All language subtitles for Der.Dieb.von.Paris.1967.German.1080p.BluRay.x264-SPiCY ALEMÃO CORRETA

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RESTAURIERUNG UND DIGITALISIERUNG MIT UNTERSTÜTZUNG VON CNC

DER DIEB VON PARIS

Manche Diebe achten darauf, die Möbel nicht zu beschädigen.

Ich nicht.

Manche räumen nach ihrem Besuch wieder auf.

Ich nie.

Ich mache einen dreckigen Job.

Aber ich habe einen Grund.

Ich mache ihn auf dreckige Weise.

Außerdem habe ich keine Zeit zu verlieren.

Bei einem Haus wie diesem,

um alles zu sehen und eine Wahl zu treffen,

braucht man eine Nacht.

Und das ist knapp.

Ich weiß, wovon ich rede:

Stehlen ist mein Leben.

Man wählt sein Schicksal nicht,

aber ich beklage es nicht.

Kau nicht an deinen Nägeln!

Wenn du Nägel magst, kaue an fremden.

Du hängst an deinem Eigentum? Dann respektiere es.

Ich war ein Waise

und wuchs bei meiner Cousine Charlotte und ihrem Vater Onkel Urbain auf.

Er hatte mich aufgenommen und achtete auf meine Belange.

Eines Tages würde ich reich sein, das sagten mir alle.

Spielen Sie nicht den Dummen. Arbeiten Sie!

Kinder, nichts ist mehr wert als ein guter Ratschlag.

Ich hasste ihn. Aber ich liebte Charlotte.

Ich schwor, sie zu heiraten.

14 Jahre vergingen.

Von der Schule in die Kaserne, erst Schlafsaal dann Stubengemeinschaft,

14 Jahre hinter Gittern.

Dann die Freiheit,

die Rückkehr, Charlotte.

Georges!

Was ist los?

Ich bin verlobt.

Ich werde heiraten.

Georges, ich mochte deinen Vater sehr,

ein charmanter Mann, ein Künstler,

aber von Geld hatte er keine Ahnung.

Er hat Fehler gemacht,

hat sich bei seinem Vermögen verschätzt.

Prüf es nach.

Ich versuchte, die Situation zu retten.

Georges, hörst du mir zu?

Ich habe nur für dich spekuliert.

Leider hatte ich es mit skrupellosen Menschen zu tun.

Das ist bedauerlich.

Wer hätte geahnt, dass die Europäische Bank pleitegeht?

Du hast 600 000 Francs verloren.

600 000?

Auch ich blieb nicht verschont.

Bleiben noch 300 000... Wo sind sie?

Hier.

Panama-Aktien. Sie wissen, dass die wertlos sind?

Möglich. Aber ich habe viel Geld dafür bezahlt.

Willst du die Kaufbelege sehen?

Verstehst du langsam die Schwierigkeiten? Wir besitzen sie.

- Warum bestehlen Sie mich? - Was erzählst du denn?

- Um Charlottes Mitgift zu erhöhen? - Charlotte?

Was hat sie damit zu tun? Zweifelst du an meinen Worten?

- Ja, mein Onkel. - Verklag mich, wenn du willst.

Mit viel Zeit und Geld stehen deine Chancen bei eins zu fünf.

Sie haben an alles gedacht.

Wo soll ich unterschreiben?

Achtung! Nicht zu vorschnell! Du wirst keinen Einspruch mehr erheben können.

- Haben Sie Gewissensbisse? - Ich? Bist du verrückt?

Aber du machst den Eindruck eines Gönners. Das gefällt mir nicht.

Verlassen Sie sich nicht auf einen Eindruck. Der kann täuschen.

Sie haben Charlotte verlobt?

Deine Cousine bekommt eine schöne Hochzeit.

Das überrascht dich?

Du dachtest, du heiratest sie?

Natürlich nicht.

Sie haben recht. Ich bin keine gute Partie.

Ich versuche, mich zu beherrschen.

Wenige Tage später fand bei den Montareuils

die Verlobung von Charlotte und ihrem Sohn Armand statt.

Das ist doch ein guter Anfang.

- Als schien die Sonne nur für uns. - Ja, Armand.

Sie sind heiter, wie ich sehe.

Wie ich. Ich bin heiter, aber schüchtern.

Lassen Sie mir bitte etwas Zeit, dann lachen wir zusammen.

Die Montareuils, früher sehr reich,

besaßen noch ein paar berühmte Schmuckstücke.

Mme Montareuil hatte sie zu diesem Anlass aus der Bank geholt,

damit meine Cousine sich einen Ring aussuchen konnte.

Meine kleine Charlotte...

Champagner.

Vater, geben Sie mir die Streichhölzer.

Marguerite. Gehen Sie schlafen, es ist spät.

Betrüblich. Ein Adliger, der unter der Fuchtel steht.

La Margelle. Félix La Margelle.

- Zu Ihren Diensten. - Sehr erfreut.

Was ist falsch daran, Streichhölzer einzustecken?

Bei einem Pyromanen?

Mr de Montareuil versuchte bereits, sein Haus anzuzünden.

Schön, Sie kennenzulernen. Ich bin ein alter Freund Ihres Onkels.

Ich hörte, er gab Ihnen das Vermögen Ihrer Eltern zurück?

Armes Vermögen.

Ich sammle Mittel,

um Kirchen in China zu bauen.

Möchten Sie behilflich sein, unseren Glauben zu verbreiten?

Ganz ehrlich? Nein.

Ich mag ehrliche Antworten.

Monsieur l'Abbé?

Wir brauchen Ihr Wissen.

Ich komme, Madame. Sie erlauben?

Diese Brosche gab der Kaiser der Großmutter meines Mannes.

- Donnerwetter! - Nicht wahr?

Was stellt sie Ihrer Meinung nach dar? Eine Blume? Ein Schmetterling?

Nein, Madame. 200 000 Francs.

Davon kann man eine halbe Kirche bauen.

Immer Ihre Scherze.

Monsieur verlässt uns bereits?

Sagt es keinem, aber ich langweile mich.

Ich mich auch.

Das ist mein Zimmerschlüssel.

Wo ist es?

Mein Zimmer? Wie frech!

Im zweiten Stock.

Die Tür gegenüber der Treppe. Mit dem Glasknauf.

Danke, Marguerite.

Sie gehen doch nicht hoch?

Stört Sie das?

Bis gleich. Ich beeile mich.

- Hallo, Marie-Jeanne. - Was ziehen Sie für ein Gesicht?

Guten Morgen.

- Du bist spät ins Bett gegangen. - War ich zu laut?

Überhaupt nicht. Ich schlief nicht.

Hattest du Spaß?

Wo warst du?

Schlechte Neuigkeiten.

Die Montareuils wurden heute Nacht ausgeraubt.

Der ganze Familienschmuck. Alles weg.

Charlotte, ich fürchte um die Verlobung.

- Warum? - Warum?

Dieser Schmuck war ihr ganzes Vermögen.

Ich gebe dich keiner armen Familie. Das wirfst du mir später nur vor.

- Und wenn man ihn wiederfindet? - Vermutungen bringen nichts.

Ich gehe schnell zum Präsidium, ich kenne da jemanden.

Wir werden alles erfahren.

Der Schmuck...

Warst du das?

- Du gehst? - Wie du siehst?

Wohin?

Mit wem?

Du hast den Schmuck gestohlen.

Sprich mit mir! Antworte!

Geh nicht, Georges.

Warum gehst du?

Für einen Tapetenwechsel.

Dein Vater hat mir dieses Haus verleidet.

Und schon wieder bin ich ganz alleine.

Komm mit.

Du spinnst.

Nein, Georges. Nicht hier. Georges, nicht.

Du kommst mit mir. Sofort.

Du spinnst. Du redest Unsinn.

Du weißt, dass das nicht geht.

Wegen deinem Vater?

Ja, wegen meinem Vater!

Dieses Haus...

Alles.

Und für Montareuil hättest du nicht alles verlassen?

Du machst mir Angst, Georges.

Du warst das mit dem Schmuck!

Willst du ihn?

Hier, bitte. Alles.

Die Ringe, die Ketten, die Brosche des Kaiser...

Charlotte!

Charlotte, ich hatte Recht. Du bist nicht mehr verlobt.

Die Polizei hat es aufgeklärt. Der Schmuck ist unauffindbar.

Kennt man die Schuldigen?

Die Schuldigen?

Du meinst den Schuldigen.

- Du gehst? - Ja.

Mit meinen Schuhen?

Du kannst sie behalten. Sie passen mir nicht.

Wer ist der Schuldige?

Ihr behaltet es für euch?

Ein Soldat.

Ein Halunke, der sich mit Mme Montareuil ein Bett teilt.

Deine Ex-Schwiegermutter-in-spe hat einen Liebhaber!

- Man erwischte sie heute. - Mit dem Schmuck?

Der ist nicht auffindbar.

Er hatte einen Komplizen.

Der ist auf der Flucht. Keine Beweise.

Klassischer Coup.

Um einen Skandal zu verhindern, zieht Mme Montareuil ihre Anzeige zurück.

Die Angelegenheit ist also erledigt?

Das denkt man im Präsidium.

Da lachst du?

Die Montareuil ist kriminell! Sie hat uns betrogen.

Ich habe sie kurz besucht.

Sie war nervös,

zwinkerte mir zu und spielte weiter ihr Theater.

Diesem Mann die Tür öffnen, wenn man eine Million schwer ist...

Das ist eine unglaubliche Dummheit!

Was machst du Charlotte?

Kommst du?

Mr Randal, sieh einer an!

Wie man sagt, nur Berge begegnen sich nicht.

- Sie erlauben? - Ich bitte Sie.

- Sie fahren nach Brüssel? - Ja.

Natürlich.

Sie wollen Ihr Erbe platzieren.

Da ist Belgien eine kluge Entscheidung.

Stabil, hohe moralische Werte,

dynamisch...

Die belgische Industrie erfährt stetiges Wachstum.

Verzeihen Sie, meine Unhöflichkeit,

doch ich höre Ihr Gespräch

- und denke, dass Herr... - Dumoulin.

- Fernand Dumoulin. - Sehr erfreut.

Van der Busch, Emile, Unternehmer.

Belgier. Wollen Sie eine sichere Investition in Belgien tätigen?

Ich?

Wussten Sie, dass die Chemieindustrie sehr sicher ist?

Ich weiß, wovon ich spreche.

Ich besitze eine Farbstofffabrik. Ja ja, ich... fertige Farbstoffe.

Sie gehört zu den größten des Landes.

Wie kann ich Sie überzeugen?

Wir betreten die Welt der Farben.

- Da öffnet sich ein ganzes Universum. - Eben, was ist mit der Nachfrage?

Sie werden immer mehr Arbeiter brauchen. Die wollen Gehaltserhöhungen.

Verzeihung, sie wollen, aber bekommen keine.

Erst steigt der Profit, dann die Gehälter.

Wirtschaftsgesetz, Messieurs.

- Haben Sie Unterlagen Ihrer Fabrik? - Natürlich. Ich hole sie.

Und? Sagen Sie mir es jetzt?

Was sagen? Dass der Schmuck von Mme Montareuil in Ihrem Koffer ist?

Ich sage nichts. Ganz ruhig.

Sie sind ein Dieb. Ich auch.

Hier sind die Unterlagen, Messieurs.

Bilanzen, Zahlen und Mirabellenschnaps.

Alkohol darf ich nicht trinken, danke.

Es gibt nie Unfälle?

- Dafür müsste man viel trinken. - Ich rede nicht vom Schnaps,

sondern Ihrer Fabrik.

Zwei Explosionen im letzten Jahr. Ein dutzend Tote.

Ach, das Massenbegräbnis...

Grandios. Rührend.

Chef und Arbeiter im gemeinsamen Schmerz vereint.

Die Einheit aller Herzen in diesem tiefgehenden Moment...

Das war gute Werbung, wissen Sie?

Hier ist der Kaffee.

Gibt es keine Aufstände? Sowas ist doch zu erwarten.

Natürlich, hin und wieder.

Ich sehe schon, wie die Arbeiter sich erheben,

alles umstürzen und dem Erdboden gleich machen.

- In Belgien? - Warum nicht?

Die Banken gestürmt, Plünderei...

Es gibt doch die Burgerwacht, gute Güte!

Und wer würde den Banken sein Geld anvertrauen?

Sie meinen, Sie haben Ihr Geld hier?

Aber natürlich!

In diesem Tresor, Messieurs.

Teufel!

- Da passt viel rein. - Aber natürlich.

Darin liegen über 500 000 Francs an Wertpapieren,

das Bargeld nicht mitgezählt.

Wenn ich eine Platzierung anbiete,

dann hat das Hand und Fuß.

- Was ist mit Dieben? - Können gerne kommen.

Mein Tresor ist nicht zu knacken.

Haben Sie eine Alarmanlage?

Nein, nein, natürlich nicht!

Strom ist teuer.

Außerdem geht sowas ständig kaputt.

An diesem Tag zeigte mir Pfarrer La Margelle das Hotel des König Salomon.

Ein Dieb, der was auf sich hält, steigt in Brüssel hier ab.

Wir haben unsere Gewohnheiten.

Sehen Sie.

- Cannonier hat das eingerichtet. - Cannonier?

Ein berüchtigter Dieb. Ein Genie.

Er sitzt gerade im Knast.

Der Schmuck!

Wissen Sie, Georges,

Diebstahl ist kein Hobby.

Es ist ein Beruf, man muss es lernen.

Ihr erster Coup war von fast kindlicher Verwegenheit.

Sie hatten nur Glück.

Ich möchte es lernen.

- Wollten Sie alleine arbeiten? - Nein, ich hatte einen Plan:

für ein Kavaliersdelikt ins Gefängnis kommen

und dort Freunde finden.

Wenn möglich, vermeiden Sie das Gefängnis.

Dort gerät man an die Falschen.

Und Gott, isst man dort schlecht.

Sie sind doch unabhängig.

Sie werden... viel reisen,

Menschen kennenlernen,

Erfolg haben.

Sie haben das Zeug dazu.

Und dann machen Sie wenigstens was aus ihren Talenten.

Handeln, George, darum geht es.

Ich stahl den Schmuck ohne nachzudenken.

Es war fast selbstverständlich.

Sie konnten nicht anders.

Ich kenne das Gefühl.

Ich kenne es gut.

Es wird alles bestimmen:

Ihre Zeit, Ihre Träume, Ihren Schmerz...

Es ist weder für den Profit noch für den Skandal.

Niederträchtige Gedanken sind mir fremd.

Sie sind kein Bourgeois, sondern ein Dieb.

Sie führen ein Leben fern von allem. Ehrwürdig,

immer unverstanden von der Mittelmäßigkeit.

Sie sind ihr verbotenes Ich.

Wer kann es ihnen verübeln, sie suchen nur Sicherheit.

Sie klammern sich an Äußerlichkeiten fest.

Doch Sie durchdringen Wände.

Na Abbé, beim Philosophieren?

- Ist das hübsch! - Das ist sein Debüt.

Georges Randal, Roger Voisin

- Man nennt mich den Schüchternen. - Georges.

Sie gehen heute Abend mit Roger.

- Sie werden viel von ihm lernen. - Heute Abend? Wohin?

Zu einem Herrn, den wir im Zug kennengelernt haben.

Einem Belgier, der Farbstoffe herstellt.

Hier ist der Abdruck des Schlüssels zum Salon.

Das ist ein Spezialschlüssel. Schwierig.

Natürlich, das macht Arbeit. Beeilen Sie sich.

Und noch etwas...

Kein Mord.

Das ist schmutzig, roh

und anachronistisch.

Einen Kapitalisten schmerzt ein ausgeraubter Tresor mehr

als ein Messer im Bauch.

Ist der Himmel heute schön!

Was sagt Margelle immer?

Geh los bei Nacht, wenn der Mond nicht lacht.

Er hat echt Ahnung. Schade, dass er so faul ist.

Der Abbé? Wirklich?

Er ist stinkfaul!

Versuch nur, ihn dazu zu bringen, auf ein Dach zu steigen.

Er hat besseres zu tun: Er denkt für uns.

Vielleicht hast du recht. Hier, Hausschuhe.

Richtige Leisetreter.

Der Abbé sagt, du hättest dein erstes Ding in einem Museum gedreht. - Ja.

Ich liebe Gemälde. Ich male selbst.

Paläste am Wasser, das ist mein Lieblingsmotiv.

Venedig.

Kennst du Venedig?

Eben nicht. Ich träume nur davon.

Wenn ich Zeit habe, fahre ich hin.

Los! Komm.

- Riechst du was? - Kampfer.

Ja, Kampfer. Dann sind hier Pelze.

Eine Boa.

Noch eine Boa. Für jeden eine.

- Da wird sich Broussaille freuen. - Wer?

Broussaille, meine Schwester.

Sie wohnt in London. Du lernst sie bald kennen. Komm.

- Was macht sie? - Sie nimmt die Männer aus.

Es macht ihr viel Spaß.

Van der Busch hatte nicht gelogen. Die Wertpapiere waren da.

Wir fuhren nach London, der Zentrale der Hehler und Ankäufer.

London ist der beste Absatzmarkt für heiße Ware.

Sie kennen mich genau, Mr Roger.

Entweder ja oder nein.

Wenn es um Geld geht, keine Diskussionen.

500 Pfund in Bar, für den Rest einen Check, in Ordnung?

Ich mag England!

Und die englische Polizei?

Wenn du nicht hier arbeitest, drücken sie ein Auge zu.

- Bist du aus Paris? - Nein.

Aus Valenciennes. Meine Eltern haben da eine Eisenwarenhandlung.

Sie bekommen die Modelle aller neuen Geldschränke. Sehr praktisch.

- Wissen sie, was du machst? - Natürlich.

Was ist denn da los?

Was soll das?

Broussaille!

Hallo Brüderchen!

- Ziehst du aus? - Bitte reg dich nicht auf.

Du darfst nicht schimpfen.

Ich hatte vergessen, einen Wechsel zu bezahlen.

Und er nimmt mir alles weg.

Er plündert mich aus.

Du hast Glück, ich bin gerade bei Kasse.

Ich glaube, das dürfte reichen.

Deine Möbel werden gleich wieder raufgeschafft.

- Wieviel? - Mit den Gebühren?

Immer diese Gier!

Ich bin Broussaille.

Georges Randal.

Das ist Ida, aus Paris.

Erlauben Sie? Ich bringe es rauf.

- Danke. - So, das wäre erledigt.

Aber das war das letzte Mal.

Danke, mein Schatz!

Ich koste dich viel Geld und du musst es so schwer verdienen.

Aber eines Tages gebe ich dir alles zurück und wir fahren nach Venedig.

Sein Traum.

- Auf unser Glück! - Auf unser Glück!

Achtung! Eine Gans, ein Bügelbrett,

ein gebratener Hahn im Fett

und der Mann gehört ins Bett.

Ich traf die Kundin wieder, die ich Cannonier vorgestellt hatte.

Die uns die Adressen verkauft hat.

- Sie braucht Geld und hat Angebote. - Kauf.

Ich fahre morgen nach Paris, kommst du mit?

Ich kann nicht, ich muss nach Spanien.

- Ich habe Marcel versprochen, zu helfen. - Schade!

Und Sie Mr Randal?

Sehr gern, wenn ich Ihnen behilflich sein kann.

Deshalb frage ich Sie ja.

Haben Sie eine Wohnung in Paris?

- Ich hatte eine, aber jetzt nicht mehr. - Dann kommen Sie zu mir.

Als Kamerad. Sie werden sehen, es ist ganz bezaubernd.

Mein Salon wirkt wie die Praxis eines amerikanischen Dentisten.

Dein Freund ist einfach süß.

Ihre Stute ist durchgedreht.

Sie stürzte auf die Gleise

und der Zug fuhr über sie hinweg.

Ein trauriges Ende für eine Mutter mit Familie.

Mir läuft es eiskalt den Rücken runter.

Vielleicht hätte der Zug dabei entgleisen können.

Ah, die Boa.

- Welche Boa? - Die Boa aus Brüssel.

Haben Sie die gestohlen?

Ich würde mich nie trauen, sie zu tragen.

Sie steht Ihnen gewiss besser als mir.

Sie sind zu galant, Georges.

Seien Sie vorsichtig.

Frauen werden Dieben oft zum Verhängnis.

Ida war Putzmacherin in Paris, in der Rue de Berceaux.

Sie erwies ihren Kundinnen spezielle Dienste.

Und wir konnten in ihrem Laden Briefe hinterlegen und uns verabreden.

Sie ist da.

Pass gut auf.

Cannonier hat ihr 33 % bezahlt. Keinen Sou mehr.

Kommen Sie doch herein.

- Madame. - Monsieur.

Ich weiß nicht, ich schäme mich.

Sie wünschten, mich zu sprechen?

Was müssen Sie von mir denken, ich bin in einer verzweifelten Lage.

Aber Sie sehen blendend aus, Madame.

Darf ich Ihnen vertrauen, Monsieur?

Sie können sich auf meine Diskretion verlassen.

Ein wahrer Gentleman.

Ich bin sicher, dass Sie Akademiker sind.

- Woran sieht man das? - Sie wirken so fein und gebildet.

Und bedenkt man, dass Sie ein Brecheisen in der Tasche tragen... Aufregend.

- Wenn ich ein Mann wäre... - Das ist aber nicht der Fall, Madame.

Ich bin nicht vollkommen, keine Frage.

Eine Dame von Welt hat es heutzutage sehr schwer.

Die Männer versprechen ihr goldene Berge und halten nichts.

Was wirklich Seriöses gibt es nicht mehr.

Die Herren der Schöpfung sind unzuverlässig.

- Wie mein Engländer neulich. - Ein Engländer?

Ein englischer Windhund. Ein brutaler, wüster Kerl.

Er schlug mir den Hintern grün und blau und verschwand dann.

Ein feinfühliger Mensch würde besser zu Ihnen passen.

Das finden Sie auch?

Mein Vorname ist Renée.

Nicht einfach auszusprechen.

Wollen Sie es mal probieren?

Renée.

Wie Sie das sagen...

Mein Mann bringt das nicht fertig. Er ist Politiker.

Er hat kein Verständnis für mich.

Wenn wir wenigstens Kinder hätten, aber das will er nicht.

Er sagt, das ist zu teuer.

Ich habe ihm ein Schnippchen geschlagen.

Durch Ida habe ich Cannonier kennengelernt. Was für ein Mann, fantastisch.

Er hat mich gelehrt, meine guten Beziehungen zu nutzen.

Eine Frau von Welt kennt natürlich viele Persönlichkeiten.

Na eben. Und ihre Besitzungen in Paris, auf dem Land, ihr Kommen und Gehen.

Ich versorgte Mr Cannonier mit Informationen und...

Er gab mir 50 % vom Bruttogewinn.

Das ist nicht viel, aber...

- Das ist der Preis. - Nein, Madame, das ist nicht der Preis.

- Der Preis ist 33 %. - 33?

Mehr wird Ihnen keiner zahlen. Jedenfalls kein seriöser Dieb.

33 %? Nur so wenig?

Ich wollte doch 50.

Kommen wir uns entgegen, sagen wir 45.

Nicht 45 oder 40. 33, Madame.

Sie haben ein Herz aus Stein. Sie verstehen nichts von Frauen,

von ihrer Verzweiflung, wenn das Geld dahinschmilzt.

Ich schäme mich, es zu sagen. Wissen Sie, was ich von meinem Mann im Monat bekomme?

Es ist erbärmlich.

Man muss elegant sein und was das kostet, das wissen Sie.

Wissen Sie das? Da muss man die Garderobe wechseln können.

Dazu kommen die Dessous. Sehen Sie?

Das muss sein, das wissen Sie doch.

- Und wie teuer sowas ist, auch. - 33 %.

In Romanen sind Diebe immer großzügig.

Ich habe ihnen zwei Sachen anzubieten.

Die eine in Paris, die andere in Maisons-Laffitte.

Es war ein schönes Leben. An Arbeit mangelte es uns nicht.

Wenn es die Situation erforderte, arbeiteten wir zu mehreren.

Im Sommer arbeiteten wir in der Stadt, im Winter auf dem Land.

Na los.

Die ziehen hier aus?

Hast du das gewusst, Madeleine? Sie haben nichts gesagt.

Tja, das wundert mich auch.

Merkwürdig. Da stimmt doch was nicht.

Hör mal, mein Freund,

wenn euch das so interessiert, dann fasst mal mit an.

Der wiegt 200 Kilo.

Gern, aber wir... Wir sind in Eile.

- Fahren wir, sonst kommen wir zu spät. - Ja.

Ach, es ist schon ein Hundeleben.

Ich bekam Routine.

Ich hatte Fantasie, Instinkt, war unermüdlich.

Doch schon damals

arbeitete ich am liebsten allein.

Haben Sie in den nächsten Tagen Zeit?

- Ja, ich habe Zeit. - Fabelhaft.

Ich habe da eine etwas heikle, aber ergiebige Sache.

Sie wären jetzt reif dafür.

Das Perlencollier von Mme Goulet,

einer Betschwester.

Tatort: mitten in Paris.

Tatzeit: am helllichten Tag.

Warum nicht in der Nacht?

Weil Mme Goulet damit schläft.

Damit die Perlen ihren Glanz behalten.

Sagen Sie, mein Lieber, wann findet das Parlament wieder zusammen?

Am 29. September. Es wird sehr interessant werden.

Randal, aber das kann doch nicht wahr sein!

Na sowas! Sag mal, wolltest du mich besuchen?

Das ist ja nett.

Ach, das ist Professor Boileau.

Georges Randal, ein alter Studienfreund.

Wie schön, dass du mich nach so vielen Jahren noch nicht vergessen hast.

Woher hast du überhaupt meine Adresse?

- Das war nicht schwer. - Man trifft sich wieder

und trennt sich nicht mehr. Amicus amicum fricat. Trinken wir einen.

- Ich bin spät dran. - Eine Minute hast du doch.

Kaum da und schon wieder weg. Ein Wirbelwind.

Man hat mich bestohlen! Haltet den Dieb!

Ein Diebstahl am helllichten Tag?

Diese Spitzbuben werden immer dreister.

Das ist ja unerhört!

- Mr Mouratet, haben Sie jemanden auf der Treppe getroffen? - Nein.

- Und du? - Keine Seele.

Aber vielleicht ist er aufs Dach geklettert.

Die Strolche sind heutzutage sehr klug, sie finden immer einen Ausweg.

Die Leute sind aber auch von einem unglaublichen Leichtsinn.

Du bist immer noch derselbe: elegant, etwas zerstreut...

Du hast dich nicht verändert. Was treibst du?

- Ich... bin Ingenieur. - Dachte ich mir doch, bei der Eisenbahn?

- Nein, bei den Schleusen. - Das klingt herrlich!

Mein Collier!

Mein Collier!

Prächtiges Weib!

Apropos, kennst du Courbassol?

- Den Abgeordneten? - Genau.

Ich bin seine rechte Hand. Er ist ein großer Kopf, eine Leuchte!

Unter uns: Er wird bald Minister werden.

Das ist nur eine Frage der Zeit.

Ich mache dich mit ihm bekannt.

Erlauben Sie, Monsieur?

Ich bin der Sekretär von Mr Courbassol.

Sie lachen, aber mir stand der Schweiß auf der Stirn.

- Und all das für ein Collier. - Aber was für eins!

Ein Prachtexemplar!

Dafür kriege ich etwa 50 000.

Außerdem sind Sie bereits mit einem Bein in der Politik.

War dieser Mouratet ein guter Schüler?

Ein Musterschüler, der Vollidiot.

Ich habe neulich mit Ihrem Onkel gefrühstückt.

Kein angenehmer Mann.

Macht sich selbst das Leben schwer.

Nichts ist ihm recht, alles ärgert ihn, er ist schon ganz gelb im Gesicht.

Und dabei treibt er es doch ganz lustig.

Hält kleine Mädchen aus, in seinem Alter.

Widerlich. Und grotesk.

Und Charlotte? Wie geht's ihr?

Ihre Cousine langweilt sich zu Tode.

- Guten Tag, Georges! - Guten Tag.

- Hochwürden. - Guten Tag.

Wissen Sie es schon?

- Du bist verwundet? - Das war die niederländische Polizei.

Sie haben uns gejagt wie die Kaninchen.

Sie haben Marcel geschnappt.

- Wird er reden? - Niemals.

- Hast du ihm einen Anwalt besorgt? - Den besten von Amsterdam.

Selbstverständlich.

Ich hatte Marcel wirklich gern.

Du sprichst, als wäre er schon erledigt.

Ich werde ihm unter die Arme greifen, wenn er rauskommt.

Verdammte Schweinerei!

Ein kaputter Arm, gerade wo mein Vater mich auf ein Ding in Valenciennes ansetzen will.

Ein Bankier Delpich. Da, ließ.

Delpich? Bekannter Name.

Na, was sagst du? Interessiert dich das?

Ja. Aber das schaffe ich allein.

Ach ja, du arbeitest ja lieber allein.

Das könnte ich nicht. Das ist nicht anständig.

- Warum denkst du das? - Keine Ahnung.

Dann wirst du ja unsere Eltern besuchen.

Grüß sie schön von uns.

Die passen auf.

Sag ihnen nicht, was mir passiert ist.

Ach ja, reisen.

- Das war schon immer mein Traum. - Und Broussaille?

Ist es nicht zu anstrengend für das Kind?

Ich wünsche ihr so sehr, dass sie etwas von ihrem Leben hat.

Es waren brave Leute.

Ich erzählte ihnen nur Gutes über Roger und Broussaille.

Das Essen war gut, die Unterhaltung etwas einseitig.

Fast hätte ich den Tresor des Bankiers Delpich vergessen.

Ich will sie nicht rauswerfen, aber es ist höchste Zeit.

Ich gehe schon.

Seien Sie vorsichtig und sagen Sie Broussaille, mir öfter zu schreiben.

Ihre Briefe sind so lustig, dass ich manchmal vor Lachen nicht einschlafen kann.

- Erbarmen! - Schreien Sie nicht.

- Bitte töten Sie mich nicht. - Seien Sie still!

- Misshandeln Sie mich nicht. - Noch ein Wort und ich gehe wieder.

Sie haben mir einen Zahn ausgebrochen.

Mund auf.

Alles in Ordnung.

Wer sind Sie?

Ich bin Mme Delpich.

Sie brechen bei Ihrem Mann ein?

Während seiner Abwesenheit sollte ich hier aufpassen.

Und dazu brauchen Sie das?

Ich halte es nicht mehr aus. Ich wollte weg, mein Mann ist eine Bestie.

Er hat mich gequält und misshandelt.

Ein Sadist.

Soll ich Ihnen schildern, was er getan hat?

Nein, ich habe leider keine Zeit.

Mit diesem Spielzeug hätten Sie es nie geschafft.

- Was gießen Sie denn da rein? - Das ist Säure.

Ein Oxisulfid. Ein neues deutsches Verfahren.

Leider wirkt es nicht auf alle Legierungen.

Dauert es lange?

Einige Minuten.

Sie haben einen scheußlichen Beruf.

Aber er ist sicher sehr interessant.

Ich heiße Geneviève.

Sehr erfreut.

Sie haben mich kompromittiert.

Mein Mann tötet mich sicher.

Und sie allein sind schuld daran.

- Übertreiben Sie nicht. - Wenn Sie wüssten.

Es ist zwar nicht meine Sache...

doch ich werde Ihnen helfen.

- Was haben Sie vor? - Ich schlage zu,

- fessle Sie und Ihre Ehre ist gerettet. - Nein!

Sie gemeiner Mörder!

Es ging mir nur um Ihre Ehre.

Schmuck ist da nicht drin. Nur Geld.

Ich weiß.

- Wollen Sie Ihren Mann weiterhin verlassen? - Oh ja!

Jetzt mehr denn je.

Nehmen Sie das für die Reise.

Vielen Dank, Monsieur.

Sie verstehen, das Herz einer Frau zu lesen.

Und wie brutal Sie aussehen können, wenn Sie wollen.

Mein Mann ist dagegen schrecklich primitiv.

Haben Sie Durst?

Ja.

Was möchten Sie?

Nichts.

Ich trinke nie bei der Arbeit.

Wenn ich fertig bin, gehe ich.

Nehmen Sie mich mit!

Unmöglich, Madame. Es tut mir leid.

Ich bin unschuldig!

Grauenhaft, Abbé!

Das ist der Lauf der Welt.

Können Sie das einfach so hinnehmen?

Ich könnte manchmal alles in die Luft sprengen!

Statt nur Nadel mit der Nadel zu piksen.

Aber wenn wir die Dinge nicht so nehmen, wie sie sind...

Was soll dann aus uns werden?

Wollen Sie das Eigentum abschaffen?

Dann würden Sie den Ast absägen, auf dem Sie sitzen.

- Das stört mich ja so. - Damit sind Sie nicht allein.

- Du wirst verlangt. - Wer ist es denn?

Eine Dame.

- Wie sieht sie aus? - Eine Rothaarige.

Sie will scheinbar hier einziehen.

Ich hatte dich doch gewarnt.

Da wäre ich.

Einen falschen Namen anzugeben... Und eine falsche Adresse...

Nach allem, was zwischen uns war.

Lügner, ich müsste eigentlich sauer sein.

- Wie haben Sie mich gefunden? - Durch deinen Schneider.

Sein Etikett war in deiner Jacke eingenäht.

Und ich bin von Natur aus neugierig.

Ein netter Mann. Ein Jude, aber sehr hilfsbereit.

Er hatte vier Anzüge vom gleichen Stoff gemacht.

Ich war bei drei Herren, die sehr charmant waren.

Du bist der vierte.

Du bist ein Schuft.

Mich zu belügen ist gefährlich.

Wenn ich mich nun gerächt hätte?

Wir lebten mehrere Wochen zusammen.

Ich vernachlässigte meine Geschäfte.

Geneviève nahm meine ganze Zeit in Anspruch.

Ich hab's gern, wenn die Männer mich ansehen.

Ich fühle mich immer wieder bestätigt.

Eine Frau hat es leichter als ein Mann. Sie darf nur nicht ängstlich sein.

- Das bist du wohl nie. - Nein, niemals.

Das müsstest du wissen.

Du würdest alles machen? Mit jedem?

Ich brauche nur etwas Glück und Geld.

Ich möchte alles kennenlernen.

Ich lebe wie eine Pflanze, natürlich.

Lass dich mal ansehen. Geh voran.

Kleinere Schritte. Im Knie mehr nachgeben. Kopf hoch.

Schultern zurück, nicht zu viel.

Geneviève war eine Frau der Tat.

Sie wollte alles.

Sie musste ihr Opfer haben.

Ich führte sie bei Mouratet in die Gesellschaft ein.

- Alles gut? - Ja.

Ah, Randal! Willkommen!

- Mme Randal, nehme ich an? - Nein.

Komm, ich stelle dich meiner Frau vor.

Mäuschen, das ist Georges Randal.

Entschuldigen Sie, ich musste gerade an etwas denken.

Mein Mann hat mir so viel von Ihnen erzählt.

So hast du ihn dir nicht vorgestellt, was?

Nein, wirklich nicht. Ich bin etwas durcheinander.

Wie findest du sie? Vielleicht etwas kindlich.

Nein, charmant und lustig.

Sie ist großartig. Intelligent, fleißig, sparsam - macht aus allem das Beste.

Und im Bett ist sie einfach gigantisch.

- Urbain Randal ist doch dein Onkel. - Ja, warum?

- Er ist hier, wir sehen uns manchmal. - Ja, ich weiß.

Courbassol ist da, bitte entschuldige mich.

Guten Abend, Mr Randal.

Herr Abgeordneter.

Ich freue mich, Sie kennenzulernen.

Mouratet hat mir viel Gutes über Sie erzählt.

Sie sind Ingenieur, nicht wahr?

- Bei der Eisenbahn. - Nein, bei den Schleusen.

Ein wirrer Geist, dieser Mouratet. Er verwechselt alles.

Es gibt so viele Dummköpfe in der Politik.

Wir brauchen Männer wie Sie.

Nächste Woche spreche ich in meinem Bezirk in Dieppe. Wollen Sie auch kommen?

Ich mache Sie mit meinen Freunden bekannt.

Große Dinge kommen auf uns zu.

Ich rechne mit Ihnen.

Du verstehst es.

Na, verehrter Ingenieur?

Haben Sie Ihr Werkzeug dabei?

Holen Sie es nur nicht raus.

Eine solche Überraschung erlebt man nicht oft.

Kommen Sie, ich werde Ihnen einige Ihrer Opfer vorstellen.

Drei von Ihnen sind hier.

Sie spielen ein gefährliches Spiel, Renée.

- Macht Ihnen das Spaß? - Oh ja.

Ihnen etwa nicht?

Anscheinend sind Sie ein Profi geworden.

Ich bringe es zu nichts. Immer dem Geld nachlaufen...

Das nimmt mir den Schwung.

Ich muss Ihnen bald eine große Sache verschaffen,

um wieder auf die Beine zu kommen.

Ein vermögender Mann, Ihr Onkel.

Das wäre auch was.

Aber das gibt nur Scherereien.

Grässlich, wenn ein alter Mann so lüstern wird.

Haben Sie vielleicht zwei oder dreihundert Francs?

Nein.

Nur 500.

- Ich werde mich eines Tages revanchieren. - Nicht doch.

Ich werde es von Ihren Prozenten abziehen.

Verzeihen Sie bitte, aber Ihr Mann verlangt nach Ihnen.

Georges, ich muss dich sprechen.

Dein Onkel hat mir vorgeschlagen...

Er sagte, er ist reich. Stimmt das?

Ja, das stimmt. Sogar sehr reich.

Was meinst du, soll ich zu ihm ziehen?

Er will es unbedingt.

Dann mach es doch.

Es ist mir peinlich.

Unseretwegen.

Zieh ihm das Fell über die Ohren, mein Kind. Er ist ein Halunke.

Na geh schon.

Er wartet auf dich.

Fahren Sie mit Courbassol nach Dieppe?

- Ich glaube eher nicht. - Sie müssen unbedingt hin!

- Cannonier ist wieder im Lande. - Cannonier?

- Hat man ihn entlassen? - Nein, er ist ausgebrochen.

Von Cayenne hierher hat er sechs Monate gebraucht.

Seit einer Woche hält er sich in Dieppe versteckt.

Sie werden ihn aufsuchen, Georges. Sie sind mit Courbassol befreundet.

Und in dem Durcheinander haben Sie freie Hand.

- Aber ich kenne ihn doch gar nicht. - Er wird Sie schon finden.

Er weiß Bescheid.

Und was soll ich ihm sagen?

Dass er immer auf uns zählen kann.

Und er soll auf jeden Fall Paris meiden.

Die Polizei wartet schon auf ihn.

Dieppe - Was für ein Tag!

Ochsen, Journalisten, Wähler, Polizeispitzel, Taschendiebe.

Aber kein Cannonier...

Der unermüdliche Courbassol brachte seine Truppen

in das Hotel "Zur Hirschkuh" zurück, wo man ein Bankett vorbereitet hatte.

Hey, Georges, was sagst du zu Courbassol? Das ist ein Mann, was?

Der wickelt alle ein. Hör dir seine Rede an, da lernst du was.

Der macht der Regierung noch zu schaffen.

- Was ist los? - Ein Geist!

Ich habe Mr Cannonier gesehen.

Oder seinen Geist. Aber er ist doch im Zuchthaus.

- Wo haben Sie ihn gesehen? - Er ist eben da rauf gegangen.

Sie ist ganz schön schwer.

Vorsichtig, Raymond.

Da, aufs Bett.

Eins, zwei...

Reiß dich zusammen, Fernande.

- Meine arme Mama! - Wein nicht, Fernande.

Das war zu befürchten.

Gerade jetzt passiert das.

Hör endlich auf zu weinen!

So kannst du dich doch nicht vor den Leuten zeigen.

Hör zu, Fernande...

Wir werden ihren Tod erst morgen früh anzeigen.

Komm jetzt mit runter. Komm, wir haben noch viel zu tun.

Geh rauf und bezieh das Bett frisch. Und stell ein paar Blumen hin.

Du willst doch Mutters Zimmer nicht vermieten?

Nun fang doch nicht wieder damit an.

Wir sind bis unters Dach besetzt.

Ein Zimmer ist ein Zimmer.

Los, los.

Entschuldigung! Mr Randal?

Du bist also Georges Randal.

Cannonier, Jean-François.

- Weißt du über alles Bescheid? - Ja, ich habe Sie gesucht.

Fährst du heute Nacht mit den Schwätzern zurück nach Paris? Ich fahre mit.

Das dürfen Sie nicht.

Das hat La Margelle ausdrücklich gesagt.

Die Bahnhöfe werden überwacht.

- Die Polizei erwartet Sie. - Ich mache, was ich für richtig halte.

Morgen muss ich unbedingt in Paris sein.

- Und du hilfst mir. - Sie dieser Meute in die Arme zu treiben?

Sei unbesorgt, mich erkennt niemand. Pass auf.

Beachte meine Perücke.

Diese Frisur... Der typische Spitzelkopf.

Ich bin ausgebrochen, Randal.

Das war nicht leicht. Glaubst du, ich verkrieche mich jetzt wie eine Maus?

Du gefällst mir, Randal.

Du bist mein Nachfolger, oder?

Die Alte hat sich bewegt.

Es lebt auch dann noch, wenn es nicht mehr lebt.

Das hier ist doch die Privatwohnung des Hoteliers?

Da steht seine Kasse.

Los, ich sehe zu.

- Sie haben den Vortritt. - Ich rühre nichts an.

- Die Ehre gebührt Ihnen. - Na dann.

Das habe ich aus den USA mitgebracht.

Ein Schmuckstück.

Brechlöffel, Hebelgriff, Schraubendreher...

Dietrich, Bohrer.

- Die haben gutes Werkzeug in Amerika. - Und das ist noch nicht alles.

Edison hat eine kleine Batterie erfunden.

Mit einem dazugehörigen Spezialetui.

Daran kann man die Säge oder den Bohrer anschließen.

Sie arbeitet für dich und gibt außerdem Licht.

Ich habe mir eine gekauft. Ich werde sie dir mal zeigen.

Fahren Sie nicht nach Paris. Es ist zu gefährlich.

Weißt du...

Das Gefängnis hat etwas Gutes.

Man denkt nach,

man liest, man diskutiert,

man misst den Wert der Dinge.

Ich habe Pläne, Randal. Revolutionäre Pläne.

Ich habe Helfer, gute Freunde, die auf mich warten.

Wir gehen auf die Barrikaden. Wir schlagen los.

- Auf die Barrikaden? - Die Welt kennt nur die Sprache der Gewalt.

Wir werden es ihr zeigen, werden sie verändern,

sie umgestalten, sie zur Menschlichkeit zwingen.

- Findest du die Welt gut, so wie sie ist? - Nein.

Dann müssen wir uns ans Werk machen.

Du, ich und die Kameraden.

Eh wir anfangen,

muss die verfaulende bürgerliche Gesellschaft beseitigt werden.

Durch Verbreitung von Angst. Durch Anschläge, systematisch!

Ich muss mich vor der Gewalttätigkeit in Acht nehmen. Sie ist da, immer.

Sie soll mich nicht kriegen.

So habe ich früher auch gedacht:

immer anständig sein, menschlich.

Bis mir die Augen geöffnet wurden.

Du wirst das auch mal so sehen.

Sie sind grausam.

- Ich fürchte sie nicht. - Gib nicht so an.

Solange man Geld hat, ist alles leicht.

Das kenne ich.

Lohnt es sich?

Nicht sehr. Nur Aktien.

Da bin ich besser dran.

Hier, wir teilen brüderlich.

Liebe Freunde! Sie kennen mich gut!

Das schenke ich dir. Als Souvenir.

Ich habe noch eins.

Ich sage es so, wie es ist:

Ich nenne unsere Regierung ein ausgemachtes Gaunerpack!

Man wird mich mit Schimpfworten überhäufen,

aber Worte interessieren mich nicht.

Mich interessieren nur die Fakten.

Welche Tatsachen?

Sie sind Ihnen genauso gut bekannt wie mir:

Unsere Gesellschaft ist aus den Fugen geraten.

Wir sehen sie einstürzen, die Pfeiler, die sie früher stützten:

die Familie, die Tugend,

das Eigentum, das Vaterland.

Eine Gesellschaft, an deren Wurzeln

schon die Würmer nagen.

Ausländer, internationale Freimaurer

und jene sozialistischen Schreihälse, die in der Nationalversammlung herumstänkern

und aus dem Parlament einen Debattierklub machen wollen,

eine Parteizelle.

Und was tut die Regierung gegen die Bedrohung unseres Vaterlandes?

Sie tut nichts!

Wir stehen am Rande des Abgrunds!

Noch ein Schritt und wir stürzen hinunter!

Ich denke nicht daran, offenen Auges ins Verderben zu rennen.

Ich sammle alle meine Kraft,

um den entscheidenden Schritt rückwärts zu gehen.

Ich sage es frei heraus:

Ich wende mich der Vergangenheit zu.

Sie ruft uns ins Gedächtnis, was Ehre, was Vernunft heißt!

Hätte ich Dynamit, würde ich sie alle in die Luft sprengen.

- Ich würde dich daran hindern. - Was?

Weil eine Frau dabei ist, die ich sehr mag.

So sentimental?

Kommt vor.

Ich glaube dich zu kennen. Du hast Kraft

und bist kalt wie ein Eisblock.

Leute wie dich können wir brauchen.

Machst du mit?

Abgesehen von unserem Vergnügen, dem echten,

das wir verbergen...

- Können wir für irgendwas kämpfen? - Ja.

Ich werde dich überzeugen.

Komm, wir müssen gehen.

- Riechst du das? - Nein.

Nicht?

Gold.

Ein etwas saurer Geruch. Schwer.

Wie im Treibhaus. Hier muss Gold sein.

Na also.

Siehst du? Hier.

Zeit zu verschwinden. Du zuerst.

- Ich bringe Sie zum Bahnhof. - Danke.

Jean-François!

Randal. Randal, hör auf!

Es ist einer von uns, Randal. Von der Polizei! Hör auf!

Zu Hilfe! Zu Hilfe!

Ich bin bestohlen worden!

Mein Geld ist gestohlen! Ein Dieb!

Haltet ihn! Nehmt den Dieb fest!

In dem Jahr nach Cannoniers Tod häuften sich die politischen Attentate.

Überall wurden Bomben geworfen. Sogar in der Deputiertenkammer.

Einige unserer Freunde waren zu den Anarchisten übergegangen.

Viele wurden verhaftet.

Die Polizei verfolgte uns.

Die Leute schlossen sich zuhause ein.

Der Beruf wurde sehr schwierig.

Broussaille hatte inzwischen geheiratet, London verlassen und mir ihr Haus gelassen.

Ich arbeitete weniger. Das Herz war nicht mehr dabei.

Frankreich mussten wir meiden.

Da steht jemand vor der Tür.

Warte.

Charlotte!

Charlotte.

Danke, Madame.

Was du alles bei dir hast. Was willst du damit?

Das ist mein Notbesteck.

Handbohrer und Bohreinsätze.

Wie ein Chirurg.

- Ein richtiger Beruf, das Einbrechen. - Ja.

Und ein schwieriger dazu.

Was ist das? Hast du dich tätowieren lassen?

Eine Spezialität von Antoine.

- Er macht nur Fesselballons. - Grauenhaft.

- Ist das für immer? - Ich fürchte ja.

Eine Tätowierung lässt sich nur Stich für Stich entfernen.

- Mit Frauenmilch. - Du machst dich über mich lustig.

Keineswegs.

Du bist schmal geworden. Da ist eine Falte.

Wie konnte ich nur ohne dich leben?

Dasselbe frage ich mich auch.

Viel Mühe hast du dir nicht gegeben, mich wiederzufinden.

Ich dachte, du wolltest von mir nichts wissen.

- Ich wollte, dass du mitkommst. - Ja, ich weiß.

Glaubst du, es war lustig?

Allein bei Vater, der kein Wort spricht.

Meine Freundinnen sind verheiratet, das Haus leer.

Ich ging nicht mehr aus und sah keinen Menschen.

- Du bist selbst schuld. - Oh nein!

- Doch! - Nein! - Doch! - Nein!

Du warst nicht leicht zu finden, weißt du?

Ich bin schon seit einer Woche in London.

Dein altes Kindermädchen wollte mich nicht ins Haus lassen.

- Woher hattest du meine Adresse? - Von La Margelle.

Ein merkwürdiger Mann, nicht?

- La Margelle. - Warum lachst du?

Ist er etwa auch ein Dieb?

Nein, sag bloß!

Willst du mich?

Behältst du mich?

Soll ich meine Koffer holen?

Ich weiß nicht, ob sich dein Vater geändert hat,

aber du bist immer noch dieselbe.

Hat dein Vater dich nicht gefüttert?

- Der hatte Besseres zu tun. - Ah ja.

Onkel Urbain und seine Frauenzimmer.

Ich sah sie kommen und gehen. Alle Typen.

Am Anfang fand ich das ganz amüsant.

Ich beobachtete sie und gab ihnen Noten.

Und er? Machte es ihm Spaß?

Er hatte jede bald satt und schmiss sie raus.

Und plötzlich...

wurde er bösartig und alt.

Eines Morgens erschien Geneviève, mit großem Gepäck.

- Ich glaube, ihr kennt euch. - Ja.

Sie ist nicht wie die anderen.

Sie hat sowas Bestimmtes.

Sie richtete sich gleich häuslich ein, stellte die Möbel um,

wollte ein eigenes Badezimmer, Diamanten...

Papa gab ihr alles.

Sie versuchte, mich einzuwickeln, machte mir Geschenke.

Von dir hat sie auch gesprochen.

- Was hat sie gesagt? - Dummes Zeug.

Sie stellte Fragen.

Einmal habe ich sie geohrfeigt. Das hätte ich lassen sollen.

Aber es war alles furchtbar. Ich wollte weg von Zuhause.

Salut.

Wiedersehen, Georges.

Charlotte blieb bei mir in London und ich ging meinen Geschäften nach.

Ich bin völlig fertig.

Diese neumodischen Anlagen machen einen ganz verrückt.

Immer mit der Ruhe, Roger. Nicht nervös werden.

Ich kann nicht mehr. Ich bin am Ende meiner Kraft.

Es ist alles zu gefährlich geworden. Ich steige aus.

- Das sagst du so. - Bei meiner Mutter!

Broussaille ist versorgt, ich habe, was ich brauche,

ich ziehe mich nach Venedig zurück und mache ein Geschäft auf

und sichere jedes Türschloss durch Kanonenschläge.

- Ist er tot? - Nein, er atmet noch.

In jener Nacht sind wir nur knapp entkommen.

Und dann kam der Sommer.

Roger zog sich tatsächlich zurück.

Ich verreiste mit Charlotte.

Die beiden haben mir Glück gebracht.

Zum ersten Mal.

Eine Woche später rief uns ein Telegramm nach Paris.

Mademoiselle Charlotte, Monsieur Georges.

Monsieur liegt im Sterben, er kann nicht mehr sprechen.

- Wo ist er? - Im Arbeitszimmer.

- Wir durften ihn nicht anrühren. - Was sagt der Arzt?

Dass er die Nacht nicht übersteht.

Kam das überraschend?

Ganz plötzlich.

Ein Schlaganfall vor zwei Tagen.

Lassen Sie uns bitte allein.

Marie-Jeanne, begleite Madame auf ihr Zimmer.

Georges und ich werden bei ihm bleiben.

Eigenartig.

Mein ganzes Leben hatte ich vor ihm Angst.

Ich fürchtete mich, ihn wiederzusehen.

Nun macht es mir nichts aus.

Fast nichts.

Es ist so, als wäre er schon tot.

Er kann uns verstehen.

Das ist mir gleich.

Ich nehme an, dass er uns beide enterbt hat.

Wahrscheinlich.

Wenn man an sein Testament käme...

Wo könnte es sein?

Beim Notar?

Er hat bestimmt eine Zweitschrift gemacht, wie ich ihn kenne.

Hier.

Das wird es sein.

Genau.

6200 Aktien, drei Prozent, das Grundstück in Ville d'Avray.

Ich hatte Recht. Er vermacht alles dem Institut Pasteur.

Sei unbesorgt. Ich schreibe ein Neues.

Ist das möglich?

Ich habe schon einige Fälschungen gemacht.

Darauf verstehe ich mich.

Ich werde die Todesanzeige aufsetzen. Willst du einen Kaffee?

Nein, jetzt nicht, vielen Dank.

Bitte machen Sie ruhig weiter.

Wahrhaftig.

Der Teufel hat ihn schon halb im Rachen.

Soll er ihn nur ganz verschlingen.

Das Talent haben Sie mir verschwiegen.

Zum Verwechseln ähnlich.

Eben ist mir Mme Delpich begegnet.

Leicht bekleidet, wie immer.

- Vermachen Sie ihr etwas? - Nein.

Mein Onkel hat es nicht für richtig gehalten

und ich werde seinen Willen respektieren.

Oh, ich mache mir keine Sorgen um Sie.

Ich kenne einen ehrbaren Österreicher, der sehr verliebt in sie ist.

Er würde sie sofort nehmen.

Was macht Ihre Stiftung, Abbé?

Meine Kirche ist erst in der Planung.

Die Zeiten sind hart.

Mein Onkel wird Ihnen unter die Arme greifen.

Dafür sei ihm gedankt.

Sie sprechen immer von Ihrer Kirche.

Was machen Sie wirklich mit all dem Geld?

Wenn ich es Ihnen sagte, würden Sie es mir nicht glauben.

Haben Sie an alles gedacht?

Das Datum?

Schon geschehen.

Stiften Sie ihm ein Begräbnis erster Klasse?

Nein.

Mein Onkel wünscht ein Armenbegräbnis.

O beispielhafte Bescheidenheit.

- Das wird die Trauergemeinde erbauen. - Trauergemeinde? Sie scherzen wohl.

Eine Beerdigung in aller Stille.

Eine Beerdigung in aller Stille? Das verschlägt mir die Sprache.

Wie unbarmherzig.

Ich glaube, jetzt wird es ernst.

Ja, es ist vorbei.

Es ist vorbei.

Aber der Tod allein macht nicht alles wieder gut.

- Sollen wir das Personal verständigen? - Moment, ich bin gleich fertig.

Ja?

Verzeihen Sie bitte, haben Sie kurz Zeit?

Für Sie, Madame? Aber selbstverständlich.

Sind Sie nicht verheiratet?

Ich war verheiratet, Abbé.

Ich habe die Ehe gebrochen.

Vielmehr... wurde ich dazu gezwungen.

Es war Georges Randal.

Sie vertrauen ihm und halten ihn für ehrlich?

Er ist ein Dieb.

Nicht möglich!

Ein Dieb?

Von der schlimmsten Sorte.

Ich bin überzeugt, dass er mich um mein Erbe betrügen will.

Mich, die ich mich für seinen Onkel aufopferte.

Er bestiehlt mich.

Nachdem er mich meinem Mann gestohlen hat.

Sie Mr Delpich gestohlen?

Wie war das möglich?

Eines Abends in Valenciennes.

Ich saß in meinem Zimmer, plötzlich stand er vor mir und zog die Pistole.

Ich saß halbnackt da.

Ich musste mich aufs Bett legen, er drohte mich zu töten, wenn ich schreie.

Dann tat er mir Gewalt an.

Dann brach er meinen Schreibtisch auf und fand die Briefe meiner Mutter.

Es ist ein beschämendes Familiengeheimnis.

Meine Mutter hatte einen Geliebten.

Randal versuchte es sofort mit Erpressung:

"Gehst du nicht mit, verrate ich alles deinem Vater."

Das konnte ich meiner Mutter nicht antun.

So verließ ich meinen Mann, den ich über alles liebte.

Ich wage nicht zu schildern, was ich seitdem alles tun musste.

Es ist eine Schande.

Dieser Halunke! Ich lasse ihn sofort verhaften.

Himmel, daran habe ich nicht gedacht. Das ist ja unmöglich.

Warum?

Er hat doch die Briefe Ihrer Mutter.

So ist es doch. Ich fürchte, wir sind machtlos.

Wenn Randal verhaftet wird,

- erfährt Ihr Vater alles. - Ja, natürlich.

- Was soll ich machen? - Madame.

Sie lebten in einem Sündenpfuhl.

Haben Sie sich trotzdem religiöse Gefühle bewahrt?

- Oh ja! - Bravo!

Nichts ist wichtiger als das.

Haben Sie alles mitgekriegt? Ich riet ihr, in ein Kloster zu gehen.

- In ein Männerkloster? - Gar nicht witzig.

Sie merken wohl nicht, dass sie verrückt ist.

Wie all die anderen.

Sie würde sich ins Wasser stürzen, um dich zu retten.

Und im nächsten Moment könnte sie dich aufs Schafott schicken.

Mein Gott, wie ist das Leben kalt und lieblos.

Die Welt ist voll von Verrückten.

Und Narren.

Es nimmt einem allen Lebensmut.

Dieser Ekel vor den anderen, vor der Welt

und vor sich selbst.

Wozu hat der Mensch ein Herz?

Was ist denn Abbé?

Ich werde nicht zur Beerdigung Ihres Onkels kommen.

- Ich fahre weg. - Wohin?

Nach China.

Warum nicht?

Ich möchte mal erleben, wie eine fixe Idee Wirklichkeit wird.

Ich habe keine Idee,

geschweige denn ein Ziel.

Und Sie?

Ich nehme an, Sie geben auf. Wie Roger.

- Würde Sie das wundern? - Nein.

Der Beruf stirbt aus, alles geht zugrunde.

Außerdem ist Ihr Ehrgeiz inzwischen befriedigt.

Nein.

Nein?

Ich wollte nie etwas anderes erreichen,

- als das Unmögliche. - Sie auch!

Ah, die Stunde, wo uns einer geboren würde.

Zum Beispiel einer von Ihrer Art.

Nur mit mehr Selbstvertrauen.

Sie bringen mich da auf Gedanken.

Es ist zu traurig.

Ich würde vorschlagen, wir feiern die Erbschaft mit einem guten Frühstück.

Das ist der ehrbare Österreicher.

Mme Delpich geht also nicht ins Kloster.

Schade um sie.

Zum Schluss möchte ich Ihnen noch sagen, wie glücklich ich bin,

dass sich Ihr Vater besonnen hat und der Stimme seines Herzens folgte.

In meiner Kanzlei ist ein Testament, in dem er sie enterbte.

Das ist jedoch ungültig, nachdem er eigenhändig ein zweites verfasst hat.

Wie sagt man? Ende gut, alles gut.

Nur eins verstehe ich nicht. Warum ein Armenbegräbnis?

Aber natürlich muss man seinen letzten Willen respektieren.

Ich begleite Sie hinaus, Herr Notar.

Auf Wiedersehen, Herr Notar. Und vielen Dank für Ihre Mühe.

Georges! Georges!

- Hier bist du! - Du bist jetzt ein reiches Mädchen.

- Der Notar hat nichts gemerkt. - Reizender Herr, der Notar.

Anfang Juli fährt er in den Urlaub.

Sein Personal ist in der ersten Woche auch nicht im Haus.

Er hat Sicherheitsschlösser, aber noch keine Alarmanlage.

- Wollen wir ans Meer fahren? - Wie die reichen Leute.

Den ganzen Juli?

Da vergisst man den Notar,

seinen Geldschrank und seine Sicherheitsschlösser.

Georges, ich wäre so glücklich.

Wenn du brav wirst, brauche ich keine Angst um dich zu haben.

Nein.

Ich soll brav werden? Für immer?

Ich möchte es.

Mein Leben wird weitergehen, Charlotte. Wie bisher.

Ich habe nicht vor, es zu ändern.

Deine Freunde haben alle aufgehört.

Mag sein.

Aber ich werde es nicht können.

Bist du so schwach?

Es ist stärker als ich.

Bei den Montareuils war es mir am Anfang gar nicht bewusst.

Aber als ich dann vor dem Sekretär stand und den Schmuck im Dunkeln schimmern sah,

da fühlte ich eine magische Gewalt.

Zuerst wollte ich mich nur an deinem Vater rächen.

Aber dann wurde es mein Schicksal.

Ich lebte.

Ich war erfüllt, schwer.

Voller Freude.

Ich komme nachts in ein unbekanntes Haus.

Alle schlafen.

Und ich bin da.

Ich öffne Geldschränke und Kassetten.

Da fühle ich mich wie neugeboren.

Und was ist dann?

Was dann ist?

Nichts.

Ich bin wie ausgebrannt.

Ich warte

auf das nächste Mal.

Warte, dass es wieder beginnt.

Ich brauche dich, Charlotte.

Dir darf ich sagen, wie einsam ich bin.

Paris.

ENDE

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