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Original subtitles

Ein Unfall?

Ja, ein Junge wurde ins Krankenhaus gebracht.

Wirklich?

-Ist es was Ernstes? -Das weiß ich nicht.

So, jetzt kannst du dich umdrehen.

-Entschuldige, was hast du gesagt? -Ich konnte nicht viel sagen.

So.

So, jetzt kannst du runter steigen.

-Hat er keinen Namen genannt? -Nein.

Anna geht ja in seine Klasse.

-Anna? -Meine Enkelin.

Ich werde immer dünner.

-Wie oft hast du sie schon umgenäht? -Nur einmal.

-Ist sie schwer? -Nein, nicht besonders.

Muss sie aus dem Ort kommen, aus dem man stammt?

Das ist meist so üblich.

Ich trage die Tracht von Romerike, obwohl ich aus Fredrikstad komme.

Hauptsächlich, weil mir die am Besten gefällt.

In Wahrheit sieht jeder in einer Tracht etwas dick aus.

Anna soll aber eine Østfold-Tracht bekommen, so wie ihre Mutter.

Ich möchte ihr ein Gefühl von Verbundenheit geben.

-Du kannst sie jetzt ausziehen. -Ja.

-Torunn wird sie nähen. -Du sollst damit nicht den Boden wischen.

Sie soll zum 13. Geburtstag fertig sein. Hast du sie dir mal angesehen?

Willst du ihr wirklich eine Tracht aufhalsen?

"Aufhalsen"? Was willst du damit sagen?

-Ist Natalies Mutter noch hier? -Nein, sie sind gerade gegangen.

Ich wollte … Kannst du das Letzte wiederholen?

Ja, okay. Gut. Bis dann.

Tschüs.

Das war das Krisenteam.

Sie kommen sofort. Das ist zwar schön, aber …

-Willst du das nicht? Sollen wir warten? -Nein, ich will es schon, aber …

Es ist kein gutes Zeichen, wenn jemand aus den Ohren blutet.

War er denn ansprechbar?

Ja, sie sprachen mit ihm. Wir sollten das nicht überdramatisieren.

Vielleicht ist es ja nicht so schlimm, wie es aussieht.

Was ist eigentlich passiert? Haben die rumgealbert?

Das hat Natalie doch den Polizisten gesagt?

Ist er gestürzt? Hat sie dir das auch gesagt?

Ja.

Wieso lief sie weg? Hatte sie Angst?

Sie alberten rum, und dann lief es aus dem Ruder. Ich weiß es nicht.

-Alles in Ordnung mit dir? -Ja.

-Die Polizei sagt auch, es war ein Unfall. -Das haben sie sehr deutlich gemacht.

Hätte ein Junge ein Mädchen niederschlagen, hätten sie das ernster genommen.

Wieso sagst du "niedergeschlagen"?

Vilde und Amina haben gesehen, dass sie ihn mit ihrer Schultasche schlug.

Ich verstehe nicht, wie sie das geschafft hat.

Hallo.

Okay.

Ja.

Okay.

Tschüs.

Tot?

Wie kann das sein?

Hat Anders wieder angerufen? Hat er einen Namen genannt?

Jamie.

Jamie?

Ist das nicht der Sohn von Lundemo? Per Erik Lundemo.

Der Fraktionsvorsitzende der Frp; der rechtspopulistischen Fortschrittspartei.

-Er hat einen Sohn, der Jamie heißt? -Ja, so heißt der doch, oder?

-Ich saß doch mit Lundemo im Stadtrat. -Das wäre schrecklich, wenn er es ist.

Hat er noch mehr gesagt? Wurde noch jemand verletzt?

Nein, er sagte nicht viel.

Es sei etwas zwischen einem Jamie und einer Natalie vorgefallen.

Du musst Sigurd anrufen.

-Kennt ihr sie? -Natalie ist Anna. Ist sie auch verletzt?

-Nein, davon sagte er nichts. -Du musst sofort Sigurd anrufen.

Ja, dann geht jetzt alles seinen Gang.

Jetzt gibt es Ermittlungen, Untersuchungen und Evaluierungen von Routinen.

Das wird nie enden. Jeder hat seine eigene Version.

Und dann die ganzen Anklagen und Schuldzuweisungen.

Forderungen nach Garantien, die niemand geben kann.

Als Erstes teile ich einen Entwurf für einen Brief an die Eltern aus.

Wir haben ja bereits alle per SMS informiert.

Der Tote ist also Jamie Lundemo.

Er ist der Sohn von Per Erik Lundemo.

-Das ist dieser Frp-Politiker? -Ja?

-Und Natalie Eriksen war es, die … -Sie wird auch Lykke Natalie genannt.

Ja, Lykke Natalie Eriksen.

Tochter von Sigurd Eriksen.

Er ist Stortingsabgeordneter der Arbeiterpartei AP.

Und ihre Mutter ist Journalistin.

-Beim "Klassenkampf"? -Ja.

-Waren sie verfeindet? -Jamie und Natalie?

Nein, im Gegenteil. -Oder was meinst du, Anders? Du unterrichtest sie doch.

Ich hatte sie nicht lange, aber zumindest im Klassenzimmer waren sie befreundet.

Sie saßen nebeneinander und arbeiteten oft zusammen.

Sie lachten über die gleichen Dinge.

Sie können beide gut reden und haben einen für ihre Alter beeindruckenden Wortschatz.

Ich halte es für unwahrscheinlich, dass sie sich geprügelt haben.

Sie würden eher diskutieren.

Es herrschte schon ein rauer Ton in der Klasse, der von Jamie und Natalie ausging.

Wenn ich sie mal unterrichtete habe, hat vor allem sie mich provoziert.

Natalie kann ziemlich frech sein. Und Jamie eigentlich auch.

Sie testen die Grenzen aus und versuchen, dich in die Schranken zu weisen.

Das entspricht nicht meinen Erfahrungen.

Gab es nicht eine Besorgnismeldung ans Jugendamt?

Wegen Natalie?

-Worauf bezog sich diese Meldung? -Das weiß ich nicht.

Davon höre ich zum ersten Mal.

Marta hat das mal erwähnt, aber sie hat ja gekündigt.

Wenn sie dich nicht informiert hat, war es wohl nichts Ernstes.

-Das werde ich klären. -Gab es Presseanfragen?

Die VG hat angerufen.

Da es sich um besonders profilierte Personen dreht,-

-sollten wir beide eine Pressestrategie erarbeiten.

-Verzeihung. Seid ihr vom Krisenteam? -Ja.

Wer kümmert sich um die Angehörigen? Ich komme gerade aus dem Krankenhaus.

Jamie starb, bevor sein Vater eintraf.

Wurde er nicht sofort informiert?

Ellen hat ihn angerufen.

Ich wartete vergeblich, und dann musste ich Ellen anrufen und um seine Nummer bitten.

Und dann kam er, während ich ihn anrief, aber da war Jamie schon tot.

-Wo ist er jetzt? Fuhr er nach Hause? -Nein.

Da kam ein Krankenhauspastor, und dann bin ich gegangen.

Gibt es keine anderen Angehörigen?

Ich muss zugeben, dass es mir schwer fiel, wegzugehen.

Aber ich wusste nicht, was ich tun sollte …

Darum kümmert sich das Krankenhaus.

-Ist Jamies Mutter nicht dort? -Nein.

Jamies Mutter ist tot.

Und er hat keine Geschwister.

Können wir die Telefonlisten bekommen?

Entschuldigung. Da muss ich ran gehen.

Tut mir leid.

Ich fahre jetzt zu Natalie. Jemand sollte mal bei ihr nachhaken.

Und dann wüsste ich wirklich gern mehr über diese Jugendamts-Sache.

Ja, es ist nur … Tu das.

-Und die sozialen Medien? -Da steht es sicher schon.

-Hallo. -Hallo.

-Hallo. -Hallo.

Wie geht es euch?

Also, das ist ist ja völlig …

Wir waren auf dem Polizeirevier.

Dann erfuhren wir, dass er verstorben ist.

Daher müssen wir morgen zum Kinderhaus fahren.

Zum Kinderhaus?

Dort gibt es Verhörspezialisten. Also, für …

-Die mit Kindern reden können. -Die mit Kindern reden können, genau.

Und …

Das wird sicher gut gehen, Lykke?

Warst du auf dem Fußballplatz? Hast du gesehen, was passiert ist?

Ja.

Oder nein. Ich …

-Es war … -Ich hab doch gesagt, was passiert ist.

Ja, du sagtest, ihr habt rumgealbert.

Ich will nur wissen, ob jemand das gesehen hat.

Wieso glaubst du mir nicht?

Ich glaube dir, Lykke. Darum geht es nicht.

Aber du sagst, ihr habt "rumgealbert".

Das ist eine sehr vage Beschreibung. Findest du nicht?

Worüber habt ihr denn gealbert?

-Das weiß ich nicht mehr. -Du weißt es nicht mehr?

Nein, wir standen einfach so rum und redeten miteinander …

Es ging so schnell.

Wieso hast du ihn denn geschlagen? Hat er dich zuerst geschlagen?

Ich habe ihn nicht geschlagen.

Ich sagte doch schon, dass ich ihn geschubst habe.

Entschuldigung. Ich versuche nur herauszufinden, was passiert ist.

Wir müssen darüber reden.

Es gibt verschiedene Arten, wie man darüber reden kann.

Natalie.

Ich möchte dir nur sagen, dass ich dir glaube.

-Das tun wir auch, Lykke. Natürlich. -Das ist schön.

Die Polizei sagt, sie habe ihn geschlagen, und Lykke sagt, sie habe ihn geschubst.

Das ist ein großer Unterschied.

Irgendwas stimmt da nicht. Hat jemand gesehen, dass sie ihn geschlagen hat?

Ja, Amina und Vilde. Aber man kann ihnen nicht vertrauen.

Wieso nicht?

Je schneller man nach einem solchen Vorfall mit einem Kind spricht,-

-desto wahrscheinlicher ist es, dass es die Wahrheit sagt.

Aber sobald sie miteinander reden, beeinflussen sie ihre Geschichten.

Aber … Wann haben sie das gesagt? Das muss doch gleich danach gewesen sein?

Das stimmt, aber du weißt doch, wie die sind. Es wird getratscht.

-Es wird getratscht …? -Ich weiß es nicht.

Kann ich dich noch etwas anderes fragen?

Wir hatten gerade ein Treffen mit dem Krisenteam.

Sie sagten, es habe wegen Natalie-

-eine Besorgnismeldung ans Jugendamt gegeben.

Ja, ich dachte, ihr wüsstet davon.

-Nein. -Das war echt schrecklich.

Johannes Mutter meinte, dass Johanne psychisch fertiggemacht würde.

Auch von anderen Mädchen, aber wohl hauptsächlich von Lykke.

-Daher bekamen wir Besuch vom Jugendamt. -Die Sache wurde fallengelassen.

Ja, zum Glück. Das war echt schrecklich.

Seltsam, dass wir nichts davon erfahren haben.

Ja, also, Marta, die Kontaktlehrerin bei dir war …

-Sie glaubte das nicht. -Nein.

Daher meinte Johannes Mutter, sie müsse andere einschalten.

Die betroffenen Mädchen waren auf völlig verschiedenen Ebenen.

Die sind ja sehr verschieden in dem Alter.

Manche konnten über Sex und Menstruation reden, andere nicht.

Johanne bekam Bauchschmerzen, wenn das Thema war.

Wir nahmen das aber ernst und haben intensiv mit Lykke darüber geredet.

Und sie versprach, dass es nicht wieder vorkommen wird.

Sie schien das sehr ernst zu nehmen. Es hat sich dann wieder beruhigt.

Ich habe solche Kopfschmerzen.

-Hast du Kopfschmerzen? -Nein.

Was machst du?

Einen Bericht schreiben.

-Hallo. -Hallo, Signe.

Das Krisenteam bittet um eine Liste mit besonders empfindlichen Kindern.

Mir fiel Sinat ein, der letztes Jahr seinen Bruder verloren hat.

-Fallen dir noch andere ein? -Ja, viele.

Johanne ist sehr empfindlich. Sie weint viel.

Ja, das tut ihr Mutter auch. Eine effektive Verhandlungsmethode.

-Ich habe mit Johannes Mutter geredet. -Hat sie geweint?

Sie sprach wie immer mit dünner Stimme.

Kannst du die Liste sofort machen? Das Krisenteam will die heute haben.

Jetzt? Ich wollte gerade meine Kinder vom Kindergarten abholen.

Vielleicht kann Peter das machen?

Nein, das kann er nicht.

Ich könnte die Liste erstellen, wenn die Kinder im Bett sind.

Ich hätte sie lieber gleich.

Ich muss jetzt aber wirklich zum Kindergarten.

Ich kann dir die Namen doch nachher per SMS schicken?

Ja, aber …

Ja, mach das.

Hast du Jamies Vater angerufen?

Das war echt hart im Krankenhaus.

-Das muss ich zugeben. -Erzähl uns davon.

Ich war im Krankenhaus, als er kam. Er brach einfach zusammen.

Und dann saß ich dort allein …

Ich wusste nicht, was ich sagen soll.

Wie oft warst du schon in so einer Situation, Signe?

Du hast bestimmt getan, was du konntest.

-Hast du ihn in den Arm genommen? -Ja.

Ich muss los. Ich simse dir später, Liv. Bis dann.

Tschüs, Signe.

In den Arm genommen …

-Willst du noch einen Kaffee? -Ja, bitte.

Seltsam, dass Marta mich nicht vorgewarnt hat, wenn die Lage so ernst war,-

-dass Johannes Mutter das Jugendamt eingeschaltete. Sehr seltsam.

Marta? Hat die nicht gekündigt?

Ja, als wir ins neue Gebäude zogen.

Sie wollte die Umstellung auf offene Räume nicht mitmachen.

Sie arbeitet jetzt als Praktizierende Philosophin.

Sie konnte sich immer so gut auf das Wesentliche konzentrieren.

Das Wort, das ich heute am häufigsten benutzt habe, ist "Notfallplan".

Kein Wort über Schock und Trauer und darüber, wie wir uns fühlen.

Hauptsache, wie haben uns an den Notfallplan gehalten.

"Notfallplan" ist ein ziemlich vager Begriff.

Darin wird nicht einkalkuliert, wie Menschen in Extremsituationen reagieren.

Ist das denn nicht der Sinn eines Notfallplans?

Man kann sich nicht darauf vorbereiten. Es ist immer ein Schock.

Du hattest doch erwähnt, dass Natalie gemobbt wurde.

Ist es das, was Johannes Mutter gemeint hat?

Nein, sie behauptete, dass Natalie die Mobberin ist.

Nein. Anna würde niemals jemanden mobben.

Ist das Klima in der Schule viel rauer geworden?

Nein.

Kari sagte mir mal, dass Anna eigentlich auf die Waldorfschule sollte.

Aber Sigurd meinte, dass sie besser auf eine gemischte Schule gehen sollte,-

-mit mehr Migrantenkindern.

Es macht mich fertig, wenn Leute so reden.

Wieso achten sie nicht darauf, wie gut unsere Schule ist?

Wir schneiden im nationalen Vergleich gut ab. Hohe Zufriedenheit, wenig Mobbing.

Aber wenn es mit Mobbing zu tun hat, müssen wir Maßnahmen ergreifen.

Ich glaube nicht, dass es so ist.

Ich spreche nicht leichtfertig von Mobbing,-

-aber wir dürfen da nicht durch die Finger sehen.

-Heißt es nicht "zwischen die Finger"? -Nein, es heißt "durch".

Was für ein Salat ist das? Der sieht gut aus.

Er besteht aus Fenchel, Granatäpfeln und Schimmelkäse.

Ich frage mich, wo die Grenze zwischen rauem Tonfall und Mobbing verläuft.

Ich habe neulich erst gehört, wie jemand Natalie "Hure" nannte.

Dieses Wort finde ich schwierig. Ich wurde schon oft so betitelt.

Hure? Du?

Ja.

Von Ex-Freunden und Schülern. Hat dich noch niemand eine Hure genannt?

-Jedenfalls keine Kinder. -Aber ihr geht doch dagegen vor?

Ja, wir versuchen es.

Ich habe schon so viele Entwicklungs- gespräche mit Eltern geführt.

Die interessiert die Ausdrucksweise ihrer Kinder nicht,-

-sondern nur, ob sich die Kinder gut entwickeln.

Sie finden es unglaublich wichtig, dass wir ihre Kinder "sehen".

"Wie könnte ich deinen Sohn übersehen", sage ich dann.

"Er nennt mich 'Hure'; natürlich sehe ich ihn."

Die Frage ist eher: Sieht er mich? Aber das interessiert sie nicht.

Ich frage nur, weil ich versuche, eine Erklärung zu finden.

-Brauchen wir keine Servietten, Mama? -Doch. Hol bitte welche aus der Küche.

-Der Salat war sehr lecker. -Danke.

Du musst was essen. Du hast noch nichts gegessen.

Mama, bitte.

Dieser Jamie … Wurde er auch gemobbt?

Nein, ich glaube nicht.

Die Sünden der Eltern wirken sich ja oft auf die Kinder aus.

Mit den "Sünden der Eltern" meinst du, dass der Vater Frp-Politiker ist?

-Ja, nein, also … -Was ist das für eine Logik?

Was ist mit den anderen Frp-Kindern? Werden die etwa auch gemobbt?

Nein, aber da Annas Vater AP-Politiker ist, dachte ich …

Du denkst, das ist wegen der politischen Differenzen der Eltern passiert?

Nein.

So habe ich das nicht gemeint. Eigentlich spielt es keine Rolle.

Ich bin kein Fan von Lundemo, aber jetzt …

Er tut mir so leid.

Es muss schrecklich sein, sein eigenes Kind zu verlieren.

Ich muss los.

Willst du keinen Kuchen essen? Den weltbesten.

-Gibt es noch Kuchen? -Das macht man so am Geburtstag.

Oh, das hatte ich vergessen.

Du hast deinen Geburtstag vergessen?

Worüber denkst du nach?

Atme tief durch.

Und hör dir an, was die Leute um dich herum sagen. Lass sie reden.

Das ist sehr wichtig.

Vergiss dein Geschenk nicht.

Ich wollte sie einpacken, aber …

-Sind das Gardinen? -Ja.

Ist das mein Geschenk?

Du stehst ja nicht so auf Gardinen, aber bei dir kann ja jeder reingucken.

Da kann keiner reingucken. Wieso schenkst du sie nicht Jan und Anders?

Die haben doch ihren eigenen Stil.

Ich habe sie für dich genäht. Willst du sie nicht haben?

Doch, natürlich. Entschuldige. Vielen Dank.

Anders, ich gehe jetzt.

Denkst du, deine Schwester ist einsam?

Nein.

Ja, vielleicht ein bisschen.

Ich hab sie wirklich gern.

Deine Mutter auch.

Es ist großzügig von ihr, dass wir bei ihr wohnen dürfen, bis die Wohnung frei ist.

Hey. Was ist los?

Nichts.

Ach, komm. Sag schon. Ich kenne dich doch.

Da ist etwas.

Ich habe das Gefühl, dass das, was heute passiert ist, meine Schuld ist.

Wieso?

Weil …

Wir haben einen Plan für die Pausenaufsicht in der Schule.

Wir teilen den Schulhof unter uns auf, wenn wir mit Pausenaufsicht dran sind.

Und …

… ich hätte auf dem Fußballplatz sein sollen.

Du warst also nicht dort?

Ich war gerade zur Arbeit gekommen, und dann kam ein neuer Referendar.

Und dann blieben einige von uns stehen, um ihm zu erklären, wo er hin muss.

Ich sagte, ich könne mit ihm reingehen und ihm das Büro zeigen.

Oh.

Wieso sagst du "oh"?

Ich war gerade durch die Tür, als Ellen vom Büro kam.

Da schickte ich ihn mit ihr mit.

Danach ging ich Richtung Fußballplatz, aber da war es schon passiert.

Wie lange warst du nicht da, wo du hättest sein sollen?

Keine Ahnung. Zwei Minuten.

Vielleicht drei Minuten. Ich weiß es nicht.

-Was denkst du? -Also …

-Denkst du, es ist meine Schuld? -Nein!

Nein, bist du verrückt?

Und was sagt Liv dazu?

Keine Ahnung. Ich habe nicht mit ihr geredet.

Hey.

Es ist nicht deine Schuld.

Ich krieg's nicht aus dem Kopf raus.

♫ Stille Nacht ♫

♫ Heilige Nacht ♫

♫ Alles schläft ♫

♫ einsam wacht ♫

♫ Nur das traute ♫

♫ hochheilige Paar ♫

♫ Holder Knabe ♫

♫ im lockigen Haar ♫

♫ Schlaf in himmlischer Ruh ♫

♫ Schlaf in himmlischer Ruh ♫

Mama!

Mama!

Mama!

Oh je, meine Kleine!

Das ist natürlich eine Reaktion.

Ich könnte selbst die ganze Zeit brechen. Ich habe Bauchschmerzen.

Was wird jetzt passieren?

Ich weiß es nicht.

-Musst du hier deine Nägel schneiden? -Ich sammle sie gleich auf.

Sollen wir heute zum Kinderhaus fahren, obwohl sie sich gerade erbrochen hat?

Sollen wir den Termin verschieben? Wäre das nicht blöd?

Aber sie ist doch krank?

Ich will das unbedingt schnell hinter mich bringen.

Ja.

Ich habe letzte Nacht kein Auge zugedrückt.

Ich habe solche Schuldgefühle.

Ist da etwas, was wir getan haben oder hätten tun müssen?

-Hast du keine Schuldgefühle? -Doch.

Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass sie dazu in der Lage war.

Sie ist doch nicht so eine.

Was meinst du mit "so eine"? Es ist ein Junge gestorben.

Und irgendwie hat Lykke seinen Tod verursacht.

Ja.

Aber irgendwas stimmt hier nicht.

Wie soll sie das geschafft haben? Das frage ich mich.

Dazu braucht es eine Art Aggression oder Kraft, die sie nicht besitzt.

Woher sollte sie die haben? Von mir hat sie die nicht.

Ich könnte mich bestimmt prügeln, wenn ich nur wütend genug bin.

-Ich glaube nicht, dass du das könntest. -Natürlich.

Das steckt ins uns allen, Sigurd. Das sind unsere Instinkte. Wir sind Tiere.

Das meine ich: Wir sind doch keine Tiere.

Doch, das sind wir. Wir haben die gleichen Instinkte.

Über Millionen von Jahren haben wir uns entwickelt …

Über Amphibien und Affen und all diese Tiere.

-Aber ich merke … -Wir haben nur größere Gehirne.

Es ist echt mies, dass wir uns von Lykkes Tat distanzieren,-

-indem wir sagen, wir könnten das nicht, wir könnten nie jemanden verletzen.

Aber Lykke kann es offenbar.

-Oh. -Bist du zu schnell aufgestanden?

-Du hast Ausschlag auf der Schulter. -Ja, ich werde sie eincremen.

Das sieht schlimm aus.

Es bringt Lykke nichts, wenn wir in Schuldgefühlen ertrinken..

Nein, aber es lässt sich nicht so leicht vermeiden.

Wir müssen uns bei Jamies Vater melden.

-Ich habe mal überlegt … -Was?

Ich habe überlegt, was wäre, wenn es andersrum wäre …

Ja.

Ich weiß nicht, ob ich mit ihm reden oder ihm begegnen wollen würde.

Wir müssen aber Kontakt zu Jamies Vater aufnehmen.

-Das müssen wir. -Ja, aber muss es JETZT sein?

Er muss doch … Er sollte erst dafür bereit sein.

Ja, aber wir müssen es trotzdem tun. Alles andere wäre unanständig.

Was passiert als Nächstes?

Er wird zur Rechtsmedizin gefahren, und dann wird er obduziert.

Ich hatte das Gefühl, dass ich die Schule nicht verlassen kann.

-Ich schickte dir haufenweise SMS. -Hab ich gemerkt.

Es weißt ja keiner, dass wir zusammen sind.

Ich schaffe das nicht.

Entschuldigung.

Entschuldigung.

Eins nach dem anderen. Bis später dann.

Helene! Hast du kurz Zeit?

Einen Moment.

Gestern, als Liv mich bat, länger zu bleiben … Nein, danke.

Ich fand das nicht in Ordnung.

Ich wollte dich fragen, ob du darauf reagiert hast.

Sie wusste doch, dass ich meine Kinder abholen muss.

Peter fand es unglaublich, dass sie mir Überstunden aufbrummen wollte,-

-obwohl sie wusste, dass ich die Kinder abholen muss.

Dazu hat sie doch kein Recht?

Liv fragte, ob Peter die Kinder abholen kann, du verneintest, sie akzeptierte das.

-Ist das nicht korrekt? -Schon …

Ich fand's nicht in Ordnung, dass sie mir ein schlechtes Gewissen machte.

Ich glaube nicht, dass Liv absichtlich …

-Hallo. Ist das Krisenteam da? -Hast du verschlafen?

Das Krisenteam hat das Kollegium gebrieft und geht jetzt durch die Klassen.

Um neun ist Elternbeiratssitzung. Das ist jetzt. Bist du bereit?

Danke für die SMS gestern, Signe. Das war sehr nett.

Kein Problem.

Komme gleich.

-War noch was? -Ja.

Ja, ich dachte nur …

Es war ja niemand auf dem Fußballplatz, als es passierte.

Eigentlich hätte Anders dort sein sollen.

Ja, er war mit dem Referendar beschäftigt.

Wir können nicht immer überall sein.

Aber ich bin mir nicht sicher, ob Liv das weiß.

Vielleicht sollten wir ihr das sagen?

-Ja? -Hallo?

Kann sich jemand um diesen armen Mann kümmern?

Oh, du Armer.

Das Krisenteam arbeitet gerade daran.

Sie haben Erfahrung im Umgang mit den Medien.

-Helene hat euch schon gebrieft? -Danke, Liv.

Hat sie.

Drückt uns die Daumen.

Es …

-Möchtest du Kaffee? -Ja, danke.

Wir sind natürlich …

Wir finden das schrecklich traurig.

Entschuldige, Simon, ich schließe mal die Tür.

Dieser Brief, den wir gestern erhielten …

Der war sehr vage.

Auch wenn ihr euch an die korrekten Prozeduren gehalten habt …

Ich verstehe nicht, wie sie ihn umbringen konnte,-

-ohne dass jemand es gesehen hat und hätte eingreifen können.

Können wir bitte vorsichtig sein mit dem Wort "umbringen"?

Genau das ist doch passiert.

Es gibt einen großen Unterschied zwischen "jemanden umbringen"-

-und "jemandes Tod verursachen".

Die Worte, die wir jetzt wählen,-

-wirken sich darauf aus, wie wir - und auch die Schüler - die Lage begreifen.

-Versteht ihr, was ich meine? -Nein, nicht ganz.

Wieso kann man das Kind nicht beim Namen nennen?

Ja, wenn man sich ganz sicher ist, wie dieses Kind heißt, dann schon.

Egal, welche Worte wir benutzen: Wir haben einige Fragen.

Das verstehen wir.

Sind die Routinen der Schule-

-in Bezug auf die Aufsicht und solche Dinge gut genug?

Wie lange wusstet ihr schon, dass Natalie instabil ist?

-Und wieso habt ihr nichts unternommen? -Natalie ist nicht instabil.

Aha? Das denke ich schon.

Ich habe schon früher auf Natalies Verhalten reagiert.

Ich sprach mit Marta darüber, als sie noch hier war. Aber …

Ich hatte nicht das Gefühl, dass sie es ernst nimmt.

Worum ging es?

Wieso bist du nicht zu mir gekommen?

Marta war ja Kontaktlehrerin.

Ich wollte sie nicht übergehen, indem ich mich an dich wende.

Johanne hatte lange Zeit Angst vor Natalie.

Und so, wie sie Natalie beschreibt, ist sie eine tickende Zeitbombe.

Sie wollte Vilde und Amina dazu bringen, Nacktfotos ins Netz zu stellen.

Sie hat Johanne mehrmals "Hure" genannt. Die sind 13 Jahre alt!

Das ist fast schon geistiges Mobbing. Johanne kann nachts nicht schlafen.

Das war total schrecklich für sie.

Manchmal ging es so weit, dass ich das Jugendamt einschalten wollte.

Aber das hast du nicht getan? Wieso bist du damit nicht zu uns gekommen?

Bin ich. Ich habe beim Elternsprechtag mit dir darüber gesprochen, Anders.

Ich fragte dich, ob dir an Natalie ungewöhnliches Verhalten aufgefallen ist.

Ob es ihr vielleicht nicht gut ging und sie deshalb so aggressiv ist.

Wir helfen ja gern, wenn etwas los ist. Aber dir war nichts aufgefallen.

-So habe ich deine Frage nicht verstanden. -Wie denn dann?

Also, ich … Um ehrlich zu sein, verstand ich nicht, was du meintest.

Wieso hast du von Natalie gesprochen, obwohl es um Johanne gehen sollte?

Natalie gehört zu den aufgewecktesten Schülerinnen.

Das hört sich total verrückt an.

Der Tonfall unter den Schülern kann rau sein, ohne dass wir es bemerken.

Das hat aber nichts mit dem Todesfall zu tun.

Natürlich könnte es das!

Wenn Natalie eine tickende Zeitbombe ist.

Es darf keine Schüler in der Klasse geben, die ein Risiko für die anderen darstellen.

Haben sich noch andere beschwert, oder nur Johanne?

Also … Ich weiß es nicht.

Victor hat nichts davon gesagt, aber er lebt ja in seiner eigenen Welt.

Aber sie muss jetzt die Schule wechseln, oder?

Zuerst müssen wir herausfinden, was passiert ist,-

-und dann überlegen wir, was für sie und die anderen das Beste ist.

Am Wichtigsten ist es doch wohl, ein sicheres schulisches Umfeld zu schaffen?

Ja, und Natalie ist auch ein Teil dieses schulischen Umfeldes.

Wir schaffen kein sicheres schulisches Umfeld,-

-indem wir einfach jemanden entfernen, der in Schwierigkeiten geraten ist.

"Schwierigkeiten" … Okay. Wir sprechen hier von Mord!

Wir sprechen über ein dreizehnjähriges Mädchen,-

-das bei einem Unglück den Tod eines anderen verursacht hat.

Das klingt, als würdest du es bagatellisieren.

Nein, das tu ich nicht.

Ich höre, was du sagst.

Aber was ich sage ist nicht das, was du hörst.

Es geschah nicht absichtlich. Es war ein Unfall.

Das hätte jedem von uns passieren können.

Bei einer guten Gemeinschaft geht es nicht nur darum,-

-vermeintliche Bedrohungen zu entfernen,-

-sondern darum, das Verantwortungsgefühl der Schüler untereinander-

-und für die Schulgemeinschaft zu stärken.

Und das ist die Policy der Schule?

Es ist eher die Beschreibung meines Postens in der Schule.

Wird es denn keine Untersuchung geben?

Es ist wichtig, dass ihr das gründlich untersucht, um Schwachstellen zu finden.

Ja. Das ist uns auch wichtig.

Wir wissen, dass unsere Aufsicht den Vorschriften entsprach.

Wir werden uns natürlich genau ansehen, was passiert ist, und den Handlungsverlauf.

Und dann werden wir unsere Routinen durchgehen und gründlich evaluieren.

Wird es morgen eine Gedenkstunde geben?

Ja.

Es gibt einige …

Jamie war so ein toller Junge, und viele werden ihn vermissen.

Daher haben wir uns überlegt, dass es schön wäre,-

-wenn die Schule eine Facebookseite einrichten könnte, eine Kondolenzseite,-

-wo die Menschen Erinnerungen und Gedanken teilen können.

Ja, wir verstehen dieses Bedürfnis.

Aber wir nutzen die gemeinsamen Online-Tools der Osloer Schulen.

Wir halten uns von Facebook fern, weil wir es nicht kontrollieren können.

Außerdem finden wir, dies sollte eine Facebook-freie Zone sein.

Ich fände eine Kondolenzseite sehr schön,-

-denn dann hätten die Menschen einen Ort, an dem sie ihre Trauer teilen können.

-Es gibt andere Wege … -Wir müssten Jamies Vater einbeziehen.

Wir können mit einen Mann, der gerade seinen Sohn verloren hat,-

-nicht über Facebook reden.

Gibt es keine anderen Wege, seine Trauer auszudrücken?

Sind wir dabei wirklich von einem amerikanischen Großkonzern abhängig?

Außerdem ist Facebook ein Privatunternehmen.

Ich weiß nicht, ob die Schule einfach so unkritisch eine Privatfirma nutzen kann.

Wir müssten das ausschreiben.

Manchmal …

Manchmal fällt es mir schwer, dir zu vertrauen.

Okay. Dann ist es meine Aufgabe, dieses Vertrauen zu gewinnen.

Ich vertraue dir.

Ich wüsste nicht, was an Livs Erklärung witzig sein sollte.

Wir müssen konsequent sein.

Zurück zu deiner eigentlichen Frage …

Gott, war das knapp! Fast hätten wir den Bus verpasst.

Darf ich vorstellen: Das sind Sigrid und Gunnar. Sie sind Geschwister.

-Und das ist Jan, Anders Partner. -Oh, Anders hat jetzt einen "Freund"?

Wir lachen, weil wir letztes Mal darüber sprachen, was wir sagen,-

-wenn wir über Homosexuelle sprechen.

Ich find's doof, "Freund" zu sagen, weil das meine Mutter immer gesagt hat.

Ich habe nie "Freund" gesagt.

Aber ich hatte viele schwule Freunde im Parlament.

-Wirklich? -Ja. Hauptsächlich Rechte.

Es ist seltsam, dass Schwule sich zur Rechten hingezogen fühlen.

-Ist das wahr? -Ihr seid gerade hergezogen?

Ja. Also, ich bin gerade hergezogen. Wir wohnten mehrere Jahre in Bergen.

Anders zog im Juli hierher, und ich kam vor ein paar Wochen nach.

-Was arbeitest du? -Ich bin eigentlich Psychologe.

Ich praktiziere aber erst nächstes Jahr.

Bis dahin kann er bei den Walkings mitmachen,.

Wieso nennt ihr euch "Walkings"?

Wir waren alle als "Nachtraben" unterwegs, die nachts unterwegs sind, um zu helfen.

Aber Kari fand, dass wir mehr über Kunst lernen sollten.

Ja, ich finde es förderlich, sich Kunst anzusehen und darüber zu diskutieren.

-Und du bist ja Keramikerin, Torunn. -Ich weiß.

Und ich bin Bibliothekarin.

Und du sprichst unglaublich gern Englisch. Ja, das stimmt.

Daher haben wir einen englischen Kunstzirkel gegründet: "Art walks."

Wir machen Ausflüge und diskutieren auf Englisch über Kunst.

Habt ihr bei den Nachtraben aufgehört?

Nein, ich bin noch dabei.

Bist du auch Bibliothekar?

Nein, ich arbeite beim Gewerkschaftsverband.

Ich bin Bezirksleiter.

-Mir gefällt dein Pulli. -Wirklich? Vielen Dank.

-Hast du Helge gesehen? -Nein.

Das ist Hans Lucas. Er macht hier sein Referendariat.

-Wir haben uns gestern kurz gesehen. -Kann sich jemand um ihn kümmern?

-Frag Helge. Er hat die Pläne. -Den suchen wir gerade.

Hallo, übrigens. Wie geht's? Warte im Lehrerzimmer.

Ich muss dich kurz sprechen. -Helge ist bestimmt im Kopierraum.

Die Sache mit Johanne … Das klingt seltsam. Und …

Ich werde versuchen, Marta zu erreichen.

Vielleicht kannst du mit Natalie darüber reden?

Ich begreife einfach nicht, wie so etwas passieren kann.

-Anna ist doch so nett. -Ja.

Heißt sie Anna Natalie? Ihr sagt Anna, aber Anders und Liv nennen sie Natalie.

Sie heißt Lykke Natalie. Nur ich nenne sie Anna.

Meine Großmutter hieß so. Sie hätten sie nach ihr benennen sollen.

Sie war eine der ersten Frauenrechtlerinnen im Land.

Anna Matilde Eriksen.

"Lykke" ("Glück") … Das ist ein alberner Name.

Wenn sie dachten, der Name würde etwas Gutes bewirken,-

-hätten sie sie "Gleichstellung" nennen sollen. Gleichstellung Eriksen.

Das hätte meiner Großmutter gefallen.

Ich bin gerade nicht in der Stimmung dafür.

Sie tut mir so leid. Ich hoffe, dass es etwas Gutes mit sich bringt.

Dass die Schule darüber nachdenkt, die Gemeinschaft zu stärken.

Ich verstehe nicht, wieso sie die Gemeinschaft stärken sollen,-

-wenn so etwas Schreckliches passiert?

Die Menschen müssen begreifen, dass es inakzeptabel ist, jemanden zu schlagen.

Wenn etwas gestärkt werden sollte,-

-dann die Anständigkeit eines jeden. Findet ihr nicht?

Ich denke gerade an etwas, was du gesagt hast, Torunn.

Dass es nichts Schlimmeres gibt, als ein Kind zu verlieren.

Nein.

Ist es schlimmer, ein Kind zu verlieren, als einen Erwachsenen zu verlieren?

Ich denke jedes Mal daran, wenn ich in den Nachrichten von einem Unfall höre.

Dann werden Kinder immer hervorgehoben: "30 Tote, darunter 10 Kinder."

-Sind alle satt? -Ja.

Da steht nie was von drei Frauen zwischen 60 und 70.

Aber das ist ja auch schlimmer.

Du hast keine Kinder, Gunnar. Du weißt nicht, wie es ist, ein Kind zu verlieren.

Hör auf damit. Ich habe genau das Gleiche gedacht, und ich habe Kinder.

-Viele? -Zwei Mädchen.

Sie wohnen in Sandnes.

Eine arbeitet in der Ölbranche, die andere ist Immobilienmaklerin.

Sigrid ist wie diese Frau in "Rosemaries Baby".

-Sie gebar das Kind des Teufels. -Ja, das ist wahr.

Hast du gar keinen Kontakt zu ihnen?

Selten. Wir sind sehr unterschiedlich. Sie kommen beide nach ihrem Vater.

Wollen Anders und du Kinder haben? Ihr dürft ja jetzt auch adoptieren.

Ich bin so froh, dass wir als Arbeiterpartei dieses Unrecht beseitigen konnten.

Kari hat sich da wirklich für eingesetzt. Das hast du gut gemacht.

-Das ist doch ein Menschenrecht. -Findest du das wirklich?

Ja, das finde ich.

Für mich ist es eher ein Menschenrecht für die, die es sich leisten können.

Das sehe ich ganz genauso. Das ist doch kein Menschenrecht!

Ich mag es nicht, wenn Menschen den Begriff für alles benutzen, was sie haben wollen.

-Der Pullover ist wirklich sehr schick. -Findest du?

-Möchtest du ihn haben? -Nein. Nein, nein.

-Ich ziehe ihn fast nie an. -Gunnar, jetzt nimm ihn an.

-Du hast so sehr darum gebeten. -Nein. Das ist mir jetzt peinlich.

Der steht dir bestimmt gut.

Probier ihn an.

Meine Güte, ist das teuer!

Ich glaube, es sind rund 300 Kronen für jeden.

Marta wartet in der Bibliothek auf dich.

Jetzt schon?

Vielleicht begann Sonja Henie mit Kunst, weil sie selbst Eiskunstläuferin war.

Vielleicht war es für sie irgendwie logisch.

"Ach, jetzt bin zu alt zum Eiskunstlauf, also mache ich jetzt Kunst."

-Du hast also nichts unternommen? -Nein.

Ich fand, wir sollten mit Natalie darüber reden, damit sie die Situation versteht-

-und nicht mehr so frech zu Johanne ist.

Johannes Mutter fühlte sich nicht ernst genommen. Du hättest es melden sollen.

Ja. Aber es war mir wichtiger, mit Natalie und Johanne zu reden,-

-als bürokratische Formalitäten zu befolgen.

Für die Schülerinnen und Schüler dazusein, nicht für ihre Eltern.

Nein.

Es ist nur so, dass die Schülerinnen und Schüler verzeihen und vergessen.

Aber die Eltern vergessen nie etwas.

Nein. Ich dachte, wir wollten genau dem widerstehen.

Das hast du immer gesagt: Dass wir für die kleinen Menschen da sein sollen.

Das war unsere Aufgabe.

Das sagtest du immer, und ich dachte:

"Ich bin so froh, dass ich eine Chefin habe, die so denkt."

Aber zu den "kleinen Menschen" gehören halt auch die Eltern und die Schulbehörde.

Ja, das mag sein. Und das macht den Lehrerberuf zu einer unmöglichen Aufgabe.

Nein, das sehe ich anders.

Sie hat ein bisschen gespuckt.

Wir hätten zum Kinderhaus fahren können, aber wir haben es auf morgen verschoben.

Hallo.

Was machst du?

Hörst du Musik?

Du hörst Justin Bieber?

Hey! Du!

Ich verstehe dich nicht! Ich werde nicht schlau aus dir!

-Sie versteht nicht, was sie getan hat. -Doch, das tut sie.

-Sie hört doch nur Musik. -Geh du zu ihr rein.

Hallo.

Sie ist nur sauer, weil ich Justin Bieber höre.

Hätte ich Patti Smith gehört, wäre das okay, weil sie die selbst hört.

Was empfindest du, wenn du Justin Bieber hörst?

Ist es Trost?

Kann ich dich was fragen?

Ich darf weder mein Telefon noch das Internet benutzen.

Weißt du, ob jemand was über mich geschrieben hat?

Ich habe gesehen, dass eine Online-Zeitung darüber geschrieben hat.

Aber sie nennen deinen Namen nicht.

Ist da ein Foto von Papa drin?

Ich habe nur den einen Artikel gesehen. Da gibt es weder Namen noch Fotos.

Kann ich dich was fragen?

Ich habe schon gesagt, was passiert ist.

-Wir haben nur rumgealbert. -Ich weiß.

Es geht um etwas anderes.

Ich habe gehört, dass du Amina und Vilde dazu überreden wolltest,-

-Nackfotos von sich ins Netz zu stellen.

Hat Johanne das behauptet?

Das ist Quatsch.

Johanne steht auf Ahmed.

Aber er beachtet sie gar nicht.

Deshalb hat Vilde gesagt, sie soll ihm Fotos von ihren Brüsten schicken.

Aber Johanne hat ja gar keine Brüste.

Und …

Außerdem ist Ahmed Muslim.

Und man kann einem Muslim keine Fotos von seinen Brüsten schicken.

Das sollte man zumindest nicht.

Das hab ich denen gesagt.

Und Jamie hat das auch gesagt.

Ja.

Er sagte auch, dass es idiotisch ist, dass man seine Brüste zeigen muss,-

-um gemocht zu werden.

Dann sagte Vilde, dass ihre Mutter ihrem Mann mal ein Nacktfoto von sich schickte,-

-als Aufmunterung an einem harten Arbeitstag.

Und dass viele Frauen das machen.

Ja.

Quasi aus Fürsorge.

Es stimmt also nicht, dass du das warst?

Vilde und Amina haben Nacktfotos gemacht, ohne dass ich etwas gesagt habe.

Aber ich glaube nicht, dass sie die jemandem geschickt haben.

Gibt es viel Streit zwischen dir und Amina und Vilde?

Nein, nicht wirklich.

Sie haben nur was dagegen, dass ich mich mit Shampoo wasche.

Mit Shampoo?

Ja. Wenn ich mir die Haare wasche, läuft das Shampoo eh runter.

Und dann kann ich mich auch gleich damit waschen. Vilde findet das eklig.

Ich habe gehört, dass sie …

Dass sie dich eine Hure nennen. Erinnerst du dich daran?

Nein.

Aber das haben sie bestimmt. Zumindest jetzt.

Das sagen wir nur so. Jamie ist der Einzige, der darauf reagiert.

Er muss immer jedes Wort von mir auf die Goldwaage legen.

War es das, worüber du gestern mit Jamie gesprochen hast?

-Gestern? -Ja.

Nein.

Oder … doch.

Er sagte, dass Victor auf mich steht.

Dann sagte ich, dass er sich irrt.

Wenn Victor auf jemanden steht, dann auf Jamie.

Und was hat Jamie dann gesagt?

Es wurde verlegen, und dann lachte er.

Wieso hast du ihn geschubst?

Ich weiß es nicht mehr.

Er balancierte auf diesem Ball herum.

Und dann verlor er die Balance, glaube ich.

Sie werden dich morgen im Kinderhaus danach fragen.

Was wirst du ihnen sagen?

Ich sage, was ich die ganze Zeit gesagt habe. Es ist doch die Wahrheit.

Ich muss doch die Wahrheit sagen.

Ja.

Wäschst du dir manchmal den Körper mit Shampoo?

Nein. Meinst du, ich sollte das tun?

Es gibt ja auch Duschgels, die für Körper und Haare gemacht sind.

Ja.

Ich hab heute den gestreiften Pulli verschenkt.

-Wem? -Gunnar. Ein Freund deiner Mutter.

Der Gewerkschafts-Typ? Wieso?

Entschuldigung. Ich hole nur schnell meine Zahnbürste.

Das kann ich machen. Das ist Frauenarbeit.

Wusstest du, dass Jan meinen Pulli verschenkt hat?

Gehörte der dir? Ich werde ihn zurückholen.

Nein. Wieso? Er gefiel ihm doch so sehr.

Und er stand ihm so gut.

-Er ist doch schwul, oder? -Denkst du? Das glauben wir alle.

Sigrid hat sich sehr bemüht, es aus ihm rauszukriegen, aber er bleibt hartnäckig.

Ihr habt geflirtet. Ist dir das unangenehm?

Nein.

Und du hast auf das Flirten reagiert, indem du ihm meinen Pulli geschenkt hast?

-Ach … -Ja, ich glaubte, er würde ihm stehen.

Und das tat er. Ich bekam das Gefühl, dass er nie mit jemandem zusammen war.

Also hast du ihm meinen Pulli als Ersatz gegeben?

-Bist du jetzt sauer? -Du hast schon seltsame Ideen …

-Ich gehe mal besser. -Werd doch nicht sauer.

Hast du mit Liv darüber geredet, was gestern passiert ist?

Wenn du es nicht tust, wird sich dein schlechtes Gewissen festsetzen.

Ich kenne dich. Ich weiß, wie du tickst.

Ich weiß nie, ob es gut oder schlecht ist, wenn Leute sagen, sie würden mich kennen.

Ob ich das als Beruhigung oder Einschränkung betrachte.

Ich mag es, wenn du mir das sagst.

Hey.

Wir werden jetzt ein bisschen was essen.

Komm.

Es denken ganz schön viele an dich.

"Wir sind bei dir in deiner Trauer. Berit und Stian."

Wer war das noch gleich?

Berit ist Parteisekretärin im Kreisverband, und Stian ist ihr Mann.

Seltsamer Typ. Er ist so …

Ich stelle sie ins Wasser.

Sie haben sich einfach nur unterhalten?

Hat sie …

Sie hat sich einfach nur mit Jamie unterhalten?

Ich weiß ja nichts.

Ich weiß auch nichts.

Wir versuchen das gerade herauszufinden.

Morgen gibt es eine Gedenkstunde in der Schule.

Eine Gedenkstunde?

Ja.

Du kannst dabei sein, wenn du willst.

Ich kann keine Gedenkstunde abhalten, während er in der Rechtsmedizin liegt.

Die ist für die Schülerinnen und Schüler.

Ich will ihn einfach zurückhaben.

-Wollen wir eine Runde spazieren gehen …? -Nein.

Wollten wir heute nicht zu der Besichtigung?

Das fällt dir jetzt ein?

Ich weiß, was du denkst, aber …

Natürlich hat sie ihn geschlagen.

Ich verstehe sie sehr gut. Ich hätte genau das Gleiche getan.

Ich hätte versucht, mich so gut es geht herauszulügen.

Sie sagt aber, dass sie das nicht getan hat.

Und dann muss ich ihr das glauben.

Wenn deine Eltern dir nicht glauben - wer soll dir dann glauben?

Ja, aber …

Wer soll Verständnis dafür zeigen, dass du dachtest, du musst lügen,-

-wenn es deine Eltern nicht tun?

Hallo!

Hallo, meine Kleine.

Möchtest du dich zu uns legen?

Komm.

Du bist ganz kalt.

Lasst uns ein Sandwich machen.

Du bist der Käse.

Es gießt in Strömen. Heute brauchst du die Gummistiefel mal wirklich.

Aber die passen nicht.

Die sind doch ganz neu. Du hast sie sogar mal an einem trockenen Tag getragen.

Eva, sag ihr bitte, dass sie Gummistiefel anziehen soll, wenn es regnet.

Ja, das solltest du.

Du hast monatelang um die gebettelt. Und jetzt willst du sie nicht anziehen?

Was willst du denn anziehen?

Müssen wir da hin?

-Meine Güte. -Keine Chucks; die werden nass.

Lass sie doch.

Wenn man einen Menschen getötet hat, kann man auch nasse Füße kriegen.

Sorry.

Entschuldigung. Entschuldigung, Lykke.

Entschuldigung.

Das war echt gemein von mir.

Oh je. Mama sagt so blöde Sachen.

Okay. Los geht's.

Beeil dich etwas.

Natalie? Dein Rucksack wurde neben Jamie gefunden.

Die Polizei hat den Rucksack untersucht-

-und herausgefunden, dass Jamie damit geschlagen wurde.

-Weißt du, wo mein Rucksack jetzt ist? -Der ist bei der Polizei.

-Weißt du, ob ich ihn zurückbekomme? -Ja.

Ich verspreche dir, dass du ihn zurückbekommst.

Kannst du versuchen, mir etwas genauer zu erklären, was an dem Tag passiert ist?

Kannst du es versuchen?

Wir standen herum und redeten miteinander, ganz normal.

Worüber habt ihr geredet?

Über eine Arbeit in Norwegisch.

Er war neidisch, weil ich eine bessere Note hatte als er.

Er ist fast immer der Beste.

-In Norwegisch? -Ja, eigentlich in allem.

In allen Schulfächern?

Ja, aber nicht nur in der Schule.

Er kann …

Er kann quasi durch mich hindurch sehen.

Und dann sagt er, was er sieht.

Hattest du an jenem Tag das Gefühl, er würde durch dich hindurch sehen?

Nein. Er sagte, ich hätte geschummelt.

Aber das stimmte nicht.

Und er hörte nicht auf damit.

Ich fand das ungerecht.

Daher habe ich ihn geschlagen.

Kannst du mir zeigen, wie du ihn geschlagen hast?

Soll ich dazu aufstehen?

Wenn du möchtest.

Okay …

Ich hatte den Rucksack über der Schulter, und ich schleuderte ihn einfach herum.

Ich wollte ihn in den Bauch treffen.

Wir haben das schon mal gemacht, und da ging ja alles gut.

Und dann sah ich, dass ich seinen Kopf getroffen hatte,-

-und er fiel sofort zu Boden.

Ich habe einige Dinge mit dem Anwalt geklärt.

Er bestätigt, dass der Fall sowieso zu den Akten gelegt werden wird,-

-weil sie zu jung ist, um bestraft zu werden.

Die große Frage ist aber, ob der Fall geschlossen wird,-

-weil sie es für einen Unfall halten, oder wegen ihres Alters.

Wenn sie es für einen Unfall halten, ist sie quasi unschuldig.

Wenn sie den Fall aber wegen ihres Alters schließen,-

-sehen sie sie als schuldig an und nur zu jung für eine Bestrafung.

-Was bedeutet das? -Im Prinzip nichts.

Die Sache hat aber einen emotionalen Aspekt, weil …

Wenn sie sie für schuldig halten, wird ihr das den Rest ihres Lebens anheften.

Das wird es wohl so oder so.

Nein, nicht unbedingt.

Das hängt vom Urteil ab.

Ich meinte das Gewissen.

Man fühlt sich schuldig, ganz egal, ob man es ist oder nicht.

Aber dann ist es etwas Irrationales, und daran kann sie arbeiten.

Es ist auch wichtig, wie wir uns zu der Sache verhalten.

Wir müssen ihr helfen, dass sie sich möglichst wenig schuldig fühlt.

Unabhängig davon, wie ausgeprägt unser Schulbewusstsein ist.

Also, wir … Wir müssen dann mal los.

Ich wusste gar nicht, dass sie eine Arbeit in Norwegisch geschrieben hatten.

Doch, hatten sie. Aber das war in der Woche davor.

-Hast du mit Jamies Vater gesprochen? -Ja. Oder nein.

Ich hab's noch nicht geschafft. Aber ich werde es tun.

-Tschüs. -Man sieht sich.

Es wird eine Gedenkrede von Diakon Sven Haugen geben. Ein netter Kerl.

Victor wird einen Text vortragen, Emma und Hana werden ein Lied singen.

Sahib sollte Gitarre spielen, aber er hat abgesagt.

Aber zum Glück haben wir Lucas,-

-den besten Referendar der Welt, der praktischerweise Gitarre spielt.

-Kennt ihr ihn schon? -Ich habe einige kennengelernt.

Er hat vorgestern hier angefangen, und heute spielt er Gitarre.

Wieso sind da so viele Autos auf dem Schulhof?

Sind das nicht die Filmleute?

-Die drehen heute einen Werbesport. -Ja, sie haben die Aula gemietet.

Die können heute nicht hier sein.

Wo soll denn unsere Gedenkstunde stattfinden?

-Wo sollen wir hin, Helene? -Ich werde mit ihnen reden.

-Weißt du, ob Anders zurück ist? -Nein. Aber Jamies Vater ist hier.

Hallo.

Wir gehen ins Büro.

Ich habe mit dem Anwalt gesprochen. Jetzt passiert einiges.

Es kam heraus, dass sie Natalie im Kinderhaus verhört haben.

Sie hat Jamie so hart geschlagen, dass er gestürzt ist.

Mit ihrer Schultasche.

Ich habe mit der Rechtsmedizin gesprochen. Die sagen, er hatte eine Blutung,-

-eine innere Blutung, weil er auf irgendwas gefallen ist.

Was machen die da?

Das ist ein Filmteam. Die drehen einen Werbespot.

Wolltet ihr nicht eine Gedenkstunde abhalten?

Entschuldigung.

Lundemo hat es sich anders überlegt und ist doch gekommen.

Ja.

Ich möchte mein Beileid ausdrücken. Es ist einfach unbegreiflich.

Der Diakon ist jetzt da.

Ihr könnt keine Dreharbeiten während der Gedenkstunde zulassen.

Das ist schon vor langer Zeit geplant worden.

Wir führen die Gedenkstunde in ihrer Mittagspause durch.

-Wir können da nichts tun. -Wir sind an den Vertrag gebunden.

An einen Vertrag? Es gab einen Todesfall an der Schule.

Es ist echt krank, dass ihr so etwas nicht absagen könnt.

Jamie ist tot, Liv.

Ich begreife nicht, wie du so tun kannst, als wäre nichts passiert.

-Sorry. Gibt es hier eine Toilette? -Möchtest du mit dem Diakon reden?

Gleich den Gang runter. Also, rechts im Gang.

Um die Ecke. Rechts um die Ecke.

Läuft da was zwischen euch?

Eins nach dem anderen.

Du trittst heran an mein innerstes Gatter,-

-und ich trete an deines.

Dahinter sind wir beide allein,-

-und das werden wir immer sein.

Wie lange seid ihr schon zusammen?

Ein halbes Jahr. Nein, ein Jahr.

Und du hast mir nichts gesagt? Geht es nur um Sex?

Nein, nicht nur um Sex, aber auch.

Ich bin …

Es macht mich glücklich, mit ihm zusammenzusein.

Und es macht ihn glücklich, mit mir zusammenzusein.

Er mag es, mich zu berühren.

Man sieht es dir an.

Du siehst zufrieden aus.

-Und was ist mit der Politik? -Wir reden nicht über Politik.

Es lässt sich doch nicht vermeiden, auf politische Dinge zu kommen.

Er ist aber viel mehr als das.

Er ist so ein feiner Kerl.

Er ist warmherzig, großzügig, nett und witzig.

Das hat Eva Braun auch gesagt.

Es hat drei Minuten gedauert, bis du die Nazi-Karte gespielt hast.

Die Partei der Rechtspopulisten. Und du.

-Fühlst du dich ihm nicht überlegen? -Ja, aber ich fühle mich allen überlegen.

Das ist meine Hybris.

Und die tut mir nicht gut.

Aber dann denke ich daran, wenn ich Leute treffe, dich ich für dumm halte.

Vielleicht bin ich einfach nur eingebildet.

Vielleicht bin ich gar nicht so schlau, wenn ich so über Menschen denke.

Er tut mir sehr gut.

-Oh, hallo. -Hallo.

Herein.

Zieh dir bitte die Schuhe aus.

Ich wollte mal nachsehen, wie es dir geht.

Ich hätte mich schon früher melden sollen, aber …

Ich habe dich bei der Gedenkstunde gesehen.

-Du warst so schnell weg. -Ja, ich bin sofort abgehauen.

Wie …?

Wie war es für dich?

Ich finde, es war-

-absolut schrecklich, um ehrlich zu sein. Das mit den Dreharbeiten …

-Ich fand das unwürdig. -Ja.

Das war echt ärgerlich.

Es tut mir leid, dass es so war.

Wir haben noch nicht miteinander geredet, daher dachte ich, dass wir …

Ich wollte dich gerne fragen, wie es dir geht.

Vielleicht hast du Fragen?

Weil wir ja …

Wir kennen die Kinder auf andere Weise, da sie den ganzen Tag in der Schule sind.

Ich möchte dir gern sagen, dass alle Jamie mochten.

Er war so aufmerksam den Mitschülern gegenüber.

Ja.

Das hattest du in deiner Rede erwähnt. Empathie.

Davon handelte deine Rede quasi. Kein Wort darüber, dass er-

-der Klassenbeste war.

Sehr gut in Mathe. Sehr gut in Fußball.

Ja, Fußball …

Ich wünschte, jemand hätte es gesagt. Dass er …

Wie schlau er war.

Er war auch in Norwegisch sehr gut. Das ist mein Fach.

Ja, das ist … Norwegisch ist sehr wichtig.

Jamie wusste, dass die Schule ein wichtiger Schritt für sein Leben ist.

Man muss hart arbeiten, um seine Ziele zu erreichen.

Aber dafür brauchst du Ressourcen um dich herum.

Ich weiß nicht, ob …

Er ging nur auf die Schule, weil seine Mutter eine Verbindung dorthin hatte.

Ich wollte eigentlich, dass er die Schule wechselt.

Es gibt dort ja so viele Probleme.

Wie viele Nationalitäten gibt es bei euch?

Prahlt ihr nicht damit, dass es über 50 sind?

Dort ist kein Platz für Leute wie Jamie. Da gilt eine Art Janteloven.

Das Janteloven …

Vielleicht ist es ja auch ein Verdienst der Schule, dass er in allem so gut war.

Glaubst du das?

Er sagte, dass du ihn nicht dran nahmst, wenn er sich gemeldet hat.

Dass du immer jemand anderen gefragt hast.

Er sagte, dass du ihn nicht mochtest. Aber ich habe ihm nicht geglaubt.

Nein, das stimmt auch nicht.

Ich mochte ihn doch …

Ich mochte Jamie sehr.

Er war so gut und …

… lustig und …

Aber er hatte immer sofort die Antwort.

Wenn das Niveau innerhalb der Klasse stark schwankt, müssen auch andere dran kommen.

Genau das meine ich. Das passiert dann.

Das wird für die besten Schüler zum Problem.

Sie werden überhaupt nicht angeregt.

Ich glaube, dass die Schnellsten etwas von den Langsameren lernen können.

Und umgekehrt.

Dass sie lernen, Rücksicht zu nehmen.

Zusammenarbeit ist auch eine wichtige Kompetenz für das Berufsleben.

Sie muss aber erst einmal erlernt werden.

Aber daran mangelte es Jamie doch nicht?

Nein. Ganz genau.

Ja.

Genau.

Also … Es tut mir leid, dass die Rede nicht so war, wie du sie wolltest.

Ich hätte das mit dem Fußball erwähnen sollen.

Du bist ja nicht gerade ein Sportler-Typ, oder?

Es war blöd von mir, jetzt über Schulpolitik zu diskutieren.

Hallo.

-Oh, hallo. -Hallo.

Du hier?

Ich habe mich mit Liv verabredet, weil sie die Schulleiterin ist.

Ja, sicher.

Dann gehe ich wohl besser, wenn ihr verabredet seid.

Tschüs.

-Ich rufe dich nachher an. -Ja, tu das. Prima.

Ist das hier …? Was ist …? Nein, lass uns später darüber reden.

-Seid ihr zusammen? -Mm.

Okay. Ja. Bis später, dann.

Es ist egal, ob er es weiß oder nicht.

Ich hätte es ihm selbst sagen sollen.

Ich verstehe nicht, wieso du es nicht längst erzählt hast.

Bin ich dir peinlich?

Nein, wirklich nicht.

Ich muss das in Ordnung bringen.

Sofort.

Als Jamie stirbt, beschließt du, es weiterhin geheim zu halten.

Das erschwert es allen, die dir nahestehen.

Wieso tust du das?

Willst du nichts dazu sagen?

Also, ich …

Hier ist so viel falsch, dass ich nicht weiß, wo ich anfangen soll.

Zum Beispiel, dass du uns angelogen hast.

Mich und uns alle.

So lange.

Es tut mir leid, Mama. Aber …

Ich war mir nicht ganz sicher.

Und dann bin ich ja die Schulleiterin an Jamies Schule.

Ja, gerade das mit Jamie finde ich am schlimmsten.

Du hattest ein Kind in deiner Nähe, das seine Mutter verloren hat-

-und für das du hättest sorgen können. Hast du nie darüber nachgedacht?

Ich hätte mir so etwas nicht in meinen wildesten Fantasien vorstellen können.

Was denn? Dass ein Schüler stirbt, oder dass du dich in einen Frp-Typen verliebst?

-Ist das etwa das Schlimmste? -Nein. Tut mir leid.

Aber du hast es doch deshalb verheimlicht?

Es gibt keine Regeln, die eine Beziehung zu einem Elternteil verbieten.

Es ist aber unprofessionell.

Ich wurde auch heftig kritisiert, als ich dich einstellte,-

-auch wenn sich alle einig waren, dass du der beste Bewerber warst.

-Da ging es dann um Nepotismus. -Ich …

Du hast dich immer so stark gegen die Politik der Frp gestellt.

Das meine ich.

Aber das tu ich immer noch.

Man muss den Menschen hinter der politischen Haltung sehen dürfen.

Ja, aber er repräsentiert eine Partei,-

-die Menschen mit rassistischen Ansichten anzieht.

-Er ist aber kein Rassist. -Nein, da sagst du es.

Er ist kein Rassist. Aber er akzeptiert, dass seine Wähler es sind.

Sie haben sich immer weiter in die Mitte bewegt.

Jetzt verteidigst du die Frp.

Man muss doch mit Leuten reden können, deren Meinung man nicht teilt.

Sonst wird es keinen Dialog geben.

Aber dafür muss man nicht mit ihnen zusammen sein.

Verstehst du, wieso ich nie darüber geredet habe, Mama?

Ich glaube, es geht hier nicht um unsere Haltung oder die von Lundemo.

Ich glaube, es geht um dich.

Wirklich.

Du sagtest, dass du dir nicht sicher warst.

Bist du dir jetzt sicherer?

Ich … Ja.

Ich glaube schon.

Willst du los?

Ja, ich muss einen Bericht für die Schulaufsicht schreiben.

Wir werden morgen darüber reden,-

-ob ich - oder wir - etwas hätten anders machen können.

Tschüs.

-Hey … -Mach's gut.

-Also … -Das ist so schrecklich.

Egal, was ich mache, es ist falsch.

Der Elternbeirat vertraut mir nicht.

-Wieso nicht? -Sie brauchen wohl einen Sündenbock.

Und sie wollen auch, dass ich Natalie der Schule verweise.

Es ist doch gerade erst passiert.

Es ist ganz normal, dass die Leute sich Sorgen machen.

Sie bekommen dann Angst. Und wenn sie Angst haben, reden sie viel Unsinn.

Du solltest ihnen zuhören.

Sie beruhigen.

Hey. Du darfst jetzt nicht zusammenbrechen.

Alles wird gut. Du fühlst dich ganz schön warm an.

Du kennst Per Erik nicht. Er ist super.

Mir blieb keine Wahl.

Ich will bloß nicht, dass du dich komplett aufopferst.

Wieso hast du in Bezug auf Männer so ein geringes Selbstbewusstsein?

Du bist eine schöne Frau. Mit tollen Brüsten.

Sei froh, dass du nicht meine geerbt hast.

Du kannst dir ruhig sagen: "Ich kann jeden haben."

"Ich muss mich nicht dem Erstbesten hingeben."

Glaubst du, ich bin deshalb mit Per Erik zusammen?

Nur weil ich froh darüber bin, dass er mich will?

-Weißt du, wie verletzend das ist? -Entschuldigung.

-Es tut mir leid. So meinte ich das nicht. -Kein Problem.

Hast du die Gardinen schon aufgehängt?

Nein, hab ich nicht.

Manchmal verstehe ich dich nicht.

Du redest viel komisches Zeug.

Und zwar?

Ich habe das Gefühl, dass ich sie verloren habe.

Ich habe immer zu ihr aufgesehen.

Als ich jünger war, hat sie mich an Kate Bush erinnert.

Vielleicht ist Lundemo ja ein feiner Kerl.

Ich weiß nicht.

Ich war heute bei ihm. Er ist …

… so ein harter Hetero, der allen über den Mund fährt.

Ich fühlte mich minderwertig und erbärmlich.

In solche Typen verlieben sich immer die verbissensten Feministinnen.

In Typen, die sich breit machen und ihren Schwanz raushängen lassen.

-Sollte ich mir meinen Rücken rasieren? -Nein. Meinetwegen nicht.

Ich weiß, dass du es richtig findest, dass ich heute hingefahren bin.

Als ich dort war, fühlte es sich so an, als wäre Jamie im Raum.

Ich hatte das Gefühl …

Ich dachte, er wäre noch am Leben, wenn ich besser aufgepasst hätte.

Ich glaube, du denkst das auch. Dass es meine Schuld ist.

-Das ist nicht wahr. -Doch.

Ich spüre das.

Ich habe das an deiner Reaktion am ersten Tag gespürt.

Als ich es dir erzählt hatte, und du nur so: "Oh."

Ich war nur für zwei Minuten weg.

Ich habe mit dem Anwalt gesprochen.

Er meint, ich sollte die Schule verklagen.

Aha.

Wegen …?

Fahrlässigkeit.

Willst du das?

Er meint, ich sollte auch ihre Eltern verklagen.

Auch wenn sie noch nicht strafmündig ist.

Er sagt, wenn der Fall wegen ihres Alters geschlossen wird und nicht,-

-weil er als Unfall angesehen wird, sagen sie quasi, dass sie schuldig ist.

Dass sie nur zu jung ist.

Sie kommt so oder so davon, weil sie ein Kind ist, aber …

Du siehst, wie ungerecht das ist.

Wenn sie einfach so davonkommt und nicht …

Ich meine, ich …

Ich kann nichts dagegen tun. Ich will, dass sie dafür büßen muss.

Ich will, dass sie es spürt.

Ich will, dass es sich in ihrem Bewusstsein einbrennt, so dass sie-

-niemals wieder richtig glücklich wird.

-Ja, das will ich. Ich will … -Ja.

Ganz egal, wie viele Psychologinnen ihr sagen, dass es nicht ihre Schuld ist.

Ich will, dass sie den Rest ihres Lebens unter dem Schuldgefühl leidet.

Ich kann dich verstehen. Du darfst so empfinden.

VIER WOCHEN SPÄTER

Weißt du noch, was Beckett schrieb?

Dass das Leben wie eine Frau ist,-

-die breitbeinig über einem Grab stehend ein Kind gebärt?

Und der kurze Moment des Falles, zwischen Gebärmutter und Grab, ist das Leben.

Und diese winzigen Sekunde reicht uns, um zu sagen: "Das Leben geht weiter."

Sogar ziemlich häufig.

Das Seltsame an dieser Familie ist, dass es Ärger gibt, wenn du erzählst,-

-dass du mit einem Typen von der Frp zusammen bist.

Aber wenn du erzählst, dass du schwul bist, sagen sie nichts.

Das hätte bei uns zuhause so sein sollen, Gunnar. Da war es ganz anders.

-Nehmt die Sachen da weg. -Mal sehen …

Die ist so schön.

-Wunderschön. -Ja.

Ich finde, Lundemo passt gut zu Liv.

Sie braucht jemanden, mit dem sie sich messen kann.

Er ist viel besser als dieser Soziologe, mit dem sie mal zusammen war.

Der hat den weiblichen Körper mit einem Cello verglichen.

Kjetil hieß er.

Aber muss sie denn unbedingt zwischen Pest und Cholera wählen?

Jetzt muss ich sie beide zum Essen einladen.

Ich kann Liv jetzt nicht mehr allein einladen.

-Und ihr zieht bald aus. -Hast du Angst, allein zu sein?

Ja. Ihr nicht? Ich denke jeden Tag daran.

Wir zieh nicht weit weg. Nur in die Innenstadt.

Sigurd und Eva wollen nach Rodeløkkka ziehen.

Anna soll auf die Waldorfschule in Hovseter gehen.

Ich habe einen gutes Gefühl. Ihr Motto lautet: "Lasst Kinder Kinder sein."

Aber du hast ja andere Ansprüche. Für dich wird es eine Erleichterung sein.

Dann musst du kein schlechtes Gewissen haben, wenn du sie nicht so oft besuchst.

Also wirklich …

Du wirst das Alleinsein genießen. Das Leben kann auch allein sehr schön sein.

Dann kannst du dich wieder deiner Kunst widmen.

Dann musst du keine Trachten mehr nähen, die du so leid bist.

"Kunst" … Es wird sich eh keiner dafür interessieren.

Für mich ist das Kunst.

Guck dir diese Handarbeit an. Das ist absolut fantastisch.

Ich kann es gar nicht abwarten, ihr die zu schenken.

Glaubst du nicht, dass die Tracht alles noch schlimmer macht?

Wieso sagst du das? Du bist merkwürdig, Torunn.

Bin ich das?

Nein. Das wird schön werden.

-Ich kann sie mir gut darin vorstellen. -Wirklich? Ich nicht.

-Und du? Wie geht es dir? -Ich weiß nicht …

Man sollte Trauer nicht auf die leichte Schulter nehmen.

Es ist jetzt drei, vier Wochen her.

Gestern beim Essen wirkte Anders total abwesend.

Ich fragte ihn, was los sei.

"Ich muss immer an Jamie denken", sagte er. "Ich denke ständig an Jamie."

Hallo, Kinder. Seid ihr bereit für Englisch?

Okay, das war also … Hat er das gesagt oder du?

Okay. Und es war eindeutig?

Okay.

Ja, das müssen wir … Gut. Lass uns so verbleiben.

Grüß schön. Bis dann.

Das war Kristoffer.

Er glaubt nicht, dass jemals jemand gegen so eine Entscheidung Berufung einlegt hat.

Es wird nichts in ihrem Führungszeugnis stehen, aber …

-Ich verstehe nicht, was das heißt. -Nein …

-Ich kann das nicht erklären. -Nein.

Die Polizei hat entschieden, den Fall wegen deines Alters zu schließen.

Das wird keine Folgen für dich haben.

Du kommst nicht ins Gefängnis.

Aber sie betrachten es dennoch nicht als Unfall.

Aber das war es ja auch nicht.

Ich habe es ja mit Absicht gemacht.

-Aber ich wollte nicht, dass er stirbt. -Nein.

-Glaubst du, sie verstehen das? -Wer?

Na … alle.

-Ja, wir verstehen das. Alle verstehen das. -Alles verstehen das.

Wird etwas mit euch passieren?

Nein, keine Sorge. Uns wird nichts passieren.

Müsst ihr etwas zahlen?

Nein.

Wirst du deine Arbeit verlieren?

Hey … Es ist sehr wichtig, dass du nicht …

Versuch, nicht an solche Dinge zu denken.

Versprich mir, nicht an solche Dinge zu denken.

Wollen wir vielleicht ins Café gehen oder was ganz anderes machen?

Wir könnten auch einkaufen gehen.

-Möchtest du das? -Ja. Und was kaufen wir?

Na, du könntest dir ja was wünschen.

Ich gehe pinkeln und ziehe mir was über. Und dann überlegen wir uns was.

Okay?

-Danke. -Bitte.

Ich wollte dich fragen, ob du die nächste Stunde vorbereiten möchtest?

-Wenn du möchtest. -Ja, gerne.

Es ist eine gute Klasse. Ich hatte sie nach dem Unfall einige Tage allein.

Es war eine Herausforderung, aber es war gut. Daher: Gerne.

Schön.

Lebst du schon lange in Norwegen?

-Ja, drei Jahre. Fast vier. -Okay.

Ich finde es schade, dass ich Jamie nicht kennenlernen konnte.

Victor sagte, dass er mir ähnlich war.

Dass er dir ähnlich war? Äußerlich? Oder von der Persönlichkeit her?

-Keine Ahnung. -Hallo.

Hallo.

Was heute am Anfang der Stunde passiert ist … Das mit …

-Das mit der Zeichnung? -Was ist passiert?

Da hatten welche eine nackte Frau und einen Penis an die Tafel gemalt.

Und in einer Sprechblase stand: "fuck me". Keine geeignete Klassenraum-Deko.

Nein. Aber sie hatten "fuck me" ohne "k" geschrieben.

Da stand also "fuc me".

Und da es ja eine Englischstunde war,-

-dachte ich mir, ich weise auf den Fehler hin und belasse es dabei.

Ich fand, man sollte das ansprechen, statt es unter den Teppich zu kehren.

Ja, das sollte man ansprechen.

Meiner Erfahrung nach ist es aber besser, die Sache zu entschärfen.

Sich darüber lustig machen. So nimmt man den Wind aus den Segeln.

Dann signalisiert man aber auch, dass man es okay findet, und das ist es ja nicht.

Die Zeichnung sollte eine Lehrerin an dieser Schule darstellen. Vigdis.

Ja, es war Vigdis. Sie wussten sicher nicht, dass sie krank ist.

Okay.

Wenn sie hiergewesen wäre und es gesehen hätte, wäre sie nicht …?

Ich frage mich, wie sie darauf reagiert hätte.

Nein, natürlich … Das ist nicht witzig.

Ich habe selbst solche Zeichnungen erhalten.

Zeichnungen von Penissen und Schlimmeres.

Aber man darf das nicht zu ernst nehmen, sonst haben sie gewonnen.

Nein, Moment, sie gewinnen doch gerade dann, wenn du es-

-nicht ansprichst und es keine Konsequenzen hat, Strafen, Gespräche …

Sollte man wegen so einer Kleinigkeit ein Gespräch führen?

Ja.

An der Uni wird diskutiert, ob man kumpelhaft mit den Schülern umgehen-

-oder klare Grenzen setzen sollte. Und ich finde, dass …

-Man sollte kein Kumpel sein? -Doch, das geht. Aber …

Wenn du dich auf ihr Niveau begibst, erweist du ihnen einen Bärendienst.

Denn dann lernen sie nichts daraus. Als Lehrer musst du ihnen zeigen,-

-dass du klare Grenzen setzen kannst, was okay ist und was nicht.

Und wenn du das nicht tust, verwirrst du die Schüler.

Sie brauchen Grenzen, und es ist ihre Aufgabe, diese Grenzen auszuloten.

Diese Grenzen auszudehnen, genau wie heute.

Denn es sind Kinder. Aber du bist Lehrer.

Du repräsentierst die Erwachsenenenwelt. Du musst also Verantwortung übernehmen-

-und ihnen zeigen, was okay ist und was nicht.

Du musst "Stopp!" sagen, "Hier verläuft die Grenze."

Als Elternteil würde ich das von der Schule verlangen.

Ich auch, absolut. Hast du Kinder?

Meine Freundin und ich haben gerade einen kleinen Jungen bekommen.

Glückwunsch.

Er ist erst drei Monate alt, aber eines Tages wird auch er zur Schule gehen.

-Hast du Kinder? -Ja. Zwei.

Einen Jungen und ein Mädchen. Sie gehen in den Kindergarten.

Ich muss meinen Hausunterricht vorbereiten …

Aber das ist echt eine sehr interessante Diskussion. Wir sollten …

Man könnte das als Beispiel auf Fortbildungen verwenden …

Ja!

Man könnte das allen als Beispiel vorstellen.

Sicher.

Gegensätzliche Sichtweisen sind immer interessant.

Du hast nichts von der Beerdigung erzählt.

Nein. Du hast auch nicht gefragt.

War die ganze Schule dort?

Ja.

Alle waren dort.

Der Pastor hat ein paar Worte gesagt.

Jamies Vater auch.

Liv.

Liv?

Die Schulleiterin?

Jamie sagte, dass sein Vater mit ihr zusammen ist.

Ja … Du weißt, dass sie meine Schwester ist, oder?

Ja.

Und?

-Und dann hat noch ein Mann gesungen. -Was denn?

"Kein Spatz fällt auf die Erde". Das ist eine Art Psalm.

Kein Spatz fällt auf die Erde

ohne Gott, euren Vater.

Keine Seele kommt zu Tode

ohne seine Liebe.

Keine Blume vertrocknet,

keine Träne fällt,

ohne dass Gott davon weiß,

er, der überall ist.

Ein Spatz?

Ich kann nicht still sitzen.

Findest du, dass ich unselbstständig bin?

Jamie sagte, dass ich unselbstständig bin.

-Er sagte, ich würde mich aufspielen. -Hat Jamie das gesagt?

Er hat sich auch aufgespielt.

Er hat ziemlich gern kokettiert.

-Was bedeutet das? -Sich aufspielen.

Er hat sich quasi eingeschleimt.

Hat er sich für dich aufgespielt?

Nein, das glaube ich nicht.

Vielleicht hast nur du das so verstanden.

Er hat nämlich das Gleiche von dir behauptet.

Dass du dich einschleimen und jugendlich wirken wolltest und so.

Ich sah das nicht so. Aber er war sich bei dir nicht ganz sicher.

Er wusste nicht, ob man dir trauen konnte.

Wieso?

Wieso hat er das gesagt?

Ich weiß es nicht.

Du wünschst dir, du könntest ihn danach fragen, stimmt's?

Ich denke an alles, wonach ich Jamie gern fragen würde.

Ich denke die ganze Zeit daran.

Ja.

Willst du die alle mitnehmen?

Das sind doch meine Bücher. Die sind quasi alles, was ich habe.

Ich habe nicht so viel Platz bei mir. Ich habe gar kein Bücherregal.

Wenn ich bei dir einziehe, brauche ich aber Platz für meine Bücher.

Dann muss ich den Dachboden ausmisten.

Erinnerst du dich an Unni vom Parteibüro? Sie war auf der Beerdigung.

Sie schlug mir vor, einen Roman zu schreiben, ein Buch über das hier.

Es könnte eine schöne Art sein,-

-das alles zu verarbeiten. Erfahrungen zu teilen.

Vielleicht könnte es Menschen helfen, die in der gleichen Situation sind.

Ich habe überlegt, worüber ich schreiben könnte.

Ich setzte mich in Jamies Zimmer.

Versuchte mich zu erinnern …

Da waren so viele Dinge, die mir früher nicht aufgefallen waren.

Dinge, die er gesammelt hat. Plakate eines Popstars an der Wand …

Harry Styles heißt der.

Ich wünschte, ich hätte auf die Leute, gehört, die immer sagten:

"Achte darauf, dass du Zeit mit deinem Kind verbringst."

Hey …

Hast du nicht immer gesagt, dass dir Elternzeit so wichtig ist-

-wie deine Frisur?

Wollen wir diesmal versuchen, eine Diskussion zu vermeiden?

Es fühlt sich mittlerweile alles etwas leichter an.

Wir beide ziehen zusammen.

Und dann dieser Gerichtsbeschluss. Ich finde den gut.

Ich verstehe einfach nicht, wie man den gut finden kann.

Es wäre doch sinnlos, wenn es keinerlei Konsequenzen für niemanden hätte.

Es wird nicht weniger sinnlos, wenn ein Mädchen unter Schuldgefühlen leidet.

Sie IST doch schuldig.

Willst du sie etwa bestrafen? Psychisch?

Du willst doch keine Kinder ins Gefängnis bringen?

Ich bin für ein gerechteres Strafrecht.

Die meisten Menschen fühlen sich unsicher, wenn das Strafrecht darauf ausgelegt ist,-

-den Täter zu schützen statt das Opfer.

Ich denke … "Die meisten Menschen" …

Ich gehöre auch zu den "meisten Menschen",-

-und ich würde mich in deiner Wunsch- Gesellschaft nicht sicherer fühlen.

Entschuldigung.

Weißt du noch, wie du mal sagtest, ich sei das Wichtigste in deinem Leben?

Ich weiß noch, dass du nicht darauf geantwortet hast.

Das konnte ich nicht, weil Jamie das Wichtigste in meinem Leben war.

Aber …

Für mich ist es ein Wunder, dass ich dir begegnet bin.

Ich sage das nicht, um …

… quasi um unsere Differenzen zu verdecken, sondern …

Vielleicht sollte ich die Bücher einfach hier lassen.

Nein!

Such dir welche aus.

Wieso nimmst du nicht die mit, die du noch nicht gelesen hast?

Heute hat mich ein Referendar zurechtgewiesen.

Ich glaube, wenn man Kinder kriegt, bekommt man automatisch Verantwortung.

Und die zwingt einen dazu, die Erwachsenenrolle einzunehmen.

Aber ich habe diese Verantwortung nicht, und deshalb werde ich nie erwachsen.

Das macht mich zu einem schlechten Lehrer.

Das ist so peinlich.

Ich identifiziere mich ja mehr mit den Kindern als mit den Eltern.

War das der Referendar, den du am Tag des Unfalls hinein begleitet hast?

Ich habe ihn nicht hinein begleitet!

Sieht er gut aus?

Er sieht aus wie eine jüngere und schönere Version von dir.

Manchmal denke ich, wir sollten das mit Kindern auch mal besprechen.

Ernsthaft.

Das haben wir doch schon oft.

Du willst keine Kinder. Du siehst die Leihmutterschaft skeptisch und …

Du willst kein Teil dieser Industrie sein.

Außerdem können wir es uns nicht leisten. Sollten wir einen Kredit aufnehmen?

Hättest du gern Kinder?

Nein.

Ich glaube, wir haben nach Argumenten gegen Kinder gesucht,-

-weil wir eigentlich keine haben wollen.

Dann ist das Thema ja erledigt.

Du denkst also, das wird reichen? Nur wir beide?

Ja.

Jetzt verstehe ich gar nichts mehr. Wieso sollte es nicht reichen?

Wir haben doch so viel gemein.

Wir haben unsere ganzen Sachen, und jetzt haben wir uns zusammen eine Wohnung gekauft.

Meine Güte, "unsere ganzen Sachen" … Das ist so kleinlich.

Sollen wir einfach nur herumsitzen, du und ich?

In einer kleinen Wohnung voll toter Dinge? Das macht mich depressiv.

Wir müssen doch darüber reden!

Du kannst dich nicht so aufregen und glauben, dass es niemanden berührt.

Das heftet sich an meine Haut. Deine Worte tun mir weh.

Für mich sind diese Dinge nicht tot.

Unsere Leben stecken in diesen Dingen.

Du lebst in diesen Dingen, in den Büchern und Schallplatten. Deshalb mag ich sie.

Ich weiß, dass nichts mit der Verantwortung für einen Menschen vergleichbar ist.

Aber wieso ist es dir nicht ebenso wichtig, Verantwortung für mich zu tragen?

Ich will Verantwortung für dich tragen. Wirklich.

Und du kannst nicht erwarten, dass ein Kind das automatisch von dir erwartet.

Nein … Geh nicht!

Nein.

Ich werde nicht gehen.

Aber wenn du so bist wie jetzt, dann mag ich dich nicht.

Stimmt was nicht?

Mein Fahrrad wurde geklaut.

-Hat es gestern vielleicht geregnet? -Nein, ich wurde abgeholt.

Ach.

-Wie geht es Lundemo eigentlich? -Danke, dass du fragst.

-Es geht ihm nicht so gut. -Verstehe.

Also …

Ich habe ein Seminar des Lehrerverbands zum Thema Trauerarbeit besucht.

Es dauert Jahre, über so etwas hinwegzukommen.

Die meisten Menschen, die ein Kind verloren haben,-

-leiden den Rest ihres Lebens unter Depressionen und Suizidgedanken.

Sie werden sogar anfälliger für Krankheiten.

Ach?

Weißt du was? Dass du mit Lundemo zusammen bist …

Ich glaube, dafür hat nicht jeder Verständnis.

Das wollte ich dir nur sagen.

Ja. Danke, dass du es mir sagst.

Aber wieso wolltest du mir das sagen?

Weil … Ich verteidige dich, aber …

Es verwirrt die Menschen.

Das war ich zugegebenermaßen auch. Ich war ja bei ihm, als Jamie starb,-

-und dann kam heraus, dass ihr zusammen seid.

Das hat mich wirklich etwas schockiert.

Es fühlte sich irgendwie unehrlich an.

Es tut mir leid, dass ich nichts gesagt habe.

Aber du verstehst sicher, dass es mir nicht leicht fiel?

Ja, natürlich.

Darf ich noch etwas sagen? Bitte versteh mich nicht falsch.

Können wir das bei einem Mitarbeitergespräch klären?

Ich muss mich auf ein Treffen mit dem Elternbeirat vorbereiten. Okay?

Wir sind alle Routinen durchgegangen und haben der Behörde einen Bericht vorgelegt.

Sie zieht den Schluss, dass die Schule nichts hätte anders machen können.

Stimmt das denn?

Ihr sagt, das Schulgelände sei sicher.

Aber wie sich gezeigt hat, war kein Lehrer auf dem Fußballplatz.

Das stimmt nicht. Es waren acht Lehrer draußen.

Es waren acht draußen unterwegs? Das macht es nur schlimmer.

Wieso war dann keiner auf dem Fußballplatz?

Dort waren viele Schüler, und alle sagen, dass dort kein Lehrer war.

Das stimmt nicht. Ich war nämlich auf dem Fußballplatz.

Und … Es kann immer etwas passieren. Man kann nicht alles im Blick haben.

Hallo?! Dann solltet ihr mal eure Routinen überarbeiten.

Entweder seid ihr zu wenige oder ihr passt nicht gut genug auf.

Sag deinen Leuten mal, sie sollen sich zusammenreißen.

Würdest du es gut finden, wenn ich dir sage, du sollst dich zusammenreißen?

Ich muss kurz …

Es hat nichts damit zu tun, aber ich möchte es ansprechen.

Letzte Woche erzählte mir Johanne,-

-dass jemand eine nackte Frau an die Tafel gemalt und "fuck me" dazu geschrieben hat.

Und dass Anders, als er es sah, es cool zu finden schien.

Ist das etwa …?

So etwas tolerieren wir hier an der Schule nicht.

Für so etwas haben wir null Toleranz.

Ich habe davon gehört.

Ich glaube, Anders erschien es als sinnvoll, das herunterzuspielen.

Ich bin mir sicher, dass er es nicht cool fand.

Sprich das beim Elternsprechtag an. Das ist sicher ein Missverständnis.

-Wo hast du das gefunden? -Jamie hat es mir gezeigt.

Im Kinderhaus sagtest du doch, dass Jamie neidisch auf dich war,-

-weil du in der Norwegisch-Arbeit besser als er abgeschnitten hast?

Aber die Arbeit war in der Woche davor. Es muss ihn also sehr getroffen haben.

Können wir … bitte nicht über Jamie reden?

War er oft neidisch?

Alle Jungs waren doch neidisch, wenn sie nicht die Besten waren.

Jamie war nur neidisch, wenn er in Norwegisch nicht der Beste war.

Weil das dein Fach war.

Es war ihm sehr wichtig, einen guten Eindruck bei dir zu hinterlassen.

Sagtest du nicht, dass er sich bei mir nicht sicher war?

Man kann doch unsicher sein, wenn man jemanden mag.

Ich war immer unsicher, wenn ich mit Jamie zusammen war.

Weil du wolltest, dass er dich mag?

Deshalb war ich so traurig, als er das mit den Hunter-Stiefeln sagte.

Die Gummistiefel?

Was hat er denn gesagt?

Er fragte mich, wieso ich mir solche Stiefel gekauft habe.

Er sah dabei enttäuscht aus.

Eigentlich wollte ich sie gar nicht haben.

Ich wollte sie nur haben,-

-weil Amina und Vilde das von mir verlangten.

Das ist total bescheuert.

Wir haben auch darüber geredet.

Jamie und ich.

Wie blöd es ist, dass man solche Stiefel haben muss, um dazuzugehören.

Und dann hatte ich das Gefühl, dass er mich aufgegeben hat.

Nur deswegen.

Und das machte mich wütend.

Deshalb habe ich ihn mit der Schultasche geschlagen.

Ich habe es so satt.

Ich will nur schlafen und dünn sein.

Das hat Jamie immer gesagt.

Hallo.

Wir fahren zur Schule, um mit der Schulleiterin zu reden.

Möchtest du mitkommen?

-Ja, das war der letzte Hausunterricht. -Ja.

Lykke fängt schon am Montag auf der neuen Schule an.

-Ja. -So ist es.

Ich werde dich vermissen, Lykke.

Ich will auch nur schlafen und dünn sein.

Ich möchte doch nicht mit rein kommen.

Wieso nicht?

-Ich möchte nicht. -Bist du dir sicher?

Ja.

Kann ich kurz mit dir reden?

Richte deinen Eltern aus, dass ich sehr wütend bin,-

-weil sie sich nicht bei mir gemeldet haben.

-Verstanden? -Ja.

Sieh mich an, wenn ich mit dir rede.

Ich wechsle die Schule.

Was hast du gesagt?

Ich wechsle die Schule.

Auf welche Schule gehst du denn?

Auf die Waldorfschule.

Vermisst du Jamie sehr?

Was hast du gesagt?

Ich wollte das nicht.

Es ist einfach passiert.

Es ist einfach passiert?

Du kapierst überhaupt nicht, was du getan hast.

Du hast Jamie getötet, kapiert! Verfluchte Fotze!

Es ist sehr schade, dass wir sie verlieren.

Meinetwegen hätte sie nicht die Schule wechseln müssen.

-Hallo. Entschuldigung. -Hallo.

Mein Beileid.

Mein Beileid.

Wir … müssen uns entschuldigen, weil wir uns nicht gemeldet haben.

Wir haben ein sehr schlechtes Gewissen.

Du hältst uns sicher für schreckliche Menschen.

Keine Sorge. Es ist nur …

Es tut mir sehr leid. Entschuldigung.

-Möchtet ihr euch setzen? -Nein, wir müssen dann mal los.

Lykke wartet im Auto, und wir müssen noch …

-Viel Glück auf der Waldorfschule. -Auch dir viel Glück.

Es hat gut getan, es zu sagen.

Aber …

Was ist denn los, Schatz?

Was ist los?

Ich habe mit Natalie geredet.

Sie wartete im Auto, also ging ich zu ihr rüber.

Sie ist doch nur ein Kind.

Ich war schrecklich gemein zu ihr.

Was hast du denn gesagt?

Schreckliche, hässliche Sachen.

-Verzeihung. Störe ich? -Hallo. Nein, komm rein.

-Das ist Gilbert. Er ist Referendar. -Gilbert? Wie kommst du darauf?

-Ich heiße Hans Lucas. -Ja.

Entschuldige. Ich weiß nicht, wie ich darauf komme.

Seltsam. Als ich klein war, wurde ich immer Gilbert genannt.

-Das ist Per Erik Lundemo. -Ach, du bist Jamies Vater?

Ich erkenne dich von der Gedenkstunde wieder.

Ich fühle mit dir. Das muss furchtbar sein.

Geht es dir gut?

Ach, ich weiß nicht.

Ich wünschte, es wäre mehr wie früher, bevor wir zusammenzogen.

Als wir uns nur hin und wieder trafen.

Aber "all theorizing is flight", wie man sagt.

Man kann niemanden verlassen, der gerade sein Kind verloren hat.

Man kann nicht aus Loyalität zusammenbleiben.

Man muss doch auf sein Herz hören.

"Auf sein Herz hören" … Das ist doch nur ein Muskel. Es sagt mir nichts.

Ich finde, Loyalität ist ein guter Grund, zusammenzubleiben.

Das sehe ich anders.

"Das muss ich zugeben", wie Signe sagen würde.

Sie ist echt gut.

Ich wusste nicht mal, dass sie auf dem Fußballplatz war, als der Unfall passierte.

War sie auch nicht. Sie kam später.

Anders hätte dort sein sollen, aber er war mit dem Referendar beschäftigt.

Soll das heißen, dass niemand dort war?

Wieso hat mir das keiner gesagt?

Ich habe Sitzungen mit der Behörde und dem Elternbeirat gehabt,-

-und mit Per Erik geredet, und ich habe allen ins Gesicht gelogen.

Es ging alles so schnell.

Selbst mit 100 Leuten auf dem Platz hätte man es nicht verhindern können.

Ich muss trotzdem informiert werden.

Wie sollen die Eltern uns vertrauen, wenn wir nicht ehrlich zu ihnen sind?

Überleg mal, wie viel Aufmerksamkeit es auf sich gezogen hätte,-

-wenn es darum gegangen wäre.

Was die Medien daraus gemacht hätten …

Denk, was du willst, aber die Entscheidung hätte bei mir gelegen.

Ich muss so etwas wissen.

Tut mir leid. Ich dachte, du wüsstest es.

Ich dachte, wir wären uns einig darüber …

Aber wenn du da jetzt ein Fass aufmachen willst,-

-ist das natürlich deine Sache. Ich stehe zu 100 % hinter dir.

Als Freundin und Kollegin.

Ich weiß nicht, ob mir diese Vermischung von Freundin und Kollegin gefällt.

Anders.

Anders!

Hallo. Möchtest du mit uns essen? Wir haben für einen Eintopf eingekauft.

Ich möchte keinen Eintopf.

Hättest du auf dem Fußballplatz sein sollen, als der Unfall geschah?

Wieso hast du das nicht gesagt?

Du hättest dort sein sollen, aber es war niemand dort?

Ja.

Aber als ich dort ankam, war Signe da. Was hat sie gesagt?

Sie hat für dich gelogen, indem sie gesagt hat, sie sei dort gewesen, aber …

Ich verstehe nicht, wieso du es mir nicht gesagt hast.

Entschuldigung. Das war blöd von mir.

Es tut mir sehr leid. Ich …

-Es ändert nichts. -Es ändert einiges, Anders.

Okay.

Ja … Was machen wir jetzt?

-Melden wir es der Schulbehörde? -Das müssen wir wohl, aber …

Ich denke dabei an Per Erik. Er muss davon erfahren.

Ich wünschte, du hättest es mir gesagt.

Es geht darum, Verantwortung zu übernehmen, wenn sie dich betrifft.

Jetzt übertreib mal nicht.

Es ist fraglich, ob es hilft, wenn du Per Erik davon erzählst.

Ich muss es ihm sagen, Mama. Er ist mein Mann.

Bist du bescheuert?

Ich versuche doch nur, alles richtig zu machen.

Aber es ist so, als würde man in einem Vakuum leben.

Das ist Jamie.

Er sieht ganz anders aus, als ich ihn mir vorgestellt hatte.

Als ich bei Lundemo war, sagte er, dass Jamie glaubte, dass ich ihn nicht mag.

Aber alle mochten Jamie.

Das ist so schrecklich.

Es ist …

Er hat mich auch genervt.

Er war ja alles, was ich gern gewesen wäre, als ich klein war.

Voller Selbstvertrauen und …

Ich glaube, ich war vielleicht neidisch auf ihn.

Das ist doch total schrecklich. Neidisch auf ein Kind zu sein!

Ich habe so viele Dummheiten gemacht.

Einmal wollte ich mich im Unterricht vor ihm aufspielen.

Was Cooles sagen.

Und er sah mich einfach nur an, als wäre ich ein Idiot.

Ein anderes Mal,-

-das war am Anfang der Stunde,-

-sprach ich gerade mit Victor.

Und dann machte er plötzlich so eine komische, unbeholfene Geste.

Und dann machte ich sie nach.

Und dann lachten wir darüber.

Ich habe viel darüber nachgedacht, wie viel man von sich in so einer Geste preisgibt.

Sie hat mich glücklich gemacht.

Ich finde die Vorstellung schrecklich, dass nie wieder jemand diese Geste sehen wird.

Du hast sie doch gerade gemacht.

Ich habe sie gesehen.

-Was hast du gemacht? -Ich habe aufgeräumt.

-Hast du neue Gardinen? -Es sind eigentlich deine.

Sie lagen seit Wochen in einer Tüte im Flur. Ich habe sie aufgehängt.

Mama …

Wir gingen immer demonstrieren, als ich noch klein war.

Sie hat alle Parolen aufgestickt.

LASST DEN FLUSS LEBEN

ATOMKRAFT? NEIN, DANKE

Sie hat quasi meine Kindheit gestickt.

Das ist ja schön.

All diese politischen Korrektheiten,-

-die uns andere hat schlecht aussehen lassen.

Ich finde das lustig.

Es ist nostalgisch.

Und es ist sehr schön gemacht.

Du hast Glück, dass du eine Mutter hast, die so etwas für dich macht.

Wollen wir sie mal zum Essen einladen?

-Sie passen nicht zu den Möbeln. -Ach was.

Wenn man sie etwas zurückzieht, sieht man die Parolen nicht. Sie sind schön.

Sie können wenigstens so lange hängen bleiben, bis deine Mutter hier war.

Oder wir tauschen die Möbel aus.

Sag mal …

Weißt du noch, wie wir das erste Mal so standen?

In deiner Wohnung.

Du nanntest es damals "eine ideologische Umarmung".

Sie passt wie angegossen. Ich bin ganz gerührt.

Es ist zwar nur ein Kleidungsstück, aber es ist nützlich.

Ich trug meine Tracht immer bei der Verleihung des Friedensnobelpreises.

Mensch, Mama.

Du bringt Geschenke, Dinge. Das ist deine Lösung für alles.

Ich wollte Anna belohnen. Sie hat das alles so gut durchgestanden.

-Darf ich ins Bett gehen? -Ja, tu das.

KINDER

Übersetzung: filmtiger

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