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Diesem Film liegen die Protokolle des Sexualreports von Günther Hunold
zugrunde. Wir haben sie durch viele zusätzliche Befragungen ergänzt.
So ist eine Dokumentation entstanden, die revolutionär ist in ihrer Wirkung,
in ihrer spontanen Ansprache.
Sie zeigt unsere Jugend, wie sie wirklich ist.
Sie beweist, dass unsere Mädchen die neue Sexualmoral als substanziellen
Bestandteil ihres Selbstbewusstseins verstehen.
Vielen Eltern wird dieser Film die Augen öffnen, denn er zeigt wirklich, was
Eltern nicht für möglich halten.
Kommen Sie, meine Damen.
Wo sind die drüben?
Besser aufpassen.
Ich werde es mir merken.
Guten Tag, ich bin Ingenieur Hoffmann. Ich soll die Führung machen.
So, da haben wir die Kinder.
Ich beachte dich.
So, der wäre mir schon recht. So ein kaputzer Typ. Du bist wohl total crazy,
was? Mal herhören.
Ruhe bitte!
Herr Ingenieur Hoffmann hat sich liebenswürdigerweise bereit erklärt,
Ihnen das Kraftwerk zu zeigen und Ihnen die technischen Dinge zu erläutern.
Ich darf darum bitten, die physikalischen Zusammenhänge genau zu
beachten. Ich werde im Unterricht bestimmt darauf zurückkommen.
Grüß Gott, meine Damen. Guten Tag.
Also, wenn Sie irgendetwas nicht gleich kapieren, bitte fragen Sie.
Sind Sie verheiratet, Herr Hoffmann?
Ja, wenn ich Sie so ansehe, meine Damen, dann möchte ich fast sagen, leider ja.
Also, von mir aus können wir.
Zuerst muss ich allerdings jeder von Ihnen so einen Schutzhelm verpassen,
wegen der Sicherheit.
Denn nicht alles, was von oben kommt, muss immer gut sein.
Jetzt komm raus, du bist so zügig.
Bitte. Passen Sie bitte auf, dass Sie nicht herumgealbert werden wollen.
Uhr.
Nach rechts bitte.
Die Umwandlung der Energie...
Haben Sie Renate gesehen?
Nein,
da ist sie nicht.
Wo ist Renate?
Wo ist Renate?
Wer ist das?
Renate. Was willst du denn hier?
Kannst du das nicht erraten?
Ach, bitte. Ich bitte, sie bleiben zu unten.
Wo kann das Kind denn nur sein?
So klein ist das Kind nun auch wieder nicht. Das wird schon wieder drauf.
Renate! Wie konnten Sie sich nur mit diesem Busfahrer einlassen? Mit einem
Menschen, den Sie überhaupt nicht kennen? Ich kenne ihn schon seit einem
halben Jahr.
Renate, lieben Sie denn diesen Mann?
Es muss ja nicht gleich die große Liebe sein, wenn irgendwann zwei zusammen
schlafen wollen.
Aber Kind, wissen Sie, was Sie da sagen?
Ich bin kein Kind mehr, Frau Dr. Fug. Das müssten Sie eigentlich längst
wissen. Ich bin 18 Jahre alt und lebe im 20.
Jahrhundert. Was ich getan habe, freiwillig getan habe, ist meine Sache.
Werden Sie nicht unverschämt, Renate.
Erstens ist dieser peinliche Vorfall während einer Exkursion also auf einer
offiziellen schulischen Veranstaltung passiert.
Und zweitens tragen wir von der Schule die Verantwortung dafür.
Als Erzieher... Als Erzieher, wenn ich das höre. Jeder bildet sich ein,
erziehen zu müssen. Sie und Ihre Kollegen pauken mir den Unterrichtsstoff
ein und damit fertig. Was ich privat mache, ist ganz allein meine Sache.
Sie sind undankbar, Renate.
Der Herr Direktor und ich, wir haben doch nur versucht, Ihnen zu helfen.
Wie können Sie mir helfen, wenn Sie mich nicht verstehen?
Sie reden von Liebe und ich rede von Sex.
Renate, Sie sind eine sehr intelligente Schülerin.
Wenn Sie allerdings Ihre Intelligenz dazu benutzen, sich gegen jede Ordnung
und Sauberkeit aufzulehnen, muss ich Ihnen leider sagen, sind Sie hier fehl
am Platz.
Und mehr als das.
Sie sind eine Gefahr für Ihre Mitschülerinnen.
Kann ich jetzt gehen?
Bitte, ich kann Sie nicht daran hindern.
Aber Sie werden die Konsequenzen tragen müssen.
Und diese Konsequenzen heißen Schulverweis.
Sie werden verstehen, mein lieber Elternbeirat, dass mir als dem Direktor
dieser Schule, für deren guten Ruf und Namen ich verantwortlich bin, ja gar
nichts anderes übrig blieb, als einen derartigen Antrag zu stellen.
Trotzdem möchte ich den Fall vor der endgültigen Entscheidung durch den
Lehrerrat und das Ministerium noch einmal mit Ihnen durchsprechen.
Wir wissen ja alle...
Eine Verweisung von der Schule ist eine außerordentlich harte Bestrafung. Und
wir dürfen auch nicht vergessen, dass das Mädchen eine hervorragende Schülerin
ist und dass sie nur ganz kurze Zeit vor dem Abitur steht.
Sie kann ja auf eine andere Schule ausweichen.
Wie soll denn das gehen?
Die andere Schule weiß doch Bescheid. Die nehmen Sie doch gar nicht erst auf.
Ein Internat vielleicht?
So viel ich weiß, können die Eltern von Renate dafür gar nicht die Kosten
aufbringen. Das hätte sie sich früher überlegen sollen. Das ist doch falsche
Sentimentalität. Schließlich können wir als Eltern doch nicht mit offenen Augen
zusehen, dass solche Schweinereien Schule machen und unsere Töchter dadurch
auf die schiefe Bahn kommen.
Meine Damen und Herren, ich glaube, so kommen wir nicht weiter.
Meiner Ansicht nach hat die Schülerin Renate Wolf einfach Pech gehabt.
Das Pech nämlich, von einer gewissenhaften und übereifrigen Lehrerin
überrascht zu werden.
Das ist das Einzige, was sie von ihren Mitschülerinnen unterscheidet.
Ich muss doch sehr bitten.
Erlauben Sie mir bitte, ich muss dazu wohl, glaube ich, etwas erklären. Herr
Dr. Bernauer, Herr Bernauer ist Jugendpsychologe. Er könnte uns
vielleicht aus einer Praxis etwas... Was heißt Psychologie?
Rechtzeitig den Hintern voll.
Das ist die beste Psychologie. Ganz richtig. Ich bin Mutter, was mache ich
Psychologie? Ich glaube nicht, dass Sie recht haben.
Die heutige Jugend denkt in sexuellen Dingen viel selbstständiger, als Sie
glauben.
Ob es uns Eltern in den Kram passt oder nicht.
Unsere Kinder reden nicht nur über sexuelle Dinge, sie praktizieren sie
auch.
Wir leben alle noch in einer Sexualmoral, die sich längst überholt
hat.
Daran endet auch die Tatsache nichts, dass ein Großteil der Öffentlichkeit
sich beharrlich weigert, die sachlich nicht mehr akzeptierbaren Prinzipien
aufzugeben. Ich nenne Staat, Kirche, Schule.
Ihre Moralvorstellungen entsprechen keinesfalls mit den modernen
wissenschaftlichen Forschungsergebnissen.
Ich selbst habe eine Reihe Untersuchungen gemacht oder durch
Mitarbeiter durchführen lassen.
Ich will Ihnen von einigen berichten.
Was denken Sie eigentlich, wenn Sie so eine Reklame sehen?
Ich denke, das geht Sie gar nichts an, was ich denke.
Nun, diese Werbung wird eigentlich gemacht, damit der Leser sich dabei
etwas denken soll. Ist sie etwa von Ihnen? Nein.
Warum fragen Sie dann? Wollen Sie mich auf die Tour anquatschen?
Die Tour ist ziemlich abgelatscht.
Also keine Antwort?
Keine Antwort.
Na ja.
Na, Angela, habe ich zu viel gesagt? Kaplan Reitmeier, ich habe mich
erkundigt. Duli, duli, dass sowas Himmelsschuster wird?
Den bringe ich den Hormonspiegel durcheinander. Wie willst du das machen?
Schon mal was vom Beichtel gehört, dem werde ich was erzählen, dass ihm nicht
nur die Haare hochgehen.
Schade, dass sowas biologisch ausfällt.
Bleib so lange hier, ich ziehe mich um.
Wozu denn umziehen?
Sei nicht so blöd, damit er auch seinen Spaß hat heute am Samstag. Mensch Heike,
dann lass den BH weg.
Kommt jemand?
Nein.
Meine Mutter will, dass ich regelmäßig zur Beichte gehe. Soll sie haben.
Wenn ich dieses Zeug zu Hause anhätte, würde mein Vater mich lünchen.
Floris, jetzt niederknien.
Um fünf beginnt die Beichte, gleich wird er kommen.
Amen.
Ich habe das letzte Mal vor einer Woche gebeichtet, aber ich habe wieder schwer
gesündigt. Nun?
Fragen Sie bitte.
Wie haben Sie gesündigt?
Ich habe Unzucht getrieben.
Unzucht? Mit wem?
Mit einem Mann natürlich.
Mit was für einem Mann?
So um die 40.
Er ist schon etwas älter.
Verheiratet ist er auch.
In welcher Form?
Geküsst habe ich ihn.
Auf den Bauch.
Zuerst auf den Bauch, dann wurde sein Ding ganz groß.
Dann habe ich das auch geküsst.
Wart ihr nackt?
Aber natürlich hochwürden, splitternackt.
Er hat mich an den Brüsten gestreichelt und ist dann mit der Hand zwischen meine
Beine gegangen und dann hat er es mir besorgt.
Achtmal hintereinander, von hinten und dreimal von vorn und das jeden Tag
wieder.
Jedes Mal so oft?
Aber sicher, ich bin immer wieder zu ihm hingegangen.
Ist das alles?
Genügt das nicht?
Nein.
Ich vermisse das Sündenbekenntnis zum elften Gebot.
Das elfte Gebot? Ja, gibt es das denn auch?
Wenn es das nicht gäbe, müsste es für Sie erfunden werden.
Was soll das heißen?
Du sollst nicht angeben.
Sie erwarten doch nicht, dass ich die Beichthandlung fortsetze.
Ja, wieso denn?
Weil Sie gelogen haben.
Dafür kann ich Sie nicht freisprechen.
Hier ist kein Ort für schlechte Scherze.
Kommen Sie wieder, wenn Sie es ehrlich meinen.
Verzeihen Sie, Pater.
Komm jetzt, komm!
Was ist denn? Komm!
Ich habe Ihnen diesen Fall geschildert, damit Sie sehen, dass es in der Pubertät
junger Mädchen zu Handlungen kommen kann, die jenseits aller Vorstellungen
der Erwachsenenwelt liegen.
Jetzt kommen Sie aber nicht zu dem Schluss, dass es sich hier um den Anfang
einer sittlichen Verwahrlosung handelt.
Heike hält ihr Tun für eine geglückte und im Kreise ihrer Freundinnen
imponierende Lausbüberei sonst nichts.
Irgendwelche Wirkungen auf ihre Zukunft sind nicht zu erwarten.
Einmal bin ich kleben geblieben, wenn Sie das interessiert.
Mein Vater ist Abteilungsleiter in einer Lebensmittelfirma. Meine Mutter ist
Hausfrau. Ich habe keine Geschwister.
Bernhard? Ach, du bist es, Micky. Ja, ich glaube, Susi ist eben nach Hause
gekommen. Augenblick.
Susi! Susi, Telefon für dich!
Wer ist denn dran?
Micky!
Hallo?
Grüß dich.
Samstag? Und wer kommt denn alles mit?
Peter auch?
Der kann sich von mir aus auf den Mond schießen lassen.
Mitchi und Kurtchen?
Warum, kann der Dufte werden?
Nee, heute Nachmittag kann ich auf keinen Fall.
Da habe ich Nachhilfestunden.
Nein, glaub mir, es geht wirklich nicht.
Also, ciao und grüß die anderen von mir.
Was wollte Micky denn?
Ach, weißt du, Mutti, wir wollen Samstag Nachmittag alle ins Blau abgehen. Da ist
es billiger.
Das kommt überhaupt nicht in Frage, Susi.
Die anderen dürfen doch auch.
Hier geht es nicht um die anderen, sondern um dich. Noch einmal sitzen
bleiben und du fliegst von der Schule.
Ich arbeite ja.
Aber nicht genug Mädchen in deinem Alter haben sich auf die Schule zu
konzentrieren. Ich muss jetzt weg zur Mathe-Nachhilfe. Siehst du, das ist auch
so eine Sache. Von Rechts wegen sollten wir dir das Geld für die
Nachhilfestunden von deinem Taschengeld abziehen.
Lass noch ein paar Kirschen für deinen Vater übrig.
Was uns deine Faulheit kostet, daran denkst du überhaupt nicht. Und dass du
mir gleich nach der Schule nach Hause kommst, hörst du?
Ja, ja, ja.
Durch die Zuordnung x zu x hoch Alpha wird bei festem Exponenten Alpha
eine Funktion definiert. Man bezeichnet sie als Potenzfunktion.
Was ist denn das?
Mathematik. Was soll das heißen?
Führe mich nicht in Versuchung.
Was denn für eine Versuchung? Dir den Po vollzuhauen.
Feigling. Sei doch still.
Was soll denn das?
Ich wollte nur mal wissen, wie das ist.
Und weißt du es jetzt?
Noch nicht ganz.
Sag mal, Günther, hast du schon mal was mit Frauen gehabt?
So richtig?
Was geht dich das an?
Viel.
Ja, ja, natürlich, natürlich.
Dann weißt du also, wie man das macht?
Was?
Du weißt schon, mit Präliminarien und so.
Na schön. Und wenn?
Du hör mal zu, Lolita.
Wenn du mich rumkriegen willst, bist du auf dem Holzweg.
Schon von wegen.
Und sucht mit Abhängigen und so.
Wieso? Ich bin doch von dir nicht abhängig.
War übrigens eine prima Idee, den Unterricht nach draußen zu verlegen.
Davon bin ich gar nicht mehr so überzeugt.
Erscheinungen wie Flirt, Küsse, Umarmungen und das sogenannte Petting
sind in der Nachpubertät durchaus natürlich.
Beim Petting handelt es sich um intimere körperliche Kontakte, die jedoch nicht
zum Geschlechtsverkehr führen.
Alles andere ist aber erlaubt.
Natürlich haben diese ersten körperlichen Kontakte weniger mit Liebe
als mit Neugier zu tun. Nein, nein bitte nicht.
Was unser Interviewer Friedrich von Thun zum Thema Petting auf Münchner Straßen
erfuhr, nun, das sollten Sie selber hören.
Entschuldigen Sie bitte, können Sie mir sagen, was Petting ist? Ja, natürlich.
Was denn?
Ach, so eine Art, den Gegner auf die Matte zu legen und ihn dabei so richtig
zu erledigen. Haben Sie schon mal Petting-Kontakte gehabt?
Ja, ich denke doch, so mit 14.
Es war im Englischen Garten, mein Freund war damals 21 und er fummelte so an mir
rum.
Und wir kamen da beide so zum Höhepunkt, Sie wissen schon.
Und ich denke doch, im geschlossenen Raum wäre da irgendwie mehr drin
gewesen.
Wie alt sind Sie jetzt?
16. Haben Sie einen festen Freund?
Ja. Nein.
Warum nicht?
Ich habe keine Lust.
Keine Lust? Hatten Sie schon einmal einen festen Freund? Nein, so eine
intime Frage, das finde ich nicht gut.
Glauben Sie, dass die Initiative zum sexuellen Kontakt immer vom Mann
ausgehen muss?
Nein, nicht unbedingt.
Wie würden Sie Ihren Mann verführen oder wie verführen Sie Ihren Freund?
Ach, das ist mir zu intim, das möchte ich nicht sagen.
Das ist jetzt schwer, das hängt so von der Situation ab, das kann ich Ihnen
keine Antwort geben.
Haben Sie einen festen Freund?
Äh, nein.
Warum nicht?
Ja, ich möchte immer noch frei bleiben.
Finden Sie, dass ein Mädchen bis zur Ehe unberührt bleiben sollte?
Bis zur Ehe, ja, das kommt drauf an, gell?
Nein, also ich finde es eigentlich nicht, generell kann man das nicht
sagen. Sie sind erotisch erregt und Sie haben keinen Mann, was tun Sie?
Ja, was tut man dann?
Du, der entdubte was.
Schau mal den da.
Den kannst du tragen. Da sind ja die Motten drin.
Quatsch, Motten. Der ist klasse. Den würde ich sofort nehmen. Warum nimmst du
ihn nicht?
Mein Alter würde mich totschlagen, wenn der mich in sowas sieht. Meine hat
nichts dagegen.
Meinst du wirklich?
Klar. Kann ich den mal anprobieren? Aber bitte schön.
Da.
Möchten Sie nicht auch einen probieren? Nein, lieber nicht. Kein Interesse. Gut.
Wie Sie meinen.
Was ist, Pastor?
Ja, ja.
Mensch, der ist eine Wucht.
Wenn Otto mich in dem sieht, du, der greift mir gleich in die Löcher.
Otto, ist das dein Fester? Ja, der ist 27, mit Bart und Auto.
Und du, hast du keinen?
Nein.
Verstehe, Mangel an Gelegenheit.
Aber warte nicht so lang, sonst bekommst du Pickel auf der Backe. Was soll ich
denn machen?
Mensch, reiß dir doch auch einen Hirsch auf, oder musst du da etwa erst deinen
Papi fragen?
Stoffel, gefällt es nicht so in deinem Essen rum, Achim?
Was deine Mutter auf den Tisch bringt, ist gut und nahrhaft.
Wie ist dein Lateinarbeit ausgefallen?
Vier.
Traurig genug.
Wieso denn? Der Vier ist doch ausreichend. Na, viel Spaß.
Wenn dir ein Ausreichen im Leben immer genügt, wirst du es nie zu was bringen.
Wieso denn? Kann man doch gar nicht wissen.
Bismarck ist zweimal durchgefallen. Und Einstein war bis zum Zehnten Lebensjahr
ein Halbidiot.
Ich verbitte mir diese lächerlichen Gemeinplätze.
Ihr wisst ganz genau, was ich meine.
Ihr hättet nicht die Butter auf dem Brot, wenn ich meinen Lebtag nicht hart
gearbeitet hätte.
Verarmten Butter.
Aber Ego.
Das ist gut, der Achim sagt was und ich kriege eine geschallert.
Halt den Schnabel, du hast sie verdient.
Du hast gelacht.
Darf man nicht mehr lachen?
Nein. Aber Ego.
Danke.
Mir ist der Appetit vergangen.
Einen Ton hat diese Jugend.
Das hätte ich mal wagen sollen. Ich weiß nicht, was mein Vater mir hier gemacht
hätte.
Scheiße. Ach, und ich wollte heute Abend noch weg.
Warum sollst du es auch besser haben als ich?
Darf ich mal raus?
Ja.
Wenigstens eine, die hier mal was darf.
Vater und Mutter leben unter einer Glasglocke.
Sie wissen nichts von mir.
Wann werden sie endlich merken, dass ich kein Kind mehr bin?
Ich darf überhaupt nichts.
Für mich ist alles verboten.
Am liebsten möchten sie mir den Busen wegschnüren.
Und mich bis zum 21.
Geburtstag im Sandkasten spielen lassen.
Mach mir so eine Schweinerei ja nie wieder, hörst du?
Oder willst du, willst du vielleicht dein ganzes Leben lang krank bleiben?
Willst du nie einen anständigen, sauberen, jungen Mann bekommen?
Was hast du dir eigentlich dabei gedacht?
Was glaubst du, wenn ich das deinem Vater erzähle, was der mit dir macht?
Ich möchte nur gerne wissen, bei wem hast du das gelernt?
Frau Holm macht natürlich alles falsch, was eine Mutter in dieser Situation nur
falsch machen kann.
Nicht die Masturbation macht Elisabeth krank, sondern die rückständigen
Erziehungsmethoden ihrer Mutter.
Die Selbstbefriedigung, das wird sogar heute von den Kirchen stillschweigend
akzeptiert, ist ein natürliches Ventil für den sexuellen Überdruck der
pubertären Entwicklungszeit.
Wenn Sie erotisch erregt sind und Sie haben keinen Mann, was tun Sie dann?
Oh, dann mache ich vielleicht Selbstbefriedigung, warum nicht?
Entschuldigen Sie bitte, darf ich Ihnen ein paar Fragen stellen?
Was halten Sie von Masturbation?
Ja, was soll ich davon halten?
Das kann jeder machen, was er will.
Masturbieren Sie?
Ab und zu.
Mit wie vielen Jahren haben Sie angefangen?
20.
20 Jahren?
Und wie sind Sie darauf gekommen?
Durch einen Film.
Schweigen? Ja.
Ich glaube, da war es.
Und wie oft trainieren Sie?
Das ist verschieden.
Haben Sie einen festen Freund?
Zurzeit nicht.
Wenn Sie einen festen Freund haben, masturbieren Sie dann nicht?
Doch. Und wenn Sie einen festen Freund haben?
Was dann?
Masturbieren Sie dann?
Warum nicht?
Wie oft machen Sie es die Woche?
Das weiß ich nicht, wie ich Lust habe.
Entschuldigen Sie, darf ich Ihnen eine Frage stellen? Was halten Sie von
Masturbation? Gar nicht.
Entschuldigen Sie mich, darf ich Sie etwas fragen?
Masturbieren Sie? Ja.
Seit wann?
Ja, seit meinem fünften oder sechsten Lebensjahr ungefähr.
Und wie sind Sie darauf gekommen?
Ja, ich bin mal übers Treppengeländer gerutscht und dann hat es eben gut
getan. Mit wie vielen Jahren haben Sie angefangen?
Ja, als ich verheiratet war.
Wie? Als ich verheiratet war, mit 24 vielleicht.
Wie oft machen Sie es die Woche?
Kaum mehr, weil ich verheiratet bin und es nicht mehr nötig habe.
Haben Sie Gewissenskonflikte dabei?
Nein, warum sollte ich denn?
Gar nicht.
Entschuldigen Sie, ich darf Ihnen eine Frage stellen. Was halten Sie von
Masturbation? Ach du lieber Gott.
Warum nicht?
Wie haben Sie es gelernt?
Da kommt man wohl von selber drauf, nicht? In analen Phasen und so weiter.
Haben Sie Gewissenskonflikte dabei?
Nein.
Masturbation? Ja, was hältst du davon?
Ja, warum nicht?
Wenn es nicht alleine ist, dann würde ich Masturbation ganz gut finden. Das
darf nicht...
Also bei einem alleine nur Vorfall. Muss auch neben zwei Männern irgendwas da
sein. Wenn sich jemand nicht anders abreagieren kann, warum soll er es nicht
machen? Wie haben Sie das Masturbieren gelernt?
Gar nicht.
So etwas lernt man nicht. Entweder man kann es oder man kann es nicht.
Ich habe eine Frage an Sie. Sie sind Mutter, Tochter.
Was halten Sie von Masturbieren?
Ich glaube, dass das gar nicht so verkehrt ist.
Mit wie vielen Jahren haben Sie angefangen zu masturbieren?
In meiner Jugend jedenfalls noch nicht.
Da gab es das überhaupt nicht.
Ja, ich war zehn Jahre, meine Freundin und ich, meine Freundin hat es mir
vorgemacht und ich habe es nachgemacht und ich finde, es ist für den Körper
sehr gut, ja.
Haben Sie irgendwelche Gewissenskonflikte dabei gehabt?
Nein, absolut nicht, nein.
Wie oft machen Sie es heute noch?
Drei bis vier Mal.
Haben Sie einen Freund?
Ja.
Und ersetzt der Freund nicht das Masturbieren?
Nein, nein, das mache ich lieber selber.
Ich heiße Michelle und bin jetzt 18 Jahre alt. Ich gehe auf ein
humanistisches Gymnasium, 11. Klasse.
Haben Sie besondere Probleme?
Nicht, dass ich wüsste.
Weder in der Schule noch privat.
Wollen Sie eines Tages heiraten?
Sie meinen, weil ich hier Babysitter spiele?
Das tue ich nur, um meine Schwester zu lieben.
Der Kleine da in dem blauen Höschen, das ist Eva.
Tag. Doch ja, ich möchte schon heiraten.
Natürlich erst, wenn ich mit der Schule fertig bin.
22, 23.
Ich möchte natürlich auch Kinder haben.
Zwei oder vier.
Warum nicht drei?
Das habe ich mal gelesen.
Drei streiten sich mehr als zwei oder vier. Aha. Und so lange?
Nämlich die Pille.
Die bekommen Sie ohne weiteres? Ja, durch die Ärztin meiner Schwester.
Ohne weiteres.
Wollen Sie über Ihr Geschlechtsleben sprechen?
Wenn Sie es wissenschaftlich verbraten können, ja.
Fragen Sie.
Gemeinsam kann ich ja immer noch.
Wie alt waren Sie, als Sie defloriert wurden?
13.
Sind Sie verführt worden?
Nein, eigentlich nicht.
Hab selber wissen wollen. War eine ganz schöne Arbeit, den Jungen umzubringen.
Er war 18.
Ich war einfach neugierig.
Und es hat mir Spaß gemacht.
Von dem Tag an hab ich laufend Sex gemacht.
Bei einer Party habe ich meinen jetzigen Freund kennengelernt.
Das ist fünf Monate her.
Seitdem habe ich aufgehört, kreuz und quer durcheinander zu bumsen.
Er heißt Michael, 22.
Will mal Buchhändler werden.
Sie haben nicht mehr das Bedürfnis, Ihren Partner häufig zu wechseln? Nein,
keineswegs. Ich habe nur das Bedürfnis, ich brauche es. Ich brauche es halt ein
paar Mal in der Woche. Und wenn man mir das gründlich verschafft und wenn er mir
sympathisch ist, dann bleibe ich ihm auch treu. Ist doch klar.
Sagen Sie mal.
Sie halten mich doch nicht etwa für einen Fall für einen Psychiater?
Nein, seien Sie ganz unbesorgt.
Finden Sie, dass das Sexuelle nur im Zusammenhang mit Liebe möglich ist?
Nein. Das kann auch so Spaß machen. Ja.
Können Sie sich vorstellen, dass Sie mit Prostitutionen Geld verdienen?
Ach doch, ja.
Ja?
Danke. 500 Mark nicht.
Glauben Sie, dass das sexuelle Kontakt nur im Zusammenhang mit Liebe möglich
ist? Ja.
Nur.
Bei mir ist es jedenfalls so.
Möglich ist es sicher auch ohne Liebe, aber ich glaube, dass es ein großer
Unterschied ist zwischen einer sexuellen Verbindung in Liebe und ohne Liebe.
Glauben Sie, dass... Möglich ist es möglich ohne Liebe.
Können Sie sich vorstellen, dass Sie mit Prostitutionen Geld verdienen? Nein.
Glauben Sie, dass es Grenzsituationen gibt?
Sicherlich. Was meinen Sie, ab wie vielen Jahren sollte es jungen Mädchen
erlaubt sein, Geschlechtsverkehr zu haben?
Das kommt ganz darauf an, wie reif das Mädchen schon ist, aber ich würde sagen
ab 16, 17.
Mit wie vielen Jahren haben Sie das erste Mal mit einem Mann geschlafen? 16.
Können Sie sich vorstellen, dass Sie auch für Geld mit einem Mann schlafen?
Ich kann es mir nicht vorstellen, aber im Allgemeinen sollte man annehmen, dass
eigentlich jede Frau das könnte.
Was aber geschieht, wenn Mädchen physisch reif, aber psychisch ihren
sexuellen Begierden und Vorstellungen nicht gewachsen sind?
Sie bringen sich und noch öfter andere ins Unglück.
Der hier geschilderte Fall hat sich in einer deutschen Großstadt zugetragen.
Was machst du denn für ein Gesicht, Karin? Ich muss gerade an die Blitzke
denken. Diese alte Schwuchtel.
Aufsatzthemen gibt die immer. Was habt ihr denn geschrieben?
Johannas Gewissenskonflikt. So ein Blödsinn.
Was denn für eine Johanna?
Na, die von Orléans.
Von Schiller.
Deinen Aufsatz habe ich bestimmt restlos verhauen. Mit einer Sechs bin ich
geschmissen. Kann ich einpacken. Die Blitzke kann mich sowieso nicht riechen.
Guck mal, ist das nicht unsere Kragenweite? Was schließt du denn auf
Grünzeug? Das ist mir viel zu anstrengend. Die müssen erst mal bei
anderen auf dem Leisten.
Oh, Typ.
Da ist er wieder.
Mensch, der wäre eine Sünde wert. Super, was? Mit dem möchte ich Territorbereiter
spielen. Ach, der.
Der steht doch sicher bloß auf Weiber mit einem dicken Portemonnaie und so.
Das ist noch nicht raus, ob der auf Omas steht. Das käme auf den Versuch an.
Nee, wär's, Kinder. Wollen wir den mal anständig anheizen?
Du bist ein klein Doofi. Hast du noch nie was von Striptease gehört?
Da kommt er wieder.
Der kommt hier vorbei. Wollen wir? Aber nur, wenn er alle mitmacht. Na klar.
Also los.
Hey, das geht nicht.
Was denn?
Oben ohne.
Wieso denn nicht? Wie sollen wir denn sonst braun werden?
Macht das zu Hause. Hier ist das verboten.
Wo steht denn das geschrieben?
In der Badeordnung.
Also Kinder, macht mir keine Schwierigkeiten, sonst muss ich euch
rausschmeißen.
Das bringen Sie übers Herz?
Das bestimmt mich gerne, aber Vorschrift ist Vorschrift. Mir wäre es ja egal.
Tatsächlich egal?
Seid vernünftig.
Seid vernünftig und zieht euch was drüber. Ich habe nichts gesehen.
Und wenn ich gleich wieder vorbeikomme, will ich wirklich nichts mehr sehen.
Habt ihr das begriffen?
Die mache ich fertig.
Das schaffst du nie. Retten du Dummerchen?
Hast doch gemerkt, der hat einen Heidenschiss vom Staatsanwalt.
Quatsch. Ich kriege ihn schon rum.
Pump mir mal für einen Moment eine Haarnadel. Was willst du denn damit?
Lass dich schon merken.
Dann mach mal.
Was ist passiert?
Haben Sie einen Pflaster oder einen Verband oder irgend sowas?
Haben Sie sich verletzt? Ja.
Sehen Sie sich das mal an. Eine Glasscherbe. Die liegen ja hier rum wie
Heu. Darauf sollten Sie aufpassen, anstatt auf Mädchen oben ohne.
Wer weiß, was da alles passieren kann.
Das kann eine ganz schöne Blutvergiftung werden.
Wo?
Na hier.
Was ist? Wollen Sie mich verbluten lassen?
Moment, ich gebe Ihnen was.
Hier. Ne, machen Sie das mal schön. Ich kann da nicht so richtig ran.
Haben Sie auch ein bisschen Jod da?
Wer weiß, was da alles passieren kann.
Es ist gleich vorbei.
So.
Okay, und was ist mit dem Schadenersatz?
Schadenersatz?
Ja klar, wo Sie doch dran schuld sind.
Sie sind ja verrückt.
Ich mache Ihnen einen Vorschlag zur Güte. Wie wäre es, wenn Sie uns heute
Abend noch mal reinlassen würden, mich und meine Freundin?
Nach Feierabend.
Wir möchten das Schwimmbecken gerne mal ganz für uns alleine haben.
Das geht nicht, das darf ich nicht.
Na was denn?
Wir können doch zusammen ein paar Glasscherben suchen.
Völlig ausgeschlossen.
Na nun, ihr habt euch ja besonders fein gemacht.
Schick, was? Wir gehen ja auch zu einer besonderen Party. Passt nur auf, dass
euch keiner sieht, sonst bin ich dran.
Wie heißen Sie eigentlich?
Theo, und ihr?
Margit, Karin und ich heiße Claudia.
Wie alt seid ihr eigentlich?
44. Ihr wollt mich wohl auf den Arm nehmen.
Zusammen natürlich.
Rechnen Sie das mal auseinander. Dabei kommt nicht viel raus.
Sind Sie so sicher?
So, von mir aus könnt ihr bahnen, so viel ihr wollt. Aber seid ja ruhig.
Haben Sie nicht ein paar Handtücher für uns? Wir konnten nämlich keine mitnehmen
zu dieser Party.
Ich komme nicht raus.
Seht ihr? Er linst aus dem Fenster.
Ich möchte wissen, wie lange der noch cool bleibt.
Was ist denn mit dir los? Warum ziehst du dich nicht aus?
Also sag mir nicht böse, aber ich habe mir es anders überlegt.
Mensch, die ist vielleicht spießig. Du brauchst dich gar nicht mehr bei uns
sehen zu lassen.
Seid ihr wahnsinnig geworden? Wenn das einer sieht, das war nicht abgemacht.
Ihr kommt sofort wieder raus.
Nein, nein, bleibt ja im Wasser. Ich lege euch die Handtücher hin und in fünf
Minuten seid ihr verschwunden. Und ich hole die Polizei.
Er holt die Polizei. Wo ist denn die Polizei?
Halt doch wenigstens ruhig.
Hey, was soll das denn werden?
Ist deine Hand nur so klein oder ist das Wasser bloß so kalt?
Aber Claudia, und das auch noch mit einem Bademeister. Warum denn bloß?
Warum, warum? Ich weiß es doch selber nicht, Mami.
Ich habe so Angst.
Kriege ich jetzt ein Kind?
Mit 15 Jahren ein Kind?
Aber du bist doch selbst noch ein Kind.
Mein Gott, wir müssen sofort zum Arzt. Ja, bitte, Mami. Wenn ich ein Kind
kriege, soll er es mir wegmachen. Bitte, bitte, Mami. Ich kann doch kein Kind
bekommen. Dieser Schwein.
Der ist für alles verantwortlich.
Aber das soll er bezahlen.
Was hat er denn aus dir gemacht, mein armes Kind?
Ich muss es Vater sagen.
Nein, bitte nicht, Mami, bitte nicht.
Aber hör mal, Kind, wir können es ihm nicht verschweigen.
Sieh mal, der Mann muss auch bestraft werden.
Du bist doch noch nicht 16.
Der Mann ist ein Verbrecher.
Was hat er denn mit dem anderen Mädchen gemacht?
Hat er die auch?
Nein, nur mich, Mami.
Die andere wollte er nicht mehr.
Bei der hat er es nur mit dem Mund gemacht.
So ein verantwortungsloser Kerl.
So ein Lump.
Aber warum ausgerechnet dich?
Das weiß ich doch nicht, Mami.
Der Mann gehört hingerichtet.
Im Namen des Volkes.
Der Angeklagte Theodor Bandis, von Beruf Bademeister, geboren am 11.05.1945 in
Salzburg, wird wegen Vergehen gegen § 182 StGB zu drei Monaten Gefängnis
verurteilt. Die Strafe wird zur Bewährung ausgesetzt.
Das Urteil ist gesprochen.
Ein Richter hat es gefällt, der nur seinem Gewissen verantwortlich ist und
der trotzdem gezwungen ist, Gesetze anzuwenden, die noch aus einer Zeit
stammen, in der das junge Mädchen unselbstständig sein musste und
höchstens zum Zwecke einer sinnvollen Eheschließung von den Eltern verkuppelt
werden durfte.
Finden Sie es richtig, dass ein Mädchen, 15- bis 16-jähriges Mädchen, das sich
mit einem Mann einlässt?
dass sich dieser Mann, der sich mit dem Mädchen einlässt, dann vom Gericht
verurteilt wird.
Ja, an und für sich schon, weil das noch zu jung ist mit 15 Jahren.
Also man kann schlecht ein Altersgrenze setzen, aber mit 15 finde ich es einfach
noch zu jung dazu.
Weil ich meine, ich weiß es von mir selber, man ändert seine Ansichten
ehrlich. Man denkt mit 15 anders, mit 16 und dann mit 17 wieder anders und so.
Ja, das kommt darauf an, was mit dem Mädchen ist. Also wenn das Mädchen
nichts dagegen hat, dann finde ich, ist das ein Schmarrn.
Bereit war das mit ihm zu tun, glaube ich, ist nicht richtig.
Es gehören ja immer zwei dazu, oder?
Ja, das finde ich schon.
Und Sie?
Ich weiß nicht. Ich glaube, da müsste man den Mädchen auch ein bisschen Schuld
geben.
Weil es kommt doch viel auch auf das Mädchen an.
Es kommt darauf an, ob das Mädchen damit einverstanden war.
Wenn das Mädchen mit ihm ins Bett gehen will, dann will es mit ihm ins Bett
gehen. Dann ist der Mann nicht dran schuld, es sei denn, sie will nicht.
Es kommt natürlich auch darauf an, warum er mit dem Mädchen geschlafen hat. Wenn
er zum Beispiel das nur getan hat, um die Lust zu empfinden. Aber es kann ja
auch sein, dass das Mädchen sich irgendwie so verhalten hat, dass der
Mann einfach so weit gekommen ist, bis er mit ihr ins Bett gegangen ist. Oder
dass das Mädchen ihm ihr wahres Alter nicht gesagt hat.
Nein, weil das Mädchen bestimmt auch nicht ganz unschuldig ist.
Wenn sie sich einlässt, ist ja nicht der Mann allein schuld.
Hannelore und ich, ehrlich, wir haben ganz schön angegeben von wegen Sex und
so. Was wir für routinierte Feger sind, meine ich. Die Jungs sind angesprungen
wie ein heißer Ofen. Bloß wir, wir haben keine Ahnung. Bis jetzt.
Hoffentlich haben die Boys genauso viel Schiss wie wir.
Warum trödelst du so hinterher, Hannelore? Du willst doch nicht etwa
kneifen. Quatsch, wie kommst du denn da rauf?
Na, dann beeil dich ein bisschen.
Die Jungs, das sind steile Typen, die warten nicht lange.
Du Mensch, die kommen ja wirklich.
Na und?
Hey, wo willst du denn plötzlich hin?
Mir ist gerade eingefallen, ich habe ganz dreckige Füße.
Und wenn die Miezen... Rett mich, so ein Blech. Deine Füße sind denen wurscht.
Hauptsache, sonst bist du auf Zack.
Ausgezogen wird sich sowieso nicht.
Willst du uns die Puppen, klar?
Naja, aber wollen wir nicht doch lieber abhauen? Noch ist Zeit.
Ich hab doch noch nie.
Ja, meinst du etwa ich?
Das ist doch noch lange kein Grund, feige den Schwanz einzuziehen.
Apropos, ich hab mal irgendwo gelesen, wenn man so aufgeregt ist, dann klappt
es nicht und das wäre doch furchtbar, nicht?
Blödsinn. Wir müssen nur rangehen wie Hector an die Buletten.
Das sind ein paar ganz scharfe Schwestern.
Was wir an Erfahrung zu wenig haben, haben die bestimmt zu viel.
Hoffentlich.
Ganz schöne Aussicht.
Was?
Also, was ist los? Bringen wir es hinter uns?
Doch nicht alle hier.
Was denkst du denn?
Lass mich bloß nicht allein.
Also, was ist nun?
Na, einer muss ja wohl einen Anfang machen.
Na, Hauptschwester, zieh den Fummel aus.
Oder wenigstens den Schlüpfer.
Dann kann nämlich keiner sagen, wir hätten es gemacht.
Was du bloß denkst?
Ich meine, wenn ihr wirklich nicht wollt, dann... Also was ist denn?
Verflixt und zugenäht.
Du machst bestimmt mit. Na ja, wo wir schon mal hier sind.
Wie heißt du eigentlich?
Hannelore. Gefällt dir der Name?
Nicht so gut wie dein Busen.
Und dabei soll man zum Orgasmus kommen.
Idiot!
Mit wie vielen Jahren haben Sie das erste Mal mit einem Mann geschlafen? Mit
18.
Wie alt war der Mann?
22.
Ab wie vielen Jahren sollte es einem Mädchen oder einem jungen Mädchen
erlaubt sein, sexuellen Kontakt zu haben?
Das kommt ganz auf das Mädchen an, würde ich sagen, absolut.
Würden Sie bereit sein, mit einem Mann, der Ihnen gefällt, ohne weiteres ins
Bett zu gehen?
Ja, wenn er mir wirklich gefällt.
Auch wenn Sie nicht lieben? Meinen Sie jetzt rein äußerlich seine Erscheinung,
mit einem schönen Mann sozusagen?
Na ja, wenn keine Gefühle dagegen sprechen, warum nicht?
Nehmen Sie die Pille.
Ja.
Was tun Sie damit, dass Sie das regelmäßige Einnehmen der Pille nicht
vergessen?
Aber ich merke mir das eigentlich so, mich so daran gewöhnt.
Danke. Haben Sie einen festen Freund? Ja.
Wie alt ist Ihr Freund?
Mein Freund ist 21.
Entspricht er den Idealvorstellungen eines Mannes, Ihren Idealvorstellungen?
Meinen Idealvorstellungen eigentlich nicht.
Was haben Sie denn für eine Idealvorstellung von einem Mann?
Ist das jetzt physisch oder psychisch?
Unterscheiden Sie da?
Ja, ich unterscheide schon.
Also fangen wir mal mit den physischen Vorzügen an.
Physische.
Also mein Typ, das wäre schwarze Haare, also ein dunkler Typ, gut gewachsen und
es ist halt nicht, er ist blond und nicht so groß.
Und psychisch?
Psychisch muss er zuvorkommend sein, nicht so versnobbt wie die heutigen
Typen so.
Kannst du ein Neger sein?
Neger? Ja, warum nicht?
Was halten Sie von Eigenschaften wie Geld und Potenz?
Geld und Potenz?
Geld muss jeder haben, sonst weiß ich auch nicht.
Und Potenz muss wohl auch jeder haben.
Wann haben Sie das erste Mal mit einem Mann geschlafen?
Geschlafen? Das ist nicht ein bisschen indiskret.
Dann finden Sie es richtig, dass ein Mädchen bis zur Ehe unberührt bleiben
soll? Nee.
Warum nicht?
Warum soll sie auf etwas verzichten so lange?
Wann haben Sie das erste Mal mit einem Mann geschlafen?
Mit 16,5.
Finden Sie, dass es richtig ist, dass ein Mädchen bis zur Ehe unberührt
bleiben sollte?
Nein, also heutzutage glaube ich, ist das nicht mehr der Fall.
Wann haben Sie das erste Mal mit einem Mann geschlafen?
Ja, ich glaube, ich war 16.
Also ich finde es schon gut, wenn ein Mädchen vor der Ehe in sexueller
Beziehung Erfahrungen macht.
Ich glaube schon, es ist richtig.
Ich finde eben das Sexuelle eine sehr wesentliche Angelegenheit und das sollte
vor der Ehe auch schon geregelt sein.
Aus dem ganz einfachen Grunde, weil ich glaube, dass wenn ein Mädchen unberührt
in die Ehe geht, dass sie später sehr unglücklich sein wird und sich Männer
sucht. Es kommt auf Erfahrung und sollte es eigentlich schon haben, sonst hat sie
überhaupt keine Ahnung, was in der Ehe vor sich geht.
Wie alt sind Sie?
16.
Und mit wie vielen Jahren finden Sie?
Kann oder darf ein junges Mädchen mit einem Mann schlafen?
Es kommt aufs Mädchen drauf an, wie er jetzt entwickelt ist. Ich würde sagen
unter 18 nicht unbedingt.
Wenn ein Mann gefällt, können Sie ohne weiteres mit ihm schlafen?
Ja, warum nicht? Ich brauche nicht viel mit ihm zu sprechen und zu reden.
Wann haben Sie das letzte Mal mit einem Mann geschlafen?
Vor drei Wochen.
Und wenn Sie mit keinem Mann schlafen, tun Sie es selbst?
Nein.
Warum ist es so lange her, dass Sie mit einem Mann geschlafen haben? Ja, das ist
so eine Sache.
Das kann ich nicht beantworten.
Oder doch?
Bitte. Weil ich mir in England einen Tripper geholt habe.
Danke.
Unsere Töchter leben heute im Bewusstsein der Emanzipation, der
Gleichberechtigung der Geschlechter.
Einer Idee, die wahrscheinlich einmal als die entscheidende Neuerung dieses
Jahrhunderts gewertet werden wird.
Männer und Frauen sollen gleich sein in ihren Fähigkeiten, in ihren Leistungen,
in ihren Ansprüchen.
Das Schlagwort von der Gleichberechtigung der Geschlechter kann
aber zu Auswüchsen ausarten, die sogar zu direkter sexueller Aggressivität der
Frau führen.
Dabei kommt es zu Situationen, die früher undenkbar gewesen wären.
Schluss für heute.
Ihr könnt alle nach Hause gehen.
Vielen Dank.
Aber Marlene, was machen Sie denn noch hier?
Haben Sie keine Lust, nach Hause zu gehen?
Ich turne noch ein bisschen nach. Sie haben doch eben selbst gesagt, es ist
gut für die Brustmuskulatur.
Auch die Bauchmuskulatur wird dadurch enorm gestärkt.
Wenn Sie es richtig machen.
Na, dann seien Sie doch so nett und zeigen Sie mir, was ich falsch mache.
Nicht so stocksteif im Kreuz. So?
Und die Beine immer schön zusammen.
So.
Das dringt rasend an, dazu braucht man irrsinnig viel Kraft.
Da haben's die Männer leichter, die Beine zusammenzuhalten.
Ja, haben sie.
Lassen Sie das.
Gehen Sie nach Hause.
Marlene, was soll das?
Was wollen Sie hier?
Das müsstest du doch längst gemerkt haben.
Na, Dieter, Angst?
Darf ich Sie etwas fragen?
Wie sieht der Idealmann aus?
Ich habe keinen Idealmann, kein Idealbild.
Haben Sie einen festen Freund? Ja.
Wie alt ist er?
19.
Können Sie sich vorstellen, dass Sie auch mit einem älteren Mann schlafen?
Es kommt darauf an, wie alt.
Können Sie sich vorstellen, dass Sie mit Ihrem Lehrer schlafen?
Nein, wirklich nicht.
Warum nicht, wenn er mir gefällt?
Können Sie sich vorstellen, dass Sie mit Ihrem Lehrer schlafen gehen?
Weiß nicht.
Nein. Oder ins Bett gehen? Nein. Sexuellen Kontakt?
Nein. Haben Sie einen festen Freund? Ja.
Spricht er Ihren Idealvorstellungen eines Mannes?
Bis jetzt noch, ja.
Was halten Sie von Eigenschaften wie Geld und Potenz?
Mein Gott, Geld.
Natürlich ist es schön, wenn jemand Geld hat und Potenz. Mein Gott, ich habe noch
niemanden getroffen, der impotent ist. Ich kann das nicht beurteilen.
Schön drauf kommt es nicht unbedingt an.
Würden Sie mit einem Mann, der Ihnen gefällt, gleich schlafen? Nein, nicht
sofort. Finden Sie, dass der sexuelle Kontakt immer nur im Zusammenhang mit
Liebe möglich ist?
Ja, eigentlich schon.
Ich finde, sie sollte schon dabei sein.
Sie finden es aber nicht nötig?
Unbedingt nicht, nein.
Finden Sie, dass die Initiative zum sexuellen Kontakt immer nur vom Mann
ausgehen muss?
Nein, das finde ich nicht. Also die Frau darf nicht nur passiv sein, sondern die
muss genauso aktiv wie der Mann sein.
Können Sie sich vorstellen, wie Ihre Initiative da aussieht?
Ich kann es mir schon vorstellen.
Mein Gott, das hängt von der Situation ab.
Das kann man nicht so genau festlegen.
Finden Sie, dass der Mann derjenige sein soll, der den Anstoß zum sexuellen
Kontakt gibt?
Das muss ja nicht unbedingt sein. Das kann auch die Frau sein.
Wie würden Sie das anstellen? Können Sie sich das vorstellen?
Ich würde dem Mann erstmal etwas vorkommen lassen.
Wie alt bist du eigentlich, Liebe? Das weißt du doch ganz genau. Ja, aber ich
möchte gern wissen, ob du es auch weißt.
Fängst du schon wieder an, Axel? Ich habe noch gar nicht damit aufgehört.
Bitte, wie du willst. Ich bin 18 Jahre und zwei Monate, evangelisch getauft und
erzogen. Ich besuche die 12. Klasse des Marie-Stift-Gymnasiums, habe in Musik
eine Eins und ich denke nicht daran, mit dir zu schlafen. Genügt dir das?
Das war Gladex. Dann ist ja alles okay.
Nichts ist okay. Ich habe keine Lust, mich von dir länger auf den Arm nehmen
zu lassen. Dich auf den Arm nehmen? Was denkst du dir überhaupt? Bloß, weil ich
jetzt nicht mit dir schlafen will?
Bloß, weil du jetzt nicht mit mir schlafen willst. Ganz genau.
Wir kennen uns doch lang genug.
Drei Wochen.
Na und?
Ist doch eine Ewigkeit.
Für dich vielleicht, aber nicht für mich. Außerdem will ich nicht von der
Penne fliegen, wie die Renate, die bei uns im Haus wohnt. Komm, hör auf, mir
langt es aber in jeder Beziehung.
Ich habe es endgültig satt. Lass mich damit zufrieden.
Dann kann ich ja gehen. Na und?
Was ich will, das spielt ja doch keine Rolle.
Ich mache das schon.
Ich lasse mich doch nicht erpressen.
Ja,
das haben Sie ja miterlebt.
Was halten Sie davon?
Wenn man einen Jungen haben will, bleibt ihm gar nichts anderes übrig.
Ich war gerade 18, als es so weit war.
In der Wohnung meines Freundes. Das Ganze war absolut kein Zufall.
Ich war mir darüber genau im Klaren, was ich tat.
Einmal musste es ja sein.
Ich hatte ziemlich Schmerzen und hatte auch nichts davon.
Naja, das hat sich dann bald geändert.
Heute tut es mir leid, dass ich nicht viel früher angefangen habe.
Ich war 15,5, als es passierte.
Ich tat zusammen mit meinem letzten Petting-Partner im englischen Garten.
Wir wollten es beide.
Vorher hatten wir uns wirklich genug Gedanken darüber gemacht.
Ich hatte ganz schöne Schmerzen, aber keine Blutung.
Ich hatte auch keinen Höhepunkt. Aber ich glaube, das war nur, weil ich die
ganze Zeit über Angst hatte, es könnte uns jemand überraschen.
Nachher war ich eigentlich ganz zufrieden. Und Sie finden das vollkommen
richtig? 15,5.
Klar.
Wie alt sind Sie jetzt?
17.
Kommst du nachher zu mir?
Willst du was trinken?
Ja, eine halbe Flasche Whisky. Okay.
Ich begreife überhaupt nicht, warum sich viele Mädchen so anstellen.
Wissen Sie, ich war eigentlich ganz angenehm überrascht. Ich hatte kaum
Schmerzen. Und wir haben es gleich in der ersten Nacht viermal hingekriegt. Es
war schön.
Mein Freund war 26 und der hatte schon eine Menge Erfahrung mit Frauen.
Er hat mich ausgezogen und durch die Kosung mit der Hand so richtig weich
gemacht.
Ich hatte vorher auch schon eine ganze Menge Petting-Kontakte.
Und ich glaube, mein Jungfernhäutchen war schon verletzt. Ich weiß es nicht so
genau. Jedenfalls war es sehr schön.
Ich war damals 17,5 Jahre alt.
Finden Sie den Zeitpunkt auch heute noch richtig?
Ja. Und waren Sie verliebt?
Nee, mit Liebe hatte das nichts zu tun. Eher mit Erotik. Aha.
Ja, schieß schon los, Lilo. Was hast du auf dem Herzen?
Mensch, Irm, was soll ich bloß machen? Axel will's jetzt auf einmal wissen. Du
nicht? Schon sicher, aber... Was denn aber? Was ist schon dabei?
Ich hab Angst. Angst? Ich hör wohl nicht recht.
Es tut doch weh und dann... Ich nehm doch die Pille nicht. Du musst ja sich
eben vorsehen. Das ist doch nicht mehr als anständig. Und das mit dem Wehtun
ist wirklich nicht so schlimm.
Glaub mir.
Naja, so angenehm wie für Jungs ist es beim ersten Mal bestimmt nicht.
Aber je eher, desto besser.
Sei froh, wenn du das Ding da unten los bist.
Wir leben ja schließlich nicht mehr im Mittelalter, wo sie so ein Häutchen auf
die Goldwaage gelegt haben.
Pass mal auf, später tut es dir leid, dass du es nicht schon eher gemacht
hast. Aber ich weiß doch noch gar nicht, ob Axel überhaupt der Richtige ist. Der
Richtige? Das hat doch damit nichts zu tun.
Für die große Liebe ist immer noch Zeit.
Später. Wenn du es erstmal richtig kannst.
Aber Irm, das ist doch der Höhepunkt im Leben einer Frau. Und ohne echte
Liebe... Woher ist denn das her?
Glaub mir, Lilo, das ist doch Gänseblümchen-Romantik.
Man kommt nicht über die Liebe zum Sex, sondern über den Sex zur Liebe.
Entschuldige, aber das ist wie beim Fußball.
Der Pelé trainiert zwar jeden Tag, aber nur alle vier Jahre ist
Weltmeisterschaft. Du redest ja gerade so, als ob du mehr weißt, wie viel
Erfahrung du hättest. Na danke, mir langt es, um klar zu sehen.
Meine Erfahrungen fingen eigentlich damit an, dass ich bei einer
vergewaltigt worden wäre.
Das war noch in Frankfurt, bevor wir hierher gezogen sind.
Gott sei Dank wusste ich längst, worum es ging. Ich hatte nämlich früher einen
Freund. Der hat mir so einiges beigebracht. Mit Petting und so.
Wie alt warst du denn damals?
Ich war gerade 15.
Ich weiß es noch ganz genau. Es war ein entsetzlich heißer Tag.
Ich wollte eine Freundin von mir besuchen.
Meine Eltern waren immer sehr beruhigt, wenn ich bei dieser Freundin war.
Ihr Elternhaus hat ihnen imponiert.
Wenn sie bei denen ist, ist sie gut aufgehoben.
Das war der größte Witz.
Also ich komme zu dieser Freundin. Sie war aber nicht zu Hause.
Nur ihr piekfeiner Vater war da.
Er hat mich reingelotst und mir gesagt, er würde seine Tochter holen. Aber hast
du dir gedacht.
Plötzlich ist er über mich hergefallen.
Wenn er sich nicht so blöd benommen hätte, ich hätte vielleicht nicht mal
was dagegen gehabt, dass wir es zusammen machen.
Reife Männer sollen nämlich als erste die Besten sein.
Aber so, mit Gewalt.
Hat er es geschafft?
Natürlich nicht.
Hast du das Schwein angezeigt?
Nein, da hätte meine Freundin ja Ärger gehabt. Und die konnte ja wirklich
nichts dafür.
Außerdem, ich hätte das bei der Polizei alles nochmal aufwärmen müssen.
Mit der Gelegenheit hätte ich mir einen hübschen Komplex eingehandelt.
Wenn nicht deine Eltern fragen, weshalb dein Kleid zerrissen ist, wirst du
sagen, du hast dich mit meiner Tochter geprügelt.
Hm?
Es muss ein ganz schöner Schock für dich gewesen sein.
Ach, Unsinn, Schock. Ich bin doch kein Neuröschen. Man weiß doch, dass es so
was eben gibt.
Na ja, ein bisschen komisches Gefühl war es schon.
Und irgendwie hat es sich auch ausgewirkt. Auf einmal habe ich in der
Schule einen Fünfer nach dem anderen gebaut.
Ein Glück, dass wir bald von Frankfurt weggezogen sind.
Schon in Frankfurt hatten meine Eltern mich in die Ballettschule geschickt. So
eine fixe Idee von Anmut und Grazia.
In München ging die Turnerei weiter.
Ein Dummi-Plié und Hopsasa.
Dabei bin ich an Ingrid geraten. Du weißt ja, wie das ist. Du kommst in eine
fremde Stadt und unwillkürlich suchst du irgendwie Anschluss.
Naja, diesen Anschluss hatte ich mir allerdings zunächst ganz anders
vorgestellt.
Mit Mädchen?
Schadet ja nicht, wenn man das auch mal kennt.
Viel habe ich eh nicht davon gehabt.
Es ist auch bei dem einen Mal geblieben.
Es hatte aber auch sein Gutes.
Jetzt wollte ich es nämlich endlich richtig wissen.
Wie alt warst du denn da?
Na ja, so gemogelte 16.
Der Typ ist Bert, war stolze 17.
Er wohnte bei seiner Großmutter. So ein kleines Gartenhaus hinter einer Villa.
Ein bisschen komisch war es schon.
Von sich aus hätte er nie gewagt, so was von mir zu verlangen.
Er hatte noch nie was mit einem Mädchen gehabt.
Ich kam mir vor wie so ein richtiger Sexbrocken.
Wir hatten alles vorher genau ausgemacht. Bart hatte eine Flasche
Rotwein abgestopft. Damit wollten wir uns Mut antrinken.
Einen Plattenspieler hatte er auch organisiert.
wir wollten uns selber ausziehen aber immer abwechselnd jeder ein stück
Na, dann ist es passiert.
Hat es wehgetan?
Es war zu ertragen.
Vergnügen war es keins.
Allzu viel würde ich mir an deiner Stelle nicht davon versprechen.
Ich war jedenfalls ziemlich unzufrieden und sauer.
Es war lange nicht so schön, wie ich es mir vorgestellt hatte.
Es war eine richtige Pleite.
Ich bin nach Hause gegangen.
Ich wollte mich ablenken. Es war umsonst. Die viel zu kurze Begegnung mit
Bert, sie hatte mich unruhig gemacht.
Ich wartete auf irgendetwas.
Auf meinen ersten Orgasmus.
Sehr ermutigend ist das nicht, was du da erzählst. Ich habe mich am Anfang eben
schwer getan, das gibt's. Hast du noch denselben Freund, der dich... Nö, nach
dem habe ich keine Sehnsucht mehr gehabt.
Und jetzt?
Jetzt habe ich Robby, er ist 28, arbeitet in einem Baubüro.
Ziemlich wichtiger Laden.
Große Liebe?
Vielleicht. Wie oft seht ihr euch eigentlich?
Manchmal zwei, drei Tage hintereinander, manchmal wochenlang nicht.
Er ist viel unterwegs.
Und deine Eltern, wissen die was davon? Das werde ich denen gerade erzählen. Die
tun doch immer noch so, als hätte mich der liebe Klapperstorch gebracht.
Die halten mich immer noch für die Dame ohne Unterleib.
Ha, Robby, ich muss jetzt gehen. Tschüss.
Mach's gut und das möglichst bald.
Und lass dein Romeo nicht versauern.
Grüß Gott, Frau von Friedmann. Lilo, kommen Sie doch herein.
Ist Herr Erichsen da?
Herr Erichsen ist weggegangen. Nun seien Sie mal nicht gleich traurig. Er kommt
ja wieder. Er ist nur zum Briefkasten.
Ich habe ihn nämlich gefragt.
Ich gehe doch heute Abend aus in die Oper. Und da bin ich immer froh, wenn
jemand zu Hause ist. Darf ich warten?
Ich muss Ihnen unbedingt sprechen. Wir haben uns nämlich verkracht. Das weiß
ich. Hat er Ihnen auch gesagt, warum?
Nein. Außerdem geht mich alte Frau das ja auch nichts an.
Selbstverständlich können Sie warten, mein Kind. Am besten in seinem Zimmer.
Machen Sie es sich nur recht bequem.
Ja, ja, die Jugend von heute braucht wohl etwas anderes.
Aber jetzt muss ich beeilen, sonst komme ich noch zu spät.
Wissen Sie, Frau Nalilo, das Schönste für mich ist immer das Vorspielen.
Ach, Lilo, Sie denken daran, nach 10 Uhr kein Damenbesuch mehr.
Ich sage Ihnen das nur, weil ich bestimmt nicht vor halb zwölf nach Haus
komme. Grüßen Sie Herrn Erichsen. Auf Wiedersehen.
Danke, ich werde es ausrichten, Frau von Friedmann.
Du? Das ist aber eine Überraschung. Ja, ich?
Du bist lieb.
Du bist lieb.
Na ja, das ist ja alles schön und gut,
Dr. Bernauer. Aber das kann man nicht verallgemeinern. Wollen Sie etwa damit
behaupten, dass unsere ganze Jugend so leichtfertig und verdorben ist? Von
verdorben habe ich kein Wort gesagt.
Sexualität an sich ist nichts Böses oder Anruhiges, sondern ein ganz natürlicher
Trieb, der jedem Menschen eingeboren ist.
Moment, Sie wollen doch nicht behaupten, dass Ihre Feststellungen, an denen
niemand zweifelt, für alle Mädchen gültig sind.
Ganz richtig.
Natürlich nicht für alle.
Aber darum geht es ja auch gar nicht.
Entscheidend ist doch nur die Erkenntnis, dass die Mädchen heute
allgemein viel früher Geschlechtsverkehr haben.
Und dass uns nicht das Recht zusteht, dieses Sexualleben moralisch zu
verdammen. Und das Recht nicht zu bestrafen.
Wenn ich ehrlich sein soll, finde ich das sehr nachdenkenswert, was uns Herr
Dr. Bernauer gesagt hat.
Wo kommen wir denn da hin?
Vielleicht zu einer Moral, die nicht so verlogen ist wie die unsere.
In der heutigen Zeit haben Schulmädchen nicht nur sexuelle Wünsche und Träume,
sie befriedigen sie auch. Das ist Tatsache.
Ziehen wir doch endlich die Konsequenz. Sehen wir die Dinge ohne Heuchelei und
ohne Scheuklappen.
Also, ich weiß wirklich nicht mehr, wie soll ich mich meiner Tochter gegenüber
verhalten?
Seien Sie ganz einfach behutsam und üben Sie ein bisschen Toleranz.
Und bauen Sie vor allem Ihre falschen Vorstellungen von der unberührten
Tochter ab.
Das sagt sich so leicht, aber wer kann das Richtige tun?
Sicher ist es für die Eltern schwer, mir die richtigen Ratschläge zu geben.
Aber hüten wir uns wenigstens vor den Falschen.
Sehr aufschlussreich, Herr Dr. Bernauer.
Meine Damen und Herren, vielleicht können wir jetzt zum Ausgangspunkt
zurückkommen, zum Fall der Schülerin Renate Wolf.
Nachdem Herr Dr.
Bernauer, wie mir scheint, die Erziehung ihrer Töchter übernommen hat, ist es
wohl das Beste, wenn ich mich verabschiede. Guten Abend.
Mein Gott, wie lange wollen die da oben noch rumquasseln?
Achtung, da kommt die Alte.
Merkwürdig, die Schule ist doch schon längst aus. Was machen Sie denn hier
alle noch? Wir warten auf unsere Eltern, Frau Dr. Vogt.
Wie lange wird es noch dauern? Wenn ich etwas zu sagen hätte, wäre dieses
Trauerspiel längst aus.
Guten Abend, Frau Dr. Vogt.
Habt ihr schon was gehört?
Nee, aber wenn ich an das Gesicht von der alten Vogt denke, wird mir ganz
flau. Das ist vielleicht eine Ziege.
Glaubst du, dass es dein Vater schafft?
Hoffentlich.
Meine lieben Eltern, wir müssen langsam zum Schluss kommen.
Wie wär's? Vielleicht sollten wir mal abstimmen. Ich bin dafür, dass das
Mädchen auf der Schule bleibt.
Ich bin dagegen.
Ich kriege Zustände, wenn ich mir überlege, mein Kind sitzt täglich neben
so einem Früchtchen. Und wenn Ihre Tochter selbst einmal in so eine Lage
kommt? Meine Tochter tut das nicht.
Sind Sie so sicher?
Kann ja auch gehen, wie die Frau Dr. Vogt.
Dann haben Sie eine Gegenstimme weniger.
Es wäre schon ein Erfolg, wenn Sie darüber nachdenken würden, warum Sie
sexuelle Vorurteile konstant in deutschen Elternhäusern halten.
Mein lieber Elternbeirat, stimmen wir ab. Wer ist dafür, dass das Mädchen auf
der Schule bleibt? Ich, ich habe zwar noch einige Bedenken, aber ich will mir
nicht vorwerfen lassen, den ersten Stein auf das Mädchen geworfen zu haben.
Also, ich will kein Unmensch sein, ich stimme auch dafür.
Meine lieben Eltern, ich danke Ihnen für die Entscheidung, die ich mich aus
vollem Herzen anschließen kann. Ich bin sicher, der Lehrerrat ist der gleichen
Meinung. Danke.
Ich habe ja da noch ein paar grundlegende Zweifel. Und warum haben
Sie die dann nicht angebracht?
Ja, man will ja schließlich nicht für altmodisch gehalten werden. Das ist
natürlich ein Argument.
Was ist, Paddy? Alles klar. Hast du gehört?
Was ist schlimm?
Die Wahrheit hört keiner gern.
Die Wahrheit hört keiner gern.
Aber wir wollen doch nur die Wahrheit.
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