All language subtitles for I.wie.Ikarus.1979.German.1080p.BluRay.x264-DOUCEMENT

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Original subtitles

Diese Geschichte ist vollständig wahr,

denn ich habe sie von vorn bis hinten erfunden.

BORIS VIAN (Der Schaum der Tage)

I WIE IKARUS

Ja?

Ja.

Viele Leute haben sich heute vor dem Regierungspalast versammelt,

um die Ankunft des Präsidenten Marc Jary zu erwarten.

In dieser feierlichen Atmosphäre wird gleich der Konvoi des Präsidenten

in der begeisterten Menge auf dem Victoria Boulevard eintreffen.

Präsident Jary begibt sich dann in den Kongresssaal,

wo er den Eid schwören wird, der ihn zum zweiten Mal

für die nächsten 6 Jahre zum Staatsoberhaupt macht.

Erinnern Sie sich an den 23. April!

Marc Jary wird gleich von seiner Wiederwahl erfahren.

Er schlug seinen Gegner um nur 300 000 Stimmen.

Film ab!

Beschreiben Sie Ihre politischen Pläne für die nächsten Jahre!

Bernhard Shaw sagte mal:

"Manche Menschen sehen die Dinge, wie sie sind,

und fragen: Warum?

Andere träumen von Dingen, die es noch nie gegeben hat,

und fragen: Warum nicht?"

Ich versuche, zur 2. Gruppe zu gehören. - Danke!

Fahrt los! Lasst sie durch!

Man hat auf Jary geschossen!

Nein, kein Rankommen. Er fährt mit dem Krankenwagen.

Weiter! - Da oben! Ich sah ihn vom Dach schießen!

An alle Einheiten! Block 244B! Der Schütze ist auf dem Dach. Blockiert die Ausgänge!

Machen Sie die Treppe frei!

Justizdirektion Oberstes Gericht

Pressemitteilung:

"Ein Untersuchungsausschuss wurde beauftragt,

einen umfassenden Bericht zu erstellen

über die Umstände des Todes von Präsident Marc Jary.

Unter Vorsitz von Fréderic Heineger, Präsident des Obersten Gerichts,

besteht diese Kommission aus:

Hugues Adler, Chef des Geheimdienstes und der Staatssicherheit,

Robert Picart, dem Justizminister,

Albert Philippe, Senator,

General Anthony Baryn vom Verteidigungsschutz

und Generalstaatsanwalt Henri Volney.

Die Untersuchungen sind nach über einem Jahr abgeschlossen.

20 000 Zeugenaussagen, 30 Ordner mit Darstellungen, Anlagen und Beweisen.

Insgesamt 682 Seiten.

Dieser Bericht wird dem Staatschef vorgelegt

und bald veröffentlicht werden.

Der Bericht zieht folgende Schlüsse:

1. Präsident Jary wurde von drei Kugeln getötet,

abgefeuert aus einer Winchester Magnum mit Kaliber.338.

2. Der Mörder heißt Karl-Eric Daslow. Er handelte vorsätzlich.

3. Karl Daslow war ein labiler Neurotiker und Einzelgänger.

4. Daslow war ein Einzeltäter.

Es wurden keine Beweise für Komplizen oder eine Verschwörung gefunden.

5. Bei seiner Verhaftung verübte Daslow Selbstmord.

Gezeichnet, Kommission Heiniger.

Danke, Madame Lapierre.

Sind Sie mit der Pressemitteilung einverstanden?

Vollkommen. - Würden Sie dann bitte das Dokument unterzeichnen?

Es tut mir außerordentlich leid,

aber ich kann den Bericht nicht unterschreiben.

Kamera zwei auf Mr. Volney!

Achtung, noch 20 Sekunden!

Die Fotografen werden gebeten, sich auf die Presseplätze zu begeben!

Achtung, noch 5 Sekunden!

Guten Abend. Heute um 16 Uhr erreichte alle Fernschreiber der Welt

eine unerwartete und sensationelle Meldung:

Ein Mitglied der Kommission Heiniger weigerte sich,

den Bericht über das Attentat an Präsident Jary zu unterzeichnen.

Dieser Mann ist der Generalstaatsanwalt Volney,

der heute Abend bei "Ein Mensch - ein Ereignis" unser Gast ist.

Mr. Volney, Sie haben heute Abend Schlagzeilen gemacht.

Sie werden jetzt Fragen von 5 Mitgliedern Ihrer Kommission,

die der hier versammelten Pressevertreter

und die der Bürger unseres Landes beantworten,

die jederzeit im Studio

unter der Nummer 7 777 77 anrufen können.

Fréderic Heiniger,

Sie sind Präsident des Obersten Gerichts und Vorsitzender der Kommission.

Daher möchte ich Sie bitten, die Debatte zu eröffnen.

Ich habe eine einfache Frage an Mr. Volney.

Sie tagten ein Jahr lang mit uns,

nahmen aktiv an den umfassenden Untersuchungen teil,

und kein einziges Mal

äußersten Sie Missfallen oder Dissenz.

Daher frage ich: Warum heute?

Für mich bestand das vergangene Jahr aus Ermittlungsarbeit.

Ich hatte keinen Grund, sie zu missbilligen.

Doch bin ich mit den Schluss- folgerungen nicht einverstanden.

Bitte!

Bitte, ich bin noch nicht fertig.

Ich habe eine Frage an Präsident Heiniger.

Eine einfache Frage. - Bitte sehr.

Stimmt es, dass die höchste Instanz des Landes

Sie zu Beginn der Ermittlungsarbeit bat

- ich fasse zusammen:

"Sorgen Sie bei Ihren Untersuchungen dafür, dass Daslow als Einzeltäter dasteht,

ohne Komplizen oder eine Verschwörung.

Ich habe keine Lust auf einen dritten Weltkrieg."

Haben Sie diese Anordnung erhalten? Ja oder nein?

Herr Präsident,

darf ich Ihnen helfen?

Sie könnten sagen, dass Sie nie eine solche Anweisung bekommen haben.

Wenn ich Ihnen nicht das Gegenteil beweisen könnte,

würde sich alles gegen mich wenden.

Oder Sie behaupten, ich hätte das alles erfunden.

Aber dann werde ich das Dokument vorweisen, das das Gegenteil beweist,

und alles wird sich gegen Sie wenden.

Präsident Heiniger, gehen Sie das Risiko ein?

Ja.

Ich habe diese Anordnung erhalten.

Ich meine, diesen Vorschlag...

oder Wunsch, um genauer zu sein.

Aber ich schwöre, ihm nicht nachgekommen zu sein.

Vielen Dank.

Also haben wir auf einer Seite die korrupten Unterzeichner,

und auf der anderen den Verfechter der Gerechtigkeit.

Nein. Die Mitglieder der Kommission sind ehrenhafte Leute.

Sie sind seriös und von vorbildlicher Rechtschaffenheit.

Alle waren sich der Bedeutung ihrer Aufgabe bewusst.

Ihre Wertschätzung ist schmeichelhaft.

"Sie alle sind sehr gute Männer, aber..."

Aber was? Was werfen Sie der Kommission Heiniger vor?

Was ich der Kommission vorwerfe, ist...

Ich würde sagen, eine gewisse Geisteshaltung.

Wir suchten "die Wahrheit, und nichts als die Wahrheit."

Insgeheim hofften wir alle, dass sie unseren Wünschen entspricht.

Und so wurde aus Wunsch Wahrheit.

Eine gute, kleine Wahrheit, die beruhigend ist und keinem wehtut.

Eine Wahrheit, die Gerüchte zerstreut und unser Image intakt lässt.

Welche Gerüchte meinen Sie? Wovor sollten wir Angst haben?

Vielleicht davor, zugeben zu müssen, dass wir eine Nation sind,

in der politische Probleme durch Mord gelöst werden.

Das ist inakzeptabel!

Ich möchte mich zurückziehen

vor diesen Beleidigungen gegen die Ehre unseres Landes.

Setzen Sie sich!

Die Wahrheit kennt weder Ehre noch Land. Sie ist, wie sie ist.

Jack Turner von France Presse!

Habe ich recht verstanden: Sie glauben nicht an Daslows Schuld?

Mr. Turner, Sie sind schneller als ich.

Nach einem Jahr Ermittlung heißt es:

1. Dass Daslow Präsident Jarys Mörder ist.

Ich denke: Möglich ist es.

2. Dass er vorsätzlich handelte.

Ich denke: Vielleicht.

3. Dass Daslow verrückt ist.

Ich denke: Das wird nirgends bestätigt,

denn im Bericht gibt es für diese Annahme keine Beweise.

Hat er also gemordet, weil er verrückt war,

oder erklären wir ihn für verrückt, weil er gemordet hat?

4. Es heißt, Daslow hätte es an Nestwärme gefehlt.

Er wäre labil und menschenscheu gewesen,

und wollte einen Platz in der Geschichte haben.

Auf der Welt gibt es etliche Menschen, auf die das zutrifft,

die aber nie auf unseren Präsidenten schossen.

5. Es heißt, Daslow war ein Einzeltäter.

Dazu kann ich nichts sagen.

6. Heißt es, Daslow habe sich umgebracht.

Warum nicht?

Kurz: Konfrontiert mit sechs Behauptungen hege ich heute sechs Zweifel.

Roberto Livio, Corriere della Sera! - Nicht alle auf einmal!

Ruhe, bitte!

Unsere Leitungen sind blockiert. Hören wir doch eine Zuschauerfrage.

Nicht mehr anrufen, bitte!

Spreche ich mit einem Mann oder einer Frau?

Wie viele andere Bürger dieses Landes

mochte ich Präsident Jary sehr.

Ich frage mich, was wird jetzt geschehen?

Präsident Heiniger, antworten Sie?

Artikel 4 der Satzung unserer Kommission besagt:

Wenn eines der 6 Mitglieder den Bericht nicht unterschreibt:

Wird die Kommission aufgelöst

und derjenige, der nicht unterschrieb, darf die Ermittlungen neu aufrollen.

In unserem Falle ist dies Generalstaatsanwalt Henri Volney.

Gute Nacht, Pierre.

Sie waren großartig! Respektvoll, Charly, Vernon, Max, Bob.

Karl-Eric, mein Mann

Ich glaube, er hat im Büro übernachtet.

Wieso? - Ich war heute sehr früh da und er rasierte sich gerade.

Bitte sehr.

Ich möchte Ihnen sagen...

wie sehr ich es schätze, dass Sie auf meiner Seite sind. Danke.

Ist das alles? - Ja.

Es stammt von der einzigen Fernsehkamera,

die beim Attentat den Konvoi filmte.

Im allgemeinen Trubel löste sich ein Kamerakabel.

Nach 3-4 Minuten fand man die Stelle,

aber als sie wieder lief, war alles vorbei.

Alles geschah während der Panne. - Verstehe.

Die Kamera zeichnete später noch etwas auf. Wollen Sie es sehen?

Aber ja!

Dann sendete man das Testbild und verkündete das Attentat. Das war's.

Max, zeigen Sie noch mal das letzte Stück!

Anhalten!

Wir müssen diesen Mann finden!

Wenn er einen Film in der Kamera hatte, hat er das Attentat gefilmt.

Prüfen Sie alle Kopierwerke

und finden Sie Name und Adresse des Mannes heraus.

In Ordnung. Wenn ich recht verstanden habe,

ist das meine Aufgabe? - Das ist das Privileg des Alters.

Wir schalten einen Presse-Aufruf.

"Wir suchen Amateurfilme vom Attentat auf Präsident Jary.

Schicken Sie sie an: Staatsanwalt Henri Volney, Postfach 405."

Fügen Sie "gegen Belohnung" hinzu.

"Hohe Belohnung".

Wir sehen die Filme nie an, alles läuft automatisch.

An einem Ende der Maschine die Negative,

und am anderen kilometerweise Taufen, Hochzeiten,

Jubiläumsfeiern, Ferienerinnerungen.

Fertig zum Versand.

Der Aufruf zeitigt Wirkung.

Heute kamen schon 5 Filme, in 8 mm, Super-8 und 16 mm.

Ein Tonfilm und vier stumme.

Bob!

Mach weiter so, mein Alter!

2800 Labore sind doch nicht die Welt!

Hier?

Es läuft.

Wir erleben einige große Kinomomente.

Jetzt kommt der 16 mm Film.

Wenn Sie das Folgende interessiert, rufen Sie Mr. Sanio unter 8463742 an.

Der hat Sinn für Spannung.

Auf jeden Fall hat er Geschäftssinn. Charly!

Mr. Sanio? - Ja, Robert Sanio.

Das hier ist Mr. Keller, mein Anwalt.

Guten Tag. Kommen Sie!

Nehmen Sie Platz.

Also, Mr. Sanio, wie viel?

Es ist so... Meine Frau meinte,

wenn ich den Film weggebe, hab ich ihn nicht mehr.

Und wir hängen sehr an dem Film...

Wie viel, Mr. Sanio?

200? - 2000!

Wir wollen es der Krebsforschung spenden.

Ihre Selbstlosigkeit ist bewunderungswürdig.

Außerdem müssten Sie meinem Klienten dafür auf die Hand...

25 000 zahlen.

Sie sind der teuerste Filmemacher des Landes!

Gehen Sie damit ins Zimmer 412. Man kümmert sich dann darum.

Weil ich ehrlich bin, möchte ich noch hinzufügen...

Ich habe den Film vor einem Jahr verkauft. Gleich danach.

An wen? - Das habe ich vergessen.

Aber er wurde nie öffentlich gezeigt.

Nicht, dass Sie denken, ich....

Gut.

Ich habe eine Kopie gezogen.

Vielleicht auch zwei?

Hören Sie auf zu filmen! - Ducken Sie sich!

Hören Sie auf!

Spielen Sie den Film noch mal rückwärts ab.

Stop. Bitte noch mal vorwärts!

Stop!

Merkwürdig.

Finden Sie nicht auch?

Die erste Kugel erwischt den Präsidenten von vorn.

Und in dem Moment schauen alle in die entgegengesetzte Richtung.

Vielleicht hat sie jemand gerufen.

Genau. Als man vor ihren Augen den Präsidenten erschießt,

ruft jemand "Hey, Charly",

und alle drehen sich dorthin um, von wo der Ruf kam.

Sie haben offenbar etwas gehört,

aber sicher nicht "Hey, Charly".

Weiter, Max!

Hier wird Sanio angerempelt, aber er dreht weiter.

Halt, spielen Sie das noch mal ab.

Wenn ich "Halt" sage, zeigen Sie es bitte Bild für Bild.

Jetzt langsamer!

Und halt!

Das ist der, zu dem sie alle hinsehen! Eindeutig!

Vergrößern Sie das Bild und finden Sie die 7 Männer und 2 Frauen!

Das wird nicht leicht. Max und Charly, Sie haben freie Hand.

Vernon, wir sehen uns das Haus mal an.

Ein schönes Büro, aber leider seit über einem Jahr nicht vermietet.

Das Telefon ist tot, Sie können in der Halle telefonieren.

Wollen Sie es mieten? - Nein, nicht ganz.

Dieses Büro gehörte der "Transcontinental Import-Export".

Ja, aber eines Morgens waren sie verschwunden.

Weil sie 8 Monate im Voraus gezahlt hatten, war der Vermieter nicht beunruhigt.

Ich habe da so meine Theorie...

Von hier aus wurde auf den Präsidenten geschossen! - Nein!

Die Leute von der Transcontinental waren besonders freundlich.

Die wollten ihren Sitz nicht an dieser Adresse haben.

Der Beweis? Am nächsten Tag waren sie weg.

Was meinen Sie mit "besonders freundlich"?

Sie legten mir einen Umschlag in mein Fach.

Mit vier...

Mit einem sehr schönen Geschenk.

Denken Sie drüber nach.

Halt! Für Sie! - So war das nicht gemeint. Danke.

Ich lasse den Schlüssel da. Bringen Sie ihn mir nachher.

Ich rief beim Handelsregister an.

Die "Transcontinental Import-Export" existiert nicht.

Es ist eine Phantomfirma. - Wie die Büros im 2. Stock,

die nur für einen zweiten Schützen gemietet wurden.

Zwei Schützen... Das ist schon eine Organisation.

Ein Schütze ist also auf der Terrasse - Daslow.

Und der zweite hier, im 2. Stock.

Aber als die 9 Zeugen sich umdrehten, sahen sie nicht zur Terrasse.

Sie schauten auf dieses Fenster im 2. Stock.

Denn von hier wurde der Schuss abgefeuert.

Aber das ist merkwürdig, oder?

Im Heiniger-Bericht kommen die 9 Zeugen nicht vor.

Es wird nur ein gewisser Nicky Farnese erwähnt, der in der Menge stand.

Er wies auf Daslow auf der Terrasse und rief,

ich zitiere:

"Da oben! Ich sah ihn schießen! Ich habe es gesehen!"

Danke, dass Sie gekommen sind, Mr. Farnese.

Ihr Mitarbeiter meinte, es dauert nicht lange.

Meine Frau passt auf den Laden auf.

Wir wollen nicht Ihre Zeit verschwenden.

Sagen Sie... Am Tag des Attentats

sahen Sie einen Mann von der Terrasse dieses Hauses schießen?

Ich sah ihn deutlich.

Und wo standen Sie genau?

Ich bin sehr früh hergekommen.

Ich saß dort.

Auf diesem Hydranten, um genau zu sein.

Sind Sie sicher? - Absolut!

Ich saß hier genau so.

Ein Polizist meinte, dass man sich nicht darauf setzen dürfe.

Mir erschien das ganz schön albern.

Also blieb ich sitzen und konnte alles beobachten.

Geben Sie mir Ihre Brille!

Danke.

Sagen Sie mir, was auf der Tafel dort steht!

Alles vernebelt.

Ich bin kurzsichtig.

Trugen Sie die Brille am Tag des Attentats, als Sie riefen "Da oben ist er!"?

Natürlich! Ich habe sie immer auf!

Dieses Bild wurde am Tag des Mordes gemacht.

Das sind Sie, oder?

Ja, stimmt.

Aber da tragen Sie keine Brille.

Ich hatte sie nicht mehr.

Jemand rempelte mich an, die Brille fiel runter und war kaputt.

Sie musste repariert werden. Wollen Sie die Rechnung sehen?

Aber als ich den Mörder sah,

war meine Brille noch ganz. Da bin ich mir ganz sicher.

Sehen Sie jetzt die Terrasse?

Sehen Sie hin!

Am Tag des Mordes stand dieser Übertragungswagen genau hier.

Na und?

Ich sagte, dass ein Mann mit Gewehr auf der Terrasse war.

Als die Polizei nach oben ging, fand sie genau das vor:

Einen Mann mit Gewehr. Ich habe nichts erfunden!

Also?

Also nichts, Herr Farnese.

Gehen Sie zurück zu Ihrer Frau und Ihrem Geschäft.

Ich bin Pierre Gregory. Das ist Stan, unser Scharfschütze.

Sie fanden damals Daslows Gewehr und die Patronen?

Ja, es war genau hier.

Das war also die Position der Patronenhülsen.

Und Sie sind sich sicher? - Ich bin sehr genau.

Bevor wir etwas anfassten, machte Agent Lombard ein Foto.

Ich habe es mitgebracht.

In Ordnung.

Sehr gut. Legen wir los.

Gregory an Lombard. Wir sind bereit.

Alles im Umkreis von 1km um die Zielscheibe ist abgesperrt.

Wir sind bereit. Ende!

Ihre Patronenhülsen sind nicht so diszipliniert wie die Daslows.

Bitte noch ein Mal.

Wie erklären Sie sich das?

Dass drei Patronenhülsen exakt nebeneinander landeten.

Das ist ein wahres Wunder!

Danke, das war alles.

Und die neun Zeugen? - Wir haben sie fast alle.

Robert Kosheba, Marianne Delila,

Charles Polodi, Guillaume Gemenos,

Nicolas Rosenko, Ramon Kimenez,

Ursula Hoffman, Serge Levis.

Und ein Unbekannter.

Bravo!

Wir hatten mehr Glück als Verstand.

Sie hatten sich fast alle als Zeugen gemeldet.

Sie wollten vor der Kommission Heiniger aussagen.

Ich las keine Ihrer Aussagen im Bericht.

Das wäre mir aufgefallen.

Seite 198 des Berichtes:

"Die Kommission wies die Aussagen ab, weil sie als zu fantasievoll,

zu unseriös und voller Vorurteile eingeschätzt wurden.

Deshalb haben Sie die Aussagen nie gesehen.

Aber sie sind alle spontan zum Aussagen gekommen.

Alle, bis auf zwei.

Nicolas Rosenko, Journalist.

Er schrieb für ein Skandal-Wochenblatt.

Er schaffte es auf die Titelseite.

Nicht als Autor, sondern als Akteur.

Ja, bitte? - Hier ist der Sprecher der PLO.

Der Palästinensischen Befreiungsbewegung.

Worum geht es? - Hören Sie gut zu, ich wiederhole nichts.

Wir haben soeben Ihren Kollegen Nicolas Rosenko exekutiert.

Wir verurteilten ihn zum Tode, weil er ein infamer Propagandist im Solde Israels war.

Sie finden seine Leiche in Ihrem Parkhaus

im 1. Untergeschoss, Reihe 6.

Einige Stunden später dementierte die PLO, etwas mit dem Mord zu tun zu haben.

Die Polizei legte den Fall ad acta.

Dieser Tod ist bizarr, aber er erklärt, warum Rosenko nicht aussagte.

Vielleicht arbeitete Rosenko aber auch lieber auf eigene Faust.

Der Fall Daslow interessierte ihn sehr.

Das fand man auf der Rückbank seines Autos.

Aha.

"Keine Autopsie von Daslow. Warum?"

"Daslow erschoss sich mit einem Revolver?"

"Wem gehörte der?"

"Die Route des Präsidentenkonvois wurde erst in letzter Minute enthüllt."

"Woher kannte Daslow sie?"

Das sind gerechtfertigte Fragen.

"Sie kannten sich schon. Wer?"

Wenn Rosenko die Seite rausgerissen hat, war sie wohl wichtig für ihn.

Geben Sie mir mal Ihr...

Seite 147-148.

"Karl und ein italienischer Freund, Luigi Lacosta."

Ich will mehr über diesen Lacosta wissen.

Wer ist der Nächste?

Ursula Hoffman.

Sie kommt direkt vom Hafen und dem Rotlichtviertel Hamburgs...

Sie ist die Sinnlichkeit selbst.

Sie ist der Traum und die Liebe

in einer faszinierenden Nacktshow...

Hier ist Ursula Hoffman!

Ursula!

Bist du verrückt? Monique!

Dem Bericht zufolge brachte sie sich aus Liebeskummer um.

Ramon Kimenez, 33 Jahre alt.

Maler.

Es ist neun Uhr. Das weiß der Parkhauswächter genau.

Wie jeden Morgen um die Zeit fährt er ein Auto hinaus.

Vor dem Haus gibt ein Mann einem Passanten Feuer.

Es ist Ramon Kimenez.

Plötzlich geht es ihm schlecht.

Er taumelt und fällt auf den Fußweg.

Ein vorbeifahrender Krankenwagen nimmt den Mann auf.

Da ist es höchstens 9:05 Uhr.

Ramon Kimenez lebt noch.

Um 10:30 Uhr, das beweist der Eintrag im Pförtnerbuch,

kommt der Krankenwagen am Krankenhaus an.

In der Notaufnahme kommt auf der Bahre ein toter Mann an.

Herzversagen, stellt der Internist fest.

Keine Autopsie.

Es gibt Menschen, die an Herzversagen sterben!

Ja, aber in diesem Fall stimmt etwas nicht.

1 Stunde und 15 Minuten sind nicht dokumentiert.

Selbst bei einem großen Stau braucht man 15 Minuten,

um von der Garage bis zum Krankenhaus zu kommen.

15 Minuten!

Aber der Krankenwagen, der zufällig vorbeikam, brauchte 1,5 Stunden.

Was haben die Fahrer dazu gesagt? - Nichts.

Die Firma des Krankenwagen-Teams

wurde schnell von einer großen Firma geschluckt.

Natürlich haben sie die Personalakten der alten Belegschaft "verloren".

Marianne Delila,

Guillaume Gemenos,

Charles Polodi:

Drei Verkehrsunfälle.

Marianne Delila war eine gute Motorradfahrerin, sagen ihre Freunde.

Ein LKW fuhr sie an und beging Fahrerflucht.

Und die anderen? - Fast dasselbe.

Gemenos und Polodi verloren die Kontrolle über ihre Autos.

In allen Fällen kennt man die wahre Unfallursache nicht.

Serge Levis, 23 Jahre alt, alleinstehend,

arbeitete als Fotomodell.

Das hier ist er.

Er verschwand, obwohl er gerade Verträge unterzeichnet hatte.

Zwei Monate später fand man in einem Hotel seine Leiche

mit einer Kugel im Genick.

Robert Kosheba, 28 Jahre alt, Elektrotechniker.

Am 22. September will er in seiner Stammbar "Manhattan"

etwas trinken,

als die Rauschgiftfahndung eine Razzia durchführt.

Polizei! Keine Bewegung! Hände hoch!

Der Polizist, der ihn erschoss, sagte, es war Notwehr.

Er wurde verwarnt und versetzt.

Robert Kosheba war unbewaffnet.

Der starb sicher an der Maul- und Klauenseuche!

Er hat nie mit jemandem geredet.

Er ist der Unbekannte.

Wir wissen nicht, wer oder wo er ist.

Wir zogen einige Standbilder aus dem Film.

Ich wende mich an diesen Mann und alle, die ihn kennen.

Bitte kontaktieren Sie mich umgehend.

Generalstaatsanwalt Volney, 344 344 33.

Sie können diese Nummer Tag und Nacht anrufen.

Ich wiederhole: 344 344 33.

Wenn Sie der Mann auf dem Bild sind,

bitte ich Sie, uns so bald wie möglich anzurufen,

denn Sie waren Zeuge sehr wichtiger Ereignisse.

Es geht um Ihr Leben,

und um das derer, die Ihnen nahestehen.

Das war ein Aufruf von Generalstaatsanwalt Henri Volney,

den wir heute Abend immer wieder senden werden.

Franck, ruf da an! Du musst alles sagen.

Nicht schon wieder! - Bitte!

Es wäre dumm, das zu tun.

Man muss vergessen und vergessen werden.

Irgendjemand wird dich erkannt haben und ruft an.

Der Junge vom Metzger, der Tankwart, wer weiß!

Deine Kollegen...

Also?

Ich habe mir die Nummer nicht notiert.

344 344 33.

Ich höre. - Robert Mitchum in "Der gnadenlose Rächer".

Der Originaltitel war "Young, Billy, Young". Hab ich gewonnen?

Nein. Es gibt auch nichts zu gewinnen.

Ist das kein Fernsehquiz? - Nein.

Büro von Generalstaatsanwalt Volney.

Ich kannte den Mann auf dem Bild.

Er heißt Franck Bellony.

Er war ein guter Freund von mir.

Warum "war"? - Wir verloren uns aus den Augen.

Es lag an unseren Frauen, sie mochten sich nicht.

Haben Sie seine Adresse? - Ich glaube, er zog um.

Wir sahen uns lange nicht...

Hallo.

Hier ist Franck Bellony, ich möchte Herrn Volney sprechen.

Ich bin sein Assistent, bitte bleiben Sie dran!

Hallo? - Generalstaatsanwalt Volney?

Ich bin der Mann, den Sie suchen.

Ich rufe Sie an, damit Sie nicht Ihre Zeit verschwenden.

Sie brauchen mein Bild nicht weiter senden.

Ich will damit nichts zu tun haben.

Ich habe nichts gesehen und nichts gehört. Ich will Sie nicht treffen.

Sie haben Angst, und daran tun Sie recht.

Sie wissen es vielleicht nicht, aber es gab acht weitere Leute,

die am Tag des Attentats etwas gesehen haben.

Ist doch super! Dann fragen Sie die!

Das kann ich leider nicht.

Diese acht Leute sind tot und keiner starb eines natürlichen Todes.

Wenn Sie sich mir nicht anvertrauen, sind Sie Nummer neun.

Nicht der neunte Zeuge, sondern die neunte Leiche.

Sie sind ein Mistkerl. - Sie haben die Wahl:

Den Mistkerl oder den Mörder.

Also gut.

Ich wohne... - Sagen Sie Ihre Adresse nicht!

Gibt es in Ihrer Nähe eine Telefonzelle?

Gut. Rufen Sie mich von dort aus an.

Wir verfolgen den Anruf zurück und holen Sie ab. Gehen Sie.

Hier Volney! - Ich bin in der Telefonzelle.

Bleiben Sie dort. Wir verfolgen den Anruf, orten Sie

und kommen mit einem weißen Auto.

Legen Sie nicht auf und werfen Sie weiter Münzen ein.

Da kommt ein Auto.

Aber es ist schwarz. Hallo?

Herr Bellony, wir haben Sie geortet und sind auf dem Weg zu Ihnen.

Die Bellonys sind da. - Ich komme.

Guten Abend!

Unsere Assistentin wird sich um Sie kümmern.

Sie können sich nebenan ausruhen.

Und alle außer mir sind...

Sie sagen es, Mr. Bellony.

Kommen Sie, bitte.

Bringen Sie uns die anderen Bilder, wenn sie fertig sind.

Bitte betrachten Sie die Fotos ganz genau,

die wir Ihnen gleich zeigen.

Und ich soll auf den Bildern

den Mann vom 2. Stock erkennen? - Ja. Setzen Sie sich.

Alle, die Sie gleich sehen, haben eine einschlägige Vergangenheit.

Alles klar? Max, bitte!

Das ist er nicht. Er war viel jünger.

Nein.

Nein.

Er war nicht blond.

Guten Abend, Herr De Palma. Wir sind allein?

Ich hörte, bei Ihnen müsse man einen Tag vorher reservieren.

Lieber Lacosta, es ist drei Uhr morgens

und meine Restaurants sind keine Nachtbars.

Dieses ist zu dieser Stunde nur für uns noch geöffnet.

Beklagen wir uns nicht. So ist für Diskretion gesorgt.

Nehmen Sie Platz.

Trinken Sie einen Wodka? Ich habe polnischen Zubrowka,

Wyborowa mit Zitrone oder russischen.

Ich nehme, was Sie nehmen. - Den russischen.

Nein.

Haben Sie Volneys Aufruf im Fernsehen gesehen?

Aber ja, rein zufällig.

Er wurde nach 21 Uhr nicht mehr im Programm wiederholt.

Offenbar hat Volney den Mann gefunden, den er suchte.

Den neunten Zeugen, den Sie entkommen ließen.

Nein.

Kaukasischer Spieß.

Ich erfüllte meinen Vertrag peinlich genau.

Wir sind sehr zufrieden mit Ihnen. - Sehr gut.

Unser Vertrag sah zwei Verpflichtungen ihrerseits vor:

1. Bezahlung. Die ist erledigt.

2. Meine Sicherheit und die Rückkehr in mein Land.

Zu Ihrer Sicherheit erledigten wir acht von neun lästigen Zeugen.

Aber glauben Sie wirklich, eine Rückkehr in Ihr Land wäre jetzt klug?

In einigen Stunden ist es vielleicht zu spät.

Genau jetzt sitzt irgendwo in dieser Stadt ein Typ,

der mich gesehen hat.

Er wird mein Gesicht wiedererkennen und reden.

Nein.

Keiner auf den Bildern sieht dem Mann ähnlich, den ich gesehen habe.

Es tut mir leid, ich kann ja auch nichts erfinden.

Es ist merkwürdig...

Einen würde ich mir gern noch einmal ansehen. - Sehr gern!

Irgendwo unter den letzten 5 oder 6 Bildern.

Nein, ich glaube, es war vor diesem hier.

Nein, den meine ich nicht.

Den meine ich!

Das ist der Mann aus dem 2. Stock?

Nein, das war der Mann mit dem Schirm.

Jetzt erkenne ich ihn wieder!

Er stand unten in der Menge.

Wir anderen standen auf der Fußgängerbrücke.

Erst fiel er mir nicht weiter auf.

Aber dann öffnete er kurz vor dem Schuss den Schirm.

Es war so sonnig, dass ich dachte: "Der spinnt doch."

Tut mir leid, das gehört hier nicht hin.

Aber es ist merkwürdig, dass er bei den Fotos dabei war.

Tut mir leid. - Vielen Dank, Herr Bellony.

Zur Sicherheit werden wir Sie und Ihre Familie in den Zwangsurlaub schicken.

Wir haben alles in die Wege geleitet.

Hier sind Reiseschecks.

Dieser junge Mann wird Sie zu einem Privatflugzeug bringen.

In der Karibik soll schönes Wetter sein.

Gehen wir zu Ihrer Familie.

Was habe ich getan, dass mir all das widerfährt?

Nichts.

Sie haben nur etwas gesehen, das Sie nicht sehen sollten.

Gute Reise!

De Palma, Carlos. Stammt aus Honduras.

Mit 23 als politischer Flüchtling zu uns gekommen.

Ist verdächtig, einer der Köpfe einer kriminellen Organisation zu sein.

Aber das zu beweisen...

Immer, wenn man seiner habhaft wurde, plädierte er auf Verleumdung.

Und er gewann! - De Palma...

Er wurde wegen Steuerbetrugs zu 5 Jahren Haft verurteilt,

aber schon nach knapp 2 Jahren entlassen.

Überwachen Sie sein Telefon!

Sie verhaften ihn nicht? - Nein.

Aus welchem Grund? Weil er einen Schirm bei sich trug?

Wenn ich durch den neunten Zeugen entlarvt werde,

dann werde ich Sie entlarven.

Wollen Sie damit sagen, Sie würden dann "plaudern"?

Wissen Sie, ich habe zwei Träume.

Jetzt habe ich das Geld

und bin noch jung genug, um sie zu verwirklichen.

Sie haben recht. Man sollte seine Träume respektieren.

Sie trösten uns über die brutale Realität hinweg und wärmen unsere Seelen.

Trinken wir auf jene unsichtbare Welt, in der unsere Träume wahr werden.

Gut.

Nein, ich bin noch dran. Ich warte.

Ein Regentag? Menge und Windrichtung interessieren mich nicht.

Keine Aufheiterungen? Danke.

Eines verstehe ich noch nicht.

Daslow betritt die Terrasse mit einem Gewehr,

um den Präsidenten zu erschießen.

Aber das Gewehr war nicht geladen.

Warum geht er mit einem ungeladenen Gewehr auf die Terrasse?

Jemand gab es ihm in letzter Minute.

Aber er wurde vorher zu Hause mit dem Gewehr fotografiert.

Am 28. März 1977.

Ich rief die Wetterstation an. Am 28. März '77 regnete es in Strömen.

Dieses Foto wurde bei strahlender Sonne gemacht.

Vielleicht war es einen Tag früher oder später.

Naja... Hortensien blühen nicht im März,

sondern Ende Juli, Anfang August.

Das ist eine Fotomontage.

Daslows Kopf wurde später eingefügt. Ganz eindeutig.

Also hatten wir ein falsches Bild von Daslow?

Alles an der Sache ist falsch!

Der Zeuge, der Schuldige, die Munition, die Akten,

die Hortensien und der Bericht mit seiner falschen Ehrlichkeit.

Drei Ordner, 682 Seiten Schlussfolgerungen!

Und nicht die kleinste Antwort auf die einfache Frage: "Warum?"

Warum schießt Karl-Eric Daslow auf den Präsidenten,

obwohl er nicht den geringsten Grund dazu hat?

Die Psychiatrie diagnostizierte Paranoia.

Klar! Weil man kein Motiv findet, macht man ihn zum Verrückten!

Doch selbst Verrückte handeln nicht grundlos.

Entweder führte Gott ihren tödlichen Arm,

oder sie mussten die Welt retten. Und sie sagen das auch.

Solche Psychosen können immer nachgewiesen werden.

Bei Daslow war da nichts. Nie!

Weder in der Schule, noch in der Armee, seinem Job oder Alltag. Nichts!

Kein Zeichen psychischer Krankheit.

Und am 22. Mai um 13 Uhr wird er plötzlich verrückt.

Um 13:01 tötet er den Präsidenten und um 13:02 Uhr sich selbst.

Aber nein, meine Herren! Ein Weltverbesserer bringt sich nicht um!

Er lässt sich verhaften, um der Welt seine Visionen mitzuteilen.

Darüber gibt es Statistiken.

Der psychiatrische Bericht beruht auf einem Experiment

von Prof. David Nagarra von der Universität von Layé.

Perfekt! Rufen wir ihn an!

Es ist vier Uhr morgens...

Und welcher Tag ist heute? - Sonntag früh.

Dann geht mal alle schlafen. Wir sehen uns am Montag!

"Die unterzeichnenden Psychiater untersuchten die Vergangenheit Karl Daslows

ohne die Möglichkeit, ihn selbst zu befragen.

Sie kamen zu folgendem Ergebnis:

Sein Hang zu Gewalt und Suizid,

der ihn zu der brutalen und verantwortungslosen Tat trieb,

ist Ergebnis einer 'Paranoia'."

Prof. Nagarra, erinnern Sie sich an diesen Mann?

Er erlangte leider traurigen Ruhm. Das ist Daslow.

Er nahm an einem unserer Experimente teil.

Kennen Sie die psychiatrischen Schlussfolgerungen

über Daslow im Heiniger-Bericht?

Ehrlich gesagt, nein.

Können Sie mithilfe Ihrer Experimente Geisteskrankheiten diagnostizieren?

Verhielt sich z.B. Daslow Ihrer Meinung nach paranoid?

Verzeihung.

Ja, ich komme sofort.

Paranoid?

Sehen Sie sich doch mal eines unserer Experimente an.

Das Verhalten der Testperson

hilft Ihnen vielleicht, Daslow besser zu verstehen.

Nehmen Sie Platz.

Hinter diesem Glas können Sie nicht gesehen werden.

Hiermit regeln Sie die Lautstärke der Gespräche aus dem Raum.

Ich bin gleich zurück.

Dauert es lange? - Etwa eine Stunde, hörte ich.

Was wird passieren? - Gleich wird Ihnen alles erklärt.

Meine Herren, Professor Nagarra!

Herr Rivoli? - Nein, Despaul, Professor!

Dann sind Sie Rivoli? - Genau.

Zunächst ein paar Worte zu unserem heutigen Experiment.

Psychologen haben eine Theorie aufgestellt,

dass eine Person effizienter und genauer lernt,

wenn sie weiß, dass jeder Fehler bestraft wird.

Ein Alltagsbeispiel ist

der Klaps, den die Eltern dem Kind geben, wenn es sich daneben benimmt.

Sie hoffen, dass sich das Kind so besser an das Richtige erinnert.

Hier an der Universität interessieren uns nur Erwachsene.

Wir werden wissenschaftlich ermitteln,

in welchem Maße die Bestrafung Einfluss auf das Gedächtnis hat.

Einer von Ihnen ist heute der Schüler, der sich etwas merken muss.

Der andere ist der Lehrer, der ihn durch Bestrafung dazu bringt,

sein Gedächtnis besser zu nutzen.

Am besten losen wir aus,

wer der Lehrer und wer der Schüler wird.

Ich bin der Lehrer! - Dann ist Herr Rivoli der Schüler.

Muss ich mich da draufsetzen? - Ich bitte Sie darum.

Das Ding ist doch nicht gefährlich?

Was ist das?

Das soll eventuelle Verbrennungen verhindern.

Dieses Experiment ist sehr einfach.

Hier ist eine Liste mit 30 Worten mit korrespondierenden Adjektiven.

Himmel - blau, Tier - wild, Wind - heftig, und so weiter.

Sie werden Herrn Rivoli diese 30 Wortpaare vorlesen.

Dann sagen Sie ihm nur das Adjektiv

und er sagt Ihnen, welches Substantiv dazugehört.

In Ordnung. Wenn ich also "blau" sage,

muss er mir "Himmel" antworten.

Sage ich "wild", muss er "Tier" sagen,

bei "heftig" wäre die Antwort "Wind".

Sie haben es verstanden.

Immer, wenn Herr Rivoli etwas Falsches sagt,

bestrafen Sie ihn.

Sie schieben einen dieser Regler hoch

und er bekommt einen Elektroschock.

Beim ersten Fehler kriegt er 15 Volt,

beim zweiten Fehler 30, beim dritten 45,

und so weiter, und so weiter.

Wie Sie sehen, sind es Stufen zu jeweils 15 Volt.

Bitte lesen sie Ihrem Schüler nun die Wortpaare vor.

Langsam und deutlich, damit er sie sich merken kann.

Herr Flavius wird alles überwachen.

Also: Himmel - blau.

Tier - wild,

Wind - heftig,

Tag - frisch...

Zitrone - gelb,

Fisch - gebraten,

Ei - hart...

Woher bekommen Sie Ihre Kandidaten?

Durch Zeitungsannoncen:

"Verdienen Sie 6 Dollar in nur einer Stunde.

Wir suchen Freiwillige für ein Gedächtnis-Experiment."

Welche Rolle spielte Daslow in Ihrem Experiment,

Lehrer oder Schüler?

Er war Lehrer, genau wie Herr Despaul heute.

Brunnen - tief,

Brot - gebuttert,

Geld - gezählt.

Gut. Beginnen Sie, Herr Despaul.

Erstes Wort: blau.

Himmel! Himmel - blau.

Korrekt.

Nächstes Wort: wild.

Lachen! Lachen - wild.

Das war falsch. Richtig wäre gewesen: Tier.

15 Volt.

LEICHTER SCHOCK

Nächstes Wort: heftig.

Heftig... Moment, das weiß ich.

Atem. Atem - heftig.

Falsch. Richtig ist: Wind. Wind - heftig.

30 Volt!

Denken Sie nach, bevor Sie irgendetwas antworten.

Glauben Sie, es macht mir Spaß, Ihnen Stromstöße zu verabreichen?

Weiter. Nächstes Wort: frisch.

Frisch? Frisch! Warten Sie... War das nicht Fisch?

Glauben Sie wirklich, dass der Strom Herrn Rivolis Gedächtnis verbessert?

Das Gedächtnis von Herrn Rivoli ist hier völlig egal.

Uns interessiert

die Fähigkeit zum absoluten Gehorsam von Herrn Despaul,

seine Unterordnung unter eine Autorität.

Für Herrn Despaul gehören zur Autorität die Universität, Prof. Flavius und ich.

Unsere weißen Kittel sind die Symbole dieser Autorität.

Wir zwingen ihn,

ein Opfer zu bestrafen, das ihm nichts getan hat.

Wie lange gehorcht er dem unsinnigen Befehl, wann lehnt er sich auf?

Da liegt das Problem.

Nächstes Wort: gelb.

Zitrone.

Sehr gut, das war richtig!

Nächstes Wort: gebraten.

Brot. Gebratenes Brot.

Nein, das war falsch! Richtig wäre Fisch! Gebratener Fisch!

165 Volt.

Halt! Ich will nicht mehr weitermachen. Ich möchte gehen.

Er wird doch nicht bis zu den 450 Volt weitermachen?

Ich weiß es nicht.

Ab einem bestimmten Punkt bekommt Herr Despaul ein Problem:

Soll er der Autorität weiter gehorchen

und das Experiment zu Ende führen?

Andererseits will er sein Opfer nicht weiter quälen.

Bald zerreißt Herrn Despaul ein unerträglicher innerer Konflikt.

Um diesen Konflikt zu lösen, muss er mit der Autorität brechen

und den Gehorsam verweigern.

Und den Moment dieses Bruchs untersuchen wir.

Bitte fahren Sie fort.

Das nächste Wort... - Warten Sie!

Die rechte Hand von Herrn Rivoli ist verrutscht.

Die Elektrode hat keinen Kontakt mehr. Sie müssen den Schüler neu anschließen.

Ich soll das tun?

Führen Sie korrekt aus, was wir vereinbart haben!

Das ist eine interessante Phase des Experimentes: Körperkontakt.

Bis hierhin hat er nur die Hebel bedient.

Nun muss er einen Mann berühren, der ihm nichts getan hat

und den er gerade quält.

Manchmal nimmt an dieser Stelle der Grad an Gehorsam ab.

Ich flehe Sie an,

bitte hören Sie auf!

Konzentrieren Sie sich besser und antworten Sie nicht irgendwas,

damit wir fertig werden! Wir wollen doch hier nicht übernachten!

Er wollte, dass ich aufhöre. Was halten Sie davon?

Bitte machen Sie weiter.

Gut.

Hören Sie! Konzentrieren Sie sich, bevor Sie antworten!

Ich warne Sie, ich bin fast bei 200 Volt!

Das nächste Wort ist "weiß".

Sehen Sie sich das an!

Er versucht, seinen Konflikt zu mindern, indem er dem Opfer hilft.

Aber warum hört er nicht auf, wenn das alles so schwer zu ertragen ist?

Dann müsste er sich eingestehen, dass es falsch war, so weit zu gehen.

Wenn er weitermacht, rechtfertigt er alles, was er bis jetzt getan hat.

Könnten wir dieses eine Mal zum nächsten Wort weitergehen?

Wir müssen das Experiment unbedingt korrekt ausführen.

Aber er antwortet nicht! Sehen Sie nach, vielleicht ist ihm was passiert!

Wir müssen weitermachen, ob es dem Schüler gefällt oder nicht.

Bis er sich die Wortpaare korrekt merkt.

Hören Sie? Das Wort lautet "weiß".

Ich habe genug.

Es schmerzt zu sehr.

Ich möchte nicht mehr antworten.

Was machen wir nun?

Zählen Sie es als Fehler und geben Sie ihm 180 Volt.

Aber es geht ihm schlecht! Das könnte schiefgehen!

Ich übernehme die volle Verantwortung.

Gut, wenn dem so ist...

Das ist unzumutbar! Selbst im Namen der Wissenschaft! Das dürfen Sie nicht!

Beruhigen Sie sich.

Alle diese Apparate sind Attrappen.

Es fließt kein Strom zwischen dem Pult von Herrn Despaul

und dem Stuhl von Herrn Rivoli.

Aber Herr Despaul weiß davon nichts.

Herr Rivoli macht das sehr gut, nicht wahr?

Er gehört zu unserem Team.

Natürlich müssen unsere Kandidaten immer die Lehrer sein.

Das ist erschreckend.

Herr Generalstaatsanwalt...

Sie haben auch erst bei 180 Volt reagiert.

Ihr Experiment ist erbarmungslos.

Wo hörte Daslow auf? - Bei 405 Volt.

Nehmen Sie Platz!

Denken Sie nach!

Strengen Sie sich an, sonst muss ich Ihnen 405 Volt geben!

"Kariert".

405 Volt!

Wir müssen abbrechen. - Das geht nicht.

Das verfälscht die Ergebnisse. Wir machen weiter.

Er hat eine schwere Herz-Insuffizienz.

Weiterzumachen wäre katastrophal.

Geben Sie ihm 405 Volt.

Einigen Sie sich! Machen wir weiter oder hören wir auf?

Was ich mit Prof. Nagarra berede, geht Sie nichts an. Fahren Sie fort.

Ich höre jetzt auf!

Wenn Sie wollen, kriegen Sie Ihr Geld zurück, ich gehe.

Abbruch des Experiments bei 405 Volt.

Sie sehen, sobald die Hierarchie bröckelt

und die Autoritäten uneinig sind,

gibt es keinen unbedingten Gehorsam mehr.

Gingen viele Probanden bis 405 Volt?

Im Durchschnitt sind 63% der Probanden gehorsam.

Sie akzeptieren das Prinzip des Experiments voll und ganz

und gehen hoch bis auf 450 Volt.

In einem zivilisierten, demokratischen und liberalen Land

würden also zwei Drittel der Bevölkerung jeden Befehl ausführen,

den ihnen eine übergeordnete Autorität gibt.

Drei Monate nach dem Experiment weihen wir die Kandidaten ein

und bitten sie, ihr Verhalten zu reflektieren.

Hier ist Daslows Reaktion.

Vor drei Monaten nahmen Sie an einem knapp einstündigen Experiment teil.

Dabei verabreichten Sie Elektroschocks von bis zu 405 Volt.

Glaubten Sie bis zum Ende, dass diese Schocks echt waren?

Ja.

Waren Sie sich darüber im Klaren,

dass Sie ein unschuldiges, schutzloses Opfer brutal behandelten?

Ich hatte nicht zu entscheiden, ob meine Handlung brutal

oder das Opfer unschuldig war.

Das entschied ein Versuchsleiter.

Ich habe getan, was man mir auftrug.

Befiehlt man einem Piloten, eine Stadt zu bombardieren,

fragt der sich nicht, ob das gut oder schlecht ist.

Er wirft sie ab.

Aber wenn es zum Beispiel um Völkermord geht,

wenn ein Diktator den Tod von 5 Millionen Menschen beschließt,

dann braucht er dafür mindestens eine Million Komplizen, Mörder.

Wie bringt er sie dazu zu gehorchen?

Indem er die Verantwortung aufteilt.

Ein Diktator braucht einen Staatsapparat unter sich.

Er rekrutiert Millionen von Funktionären,

die nur eine Aufgabe ausführen müssen.

Und jeder wird seine Aufgabe kompetent und gewissenlos ausführen.

Denn keiner denkt darüber nach, dass er der millionste Teil eines Verbrechens ist.

Die einen verhaften die Opfer und führen damit ihren Befehl aus.

Andere bringen diese Opfer in Straflager.

Sie arbeiteten einfach nur als Lokführer.

Und wenn der Lagerkommandant die Tore schließt,

erfüllt er nur seine Pflicht als Gefängnisdirektor.

Natürlich werden nur die grausamsten Personen am Ende der Kette eingesetzt.

Aber den Gliedern dieser Gewaltkette wird der Gehorsam leicht gemacht.

Bei 360 Volt hörte der Schüler auf zu schreien und zu antworten.

Man hätte annehmen können, er wäre tot.

Warum verabreichten Sie ihm weiter Elektroschocks bis hin zu 405 Volt?

Wäre er tot gewesen, hätte er nichts mehr gespürt.

Ich nahm an, die Professoren dieser Universität wüssten, was sie tun.

Wenn sie alles für richtig halten, zweifle ich das nicht an.

Mich überrascht am meisten,

dass die Probanden nicht aus Hass, Wut oder Rachsucht handeln.

Sie erwarten nicht mal eine gute Bezahlung.

Daslow verabreichte die 405 Volt doch nicht wegen der 6 Dollar.

Wenn die Anzeige, auf die Sie sich meldeten,

nicht von der Universität, sondern privat gewesen wäre

und statt der 6 Dollar 1000 versprochen hätte,

hätten Sie dann auch die 405 Volt verabreicht?

Nein.

Und wenn es dafür 10 000 Dollar gegeben hätte?

Sie haben mich wohl nicht verstanden.

Das Geld spielte keine Rolle.

Wenn ich eine Autorität respektiere, gehorche ich ihr.

Das ist alles. - Vielen Dank.

Als Daslow also auf die Terrasse ging, um den Präsidenten zu erschießen,

gehorchte er einer Autorität, die er respektierte.

Und Geld spielte keine Rolle.

Aber für diese Person arbeiteten auch die wahren Mörder hier unten,

für die es nur um das Geld ging.

Nicky Farnese, der falsche Zeuge,

Carlos de Palma, der Mann mit dem Schirm,

und der Schütze im 2. Stock.

Ich denke, er heißt Luigi Lacosta.

Man barg sein Auto im Fluss.

Man schoss ihm mit einem großen Kaliber ins Gesicht.

Interpol teilte uns mit, dass er als Profikiller bekannt war.

Aber wieso haben wir ihn dann neulich nicht Bellony gezeigt?

Er war noch nicht in den Polizeiakten registriert.

Er ist sowas wie ein Importprodukt.

Er reiste am 10. März aus Italien ein, zwei Monate vor dem Attentat.

Die Bankauszüge beweisen, dass Nicky Farnese, der falsche Zeuge,

5000 Dollar vor und 5000 Dollar nach dem Attentat erhielt.

Luigi Lacosta bekam zweimal 250 000 Dollar.

Aber wer ist diese Autorität,

die von dem einen respektiert wird

und den anderen großzügig entlohnt?

Daslow und Lacosta können nicht mehr reden.

Carlos de Palma?

Wird er überwacht? - Tag und Nacht. Auch sein Telefon.

Schauen Sie in seiner Akte nach, warum er vorzeitig entlassen wurde.

Durch eine Intervention von ganz oben.

Richard Mallory sorgte für seine Entlassung.

Er ist der Chef der Abteilung für Sondereinsätze beim Geheimdienst.

Welche Gründe gab er an? - Für "Verdienste um den Staat".

Er wurde am 12. Februar 1977 entlassen.

Also drei Monate vor dem Attentat.

Heute abend wird De Palma mit seinem Wohltäter Mallory essen.

Bravo, Bob!

Das steht in den Telefon-Protokollen.

Wer kommt zu wem? - Mallory kommt zu De Palma.

In dessen Landhaus.

Dann ist heute Abend wohl niemand in Mallorys Wohnung.

Was wollen Sie damit sagen?

Keine Dummheiten!

Blockieren Sie die Fahrstuhltür! - Warum?

Das ist der schnellste Weg nach unten.

Wissen wir, was uns da drin erwartet? Nein!

Ich arbeite immer nach Plan.

Er könnte eine Alarmanlage haben. Man öffnet die Tür und...

Sie sollten nicht hier sein.

Wenn es Probleme gibt, sollte man Sie hier nicht vorfinden.

Ist Charly da oben? - Ja.

Allein? - Nein, er hat einen Profi dabei.

Garcia Santos. Wir borgten ihn von der Unterwelt aus.

Das wird ja immer besser.

Garcia Santos...

Vier Verurteilungen wegen Einbruchsdiebstahls.

Drei. Wir versprachen ihm, den vierten zu vergessen,

wenn heute alles gut geht.

Nichts anfassen!

Ziehen Sie erst die hier an.

Hätte ich das für mich gemacht,

hätte ich dafür 3 Jahre gekriegt.

Aber wenn ich es für euch mache, erlässt man mir 3!

Klasse, oder?

Vernon, wir sind drin, alles läuft gut.

Mist, das ist Mallory! - Bleiben Sie hier.

Herr Mallory?

Verzeihen Sie, dass ich Sie so spät störe.

Ich bin Henri Volney.

Schön Sie kennenzulernen, Herr Staatsanwalt.

Sie warteten doch nicht etwa auf mich? - Doch, doch!

Ich fühle mich nicht schuldig, wir waren ja nicht verabredet.

Wollen wir bei mir etwas trinken?

Nein, danke. Ich würde lieber etwas laufen, wenn Sie erlauben.

Die Wohnungen von Geheimdienstlern

sollen gespickt sein mit Mikrofonen, Wanzen und so weiter.

Da wird viel übertrieben. Nach Ihnen!

Kennen Sie einen gewissen Carlos De Palma?

Aber ja! - Er war zu 5 Jahren Haft verurteilt.

Wenn ich mich recht erinnere, ging es um eine Steuersache.

Genau. Aber wurde er nicht mit Ihrer Hilfe entlassen?

Ich habe im Auftrag des Geheimdienstes ein paar Mal interveniert.

Nicht als Privatmann.

De Palma wurde wegen "Verdiensten um den Staat" entlassen.

Wäre es indiskret, nach der Art dieser Dienste zu fragen?

Im Wort "Geheimdienst" steckt das Wort "Geheim".

Das oberste Gebot in unserem Job ist die Verschwiegenheit.

Ein Gebot, das Sie mit anderen Institutionen teilen.

Mit der Mafia z.B.

Wo ist der Zusammenhang? - Nur ein kleiner Scherz.

Haben Sie gefunden, was Sie suchen? - Rein gar nichts.

Und ich weiß nicht mal, wonach ich suche.

Na toll! Aber das ändert nichts an unserer Abmachung wegen meiner 3 Jahre?

Nein, nein.

Warum schauen Sie nicht mal in den Safe?

Welcher Safe?

Hinter der Kopie dort!

Woher wissen Sie, dass dahinter ein Safe ist?

Das riecht geradezu nach Tarnung.

Sehen Sie die Spuren hier?

Und hier auch.

Sie stammen von den Händen, die das Bild so oft abgenommen haben.

Können Sie den öffnen?

Unter den Amateurbedingungen hier

habe ich zwei Methoden:

Sanft...

oder mit Gewalt.

Versuchen Sie es erst mal sanft.

Natürlich.

Mir scheint, Sie mögen den Geheimdienst nicht besonders.

Im Gegenteil. Er ist absolut notwendig.

Ohne seine Arbeit kann kein Land die Sicherheit seines Volkes garantieren.

Sicher. Aber manchmal...

entfernen sich die Informationsträger von ihrer Mission

und werden zu einer ungeahnten Macht,

die alles unterwandert und sehr stark ist.

Sie entgeht selbst der Kontrolle der Regierung und diese weiß es nicht.

In Organisationen diesen Ausmaßes gibt es immer schwarze Schafe.

Schwarze Schafe? Der Geheimdienst zahlt der Informationsabteilung jährlich 10 Mrd.

und seiner Eingreiftruppe 200 Mrd.

Das sind keine schwarzen Schafe mehr. Das betrifft die ganze Institution.

War nix auf die sanfte Tour.

Normalerweise behalten die Typen immer dieselbe Kombination.

Der Splint, der immer wieder auf dieselbe Nummer fällt,

wird allmählich leichtgängiger.

Dadurch ändert sich dann das Geräusch und es macht...

Ganz deutlich ist es nicht,

aber wenn man das Ding oft benutzt, merkt man es sofort. - Und?

Man hört, dass der Splint wenig abgenutzt ist.

Der ändert seine Kombination sicher täglich.

Dann auf die harte Tour.

Ich versichere Ihnen,

der Geheimdienst wird direkt und aufmerksam

vom Präsidenten und der Regierung kontrolliert.

Ja, das stimmt.

Präsident und Regierung kontrollieren dieses Werkzeug effizient und diskret

und benutzen es auch manchmal.

Oft sogar.

Wenn dieses Werkzeug nicht mehr gehorcht,

wird es für den Präsidenten und die Regierung schwierig,

die alten Komplizen zu denunzieren.

Ein einziger Mann stellte sich gegen diesen Staat im Staat:

Präsident Jary.

Machen Sie mal etwas Musik an. - Dafür ist jetzt keine Zeit.

Wie Sie wollen. Aber wenn das Ding hochgeht, kracht es.

Wir sollten den Lärm übertönen.

Und nicht gerade ein Klaviersolo! Am besten ein Blasorchester.

Haut ab. Diesmal kommt er wirklich hoch. Ende. - Verstanden.

Es war mir ein Vergnügen. - Mir ebenfalls.

Guten Abend!

Lesen Sie nicht so viele Autoren,

die die Finger nicht vom alten Thema "Spionage" lassen können.

Aber die weisen wenigstens darauf hin,

dass ihre Figuren und Geschichten frei erfunden sind.

Es ist schlecht, wenn das Erfundene nicht auf der Realität basiert.

Ohne die Wahrheit gibt es keine Spannung.

Gute Nacht, verehrter Generalstaatsanwalt.

Ich glaube, wir waren erfolgreich.

Was ist denn an dieser Kassette so besonders?

Die Musik darauf wird von unverständlicher Sprache unterbrochen.

Wir müssen die richtige Frequenz und Geschwindigkeit herausfinden,

um die Sprache hörbar zu machen.

Wie sind Sie da ran gekommen?

Viel Lärm für nichts. Mallory vertauschte alles bewusst.

Wahrscheinlich war nichts im Safe. Alles lag offen da.

Das ist ein starkes Stück.

Sollen wir es mal mit dem Vocoder probieren? - Nein. Danke.

Gehen Sie schlafen.

Zenith an Minos.

Phase Zenith 1 der Operation Zenith

endete ohne Erfolg.

Ende der Operation Zenith 1:

7. Juni 1972.

KAWAR: PRÄSIDENT BONAVAS MIT GROSSER MEHRHEIT GEWÄHLT

Die öffentliche Meinung hält viel von diesem Mann.

Wird der Wahlsieger zu schnell liquidiert,

könnte ihn das zum Märtyrer machen.

Er muss zuerst unpopulär werden.

Erwarten Instruktionen zum Beginn von Operation Zenith 2.

Geschätzte Dauer von Operation Zenith 2: 4 Jahre.

MISSERFOLG VON PRÄSIDENT BONAVAS' HAUSHALTSPOLITIK

KAWAR: DEMONSTRATIONEN, 300 TOTE, KURZ VORM BÜRGERKRIEG

Minos an Zenith: Okay für Operation Zenith 2.

STIRB, BONAVAS

PRÄSIDENTENJET EXPLODIERT BONAVAS STIRBT

DER EINZIGE KANDIDAT

ZURÜCK IN KAWAR:

Minos an Zenith:

Dritte Zahlung heute auf üblichem Wege erfolgt.

22. Mai 1977.

PRÄSIDENT JARY ERMORDET

Ist da das Präsidentenpalais? - Ja.

Ich möchte den Präsidenten sprechen. - Wer ist da?

Generalstaatsanwalt Henri Volney.

Wissen Sie nicht,

dass der Präsident gestern zum Gipfel nach Genf geflogen ist?

Es steht in allen Zeitungen.

Ja, danke sehr.

Außerordentliche Versammlung von Minos.

Minos beschloss einstimmig

den Beginn der Operation I... wie Ikarus.

Operation I... wie Ikarus

muss am 17. Juni vor Mitternacht abgeschlossen sein.

Den Chef des Geheimdienstes, bitte!

Wer ist da? - Generalstaatsanwalt Henri Volney. Es ist wichtig.

Bleiben Sie dran.

Hugues Adler? Henri Volney.

Entschuldigen Sie die frühe Störung, aber ich muss Sie unbedingt treffen.

Mein lieber Volney, wenn es privat ist, bin ich hocherfreut.

Aber wenn Sie den Geheimdienstchef wollen...

Der bin ich seit gestern nicht mehr. Bin abgesetzt.

In 48 Stunden wird es offiziell.

Und wer wird Ihr Nachfolger?

Einer meiner Mitarbeiter von der Abteilung für Sondereinsätze.

Ein gewisser Mallory. - Richard Mallory?

Ja, kennen Sie ihn? - Nur flüchtig.

Es tut mir sehr leid für Sie.

Verzeihen Sie, dass ich Sie geweckt habe. Wiederhören.

Herr Präsident, ich schicke Ihnen diese vertrauliche Nachricht,

denn die Ergebnisse, zu denen ich gelangte,

gehen über meine Untersuchung hinaus und betreffen die Sicherheit des Staates.

1. Ich kann beweisen,

dass das Attentat auf Präsident Jary

sorgfältig von einer Interessengruppe geplant wurde,

die in keiner Verbindung zur Regierung steht.

Die Tat wurde organisiert "im Interesse der Nation".

Das ist natürlich nur eine Ausrede.

Die Köpfe dieser Verschwörung wollen keineswegs

das Regime für ein anderes stürzen. Im Gegenteil.

Sie passten sich den Strukturen des Landes an und nahmen sie in Anspruch.

2. Ich beschuldige den Geheimdienst,

oder zumindest Teile davon,

für die Köpfe der Verschwörung gearbeitet zu haben.

3. Ich laste ihnen die Zusammenarbeit

mit einer weltweiten Verbrecherorganisation an.

4. Ich beschuldige Herrn Mallory, der Kontaktmann

zwischen dem Kopf der Verschwörung und den Tätern gewesen zu sein.

5. Im Rahmen dieser Verschwörung

beschloss man eine Operation mit dem Codenamen "I... wie Ikarus",

die heute, am 17. Juni, vor Mitternacht ausgeführt werden soll.

Ich bekam nicht heraus, wo die Operation Ikarus stattfinden wird.

Mit Respekt und Hochachtung, Henri Volney.

Helene! Habe ich dich geweckt? - Henri!

Liebling, du darfst mich immer wecken.

Das ist nett. Wie war dein Abendessen?

Langweilig. Sie redeten ein wenig über mein Buch,

die sind ja alle wohlerzogen. Aber sie redeten viel über dich.

Die Damen waren der Meinung, du wärst frauenfeindlich.

Soso! Was hast du dazu gesagt?

Sollte ich darauf antworten?

Ja, dass mich eine ganz besondere Frau völlig in Anspruch nimmt.

Das bewahrt mich vor den weniger besonderen Frauen.

Du bist wirklich charmant um 6 Uhr morgens!

Du solltest mich öfter anrufen.

Wie geht deine Untersuchung voran?

Mein Schatz, es ist schwierig.

Ich war noch nie so allein.

Kann ich etwas für dich tun?

Nein. Oder doch!

Was fällt dir zu dem Wort 'Ikarus' ein?

Außer dem mythologischen Kontext.

Ikarus? - Ja.

Mein Lieber, jetzt musst du es zugeben:

Du hast mein Buch nicht gelesen. Es geht um den Mythos des Ikarus.

Ich glaube, im ersten Drittel... Warte!

Aber ich kann selbst...

Es steht auf Seite 198:

"Ikarus wurde von Minos in ein Labyrinth gesperrt,

aus dem er mit seinen Flügeln fliehen konnte.

Er hatte sie mit Wachs an seinem Rücken befestigt.

Aber er kam der Sonne so nah,

dass das Wachs schmolz.

Er verlor die Flügel und stürzte ins Meer, das heute seinen Namen trug.

Natürlich sind alle Mythen auch Teil der Folklore.

Wenn man die Sonne als Symbol für die Wahrheit ansieht,

verbrannten Ikarus' Flügel,

weil er der Wahrheit zu nahe kam."

Hilft dir diese Interpretation weiter?

Hallo?

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