All language subtitles for 1995_Drei Tage im April.deu

af Afrikaans
ak Akan
sq Albanian
am Amharic
ar Arabic
hy Armenian
az Azerbaijani
eu Basque
be Belarusian
bem Bemba
bn Bengali
bh Bihari
bs Bosnian
br Breton
bg Bulgarian
km Cambodian
ca Catalan
ceb Cebuano
chr Cherokee
ny Chichewa
zh-CN Chinese (Simplified)
zh-TW Chinese (Traditional)
co Corsican
hr Croatian
cs Czech
da Danish
nl Dutch
en English Download
eo Esperanto
et Estonian
ee Ewe
fo Faroese
tl Filipino
fi Finnish
fr French
fy Frisian
gaa Ga
gl Galician
ka Georgian
de German
el Greek
gn Guarani
gu Gujarati
ht Haitian Creole
ha Hausa
haw Hawaiian
iw Hebrew
hi Hindi
hmn Hmong
hu Hungarian
is Icelandic
ig Igbo
id Indonesian
ia Interlingua
ga Irish
it Italian
ja Japanese
jw Javanese
kn Kannada
kk Kazakh
rw Kinyarwanda
rn Kirundi
kg Kongo
ko Korean
kri Krio (Sierra Leone)
ku Kurdish
ckb Kurdish (Soranî)
ky Kyrgyz
lo Laothian
la Latin
lv Latvian
ln Lingala
lt Lithuanian
loz Lozi
lg Luganda
ach Luo
lb Luxembourgish
mk Macedonian
mg Malagasy
ms Malay
ml Malayalam
mt Maltese
mi Maori
mr Marathi
mfe Mauritian Creole
mo Moldavian
mn Mongolian
my Myanmar (Burmese)
sr-ME Montenegrin
ne Nepali
pcm Nigerian Pidgin
nso Northern Sotho
no Norwegian
nn Norwegian (Nynorsk)
oc Occitan
or Oriya
om Oromo
ps Pashto
fa Persian
pl Polish
pt-BR Portuguese (Brazil)
pt Portuguese (Portugal)
pa Punjabi
qu Quechua
ro Romanian
rm Romansh
nyn Runyakitara
ru Russian
sm Samoan
gd Scots Gaelic
sr Serbian
sh Serbo-Croatian
st Sesotho
tn Setswana
crs Seychellois Creole
sn Shona
sd Sindhi
si Sinhalese
sk Slovak
sl Slovenian
so Somali
es Spanish
es-419 Spanish (Latin American)
su Sundanese
sw Swahili
sv Swedish
tg Tajik
ta Tamil
tt Tatar
te Telugu
th Thai
ti Tigrinya
to Tonga
lua Tshiluba
tum Tumbuka
tr Turkish
tk Turkmen
tw Twi
ug Uighur
uk Ukrainian
ur Urdu
uz Uzbek
vi Vietnamese
cy Welsh
wo Wolof
xh Xhosa
yi Yiddish
yo Yoruba
zu Zulu

Original subtitles

(Bremsenquietschen)

Süddeutsche Provinz heute, irgendwo zwischen Tauber und Jagst,

ein friedlicher Tag.

Im Bahnhofsgelände der Ortschaft Nesselbühl

ist man bei Gleisarbeiten auf menschliche Gebeine gestoßen.

Erste Passanten wundern sich: Wann jemals hat man hier Tote begraben?

Handelt es sich um einen historischen,

vielleicht prähistorischen Fund?

Ein Zeugnis frühester Heimatgeschichte?

Wann ist hier was geschehen?

Niemand weiß es,

aber eine alte Frau wird nachdenklich und Bilder steigen auf.

(Nachdenkliche Musik)

(Düstere Musik, Geschützdonner, Hundebellen, schwere Schritte)

(Warte, bis es Nacht ist.)

(Unbehagliche Musik)

(Alarm! Alarm!)

(War alles falsch?)

(Kirchturmuhr, Stimmengewirr)

Dieser Film erzählt von einer wahren Begebenheit.

Sie hat sich kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs zugetragen

und ist längst vergessen.

Obwohl sie nie aufgehört hat, sich zu ereignen - immer wieder.

Bis heute. Überall in der Welt.

Auch an Orten, die nicht fern sind von uns.

(Bedrückte Musik)

(Leise Kinderstimmen)

(Kinderstimmen werden lauter.)

(Bedrückte Musik)

(Werkstattgeräusche)

Anna?

Mama? - Weißt du, wo die Marlies ist?

(Hämmern)

Wahrscheinlich beim Melken. Wieso? - Ah, nichts.

(Vogelzwitschern, Gackern, Muhen)

(Lautes Atmen)

(Frau:) Komm, weiter.

Komm, mach doch.

Mach.

Bald ist sowieso alles aus.

(Lautes Atmen)

La guerre finit. L'amour finit. Alles wird hin.

Oh, komm.

Mach doch.

(Lautes Atmen)

(Fernes Muhen)

(Geschützdonner)

Schießen sie noch?

Schon. Es ist aber weiter weg als heute Mittag.

Ha? - Es ist weiter weg!

Ist er schon hin?

Wer soll hin sein?

Ha, der Hitler.

Mir hat es geträumt, er ist hin. - Das könnt euch so passen.

Ich habe es aber gesehen im Traum.

Ganz still ist er im Sessel gehockt.

In seinem unterirdischen Palast.

Weiß wie ein Osterbrot.

(Verträumte Musik)

Und der heilige St. Georg mit dem Schwert ist vor ihm gestanden

und hat gesagt: "Adolf, jetzt langt's."

(Wehmütige Musik)

♪ Gonna set my heart at ease.

♪ Gonna make a Sentimental Journey

♪ to renew old memories.

♪ Got my bags, I got my reservations.

(Stimmengewirr)

♪ Spent each dime I could afford.

(Mann:) Mein goldiger Schatz.

♪ Like a child in wild anticipation ...

Ja, zeig mal was. Acht Damen.

Und zwar, das Spiel heißt ...

Grand Schneider angesagt. - Eieieie.

(Mann:) Eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs, sieben.

Wo ist denn die Front geblieben?

(Klirren)

Alarm! Alarm!

(Gelächter)

♪ Countin' every mile of railroad track.

Ist Alarm! Ist Alarm! - Schwirr ab, Arschloch.

Die haben sie nach Heilbronn geschickt.

(Gesprächsfetzen)

♪ Never thought my heart could be so yearny.

♪ Why did I decide to roam?

♪ Gotta take that Sentimental Journey,

♪ Sentimental Journey home.

(Stimmengewirr, Musik spielt weiter.)

Da geht's grad herum.

Schwer zum Sagen,

weil allmählich zieht es sich Richtung Krautheim rüber.

Amerikanische 15,5er-Feldhaubitzen.

Was? - Amerikanische 15,5er-Feldhaubitzen.

Vielleicht 20 Kilometer nordwestlich.

Wennst mich fragst, ist das der Tauberdurchbruch bei Mergentheim.

Was? So weit sind sie schon?

Interessant, was dir da reingeschneit ist, Stegmaier.

(Gelächter)

Wo kommt die denn her?

Von der Front her.

Bloß das Mädle und der Klavierspieler sind übrig geblieben.

Der Rest liegt verschüttet auf dem Würzburger Bahnhof.

Der Stabsfahrer vom LOK ...

hat sie aufgelesen und gestern Nacht da abgesetzt.

♪ Woah, woah, woah, woah, woah.

Aber hat was los, das Madl.

Mir ist nicht wohl dabei.

Was die machen, ist Feindmusik.

Ach, geh, Schumm. Feindmusik, Freundmusik.

Wann stört denn das jetzt noch,

seit der Ortsgruppenleiter zum Endkampf ausgerückt ist?

(Mann:) Du weißt nicht, was kommt. Der Teufel ist ein Eichhörndle.

In Zenzenbach ist auch schon wer gewesen.

Dann sind andere gekommen, so eine Sondereinheit,

und haben drei Leute aufgehängt. - Vier.

Oder vier.

Bloß weil sie weiße Fahnen hergerichtet haben.

Nicht mal rausgehängt, bloß hergerichtet.

Darum sag ich, man weiß nicht, was kommt.

Die weiß genau, was kommt.

(Gelächter)

Oder meinst du, die singt für uns da?

Nein, nein. Die trainiert schon für die Ami.

Nach den Musikern und nach den Huren

kannst gehen wie nach dem Barometer.

Die spüren es im Bauch, wenn das Wetter umschlägt. Präzise.

Aber irgendwas stimmt nicht mit der.

Seit sie da ist, schwätzt sie fast nichts.

Sie singt bloß.

Ja, mei, dann schauen wir halt mal ...

wie's mit dem Trinken steht.

Anna, hol einmal ein paar Schnapsgläsle.

Gibt's was zum Feiern?

(Stimmengewirr)

(Mann:) Alarm! Panzer! Panzeralarm!

Schnauze, Mann!

Herrgott! Kann man hier nicht mal in Ruhe zocken bis zum Endsieg?

(Gelächter)

Wer kommt?

Du. - Ich.

Hör auf, Mensch! Ich mach mir noch in die Hosen.

Feucht sind sie schon, Mädel.

So weit kommt das noch. - So weit kommt das immer.

Denkste, Bubi.

Kaum ist er aus dem Mutterleib, will er schon wieder zurück.

Na, wart's mal ab.

(Stimmengewirr)

Für den armen Kerl dahinten, der braucht's.

Und verloren, verloren.

Komischer Laden hier.

Musst nur einen Geistesgestörten mimen, schon kriegst du Schnaps.

Ist für einen gewöhnlichen Landser mit fünf Jahren Front auch was drin?

Da müssen wir den Feldwebel fragen,

der verwaltet das Militärdepot am Bahnhof.

Herr Feldwebel!

Sie werden doch kein Unmensch sein und uns nichts abgeben.

Das wäre ja Wehrkraftzersetzung.

Du brauchst nicht glauben, dass ich im Kognak bade,

bloß weil ich das Wehrmachtsdepot verwalte.

Aber es gibt unangenehmere Pflichten.

Dann hättest du halt auch deinen Arm wegschießen lassen.

Dann hättest du vielleicht auch so einen Posten gekriegt.

Aber bitte, ich will mir nicht vorschmeißen lassen,

dass ich kurz bevor der Ofen aus ist noch ein schlechter Kamerad war.

Lasst sich jeder ein Glas geben, aus der Flasche wird nicht getrunken.

Vornehmen soll die Welt zugrunde gehen. - Na klar!

(Langsame Klaviermusik)

♪ So schön wie heut.

♪ So müsste ...

Jetzt singt sie mal deutsch.

Es tut aber trotzdem wie Feindmusik.

Mir ist nicht ganz wohl dabei.

Anna!

Was ist jetzt?

Gläser verteilen!

Was ist denn los mit dir?

Ich bin irgendwie neben der Spur.

Es ist, scheint's, Fasching. Und bloß ich hab's nicht gemerkt.

♪ Darum soll heut noch Fröhlichkeit aus unseren Lieder erklingen.

♪ Drum wollen wir singen

♪ und träumen derweil.

♪ So schön wie heut.

Ich soll schon längst in den Stall.

♪ So müsst es bleiben.

Aber ich kann's nicht mehr mitangucken, wie meine Klara leidet.

Und kein Tierarzt weit und breit.

Dann schlacht sie halt mal endlich. - Das wäre eine Schwarzschlachtung.

Ich brauch eine Genehmigung von dir als Gemeinde.

Ich bin nicht zuständig.

(Stimmengewirr)

Jetzt weiß ich, warum der Ortsgruppenleiter abgehauen ist.

Nicht vor den Amerikanern,

sondern vor deinem ewigen Gewäsch wegen der Kuh.

Ist meine schönste und beste. Ein Tier wie ein Mensch.

So leidet sie auch.

Dann musst du so viel Zivilcourage haben,

dass du sie schlachtest ohne Parteigenehmigung.

Vor wem hast du Angst?

Das weiß ich nicht. Das ist ja gerade das.

Seit die Partei fort ist,

weiß man nicht mehr, vor wem man Angst haben soll.

(Fernes Gelächter)

(Er schließt die Türe.)

(Düstere Musik)

(Zugrattern)

Planmäßig?

Planmäßig geht überhaupt nichts mehr.

Wir müssen schon froh sein, wenn von zehn Zügen einer durchkommt.

Jetzt hören Sie doch auf mit dieser saudummen Fragerei.

Es gibt keinen Fahrplan mehr.

Aus! Rufen Sie wieder an nach dem Endsieg.

Hast du nichts zum Tun?

Dienstlich nichts mehr.

Aber privat tät mir schon noch was einfallen.

(Geschützdonner)

Hör auf.

Wie kann man an so Sachen denken, wenn rundumherum geschossen wird?

Gerade wenn geschossen wird, muss man was Schönes haben zum Drandenken.

Schön? Die alten Dinger da?

(Vogelzwitschern)

Bloß einmal noch Seidenunterwäsche am Leib.

Bloß einmal noch. Aber man weiß ja nicht, was ...

Ja, bist du noch gescheit?

Sofort weg mit den weißen Tücher. - Wieso?

Weißt du, wer näher ist, der Amerikaner oder die SS?

Wenn eine Streife vorbeikommt und das sieht,

hänge ich am nächsten Laternenpfahl vor meinem eigenen Bahnhof.

Lass es doch, Mensch.

Einmal. Ich muss doch einmal eine Frau gehabt haben vor dem Heldentod.

Wie stelltst dir das denn vor? Hier auf der Treppe oder was?

Drüben im Schuppen. Ich pass auf. Komm.

100-prozentig. - Aber das gibt's fei nicht!

Das ist immer noch eine Wirtschaft und kein Puff.

Macht, dass ihr wieder reinkommt.

(Ruhige Klaviermusik)

Baldrian, das tut dir gut.

(Nachdenkliche Klaviermusik)

(Geschützdonner)

(Muhen)

Die Marlies und der Pierre brauchen jeden Tag länger im Stall.

Die können halt auch nicht mehr wie Schaffen.

Willst du was zum Essen?

Danke. Es geht schon wieder.

Tut mir leid, dass ich solche Umstände mache. - Aber.

Wir haben bis vor drei Tagen

das ganze Haus voller Soldaten Volkssturm gehabt.

Das waren Umstände.

Schießen sie noch?

(Entspannte Klaviermusik)

Und dann Luftmine.

Ich hab nur überlebt, weil ich grade für kleine Mädchen war.

Und wo soll's jetzt hingehen?

Nach Hause.

Berlin. Irgendwie.

Auweh, da werden Sie aber russische Lieder lernen müssen.

Mach ich auch noch. Ich mach alles. Deutsch, Englisch, Russisch.

Ist doch Jacke wie Hose, was?

Schnapsl? - Immer.

Warum schauen Sie immer zu dem Klavierspieler rüber?

Ist das Ihr Freund? - Ich gucke nach meinem Gepäck.

Hab ich gelernt auf dem Rückzug. Guckst du nicht, ist was weg.

Das Wichtigste an der Wehrmachtsbetreuung ist,

dass du deinen Krempel zusammenhältst.

Also ist es am gescheitesten,

wenn Sie vorläufig dableiben und uns ein bisschen betreuen.

Speziell Sie, ne? Denkst du. Ich bin Künstlerin.

Ach so? - Mhm.

Also dann singen Sie halt noch ein bisschen was. Speziell für mich.

Ich bin schon sieben Jahre in der Wehrmacht

und bin noch nie betreut worden. - Bitte.

♪ I never cared much for moonlit skies.

♪ I never winked back at fire flies.

♪ But now that the stars are in your eyes

♪ I'm beginning to see the light.

(Beschwingte Musik)

♪ I never went in for afterglow.

♪ Used to ramble through the park.

♪ Shadowboxing in the dark.

♪ Then you came and caused a ...

SS.

(Verträumte Klaviermusik)

♪ Sing ... - Scheiße.

♪ ... Nachtigall, sing ...

♪ ein Lied.

(Hühnergackern)

♪ Seit der Liebste mich vergessen ...

(Gedämpfte Musik)

♪ ... schwiegst du so lang.

♪ Ach, sing, Nachtigall, sing

♪ ein Lied aus alten Zeiten.

♪ Spring, Nachtigall ...

(Musik verstummt.)

SS-Feldpolizei, Ausweiskontrolle!

Wehrmachtsangehörige, Soldbuch und Marschbefehl bereithalten.

Jeder bleibt an seinem Platz.

Gemütlich habt ihr's hier, hm?

Künstlerin?

Ah ... Soldatenkabarett, Frontnachtigall.

Ich bin der Rest. Also ... sozusagen wir beide.

Entlassungsschein hab ich auch.

Schon gut, schon gut, schon gut. Ausweis! Komm, komm, komm!

Weitermachen. - Was?

Na, Musik! Los!

Na, was Schönes geträumt?

♪ Sing, Nachtigall, sing. - Ja, kommt hoch, ihr Pennbrüder!

(Gedämpfte Musik)

Jetzt singt die wieder.

C'est pas grave.

(Muhen)

(Er erwidert etwas auf Französisch.)

Aber die suchen sicher bloß Fahnenflüchtige, keine Ausländer.

Ça viendra. In Bremen, die haben geschossen alle Kriegsgefangenen.

Drei Stunden, avant l'arrivée des Américains.

(Muhen, Geschützdonner)

Und Sie?

Nicht mehr fronttauglich, was?

Fein raus mit dem fehlenden Arm.

Kann mich nicht beschweren.

Bloß beim Arschputzen ist es eine gewisse Umstellung,

wenn man es mit links gewohnt ist.

Finden Sie das komisch? Spielen Sie lieber.

♪ Liebling, du bist so zauberhaft.

Sind Sie der Wirt?

Kommen Sie mal.

♪ Du bist mein Glück.

Ja?

Außer den Figuren hier noch Wehrmachtsangehörige im Haus?

Gestern war noch ein Volkssturm da, bis unterm Dach.

Und ... vorher ...

Quatschen Sie nicht rum, Mann.

Wenn wir einen finden, der sich hier versteckt hält, sind Sie mit dran.

Also, sagen Sie lieber gleich.

In der Küche hockt noch einer.

♪ Hm, ich lieb nur dich.

♪ Hm, hm.

Wo ist der Mann?

Meine Tochter ist mit dem raus, dem ist schlecht geworden.

Wohin?

Ja, um Mariä Schmerzen kriegen wir schon wieder Militär.

Wir können's ja kaum mehr verkochen.

Halt die Klappe, Oma. - Wir sind doch keine Kaserne.

Früher waren Soldaten entweder in der Kaserne oder im Feld,

aber nicht dauernd im Wirtshaus.

Wenn der Hitler auch dauernd im Wirtshaus hockt,

wundert's mich nicht, dass wir den Krieg verlieren. - Pst!

Ich muss hier weg.

In irgendein Zimmer.

In dein Bett oder so.

Im Hof. - Habt ihr euch schön gedacht.

Hier in aller Ruhe abwarten, bis der Ofen aus ist.

Oder da oben. - Da oben ist privat.

Eben drum, bei Fräulein Tochter im Bett, privater geht's nicht.

Jetzt ist es genug. - Hast einen Einwand?

Du.

Komm mal her.

(Wirt:) Das ist unsere polnische Arbeitskraft.

Ein fleißiges und anständiges Mädle.

Hast du da draußen einen Landser gesehen?

Landser?

Deutscher Soldat. Du, im Hof gesehen?

Nix Soldat in Hof.

Niemand in Hof.

Bloß ich arbeiten. Immer gut arbeiten.

Wenn du gelogen hast, bist du dran.

Hau ab.

Jetzt sag doch, was los ist.

Komm, komm. Ganz ruhig. Dir passiert doch nichts.

Gar nichts. - Nichts? Nichts?

Wenn die mich finden, häng ich am nächsten Baum.

Ach was. Die hängen doch nicht einfach die Leute auf.

Du bist doch kein Verbrecher.

Ich hab Angst.

Das reicht.

Verstehst du? Angst.

Hab Angst.

(Er weint.)

Du musst mich irgendwie verstecken.

Wo die nicht suchen. Die kommen hier bestimmt noch rein.

In deinem Kleiderschrank oder irgendwo.

Bitte.

Solange noch Zeit ist.

Bitte.

Ja ... bist du einfach abgehauen?

Die waren halt ... die waren alle ... hin.

Panzerangriff.

Dann bin ich nur noch gelaufen.

Los, komm, versteck mich irgendwo.

Komm!

Das ... das kann ich nicht.

Das darf ich nicht.

(Schritte)

Da ist er ja.

Na, stehen Sie auf, Mann! Nehmen Sie Haltung an!

Soldbuch.

Marschbefehl. - Verloren.

Verloren, ja, das kennen wir. Letzte Einheit?

1553. Panzerjäger.

Die steht dort oben bei Königsburg. Gute 40 Kilometer von hier.

Aber aufgerieben.

Ja, die hatten große Verluste.

Vor allem durch Fahnenflucht, Sportsfreund.

Der Fall ist wohl klar. Komm, gib Pfötchen.

(Kettenrasseln)

Das geht nicht! Der kann nichts dafür! Der gehört ins Lazarett!

Halt die Klappe! Oder wird du mit vors Standgericht wegen Begünstigung?

Ich bin BDM-Führerin.

Na toll! Wenn ich mehr Zeit hätte, würde ich unter dir exerzieren.

Anna.

Anna, wach auf.

Ich bin wach.

Wir haben Glück gehabt.

Glück? - Aber ...

Was würd's dem armen Kerl auch nützen,

wenn wir mit ihm baumeln täten?

Die haben schon Leute wegen weniger gehängt.

Woher weißt du das?

Man hat's halt gehört.

Ich nicht. Nie.

Oh, Mädle.

Man hört halt das, was man hören will.

Aber was man nicht hören will, das hört man nicht.

Vater, war alles falsch?

Wie die umgehen mit den Leuten. Dürfen die das?

Wir sind kleine Leute, Anna.

Wir müssen froh sein um jeden Tag, den wir leben.

Mehr weiß ich nicht.

Na los, kommt, Herrschaften, Bewegung!

Na los, los, los!

Raus an die Frühlingsluft, der Nachtmarsch ist gesund.

Sie als Dienstältester sind verantwortlich,

dass der Verein sich vollzählig

bei der versprengten Sammelstelle in Brimmern meldet.

Die Namen haben wir. Wenn einer fehlt, sind Sie dran.

Jawohl, Hauptscharführer. - Na dann, viel Spaß im Endkampf.

Hauptsache, du verreckst auch, Drecksau.

Bleib übrig, Nadja. - Bleib übrig, Schupper.

Bleib übrig.

Das sagt sich leicht, wenn man den Entlassungsschein in der Tasche hat.

Was für einem hohen Tier hast du da den Arsch hingehalten?

Pass auf deinen eigenen Arsch auf. - Ach, leck mich doch.

(Mann:) Auf geht's, ihr Kröten!

Wenn sich jemand verpissen will, nicht vor Brimmern.

(Geschützdonner)

(Mann:) Nein!

(Gewehrsalve)

(Motorengeräusch)

(Zughorn, Rattern)

(Unbehagliche Musik)

(Sanfte Musik)

Gehört jetzt das zum Programm Truppenbetreuung?

Oder ist das speziell für mich?

Das ist eine Zahlmeisterfrage, Herr Feldwebel.

Weil ...

im Leben verschwimmt's.

(Sanfte Melodie, düstere Klänge)

(Musik verklingt.)

(Quietschen)

(Lautes Atmen)

(Uhrticken)

Gestern waren's zwei Jahre. - Was?

Das mit uns.

Und ich warte immer noch. - Auf was?

Auf das schlechte Gewissen.

Wenn's bis jetzt nicht gekommen ist, kommt's auch nicht mehr.

Doch, Heinz.

Weil ich glaube, das mit uns geht bloß so lange, wie der Krieg geht.

Und der geht nicht mehr lange.

Was hat denn das mit uns mit dem Krieg zu tun?

Viel.

Weil, solange Krieg ist ...

da hat man sich immer sagen können,

es passieren so viele schreckliche Sachen auf der Welt,

da kommt's auf so ein bisschen Ehebruch auch nicht mehr an.

Aber wenn Friede ist ...

(Düstere Musik)

(Zugrattern)

(Sie singt auf Französisch.)

Der geht dir wohl nie aus, hm? - Nein, nicht so schnell.

(Sie singt weiter.)

Und wieder französischer.

(Sie lacht.)

(Gefühlvolle Musik)

Wo kriegst du denn das Zeug immer her?

Krumme Tour, Herr Feldwebel?

Ich schätze, deinen Luxus-BH hast du auch nicht im Laden gekauft, oder?

Sag einmal, geht das unten so weiter?

(Sie summt zur Musik.)

Voilà.

Auch französisch.

Ei, Fronttheater.

Madeln waren das - zum Träumen.

Aber privat ist halt erst vom Leutnant aufwärts was gegangen.

Wie sich Klein-Mäxchen eine Offiziersnutte vorstellt.

Keine Sorge, untere Dienstgrade kriegen Rabatt.

Verzeihung.

Schon gut.

Kannst ja nichts dafür, dass du aus der Scheiße kommst.

Kommen ja alle aus der Scheiße.

Aber musst nicht denken, dass es für Frauen leichter ist.

(Fernes Zugrattern)

(Zughorn)

(Telefonklingeln)

Fahrdienstleitung Nesselbühl.

Was? Das kann doch gar nicht sein.

Zack, einfach durchgerauscht?

Wo kommt denn der überhaupt her?

Ja, ist gut, ich danke dir, Kalle.

Der Zug kommt. - Welcher Zug?

Es war doch gar nichts gemeldet. - Gedeckte Wägen, 30 Achsen.

Ja, wo kommt denn da plötzlich ein Zug her?

Der muss gleich da sein.

Der Kalle in Siegertsbrunn

ist telefonisch nicht gleich durchgekommen.

Heilandzack.

(Düstere Musik)

Aber in Heilbronn steht der Amerikaner an der Strecke.

Mach, dass du an die Luft kommst, bevor der Eugen wach wird.

(Düstere Musik)

(Zugrattern, Uhrticken)

(Zughorn)

Halt! Halt!

Halt! Halt!

(Bremsenquietschen)

(Zugrattern)

(Unbehagliche Musik)

Ist das ein Chaos.

(fern:) Zehn Mann mit Karabiner raus! Aufstellung!

Kommt, kommt, Leute, Beeilung.

Wo kommst du jetzt her?

Wo tät ich herkommen?

Verpennst du, wenn der Zug reinfährt?

Ich bin ja selber kaum wach.

Der Lokführer zu mir!

Das hab ich in 23 Jahren Fahrdienstleitung noch nicht erlebt.

Das hab ich schon '39 gesagt:

Ein Eisenbahner hätt in die Regierung gehört.

Da tät Ordnung herrschen.

Los, ans Zugende! Wir koppeln ein paar Wagen ab.

Heilandzack, was ist da los?

Wir haben Tieffliegerschaden an der Lok und lassen Ballast hier.

Sie haben nichts gehört, nichts gesehen.

Das können Sie doch nicht machen.

Los, los, dallidalli. Na, nun machen Sie schon.

Geht das nicht ein bisschen schneller, Herrgott noch mal?

(Klappern, Zischen)

Was ist da los?

Ihr könnt nicht einfach da reinfahren ohne Signal!

Halten Sie die Klappe, ja?

Da hätte weiß Gott was passieren können. Halt!

Sind Sie lebensmüde?

Ihr könnt die Wagen nicht einfach auf mein Durchgangsgleis stellen.

Verschwinden Sie! Das geht Sie nichts an.

Es geht mich nichts an? In meinem eigenen Bahnhof?

Das ist eine grobe Verletzung der Sicherheitsbestimmungen

der Deutschen Reichsbahn. - Sie sollen verschwinden!

Oder wollen Sie auch da rein?

(Bedrückte Musik)

Unterscharführer Schwarz bleibt mit drei Mann

bis auf Weiteres bei den abgehängten Wagen.

Alles andere steigt ein.

Tempo! Los, los! Wir müssen weiter!

Tür zu!

Abmarsch!

(Bedrückte Musik)

(Zischen)

(Zughorn)

(Bedrückte Musik)

(Beschwingte Musik)

(Radio:) "'Mein Herz hat heut Premiere'."

"Wie immer flotte Musik beim Soldatensender Bregenz

die ganze Nacht."

"Bisher keine nennenswerten Feindeinfälle."

"Kameraden, wo ihr auch wacht, an welcher Front ihr auch steht,

denkt immer dran: Der Führer hält sein Versprechen."

"Wir siegen, weil wir siegen müssen."

"Der Endsieg ist nah."

(Beschwingte Musik)

(Musik verklingt.)

(Hahnenschrei, Vogelzwitschern)

(Hundebellen)

(Flehende Schreie)

(Stimmengewirr)

(Schrille Schreie)

(Unbehagliche Musik)

(Ein Mann schreit.)

(Unbehagliche Musik)

(Verzweifelte Schreie)

Kommen!

Kommen!

Kommen!

Ich hab die Wägen wenigstens vom Durchgangsgleis weg,

weil mir der Kollege von Gnadental eine Rangierlok ausgeliehen hat.

Ja, aber wie geht's jetzt weiter?

Ich mein, das ist doch kein Zustand.

(Ferne Rufe, angespannte Musik)

(Lautes Atmen)

(Poltern)

Pierre!

Was ist denn das bloß?

Keine Ahnung.

Muss sein Nähe vom Bahnhof.

Vielleicht Transport.

Transport? Was für Transport?

(Schreie)

Da schreien welche, so wie wenn ...

Ich weiß auch nicht, was das ist.

Mit dem Pierre wird ab jetzt bloß noch das Nötigste geschwätzt.

Wieso?

Weil die Marlies ... ausgerechnet mit einem Franzosen.

Ach so, das.

Wenn der Wolfgang in Russland gefallen wäre,

tät's dich nicht stören. - Anna.

Wie schwätzt du auf einmal?

Wenn alles zusammenkracht, kommt's auf das auch nicht mehr an.

Mir schon.

Nein, das ist nicht Sache der Reichsbahn,

wenn mir die Schlamper bei Nacht und Nebel

drei Wägen mit KZler oder was weiß ich in meinen Bahnhof stellen.

Das ist Sache der Partei und die ist zum Teufel. Im Endkampf.

(Schritte)

(Glockenläuten)

(Schritte)

Ja, für so was muss es doch einen Befehl geben!

Wo kommt ihr überhaupt her, und wo wollt ihr hin?

Und wie lange wollt ihr mir die Waggons mit dem Gschwerl

vor meinem Wehrmachtsdepot stehen lassen, ha?

Das geht doch nicht!

Ach was, Polizei. Die sagen, der Landrat sei zuständig.

Und der sagt, das ist höhere Gewalt!

Ja, ja, schon gut. Heil Hitler.

Aber nicht mehr lang.

(Verzweifelter Schrei)

Wo ist denn dein Chef?

Klenck? Der telefoniert seit zwei Stunden in der Gegend rum.

Für die Katz. Ist ja klar.

Wer was zum Sagen gehabt hat, der ist abgehauen!

Und wir haben die Sauerei!

Aus dem SS-Batzi bringst auch nichts raus.

Wo sie herkommen, sagt er nicht, wo sie hinhätten sollen, auch nicht.

We lange sie da stehen bleiben, weiß er nicht.

Bald ist der Ofen sowieso aus.

Dass die von der SS eine Saubande sind, war mir schon lange klar.

Aber dass sie solche Deppen sind, das ist mir neu.

(Leises Lachen)

(Verzweifelter Schrei)

Das ist doch zum Ins-Bett-Seichen.

Zwölf Jahre haben sie kaum laufen können

vor lauter Autorität und Führerstaat.

Jeder Blockwart hat sich so eine Aussprache zugelegt

wie der Adolf persönlich.

Und jetzt, mit einem Schlag, will keiner mehr was zum Sagen haben.

(Ferner Schrei)

Fahr du weiter mit dem Pierre.

Hü.

Was geht denn hier vor?

Sie halten sich raus. Abmarsch nach Hause, aber ganz schnell.

Wo gibt es denn das? Dass man Menschen verscharrt wie tote Ratten.

Wir sind doch nicht auf dem Balkan.

(Leises Gespräch, laute Schreie)

Das könnt dir so passen.

Nein, das ist ein Katastrophenfall.

Da ist immer noch die Gemeinde zuständig und nicht die Reichsbahn.

Seid doch nicht so hüpfelig.

Heute kommt aber auch alles zusammen.

Ich bin sprachlos.

Hättest du das gedacht vom Raab? - Was?

Da. Das habe ich heute da drüben gefunden.

Ein solche Schande.

Der Raab empfängt nachts, wenn er Dienst hat, Damenbesuch.

In einem Dienstzimmer der Deutschen Reichsbahn.

Das kann ich mir nicht vorstellen.

Es gibt doch gar keine andere Erklärung!

Was ist das für eine Welt?

Draußen stehen Verbrecher auf dem Gleis,

drin wird rumgehurt mit weiß Gott was für Weiber.

Eugen, jetzt hörst aber auf.

Da draußen verrecken die Leute.

Und du regst dich auf wegen so einer Unterhose.

Das ist ein Schande.

Anna?

Auch wenn mein Vater Ortsgruppeleiter ist,

mit solchen Sache, da hat er doch nichts zu tun gehabt, oder?

Da weiß auch der Führer nichts von, oder?

Ich glaub nicht.

Ich weiß nicht.

Ja, sag doch was!

Ich weiß doch selber nichts! Warum fragst du grad mich?

Weil ich dir immer alles geglaubt hab.

Helena, was ist denn das? Was sind das für Leute?

Transport.

Aber ... aber das ist doch nicht normal!

Ist normal. Bloß du sehen erste Mal.

(Frauenschreie)

(Klopfen)

(Mann:) Ruhe!

Herr Oberleutnant, wir sind hier im Depot total überlastet.

Wenn ich den Herrn Oberleutnant bitten dürfte,

unbürokratisch zu entscheiden.

Ja, die Dame war bis jetzt bei der Wehrmachtsbetreuung tätig.

Mehr künstlerisch, ja.

Kann aber auch Schreibmaschine und ...

Danke, Herr Oberleutnant. Danke, bleiben Sie übrig.

(Er legt auf.)

So, jetzt hast du erst mal einen Unterschlupf,

bis die Gaudi vollends rum ist.

Danke, Herr Feldwebel.

(Laute Schreie)

Das ist eine solche Sauerei.

Ich möcht wissen, warum sie die Leute noch lang in der Gegend rumkarren,

wenn sie sie sowieso verrecken lassen.

Da hätten sie sie gleich erschießen können, wo sie waren.

Das ist, weil sie so gern zählen.

Ich hab gesehen, wie sie Struthof geräumt haben.

Immer wieder haben sie sie gezählt.

Und wie sie endlich in die Waggons verladen waren,

da haben sie sie wieder rausgeholt und haben sie noch mal gezählt.

Das ist es.

Wenn sie alle gleich umbringen würden,

hätten sie nichts mehr zum Zählen.

Was hast denn du in Struthof gemacht?

Was hab ich wohl gemacht? Gesungen hab ich.

War im Elsass stationiert, 28. Flak.

Hat uns der NS-Führungsoffizier auf einen Abend abkommandiert.

Vorstellung für die Lagerleitung. Piekfeines Casino.

(Lauter Schrei)

Das nützt nichts!

(Mann:) Ruhe, Gottverdammmich!

Wenn du einmal angefangen hast,

das menschlich zu sehen, dann wirst du plemplem.

Das nützt was. Für eine Weile.

Von der Sorte hab ich zehn Kisten. - Aha.

Beste französische Ware.

Was die wert sind, wenn der Schwarzmarkt

erst mal richtig aufgeht nach dem Waffenstillstand,

das kann sich jetzt noch gar niemand vorstellen.

Wo hast du die organisiert?

Ein Fahrer vom OB West hat sie dahergebracht.

Ein Beutegut von irgendeinem General zum Weitertransport ins Gebirge.

"Geheime Reichssache" steht auf den Kisten droben.

Aber wenn der Ami kommt, stellen sie das als Erstes sicher. - M-m.

Ich hab einen Spezi beim Heeresverpflegungsamt in Augsburg.

Da schickt mir einen Lkw, wenn's so weit ist.

Die Sorte Ware gibt's auch kistenweise.

Schuhe, Unterwäsche, Strümpfe.

Alles Luxusqualität aus Frankreich.

Und wo ist das jetzt?

Irgendwo.

Nicht weit von hier.

Im Wald und auf der Heide.

Abgeschossener LKW.

Fahrer ist tot.

Nur ich hab überlebt. Und die Ware auch.

Aber alleine kann ich sie nicht holen.

Aha.

Und jetzt brauchst du mich?

Mhm.

Und das heute Nacht war so was wie eine Anzahlung?

Klar.

Bloß ...

die Anzahlung kriegt nicht jeder.

Du mit deiner Luxuswäsche ...

und ich mit meinem Schnaps.

Zusammen wären wir gemachte Leute.

Sagen wir mal so:

Es ließe sich leben.

(Ferne Schreie)

(Schnarchen, Kuhbrummen)

Wohin? - Nach Adelsbach.

Das dauert zwei Stunden auf der alten Schaukel.

Dort ist die nächste Apotheke.

Der kennt alles, was auch für Viecher gut ist.

Lebt die immer noch?

(Schuss, Hundebellen)

(Hahnenschrei)

(Frau:) Wasser! Wasser!

(Schreie)

(Unbehagliche Musik)

Danke, Herr Pfarrer Sengle, für sein Erscheinen.

Bitte. Es ist ungewohnt.

Ich hab in den letzten Jahren nicht mehr viel zu melden gehabt im Ort.

Das war dummerweise die Linie.

Auch ich bin ja selber damals nur rein äußerlich

aus der Kirche ausgetreten.

Bald wird's wieder genug Leute geben, die rein äußerlich wieder eintreten.

Gucken Sie nicht mich an.

Ich stamm aus einem evangelischen Pfarrhaus

und bin bloß meinem Mann zuliebe aus der Kirche ausgetreten.

Da muss ich geschielt haben.

Ich hab Sie nicht angeguckt, Frau Ortsgruppenleiter.

Frau Kachel, bitte. - Zur Sache!

Ich muss in meine Werkstatt. Was ist mit der Sauerei am Bahnhof?

Der Reihe nach.

Ich danke auch Herrn Feldwebel Hochmoser für sein Erscheinen,

der uns über den Frontverlauf ...

Das ist kein Front mehr, das ist eine zerbröselte Weißwurst.

Die Amerikaner stoßen pfeilgrad durch Richtung Ansbach-Nürnberg.

Da könnten wir doch unter Umständen Verbindung aufnehmen.

Verbindung mit dem Feind? Ja, sind Sie noch normal?

Das ist doch eine einmalige Chance.

Wir Nesselbühler könnten zeigen,

dass nicht alle Deutschen Unmenschen waren.

Ja, wollen Sie dem Eisenhower eine Postkarte schicken?

"Im Nesselbühler Bahnhof sind Menschen in Not."

Weit sind sie nicht mehr weg, die Ami.

Andererseits können sie nicht jeden Hühnerstall besetzen.

Wann sie kommen? Vielleicht morgen, vielleicht erst in acht Tagen.

Und die SS geistert auch noch in der Gegend rum.

Drum sag ich, wir müssen endlich die Zuständigkeit klären.

Das probieren wir schon den ganzen Tag. Es ist niemand zuständig.

Ja, und dann?

Eine Sache, für die niemand zuständig ist, existiert amtlich nicht.

Aber ich hör sie, ich riech sie. - Aber ich glaub, ich bin ...

Ich kann bloß sagen,

das ist eine Schande für das ganze deutsche Reichsbahnwesen.

Ich glaub, ich geh zum Bahnhof. Wenn sonst niemand zuständig ist.

Ja, wollen Sie mit den Wachtposten christlich verhandeln, Herr Pfarrer?

Die kennen nicht einmal recht Deutsch.

Das ist so eine Art Hilfs-SS aus dem Osten.

Was hier bisher geschwätzt wurde, war für mich auch eine Fremdsprache.

Der eine will eine zuständige Behörde,

damit er selber nichts machen muss.

Der andere sagt, weil es die nicht gibt, gibt's ja auch die Wägen nicht.

Tja, da ... da ist es fast leichter,

mit Leuten zu verhandeln, die gar kein Deutsch können.

Der wird sich wundern.

Aber er probiert es wenigstens. Das ist die Hauptsache.

Die hat's nötig.

Nötig haben wir's alle.

Eigentlich.

(Ferne Schreie)

Überleg dir das gut, Anna.

Das tu ich schon seit heute Morgen.

Und wie soll das gehen mit den Posten?

Das werd ich dann schon sehen.

Anna, lass es bleiben. Oder willst du uns alle ins Unglück bringen?

Die Leute in den Wägen, die sind schon im Unglück.

Haben wir sie reingesperrt? Das ist nicht unsere Sache.

Vielleicht ist es nicht deine Sache. Aber meine ist es.

Meinst, mich lässt das kalt, wie die schreien?

Aber es braucht bloß einer von den Posten vom Bahnhof aus

irgendwo anrufen.

Die haben doch vielleicht Kontakt mit einer Dienststelle. Und dann?

Wenn die SS noch einmal kommt,

geht's vielleicht dem Pierre an den Kragen.

Wir wissen doch auch gar nicht, was das für Leute sind in den Wägen.

Vielleicht sind es Sittlichkeitsverbrecher.

Sind aber auch Frauen dabei.

Polska, wie ich. Dass ich nicht in Zug, nur Glück.

Du hast gar nichts zum Schwätzen. Mach, dass du in die Küche kommst!

Helena, du bleibst da. Wir fahren gleich.

Marlies, der Pierre kann abhauen oder sich verstecken, wenn was ist.

Dem hilft jeder Bauer in der Gegend.

Die Leute in den Wägen können nicht abhauen und keiner hilft.

Bloß du. Immer was Besonderes, immer eine Extrawurst.

Beim BDM warst vorne dran. Jetzt, wo es andersrum geht, auch wieder.

Vielleicht bin ich so.

Aber so wie du möchte ich auch nicht sein.

(Hühnergackern)

Warte wenigstens, bis es Nacht ist.

Es muss jetzt sein, weil ich mich jetzt traue.

Ob ich mich heute Nacht noch traue, das weiß ich nicht.

Komm!

War der Pfarrer da? - Der Pfarrer? Nein, wieso?

Weil der mit der Wache verhandeln will.

Ob man runter darf zu den Wägen mit Essen und Trinken.

So?

Nein, das ist auf der Anna ihrem eigenen Mist gewachsen.

Die Marlies hat sie aufhalten wollen,

aber sie lässt sich ja nichts sagen.

Die weiß ja nicht, was sie tut.

Die weiß genau, was sie tut.

Deshalb lässt sie sich nichts sagen.

Komm, fahr mit dem Fahrrad hinterher

mit ein paar Laib Brot und ein paar Kannen Milch.

(Geschützdonner)

Elli, nichts tun ist auch etwas tun.

Aber das Falsche.

Was ist?

Fahr allein, ich kann nicht.

Wieso nicht?

Ich muss den Herd putzen.

Seit der Kocherei fürs Militär bin ich zu nichts mehr gekommen.

Schießen sie noch?

Freilich schießen sie noch. Mal mehr, mal weniger.

Was?

Kätter, jetzt hör doch endlich auf mit einer ewigen Fragerei.

Sei doch froh, wenn du es nicht hörst.

Nein, da bin ich nicht froh.

Weil wer den Krieg nicht hört, hört auch den Frieden nicht.

Da läuten alle Glocken im Land zusammen.

Das hat mir der Pfarrer gesagt. Persönlich.

Und für den Tag

habe ich auf dem Gesundheitsamt in Ehringen ein Höhrrohr beantragt.

Und dann haben die gesagt, ein Höhrrohr ist nicht kriegswichtig.

Dann habe ich gesagt, ich will es ja nicht für den Krieg,

ich will es für den Frieden.

Dann haben die gesagt, wir haben noch keinen Frieden.

Dann habe ich gesagt, wenn das noch lange geht,

dann kann ich das ja gar nicht mehr erleben.

Ich bin ein altes Weib.

Jetzt schwätzt ihr schon im fünften Frühjahr vom Endsieg.

Und was ist jetzt?

Ihr sagt es immer bloß mit der Gosch.

(Ferne Schreie, Geschützdonner)

Was ist?

Dass unser Marlies nachts mit dem Pierre in der Scheuer strackt.

Wenn sie es nicht aushält, sogar am helllichten Tag. Das ist.

Elli, es gibt schlimmere Sachen.

Also, du hast es auch gewusst.

Alle haben es, scheint's, gewusst.

Und wenn sie ein Kind kriegt, ein halb französisches?

(Schreie, Windsausen)

Unser Wolfgang hat auch geschrien.

Soll ich den Brief holen, den sein Kamerad geschrieben hat?

Vier Stunden hat er geschrien mit seinem Bauchschuss.

Keine 100 Meter vom Schützengraben weg.

Und seine Schwester treibt es mit einem Franzosen.

Aber was ... was kann denn der Pierre dafür,

dass unser Wolfgang in Frankreich gefallen ist?

Ja, nichts gegen den Pierre persönlich.

Aber es gibt den Anstand und die Pietät meinem Wolfgang gegenüber.

Und wenn euch das egal ist,

ist mir das egal, was euch nicht egal ist.

(Belebte Orgelmusik)

Anna! Anna!

Bleib hier, mach dich doch nicht unglücklich.

(Belebte Orgelmusik)

(Bitten)

Ruhe!

Ruhe!

Ruhe!

(Beschwingte Musik)

Ist das nicht recht?

Doch, doch. Wenn du meinst.

Etwas tun muss man doch. - Ja, klar.

Bloß ...

geholfen ist den armen Teufeln dadurch nicht.

Aber etwas tun ist doch besser wie nichts tun, oder?

Genau das ist die Frage.

Jeder von uns, der hilft, verlängert doch bloß das,

was die mitmachen.

Je schneller Schluss ist, desto besser.

Für alle.

Aber Eugen ...

das sind doch ...

Menschen.

(Beschwingte Musik)

(Schreie)

Ruhe!

Sie, lassen Sie uns doch an die Leute ran

und lassen Sie uns etwas Essen und Trinken bringen.

Bitte.

(Weinen, Schreie)

(Radio:) "In Breslau leisten Wehrmacht, Waffen-SS,

Volkssturm und Hitlerjugend nach wie vor heldenmütigen Widerstand."

"Amerikanische Panzervorstöße auf Würzburg wurden zurückgeschlagen,

Aschaffenburg ging verloren."

"Das 13. SS-Korps behauptet sich noch bei Mergentheim."

(Schreie, Flehen)

Du, Anna, vielleicht können wir als Frauen was ausrichten.

(Schreie, Flehen)

Als deutsche Frau und Parteigenossin verlange ich,

dass diese Leute menschenwürdig behandelt werden.

Das ist auch im Sinne des Führers.

Was macht denn das für einen Eindruck auf die Bevölkerung?

Seit wann ist das Usus,

dass man bei uns Menschen behandelt wie Schlachtvieh?

(Flehen, Weinen)

(Geschützdonner)

Umständehalber hätte ich von der Sorte vielleicht noch eine, wenn ...

Ich hätte nicht gedacht, dass das in Deutschland möglich ist.

Man hat schon viel gehört, aber dass es so was gibt ...

Wir machen auf!

Zehn Minuten!

Zehn Minuten!

Wagen auf!

(Klackern, Schritte)

(Schmerzvolle Musik)

♪ Erbarme dich.

♪ Erbarme dich.

(Schreie)

♪ Um meiner Zähren willen.

(Mann:) Hilfe!

Hilfe!

(Schmerzvolle Musik)

Hilfe, wir sterben!

♪ Erbarme dich.

Na, was ist?

♪ Erbarme dich.

♪ Erbarme dich, mein Gott.

♪ Erbarme dich.

♪ Erbarme dich.

♪ Um meiner Zähren willen.

♪ Um meiner Zähren willen.

(Schmerzvolle Musik)

♪ Erbarme dich, mein Gott.

♪ Um meiner Zähren willen.

(Schmerzvolle Musik)

(Musik verklingt.)

(Krähenkrächzen, Poltern)

(Krähenrufe)

(Geschützdonner)

(Hundebellen)

Aber ihr geht heim.

Das ist nichts für Kinder da, Hanna.

(Lautes Atmen)

(Stöhnen)

(Husten)

Aus!

Alles zurück! Türen zu!

(Türrattern)

(Kiesknirschen)

(Fernes Hundebellen)

Habe ich dir nicht gesagt, du sollst heimgehen, du Tropf, du elender.

Das ist nichts für Kinder da.

Ich bin kein Kind mehr. Ich komme zum Volkssturm.

(Vogelzwitschern)

(Sphärische Musik)

(Hahnenschreie)

(Geschützdonner)

Da war's. Alles noch unverändert.

Er wollte noch in die Deckung der Bäume rasen,

aber da war's schon passiert.

Hat uns ein Stück mitgenommen. Und dann plötzlich ...

aus.

Scheiß Tiefflieger.

Erwischen immer die Falschen.

So.

Hier ist Unterwäsche drin.

Alles reine Seide und Spitze.

Da sind Schuhe drin. Und da ...

(Quietschen)

Da sind Strümpfe. Natürlich auch reine Seide.

Und da oben am Lkw, da sind noch zehn so Kisten.

Na?

Ja, mich leckst am Arsch. Das ist ja ein Vermögen.

Mein Schnaps im Depot und deine Sachen da ...

Zusammen könnt's langen.

Wofür? - Für meinen Lebenstraum.

Der wär?

Die Bahnhofswirtschaft von Rosenheim.

(Aufgewühlte Musik)

Machst du mit?

Ja.

(Verträumte Musik)

(Sie johlt.)

(Er lacht.)

(Beide lachen.)

Ende der Vorstellung! Feldgendarmerie.

(Musik stoppt.)

Ja, Meldung, Mann!

Feldwebel Hochmoser, Heeresverpflegungsstelle Augsburg.

Ausgabestelle Nesselbühl.

Beim Sicherstellen von Wehrmachtsgut.

Sicherstellen? Wir nennen das Plündern.

(Schuss)

(Schniefen)

Ex.

Na, kommen Sie her, schöne Frau! Treten Sie ruhig näher!

Wir tun Ihnen nichts.

Wenigstens nichts Böses.

(Gefühlvolle Klaviermusik)

(Ächzen)

Ich kann nicht mehr.

(Ächzen)

Klavier spielen kann sie, deine Mutter.

Und alles auswendig.

"Führer, befiehl, wir folgen dir, und jetzt befiehl du deine Wege."

Mein Vater sagt immer,

jeder braucht ein Dächle zum Unterstehen.

Und wenn es zum einen reinregnet,

dann stellt er sich unter das andere drunter.

Du auch?

Wir zwei, wir haben kein Dächle mehr.

Dann werden wir halt nass.

Ja, das sind ja wir.

(Sie lacht.)

Spielschar-Wettkampf '43. Da, das bist du.

Den zweiten Preis haben wir gemacht.

(Flammenlodern)

Ja, willst du's nicht behalten?

Zur Erinnerung.

(Unbeschwerte Radiomusik)

♪ Fang ich noch mal von vorne an.

♪ Sing ein Lied, wenn du mal traurig bist.

♪ Sing ein Lied, wenn dich kein Mädel küsst.

♪ Sing ein Lied, weil du ...

Was ist denn? Hm?

Ich halte das nicht mehr lang aus. Ich kann es nicht mehr hören.

Ist doch gar nichts, Bobbele. Ist doch bloß Musik im Radio.

Aber ich höre es doch.

(Unbeschwerte Musik, heiteres Pfeifen)

Oder höre ich das bloß in meinem Kopf?

(Ferne Schreie)

Es muss ein Ende haben. So oder so.

Man sollt doch denken, dass die allmählich schwächer werden.

Ich wünsch mir, dass sie hin werden.

Eugen, das darf doch nicht sein.

Eugen ...

Was haben wir getan, dass das grad uns trifft?

Hätte die Lokomotive nicht noch bis Gnadental fahren können?

(Unbeschwerte Radiomusik)

(Hahnenschrei)

(Geschützdonner)

(Hahnenschreie, Vogelzwitschern)

(Sphärische Musik)

Ich glaube, ich werd eigenartig.

Ich hör jetzt immer wieder Stimmen.

Und ich weiß nicht: Geist oder Mensch?

Also weißt, die Kanonen hörst nicht, aber Stimmen.

Hä? - Stimmen hörst.

Ja, Stimmen.

Vielleicht sind das die armen Seelen im Fegefeuer.

Hör auf mit den katholischen Reden. Es gibt kein Fegefeuer.

Vielleicht ...

weiter drunter.

Vielleicht ist schon um uns rum ...

das Fegefeuer.

(Sphärische Musik)

Ja, vielleicht.

(Feierliche Orgelmusik mit Gesang)

♪ Wollst endlich sonder Grämen.

♪ Aus dieser Welt uns nehmen

♪ durch einen sanften Tod.

(Gedämpfte Kirchenmusik, Krähenrufe)

♪ Verschon uns, Gott, mit Strafen

♪ und lass uns ruhig schlafen.

♪ Und unsern kranken Nachbarn auch.

(Musik verklingt.)

Herr, unser Gott.

Deine Hand liegt schwer auf uns in dieser dunklen Stunde.

Wir hören die Stimmen der Leidenden und Bedrängten.

Sie rufen aus der Tiefe und wir haben versucht zu helfen.

Es war aber nur ein Tropfen Wasser in der Wüste.

Wir bitten dich, steh du ihnen bei und gib uns die Kraft,

uns weiterhin zu erbarmen.

Vater unser, der du bist im Himmel.

(leise:) Geheiliget werde dein Name.

Dein Reich komme.

(Stimmengewirr)

Du kommst nicht von los, was?

Kenn ich. Musst du aber. Es sei denn, du kannst was machen.

Ich hab's probiert.

(Spöttischer Laut)

Du bist die Falsche für so was.

Gegen Dreck kommst du nur an, wenn du weißt, was Dreck ist.

Am eigenen Leibe, verstehst du?

Was sind das für Leute in den Wägen?

Da hast reichlich Auswahl. Juden, Zigeuner, Polen, Russen.

Alles, was nicht ins Programm passt.

Aber was haben die uns getan?

Das hat mir noch keiner so richtig erklären können.

Ich glaube, das weiß der Adolf selber nicht so genau.

Das ist auch piepe. Hauptsache, sie haben was zum Totschlagen.

Das brauchen sie.

Jetzt hau ab. Ich hab hier was zu erledigen.

(Geschützdonner)

(Stimmengewirr)

Sei kein Idiot, Mann.

Abhauen müsst ihr sowieso.

Je länger ihr wartet, desto mehr Leute verrecken euch.

Was glaubst du, was mit euch passiert,

wenn der Ami euch schnappt?

Wo hast denn den Stoff her?

Da werde ich Ihnen gerade aufs Näschen binden, was?

Drei Flaschen pro Mann.

Für Sie vier, wenn ihr abhaut.

(Seufzen)

Nicht schlecht.

Gar nicht schlecht.

(Gefühlvolle Musik)

Wie viele Leute mögen denn in den Wägen sein?

Schätzungsweise an die 300.

Ist furchtbar.

Aber dann sagen sie wieder,

in Dresden hat's das 100-fache an Toten gehabt.

Was können denn die armen Seelen in den Wägen für Dresden?

Da hast du auch wieder recht.

Aber irgendwas muss man ja denken.

Jetzt schwätzt nicht dauernd von Dresden, heiliges Elend.

Bei uns muss was passieren.

Das geht nicht mehr lang gut.

Meine Amalie, die spinnt total. - Meine Inge auch.

Obwohl wir nicht so dicht am Bahnhof wohnen.

Es müsste halt was Behördliches geben.

Nichts da. Ich bin rein menschlich da und nicht als Gemeinde.

Wenn einer in der Sache was unternimmt,

unternimmt er es auf eigene Verantwortung.

Stegmaier, tu ein paar Flaschen Obstler raus.

Wir machen die Wachposten besoffen und schlagen sie ins Hirn.

Und dann? Rauslassen die Leute?

300 Ausländer im Dorf und ohne Kontrolle,

nicht einmal ein Dorfpolizist?

Sie sind doch keine Gefahr. Mehr tot als lebendig.

Und dann?

Dann brauchen wir Ärzte, Krankenschwestern, Medikamente.

Woher?

Soll ich vielleicht im Lazarett in Solstetten anrufen:

"Wir brauchen Unterstützung. Wir haben 300 KZler befreit"?

Die Wachen von den Wägen sind weg. Weg!

Spurlos verschwunden.

Ihr Gepäck auch, Waffen, alles.

So.

Jetzt ist höchste Zeit, dass wieder Ordnung einkehrt am Bahnhof.

Die Wagen werden zumindest aus dem Bahnhofbereich rausrangiert.

Ohne Lok?

Die von Gnadental hat doch einen Schaden.

Wie soll denn das gehen?

Mit 25, 30 Mann geht das.

Hebeisen müssen her, Kuhfüße, damit die Karren überhaupt in Gang kommen.

Und wenn wir sie vom Rangiergleis auf dem Durchlaufgleis haben,

ist gewonnen.

Richtung Gnadental ist ein stetig leichtes Gefälle.

Und dann in dem Waldstück vor Gettelsbach

über die Weiche zum alten Schotterberg im Bühlergrund.

Das wäre weit genug.

Ja, aber ... Und die Leute?

Es ist still geworden in den Waggons.

Ich glaube kaum, dass da noch einer schnauft.

Aber das geht doch nicht! - Das geht!

Ich habe alles probiert.

48 Stunden nicht geschlafen.

Keiner war zuständig. Keiner hat mir geholfen.

Und jetzt ist es aus bei mir.

Ich habe einen Bahnhof und keinen Friedhof.

Die Leute zum Schieben könnt ich schon zusammenbringen. - Also los.

Ja, aber die Leute in den Wägen. - Ja, wenn doch noch welche leben?

Wir müssen die Wägen wenigstens aufmachen,

bevor sie im Bühlergrund sind.

Dafür werde ich mich auch einsetzen.

Aber zuständig ist dann die Fahrdienstleitung in Gnadental.

(Getragene Orgelmusik)

Was heißt Einmischung in staatliche Belange, wenn die Leute sterben?

Aber ein Bittgang der Gemeinde, möglichst zahlreich zu den Wägen,

ist doch keine politische Demonstration

gegen die Ordnungsmacht.

Die gib's doch gar nicht mehr.

(Getragene Orgelmusik)

Wenn Sie meinen, Herr Dekan.

Ich füge mich selbstverständlich einer dienstlichen Weisung.

Ich fürchte nur, dass auch Sie das in ein paar Tagen,

wenn die Amerikaner da sind, ganz anders sehen.

Bloß ...

dann ist es zu spät.

Gute Nacht, Herr Dekan.

Herr Pfarrer, die Posten an den Wägen sind weg.

Wir können jetzt helfen.

Aber jetzt will der Klenck und der Raab und andere,

die wollen die Wägen einfach wegschieben.

So weit, dass man nichts mehr hört.

Herr Pfarrer, Sie müssen jetzt kommen.

Anna, ich kann nichts mehr machen.

Mir sind die Hände gebunden.

Ich hab fast eine Stunde mit dem Dekanat telefoniert.

Mir ist jede Einmischung in politische Belange

strengstens untersagt.

Herr Pfarrer ...

wenn das passiert, dann ...

Ich bin hier daheim.

Und wenn das passiert, dann ...

dann bin ich hier nicht mehr daheim.

Nie mehr.

Anna, ich bin ein ausrangierter Dorfpfarrer.

Seit '38, wo ich das Maul aufgemacht hab,

weil sie dem Viehjuden Rosenzweig den Stall abgebrannt haben.

Ich bin nichts.

Bloß noch geduldet als Hilfsprädikant.

Wenn ich eine dienstliche Weisung missachte, schmeißen sie mich raus.

Bitte, Herr Pfarrer.

Ein paar Leute täten auf Sie hören.

Und wenn der Klenck Protest aus der Gemeinde kriegt, dann ...

dann traut er sich das nicht.

Bitte, Herr Pfarrer.

Ich bin nie fromm gewesen.

Aber ich bitte Sie so sehr, wie wenn ich's wär.

Du bist aus Versehen fromm, Anna.

Und das sind nicht die schlechtesten Christen.

Anna, komm heim jetzt.

Du hast getan, was du hast können.

Und du?

Und ihr?

(Sie läuft weg.)

(Tür fällt zu.)

(Hühnergackern)

Lass es.

Ich hab Angst.

Peur? Peur de quoi?

Bald der Krieg ist aus.

Und ich hab Angst vorm Frieden. - Pourquoi?

Dann bist du wieder in Paris.

Und ich?

Und wir hier?

(Kükenpiepen)

(Geschützdonner)

(Geschützdonner)

(Sphärische Musik)

(Musik verklingt.)

(Gedämpfte Männerstimme)

(Schweres Atmen)

(Klackern)

(Quietschen)

(Keuchen)

(Krähenkrächzen)

(Hahnenrufe)

Die werden doch die Leute jetzt dann rauslassen, oder?

Ich meine, das können die doch nicht machen.

Die Leute einfach bloß ... wegschieben.

(Hahnenschrei)

Was haben wir denn anderes gemacht?

(Schmerzvolle Musik)

♪ Erbarme dich.

♪ Erbarme dich, mein Gott.

♪ Um meiner Zähren willen.

♪ Erbarme dich.

♪ Erbarme dich, mein Gott.

♪ Erbarme dich.

♪ Erbarme dich.

♪ Um meiner Zähren,

♪ um meiner Zähren willen.

(Räderquietschen, schmerzvolle Musik)

♪ Erbarme dich, mein Gott.

Über das weitere Schicksal der Menschen in den Viehwagen

ist nichts bekannt.

Weder Berichte von Zeitzeugen

noch Recherchen von Journalisten und Historikern,

Jahrzehnte später angestellt,

reichen über das Wegschieben der Waggons hinaus.

Heute scheint sich im Ort ohnehin niemand mehr

an die Begebenheit zu erinnern.

Außer Anna.

Mit ihr sterben die Toten ein zweites Mal.

SWR 2025

Can't find what you're looking for?
Get subtitles in any language from opensubtitles.com, and translate them here.