All language subtitles for Dieses.Jahr.in.Czernowitz.2004.a77.SMz - German

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Original subtitles

Ich bin ein rumänischer SchriftsteIIer.

Von mir gibt es auch einige Bücher auf EngIisch, in den BuchIäden,

vieIIeicht möchten Sie ja maI reinschauen ...

Ich habe Rumänien 1986 verIassen.

Dann Iebte ich eineinhaIb Jahre im damaIigen WestberIin.

1988 kam ich in die USA.

Ans Bard CoIlege kam ich 1989.

Ich gehöre aIso fast schon zum Iebenden Inventar.

Unsere VeranstaItung, Sie wissen es vieIIeicht, ist eine ganz besondere.

Ich hoffe, wir sind auch eine besondere Gruppe, kommen gut durch

und haben ein interessantes Semester.

Fangen wir mit Ihnen an.

Ich heisse lria Wiskun.

UrsprüngIich bin ich aus MoIdawien,

dem Land direkt neben Rumänien.

Das war eine SowjetrepubIik. - Ja.

Ich wohne seit 5 Jahren in BrookIyn,

und das ist mein erstes Jahr auf dem Bard CoIIege.

Ich bin hier,

weiI Professor KeIIy mir Professor Manea empfohIen hat.

Er fand heraus, dass ich auch Rumänisch spreche.

Ich danke Leon

für diese wunderbare Party.

Aber ich bin ja schliessIich auch eine Art ''Queen Mother'' geworden.

Ich hatte grosses GIück.

Ich habe ein Ianges Leben hinter mir.

Mein Geheimnis ist: Raucht weiter!

Dann werdet ihr auch aIt.

Und man kann heutzutage sowieso nicht mehr jung sterben.

Ich möchte Leon und Barbara danken für diese schöne Sache.

Und lrene.

Ohne ihre Energie und ihre Organisation ...

Sie ist die SäuIe dieser Familie

und organisiert aIIes mit aIlem drum und dran.

Wie dem auch sei, es ist ein neues Buch, das gerade erschienen ist.

Über die Juden zwischen den beiden WeItkriegen.

Das ist meine Generation.

Osteuropa.

In ganz Osteuropa? PoIen, Rumänien ...? - Was sie zwischen den Kriegen erIebten.

In PoIen,

in der TschechosIowakei, in Rumänien,

Österreich, DeutschIand.

NatürIich setzte er PoIen an die erste SteIIe. Sehr kIug! Ein guter Beobachter!

Vieles habe ich gar nicht gewusst.

PoIen war 150 Jahre

unter der Besatzung von DeutschIand, RussIand

und Österreich.

Die Österreicher mit Franz Josef waren sehr IiberaI. - Ich weiss.

Da ging's ihnen am besten.

Ganz Wien war jüdisch ... Die ganze KuItur!

Ich weiss.

Die russische Besatzung

war schIecht für die poInische Sprache.

Was ist jetzt die wesentIiche Sprache

für sie?

Sie behauptet, es sei PoInisch. - Ich kann kein Deutsch mehr.

Wieso auch nicht? Du hast es Iange nicht mehr gesprochen.

Wie ich ihm gerade gesagt habe, war es früher meine beste Sprache. - Aber ...

... du sprichst es nicht,

und du hörst es nicht. - Mir geht es genauso.

Das macht mich traurig.

Dein EngIisch ist hervorragend.

Wenn dein EngIisch ''schwach'' wäre, dann würde ich mir Sorgen machen.

Wenn dein EngIisch ''schwach'' wäre, würde ich mir Sorgen machen.

Wenn ich etwas Iese, vergesse ich nach 2 Minuten, dass es kein EngIisch ist.

Wenn ich Deutsch Iese, bin sofort drin. Ich habe keine ProbIeme damit.

Es ist kIar: Die Heimat bIeibt für mich die Sprache,

und die Sprache ist Rumänisch.

Auch wenn das Land mich entfernt hat

und sich weiter entfernt.

Die Sprache ist bei mir.

Und aIIes, was mein Inneres betrifft, die wesentIichen Seiten meines Ichs:

das Schreiben,

das Lesen,

die Gespräche, die ich in Gedanken führe, und die Gespräche mit anderen,

real oder imaginär,

aII das geschieht auf Rumänisch.

Wir sind hier in Brighton Beach.

Als ich ein Junge war, konnte man spazieren gehen

von hier, Bay 1 ,

bis zum Ende

der Uferpromenade dort,

Coney lsIand.

Man konnte hier die Geschichte der Emigration

nach Brighton Beach abIesen.

Hier waren immer jüdische Menschen aus aIIen mögIichen Gegenden Europas.

Heutzutage sind es alIes russische Juden,

vieIe aus der Bukowina,

aus Maramures, wo wir später noch hinfahren werden.

Dort in Coney IsIand waren die ltaIiener.

Sie sangen ihre Lieder

und tanzten ihre Tänze. Ich nehme an, es war ...

eine ZufIucht für sie,

wo sie sich an ihre Heimat erinnerten, die sie verIassen hatten,

in den verschiedenen Gebieten Europas. Wir kamen immer gerne hierher,

um sie singen und tanzen zu sehen.

Wir machten uns über sie Iustig, wie Jungs das nun maI tun.

Mein Handy kIingeIt natürIich.

EntschuIdigung! Eine Sekunde.

Ich rufe gIeich zurück.

Die Leute trafen sich hier,

um an die zu denken, die sie zurückIassen mussten,

zum einen wegen des HoIocausts

und zum anderen, weil sie vielleicht hier ein Auskommen finden wollten,

oder eine bessere AusbiIdung.

Sie bereicherten unser Leben mit ihren Liedern, Tänzen und Erfahrungen.

Die KuItur der Emigranten solIte man nicht vergessen.

Sie ist wichtig für uns, das sind unsere WurzeIn.

Wir suchen ja auch in HöhIen gerne nach HierogIyphen, die uns erklären,

wie das Leben war, aIs die Menschheit begann.

Diese Menschen, die in meiner Kindheit hier waren,

die Geschichten ihrer Erfahrungen

und ihre Erfahrungen seIber, aII das hat uns geprägt.

Wir woIIten nicht gehen, sie haben uns dazu gezwungen.

Die poIitische Situation in RussIand war damaIs sehr schIecht.

Verstehe. - Ich war Lehrer.

Ich konnte mich nicht frei bewegen oder machen, was ich wolIte.

Sie zwangen mich zu bestimmten Sachen.

Sie waren aIso gezwungen zu gehen aus poIitischen Gründen? ReIigiösen Gründen?

Wenn jeder zu dir ''der Jud'' sagt ...

Davon handeIt dieser FiIm.

Meine EItern mussten aus Europa weg ... - Ich weiss, ich kenne Sie.

Sie mussten Europa aus denseIben Gründen verIassen, VerfoIgung ...

MilIionen Menschen ist es so ergangen.

VielIeicht ist es heute anders. - Wann wird es aufhören?

lch kam vor 24 Jahren hierher, ich weiss nicht, wie es heute ist.

Aber damaIs war es nicht so gut. - Wie war das mit der Aufnahme hier?

Für mich gar nicht so schIecht.

AIs ich kam, 1979,

hat man uns sehr gehoIfen.

Man gab uns Wohnungen und LebensmitteImarken ...

Wer hat gehoIfen? Amerika? - KIar, Amerika!

Sie meinen aIso, für die jüdischen Emigranten war es eine gute Sache?

Auf jeden FaII!

Ich bin 61 Jahre aIt und 24 Jahre hier.

Ich denke, dass dies mein Land ist.

Hier sehe ich die Zukunft meiner Kinder, meiner EnkeIkinder.

Das freut mich zu hören. Wie ich vorhin schon sagte, empfinde ich Traurigkeit,

wenn's um Emigration geht, um Menschen, die ihre Heimat verlassen müssen,

um sich irgendwo eine neue zu suchen ...

Aber ich habe einen Job, ich habe aIIes.

Freut mich, dass es Ihnen so gut ergangen ist.

Einen schönen Tag noch! - VieI Glück!

Ich überIege gerade, was mir so seItsam vorkommt, ist,

dass es nun neue ImmigrationsweIlen aus RussIand und russischen Ländern gibt.

Leute kommen hierher, um ihr Leben zu Ieben, besonders jüdische Menschen.

Was veranIasst diese Menschen dazu,

ihre Heimat zu verIassen

und irgendwo anders eine neue zu suchen?

Ich hoffe, dass es ihnen geIingt. Aber irgendwie meine ich,

sie haben ihr Land

mit den schönen Landschaften eingetauscht für Beton und StahI.

Ich überIege gerade, wie es für meine Mutter war,

aIs sie aus Rumänien hierher kam, was für ein Leben gab sie dort auf?

Was für ein Herz und was für einen Geist braucht es,

um den Ort der WurzeIn zu verIassen.

Über Kontinente und den Ozean zu reisen

und an einem unbekannten Ort anzukommen.

Meine Mutter war eine Immigrantin in New York.

Diese VorsteIIung fasziniert mich.

Wie man seine WurzeIn aufgibt, verändert,

das, was Sie und ich gemeinsam haben, aIIein durchs Gespräch.

Die Geschichte von Maramures ...

und die wichtigen Künstler, die in dieser Region die KuItur geprägt haben.

Ich bin ein Teil davon, weil meine Mutter von dort kommt.

AIs wir Kinder waren und in Brooklyn, Brighton Beach aufwuchsen,

versammeIten sich mein Bruder, meine Schwester und Freunde.

Wir woIIten von meiner Mutter

Geschichten hören vom Maramures, wie sie dort aufgewachsen ist.

Es Iiegt weit zurück, und ich kann mich nicht an alIes erinnern.

Es war eine Freude für uns, dass wir mit etwas Unbekanntem verbunden waren.

Wir spürten es innerIich, es war etwas SpiritueIIes.

Deine Haut, deine Knochen woIIten wissen,

wo die Mutter die Hände hingeIegt hatte, wo sie tanzte,

wie sie ass.

Je mehr wir davon wussten,

desto mehr wussten wir von uns seIbst.

Darum ermunterten wir sie, uns mehr zu erzähIen, damit wir näher

zu der Erde kamen, auf der sie gegangen war, und zu unserer Erde,

unserer spiritueIIen Erde.

AlIes ist gut.

AIIes wird gut.

AIIes wird gut.

Dass die Frau das nicht sieht.

SoIl ich singen? - Ja. Auf Rumänisch oder auf Deutsch?

Setzen Sie sich zu uns. Izko und RuchIja. Die GrosseItern.

Sie waren bei uns auf dem StalIboden. Vater und Mutter haben sie versteckt.

Sie waren bei dieser Frau Pazkanko.

Bei uns! Niemand wusste das. Jurko Lazko und die SoIdaten gingen durchs Dorf.

Wenn wir sie verraten hätten, wären sie früher abgeholt worden.

Unsere UIjana weiss es noch. - Diese Frau hat sie beschützt.

Dann sind sie ins UnterhoIz gegangen, die äItere Schwester weiss es noch.

Die bei den Pazkankos haben sich nicht im UnterhoIz versteckt.

Sie waren fast drei Jahre auf dem Dachboden.

Du weisst es nicht. Uljana weiss es. - Von mir aus soII sie's wissen.

Wenn sie verraten worden wären, hätte man uns auch festgenommen.

WeiI wir sie versteckt haben. Wir sind Adventisten und feiern auch samstags.

Man hätte uns zusammen mit ihnen abgehoIt.

Sie haben sich im Unterholz versteckt, und Jura Ljanyn hat sie verraten.

Wo war das? Da? - Da, wo die Fenster sind.

Es gibt nicht mehr so vieIe Leute, die das wissen.

Ich habe nie daran gezweifelt, dass Sie hier auftauchen würden,

um zu erfahren, wo und wer ...

Seid gegrüsst. Auf unsere Begegnung! Dass es nicht das letzte Mal ist.

Ihr wisst ja jetzt, wo wir sind.

Woher sind die?

Vom Friedhof? Nein, nicht vom Friedhof? - Nein, nein!

Das ist schon der Rest. In diesem Jahr gab's nicht vieIe Nüsse.

Auf die Ietzte Prüfung in unserem Leben.

Leute! Prost! Bleibt gesund! - Auf dich, Andrij, auf deine 5!

Und dass wir dich 5 Jahre ertragen und umerzogen haben.

Wieder die Note! Wir können ja tauschen! - Ich brauch sie nicht! - Ich etwa?

Ich scherze ja nur. - Es geht doch nicht um die Note.

Hauptsache, ihr seid glückIich und arbeitet fürs WohI der Heimat.

ManchmaI überwiegt die Ignoranz.

GEBURTSHAUS DES DlCHTERS PAUL CELAN

Es war Erde in ihnen

und sie gruben.

Sie gruben und gruben, so ging ihr Tag dahin, ihre Nacht.

Und sie Iobten nicht Gott,

der, so hörten sie, aIIes dies wolIte, der, so hörten sie, aIIes dies wusste.

Sie gruben und hörten nichts mehr;

sie wurden nicht weise, erfanden kein Lied,

erdachten sich keinerIei Sprache.

Sie gruben.

Es kam eine Stille, es kam auch ein Sturm, es kamen die Meere alle.

Ich grabe, du gräbst, und es gräbt auch der Wurm,

und das Singende dort sagt: Sie graben.

O einer, o keiner, o niemand, o du:

Wohin gings, da 's nirgendhin ging?

O du gräbst und ich grab, und ich grab mich dir zu,

und am Finger erwacht uns der Ring.

Ich schnüre einfach, und dann ziehe ich das fest zusammen.

Ich haIte es.

Hier habe ich's gerade nicht richtig festgemacht.

Ich gIaube, ich brauche HiIfe. - Nein.

Du bist die Mutter, du schnürst.

WiIIst du dann damit rumIaufen? - Ich denke ja.

Ich mach's später noch von oben zurecht.

Meine Hände zittern. Es ist doch nicht so einfach.

Ich werde bestimmt gIeich weinen müssen.

Sag's schon!

Tobias ist ein guter Junge. Er gefäIIt mir.

Er ist in Ordnung. Es ist einfach ein bisschen schwierig,

weiI wir uns noch nicht gut unterhaIten können.

Sprachbarriere bIeibt Sprachbarriere, es ist nicht so einfach.

Das ist das Einzige, was mich noch beunruhigt, wobei ich ...

so eine Art Unbehagen spüre,

aber vielIeicht wird es mit der Zeit ...

Ich möchte mit meinem Schwiegersohn und meinen EnkeIkindern sprechen können.

Auf Ukrainisch?

Auf Ukrainisch oder Deutsch. Hauptsache, wir können uns unterhaIten.

Ich hoffe, es wird Ukrainisch sein.

Es ist aIIes so gekommen, obwohI ich es mir nicht so vorgesteIIt habe.

Meine Hände zittern.

Was noch?

Ich denke, das ist alles. - Hier noch die Haare, so...

CZERNOWITZ - PRSZEMYSZL

UntertiteI Ute Friedsam

FiIm und Video Untertitelung Gerhard Lehmann AG

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