All language subtitles for Waldwinter (1956) -- Wolfgang Liebeneiner

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Original subtitles

Ade, mein Schätzelein, wann kommst du

aber wieder?

Wann kommst du aber wieder,

Herrs allerliebster Wein?

Wenn's schneiet rot...

Adieu, mein Schatz, ich scheine.

Das ist aber eine Überraschung. Ja, Baumann, altes Haus, wie geht's denn?

Gut. Alles in Ordnung? Ja, Gott sei Dank. Der Herr Baron und die Frau

Baronin sind in der Kirche drin.

Es muss gleich zu Ende sein.

Darf ich mir eine Frage erlauben? Ja, was ist denn? Wie steht's denn an der

Front? Noch nicht bald zu Ende?

Ach Mensch, Baumann, zu Ende ist es schon lange.

Es fragt sich nur, wann endlich Schluss sein wird.

Entschuldigung.

Kenny.

Martin, wo kommst du denn her?

Erschreckt bitte nicht, aber ich konnte mich leider nicht anmelden. Wie lange

hast du denn Urlaub? Bis über Neujahr? Nein, nein, ich bin nur auf den

Augenblick heraufgekommen. Wir sind auf der Marsch zwei Kilometer von hier. Wir

müssen sofort hier weg.

Weg? Ja, die Front ist zusammengebrochen.

In drei Tagen ist der Kampfgebiet. Ihr müsst so schnell wie möglich weg.

Martin!

Ich hab's ja gewusst, dass du zu Weihnachten kommst.

Es kratzt aber.

Was habt ihr denn?

Herr Baron, was ist denn?

Müssen wir hier weg?

Ja, Frau Krumm. Ja, aber mein Mann...

Die ist doch noch im Krieg.

Wo sollen wir denn hin?

Geht doch nach Falkenstein im Bayerischen Wald.

Da seid ihr wenigstens sicher.

In dem alten Kasten.

Schrecklich unbequem, die alte Burg.

Ja, aber da habt ihr doch alles, was ihr braucht.

Holz zum Heizen, Wild für die Ernährung.

Schließlich ist es ein Jagdschloss. Sollen wir doch nicht lieber

hierbleiben?

Wer weiß, ob wir Schlesien jemals wiedersehen.

Aber Großmutter, in drei Tagen wird hier gekämpft. Da bleibt kein Haus mehr

stehen. Also Leute, wir müssen weg.

Besser wir tragen es gemeinsam, dann hilft einer dem anderen.

Meine Pferde und Schlitten stehen euch zur Verfügung.

Ich brauche nicht viel mitzunehmen. Aber Decken, Mäntel, Bettzeug, Lebensmittel.

Das ist die Hauptsache.

Morgen früh stellen wir dann im Dorf den Zug zusammen.

Und dann geht's los.

Nach Falkenstein, im Bayerischen Wald.

Ja, aber werden wir denn da alle Platz haben? Eine Beile werden wir uns schon

im Schloss behelfen können.

Tja, also dann.

Musst du schon wieder zurück, Martin?

Ja, leider.

Ach, Marianne, hier, das ist für dich. Und Großmutter, das ist ein bisschen

Kaffee.

Großvater, dein Lebenselixier.

Also, ja, machen wir es kurz.

Wiedersehen.

Du und Marianne, pass mal bitte gut auf die beiden auf, ja?

Also, mach's gut.

Alles Gute, Baumann.

Leben Sie nur gesund, Herr Martin.

Wiederschauen.

So, ab.

Alles Gute.

Der Stern da, am hellen Tag, steht da oben.

Der bringt die Unruhe über die Welt.

Und wandern müssen die Menschen von Ost nach West und von Nord nach Süd. Und

nicht nur bei uns daheim, überall in der Welt.

So, halt doch mal, Lisa.

Ja.

So, guck doch mal, ob es gerade ist.

Höher ein wenig.

Ja? Ja, so. Ist gut? Ist gut.

Warum haust denn das Schild an, Vater? Hier weiß doch auch jedes, wo es

hingeht. Das ist...

dass man sich ein bisserl daheim fühlt. Aber das verstehst du nicht, Liesl. Da

warst du noch zu klein.

Da warst du doch erst zwei Jahre alt, bis es fortging aus Schlesien.

Der Zug.

Der Sternitzke hat doch gesagt, dass er heute die neue Maschine bringt. Für die

Gasshütte oben.

Und wenn die aufgestellt wird, gibt's Freibier und Würstel beim Herrn Baron.

Wo ist meine Tochter?

In der Glanzküste.

Ah, da kommt ja der Sternitzke mit dem Bier.

Da, ladet inzwischen mal das Fass ab, ja?

Inge!

Ja, Vater?

Komm, trage mal den Kopf mit dem Würstchen schon rein.

Ich muss inzwischen im Schloss noch einen Eilbrief abgeben.

Otto, komm raus und hilf mir.

Wo steht denn der Senf? Unter Fahrersitz.

Mach doch schnell, ich bin gleich wieder zurück.

Schnell doch mal den Bock hier rüber.

Hat dein Vater was gesagt, ob der Generator bald kommt?

Nein, aber der Zug ist seit einer halben Stunde durch.

Stell das Pass auf den Bock. Ja, ist gut.

Und die Würste?

Hierher. Hau auf!

Und wenn du noch mal die Inge anfasst? Was dann?

Nun fang nicht schon wieder an, Otto.

Man meint ja gerade, du fühlst dich nicht wohl, wenn wir nicht... Nicht alle

antatschen. Ich wehre mich schon selber, wenn ich will.

Ach, Frau Marianne, bevor ich das vergesse, der Verwalter sagte eben, der

Herr Baron erwartet Sie.

Ja.

Ach, Inge, würdest du das bitte da fertig machen?

Und leg die Bestecke drüben auf, ja? Ich bin gleich wieder zurück.

Das heißt ja, die Idee mit der Glashütte hier.

Die hat sie gehabt.

Fräulein Marianne, er ist ja gar nicht mitgekommen, der Generator.

Ja, habt ihr denn nicht gefragt, ob er beim nächsten Zug drin ist? Die wissen

Sie auch nicht.

Na, dann warten wir erst mal drüben in der Gleisstätte, ja? Ja.

Was gibt's denn, Herr Stengel?

Sternitzka hat einen Eilbrief mitgebracht.

Von der Kreisbank.

Etwas Unangenehmes?

Hier, lies dir das durch.

Da verhandelt man nun wochenlang und plötzlich aus heiterem Himmel.

Die Bank hat den Kredit zurückgezogen. Plötzlich sind die Sicherheiten nicht

mehr ausreichend genug.

Die Rentabilität scheint fraglich.

Bitte, Malte, du weißt, was der Arzt gesagt hat. Henni, ich rege mich ja

nicht auf.

Aber ich habe mich nun mal in diese Geschichte hineingeritten und da muss

ich eben sehen, wie ich wieder herauskomme.

Aber wenn der Generator nun überhaupt nicht kommt, was wird dann aus der

Glashütte? Ohne ihn können wir doch kein Glas machen.

Sagen Sie mal, Stengel.

Können wir den Leuten wenigstens ihren Arbeitslohn auszahlen?

Höchstens, wenn zusätzlich Holz geschlagen wird. Aber da ist ja der Herr

Oberförster dagegen.

Ich weiß, ich weiß, der Gerstenberg ist nicht Ihr Freund. Aber ich kann wirklich

nichts mehr schlagen lassen.

Warte noch mal.

Bormann! Herr Baron?

Wo ist denn mein Kognak?

Dort, Herr Baron.

Woher wussten Sie denn schon wieder, wo ich ihn versteckt habe?

Na, ist ja ganz egal.

Kommen Sie, Stengel, trinken wir einen.

Die hat mein Großvater hier machen lassen.

Das können meine Schlesier auch.

Dafür müsste man eigentlich in der ganzen Welt Abnehmer finden.

Vielleicht überlegen Sie sich doch noch einmal den Vorschlag, den ich Ihnen

neulich gemacht habe.

An den Hotelbesitzer verkaufen?

Bitte, Onkel Malte.

Falkenstein hat sich bisher gehalten und wir werden es auch weiterhalten. Ohne

die Glashütte?

In erster Linie bin ich meinen Leuten gegenüber verantwortlich. Meinst du, der

neue Besitzer lässt die Leute weiterhin kostenlos wohnen? Und schenkt ihnen den

Quarzsand, damit sie ihr Glas machen können?

Und das Holz zum Schnitzen und... Da ist es ja nicht so weit.

Vielleicht sollten wir überhaupt mit Martin mal über die Sache sprechen.

Schließlich ist er der Erbe.

Martin?

Der geht aus Paris nicht mehr weg.

Du kommst mir schon alle, ich hab dir noch gar nicht gewartet.

Sag mal, hast du ein neues Parfum?

Ja, manchmal ich muss, wie sagt man, wegsehlen, so wie Simon, ja.

Aber Martin, komm, setz dich.

Ich mach allein, das geht schnell leer.

Nein, nein, Simon, ich habe da gerade ein Telegramm bekommen.

Ein Telegramm? Ja.

Natürlich, ein Telegramm, eine Neuarbeit. Und nichts, Reiser, du bist

ja verrückt.

Die Deutschen alle verrückt mit ihrer Arbeit.

Immer arbeiten, immer arbeiten.

Was du hast von dem Geld, wenn du nichts willst geben?

Ich habe mich gefreut auf die Reise nach Egypt.

Aber nein, eine neue Arbeit.

Solange du Geld arbeitest, bist du dort.

Bitte, Cherie, die Mädels. Aber die Mädchen, die verstehen kein Deutsch.

Darum ich spreche Deutsch.

Und wenn sie verstehen, sie werden sagen, diese verrückte Deutsch mit ihrer

Arbeit. Aber Cherie, jetzt hör mir doch mal zu. Hier, lies doch. Mein Großvater

telegrafiert mir. Ma grand-mère.

Ta grand-mère?

Er ist krank?

Nein, nein, ich weiß auch nicht, was da los ist. Hier, schau, sie telegrafieren

mir, dass sie mich dringend brauchen.

Tja, was ist, Simon?

Fahren wir trotzdem nach Ägypten?

Ägypten? Der Grand-Mère ist krank, du gehst zu den Sphinx. Nein, nein, Chérie,

sofort gehen zu Grand-Mère, Grand-Père und ich warte hier.

Wie gefällt dir diese Bibli, Chérie?

Na, einfach zauberhaft.

Ich habe mir gedacht, wie die alte Sphinx.

Jetzt nimm ihn mit für die alte Grand-Mère. Sie wird fühlen 20 Jahre

jünger mit dir auf die Kopf.

Und 20 Jahre älter, wenn sie ihn wieder abnimmt, was? Ich nehme meinen Wagen,

dann bin ich in fünf Tagen wieder zurück.

Ich fahre morgen früh.

Ich erkenne. Nein. Ich bin doch die Inge.

Sternitzke Inge.

Das hier ist unser Kretscham.

Unser Gasthaus.

Ist das denn die Möglichkeit, die Inge?

Damals ein Kürbiskopf mit abstehender Rattenschwänze und heute?

Ich hätte nicht gedacht, dass so etwas Hübsches dabei rauskommt. Finden Sie das

wirklich? Na ja, klar.

Das muss ich Vater erzählen. Der sagt nämlich immer, ich wäre ein Bügelbrett

auf zwei Stecken.

Vater! Na ja, und wo bleibt mein Benzin?

Der Herr Martin ist da.

Herr Oberförster, der Martin ist da. Wer, der Martin?

Draußen, ein Pfundswagen. Und elegant schaut er aus. Dann doch nichts mehr

rein.

Los,

Franz, raus und hack den Wagen auf.

Einen Begrüßungsschluck müssten wir mit uns trinken, he?

Sternitzke! Ja?

Schau, wie ich dich da mit reingebracht hab!

Drei Stoßdorfer, verstehst du, auch doppelte. Nee, über ihn haben wir auch.

Da werden sich die Herrschaften aber freuen. Wie geht's denn immer? Na, wie

soll's denn gehen? Am liebsten gut.

Echter Stoßdorfer? Naja, so gut wie zu Hause schmeckt er nicht, aber der Mensch

freut sich.

Also, auf eine glückliche Heimkehr.

Danke. Der Herr Martin kommt aus Paris.

Leben Sie immer da?

Sie müssen mir unbedingt von den Modesalons erzählen.

Warten Sie, ich begleite Sie zum Schloss. Ich muss sowieso zur

Verwaltung.

Du bleibst hier.

Was? Der hat von Paris den Weg allein hierher gefunden. Jetzt braucht er für

das letzte Stückchen auch keine Begleiter mehr. Mach mich doch los, du

Laps. Ich hab's doch Frau Stengel versprochen.

Marianne? Martin.

Marianne.

Komm rein, dir ist ja kalt.

Donnerwetter, siehst du hübsch aus.

Du bist ja eine richtige Dame geworden.

So, man kann überhaupt noch du sagen.

Martin.

Der Herr Martin hat mich mitgenommen.

Tach mal, Janne. Ich musste sowieso zu Frau Stengel. Ich habe ihr die

Motenhefte versprochen.

Großvater. Martin.

Ja,

Baumann, wie geht's denn?

Weg doch mal.

Armand, hol deine Koffer. Ist alles offen?

Ja, alles offen. Der Schüssel steckt, ja?

Nee, so eine Freude.

Bald hätte mich der Schlag getroffen, wie es Telefon gegangen ist.

Habt ihr denn mein Telegramm nicht bekommen?

Das schon, nur bei dir weiß man doch nie.

Komm, wir haben dir das blaue Zimmer gegeben.

Das kennst du doch noch von damals.

Aber natürlich, da durfte ich noch einen Auerhahn schießen. Das war, als ich mein

Abitur machte, ein Jahr vor dem Krieg, stimmt's? Ja, diesmal wird's wohl ein

Hirsch sein.

Apropos, du kennst doch den Gerstenberg.

Aber ja, doch, den hab ich unten im Kretscham getroffen.

Wer sagt Kretscham?

Wie die Schlesier.

Herr Gerstenbecker hat einen kapitalen Zwölfänder für dich ausgemacht.

Na, verdient hast du sie ja nicht, du lause Junge, wo du uns so vernachlässigt

hast. Tja, das ist reizend von dir, aber ich fürchte, so lange werde ich nicht

bleiben können.

Ja, das kommt doch gar nicht in Frage.

Zehn Jahre hast du dich nicht bei uns blicken lassen.

Darf ich meine Aufmacht so machen, Herr Warhol? Das ist Herr Stengel.

Unsere Verwalter. Na, kennst du ja. Natürlich, sehr erfreut.

Ich höre gerade, Sie können nicht lange bleiben. Das werden die Herrschaften

sehr bedauern. So leicht lassen wir ihn hier nicht.

Lass mir, Tandeni.

Martin hat es noch nie länger als ein paar Tage an einem Blick ausgehalten.

Warum sollte er diesmal eine Ausnahme machen?

Was macht er denn so für einen Eindruck, dieser Martin?

Ich meine, wie ist er denn so im Wesen?

Will er hierbleiben?

Ach, davon haben wir eigentlich gar nicht gesprochen.

Jedenfalls ist der wahnsinnig schick.

Nun, was ist?

Na, Engel?

Alles in Ordnung.

Hast du mit ihm gesprochen?

Macht einen ganz patenten Eindruck, der Junge. Du meinst also, diese Glashütte

wäre rentabel? Natürlich.

Wir haben den Quarzsand direkt vor der Tür. Dazu Bleioxid, Kaltlager.

Die Leute sind nicht nur fleißig, sie verstehen ihr Fach.

Also wenn du so optimistisch bist, dann begreife ich wirklich nicht, dass du dir

solche Sorgen machst.

Das ist ein Optimismus, das sind ja seine Sorgen.

Und wenn du dir einen Teilhaber suchst? Ja, habe ich bereits.

Einen Lastenausgleich.

Möchtest du nicht etwas Schärferes, ja?

Also zur Anregung. Aber natürlich gern, danke.

Zum Zweifel, wo ist denn der schon wieder?

Der Herr Baron haben Sie diesmal da versteckt.

Ich möchte wissen, wozu.

Der Arzt hat ihm das Trinken ausdrücklich verboten. Außer bei

besonderen Gelegenheiten, Frau Baronin. Ach, und wann sind die? Wenn ich Durst

habe. So, na dann Prost. Vielleicht ging es, wenn wir die Schulden los wären, für

den Schmelzofen. Der war auch schon sehr teuer.

Und wenn der Betrieb erstmal läuft.

Und womit wollte die Anlaufzeit überbrücken?

Na ja, du hast doch selbst gesagt, dass es gut kaum etwas abwirft. Als wir noch

in Schlesien waren, war es ein reiner Zuschussbetrieb.

Nur für die Jagd. Na, jetzt ist es ein klein wenig besser.

Aber nur, weil wir Holz schlagen.

Entschuldige, bitte.

Dann verstehe ich wirklich nicht, dass du diese Glashütte wieder aufgebaut

hast. Ihr zwei solltet in einer hübschen Dreieinhalb-Zimmer-Wohnung sitzen.

Irgendwo in München und ab und zu ins Kino gehen oder in die Oper. Was sagst

du dazu?

Das habe ich mir genau so gedacht. Das habe ich mir jetzt vorgestellt.

Dir wäre es also egal, wenn Falkenstein verkauft wird?

Verzeihung, aber das habe ich nicht gesagt. Aber ich sehe nicht recht, wie

man das vermeiden könnte.

Ja, vielleicht hast du recht.

Vielleicht gehöre ich schon zum alten Eisen.

Aber hier handelt es sich nicht allein um mich und um deine Großmutter.

Ich habe die Leute aus Schlesien herübergebracht. Und ich muss ihnen

helfen, sich eine Existenz aufzubauen. Die sitzen hier auf meinem Grund und

Boden und vertrauen auf mein Wort.

Was soll wehren?

wenn ich die im Stich lasse. Aber Großvater, wenn es wirklich so gute

Facharbeiter sind, dann nimmt sie doch die Industrie mit Kusshand.

Und ihre Frauen und ihre Kinder, die verlieren dann ein zweites Mal ihre

Heimat. Ihre Heimat ist im Osten.

Wo sie jetzt ihr Geld verdienen, das kann ihnen doch ziemlich gleichgültig

sein. So, so, das sagst du. Ja.

Ich glaube, du kannst dich da nicht ganz hineinfühlen, Martin.

Jeder von Ihnen hat doch ein Stückchen Heimat mit hergebracht. Der Bayerische

Wald und das Riesengebirge sind sich so ähnlich.

Da fühlt sich schon jeder fast zu Hause.

Naja, das mag ja alles sein, aber schließlich sitzt ihr nicht mehr auf

euren großen Gütern in Schlesien, sondern habt hier eure eigenen Sorgen.

Nein, nein, nein, nein, nein, nein, irgendwo da, da hört jede Verantwortung

auf. Ich weiß nicht.

Die Zeiten werden sich geändert haben, aber die Moral?

Bei mir kann ich jedenfalls keine Veränderung feststellen.

Lass nur Onkel Malte.

Es hat keinen Zweck.

Ihr beide redet eben verschiedene Sprachen.

Tja, ihr wolltet meinen geschäftlichen Rat hören.

So war es doch wohl.

Und der hat mit Gefühl nichts zu tun, nicht wahr?

Und vor allem nichts mit so überholten Begriffen wie Heimat, Pflicht und

Verantwortung.

Marianne, Kind.

Ich weiß.

Ich habe kein Recht so zu reden.

Ich bin ja nicht mal mit euch verwandt. Aber schließlich bin ich jetzt 15 Jahre

bei euch und das bedeutet doch etwas.

Oder findest du nicht?

Rede doch keine Dummheiten, Marianne.

Du weißt, was du uns bist.

Auch wenn dein Vater nicht mein Freund gewesen wäre.

Komm.

Prost.

Prost.

Prost.

Na ja, ich sehe schon, ich bin in der Minderheit. Also, begraben wir unser

Kriegsbeil bis morgen, bis ich ein wenig mehr hier reingrochen habe.

Die Kühe sind natürlich nur für unseren Eigenbedarf. Ja, was wir nicht brauchen,

liefern wir in den Kindergarten. Ach so, das dann ist doch Friederike.

Wie geht das noch?

Friederike.

Weißt du noch, wie es uns damals durchgegangen ist?

Also an ein paar Dinge erinnerst du dich doch noch?

An vieles sogar.

Warum? Weil ich den Eindruck hatte, dich interessiert herzlich wenig hier.

Eine ganze Menge sogar.

Deine Kratzbürstigkeit zum Beispiel.

Marianne, sag mal, wo ist denn der Stecken?

Der wartet drüben an der Glashütte.

Vielleicht könnte man da eine Liegeterrasse draus machen, wenn man die

Wand da wegreißt.

Das wird Garage.

In so einem Schlosshotel, da kommen die Leute alle mit dem Wagen.

Bisschen auf Zuwachs berechnet, wie?

Was habt ihr eigentlich hier für Produktionsziffern zugrunde gelegt?

Na,

eigentlich gar keine.

Das heißt... Schließlich ist Glasblasen ein Handwerk.

Da kann man doch keine Norm aufstellen.

Ich frage auch nur, weil ihr ziemlich weit von der Bahn weggebaut habt.

Leider stand das Schloss schon, als es noch keine Bahn gab.

Marianne, Marianne, Sternitzke wollte den Transport übernehmen, unter sehr

günstigen Bedingungen.

Und wie habt ihr den Absatz organisiert?

Wie steht es mit den Lieferverträgen?

Bisher haben wir noch gar nicht mit dem Produzieren begonnen.

Aber Kindchen, darauf kommt es doch an.

Womöglich produziert ihr Artikel, die überhaupt gar nicht gehen.

Ja, ich habe ja immer gewarnt, Herr Martin, das können Sie mir glauben,

aber... Der alte Seifert ist ein richtiger Künstler. Das sagen selbst

Kenner. Seine Rubingläser zum Beispiel... Oh, Marianne, ihr könnt doch

nicht nur für ein paar Dutzend Sammler produzieren. Das widerspricht doch jedem

gesunden Geschäftsprinzip.

Aber für manchen Geschäftsmann wäre es besser, er würde seine Prinzipien

vergessen und dafür das Richtige tun.

Marianne! Ja, so bleib doch!

Marianne!

Ich glaube, es wäre besser gewesen, wir hätten Martin erst gar nicht kommen

lassen. Jetzt hat dieser Stengel auch noch einen Verbündeten.

Und der Betrieb hier ließe sich nicht in Schwung bringen, wenn man, sagen wir

mal, wenn man den ganzen Wald abholzen würde.

Ja, geschäftlich das einzig Richtige, aber der Herr Oberförster, der würde ja

lieber Bankrott machen, als seinen heiligen Wald zu opfern. Wie? Als ob die

Bäume mehr wert wären als die Menschen.

Zum Donnerwetter nochmal, wer bestimmt denn hier? Der olle Rübezahler oder mein

Großvater? Ja, Ihr Herr Großvater würde das Abholzen der Bäume für Betrug

halten, weil auf dem Walde eine hohe Hypothek liegt, die im nächsten Sommer

zurückgezahlt werden müsste.

Ach so.

Und dann sollte diese Glashütte hier der Rettungsanker für das unrentable Waldgut

sein? Das ist ja nicht zu fast.

Das ist ja genau wie bei Münchhausen, der sich am eigenen Zopf aus dem Sumpf

herausziehen will.

Gewissermaßen, aber sehen Sie, Ihr Herr Großvater will sich eben nur ungern an

die neuen Verhältnisse gewöhnen.

Sehen Sie, Herr Martin, in Schlesien, da hat Ihr Herr Großvater aus dem Vollen

schöpfen können und hat es nicht nötig gehabt, aufs Geschäft zu sehen.

Für mich ist es besonders schwer, den Herrn Baron zu belehren, weil Frau

Delmariane, wie soll ich sagen, alles so durch die Gefühlsbrille sieht.

Und wie stellen Sie sich die Lösung des Problems vor, Herr Stengel?

Tja, ich weiß nicht, ob ich dem Herrn Baron da schon vorgreifen darf.

Oder hat er es Ihnen schon selbst gesagt?

Nein, was denn? Tja, ein Hotelbesitzer...

Will Schloss und Gut mit allen Lasten übernehmen und wahre 80.000 D-Mark

zuzahlen. Ist doch wohl nicht möglich.

Übernahme aller Passiven nur nach 80.000 Bar auf den Tisch und dann sagt mein

Großvater nein?

Na, da muss ich doch gleich mal.

Danke, Stengel. Mahlzeit.

Ist Großvater nicht hier?

Nein.

Hör mal zu, Marianne.

Du tust ja genauso, als wenn ich dich persönlich beleidigen wollte.

Ich rede doch rein sachlich.

Und vor lauter Sachlichkeit vergisst du ganz, dass es sich nicht bloß um einen

Schmelzofen handelt und um ein paar Maschinen, sondern um lebendige

Menschen. Moment mal.

Also wenn es irgendwie geht, komme mir bloß nicht wieder mit der Verantwortung,

ja?

Ich habe im Krieg oft genug meinen Kopf für andere Leute hingehalten. Diana etwa

nicht?

Wenn du schon kein Gefühl hier für uns alle hast, so denk doch wenigstens an

Tante Henny und an Onkel Malte. Na, tu ich das denn nicht? Schau mal, wenn sie

diese Klitsche hier verkaufen. Menschenskind, Marianne, 80.000 Mark.

Davon können sie doch gut leben.

Ohne diesen Wust von Sorgen. So kann nur jemand reden, der jede Beziehung

verloren hat.

Jetzt hör mal zu, Kleines.

Lass mich doch los.

Du hast mir genug gesagt. Jetzt bin ich dran.

Du weißt genau, ich wollte Chirurg werden.

Stattdessen wurde ich Panzersoldat. Auch ein Beruf, nicht wahr?

Und jetzt mache ich Geschäfte in aller Welt. Und wenn ich dabei nicht sehr

scharf aufpasse, dann zieht man mir die Hosen aus.

Du glaubst denn vielleicht, dass ich danach noch sehr für Moralpredigten

empfänglich bin?

Nein. Aber trotzdem willst du dich sehr gern bedauern lassen.

Von mir aus verdiene doch dein Geld wie und wo du willst.

Aber lass uns doch zufrieden. Das werde ich auch.

Schließlich habt ihr mich hergeholt und ich nicht euch.

Ich will nicht, dass du kaltschnäusig zerstörst, was wir uns mühsam in zehn

Jahren aufgebaut haben.

Ach nö.

Was habt ihr denn schon aufgebaut?

Den Kram da?

Das wackelt doch alles.

Was wir uns aufgebaut haben?

Eine neue Heimat, du Trottel, du.

Und wenn du das nicht kapierst, dann kannst du mir gestohlen bleiben.

Marianne!

Bist du das?

Ja. Ach, bitte komm doch mal runter.

Ja, grüß Gott, Frau Marianne.

Tag, Herr Gerstenberg.

Na, und der Herr Martin, der kommt doch bestimmt auch mit, hm?

Ja, vielleicht.

Marianne, ist Martin oben?

Ja. Na, auch bitte erholen doch mal, ja?

Ja, ich fürchte, er wird bloß keine Zeit haben.

Er will doch morgen oder immermorgen schon wieder zurück.

Martin, sollst mal runterkommen.

Weißt du, wo er gerade erst gekommen ist?

Ohne seinen Hirschen.

So was gibt's da gar nicht. Komm doch mal her, komm doch mal her.

Ja, ich hab's gerade Herrn Baron erzählt.

Das Rotwild hat sich vom Berg runtergezogen zu den Futterblässen. Es

ist ja sehr früh in diesem Jahr.

Ich komme morgen oder übermorgen mal runter, ja?

Aber ich dachte, Sie kommen mit, Sie und Herr Martin.

Sind noch ein paar kapitale Burschen dabei.

Heute gibt's doch wirklich nicht, Herr Gerstberg.

Ich hab noch zu tun.

So.

Na, aber Sie, Herr Martin, das täte Ihnen bestimmt gut nach all der Pariser

Luft.

Ein paar Skier können Sie von mir haben.

Ja, ich weiß nicht, eigentlich bin ich auf solche Expeditionen nicht

eingerichtet. Keine Ausflüchte.

Wenn du schon für den Verkauf bist, dann sieh dir Falkenstein doch wenigstens

noch mal an. Damit du eine Erinnerung hast.

Na komm, zieh dich um. Ich helf dir was passendes finden.

Was war das?

Herr Baron?

Was hat die neue Frau grad gesagt?

Falkenstein verkaufen?

Kommen Sie, Gepfenmack.

Wir trinken einen.

Offiziell haben Sie nichts gehört.

Haben Sie noch Zeit?

Dann zeige ich Ihnen mal Ihren Wald.

Da werden Sie staunen.

Bäume 50 Meter hoch.

Es gibt Schnee. Die Wolken gefallen mir gar nicht.

Sagen Sie, wie hoch ist der Baum eigentlich?

Ja, das ist so ein Baum.

50, 60 Meter, ne?

Donnerwetter, Gerstenberg.

Sie werden es nicht für möglich halten, aber der Baum ist noch dicker als Sie.

Dafür ist er auch 400 Jahre älter.

So, und wo geht es jetzt hin?

Na weiter, gehen wir, gehen wir.

Warum ist das denn hier so kahl?

Das ist ja wie abgeschnitten.

Gehört das auch noch zu uns?

Jawohl, das ist schon von diesem Lumpenkerl geschlagen worden, von diesem

Herrn Stengel.

Aber vor meiner Zeit.

Aber Sie sind ja wohl auch fürs Abholzen.

Aber wenn ich nicht in Gefangenschaft gewesen wäre, dann wäre das nicht

passiert.

Ach, hier bist du. Ja, das ist gut, dass die Wäsche entkriegt.

Du weinst?

Nein.

Ich bin so enttäuscht. Von Martin?

Aber Kettchen, was hattest du denn erwartet?

Dass er uns hilft, dass er uns versteht.

Vielleicht hat er das auch von uns erwartet, dass wir ihn verstehen.

Sieh mal, er war auf dem Krieg.

Und dann hat er seine Eltern verloren, genauso wie du.

Dann wurde er belogen und betrogen, wie wir alle.

Dann war er gefangen.

Dann wollte er uns nicht zur Last fallen.

Und dann hat er Freunde gewonnen in Frankreich.

Das spricht alles für ihn.

Und dann ist er natürlich hart geworden.

Wie sollte er auch sein Leben durchstehen ohne Familie, ohne Heimat?

Mir tut er leid.

Er weiß doch gar nicht, was das ist, Heimat.

Zu Hause sein.

Mein erstes Schaukelpferd gemacht.

Wir sind wohl an der Zeit.

Die Marianne alleine, die schafft's nicht mehr.

Ja, und was der Herr Baron ist, der ist ja nun wohl auch schon hoch in die 70.

Na ja, aber da ist doch immer noch der Verwalter da.

Der Stengel? Na ja.

Da könnte man viel sprechen, wenn man sprechen wollte.

Wollen Sie einen Teller mitessen? Wir haben heute was Besonderes.

Echte Saatkrähen.

Sogar für jeden eine.

Nein, nein, danke schön.

Wir haben schon gegessen.

Na, ich wollte nur Bescheid sagen.

Hinten am Dordelberg, da habe ich noch einen Stamm Lindenholz liegen.

Und wenn er das abholt, dann schaut's mal bei mir mit rein.

Vielleicht habe ich... ...einen Hasen. Einen Hasen! Der Förster schenkt uns

einen Hasen.

Mutti, machst du mir die Ohren klappen davon?

Ach, Ohren klappen, Handschuhe.

Armer Hase.

Vergelt's Gott, Oberfürst. Und vielen Dank auch, Herr Martin.

Da gibt's doch gar nichts zu danken.

Schon gar nicht bei mir.

Aber wo Sie doch jetzt den Besitz übernehmen werden.

Zuerst, ja, da hat man wohl ein bisschen Angst, ob sich viel ändern würde.

Aber nur... Nur?

Nur bleibt's beim Alten.

Guten Abend.

Guten Abend, Ehe. Guten Abend, Herr Martin.

Wie war's denn heute im Wald? Wunderbar war's.

Nur... Sie haben mir dabei gefehlt.

Was hörst du denn auf zu spielen?

Sei nicht so albern, sonst werde ich richtig wütend.

Abend, Herr Stengel.

Abend,

Herr Netzke.

Ich krieg ein helles.

Schafen dazu?

Ist kalt draußen.

Na, besonders oben am Berg bei den Kahlschlägen, da pfeift der Wind ganz

schön. Ah, da hat Ihnen der Herr Oberförster wohl sein Leid geklagt.

Naja, die Bäume sind aber auch wirklich einmalig. Ich hab gar nicht gewusst,

dass sowas in Deutschland gibt.

Im Urwald? Da bin ich nie oben gewesen.

60 Meter dann.

So ein Stamm, der ist etwa 1000 Mark wert.

Was, tatsächlich?

Ja.

Da stecken ja viel größere Werte im Wald, als ich mir jemals vorgestellt

habe. Wie viel Morgen haben wir noch davon?

Von dem Urwald?

Ja, da können wir doch was abholzen, ohne die Hypothek zu verletzen.

Ich möchte morgen mal die Bücher sehen. Entschuldigen Sie, aber ohne Bücher kann

ich mir doch kein klares Bild machen. Die Bücher, ja.

Das ist so blöd. Die sind gerade auf dem Finanzamt und die wieder zurück sind.

So lange können sie ja gar nicht bleiben.

Das ist aber zu wichtig.

Aus den Büchern können Sie auch gar nichts so sehen. Das waren ja Ermark

-Zeiten, nicht wahr? Und ganz andere Verhältnisse.

Wie viele haben Sie damals eingeschlagen?

Oh, 4000 Festmeter ungefähr.

Aber die müssen doch ein enormes Geld gebracht haben. Naja, Ermark.

Davon haben wir damals kaum die Dachziegel kaufen können fürs Schloss.

Wissen Sie, was ein Ziegel gekostet hat damals auf dem Schwarzmarkt?

Aber das haben Sie natürlich nicht miterlebt. Ne, ne, da war ich in

Gefangenschaft.

Aber die Geschäfte hier, die waren wohl damals etwas undurchsichtig, wie?

Wie meinen Sie das?

Nichts.

Was meinen Sie denn?

Ich meine, dass der Herr Oberförster mal wieder gestänkert hat, wie?

Guten Abend.

Guten Abend.

Sagen Sie, Stenitzke, wo ist eigentlich das Finanzamt in der Stadt?

Am Markt, gleich neben der Kirche. Und die Kreisbank?

Gleich gegenüber.

Fahren Sie morgen in die Stadt?

Ja, morgen früh. Soll ich Ihnen was mitbringen?

Was ist denn los?

Ach, es ist so saukalt, dass ich die Kühler-Jalousie heruntermachen muss.

Schade, dass wir schon gleich da sind.

So hätte ich mit Ihnen um die ganze Welt fahren können.

Was wird der Hartwig dazu sagen? Ach, der Hartwig.

Der hat mich mal aus der Elbe gezogen, damals auf der Flucht, als meine Mutter

ertrunken ist.

Und seitdem betrachtet er mich als sein Privateigentum.

Ach, und das haben Sie gar nicht gern, was?

Nein. Schließlich möchte doch jeder mal lustig sein und sich amüsieren.

Aber ich bei meinem Pech.

Pech? Wieso?

Ein hübsches Mädel wie Sie?

Na ja.

Aber Sie fahren doch morgen oder übermorgen wieder weg.

Ach so.

Das hängt ganz von meinem Besuch bei der Kreisbank und beim Finanzamt ab.

Wenn ich die Sache nicht in Ordnung bekomme, dann weiß ich gar nicht mehr,

wie ich Marianne unter die Augen treten soll.

Zur Glashütte will ich übrigens auch.

Kennen Sie dort jemanden? Ja, kenne ich. Den Pollinger. Der hat seine Mutter in

Falkenstein. Er ist dort Betriebsleiter.

Reden Sie mal hier.

Ja, grüß Gott, Herr Martin, wo kommt Sie denn her?

Was denn, Herr Ettrich?

Wieso haben Sie mich denn wiedererkannt?

Ich habe gehört, Sie wollen eine neue Hütte aufmachen?

Dann wollen Sie wohl lieber nach Falkenstein wechseln, was?

Na ja, er ist ein Künstler, Herr Ettrich. Den können wir hier gar nicht

richtig ausnutzen.

Sie machen mehr Massenartikel, nicht wahr?

Mhm, für den Export.

Vorsicht, Fräulein Inge, das kostet so viel Bier, wie in den Ballon da

reingeht.

Alte Glasbläser sind das.

Feste, Inge, feste!

Das Bier zahle ich.

Zwölf Liter.

Fünfzehn Liter.

Fünfzehn Liter.

Vierundzwanzig Liter. Vierundzwanzig Liter.

Vierundzwanzig Liter.

Ich kann nicht mehr.

Sie meinen also, eine neue Glashütte würde sich rentieren?

Wir arbeiten schon in drei Schichten und kommen nicht nah.

Ja, dann begreife ich nicht, warum die Bank meinem Großvater den Kredit

verweigert hat. Na ja, nach dem, was ich so gehört habe.

Ja, was denn? Die Bank hat wohl eine sehr schlechte Auskunft bekommen über

die finanziellen Verhältnisse. Na, hören Sie mal, der riesige Baumbestand,

Quarzlager, Gleioxyd und, äh, von wem stammt eigentlich die Auskunft?

Von Ihrem Verwalter natürlich, diesem Dingsda.

Stengel? Der müsste es eigentlich wissen. Der ist bei der Bank sehr gut

angeschrieben. Der Herr Stengel.

Der Kerl wird mir langsam unheimlich.

Gut, dass du kommst.

Stengel hat uns eben das Angebot von dem Grundstückmakler gebracht.

Der Mann schreibt, ich muss mich heute entscheiden, sonst springt sein

Interessent ab.

Na und, was willst du machen?

Ich weiß nicht.

Ich weiß es wahrhaftig nicht.

Stengel sagt auch, er bringt das Geld für die Hypothekenzinsen nicht zusammen.

Wo steckt denn Martin?

Martin?

Wenn es nach dem geht.

Der ist in der Stadt.

Und damit er sich nicht zu sehr langweilt, hat er sich die kleine

Stanicki mitgenommen.

Sag mal, vor wem versteckst du die Kornjagdflasche eigentlich immer?

Vor mir.

Marianne, hast du dich etwa an den Burschen verliebt?

Verliebt?

Der ist mir so egal wie noch was.

Du glaubst gar nicht, wie gleichgültig er immer ist.

Naja, das glaube ich allerdings wirklich nicht.

Hoffentlich wird Ihnen nichts schlecht.

Sagen Sie, wo stopfen Sie das bloß alles hin?

Bei uns gibt es sowas nie.

Nie! Und trotzdem finde ich es in Eurem Kretscharm viel netter.

Pff, das hier.

Das sehe ich doch gar nicht.

Also nur sagen Sie bloß, Sie sehen nur mich.

In welcher Illustrierten haben Sie das bloß aufgeschnappt?

Sie halten mich wohl für eine richtige Landpomeranze. Nein, nein, Sie sind eine

süße kleine Krabbe.

Aber Sie könnten sich trotzdem etwas mehr beeilen. Ich bin nämlich um halb

sieben mit dem Bankdirektor verabredet.

Na ja, ich bin ja nicht nur zu meinem Vergnügen.

Ich weiß schon.

Wegen Marianne.

Wie kommen Sie denn darauf?

Das haben Sie mir doch selber erzählt.

Wie?

Lieben Sie sie eigentlich sehr?

Marianne?

Jetzt wird er ganz rot.

Schade. Jetzt habe ich mich ganz nutzlos in sie verliebt.

Da kannst

du lange auf die Uhr schauen.

Die Inge.

Die kommt heut Nacht nimmer heim.

Je länger die Heimfahrt, umso früher die Kindstaufe.

Otto, sauf nicht so viel.

Stimmt ja gar nicht. Stimmt ja gar nicht.

Es war ja so, Judas hat den Herrn verraten, weil er gemeint hat, Jesus

muss König sein, auch auf Erden.

Aber das Reich Gottes kann nun mal nicht von dieser Welt sein.

Genauso wenig wie die ewige Seligkeit.

Das können Sie mir gleich einmal erklären, Herr Pastor.

Das wollte ich Sie schon lange fragen.

Warum kann die ewige Seligkeit nicht gleich heute anfangen? Gleich heute und

hier? Weil dann alle gleich wären, du Lärge.

Und das passt den großen Herrschaften nicht.

Sei still, Otto.

Du redest doch bloß, weil du die Wut hast.

Dabei hat Herr Martin mit mir gesprochen. Herr Martin!

Der ist doch bloß hierher gekommen, damit er den ganzen Rotz hier verkaufen

kann. Was, verkaufen will er? Ja.

Ja, was wird denn aus uns?

Lass den doch gleich. Hauptsache, dass Sie das Geld einstecken können, der Herr

Martin und der Herr Baron.

Du lass den Herrn Baron in Ruhe, verstehst?

Der tut genug für uns.

Klar, der zahlt dir die paar Kröten, damit du die Leute hier richtig

schikanieren kannst.

Jetzt aber raus.

So bist du mit mir nicht fertig, du.

So nicht.

Ja, wie haben wir es denn, hä?

So jetzt, hä?

Die Pistole hat er auch, das weiß ich. Dieser Lumpenhund. Um Gottes Willen,

Otto, was ist denn passiert?

Das stimmt, das stimmt. Der treibt sich immer im Wald herum. Da hat er doch gar

nichts zu suchen. Das Messer hat er gezogen, der Kreisliche, uh, der

Kreisliche. Ihren Großvater hat er beleidigt. Und Sie auch.

Lass dich ja nicht mehr draußen, weil es ist ein Knalltsch.

Ist er nicht schrecklich?

Jetzt hat er mir doch den ganzen Abend verdorben.

Na ja, dann gute Nacht zusammen.

Gute Nacht.

Gute Nacht von der Inge.

Dankeschön.

Jetzt kommt er erst zurück.

Ich will doch wissen, was er so lange in der Stadt gemacht hat.

Er hatte ja die kleine Sternitzke mit.

Ach, die kleine Sternitzke.

Ich kann doch schon denken, wo er war.

Ich will doch wissen, wie viel er hier noch herausschlagen kann.

Aber die Bücher bleiben in deinem Wäscheschrank, verstehst du?

Und wenn er mit der Polizei anrückt.

Polizei? Bist du verrückt? Wo du jetzt so lange gearbeitet hast, soll alles

umsonst gewesen sein?

Er muss ja wieder nach Paris zurück.

Übermorgen ist er wieder weg. Warum hast du bloß nicht zugegriffen?

Immer hab ich dir gesagt, seit Jahren könnte das Schloss hier uns gehören.

Aber du traust dich ja nicht, du Waschlappen.

Frieda, was haben wir davon, wenn das alles herauskommt? Was haben wir davon,

wenn wir hier versauern?

Tag und Nacht sitze ich vor dem Spiegel.

Wer wollte denn, dass ich immer gut aussehe? Du, nur du.

Für wen nicht denn meine Kleider?

Für die Schweine, für die Hühner oder für die Mistbauern da unten und ihre

Rotzgören?

Eins will ich dir sagen.

Das wird hier unser Hotel.

Guten Morgen.

Herrliches Wetter zum Schlittenfahren, wie?

Wo soll's denn hingehen?

Ich mache nur rasch einen Krankenbesuch.

Böse? Warum?

Ich möchte gern allein sein. Das ist aber schade, ich hätte dir so viel zu

erzählen. Ich war gestern in der Stadt.

Ich weiß, aber du bist mir keine Rechenschaft schuldig.

Deine Eskapaden sind mir völlig gleichgültig.

Wie viel dicke? Nicht so eilig.

Herr Stengel, guten Morgen.

Guten Morgen.

Sagen Sie, ich war da gestern Abend Finanzamt. Da weiß kein Mensch was von

den Büchern. Wie erklären Sie sich das?

Ja, die sind ja schon zurückgekommen. Ein Teil wenigstens. Meine Frau hat es

mir nur vergessen zu sagen.

Und wo ist der andere Teil?

Der liegt noch auf dem Landesfinanzamt in Nürnberg.

Na, dann werde ich mir den hiesigen Teil heute Nachmittag mal ansehen. Hier Sie,

Herr Stengel.

Du sagst ja gar nichts.

Du, Martin.

Ist das wahr?

Was denn?

Dass du auf dem Finanzamt warst. Ja, auf der Bank war ich auch.

Und in der Glashütte ebenfalls.

Na, was sagst du nun?

Also, Martin, du, das finde ich... Vorsicht!

Nein!

Doch!

Du glaubst wohl, du hast Inge vor dir, hm? Na ja, na.

Du bist ja eifersüchtig. Du bist ja großartig.

So, jetzt haben wir's.

Jetzt ist die Deichsel abgebrochen. Das macht doch nichts, dann gehen wir eben

zu Fuß.

Ach, sagen Sie bitte, wie heißt denn der? Huber.

Ach, entschuldigen Sie bitte, Herr Huber. Verstehen Sie etwas vom Pferden?

Ja, ich war in den Graben hineingefahren.

So, na.

Na ja, und scheren Sie doch bitte das Pferd ab und bringen Sie es nach Hause.

Jawohl. Dankeschön.

Aber den Korb nimmst du jetzt. Der ist ziemlich schwer. Aber mit Vergnügen.

Grüß Gott.

Grüß Gott.

Komm,

ich zeig dir mal was, ja?

Ja, wo willst du denn mit mir hin? Das wirst du schon sehen.

Hansilein, na komm, komm, komm.

Hansilein, na komm doch, Hansi.

Komm, komm.

Na mal bitte komm.

Hanseli, ich hab dir was Feines mitgebracht.

Komm, komm, na komm doch.

Na komm doch her.

Hanseli.

Hier, Hanselie.

Komm, komm, komm.

Na komm.

So siehst du. Das schmeckt.

Schau mal, Vater, ich glaube, jetzt wird's.

Na warte, ich zeig dir mal mein Tränenglas.

Na du?

In deinem Alter, da weiß man bloß was von Kindertränen, was?

Was ist denn das hier?

Sind das Gräber?

Nein, das sind Totenbretter. Was, Totenbretter?

Da legt man die Toten drauf, bevor sie beerdigt werden.

Nun, dann stellt man sie doch zum Andenken auf. Ach so.

Ich geh in bayerischen Wald rüchen.

Na ja, auf. Annelie, komm, komm, komm.

Großvater.

Großvater, wie kommen denn die Tränen da rein?

Großvater, da kommt Tante Marianne mit einem Herrn.

Sieh mal nach, was Großmutter macht. Ob sie wach ist.

Ja.

Harker Seifert, wie geht's? Willkommen zu Ihrer Frau.

Dankeschön, Fräulein Marianne. Guten Tag.

Großvater schläft noch. Sag mal guten Tag. Guten Tag.

Ich stelle den Kopf hierher.

Dürfen wir ein bisschen zusehen? Bitte sehr.

Gib mal alle Händchen.

Du auch.

Guten Tag.

Großvater, du wolltest uns doch erzählen, wie die Tränen da reinkommen.

Ach ja.

Und wieso sind die da drin? Die Tränen.

Die hat die heilige Hedwig geweint. Die Schutzpatronin von Schlesien.

Hat die auch weggemusst? Nein, die ist lange tot und im Himmel.

Na, warum weint sie denn, wenn sie im Himmel ist?

Die weint über die vielen Leute, die ihre Heimat verloren haben.

Und über die anderen, die sie nicht finden können.

Ja, weil sie voll Unrast sind und voll Unruhe in ihrem Herzen hat. Denn ganz

tief da drin, da fühl mal.

So wie die Tränen der Hedwig hier in dem Glas. Vorsichtig sein.

Mit Tränen, da muss man vorsichtig sein, sonst zerspringt das Glas.

So wie ein Herz bricht, wenn man zu viel hineinpresst.

Das ist schön.

Das ist wunderschön.

Merci. Danke.

Danke sehr.

Hallo. Lass mich nicht alleine. Wir müssen aber weiter.

Da will ich ein Taxi oder so.

Da werden Sie denn nicht abgeholt?

Nein, ich bin eine Überraschung.

Ach so.

Aber der Zettenmeier können Sie gleich mitnehmen. Der ist mit dem Schlitten da.

Schlitten? Oh, c'est magnifique. Das ist wunderbar.

Oh, mein Gott.

Ja,

wenn Sie nicht wollen, dann müssen Sie halt zu Fuß ratschen.

Wo wollen Sie denn hin? Zu einem Hotel.

Gibt es hier überhaupt ein Hotel?

Ja.

Na, kommen Sie, Frau.

Na, sehen Sie, Frau, das geht ja.

Na komm, wie schaust du denn aus? Hm,

lecker Eiscreme.

Was will denn die hier?

Inge! Vater!

Ein Gast!

Schönen guten Tag. Guten Tag.

Du musst versagen, ich spreche ein schlechtes Deutsch. Ich bin Französisch.

Ach, das macht gar nichts. Meine Tochter spricht Französisch.

Wunderbar. Wollen Sie denn bei uns wohnen? Ja, bitte schön, wenn ich kann.

Aber natürlich gerne. Ja, los, Inge. Komm.

Franz, hier.

Aber wollen Sie mir bitte helfen, meine Beine sind ganz steif gefroren. Ja, aber

gerne, wenn Sie nicht aufkommen.

So, aber was?

Also mir wäre sie zu mager. Die zerbricht er ja in der Hand.

Bitte schicken Sie mir auf meinen Zimmer einen Tee und Sandwiches.

Bonjour, Monsieur.

Grüß Gott, Fräulein.

Sandwiches? Also diese kleine Brote mit etwas Schinke und Ei und Fromage. Wie

sagen du, Käse? Ja, das haben wir schon. Und bitte gleich telefonieren nach der

Schloss. Monsieur Martin, ich warte ihn ganz sehr.

Der Martin?

Oui.

Pourquoi? Ist etwas mit ihm passiert?

Nein.

Halt!

Halt!

Ach,

und

ich bin tot von der langen Eisenbahn. Kann ich eine Bar nehmen? Eine Bar?

Hast du eine im Haus?

Ja, Madame, sofort.

Mama. Kamillentee und heißes Wasser für ein Bad.

Weißt du, zu Anfang hätte ich heulen können vor Wut.

Ich habe mich so auf dich gefreut.

Wirklich? Und du?

Ich hätte dich am liebsten verprügelt.

Was? Na ja, so wie du hat mich noch keiner runtergeputzt. Wirklich?

Na ja, also, vielleicht habe ich es auch mal verdient.

Na und wie?

Du, was?

Fängst du schon wieder an, ja?

Wenn uns einer sieht. Na ja, dann wissen Sie es eben.

Komm.

Da werden wir.

Na, Baumann?

Ach, schön war's.

Was ist denn?

Nichts. Ja, was zucken Sie denn so?

Ich hab Lust, das reißen. Das reißen? Na ja.

Sag mal, muss man heute Abend Quack anziehen? Was siehst du denn an?

Weiß ich noch nicht.

Wie willst du mich denn sehen?

Schön, strahlend und unglücklich.

Das bin ich doch.

Ja?

Ja, was ist denn?

Sternitzke hat angerufen. Na und? Ein Fräulein ist angekommen.

Aus Paris.

Was? Aus Paris?

Ach ja.

Dankeschön, Baumann.

Vorsicht beim Eingießen. Los, Franz, wo bleibt das Tablett?

Wann wünschen Sie Ihr Abendbrot, Madame?

Das ist für ein ganzes Armee.

So weit, ich bringe meinen Mund gar nicht auf. Hier sind Messer und Gabel.

Damit werden Sie es schon klein kriegen.

Und was ist das?

Ihr Tee, Madame.

Bon appétit, Madame.

Sie kommen doch zurecht.

Die Dame will gerade in die Badewanne steigen.

Wie?

Ach, und das Wasser können Sie auch gleich mitnehmen. Für Franz ist das

sowieso nicht das Richtige.

André?

Geben Sie den Wasser hinein, bitte.

Simon?

Martin!

Sherry!

Oh, comment vas-tu?

Dis-moi, ich hatte schon solcher Angst.

Angst?

Wovor denn?

Über der Telegramm, du mir geschickt hast.

Unvorhergesehene Ereignisse. Na ja, das sollte doch nur heißen, dass ich etwas

länger hierbleiben muss.

Es sind da Schwierigkeiten aufgetaucht, weißt du, meine Großeltern und... Ach

so, und ich hab schon gedacht, es ist schlimm mit dir. Aber jetzt, ich bin da

und alles wird gut. Ja, jetzt... Aber der Wasser wird kalt.

So, ja.

Sherry, bitte.

Musst du noch lange bleiben in dieser schrecklichen Wald? Tja, ich denke, ja.

Aber weißt du, was ich mit deinem armen Simon mache?

Die Leute in diesem Restaurant noch nie. Ich habe gesehen, solcher Wilde.

Ich habe gedacht, ich komme an und wohne auf deinem Schloss. Nikta.

Was ist das?

Da ist heute Abend da unten ein Tanz.

Ich habe gedacht, eine Revolution.

Du hast mir noch gar nicht gesagt, dass du mich liebst.

Simon.

Darum handelt es sich hier gerade.

Du, ich muss dir etwas sagen.

Aber ich verstehe kein Wort mit dieser Musik.

Bitte, die Tuchscherie.

Ja.

Natürlich.

Merci.

Was ist mit dir? Du bist so komisch.

Komisch?

Wieso denn?

Aber sonst, du guckst doch nicht weg.

Schon so bis bei mir.

Ist da eine andere Frau?

Ah.

Je comprends.

C'est pourquoi tu m'as envoyé ce Telegramme.

Nein, Simon, du musst mir glauben. Das hat mit dem Telegramm wirklich nichts zu

tun. Das hat sich erst nachher herausgestellt.

Alors, j'ai raison.

Oh, Paris.

Wenn ich jetzt in Paris sein würde, ich würde dir die Augen aus dem Kopf

kratzen. Ich würde dich umbringen.

Mir auch.

Ah, in Paris, ich weiß schon, wie wir dich zurückbringen.

Du würdest noch gerne hinter mir, wie ein kleiner Hund.

In Paris.

Aber hier?

Was soll ich machen in diesem fürchterlichen Wald?

Dieser wilde Männer, ihn machen wir noch tot.

Du bist eine fürchterliche Frau.

Ich habe nicht gedacht, dass es so schnell geht.

Komm, Franz, und spiel nicht beleidigt. Geh und schau, wo der Hartwig steckt.

Ich mache mir Sorgen.

Zuerst bringst du ihn auf 100, und dann tut er dir leid.

So, eine Französin. Ja.

Dann ist sie ihm wohl nachgereist. Ja, manche Leute haben ihren Glück.

Wenn ich an unser Jens denke.

Guten Abend, Herr Seifert. Guten Abend, Marianne.

Guten Abend, Marianne. Guten Abend.

Ist Martin da?

Martin? Sie suchen Herrn Martin, Frau Marianne? Ja, er muss schon hier sein.

Darf ich?

Ich höre, er hat Besuch bekommen aus Paris.

Besuch? Er ist wohl schon zu lange ausgeblieben. Da holt man ihn eben.

Ich glaube, er wartet auf Sie im Fremdsimmer.

Vielleicht sehen Sie mal nach ihm?

Herr Hartmann, wer los?

Ich weiß das.

Mir ist er gegangen, gerade so, bei dir.

Simon, schau mal.

Non, non, Martin.

Was für ein Leid ich so lange in so unserer Absicht.

Entrez.

Verzeihung, dass ich störe, aber wir beide, wir waren ja wohl verabredet. Ja.

Frau Simone ist ganz überraschend gekommen.

Das ist Marianne.

Sie haben

gar nichts kompliziert.

Im Gegenteil.

Ich nehme an, Sie fahren morgen mit ihm zurück.

Da hat er Sie falsch informiert.

Martin wird hier wirklich nicht mehr gebraucht.

Guten Abend.

Marianne. Lass mich vorbei, bitte.

Ich lasse dich so nicht gehen. Ich habe Simon gerade gesagt, dass ich... Jetzt

interessiert mich nicht, was du Simon sagst.

Oder Inge sagst, oder mir sagst.

Ich will nichts mehr hören. Jetzt hör doch mal zu. Ich habe Simon gerade

gesagt, dass ich hier bleibe.

Deines wegen.

Wie lange willst du bleiben?

Bis du genug von mir hast und vergnügt wieder abreisen kannst?

Danke. Jetzt lass mich endlich vorbei, oder?

Was, Sie sind es, Frau Marianne?

Ja.

Ich... Habe nur eben die Verlobte von Martin begrüßt.

Marianne, was ist denn?

So wartet doch.

Marianne, ihr Mantel.

Warum kommst du allein?

Was ist denn?

Wo ist der Otto?

Das Häuschen war zugesperrt. Wo bin ich durchs Fenster? Der Hafen ist weg.

Weg?

Wohin denn?

Ich weiß nicht.

Erzähl mal ruhig weiter. Seit wann ist er weg?

Die Futterschüssel vom Hund, die war leer. Da habe ich ihn mitgebracht.

Sternitzke, ich zahl morgen, gell? Geht Ihnen auch noch kein Ohrfasser?

Herr Gerstenberger, bitte tun Sie ihm nichts. Ich schwöre Ihnen, ich rede mit

ihm.

Ah, schönen guten Abend.

Gehören uns die Herrschaften auf?

Ach, da, mir ist der gar nicht recht. Mir ist so unberglich. Aber warum denn?

Marianne hat uns glücklich miteinander verlobt. Stimmt's, Herr Nitzke? Jawohl,

jawohl, Herr Martin. Also, wird gefeiert. Was haben Sie für einen Wein

da? Mir ist Steiner.

Ausgezeichnet. Bringen Sie gleich ein paar Flaschen mehr mit. Jawohl. Komm,

Simon, komm.

Wenn Sie ihn so suchen, habe ich nicht verboten, sich im Lauf blicken zu

lassen. Ich werde doch noch einen trinken dürfen.

Danke.

Bitte, schöne Herrschaften. Bitte. Ah, das ist ja wunderbar.

Stenitzke. Herr Martin.

Eine Lokalrunde. Man muss doch mal unter Menschen nicht verschwinden.

Aber mein Schnaps, ich habe doch schon ein bisschen Zeit. Ich kenne mich selbst

nicht mehr.

Naja, vielleicht ist mir dieses Klima hier aufs Gemüt geschlagen.

Schau du.

Du bist hübsch.

Du kannst lachen.

Und du kannst zärtlich sein.

Und hältst keine stundenlange Vorträge über Pflicht und Verantwortung.

Na dann, Prost! Dann Prost, ja.

Prost! Prost! Prost! Prost!

Prost! Prost! Prost! Prost!

Entschuldige. Siri, lass mich nicht allein.

Na, Prost, Brian.

Prost. Das hast du nicht zu schichten.

Na, Prost.

Vermissen Sie irgendetwas?

Wo ist denn Ihr Hut?

Hier.

Weshalb hat Sie die Verwalter eigentlich rausgeschmissen?

Das braucht Sie nicht einzugehen. Das ist nur jetzt zwischen uns beiden.

Hören Sie, der Baron ist mein Großvater.

Es ist durchaus möglich, dass auch einmal ein Verwalter rausfliegt. Schön

wär's. Kommt sich großmächtig vor, weil ein alter Mann rumschubsen kann, aber er

soll sich vorsehen.

Was wissen Sie von ihm?

Ich weiß nicht.

Ich sag auch nicht.

Schauen Sie mal.

Wo der herkommt, da sind noch mehr von der Sorte.

Bitte.

Kommen Sie morgen zu mir. Ich wohne am Altbach.

Unten, am Steg, da wo der Weg zum Wasserfall führt.

Am Alpach, ja?

Aber sagen Sie es keinem, dass Sie zu mir kommen.

Geht's gut.

Geht's gut.

Bist du schon zurück?

Hat es dir nicht gefallen, da unten bei den Bauern? Herr Krutzke ist wieder

erschienen, hat da rumgesoffen und da habe ich ihn rausgeschmissen. Das machte

dieser Schnüffler in sich gegriffen und... Was, du meinst, er hat

gequatscht? Noch nicht, aber er hat sich erkundigt nach dem Weg und...

Will morgen besuchen. Wenn der morgen zum Kruttke geht und fährt von deinen

Geschäften, dann ist es aus.

Du, dann ist es aber wirklich aus.

Harry, komm mal hierher.

Da ist einer abgefahren.

Ich glaube, es war der junge Hartwig.

Unten am Bach?

Kam der doch von der Grenze herunter? Ja, der hat sich ja wieder geschmuggelt.

Los, hinterher.

Haben Sie hier jemanden vorbeifahren sehen?

Nein. Hier geht doch eine frische Skispur entlang, die kommt von der

Grenze runter.

Hä? Ich habe ihn doch noch abfahren sehen.

Kann es nicht der junge Hartwig gewesen sein?

Ich weiß nicht.

Hast du nicht geschossen?

Ich habe nichts gehört.

Hilfe!

Schreit doch nicht einer.

Natürlich. Na los, nichts wie hin.

Das ist

die größte Thema,

die es überhaupt gibt.

In der ganzen Welt.

Martin?

Die Liebe.

L'amour.

Martin liebt sie.

Aber nicht mit die kleine Liebe.

Mit die große.

So.

Darauf möchte ich mich lieber nicht verlassen.

Es ist sehr nett von Ihnen, dass Sie sich extra heraufbemüht haben. Aber ich

glaube... Wer?

Inspektor Zierner? Ja.

Ich bin selbst am Apparat. Vielleicht ist es besser, Sie erzählen mag Ihnen

gar nichts von Ihrem Besuch.

Macht er?

Wie kann ich? Ich fahre von hier gleich zur Bahnhof. Aber der Tusti soll nicht

lüften. Aber...

Ich dachte, sie wollte mit Marie zusammenfahren.

Ich weiß, wann es ist Zeit zu verschwinden.

Das ist genauso viel wert, wie zu weissen, wissen, wenn man soll zupacken.

Au revoir, Marianne, und bonne chance.

Danke.

Ja! Ja, ja, ja, natürlich.

Marianne! Ja?

Die Landpolizei hat eben angerufen. Es ist etwas passiert.

Martin... Mit Martin? Was ist? Hast du mit ihm gesprochen?

Nein, nein, nein, nein. Man hat ihn in die Hütte vom alten Krutzke gebracht.

Er lebt noch.

Stengel, sofort den Schlitten. Mein Enkel ist angeschossen worden.

Ruf du die Försterei an. Man soll mir ein Fahrzeug entgegenschicken.

Ich habe so Angst um Martin.

So, junger Herr.

Ruhig weiter, Krutschke. Mir erzählst du nichts Neues.

Und warum sind Sie nicht gleich zu meinem Großvater gegangen und haben ihm

alles erzählt?

Weil der Stengel, der hat mich erwischt, wie ich einen

Rehbock geschossen habe.

Ach so.

Und da hat er Sie in der Hand, was?

Und warum hat er sie entlassen?

Weil ich gelegentlich hin und wieder... Ich hab halt noch mal einen

geschossen.

Martin.

Martin.

Marianne. Wie ist denn das passiert?

Ist alles wieder gut?

Hast du irgendeinen Verdacht, wer auf dich geschossen hat?

Gerstenberg hat einen, aber ich weiß nicht recht.

Ich war da in einer ganz bestimmten Sache auf der Spur und deshalb bin ich

ja hierher zum Kotkel gegangen.

Der Gerstenberg, er hat ihn. Wen?

Den Hartwig.

Die Wand da.

Ich hab ihn draußen im Jagen 3 erwischt.

Ja. Ich war es nicht, Herr Baron. Sehen Sie sich die Waffe an, aus der ist

überhaupt nicht geschossen worden.

Obwohl die mir vorgegaunert wäre, drüben gewesen in Schlesien. Zu Hause?

Im Riesengebirge? Ja, mich hat jemand mitgenommen. Bis quer Seifen bin ich

gekommen.

Ja, aus dieser Waffe ist in letzter Zeit bestimmt nicht geschossen worden.

Sehen Sie sich's mal an.

Tja, dann... Ich war drüben, weil ich Papiere brauche.

Ich will auswandern.

Wegen dem da. Aber Hartwig, einen Tag mit Inge, da war ich da auf dem

Finanzamt und in der Glashütte.

Na ja, und da musste ich bis zum Abend auf den Bankdirektor warten.

Ich hatte, weiß Gott, andere Dinge im Kopf als ihr Mädel.

Was denn, dann ist gar nichts mit Inge?

Und ich trottel, ich wollte rüber machen.

Hier sind die Papiere, der polnische Priester hat sie mir gegeben.

Steht die Kirche noch?

Ja, aber ich habe sie nicht selbst gesehen.

Und das Schloss?

Das ist kaputt, aber das Dorf steht noch.

Wir haben am Alpbach eine Skisport ausgemacht.

Die stimmt aber nicht mit den Bettern da draußen überall an.

Vielleicht schauen Sie sich bei Gelegenheit mal die Skier von dem Herrn

Verwalter an.

Von Stengel? Ja.

Der Herr Krutka hat mir erzählt, er hat nicht 4.000, sondern 11.000 Meter Holz

geschlagen. Und den größten Teil davon hat er in der Wiesn verkauft, in seiner

eigenen Tasche.

Nette Idee von dem Stengel.

Er unterschlägt dein Geld, um dich in Schulden zu bringen.

Dann will er dir dein Schloss abkaufen, mit deinem eigenen Geld.

Und ein Hotel draus machen. Dieser Stengel! Donneret doch mal. Der Kerl

weiß doch, dass ein Anschlag misslungen ist.

Gerstenberg, alarmieren Sie sofort alle Holzarbeiten.

Beeilt euch!

Der wird bestimmt nicht warten, dass wir ihn zu Hause holen kommen.

Tja, hab ich.

Gehst du in den Bachlauch, bis wo draufschlafen, verstehst? Und ihr setzt

euch aufs Grab auf und wartet weg unten lang.

Der Weg hat zu Ende.

Die Schweine wird in den Schnee nicht mehr geräumt.

Verflucht! Wir kommen hier nicht durch.

Wir müssen umkehren.

Mach nur, dass wir uns vor der Grenze erwischen, mitsamt dem Geld und den

Bankbüchern. Wir werden hier nur eingehetzt.

Doch nur du!

Da sind sie!

Da kommen wir doch nicht durch!

Doch! Da oben ist es ja schon!

Die wollen über die Grenze!

Schnell, das müssen wir von der Grenze erwischen!

Geht rechts am Hang vorbei!

Du fährst zum Grat und sagst dem Pfarrer Bescheid und kommst nachher nach,

verstehst? Dann müssen sie einkreisen!

Wir verteilen uns. Der geht Donau, der geht Donau und die geht Donau.

Gebt mir Gnade, wenn ihr oben angekommen seid und alarmiert die anderen am

Holzplatz.

Nur Grenze rauf. Nur Grenze rauf.

Da muss ich hin.

Da unten! Polizei!

Du bist ein Idiot!

Also, du Schwein, du.

An den Zauberer spart ihr das Geld, was?

wie reich wir sind.

Da muss erst ein Fachmann aus dem Ausland kommen, um den ganzen Betrieb

wieder in Sprung zu bringen.

Der Generator kommt.

Schau

mal,

was Inger hat.

Für dich, Marianne, aus Paris.

Für mich?

Von Simon?

Das ist aber nett.

Liebe Freunde, aus der alten und aus der neuen Heimat, wir feiern heute den

Beginn eines neuen Abschnitts, der uns alle ein gutes Stück weiterbringen wird.

Nun, aller Anfang ist schwer.

Das haben wir erfahren, als wir aus Schlesien hierher kamen. Aber wir haben

zusammengehalten und haben uns durchgebissen, auch in den schwersten

Tagen, weil einer zum anderen stand.

Und unsere bayerischen Freunde haben uns geholfen, wo sie nur konnten.

Ich danke euch.

Jetzt wollen wir uns das Ungetüm mal ansehen.

Komm,

probier doch mal.

Ui.

Das ist aber... Marianne, du schau mal.

Ich glaube, ich glaube...

Der würde dir ausgezeichnet stehen.

Siehst du?

Baumann, geradeaus geht's zur Kirche.

Zur Kirche?

Da geht's hier lang, Herr Baron.

Baumann, ich sagte geradeaus.

Ich fahre ja geradeaus, Herr Baron.

Aber Sie sind vorher abgebogen.

Er wird wahrhaftig alt, Herr Baumann.

Alt und wunderlich.

Das werden wir ja alle.

Das ist doch kein Grund, uns hier sinnlos durch den Wald zu kutschieren.

Gerstenberg! Herr Baron?

Sie haben mir doch seit Monaten erzählt, dieser Weg hier sei unpassierbar. Ich

will jetzt wissen, was los ist.

Das ist eine kleine Überraschung, Herr Baron.

Einen Moment, wir sind gleich da.

Mein Gott, Henning.

Unsere alte Kirche.

Kirche Wang.

Wir haben sie genauso aufgebaut, wie es in Schlesien war, Herr Baron.

Es stimmt zwar nicht alles, aber...

Gerstenberg.

Alter Garn.

Du Lümmel!

Wie habt ihr denn das fertig gemacht? Ja, das war gar nicht so einfach.

Das ist euch wahrhaftig gelungen!

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