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* Eine Uhr tickt. *
(Freud:) Sie hören meine Stimme. Sie sehen das Pendel.
Nur meine Stimme und das Pendel.
Alles andere verschwindet.
Der Tag, an dem Sie Ihre Stimme verloren haben.
Vor 30 Jahren, das war der Tag, an dem Ihre Tochter Josephine starb.
Stimmt das?
Sie geriet unter eine Pferdekutsche. Stimmt das?
Wie alt war sie?
Sieben. Ein kleines Mädchen.
Als Sie wieder zu sich kamen,
hatten Sie keine Erinnerung mehr an den Unfall und keine Stimme?
Seitdem sprachen Sie kein Wort mehr. Stimmt das?
Sie sind jetzt dort.
An diesem Tag, an dieser Stelle am Trottoir.
An welcher Hand halten Sie Ihre Tochter?
Sie spüren Josephines Hand in Ihrer.
Ihre kleine, warme Hand.
* Ein Mädchen lacht leise. *
Sehen Sie die Kutsche herankommen?
Was ist dann passiert?
Sie halten doch Josephines Hand. Sie beschützen Sie doch.
Sie riss sich los?
Und Sie haben geschrien. Aber sie hat Sie nicht gehört.
Ihre Stimme konnte Josephine nicht retten.
Was haben Sie gerufen? Rufen Sie, jetzt.
Josephine, bleib stehen!
Ausgezeichnet.
Schon sehr glaubwürdig.
Hilft Ihnen mein Pendel vor Ihrem Gesicht?
Das ist mir gleich. Aber wissen Sie, was mich stört?
Dort wird es morgen nicht so finster sein.
Leider. Könnten Sie am Schluss ein bisschen weinen?
Weinen?
Naa.
Wenn doch nix Trauriges passiert ist. - Sie haben Ihre Tochter verloren.
Hab ich nicht. Ich hab keine Tochter. Ich sag Ihnen was:
Ich tu alles für Sie.
Ich mach die Wäsche, putz das Haus, koch für Sie, und jetzt das. Traurig!
Und räumen S' das Bild weg! Hängen Sie's auf. Grausig schaut's da aus.
Lenore, Verzeihung.
Keine Tränen.
(Lenore:) Wie viele werden da überhaupt sein?
Etwa 30. Alles, was in der Wiener Medizin Rang und Namen hat.
Und alle gegen mich!
Ist ja kein Wunder.
Sie führen denen ja a Scharade vor.
* Er gießt Getränk ein. *
Ich führe ihnen Hypnose vor. - Mhm.
Eine therapeutische Revolution.
Belächelt, natürlich, von diesen hochmütigen ...
Aber das ändern wir morgen. Wir zwei.
Herr Doktor, Sie können's ja ned.
I bin ned in der Hypnose.
Ich spiel nur a Theater vor.
Ich kann es, ich lerne.
Gut, ich kann es nicht einfach so.
Man kann nicht einfach so jemanden hypnotisieren.
Die Bedingungen müssen stimmen.
Lenore. Kommen Sie. Noch mal.
Naa!
Wollen Sie auch etwas Kokain?
UT: Netflix, Nachbearbeitung: ORF ON
(Poschacher singt:) ♪ Das Glück is a Vogerl,
♪ Gar lieb, aber scheu
♪ Es lasst sich schwer fangen
♪ aber fortg'flogen is' gleich
♪ Das Herz is der Käfig
♪ Und schaust ned dazu
♪ Dann hast du ka Glück mehr
♪ Und a ka Ruh'
(Mann:) Ho! Wir sind da, Inspektor.
* Der Wind heult. *
* Er seufzt. *
* Er seufzt tief. *
Was ist da passiert?
Ich hab an Schrei g'hört. Irgendwann am Abend.
Da hab ich ma gedacht, ich schau nach ihr.
War das eine Hure?
Naa, sie hat nur da gewohnt.
Sie war a süßes Madl.
Wenn i dir's sag.
Die war noch nicht so weit.
Sie hat fast nix gesagt. Immer nur allein.
(Poschacher:) Heut ned.
Seids fertig? Ich kann das Haus ned die ganze Nacht absperren!
- Poschacher, fragen S' den aus. - Ja.
(Poschacher:) So.
Und wer sind Sie?
Heinz Konrad, der Vermieter.
Sicher sind Sie das.
Und Sie werden vermietet? - Werden S' ned unverschämt.
Das Fräulein Anneli ... - Schon gut.
- .. ist eine Mieterin wie die Frau Horváth eine war.
Horváth, und weiter? (Anneli:) Steffi.
(Poschacher:) War wer da? Habts wen g'sehn?
* Sie sprechen unverständlich weiter. *
*
*
*
* Steffi stöhnt leise. *
Poschacher! - Was is?
Kommen S', schnell!
(Poschacher:) Was is? - Die lebt noch!
(Poschacher:) Was?
(Kiss:) Denken S' nur ans Atmen. * Sie ringt nach Luft. *
Wo is der nächste Arzt?
* Kirchenglocke *
Guten Abend, Dr. Freud. Zum letzten Mal, die Miete!
Für Oktober, November und Dezember, mit Zinsen!
In Kürze.
Ist ein Brief für mich gekommen?
Die Miete. Ned vergessen!
In Kürze.
Wehe, Martha. Mein Prinzesschen.
Wehe, wenn ich komme. Ich küsse dich ganz rot.
Und wenn du unartig bist, wirst du sehen, wer stärker ist.
Ein kleines Mädchen, das nicht isst,
oder ein großer, wilder Mann mit Kokain im Leib.
(Martha:) (Lieber Siggi, wer mich klein und schwach nennt,
sieht nicht klar.)
(Hat das Kokain eine Nebenwirkung?)
(Oder warum erblindest auf der Höhe deiner Manneskraft?)
(Laut medizinischem Almanach meiner Mutter kann Onanie ein Grund sein.)
(Ich muss sie fragen, was das bedeutet.)
* Er lacht. *
(Aber Scherz beiseite, Siggi. Mama hat mich zu sich zitiert.)
(Die übliche Tirade. Deine Ordination, Geld, unsere Zukunft.)
(Sie wird uns die Zustimmung zur Heirat vorerst versagen.)
(Der Gedanke ist unerträglich.)
(Noch länger zu warten.)
(Du schreibst von einer Vorlesung, die alles ändern wird.)
* Hämmern an Tür *
(Kiss schreit:) Hallo! Machen Sie auf!
Hallo? - Ich komm ja schon!
Sie wecken das ganze Haus auf. - Tür aufmachen!
Ja, was ist denn?
Sind Sie der Arzt? - Ja.
(Kiss:) Wohin mit ihr? - Aber ...
Die Herren!
Warten Sie!
* Steffi stöhnt. *
Was ist denn? Machen Sie was!
Blutung stoppen! Da hinten sind Tücher.
Bleiben Sie wach. Bleiben Sie bei uns.
Wo ist die Verletzung? - Unten, in der Scham!
Tiefe Stiche!
Was ist denn? Machen S' was!
Sehen Sie mich an, ruhig.
Sehen Sie mich an.
* Er seufzt. *
Es ist zu spät.
Sie ist innerlich zerfetzt.
Ich bin kein Chirurg, aber auch der Beste hätte nichts tun können.
Und Sie haben die Nerven, sich Arzt zu nennen.
Was ist passiert?
* Kiss betet unverständlich. *
Herrgott noch mal!
Und ...
Ich lasse sie abholen.
'Doktor.'
Aber...
Die Herren!
Die Herren!
Das kann nicht Ihr Ernst sein.
Inspektor!
(Janecek:) Regiment Fünf?
Sicher?
Seit 20 Jahren hab i die Uniform zugeknüpft.
Das Madl war a Hure.
Den Knopf kann jeder verloren haben.
War s' ned, sie hat dort nur g'wohnt. - Sagt wer?
Sie war a süßes Mädl.
Hat sich von einem Offizier versorgen lassen.
Die alte Geschichte, aber jetzt wird's fad.
Der Offizier hat sie abg'stochen. So fad find i des ned.
- Woher wollen S' das wissen?
Das Haus ist voller Gesocks, den ganzen Tag.
Das kann jeder gewesen sein. * Er seufzt. *
Das ist mir zu wenig.
Hier durch.
Jessas, Maria!
(Arthur:) Freud!
Arthur?
Unsere Verabredung ...
Was ist passiert?
Exitus.
Das sehe ich. Einzelheiten?
Deiner morbiden Fantasie gebe ich keinen Zucker.
Das wirst du!
Im Fiaker. Wir müssen los. Um Mitternacht fangt's an.
Gute Nacht.
Schnitzler, schau dich hier um.
Außerdem muss ich ausgeschlafen sein für mein Referat morgen.
Seit Wochen will ich uns an diesen Tisch bringen.
Ich schulde der halben Stadt einen Gefallen.
Du kannst sowieso nicht schlafen. Du hast Kokain im Leib.
* unverständliche Gespräche, klassische Musik *
Guten Abend, Herr Schnitzler! - (Artur:) Grüße Sie.
Kennst du die alle?
Hauptsache, sie kennen mich.
Henriette.
Natürlich.
Henriette, Clara, Leopold.
Ah, du!
*
Da sind sie. Die Szápárys. Wie sehe ich aus?
Schöner als ein Affe.
Henriette! Guten Abend, Fräulein Clara.
Guten Abend.
Was macht der da? Der hat doch sonst keine Fantasie.
Ein Freund von dir?
So weit kommt's noch. Ein Kollege im AKH.
Und die Hysterikerin? Seine Mutter?
Das passt.
(Viktor:) Arthur Schnitzler, der Dichter!
(Arthur:) Graf und Gräfin! Meine Verehrung.
Meine Begleitung, Dr. Freud. Mediziner, wie ich.
Nervenarzt und darin Entdecker und Rebell.
Willkommen, Doktor. Trinken Sie. Ich entführe Ihnen den Literaten.
Kommen Sie! * Viktor lacht. *
* Arthur und Viktor reden unverständlich. *
Entdecker? Rebell?
Außenseiter.
Dann sind Sie hier zu Hause.
Ich bin eine Ungarin in Wien. Allenfalls geduldet.
Geduldet?
Sie sind der Nabel der Welt.
Sie haben recht. Ich muss dankbar sein.
Mein Vater hat einen blutigen Aufstand gegen den Kaiser angeführt.
Da gewinnen Sie.
Ich bin nur Jude, und in meiner Zunft gelte ich als unangepasst.
Als Scharlatan.
Dann muss sich Ihre Zunft wohl Ihnen anpassen.
Nichts weniger habe ich vor.
Nichts weniger ist mein Ziel.
Vorsicht, Clara. Ein Jude.
Dr. von Schönfeld.
(Clara:) Guten Abend. - Gnädiges Fräulein.
Bin nicht überrascht, Sie zu treffen. Sie meiden keinen Hokus-Pokus.
Während Sie nur Ihre Mutter begleiten.
Wie auch sonst überallhin.
Haben S' schon die Referatsliste für morgen gesehen?
Sie sind nach mir dran. - Welch eine Ehre für Sie.
* Eine Glocke läutet. *
Es ist so weit!
Zwölf Freiwillige vor.
(Mann:) Hier! - Eins!
- Hier! - (Viktor:) Zwei!
Clara, drei!
Wer noch?
Halten Sie sich an den Händen.
Sie auch, bitte.
(Arthur:) Komm, mach jetzt.
* alle singen ein lateinisches Gebet *
(Fleur:) Still! * Der Gesang verstummt. *
* Sie atmet scharf ein. *
* unverständliches Geflüster *
Henriette.
Robert?
Es ist dein Vater.
Kind ... - Papa?
(Fleur:) Clara, du warst noch so klein.
Kannst du dich an mich erinnern?
Warum hast du uns verlassen?
Ohne Abschiedsbrief!
* Sie weint. *
Ich konnte nicht mehr weiterleben.
Es war nicht deine Schuld.
Henri, fleur de ma vie.
Verzeih mir.
Blödsinn!
* gedämpftes Grummeln *
* Aufschlag *
*
(Fleur:) Clara?
*
Clara?
* Sie japst. *
*
* Ein Stuhl quietscht. *
* Wimmern und Japsen *
Fleur!
Entschuldigung. Komm. Hilf mir.
* Fleur japst weiter. *
Der genaue Grad der Atrophierung
lässt sich daher erst posthum beurteilen.
Ich werde mich im Weiteren
auf die Schrift von Professor Dr. Meynert beziehen ...
* Er schnalzt mit Zunge. *
Schmock!
So überlebt man, Sigmund.
Welche Hypnosetechnik wenden Sie an?
Mhm ...
Ich weiß, Sie bevorzugen taktile Reize.
Es ist einfacher. Es funktioniert auch häufiger.
Breuer, bitte.
Sie machen mich nervös.
Umarmen Sie sie. Tanzen Sie mit ihnen.
Und übernehmen Sie langsam die Führung.
Ich will nicht langsam die Führung übernehmen.
Das da ist falsch! Es muss aufhören.
* gedämpftes Trommeln auf Tischen *
Mazel tov, mein Freund.
* Alle lachen. *
(Mann 1:) Hypnosetechnik! - (Mann 2:) Da bin i g'spannt.
Ich bin Dr. Sigmund Freud.
Ich betreibe seit Kurzem meine eigene Ordination
und arbeite in halber Kapazität in der Psychiatrie der Allgemeinklinik
unter Professor Dr. Theodor Meynert.
Und ich war sein Student.
(Mann:) Hört, hört!
Vor einem Jahr führte mich eine Studienreise nach Paris
an das Hôpital de la Salpêtrière, wo eine fruchtbare Zusammenarbeit
mit Dr. Jean-Martin Charcot stattfand.
* Männer lachen. *
Dem Begründer der Hypnosetherapie bei Hysterikerinnen.
Er nennt's Therapie, i Theater. * Alle lachen. *
Die Erkenntnisse, die Charcot gewann, sind der Beweis ...
(Mann:) Na?
.. dass mein Vorredner falsch liegt.
* Die Männer murmeln und johlen. *
(Leopold flüstert:) Meint er das ernst?
Die Hysterie, schlecht definiert und vielgestaltig wie sie ist,
ist keine Gehirnkrankheit.
Oder gar nur ein bloßes Heischen nach Aufmerksamkeit.
Sie ist eine Emanation dessen,
was ich das Unbewusste nenne. * Alle lachen. *
(Mann:) Ich höre mir diesen Schwachsinn nicht länger an!
* Eine Tür wird geöffnet und schließt sich wieder. *
Ich bin ein Haus.
In mir ist es dunkel. - (Mann:) Unfassbar!
Mein Bewusstsein ist ein einsames Licht.
Eine Kerze im Luftzug.
Sie flackert.
Einmal hierhin, einmal dorthin.
Alles andere liegt im Schatten.
Alles andere liegt im Unbewussten.
Aber sie sind da.
Die anderen Zimmer.
Nischen, Gänge, Treppen, Türen.
Zu jeder Zeit.
Und alles, was in ihnen wohnt, alles, was in ihnen wandert ...
.. es ist da.
Es wirkt, es lebt.
In diesem Haus, das ich bin.
Trieb, Eros, Tabu.
Verbotene Gedanken.
Verbotene Begierden.
Erinnerungen, die wir nicht im Licht sehen wollen.
Die wir verdrängt haben aus dem Licht.
Sie tanzen um uns herum in der Dunkelheit.
Sie triezen und stoßen uns.
Sie spuken. Sie flüstern.
Sie machen uns Angst.
Sie machen uns krank.
Sie machen uns hysterisch.
Frau L. ist eine Patientin aus meiner privaten Konsultation.
Sie ist stumm, seit 30 Jahren.
Paralyse der Stimmbänder. Ohne medizinischen Befund.
Es gibt keinen physiologischen Grund, warum sie nicht spricht.
Und auch keinen neurologischen.
Das werde ich Ihnen demonstrieren.
Mit dem therapeutischen Instrument der Hypnose.
* Husten, Gemurmel *
* Die Uhr tickt. *
(leise:) Jetzt geht's, Lenore.
Sie hören meine Stimme.
Sie sehen das Pendel.
Nur meine Stimme und das Pendel.
Alles andere verschwindet.
Es gibt nur meine Stimme und das Pendel.
Der Tag, an dem Sie Ihre Stimme verloren,
war der Tag, an dem Ihre Tochter Josephine starb, stimmt das?
Sie geriet unter eine Pferdekutsche, stimmt das?
Wie alt war sie?
Sieben.
Sie waren dabei, erlitten einen Schock.
* Er flüstert unverständlich. *
Als Sie wieder zu sich kamen,
hatten Sie keine Erinnerung und keine Stimme.
Sie sind jetzt dort.
An diesem Tag, an dieser Stelle.
(Am Trottoir.)
(An welcher Hand halten Sie Ihre Tochter?)
Sie spüren Josephines Hand in Ihrer.
Sehen Sie die Kutsche herankommen?
(Aber Sie beschützen sie doch.)
Sie halten doch ihre Hand.
Was ist passiert?
* Sie weint. *
Sie riss sich los.
(Sie schrien, aber sie hörte Sie nicht.)
(Ihre Stimme konnte sie nicht retten.)
(* Pferde wiehern. *)
(Was haben Sie gerufen? Rufen Sie!)
Jose... * Sie japst. *
* Alle lachen, sie wimmert. *
* Lenore japst. *
(Meynert:) Dr. Freud!
Vielleicht sollten Sie zur Chemie wechseln.
Wie ich höre, sucht man dort noch nach dem Stein der Weisen.
Dr. Freud hat hier eben demonstriert,
dass ihm bei meinen Vorlesungen etwas entgangen sein muss.
Der menschliche Geist
ist eine Emanation physischer Prozesse in einem Organ.
Dieses Organ zu verstehen, zu behandeln und zu heilen,
auf physischer Ebene, ist die Aufgabe der Psychiatrie.
Und nichts anderes!
* zustimmendes Gemurmel *
Die Lektion ist beendet.
(Frau Horváth weint:) Ich will raus.
Nur einen Moment.
(Kiss:) Frau Horváth, warten S'!
War sie ...
War sie eine Hure?
M-m.
Aber sie hatte ein Gspusi, und den suchen wir.
Es ist lang her, dass i sie g'sprochen hab.
Aber da war einer. Ein Offizier.
Wissen S' den Namen?
Georg.
Die Rede war von einem Georg.
Mehr weiß ich nicht.
* Er atmet schwer * Mein Beileid.
* Der Hund winselt. *
* Sie seufzt. *
* Sie schnieft. *
* Sie japst. *
(Clara:) Papa?
*
* Das Pferd schnaubt *
* Fleur atmet schwer. *
* Eine Krähe krächzt. *
* Sie atmet schwer. *
(Sophia:) Das ist beim Schlafwandeln so.
Man träumt, dass man wach ist.
Aber das war anders.
Ich habe es gesehen.
Ich war dort, mit ihr.
Im Dunkeln.
*
*
(Soldat:) Legt an!
Gewehr runter! Eins, zwei!
Gewehr bei Fuß!
Gewehr über!
(Riedl:) Du warst bei Steffi gestern Abend, oder?
Du hast gesagt, du willst zu ihr.
Ja, ich war bei ihr.
Ich hoffe, dieses Schwein wird hängen.
Ich war bei ihr. Ich habe ihr Schokolade gebracht.
* Georg seufzt. * Es ist nicht deine Schuld.
Ich ...
Ich ...
* Er atmet schwer. *
(Georg:) Ich brachte ihr Schokolade.
Und dann war ich wieder hier.
* Er ächzt. *
(Riedl:) Georg?
* Er hustet und würgt. *
Was raus will, muss raus. - Geht schon.
Du warst "wieder hier", wie meinst du das?
Ich ... * Er atmet schwer. *
Ich hab sie ...
* Georg atmet schwer. *
* Klopfen an Tür *
Wer ist das?
Herein!
Wie dumm von mir.
Ich hatte eine Tochter.
Wie geht das?
Hä? Wie ist das möglich?
Wie oft haben wir das geprobt?
40-mal, 70-mal. Wir haben Ihnen die Geschichte eingebläut,
bis sie tief in Ihrem Unbewussten verankert war.
Und unter Hypnose erlebten Sie die falsche Erinnerung als Ihre eigene.
Sie standen unter Hypnose.
Wirklich.
Ich kann es.
* Lenore weint leise. *
Wissen Sie auch, warum, Lenore?
Ich habe Sie berührt.
Taktile Reize.
Breuer hatte recht.
Wir haben Ihnen eine Tochter suggeriert.
Das ist eine wissenschaftliche Sensation.
Von der nie jemand erfahren wird.
* Sie spielt Klavier, das Metronom tickt. *
Aua! - Nicht so streng, Frau Tobisch.
Ich mache nur, wozu mich Ihre Mutter angehalten hat.
Ihr das Klavierspielen beizubringen.
Sie ist kein Lipizzaner und wir nicht in der Hofreitschule.
(lachend:) Gut.
Von vorne ... bitte.
* Sie kichert, der Stock pocht. *
* Sie spielt. *
(Georg:) Das ist gegen die Vorschriften, Herr Schutzmann Kiss!
Schöne Uniform.
Neu.
Sie werden das bereuen.
An der alten pickt Blut, gell?
Von dem süßen Mädl.
Unter anderem.
Die Schlacht in Maglaj an der Bosna.
Deswegen sind wir hier.
Nicht wegen der ...
Wie heißt sie noch, die tote Hure?
* Er lacht. *
Er fragt nach ihrem Namen.
Wie war ihr Name? - (Poschacher:) Inspektor!
Wie war ihr Name? * Er stöhnt. *
Kiss!
Aufhören! Georg von Lichtenberg ist sofort freizulassen!
Was zwischen Ihnen beiden passiert ist, ist im Krieg passiert.
Und der Krieg ist vorbei.
Sie werden in dem Fall nichts mehr unternehmen!
Wegtreten.
Kommen S', bitte.
(Janecek:) Poschacher. Passen S' auf ihn auf.
* Operettengesang *
*
Schau.
Der Kronprinz Rudolf.
* Er singt weiter. *
*
(Verbotene Gedanken.)
(Verbotene Begierden.)
(Erinnerungen, die wir nicht im Licht sehen wollen.)
(Die wir verdrängt haben.)
(Sie triezen und stoßen uns.)
(Sie spuken.)
(Sie flüstern. Sie machen uns Angst.)
(Sie machen uns krank.)
* Der Hund winselt *
(Mann:) Sch!
(Mann:) Komm.
Den Kronprinzen. Den musst du behandeln.
Dann bist du ein gemachter Mann.
Du glaubst, der sucht einen Nervenarzt?
Dieses Leben muss an die Nerven gehen.
Seit er geboren ist, starren die Leute ihn an.
* Freud schnarcht. *
* Er klopft am Fenster. *
Planänderung.
Etwas tiefer.
* Er kichert. *
Pst! Pst!
Arthur? - Ja?
Gehen wir dann jetzt bitte?
Das is erst der Anfang.
(Sophia:) Fertig, Viktor?
Und Tableau!
* Alle jubeln. *
(Mann:) Bravo!
Eine wohlverdiente Pause.
Ah! Die Tollkirsche!
Können wir gehen?
(Arthur:) Ich nehm dich nie wieder mit. Du bist mir peinlich.
Hätt' i mich anders anziehen sollen, oder was?
Prosit! -(alle:) Prosit!
* Musik beginnt zu spielen. *
* unverständliches Geplauder, Gelächter *
(Mann:) Prosit!
(Mann 2:) Prosit! - (Mann 3:) Prosit!
* Gespräche und Gelächter gehen weiter. *
(Mann:) Prosit!
*
* Sie japst. *
(Fleur:) Raus!
Sie haben sich verirrt, gehen Sie! - Verzeihung, ich suche ...
Sie werden sicher im Salon vermisst.
Ich suche den Ausgang.
Sie sind Dr. Freud.
Sie waren gestern hier zur Séance.
Ich entschuldige mich für mein Eindringen.
Leben Sie wohl.
Setzen Sie sich.
* Sie gießt ein Getränk ein. *
Sie waren gestern der Skeptiker im Raum.
Kein Wort habe ich gesagt.
Ich bin ein Medium.
* Er hustet. *
Sind Sie nicht.
Sie haben höchstens Menschenkenntnis.
.. sagte er skeptisch.
Was machen Sie hier? Allein? Im Dunkeln?
Sie haben doch Gäste.
Das sind die Gäste des Grafen und der Gräfin.
Merkwürdiger Zeitvertreib.
Dafür sind wir da.
Warum haben Sie geweint?
Sie sind Nervenarzt, richtig?
Dann bitte ...
.. was ist Ihre Diagnose?
Sie haben das gesehen, bei der Séance, meine Episode.
Das gehörte nicht zur Darbietung?
* Der Wind heult. *
Ich habe etwas gesehen,
wovor ich sehr Angst hatte.
Und meine Erinnerung hat Lücken.
Mir fehlt Zeit.
Absenzen?
Helfen Sie mir?
Dr. Freud, Nervenarzt, behandeln Sie mich.
Sie hören meine Stimme.
Und Sie sehen das Pendel.
Nur meine Stimme und das Pendel.
Alles andere verschwindet.
Konzentrieren Sie sich!
* Sie atmet tief ein und aus. *
(Fleur:) Nein ... Hören Sie, das mit der Uhr ist albern.
Damit haben Sie Erfolg?
Können Sie das überhaupt, Hypnose?
Schließen Sie die Augen.
* Sie atmet tief ein und aus. *
Fühlen Sie das Pochen.
Wellen breiten sich in Ihrem Körper aus.
Wie von einem Stein, der ins Wasser fällt.
* Sie atmet schwer. *
*
Fräulein Salomé?
Ja?
Sie sind wieder bei der Séance am Tisch.
Was geschieht?
(Fleur:) Ich folge dem Mädchen. Clara.
Sie geht durch eine Tür.
Wohin geht sie?
* Sie japst. *
Folgen Sie ihr.
Ohne Angst.
* Fleur japst und atmet schwer. *
Wo sind Sie jetzt? - (Fleur:) Ich bin am Kanal.
Am Wien-Kanal.
Folgen Sie ihr.
* Ein Hund bellt. *
(Fleur:) Wasser rauscht.
Ich höre Wasser rauschen.
(Clara?)
(Clara, bleib stehen!)
*
* Sie japst. *
*
Ich sehe ...
* Sie japst. *
Fräulein Salomé?
* Sie wimmert. *
Wachen Sie auf.
Wachen Sie auf!
Fräulein Salomé! Sie wachen aus der Hypnose auf!
Fräulein Salomé!
* Fleur japst. *
Was machen Sie da? - Wachen Sie auf!
- Raus mit ihm, sofort! - Ein hysterischer Anfall.
- Lassen Sie mich helfen, Gräfin!
Fleur.
Sch!
*
Halten Sie!
*
*
* Ein Mädchen schreit. *
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