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Untertitelung.
BR 2018
Madame Neumann, ja.
Das gesamte Sommersemester, hat die Dame von der Sorbonne gesagt.
Ja, das ist richtig.
Gastprofessur, nicht wahr?
Ja.
Sie erwarten das nicht.
Was?
Na, das.
Stadt der Liebe, Paris, ein Fest fürs Leben.
Pärchen, wenn die hier wohnen, die wollen alle sowas von mir hören.
Paris verzaubert, verändert.
Stadt der Liebe.
Das müssen Sie mir nicht erzählen.
Das alles, das finden Sie dann auch noch romantisch.
Dabei ist es nur nicht renoviert, wovon auch bei meinen Preisen.
Zimmer 23, sechster Stock.
Kein Luft zur Zeit.
Mein Gott, wie oft habe ich dir das gesagt?
Ich brauche nicht 24 Stunden eine fürs Bett, aber wenn, dann hast du hier zu
sein. Idiot.
Tut mir leid, bitte.
Tut mir leid.
Gibt es vielleicht ein anderes Zimmer? Natürlich gibt es andere Zimmer, Madame.
Sind aber alle kleiner.
Außer die Doppelzimmer. Die wiederum sind teurer.
Und vom Wochenende wird keins frei.
Gut, ich warte. Ist es zu laut?
Oder zu klein?
Es hat den schönsten Ausblick. Das mag sein. Geben Sie mir doch einfach
Bescheid, ja?
Dankeschön.
Ich weiß, es ist nicht gerade... Sie wissen nicht, was ich gewohnt bin.
Na ja, aber wenn man nach Paris kommt... Paris ist draußen, hier wird gearbeitet.
Von den Offiziellen ist noch keiner.
Wir haben Sie eigentlich erst in einer Woche.
Ich bin gerne gut vorbereitet.
Kann ich noch was für Sie?
Ja, natürlich. Hier, roter Ordner Vorlesung.
Blauer Ordner Seminar und hier ist der Zeitplan für das Seminar.
Das hat bis jetzt noch nie einer... Da sind wir ja Pioniere.
Folge, wenn Sie wieder einmal über das Tempo der Sekretärin verzweifeln,
Ballsack tröstend.
Lind? Das ist wohl Paris.
Ach Quatsch, das war der Erstbester.
Sonderangebot. Außerdem ist hier Frühling.
Fischermund. Marco!
Du wirst doch sicher deinem Enkel zum Geburtstag gratulieren?
Ja, natürlich.
Marco?
Oma? Hallo Marco, herzlichen Glückwunsch zu deinem Geburtstag.
Danke. Und, feierst du schon schön? Ja, ich muss auch gleich los.
Bis bald.
Ja, ein paar Freunde kommen noch.
Madame?
Das Doppelzimmer.
Sonntag wird es frei.
Das wäre dann wie viel mehr?
30 Euro, Madame.
30 Euro?
Dann, das ist zu viel. Ich bitte Sie. Wissen Sie, wie viel mir davon bleibt?
Tut mir leid.
Ich bleib dann lieber, wo ich bin. Das geht schon.
Es tut mir wirklich leid. Und trotzdem vielen Dank.
Dankeschön.
Schön. Steht Ihnen gut?
Dankeschön.
Ja, vielleicht, wenn Sie mal Lust auf einen Kaffee haben, irgendwann mal,
dann... Gerne.
Ich heiße Nadja.
Neumann Julia.
Julia Neumann.
Hallo, Sie haben Kaffee, ich habe Kuchen.
Ja, aber... Nein, nein, nein, ich mache das schon.
Hören Sie, ich habe eigentlich überhaupt keinen... Ja?
Ich habe überhaupt keinen Kaffee.
Das macht doch nichts.
Tee, oder?
Nicht, dass Sie denken, dass ich... Ich kann sowas gar nicht.
Ich habe meine Mama aus Moskau geschickt.
Ich mache sie alle zwei Wochen.
Und ich glaube, ich bin zu dünn.
Nicht, oder?
Ich bin so froh, dass Sie mich eingeladen haben, Julia.
Sascha hasst es, wenn ich im Zimmer bin, während er arbeitet.
Wenn ich mich bewege, schon... Sascha?
Alexander.
Er schreibt ein Buch eben an.
Über Nikolaus II.
Das ist... Das ist der letzte Zahl, ja.
Er ist Schriftsteller.
Sascha? Nein.
Er ist Doktor der Geschichtswissenschaften.
Anfang 30 und schon Doktor.
Zur Recherche ist er hier und weil hier sein Verlag ist.
Und Sie?
Ich habe eine Gastprofessur der Sorbonne.
Es geht um die Arbeiterliteratur des 20.
Jahrhunderts.
Was man alles studieren kann?
Wissen Sie, was das Geheimnis ist?
Sie werden...
Dass der Kuchen nicht vertrocknet, meine ich von Moskau bis hierher.
Raten Sie.
Doch, bitte.
Warum?
Eine Express-Sendung.
Wodka und Plastiktüten.
Bisschen feucht machen mit Wodka und gut einwickeln ins Plastik.
Schmeckt bei nicht, oder?
Sascha.
Wenn er klopft, dann springen Sie.
Ach, er mag das nun mal so.
Wenn ich darf, ich würde gerne wiederkommen.
Du musst noch mal los, ich habe keine Tinte mehr für den Drucker.
Aber diesmal die richtige.
Und beeil dich!
Sascha möchte Sie einladen.
Er will Sie kennenlernen.
Es tut mir leid, ich habe wirklich keine Zeit.
Übermorgen beginnt das Semester.
Warum schickt er Sie, wenn er mich kennenlernen will?
Aber es ist schon alles vorbereitet.
Ein Abendessen.
Bitte.
Er hat es vorbereitet.
Sascha, kauf noch irgendwas ein.
Er hat mir alles ganz genau erklärt, damit ich nichts falsch mache.
Kann ganz schön wütend werden.
Männer, oder?
Ihr Mann ist sicher aufgehalten worden.
Ist er bestimmt nicht.
Er ist auch nicht mein Mann.
Alexander? Sascha.
Julia.
Neumann. Willkommen, Julia.
Ich verstehe Sie nicht, Julia.
Arbeiterliteratur. Glauben Sie wirklich, dass das Studenten noch interessiert?
Das ist doch längst überholt. Habe ich auch gesagt. Das ist tot. Ach, und der
Zar lebt?
Nikolaus II.
hat gelebt. Das ist Fakt.
Aber Literatur, das ist Fiktion. Es gibt so viel Fiktion.
Fernsehen, Kino, das lenkt die Menschen nur ab. Und wovon?
Vom eigenen Leben.
Das Einzige, was zählt, ist die Realität, die Wahrheit. Eben.
Die Wahrheit der Fiktion, genau daraus ist doch die Arbeit der Literatur
entstanden. Aus der Darstellung wahrer sozialer Verhältnisse. Und wird dann
verwaschen dargestellt als irgendein unglaubwürdiges Heldendraum. Nein, nein,
nein.
Konzentriert, auf den Punkt gebracht, mit einer Dramaturgie.
Meine Literatur arbeitet mit Emotionen.
Wir leben nicht.
Ich meine...
Ich meine nicht meine Literatur. Ich meine die Literatur, die ich in meiner
Vorlesung, in meinem Seminar behandle. Ja, aber ich meine Ihr Leben. Ja, das
habe ich im Griff.
Julia, Sie haben eine furchtbare Frisur.
Wie wär's?
Nadja ist Friseuse.
Das ist das Einzige, was sie kann.
Außer dem Hinterbrauch strecken.
Was ist?
Ich bin Historiker und der Wahrheit verpflichtet.
Bitte, ich möchte jetzt gehen. Bitte. Sie müssen jetzt gehorchen.
Oder doch Angst, schwach zu werden, Madame?
Sie hat dir die Haare abgeschnitten?
Ja, ich weiß auch nicht. Wir haben getrunken und geredet und plötzlich...
Sieht bestimmt gut aus.
Wenn sie Friseurin ist, dein Friseur hat dich eh viel zu alt gemacht.
Ja, aber sie war praktisch.
So ist es wahrscheinlich, wenn man sich auf Fremde einlässt.
Mein Gott, Mama.
Du bist in Paris.
Sei doch froh, dass du da jetzt mal ein paar Leute kennst.
Einsam bist du zu Hause eh genug.
Ich bin gerne alleine.
Jetzt werde ich das nicht mein ganzes Leben schauen.
Außerdem bin ich gar nicht alleine.
Ich habe doch meine Studenten.
Klar.
Und ich dachte schon, du sagst, du hast ja mich und die Kinder.
Gute Nacht.
Eva? Eva, es tut mir leid.
Das ist der Anschluss von Sascha und Julia.
Wir sind nicht da oder wir haben keine Lust dran zu gehen.
Sprechen Sie bitte nach dem Pfeiftuch.
Das ist der Anschluss von Sascha und Julia.
Wir sind nicht da, oder? Wir haben keine Lust. Hallo?
Hallo, hier ist Nadja.
Hallo?
Hoffentlich ist das kein schlechtes... Schlechtes Omen. Ihr Seminar.
13 Teilnehmer nur, das ist.
Da werden wir sehr konzentriert miteinander arbeiten können.
Also, geh was an.
Wir? Wir sind doch ein Team.
Ja, ich freue mich, dass Sie sich für mein Seminar entschieden haben.
13, eine kleine, feine Elite.
Wenn allerdings jemand jetzt hier ist, weil er glaubt, dass man bei einem
Gastprofessor den Schein leichter bekommt, dann muss ich ihn enttäuschen.
Ich verlange Einsatz und Mitarbeit. Wenn Sie das leisten, dann werden wir uns gut
verstehen.
Ja, das ist immerhin ehrlich.
Sonst noch jemand?
Also, zwölf.
Wie die Apostel. Ja, nur dass ich zum Jesus nicht tauge, falls Sie das
erwartet haben.
Fangen wir an?
Neue Frisur.
Und ein neuer Mantel?
Ja, es wird Frühling.
Sie verändern sich.
Ja?
Sie haben was verloren.
Wieso sind Sie so sicher, dass sie von mir stammt?
Fingerabdrücke.
Eine schöne Blume für eine schöne Frau.
Wo ist denn Nadja?
Gleich wieder zurück.
Wenn sie den Weg findet.
Sie holt Cola.
Zum Glück ist die Bezeichnung international.
Sie sollten nicht so über sie reden.
Großartig, die Frisur. Ab die alten Zöpfe.
Ich bin es eigentlich gewohnt, Entscheidungen, die meine Person
betreffen, selbst zu fällen.
Waren es immer die richtigen?
Sie lädt uns ein, Nadia.
Zu Feier des Semesterbeginns lädt sie uns ein.
Keine Karte? Ich habe Sie bestellt, vertrauen Sie mir.
Und was haben Sie bestellt? Sie vertrauen mir nicht?
Ich kenne Sie nicht und Sie kennen mich nicht.
Hang Mi Lui als Vorspeise, Pao Sang Nong Sang Mang als Hauptgericht und als
Dessert Yao Mong Bai.
Und was ist das alles?
Keine Ahnung.
Sie würden sowas nie tun, an einem asiatischen Restaurant einfach ein paar
Nummern sagen, ohne in die Karte zu schauen.
Nein. Wie kann Sie das Leben dann überraschen?
Das muss es nicht.
Gut, dass meine Tochter das nicht sieht. Sie hat mir erst gewissen geredet,
fleischlos zu essen, wegen der Gesundheit.
Und die armen Tiere.
Und wer fragt nach den Gefühlen der Tomate?
Oder das Selleries, wenn man auf ihm herumkommt.
Wer hört die Schreie der Karotte?
Sie können ja richtig lachen.
Unter welchem Aspekt sind Sie Ihr Buchprojekt eigentlich angegangen? Unter
welchem Aspekt?
Unter welchem Aspekt, keine Ahnung.
Nikolaus II.
war ein schwacher Monarch, der... Der schwach war, weil er liebte.
Weil er die Zeichen der Zeit nicht erkannt hat. Ja, die Zeichen der Zeit,
wer kann die schon richtig deuten?
Die Zeichen jetzt, hier, heute. Was für Zeichen, Sascha? Du hast zu viel
getrunken.
Das ist auch ein Zeichen.
Worüber reden wir eigentlich?
Über Ihr Buch?
Nein, wir reden über das, über das Sie nicht reden wollen, nur mit anderen
Worten.
Ich weiß nicht, was Sie meinen.
Oh doch, das wissen Sie sehr genau.
Was weiß ich?
Ihr Seminar, wie viele Studenten sind eigentlich gekommen?
Zwölf. Ich habe gewusst, das Thema interessiert mich.
Und woran? Man kann perfekt arbeiten.
Mokka und Vanille? Gerne.
Dreimal. Perfekt, das ist typisch deutsch.
Alles ist perfekt, was die Deutschen machen.
Von Autos über Selbstbeherrschung bis zur Vernichtung.
Perfekt.
Den Krieg haben die perfekten Deutschen zum Glück nicht gewonnen.
Vielleicht besser wir hätten ihn verloren.
Der glorreiche Sieg im Vaterländischen Krieg, das war der Freiberief für
unseren guten Onkel Stalin, sein eigenes Volk zu unterdrücken, zu foltern, zu
ermorden. Was macht das?
Ich lasse mich von Frauen nicht aushalten.
Man kann mit Frauen einfach nicht diskutieren.
Seien Sie nicht böse auf ihn.
So ist er nur.
Ich weiß nicht, wie er ist und ich glaube, ich will es auch nicht wissen.
Madame, gehört das Ihnen?
Die haben Sie vergessen?
Vielen Dank, Monsieur.
Warum verstehst du das nicht? Wenn du hier bist, dann kann ich nicht arbeiten.
Da kannst du noch so leise sein. Du bist da.
Aber was soll ich denn tun?
Geh spazieren.
Schau dir die Stadt an.
Interessier dich.
Aber ich stelle mich hier nicht aus.
Dann lege mich doch raus.
Ich weiß, was es ist.
Ich bin so dumm. Ach, Nadja.
Doch, doch.
Aber so dumm bin ich dann auch wieder nicht.
Es ist nun mal so.
Ich meine, es muss doch auch solche geben wie mich.
Die kann man doch auch lieben. Ist doch nicht schlimm. Was ist denn daran so
schwer?
Es ist immer schlimmer geworden mit ihm in den letzten Wochen, Tagen.
Ich weiß nicht, warum.
Warum?
Warum jetzt?
Ich... Ich
würde gern bei Ihnen duschen.
Geht, oder?
Ihnen stört das immer.
Ja, natürlich.
Danke.
In Moskau, da haben wir nicht zusammen gewohnt.
Aber ich dachte, hier in der Fremde, da braucht er mich vielleicht.
Ich habe keinen Kuchen mehr.
Meine Mama, die weiß immer, was man tun muss.
Sie haben doch auch eine Tochter.
Was würden Sie ihr sagen?
Sie wird nicht auf mich hören.
Was würden Sie ihr sagen? Ich weiß nicht, dass sie abreisen soll.
Wird er nicht mal merken.
Nadja!
Sie reisen ab?
Ich. Er bleibt.
Nadja, Wissenschaftler sind besondere Menschen, aber trotzdem brauchen auch
Sie jemanden. Der braucht niemanden. Das haben Sie doch selber gesagt.
Dann habe ich es kapiert.
Endlich kapiert.
Nein, der braucht niemanden.
Sie sind eine gute Freundin, Julia.
Danke.
Ein Doppelzimmer ist frei.
Zweiter Stock.
Ich gebe es Ihnen zum Preis vom Einzel.
Warum? Glauben Sie, ich weiß nicht, was in dem Haus vor sich geht.
Was denn?
Ich sehe das doch jeden Tag.
Wie das große Glück versprochen wird.
Weil das so einfach ist hier.
Und dann?
Irgendwann.
Irgendwann sitzt man da und wartet.
Eine Stunde.
Einen Tag.
Jahre.
Weil er nur mal kurz weggegangen ist und nicht wiederkommt.
Nicht wegen Zigaretten. Nein.
Kondome.
Er wollte nur schnell noch Kondome holen.
Ich will nicht, dass man Sie enttäuscht.
Ich passe auf mich auf.
Es war so still, ich wollte nur mal sehen, wie es Ihnen geht.
Ich habe Hunger.
Und Sie?
Ich kenne ein kleines Lokal am Montmartre.
Ich lade Sie ein.
Und welchem Umstand verdanke ich diese Einladung?
Den verdanken Sie sich selbst.
Und warum Geschichte?
Weil ich die Beschäftigung mit den Toten der mit den Lebenden vorziehe. Die Toten
können nicht widersprechen.
Ja, das mögen Sie nicht.
Salut, Philippe.
Brühe mit Trüffel. Sie lernen dazu.
Das ist selten für Männer.
Kennen Sie die Männer so gut?
Sie kenne ich noch gar nicht.
Wie fühlen Sie sich hier in Paris?
Verloren, verloren.
Nein, wie zu Hause.
Und wo ist es hier zu Hause?
Sie fragen nach Glück?
Ja.
Einzelkind, aufgewachsen bei der Großmutter, die Eltern sind
vielbeschäftigte Ärzte, den Großvater hat Stalin erwischt.
Was ist mit Ihrer Familie, Eva?
Was gibt es zu erzählen, außer dass sie fleischlos ist?
Eva isst anders und isst anders als ich. Ganz anders.
Zum Wohl.
Mehr wie der Vater?
Wenn ich das wüsste.
Eva lebt auf dem Land, sie kriegt Kinder und ihr Mann heilt Bäume.
Warum klingt das so bitter? Weil ich finde, dass er ihr etwas genommen hat.
Den Start in ein besseres Leben, ein Studium, geistige Entwicklung.
Das ist... Klingt aber so, als wäre Eva glücklich.
So anders ihr Leben auch ist. Anders als mein Leben. Aber mein Leben ist doch
nicht der Maßstab. Nein?
Nein, ganz bestimmt nicht.
Bisschen Darm.
Bon appetit.
Stopp. Moment.
Erst.
Gut?
Sehr gut.
Darf ich jetzt?
Nein.
Kennen Sie eigentlich die russische Küche?
Ich weiß, wie man russischen Kuchen verschickt.
Das ist entschieden zu wenig.
Freut mich. Guten Tag.
Ihr Mann Aljosha?
Mein Professor in Moskau.
Das ist Julia.
Willkommen, liebe Kollegin.
Guten Tag.
Aljosha.
Wir waren schon sehr neugierig. Und er hat untertrieben.
Julia, noch dazu Julia, der Name der berühmtesten Liebenden.
Professor.
Hallo, Sascha.
Das ist meine hübsche Nichte Mascha, Julia.
Hallo. Hol doch bitte noch ein bisschen Wein im Haus, ja?
Darf ich dir meinen ältesten und besten Freund George vorstellen?
Oh ja.
George, der mutigste Fotoreporter.
Und das ist Julia.
Ich freue mich sehr, Sie kennenzulernen.
Dann hat er wohl noch nicht so viel von mir erzählt.
Ich trinke, müssen Sie wissen.
Trinken Sie mit?
Nein, danke.
Wie ertragen Sie das Leben?
Ich meine natürlich, bevor Sie ihn kennengelernt haben.
Was haben Sie denn von mir erzählt?
Dass du klug bist.
Das ist wahr.
Und schön.
Und Scheu hat er gesagt.
Sie sind eine bemerkenswerte Frau.
Bezirksjugendmeisterin, 1971.
Revanche? Gibt es eine schönere Art zu sterben?
Okay. Was ist los mit dir, mein Freund? Keine Chance mehr bei kleinen Mädchen?
Wie hast du sie rumgekriegt?
Gar nicht.
Das ist gemein, Sascha.
Die braucht das ganz dringend. Sieht man doch.
Also.
Na komm schon. Hab gerade eine Frau beleidigt.
Was ist denn los?
George, lass es.
Sie ist nicht meine neue Frau und du bist betrunken. Natürlich bin ich
betrunken, sonst würde ich hier so anmachen, du Schlappschwanz. Lass es.
Komm schon, du Schlappschwanz.
Keine Sorge, das ist immer so.
Danke, Sascha.
Ich liebe dich.
Weißt du, wenn ich betrunken bin, dann bin ich eben immer nur seifersüchtig.
Auf das Glück.
Endlich eine richtige Frau an deiner Seite.
Verstehst du, mein Freund?
Eine richtige Frau.
Geht's dir gut?
Es wird doch was geboten. Brot und Spiele.
Nadia hätte sich jetzt um meine Wunde gekümmert.
Es sei ihr Verziehen, sie ist ja noch jung.
Ich dachte, er ist Ihr bester Freund.
Er will das nicht anders.
Wenn er russische Freunde trifft, dann bekommt er Schuldgefühle. Er fängt an zu
trinken und provoziert und... Aha.
Und weshalb?
Seine Frau.
Sie hat sich umgebracht, weil sie ihn so sehr geliebt hat.
Das ist schon viele Jahre her.
George war interniert in Russland.
Er konnte es nicht lassen, unliebsame Fotos zu schießen und sie ins Ausland zu
schicken. Nach drei Jahren hat man ihm angeboten, ihn zu entlassen, wenn er
sofort das Land verlässt.
Allein. Aber ohne seine Frau, da wollte er nicht gehen. Da hat sie sich
vergiftet, damit er gehen kann.
Ein halbes Jahr später kam Gorbatschow an die Macht.
Wer zu spät kommt... Aber wenn ihm das so sehr schmerzt, warum kommt er dann
hierher?
Hier sind seine Landsleute, ein Stückchen Heimat.
Und als sein bester Freund muss ich eben die Schuldgefühle manchmal aus ihm
herausprügeln.
So habe ich mir Zeit immer vorgestellt als Kind.
Ein Zug, in den man einsteigt und nicht weiß, wohin er einbringt.
Und heute willst du? Ja.
Heute will ich das Ziel immer kennen.
Sie wirken glücklich, Ihre Freunde, Aljoscha und Katja.
Wir waren beim Du.
Ja, Sie haben sich gefunden.
Wirklich ein Paar.
Nicht wie... Lustkreis und Gespiele?
Glaubst du, Liebe existiert nur da, wo die Gesellschaft sie erlaubt?
Die Wände im Hotel, sie sind selten.
Ich habe euch jedes Mal gehört, wenn ihr euch geliebt habt.
Ja, das war ein langer Tag.
Ein langer, schöner Tag.
Und eine lange Fahrt.
Ich muss morgen sehr früh raus, es gibt viel zu tun.
Die nächsten Tage auch, eigentlich die ganze Woche.
Wir haben Professorenkonferenz, die ersten Hausarbeiten korrigieren.
Ich nehme an, du gibst mir zu verstehen, dass du heute Nacht alleine schlafen
willst.
Ich nehme an, du gibst mir zu verstehen, dass du heute Nacht alleine schlafen
willst.
Eine kostenlose Probe?
Nein, danke schön.
Es kostet nichts. Für die reifere Haut.
Nein.
Ich nehme die Nummer 46.
Ja, so entstand in den ersten Dekaden des 20. Jahrhunderts eine unabhängige
und selbstständige Arbeiterliteratur, die zunehmend sozialistische
Zukunftsvorstellungen entwickelte.
Nicht zuletzt deshalb gibt es heute immer wieder Stimmen, die behaupten,
Arbeiterliteratur sei tot oder sie sei veraltet.
in diesen Texten steckt, welcher Mut, welche Visionen.
Das macht sie aktuell.
Aktueller denn je.
In einer Zeit, in der Mut zu Visionen fehlt, in der alles nur nach Machbarkeit
ausgerichtet ist.
Ich danke Ihnen.
Was ist?
Was willst du hier?
In einer Zeit, in der der Mut zur Vision fehlt?
Sie hänge an deinem Lippen. Was denkst du dir dabei?
Du tauchst hier einfach auf. Du kannst mich doch nicht... Ich vermisse dich.
Ich mache hier meine Arbeit. Deshalb bin ich in Paris. Nur deshalb.
Das ist ein dummes Spiel, das du da spielst.
Wenn du mich nicht mehr sehen willst, dann sag es.
Jetzt. Ich habe zu tun. Es tut mir leid.
Vielen Dank.
Auf jeden Fall.
Du bist ja da.
Wieso nicht? Was ist?
Ich dachte, ich hätte dich gesehen mit einem Mädchen.
Ist schon in Ordnung. Nichts ist in Ordnung.
Bitte.
Mach dir keine Sorgen. Ich hab endlich begriffen. Du musst keine Angst mehr
haben um deine alte Tugend.
Vielen Dank.
Zimmerservice.
Sascha.
Warum habe ich solches Klang?
Vielleicht hast du es verdient.
Ironie und Satire sind ein integraler Bestandteil von Tressels Erzählweise und
heben diesen Roman wohltuend von dem düsteren Ernst und der gequälten
Didaktik ab, die andere Arbeiterromane so beschwerlich zu lesen machen.
Im weitesten und umfassendsten Sinn zeigt dieser Roman das
Klassenbewusstsein. Einer Person.
Seine Moralauffassungen, seine Gefühle, seine emotionalen Reaktionen, seine
Normen und Wertvorstellungen. Das ganze Register seiner verinnerlichten,
instinktiven Reaktionen bis hin zu seinen Gefühlen.
Was sollen die denn von mir denken?
Dass dich jemand begehrt.
Wann warst du mal richtig glücklich?
Ach, Sascha.
Frag nicht so ernste Sachen.
Nein, sag!
Bevor ich dich kannte?
Ich weiß nicht.
Als Kind, ja.
Ich hatte mich versteckt in den Sträuchern beim Bahndamm.
Da waren Himbeeren.
Dicke, rote, reife Beeren. Und ich hab sie in mich reingestopft.
Und es fing an zu regnen.
Glück.
Ja.
Ja, das waren die süßen Himbeeren und dazu der kalte Regen auf meinen Haaren.
Ich liebe dich, Julia.
So wie du bist.
Das ist so romantisch. Ja, nicht?
Wenn Sie hier Ihr Glück nicht finden. Ach, Paris.
Zimmer 14.
Es gibt so viele, die sich hier die ewige Liebe versprochen haben. Gerade in
diesem Zimmer.
Erster Stock. Lift ist leider defekt.
Und wenn er einen Unfall hatte damals?
Oder entführt?
Oder das Gedächtnis verloren, oder, oder, oder.
Ja, ja.
Würden Sie auch so reden, wenn Sie nicht gerade verliebt wären?
Da bist du ja.
Ich wollte schon die Polizei rufen.
Was ist?
Nichts. Nichts.
Die Concierge. Kennst du eigentlich ihre Geschichte?
Na, die hat stundenlang geweint.
Keine Sorge.
So schreibt ihr nur noch.
Nadia? Alle zwei Wochen?
Wenn sie nichts von uns weiß... Ich könnte es ihr hundertmal sagen, sie
würde es nicht verstehen.
Vielleicht willst du gar nicht, dass ich es weiß?
Was denkst du?
Dass ich mir Nadia warm halte, weil du zu alt bist?
Das denkst du doch, stimmt's?
Du bist zu feige, es ihr zu sagen.
Moment, du lässt mich hier nicht so stehen. Das kannst du mit mir nicht
machen. Ich bin nicht Nadia.
Ich habe ja gesagt, Julia.
Zu dir, zu uns. So wie wir sind. Wenn dir das nicht reicht, dann... dann
solltest du wirklich gehen.
Komm schon, ich hab Heimweh.
Ab und zu vermisse ich unsere Sprache.
Aber vor allem...
Um die Ecke gibt's eine russische Bäckerei.
Die backen da richtig gutes Brot.
Kommst du?
Ich warte hier auf dich.
Ja, wir werden operieren müssen.
Total operieren?
Mhm.
Wann waren Sie das letzte Mal zur Vorsorge?
Keine Ahnung, ich hatte für sowas keinen Zeitdruck.
Für sowas?
Wie gehen Sie mit sich um?
Ja, es ist mein Körper.
Und Sie haben Verantwortung für ihn.
Wenn der Körper nicht mehr will, Muss der Kopf hinhören.
Bitte.
Bitte nicht, nicht jetzt.
Gibt's denn hier irgendwelche Pillen? Es gibt auch gegen alles Pillen.
Es ist keine Erkältung.
Oder Magenverstimmung.
Dann ist es jetzt wohl vorbei mit dem Nachwuchs.
Das meinen Sie nicht im Ernst?
Mit 50?
Madame, Sie sind Wissenschaftlerin. Natürlich ist das vorbei.
Ja, natürlich.
Ich hatte nur gerade angefangen, mich mit ihm anzufreunden.
Mein Körper.
Der junge Mann.
Was soll ich ihm sagen?
Ich will raus hier.
Wovon träumst du?
Von dir und mir.
Davon, dass du jung und schön bist und ich ebenso davon, dass wir eine Familie
haben mit Kindern.
Idiotisches Zeug geben.
Das ist nicht träumen. Das ist die Realität.
Kann es werden. Alles ist möglich.
Bis auf meine Schönheit.
Warum fragst du nicht?
Was? Wie geht es dir? Was sagt der Befund?
Jeder, der einen Kranken besucht, fragt sowas.
Würdest du mir die Wahrheit sagen?
Weißt du, Sascha, das mit uns, das war ein wunderschöner Traum. Ein
wunderschöner, idiotischer Traum.
Es konnte gar nicht gut gehen.
Ich kannte deine Mutter.
Seine Mutter, die Mutter von Basak.
Die wollte, dass er endlich eine Frau findet.
Und so lud sie zwei junge, wohlhabende Schwestern ein.
Er sollte sich für eine entscheiden. Und was tat er?
Er verliebte sich in die Mutter der beiden.
Ich will mich nicht mit Basak vergleichen.
Aber er wusste, was gut ist.
Es ist alles gut verlaufen.
Sie müssen sich noch ruhig halten.
Wie hat Ihr Freund es aufgenommen?
Sie haben es ihm doch gesagt.
Es ist doch alles gut verlaufen.
Kommen Sie in drei Monaten zur Nachuntersuchung.
Bitte. In drei Monaten? Da bin ich nicht mehr in Paris.
Dann eben bei Ihnen zu Hause. Es ist wichtig.
Und was hat er gesagt, der Arzt?
Alles in Ordnung.
Das ist ja großartig.
Und da ist nichts?
Nein, nichts.
Aber?
Alles kein Problem mehr.
Okay? Ja, ja klar.
Ich hoffe, du hast Hunger.
Ich päppel dich schon wieder auf.
In Zukunft werde ich nur noch gesund für dich kochen.
Ich werde waschen, einkaufen. Ich binde mir sogar einen Rüschenschutz um, wenn
du drauf stehst. Was für eine Zukunft.
Unsere.
Und morgen werden wir... Morgen habe ich Vorlesung. Julia.
Nein, es geht mir gut.
Bald ist Semesterende. Ich kann doch nicht kneifen. Das bin ich meinen
Studenten schuldig. Und dir?
Was bist du dir schuldig?
Deiner Gesundheit? Uns?
Sascha, es ist alles wieder gut.
Sonst hätte mich der Arzt doch dort behalten.
Du musst dein Buch fertig kriegen. Jeder sollte sich auf seine Arbeit
konzentrieren. Das ist besser so. Was soll das heißen, Julia?
Hast du genug von mir?
Ich habe eine Aufgabe hier, die will ich anständig zu Ende bringen. Das ist mein
Beruf. Was redest du da für ein Schwachsinn? Das bist doch nicht du!
Woher weißt du das?
Von diesen paar Wochen hier?
Ich habe vorher 50 Jahre gelebt. Und?
Was soll das heißen? Du erzählst deinen Studenten von Mut, von Visionen. Ich
dachte, du glaubst wirklich daran.
Ach Sascha, komm, wir sind doch erwachsen.
Scheißhatz. Das nennst du erwachsen?
Zu kneifen, sobald Schwierigkeiten auftauchen?
Kein Wunder, dass du dein Leben alleine verbringst. Um Glück muss man kämpfen.
Aber ich will einfach nur vernünftig sein. Nur vernünftig. Wie meine Mutter.
Tut mir leid.
Julia, bitte.
Genau das.
Genau das hab ich geahnt.
Ich habe es geahnt, dass du das irgendwann sagen würdest.
Irgendwann. Ich habe es gewusst. Du hast es doch provoziert.
Warum? Damit du endlich einen Grund hast zu gehen?
Julia, warum?
Du warst eine Frau fürs Bett. Das war das Erste, was ich von dir gehört habe.
Eine Frau, die da zu sein hat, wenn du es willst.
Aber das bin ich nicht. Das will ich nicht. Das kann ich nicht.
Ich kann das nicht mehr.
Sascha?
Sascha?
Gilt das noch? Ein Doppelzimmer für den Preis eines Einzels?
Hilft. Glauben Sie mir, Madame.
Süße. Ja, süßer als das Leben, immerhin.
Ich habe gesehen, wie er abgehauen ist.
Ihr Freund damals?
Haben Sie den eigentlich nie gesucht?
Glück.
Und wenn ich ihn gefunden hätte?
Mit einer anderen Frau.
Vor sowas hatte ich zu viel Angst.
Er weiß, wo ich bin.
Hier hat er mich verlassen.
Sie haben hier gewohnt?
Ostern in Paris, 1967,
Zimmer 14.
Jetzt sind alle Zimmer belegt.
Es tut mir leid.
Herzlichen Dank.
Danke.
Das ist richtig, richtig gut.
Das hatten wir noch nie aus Deutschland und so rum mit Leidenschaft.
Dankeschön.
Hab's aus.
Nicht schön gesehen.
Weiß ich schon, was da drin ist.
Ist ja wahr.
Nicht mehr.
Sagen Sie, wenn ich eine Geschichte, ein Buch, das wäre doch auch...
Sie meinen Arbeiterliteratur?
Ich müsste es lesen. Sie werden drin vorkommen.
Sie müssen mir noch sagen, Ihre Rückreise. Wollen Sie noch ein paar
Tage? Nein.
Nein, ich muss zurück.
Ja, das ist das Vernünftigste.
Dankeschön.
Machen Sie mir bitte die Abschlussrechnung. Nein!
Ich dachte die ganze Zeit, er hätte Sie verlassen.
Er leidet wie ein Hund.
Warum tun Sie ihm das an?
Gibt es jemand anderen?
Ja, mich.
Ich bin noch einen Tag hier, dann ist es vorbei.
Einer muss doch vernünftig sein. Es gibt keine Zukunft.
Und das glauben Sie sich?
Das zählt nicht.
Das hat noch nie gezählt in meinem Leben und ich bin bisher sehr gut damit
zurechtgekommen.
Er hat gesagt, ich bin wie seine Mutter.
Wahrscheinlich hat er so gerecht.
Und es zählt nicht, dass er Ihnen seine Liebe bewiesen hat?
Hab ich mich so ge... Enttäuscht, Madame.
Sind Sie wirklich eine von denen, die nur Tiefe empfinden, wenn Sie über
Schicksale lesen?
Oder im Kino davon erzählt bekommen?
Das sagen Sie?
Sie machen sich doch lustig über die Paare, die hierher kommen.
Wie soll ich das denn sonst ertragen?
Das Glück der anderen.
Für mich ist es vorbei.
Aber für Sie?
Das kann ich ihm auf Dauer dann bitten.
Warum soll er das nicht entscheiden?
Eine Familie, ein ganz normales Leben, das alles wird er mit mir niemals haben.
Das kann ich Ihnen nicht antun. Wollen Sie einen Orden dafür?
Was haben Sie davon, wenn Sie beide unglücklich sind?
Sie haben Angst, Madame.
Angst vor dem Glück.
Das ist alles.
Aber... Halten Sie den Mund. Ich weiß das.
Ich kenne mich damit aus. Sie wissen doch gar nicht, was mit mir los ist.
Was?
Und Ihr Aufenthalt im Krankenhaus?
Und? Wollen Sie meine Krankengeschichte hören?
Wenn Lück damals auch nur einen so dämlichen Gedanken hatte wie Sie jetzt,
das wäre für mich schlimmer als eine andere Frau.
schön kommt es gar nicht mehr.
Morgen. Du bist fertig?
Ja.
412 Seiten.
Sie haben mich operiert, ja.
Und du sagst es mir nicht?
Was ist das für eine Partnerschaft?
Glaubst du, ich kann das nicht?
Für dich da sein?
Du musst es nicht.
Will ich aber!
Lass mir die Freiheit selber zu entscheiden.
Begreifst du das nicht? Ich liebe dich!
Ich will alles wissen, was mit dir passiert. Alles, verdammt nochmal!
Wenn es dir gut geht, dann will ich mit dir lachen.
Und wenn es dir schlecht geht, dann heule ich mit dir.
Von Lissabon haben wir einen Rückflug gebucht.
Glaubst du im Ernst, ich lasse dich nochmal gehen?
Ich habe Eva angerufen.
Du hast was?
Ich habe deine Tochter angerufen.
Und du hast ihr gesagt, dass wir... Dass wir zusammen sind, hat sie längst
geahnt.
Du rufst hinter meinem Rücken meine Tochter an. Du bestellst im Restaurant
für mich, ohne mich zu fragen.
Wieso glaubst du immer, mein Leben bestimmen zu können?
Ich finde nur, es sollte jemand bei dir sein, solange ich in New York bin.
Du willst ja nicht mit.
Für drei Tage.
Du verrandest die ganze Zeit mit diesem Verlag.
Ich habe Angst, dass du nicht mehr da bist, wenn ich zurückkomme.
Und du hast das Rückflugticket von der Submarine?
Ja.
Ja, weil ich nicht weiß, wie es weitergehen soll.
Warum lassen wir uns nicht überraschen?
Was soll denn schon passieren?
Mama. Das ist Sascha.
Hallo Eva.
Gib mal her, ich nehm das.
Komm.
Erzählt mal.
Wie war das? Liebe auf den ersten Blick?
Na ja, ich glaube, deine Mutter hat erst mal einiges von mir gehört.
Aber nur Gutes.
Und, wie hast du sie rumgekriegt? Ach, Eva.
Nein, interessiert mich.
Es ist eine Aufgabe, sie aus Bibliotheken und Seminarräumen zu
locken.
Das ist Paris, nehme ich an.
Marco ist neun, Mel sieben, Mike ist vier und die Kleine eineinhalb.
Eine tolle Bande.
Und David?
Du musst doch jetzt nicht... Interessiert mich.
Gehören doch alle zur Familie.
Und er hält Bäume? Ja.
Er macht das großartig. Er weiß genau, welche er retten kann und welche nicht.
Mit einem Blick.
Wie bei mir.
Nein.
Er weiß genau, was er tut. Immer. Hat sich noch nie geirrt.
Ich hoffe, ich werde ihn bald kennenlernen.
Du bist willkommen.
Und deine neue Freundin auch.
Wer interessiert sich mehr für meine Familie als du?
Vielleicht kann es mir ja beibringen.
Ich muss jetzt los, über den großen Teich. Bin Freitag wieder zurück.
Pass gut auf sie auf.
Zimmer 23.
Wo ist sie? Ist sie krank?
Nein, sie hat gekündigt. Will den Winter im Süden verbringen.
Hat was von einem Lüg gesagt.
Und dass sie nicht länger auf den Scheißkerl warten will.
Das ist also eure Liebeshöhle. Eva, wie redest du mit deiner Mutter?
Tja.
Meine Mutter.
Adieu!
Was ist denn?
Mama! Ich weiß, dass ich dafür zu alt bin. Das musst du mir nicht so subtil
vorführen. Was meinst du? Das Tanzen, so wie du. Ich kann es nicht und ich will
es nicht. Und ich dachte, du hast dich geändert.
Weil so ein junger Kerl sich was einbildet?
Glaubst du, ich weiß nicht, wie verrückt das ist?
Und dass das jeder denkt, der das sieht?
Aber soll ich dir was sagen?
Das ist mir egal.
Das ist mein Glück. Jetzt. Weißt du? Schon gut.
Ich mach das nicht.
Ich bewerte nicht, was du tust.
Ich weiß, wie das ist.
Du hast es mit mir immer getan.
Du hattest recht mit dem Tanzen.
Ich wollte dich, ich weiß nicht, herausfordern.
Als ich dich sah am Flughafen, da dachte ich, ja, das ist meine richtige Mutter.
Seltsam, wo du es doch schon immer warst.
Aber du hast dich verändert und ich habe mich gefreut.
Und ich war wütend, weil du nicht schon immer so warst.
Als ich dich noch mehr gebraucht habe.
Ich habe dich nie richtig verstanden.
Und jetzt?
Ich gebe mir Mühe.
Versprochen.
Du hättest dir immer was anderes für mein Leben vorgestellt.
Und du?
Das interessiert dich?
Manchmal mit David, mit den Kindern, das ist nicht immer nur Glück, aber das ist
mein Leben.
Und wenn sich etwas ändern soll, dann wird es das schon.
So wie bei dir jetzt.
Ja.
Und? Lächeln, Madame.
La belle inconnue.
Die schöne Unbekannte.
Das bist du.
Schau hier, das andere Foto, wie ein altes Ehepaar.
Was ist?
Das habe ich nicht.
Jemand, der mein ganzes Leben begleitet hat. Der Zeuge ist, dass es mich
tatsächlich ein paar Jahre gegeben hat.
Ich bin Zeuge.
Die guten Jahre, die zählen doppelt. Dreifach.
Oh, bitte nicht dahin! Du hast recht.
Das passt hier nirgends hin. Komm!
Na, komm!
Ja!
Hier passt es hin!
Na komm, es ist der fünfte Stock.
Wie viel?
Bitte? Die Miete. Was kostet das hier?
Ist meine Sache.
Und wie stellst du dir das weiter vor?
Ich habe einen Beruf in Deutschland.
Und du?
Du mietest einfach eine Wohnung, ohne mich zu fragen.
Ich habe noch nie zugelassen, dass jemand anders mein Leben bestimmt.
Vielleicht hast du ihr vorher noch nicht geliebt.
Du kannst doch genauso gut mit mir nach Deutschland gehen.
Schreiben kann man überall.
Paris oder Frankfurt an der Rode?
Hier sind wir beide fremd.
Das ist unsere Stadt.
Ich will weiter arbeiten.
Dann wirst du hier einen Job finden.
Keinen Job. Eine Professorenstelle.
Hey, der Zug, in den du steigen wolltest.
Ums Geld musst du dir keine Sorgen machen.
Ich habe die Zusage aus New York. Sie haben die Rechte gekauft.
Und wollen noch ein Buch.
Also, ist noch was?
Die Tapete ist scheußlich.
Sie haben noch Zeit.
Wozu? Auch gut.
Ich komme zurück. Allein oder Mama?
Tu das nicht.
Bleib bei ihm.
Ich kann das nicht.
Wohin willst du zurück?
In diesen albtraumhaften Wohnblock?
Ich dachte, ich komme zu dir.
Mama, du musst dein eigenes Leben leben.
Mit Sascha.
Das ist dein richtiges Leben. Ich habe es gesehen. Mach es nicht kaputt.
Ja, es ist schon kaputt.
Nadja ist zurück.
Was denn?
Na und her. Die Uni. Ich bin Dozentin. Ab dem Wintersemester. Ah,
endlich Arbeit.
Und da ist das Buch von deinem gelassenen Stalin.
Müssten wir eigentlich nur noch heiraten, mein gebranntes Kind.
Ich war im Hotel und habe nach Sascha gefragt.
Da haben die mir die Adresse hier genannt.
Kommen Sie rein.
Kommen Sie rein.
Schön hier.
Dann haben die im Hotel wohl was verwechselt.
Wissen Sie vielleicht, wo Sascha steckt?
Was willst du denn hier?
Ich bin gekommen, weil du nie geschrieben hast.
Und schreiben wolltest, wann dein Buch fertig ist. Das hast du versprochen.
Warum hab ich dir wohl nicht geschrieben?
Denk nach.
Nadja, ich wohne auch hier.
Ja.
Mit Julia.
Ich lebe mit ihr zusammen.
Wie?
Kapierst du das nicht?
Ich liebe eine andere Frau. Ist das so schwer zu verstehen?
Aber... Aber sie ist doch alt.
Sascha! Nadja.
Nadja, Sie sind noch jung. Sie werden noch viel... So einfach geht das aber
nicht. Ich habe alles für dich getan. Alles!
Ich bin sogar weggegangen, damit du dein blödes Buch zu Ende schreiben kannst.
Und das Kind.
Unser Kind.
Das ich abgetrieben habe für dich und für deine Karriere.
Oh nein.
Nicht für mich.
Ich habe das nie verlangt. Du hast es nicht gewollt. Noch nicht.
Julia.
Julia.
Ich muss was erledigen.
Kommt er zurück?
Ich warte auf ihn.
Lassen Sie sich nicht stören.
Hatten Sie meinen Kuchen eigentlich bekommen?
Hier, habe ich mitgebracht.
Tee?
Ich finde mich schon so recht.
So kennen Sie ihn sicher nicht.
Das sind meine Nichten und mein Neffe.
Sascha liebt Kinder.
Möchte einen ganzen Stall voll, sagt er immer.
Das hier ist meine Mama.
Da war Sascha das erste Mal bei uns, vor vier Jahren.
Und das hier ist am See.
Er liebt es, nackt zu baden, oder?
Mein Mantel ist klatschnass.
Ich muss mir was Trockenes anziehen.
Danke, Julia, dass Sie sich in der Zwischenzeit um mich gekümmert haben.
Flughafen Charles de Gaulle, bitte.
Eine Durchsage für Fluggäste nach Berlin.
Lufthansa gibt eine Verspätung Ihres Fluges LH7851 von 30 Minuten bekannt.
Bitte beachten Sie weitere Durchsagen.
Jürgen!
Wie will ich denn nur jetzt käsen?
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