nein! Lassen Sie mich machen.

Volltreffer.

Was macht ihr da?

- Wir helfen dir. - Was erlaubst du dir?

Simon.

Ich will deine Hilfe nicht!

Du hast kein Recht, in meinen Sachen zu wühlen.

- Simon. - Raus, raus!

Raus.

Raus!

Ist ein sturer Hund.

- Vielleicht ist hier was dabei. - Schnell gelernt.

Die bringe ich zurück.

Ist nichts.

Auch nichts. Nein.

Ein Briefkopf: Konzentrationslager Auschwitz.

Schauen Sie sich das an.

"Auf der Flucht erschossen."

Und?

Das war eine Umschreibung für Mord. Und hier stehen die Namen der Mörder.

Ordnung muss sein. Unglaublich.

Kommen Sie.

Verzeihen Sie die Störung, aber es ist wichtig.

Das sind offizielle Listen der Lagerleitung Auschwitz.

SS-Männer, die in Auschwitz Häftlinge erschossen.

Schmidt, Milde, Siebert und so weiter. Das sind doch Beweise, oder?

Kommen Sie rein.

- Woher haben Sie das? - Von einem Auschwitz-Überlebenden.

Gut.

Das ist ein Anfang.

'Wie? 'Was?

Das sind Straftatbestände. Tat, Täter, Opfer, Tatzeit.

- Wir können tätig werden. - Wir können ermitteln?

Was gibt's da zu ermitteln? Da sind die Namen.

- Die Mörder gehören hinter Gitter. - Das allein reicht doch nicht.

Herr Generalstaatsanwalt, ich wäre gern bei den Ermittlungen dabei.

- Ich möchte mithelfen. - Sie werden nicht mithelfen.

- (Uauflos) - Sie leiten die Ermittlungen.

Und keine Artikel mehr. Erst mal. Oder wollen Sie die Täter warnen?

Abgemacht.

Meine Herren,

wenn uns das gelingt, diese Männer in Deutschland anzuklagen,

das wäre...

außerordentlich.

Schmittchen! Guten Morgen.

- Was ist? - Nie mehr Verkehrsdelikte.

- Ein neues Leben beginnt. - Aha.

(Klopfen)

Ja?

- Was wollen Sie? - Wir haben Unterlagen von Ihnen.

Da war eine Liste dabei. Woher haben Sie die?

- War die bei mir im Koffer? - Ja.

Keine Ahnung. Nach der Befreiung war Chaos.

Jeder nahm mit, was er kriegen konnte. Warum fragen Sie?

Ich untersuche die Verbrechen in Auschwitz.

Haben Sie Straftaten gesehen während Ihres Aufenthalts?

- Aufenthalt. - Dieser Schulz, was hat er getan?

- Er war ein SS-Schwein. - Haben Sie ihn jemand töten gesehen?

Nein.

(Hämmern)

Ich brauche Zeugen. Sie müssen aussagen.

Wozu? Sehen Sie sich um.

Petticoats, "Pack die Badehose ein", Rosarot, Babyblau.

Dieses Land will Zuckerguss. Es will die Wahrheit nicht wissen.

Ich muss arbeiten.

(Hämmern)

Das sind dringend Tatverdächtige. Wir brauchen ihre Aufenthaltsorte.

Ich fasse zusammen. Die waren in dem Lager im Krieg.

- Und die Polizei soll sie jetzt finden. - Ja.

Das waren doch Soldaten. Töten war ihre Aufgabe.

Sie hören von mir.

(Gemurmel) Guten Morgen.

Wer soll sich jetzt um die Falschparker kümmern?

(spöttisches Lachen)

(melancholische Musik)

- (Kind) Eins, zwei, drei, vier, fünf. - "Zu schnelles Fahren: 100 Mark."

- Inge‚ Ieih mir 100 Mark. - Geschieht dir recht.

- Ich habe nichts. - Sie haben verloren.

- Er ist gnadenlos. - Manche Leute müssen bestraft werden.

- Und alle von Ihnen. - Die, die ich erwische.

- Wer leiht mir das Geld? - Ich baue auf der Goethestraße.

Dann eröffne ich mein eigenes Atelier und nähe nie wieder Vorhänge.

- (Radmann) Nein! - Ja!

Das ist die gerechte Strafe.

Ah!

(Motor brummt)

Kinder, alles gut.

Zeigt euch, ihr feigen Schweine!

Mich macht ihr nicht mundtot! Ich schreibe, was ich will!

- Thomas, bist du meschugge? - Gnielka!

Der Artikel war ein Volltreffer.

Verstehen Sie mich jetzt? Die sind überall.

Ich brauche die Adressen der Überlebenden, das sind Zeugen.

Sie zahlen Wiedergutmachungsgeld. Da haben Sie die Adressen.

Nein. Nein. Wir holen sie selber ab.

Ja. Auf Wiederhören.

Schmittchen, zum Diktat. Es gibt eine Vereinigung Auschwitz-Überlebender.

Hermann Langbein leitet sie. Telegramm:

Sehr geehrter Herr Langbein...

(beklemmende Musik)

- Herr Langbein. - Herr Radmann.

- Danke fürs Kommen. - Ja.

Wo ist der Zeuge?

Herr Bichinsky, kommen Sie.

Schmittchen, unser erster Zeuge.

Sie waren zwei Jahre im Lager Auschwitz.

(mit polnischem Akzent) Ja, war ich. Von August '43, bis die Russen kamen.

Januar '45.

Machen Sie weiter.

(Räuspern)

Sagen Ihnen die Namen auf der Liste etwas?

Nein, nichts.

- Kein einziger? Ganz sicher? - Sicher.

Wir nehmen an, dass dort Verbrechen begangen wurden.

- Können Sie das bezeugen? - Kann ich.

Da wurden Hunderttausende umgebracht.

Ja... Wir brauchen, wenn möglich, die Namen der Opfer.

(er spricht Polnisch)

Hunderttausende! Das war eine Fabrik. Wie soll er die Namen wissen?

Gut.

Wir schreiben erst mal: Opfer unbekannt.

Meine Frau und mein Sohn wurden dort ermordet.

(leise, düstere Musik)

Das tut mir Ieid.

Können Sie mir sagen,

an welchem Tag das geschah?

Da hat es keinen Kalender gegeben.

- (er spricht Polnisch) - Was glauben Sie, was Auschwitz war?

Ein kleines Ferienlager am See?

Herr Bauer, was ist das für ein Grünschnabel?

Könnte ich Sie kurz sprechen?

Möchten Sie einen Kaffee? Schmittchen, machen Sie Kaffee.

- Die Liste reicht nicht. - Was schlagen Sie vor?

Ich frage Bichinsky, was er gesehen hat. Konkrete Taten.

Dann sind alle SS-Männer aus Auschwitz Tatverdächtige.

- Alle. - Ja, das ist mir klar.

Ich will wissen, was dort passiert ist.

Herr Radmann.

Es ist ein Labyrinth. Verlieren Sie sich nicht.

Erzählen Sie mir bitte alles, was Sie erlebt haben.

Wo soll er anfangen?

Am Anfang.

(leise, traurige Musik)

(unverständliche Männerstimme)

(sanfte, traurige Musik)

(sie weint)

(traurige Musik)

- (Gnielka) Was hat Brandner getan? - Den Mann bis zur Ohnmacht gepeitscht.

Der verlor dabei ein Auge. Wissen Sie, warum Brandner das tat?

Weil mein Zeuge ihn beim Appellstehen kurz ansah.

- Jetzt verhaften wir ihn. - Nein.

- Nein? - Gegen ihn liegt nichts vor.

- Aber... - Es ist kein Mord.

- Alles andere ist verjährt. - Was machen wir dann hier?

Ich muss ihn mir ansehen. Ich muss sehen, was das für einer ist.

- Danke. - Schön wie die Mama.

Sie sind ein Schmeichler.

Verstehe.

Warten Sie.

- Herr Brandner. - Ja?

- Ich glaube, wir kennen uns. - Ich kann mich nicht erinnern.

Doch. Ich vergesse nie ein Gesicht.

Ich weiß es nicht. Sie sind nicht von hier, oder?

Probieren Sie. Sind die besten von der Gegend.

So, ich muss ausliefern.

Kommen Sie. Kommen Sie.

(Mann) Schmittchen, die Robe!

(Klopfen)

Bleiben Sie sitzen.

Wie stellen Sie sich das vor?

Sie wollen Leute aus Polen, Israel und sonst woher holen.

Dahin gibt es nicht mal diplomatische Beziehungen. Und wozu?

Um zu beweisen, dass jemand im Krieg in Polen irgendetwas getan hat.

Das sind Zeugen in Tausenden Mordfällen.

Mord? Ich bitte Sie. Wo ist da der Vorsatz?

Wir hatten keine Wahl. Wer sich weigerte, starb.

Außerdem wurde das alles in Nürnberg erledigt.

In Nürnberg wurden 150 Männer verurteilt.

Von den Alliierten, nicht von Deutschen. Das hat sich nicht erledigt.

Verzeihung, ich dachte, Sie wären später bei Gericht.

Noch nie hat ein Land seine Soldaten für Kriegsgeschehen angeklagt.

Das ist ein Rohrkrepierer.

Wissen Sie was? Ich liebe dieses Land.

Immer noch.

Trotz allem.

Es hat so viel mitgemacht.

Sie werden nur alte Wunden aufreißen. Wunden, die gerade anfingen zu heilen.

Bauer ist Jude, wussten Sie das?

Er war 1933 selbst in einem Lager. Vermutlich hat er das nie verwunden.

(Junge) Toni, zieh ab!

- (Marlene) Nicht so wild! - Lenchen.

- (Junge) Ja! - Toni, ich sagte: "Nicht so wild!"

- Nichts passiert. - Ach Vati.

(Junge) Wie Helmut Rahn.

Vati, das ist Johann Radmann. Wir waren im Kino.

Angenehm. Sehr angenehm.

- Ich mache dir Abendbrot. - Danke, Lenchen.

- Der alte Wondrak ist betrunken. - Wie immer.

Johann!

- Schulden sind Ehrensache. - Nein, das...

Come again. Was brauchst du?

Ich ermittle über das Lager Auschwitz.

Du bist total aus deinem Kopf.

Niemand will das. Ihr nicht und wir auch nicht.

Lass es. Man, Hitler is gone.

Die Russen, das ist doch der neue Feind.

Ich brauche die Akten der SS-Männer, die in Auschwitz dienten.

Alle.

Zehn Millionen Nazis. Unglaublich, was?

Diese Idioten haben alles aufgeschrieben.

Du willst sie vor Gericht bringen? Glaubst du an den Weihnachtsmann?

- Ich will wissen, wer im Lager diente. - Wo ist dein Lastwagen?

Hier, 600.000 SS-Akten.

In Auschwitz waren wie viel? 8000.

Aber die fischst du dir selber raus.

Danke.

- Das war eine Maschinerie. - Was?

Auschwitz.

Das war eine Mordmaschinerie aus 8000 Haien,

große, kleine, bürokratische, sadistische...

Vor acht Wochen hatten wir 15 Namen, jetzt habe ich 8000 SS-Männer.

Das sind 8000 Tatverdächtige.

Mein letzter Fall war Fahren ohne Fahrerlaubnis.

Sieh es sportlich. Viel Feind', viel Ehr'.

Du, auf was trinken wir?

Veritas.

Das Motto meines Vaters.

Auf die Wahrheit!

8000 Schulzes und Brandners, und fürjeden brauche ich Zeugen.

- Lass uns rein. - Was wollt ihr?

- Du musst aussagen. - Was?

Herr Kirsch, Sie sind Zeuge. Ich brauche Ihre Aussage.

- Ich spreche darüber nicht. - (Gnielka) Bitte.

Sagen Sie aus! Sie schulden es den Opfern.

Was schulde ich wem? Was wollt ihr?

- Habt ihr nie genug? Was willst du noch? - Simon!

Du willst Auschwitz untersuchen? Glaubst du, es ändert sich was?

Du hast keine Ahnung.

Keine Ahnung.

Warum?

Meine Mädchen,

Ruth und Klara.

So klein.

Wir kamen mitten in der Nacht an. Wir waren Hunderte, Tausende.

Wir hatten Hunger, es war eiskalt, und überall stand die SS mit Hunden.

"AIIe raus, raus! Schnell, aufstellen!" Hannah kam sofort auf einen Lastwagen.

Und auf einmal war da... dieser Arzt.

Er hatte weiße Handschuhe.

Sah aus wie ein Engel.

Er war ruhig, er war ganz ruhig.

Und dann hat er sich

zu Ruth und Klara niedergekniet und hat sie angesehen.

Er strich Ruth mit der Hand über den Kopf, lächelte und sagte:

"Sind hübsch, Ihre Zwillinge. Ich bringe sie auf meine Station."

Und ich dachte, das ist ein Arzt.

Bei dem sind sie sicher.

Dann haben mir die anderen erzählt, was Mengele mit Zwillingen macht.

Dass er sie quält mit seinen Experimenten.

Dass er ihnen Viren spritzt, Typhus‚ TBC‚ Diphtherie.

Er hat an ihnen herumgeschnitten bei vollem Bewusstsein,

ihnen Organe herausgeschnitten, Nadeln in die Köpfe gesteckt.

Er hat Zwillinge, kleine Kinder, am Rücken zusammengenäht

wie siamesische Zwillinge.

Und ich habe sie ihm gegeben.

Warum sind sie tot und ich lebe?

(sanfte, traurige Musik)

Wir machen diesem Arzt den Prozess.

Das verspreche ich Ihnen.

(Mann) Was Deutschland die letzten Jahre aufgebaut hat...

(traurige Musik)

(Lachen)

(Frau) Du bist mirja einer.

(traurige Musik)

Es gab da einen Lagerarzt...

Dr. Josef Mengele.

Sie kennen die Geschichten.

- Ja. - Den müssen wir kriegen.

Dr. Josef Mengele. Der ist Auschwitz.

Alle, die mitgemacht haben, die nicht Nein gesagt haben,

die sind Auschwitz.

Wie kommen Sie voran?

Ruhig und sachlich. Nur erzählen, woran Sie sich klar erinnern.

Frau Mandelbaum.

Kommen Sie bitte.

(traurige Musik mit Gesang in hebräischer Sprache)

(Musik überdeckt das Gesprochene)

(Musik)

(Musik mit Gesang)

(traurige Musik)

Wir gehen in Revision. Haller, Sie übernehmen das.

- Gerne. - Herr Oberstaatsanwalt.

- Ich bitte dringend um Unterstützung. - Geben Sie ihm Haller.

Herr Generalstaatsanwalt, ich brauche Herrn Haller.

- Wir sind ohnehin völlig unterbesetzt. - Diese Sache hat höchste Priorität.

Bitte, sogar Kanzler Adenauer hat zum Ausdruck gebracht,

dass wir dieses unselige Kapitel abschließen müssen.

- So ein Prozess wäre Gift. - Gift? Im Gegenteil.

Dieses Totschweigen ist Gift, Gift für unsere junge Demokratie.

Außerdem entscheide ich, wann diese Behörde etwas abschließt.

(Tür knallt zu)

Das ist mein guter Anzug.

Ich entwerfe eine Strategie, und Sie arbeiten mir zu.

- Wir vertragen uns. - Die Ermittlungen leite ich.

- Befehl vom General. - Sieh an, aus Kindern werden Leute.

- Wer sind unsere Verdächtigen? - Alle.

- Alle? - Alle, die dort dienten.

Das ist doch lächerlich.

Hier.

"Ein kleiner Junge von etwa fünf Jahren sprang vom Lkw herunter.

Er hatte einen Apfel in der Hand. In der Tür stand Boger.

Der Junge stand da und freute sich über den Apfel.

Da packte ihn Boger und schmetterte ihn mit dem Kopf gegen die Baracke.

Boger nahm den Apfel und sagte zu mir, ich soll die Wand abwaschen.

Dann aß er den Apfel."

Das war Alltag in Auschwitz. Finden Sie das lächerlich?

- Wie viele Adressen haben Sie? - Die Behörden mauern.

- Besorgen Sie alle Telefonbücher. - Bitte?

Ich habe es satt! Alle Telefonbücher! Wir finden die Adressen selbst heraus.

(leise, beklemmende Musik)

(er keucht)

Mengele war der Schlimmste von allen. Weißt du, warum?

Der ist einer wie du und ich. Der hat studiert.

Ein Arzt. Liebt die Oper, ist gebildet.

Einer wie wir! Nach Auschwitz kam er in deinem Alter!

Ich stehe vor seinem Foto... Hast du sein Foto gesehen?

Er wirkt... Er wirkt... Er wirkt... Er wirkt sympathisch.

So einer darf nicht frei herumlaufen, sonst sind wir verloren.

- Ich will mit dir tanzen. - Johann, komm.

Wir kommen gleich. Unser großer Held ist müde.

(Inge) Gnielka!

Du wirst ihn schon drankriegen.

Mädels! Ich komme! (Schlagermusik)

(Männer grölen ein Lied)

- Was ist denn da los? - Das sind Vaters Kriegskameraden.

Die kommen einmal im Monat zum Saufen.

Pionier-Bataillon 221. "Jeder Schuss ein Russ'!"

Heute ertrage ich das nicht.

Komm, wir fahren an den Main.

Nein. Nimm mich mit zu dir.

(Knarren) Sch!

Meine Zimmerwirtin hat Ohren wie ein Luchs.

Ich bringe dich nach Hause.

Mein Liebster.

(sanfte Musik)

Das Leben ist schön.

Ja.

(friedliche Musik)

Welches Land und welche Stadt haben die Vorwahl 005411?

Gut, ich warte. Ich weiß, wo Mengele ist.

Was? Wo?

Die Ferngespräche der Mengeles aus Günzburg.

Danke.

Buenos Aires, Argentinien. Ich fahre zum BKA.

Wir haben genug gegen Brandner. Haftbefehl beantragen!

Mache ich.

Mengele ist in Buenos Aires. Hier ist seine Telefonnummer.

Das ist der Haftbefehl.

- Bringen Sie den Mann nach Deutschland. - Interessante Theorie.

Leider sind die Mittel des BKA begrenzt. Und Südamerika ist so weit weg.

Aber ich leite es gern weiter.

Ich bringe Sie zum Zug.

- Nicht nötig. - Doch, ich fahre Sie.

So, jetzt können wir sprechen.

Wir wissen, dass Mengele in Buenos Aires ist.

- Es gibt eine dicke Akte zu ihm, aber... - Aber was?

Die, die nach '45 geflohen sind, die sind tabu. Befehl von oben.

Können Sie mir nicht irgendwie helfen?

- Er besucht immer wieder seine Familie. - Er kommt nach Deutschland?

Ja. Hatte nicht wirklich was zu befürchten.

Danke.

Ich kann Sie nicht fahren. Ich wollte Sie nur sprechen.

Ach so, natürlich.

Trotzdem danke.

Sie waren beim BKA?

- Woher wissen Sie das? - Setzen Sie sich.

Sie begreifen noch immer nicht das Ausmaß dieser Sache.

Leute wie Mengele und Eichmann haben mächtige Freunde.

- Wir können niemandem vertrauen. - Aber ich weiß, wo Mengele ist.

Sie müssen es erst mal ruhen lassen. Belassen Sie es bei dem Haftbefehl.

- Herr... - Ermitteln Sie gegen andere Verdächtige.

Überlassen Sie Mengele mir. verstanden?

Sie haben gesagt, alle.

- (Haller) Wir sollen alle durchforsten? - (Johann) Ja.

Ich trage die nicht hoch.

Ihre Ideen bedeuten immer Arbeit für mich.

Mengeles Vater ist gestorben.

- Wann sind Ihre Leute in Günzburg? - Sie wissen, wie unser Laden läuft.

Mehr kann ich nicht tun.

(spannungsvolle Musik)

- Glaubst du, er ist da drin? - Wenn Mengele kommt, dann jetzt.

Die bleibt da.

(düstere Musik)

(Stimmengewirr)

(Schweigen)

Können Sie nicht lesen? Geschlossene Gesellschaft.

Radmann, Staatsanwaltschaft Frankfurt. Wir suchen Josef Mengele.

Haben Sie mich erschreckt!

Danke.

Tust du auch was für mich?

Weißt du, wo Mengele ist?

Hier schaffen alle beim alten Mengele in der Fabrik. Die sagen nichts.

Aber der Vati hat ihn heute aufm Friedhof gesehen.

Der hat ihn erkannt. Aber dann ist er weggefahren.

Ich muss wieder rein.

Hier. Ich beschwöre Sie, wenn der Sohn wieder auftaucht, rufen Sie mich an.

- Das hat er Kindern angetan. - Will ich nicht sehen.

Sehen Sie genau hin! Das hat Josef Mengele mit Kindern gemacht.

(düstere Musik)

Er war heute in Günzburg.

Man muss alle Passagiere Richtung Südamerika überprüfen.

Nicht Nägele. Mengele. Martha, Emil, Nordpol, Gustav, Emil, Ludwig, Emil.

Nein, schauen Sie noch einmal nach. Er ist zur Fahndung ausgeschrieben.

Schriftlicher Antrag? Bis dahin ist der Mann weg!

Das darf doch nicht wahr sein.

(düstere Musik)

Wo waren Sie?

- Warum? - Brandner. Er ist weg.

- Wie bitte? - Abgehauen!

Weil Sie keinen Haftbefehl beantragt haben.

- Sie mussten ja Zorro spielen. - Sie...

Das ist mir egal! Wir sind Staatsanwälte.

Benehmen Sie sich wie einer. Und trinken Sie hier keinen Schnaps.

Sie sollen sofort zum General kommen.

- Sie hatten eine Anweisung. - Es...

Sie haben Brandner laufen lassen und sich in Günzburg lächerlich gemacht.

- Was dachten Sie sich dabei? - Er war da.

Warum traut er sich, nach Deutschland zu kommen?

- Weil wir ihn jedes Mal laufen lassen. - Sie sind seit vier Monaten an dem Fall.

Was haben Sie vorzuweisen? Nichts. Wir haben keine Zeit.

Noch hält mir der Justizminister den Rücken frei.

Aber nach der Wahl kann sich das ändern und ich bin weg.

- Einen Prozess gibt es dann nicht mehr. - Der ist ohne Mengele sinnlos.

Wollen Sie ein Phantom anklagen?

Mit Ihrer Besessenheit von Mengele gefährden Sie die ganze Ermittlung.

Und was ist mit all den anderen? Mulka. Und Lagerkommandant Baer.

Die haben den Tod Hunderttausender auf dem Gewissen.

Sind die Ihnen nicht dramatisch genug?

Hier.

"Wenn Sie so weitermachen, kommen Sie auch ins Gas."

"Der größte Lump im ganzen Land ist der Denunziant."

"Tod oder Leben, Jude!" und so weiter. Deshalb machen wir das.

Die Deutschen müssen sehen, was für Verbrechen begangen wurden.

Nicht nur von Hitler und Himmler, von normalen Menschen,

die das aus Überzeugung taten.

Die stellen wir vor Gericht. Ein großer Prozess.

Das ist der Weg, glauben Sie mir. Und das ist Ihre Aufgabe.

Herr Mulka. Radmann, Staatsanwaltschaft. Sie sind den Vorladungen nicht gefolgt.

Was gibt's?

Sie waren Adjutant des Kommandanten in Auschwitz.

- Und? - Ich ermittle gegen Sie.

Hören Sie zu, ich war Soldat. Ich habe dieses Lager nie betreten.

- Was darin vorging, weiß ich nicht. - Als rechte Hand der Lagerleitung?

- Sie werden sich verantworten. - Geben Sie Ruhe.

Sonst mache ich Ihnen gewaltigen Ärger.

- Machen wir Schluss. - Ich mache weiter.

Weißt du was, Radmann‚ you definitely are crazy.

Aber du bist definitiv kein Marsmännchen.

Hier sind mehr Fotos von der Rampe.

Links! Rechts!

Links! Rechts!

Links!

Anton, weißt du nicht, wo links ist? Rechts!

Links!

Wer von euch hat was ausgefressen?

Alois Schulz, ich verhafte Sie wegen Beihilfe zum Mord in Hunderten Fällen.

(Männerstimme)

Aber ich war nur in der Schreibstube dort.

Da.

Das sind Sie.

- Ja. - Sie haben dort selektiert.

Es gibt Zeugen. Sie selektierten für die Gaskammer.

- Ja, aber ich... - Herr Schulz, bitte.

Ob Herr Schulz selektiert hat, müssen Sie erst beweisen.

Das Foto ist sehr unscharf. Das war offenbar ein furchtbarer Ort.

Ich bin sicher, wer dort ankam nach strapaziöser Reise,

stand unter Schock.

Ob die Aussagen dieser armen Menschen nach 20 Jahren noch Beweiskraft haben,

bezweifle ich stark.

Und nehmen wir mal an, Herr Schulz hätte selektiert,

dann nur, um Arbeitsfähige vor der Gaskammer zu bewahren.

Ein Akt der Menschenrettung.

Jetzt reicht's!

Herr Radmann‚ ich teile Ihre Rechtsauffassung nicht.

Herr Schulz ist nur Befehlen gefolgt, was seine Pflicht war.

Ihr Mandant bleibt als Mordverdächtiger in U-Haft.

Dich sollte man vergasen, du Lump!

(Anwalt) Meine Herren.

Wir haben alle nicht nachgedacht. Wir hätten nur die Augen öffnen müssen.

Scheiße.

(lebhafte Musik)

Ich habe einen.

(es klopft)

- Guten Tag. - Ach Gott.

- DonnenNetter! - Ich hab's verschwitzt.

Und? Und, du Stoffel?

Selbst genäht.

- Schön. - Respekt.

- Wir sind... - Komm, die feinen Leute warten.

Na los.

(Marlene) Komm.

Die Amis hatten mich laufen gelassen.

Ich hatte keine Erfahrung als Anwalt. Da kam mein erster Mandant.

Er suchte einen Anwalt, der ihm ein Patent anmeldet.

- Umsonst natürlich. - (Gelächter)

Seither sind wir rasant gewachsen.

- Warum laden die uns ein? - Ich weiß nicht.

...39 Anwälte und bis zum Ende des Jahres...

Aber ich habe eine Ahnung.

(Big-Band-Musik und Stimmengewirr)

- Mensch, die haben Möglichkeiten. - Ich sterbe vor Hunger.

- Ich auch. - Wollen wir?

Gute Juristen darf man nicht verheizen. Ich stelle Sie Mertens vor.

Prima.

Verzeihung, darf ich Sie etwas fragen?

Sagen Sie, wo bekommt man in Frankfurt so ein Kleid?

- Ach, das... - Bei ihr natürlich.

Sie haben ein eigenes Modeatelier?

Ich fange gerade an.

Fantastisch.

Das ist so schlicht und elegant.

Dieser Knopf...

(nicht zu verstehen)

Ihre Verlobte. Kompliment.

Sie aber auch. Respekt.

Prädikatsexamen, Mitarbeiter von Prof. Rimmelsbacher.

- Korrekt? - Ja.

Solche Leute wie Sie brauche ich.

Jung, begeisterungsfähig. Die Energie muss man nur kanalisieren.

- Danke... - Ich weiß.

Ich weiß. Sie müssen jetzt nichts sagen.

Behalten Sie's im Hinterkopf. Sie wissen ja, wo man mich findet.

Vier Damen haben Kleider bestellt. Ach Johann.

- Das war ein herrlicher Abend. - Ja.

Das ist Herr Staatsanwalt Radmann.

Das ist Herr Kleiner, Korrespondent der Jerusalem Post.

- Die Herren sind aus Israel. - Freut mich.

Herr Radmann ist hier,

weil er am meisten über Mengele weiß und auch, wo er ist.

Wir arbeiten zusammen an der Ergreifung von Eichmann und Mengele,

um sie hierherzubringen.

Geben Sie den Herren, was Sie haben.

- Und Sie bringen uns Mengele? - Wenn es jemand macht, dann wir.

(unverständliche Stimmen)

- Kleiner ist nicht nur Journalist, oder? - Nein.

- Kann man denen trauen? - Wem kann man schon trauen?

Ich bin immer noch im Exil, nur nicht mehr in Schweden.

Wenn ich mein Büro verlasse, befinde ich mich im feindlichen Ausland.

Ihnen traue ich.

(heitere Schlagermusik)

- (Simon) Vorsicht! - Achtung!

- Oh! - Ist noch feucht.

Simon, das ist wunderschön. Danke. Johann!

Bitte schön.

So.

Der große Moment ist gekommen.

- Tata! - Wow!

- Die ist wie neu. - Gefällt mir auch.

- (alle) Auf Marlene! - Prost!

"Liebe Hausfrau, Ihr Traum wurde erfüllt:

Ihre neue Pfaff Automatik 230, Nähmaschine mit allen Möglichkeiten."

Toll, was?

Wir sind kurz davor. Wir machen Mengele den Prozess.

"Ihre Freundinnen werden neidisch, und Ihr Ehemann wird Iächeln."

Das ist doch unglaublich! Schläft der einfach ein.

Den Herrn Staatsanwalt kann keine Nähmaschine begeistern.

Ich habe nur kurz die Augen zugemacht,

weil ich von der Schönheit der Nähmaschine geblendet war.

Deine Nase wird lang.

Ein guter Kaufmann führt immer Buch.

Natürlich.

Du bist wunderbar.

Danke, Joseph.

Herr Mulka.

- Hier ist ein Haftbefehl. - Was soll das?

Beihilfe ist die Förderung der Haupttat. Sie haben Zyklon B bestellt:

Robert Mulka, Hauptsturmführer, Adjutant.

- Ich kann mich nicht erinnern. - Nicht nötig. Das reicht uns.

Ich verhafte Sie wegen Beihilfe zum Mord in Tausenden Fällen.

(Mann) Kommen Sie bitte.

Herr Oberstaatsanwalt, stoßen wir an!

- Sie werden immerjünger. - Ach.

- Prost! - (alle) Prost!

- Oh, das sieht köstlich aus. - Selbst gebacken.

- Klar, die Bäcker fliehen vor Radmann. - (Gelächter)

Wo ist Ihr Sheriffstern?

Was?

Bei Ihren Wildwest-Methoden sollten Sie einen Sheriffstern tragen.

- (Gelächter) - Das ist eine Unverschämtheit.

- Wie bitte? - Warum verhöhnen Sie unsere Arbeit?

So ein Schauprozess ist schädlich. Das hat mit Recht nichts zu tun.

Natürlich denken Sie das.

Sagen Sie's doch! Sie glauben, dass ich ein Nazi war.

Davon sind Sie überzeugt. Für Radmann waren alle Nazis.

Fragen Sie mich doch, was ich im Krieg gemacht habe.

Ich sag's Ihnen. Jurastudium in Heidelberg.

Dann zur Marine. Korvettenkapitän, 7. U-Bootflottille.

Ein Jahr in französischer Gefangenschaft.

Entlassen im August 1946. Ehrenhaft gedient.

Im Übrigen war ich nie Mitglied der Partei.

- Wollen Sie mich verhaften? - Diese Männer müssen sich verantworten.

- Das ist Gerechtigkeit. - Die haben Sie für sich gepachtet.

Ein paar kleine Fische werden angeklagt und Millionen bleiben unbehelligt.

- Ist das Gerechtigkeit? - Das sind Verbrecher!

Soll sich jederjunge Deutsche fragen, ob sein Vater ein Mörder ist?

Ja, genau das will ich.

Ich will, dass diese Lügen und dieses Schweigen endlich aufhören.

(traurige Musik)

(Sägen)

Richard Baer, letzter Kommandant von Auschwitz.

Sie sind verhaftet.

Herr Kaduk, Sie sind verhaftet.

Sie drückten ihn unter Wasser, bis er tot war.

Sie zwangen die Gruppe, im Winter draußen zu übernachten.

Zwei sind erfroren.

- Ah... - Dr. Berger, kommen Sie bitte mit.

Sie organisierten Gefangenentransporte.

Komm schon.

Sie traten so lange mit den Stiefeln zu, bis er tot war.

Sie schossen auf das Kind. Kind und Mutter starben.

Herr Rinke.

- Ja? - Sie sind verhaftet.

Sie haben das Zyklon B eingefüllt.

Sie hetzten den Häftling mit Hunden in den elektrischen Zaun.

Es war kein Befehl, es war Eigeninitiative.

Sagen Sie endlich die Wahrheit.

(beklemmende Musik)

Die Verhaftung von Baer und Mulka ist der Höhepunkt unserer Bemühungen...

- (Gnielka) Johann. - (Journalist) Eine Frage.

- Wie lautet die Anklage? - Mord.

Kirsch hatte einen Herzinfarkt. Er ist in der Klinik. Es war knapp.

Ich habe nie das Kaddisch gesprochen.

- Was meinst du? - Im Lager, da war Gott...

Er war nicht da.

Als ich dalag und auf den Arzt wartete, dachte ich nur daran,

dass ich für meine Mädchen nie das Kaddisch gesprochen habe.

Ich kann da nicht mehr hinfahren.

Ich bitte euch, macht ihr das.

Fahrt nach Auschwitz und sprecht für sie das Kaddisch.

Das machst du, wenn du gesund bist.

Ich bin dem Tod das zweite Mal entkommen.

- Macht ihr das für mich? - Ich muss erst den Prozess führen.

- Bitte. - Nein!

Ich habe keine Zeit. Ich muss den Prozess führen.

(Schluchzen)

Johann!

Johann!

Johann! Hier, die haben Eichmann nach Israel entführt.

Was? Das istja ein Ding. Das istja ein Ding!

Herr Generalstaatsanwalt!

Das ist ja großartig.

Na ja. Ich hätte ihn lieber hier gehabt.

Aber Bonn stellt keinen Auslieferungsantrag an Israel.

Wann bringen sie uns Mengele? Haben sie ihn?

- Er soll gleich nach Frankfurt. - Er ist nicht mehr in Argentinien.

- Was? Wo ist er? - Man vermutet, in Paraguay.

- Dann muss ihn der Mossad dort kriegen. - So was geht doch nicht auf Bestellung!

Die Situation ist komplizierter.

(spannungsgeladene Musik)

Ihr wolltet Eichmann nicht. Nun machen wir's.

Gut. Aber Mengele muss nach Deutschland. Wir machen ihm den Prozess.

Auf einer Lichtung stehen zwei Rehe.

Wenn Sie eins töten, ist das andere weg.

- Was heißt das? - Mengele ist weg.

Er ist zurzeit kein Thema für uns.

- Aber Sie haben versprochen... - Eichmann hat Priorität. Auch für Bauer.

- Was? - Eichmann hat die Endlösung organisiert.

Mengele...

Bringen Sie Mengele hierher, bitte.

Der UN-Sicherheitsrat macht wegen Eichmann Ärger.

Wir sind ein kleines Land. Wir brauchen keine neuen Feinde.

Wir sind von Feinden umringt.

Mengele kann überall sein.

Ich muss ihn in Europa kriegen.

Er reist unter einem anderen Namen.

Sonst hätte ich ihn nach Günzburg gefunden.

Diesen Namen brauche ich.

Ich war so nah dran.

Mein Auto kann nichts dafür.

Mhm.

Guten Tag.

- Kathi, stimmt's? Setzen Sie sich. - Mein Zug fährt gleich.

Derjunge Mengele war da. Seine Mutter hat's gesagt.

Er fliegt heute von hier aus zurück. Ich wollte die Polizei rufen, aber...

Danke.

- Ich muss zu Herrn Fischer. - Tja.

- Wo ist er? Es ist wichtig. - Er wurde vom Dienst suspendiert.

Ihre Generation kennt keine Loyalität.

Ich brauche den Namen, unter dem Mengele reist.

Ich bitte Sie.

Ts!

(dramatische Musik)

Ich habe Sie gewarnt. Er verliert Öl.

- Ist das reparabel? - Kolbenfresser.

Wir wissen gar nicht, wie der Mann sich nennt.

- Mengele erkenne ich, wenn ich ihn sehe. - (er seufzt)

Und?

Herr Radmann‚ was bilden Sie sich eigentlich ein?

Herr Wisnievska war außer sich. Ich überrede ihn auszusagen.

- Und Sie lassen uns hier sitzen! - Herr Langbein, ich tue, was ich kann.

- Was machst du in Frankfurt, Mutter? - Wenn du nicht anrufst.

Was ist hier los? Zieht ihr um?

- Ich muss mit dir reden. - Ich habe keine Zeit.

Es ist wichtig. Sei nicht so verstockt.

Bitte geh jetzt.

Gustav will mich heiraten. Ich habe Ja gesagt.

- Du bist verheiratet. - Nach 15 Jahren kommt keiner mehr heim.

Ich will ihn für tot erklären lassen.

- Bitte komm zur Hochzeit. - Nein. Gustav war ein Nazi.

Das verbitte ich mir.

Gustav war in der Partei, so wie alle.

- Mein Vater nicht. - Natürlich war er das!

Was?

Vati war in der Partei. Er hatte keine Wahl.

Es reicht. Das ist eine abscheuliche Lüge. Raus!

Du beschmutzt Vati, um Gustav zu rechtfertigen. Raus!

(beklemmende Musik)

Vati?

(er keucht)

Don't do it.

Ich muss es wissen.

Don't do it.

Kurt Radmann,

geboren 1898 in Marburg.

Können Sie herausfinden, ob er in der Partei war?

Warten Sie in der Halle.

(nicht zu verstehen)

(bedrückende Musik)

Marlene.

Johann. Wie schön. Warte.

- Du bist betrunken. - Wie soll man das sonst aushalten?

Ich habe einen Säufer daheim. Ich will keinen zweiten.

Nein, Fräulein Wondrak verkehrt in besseren Kreisen.

Oh, da... Da hast du was vergessen.

- Wo ist das Hakenkreuz? - Was?

- Das ist doch für die Frau eines Nazis. - Was redest du da?

Mertens, Lichter... AII die feinen Leute sind Verbrecher.

Und wieso? Das ist ein Volk von Verbrechern.

Die tun so, als wäre nichts gewesen.

Diese ganzen Farben. Wir Deutschen sollten Schwarz tragen.

Bis in alle Ewigkeit. Und du machst so was.

Vorsicht! Bist du verrückt? Das muss ich morgen abgeben!

Du siehst nur noch das Schlechte. Du bist blind!

- Nicht alle Menschen sind schlecht! - Du bist doch blind!

Pionier-Bataillon 221.

Dein Vater war in Polen. Ich habe ihn überprüft.

Weißt du, was die gemacht haben?

Frag ihn mal, warum er säuft.

Das glaube ich nicht.

Was fällt dir eigentlich ein? Raus! Raus!

Ich will dich nie mehr sehen! Raus!

(bedrückende Musik)

Sheriff Radmann und sein Freund, Apachenhäuptling Spitze Feder.

Sie kämpfen gegen eine Übermacht, aber am Ende siegt das Gute.

Und am Ende hängen die Bösen am Galgen.

(beide) Sheriff Radmann und Häuptling Spitze...

- Woher Wusstest du's eigentlich? - Was?

"Auf der Flucht erschossen", was das bedeutet.

Woher Wusstest du's?

Ich war dort.

Wie bitte?

In Auschwitz, ich war dort.

Du warst in Auschwitz? Im Krieg?

- Du bist ein Lügner. - Hör auf. Du weißt...

- Du weißt nicht... - Doch. Du bist ein Lügner und Heuchler.

- Und das ist das Allerschlimmste. - Mann, du hörst mirjetzt zu!

Du willst wissen, was ich gemacht habe? Ich war 17.

Wir wurden Flakhelfer und ins Lager geschickt.

Genau! Du hast nur Befehle befolgt. Wie alle. Hitler war alleine schuld.

Du wolltest das doch wissen, oder? Hör mir zu, verdammt!

Wir mussten Häftlinge beaufsichtigen.

Da war ein polnischer Professor, Tadeusz Rosenthal.

Ich steckte ihm Zigaretten und Brot zu. Sie haben ihn damit erwischt.

Sie haben seine Mütze über den Zaun geworfen.

Sie haben ihm befohlen, sie zu holen, und ihn dann rücklings erschossen.

Auf der Flucht erschossen. Verstehst du?

Wie bei unseren Listen.

Du ekelst mich an.

Ihr alle ekelt mich an.

- Na? - Ah...

- (Frau) Komm. Der ist betrunken. - Waren Sie ein Nazi?

- Waren Sie dabei? - Spinner.

Du, warum hast du nichts getan? Warum hast du mitgemacht?

- (Frau) Unverschämtheit! - (Mann) Lump!

Alle waren dabei.

(Mann) Ziehen wir noch weiter?

Ja.

Du warst ein Nazi. Du warst einer.

(er hustet)

(Tür wird geöffnet)

Warum ich?

- Was meinen Sie? - Den Prozess, die Ermittlungen.

Warum ich?

Sie sind Jahrgang '30. Sie sind unbelastet.

Nein. Weil ich naiv genug war, mich verheizen zu lassen.

- Mein Vater war auch ein Nazi. - Was haben Sie erwartet?

Die Juristen waren fast alle in der Partei.

Er war genauso schuldig wie alle anderen.

Wenn Sie glauben, es geht darum, zu beurteilen, wer wie schuldig ist,

haben Sie gar nichts begriffen.

Ich kündige.

Herr Radmann. Sie können uns nicht im Stich lassen.

Das freut mich sehr.

Das ist der richtige Schritt.

Sie fangen am Montag an.

(traurige Musik)

Habe schon gehört.

Gratuliere.

Schmittchen, danke für Ihre Hilfe.

Sparen Sie sich das.

Unser Mandant ist im Unrecht. Er verletzte das Patentrecht.

Mein Junge, unsere Mandanten sind nie im Unrecht.

- (es klopft) - Ja.

- Peter. - Hans. Herr Lichter, Herr Radmann.

Ich ziehe Herrn Lichter hinzu, wenn es etwas schmutzig wird.

Ich bin nur brillant und tue alles für die Mandanten.

Erarbeiten Sie eine Strategie. Geld ist kein Thema.

Freut mich, dass wir zusammenarbeiten.

Na.

Der Mensch ist nicht zum Helden geboren, was?

Herr Radmann.

(nicht zu verstehen)

(leise, traurige Musik)

Ich war so blind,

genau wie alle anderen.

- Was willst du jetzt tun? - Ich weiß es nicht.

Aber eins verstehe ich nicht, Simon. Wie kannst du noch hier leben?

Wie kannst du noch in Deutschland leben?

Schau,

ich bin mit 18 aus Wien hierhergekommen.

Ich habe meine Hannah

in der Hutabteilung vom Kaufhaus Schneider kennengelernt.

In der Uniklinik sind meine Kinder geboren

und in der Fressgasse bekamen sie ihr erstes Eis.

Im Grüneburgpark waren wir Enten füttern

und eine hat Klara in die Hand gezwickt.

Sag mir,

wo gehöre ich sonst hin?

Ich will in Auschwitz das Kaddisch sprechen.

Das würde ich gerne tun.

Gibst du mir das Buch?

- Gnielka muss auch mit. - Nein, ich fahre alleine.

Bubele...

(leise, sanfte Musik)

Gut.

(melancholische Musik)

Warum hast du nie darüber geredet?

Weil ich mich schäme.

Weil ich dagestanden und zugesehen habe. Den Mund gehalten und zugesehen.

Was ist mit dem Prozess? Wie kannst du alles hinwerfen?

Ich wollte immer für das Gute kämpfen. Aber ich weiß nicht mehr, was das ist.

Wie will da ich andere Leute anklagen? Wäre ich damals...

- Ich weiß nicht, was ich getan hätte. - Du verstehst nicht, worum es geht.

Sieh dich um. Was siehst du?

Auschwitz.

Nein. Du siehst eine Wiese mit Bäumen, Barracken, einem Zaun.

Auschwitz ist, was hier geschah. Es liegt hier begraben.

Wenn du den Prozess nicht führst, bleibt es vergraben.

Keine Strafe ist angemessen für das, was geschah.

Es geht nicht um Bestrafung, es geht um die Opfer, ihre Geschichten.

Danke.

- Wie machen wir das jetzt? - Ähm...

Simon hat es aufgeschrieben.

(leise, traurige Musik)

(sie sprechen das Kaddisch in hebräischer Sprache)

(sanfte, melancholische Musik)

Warum sind Sie wieder da?

Die einzige Antwort auf Auschwitz ist, das Richtige zu tun.

(sanfte Musik)

Guten Morgen.

Wieder da?

- Es tut mir Ieid. - Schwamm drüber.

Keiner ist perfekt. Außer mir.

Danke schön. Ich hole es dann am Montag ab.

(Frau) In Ordnung.

- Guten Tag. Sie wünschen? - Eine Reparatur.

Den Kunden übernehme ich.

Sie wünschen?

Kann man das reparieren?

- Also das ist ja völlig kaputt. - Ich weiß.

Aber mir liegt ungeheuer viel daran.

Nein.

Der Riss ist zu groß. Da ist nichts mehr zu retten.

Ich scheue keine Mühe, egal was es kostet.

Kaufen Sie sich ein neues und passen Sie besser darauf auf.

Dann muss ich mich damit abfinden.

Ja, das müssen Sie.

(ruhige Musik)

Das ist herrlich. Gute Freunde, Kuchen, Sekt.

Herz, was willst du mehr?

Meine Mutter machte den Kuchen für uns alle.

Lass den Jungen essen. Er wächst noch.

Der Prozesstermin steht.

Auf die Staatsanwaltschaft Frankfurt und auf dich!

L'chaim!

Auf das Leben!

- L'chaim! - Auf das Leben!

Das war's.

Johann.

- Hier ist dein Jackett. - Ich dachte, der Riss ist irreparabel.

Er ist aber nicht ganz weg.

- Morgen beginnt der Prozess. - Ich weiß. Viel Glück.

(melancholische Musik)

Sie sagen am Freitag aus. Sind Sie bereit?

Grünschnabel.

Ich bin seit 20 Jahren bereit.

Ich gehe rein.

Meine Herren, heute wird Geschichte geschrieben.

Ich bin stolz auf Sie.

(bewegende Musik)

Entschuldigung.

(Gemurmel)

(Richter) Die Sitzung und Verhandlung

des Schwurgerichts am Landgericht in Frankfurt am Main ist eröffnet.

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