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(Wind rauscht)
(entfernter dumpfer Knall)
(entferntes Grollen)
(entfernter Knall)
(dumpfer Knall, kurzes Einatmen)
(Ausatmen)
(♪ Frauenstimme summt angespannt)
(Summen verklingt ♪)
(♪ angespanntes Summen in Wellen fortlaufend)
(Erzählerin) Es geschah also in jenen Tagen des ersten großen Krieges,
der das Land Jahrzehnte lang erschüttern sollte,
dass Rose beschloss, dem Soldatendasein den Rücken zu kehren,
und ihre Geschichte so zwar nicht ihren Anfang nahm,
aber dennoch eine ernste Wendung.
(entferntes Johlen)
(♪ melodiöses Summen fortlaufend)
(Glöckchen)
(Gejohle)
(Gejohle verklingt)
(melodiöses Summen endet ♪)
(Amtmann) Es ist alles rechtens.
Fehlt auch nichts? - (Amtmann) Soweit ich sehen kann, nein.
Er ist im Besitz dieses Dokumentes. Das bedeutet, das Erbe kann angetreten werden.
Kennt der Herr das Land?
(Rose) Ja, zwei Sommer hab ich da verbracht als Knabe mit der Mutter.
Nachdem der Vater verstorben war, haben wir auf dem Gut gnädig Aufnahme gefunden.
Es war, als die kleine Kapelle Feuer fing. Da ist der Blitz mitten hinein.
Der Hof hat lange leer gestanden.
Warum hat der Herr erst jetzt entschlossen, sich zu melden?
Die Nachricht kam nicht an. Soldat bin ich gewesen.
Wo?
Im Brabant.
Zehn Jahr.
(Altbauer) Und die Frau Mutter?
Auch tot.
Alle jetzt.
(Karren rattert)
(Ochse ächzt)
(Mann) Hüa!
Hopp! Hüa!
(Erzählerin) Da derselbe Tag für eine Besichtigung nicht mehr für gut befunden wurde,
vereinbarte man, sich am folgenden Morgen gemeinsam aufzumachen,
um das Gut in Augenschein zu nehmen.
(Schritte)
(Schritte, Laub raschelt)
Das Vieh wurde aufgeteilt. Aufs Dorf.
Es wäre sonst verendet.
(Großbauer) Es ist gutes Land,
verlangt einem aber alles ab, für nur ein bisschen Ertrag.
Dazu muss einer aber wissen, was er tut, oder lässt es besser bleiben.
Als Soldat hat der Herr für das Land gekämpft.
Das heißt aber nicht, dass er dem Kampf mit dem Land gewachsen ist.
Siehst ja, ist auch viel zu tun,
ehe die eigentliche Arbeit überhaupt beginnen kann.
Ist nicht jedermanns Sache. Ist auch keine Schande.
Bin gern bereit, dir das Land abzukaufen. Zu einem guten Preis.
Und ich will gern bleiben.
Mich niederlassen, endlich.
Mein Glück versuchen, in dieser herrlichen Gemeinde.
(Amtmann) Wir können die Tage das Formale ins Reine bringen und die Dokumente unterzeichnen.
(Rose) Ja.
(♪ helles Summen in Wellen)
(Erzählerin) Ein erstes Ankommen war vollzogen.
(♪ melodiöses Summen fortlaufend)
Und fand sich Rose auch niemanden, der darauf mit ihr anstoßen wollte,
ihr Geld nahm man doch gerne.
(♪ Summen fortlaufend)
(Summen verklingt ♪)
(Feuer knistert)
(schnauft)
Das ist die Kugel, hier.
Ist mir da durchs Maul.
Ist ganz eingedrückt.
Ist ja nicht nur mein Gesicht, hat alles eine neue Form jetzt.
(junger Knecht) Im Dorf sagt man, "der Soldat".
Und
er sei ein Sonderling. - (alter Knecht) Sei still.
(Vögel zwitschern)
(junger Knecht) Er habe etwas Geheimnisvolles. - Du sollst still sein.
(Gemeinde) ♪ Geheiligt werd der Name dein
♪ Dein Wort bei uns hilf halten rein
♪ Dass auch wir leben heiliglich
♪ Nach deinem Namen würdiglich
♪ Behüt uns, Herr, vor falscher Lehr
♪ Das arm verführet Volk bekehr
♪ Es komm dein Reich zu dieser Zeit
♪ Und dort hernach in Ewigkeit.
(Erzählerin) Was ist das Leben in Betrug und Lüge?
Kein Heldentum ist da,
nur Zwang und Not und ständig auf der Hut.
Und kann man Freiheit nennen, so zu leben?
(atmet angestrengt)
(ächzt)
(Knacken)
(Erzählerin) Die einen sagen: Kommt Zeit, kommt Rat.
Die anderen: Den Seinen gibt's der Herr im Schlaf.
Mag man sagen, was man will,
noch nie hatte Rose einen so guten Schlaf getan wie in jener Nacht.
Und Gott kam schon am nächsten Tag.
(Wind rauscht laut)
(Rose, ruft) Was ist?
Der Sturm hat uns die Zäune fort geweht. Und das Vieh ist uns davon.
Vielleicht, dass wir die Schafe hier bei dir hineintreiben?
(stöhnt) Ja. (ruft) Los, helft!
(Sturm pfeift)
(entfernte Rufe)
(panischer Schrei)
(panische Rufe)
(Schreie fortlaufend)
(ächzt angestrengt)
(entferntes Schreien, fortlaufend)
(gequälte Schreie, lautes Knurren)
Weg!
(Schreie)
(lautes Knurren)
(gequältes Knurren)
(Sturm rauscht)
(entferntes Schreien)
Hey!
Hier!
(gedämpfte Stimmen)
(Sturm rauscht fortlaufend)
(Rose) Hoch!
(Erzählerin) Die Bärin fand man tags darauf im Wald verendet.
Das Fleisch war verdorben.
Aus dem Fell aber
fertigte man Rose zu Ehren einen Umhang, eine Kappe und einen Kragen.
Aus dem Soldaten, dem Sonderling, dem seltsamen Erben
war ein Bärentöter geworden,
der nicht mehr gegen das Alte antreten musste,
sondern seine eigene Geschichte in die des Dorfes hineingeschrieben hatte.
Was also konnte nicht noch alles geschehen?
Und zeigt sich Gott nur selten, oder zu undeutlich in den alltäglichen Dingen,
die Zeit ging unübersehbar ins Land.
(♪ helles Summen)
Ein Jahr war seit ihrer Ankunft vergangen
und Rose hatte ein gewaltiger Unternehmergeist überkommen.
An Erweiterung, an Vergrößern dachte sie,
an Überschuss und auch Gewinn.
(♪ helles Summen in Wellen fortlaufend)
(Insekt brummt)
(Vogelgezwitscher)
(helles Summen verklingt ♪)
Ist gut, dass das Land wieder wächst.
Hab's dir nicht zugetraut.
(Rose) Ich mir selber nicht.
Steh jeden Tag vor diesem Wunder, hier zu sein.
Hab nie ja denken können, früher, an ein Morgen.
Was kommt, was sein wird.
War viel zu sehr beschäftigt, aus dem Heute heil herauszukommen.
(Vögel zwitschern)
Und jetzt,
zum ersten Mal, wie großartig und schön.
Und welche Freude es mir macht,
zu schaffen, zu denken, was man noch alles könnte.
(schnieft)
Zu denken, was man noch alles schaffen könnte. Oder bauen oder...
Und dazu braucht es dieses Land.
Es ist ein Beginn.
Land hat aber einen anderen Wert als bare Münze.
Die gibst du einmal im Tausch gegen was. Das Land beschenkt dich jedes Jahr.
Wie der Schoß der Frauen.
Nein.
Den Bach verkaufen mag ich nicht.
(schnieft)
Aber ich mach dir einen Vorschlag,
wie du zu deinem Fleckchen Erde kommst, und für mich doch alles auch beim Alten bleibt.
Fünf Töchter hab ich. Die fressen mir die Haare vom Kopf.
(♪ sanftes Summen fortlaufend)
(Erzählerin) Vieles war Rose gelungen, bisher.
Dafür hatte sie sich in Disziplin üben müssen,
in striktem Verzicht.
An jedem Tag.
Hatte entbehren müssen, um zu fordern.
Verzichten, um zu bekommen.
Verheimlichen, um zu sein.
Aber,
ist der Notwendigkeit einmal Genüge getan,
stellt sich gern der Wunsch ein nach mehr.
Denn die Gier ist ein Rausch.
Macht einen glauben, es stünde einem alles zu,
und rechtfertigt sich so allein und durch sich selbst.
Kennt keine Grenze.
Das ohne Maß ist die Gier, das ohne Ziel und Disziplin.
Leerer als leer kann ein Fass nicht sein,
zum Überlaufen aber bringt man es leicht.
(sanftes Summen endet ♪)
(Großbauer) Das ist die Suzanna.
Unbescholten,
gottesfürchtig,
in allen weiblichen Arbeiten geschickt.
Die Mutter gepflegt hat sie in den Tod.
Viel Leiden erduldet.
(er räuspert sich)
(Großbäuerin) Das ist, was es hat.
(entfernte Vogellaute)
(flüstert) Er hat ein komisches Gesicht.
(flüstern) Halt's Maul. - Halt still.
Meine selige Frau hat's noch begonnen.
Im Kindbett hat sie schon gearbeitet, an der Aussteuer von einer jeden.
Aber schwach war die. - Lass.
Sehr schwach.
Viel gelegen.
Und?
Dem Herrn beliebt es, um dich zu werben.
Ich bin gewillt, dich ihm zu geben.
(laut) Willst auch du?
(♪ feierliche Kapelle fortlaufend)
(Mann) Hüa, hüa!
(Mann) Hopp!
(Insekt summt)
(Glocken läuten)
(Mann) Hopp, hüa!
(Glocken verstummen)
(Kapelle klingt aus ♪)
(Pastor) Der Herr segne und behüte euch.
(Donner grollt)
(Rose) Nimm die Kuh!
(Donner grollt)
(Rose ächzt)
(Rose stöhnt)
(Rose) Lass!
(Suzanna ächzt)
(entfernter Donner)
Weg!
(Rose seufzt)
(Regen prasselt gedämpft)
(Rose stöhnt)
Wir wollen uns morgen alle besser kennenlernen.
(wiederholtes Klacken)
(Klacken wird schneller)
(Tür schließt)
(Klacken endet)
Will es nicht mit dem Feuer?
(schnelles Klacken)
(zaghaft) Soll ich?
Ich kann's versuchen, damit die Kleider trocknen.
Oder der Herr? Vielleicht ist der Herr sowieso geschickter.
(seufzt)
Den Korb mit dem, was von der Hochzeit über war? Den haben wir auch beim Karren gelassen?
Ich weiß es nicht.
Wir wollen dem Herrgott danken, dass die letzten Tage in Fülle waren,
und hungrig schlafen gehen.
...dass du mich diesen Tag gnädig behütet hast
und bitte dich, du wolltest mir vergeben alle meine Sünd.
Denn ich befehle mich, mein Leib und Seel und alles, alles in deine Hände.
Dein heiliger Engel sei mit mir,
auf dass der böse Feind kein' Macht mehr an mir finde.
Amen.
Von allen Dingen
schätze ich am meisten deine Reinheit.
Die will ich mir lange bewahren.
(Vögel zwitschern)
(schnieft)
(Insekt summt)
(Vögel zwitschern)
(Insekt summt)
(Gackern)
(junger Knecht) Komm!
Hüa.
Hüa.
(Rumpeln)
(Rose ächzt)
Es hat nix Schaden genommen.
Soweit ich sehen kann. Wird reichen, uns ein Heim zu schaffen.
Ein schönes.
Ja.
Willst du uns nicht zur Feier des Tages ein Liedchen singen?
Ja.
Kommt! - Ich weiß nicht was.
Ganz egal. Sing.
(Suzanna, leise) ♪ Befiehl du deine Wege - Hier!
♪ Und was dein Herze kränkt
♪ Der allertreusten Pflege
♪ Des, der den... (stockt)
♪ ... Himmel lenkt
♪ Der Wolken, Luft und Winden
♪ Gibt Wege, Lauf und Bahn
♪ Der wird auch Wege finden
♪ Da dein Fuß gehen kann
(schnieft)
♪ Dem Herren musst du trauen
♪ Wenn dir's soll wohlergehn
♪ Nach seinem Werk musst du schauen
♪ Wenn dein Werk...
♪ ... soll bestehn
(schnieft)
♪ Mit Sorgen und mit Grämen
♪ Und mit selbsteigner Pein
♪ Lässt Gott sich gar nichts nehmen
♪ Es muss erbeten sein
(Suzanna) Gehst du?
Ins Dorf.
Ich hab dem Pastor versprochen, beim Lesen und Schreiben zu helfen.
Einige haben sich gemeldet, die es gern versuchen möchten.
Weiß sich der Herr keine Arbeit hier zu finden?
Doch.
Wenn ich's jetzt versprochen hab?
Vielleicht könnt ich dich begleiten.
Es ist so still hier.
(Rose) Das ist dein Name.
Das sind fünf Buchstaben, die sich dann wiederholen.
Magst du's mal versuchen?
S...
Mal ganz langsam, so...
S...
(♪ helles Summen)
(Summen verklingt ♪)
(♪ helles Summen in Wellen fortlaufend)
(Gespräche nicht hörbar)
(♪ helles Summen fortlaufend)
(Blätter rascheln, Gespräche nicht hörbar)
(♪ helles Summen fortlaufend)
(Karren rumpelt)
Ha!
(♪ sphärisches Summen fortlaufend)
(♪ Summen fortlaufend)
(Summen endet ♪)
Na, komm. - Wartet.
(Großbauer) Fragen wollt ich, ob sich Suzanna gut beträgt.
Ob sie folgsam ist, in allen Dingen. Ob sie sich gut macht
oder sich verweigert?
Oder du sie abstoßend findest in ihrem Betragen.
Nein, nein! Sie ist genau so, wie du sie mir beschrieben hast.
Besser noch.
Weißt du, wie das ist, in der Zucht?
Der Stier, der nicht decken will, den tauscht man aus.
Wir haben so viel Arbeit, dass ich nicht drüber nachdenke,
auch noch die Zucht der Tiere zu beginnen.
Die Ehe ist ein Vertrag, den du eingegangen bist.
Und er ist dann erfüllt, wenn auch vollzogen.
Am besten, man macht's gleich, sonst ist alles null und nichtig.
Und somit sämtliche Übereinkünfte.
Wie das Land, auf dem du stehst.
Musst dir keine Gedanken machen. Es hat alles hat seine Richtigkeit.
(Klacken, fortlaufend)
(Klacken endet)
Was ist?
Dreh dich um.
(Suzanna hüstelt)
(Suzanna zieht Luft ein)
(gedämpftes Stöhnen)
(Rose) Was ist?
(gedämpftes Hämmern)
Magst du einen Augenblick heruntersteigen?
(Suzanna) Empfangen hab ich.
Wie?
Empfangen.
(kichert)
Es ist ganz gewiss.
Ein Schmetterling ist durchs Fenster, grad eben, und hat sich auf meinen Bauch gesetzt.
Das ist das Zeichen.
Der Heiligen Veronika ist's auch so ergangen.
(Suzanna kichert)
(Knecht) Es ist noch früh, aber gratulieren möchte ich zum Segen.
(Suzanna) Na, komm! Komm!
(Suzanna kichert)
(Suzanna) ♪ Frühmorgens, wenn die Hähne krähn
♪ Ziehn wir zum Tor hinaus
♪ Und mit verliebten Äuglein
♪ Spähn die Mädels nach uns aus
♪ Am Busch vorbei wir ziehen...
Die erste Zeit nehm ich das Kind zu mir,
aber alle da immer im Kasten liegen, das geht nicht ewig.
Warum das gute Fleisch heut in der Suppe?
Es ist doch ein Feiertag.
(schlürft)
Man müsste anbauen.
Holz schlagen.
Man müsste ein Loch in die Stube machen. - Raus.
(schlürft)
Da an der Wand ginge es gut.
(Rose) Na, los!
(Tür schließt)
(Suzanna seufzt)
Ist doch nicht immer ein Kindlein zu erhoffen, wenn man die eheliche Pflicht begeht.
Wir warten ab.
(Suzanna) Ist aber so.
Na?
Was sagt der Herr Vater? - Wer?
(Suzanna kichert)
Herr Vater.
(Stuhl rumpelt)
(erregter Atem)
(Tür knallt)
(♪ sanftes Summen)
(Erzählerin) Ein Kind kam munter und gesund zur Welt,
obwohl für Rose unerwartet
und in den Augen mancher um Wochen zu früh.
(Pastor spricht Segen)
(♪ singt leise)
(Erzählerin) Und fand sich Suzanna leicht in ihre Rolle als Mutter ein,
waren Roses Vatergefühle verwirrend und von komplexerer Natur.
(♪ sanftes Summen)
(Summen endet ♪)
(Baby gluckst wiederholt)
(♪ sanftes Summen fortlaufend)
(Erzählerin) Dennoch hatte alles sich zum Besseren verändert.
War Rose doch in den Augen der Gemeinschaft ein weiteres Mal gestiegen.
Hatte das Land zum Blühen gebracht wie die Blume ihrer Frau.
Und sollte auch kein weiterer Kindersegen folgen,
so hatte Rose doch bereits den einzigen Sinn des Daseins,
den einzigen Dienst an der Gemeinschaft erfüllt, der da ist:
die Reproduktion.
Egal, was andere behaupten.
Und doch sind es nicht immer und unbedingt die großen Ereignisse,
welche Veränderung zur Folge haben.
Auch kleine Dinge können große Wirkung zeigen.
Wie der Flügelschlag eines Schmetterlings
oder der Stich einer Biene.
(Summen endet ♪)
(keucht)
(Baby gluckst)
(Baby quäkt)
Ich denk, du bist im Stall?
Er zahnt und schreit den ganzen Tag. - (Baby quäkt)
Jetzt ist er wieder aufgewacht. - (Baby weint)
(Rose atmet schwer)
(Baby quäkt fortlaufend)
Was hast du da am Auge?
(leise) Nix. - Auch da an der Hand?
(Suzanna) Was?
(entferntes Babygeschrei)
Komm schnell! Komm!
(panisch) Komm!
Hoch!
(Baby weint fortlaufend)
(Rose keucht)
(Suzanna) Da! - (Rose japst)
Da ist der Stachel drin.
(Magd 1) Und hier auch.
(Rose wimmert)
(Suzanna) Hilf mir, ihm die Hose auszuziehen.
Zieh!
Zieh!
Zieh!
(Suzanna ächzt)
(Baby weint fortlaufend)
Da sind noch mehr.
Wasser muss man kochen! Lauf zum Brunnen!
Was stehst du da? Lauf!
Nimm auch den zweiten Kessel!
(Kessel klappert)
(Baby schreit entfernt)
(Baby quäkt leise)
(Baby gluckst)
(Baby gluckst)
(zittriger Atem)
(Tür schließt, Baby quäkt)
(Baby schreit, Suzanna schluchzt)
(Schritte, Rumpeln, Suzanna verstummt)
(Klopfen)
(Klopfen)
(alter Knecht) Was ist mit dem Herrn?
(Baby weint, Suzanna schluchzt)
(Suzanna verstummt)
(Baby schreit entfernt)
(alter Knecht, leise) Halt's Maul. Halt's Maul!
Geh in den Stall.
In den Stall!
Geht alle in den Stall.
In den Stall!
Hier rein.
(Suzanna) Er ist sehr krank.
Muss ruhen. (schnieft)
Niemand darf zu ihm.
Wenn wir nicht um sein Leben bangen wollen.
Alles soll aber weiterhin seinen Gang nehmen.
So ist es besprochen.
(schnieft)
Auch ihr Mägde sollt mit aufs Feld.
Bis der Heiland dem Herrn seine Gesundheit wieder schenkt, wofür wir jetzt beten wollen,
werde ich unsere Geschicke lenken.
So will es der Herr.
Wir gehen dahin und wandern von einem Jahr zum andern.
Wir leben und gedeihen, vom Alten bis zum Neuen.
Sprich deinen milden Segen zu allen unsern Wegen.
Lass Großen und auch Kleinen die Gnadensonne scheinen.
Hilf gnädig allen Kranken...
(Feuer knistert)
(keucht)
(wimmert)
(wimmert)
(schluchzt)
(Suzanna) Wer bist du?
(schnieft)
(♪ Magd summt ein Lied, fortlaufend)
(♪ Magd summt fortlaufend)
(Summen endet ♪)
(Baby quäkt)
(seufzt)
Besser ist's, ich geh.
(Suzanna) Ja, besser wär's.
Kannst du aber nicht.
Bist schwach.
Fällst um hinterm nächsten Baum.
Dort findet dich dann ein anderer.
Und dann?
Und dann?
Das Kind ist noch an mich gebunden.
Die nächsten Wochen, ein halbes Jahr vielleicht.
Dann wird's leichter.
Wenn die Wege frei sind von Schnee und Eis,
dann kannst du gehen.
Bis dahin wird gut Zeit sein, eine Geschichte zu erfinden.
(Baby gluckst)
(♪ sphärisches Summen)
(Summen endet ♪)
(♪ sphärisches Summen in Wellen fortlaufend)
(Erzählerin) In jener Nacht sprach Rose bis zum Morgengrauen.
Zaghaft erst.
Und dann kein Halten mehr.
Sie erzählte von einer Kindheit im Waisenheim,
wie es kam, das erste Mal in die Hose zu steigen,
und von allen weiteren Versuchen,
sparte auch nicht am Krieg und dem Soldatendasein,
schonte nicht sich, noch Suzanna.
Alles erzählte sie.
Auch wie es kam, dass sie an eines anderen Mannes Platz
ein Erbe angetreten hatte.
(♪ sphärisches Summen fortlaufend)
Hüa!
(Erzählerin) Und wie wohl das Sprechen tat.
Weiter.
(Erzählerin) Oft hatte sie es sich vorgestellt, sich auszuliefern.
Dennoch war sie selbst erstaunt über die Erleichterung,
die Last ihrer Geheimnisse nicht mehr alleine tragen zu müssen.
Nur eines wollte sie nicht preisgeben:
ihren wirklichen Namen.
Damit dieser Suzanna nicht an unpassender Stelle irrtümlich über die Lippen kommen könnte.
(sphärisches Summen endet ♪)
(Schrubben)
(Suzanna) Was tust du da?
Wollt schauen.
Wie geht's dem Herrn?
Schlecht. Geh rein.
Nein, nicht. - Ich brauch mal Luft.
Hier. Ich mach dir das Fenster auf.
Was steht ihr und schaut? - Ich kann ja rühren, mit dem Arm geht's.
An die Arbeit.
Alles gut mit der Sau? - Ja, gibt viel Fleisch.
Zurück an die Arbeit.
Komm.
(Pastor und Gemeinde) ♪ Wir danken dir, Herr Jesu Christ
♪ Dass du für uns gestorben bist
♪ Und hast uns durch dein teures Blut
♪ Gemacht vor Gott gerecht und gut
♪ Und bitten dich, wahr Mensch und Gott:
♪ Durch dein' heilig fünf Wunden rot
♪ Erlös uns von dem ew'gen Tod
♪ Und tröst uns in der letzten Not
♪ Behüt uns auch vor Sünd und Schand
♪ Und reich uns dein allmächtig Hand
♪ Dass wir im Kreuz geduldig...
(♪ sphärisches Summen in Wellen fortlaufend)
Komm!
Na, komm!!
(sphärisches Summen endet ♪)
(Baby grummelt)
Kommst du?
Von wem ist das Kind?
(Jauchzer)
(Baby quäkt)
(Suzanna kichert)
(ächzt)
Wirst nicht lang alleine bleiben, wenn ich fort bin.
(Baby quäkt)
Was?
Dein Vater wird's nicht wollen.
(Baby quäkt)
Er wird dich an den Erstbesten verheiraten, wie er es bei mir gemacht hat.
Einen Fremden.
Fühlst dich jetzt als Herrin, ja?
Gehörst dir aber nicht.
(Baby quäkt)
Vielleicht...
Vielleicht muss man keine neue Geschichte finden. Vielleicht... (räuspert sich)
kann alles so bleiben.
(schnaubt)
Wir sind anerkannt, du und ich.
Als Gemeinschaft.
Für die anderen sind wir das.
(Baby gluckst)
Das ist es, was Freiheit gibt.
Muss ja gar nicht anders sein.
(Baby plärrt gedämpft)
(Baby quäkt)
(Baby gluckst)
Muss man nicht gleich entscheiden. - (Baby quäkt)
Das Bett, in dem du schläfst oben,
ist das gut?
Das Gesinde müsste ein eigenes Haus bekommen.
Am Ende von der Wiesen. In guter Entfernung.
Und einen Zuber bräuchte es. - (Baby quäkt)
Es geht nicht, dass du dich heimlich wäschst im Wald.
Oder ein Badehaus, weil in der Stube ist es auch gefährlich.
(Baby quäkt)
Und das Lesen und Schreiben,
das bringst du mir bei.
(Erzählerin) Hatten Rose und Suzanna beschlossen, nichts sofort zu entscheiden,
war doch bereits alles verändert.
(♪ sanftes Summen)
Aufrechter gingen sie,
freier voreinander, unabhängiger.
Und waren sich vielleicht deshalb auch zugewandter.
Zum ersten Mal.
Dies alles war unerwartet gekommen.
Wie es zumeist nur das ausgesprochene Wort mit sich bringen kann.
Doch noch Weiteres sollte an diesem Tag geschehen.
(Suzanna) Was ist?
(Erzählerin) Ein Magd war nicht mit den anderen zur vereinbarten Stunde
auf das Gut zurückgekehrt.
Und sollte erst am darauffolgenden Tag vom Vater und den Brüdern gebracht werden.
Wir haben den Wald durchkämmt, die ganze Nacht, und waren voll Sorge.
Die beiden wollt ich jetzt zum Teich, ich selber grad ins Dorf.
(Vater) Wir haben's nicht gewusst.
Erst heute hat man sie entdeckt, sie hatte sich verkrochen. Da haben wir uns gleich aufgemacht.
(Suzanna) Warum bist du fort? Und machst uns alle krank?
(leise) Halt's Maul. - (Sohn) Aber er hat kleine Hände.
Ich will kein Gerede.
(Vater) Entschuldige dich bei deinem Herrn und bitt ihn, dass er dich wieder nimmt.
(Rose) Bei mir ist gut sein und arbeiten.
Nicht schlechter als anderswo. Hast dich nie beklagt.
Aber ich halt dich nicht.
Ich dank euch, mir euer Kind zu bringen. Aber wird sie nicht wieder davonlaufen...
(Vater) Bitte...
(Rose)... und wir wieder ganz in Angst ausrücken und alles liegen und stehenlassen?
Der Herr ist kein Herr. - (Rose) Hä?
Der Herr ist kein Herr! - Lass sie reden!
(schluchzt)
Untenrum soll er wie ein Weib sein! - (Vater) Du sollst still sein.
Das ist der ganze Unsinn? - Ich weiß, was ich gesehen hab.
(Suzanna) Wann?
Wann willst du das gesehen haben? - Wie der Herr krank war.
Was redest du für wirres Zeug? Niemand war bei ihm.
Gleich zu Beginn. - Ich ganz allein!
Wir haben ihm die Hosen ausgezogen und die Stacheln bis hier.
(Vater) Was kann sie gesehen haben? - Weiß ich nicht.
Du bist wohl nicht ganz gesund im Kopf. Das ist Tage her, kommst erst jetzt?
Ich hab's gleich gesagt. Du hast mich ausgelacht.
(Suzanna) Lüge!
(Magd 1) Du hast mir das Maul verboten. Weil kein Reden möglich ist in diesem Haus.
Lüge! Lüge! - Alles heimlich. Wer fragt, ist selber schlimm.
Lüge, Lüge, Lüge! - (Rose) Suzanna, geh ins Haus.
Und gestern in der Kirche? Und alles vor unseren Augen.
(schnieft)
(Rose) Deine Tochter ist sehr jung. Mehr Kind noch, als man glauben möchte.
Und spricht hoffentlich von Dingen, von denen sie noch nichts wissen kann.
Wir müssen uns an die Arbeit machen, wollen wir die Ernte noch vor der Dunkelheit einfahren.
Haben einen halben Tag verloren!
Sind zwei Hände weniger jetzt. Ich hoff, der Schaden bleibt gering.
Deine Söhne hier, die arbeiten für meinen Schwiegervater?
(Vater) Auch ich.
Mhm.
Dann wollen wir das alles hier für uns behalten. Damit auch ihr keinen Schaden davon habt.
(laut) Ja?
(♪ sphärisches Summen in Wellen fortlaufend)
(erschöpfter Atem)
(erschöpfter Atem)
(Vögel zwitschern)
(Vogel zwitschert)
Deine Schwester braucht noch Arbeit?
(Magd 2) Ja.
Na, dann...
Eine gesegnete Nachtruhe.
Eine gesegnete Nachtruhe.
Eine gesegnete Nachtruhe.
(Tür schließt)
(Grillen zirpen)
(Tür schließt)
(entfernte Stimmen)
Jetzt.
Was noch?
(Sohn) Es ist einfach. Wir lösen es hier, auf der Stelle.
Was lösen? - (Großbäuerin) Du erbringst den Beweis.
Dass ich ein Mann bin? - (Großbäuerin) Ja.
Und der Erbe dieses Landes. - Kein Betrüger.
Indem ich dann was?
Die Hosen runterlasse? Dir den Schwanz zeige?
Es geht doch ganz schnell, und es ist aus der Welt.
(laut werdend) Das Haus hier, ist das echt?
Die Erde da, das Land,
das Geld,
der gute Lohn, den du bekommen hast, zur Weihnacht das Doppelte, ist das Betrug?
Und dass immer etwas übrig ist für euch von unserem Ertrag?
Oder du.
Das Alphabet hab ich dir beigebracht, von A bis Z.
Die Worte, die du jetzt schreiben kannst, die Verträge, die du lesen kannst,
damit dich keiner übers Ohr haut, damit du nie weniger bekommst, als dir zusteht,
ist das auch Betrug?
Dass du deinen Arm verloren hast, ist das echt?
(laut) Dass du jetzt hier stehst, dass du noch am Leben bist, ist das Betrug?
Und hier, die Kugel. Hier, schaut's euch an!
Und mein Fleisch?
Ich seh mich selbst ja nicht. Ich bitt euch, mir zu helfen!
Dass ich mir hab mein Gesicht zerschießen lassen, für das Land und euch!
Stimmt das auch? Oder ist da nichts, und alles glatt und schön und nur Betrug?
Ich weiß es nicht. Und auch nicht ihr.
Vielleicht ist es deshalb besser, jeder geht heim und denkt für sich,
was das bedeutet: Betrug.
La-la-la... - (Gelächter)
(Mann) Hey, hey!
Hab ich eure Schwänze je gesehen?
(schrill) Frag ich euch danach?
Das können wir gern alles machen. Aber dann will ich das offiziell!
Dann will ich von allen sehen, was ihr zwischen den Beinen habt, Mann und Weib.
Deinen Schwanz und deinen und den von deinem Vater!
Holen wir den Amtmann, machen wir's offiziell!
Sofern ihr euch das Dokument auch leisten könnt natürlich!
Der Pfarrer soll's gleich in der Kirche verlautbaren, am besten noch von der Kanzel!
Hol den Amtmann!
Los du! Und ihr zwei gleich mit, damit's am Ende nicht heißt, der Amtmann wär bestochen.
Und ihr anderen könnt gern vor meiner Tür sitzen bleiben
und die bewachen, damit ihr nicht auf den Beweis verzichten müsst, den ihr begehrt.
Bis ich mir euer Fleisch anschauen muss, will ich eure Gesichter nicht mehr sehen!
(atmet aufgeregt)
(Tür knallt)
Drüben ist auch noch eine Tür.
(Erzählerin) Der Amtmann soll nicht minder erstaunt gewesen sein
über das Anliegen, mit welchem man an ihn herangetreten war.
Doch auch seine Anwesenheit sollte an diesem Tag
den eingeforderten Beweis nicht bezeugen können.
Die Nachricht über die Ereignisse hatte alle zutiefst erschüttert.
Die Gemeinschaft, welche Rose in ihrer Mitte aufgenommen hatte,
sie sah sich betrogen und getäuscht.
Sie sah sich durch Roses betrügerisches Tun entehrt, besudelt und beschmutzt.
Wonach man drängend verlangte, war das große Beispiel,
mit dem man sich wieder reinigen konnte.
Und das deshalb unbedingt zu setzen war.
(Baby gluckst)
(Vogel zwitschert)
Am dritten Tag ihrer Wanderschaft
sollte es also einigen Abenteurern gelingen, die beiden Flüchtigen aufzuspüren,
um sie ins Dorf zurückzubringen.
(Rose) Rose.
(Suzanna) Rose. - Ja.
(Rose) Rose.
(schluchzt)
(Erzählerin) Aber auch unter den Gelehrten des Landes war ein Streit entbrannt,
wer für ein Kuriosum wie die vorliegende Causa geeignet sei, hier Urteil zu sprechen.
Gerade deswegen sollten drei weitere Monate ins Land ziehen,
bevor man Rose einen ordentlichen Prozess machen konnte.
Die Binde.
Das Horn.
Der Dorn.
Nein.
Die Untersuchungen haben ergeben,
dass es sich bei der Inquisitin um eine gesunde Frau handelt.
Nichts Männliches hat sie an sich.
Ihre Clitore ist von normalem Wuchs.
Mit der kann sie nicht eingedrungen sein in ihr vermeintliches Eheweib.
Samen allerdings ist in die andere Richtung sehr wohl geflossen,
da die Inquisitin guter Hoffnung ist.
Sie ist ein Weibsbild
und hat sich aber länger schon als Mann gegeben.
(Rose) Ja.
Und das Erbe?
Wem gehört das?
Das war ein Kamerad, ein Freund.
(räuspert sich) Hat immer viel davon geredet,
zurückzukehren nach dem Krieg und wie es sein wird dann.
Ist aber gefallen.
Das Bein hat es ihm weggesprengt und ausgeblutet ist er.
Da hab ich seine Sachen.
(Schritte)
Auch das Dokument.
Ich hab gedacht,
es wär schade, wenn's keiner hat und macht.
Waren ja auch wie Brüder.
Und das?
(Rose) Ja.
Woher hat sie das?
(Rose) Auch schon im Krieg.
Wir haben ja manchmal auch auf Befehl
den Besiegten zeigen sollen, wer der Herr ist.
Auf Befehl? - Ja.
Dumm war's.
Und brutal.
Auch gefährlich für mich, hätt ich nicht mitgetan.
Und da hab ich mir das machen lassen.
Hat niemand nix gemerkt.
(Richter) Und ihre vermeinte Frau jetzt?
Die hat nix gewusst. Die trifft keine Schuld. Die muss man bitte freilassen.
(Richter) Aber von wem ist dann ihr Kind?
Und das?
(Rose) Hat man auch an mir gezeigt, wer Herr ist. - Wer?
Weiß ich nicht, waren vier.
(Richter) Warum hat sie so gehandelt?
Ich hab gedacht,
es geht.
(Richter) Hm.
Was?
Dass ich so leben kann.
(Richter) Als ein Mannsbild?
Nein, wollt nicht Mann sein.
(Richter) Was dann?
In der Hose war mehr Freiheit.
Und ist ja nur ein Stückchen Stoff.
So bin ich in die Hose.
(Richter) Gestattet hat ihr das wer?
Äh, niemand.
(Richter) Ach, niemand?
Ich.
Sie hat sich also selbst erschaffen.
Gemeinschaft gibt es nur mit Regeln.
Und Regeln werden von Tatsachen bestimmt.
Es hat sich aber zwischen ihren Beinen kein männliches Geburtsglied finden lassen.
Wohl aber ein Loch.
Unmögliches kann man sich wünschen, leben kann man es nicht.
Und indem sie Unmögliches hat leben wollen, hat sie sich gegen die Wirklichkeit entschieden.
Und gegen die Notwendigkeit, die für sie darin besteht,
den Vorgaben ihres Körpers Folge zu leisten.
Sie hat sich über das Gesetz erhoben, das ein Leben in Gemeinschaft erst ermöglicht.
Und wenn sie sich gegen die Wirklichkeit,
gegen die Notwendigkeit und gegen die Gesetze stellt,
hat sie sich auch gegen die Gemeinschaft gestellt.
Das ist, was sie gewählt hat.
Das ist jene Möglichkeit, nach der zu leben, sie sich selbst die Freiheit nahm.
(Richter) Hat sie sich das immer selbst geglaubt?
Dass es gelingt?
Fühlt sie keine Schuld?
Der an der Gemeinschaft Schuldige
ist nicht länger Teil.
Man muss ihn entfernen.
Auf Zeit:
in den Kerker.
Für immer:
in den Tod.
Aber vielleicht... (lacht) sind ja ihr keine Grenzen gesetzt?
Vielleicht wird sie sich ja Flügel wachsen lassen
und uns einfach davonfliegen?
Oder hält sie das nicht für möglich?
(Schließgeräusche)
(seufzt)
(Amtmann) Das Urteil ist gesprochen worden.
Das Schwert.
Wann?
(Amtmann) Sobald sie sich entbunden hat.
Es soll kein Schaden an dem Kind entstehen, da es gegen die Gebote Gottes wär.
Sie wird hier verbleiben bis zur Niederkunft.
Über die Suzanna
ist auch entschieden worden:
der Sack und der Fluss. - (Rose schnieft)
Das Urteil wurde gleich vollstreckt.
Sie soll es nicht gut genommen haben.
Und hat ihrem Schinder viel Müh und viel Plag
und sich selbst viel Schmerzen zugefügt.
(Rose schreit)
(Rose schreit)
(Schließgeräusch)
(Pastor) Barmherziger Vater,
im Angesicht des Todes bekenne ich dir meine Sünde und Missetat,
die ich begangen mit Gedanken, Worten und Werken.
Sie sind mir herzlich leid und reuen mich.
Ich bitte dich um des bitteren Leidens und Sterbens deines Sohnes Jesu Christi Willen,
du wolltest mir sündhaftem Menschen gnädig sein und mir mein schandhaft Tun auf ewiglich vergeben,
damit ich würdig bin, einzugehen in dein Haus.
Barmherziger Vater,
im Angesicht des Todes bekenne ich dir meine Sünde und Missetat...
An jeder Ecke verkauft man das.
Allein drei auf dem Weg hierher.
Schreien sich die Hälse wund,
kommen nicht nach, sich die Kreuzer in die Taschen zu stecken.
Das ist es, was man sich von ihr erzählt.
Ist es so gewesen?
(Erzählerin) In den letzten Wochen ihres Lebens hatte sich Rose noch eine Tätigkeit gefunden,
die sie unbedingt zu einem Ende bringen wollte.
Hatten andere über ihr Leben entschieden,
wollte sich Rose ihre Geschichte nicht nehmen lassen,
hatte begonnen, sich selbst zu verfassen.
Für niemand anderes war dies gedacht, rein für sich selbst.
Und an den Punkt ihrer Gegenwart angekommen, schrieb sie sich über diesen noch hinaus,
schenkte sich eine Fantasie, wie es auch hätte gewesen sein können.
Denn Unmöglichkeit, das ist nur ein Wort.
Und Worte konnte man ändern.
Einmal ausgesprochen, sind sie in der Welt,
sind sie Wirklichkeit und haben Wirklichkeit zur Folge.
All das ging Rose durch den Kopf,
während anderenorts darüber gesprochen wurde, Roses Kopf von ihrem Körper abzutrennen.
(Schritte)
(Amtmann) Die Gefangene hat den Wunsch geäußert, ihre Hinrichtung zu proben.
Wir sind übereingekommen, ihr diesen Wunsch zu gewähren.
Und ihr werdet zur Hand gehen.
Und...
eins, zwei, drei, vier, fünf.
Vergib mir, Gott, vergib mir, König,
vergib mir, Volk.
Und eins, zwei, drei.
Vergib mir, Gott, vergib mir, König, vergib mir, Volk.
Und eins, zwei, drei, vier, fünf.
Vergib mir, Gott, vergib mir, König, vergib mir, Volk.
Zum Schafott.
Bekennt sie ihre Schuld?
(leise) Ja.
Dann bezahlt sie mit der Münze ihren Schinder.
Und empfängt als Reinigung ihre Strafe.
(Baby schreit fortlaufend)
(Babyschreie gedämpft)
Halt still.
(Schließgeräusche)
(Tür klappert)
(leise Schritte)
(Amtmann) Da alles seinen Weg gegangen ist, wird morgen Hinrichtung sein.
(gedämpfte Babyschreie)
Will sie das Kind vorher noch einmal sehen? - Nein.
Man kann es ihr aber bringen.
(Rose seufzt)
(Baby schreit fortlaufend)
Es ist nicht, weil ich herzlos bin und hart.
Für das Kindlein ist es.
Nicht nur ich schau ja in sein Gesicht. Es schaut doch auch in meins.
Es soll aber kein Bild haben von mir, damit es mich nicht suchen muss dann später in der Welt.
(Pastor betet auf Latein)
(Erzählerin) Der erste Schlag des Henkers war unglücklich gesetzt
und hackte Rose in die Schulter.
Der zweite saß dann besser.
Nimm hin und iss.
(Erzählerin) Nach ihrem Tod zerteilte man Roses Leichnam, verbrannte ihn
und verstreute die Asche an unbekanntem Ort.
Damit in keinem Gedächtnis sie verbliebe.
Heut hab ich gedacht, wir sind gar nicht von Gott.
Wir haben uns nur ausgedacht und uns erfunden.
Da war ich ganz ruhig und hab gesagt:
Bis hierher bin ich gekommen,
und hab getan, was ich kann.
(♪ sanftes sphärisches Summen fortlaufend)
Untertitel: Way Film GmbH Bearbeitung: Gerrit Haas, Danja Prahl
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