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Original subtitles

(Mann mit quietschiger Stimme) Hallo! Guten Morgen!

Wollen Sie mal in mich reinbeißen? - (Mädchen) Naa.

(Mann) Naa? Dann muss ich reinbeißen.

*Kinder machen Schmatz-Laute* (Mann) Ich mach die Bissen.

(Mann, genüsslich) Mmm... Erdbeermarmelade!

(Mädchen) Naa. - (Mann) Naa, das da?

Doch! Ah so, naa, doch, naa, doch.

(Mädchen) Naa. - (Junge) Jetzt klau i mir noch eine.

(Mann) Das da?

Barbara, holst du nachher die Kinder vom Kindergarten ab?

(Barbara) Ich hab Dienst bis zwei. - Aha, okay.

(Junge) Schade! - (Mann) Dann mach ich's.

Baba. - Baba.

Baba.

Ciao.

Bis später!

(Junge) Die Palatschinken von Mama schmecken besser als deine.

(Mann) Dankeschön. Dann gibt's morgen trocken Brot zum Frühstück.

(Barbara) Tschüssi! - (Mann und Kinder) Ciao, tschüss!

*Streichmusik* *Stimmengewirr*

(Frau, flüstert.) Psst, pass auf. Schau!

(Erschrocken) Ah, huch!

(Clown) Hallo!

(Clownin, begeistert) Hallo!

(Clown, flirtend) Hallo! (Ärztin) Servus.

*Stöhnt angestrengt*

*Schnaubt erschöpft*

(Clownin, schweizerdeutsch) Ja, das ist ganz lieb! Danke sehr!

Ich hab nämlich Schnupfen, wissen Sie?

*Niest laut* (Frau) Hoppla, Gesundheit.

(Clownin) Jetzt hab ich da...

*Prustet* *Publikum lacht*

Da schau!

(Clownin) Man kann den Schnupfen jonglieren!

*Erschöpftes Keuchen*

*Publikum lacht*

*Atmet erleichtert durch*

*Publikum lacht*

Da ist ein blaues Maxerl.

(Clown) Darf ich schauen? Was hat er da?

*Clown lacht begeistert*

*Luft strömt in Ballon*

*Hechelt*

*Ächzt*

*Japst*

*Stöhnt angestrengt*

*Publikum lacht* *Applaus*

*Lauter Knall*

(Clownin) Chico, du musst erst schauen, dann gehen.

(Chico) Au! Au! Au! - Das hab ich dir schon oft gesagt!

(Chico, flirtet) Hallo! - Entschuldigung.

Er ist immer etwas... Du kannst nicht einfach allen Frauen hinterher.

(Pfleger) Servus Heidi. - (Heidi) Oh! Grüezi!

(Chico) Sicher nicht!

Nicht so laut. Psst, psst.

Jetzt konzentrieren wir uns.

Also, wir haben ja jetzt einen wichtigen Besuch hier.

So...

Den Jona, zwei Jahre. Herzfehler.

Dann machen wir ganz ruhig. Und entspannt.

Genau. Vielleicht ein kleines Lied. - Ah, wunderbar.

(Chico) Hallo! Hallo!

*Ukulele spielt* (Mutter) Wer ist denn da?

*Heidi singt* Na na na na na na.

♪ Mein lieber Jona klein ♪

♪ Ja, lieber Jona, klein. ♪

♪ Du sitzt da in deinem Bett allein ♪

♪ Und schaust gar wunderfein. ♪ *Clown singt mit*

♪ Der Jona, der hat einen kleinen Tiger. ♪

(Chico, erstaunt) Wo?

♪ Der Jona, der hat einen kleinen Tiger. ♪

♪ Ja, dürfen wir den Tiger sehen? ♪ - (Chico) Darf ich streicheln?

(Chico, begeistert) Wow!

♪ Das ist aber ein... ♪

*Chico grunzt*

♪ ...großer Tiger. ♪ - (Chico) Oh, danke!

(Chico) Schau, wie süß. Ja!

Danke, danke. - Danke, danke.

*Chasing Cars / Snow Patrol spielt im Radio*

*Gefühlvolle Rock-Musik* *Hupe*

*Handy klingelt*

Hallo, Edith. Was hat der Thimo angestellt?

(Edith) Hallo, Barbara.

Du... Äh... Sag einmal, wo bist denn du grad?

Ich fahr grad nach Haus von Graz. Wieso?

Du, die Karin,

Die ist grad beim Bahnübergang in Takern vorbeigefahren.

Die hat gesagt, dort war a Unfall mit einem Clownbus.

Was? Wie, ein Unfall?

Was ist passiert?

Sie hat nur gesagt, da war ein Unfall

Und am Bahnübergang steht a gelber Clownbus. Mehr weiß i leider aa ned.

Okay. Aber der Bus steht?

I weiß es ned.

I glaub schon.

Okay, ähm...

Gut. Du, danke, Edith, fürs Bescheid geben.

Ja, na sicher.

Okay, gut, ciao.

Ciao. - Ciao.

*Hupe*

*Radio-Musik klingt aus*

(Radio-Moderator) Jetzt gibt's unsere Gesundheitstipps...

*Freiton*

*Freiton*

(Heli) Mailbox vom Heli, Nachrichten nach dem Furz.

*Furzgeräusch* *Piepser*

Hallo, Heli, kannst du mich bitte zurückrufen?

Ich will einfach wissen, ob alles okay ist.

Aber ich mein, dein Handy ist an, also wird schon alles okay sein.

Ruf mich einfach zurück, ja?

(Radio-Bericht) Wichtig ist,

Dass man die Bronchien beruhigt und den Schleim löst.

Das geht in der Regel oft ganz einfach.

Was gibt es da so für bewährte Hausmittel?

*Hupe*

Sehr gut ist der Spitzwegerich. Den nennen wir auch das Hustenkraut...

(Barbara flüstert.) Er steht, er steht, er steht, er steht.

(Leise) Er steht...

*Aggressives Hupen*

*Freiton*

*Freiton*

Hey, Babsi. - Hallo, Sabine. Du...

Ähm.. bist du zu Haus? - Ja.

Kannst du mir einen Riesengefallen tun?

Anscheinend gab's einen Unfall

Beim Bahnübergang in Takern mit einem Clownbus.

Was?

Kannst du schnell hinschauen und einfach schauen, ob alles...

Ob es allen gut geht?

I schau sofort hin. - Ich brauch noch länger.

Kein Problem, ich meld mich. - Danke!

Bussi. - Okay, okay, ciao.

*Handy klingelt*

Ja?

Sabine, hallo? - Wo bist denn du?

Ich bin in circa zehn Minuten beim Bahnübergang in Takern.

Nein, nein. Komm zu uns heim. Wir treffen uns dort. Okay?

Wieso?

Warst du beim Bahnübergang? - Komm zu uns.

Babsi, bitte, du musst mir jetzt vertrauen.

Okay. Ja, okay.

Fahr vorsichtig.

Ja. Ja, mach ich.

(Leise) Okay, okay, okay...

*Atmet zittrig und tief aus*

(Flüstert.) Heli, Heli...

*Barbara atmet tief durch*

Ist wer gestorben?

(Sabine) Ja.

Der Heli.

(Sabine, zustimmend) Mhm.

(Barbara, angespannt) Mhm.

*Sabine schluchzt leise*

(Flüstert.) Und die Kinder?

Die sind am Leben.

Mhm.

Die haben s' ins Krankenhaus geflogen.

*Rhythmische, hohe Pieps-Töne von Geräten*

*Motorenbrummen und Country-Musik blenden ein*

*Old Dan Tucker / Jimmy Kelly*

*Thimo schreit dumpf*

*Gespräch von Musik übertönt*

*Singt mit* ♪ Get out the way! ♪

♪ Old Dan Tucker, You're too late to get your supper. ♪

♪ Get out the way! Old Dan Tucker, You're too late to get your supper. ♪

♪ Get out the way! Old Dan Tucker, You're too late to get your supper. ♪

*Musik endet*

(Thimo) So, noch einen mehr.

(Heli) Siehst, der Fini schmeckt's auch.

Magst noch eine Erbse? - Ja.

Pass auf, Thimo, bald hat Fini alle Erbsen auf'gessen.

(Thimo) Mir egal.

(Heli äfft nach.) "Mir egal." - Nein.

Doch. - Schau, was ich hab.

Oh! Ein Erbsensalat.

Ah so, naa, ist ein Zirkuszelt. 'Tschuldigung.

Naa, is wirklich schön. Und wer ist der auf dem Einradl da?

Du! - Das bin i?

Mitm witzigen Hut.

Ah ja, das ist wirklich a witziger Hut.

(Barbara) Nehm'ma den mit? - (Fini) Ja.

Ja?

Ja. Nehm'ma den mit, gell? - Ja.

(Heli) I komm aus dem Publikum auf die Bühne rauf und probier,

Den Ballon zu fangen.

Aber der Ballon hupft immer weg.

Die ganze Zeit. Und irgendwann fang ich den Ballon

Und dann greif ich ihn und will ihn bei mir haben.

Und dann könnt ich mir vorstellen, da ist ein Sessel

Und ich will mich mit dem Ballon setzen,

Weil ich endlich den Ballon hab,

Nach dem ich mich mein ganzes Leben gesehnt hab.

Dann probier ich, den zu dem Sessel zu bringen,

Und schaff's irgendwie, mich hinzusetzen.

Und weißt, was dann passiert? - Naa.

Wünsche können ja, wenn man sie ned erreicht,

Immer größer werden.

Und vielleicht wird mein Wunschballon immer, immer größer.

Und immer schwerer.

Und das, was i mir mein Lebtag gewunschen hab,

Erdrückt mich dann fast.

(Heli) Was hältst du davon? - (Thimo) Ja!

(Heli) Und dann lieg ich unter dem Ballon

Aber dann schaff i's, auf den Ballon raufzukräulen,

Ist ein riesengroßer Wunschballon...

Und dann probier ich ihn zum Umarmen und dann...

(Prustet.) Pfffrrrt.

...geht die Luft raus. - Ja.

Und dann schiebt mich mein Wunsch und mein Ballon

Durch den ganzen Bühnenraum.

Und am Ende ist mein Wunsch wieder ganz klein.

Aber er gehört mir. - Ja!

(Arzt) Die Einsatzkräfte waren binnen weniger Minuten vor Ort.

Jedoch konnten sie Ihren Mann nur noch tot bergen.

(Barbara, vorsichtig) Und die Kinder?

Der Notarzt stellte zunächst bei Ihrem Sohn Thimo

Einen Herzstillstand fest,

Konnte ihn jedoch an der Unfallstelle noch reanimieren.

Thimos Herz schlägt wieder.

Allerdings hat der Kreislaufstillstand dazu geführt,

Dass Thimo einen schweren Hirnschaden davongetragen hat.

Mhm.

Was...

Was heißt das?

(Arzt) Das heißt: Thimos Herz schlägt wieder,

Allerdings muss sein Kreislaufsystem massiv von außen unterstützt werden.

Thimo wird nicht mehr aufwachen.

Ich kann Ihnen aber versichern, dass Thimo frei von Schmerzen ist.

(Barbara, leise) Und die Fini?

Valentinas Herz-Kreislauf-Systeme

Haben noch sehr gut funktioniert, als die Ärzte eintrafen.

Äußerlich hatte sie kaum Verletzungen.

Allerdings hat sie ein schweres Schädel-Hirn-Trauma davongetragen.

Deswegen haben wir sie in einen künstlichen Tiefschlaf versetzt

Und sie an ähnliche Geräte angeschlossen wie Ihren Sohn.

Nur mit dem Unterschied,

Dass ihr Körper aus eigener Kraft die Funktion erfüllen kann.

Das ist erstmal eine gute Nachricht. - Mhm.

Das heißt, sie wird's..

Sie wird's schaffen?

(Arzt) Das heißt: Wir können hoffen, ja.

*Atmet tief aus*

Gut.

Ähm...

Kann ich sie sehen, die Kinder?

*Rhythmisches Klackern und Rauschen der Geräte*

(Flüstert.) Fini.

*Schluchzt*

Mein Schatz.

Ich bin da.

Die Mama ist jetzt da.

Ich pass auf dich auf.

*Atmet tief durch*

*Schluchzt*

(Barbara, leise) Hallo, Thimo.

Mein kleiner Pirat.

Ich bin jetzt da.

(Flüstert.) Bitte führ uns jetzt und in der Stunde unseres Todes, Amen...

*Flüstert unverständlich*

(Mutter, mitleidig) Schatzi.

(Vater) Barbara.

*Mutter schluchzt*

Barbara?

(Flüstert.) Wir müssen jetzt die Kinder taufen lassen.

Was?

Du musst die Kinder taufen lassen, bevor...

(Fritz) Roswitha, i glaub...

(Ernst) Die Geräte vom Thimo werden abg'stellt.

(Mutter) Das ist jetzt nicht wichtig. - (Roswitha) Wenn er ned 'tauft is,

Kann er seinem Vater ned in den Himmel folgen. Verstehst?

(Barbara) Wie meinst du das?

Willst du, dass der Thimo woanders bleibt als sein Vater?

Willst du das?

Soll'ma wohin gehen, wo du ein bissi Ruhe hast?

(Roswitha) I bitt das Krankenhaus, dass ein Priester kommt.

(Roswitha) Der kann auch gleich die Krankensalbung machen.

(Mutter) I glaub, die Barbara...

(Mutter) Babsi!

*Langer Fiep-Ton*

(Heli) Ah so, naa. Die Piraten brauchen ganz schmutzige Zähne, oder?

(Thimo) Ja, ein Zahnbürstel und ein neues Gewand,

Weil die sind doch fast immer auf See.

(Heli) Stimmt, und wenn sie einmal im Hafen sind,

Kaufen sie sich ein neues Gewand. Gute Idee.

Wann kommen denn die Ersten?

(Heli) Ja, irgendwann.

Ich mein, zur Besichtigung, Heli, die ersten Leut.

Jaja.

(Barbara, lacht.) Was...?

Was heißt "jaja"?

(Heli) Entspann dich, Pachlowitsch.

Hey, Papa, welche Leute?

*Motor stoppt*

I hab das Inserat offline g'nommen.

*Fini plappert*

(Barbara, erstaunt) Wieso?

Heli, sag mir bitte, dass das ein Scherz ist.

Naa, das ist perfekt!

Wir brauchen mehr Platz und da ist genug.

Wir brauchen keine neue Wohnung. Wir ziehen da ein.

Heli, das ist eine Bruchbude! - Ja!

Und wir werden's renovieren. Ich werd's renovieren.

Was willst du da bitte renovieren, Heli?

Die Leitungen sind undicht... Das Dach... Hier...

Das musst ja alles auswechseln!

Du hast vielleicht schon viel g'macht,

Aber keine Handwerkslehre. Die hab i.

Heli...

*Heli räuspert sich*

Junge Frau, darf ich Sie einladen

Zu einer Besichtigung dieses Anwesens?

Im Innenhof können Sie sich einen Swimmingpool einbauen lassen,

Oder auch einen kleinen Wald.

Aber folgen Sie mir doch hinein

In das Innere dieses mondänen Anwesens.

Diese antiken Fliesen von der vorletzten Jahrhundertwende

Kann man rausreißen und ersetzen mit...

Was wollen S' haben? Fischgrät-Parkett aus Eichholz

Oder einen hochflorigen Teppich, oder lieber betoniert?

Aber jetzt kommen wir zum Herzstück eines jeden Anwesens.

(Überschwänglich) Hier, da kann man...

Vielleicht kleine Tanz-Festlichkeiten,

Oder Séancen veranstalten.

Und das ist etwas ganz Besonderes.

Haben Sie so etwas schon einmal gesehen? Ein Sessel mit Rollen.

Ein sogenannter Roll-Sessel! *Barbara lacht*

Darauf kann ich Sie durch die Gegend rollen, wo auch immer hin Sie wollen.

(Ruhig) Bitte.

Die 550 Euro, die wir momentan für die Wohnung zahlen,

Die sparen wir uns, wenn wir da wohnen.

Von dem Geld kömma das nach und nach renovieren.

Hey, das ist der Wahnsinn da. Da draußen, da ist gleich der Wald.

Man kann wandern.

Hannes und Sabine wohnen keine 20 Minuten mit dem Auto von da.

Und die Kinder, die Kinder werden's lieben!

Das ist doch viel besser für sie als das Leben in der Stadt.

Heli, du bist so ein Träumer, wirklich.

Bitte, Barbara.

Lass mich das machen.

Für uns.

Was würd denn die Heidi Appenzeller sagen?

(Lachend) Das ist gemein.

Hm. Hm. Hm.

(Schweizerdeutsch) Interessant.

(Heli) Ah?

Ja. Aber schwierig.

Ja, Herr Kollege, ich habe da ganz andere Pläne.

Ah so? - Ja.

Ich denke, das hier...

...das sollte ein Musikzimmer sein.

*Rhythmisches Piepsen und Rauschen der Geräte*

*Tür öffnet*

(Barbara) Ist alles in Ordnung? - Ja, es ist alles gut.

Wir müssen nur ein paar Sachen korrigieren.

(Arzt) Finis Hirndruck hat nachgelassen.

Ist das gut?

(Arzt) Das ist gut, ja.

*Barbara atmet tief durch*

Was macht der Kopf?

Okay.

(Arzt) Haben Sie was gegessen? - Ich hab keinen Hunger.

Bitte machen Sie eine Pause. Bitte.

Gehen Sie mal raus.

Tanken Sie frische Luft. Vor allem trinken und essen Sie was.

Ich verspreche Ihnen,

Wir werden die beiden keine Sekunde aus den Augen lassen.

Danke.

(Barbara flüstert melodisch.) You're too late to get your supper.

Get out the way, Old Dan Tucker,

You're too late to get your supper.

*Sanfte Oboen-Musik*

*Wind rauscht sanft*

*Barbara schnauft laut*

(Flüstert.) Fini.

Bitte bleib.

*Wind rauscht lauter*

Bitte.

Bleib.

*Vogel zwitschert*

*Wind rauscht laut*

*Kurzes Kichern von Fini*

(Fini) Der Papa ist da.

*Emotionale Streichmusik*

(Fini) Oma auch.

(Thimo) Das Leiberl hast du vergessen.

(Heli) Pool. Schau, wie das "whirlt". Whirley, whirley, whirley...

(Heli) Also das ist ja unerhört. *Thimo lacht*

(Heli) Das kann's ja gar ned sein.

(Barbara) Malst du mir eine Straße zum Laufen?

*Heli lacht*

(Heli) Geht nur eins auf der Schnur? Schaffen wir noch ein zweites?

*Lacht*

*Weiterhin emotionale Streichmusik*

Da ist die Nase!

Da ist der Mund!

Da ist der Mund!

(Thimo) In die Ecke gedrängt!

(Thimo) Unter die Decke! - Unter die Decke!

(Thimo) Ganz oben machst du.

(Heli) Da oben mach i, du machst weiter unten, genau. Gute Idee.

(Heli, begeistert) Es wird so schön! Oder?

Das ist echt eine gute Farbe.

*Wind rauscht*

Mama hutschen ich.

*Streichmusik klingt aus*

Barbara... - Was ist?

Unsere Fini ist g'storben.

Was?

Nein.

Nein, nein. Nein, das kann nicht sein.

(Vater) Barbara...

Die Fini ist g'storben. Nein, Papa...

Die Fini, die war grad draußen mit mir

Und sie hat mir g'sagt, dass sie kämpft und dass sie bleibt,

Das kann nicht sein.

Was? - Die Fini ist g'storben, Barbara.

(Mit brüchiger Stimme) Das kann nicht sein.

Der Thimo schafft's nicht, aber die Fini schon.

Die Fini, die schafft's! - (Vater stammelt.) Barbara, ich...

(Arzt) Geh, stellts die Maschine ab.

(Arzt) Todeszeitpunkt?

(Schwester, unverständlich) 14 Uhr...

(Schwach) Nein, nein, nein...

Nein, das kann nicht sein! Das kann nicht sein!

Nein, nein, nein, die Fini, die schafft's.

Nein, die Fini schafft's.

Du schaffst es doch, Fini.

*Leises Surren*

*Kräftiges, langes Stöhnen*

(Frau) Super! Schieb ganz fest nach unten.

(Heli) Was ist? Was soll ich machen?

(Frau) Bleib bei ihr, einfach nur für sie da sein. Das ist gut so.

Schieb kräftig mit! Ja, super!

Euer Baby ist gleich da! - Was?! Unser Baby ist gleich da!

Super gut machst du's. Noch einmal kräftig mitschieben.

(Frau) Schieb noch mal kräftig mit.

*Barbara seufzt leise*

Das ist kein Paul.

Naa.

Das...

(Barbara) ...ist ein Thimo.

(Heli) Ja.

*Barbara und Heli lachen*

(Mann) Schauen S' einmal.

So vielleicht?

(Roswitha, zaghaft) Ja.

Schön.

(Mann) G'fallt Ihnen das mit den Rosen

Oder lieber was

Schlichteres?

(Roswitha, zaghaft) Na, ja. *Mausklick*

Die ersten Rosen sind schön.

(Mann) Die ersten? - (Fritz) Ja.

(Mann) Dann nehmen wir die.

Was ich Ihnen vielleicht auch noch anbieten könnt,

Das wären, also grad, weil Kinder unter den Verstorbenen sind,

Wir haben so Heliumluftballons, die wir an die Särge machen könnten.

Und bei der Beerdigung dann, also in der Messe, da könnt'ma die dann

Abschneiden und das fliegt dann so rauf.

Also das ist ganz schön eigentlich als symbolische Geste sozusagen.

Naa, wir wollen ein ganz ein normales Begräbnis.

(Mann) Passt.

Haben Sie vielleicht noch was? Passt Ihnen das so?

(Mann) Ja?

Gut, dann mach ich Ihnen das fertig.

Ich zeig's Ihnen noch einmal, bevor wir's drucken.

(Fritz) Dankschön. - Gerne..

(Roswitha) Der Vati tragt das Kreuz, dann kommt der Pfarrer,

Dann die Särge und dann du, Barbara.

I und deine Eltern sind in der zweiten Reihe.

Und dann die G'schwister vom Heli. So mach'ma das, gell?

Eins dahinter sind dann die Onkeln und Tanten.

Die Sargträger müss'ma dann noch anstellen.

Das sollen am besten unsere Leut machen, die wissen, wie das geht.

Dann beim Brau...

(Barbara singt.) ♪ Schlaf, Kindlein, schlaf ♪

♪ Der Vater hüť die Schaf ♪

♪ Die Mutter schüttelt's Bäumelein ♪

♪ Da fällt herab ein Träumelein ♪

♪ Schlaf, Kindlein, schlaf ♪

Gibt's eigentlich schon Interessenten fürs Haus?

Naa.

Aber i stell das Inserat morgen online.

Was, du hast es noch gar nicht online g'stellt?

Naa.

I hab keine Zeit g'habt.

Du wolltest das schon vor Wochen machen.

Heli, du kriegst ein Haus von deiner Tante vererbt

Und lasst es verfallen, oder was? - Naa, i lass es ned verfallen.

I stell das Inserat morgen online, hab ich doch grad gesagt.

Ich mach das selber morgen mit dem Inserat.

I hab doch g'sagt, dass ich's mach.

Seit Wochen redest du davon, dass du's machst.

Ich weiß nicht, was machst du den ganzen Tag?

Was i den ganzen Tag mach? - Ja.

Versorgen sich die Kinder von allein, oder was?

(Barbara) Heli, die sind den ganzen Tag in Betreuung.

Und wer bringt sie dorthin, wer holt sie ab,

Wer kauft ein, wer macht den ganzen Schas?

Wer ist die depperte Hausfrau? Das bin ich.

Ja. *Barbara räuspert sich*

Ich weiß aber nicht, wie so auf alles scheißen kann. man

Wenn du ned arbeiten tätst, hätt i Zeit gehabt,

Mich bei sämtlichen Zirkussen in Europa zu bewerben.

In Deutschland hätt i mehr Möglichkeiten,

In Frankreich würden die mich sofort nehmen.

Was redest du von Frankreich? Du hast zwei kleine Kinder.

Und sei froh, dass ich arbeit, ja?

Sei froh, wenn ich nicht arbeiten würd, geht's noch?

Ist jetzt meine Hackn weniger wichtig als deine?

Na ja, meine finanziert das alles hier.

(Heli) Ach, danke schön. *Dose zischt beim Öffnen*

Das ist einfach ein Fakt.

Ich würd mich auch gerne den halben Tag zu Hause

Für irgendwelche Bühnenauftritte inspirieren lassen.

*Heli lacht* Ja genau, als ob du das könntest.

Bitte?

Ja, sei halt einmal ehrlich mit dir.

Du bist ja schon lang kein richtiger Clown mehr.

Du bespaßt irgendwelche Patienten in einem Spital.

Das ist schön, aber... - Es ist wichtig

Und das ist eine gute Arbeit.

Das heißt nicht, dass ich kein richtiger Clown bin.

Du machst Seifenblasen, spielst Ukulele, das ist keine Kunst.

Das ist a Therapie und auch wichtig,

Aber es ist keine richtige Kunst. Richtige Kunst mach ich.

Genau. Richtige Kunst, richtig unbezahlt sogar.

Geh komm. - Ja.

Du hörst dich echt an wie mein Vater. - (Barbara lachend) Ja,

Vielleicht hättest öfter auf deinen Vater hören sollen.

Ah ja? - Ja.

Glaubst das wirklich?

Weißt, was dann nämlich wär, wenn i auf meinen Vater g'hört hätt?

I wär heut Tischler in einem Baumarkt an der Autobahn

Und hätt irgendwann solche Depressionen,

Dass ich mich am Plafond aufhängen tät.

Bitte, Heli.

Jetzt red ned so schirch. - I red so, wie i will.

Ja, ich will einfach nur, dass du das Haus verkaufst

Und wir hier ausziehen können aus diesem Loch.

Weil du nimmer an mich glaubst.

(Flehend) Bitte, Heli.

Werd erwachsen.

"Werd erwachsen." Was soll das bitte heißen? "Werd erwachsen."

Glaubst, dass es mir ums Erwachsensein geht?

I bin a Clown, verdammt noch mal, i will doch ned erwachsen sein!

(Laut) So ein deppertes Argument!

Pscht, sei ein bissl leiser, ja?

(Heli flüstert.) "Werd erwachsen..."

Heli, ich glaub...

Du hättest dir einen anderen suchen können.

Heli, es gibt Träume und Realität.

Manche von deinen Träumen sind nicht real geworden,

Das ist ja auch nicht so schlimm.

Und deine Träume haben sich alle erfüllt, oder was?

Ja.

Ja, was? Ich hab dich, ich hab den Thimo, ich hab die Fini,

Ich hab einen Beruf, den ich mag,

Was soll ich denn noch wollen vom Leben?

I will ned Clown sein in diesem Scheißprovinzland,

In diesem scheiß Österreich! - Was willst dann machen?

Willst nach Frankreich? - (Schreit) Ja!

Da muss man auch Rechnungen zahlen! - Ja.

Aber da muss man sich ned so verkaufen wie du.

*Schnauft*

Heli, du kannst es nicht.

Deswegen haben dich die Roten Nasen auch nicht g'nommen.

Weil du's nicht kannst.

(Ruhig) Weißt was?

(Schreit) Leck mi am Oasch!

Leck mich am Arsch mit deiner Scheiße!

(Weinerlich) Leck mich am Oasch. *Fini weint nebenan*

(Ernst) Schrei mich nicht so an.

*Schnauft*

(Barbara) Das kannst du jetzt ausbaden.

*Tür öffnet und knallt zu*

(Leise) Spinnst du? *Fini weint laut*

*Barbara beruhigt Fini* Sch, sch, sch...

*Fini weint*

*Fini schreit*

*Singt* ♪ Ich habe keine Angst ♪

♪ Ich habe keine Angst ♪

*Fini schreit weiter* ♪ Ich liege... ♪

♪ Hier im warmen Bett ♪

♪ Und habe keine Angst ♪

*Fini wird ruhiger* ♪ Ich habe keine Angst ♪

♪ Ich habe keine Angst ♪

♪ Nur schöne Dinge träum ich heut ♪

*Heli schluchzt*

♪ Und habe keine Angst ♪

*Heli schnauft laut*

*Sanfte Musik setzt ein*

*Poltern*

(Heli murmelt.) Komm mal her, du!

*Heli ächzt*

*Publikum lacht leise*

*Heli stöhnt*

*Publikum lacht laut los*

(Barbara) "Liebe Freunde,

Iiebe Menschen, die ihr mir so sehr beisteht

Mit euren Worten, Nachrichten, Gedanken und Gebeten in diesen Tagen.

Ihr fragt euch was man tun kann in so einer Situation, für mich.

Was man sagen kann. Wie man helfen kann.

Zunächst: Allein eure Nachrichten haben mir sehr geholfen,

Denn das Wichtigste für mich ist nun, das Gefühl zu haben,

Nicht allein zu sein.

Auch die Spendenaktionen, die ins Leben gerufen wurden,

Helfen mir konkret sehr viel.

Herzlichen, tausendfachen Dank dafür!

Es hilft mir außerdem sehr,

Euch berichten zu dürfen von meinen Erfahrungen der letzten Tage."

*Musik klingt aus*

(Sabine) Was machst denn du?

Ich schreibe einen Brief.

An alle meine Kontakte.

(Sabine) Okay.

Was schreibst du?

Ich hab vorhin den Heli so ganz stark...

...gespürt.

*Barbara lacht* Er war so...

Er hat sich wie so ein Mantel um mich gelegt.

Es war so ganz warm und es war so ganz nah.

Und er hat so g'sagt...

"Pachlowitsch,

Scheiß dir nix." *Beide lachen*

"Was soll das?

Du musst mutig sein, du musst raus, musst..."

So. Weißt?

Und ich...

Will das auch.

Ich will lachen. Und ich lach!

*Lacht laut los*

Ja!

(Sabine) Ich lieb, wennst lachst. - Ich auch.

Und der Heli auch und die Kinder auch,

Die wollen auch, dass ich lach und dass es mir gut geht.

Und nicht traurig bin die ganze Zeit.

(Barbara) "Ich möchte, dass nie etwas zwischen uns steht.

Sei es Angst, Scham, Tabus, Trauer oder was auch immer.

Ich bin am Leben und möchte Teil des ganz normalen Lebens bleiben.

Habt keine Angst, mich mit diesem Leben zu konfrontieren

Und mich dabei auch herauszufordern.

Es tut so gut, das Leben in all seinen Facetten zu spüren."

*Zug pfeift entfernt*

*Warnsignal klingelt*

*Lauter werdendes, schrilles Quietschen*

Lieber Gott, nimm den Helmut und die Kinder auf in deine liebenden Arme.

Sei du die Erfüllung ihrer Sehnsüchte und schenke ihnen neues ewiges Leben,

Ohne Schmerz und Kummer, bei dir.

(Trauergemeinde) Wir bitten dich, erhöre uns.

(Roswitha) Herr im Himmel,

Wir bitten dich um Trost und Zuversicht

Nach dieser schrecklichen Tragödie.

Stärke in uns allen den Glauben

An ein Wiedersehen.

(Trauergemeinde) Wir bitten dich, erhöre uns.

*Roswitha schluckt schwer*

*Roswitha schluchzt*

Liebe Freunde, liebe Verwandte, liebe Clowns,

Und liebe Unbekannte, die mich gar nicht kennen,

Aber die meinen Text in der Zeitung gelesen haben:

Danke.

Danke, dass ihr alle gekommen seid,

Um heute gemeinsam an die drei Menschen zu denken.

Diese drei Menschen waren...

Alles andere als perfekt.

Sie waren auch nicht immer lieb und schon gar nicht heilig.

Aber genau deshalb war das Leben so schön mit ihnen.

Bis zum Schluss...

Und darüber hinaus.

Deshalb möchte ich, dass wir...

Sie heute nicht nur verabschieden, sondern auch feiern.

Weil ich weiß, dass das in ihrem Sinne wäre.

"Nehmt es ned so ernst!"

Würde der Heli sagen. *Barbara und einige andere lachen*

Wer den Heli kennt, der weiß, dass er das sehr ernst nimmt.

*Räuspert sich*

Deshalb, ähm...

Möchten wir jetzt...

Zur Einstimmung auf unser Fest ein Lied spielen,

Welches der Heli, der Thimo und die Fini sehr geliebt haben

Und immer sehr laut gehört haben.

Wenn ihr wollt, dann könnt ihr euch einen gelben Clown-Bus vorstellen,

Der durch die Gegend fährt, und...

Aus dem dieses Lied schallt.

*Gitarre spielt*

(Ukulele-Spieler) Oans, zwoa, oans, zwoa, drei, vier.

*Alle Instrumente stimmen mit ein*

♪ Old Dan Tucker was a fine old man, washed his face in a frying pan. ♪

♪ Combed his hair with a wagon wheel ♪

♪ And died of a toothache in his heel. ♪

♪ Get out the way! Old Dan Tucker, you're too late to get your supper. ♪

♪ Get out the way! Old Dan Tucker, you're too late to get your supper. ♪

*Kapelle spielt weiter*

♪ Old Dan Tucker, he'd come into town ♪

♪ Riding a billy goat, leading a hound. ♪

♪ The hound dog barked, the billy goat jumped. ♪

♪ Landed 'Ol Tucker on a stump! ♪

♪ Get out the way! Old Dan Tucker, you're too late to get your supper. ♪

♪ Get out the way! Old Dan Tucker, you're too late to get your supper. ♪

♪ I come to town the other night to hear the noise, to see the fight. ♪

♪ The watchmenfield was running around. ♪

♪ Cryin old Dan Tucker has come to town. ♪

♪ Get out the way! Old Dan Tucker, you're too late to get your supper. ♪

♪ Get out the way! Old Dan Tucker, you're too late to get your supper. ♪

♪ Get out the way! Old Dan Tucker, you're too late to get your supper. ♪

*Gesang wird wiederholt*

(Barbara flüstert.) Bis gleich.

*Kapelle singt weiterhin*

*Musik stoppt*

*Vögel zwitschern*

*Barbara atmet scharf ein*

*Barbara seufzt*

*Stellt Dose zurück*

Hallo, Angelika. - (Irritiert) Hallo, Barbara.

Ich bin wieder bereit zum Arbeiten.

Drum hab ich mir gedacht, ich schau heut einfach mal vorbei

Und geh mit.

Wer hat heut Dienst?

Äh.

Wurscht! Ich seh's eh gleich.

Gut.

*Türklopfen* Ja?

(Schweizerdeutsch) Grüezi, Jan! - Hallo, Barbara.

Ich bin wieder da!

Bin wieder bereit zum Arbeiten!

Du bist ja freig'stellt. - Ja, ja, ja, ich weiß,

Ich dachte, ich schau und lauf ein bisschen vorbei mit.

Wer ist heut dran?

Du kannst ruhig zu Hause bleiben. - Ja, ich weiß,

Aber ich will nicht mehr zu Haus bleiben.

Ich will raus und wieder arbeiten.

(Jan stammelt.) Aber...

Das...

Ich glaub, das wird ned gehen, Barbara.

Wieso?

Na ja...

Du hast erst letzte Woche deine Familie bestattet.

Ja.

Aber das war ja die Barbara.

(Stammelt) Und das will... Die will ausrichten,

Dass sie sich so gefreut hat, dass ihr alle da wart,

Wirklich, das war so schön.

Ja, es war wirklich sehr schön, ja.

Aber, Barbara...

I kann dich jetzt ned mit kranken Kindern

Und ihren Eltern arbeiten lassen.

Wieso nicht?

Die wissen Bescheid über den Unfall und über dich, und...

Weil du diesen Brief veröffentlicht hast...

Ach so! Weil ich jetzt berühmt bin, deshalb. Ach, ja.

Verstehe.

(Jan stammelt.) Schau, die... die Leute...

Schau, keiner sieht mehr den Clown Heidi.

Die Leute...

Die Leut'... - Aber ich bin ja noch da.

Jan, das glaub ich nicht, dass man mich nicht sieht, wenn ich da bin.

(Jan) Die Leut' sehen jetzt nur mehr die Frau,

Die ihre Familie verloren hat.

Du bist jetzt freig'stellt und wir werden dir so lange Geld zahlen,

Wie du willst, aber das wird da nimmer funktionieren.

Okay?

Es tut mir leid.

*Tür schließt*

*Seufzt*

Glück...

Was wird mein Glück sein?

Was für eine glückliche Frau soll aus der kleinen Antigone werden?

*Atmet tief durch*

Welche Niedrigkeiten werde ich Tag für...

(Lehrer, fällt ins Wort) Okay. Bitte fang noch einmal von vorne an.

Wann im Leben appelliert man ans Glück?

Wann? Das musst wissen.

(Barbara, zustimmend) Mhm. - Ja?

Weil, wenn du nicht weißt, wovon du sprichst,

Woher soll's ich dann wissen?

Okay. - Okay? Danke. Und bitte.

*Atmet tief durch*

Glück...

Was wird mein Glück sein?

Was für eine glückliche Frau soll aus der kleinen Antigone werden?

Welche Niedrigkeiten werde ich Tag für Tag begehen müssen,

Um dem Leben mit den Zähnen ein kleines Fetzchen Glück zu entreißen?

*Flüstern unverständlich*

(Barbara) Wen werde ich belügen,

Wem falsch ins Gesicht lächeln und an wen mich verkaufen müssen?

Bei wem muss ich mich abwenden und ihn sterben lassen?

(Laut) Nein, ich bin nicht still!

(Frau) Ich bin drin! - (Frau 2 jubelt.) Ja! Krass!

(Frau 3) Ciao. - Ciao.

*Kinderlachen*

*An der schönen blauen Donau/ Johann Strauss*

*Walzer-Musik*

*Zuschauer lachen*

*Zuschauer flüstern unverständlich*

(Junge) Schau, Papa, der hat dem an den Hintern 'griffen.

(Clown) Das gibt's ja gar nicht! Also... Frechheit!

*Publikum lacht*

(Junge) Naa, i mag ned tanzen.

(Frau) Ich, ich!

*Barbara lacht*

Ja, okay.

*Walzer-Musik spielt weiter* *Barbara lacht*

*Münzen klimpern*

*Kinder lachen* (Publikum) Bravo! Bravo!

Puh, also studiert hab i in Paris, und dann

Spezialisierung in New York, Bogotá.

Dann 2 Jahre Pantomimen-Lehrgang in London.

Und dann gibt's noch die Abschlussprüfung

Zum zertifizierten Artisten. Ja.

(Barbara, erschlagen) Wow.

Naa,

Man stellt sich vor die Leut' und behauptet, man ist einer,

Ein Clown.

Okay, aber wie wird man das beruflich?

Man stellt 'nen Schuh dazu

Und hofft, dass die Leute Geld reinwerfen.

*Beide lachen*

Suchst du zufällig eine Partnerin?

Also für Clowns, für Auftritte.

Ah so.. *Räuspert sich*

Also normal mach i das alles eher allein.

Okay, ja.

Naa, aber wart einmal.

I hab nächsten Monat einen Auftritt in einer Schule vor Kindern halt.

Ein bissl herumblödeln, zum Geld verdienen.

Ist ganz was anderes als das vorher, aber ist auch lustig und...

Könnt i mir schon vorstellen, dass i noch einen zweiten Clown einbau.

Eine Clownin. - Wirklich?

Ja. Wenn du magst.

Würdest du das machen? - Voll gern!

Echt? - Ja, voll gern!

Also wenn's... - Ja! Ja, voll, aber...

Wir müssen dann schon viel proben.

Ich hab Zeit. - Wirklich?

Voll viel Zeit. - Okay,

Dann geb i dir meine Visitenkarte. - Okay, passt.

(Barbara, lachend) Okay!

Rufst mich einfach an, da ist meine Telefonnummer.

Okay, Waldemar.

Ja, in Echt bin i der Heli. - Barbara.

Barbara. Servus, Barbara. - Freut mich.

Mich auch.

Ja, dann bis... bis gleich.

Bis gleich.

*Vogel zwitschert*

*Kinder lachen*

*Tür wird geöffnet*

Hallo, Barbara.

Schön, dass du doch gekommen bist. - Na klar.

Sagts ihr hallo zur Barbara? - (Kinder, durcheinander) Hallo!

Der Xaver, der hat was gemacht. Zeig mal, was du gemacht hast.

Das habe ich und der Thimo zusammen gebaut.

(Barbara) Oh!

Ihr habts ja immer gerne Bagger gespielt, gell?

(Xaver) Mhm.

Der ist also auch super. Danke.

(Junge, zaghaft) Stimmt das wirklich,

Dass die alle weggeschleudert sind?

(Edith) Ja, das stimmt, dass die alle weggeschleudert sind.

Gell, da haben wir geredet.

Das...

War ein schlimmer Unfall,

Der da passiert ist.

*Kind niest*

Und was hast du, Alex, was hast du mitgebracht?

(Barbara) Wow!

Das ist aber eine schöne Zeichnung.

Was ist da drauf?

Fini und der Thimo.

Fini und der Thimo? - Ja.

Aufm Regenbogen?

Ich hab von Fini geträumt, dass sie mir gesagt hat,

Sie geht ein Stück mit dem Thimo auf den Regenbogen mit

Und dann rutscht sie wieder zurück.

Und warum rutscht die Fini wieder zurück?

(Alex) Weil sie so klein ist.

(Barbara) Zeigst du mir das einmal?

Das schaut aber schön aus, Alex, das hast wirklich super gemacht.

Du hast geträumt, dass Fini wieder zurückkommt?

(Alex) Ja.

Dass sie nur auf der halben Strecke vom Regenbogen ist mit dem Thimo

Und dann wieder zurückkommt? - Mhm.

Danke, Alex, das ist voll die schöne Zeichnung.

Danke!

Schön hast du das gemacht.

Und danke für deine Geschichte und den Traum.

(Weinerlich) Danke, Alex, das ist total lieb von dir.

(Mädchen) Warum weint die Barbara?

Ich glaub das auch, dass sie wiederkommt.

*Barbara lacht*

Ich freue mich total über deinen Traum und über die Zeichnung, danke.

*Schnauft laut*

*Schluchzt*

(Flüstert.) Fini.

*Dumpfe Rock-Musik*

*Laute Musik*

*Safe Tonight / Eagle-Eye Cherry* *Barbara singt mit*

♪ Tomorrow comes to take me away. ♪

♪ I wish that I, that I could stay. ♪

♪ Girl, you know I got to go. ♪

♪ Lord, I wish it wasn't so. ♪

♪ Save tonight and fight the break of dawn. Come tomorrow. ♪

♪ Tomorrow I'll be gone. Save tonight ♪

♪ And fight the break of dawn. Come tomorrow. ♪

*Dumpfe Club-Musik* *Barbara summt*

*Dose klappert*

*Stimmengewirr*

Servus. - Hallo.

Tobi. - Barbara.

Freut mich.

Ebenfalls.

Bist du öfter hier? Oder...

(Tobi) Ja, immer wieder mal.

Es ist halt immer Freitag. Weißt eh. Immer derselbe Scheiß.

Es ist voll, oder? Kommen wir heute noch rein?

(Tobi) Ja sicher!

Das Warten zahlt sich aus.

Immer derselbe Scheiß, aber weißt eh.

Okay.

Drinnen geht der Rauch auf. Wird ein geiler Abend.

(Barbara, lachend) Cool.

Gut schaust aus. - Danke, danke.

Du auch.

(Tobi) Danke.

Magst du mein Auto sehen?

(Barbara) Geht das? - Scheiß Mechanismus.

*Barbara lacht*

(Barbara) Das brauchen wir nicht.

Ich verhüt eh. - Ja?

(Barbara) Ja.

*Barbara stöhnt*

(Tobi) Warte.

(Tobi, wütend) Fuck!

Das ist... nicht...

(Tobi, genervt) Aaaah.

*Tobi keucht*

Das macht nix.

Das ist nicht schlimm, wirklich. - Ja.

(Tobi) Ah, fuck, Oida.

*Motor eines Fahrzeugs startet*

(Tobi) Ja, passt.

(Barbara) Echt, mach dir keinen Kopf. - Ja.

Passiert. - Ja.

(Tobi) Ja, vergessen wir es einfach, oder?

Passt.

Okay.

(Tobi) Ja, passt. Ich hau mich.

Ich hau mich, oder? - Passt.

Passt.

Passt. Ja, ciao. - Ciao.

Ciao. - Okay...

Passt.

Servus, gell. - Baba.

*Barbara lacht*

(Heli) Konzentration, Balance.

So. Und dann einfach nach vorne verlagern. Genau, super.

Ja. Jetzt stehst. Okay...

Jetzt konzentrierst du dich auf irgendeinen Punkt.

Kann i sein, muss aber ned. Kann auch die Wand hinter mir sein.

Und dann lasse i dich mal aus. - Okay.

Achtung. - Ja.

Geht?

*Barbara schreit*

*Poltern* (Barbara) Scheiße!

Das passt schon.

Schau, es geht wirklich nicht um Perfektion, es geht einfach darum,

Dass du was draus machst. Es geht darum, die Leute zu überraschen.

Dass die Leute lachen müssen, das ist das Geheimnis.

Ich glaube, es ist auch der Vorführeffekt.

Ja, es macht mich einfach nervös.

Okay, soll i rausgehen?

(Barbara) Umdrehen. - Umdrehen? Wirklich?

Ja, ich muss mal kurz alleine... Also, ohne dass du mich anschaust.

(Heli) Ich kann dich dann ned auffangen, gell?

(Barbara) Okay.

(Euphorisch) Ah! Ich hab's!

Wow! *Barbara lacht*

Bist du deppert!

Du bist ja ein Naturtalent! Ich ruf gleich beim Roncalli an,

Das ist ja Wahnsinn. Wirklich! Das ist ja unfassbar!

Das ist super.

(Heli) Jetzt wirf du mir einfach die zu. Ich werf's dir zu.

Hey, heppa! Hopp!

(Heli) Der Clown ist die unfertigste Figur, die es gibt.

Zum Beispiel bei den Sioux in Nordamerika, bei diesem Stamm.

Da hat es auch immer schon eine Clown-Figur gegeben, den Heyoka.

Der hat immer das Gegenteil von dem gemacht, was eigentlich gefragt war.

Wenn es zum Beispiel wahnsinnig heiß war,

Hat er seine Decke umgelegt und gefroren.

Wenn der Häuptling einen anderen Stamm angreifen wollte,

Hat er mit dem anderen Stamm Friedenspfeife geraucht.

Und seine Aufgabe in diesem Stamm war halt immer,

Den Leuten zu zeigen, es gibt immer eine andere Sichtweise.

Es ist nie perfekt, es ist nie das Eine richtig.

Das klingt sehr, sehr cool, muss ich sagen.

Und willst du das jetzt dein Leben lang machen?

Ja.

Auf jeden Fall. Für mich gibt es nichts anderes.

Also es ist einfach...

Clown sein...

Keine Ahnung, im Vergleich zur Schauspielerei

Ist das Besondere, dass man sein Leben lang an einer Figur arbeitet.

Und egal, was dir im Leben widerfährt,

Das kommt alles in diese Figur rein.

Und die wird von Jahr zu Jahr besser.

Und darum sind ja alte Clowns auch so faszinierend.

Weil wenn du einem alten Clown in die Augen schaust,

Da siehst du das ganze Leben.

Das ist schon ein bisschen mein Traum,

Dass ich mal so ein alter Clown bin.

*Harmonische, ruhige Musik*

*Musik klingt aus*

(Frau) Der zweite Punkt:

Sie müssen in einer hetero-normativen Beziehung sein.

Sie müssen also in einer gesunden Beziehung mit einem Mann

Und erfolglos bei der natürlichen Paarung sein.

Verheiratet oder in eheähnlicher Lebensgemeinschaft

Und gewillt ein Kind großzuziehen.

(Barbara) Aber wenn ich eine Beziehung hätte,

Dann bräuchte ich ja keine künstliche Befruchtung.

(Frau) Ja, das verstehe ich

Aber wir dürfen einen Kinderwunsch nur für Paare ermöglichen.

*Barbara lacht staunend auf* Okay...

Äh...

Die einzige Möglichkeit die ich jetzt hätte wäre,

Mich von irgendeinem Typen schwängern zu lassen?

Frau Pachl-Eberhardt, das Gesetz in Österreich

Benachteiligt klar alleinstehende Frauen beim Kinderwunsch.

Das ist nicht gerecht und es gibt Länder, die das anders...

Das kann doch nicht sein.

...aber wir können uns nicht über das Gesetz stellen. Tut mir Leid.

(Barbara) Ja, gut...

Danke. - Wiederhören.

Du musst nicht nach mir schauen.

Doch, Babsi. Muss ich.

Ich hab mir ur Sorgen gemacht.

(Gequält) Musst du nicht.

(Sabine) Muss ich nicht? - Nein.

Ja, es wäre trotzdem irgendwie cool, wennst erreichbar bleiben würdest.

(Barbara) Okay.

Okay? - Okay.

Okay. - Okay. Ja.

Was hast du eigentlich an?

Warst fort?

Ich war in der Disco.

(Sabine, ungläubig) In der Disco? - (Lachend) Ja.

Ich...

Darf ich das nicht? - Doch.

Ja, ich war einfach... ich...

Ich wollte so ein bisschen unter Leute

Und ich wollte mich ein bisschen ablenken. Deswegen.

Ja...

Kannst mich schon mitnehmen nächstes Mal.

Sorry, nächstes Mal sage ich dir Bescheid.

Bitte. - Gehen wir dancen.

Dann mache ich wieder den Wurm. - Mhm.

Das wär schön.

Bisschen wie früher.

Aber weißt,

Wennst jetzt wieder gerne unter Leute willst, dann...

Hannes und ich wollten nächste Woche essen gehen

Mit einem Freund von ihm.

Der Friedrich, ein Schauspieler.

Vielleicht magst du ja mit.

Friedrich, wie noch?

Friedrich Rauch. Kennst du vielleicht aus dem Fernsehen.

(Sabine) Der ist wirklich urlieb. Der...

Ich glaub, der würd dich gern kennenlernen.

Ah.

(Sabine) Ja.

*Lacht kurz auf*

*Atmet tief durch*

*Barbara summt*

(Barbara) Sabine hat mir erzählt,

Dass du mich gerne kennenlernen würdest.

Hast du? - Ja...

Ja... nein... doch. Schon. Ja.

Ich hab deinen Brief gelesen und...

Ich hab noch nie etwas gelesen, was mich wirklich so berührt hat.

Ich musste weinen. Es war...

Hat mich so zum Nachdenken gebracht.

Also... - Und an was hast du gedacht?

Naja, ich hab auch meine Reisen schon hinter mir.

Auch spirituell.

Reiki und...

Die Meridial-Technik,

Tantra, ja?

Weil ich mich ein Leben lang schon frage,

Was ist eigentlich das Schlimmste, was uns Menschen passieren kann.

Und ich glaube, es ist die Einsamkeit.

Das Verlassensein.

Wenn du dich umschaust und deine Liebsten sind nicht mehr da.

Ich habe mich immer gefragt, wie kann man es schaffen...

Wirklich damit umzugehen? Dass man nicht zum Alkoholiker wird, oder...

Drogen, Selbstmord...

Und..

Dann lese ich deinen Brief,

Wie du schreibst was du erlebt hast

Und wie du damit umgehst.

Ich bin auch dankbar, dass du deine Geschichte

Mit der Öffentlichkeit geteilt hast. Das ist...

(Barbara) Das mit der Öffentlichkeit, war eher ein bisschen unabsichtlich.

Ach so? - Ja, ich wollte den Brief eigentlich

Nur an meine Freunde schicken, also an alle in meinen Kontakten.

Und da war halt auch eine Journalistin dabei,

Die mich dann gefragt hat, ob sie das drucken kann.

Ich bereue es jetzt so ein bissl, aber...

Also egal, wie es dazu gekommen ist, aber wirklich, ähm...

Danke,

Dass du deinen Schmerz mit der Welt teilst, ja. Weil...

Das hilft.

Es hilft auch mir, mit meinen Schmerzen umzugehen, ja?

Was denn für Schmerzen?

Also ich bin in meinem Leben auch äh, durch...

Die Dunkelheit gegangen, sage ich mal.

Auch beruflich. Ich habe ja Mörder und Vergewaltiger gespielt.

Also wirklich... ähm...

Und in der Kunst: Kunst und Schmerz, das ist schon...

Einfach sehr, also...

Das gehört irgendwo auch zusammen.

(Hannes) Wollen wir mal was zum Essen aussuchen?

(Friedrich) Ja, doch, Essen. *Friedrich räuspert sich*

(Sabine) So, Friedrich,

Wie ist denn das, als berühmter Fernseharzt?

Wirst du dann oft angesprochen? - Ja, passiert schon immer wieder.

(Hannes) Sagen sie "Herr Doktor" zu dir?

Passiert auch, neulich hat mich wirklich im Supermarkt

Eine ganz nette Frau angesprochen, ob ich mir ihren Ausschlag anschaue.

(Sabine, erstaunt) Was?

(Hannes, lachend) Und, hast du ihr dann was verschrieben?

(Friedrich) Ja. Strengste Diät, Fernseh-Verbot.

*Sabine und Hannes lachen*

Ich find das wirklich schön,

Dass ich dir bei deinem Schauspieler-Schmerz helfen kann.

Dann war das wenigstens für irgendwas gut.

(Sabine) Babsi, das hat er doch nicht so gemeint.

(Barbara) Ich weiß.

*Barbara prustet* Ich kann das gerade nicht.

(Sabine) Babsi, warte!

Babsi, warte bitte.

(Barbara) Nein, es passt schon Sabine.

Bitte bleib stehen. - Es war einfach eine blöde Idee.

Komm, ich kann dich auch heimfahren. - Nein, Sabine, es passt schon.

Wirklich,

passt schon. - Babsi...

Der hat das nicht so gemeint.

Der... der wird manchmal nervös und dann ist er komisch,

Das ist halt ein Schauspieler, aber...

(Leise) Ich weiß.

(Flüstert) Sabine, sie will wieder zurück.

Was?

Wer?

Babsi, was meinst du jetzt damit?

Ich muss jetzt wirklich... Ich muss schlafen gehen.

(Sabine) Ich kann dich fahren. - Nein, es passt.

*Motor startet*

*Barbara lacht leise*

*Mausklick*

*Mausklick*

(Thimo) Ja, die Mama duschen!

(Heli) So schön, das Wasser auf meiner Haut!

*Heli macht lustige Laute*

(Heli) Nicht spritzen!

Bitte nicht mich anspritzen!

Also, das ist ja unerhört! *Thimo und Fini lachen*

Das kann's ja gar ned sein!

Oh, das ist aber angenehm.

(Thimo) Warum ist hier so viel Gras drin?

*Barbara lacht und schluchzt* (Heli) Weil das ein Wiesenbad ist.

Ah, da ist ja wer drin mim Papa.

*Barbara lacht*

(Heli) Hast du dich selber angespritzt?

(Thimo) Nicht mich! *Heli macht lustige Laute*

*Thimo und Fini lachen* *Emotionale Streichmusik*

(Heli) Warum lacht denn er so? Duschen wir euch?

*Barbara atmet tief ein*

*Thimo lacht* *Lachen verstummt*

Was...?

(Thimo) Ja, die Mama duschen!

(Heli) So schön, das Wasser auf meiner Haut!

(Heli) Also, das ist ja unerhört! *Thimo und Fini lachen*

*Barbara lacht*

*Kinderlachen*

Was kann man denn damit noch aufblasen?

(Durcheinander) Nicht in den Mund!

(Mit quietschiger Stimme) Ich bin doch kein Ballon,

Warum machst du so was mit mir?

(Mit hoher Stimme) Du klingst aber wie einer.

Ich glaube, ich muss dich noch mehr aufblasen.

(Verneint) M-m! - Ja, du bist ein bissi schlapp.

Bleib stehen. - Nein, nein. Aaah! Oh, oh, oh...

Noch mehr aufpumpen!

*Poltern*

(Barbara) Ich will Clown werden.

Wirklich? - Ja!

Ja. Ich mein, du bist eh schon einer, aber...

(Barbara) Wie mache ich das?

Du musst deine Figur finden.

Was für ein Clown wärst du denn gern?

*Schulglocke geht*

(Nachdenklich) Ähm, was für ein Clown?

Ich weiß nicht. Was...

Ja, was... Was kann dein Clown?

Er kann vielleicht...

Was kann der?

(Schweizerdeutsch) Ein bisschen Schwyzerdütsch reden?

Vielleicht? Ja? - Ja, das ist super.

Reicht das? - Das ist... Das ist super.

Na gut.

(Heli) So, da stellen wir die Kisten her. Passt, genau.

Gut.

Hereinspaziert.

(Barbara) Du sperrst nicht ab? - Ach, was willst denn da stehlen?

Meine Clownsschuhe in Größe 91?

*Barbara lacht*

(Heli) Das hier ist der Salon.

Da drüben ist die Kuchel.

Von da hat man einen Ausblick auf die Skyline von Graz.

Toll. Beeindruckend.

Und da hinten das ist mein Wellnessbereich.

Das ist, wie man sehen kann, dem Wuzel sein Reich.

Da hinten ist der Abort.

Und das da...

Ist das Kinderzimmer.

Ah ja.

Ja, schön.

Nur, wenn wir mehr als ein Kind haben wollen, wird es ein bissl eng.

Das war ein Witz.

Wie viele Kinder willst denn haben? - Nein, ich weiß gar nicht,

Ob ich Kinder will. Das war ein blöder Witz.

(Heli) Ich hätte nämlich gern fünf.

Was willst du bitte mit fünf Kindern?

I hab fünf Lieblingsnamen. Die tät i gerne verteilen.

Welche sind das?

Paul, Maja, Valentina, Rudolf, and Moritz.

Na dann fangen wir an, oder?

(Heli) Mit was?

Hmm...

Na, mit Paul.

*Barbara kichert*

(Heli) Geh'ma ins Schlafzimmer?

Ach so, ja da hinten, das Sofa, oder? - Ja.

*Tiefes Motor-Surren nähert sich und stoppt*

*Auto-Tür schlägt zu*

*Schritte nähern sich*

Barbara? *Schrecklaut*

Entschuldige. - Oh Gott.

Ich wollte dich nicht erschrecken. - Was was machst du da?...

*Friedrich räuspert sich* Ich... ähm...

Wie ich mich an dem Abend verhalten habe und was ich gesagt habe, ja,

Dass ich deinen Brief und was du erlebt hast,

Dass ich das auf mich bezogen habe.

Und was ich über den Schmerz gesagt habe.

Es ist mir wirklich sehr unangenehm

Und es war nicht in Ordnung und es war dumm und...

Ich möcht mich dafür entschuldigen.

Es tut mir leid. Wirklich.

Okay.

(Friedrich) Ja, gut.

(Friedrich) Jup...

Fast.

(Angestrengt) Uah! Gott.

(Barbara) Muss der Alpenarzt nicht Holzhacken?

Nein, in meiner Praxis gibt es Fußbodenheizung.

(Barbara) Aaah!

(Friedrich) Machst du das den ganzen Tag?

(Barbara) Ja, wer denn sonst?

*Holz fällt auf den Boden*

Du hast zwei Kinder, oder?

Ja.

Zwei Jungs.

(Barbara) Wie alt?

Zwölf und fünfzehn.

Und wie ist es, also wie macht ihr es?

Was meinst du? - Also siehst du sie oft, oder?

Nein.

Das tut mir leid.

Und würdest du noch mehr Kinder wollen?

Also wenn du jetzt jemand Neues kennenlernst, oder so.

Weiß nicht.

Hab noch nicht drüber nachgedacht.

Und du?

Willst du noch mal Kinder haben?

Ja.

(Barbara) Danke.

Holz hier zum Ofen. Danke.

Magst du einen Tee? - Ja, gerne.

*Wasser plätschert*

(Friedrich) Schön hast du es hier.

Danke.

Grüezi.

(Friedrich) Wow. Hallo.

(Schweizerdeutsch) Grüezi, die Barbara, die hat mir gesagt,

Dass Sie gerne die Heidi kennenlernen würden.

(Friedrich) Oh ja, gerne, unbedingt.

Ja,

Bitte sehr, Heidi Appenzeller.

Friedrich Rauch, mein Name.

(Erschrocken) Oh, nein!

(Hysterisch) Sie sind, Sie sind der!

Ja, Sie sind doch dieser, der, der, der Doktor,

der am Berg oben!

Ich war's. - Der Berg-... Nein,

Der Alpen-Doktor! Alpen-Arzt!

(Aufgeregt) Was.. Ich...

*Friedrich lacht*

(Heidi) Das ist ja nicht zu glauben,

Der Alpen-Arzt bei mir im Haus!

Außer Dienst, Praxis ist geschlossen.

Praxis ist geschlossen? - Ich habe die Lizenz abgegeben.

Das ist aber sehr schade, weil,

Wissen Sie,

Ich bräuchte nämlich einen Arzt.

Oh je. - Ja...

Oh je. - Ja!

Ich habe nämlich wirklich seit einigen Tagen,

Fast schon Wochen,

Hab ich so Schmerzen in der Brust.

Tut mir leid.

Oh! Jetzt hat's mich schon wieder erwischt.

Es ist wirklich, es ist schrecklich, es ist so ein Stich.

Morgens, mittags und abends!

Manchmal auch nachmittags, zwischendurch beim Kaffee.

Ja, da sticht es mir hier so. *Heidi ächzt*

(Gequält) Uh! Ich glaube wirklich... *Heidi ächzt*

Ich glaube, Sie müssen mir helfen, Doktor!

Aber Sie haben doch so einen Kodex abgelegt, oder nicht?

(Streng) Sie sind aber ein lauwarmer, ein halberter Doktor, oder was?

*Heidi hustet*

Ich bin hier wirklich am Krepieren schon fast!

Ja, Frau Appenzeller, ich grüße Sie.

Ich grüße Sie sehr.

Schön Sie zu sehen.

Fesch, fesch, fesch.

Ooooh! Danke, Alpen-Arzt. - Ich war schon auf dem Weg

Raus aus der Praxis, aber für Sie habe ich immer Zeit.

Bitte, treten Sie ein in die schöne Stube.

Danke.

Oh, ist aber eine schöne Ordination.

Wo tut es denn weh, Frau Appenzeller?

Ja...

Da. - Hm.

Dürfte ich Sie einmal abhören? - Aber selbstverständlich.

Das ist wirklich so ein Stechen.

Einmal aufhören zu reden, bitte, und tief Luft holen.

(Friedrich) Mhm. Husten.

*Hustet*

So?

Wunderbar.

Das ist alles sehr unbedenklich. - Was habe ich...

Was habe ich, Herr Doktor?

(Friedrich) Da auch der Herzrhythmus.

Ja, da.

(Friedrich) Wunderbar.

Alles ganz unbedenklich.

Ich habe aber nicht das Gefühl. Irgendwas stimmt nicht.

Spüren Sie das?

Da.

Nein.

(Flüstert.) Barbara...

Ich glaube nicht, dass das gut ist, oder?

(Barbara, ernst) Was willst du von mir?

Ich glaube einfach...

Nein, also wirklich...

Was, was willst du?

Jetzt verschlägts dir die Sprache, oder was?

Redest ja sonst ganz gerne.

Ist besser, wenn ich gehe, oder? - Ja.

Barbara, ich kann auch bleiben.

Nein, geh. Ich hab keine Zeit zu verlieren.

(Friedrich) Okay. Dann...

*Barbara seufzt*

*Heitere Gitarren- und Keyboard-Musik*

*Tür fällt ins Schloss*

*Schau Schatzi (Album Version) / Georg Danzer, Wolfgang Ambros*

♪ Schau, Schatzi, I weiß doch eh, ♪

♪ Dass i bei dir auf der Seif' steh. ♪

*Musik spielt entfernt weiter*

(Barbara) Ich liebe unsere Eheringe.

(Heli, verträumt.) Mhm.

♪ Weil auf der Seif' bin i z'haus. ♪

♪ Schau, Schatzi, mir... ♪

(Heli) Ich bin so stolz auf dich, Pachlowitsch.

Ich glaube...

Du wirst die beste Mama von der ganzen Oststeiermark.

*Beide lachen*

(Flüstert) Und du der beste Papa.

*Schwermütige Streichmusik*

(Heli) Und was ist mit mir? - Du auch!

Danke, Mama.

*Von Streichmusik übertönter Gesang und Gelächter*

Alles Gute zum Hochzeitstag! *Laute Hupe*

(Barbara schreit.) Nein!

(Heli) Seid ihr verrückt?

(Barbara) Wie schön! - (Heli) Die sind ja deppert!

(Heli) I kann eh voll gut Einrad fahren.

Wirklich?

(Heli, mit tiefer Stimme) Ich bin die Riesen-Raupe.

*Weiterhin schwermütige Streichmusik*

*Musik klingt aus*

*Handy klingelt*

*Handy klingelt weiter*

Hallo, Friedrich.

(Friedrich) Hallo, Barbara.

Ich wollte mal hören, wie es dir geht.

Ah... Gut.

Dir?

Auch. Auch gut.

Ja... Ich wollt mich einfach nur mal wieder melden.

Bin...

Bin recht viel alleine grad.

Ja...

Ich fühl mich auch bissl allein.

Nicht so schön. - Ja.

Brauchst du was?

Also...

Bisschen Brennholz vielleicht? *Friedrich räuspert sich*

Was?

Ob du was brauchst, Brennholz vielleicht?

Ähm ja. Kann ich immer brauchen.

*Grillen zirpen* *Hund bellt entfernt*

*Motor brummt*

*Fahrzeugtür schlägt zu*

*Barbara räuspert sich* (Friedrich) Hey.

Hey.

(Friedrich) Da beim Trommeln? - Ja, trommeln...

Ein Wildfang, ein kleiner.

Sie war kein leises Kind.

(Lachend) Sie schaut süß aus...

Der Thimo.

Der Heli.

Der hat immer so Pullover an, ne? - Ja, ja ja!

Vom Flohmarkt, oder was? - Ja, genau. Immer vom Flohmarkt.

Er hat Einkaufen gehasst.

Deswegen hat er die Teile auch jahrelang angehabt.

Ja, er kann es tragen, oder? - Ja, ja.

Den hat er, glaub ich, wirklich... Ich habe ihn kennengelernt in dem.

Den hatte ich eh heute in der Hand.

Ich habe so ein paar Sachen aussortiert.

Und bin auf lauter Lieblingsstücke gestoßen.

Ich brauch die nicht mehr. Also, wenn du sie haben willst...

Sonst würd ich sie verschenken.

Schau.

Das ist das Lieblingspulli-Sortiment. *Barbara lacht*

Da ist er eh.

Ja, das ist er. - Ja, genau.

Ja.

Darf ich?

Ja.

*Reißverschluss surrt*

Bisschen groß vielleicht.

*Barbara atmet tief durch*

*Barbara seufzt leise*

(Flüstert) Oh, Heli.

Warum hast du den Zug ned g'sehen?

(Friedrich, leise) Die Sonne hat geblendet.

Und ich konnte es...

Ich konnte nichts erkennen.

Und warum hast du das Signalhorn nicht gehört?

Es war ganz laut im Auto.

Wir haben Musik gehört.

(Barbara) Mhm. - Und gesungen.

Old Dan Tucker, oder?

Ja.

(Barbara) Mhm.

Ganz laut?

Ja.

(Barbara) Haben die Kinder mitgesungen?

Ja.

*Barbara lacht*

Gut.

Du fehlst mir.

*Barbara seufzt*

*Spielzeug rasselt*

Willst alles weggeben? Oder magst noch was behalten?

(Barbara) Nicht alles, aber den Großteil schon.

Ah, den nicht, der g'hört der Fini.

Der Hase? - Ja, das ist ihr Lieblingsstofftier.

*Handy klingelt*

Da muss ich kurz mal rangehen, ja?

(Barbara) Mhm. - Hallo, Lena.

Ja, ja, hab schon gehört.

(Friedrich, entfernt) Vorstellungen habe ich Siebter, Zehnter

Und Dernière am Vierzehnten.

Ja, ist kein Problem. *Barbara schluchzt*

(Friedrich) Jaja. Leseprobe, Elfter, Zwölfter, ist okay.

Hat sich der Produktionsleiter gemeldet?

*Barbara atmet hastig*

(Friedrich) Jaja, mhm... Gut.

(Barbara, gepresst) Nein, nein, nein, nein. Nein!

(Schreit) Nein!

(Friedrich) Barbara? Barbara!

(Barbara schreit.) Nein, nein, nein. Nein, lass mich!

Barbara! Was ist los?

Ich bin da.

Was ist los? - Nein!

(Schreit) Was fällt dir ein?

Einfach zum Telefonieren gehen,

Wenn ich die Sachen von meiner toten Familie...

Es tut mir leid, okay? Es tut mir leid.

(Schwach) Ich kann's nicht, ich halt's nicht aus.

Es tut so weh, es tut so weh.

Es tut so weh!

*Barbara atmet hastig*

(Barbara) Schlaf mit mir.

Schlaf mit mir. - Nein, nein, nein.

Barbara, stopp.

Stopp. - Ich will die Fini wiederhaben.

Barbara, stopp! Hör auf. Nein, hör auf!

Stopp!

Du kannst die Fini nicht wiederhaben.

Doch!

Doch, ich weiß es, ich weiß...

Doch.

(Friedrich) Okay, die Fini ist weg, Barbara.

Nein! Nein, die Fini...

Die Fini...

Die will wiederkommen.

Doch. - Nein.

Doch.

Doch.

Doch... doch...

Doch.

*Barbara brüllt laut* Stopp! Stopp, bitte, stopp.

*Barbara verstummt*

Barbara. Der Thimo ist tot.

Und der Heli ist tot.

Und die Fini ist tot.

Und die kommen auch nicht mehr wieder.

*Barbara schluchzt*

*Vögel zwitschern*

Du kannst jederzeit gehen, gell?

Willst du, dass ich gehe?

Nein.

Dann bleibe ich.

Ich wünsche manchmal, ich wäre wirklich die Heidi Appenzeller.

*Barbara lacht*

Ja, weil die wüssts...

Die wüsst, was tun.

*Stille*

*Tiergeräusche, Umgebungslärm*

*Heidi seufzt*

Tja.

(Heidi) So.

*Heidi lacht*

*Sanfte Ziehharmonika-Musik*

(Frau) Sie sind dran.

(Frau) Gut. Die drei Nummern schaffen wir noch vor der Pause...

(Heidi) Grüezi.

(Mann) Grüß Gott.

(Schweizerdeutsch) Ich bin die Heidi Appenzeller.

Ich bin von weither angereist.

Hab was mitgebracht.

*Ein Mann lacht*

(Heidi) Schön schauen Sie aus.

Und wichtig.

Sehr wichtig.

Gut.

Ich habe ein bisschen Extragewicht auch mitgebracht,

Aber ist gut fürs Gleichgewicht, habe ich mir sagen lassen.

So.

*Ächzt*

So...

So.

*Spannende Ziehharmonika-Musik* *Barbara tritt auf das Brett*

(Ernst) Keine Angst.

*Musik wird hektisch*

*Musik wird langsam und spannend*

*Trommelwirbel*

*Heidi atmet angestrengt*

*Heidi ächzt angestrengt*

*Heidi keucht*

*Musik stoppt* *Heidi schnauft hastig und lacht*

*Emotionale Streichmusik blendet ein*

*Emotionale Streichmusik spielt weiter*

*Musik blendet aus*

Untertitel: Bewegte Bilder Medien GmbH, 2025

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